Bücher mit dem Tag "finanzkrise"

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147 Bücher

  1. Cover des Buches Das Nest (ISBN: 9783608980004)
    Cynthia D'Aprix Sweeney

    Das Nest

     (186)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Sobald Melody, die jüngste der vier Geschwister Plumb, ihren 40. Geburtstag feiert, sollte „Das Nest“, wie sie den Fond den ihr verstorbener Vater für sie angelegt hatte insgeheim nannten, ausbezahlt werden. Damit hatten sie fest gerechnet, hatten ihre ganze Lebensplanung darauf eingestellt, hatten Schulden gemacht und über ihre Verhältnisse gelebt. Doch es sollte anders kommen. Um die schwerwiegenden Folgen eines Autounfalls zu vertuschen, den der Älteste der Geschwister im Alkohol- und Drogenrausch verschuldete, verwendet Mutter Plumb kurzerhand die angelegten Millionen als Schweigegeld. Zwar verspricht Leo das Geld wieder zu beschaffen, doch wird dieser Egozentriker auch zu seinem Wort stehen? …

    Die etwa 1960 geborene US-amerikanische Schriftstellerin Cynthia D’Aprix Sweeney wuchs in Rochester auf, besuchte ein College und lebte und arbeitete dann 27 Jahre als PR-Beraterin in New York. Im Alter von etwa fünfzig Jahren absolvierte sie ein Studium in Kreativem Schreiben, das sie mit dem Master of Fine Arts abschloss. „Das Nest“ ist ihr Debütroman, der im März 2016 in der Originalausgabe erschien und bereits im April 2016 auf Platz 3 der Bestsellerliste der New York Times landete. Sie ist verheiratet und zog 2009 mit ihrem Mann, der als Redakteur bei The Tonight Show arbeitet, und ihren Kindern im College-Alter nach Los Angeles. 

    »Die Amerikanerin Cynthia D'Aprix Sweeney hat einen hinreißenden und klugen Familienroman geschrieben ...  glänzende Unterhaltung und ein literarischer Wurf« - sagt Dennis Scheck in ARD Druckfrisch am 30.10.2016. Nicht immer bin ich mit seinem Urteil über Bücher einverstanden, doch diesmal stimme ich ihm voll und ganz zu. 

    „Das Nest“ ist ein scharfsinniger, mit viel Humor gewürzter Familienroman, der aufzeigt, was Geld aus einem Menschen machen kann. Früher, als sie noch Kinder waren, waren die vier Geschwister eng miteinander verbunden, heute verbindet sie nur noch die Aussicht auf eine gemeinsame Erbschaft – und als diese dann fraglich wird, kämpft jeder für sich selbst. Sie zählen sich zu New Yorks Upper Class, haben aber im Verborgenen finanzielle Probleme. Leo, der Verursacher der Misere, kann und will sein Status als Lebemann nicht aufgeben, Jack, der als Antiquitätenhändler erfolglos ist und schon seit Jahren vom Geld seines Ehemannes lebt, Beatrice, die einst gefeierte Schriftstellerin, deren Erfolg jedoch schon Jahrzehnte zurück liegt und Melody, die ihre Zwillingsmädchen auf die teuersten Privatschulen schickt und das Finanzielle ihrem Mann überlässt – sie alle müssen jetzt umdenken. Ob ihnen das gelingen wird?

    Eine interessante Geschichte, bei der Cynthia D’Apix Sweeney besonders die psychologische Wahrnehmung auf die Familie Plumb herausgearbeitet hat. Wie reagieren die einzelnen Familienmitglieder, wenn plötzlich der erwartete und bereits verplante Geldsegen ausbleibt? Wir verfolgen das Geschehen etwa ein Jahr lang und begleiten die Akteure bei ihren Sinneswandlungen, die sie zwangsläufig durchmachen müssen. Jeder der vier hat seine Schwächen, aber auch seine Stärken, die die Autorin routiniert in Szene setzt. Unterhaltsame Dialoge, Phasen der Erinnerung und gekonnt eingesetzte Gedankengänge lockern das Geschehen auf. Das   Leben muss irgendwie weiter gehen, es lassen sich Lösungen finden, die zu einem harmonisch-runden Schluss führen.  

