Bücher mit dem Tag "euthanasie"
39 Bücher
- Jussi Adler-Olsen
Verachtung
(940)Aktuelle Rezension von: til_tomasko9Kurzbeschreibung:
Eine Frau verschwand spurlos in den 1980er-Jahren. Die Spur führt zu einem ehemaligen Heim für schwer erziehbare Mädchen und zu geheimen Programmen zur Zwangssterilisation. Parallel wird aus der Perspektive einer Frau erzählt, die in der Gegenwart unter falscher Identität lebt und verfolgt wird. Die Ermittlungen decken Verbindungen zwischen Politik, Medizin und Justiz auf.
Der Autor:
Ich bin ein absoluter Fan von Jussi Adler-Olsen und seiner Reihe um das Sonderdezernat Q. Sein Schreibstil ist unglaublich packend, und doch ist er sich nicht zu Schade mit etwas Humor zu schreiben. Ich würde wirklich gerne mal Einblick in sein Gehirn bekommen um zu verstehen wie er auf diese absolut abnormalen Fälle zu kommen. Er hebt sich definitiv von den meisten Krimiautorinnen und -Autoren ab und schriebt sich in eine eigene Liga.
Meine Meinung:
Ich bin sowieso ein absoluter Fan dieser Reihe, doch dieses Buch ist für mich von den bisherigen Fällen das Beste! Klar, es ist definitiv nicht für alle etwas, da es wirklich grausame Fälle sind. Nichts für schwache Nerven oder Hoffen auf ein Happyend. Doch für alle die etwas spezielles in der Krimiwelt suchen, ein absolutes Muss zu lesen. Ich empfehle jedoch stets die Reihe in der chronologischen Reihenfolge zu lesen und dieses Buch eben als 4.Band zu lesen, auf den man sich definitiv freuen kann. Ich freue mich schon auf den 5.Band der Reihe!
- Susanne Abel
Was ich nie gesagt habe
(299)Aktuelle Rezension von: Stephan_Buttgereit„Was ich nie gesagt habe“ setzt die Geschichte der Monderaths nicht einfach fort, sondern verschiebt den Blick. Mit Henks Auftauchen und der Suche nach dem verstorbenen Konrad wird aus Toms Gegenwart eine Familienarchäologie: Wer gehörte zu wem, wer wurde verschwiegen, und wie lange überdauert eine Entscheidung aus der Nachkriegszeit die Menschen, die sie getroffen haben? Susanne Abel kann historische Gewalt in konkrete Lebensfolgen übersetzen. Der Roman ist dort am stärksten, wo Gretas Demenz nicht bloß als dramaturgisches Hindernis funktioniert, sondern als schmerzhafte Form von Erinnerung: Vergangenes ist da, aber nicht verlässlich verfügbar. Auch Konrads Geschichte gewinnt an Kontur, ohne ihn vorschnell zu entschuldigen.
Der zweite Band folgt in seiner Konstruktion allerdings sichtbar der bewährten Dramaturgie des Vorgängers. Manche Enthüllung hat etwas von der Mechanik eines sorgfältig angelegten Familiengeheimnisses, und nicht jede Gegenwartsszene besitzt dieselbe Kraft wie die Rückblenden. Trotzdem bleibt ein kluger, zugänglicher und berührender Roman über Schuld, Zugehörigkeit und die Arbeit am Ungesagten. Schwächer als der erste Teil, da abgenutzter.
- Ellen Sandberg
Die Vergessenen
(307)Aktuelle Rezension von: FornikaAls ihre Tante Kathrin mit einem Schlaganfall auf der Intensivstation landet, entdeckt Journalistin Vera in deren Unterlagen Brisantes aus der Vergangenheit. Sie beginnt zu recherchieren und kreuzt dabei die Wege von Problemlöser Lefteris. Eine Jagd um die Unterlagen und die Wahrheit beginnt.
Sandberg hat für ihre Krimihandlung einen sehr ernsten Hintergrund gewählt, der mich beim Lesen immer wieder neu betroffen gemacht hat. Ich mochte die Perspektivwechsel zwischen Vera, der jungen Kathrin und Manolis, denn so konnte der Fall und die Motive dahinter umso besser beleuchtet werden. Mir hat besonders gefallen, dass die Figuren nicht alle in gut-böse eingeteilt waren, sondern jede eine gewisse Ambivalenz aufweist. Gerade Kathrin fand ich sehr interessant, ihre Motive sind nachvollziehbar und jeder darf sich fragen, wie er in entsprechender Situation gehandelt hätte. Sandberg erzählt spannend, trifft aber auch in heiklen Situationen den richtigen Ton. Mir hat der Roman gut gefallen, auch wenn ich den Handlungsstrang um Manolis manchmal etwas umständlich fand.
- Uwe Timm
Ikarien
(16)Aktuelle Rezension von: kaelleRomane über den Zweiten Weltkrieg gibt es viele. Dieser hier ist keiner davon. Stattdessen werden hier quasi eine Geschichte vor dem Krieg und eine danach erzählt.
Letztgenannte bildet die Rahmenhandlung. Ein Amerikaner wird kurz vor Kriegsende nach Deutschland geschickt, wo er schließlich den Befehl erhält, den Assistenten bzw. Freund eines Rasse-Eugenikers zu befragen. Diese Rahmenhandlung hat mir am besten gefallen, erhält man doch einen ungewöhnlichen Blick auf die Tage kurz vor und kurz nach Kriegsende - und zwar aus der Sicht eines Amerikaners.
