Bücher mit dem Tag "filmklassiker"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "filmklassiker" gekennzeichnet haben.

98 Bücher

  1. Cover des Buches Der Report der Magd (ISBN: 9783492303279)
    Margaret Atwood

    Der Report der Magd

    (878)
    Aktuelle Rezension von: midnightreadwithlana

    Es gibt Romane, die wie Warnungen gelesen werden können – und "Der Report der Magd" von Margaret Atwood ist genau das. Er wirkt nicht futuristisch oder klassisch Sci-Fi, sondern beunruhigend real.

    Erzählt wird aus der Perspektive von Desfred, einer sogenannten Magd im totalitären Staat Gilead. Ihre einzige „Funktion“ besteht in ihrer Fruchtbarkeit – ihr Körper ist kein eigener mehr, sondern Teil eines Systems, das Kontrolle über Fortpflanzung, Sprache und Identität ausübt. Die Erzählweise erinnert an ein Tagebuch: fragmentiert, ruhig, beinahe distanziert. Gerade diese Zurückhaltung macht die Geschichte so eindringlich. Desfred ist keine klassische Rebellin – sie ist gebrochen, angepasst, vorsichtig. Und genau darin liegt ihre erschreckende Glaubwürdigkeit.

    Im Vergleich zur Serie "The Handmaid's Tale" wirkt die literarische Stimme leiser, aber auch realistischer. Widerstand ist hier kein heroischer Akt, sondern etwas, das im Inneren stattfindet – oft nur als Gedanke, als Erinnerung, als kaum greifbare Sehnsucht nach einem früheren Selbst.

    Gilead selbst ist weniger als dystopische Fantasie zu verstehen, sondern als Zusammensetzung realer historischer und gegenwärtiger Strukturen. Kontrolle über weibliche Körper, religiöse Instrumentalisierung, systematische Entmenschlichung. Besonders eindrücklich ist dabei, dass nicht nur die offensichtlichen Opfer leiden. Auch jene Frauen, die Teil des Systems sind – Ehefrauen, Unterstützerinnen – verlieren Autonomie und Stimme. Macht schützt sie nicht vor Unterdrückung, sondern verlagert sie nur.

    Die Entmenschlichung zeigt sich am deutlichsten in der Sprache: Namen werden ausgelöscht, Identität wird ersetzt. Desfred ist nicht mehr sie selbst, sondern „die von Fred“. Austauschbarkeit wird zum Prinzip – sobald ihre „Aufgabe“ erfüllt ist, wird sie weitergereicht, umbenannt, neu zugeordnet und soll ihr Baby vergessen. Der Mensch verschwindet hinter seiner Funktion.

    Das offene Ende des Romans fügt sich konsequent in diese Welt ein. Es verweigert Auflösung und lässt stattdessen Unsicherheit zurück – genau wie das Leben innerhalb eines solchen Systems. Ein Happy End wäre hier nicht nur unwahrscheinlich, sondern fast unehrlich.

    Was diesen Roman besonders beklemmend macht, ist seine Aktualität. Die Themen – Kontrolle über reproduktive Rechte, gesellschaftliche Rückschritte, religiös begründete Machtstrukturen – sind keine Relikte vergangener Zeiten. Sie existieren weiterhin, in unterschiedlichen Formen, weltweit. Atwoods Aussage, nichts im Buch sei vollständig erfunden, verleiht dem Ganzen eine zusätzliche Schwere.

    "Der Report der Magd" ist kein leicht zugängliches Buch, aber ein notwendiges. Es hinterlässt kein Gefühl von Katharsis, sondern eher einen stillen Druck – eine Mischung aus Angst, Faszination und der unangenehmen Erkenntnis, dass die dargestellte Welt nicht so fern ist, wie man hoffen würde.

    - 5/5 Sterne

  2. Cover des Buches Der Prozess (ISBN: 9783596709625)
    Franz Kafka

    Der Prozess

    (1.103)
    Aktuelle Rezension von: HenriLMatos

    Der Prozess beschreibt kein totalitäres Regime. Er beschreibt eine Logik — die Logik jedes Systems, das sich selbst für unfehlbar hält. Josef K. scheitert nicht weil er schuldig ist, sondern weil er versucht, das Unverständliche mit den Mitteln der Vernunft zu begreifen. Das ist sein eigentliches Vergehen: die Annahme, dass ein System erklärbar sein muss. Kafkas dunkelste und modernste Erkenntnis ist, dass es das nicht ist — und dass es das auch nicht sein will.

  3. Cover des Buches Oliver Twist (ISBN: 9783690430074)
    Charles Dickens

    Oliver Twist

    (740)
    Aktuelle Rezension von: Pegasus1989

    Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen. Oliver musste sehr viele unschöne Dinge durchmachen, die den Leser mitfiebern und mitleiden lassen. Gut aufgebaute Spannungsbögen und ein sehr angenehmer Schreibstil kommen oben drauf. Hinzu kommt, dass ich den Krimi in diesem Klassiker sehr schätze, aber auch, dass gezeigt wird, dass früher alles vom Ablauf her anders war, als es heute der Fall ist. Am besten finde ich jedoch, dass nicht nur nach Olivers Vergangenheit gesucht wird, sondern dass Oliver als Charakter sehr bodenständig und höflich rüber kommt und die Grundwerte, wie sich zu bedanken, jemanden begrüßen etc. nicht unter gehen. Ein Buch, das ich sehr gerne nochmal lesen möchte und das ich hier auch sehr gerne weiterempfehle.

  4. Cover des Buches In meinem Himmel (ISBN: 9783442470051)
    Alice Sebold

    In meinem Himmel

    (821)
    Aktuelle Rezension von: Lauras_bunte_buecherregal

    Der Schreibstil ist grandios. Ich war von der ersten Seite verliebt in das Buch. Ich habe den Film bereits davor gesehen.