    Fazit: Ein intelligenter Familienroman mit gut durchdachter, überzeugender Handlung – ein herrlich sarkastisches Abbild der Gesellschaft. 

  2. Cover des Buches Erwartung, DER MARCO-EFFEKT (ISBN: 9783423216203)
    Jussi Adler-Olsen

    Erwartung, DER MARCO-EFFEKT

     (579)
    Aktuelle Rezension von: Sir_Gerry_63
    Inhalt:
    Marco ist fünfzehn und hasst sein Leben in einem Clan, dessen Mitglieder von ihrem teuflischen Anführer Zola in die Kriminalität gezwungen werden. Als Marco es eines Tages nicht mehr aushält, fasst er einen folgenschweren Entschluss: Auf der Flucht vor Zolas Männern stößt er in einem Erdloch im Wald auf eine stark verweste Männerleiche – und setzt damit eine Spirale von Ereignissen in Gang, die ihn immer wieder in Lebensgefahr bringen…. Die Suche nach den Mördern des Mannes im Wald führt Carl, Assad, Rose und Gordon, den Neuen im Sonderdezernat Q, tief hinein in das Netzwerk der Kopenhagener Unterwelt, in den Sumpf von Korruption und schweren Verbrechen in Politik und Finanzwelt – und sie zieht Kreise bis in den afrikanischen Dschungel.
    Meinung:
    Mit dem 5.Band zum Sonderdezernat Q in Kopenhagen mit dem Vizepolizeikommissar Carl Mørck und seinen Assistenten Assad und Rose sowie neuerdings Gordon ist Jussi Adler Olsen wieder einmal ein toller Thriller gelungen.
    Diesmal macht er einen Ausflug in die Bankenkriminalität sowie die Unterwelt in Kopenhagen und verwendet als Bindeglied die Person Marco. Bereits zu Beginn des Buches wird der Leser Zeuge eines drei Jahre vor den eigentlichen Ermittlungen stattfindenden Mordes an einem Kameruner in Afrika. Dieser war Helfer eines staatlichen dänischen Entwicklungshilfeprojektes. Dass einer der Hauptpersonen ebenfalls dort ist, kann man zu Beginn nur erahnen. Warum dieser ermordet wird, erfährt der Leser dann auch kurze Zeit später. Denn hier geht es um Betrug und Manipulation im großen Stil und sehr viel Geld. Geld treibt die Menschen zu äußersten Taten, man geht dabei buchstäblich über Leichen. Die Fäden im Hintergrund ziehen dabei ein hoher Beamter im Außenministerium sowie ein Vorstand und ein Aufsichtsratsvorsitzender einer Bank, die sich teilweise seit den Schultagen kennen.
    Marco muss wie andere Kinder in einem ausländischen, verbrecherischen Großfamilienclan seinen Lebensunterhalt in der Kopenhagener Innenstadt mit Bettelei und Taschendiebstählen verdienen. Zola, das Clanoberhaupt, regiert mit eiserner Hand und Gewalt.
    Nachdem Marco aus dem Clan geflohen ist, versucht er sich ohne Kriminalität durchzusetzen. Sehr viele Stationen muss er durchlaufen, er findet und verliert Freunde und ist ständig auf der Hut vor Zolas Männern. Durch einen Zufall entdeckt Marco eine Suchanzeige des Mannes, den er tot in einem Erdloch gefunden hat und versucht verzweifelt, aber geschickt und mit Köpfchen, heimlich Kontakt zu Carl Mørck aufzunehmen, so dass dieser Informationen und Hinweise für die Aufklärung des Mordes erhalten kann. Die Geschichte nimmt zunächst nur langsam Fahrt auf. Aber sie ist spannend und klug durchdacht. Immer wieder kommt es zu Verfolgungen und stets kann Marco entkommen. Des weiteren wird intensiv und nachvollziehbar geschildert, wie auch die Drahtzieher im Ministerium und in der Bank Marco auf die Schliche kommen und hinter ihm her sind, sogar ehemalige Kindersoldaten werden ins Spiel gebracht. Das halte ich zwar ein wenig weit her geholt, erhöht aber zusätzlich die Spannung im Buch. Man fiebert mit Marco mit, wie er versucht, sich trickreich den Häschern zu entziehen.