Die Gespräche mit dem oben erwähnten Assistenten bilden den zweiten Handlungsstrang. Darin wird versucht zu erklären, wie es so weit kommen konnte, dass besagter Rasse-Eugeniker zum Rasse-Eugeniker wurde. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Kommune Ikarien, deren Ziele beide begeistern. Dort, in der amerikanischen Wildnis, wollten Idealisten die perfekte kommunistische Gemeinschaft errichten. Dieser Handlungsstrang ist im Vergleich zum anderen eher langatmig erzählt. Obwohl er viele spannende Gedanken enthält, hat er mich nicht so stark gepackt.
- Volker Dützer
Die Unwerten
(45)Aktuelle Rezension von: Claudia107Klappentext: "Frankfurt am Main, 1939. Die vierzehnjährige Hannah bricht vor ihren Mitschülern in einem Krampfanfall zusammen. Bisher war es ihr gelungen, ihre Epilepsie zu verheimlichen, doch jetzt meldet ihr linientreuer Lehrer sie bei der Obrigkeit. Hannah gerät ins Visier des NS-Terrorapparates, denn die Nazis haben sich zum Ziel gesetzt, alles „lebensunwerte Leben“ zu vernichten. Hannahs Schicksal liegt nun in den Händen des Gutachterarztes Joachim Lubeck, einem gewissenlosen Opportunisten, der für seine Karriere über Leichen geht."
Dieses Buch wollte ich unbedingt lesen, eigentlich schon vor längerer Zeit und jetzt habe ich es endlich getan und absolut nicht bereut. Dieser Roman ist durch seinen historischen Elementen mit dem Thema "Euthanasie" im Dritten Reich wahnsinnig spannend. Hannah, die Protagonistin, ist eine starke Persönlichkeit und sie entwickelt sich in dieser Geschichte unglaublich, obwohl sie dem Tod nicht nur einmal ins Auge schaut. Okay, vielleicht hat sie etwas sehr viel Glück, aber gibt es sowas nicht manchmal wirklich?!
Der Autor hat hier einen wirklich spannenden Roman geschrieben, eine aufwühlende Zeitreise in das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte, die mich absolut packen konnte. Auch wenn man das Buch nicht an einem Stück liest (ich persönlich habe fast 4 Wochen gebraucht) bleiben einem die Mitwirkenden im Gedächtnis hängen und man ist sofort wieder mittendrin im Geschehen.
Auch das Nachwort des Autors war wirklich unglaublich interessant, denn er hat auch Daten von Zeitzeugen mit in diesem Roman verarbeitet und hatte persönlich Skrupel überhaupt über das Thema Euthanasie zu schreiben. Ich bin froh, dass er es getan hat, denn dieses Buch ist absolut lesenswert und zudem auch noch unglaublich spannend. Es gibt sogar einen 2. Teil über die Protagonistin Hannah Bloch und ich bin jetzt total angefixt diesen kennenzulernen.
- Laura Baldini
Aspergers Schüler
(51)Aktuelle Rezension von: HopeandliveWir befinden uns in Wien im Jahr 1926. In der Universitätskinderklinik in Wien herrscht Aufbruchstimmung. Dort behandeln Ärzte und Psychologen Kinder, die im Bereich Autismus erkrankt und eingeschränkt sind. Für die Ärzteschaft dieser Zeit war das ein revolutionärer Ansatz, denn anstatt die Kinder mit Medikamenten ruhig zu stellen, erkannten einige wenige, darunter der bekannte KInderarzt Dr. Asperger, dass diese Kinder über ganz bestimmte Fähigkeiten verfügten und es galt den Schlüssel dazu zu finden. Jedoch war er einer der wenigen und schon die damalige medizinische Bezeichnung "autistischer Psychopath" lässt tief blicken und einiges erahnen. Wien befand sich einer speziellen Lage damals und die Schatten des Dritten Reiches und seiner willigen Helfershelfer waren schon zu sehen, für die, die sehen wollten.
Im Jahr 1932 kommt ein Junge namens Erich mit acht Jahren in die Uniklinik. Erich benimmt sich sehr auffällig, reagiert extrem auf äußere Reize und ist dennoch in der Lage komplizierte mathematische Aufgaben zu lösen. Dr. Asperger nimmt sich des Jungen an und auch Schwester Viktorine hat diesen Jungen ganz besonders ins Herz geschlossen und findet einen Schlüssel mit ihm zu kommunizieren. Doch auf Frauen und Krankenschwestern im besonderen wurde damals nicht gehört. Ebenso greifen die Warnungen der jüdischen Ärzte dort wie des bekannten Neurologen Dr. Frankl nicht und immer mehr Ärzte sehen sich gezwungen aus Österreich auszuwandern. Viktorine bewundert Dr. Asperger, der ähnliche Züge aufweist wie seine kleinen Patienten, doch verschließt lange ihre Augen vor seinem Arrangement mit den neuen NS-Machthabern und ihren Plänen mit diesen besonderen Kindern. Erich gerät mehr und mehr in Gefahr....
