Bücher mit dem Tag "exil"
114 Bücher
- Cassandra Clare
Lord of Shadows
(498)Aktuelle Rezension von: miartEmma,
manchmal frage ich mich, wie viel Gewicht ein Herz tragen kann, bevor es endgültig zerbricht. Das Parabatai-Band zieht uns jetzt in die Tiefe. Du glaubst, Marks Nähe könnte mich retten? Doch alles, was ich sehe, ist das Feuer, in dem wir beide brennen - selbst wenn wir versuchen, uns voneinander zu lösen.
Die Welt um uns herum zerfällt in Scherben. Das Institut ist voller Schatten und nicht nur jener, die wir bekämpfen. Kit - der verlorene Herondale - trägt die Last seiner Herkunft, auch wenn er seinen Platz langsam findet. Ty und Livvy sind wie Licht und Dunkelheit untrennbar verbunden. Und dann Mark, Kieran und Cristina - ihre Liebe ist wie ein Lied in drei Stimmen - Polyamorie - so wild und chaotisch wie die Feenwelt, aus der sie stammen. Wir kämpfen, lieben, verlieren. Jeder Schlag hinterlässt neue Risse in unserem Schicksal.
Cassandra hat uns eine Welt geschenkt, die so lebendig ist, dass ich den Sand von Idris auf meiner Haut spüre. Ihre Magie liegt in den Details und ausführliche Charakterzeichnungen, die uns gefangen nehmen.
Emma, du bist Kriegerin, Heldin - und meine unerreichbare Sehnsucht. Verloren in einer Geschichte, die uns zerbricht. Doch trotz aller Länge, trotz aller Tragik bleibe ich hier, gefangen zwischen Pflicht und Verlangen.
Immer dein,
Julian - Stefan Zweig
Die Welt von Gestern
(115)Aktuelle Rezension von: itwt69Das Leben des Autors und Künstlers von den späten 1880-ern bis 1939: Es ist kaum verwunderlich, dass sich Stefan Zweig nach diesem ereignisreichen und niederschmetternden Erfahrungen das Leben nahm, weil er es nicht mehr ertragen konnte, was in seiner Heimat verbrochen wurde. Ein ehrlicher und intimer Blick auf die Kunstszene der ersten 4 Jahrzehnte des 20.Jahrhunderts liefert dieses Buche ebenso wie für mich neue Einblicke in die Psychologie der vom Krieg gebeutelten Menschen zwischen den Weltkriegen.
- Orhan Pamuk
Schnee
(162)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderHerr Pamuk hat zu recht den Literatur-Nobel-Preis bekommen. Er scheint mit klarer, aber sehr ausdrucksstarker Sprache und entfalltet Geschichten die einen nicht mehr los lassen. In Schnee geht es um einen Journalist der in die Türkei geschickt wird, um über eine außergewöhnliche Mordserie zu berichten. Junge Mädchen werden gezwungen ihre Kopftücher abzulegen und bringen sich dann aus scham selbst um. Spannend, sehr tiefgreifend und nah am Leben.
- Chimamanda Ngozi Adichie
Americanah
(220)Aktuelle Rezension von: EmmaWinterIch habe mir so viele Markierungen in den Roman geklebt, dass ich unmöglich alles, was ich als wichtig empfunden habe, hier einbringen kann.
Ifemelu kommt aus Nigeria, sie hat dort studiert und hat es geschafft, in den USA Fuß zu fassen. Sie hat ein Stipendium erhalten und betreibt einen erfolgreichen Blog, auf dem sie sich u.a. mit dem Thema Rassismus beschäftigt. Als der Roman einsetzt, ist sie beim Friseur und steht kurz vor der Rückkehr nach Nigeria. Während in dem stickigen kleinen Laden ihre Haare gemacht werden, wird in Rückblenden ihr Leben und das ihres nach Großbritannien gegangenen Freundes Obinze abwechselnd aus personaler Sicht erzählt.
Der Roman greift unheimlich viele Themen auf. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme in Nigeria, die gerade die gut ausgebildeten jungen Menschen ins Ausland treiben. Die Schwierigkeiten als (illegaler) Einwanderer. Der Rassismus, den Ifemelu mit ihren Freunden und Lebensgefährten unterschiedlicher Hautfarbe und auf ihrem Blog thematisiert. Der Verlust der Heimat und die Rückkehr als jemand anderer, der das Land einst verlassenen hatte. Daher auch der Titel: "Americanah", das ist Ifemelu. Eine Frau, die die Heimat nun mit amerikanischen Augen sieht und sich amerikanische Eigenheiten angewöhnt hat. Die Wahl Barack Obamas zum Präsidenten der USA beherrscht ein Kapitel und bespricht bemerkenswerte Aspekte.
Die eher gegenläufigen Geschichten des einstigen Liebespaares Obinze und Ifemelu enden beide wieder in Nigeria.
Ich habe besonders die Darstellung der Zusammenhänge und Hintergründe des Rassismus in den USA, den Ifemelu in vielen Facetten beschreibt, als unheimlich lehrreich empfunden. Der Unterschied, der zwischen amerikanischen Afrikanern und Afroamerikanern gemacht wird und wie sich auch diese von einander abgrenzen. Ifemelu macht Rassismuserfahrungen, die sie aus ihrem Heimatland nicht kennt. "Ich komme aus einem Land, in dem Rasse kein Thema war. Ich habe mich selbst nicht als Schwarze gesehen, ich wurde erst schwarz, als ich nach Amerika kam." (S. 367) Dass der Friseurbesuch einen großen Teil der Geschichte einrahmt, ist kein Zufall.
Insgesamt ein wichtiger und lohnender Roman, der mit 600 Seiten aber seine Zeit braucht.
- Jennifer Benkau
Das Reich der Schatten: Her Wish So Dark
(244)Aktuelle Rezension von: Xenia_FMan begleitet Laire und ihre Freunde Vika und Jero auf einer beschwerlichen Reise in das Reich der Daema um Laires Verlobten zu retten. Sie müssen sich hierbei allen möglichen Herausforderungen stellen und unterwegs trotzdem feststellen, dass sie Alaric - Laires Exfreund, welcher sie verraten hat - benötigen um die Aufgabe zu erfüllen.