    Das Buch ist aus einer etwas anderen Perspektive geschrieben und zwar aus der Sicht von Susi. Susi ist aber kein gewöhnliches Mädchen, sondern sie ist ein Mordopfer und wir erleben alles aus der Sicht ihres Himmels.

    Das Buch ist emotional und sehr berührend. Der Spannungsbogen ist angenehm. Die Charakterentwicklung ist großartig.


    Ich habe absolut keine Kritik an dem Buch und liebe alles daran. Von mir gibt es 5 von 5 Sterne. 

  5. Cover des Buches Die drei Musketiere (ISBN: 9783458684626)
    der Ältere Dumas

    Die drei Musketiere

    (385)
    Aktuelle Rezension von: Itsnotabout_Happyendings

    Handlung und Struktur Die Geschichte folgt dem jungen d'Artagnan, der nach Paris kommt, um Musketier zu werden. Durch eine Verkettung von Umständen freundet er sich mit den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis an. Was als persönliche Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einer epischen Erzählung von politischen Intrigen, gefährlichen Missionen und schicksalhaften Begegnungen.

    Dumas gelingt es meisterhaft, verschiedene Handlungsstränge zu verweben. Die Haupthandlung um die Diamantspangen der Königin wird durch zahlreiche Nebenhandlungen ergänzt, die alle kunstvoll miteinander verknüpft sind. Die Spannungsbögen sind perfekt getaktet - kaum ist ein Abenteuer überstanden, wartet schon das nächste.

    Charakterzeichnung Die Charakterisierung der Hauptfiguren ist außergewöhnlich differenziert. Jeder der vier Protagonisten hat eine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit:

    • D'Artagnan: Jung, ungestüm, aber clever und lernfähig
    • Athos: Geheimnisvoll, aristokratisch, von dunkler Vergangenheit geprägt
    • Porthos: Kraftvoll, prahlerisch, aber von großer Loyalität
    • Aramis: Elegant, intellektuell, zwischen weltlichen und geistlichen Ambitionen schwankend

    Besonders bemerkenswert ist die Figur der Milady de Winter - eine der faszinierendsten Schurkinnen der Literaturgeschichte, deren Komplexität bis heute beeindruckt.

    Historischer Kontext Dumas bettet seine fiktive Geschichte geschickt in den historischen Kontext des Frankreichs unter Ludwig XIII. ein. Die politischen Intrigen zwischen Kardinal Richelieu und Königin Anna von Österreich, die Spannungen mit England und die Belagerung von La Rochelle bilden einen fesselnden historischen Hintergrund.

    Sprache und Stil Der Autor beherrscht die Kunst, packend zu erzählen. Seine Dialoge sind witzig und schlagfertig, die Beschreibungen lebhaft und atmosphärisch. Die Duelle werden mit einer Dynamik geschildert, die den Leser mitten ins Geschehen versetzt. Dumas' Sprache ist dabei zugänglich und direkt, ohne an literarischer Qualität einzubüßen.

    Thematische Tiefe Unter der spannenden Oberfläche behandelt der Roman zeitlose Themen:

    • Die Bedeutung von Freundschaft und Loyalität
    • Der Konflikt zwischen persönlicher Ehre und Staatsräson
    • Die Komplexität menschlicher Beziehungen
    • Die Frage nach Gerechtigkeit und Vergeltung

    Kulturelle Wirkung Der Einfluss des Romans auf die Populärkultur ist kaum zu überschätzen. Der Wahlspruch "Einer für alle, alle für einen" ist zum geflügelten Wort geworden. Die zahlreichen Adaptionen für Film, Fernsehen und Theater zeugen von der ungebrochenen Faszination der Geschichte.

    Kritische Würdigung Natürlich lässt sich aus heutiger Sicht einiges kritisch sehen:

    • Die Darstellung der Geschlechterrollen ist zeitbedingt
    • Manche Handlungsstränge verlieren sich in Nebensächlichkeiten
    • Einige historische Ungenauigkeiten sind vorhanden

    Diese Aspekte schmälern jedoch nicht die literarische Leistung und die packende Erzählkunst des Autors.

    Fazit "Die drei Musketiere" ist ein zeitloser Klassiker, der auch heute noch zu fesseln vermag. Die Kombination aus spannender Handlung, komplexen Charakteren und historischem Panorama macht den Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Dumas gelingt der seltene Spagat zwischen anspruchsvoller Literatur und mitreißender Unterhaltung. Ein Meisterwerk, das zu Recht seinen Platz im Kanon der Weltliteratur gefunden hat.

  6. Cover des Buches Alice im Wunderland (ISBN: 9783401718613)
    Lewis Carroll

    Alice im Wunderland

    (1.297)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Laut Jakob Augstein im "Literarischen Quartett" DAS Kinderbuch wo ein Kind in eine Unterwelt hinabsteigt und sonderbare Sachen erlebt, "mit Ironie und Doppelbödigkeit". "Vom "white rabbit" und dem "rabbit hole" hat man in Songtexten schon viel gehört, man kann das Ganze als Feier der kindlichen Phantasie oder als kruden Drogentrip auffassen, beides ist möglich (Drogentrip des Autors natürlich). Als Jurist hat mich natürlich besonders die Strafgerichtsparodie am Ende amüsiert. Eine geistreiche Unterhaltung, auch für ältere Jahrgänge.

  7. Cover des Buches Sherlock Holmes und der Hund von Baskerville (ISBN: 9783954187065)
    Arthur Conan Doyle

    Sherlock Holmes und der Hund von Baskerville

    (465)
    Aktuelle Rezension von: Christian_Fis

    Ich habe den Roman in der Übersetzung von Gisbert Haefs gelesen.

