Bücher mit dem Tag "faschismus"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "faschismus" gekennzeichnet haben.

124 Bücher

  1. Cover des Buches 1984 (ISBN: 9783328111368)
    George Orwell

    1984

    (4.270)
    Aktuelle Rezension von: Daniel_Roger

    1984 von George Orwell hat mich vor allem durch seine beklemmende Atmosphäre schockiert. Die Welt fühlt sich kalt und überwacht an. Man spürt auf jeder Seite den Druck, unter dem die Menschen stehen. Die Geschichte fesselt von Anfang an und lässt einen kaum los. Viele Gedanken bleiben auch nach dem Lesen im Kopf. Das Buch regt dazu an, über Freiheit und Kontrolle nachzudenken. Für mich war es eine intensive und eindrucksvolle Lektüre.  

  2. Cover des Buches Winter der Welt (ISBN: 9783404169993)
    Ken Follett

    Winter der Welt

    (823)
    Aktuelle Rezension von: Tagtraumtaenzerin

    In "Winter der Welt" von Ken Follett wird der Zweite Weltkrieg behandelt. Wir begleiten wieder Familie Williams, Dewar, von Ulrich, Fitzherbert und Peschkow. Es müssen Entscheidungen getroffen werden, die nicht immer für alle glimpflich ausgehen. Von der ersten bis zur letzten Seite fesselt die Geschichte! Der Umfang kann erst abschreckend wirken, aber man merkt irgendwann nicht mehr wie viel man schon gelesen hat. Ken Follett beschreibt alles so gründlich, sodass man mit den Charakteren nur mitfühlen kann. Trauer und Freude sind ausgewogen, sodass man, trotz dieser ernsten Thematik, immer wieder die Kraft findet weiterzulesen. Gerade wirkt die Thematik auch wieder sehr aktuell, vermutlich bekam ich deswegen die ein oder andere Gänsehaut. 


    Ich freue mich auf den Folgeband!

  3. Cover des Buches NSA - Nationales Sicherheits-Amt (ISBN: 9783404179008)
    Andreas Eschbach

    NSA - Nationales Sicherheits-Amt

    (364)
    Aktuelle Rezension von: Hanns_Steffen_Rentschler

    Andreas Eschbach hatte eine geniale Idee.

    Also wirklich.

    Was wäre, wenn die Nazis schon Computer gehabt hätten?

    Eine dieser Fragen, bei denen man als Leser das Popcorn fallen lässt und denkt:

    „Holy shit – das wird böse.“

    Aber was kommt?

    Ein Roman wie ein eingeschlafener Systemadministrator.

    Eschbach öffnet die Hölle – und macht dann erstmal ein Backup.

    Er ersetzt Goebbels durch Google, Himmler durch Hashwerte und den totalen Krieg durch eine sehr gründliche Datenbankpflege.

    Widerstand? Fehlanzeige.

    Konsequenz? Abgemildert.

    Technologischer Impact?

    So revolutionär wie eine Fritzbox im Reichstagsbunker.

    Denn wer glaubt, man könne dem Dritten Reich digitale Macht geben, ohne die Welt gleich mit in den Abgrund zu ziehen, der schreibt nicht spekulativ – der schreibt feige.

    Statt einer rasenden Neuinterpretation der Geschichte gibt’s kleinteiliges Hackerpathos, moralisches Rumschleichen und ein bisschen Metaethik auf Unterhaltungsniveau.

    Eschbach will warnen – aber bitte so, dass es niemandem den Schlaf raubt.

    Die Vision bleibt brav. Die Dystopie harmlos.

    Die Pointe?

    Technik ist gefährlich.

    Danke. Das wussten wir schon.

    Eschbach zeigt mal wieder wie ungefährlich Literatur bleibt –

    wenn sie ihre eigenen Ideen nicht zu Ende denkt.


    Stell dir vor, Hitler hat Zugriff auf Big Data – und Eschbach macht daraus einen Roman über Datensparsamkeit.



  4. Cover des Buches Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten (ISBN: 9783956867842)
    Morton Rhue

    Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten

    (2.335)
    Aktuelle Rezension von: Perse
    • Details:

    Ausgabe: Taschenbuch 

    Originaltitel: The Wave

    Erscheinungsjahr: 1984 (in Deutschland)

    Altersempfehlung: ab 12 Jahren

    Verlag: Ravensburger 

    Genre: Jugendliteratur 

    Seitenanzahl: 186

    • Inhalt:

    In einer Amerikanischen Schule ereignete sich folgendes (nach einer wahren Begebenheit)... Im Geschichtsunterricht wird der Nationalsozialismus behandelt und den Schülern kommen Fragen auf: "Wie konnten die Deutschen behaupten sie hätten von alldem nichts gewusst?" und "Wie konnte es überhaupt soweit kommen?". Ein Lehrer beschließt daraus ein Experiment zu machen, dass sich verselbständigt und zu weit geht...

    • Wie das Buch zu mir gefunden hat:

    Ich hatte das Buch damals im Schulunterricht gelesen, als wir das Thema "Nationalsozialismus" behandelt hatten. Im Zuge dessen, haben wir uns auch ein Theaterstück dazu angesehen. Das Buch habe ich nie vergessen und wollte es noch einmal gelesen haben. Ich habe mir wieder eine "BIBCARD" gemacht und habe dann das Buch ausgeliehen...

    • Meinung:

    Der Nationalsozialismus ist ein sehr intensives Thema und deswegen ist dieses Werk so wichtig, weil es aufzeigt das wir Individuen sind die die Gabe haben selber zu Denken und zu hinterfragen. Denn das Handeln in der Gruppe, mindert nicht die Schuld am getanen.

    • Fazit:

    Ich habe das Buch gerne und zügig gelesen. Für mich gehört dieses Werk zu den Klassikern der Jugendliteratur und ist zu Recht eine Pflichtlektüre. 

    Ich hoffe, dass sich daran auch nichts ändert!

    • Empfehlung:

    Für alle, die etwas zum Thema "Nationalsozialismus" und/oder Sozialexperiment lesen möchten.

    Eine Kauf- und Leseempfehlung von mir! 

    • Tipp:

    - Schaut euch den gleichnamigen Film von 2008 an.

    - Die Welle als Theaterstück ist nur zu empfehlen.

    • Lieblingszitate:

    "»Was damals geschehen ist, kann man heute nicht mehr ändern.« »Aber man darf es auch nicht vergessen«..."