Es ist ein spannendes Buch mit vielen Wendungen, die sich erst im Nachhinein erschließen. Auch wenn man sich manchmal fragt warum die Charaktere so handeln, sie haben alle einen Grund.Man füllt mit der unglaublich mutigen und gerechten Laire mit. Die sich trotz allem niemals selbst verlieren will. Aber auch Alarics Handlungen kann man sehr gut nachvollziehen, nachdem man immer mehr von seiner Geschichte hört.
Ich persönlich drücke im Liebesdreieck Alaric und Laire die Daumen. Die zwei passen einfach magisch zueinander!Für Fantasy-Leser mit Hang zu Liebesdreiecken ideal.
- Maxym M. Martineau
Schattentanz
(354)Aktuelle Rezension von: kopfvollerzeilen🦋BUCH REZENSION🦋
Heute habe ich eine weitere neue "alte" Rezension für euch. Diesmal zu dem Buch "Schattentanz - Die Tiermagierin".
⭐⭐⭐⭐⭐+
Tatsächlich habe ich mir diesen Buch von einem Thalia Gutschein geholt, da ich nach langer Zeit einfach mal wieder versuchen wollte ob mich das Lesen wieder reizt und der Klappentext hat mich einfach gecatched.
Also habe ich mir das Buch bestellt und kurz darauf mit dem Lesen angefangen. Man muss dazu sagen, davor habe ich durch Schullektüren Jahrelang das Interesse am Lesen verloren gehabt. Das Buch habe ich innerhalb von ein paar Tagen beendet und es hat meine Liebe für Bücher und für das Lesen zurück geholt. Durch dieses Buch habe ich auch überhaupt erst mit Bookstagram angefangen.
Also wenn ihr das Buch noch nicht gelesen habt und Fantasy mögt oder gerne mal etwas im Bereich Fantasy ausprobieren wollt, kann ich euch dieses Buch wirklich wärmstens ans Herz legen.
"Schattentanz- Die Tiermagierin" ist ein sehr gelungener Auftakt einer Trilogie.
Das Buch hat mich vom ersten Moment an gepackt und ich hätte es am liebsten nicht mehr aus der Hand gelegt. Die Charaktere haben mich sofort in ihren Bann gezogen und einen Platz in meinem Herzen für sich gefunden. Das ganze Buch über habe ich mit Leena und Noc mitgefiebert und die vielen wundervollen Tierwesen haben mich einfach nur verzaubert, so dass ich einige von ihnen selbst gerne hätte.
Die Liebesgeschichte zwischen Leena und Noc entwickelt sich relativ langsam, was ich persönlich ganz schön finde. Dennoch ist die Stimmung das ganze Buch über sehr magisch
Das Buch konnte meine Hoffnungen absolut erfüllen und sogar noch übertreffen und mich vollkommen begeistern. Ich freue mich schon sehr darauf, bald Band 2 und 3 zu lesen und endlich wieder in die Geschichte abzutauchen. Ich bin schon sehr gespannt wie es weitergeht 😍
Außerdem gebührt diesem Buch ein riesen Dankeschön, denn ohne die Geschichte wäre ich jetzt nicht hier auf Bookstagram und ohne dieses Buch würde ich wahrscheinlich auch immer noch auf Kriegsfuß mit dem Lesen stehen 🤎 - Shida Bazyar
Nachts ist es leise in Teheran
(94)Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutterSchon seit das Buch „Nicht ohne meine Tochter“ erschien, hat es mich interessiert, was im Iran so schief gelaufen ist, warum ein Mullah Regime mit größtmöglicher Gewalt gegen sein eigenes Volk vorgeht und eine Revolution nicht gelingen kann. Gerade jetzt wieder steht dieses Land im Fokus. Während ich das schreibe, versinkt das Land im Chaos.
Behsad und Nahid sind aus dem Iran ins Exil nach Deutschland gegangen. Dort haben sie den Status politisch Verfolgter. Ihre beiden Kinder, Laleh und Mo sind zwar noch im Iran geboren, integrieren sich aber relativ schnell in das neue Land.
Aus der Sicht von fünf Protagonist*innen wird hier die jüngste Geschichte des Irans vor dem Hintergrund einer Familie erzählt. Jedem wird ein Jahrzehnt zugeteilt, von 1979-2009 Von den Untergrungdtätigkeiten Besahds für kommunistische Organisationen im Iran über Nahid, die erst mit der deutschen Sprache kämpft, später studiert, aber immer wieder hofft, dass sie bald wieder nach Hause zurückkehren können, bis zu Laleh, die für ihre Eltern oft Verantwortung übernehmen muss, und die ihre Wurzeln stark spürt. Mo hat den meisten Abstand zu der Vergangenheit seiner Eltern. Und dann ist da noch Tara, das Kind, das in Deutschland geboren wurde und ein Leben führt, dass im Iran niemals erlaubt wäre
Shida Bazyar hat einen Text geschrieben, der seinen Protagonist*innen treu bleibt. Den Ton passt sie den Personen minimal an, hält sich aber strikt an eine literarisch, teilweise sogar poetische Erzählweise. Die Persönlichkeiten der Erzähler sind gut zu erfassen. Man ist ganz bei ihnen und ihrer Art, mit den Problemen und Emotionen umzugehen. Die historischen Ereignisse im Iran werden ganz nebenbei eingeflochten. Allerdings ist man ohne Vorwissen, vermutlich manchmal ohne Kontext und muss nebenbei googeln. In der persönlichen Geschichte der Protagonisten bleibt die ein oder andere Lehrstelle. Dabei fällt mir auf, dass mir die weiblichen Perspektiven besser gefallen haben als die männlichen. Mich hätte sehr interessiert, wie es Nahid und Laleh weiter ergangen ist. Aber endet, dass der Person zugeordnete Jahrzehnt, so erfährt man auch nicht mehr besonders viel über sie. Mir ist klar, dass die Autorin das genauso wollte. Für mich versickerte damit aber Substanz.