Im Jahr 1986 macht sich die junge englische Studentin Sarah auf den Weg nach Wien um an ihrer Doktorarbeit an der Wiener Universität zu der Arbeit von Dr. Asperger zu recherchieren und zu schreiben. Auch sie verehrt Dr. Asperger und der Leser erfährt auch langsam, dass es dafür einen sehr persönlichen Grund gibt. Jedoch führen ihre Recherchen sie in eine ganz andere Richtung als gedacht und Sarah erfährt durch den angehenden Journalisten Stefan einiges über die Klinik am Spiegelgrund und warum es für viele Kinder mit Einschränkungen die letzte Station ihres Lebens war. Ihr Idol Dr. Asperger wird mehr und mehr vom Sockel gestürzt und ihre Recherchen bringt sie mit Menschen zusammen, die diese dunkle Zeit mit allen Verlusten, die sie mit sich brachte, noch erlebten und sie erfährt etwas über Erich.....
Laura Baldini hat einen ganz außergewöhnlichen Roman über Wien damals und heute geschrieben und sie gibt diesen ungesehenen und ungeliebten Kindern von damals ein Gesicht. Es ist schrecklich wie zu dieser Zeit mit dem sogenannten "unwerten" Leben umgegangen wurde und wie wenig Menschen sich auf ihre Seite stellten. Da drängt sich mir der Vergleich mit unserer Gegenwart heute auf, in der Abtreibungen bist zum neunten Monat immer mehr Gehör finden und erlaubt werden, auch hier wird sogenanntes "unwertes" Leben einfach vernichtet. Für den Leser schwer auszuhalten und sich dennoch ein Beispiel an Menschen wie Viktorine zu nehmen, die im Stillen Widerstand geleistet hat und immer bestrebt war, es den Kindern so gut wie möglich zu machen. Ihre Rolle hat mich dennoch sehr beeindruckt. Zugleich versteht es die Autorin dem Leser die Stadt Wien einfach lieb zu machen und zählt so viele Orte auf, die ich schon besucht habe und vorhabe sie bei meinem nächsten Aufenthalt zu besuchen.
Sehr lesenswert!
- Mechtild Borrmann
Lebensbande
(175)Aktuelle Rezension von: mabuerele„...Fast dreißig Jahre wohnt sie hier oben. Im Kreiskankenhaus Kühlungsborn hat sie gearbeitet und im Schwesternwohnheim gewohnt, bis sie Gustav kennenlernte…“
Eine Frau erinnert sich im Jahre 1993 in Kühlungsborn an ihre Vergangenheit. Alle kennen sie unter dem Namen Lotte. Nur Gustav, ihr Mann, wusste, dass dies nicht ihr Name war.
Die Autoin hat einen bewegenden Roman geschrieben. Der Schriftstil ist gut ausgearbeitet. Er bringt die Problem auf den Punkt, indem er einerseits aus Lottes Gegenwart erzählt und andererseits in kursiver Schrift ihre Erinnerungen wiedergibt.
Im Mittelpunkt stehen die drei Frauen Lene, Nora und Lotte. Lene lebt 1931 auf dem Bauerngut ihrer Eltern nahe der niederländischen Grenze. Beim Tanz lernt sie den Schreiner Joop kennen. Doch ihr Vater wird deutlich.
„...Nachbarhöfe mit Söhnen gibt es genug. Du wirst schon einen finden, der dir gefällt…“
Als Lene stur bleibt, wird sie zu einer Tante geschickt, die ihr eine Stelle als Dienstmädchen versorgt hat.
Nora arbeitet als Kinderkrankenschwester in einer Heilanstalt. Ab 1936 merkt sie, dass es immer weniger Pflegekräfte gibt und die Kinder nicht mehr gefördert werden. Noch schweigt sie. Dann wird Leo, Lenes kleiner Sohn, in die Anstalt eingewiesen. Sehr subtil werden die Zustände beschrieben. Nora, die mit Lene verwandt ist, kümmert sich um Leo. Doch ihr Verhalten fällt auf. Fragen sind nicht erwünscht. Bevor sie als Krankenschwester nach Danzig abkommandiert wird, gelingt es ihr noch, Leo in Sicherheit zu bringen.
In Danzig lernt Nora Lieselotte kennen. Sie erleben, wie die Verhältnisse sich zuspitzen, je näher die Rote Armee rückt. Nach dem Krieg landen beide in einem russischen Gulag. Als Lotte auf der Liste derjenigen steht, die zurück in die Heimat dürfen, treffen beide eine ungewöhnliche Entscheidung.
Der Autorin gelingt es, die unterschiedlichsten Schicksale miteinander zu verknüpfen und so verschieden Facetten des Krieges und der Naziherrschaft in Erinnerung zu rufen. Es geht um Freundschaft und Mut.
- Robert Domes
Nebel im August
(60)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeEin sehr bewegendes Buch, das die Geschichte von Ernst Lossa erzählt.
Eine schockierende Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht.
Ernst Lossa wird von seiner Familie getrennt, kommt in ein Kinderheim.
Er klaut, gilt als schwer erziehbar und wird so von einem Kinderheim ins nächste gesteckt.
Irgendwann landet er in der Psychiatrie, obwohl er kerngesund ist. Doch er gilt als Psychopath.
Außerdem ist er ein Jenischer, ein "Zigeuner".
Und so wird er letztendlich ein Opfer der NS-Euthanasie. Er bekommt 1944 die Todesspritze verabreicht.
Es ist bestürzend, dass diese "Geschichte" wahr ist. Die Dialoge sind fiktiv, aber das ganze Gerüst drum herum ist wahr und macht es so grausig und schockierend.