    Kapitel 3 - Seite 28

    "Als er dann in die Klasse stürzte, erwartete er, eine Art Irrenhaus vorzufinden, doch er erlebte eine Überraschung."

    Kapitel 6 - Seite 57

    "»Du darfst nur nicht vergessen, dass das Beliebte durchaus nicht immer das Richtige sein muss «"

    Kapitel 7 - Seite 70

    "Und obgleich sie es wie im Scherz sagte, hoffte sie doch, das er es als Warnung verstünde."

    Kapitel 7 - Seite 73

    "»Laurie, wenn du einmal untersuchst, war für Menschen sich solchen Gemeinschaften anschließen, dann wirst du feststellen, dass es fast immer Menschen sind, die mit sich selbst und ihrem Leben unzufrieden sind. Sie sehen diesen Kult als eine Möglichkeit der Veränderung, eines neuen Anfangs, einer Art Wiedergeburt....«"

    Kapitel 9 - Seite 95

    "Man musste sich verstecken, wenn man nicht dazugehörte!"

    Kapitel 12 - Seite 119

    "»Faschismus, das ist nicht etwas, das nur andere Menschen betrifft. Faschismus ist hier mitten unter uns und in jedem von uns.«"

    Kapitel 17 - Seite 177

    "Einstein hat einmal gesagt: »Die Welt wird nicht bedroht von den Menschen, die böse sind, sondern von denen, die das Böse zulassen.«"

    Nachbemerkungen des Verlages - Seite 185

  5. Cover des Buches Das Labyrinth des Fauns (ISBN: 9783733505523)
    Cornelia Funke

    Das Labyrinth des Fauns

    (605)
    Aktuelle Rezension von: Silla_Gu

    Hach, ich weiß gar nicht so genau, was ich sagen soll…Ich habe den Film damals schon geliebt und kann selbst gar nicht so genau erklären warum 😅 Das Buch hat es mir mindestens genauso angetan wenn nicht noch mehr! Die Geschichte ist düster, bedrückend, brutal und im Endeffekt einfach nur tragisch…Mein Herz ist an so vielen Stellen für Ofelia gebrochen und ich habe so mit ihr gelitten das am Ende sogar ein paar Tränchen liefen 😢 Das Buch beweist, dass nicht nur Filme auf Büchern basieren können sondern das es auch ganz wunderbar andersherum funktioniert. Cornelia Funke hat diese besondere Geschichte von Guillermo del Toro fantastisch in Buchform gebracht! Ich hatte das Gefühl ich konnte im Buch der Geschichte sogar noch besser folgen und habe Zusammenhänge besser verstanden als beim Film. Ich liebe auch die Illustrationen sowie die Gestaltung des Umschlags und des Buches an sich, wunderschön! (Ich habe eine andere Ausgabe als die hier abgebildete Version) 
    Allen die den Film kennen und ihn mochten kann ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, bei allen anderen wird es ganz bestimmt Geschmacksache sein, wie beim Film eben auch (wie viele schauen mich schräg an wenn ich sage das ich den Film liebe 😂). Ich bleibe mit einem schwermütigen Gefühl zurück und hoffe für Ofelia und ihre wunderbare Familie einfach nur, dass es Magie eben DOCH gibt! ✨

  6. Cover des Buches Erzählende Affen (ISBN: 9783550201677)
    Samira El Ouassil

    Erzählende Affen

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    Wir Menschen lieben Geschichten. Wir erzählen sie über uns selbst und andere, sie begegnen uns - natürlich - im Kino, im Fernsehen und in Büchern, aber auch in dem, was unsere Gesellschaft zusammenhält und spaltet. Die beiden Geisteswissenschaftler*innen Samira El Ouassil und Friedemann Karig widmen sich in ihrem Sachbuch "Erzählende Affen" der komplexen Frage, wie Geschichten unser Leben und unsere Gesellschaft prägen. Dabei geben sie in der ersten Hälfte des Buches viel Grundwissen zu modernen Literaturtheorien an die Hand und spezialisieren sich insbesondere auf die Heldenreise, die - wie ich lernen durfte - auf fast alle unsere Geschichten anwendbar ist. Beispiele für die Heldenreise geben sie zuhauf, von antiken Epen wie "Illias" und die "Odyssee" bis hin zu den modernen Sagen wie "Harry Potter" oder "Der Held der Ringe" ist alles dabei, leider spoilern die beiden auch gerne einmal die Enden der Geschichten. In der zweiten Hälfte von "Erzählende Affen" geht es um aktuelle Narrative der Politik, Klimakrise und Gesellschaft - und wie sie anders erzählt werden könnten, um Veränderungen anzustoßen. Ich fand Karigs und El Ouassils Thesen durchaus spannend und habe auch viel aus ihrem Sachbuch mitnehmen können, allerdings leidet das Buch für mich unter seiner Ausführlichkeit. Die zahlreichen Fußnoten und Exkurse haben meinen Lesefluss sehr gehemmt, auch sprachlich habe ich "Erzählende Affen" als viel zu akademisch und schwer zugänglich empfunden. Zudem hatte ich am Ende des Buchs das Gefühl, dass trotz der Seitenstärke und Themenfülle die nötige Tiefe verloren gegangen ist. Von mir gibt es daher nur eine Empfehlung, wenn ihr euch besonders für das Thema Macht von Geschichten interessiert.

  7. Cover des Buches Nur ein Tag (ISBN: 9783596197781)
    Gayle Forman

    Nur ein Tag

    (531)
    Aktuelle Rezension von: Mama_liest_wieder

    Ich hatte das Buch jetzt schon länger im Regal stehen und hatte jetzt endlich Zeit es zu lesen. Den Anfang fand ich wirklich gut. Es war gut zu lesen und ich kam gut durch. Ich fieberte sogar richtig mit. Dann kam der 2. Teil in dem Allyson sehr depressiv war und das hat mir so gar nicht gepasst.

    Wieso müssen Mädchen denn sofort Depressiv werden wenn ein Typ sie sitzen lässt?