Was mich durch den Roman getragen hat, ist vor allem die Sprache. Die Innenansichten sind nicht ganz ohne Dialoge, doch tendenziell nimmt man an den Gedanken der Personen teil. Dabei macht sich eine Melancholie und Traurigkeit breit, die die ganze Tragweite von Flucht und Heimat Verlust deutlich macht. Man kann sich zwar in der nächsten Generation davon entfernen, aber man bleibt ein Zwitterwesen zwischen den Stühlen- obwohl man nach vorne schaut und sich der deutschen Kultur weitesgehend angepasst hat, zieht die Vergangenheit an einem. Erst wenn man das akzeptiert, fühlt man sich nicht mehr so zerrissen. Vieles konnte ich aus meiner eigenen migrantischen Vergangenheit wiedererkennen, besonders wenn die Besuche bei der Verwandtschaft beschrieben wurden.
Gefreut habe ich mich über die Leidenschaft die jeden einzelnen am Ende zu packen scheint. Auch wenn der Ausgang ungewiss war, so endet das Buch mit einem Fünkchen Hoffnung.
Ein gutes Buch, das mir gut gefallen hat, aber ab und an zu viele Lücken hinterließ, dafür aber literarisch Großartigkeit serviert. Ich empfehle das allen, die sich mit der Geschichte des Irans und Heimatverlust beschäftigen möchten
- Holly Black
ELFENTHRON
(449)Aktuelle Rezension von: Lauras_bunte_buecherregalDer Schreibstil ist angenehm. Die Handlung besitzt einen schön ausgearbeiteten Spannungsbogen, welcher sich über die drei Bände steigert. Die Charaktere entwickeln sich weiter und die Beziehungen vertiefen sich. Die Dynamiken und Verknüpfungen mochte ich. Für mich war die Geschichte etwas vorhersehbar und ich hätte mir etwas mehr von der Welt gewünscht. Aber insgesamt war es eine tolle Reihe und ich freue mich darauf andere Bücher der Autorin zu Lesen/Hören.
Von mir gibt es für die Reihe 4 von 5 Sterne. - Shannon Messenger
Keeper of the Lost Cities – Das Exil (Keeper of the Lost Cities 2)
(141)Aktuelle Rezension von: Foxreader„Keeper of the Lost Cities. Das Exil" ist der zweite Teil der erfolgreichen Reihe aus den USA. Und zum Glück gibt es ein Wiedersehen mit allen tollen Charakteren aus dem ersten Teil.
Sophie ist nun fester Teil der Elfenwelt und kommt schon auf die nächste Stufe in der Zauberschule – wo sie jede Menge neue Fächer und Herausforderungen erwarten. Als Sophie mit Hilfe ihrer Fähigkeiten ein sogenanntes Alicorn entdeckt, gelingt es ihr, eine besondere Verbindung zu dem magischen Wesen aufzubauen. Da das Wesen für die Zukunft der Elfenwelt von Bedeutung ist,bekommt Sophie den Auftrag, es zu zähmen und zu trainieren. Doch schon bald zeigen auch dunkle Mächte Interesse an dem Alicorn und obendrein hat Sophie auch noch mit sich selbst zu kämpfen.
Shannon Messengers Schreibstil ist perfekt für ein Jugendbuch: Er ist leicht, flüssig und durchgehend spannend. Durch Cliffhanger in nahezu jedem Kapitel sorgt die Autorin dafür, dass man einfach immer weiterlesen möchte.
Schon im ersten Teil mochte ich die Dynamik von Sophie und ihren Freunden sehr. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass in diesem Teil Keefe mehr im Mittelpunkt steht. Er ist so unglaublich frech und witzig – und seine Spitznamen, die er gerne vergibt, fand ich grandios.
Diese Geschichte war für mich aufgrund des Unglücks eines wichtigen Charakters besonders emotional und ich habe bis zum Schluss mitgefiebert. Zudem wird die Beziehung von Sophie und ihren Zieheltern vertieft, was zu einigen herzerweichenden Momenten führt.
Der zweite Teil der „Keeper of the Lost Cities”-Reihe konnte mich wieder begeistern, auch wenn es dieses Mal ein wenig ruhiger zuging. Das Buch ist meiner Meinung nach für Jugendliche und Erwachsene bestens geeignet – genau deshalb ist die Reihe für mich zu einem Comfort Read geworden! - Rafik Schami
Sophia oder Der Anfang aller Geschichten
(115)Aktuelle Rezension von: gstSalman, in Syrien aufgewachsen und zur Schule gegangen, mochte die Korruption in seinem Heimatland nicht. Er zog es vor, in Europa zu studieren. Inzwischen lebt er Rom, wo er mit Stella eine Familie gegründet hat. Als Geschäftsmann kann er auf große Erfolge blicken. Lange hat er gewartet, um endlich seine Mutter Sophia und seinen Vater Jusuf zu besuchen. Schließlich wurde er einst als politischer Feind verfolgt. Das scheint nun „bereinigt“ zu sein. Niemand ahnte, welche Probleme auf Salman in der alten Heimat warteten.
Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mich in dem Buch zurecht zu finden. Der Autor springt in den Zeiten und in seinen Erzählungen hin und her. So konnte ich zwar die Eigenheiten der Syrer und ihre Lebensweise kennenlernen, doch der Zusammenhang der einzelnen (Liebes-)Geschichten erschloss sich mir erst relativ spät. Dann allerdings wollte ich unbedingt wissen, ob und wie es Salman gelingt, das Land wieder zu verlassen.
Der Handlungsstrang ist auf Weihnachten 2009/2010 festgelegt, also gerade in die Zeit, als in Tunesien der arabische Frühling begann.Rafik Schami lässt uns Leser tief eintauchen in diese Zeit, in der die Geheimdienste das Sagen hatten. 1946 wurde er in Damaskus geboren und lebt seit 1971 in Deutschland, wo er 1979 mit der Promotion sein Chemie-Studium abschloss. Inzwischen zählt er zu den bedeutendsten Schriftstellern in deutscher Sprache.