Mich hat die Geschichte von Ernst Lossa tief bewegt als Beispiel von so unendlich vielen Opfern der damaligen Zeit.
Den Film habe ich noch nicht gesehen, möchte das aber noch nachholen.
Das Buch kann ich auf jeden Fall empfehlen! - Pierre Frei
Onkel Toms Hütte, Berlin
(67)Aktuelle Rezension von: Igelmanu66Ein amerikanischer Offizier stand mit einem Militärpolizisten und dem Fahrdienstleiter auf den Gleisen. Sie hatten die Tote neben die Schienen gebettet. Sie war blond und hatte ein schönes, ebenmäßiges Gesicht. Ihre blauen Augen starrten ins Nichts. Blutunterlaufene Strangulierungsmale kerbten sich in den zierlichen Hals. Klaus Dietrich deutete auf ihre Nylonstrümpfe, die kaum getragenen Pumps und das helle, modische Sommerkleid. »Eine Amerikanerin«, meinte er besorgt. »Wenn das ein Deutscher getan hat, gibt’s Ärger.«
Der weiblichen Leiche werden in Kürze weitere folgen. Als wenn es in diesem Land nicht schon genug Tote gegeben hätte, treibt nun auch noch ein Serienmörder im Sommer 1945 in Berlin sein Unwesen…
An diesem Buch steht Krimi dran, drin steckt aber noch viel mehr. Neben der Jagd auf den Serienmörder zeichnet der Autor ein umfangreiches und vielschichtiges Bild des Nachkriegs-Berlins. Außer den Problemen zwischen Besatzungsmächten und Bevölkerung werden auch viele Schwierigkeiten behandelt, mit denen die Menschen damals umzugehen hatten.
Die Art und Weise, wie das hier umgesetzt wird, ist ungeheuer intensiv und lässt den Leser immer ganz nah an den einzelnen Schicksalen sein. Konkret verfolgt man Werdegang und Leben jedes Opfers mit und trifft dabei unter anderem auf Themen wie Prostitution und Euthanasie. Zudem sind die unterschiedlichsten gesellschaftlichen Schichten vertreten, so dass mal eine Adlige im Fokus steht, mal eine Frau aus ganz ärmlichen Verhältnissen.
Apropos: Die akute Notlage der Menschen im Sommer 1945 wird natürlich ebenfalls behandelt, hier geht der Blick immer wieder auf den deutschen Ermittler Klaus Dietrich und seine Familie, speziell auf den 15jährigen Sohn.
Die Krimihandlung selbst ist spannend und gab mir reichlich Stoff zum Mitermitteln. Gut gefiel mir dabei, dass ich (obwohl ich schon früh eine Ahnung hatte, wer der Täter sein könnte) erst am Ende die kompletten Zusammenhänge erkennen konnte. Und sogar eine Überraschung gab es noch, wirklich gut gemacht!
Alles in allem hatte ich also viel Lesespaß, trotzdem aber auch einen Kritikpunkt. Als ich in einer anderen Rezi kritische Worte zu manchen Sexszenen las, musste ich zunächst schmunzeln. Aber als ich die Szenen dann selber las, den Kopf schütteln. So real alles andere in dem Buch wirkt (einschließlich diverser Vergewaltigungen nach dem Einmarsch der Besatzer), bei den „normalen“ Sexszenen scheint der Autor in einer Traumwelt zu leben, in der jede Frau ständig willig und lüstern ist und jeder Mann sooo toll! Ich fand das sehr schade, denn das ansonsten gute Niveau sank bei diesen Passagen leider ziemlich.
Fazit: Spannende Zeitgeschichte mit Krimi, wirkt sehr lebendig, intensiv und realistisch. Lediglich einigen Sexszenen würde eine Überarbeitung guttun.
- Amber & Berg
Pandora
(58)Aktuelle Rezension von: StephanusBerlin im Jahr 1948. Die Stadt liegt in Trümmern und das Leben beginnt sich wieder zu organisieren. So auch die Unterwelt, die rasch aus dem Mangel Kapital schlägt und Schieber gelangen zu großem Reichtum. Vor diesem Hintergrund muss der neu nach Berlin gekommene Kommissar Hans-Joachim Stein den Mord an einem Schieberkönig aufklären. Sehr bald merkt er, dass die Polizei selbst nicht immer auf dem Weg des Gesetzes geht und die neu gegründete Mordkommission Berlin West noch weit von einer normalen Polizeibehörde entfernt ist. Die Ermittlungen führen ihn in die Halb- und Unterwelt der Stadt und oft gerät Stein an eine Mauer des Schweigens. Als ein weiterer Mord passiert versucht sein Chef diesen zu vertuschen und Stein merkt sehr schnell, dass der Geist des Nationalsozialismus noch allgegenwärtig ist. Mit Hilfe seines Assistenten, an seinem Chef vorbei, gelingt ihm aber schließlich die Aufklärung der Verbrechen.
Die Handlung wird vom Autor im Berlin der Nachkriegszeit eingebettet. Dabei wird zunächst sehr detailreich die Stadt und die Situation der Stadt gezeichnet. Leider kommen die einzelnen Charaktere dabei ein wenig zu kurz und bleiben teils schemenhaft. Die Krimi-Handlung ist ordentlich konstruiert, leidet aber ein wenig an den vielen Orten, die beschrieben werden. Die Spannung hält sich dabei in Grenzen. Die Behandlung des Nationalsozialismus gerät dann ab der Mitte des Buches zu dominant und lässt die Krimi-Handlung fast in den Hintergrund treten. Das Buch war für mich daher leider nur Durchschnitt und es gibt andere Autoren, die den Spagat aus Krimi und Nazionalsozialismus in Berlin deutlich besser bewerkstelligt haben.