     Im laufe des weiteren Buches wird dann klar das sie eigentlich hauptsächlich der Version von sich selbst nach trauert. Also nimmt sie ihr Leben in die Hand und versucht es zu ändern. An diesem Punkt gefällt mir das Buch sehr gut. Allyson wird richtig Aktiv macht eine enorme Charakter Entwicklung durch und kommt aus der Passivität heraus. Über den Punkt das sie Willem jetzt auf eigene Faust sucht bin ich zwiegespalten. Auf der einen Seite feier ich es das sie nicht auf ihn wartet um sich finden und retten zu lassen, sondern das sie selber los zieht und ihn finden will. Auf der anderen Seite finde ich aber auch das es vermittelt das man einem Typen einfach weiter hinterher laufen muss auch wenn er einen einfach sitzen gelassen hat. Aber ich denke das ist einfach dem Genre geschuldet. Trotzdem hätte ich es besser gefunden hätte sie die Suche erst begonnen wenn ihr ein Zeichen geschickt worden wäre das Willem auch gefunden werden will. Z.b. ein Zettel mit hole kurz Frühstück in ihrem Rucksack den sie seid dem Tag nicht mehr geöffnet hat oder so etwas.

    Alles in allem finde ich das Buch trotzdem gut. Und würde es auch weiter empfehlen. Vor allem gefällt mir die Allyson die emanzipiert Ihr Leben selbst in die Hand nimmt.

  8. Cover des Buches Bruno Chef de police (ISBN: 9783257261219)
    Martin Walker

    Bruno Chef de police

    (276)
    Aktuelle Rezension von: Sanne54

    Nachdem ich schon sehr oft über Bruno, den Chef de Police eines kleinen Örtchens in der französischen Provinz gestolpert bin, nie aber ein Buch gelesen habe, habe ich nun doch mal einen Blick in den ersten Teil gewagt.

    Und bin auch eine durchaus charmant konstruierte Geschichte gestoßen, was den namensgebenden Protagonisten und das Setting betrifft. Ein bisschen wie Rosamunde Pilcher in Frankreich. (Passenderweise kommen auch einige Engländer vor.) Bruno, dessen Rolle nicht so ganz trennscharf auf den örtlichen Polizisten festzulegen ist, hat eine große Schwäche fürs Kulinarische und die Tradition seines Perigords, wofür er sich gerne auch mal mit der EU anlegte, und ist anerkannter Teil seiner Gemeinde Saint-Denis. Obwohl kleinere Versuche gewagt werden, der Figur Tiefe zu verleihen (betrifft seine Vergangenheit in der Armee und dass er als Waise aufgewachsen ist), bleibt der überzeugte (?), aber begehrte Junggeselle sympathisch, allerdings ohne Ecken und Kanten. Das finde ich persönlich Schade.

    Insgesamt wartet das Buch für mich mit zu vielen Klischees auf. Vielleicht trägt das zum "Cosy"-Gefühl bei, das diese Krimi-Reihe so erfolgreich macht, ich würde mir mehr Authentizität wünschen und weniger "Reiseführer"-Feeling. Da sind die Figuren die entscheidenden Stellschrauben, wie ich finde.

    Und dann macht zwischen Wochenmarkt, Kulinarik und Tennisplatz der Fall plötzlich eine überraschende Wendung. Nicht nur durch den brutalen Mord, bei dem Bruno den Ermittlern zuarbeitet, sondern auch durch den politisch-historischen Hintergrund, den der Autor einarbeitet. Hier werden interessante Themen aufgeworfen, die aber in diesem Kontext einfach zu flach und banal bearbeitet werden. Das wird der Thematik einfach nicht gerecht, weshalb ich einen zweiten Punkt abziehe. Vielleicht passen die folgenden Fälle Brunos besser zum Setting und sind nicht im Bereich des politisch-brisanten Kapitalverbrechens angesiedelt, denn das würde ihnen meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.

    Im Großen und Ganzen leicht lesbare Unterhaltung und ein sympathischer, spitzbübischer Protagonist, der nachvollziehbar viele Fans hat und hier aber leider in eine zu ambitionierte Story verwickelt wurde.


  9. Cover des Buches Jugend ohne Gott (ISBN: 9783872912299)
    Ödön von Horváth

    Jugend ohne Gott

    (585)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    „Jugend ohne Gott“ von Ödön von Horváth hat mir sehr gut gefallen, besonders wegen der eindrucksvollen, bildlichen Sprache. Sie macht die düstere Atmosphäre und die moralischen Konflikte lebendig und greifbar. Die Erzählweise zieht einen tief in die Gedankenwelt der Figuren hinein und regt zum Nachdenken über Gesellschaft und Werte an. Ein fesselndes Buch, das auch heute noch sehr relevant ist!

  10. Cover des Buches Westwall – Auf welcher Seite willst du stehen? (ISBN: 9783328105947)
    Benedikt Gollhardt

    Westwall – Auf welcher Seite willst du stehen?

    (112)
    Aktuelle Rezension von: knuddelbacke

    Ich bin eher zufällig auf das Buch gestoßen, fand de Thematik aber von Anfang an spannend. Im Sommerurlaub vergangenen Jahres sind wir in den Niederlanden auf den Atlantikwall gestoßen und ich finde die Thematik nach wie vor spannend . Das der Autor in diesem Buch die Neonazi Szene sowie den Verfassungsschutz verknüpft, eine gelungene Kombination. Man merkt beim lesen des Buches, dass der Autor Erfahrung mit Drehbüchern hat. Der Schreibstil ist sehr plastisch und Bildhaft , was ich grundsätzlich beim lesen schätze. Verschiedene Handlungsstränge und Leben werden hier spannend miteinander verknüpft.

    Der Stil ist leicht verständlich. Jedoch muss ich bemängeln, dass die Charaktere teilweise sehr klischeehaft dargestellt sind. Natürlich gibt es in jedem Buch immer irgendein Klischee, dass bedient wird, hier waren es mir jedoch eindeutig zu viele. Zum Ende hin waren es für mich unterm Strich auch zu viele Leichen, die den Weg in diesem Buch gepflastert haben. So wirkte das Buch dann an manchen Stellen unglaubwürdig und konstruiert - schade, denn thematisch gesehen fand ich das Buch wie bereits erwähnt sehr gelungen.

  11. Cover des Buches Der Fall Collini - Filmausgabe (ISBN: 9783442718665)
    Ferdinand von Schirach

    Der Fall Collini - Filmausgabe

    (563)
    Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue

    Ich habe das Buch schon ewig im Auge und hab nun das ebook gelesen und dachte erst, ob bei 116 ebook Seiten was dabei rauskommt. Und ja das tut es.