    Doyles Roman verbindet gekonnt Schauergeschichte und Detektivroman: In der düsteren Moorlandschaft wird ein möglicherweise übernatürliches Verbrechen durch Holmes’ kühle Logik aufgelöst. Die Auflösung ist vollständig und berücksichtigt alle zuvor verstreuten Hinweise – ein Paradebeispiel für klassische Kriminallogik.

    Aus heutiger Sicht wirkt es unfreiwillig komisch, dass das Übernatürliche im Namen der Wissenschaft als Aberglaube einfacher Leute abgetan wird, während gleichzeitig die Phrenologie – das Deuten von Charakter und Intelligenz anhand der Schädelform – als ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung dargestellt wird. Die weiblichen Figuren sind passiv, klischeehaft und rein funktional. Insgesamt spiegeln sich hier sehr verstaubte Weltbilder. 

    Dennoch – oder gerade deshalb – bleibt der Roman sehr lesenswert, nicht nur als Krimi, sondern auch als spannendes Dokument seiner Zeit.

  8. Cover des Buches Gullivers Reisen. Roman (ISBN: 9783730615157)
    Jonathan Swift

    Gullivers Reisen. Roman

    (249)
    Aktuelle Rezension von: Radagast

    Gullivers Reisen kennt fast jeder aus seinen Kindheitstagen. Vor allem als Kinderbuch ist Jonathan Swift's Gullivers Reisen bekannt. Was jedoch wenige wissen ist, es ist kein Kinderbuch.
    Es ist, nach meiner Meinung, ein kritisches Blick auf die Gesellschaft des 17 Jahrhundert. Swift lässt da dabei seine Gedanken und deren Phantasie gut ineinander fliesen. Er lässt Gulliver auf sonderbare Inseln stranden und lernt dort scheinbar fremdartige Gesellschaften kennen, die bei näherer Betrachtung doch sehr "menscheln". Es gibt bei den jeweiligen Inseln, ob es Lilliput oder Brobdingnag ist, kurze Momente wo ich schmunzeln und auch etwas lachen musste, weil es schlichtweg erfrischend komisch war.
    Auch wenn es stellenweise etwas deftig in seinen Geschichten zugeht, ist sein Buch lesenswert. Mit gekonnten Nadelstichen übt er stechende Kritik zu seiner damaligen Gesellschaft und Politik. Auch fällt er mit seiner Phantasie auf die für damalige Zeiten als verrückt und absonderlich galt. Heute reiht er sich wohl als nicht so verrückt ein, vermute ich.
    Ich finde es schade das dieser Schriftsteller etwas verkannt ist und sein Gulliver schon oft verkürzt und abgewandelt worden ist, so das es für Kinder und Jugendliche "lesbarer" gemacht worden ist.
    Meine Empfehlung: Lest die Ausgabe des Insel Verlag in der Taschenbuch Ausgabe, wenn ihr an der ungekürzten Version interessiert seit.

  9. Cover des Buches Frühstück bei Tiffany (ISBN: 9783036950549)
    Truman Capote

    Frühstück bei Tiffany

    (661)
    Aktuelle Rezension von: Renate1964

    Im Mittelpunkt der kurzen Erzählung von aTruman Capote steht das Partygirl Holly Golightly. Sie lernen wir aus Sicht eines namenlosen Ich- Erzählers kennen. Trotz aller reichen Verehrer und länger Nächte ist sie auf der Suche nach sich selbst, nach ihrer Heimat, wo sie keine Angst mehr hat. Auch der Erzähler liebt sie und beschreibt sie sensibel 

  10. Cover des Buches Professor Unrat oder Das Ende eines eines Tyrannen (ISBN: 9783864060397)
    Heinrich Mann

    Professor Unrat oder Das Ende eines eines Tyrannen

    (200)
    Aktuelle Rezension von: Featherstone

    Inhalt:

    Professor Raat – von seinen Schülern gemeiner Weise „Professor Unrat“ genannt – arbeitet seit fast 30 Jahren als Lehrer am örtlichen Gymnasium. Er hat die Freude an seinem Beruf verloren, begegnet seinen Schülern mit unerbittlicher Strenge und wird von ihnen regelrecht gefürchtet: Wer ihm in die Quere kommt und sein Missfallen erregt muss damit rechnen, dass Raat alles daran setzt im seine schulische und damit auch seine berufliche Laufbahn zu ruinieren. Als Raat eines Tages erfährt, dass einige Schüler ihre Abende in einem zwielichtigen und verrufenen Lokal namens „Der blaue Engel“ verbringen, geht er der Sache auf den Grund und lernt dort die Sängerin und Tänzerin Rosa Fröhlich kennen. Es eröffnet sich ihm eine völlig neue Welt abseits der strengen bürgerlichen Ordnung…

    Ein Jahr war gut oder schlecht, je nachdem Unrat einige „fasste“ oder ihnen „nichts beweisen“ konnte. Unrat, der sich von den Schülern hinterrücks angefeindet, betrogen und gehasst wusste, behandelte sie seinerseits als Erbfeinde, von denen man nicht genug „hineinlegen“ und vom „Ziel der Klasse“ zurückhalten konnte. (S. 16)

    Meine Meinung:

    Als Freund von Filmklassikern kannte ich vor dem Lesen dieses Buches bereits die tolle Verfilmung Der blaue Engel mit Marlene Dietrich und Emil Jannings war gespannt darauf die Buchvorlage kennenzulernen.