- Ilona Jerger
Und Marx stand still in Darwins Garten
(144)Aktuelle Rezension von: MadamebiscuitZuerst hatte ich befürchtet, dass es viel um die Theorien der beiden gehen würde, die zwar wirklich spannend und interessant sind, aber nicht zwingend leicht zu lesen. Aber die Autorin hat genau das nicht getan, sie hat die beiden älteren Herren - vor allem Darwin - in den Fokus gestellt. Dabei beschreibt sie beide so liebenswürdig, schrullig und exzentrisch, dass es ein absolutes kurzweiliges Lesevergnügen war. Ihr flüssiger Schreibstil und der bildliche Sprachstil brachten sie mir zusätzlich nahe.
Ich habe so einiges über die beiden Männer und ihr Leben erfahren, zum Beispiel, dass beide aus gläubigen Familien kamen. Im Laufe ihres Lebens ihren Glauben allerdings verloren haben, was maßgeblich ihre beider Werke beeinflusst hat.Auch meine Wissenslücke über das Paarungsverhalten von Regenwürmern konnte ich schließen. 🤭
Auch wenn es das besagte Dinner in der Realität nie gab, ist gerade das eine der amüsantesten Szene mit einem herrlichen rhetorischen Schlagabtausch.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung für alle, die Lust auf einen kurzweiligen Roman haben.
- Marina Neumeier
Framed Feelings (Golden Hearts, Band 1)
(121)Aktuelle Rezension von: SophieRunnerEr hat ein Problem. Sie ist seine Lösung.
Das Cover dieses süssen Buches ist echt wunderschön. Man kommt gut in die Geschichte rein und ich liebe das Setting in der High Society. Die beiden Protas sind echt süss und ich liebe ihre Unterhaltungen in der Kalenderapp. Ausserdem finde ich die Arbeit mit der Kunst sehr interessant, vorallem weil man sonst weniger davon hört.
Ich freue mich schon auf den nächsten Band.
- Chanel Cleeton
Nächstes Jahr in Havanna
(102)Aktuelle Rezension von: tortugaIch habe durch dieses Buch das Gefühl bekommen wirklich etwas über Kuba zu erfahren. Über die Kultur, das Leben, die Geschichte, die Einschränkungen durch die Regierung und den kubanischen Pragmatismus. Es ist ein tolles Buch in dem man durch die Verschiedenen Sichtweisen von Regimekritikern, Regimebefürwortern, Exilanten und Kubanern ein sehr facettenreiches Bild von einem faszinierenden Land erhält.
- Samantha Shannon
Der Orden des geheimen Baumes - Die Magierin
(237)Aktuelle Rezension von: eastIm Königinnenreich Inys werden Drachen gefürchtet und verachtet. Kehren die Drachen zurück, endet die Herrschaft der heiligen Königin, deren Vorfahrin einst den obersten Feuerdrachen bezwang. Auf der anderen Seite der Welt sind die Drachen Götter, nur die besten der Besten werden ausgewählt, um auf ihrem Rücken zu kämpfen. Als sich eine feuerspuckende Bedrohung über den Kontinent erhebt, wird die Prophezeiung wahr, die Drachen werden kommen…
Wer eine Reise nach Yscalin, Seiiki oder Inys unternehmen will, der sei gewarnt: Die Welt, die der Leser auf diesen Seiten betritt, kann etwas erschlagend wirken. Vor allem, wenn man neu im Fantasy-Genre ist. Auch wenn die Autorin ihre umfangreiche Welt nach und nach erklärt, ein Glossar und eine Karte angefügt hat, braucht es seine Zeit, um mit der Geschichte warm zu werden, einfach, weil es unfassbar viele Protagonisten, Orte und Länder gibt, von höfischen Intrigen und Vorgeschichte einmal abgesehen.
Dennoch wird schon am Anfang klar, dass Samantha Shannon mit dem „Orden des geheimen Baumes“ eine Geschichte epischen Ausmaßes spinnt, bei der man als Leser Protagonisten begleitet, die einander noch gar nicht kennen, dem Fallen vieler kleiner Würfel zuschauen kann, noch ohne das große Ganze erblicken zu können, da sich dieses erst nach und nach entwickelt.
Mit anderen Worten: die Geschichte der klingenwerfenden Kammerfrau Ead, der jungen Drachenreiterin Tané und ihren Gefährten ist vielschichtig und braucht ihre Zeit, um in Fahrt zu kommen. Doch dann erwarten den Leser mit Durchhaltevermögen ein ausgeklügeltes Weltsystem, Verstrickungen und Intrigen, auch eine Prise Romantik, exotische Länder und Kämpfe, Piraten und natürlich auch Drachen, majestätische wie bedrohliche, europäische wie asiatische. In der zweiten Hälfte macht das Buch seinen zähen Anfang mehr als wett und endet mit einem Versprechen auf noch mehr Spannung im zweiten Band … In dem es dann vermutlich auch weniger verwirrend zugeht.
Mit der Atmosphäre eines Epos aus dem Mittelalter, mit wettstreitenden Religionen, die sich gegenseitig von der Weltkante zu stoßen versuchen, mit Rittern, Zofen und königlichen Gewändern entführt die Autorin den Leser in eine Welt, die die Reise wirklich wert ist.
- Pia Backmann
Der Elbische Patient
(14)Aktuelle Rezension von: KadlinIch hatte am Anfang meine Probleme mit den Gendersternchen. Aber nachdem ich diese überwunden habe, konnte ich das Buch kaum mehr aus der Hand legen!
Ich bin ein großer Fan des Einstiegs. Ein großes Fest am Ende eines Krieges. Schön dargestellt, aber ich mag die dunklen Schatten, die bereits angedeutet wurden. Trotzdem dachte ich zu beginn noch, dass die erst im späteren Verlauf relevant werden, und nicht, dass das erste Kapitel unmittelbar nach dem Prolog mich als Leser bereits wieder auf das Schlachtfeld führt.