    War spannend und war für mich insgesamt viel zu schnell vorbei. Konnte gar nicht so richtig sagen, vorneweg, in welche Richtung sich das entwickelt. Damit hab ich nicht gerechnet und muss sagen, hätte gerne mehr davon gelesen. 

    Empfehlung!

  12. Cover des Buches Piccola Sicilia (ISBN: 9783596702619)
    Daniel Speck

    Piccola Sicilia

    (168)
    Aktuelle Rezension von: Stolli

    Piccola Sicilia von Daniel Speck ist der direkte Nachfolger von Bella Germania und hat mich erneut mitgerissen, die teilweise sehr bedrückenden Stimmungen, insbesondere in Tunis, waren ganz tief zu spüren.

    Die Charaktere waren sehr gut beschrieben, ich konnte mich gut einfühlen. Gerade Yasmina war sehr negativ aber das war wohl so gewollt.

    Der Schreibstil wunderbar, ich konnte das Buch oft nicht aus der Hand legen.

    Wie in anderen Rezensionen war auch für mich das Ende einfach zu offen aber dies soll ja in Jaffa Road aufgeklärt werden.

  13. Cover des Buches Ich bleibe hier (ISBN: 9783257261806)
    Marco Balzano

    Ich bleibe hier

    (280)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Es gibt Regionen in Europa, die haben eine besonders dramatische, eine besonders leidvolle Geschichte. Süd-Tirol oder Alto Adige Sudtirolo (ital.) gehört sicher dazu. Die alternative Namensgebung verweist schon auf das politische, teils kriegerische Hin und Her in dieser inzwischen (1972) autonomen Provinz Italiens. Und zwischen den Mühlsteinen widerstreitender „Interessen“ reibt sich die Bevölkerung auf. Und nicht nur einmal stellt sich ihnen die Frage: Bleiben oder Fortgehen, Verharren oder Neuanfang?

    „Bis zum Marsch auf Bozen [1922] verlief das Leben in den Grenztälern im Rhythmus des Jahreszeiten. Es schien, als käme die Geschichte nicht bis hier herauf.“ Doch dann sind es gleich zwei Großereignisse, die die Bevölkerung in der Nordostecke Südtirols nachhaltig beeinflussen: der Zweite Weltkrieg (den Faschisten Mussolinis trotzen oder dem „Gröfaz“ hinterherlaufen?) sowie ein gewaltiges Staudammprojekt (mit Umsiedlungen). In einer anrührenden Geschichte werden die daraus entstehenden Konflikte im Großen wie die persönlichen Kämpfe innerhalb einer Familie geschildert.  Und über dieser ohnehin am Existenzminimum lebenden Familie schwebt, meist unausgesprochen, die Sehnsucht nach der in jungen Jahren fortgegangenen der Tochter (erzwungen oder freiwillig?). 

    Diese Sehnsucht bildet sich auch in der Erzählweise (Ich-Erzählerin) der Geschichte ab, die auch als eine Art Berichterstattung der Mutter an die Tochter gelesen werden kann – inklusive der immer wieder anbrandenden Gefühle: „Die wenigen Fotos, die ich noch [von dir] habe, hole ich nur selten hervor, mit der Zeit ist man nah am Wasser gebaut. Und ich hasse es zu weinen […], weil es mich nicht tröstet.“

    In diesem Roman wird nicht nur eine bewegende Geschichte erzählt, sondern auch ein Stück Zeitgeschichte sichtbar gemacht – sowie eine, trotz aller Unbilden des Lebens, aufmunternde Lebenshaltung der Erzählerin: „Die einzige Möglichkeit weiterzuleben ist vielleicht, sich zu verändern und nicht zu erstarren.“

    (9.4.2022)

  14. Cover des Buches Hemingway und ich (ISBN: 9783746636696)
    Paula McLain

    Hemingway und ich

    (70)
    Aktuelle Rezension von: MarinaH

    Martha Gellhorn war mir als Persönlichkeit bekannt, mich hatte ihr Leben schon immer sehr interessiert. Dieses Buch schien also wie der passende Roman dafür. Er behandelt nicht wirklich einen langen Abschnitt ihres Lebens, meiner Meinung nach, lernt man Marty dadurch trotzdem kennen und lieben.
    Der Schreibstil war sehr erfrischend, mir haben die vielen Metaphern Gefallen. Dass der Roman in „Ich“-Form geschrieben ist, hat ihn noch angenehmer für mich gemacht, vor allem weil man dadurch Marthas Gedanken und Gefühlswelt nur noch mehr kennenlernt.
    Auch die verschiedenen Abschnitte, in denen das Buch eingeteilt war, waren schlüssig und haben einen guten Überblick über die ganze Geschichte gegeben.
    Es gibt viele Kriegsbeschreibungen, die den Roman sehr spannend machen. Auch war es sehr interessant zu sehen, wie Martha als Schriftstellerin gearbeitet und gelebt hat. Natürlich nimmt Hemingway einen großen Teil der Geschichte ein, ich möchte nicht allzu viel vorwegnehmen, aber meine Gefühle waren sehr gemischt zu ihm.
    Insgesamt ist es ein sehr gutes und lesenswerter Roman, über eine starke und bewundernswerte Frau. 

  15. Cover des Buches Alle, außer mir (ISBN: 9783803132963)
    Francesca Melandri

    Alle, außer mir

    (65)
    Aktuelle Rezension von: HannaFeilitzsch

    Äthiopien liegt im Fokus dieses Romans. Ich habe ihn im Hinblick auf eine bevorstehende Reise gelesen und wie erwartet viel über das Land erfahren, die italienische Besatzung, aber unter dem Strich zieht sich die Geschichte stellenweise sehr. Schön geschrieben, ohne Frage. 

    Die Geschichte entfaltet sich über drei Generationen und verknüpft ein persönliches Schicksal mit dem Leben der Flüchtlinge in der heutigen Zeit - sehr spannend und der Kolonialzeit in Afrika. 

  16. Cover des Buches Empört Euch! (ISBN: 9783550088834)
    Stéphane Hessel

    Empört Euch!

    (189)
    Aktuelle Rezension von: Kerstin-Scheuer

    Über dieses Buch, das monatelange auf der Bestsellerliste stand, wurde bereits viel gesprochen und geschrieben. Für einige ist es wohl sogar zu einer Art "Bibel" geworden. Es geht zurück auf eine Rede Hessels, die viel Beachtung fand.
    Klar, dass ich dieses Werk auch einmal lesen wollte, um herauszufinden, was so besonders daran ist.