    Raat ist kein Protagonist wie jeder andere, aber gerade das sorgt auch für Abwechslung und macht die Geschichte interessant. Raats Macken und Schwächen werden wirklich schonungslos geschildert, weshalb es einem manchmal schwerfällt Sympathien für ihn aufzubringen. Raat fühlt sich z. B. relativ schnell provoziert und es bereitet ihm dann viel zu große Freude den betreffenden Schüler „hereinzulegen“ indem er ihn gezielt Dinge abfragt, die dieser garantiert „nicht präpariert“ hat, damit er schlechte Noten vergeben und die Versetzung in die nächste Klasse verhindern kann. Raats Engstirnigkeit, seine Verbitterung, seine unerbittliche Strenge, sein Hass und sein Rachebedürfnis sind stellenweise ziemlich abschreckend und man hat zuweilen ein ungutes Gefühl bei der Vorstellung was er als nächstes vorhat. Es gibt aber auch einige Situationen in denen man mit Raat mitfühlen kann, Mitleid mit ihm hat und ihm wünscht, dass er den Weg in ein glücklicheres Leben findet. So ist es traurig, dass der vereinsamt Raat zu Beginn des Buches seit Jahren in einem trostlosen und unerfüllten Leben gefangen ist und kein Entkommen in Sicht ist. Er hat die Fähigkeit verloren das Gute in seinen Mitmenschen zu sehen und er unterstellt ihnen stattdessen grundsätzlich schlechte und niederträchtige Absichten. Dadurch entgehen ihm positive Erfahrungen mit diesem Menschen.

    Das Kennenlernen zwischen Raat und der Künstlerin Rosa hat mir richtig gut gefallen. Als sich Raat und Rose begegnen prallen Welten aufeinander. Es ist sehr unterhaltsam zu verfolgen wie sich der sonst so selbstsichere, strenge und dominant auftretende Raat von der lebenslustigen Rosa verunsichern und aus dem Konzept bringen lässt. Raat ist zunächst ziemlich mit Rosas direkter Art überfordert, weil es sonst nicht mit Personen zu tun hat, die immer frei heraus sagen was sie denken und ihr Meinung nicht erstmal für sich behalten. Außerdem ist es niedlich wie er sich aufgrund der Aufmerksamkeit der jungen Frau geschmeichelt fühlt und wie sehr er sich bemüht ihre Gunst zu gewinnen (ich sagen nur Stichwort „Schminke“!).

    Raat und Rosa sind ein Paar der besonderen Art – im Guten wie im Schlechten. Sie lassen sich auf den jeweils anderen ein obwohl sie zunächst wenige Gemeinsamkeiten haben, unterstützen sich gegenseitig und trotzen gemeinsam den Vorurteilen ihrer Gesellschaft. Es ist aber keine richtige und gegenseitige Liebe, die die beiden verbindet. Rosa hat es hauptsächlich auf Raats Geld abgesehen und obwohl sie sich zunächst sehr bemüht kann sie ihm gegenüber zwar freundschaftliche Gefühle, aber keine echte Liebe empfinden. Raat wiederum scheint Rosa zwar durchaus zu lieben, das gerät aber recht schnell in den Hintergrund, weil er sie benutzt um sich mit ihrer Hilfe an seinen „Feinden“ zu rächen. Es scheint Raat vor allem darum zu gehen Rosa für sich allein zu haben, sie anderen Leuten zu entziehen und sie für seine Zwecke zu benutzen. Man kommt nicht umhin sich zu fragen ob die beiden zusammen wirklich besser dran sind als alleine.

    Da das Buch bereits 1905 veröffentlich wurde wirkt der Schreibstil wie zu erwarten ist etwas altmodisch, ist aber dennoch insgesamt gut lesbar. Ich hatte allerdings Verständnisprobleme bei dem Dialekt gehabt, den die Arbeiter in der Harfengegend sprechen. Das betrifft aber zum Glück nur ein paar wenige Wortwechsel und es war nicht weiter schlimm, denn ich konnte mich dadurch besser mit Raat identifizieren, denn auch der hatte Probleme den Dialekt dieser Leute zu verstehen.

    Es war für mich eine große Überraschung, dass ich bei der Geschichte an so einigen Stellen gedacht habe, dass ich das von einem Buch aus dem Jahre 1905 so nicht erwartet hätte. Das Buch ist bei seinem Erscheinen wahrscheinlich schon ein kleiner Skandal gewesen und vor allem das Ende (das sich deutlich von dem der Verfilmung unterscheidet) dürfte in der damaligen Zeit recht gewagt gewesen sein. Die Art und Weise wie Raat gegen die bürgerliche Ordnung und die gesellschaftlichen Erwartungen aufbegehrt ist drastischer als erwartet und es ist interessant und unterhaltsam dies zu verfolgen.

    Einen Stern Abzug gibt es, weil mir das Erzähltempo im Mittelteil des Buches stellenweise ein wenig zu langsam war. Vor allem Raats ewiger Ärger mit Lohmann, von Ertzum und Kieselack sowie die Episode mit dem Hünengrab hätten meiner Meinung nach getrost etwas weniger Seiten einnehmen können. 

    Vergleich mit der Verfilmung „Der blaue Engel“:

    Marlene Dietrich und Emil Jannings verkörpern die beiden Hauptpersonen der Geschichte unglaublich gut und sie hauchen ihnen gekonnt Leben ein. Die Darstellung deckt sich auch weitgehend mit dem Bild, das man beim Lesen des Buches von den beiden hat. Allerdings ist einem der Raat aus der Verfilmung sympathischer, weil er nicht so extrem verbittert, hasserfüllt und rachsüchtig herüberkommt wie im Buch. Außerdem ist der Film emotionaler und es sind mehr Gefühle zwischen Raat und Rosa/Lola zu spüren.