    Die Personen im Buch sind wie immer sehr detailliert und sympatisch dargestellt. Insbesondere dass private Leben von Carl Mork wird intensiver als zuvor dargestellt. Seine Gedanken sind stets bei Hardy, der seit einem Polizeieinsatz vollständig gelähmt ist. Er fühlt sich immer noch dafür verantwortlich. Seine Beziehungen zu Mona und zu einer anderen Frau spielen seine innere Zerrissenheit wider. Jussi Adler Olsen bringt reichlich Humor in das Buch, in dem er uns an Mørck ’s Gedanken teilhaben lässt, wenn Assad oder Rose Ermittlungsergebnisse und Theorien präsentieren. Ich habe mich immer köstlich amüsiert, wenn es wieder knuffige Reibereien mit Rose gab. Ganz toll und weiterhin mysteriös stellt Jussi Adler Olsen Assad dar. Ich habe immer gelacht, wenn Assad seine Anekdoten über Kamele bringt, wie beispielsweise, dass manchmal das Kamel den Kameltreiber jagt oder wenn er Sprichwörter verwendet, die nicht ganz passen. Neu im Team und demgemäß noch etwas blass in der Darstellung ist Gordon, ein Grünschnabel, der Mørck vor die Nase gesetzt wird und auch noch mit Rose versucht anzubandeln. Ich bin gespannt, wie es mit diesen Personen in den nächsten Büchern weitergeht.
    Ein Wort noch zum Untertitel: der Marco-Effekt. Ich hatte zu Beginn des Buches darüber gegrübelt, was das wohl bedeuten könnte. Im Buch kommt irgendwann der wohl weltweit bekannte Satz (sinngemäß), dass das Flattern eines Schmetterlings auf der anderen Seite der Erdkugel einen Sturm entfachen kann. Das kann ich so unterschreiben.
    Das Buch hat viele spannende Elemente, ruhige Seiten und viel Humor und Witz. Die Balance zwischen allen ist gut gelungen. Ich konnte das Buch eigentlich fast durchgängig lesen, man wird nicht müde, die über 40 Kapitel in dem Buch zu lesen. Der ständige Perspektivwechsel von Marco zu Zola, den Hintermännern und dem Ermittlerteam lässt nie Langeweile aufkommen.
    Wie immer ist das Buch auch äußerlich ein Hingucker. In schwarz gehalten, wird der Name Jussi Adler Olsen blau hervorgehoben und der Titel des Buches in weißer Farbe gehalten. Um das Buch herum – so erscheint es mir jedenfalls – erscheint eine rötliche Feder, die auf der Rückseite – auch aus meiner Einbildung heraus – sich zu einem teuflischen Gesicht stilisiert. Wie immer sehr genial.
    Fazit:
    Ein rundum gelungenes und spannendes Buch mit einem besonderen Thema und einem Jungen namens Marco, dem man die Daumen drückt, heil aus den Verfolgungsjagden heraus zu kommen. Ob dies gelingt, erfahren die Leser, wenn sie das Buch lesen. Ich gebe dem Buch auf jeden Fall 4 von5 Sternen und freue mich auf weitere Thriller von Jussi Adler Olsen.
  3. Cover des Buches Kain und Abel (ISBN: 9783453422032)
    Jeffrey Archer