    Leider kann ich die allgemeine Euphorie nicht so ganz teilen.
    Bei dem dünnen Heftchen - ich würde es eher eine "Schrift" als ein "Buch" nennen - handelt es sich um den Aufruf eines 94jährigen an die jüngeren Generationen, sich endlich wieder mehr zu engagieren. Mich erinnerte dies etwas an das ewige "Früher war alles besser" und die ständigen "die Jugend von heute"-Klagen, die mich immer ärgern, weil sie schlicht und ergreifend falsch sind.
    Die Dinge, für wir uns engagieren sollen, liefert Hessel gleich mit. Neues hat er dabei nicht zu bieten: für Umwelt und soziale Gerechtigkeit, gegen die Macht der Banken und des Geldes, in Israel und den arabischen Ländern. Nunja.

    Was mich allerdings wirklich stark beeindruckte, war der Lebensweg von Hessel, von dem man das ein oder andere innerhalb der Schrift; wesentlich mehr jedoch in einem Nachwort erfährt. Hessel wurde in Deutschland geboren und flieht mit seinen Eltern während des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich aus, nachdem es der jüdischen Familie gelang aus dem KZ "Buchenwald" zu entkommen. (Schon allein DAS finde ich zu tiefst beeindruckend; es geht aber noch weiter) Als Jugendlicher und junger Mann engeagiert er sich in der Resistance gegen Nazideutschland und schreibt schließlich nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der Menschenrechtscharta mit. Später ist er als Botschafter für Frankreich an den unterschiedlichsten Orten weltweit im Einsatz. Wow!
    Mit diesem Hintergrund, finde ich, bekommt die Schrift doch gleich eine ganz andere Perspekitve. Wer sich stets so sehr für die eigenen Ideale und eine bessere Welt einsetzte, hat meiner Meinung nach alles Recht, sich über die heutigen Verhältnisse und die scheinbare Letargie der Jugend zu beschweren. Denn - sind wir mal ehrlich - so stark engagiert sind die wenigstens von uns. Natürlich sind die offensichtlichen Bedrohungen auch - gottseidank - geringer. Gründe, um sich zu engagieren - gibt es aber noch immer genug. Schön, dass uns so ein außergewöhnlicher Mensch hieran erinnerte.

    Unmittelbar nach der Lektüre dieses Werkes habe ich die Autobiografie von Stephane Hessel "Mein Tanz mit dem Jahrhundert" auf meine Wunschliste gesetzt. Ich bin wirklich schwer beeindruckt.

  17. Cover des Buches The Wave (ISBN: 9783526523802)
    Morton Rhue

    The Wave

    (82)
    Aktuelle Rezension von: Dreamcatcher13
    A frightening and unsettling story. Especially the aspect that sonething like this really happened. But still a really good book, that everybody should read.
  18. Cover des Buches Totenlied (ISBN: 9783734105234)
    Tess Gerritsen

    Totenlied

    (256)
    Aktuelle Rezension von: Sanne54

    Dieses Buch liegt schon eine Weile auf meinem SuB, durch ein Thema der diesjährigen Krimi-Challenge habe ich es nun endlich gelesen - zum Glück!

    Anfangs war es zugegeben nicht so mein Thema, deswegen sub-te das Buch auch so lange bei mir: Eine Berufsmusikerin stößt in einem Antiquariat in Rom auf handgeschriebene Noten zu einem ihr unbekannten Stück für Violine. Als sie zu Hause das anpruchsvolle Stück spielt, geschieht das Unfassbare: Ihre 3-jährige Tochter tötet zuerst den alten Familienkater und greift später die Mutter an. Da das Kind völlig gesund ist, fällt der Verdacht bald auf die Mutter, selbst Tochter einer psychisch kranken Frau. Die ist fest davon überzeugt, dass das Spielen des Liedes ihre Tochter zu den Gewalttaten gebracht hat; gemeinsam mit ihrer Freundin versucht sie in der Heimatstadt des unbekannten Komponisten, in Venedig, der Sache auf den Grund zu gehen.

    Eingestreut wird die Geschichte von Lorenzo (dem Komponisten) und seiner Familie. Der Vater ist ein bekannter Geigenbauer, der Großvater ein angesehener Professor für Musik. Als Juden haben sie es immer schwerer im zunehmend faschistischen Italien in den späten 1930er-Jahren. Dennoch versuchen sie ein normales und unauffälliges Leben zu führen. Den junge Lorenzo verbindet seine Liebe (nicht nur) zur Musik mit Laura, einer begabten, aber nicht-jüdischen Cellistin. Und mehr darf man eigentlich nicht verraten ...

    Die Autorin steigt in einen Thriller mit mysteriösen, übernatürlichen Elementen ein und überführt diesen aber relativ schnell in ein historisches Drama vor der Kulisse des 3.Reichs, das die Musik auf beklemmende Weise zu transportieren vermag. Am Ende führt sie die Handlung zu einer durchaus realen Thrillerhandlung zurück, die Vergangenheit und Gegenwart zusammenbringt.

    Spannender, aber wegen der Thematik nicht leicht zu lesender Thriller, den ich aber auf jeden Fall empfehlen kann.

  19. Cover des Buches Archipel (ISBN: 9783499291562)
    Inger-Maria Mahlke

    Archipel

    (68)
    Aktuelle Rezension von: Vera-Seidl

    Den mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman "Archipel" hatte ich auf eine Empfehlung einer, nach Teneriffa eingeheirateten Deutschen auf dem Land knapp zwanzig Kilometer westlich von Puerto de la Cruz angefangen zu lesen, fand mich aber schnell im grünen Guagua sitzend auf dem Weg nach La Laguna wieder, mehr auf der Suche nach meinem Teegeschäft, von denen es nur zwei auf der Insel gibt, als nach dem Altenheim, wo, der jetzt hunderteinjährige, Julio Baute, el Portereo, in seiner Pförtnerloge sitzt, sich die Vuelta im Fernsehen ansieht und darauf achtet, dass sich die dementen Alten nicht durch die Tür schmuggeln.