    Der Film hält sich zu Anfang noch sehr nah an die Buchvorlage, aber zum Ende hin gibt es dann deutliche Abweichungen: Im Film bereut Raat die Abkehr von seinem alten Leben zutiefst und zerbricht daran. Im Buch verfolgt Raat hingegen seinen neuen Lebensweg ohne Skrupel und ohne Rücksicht auf die Konsequenzen. Das bleibt für die Stadt und einige ihrer Bewohner nicht ohne Folgen. Raat rebelliert gegen die bürgerliche Gesellschaft und versucht möglichst viele seiner Mitbürger mit in den Abgrund zu reißen, der sich auftut.

    Sowohl das Ende des Buches als auch, dass es Films wirken auf ihre jeweilige Weise stimmig und passend. Ich kann mich nicht entscheiden, welches Ende mir besser gefällt. Beide Enden haben etwas für sich und man hat dadurch den Vorteil die Geschichte auf zwei verschiedene Arten erleben zu können.

    Fazit:

    Ich bin sehr positiv von diesem Literaturklassiker überrascht. Diese Geschichte ist mal etwas ganz Anderes und sie lässt das Leben im Deutschland der Kaiserzeit in interessanter, unterhaltsamer und kurzweiliger Weise lebendig werden. Die strengen gesellschaftlichen Erwartungen und Moralvorstellungen der damaligen Zeit und deren Schattenseiten werden einem eindrücklich vor Augen geführt. 

    Auch wenn man die Verfilmung bereits kennt vermag es dieses Buch einem noch zu überraschen, weil es vor allem zum Ende hin interessante Abweichungen gibt.

    Zum Schluss noch ein schönes Zitat, das Raat von seiner guten Seite zeigt:

    Er wendete sich, und seine Hand tastete durch die Luft, mit Anstrengung zurück nach der Künstlerin Fröhlich, die schon schlief, und versprach ihr: „Ich werde versuchen, Sie durchzubringen.“ Dies konnte ein Lehrer vor der Versetzung zu einem Schüler sagen, dem er wohlwollte, oder er konnte es über ihn denken. Aber Unrat hatte es noch zu keinem gesagt und von keinem gedacht. (S. 106/107)
  11. Cover des Buches Herz der Finsternis (ISBN: 9783257261783)
    Joseph Conrad

    Herz der Finsternis

    (240)
    Aktuelle Rezension von: aus-erlesen

    Afrika, mittendrin, ganz tief drin … im Herz der Finsternis. Ein Traum. Auch für Jósef Teodor Nałęcz Konrad Korzeniowski. Joseph Conrad hat er sich später genannt, und unter diesem Namen wurde er weltberühmt. Auch und besonders für „Herz der Finsternis“. Und wie seine Crew im Buch, der Erzähler und der Kapitän Marlow – unverkennbar Conrad selbst – reiste er. Doch nicht mit der Kamera in der Hand – nicht nur, weil Kameras im 19. Jahrhundert vielmehr Platzfresser als nützliches Erinnerungswerkzeug waren – sondern mit dem Herzen. Conrad bereiste, was möglich war.

    Afrika war seine große Liebe. Auch wenn es im Buch manchmal nun wirklich nicht so aussieht. Auf dem Kongo ist was los! Waren werden von A nach B geschippert. Menschenhandel allenthalben. Die belgischen Kolonialisten überziehen brutal das Land.

    Unvermittelt soll der Agent Kurtz aus dem Dschungel geholt werden. Er hat sich ein kleines reich geschaffen, das er mit harter Hand regiert. Und das ist den Machthabern ein Dorn im Auge. Auch und vor allem, weil die Gefolgsleute von Kurtz ihm blind folgen. Der Agent wird aufgetan, folgt brav und …

    Bei dem Namen Kurtz, der Dschungel-Location klingeln bei allen Cineasten die Ohren. Na klar, das ist doch die Geschichte aus „Apocalypse Now“. Es ist natürlich umgekehrt, denn die Geschichte erschien bereits 1899, der Film erst acht Jahrzehnte später. Und mit diesem Wissen im Hinterkopf baut sich vor dem Leser eine Kulisse auf, die an Gigantismus nicht zu überbieten ist. Man spürt die drückende Hitze. Die Enge des Spielraums, der den Handelnden zur Verfügung steht ist beklemmend. Und immer wieder die feine, schneidende Humor, der bin in die kleinste Räume vordringt. Happy life an exotischen Orten ist anders. Hier herrschen andere Regeln, und man hat Zeit sich um die existenziellen Fragen des Lebens zu kümmern.

    Jede Passage der Geschichte ist es wert mehrmals gelesen zu werden. Die eindrücklichen Beschreibungen von Natur, dem Leben in der Ferne, dem Elend und der ungezügelten Wut kleben den Leser an dieses Buch. Das praktische Format lässt keine Ausreden zu – von wegen, kein Platz für Literatur im Koffer. Dieses Buch passt in jede Gesäßtasche. Aber das buch gehört in die Hand, vor die Augen, in den Sinn. Für Immer! Zeitloser Klassiker, der in finsterster Nacht strahlt!

  12. Cover des Buches Das fliegende Klassenzimmer (ISBN: 9783038820376)
    Erich Kästner

    Das fliegende Klassenzimmer

    (480)
    Aktuelle Rezension von: helenpreidt_

    Erich Kästners "Das fliegende Klassenzimmer" ist ein zeitloser Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur, der weit über eine einfache Schulgeschichte hinausgeht. Im Mittelpunkt des Romans steht die persönliche Reifung der Charaktere, die Kästner mit großer Wärme, Humor und psychologischer Feinfühligkeit darstellt.