Gut fand ich auch den Wechsel zwischen den beiden Seiten des Konfliktes. Man konnte zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen, warum etwas passiert ist - ein Punkt, der mir in vielen anderen Fantasy-Geschichten nicht gefällt und der häufig zu Verwirrung geführt hat, da nicht immer alles schlüssig dargestellt wurde. Hier aber ist es wunderbar dadurch umgesetzt worden, dass auf beiden Seiten Hauptpersonen existieren, die die Handlung vorantreiben.
Und wo wir bei Hauptpersonen oder Personen generell sind: Ich mag die meisten sehr. Sie sind toll gezeichnet, haben alle einen gut durchdachten Hintergrund und man schließt sie gerne ins Herz und fiebert mit ihnen mit, je weiter die Handlung voranschreitet und umso näher die Armee an die Hauptstadt und den Wohnort herannaht.
Es mochte absehbar sein, dass es so kommt, aber ich hab auch gerne die Liebesgeschichte verfolgt und war sehr gespannt darauf, wie Klara und Ionathan am Ende zueinander finden werden, trotzdem sie doch so unterschiedliche Ansichten und Motive hatten, denen sie über die Handlung hinweg gefolgt sind.
Mir hat die Geschichte wirklich gut gefallen (auch wenn ich zugeben muss, das Buch wohl nie in die Hand genommen zu haben, wenn ich einzig nach dem Cover gegangen wäre - das ist nun wirklich nicht mein Fall)
- Saša Stanišić
Wie der Soldat das Grammofon repariert
(129)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderAleksandar wächst im bosnischen Visegrad auf.Früh fällt den Lehrern auf, dass er eine ausgeprägte Phantasie hat und in seinen Aufsätzen die tollsten Geschichten erzählt. Familienfeiern, Musikfeste, Kriminalfälle und vieles mehr. Als der Bürgerkrieg ausbricht verändert sich seine Welt vollkommen. Der Unterricht nimmt andere Formen an und Freunde und Familien fliehen aus dem Land. Eines Tages packt auch seine Familie die Koffer und es geht auf nach Deutschland und Aleksander nimmt seine Geschichten mit und erzählt weiter von einem Leben, dass es so oft nicht gab. Eines der meist gelobtesten Debuts der letzten Jahre. Sasa Stanisic versteht es wunderbar eine eigentlich traurige Geschichte voll Leben, Spaß und Witz zu erzählen. 1978 geboren und schon so ein großer Schreiber.
- Robert Scheer
Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
(42)Aktuelle Rezension von: pardenEIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...
Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.
"Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)
Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.
Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.
Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.
Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.
"Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)
Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.
Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.
Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.
Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.
© Parden - Viet Thanh Nguyen
Der Sympathisant
(51)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDer Vietnamkrieg (1955-1975) ist eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte. Bis zu fünf Millionen Vietnamesen wurden ermordet, davon waren etwa 4 Millionen Zivilisten. Mehrere Millionen Menschen wurden verstümmelt. Die USA setzten bei ihren Flächenbombardements Napalm- und Splitterbomben ein. Bei diesem Bombenterror wurden mehr Bomben abgeworfen als während des Zweiten Weltkrieges auf allen Kriegsschauplätzen zusammen. Sie erklärten ganze Gebiete als Free-Fire-Zone in denen jegliches Leben vernichtet werden durfte mit dem Maßstab des Bodycounts, also so viele „Gegner“ wie möglich zu töten. Wobei der Gegner dadurch definiert wurde, dass er tot war. Ist er tot, war es ein Vietcong und nur ein toter Vietcong ist ein guter Vietcong. Bis heute leidet die Bevölkerung unter den Bombenblindgängern und Landminen sowie der chemischen Kampfführung mit Agent Orange, so dass es immer noch jährlich Verletzte und Tote gibt. Bis heute glaubt jedoch ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung es wären gerade einmal 100.000 Vietnamesen ermordet worden. Dass die USA diesen Krieg verloren haben, ist den meisten Menschen ebenso wenig bewusst. „Amerika hat den Krieg zwar verloren, aber den Krieg um die Erinnerung daran überall außerhalb Vietnams gewonnen, denn es dominiert das Filmemachen, die Buchveröffentlichungen, die Kunst und die historische Dokumentation.“ Viet Thanh Nguyen hat mit Der Sympathisant einen brillanten Roman geschrieben, der die Geschichte des Vietnamkrieges aus vietnamesischer Perspektive erzählt und damit die Dominanz der US-Geschichtsschreibung zumindest zum Wanken bringt.
Mythos Vietnamkrieg
Der Sympathisant ist ein namenloser Erzähler, der offensichtlich ein Geständnis zu Papier bringen muss. Was es damit auf sich hat, bleibt lange im Unklaren. Von Beginn an ist allerdings deutlich, was der Erzähler ist. „Ich bin ein Spion, ein Schläfer, ein Maulwurf, ein Mann mit zwei Gesichtern.“ Viet Thanh Nguyen hat einen Doppelagenten erschaffen, der zwar für die Amerikaner und Südvietnamesen arbeitet, tatsächlich aber ein Agent der Nordvietnamesen ist. Dabei ist der Spion einem realen Vorbild nachempfunden nämlich Phạm Xuân Ẩn. Wie so vieles in Nguyens Geschichte ist wenig erfunden. Es sind literarische Verdichtungen, chronologische Abweichungen, die Protagonisten sind fiktiv, sind aber zugleich auch real, wenn auch nicht im konkreten individuellen Fall.