- Bezirk Oberbayern
Verdrängt: Die Erinnerung an die nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Edith Sheffer
Aspergers Kinder: Die Geburt des Autismus im "Dritten Reich"
(7)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDie amerikanische Autorin und Historikerin Edith Scheffer, die selbst einen autistischen Sohn hat, begibt sich auf Spurensuche nach Dr. Hans Asperger, dessen Name für einen Teil des Autismus steht.
War Asperger wirklich eine Art „Oskar Schindler“, der Kinder vor der Tötung des Euthanasie-Programmes der Nazis rettete? Oder war er vielmehr eines der zahlreichen Räder, die diese Tötungsmaschine aufrecht erhalten hat?
Asperger war streng gläubiger Katholik und nie Mitglied des NSDAP. Doch genügt das, um ihn von den Verbrechen der Nazis frei zu sprechen? War er nicht Nutznießer des Systems? Heute scheint es fast sicher, dass er zahlreiche Kinder durch eine positive Beurteilung vor dem Tod bewahrt hat, aber einige auch bewusst in den Tod geschickt hat. Dass er, Arzt an der Universitätskinderklinik nicht gewusst haben will, was in der Heilanstalt (was für ein Widerspruch) „Am Spiegelgrund“ vor sich gegangen ist, nimmt ihm keiner ab.
Deutlich wird auch durch dieses Buch, dass er sich (wie viele tausende Menschen dieser Zeit auch) einfach durchlaviert hat. Seine zwiespältige Rolle ist mit dem Wissen von heute anders zu bewerten, als damals. Ohne die Nazis hätte er niemals eine solche Karriere erreichen können. Er profitiert also davon, dass die jüdischen Ärzte aus Wien vertrieben bzw. getötet werden und eine Stelle für ihn frei wurde.
Neben Asperger kommen einige Ärzte, wie Dr. Heinrich Gross, in diesem Buch vor, bei denen es wirklich bewiesen ist, dass sie eigenhändig Kinder getötet haben.
Viele Kapitel widmen sich der Euthanasie und dem Vorgehen von Familien und Jugendämtern. Dass Mütter ihre Kinder (und vor allem Stiefkinder), mit denen sie nicht zurecht kamen, der Tötungsmaschinerie übergaben, ist kaum zu ertragen. Andererseits gab es Eltern, die ihr Kind, das ihnen von der Fürsorge abgenommen worden ist, unbedingt wieder haben wollten.
Interessant finde ich, dass zwischen ähnlichem Verhalten von Jungen und Mädchen Unterschiede gemacht wurden. Was bei einem Jungen toleriert und als „erziehbar“ gegolten hat, war für Mädchen ein Todesurteil.
Aspergers Einteilung in „lernfähige“ oder eben „nicht lernfähige“ Kinder, ist heute umstritten. Damals hat man versucht alles in Schematismen einzuordnen. Wer nicht einem Schema entsprach, wurde entweder passend gemacht oder aussortiert (und umgebracht).
Die Autorin erzählt an Hand von Akten die Leidensgeschichte mehrerer Kinder, wie z.B. das Schicksal der fünfjährigen Elisabeth Sch., die nach einer Gehirnhautentzündung nicht mehr sprechen konnte, also in der Diktion der Nazis „nicht entwicklungsfähig zu einem vollwertigen Mitglied der Volksgemeinschaft sein würde“.
Meine Meinung:
Ein interessantes wie wichtiges Buch, das sich mit den Gräueln der Nazis beschäftigt. Einen Stern muss ich leider abziehen, denn ich orte eine vorgefasste Meinung in der Betrachtung von Hans Asperger. Aber, vielleicht liegt das an der Übersetzung.
Als betroffene Mutter hat die Autorin bestimmt meterweise Literatur über Autismus gelesen und mit Kapazitäten gesprochen. Obwohl die Beschreibung des frühkindlichen Autismus beinahe gleichzeitig von Leo Kanner in den USA beschrieben worden ist, trägt diese Spielart des Autismus seit 1981 den Namen des vergleichsweise unbekannten Aspergers. Das muss man wohl als Treppenwitz der Geschichte ansehen. Ob die britische Psychiaterin Lorna Wing, die Aspergers Arbeit fortgesetzt, bewusst war, nach wem sie diese Abweichung des Autismus benannt hat?
Das beeindruckende Titelfoto zeigt die 772 Stelen, die an die, in der Heilanstalt „Am Spiegelgrund“ ermordeten Kinder, erinnert.
- Alex Kay
Das Reich der Vernichtung
(2)Aktuelle Rezension von: Babsi123" Das Reich der Vernichtung " Eine Gesamtgeschichte des nationalsozialistischen Massenmordens.