    Die Schüler des Internats erleben Konflikte, Freundschaft, Loyalität und Mut – Situationen, die sie zwingen, Verantwortung zu übernehmen und über sich hinauszuwachsen. Besonders eindrucksvoll ist, wie sich die Jungen im Laufe der Handlung von impulsiven Kindern zu nachdenklicheren, empathischen Persönlichkeiten entwickeln. Fehler werden nicht verurteilt, sondern als notwendige Schritte auf dem Weg zum Erwachsenwerden gezeigt.

    Auch die erwachsenen Figuren tragen zur Reifung der Kinder bei, indem sie Verständnis, Menschlichkeit und Vorbildfunktion verkörpern. Kästner vermittelt damit die wichtige Botschaft, dass Erwachsenwerden nicht durch Strenge, sondern durch Vertrauen, Mitgefühl und Selbstreflexion entsteht.

    "Das fliegende Klassenzimmer" überzeugt durch seine Sprache, seine tiefgründigen Figuren und seine klare moralische Haltung. Ein berührendes Buch, das junge wie erwachsene Leserinnen und Leser gleichermaßen anspricht und verdientermaßen fünf Sterne erhält. 

  13. Cover des Buches Die verlorene Ehre der Katharina Blum (ISBN: 9783423146050)
    Heinrich Böll

    Die verlorene Ehre der Katharina Blum

    (872)
    Aktuelle Rezension von: caro_lin

    Ich fand die Bericht-Form in der es geschrieben ist irgendwie ziemlich zäh, und die verschiedenen Nebencharaktere zu verwirrend, um bis zum Schluss durchzublicken. Vielleicht hätte ich es zügiger durchlesen müssen, aber wie man sieht hat es mich dafür nicht genug gepackt.
    Die Story ist ganz nett, mal was anderes, da man das Ende schon kennt, aber irgendwie auch einfach frustrierend.

  14. Cover des Buches Von Mäusen und Menschen (Graphic Novel) (ISBN: 9783987210426)
    John Steinbeck

    Von Mäusen und Menschen (Graphic Novel)

    (350)
    Aktuelle Rezension von: Daisys_bookcorner

    4/5 🌟 "Von Mäusen und Menschen"

    Hello Bookies, wir sind wieder auf der Rory-Gilmore-Liste unterwegs. ☕️📖 Diesmal wieder ein etwas bekannteres Werk "Von Mäusen und Menschen". Das ist ein Roman, der oft als Schullektüre in den USA genutzt wird. 🏫🇺🇲 Das Buch ist sehr kurz. Ich habe ein Exemplar in Großschrift, das ca. 200 Seiten hat. Aber eigentlich wären es maximal 100 Seiten. 🧐

    Es geht um zwei Farmarbeiter: der eine geistig beeinträchtigt (Lennie), und der andere (George) kümmert sich fürsorglich um ihn. George kannte Lennies Tante Clara und hat ihr vor ihrem Tod versprochen, dass er sich um Lennie kümmert. 🤝 Der beeinträchtigte Lennie liebt es, Tiere zu streicheln, aber er schafft es nicht, seine immense Kraft zu kontrollieren. 🐁💀Dadurch gerät er oft in Schwierigkeiten. Deshalb müssen sie öfter als andere die Farm wechseln. Die beiden träumen davon, ihre eigene Farm zu besitzen, um von niemandem abhängig zu sein. 🏡💭 Damit sie, wenn z. B. ein Spiel in der Stadt ist, sagen können: "Egal, wir lassen die Arbeit liegen und gehen zum Spiel oder zum Zirkus." 🎡

    Wie man sich denken kann, gerät Lennie wegen seiner Beeinträchtigung wieder in Schwierigkeiten. Besonders als die neue Frau des Gutsherrn auftaucht und sich intensiver mit ihm unterhalten will. 👠👗💬

    Ich kann nur sagen: Das Buch hat mich literarisch auf jeden Fall sehr herausgefordert. Vor allem, weil ich viel drüber nachdenken musste und es eine ernsthafte Thematik ist. 🤯 Wer die Rory-Gilmore-Liste lesen möchte dann: Lest Von Mäusen und Menschen! 🐭🐁👥️

    XoXo Daisy 🌼

  15. Cover des Buches Ripley (ISBN: 9783257247206)
    Patricia Highsmith

    Ripley

    (364)
    Aktuelle Rezension von: ChrisGrimm

    Highsmith tut etwas Ungeheuerliches: Sie lässt einen Mörder davonkommen und sorgt dafür, dass man es ihm gönnt. Nicht aus Sympathie. Sondern weil Tom Ripley so vollständig hohl ist, dass man ihm beim Füllen zusieht wie einem Experiment. Er stiehlt Dickies Leben nicht aus Gier — sondern weil er selbst keins hat. Die Szene auf dem Boot, der Moment, in dem alles kippt, kommt fast beiläufig. Kein Affekt. Eine Korrektur.

    Was bleibt, ist das Unbehagen danach. Ripley in Dickies Kleidern, Dickies Wohnung, Dickies Handschrift — und die langsam einsickernde Erkenntnis, dass die Kopie besser funktioniert als das Original jemals wollte.

    Kein Gewissen. Kein Preis. Das ist das eigentlich Verstörende.

  16. Cover des Buches Blade Runner (ISBN: 9783596522736)
    Philip K. Dick

    Blade Runner

    (286)
    Aktuelle Rezension von: HenriLMatos

    Philip K. Dick hat die Identitätsfrage im Science-Fiction-Kontext präziser gestellt als jeder andere Autor des Genres. Was unterscheidet einen Menschen von einer perfekten Simulation eines Menschen? Die Antwort, die das Buch gibt, ist beunruhigend: möglicherweise nichts Messbares. Rick Deckard jagt Androiden, aber je tiefer er in seine Arbeit eintaucht, desto weniger sicher ist er, auf welcher Seite der Grenze er steht. Ein Roman, der die Frage wichtiger nimmt als die Antwort.