Ngyuens Roman wird vom Feuilleton als moderner Spionagethriller gelabelt. Und das liegt natürlich auch nahe, beschreibt sich der Ich-Erzähler doch als Agent. Letztlich ist das aber nur die Rahmenhandlung, die einen zusätzlichen Spannungsbogen erzeugen und vor allem die Episoden verbinden soll. Denn letztlich ist der Sympathisant vor allem eine Abrechnung. Eine Abrechnung mit dem vorherrschenden westlichen Narrativ. Und dazu muss Nguyen zahlreiche Mythen auf- und angreifen, um sie möglicherweise für den einen oder anderen Leser auch zu zerstören. Dieser Kern der Erzählung ist selbst dermaßen spannend, dass bereits diese vietnamesischere Perspektive einen unglaublichen Spannungsbogen erzeugt. Als dritte Ebene gibt es noch eine Freundschaft dreier Männer, die bis ins Kinderalter zurückreicht und über ideologische Grenzen hinweg bestehen bleibt. Allerdings schließen sich zwei der Revolution an, während sich der dritte nicht nur für Südvietnam entscheidet, sondern auch an einem der grausamsten Mord- und Folterprogramme teilnimmt, der Operation Phoenix. Ein Vabanquespiel zwischen Konfrontation und Kooperation.
Herz der Finsternis
Der Agent ist ein Intellektueller. Trotz oder gerade wegen seiner professionellen Gespaltenheit, reflektiert er den Krieg, die USA, Vietnam, die Soldaten, Geheimdienste, Zivilisten, Politiker und nicht zuletzt sich selbst kritisch. Dadurch wird ein vielfältiger Blick auf die Jahre des Krieges und kurz danach geworfen. Kaum etwas wird ausgelassen. Ein Höhepunkt des Romans stellt sicherlich die Kritik an Hollywood dar. Der Spion verlässt 1975 am Ende des Vietnamkrieges (der in Vietnam Amerikanischer Krieg heißt), das Land und „flüchtet“ mit anderen Militärs in die Vereinigten Staaten. Hier soll er die Opposition, die Konterrevolutionäre überwachen.
Er wird mehr oder weniger durch Zufall zum Berater für einen Vietnamfilm. Und dieser Film ist eine Anspielung auf die bekanntesten Vertreter des Genres. Man kann Parallelen zu Platoon, Full Metal Jacket und allen voran Apocalypse Now entdecken. Zu Francis Ford Coppolas Film gibt es eine herausragende Dokumentation seiner Frau Eleanor Reise ins Herz der Finsternis. Viele Szenen des Romans sind eine direkte Anspielung hierauf. Die grotesken wahren Ereignisse rund um Coppolas Film werden kongenial von Nguyen adaptiert und zu seiner Generalkritik verarbeitet.
„Ich war so naiv zu glauben, den Organismus Hollywood von seinem Ziel abbringen zu können, nämlich der Lobotomisierung und Ausbeutung des Kinopublikums auf der ganzen Welt. Der zusätzliche Nutzen Hollywoods war Geschichtsschreibung nach dem Prinzip des Tagebaus. Die Realität blieb zusammen mit den Toten unter der Oberfläche, das staunende Publikum bekam nur die winzigen, funkelnden Diamanten. Hollywood erschuf nicht nur Monster, es war selbst ein Monster…“
Es ist definitiv von Vorteil wenn man den Film Apocalypse Now kennt und noch gewinnbringender ist es, wenn man ein wenig von den Entstehungszusammenhängen des Films weiß. Wer sich nicht gleich die dreieinhalb Stunden Fassung „Redux“ anschauen möchte oder auch für die Dokumentation keine Zeit hat, sollte auf jeden Fall vorher den Artikel Am Ende waren alle verrückt gelesen haben. Nguyen greift mit seiner Hollywoodkritik einen Kern des amerikanischen Selbstverständnisses an. Die Traumfabrik produziert eben nicht nur schöne Märchen und fantastische Geschichten, sondern auch und nicht zuletzt erzeugt Hollywood das herrschende Narrativ, die einzig gültige Deutung über die Geschichte und Gegenwart.
„Mit Filmen klopfte Amerika den Rest der Welt weich, erbarmungslos attackierte Hollywood die mentalen Abwehrkräfte des Publikums mit der Hit-, der Smash-, der Spektakel-, der Blockbuster- und ja, sogar mit der Kassenflopbombe. Es spielte keine Rolle, welche Geschichte die Zuschauer zu sehen bekamen. Entscheidend war, dass es die amerikanische Geschichte war, die sie sahen und mochten – bis zu dem Tag, an dem sie vielleicht selbst von den Flugzeugen bombardiert wurden, die sie in amerikanischen Filmen gesehen hatten.“
Das Grauen des Krieges
Eine Geschichte über den Vietnamkrieg kommt nicht ohne Folter aus. Die Wahrheit kann in einem Roman nicht verarbeitet werden, dazu waren die Foltermethoden schlichtweg zu grausam. Ngyuen greift aber einen wichtigen Aspekt der Folter auf, der zudem noch hochaktuell ist. Bei Folter geht es nicht darum Geständnisse zu erpressen oder Informationen zu gewinnen. Das ist lediglich die Rechtfertigung. Tatsächlich geht es bei Folter um Terror. Wir können euch schlimmeres antun als den Tod. Wir können euch den Tod verweigern. Die Amerikaner haben von den Nazis und den Franzosen im Algerienkrieg gelernt und die Foltermethoden verfeinert und verwissenschaftlicht. Herausgekommen ist KUBARK – das Handbuch, die Anleitung zum Foltern. Dabei geht es darum, die Persönlichkeit des Gefangenen zu brechen. Was in der Sympathisant teilweise grausam beschrieben wird, ist nichts anderes als das was immer noch gegenwärtig im Namen des War on Terror geschieht. Nicht nur hier hat Der Sympathisant Ähnlichkeiten mit dem kongenialen Roman American War von Omar El Akkad.
„Wir seiften uns ein mit Tristesse und duschten uns ab mit Hoffnung, und obwohl wir fast jedem Gerücht glaubten, das uns zu Ohren kam, weigerte sich fast jeder von uns zu glauben, dass unsere Nation untergegangen war.“
Der Sympathisant ist nicht nur eine Lektion in Geschichte, es ist eine Lektion in Selbst- und Medienkritik. Dass Viet Thanh Nguyen dieses schwierige Thema herausragend verpackt hat, zeigt nicht zuletzt die Auszeichnung mit dem Pulitzerpreis. Was allerdings auch bedeutet, dass er nicht allzu sehr aneckt. Denn eine schonungslose Erzählung sehe noch einmal ganz anders aus. Das wäre dann aber wohl zu konfrontativ geworden und damit wäre auch das Publikum nicht erreicht worden.