Autor : Alex J. Kay
Verlag: wbg / Theiß
Handlung des Buches:
Von 1939 bis 1945 ermordete das nationalsozialistische Regime rund 13 Millionen Zivilisten und andere Nichtkombattanten in Vernichtungslagern und außerhalb davon. Fast die Hälfte der Opfer des Nationalsozialismus waren Juden. Die Judenverfolgung und die Shoah sind in der Geschichte ohne Beispiel, aber als Teil eines systematischen Massenmordprogramms zu betrachten. Zu den Opfern der NS-Verbrechen gehörten auch Behinderte, Roma, polnische Eliten, gefangene Rotarmisten und unbewaffnete Zivilisten.
- Roman Rausch
Bombennacht
(30)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisWenn man „Bombardierte Städte in Deutschland“ hört, denken viele an Hamburg und natürlich vor allem an Dresden. Dass zahlreiche andere Städte ebenfalls zahlreichen Bombenangriffen ausgesetzt waren, ist nicht so präsent. Eine jener Städte, deren Bevölkerung durch das als „moral bombing“ zur Abkehr des NS-Regimes gezwungen werden sollte, ist Würzburg.
Es ist der 16. März 1945. Zahlreiche Flüchtlinge haben in der Stadt Aufnahme gefunden.
Minutiös schildert Autor Roman Rausch in mehreren Handlungssträngen und anhand von verschiedenen Schicksalen die letzten 24 Stunden der unversehrten Stadt.
So verstecken wir uns gemeinsam mit Eugen, einem deutsch-russischen Jungen, vor der SS oder decken mit Krankenschwester Fanny die Machenschaften eines Nervenarztes auf, der Hunderte Patienten in die Tötungsanstalt von Hadamar verlegen hat lassen.
Wir zittern mit dem Juden Paul, der als Klavierbegleitung einer bekannten NS-Sängerin in der Villa des Nervenarztes auftreten soll und gleichzeitig mit Zwangsarbeitern die Flucht vorbereitet. Wird es gelingen, während des rauschenden Festes abzutauchen?
Daneben blicken wir auch Henry, früher Heinrich, einem nach England geflüchteten Freund Pauls, der nun als RAF-Pilot die Bomben über Würzburg abwerfen soll, über die Schulter. Hier erleben wir die Gewissensbisse mit, da Henry genau weiß, dass auch unschuldige Menschen sterben werden. Doch die Kameraden erinnern ihn immer wieder an die Bombardierung von Coventry, die vor allem zivile Opfer gefordert hat.
Obwohl bei Todesstrafe verboten, wird der Feindsender gehört und so mancher wundert sich über die Mitteilung der BBC „Heute bringen wir eine Symphonie von Mozart“, denn auch wenn Wolfgang Amadeus Mozart viel komponiert hat, eine Symphonie war nie dabei.
Der gesamte Angriff dauert nur sieben Minuten, sieben Minuten in denen die Stadt dem Erdboden gleich gemacht wurde, sieben Minuten, die Tausenden Menschen das Leben kostete und das Regime nicht zur Aufgabe zwingen konnte.
Fazit:
Ein beeindruckender, sehr gut recherchierter historischer Roman, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.
- Heike Denzau
Dunkle Marsch
(19)Aktuelle Rezension von: julestodoein würdiger Nachfolger der ersten Bände! Dieser Krimi wurde in 2 Zeitebenen geschrieben. Einmal die aktuellen Ereignisse, ein Reporter, der eine Reportage über einen einflussreiche Itzehoer Familie schreiben soll. Dann wird er vergiftet und zwar genau in dem Haus der Familie, über die er berichten soll...
Die Ermittlungen beginnen und reichen bis zurück in die Nazi- Zeit...
Gut recherchiertes Buch und sehr spannend zu lesen!
5 Sterne und eine Leseempfehlung!
- Christian Hardinghaus
Die Spionin der Charité
(48)Aktuelle Rezension von: sarah83sbookshelfDie Zeiten im Widerstand sind hart. Laufend werden Verletzte hereingebracht und nur in Sekunden muss entschieden werden, ob ihnen noch zu helfen ist. Doch das ist nicht die einzige Sorge von Professor Sauerbruch und seinen Mitarbeitern. Denn es gilt den Wunsch an ein freies Deutschland hochzuhalten und sich nicht unterkriegen zu lassen. Sauerbruch und einige seiner Mitarbeiter, u.a. Lily, gelten als Spione oder Gegner des derzeitigen Regimes. Als um 1944 die ersten Versuche eines Wechsels scheitern, fühlen auch sie sich immer weiter an die Wand gedrängt und der Alltag besteht aus Hoffen und Bangen.
Lily erzählt ihre Geschichte und die von Fritz Kolbe Jahre später einem amerikanischen Journalisten in einem Interview. Doch je länger er bei ihr ist, desto mehr wird ihr siebter Sinn aktiv. Irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht, doch was?
In zwei ineinander verschachtelten Geschichten führt uns der Autor zwei sehr verschiedene historische Ereignisse vor Augen, die er ein wenig an seine Erzählung angepasst hat. Die Rückblicke in den Zweiten Weltkrieg sind den Lesern vielleicht vertrauter als die Geschichte rund um das Interview, doch beide Texte haben ihren Reiz und auch ihre Überraschungen.
Ein Blick in die Vergangenheit, der noch nicht so oft in Büchern thematisiert wurde und daher sehr spannend zu lesen war.Der Autor schafft es, die Menschen zu beschreiben, ohne sie per se zu verurteilen und gibt der Erzählung somit einen sehr gelungenen Rahmen.
Wer sich für diese Zeit der Weltgeschichte interessiert, dem sei das Buch sehr ans Herz gelegt.