  17. Cover des Buches Verdammt in alle Ewigkeit (ISBN: 9783596906352)
  18. Cover des Buches Jenseits von Afrika (ISBN: 9783328115236)
    Tania Blixen

    Jenseits von Afrika

    (78)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    1913 Tania Blixen zog nach Afrika um dort eine Kaffeeplantage zu betreiben. Sofort war sie gefangen genommen von der Schönheit des Landes, von der faszinierenden Landschaft, den seltenen Pflanzen und den großen und auch kleinen Tieren. Das besondere Licht am Morgen, die flirrende Hitze am Mittag und die sternenklaren Nächte, alles hat seine Faszination. Die Liebe trägt sie, aber lässt sie auch leiden und ihr Herz fängt dann bei einem anderen an zu schlagen. Dieses Buch ist so toll geschrieben, so faszinierend und vielschichtig und Tania Blixen hat eine ganz besondere Kraft und Erzählkunst. Hier wird das Leben in Afrika lebendig, ohne Kitsch, ohne Verklärt zu sein und ohne Rosarote Brille. Einfach, Leben pur!

  19. Cover des Buches Die Akte ODESSA (ISBN: 9783492302166)
    Frederick Forsyth

    Die Akte ODESSA

    (66)
    Aktuelle Rezension von: RobinBook

    Am Tag, an dem JFK ermordet wurde, beginnt diese spannende Geschichte, denn an diesem Tag bekommt ein Reporter zum ersten Mal etwas vom Schicksal des Juden Salomon Tauber mit. Der stirbt nämlich. Und zwar auch an diesem Tag. Durch die eigene Hand. Wegen einer anderen Geschichte, die Jahre vorher stattfand. Über die der Reporter im Laufe der Zeit mehr erfährt. Und mit der er, das erfährt er aber erst ziemlich zum Schluß, tatsächlich etwas zu tun hat.
    Erzählt wird neben den Erlebnissen Taubers im "Dritten Reich" auch das Anfang der 60er Jahre aktuelle politische Geschehen in Israel, den USA und in Deutschland. Vor allem, wie Deutschland mit den 20 Jahre geschehenen Ereignissen umgeht. Und natürlich von der Akte ODESSA = Organistation der ehemaliugen SS-Angehörigen...

    Diese Geschichte über die deutsche Geschichte mag nicht in Einzelheiten wahr sein, aber Schicksale wie das Salomon Taubers hat es in ähnlicher Form und in zahllosen Varianten leider tatsächlich gegeben. So, wie die Organisation Odessa. Und leider entspricht auch die im Roman angesprochene "Aufarbeitung" den Tatsachen.

  20. Cover des Buches Schindlers Liste (ISBN: 9783570300046)
    Thomas Keneally

    Schindlers Liste

    (285)
    Aktuelle Rezension von: Cherubium

    Vorab: Ich kann jeden verstehen, dem es schwer fällt, Schindlers Liste komplett zu lesen.

    Denn Schindlers Liste list sich weniger wie ein Roman, sondern vielmehr wie ein Sachbuch, das in Romanform aufgearbeitet wird.

    Wer setzt sich schon hin, und liest einfach mal 300 Seiten im Brockhaus...

    Auch mir fiel es mitunter schwer, dran zu bleiben. Aber die in dem Buch geschilderten Hintergründe habe ich in dieser Form noch niemals irgendwo gesehen, gehört oder gelesen. Nicht in der Schule, nicht in unzähligen Dokus, nicht in der Verfilmung, nirgends.

    Das Buch erweitert den Horizont und öffnet einem auf schockierende Weise die Augen, was einem bis heute über die Schicksale der Juden nicht nur in Deutschland verschwiegen wird.

    Schindlers Liste ist ein historisches Manifest und Dokument.

    Mich hat, so schwer es auch wegen dem Inhalt und der Erzählweise zu lesen war, so viel wissen vermittelt und berührt, dass ich noch bevor ich das Buch zuende gelesen hatte, nach Krakau reisen musste, um die historischen Schauplältze vor Ort kennen zu lernen.

    Krakau ist durch und durch geprägt von seiner Geschichte und ich kann es nur jedem empfehlen, selbst diese Reise anzutreten.

    Das Buch, gerade weil es kein Vergnügen ist zu lesen, sollte in jeder höheren Jahrgangsstufe zur Pflichtlektüre werden.

  21. Cover des Buches Gruppenbild mit Dame (ISBN: 9783942656245)
    Heinrich Böll

    Gruppenbild mit Dame

    (61)
    Aktuelle Rezension von: Marla_Humi

    Zwar drehen sich die Recherchen des "Verfassers" vorrangig um Leni Gruyten/ Pfeiffer, aber die zu Wort kommenden Freundinnen und Bekannten Lenis erzählen selbst auch ihre eigenen Geschichten und berichten von ihrem Über-Leben während des 2. Weltkrieges und in der Nachkriegszeit in Köln. 

    Böll präsentiert eine Fülle von Episoden und Eindrücken. Indem er die Figuren in ihrer eigenen Sprache reden lässt, werden die unterschiedlichsten Charaktere und Milieus lebendig. Alle vereint die schrecklichen und traumatischen Erfahrungen des Krieges, sei es als sowjetischer Kriegsgefangener oder als versteckte Jüdin, als Zivilisten, die irgendwie die Bombenangriffe auf die Stadt Köln überstehen, als Väter, Mütter, Frauen, die ihre Liebsten betrauern. Geschickt wird dokumentarisches Material eingeflochten.