    Von den vielen Eindrücken der Insel benebelt gelang es mir zuerst nicht, die zahlreichen, von Inga-Maria Mahlke entworfenen Puzzleteilchen zusammenzufügen, auch weil das Puzzle fragmentarisch ist und die Autorin zudem mit ihrer Geschichte am 9. Juli 2015 um 14.02 Uhr beginnt und in den ersten Minuten des Jahres 1920 endet.
    Deshalb habe ich die Lektüre erst in Deutschland fortgesetzt und sie am Silvesterabend 2020 beendet.

    "Archipel" erzählt die Geschichte von drei Familien; den aristokratischen Bernadottes, Nachkömmlinge von Kolonialherren, die die Falange gründeten; die Bautes, die für die Mittelschicht und für die Sozialisten stehen sowie die Frauen der Morales aus der Unterschicht, die sich eine Moral nicht leisten können.

    Ich kenne den Norden Teneriffas gut. Wenn Mahlke den kanarischen "Gofio" erwähnt, hatte ich sofort seinen Geruch in der Nase, höre auch das Quietschen der "Tranvía" in La Laguna.
    Trotzdem lieferte mir die Schriftstellerin so viele neue Informationen über den "Archipel", dass ich sie einerseits kaum fassen kann und andererseits schockiert bin.

    Zu Letzterem gehören die Salones de Faifes, faschistische Konzentrationslager in Santa Cruz. Oder, dass das Barranco Santos in den Cañadas ein Massengrab ist.

    Vor dem Lesen des Buches hatte ich nicht gewusst, dass die Briten größeres Interesse an den Kanaren hatten als die Spanier, denen Sahara Occidental wichtiger war. Natürlich hatte ich von Francisco Franco y Bahamonde gehört, wusste, dass er von 1939 bis 1975 Diktator Spaniens war. Aber, dass er Teneriffa unter anderem auch deshalb mied, weil das einzige Jagdgut dort Kaninchen sind, war mir unbekannt. Den Namen "Jose Antonio Primo de Rivera" hatte ich noch nie vernommen und deshalb nicht um seine Bedeutung für die Falange gewusst.

    Wie Inga-Maria Mahlke in einem Interview sagte, spiegelt Teneriffa als Insel das Weltgeschehen "en miniature" ab.
    Das leuchtet ein! Trotzdem finde ich es merkwürdig, dass sie, die auf der Insel aufgewachsen ist und so mit ihr und ihrer Sprache verwachsen ist, ihren Roman nur in deutscher Sprache geschrieben hat.
    Warum gibt es keine spanische Übersetzung von einem Buch mit dem Titel "Archipel"?

    Meine Erklärung ist, dass die Autorin den deutschen Lesern einen Spiegel vorhalten möchte; ihnen ihre Gegenwart mit Hilfe ihrer faschistischen Vergangenheit erklären möchte.

    Nicht nur dafür möchte ich ihr herzlich danken, sondern auch dafür, dass das erste Kapitel des Buches die Überschrift "San Borodón" trägt. Jedoch musste ich feststellen, dass damit nicht jene magische Insel im Westen gemeint ist, sondern eine neue, künstliche Insel.

    "Neu, durch und durch neu, ... Nicht von der Zeit deformiert, zurechtgerückt, geschliffen. Nicht mit Geschichte behangen, ... Keine Verwerfungen, aufgestautes Geröll, verkrustete Strukturen unter einer nur mit Mühe glattgezogenen Oberfläche."

    Ein Personenregister befindet sich am Anfang des Romans, im Glossar erklärt die Autorin die spanischen und kanarischen Begriffe, auch die ursprüngliche Bedeutung von San Borodón.
    Folgendes Gedicht schrieb ich hundert Jahre nach der Geburt von Julio Baute:

    San Borondón

    San Borondón
    Es el corazón
    Del islas ochos
    Trasnochos
    Tenerife la cabeza
    Alegría y tristeza
    El Hierro
    Los pies atierro
    Quatro cinco seis y siete
    Un grande zaguanete

    Dentro del nieblas
    Despueblas
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     Vera Seidl 

     

  20. Cover des Buches Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück (ISBN: 9783944442402)
    Robert Scheer

    Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück

    (42)
    Aktuelle Rezension von: parden
    EIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...

    Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.


    "Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)


    Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.

    Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.

    Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.

    Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.


    "Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)


    Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.

    Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.

    Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.

    Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.


    © Parden
  21. Cover des Buches Die Tagesordnung (ISBN: 9783957579072)
    Éric Vuillard

    Die Tagesordnung

    (36)
    Aktuelle Rezension von: HansDurrer

    Es geschieht ausgesprochen selten, dass mich ein Buch überrascht. Viele unterhalten mich, einige lehren mich etwas, nicht wenige hätte ich nicht zu lesen gebraucht. Die Tagesordnung gehört zu einer ganz anderen Kategorie, dieses Buch lässt mich die Welt neu sehen.

    Éric Vuillard, 1968 in Lyon geboren, erzählt in seinen Büchern grosse Momente der Geschichte neu und hat damit so recht eigentlich ein neues Genre begründet. In Die Tagesordnung berichtet er vom 20. Februar 1933, als sich auf Einladung des Reichsministers Hermann Göring 24 hochrangige Vertreter der Industrie mit Adolf Hitler treffen. Die Nazis brauchen Geld und die Industrie liefert. „Im Budget grosser Unternehmen ist die Korruption ein unumgänglicher Posten mit unterschiedlichen Namen: Lobbying, Gratifikation, Parteienfinanzierung.“

    Journalismus und Geschichtsschreibung erzählen üblicherweise Geschichten von sogenannt wichtigen Akteuren, geben diesen eine Bedeutung, die sie selten haben und betreiben dabei oftmals Heldenverehrung. Éric Vuillard tut etwas ganz anderes – er zeigt auf, dass die 24 hochrangigen Industrievertreter nicht als Individuen von Bedeutung sind (denn diese sind, wie wir alle, sterblich), sondern als Dinge. „Sie sind unsere Autos, unsere Waschmaschinen, unsere Reinigungsmittel, unsere Radiowecker, unsere Hausversicherung und die Batterie in unserer Uhr.“ Sie heissen BASF, Bayer, Agfa, Opel, I.G. Farben, Siemens, Allianz, Telefunken. Und sie sind juristische Personen. „Ein Unternehmen ist eine Person, der alles Blut zu Kopf steigt. Eine sogenannte juristische Person. Ihr Leben währt deutlich länger als unseres.“

    Nachdem die Nazis den Industrie- und Bankenklerus bekehrt und die Opponenten zum Schweigen gebracht hatten, galt es die ausländischen Mächte zu besänftigen. Wie das Appeasement vonstatten ging, zeigt Éric Vuillard am Treffen von Göring und Halifax auf, beide auf ihre jeweils eigene Art verblendet und gestört. Und es sind nicht zuletzt diese Persönlichkeitsschilderungen, die diesen Text so überzeugend machen, denn da versteht einer, wie ungesund und egomanisch die Seelen von Machthungrigen funktionieren.