Sein großartiger Schreibstil trumpft mit unzähligen grandiosen Metaphern, Sprachbildern und Allegorien auf, die es trotz des teils brutalen Themas schaffen, eine satirisch groteske Stimmung zu erzeugen. Der Sympathisant ist jetzt schon ein Klassiker. Feinste Literatur mit einem wichtigen und bewegenden Thema.
- Mascha Kaléko
Verse für Zeitgenossen
(30)Aktuelle Rezension von: OrishaLiebe, Flucht und Familie, das sind die Themen, die "Verse für Zeitgenossen" bestimmen. Themen, die berühren und Themen, die Kaléko ganz offensichtlich umtrieben und beschäftigen. Besonders intensiv sind ihre Gedichte über Berlin, ihre verlorene Heimat. Denn Kaléko musste, wie so viele, in der NS-Zeit emigrieren. Der Verlust der Herkunft ließ sie nie los und das zeigt sich deutlich. Eine Ode an Kladow, aber auch an ihre neue Heimat - Greenwich Village zeigen ihre Sehnsucht, ihre Zerrissenheit.
"Verse an Zeitgenossen" ist eines der wenigen Bücher, die in den USA in den 1940er Jahren auf Deutsch erschienen. Und damit wird Kaléko irgendwie auch zum Sprachrohr der vielen deutschen Exilanten.
Fazit: Ein wunderbares Büchlein. Kraftvoll, melancholisch, einfach schön. - Margret Greiner
Charlotte Salomon
(6)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisAnlässlich des 100. Geburtstags von Charlotte Salomon am 16. April 2017 rückt diese Biografie von Margret Greiner erstmals die vielen Bilder der jüdischen Malerin in den Blickpunkt. Zuvor hat das kurze Leben der Malerin Stoff für einen Roman (David Foenkinos), Filme und eine Oper (Regie Luc Bondy) geboten.
Penibel, wie es Margret Greiners Arbeitsweise ist, hat sie sich auf die Spurensuche nach Charlotte Salomon begeben.
Wer ist sie nun, diese Charlotte Salomon?
Charlotte ist ein typisches Kind ihrer Zeit: 1917 in die bürgerliche Welt eines jüdischen Arztes in Berlin hinein geboren. Aufgewachsen mit der Lüge, dass ihre Mutter an der Grippe verstorben wäre. Eines der zahlreichen Kindermädchen weckt in Charlotte die Lust, zu zeichnen und zu malen. Später wird der Vater die Sängerin Paula heiraten. Der latente Antisemitismus, der in Deutschland herrscht führt dazu, dass Charlotte die Schule kurz vor dem Abitur abbricht. Die Kunsthochschule wird sie dann ebenfalls ohne Abschluss verlassen.
Als die Nazis 1933 an die Macht kommen, teilt die Familie Salomon das Schicksal der meisten jüdischen Familien: Ausgegrenzt, verspottet und ihrer Besitztümer beraubt. Die Großeltern sind rechtzeitig nach Frankreich emigriert und leben auf dem Anwesen der Ottilie Moore.
Charlotte reist widerwillig zu ihren Großeltern. Der Selbstmord ihrer Großmutter und die Internierung im Lager Gurs stürzen Charlotte in eine tiefe Krise. Denn hier, im französischen Exil, erfährt sie von ihrem Großvater, dass es in ihrer Familie bereits acht Suizide gegeben hat. Ihre Mutter war auch eine dieser Selbstmörderinnen. Sie muss einfach malen, um nicht verrückt zu werden. In den Jahren 1940-1942 malt sie rund 1.300 Bilder, die einem Tagebuch ähnlich, ihre Geschichte zeigen.
Im Juni 1943 heiratet Charlotte Salomon den österreichischen Emigranten Alexander Nagler. Im Herbst werden sie von Spitzeln der Vichy-Regierung verraten und nach Auschwitz deportiert. Charlotte ist schwanger und wird vermutlich noch am Ankunftstag ermordet. Ihr Mann stirbt 1944 an den Folgen der unmenschlichen Bedingungen.
Meine Meinung:
Margret Greiner ist wieder eine eindrucksvolle Biografie gelungen. Sie nähert sich behutsam, aber bestimmt der Malerin an. Die Stimmung in Berlin der Zwischenkriegszeit ist authentisch wiedergegeben. In klaren, präzisen Worten beschreibt sie das kurze Leben der Charlotte Salomon und ihr beeindruckendes Werk. Ihre Bilder sind von Malern wie Matisse, Picasso oder van Gogh inspiriert. Dennoch hat sie einen eigenen, eindrucksvollen Malstil, den man ihr fast nicht zutraut. Sie malt wie besessen, als wenn sie wüsste, dass ihr nicht mehr viel Zeit bliebe.
Gleich zu Beginn der Biografie finden wir einige der Gouachen aus jenem Konvolut, das Charlottes Eltern Ottilie Moore abgekauft haben. Im Anhang finden die Chronologie von Charlotte Salomons Leben und Literaturhinweise.
Fazit:
Eine gelungene Biografie einer fast vergessenen Künstlerin. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.
- Robert Harris
Dictator
(65)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchBereits die ersten beiden Bände ("Imperium" & "Titan") zu Cicero und seiner Rolle in der niedergehenden römischen Republik lassen einen guten Blick in diese Zeit zu. Harris gelingt es - gestützt auf sehr gute Sekundärliteratur zu diesem Thema (man kann seine inhaltliche, chronologische aber auch wertende Orientierung an der Caesar-Biografie von Christian Meier deutlich herauslesen) - diese rasante Zeit in fesselndes Kopfkino zu verwandeln.