    Aber bei aller Tragik und Trauer werden auch lustige Episoden eingebaut, z.B. der "Tote-Seelen-Skandal", der dazu führt, dass Lenis Vater sein gesamtes Vermögen verliert und nur mit Mühe der Todesstrafe durch die Nazis entgeht. 

    Der "Verfasser" geizt nicht mit ironischen und unterhaltsamen Kommentaren zu seinen Gesprächspartnern und ihren Marotten, wobei er sich selbst nicht ausnimmt. Allein die stellenweise Neigung zu unnötigen Abkürzungen und Ausuferungen schmälert den Lesegenuss.

    Schade, dass Böll vielen nicht mehr bekannt ist.

  22. Cover des Buches Die Dreigroschenoper (ISBN: 9783518475034)
    Bertolt Brecht

    Die Dreigroschenoper

    (248)
    Aktuelle Rezension von: Neuni

    Brechts Dreigroschenoper ist eines der erfolgreichsten (und besten) deutschsprachigen Theaterstücke. Das Stück ist in gleichen Maße eine beißende Kapitalismus Kritik wie ein großer Spaß. Auch wegen der kongenial Musik von Kurt Weil lohnt es sich eine Aufführung zu besuchen.                            

  23. Cover des Buches Die Verurteilten (ISBN: 9783453090576)
    Stephen King

    Die Verurteilten

    (82)
    Aktuelle Rezension von: loveisfriendship
    All die Jahre

    Die Verurteilten. Pin-Up
    ist ein Kurzroman von Stephen King, erschienen im Buch Frühling, Sommer, Herbst und Tod, das neben diesem noch drei andere Kurzromane vereint.

    Red selbst sitzt noch im Gefängnis, als er die Geschichte seines Freundes Andy Dufresne niederschreibt, dem nach vielen zermürbenden Jahren die Flucht aus Shawshank gelang.

    Es ist eine sehr bewegende Geschichte über unfassbare Ungerechtigkeit, Schrecken, Zermürbung, Zweifeln und Verzweiflung, aber auch über tiefe Freundschaft, unbrechbaren Lebenswillen, den Wert von Freiheit, übernatürliches Durchhaltevermögen, menschliche Würde und vor allem über Hoffnung.

    Die Protagonisten erleben im Laufe der Handlung viele Hoch-  und Tiefpunkte. Gedemütigt von anderen Gefängnisinsassen, schikaniert von Wärtern und ihrer Zukunft beraubt von selbstbezogenen Gefängnisleitern. Es gibt Momente, da sind sie kurz vorm Aufgeben und erfahren eine wachsende Lebensmüdigkeit. Doch gibt es auch Momente der Glücks und der Hoffnung, die vor allem durch kleine Dinge, an denen sie festhalten, hervorgerufen werden.
    Das Buch beleuchtet auch, wie ein langjähriger Gefängnisaufenthalt einen Menschen prägt und ihn seine neugewonnene Freiheit empfinden lässt.

    Stephen King hat das Ganze sehr realistisch gehalten, alle Gefühle und Gedanken der Protagonisten sind an jeder Stelle nachvollziehbar und auch wie Andy die Flucht gelingt, hat auf mich vollkommen realistisch gewirkt und in keinster Weise weithergeholt, wie es ja bei sowas leicht werden kann.

    Meisterhaft, wie Stephen King wie nebenbei Dinge erwähnt, die hinterher ausschlaggebend für die Auflösung sind. Auch schreibt er so authentisch, es ist, als ob Red mir die Geschichte von Angesicht zu Angesicht erzählen würde. Stephen King erzählt auf eine schlichte, lockere und unaufgeregte Art eine einfache Geschichte, die gerade deswegen so tief berührt.

    Das Ende hat mich umgehauen. Nicht, dass es so derart genial ist. Wobei, doch, das ist es. Weil es auf eine so schlichte Weise schön ist. Weil es das ist, was ich am wenigsten erwartet habe. Weil Stephen King mich hinters Licht geführt und dann so überrascht hat. Dieses Ende ist so wunderbar, ich habe vor Freude geweint. Selten hat mich ein Ende glücklicher gemacht. Gerade weil es ein (relativ) offenes Ende ist und der Leser selbst darüber nachdenken kann, ob ... oder nicht, finde ich es noch grandioser. Hätte Stephen King vorgegeben wie es nun endet, wäre dies möglicherweise unbefriedigend gewesen. Entweder hätte es die Freude wieder ein wenig gedämpft oder aber mehr wäre zu viel gewesen. Das offene Ende erscheint mir für Die Verurteilten. Pin-Up einfach am passendsten.

    Fazit: Die Verurteilten. Pin-Up ist ein berührender Kurzroman über zwei Männer, die sich im Gefängnis kennenlernen und deren Freundschaft über die Zeit im Gefängnis hinausreicht. Es ist eine durch und durch abgerundete Geschichte mit einem Ende, das unerwartet kam und mich glücklich gemacht hat. Stephen King schafft es, mit einfachen Mitteln eine ergreifende Geschichte zu erzählen.
  24. Cover des Buches Einer flog über das Kuckucksnest (ISBN: 9783644570610)
    Ken Kesey

    Einer flog über das Kuckucksnest

    (202)
    Aktuelle Rezension von: Stolli

    Einer flog über das Kuckucksnest von Ken Kesey habe ich vor Jahrzehnten als Film gesehen, nun war die Zeit reif das Buch zu lesen.

    Im Buch ist der "Häuptling"... 

    ...der lange Zeit scheinbar taubstummer Erzähler der Geschichte von Zuständen der Psychiatrie.

    Die Beschreibung der "Insassen"  

    ist beindruckend, die Geschichte über lange Zeit bedrückend aber am Ende findet die Befreiung statt...

    ...auf die eine oder andere Weise.

    Ein Klassiker wie er im Buche steht!

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