    Kain und Abel

     (96)
    Aktuelle Rezension von: Harry_Robson

    Jeffrey Archer entwickelt hier eine Geschichte, die in Europa beginnt und in den USA weiterläuft.  Genau wird beschrieben, wie sich die Protagonisten entwickeln und irgendwann im Leben aufeinander stoßen. Sehr schön und in aller Deutlichkeit werden die "Brüder" gezeichnet und dargestellt. Ein Meisterwerk der Romankunst

  4. Cover des Buches Der Koch (ISBN: 9783257239997)
    Martin Suter

    Der Koch

     (466)
    Aktuelle Rezension von: Milagro

    Die Geschichte an sich ist schon recht interessant. Mich hatte das Leben in der Fremde, das ungewöhnliche Arbeiten des Protagonisten angezogen. Die Idee mit dem genialen Koch, der auf Familienrezepte zurückgreift und still und ruhig die köstlichsten Gerichte für merkwürdige Leute schafft. Das ist insgesamt sicherlich  gut beschrieben, insbesondere die zugrundeliegende politische Situation in Sri Lanka, aufgrund derer der junge Mann in die Schweiz gekommen ist,  wird hier zeitgleich beleuchtet. Die Nöte der Familien, die inmitten der gewalttätigen Auseinandersetzungen verzweifelt auf den in der Schweiz arbeitenden Verwandten vertrauen. Der gesellschaftliche Druck, der auf diesem liegt, ist enorm. Das ist doch ein spannendes Thema, mit tollem Ansatz. Aber..... Ich wunderte mich, warum ich so wenig mitfühlend war, diese Geschichte ist doch traurig, das Leben für den Protagonisten ist schwer, er sehnt sich zurück in die Heimat, er versucht sich zu arrangieren. Da könnte man doch Mitleid empfinden. Ich hab all das lediglich verfolgt, ohne dass ich berührt wurde von der Geschichte. Mir schreibt Suter zu distanziert, ich lese den Text ohne viel Mitgefühl. Ich fand es unpassend, dass sich alles in  Wohlgefallen auflöst. 

    Ich hadere weiterhin mit Suter. Ich denke, das wird nichts mehr mit uns. 

  5. Cover des Buches Der Insider (ISBN: 9783442479788)
    Michael Robotham

    Der Insider

     (124)
    Aktuelle Rezension von: Callso

    Eines vorweg: Ich bin ein riesiger Fan von Michael Robotham und seinem charmanten Hobby-Ermittler-Duo. Bei anderen Lektüren waren Spannung und Spaß garantiert! Bei diesem Werk wurde ich indes zum ersten Mal ein klein wenig enttäuscht.

    Ich finde die Story sehr verworren, äußerst kompliziert und trotz ordentlich Tempo ein wenig zu lang.

    Dennoch, die über 530 Seiten machen trotzdem Spaß, weil der Autor so einen trockenen Humor hat, weil er liebend gerne Sarkasmus einstreut und auch in diesem Buch wundervolle Dialoge kreiert hat.

    Psychiater Joe O`Loughlin hat in diesem Fall eine überraschende Nebenrolle. Vielmehr ist es der Ex-Polizist Vincent Ruiz, der im besonderen Fokus steht. Und auch Vincent kommt hemdsärmelig, schroff, sehr direkt, launisch, aber eben auch mit einem besonderen Spürsinn daher. Auch bei diesem speziellen Mensch hat der Autor einen  wunderbareren Charakter erschaffen, der enorm lesenswert und unterhaltsam ist.

    Zwischen Bagdad und London geht es um geheim Gelder, die von Banken und Terroristen hin und hergeschoben werden. Illegale Überweisungen, Bankenraub in Bagdad und ein Insider und vermeintlicher Aufklärer, der erst verschwunden und wenig später ermordet aufgefunden wird.

    Die Schwächen der übertriebenen bis verworrenen Story zum Trotz: Robotham schafft immer ein Thriller-Niveau, das fast seinesgleichen sucht

  6. Cover des Buches GIER - Wie weit würdest du gehen? (ISBN: 9783734105586)
    Marc Elsberg

    GIER - Wie weit würdest du gehen?