    So sehr Die Tagesordnung ein geschichtliches Werk ist, ich fühlte mich ständig auch an die heutige Zeit erinnert. Ein Haufen aus Schurken und Verbrechern, sei die Nazi-Partei gewesen – und die sehe ich auch heute in der Politik am Werk. Aussenminister Ribbentrop habe den Führer stets „zu den gewagtesten Aktionen“ ermutigt, „indem er seinen grössenwahnsinnigen und brutalen Neigungen schmeichelte.“ Ganz automatisch springen meine Gedanken zu Diktatoren generell, die es deshalb gibt, weil der Mensch Gehorsam zu den Tugenden zählt.

    Indem sich Éric Vuillard auf eine kurze Zeitspanne im Februar und März 1933 konzentriert, genau hinschaut und die Komplexität des Geschehens anhand von Details aufzeigt, gelingt ihm ein Buch, das weit über die geschilderten Ereignisse hinausreicht und Allgemeingültiges erfahrbar macht. „Das Hirn ist ein sonderbares Organ. Die Augen verraten keine Gedanken, die feinste Mimik ist für andere unlesbar; so als wäre der ganze Körper ein Gedicht, von dem wir brennen, von dem unsere Nachbarn jedoch kein Wort verstehen.“

    Besonders beeindruckend an diesem dünnen Band sind die quasi ewigen Wahrheiten, die die von Menschen gemachte Wirklichkeit durchziehen. Und vor allem diese: „Die Welt gehorcht dem Bluff. Selbst die seriöseste, steifste Welt, selbst die alte Ordnung, die sich niemals dem Anspruch der Gerechtigkeit beugt oder vor dem aufständischen Volk einknickt: Sie tut es vor dem Bluff.“

    Ich kann mich nicht erinnern, jemals so spannend, erhellend und überzeugend über geschichtliche Vorgänge gelesen zu haben. Die Tagesordnung ist ein wahres Wunderwerk!

  22. Cover des Buches Vergeltung (ISBN: 9783453441446)
    Robert Harris

    Vergeltung

    (27)
    Aktuelle Rezension von: Randberliner

    Nach seinem Roman „Der zweite Schlaf“ (2019), einem gelungenen Ausflug des britischen Erfolgsautors in eine dystopische Zukunft, in die die Menschheit angesichts der zunehmenden Fragilität unserer Gesellschaft schlittern könnte, kehrt Robert Harris zurück zu seinem Erfolgsrezept, wahre Geschichte durch fiktive Geschichten zu erzählen. Ging es in „München“ (2017) um eine Abrechnung mit der britischen Appeasement-Politik am Vorabend des zweiten Weltkrieges, thematisiert „Vergeltung“ (im englischen Originaltitel „V2“) in der Schlussphase des zweiten Weltkriegs den Kampf gegen die deutsche „Wunderwaffe“, die zwar militärisch völlig wertlos war, aber dennoch die britische Hauptstadt empfindlich terrorisierte.

    In üblicher Erzählmanier erfolgreicher britischer Historienromane handeln die Protagonisten stellvertretend und im Schatten der großen Akteure der Weltpolitik und leisten ihren bescheidenen, aber zuweilen entscheidenden, jedoch immer fiktiven Beitrag zur Weltgeschichte. Natürlich sind die historischen Ereignisse und Personen wieder exzellent recherchiert. Und so wird der Leser von der britischen Offizierin Kay Caton-Walsh und dem deutschen Raketenspezialisten Rudi Graf auf eine, wenngleich an erzählerischen Höhepunkten armen, aber dennoch fesselnde und informative Reise durch eines der interessantesten Kapitel des zweiten Weltkrieges mitgenommen. Nur rund 150 Kilometer voneinander entfernt brennt die junge Britin im belgischen Mecheln darauf, die Startplätze der Raketen in den Wäldern von Scheveningen ausfindig zu machen, von denen unter Aufsicht von Rudi Graf die todbringenden Raketen auf London abgefeuert werden.

    Damit wären wir auch beim eigentliche Hauptthema des Romans und der Figur, die im Roman die heimliche Hauptrolle spielt: Wernher von Braun. Der deutsche Raketenpionier, dessen Person und Lebensweg vor allem durch die Erinnerungen seines Freundes und Weggefährten Graf reflektiert werden, steht wie kaum ein zweiter für den Typ des Wissenschaftlers, der von einer visionären Idee beseelt ist und bei der Verwirklichung dieses Traums vor keiner technischen, finanziellen und moralischen Hürde zurückschreckt. Eigentlich will er mit seiner Rakete zum Mond fliegen, aber von Braun ist nicht nur charismatischer Visionär, sondern auch ein zuweilen eiskalter Realist, der weiß, dass ohne das Geld der Militärs und der Vision von einer unschlagbaren Waffe er sein Projekt nie verwirklichen kann. Wie Jahrzehnte später die weltweite Vernetzung von Milliarden Menschen durch das Internet in den geheimen Labors der Militärs ihren Anfang nahm, sah von Braun mit skrupellosem Weitblick, dass der Weg zum Mond über die Heeresversuchsanstalten in Kummersdorf bei Berlin und Peenemünde auf der Insel Usedom führt.

    Er steht dabei stellvertretend für eine Vielzahl von begnadeten Wissenschaftlern, die sich an die jeweils Herrschenden verdingt haben, um ihre wissenschaftlichen Träume zu verwirklichen. Mit moralischen Kategorien ist das kaum zu bewerten und so kümmert es von Braun nicht, wenn er die schwarze SS-Uniform anzieht, 20.000 Zwangsarbeiter bei der Produktion der Raketen umkommen oder seine Raketen Tod über London und Amsterdam bringen. Und als es mit Hitlerdeutschland zu Ende geht und die Geldquellen für seine Forschungen zu versiegen drohen, zögert er keine Sekunde, neue, diesmal amerikanische Geldquellen zu erschließen. Wenn von Braun zu seinem inzwischen desillusionierten Mitstreiter Rudi Graf sagt: „Wenn ich Adolf Hitler überzeugen konnte, fünf Milliarden Reichsmark für Entwicklung und Bau der Rakete springen zu lassen, glaubst du nicht, dass ich auch einen amerikanischen Präsidenten davon überzeugen könnte, zum Mond zu fliegen?“, mag das zynisch und moralisch verkommen klingen, aber jeder weiß aus dem Geschichtsunterricht, dass von Braun letztendlich diesen seinen Traum verwirklicht hat. Gibt die Geschichte Wernher von Braun also Recht oder wiegt der Blutzoll auf den Weg dorthin nicht vielleicht schwerer?