4,5 von 5 Operationen - Yvonne Bauer
Nr. 983
(2)Aktuelle Rezension von: LivillaErgreifend, traurig und rührend ist die Geschichte von Luise und Ernst, die mitten im 2. Weltkrieg zueinanderfinden und am eigenen Leib erfahren, wie Nazis mit Kranken umgehen, die nicht in ihr Menschenbild passen.
Beide arbeiten in einer psychiatrischen Klinik, wo sie sich auch kennenlernen.
Er ist Krankenpfleger, sie Sekretärin. Kurz darauf feiern sie eine Kriegshochzeit. Stramme Nazis sind beide nicht. Sie verschließt höchstens ein bisschen die Augen vor dem, was dort mit Kranken geschieht.
Er hat Schuldgefühle. Ihm ist bewusst, was er macht – machen muss. Aber er sieht keinen Weg aus dem Sumpf, den Zwängen und Nöten. Er will anständig bleiben, aber wie soll er gleichzeitig für die Familie zu sorgen? Als Luise mit dem zweiten Kind schwanger ist, schlägt das Schicksal unbarmherzig zu.
Alle Protagonisten, besonders aber Luise und Ernst sind stimmig gezeichnet. Beklemmend ist das Klima der Unterdrückung und Angst geschildert, der Bespitzelung, der Unsicherheit, des Verrats. Der ausgezeichnet recherchierte Roman ist eingebettet in eine Rahmenhandlung der Jetztzeit, das Inhaltsverzeichnis ist interaktiv.
Mein Fazit: Ein ausgezeichneter, lesenswerter, sehr gut recherchierter Roman über ein trauriges Kapitel der Zeitgeschichte. - Cay Rademacher
Nacht der Ruinen
(77)Aktuelle Rezension von: TochterAliceNach dem grauenvollen Zweiten Weltkrieg nämlich, der so sehr in der Stadt gewütet hat, dass kein Stein mehr auf dem anderen stand und heute noch fast jede Woche ein Bombenfund geborgen werden muss.
In den Tagen nach dem Sieg der Amerikaner über Köln kehrt auch Soldat Joe Salmon zurück in diese seine Geburtsstadt - bis 1938, bis es nicht nicht mehr auszuhalten war, lebte die jüdische Familie Salomon in Köln-Sülz in der Neuenhöfer Allee und wanderte erst in die Staaten aus, als keine andere Möglichkeit mehr bestand, um zu überleben.
Er findet sich in einer völlig zerstörten Stadt - kein Wunder nach weit über zweihundert Bombenangriffen - wieder, deren rechte Rheinseite, die "schäl Sick" noch in der Hand der Nationalsozialisten ist und beginnt neben dem militärischen Auftrag, die Ermordung eines amerikanischen Piloten zu ermitteln mit der Suche seiner Freunde: von Hilda, seinem großen Schwarm, vor allem aber seinen besten Freund, der ebenfalls jüdischer Abstammung ist - oder, wie Joe befürchtet, war.
Dabei wird er von George Orwell, damals Soldat in der britischen Armee, begleitet, wir treffen auch auf die Kölner Autorin Irmgard Keun und auf Konrad Adenauer, damals als ehemaliger Oberbürgermeister Kölns bekannt. Die Handlung ist so erschütternd und eindringlich, wie sie in den ersten Tagen eines Friedens, der die Bezeichnung nicht wert ist und zudem erst in wenigen Orten Deutlschlands herrscht, nur sein kann.
Ein ausgesprochen gelungener und trotz der Last der Thematik ausgesprochen unterhaltsamer historischer Kriminalroman!
- Regine Seemann
Falkenberg
(27)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerIn den Harburger Bergen wird die Leiche eines alten Mannes gefunden. Der Körper gebrandmarkt mit einem eingeritzten Hakenkreuz und 147 Messerstichen. Eine harte Nuss für das ungleiche Ermittlerinnenduo. Die Lösung des Falles führt sie tief in eine dunkle Vergangenheit.
Auch wenn sich die Auflösung teilweise schon durch den Klappentext andeutet, ist das Buch spannend und erschütternd gleichermaßen. Mich hat Frau Seemann jedenfalls am Haken. Wo kriege ich jetzt schnell den zweiten Band her?
- Barbara Dribbusch
Das Haus des Dämmerlichts
(66)Aktuelle Rezension von: HopeandliveWir befinden uns im Jahr 2013. Die Journalisten Anne Südhausen erfährt von dem Tod ihrer geliebten Großmutter Charlotte. Traurig und betroffen macht sie sich auf den Weg nach Innsbruck um die Trauerfeier und den Nachlass ihrer Großmutter zu regeln. Diese unfreiwillige Auszeit kommt ihr trotz des traurigen Anlasses ganz recht, wurde sie doch gerade von ihrem Mann wegen einer jüngeren Frau verlassen. In Innsbruck im Haus ihrer Großmutter, die sie viel zu lange nicht mehr besucht hatte, wird sie sogleich von Erinnerungen heimgesucht und spürt, dass in diesem Haus Antworten auf Fragen verborgen sind, die sie noch gar nicht gestellt hat oder auf dessen Idee sie zu stellen sie noch gar nicht gekommen ist. Anne findet per Zufall Charlottes Tagebücher, 13 kleine schwarze Hefte, allesamt mit kleiner Schrift gefüllt, damit möglichst viel aufgeschrieben werden kann. Anne ist nur Enkelin, sondern auch Journalistin und fängt sogleich an zu lesen. Sie begibt sich auf eine Zeitreise bis ins Jahr 1943 und auf dieser Reise begegnet sie Menschen, die es nicht unbedingt gut mit ihr meinen und Anne ahnt nicht, in welch tödlicher Gefahr sie schwebt.....