     (151)
    Aktuelle Rezension von: MatthiasBreimann

    In Berlin steigen die Unruhen und Demonstrationen aufgrund einer bevorstehenden Wirtschaftskrise. Zur selben Zeit soll eben desshalb allerdings auch eine Gipfeltreffen von große Wirtschaftsbossen, Politikern aus aller Welt usw. abgehalten werden. Darunter der Nobelpreisträger Herbert Thomson, der einen Plan und Vorschläge hat, die die Welt veränden werden. 

    Doch jene Limousine mit dem Nobelpreisträger kommt nie an, denn jene hat vor dem Ziel einen enormen “Unfall“, der von dem Krankenpflerger Jan Wutte beobachtet wird. Doch nicht nur dass, denn bei dem verunfallten Auto stehen einige vermummte Männer und versuchen den Wagen anzuzünden um die Insassen zu töten. 

    Jan, läuft natürlich zu dem Wagen und versucht die Insassen zu retten, doch gelingt es ihm nicht ganz. Nur ein paar gehauchte Hinweise eines Assistenten kann er “retten“ bevor das Auto explodiert. Natürlich bekommen die vermummten Männer jenes mit und verfolgen Jan darauf, doch wird er von der Polizei geretten. Doch genau jene verdächtigen ihn jetzt, dies alles durchgeführt zu haben……..


    Dieses Werk vom Autor Marc Elsberg, ist nach Blackout und Zero, eine nicht ganz so gelungene Lektüre wie gewohnt, wobei man hier das Wort “Leider“ hinzufügen muss. Denn die Werke von Marc Elsberg, sind stets absolut gekonnt und mit großem Potential versehen, was seine treuen Leser bestätigen werden. Zwar sind die ersten 100 Seiten mit viel Spannung zu lesen, was aber eben leider immer stetig abnimmt, da es dann eben nur noch mit Verfolgungsjagden weitergeht, die in jedem Krimi zu finden sind und eigentlich wirklich nicht die tatsächliche großartige Leistung des Autors wiederspiegeln, der er in anderen Romanen seinen Lesern offenbart.

    Wirklich gut ist eben wieder der Bezug zur Realität, in diesem Werk eben die Wirtschaft, der Kapitalismus, uvm. Welches wieder einmal mehr eben eine Kritik an jenem zeigt und dem Leser wieder einmal zum Nachdenken bringt und dem ein oder anderen Leser vielleicht die Augen öffnet. Dies aber eben leider doch in einer nicht so spannenden Geschichte wie sonst gewohnt aus der Feder des Autors.

    Zum Buch selbst ist zu sagen, dass er sehr schön und angenehm aufgeteilt ist, so dass es sehr schnell zu lesen ist und auch verständlich, sowie das Cover auch gut zum Buch passt, obwohl es zu seinen Vorgängern doch ein wenig abweicht vom Stil her und somit eben auch hier aus der Reihe sticht. 

    Alles in allem ein Werk das man lesen kann und man weiterempfehlen kann, doch ist es dieses Mal leider kein gewohnter Marc Elsberg Roman wie man es aus seiner Feder gewohnt ist. Für Hardcorefans wird es vermutlich gut sein, für Neueinsteiger in die Werke des Autors eher ernüchternd. 

  7. Cover des Buches Abgründe (ISBN: 9783404168347)
    Arnaldur Indriðason

    Abgründe

     (92)
    Aktuelle Rezension von: Gelinde
    Abgründe, von Arnaldur Indridason

    Cover:
    Austauschbar.

    Inhalt:
    Island 2005 – die Wirtschaft boomt.
    Jeder will sich auch ein Stück vom Kuchen abschneiden, und so wird oft nicht hinter die Kulissen des Goldsegens geschaut.
    Als dann eine junge Frau überfallen wird, und an diesen Folgen stirbt, wfird eine Lawine in Gang gesetzt die auch zu einem Unfalltod eines Bankers von vor einem Jahr führt.
    Der Ermittler, Sigurdur Oli, begibt sich auf einen Alleingang mit den kriminellen Machenschaften.