    Damit weist Robert Harris auch auf den janusköpfigen Charakter von Wissenschaft und Technik hin. Die gleiche Rakete, die mit ihrem tödlichen Sprengkopf Leid und Zerstörung bringt, kann auch Satelliten in den Weltraum schießen, die der Menschheit von großem Nutzen sind. Es sind letztendlich die Menschen und die Gesellschaft, die bestimmen, ob eine neue Technik zum Guten oder zum Bösen eingesetzt wird. Von Braun ist mit sich und seiner Vision im Reinen. Sein Mitarbeiter Graf droht an der moralischen Dimension seiner Forschungsergebnisse zu zerbrechen. Big Data, Gentechnik und künstliche Intelligenz lassen grüßen

    Warum gebe ich dem neuen Werk von Robert Harris nur vier von fünf Punkten? Am Thema liegt es nicht, wenngleich mich das Thema des zivilisatorischen Untergangs im Roman „Der zweite Schlaf“ mehr berührt hat. Jedoch hat „Vergeltung“ die gleichen erzählerischen Schwächen wie andere Bücher von Robert Harris. Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung, aber der Erzählstil ist zum Teil farblos und arm an Spannung. Gern würde man der Handlung an der einen oder anderen Stelle mehr Spannung und Dramatik wünschen. Einen gelungenen erzählerischen Schluss findet man bei Harris selten und so vermag die Zusammenführung der beiden Erzählstränge am Ende des Buches nicht wirklich zu überzeugen.

    Aber ungeachtet der Schwächen ist Robert Harris wieder ein lesenswerter, hervorragend recherchierter und zumindest in Teilen spannender Roman gelungen.

  23. Cover des Buches Der Faschist (ISBN: 9783751914772)
    Leveret Pale

    Der Faschist

    (22)
    Aktuelle Rezension von: Jxlinechen

    Das Buch habe ich mir als Horizonterweiterung ausgesucht. Und diese Aufgabe erfüllt das Buch auch.
    Leveret Pale bzw Nikodem Skrobisz entführt den Leser oder die Leserin in eine ganz andere Welt.
    Im Buch wird auch die aktuelle Situation mit Corona aufgegriffen, was ich ganz interessant aber auch als Denkanstoß sehe.
    Das Buch übermittelt, denke ich, Grundsätze von Faschisten. Ein Thema das wichtiger denn je ist. Fragen wie, wer oder was das ist werden aufgegriffen und erklärt. Man wird in diese Szene beim Lesen wie in einen Strudel bzw Sog gezogen.
    Vielleicht mögen einige Konversationen langweilig oder ideenlos wirken, aber im allgemeinen ist dieses Buch sehr realistisch geschrieben und echt. Da gehören solche Szenen dazu, wie in unseren Alltag auch.
    Der Hauptprotagonist lässt sich durch einen für sich Schicksalsschlag in Gedanken treiben die ihn Radikal machen. Es ist wirklich interessant anzusehen, wie schnell man in eine wirklich falsche Richtung denkt. Obwohl man es gar nicht will.
    Ich würde das Buch grundsätzlich allen empfehlen, die sich bereitfühlen eine radikale und eher negative Seite des Lebens kennenlernen wollen. Zudem denke ich, dass das Buch den wirklich großen und undurchsichtigen Begriff des Faschismus gut aufgreift und erklärt.

  24. Cover des Buches Das Labyrinth des Fauns (ISBN: B07VFBM6T4)
    Cornelia Funke

    Das Labyrinth des Fauns

    (56)
    Aktuelle Rezension von: Armillee

    Hörspiel. Laufzeit 7:02h.

    Im unterdrückten Spanien im Jahre 1944 hat Capitan Vidal mit seinen Männern eine verlassene Mühle bezogen, um gegen aufständische Rebellen zu kämpfen + sie zu vernichten. Carmen ist Witwe, neu verheiratet, jetzt hochschwanger von Vidal und zieht mit ihrer Tochter Ofelia in die Mühle. Nahe der Mühle befindet sich ein Labyrinth + dort begegnet Ofelia einem Faun + fliegenden Feen, die für ihn arbeiten in einer magischen Unterwelt. Ofelia soll drei Ausgaben erledigen. Sie nimmt an + kann so wenigsten zeitweise ihrer neuen, grausamen Welt des Stiefvaters entfliehen.

    *   *   *

    Es gibt mehrere Handlungsstränge + ich hatte große Mühe, mich in dieser Geschichte zurecht zu finden. Das liegt wohl auch daran, dass ich den Film nicht gesehen habe. Überhaupt hat mich der Plot ungemein abgestoßen. Mord, Folter, Unterdrückung + andere Kriegshandlungen mit blutigen Details  Capitan Vidal ist ein grausamer Soziopath, der Carmen nur geschwängert hat, um endlich einen Sohn zu haben. Alle haben ständig Angst vor ihm, weil er so unberechenbar ist. Der Herrscher über Leben und Tod.

    Und das ist ein Buch für Kinder ab 14 Jahre ?

    Es gibt mehrere Lesestimmen dieses Hörspiels. Was mich hier irritierte war, dass die Kinderstimme von Ofelia (oft aus dem Hintergrund) von einem Mann gesprochen wurde. Die Kampfszenen wirkten durch die Intonation um so bedrohlicher + echt. Explosionen, Schreie u.v.m.

    Was mir noch auffiel : es waren einige Anlehnungen aus dem deutschen Märchenschatz zu hören. Schneewittchen. Dornröschen ?

    Vielleicht habe ich dieses "pathetische + literarisch wertvolle  Kunstwerk" ja missverstanden, hab evtl. keine Ahnung.

    Aber mir hat es leider nicht gefallen.

    2/5 Sterne

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