Im Jahr 1943 begegnen wir Charlotte, die den Tod ihres Bruders, der im Krieg gefallen ist einfach nicht überwinden kann und aus diesem Grund in ein Nervensanatorium eingeliefert wird. Das Sanatorium Schattwald, renommiert und anerkannt nach außen hin, ein Vorzeigeobjekt im Dritten Reich, jedoch in Wirklichkeit ein Ort der absoluten Menschenverachtung. Charlotte ist fest entschlossen sich ihre Menschlichkeit zu bewahren und nach der Entdeckung eines Mordes wird sie mit einer Entscheidung über Leben und Tod konfrontiert.....
Barbara Dribbusch nimmt den Leser mit in ein weiteres dunkles Kapitel des Dritten Reichs. Euthanasie und die Entscheidung, welches Leben lebenswert ist oder nicht und wie man sich die Menschlichkeit in solch dunklen Zeiten bewahren kann. Sehr spannend zu lesen und Charlotte hat mir sehr gut gefallen. Es braucht Mut zur Wahrheit und Liebe zu den Menschen, etwas, dass sich keiner nehmen lassen darf.
- Hanns-Stephan Haas
Handicap mit Todesfolge
(1)Aktuelle Rezension von: soetomWie sehen wir Menschen mit Behinderungen? Und wie war das in der Zeit des Dritten Reiches? Diese Frage wurde erst kürzlich in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zur Befreiung des KZ Auschwitz öffentlich thematisiert, als den Opfern der „Euthanasie“ gedacht wurde, des Massenmords der Nationalsozialisten an körperlich oder geistig behinderten Menschen. Ein bedrückendes, erschreckendes Stück deutscher Geschichte. Kann das als Hintergrund für Unterhaltungsliteratur dienen?
Es kann, wenn man nicht der Versuchung erliegt, zu sehr den Zeigefinger zu heben. „Handicap mit Todesfolge“ ist ein Thriller, geschrieben vom Leiter der Stiftung Alsterdorf, einer seit langem bestehenden Einrichtung der Hamburger Behindertenhilfe, Hans-Stephan Haas. Und in der Geschichte geht es dann auch um die Stiftung und ihre Rolle im Dritten Reich und bei eben dieser Euthanasie – bzw. es geht um die Aufarbeitung dieser Zeit. Der (fiktive) Leiter hat ein kleines Team mit einer historischen Aufarbeitung beauftragt. Nach einer ersten Veröffentlichung der Ergebnisse sterben einige Mitarbeiter dieser Gruppe kurz nacheinander.
Der Leser weiß es und fiebert mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit, ob sie es rechtzeitig auch verstehen: Sie werden vom Sohn eines damals an Menschenversuchen an Behinderten beteiligten Arztes ermordet. Und in dieser Konstellation gelingt es hervorragend, den Schrecken der Vergangenheit in einen spannenden Kriminalfall einzubetten.
Ganz nebenbei wird ein überzeugendes Plädoyer für Inklusion – also für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen – mit eingeflochten. Das ist vor allem überzeugend, weil die behinderten Charaktere nicht zu den „besseren“ gemacht werden, wie das ja beispielsweise in mancher Geschichte mit hochbegabten Autisten ja wirkt.
So wird ein spannendes, lehrreiches, gut lesbares Buch daraus, das für aufgeschlossene Krimileser genauso empfehlenswert ist wie für Leserinnen und Leser mit Hintergrundwissen.
- Rolf Schmidt
Strafrecht Besonderer Teil I
(2)Aktuelle Rezension von: HoldenDas Buch zum Besonderen Teil des StGB in der 98er Auflage, das in diesem Fall den ganzen BT enthält. Gut lesbar und gut gegliedert, mit farblich unterlegten Merksätzen, aber für die Examensvorbereitung reicht es hinten und vorne nicht, und laut unserem Repetitor (Doc Schneider) enthält das Buch auch einige Fehler. - Hannes Niederhausen
Sanitöter
(18)Aktuelle Rezension von: LorixxDeutschland 2035 - in nicht allzu ferner Zukunft.
Angesichts der aktuellen Lage, kein so abwegiger Gedanke, der in diesem Buch aufgefriffen wird. Und gerade das Thema Überbevölkerung sollte man nicht ausser Acht lassen. Aber die Wege die in dieser Geschichte dargestellt werden, werfen Fragen nach Ethik und Moral auf.
Zuviele Menschen bevölkern die Erde, Hungernöte und Naturkatastrophen tragen ihren Teil dazu bei. Welche Lösungen gibt es?
Die super spannende Geschichte der "Sanitöterin" Susanna Bergmann wirft viele Fragen auf. Was ist richtig und was ist falsch? Dürfen einige wenige über das Schicksal anderer entscheiden?
Erschreckend real schildert der Autor Hannes Niederhausen das Szenario. Realität und Fiktion werden gekonnt miteinander verbunden und herausgekommen ist ein Buch der Extraklasse!
Unbedingt lesen!!!