"Dictator" schließt diesen Dreiteiler gebührend ab und bringt die Dramatik dieser Epoche bestens zum glühen. Intelligente und dabei herausragend unterhaltsame Geschichtsstunden, die nachhaltig auch einen Blick in den heutigen Politikzirkus und den darin vollzogenen Machenschaften erlaubt. Parallelen sind unverkennbar und sollten einfach beim Lesen mitgedacht werden. - Adélaïde de Clermont-Tonnerre
Der Letzte von uns
(62)Aktuelle Rezension von: Jeys_Book_LinesBei "Der Letzte von uns" von Adélaïde de Clermont-Tonnerre habe ich erfreulicherweise schon nach den ersten paar Seiten festgestellt, dass sich die Geschichte durch den lockeren Schreibstil wirklich gut und vor allem auch schnell lesen lässt.
Aber kommen wir zuerst einmal zum Inhalt: Während der Bombennächte in Dresden bringt die schwer verwundete Luisa ihren Sohn zur Welt. Kurz darauf stirbt sie. Ihr letzter Wunsch ist es, ihn in Sicherheit zu wissen, denn sie ahnt: Er ist der Letzte von ihnen. Manhattan, fünfundzwanzig Jahre später. Wern ist jung, ambitioniert und unsterblich in Rebecca verliebt, enfant terrible und Tochter einer reichen New Yorker Familie. Die beiden verbindet eine außergewöhnliche Liebe: leidenschaftlich, inspirierend und bedingungslos, so zumindest scheint es. Doch plötzlich bricht Rebecca ohne weitere Erklärungen den Kontakt zu ihm ab. Und Wern muss sich einer schmerzhaften Wahrheit stellen.
Die Handlung wird auf zwei verschiedenen Zeitebenen erzählt, was beim Leser für Abwechslung sorgt und interessante gesellschaftliche Einblicke in die damaligen Zeiten ermöglicht. Besonders gelungen ist hierbei die Darstellung der 1960er- und 1970er- Jahre im aufstrebenden Manhattan.
Leider bleiben aber gerade die Charaktere flach und wenig überzeugend, besonders das Hin und Her zwischen Werner und Rebecca hat mich wirklich genervt, ich mag solche übertrieben dargestellten Beziehungsdramen einfach nicht. Werners übermäßiges Ego und seine grundlose Eifersucht stehen hierbei im Kontrast zu Rebeccas sprunghaftem Verhalten und ihrem "zickigem Mädchen aus reichem Hause"-Image. Ganz ehrlich, die Liebesgeschichte der beiden wirkt für mich regelrecht erzwungen und unglaubwürdig. Weniger wäre hier deutlich mehr gewesen!
Eine interessante Facette des Buches ist jedoch die Einbindung realer historischer Ereignisse, insbesondere die Rolle von Wernher von Braun, einem bedeutenden Wissenschaftler und Pionier der Raumfahrt. Durch diese Verknüpfung werden dem Leser historische Einblicke in die Geschichte geboten, insbesondere in Bezug auf von Brauns Rolle im nationalsozialistischen Deutschland und seine spätere Übersiedlung in die Vereinigten Staaten.
Das letzte Drittel des Buches hebt sich dann ebenfalls nochmals positiv vom Rest der Geschichte ab, da meine vielen offenen Fragen beantwortet wurden. Dennoch bleibt das Gesamtbild der Story von einer gewissen Schwarz-Weiß-Malerei geprägt, was meiner Meinung nach die Tiefe der Geschichte stark beeinträchtigt. Somit ist "Der Letzte von uns" eine kurzweilige und ganz passable Lektüre, die jedoch nicht herausragt, da sie doch zu klischeebehaftet ist. Ich habe zur Thematik dieses Buches schon weitaus bessere Bücher gelesen.
- Jonathan Lethem
Der Garten der Dissidenten
(9)Aktuelle Rezension von: sKnaerzleAngeblich erzählt der Roman eine "linke Geschichte der USA", aber ich finde die Hauptfiguren sind viel zu individualistisch, um etwas anderes als ihre eigene Geschichte zu verkörpern.
Es dauerte lange, bis ich in das Buch "reinkam", Ich interessierte mich nicht für die erste Hauptperson, Rose Zimmer, weil sie mir als ziemlich durchschnittliche Arbeiterin erschien, während der Erzähler immer behauptet, sie sei irgendwie dämonisch, und in der Tat versucht sie einmal ihre eigene Tochter umzubringen, was irgendwie hochsymbolisch ist, auf der Handlungsebene aber unmotiviert und doof.
Dann kommen viele Anspielungen auf Baseball und was Bob Dylan der Folk-Musik angetan hat, bzw. wie er sie weiterentwickelt hat, was mir alles aber nichts sagt.
Roses Tochter Miriam lebt als Hippe in einer Kommune in New York, kifft zu viel, weiß das auch und verbringt ihre Zeit bei Demonstrationen und der Besetzung einer Feuerwache, was wohl ein bedeutendes historisches Ereignis war.
Dann gibt es noch einen angepassten Universitätsdozenten, der seinen nicht vorhandenen Nonkonformismus pflegt - bzw. vielleicht steckt auch mehr dahinter und ein sehr einsames Kind.
Dieser Personen fand ich dann ganz interessant und damit ließ sich das Buch auch gut lesen.
In Wahrheit sind viele Figuren erstaunlich spießig. Miriam ist verheiratet und hat ein Kind und bleibt ihrem Mann treu, obwohl sonst jeder mit jedem schläft und Rose verschafft einem Jungen aus der Nachbarschaft ein Universitäts-Stipendium, der dann später, als sie in einem Pflegeheim lebt, Verantwortung für sie übernimmt und sie regelmäßig besucht.
Mehr gehört hätte ich gerne von der Gemeinschaftssiedlung Sonny-Side mit den Gemeinschaftsgärten. die am Ende privatisiert sind. Wie lebt es sich in solch einer Gemeinschaft? Aber für Gemeinschaften interessieren sich Letheems Superindividualisten nicht die Bohne - sie leben in einer möglch kleinen Zelle, in der sie sich paranoid einschließen und gehen zu recht unter
- Edward Snowden
Permanent Record
(21)Aktuelle Rezension von: Masau*** 3,5 STERNE ***
Interessant alles aus der Sicht von Snowden selbst zu hören.