    Meine Meinung:
    Dies ist mein erstes Buch von diesem Autor.
    Und es steht als Untertitel: Kommissar Erlendur ermittelt in seinem 10. Fall.
    Nur ist dieser Erlendur im ganzen Buch abwesend!

    Ich hatte rechte Probleme mit den fremd klingenden Namen, diese machten es mir schwer, mir die Personen zu merken und ihnen „Gestalt“ zu geben.

    Der Ermittler Sigurdur Oli wirkt durch seine überhebliche und voreingenommene Art sehr unsympathisch, das wirkt auf mich teilweise schon unprofessionell. OK, ganz am Schluss kommt er nochmals gut weg, als er die „Selbstjustiz“ seines Kollegen nicht gut heißt. Auch sein privates Umfeld, vor allem die Beziehung zu seiner EX wirkt auf mich nur lästig und nervig.

    Die Handlung ist mir zu verwirrend, teilweise widersprüchlich und zu sehr im Finanzgeschäft, wo ich mich sowieso nicht auskenne. Über viele Seiten zieht es sich unwahrscheinlich zäh und langweilig dahin.
    Bei der Parallelhandlung ist von vorn herein klar auf was es hinausläuft und dadurch ist jede Spannung raus. Kurz dient sie dazu, damit Sigurdur Oli seine Meinung rechtfertigen kann.

    Mich konnte das Buch absolut nicht fesseln.

    Mein Fazit:
    Die Handlung war mir zu verwirrend und das Hauptdelikt zu „Banktechnisch“ (Wirtschaftskriminalität). Bei der Parallelhandlung, war mir im Gegenzug gleich von Anfang an klar um was es ging, diese war grausam, aber sie diente nur als Nebenschauplatz (so fühle es sich für mich an).
    Der Ermittler Sigurdur Oli ist mir auch sowas von unsympathisch, denn er ist überheblich und voreingenommen, deshalb konnte bei mir kein Lesegenuss aufkommen.
    Ich kann nur 2 Sterne vergeben.
  8. Cover des Buches Montecristo (ISBN: 9783257243666)
    Martin Suter

    Montecristo

     (154)
    Aktuelle Rezension von: readlikejana

    Ein Journalist befindet sich im Intercity von Zürich nach Basel, als dieser aufgrund eines Personenschadens notbremsen muss. Ein Bänker hat sich das Leben genommen, er ist aus dem Zug gesprungen, zumindest scheint es so. Dies hält der Journalist mit seiner Video Kamera fest. Die Fahrgäste sind genervt, es sei eine Zumutung, sich so umzubringen.

    Bei diesem Journalisten handelt es sich um Jonas Brand, Ende dreißig, mäßig ambitionierter Videojournalist für ein Lifestyle-Magazin, der eigentlich schon immer einen eigenen Kinofilm herausbringen wollte und gerade Marina, eine Eventmanagerin, kennengelernt hat.

    Wenig später findet Brand zwei 100 Frankenscheine mit der identischen Seriennummer. Erst will ihm keiner glauben, doch plötzlich wollen ihn alle loswerden.  Er wird überfallen, seine Wohnung auf den Kopf gestellt und schließlich ist nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Freunde in Gefahr. Er muss feststellen, dass beide Begebenheiten miteinander verknüpft sind und viel größer zu sein scheinen, als er zunächst geglaubt hat. 

    Dieser spannende Finanzthriller hat mich während des Lesens sehr begeistert. Ich habe das Buch fast nicht aus der Hand gelegt, so aufregend war es. 

    Trotz weniger umschreibender Worte hatte ich das Gefühl das Buch nicht gelesen, sondern als Film gesehen zu haben. Besonders gut gefallen haben mir die Passagen mit Marina und Jonas, wie aus zwei Unbekannten in kürzester Zeit zwei Vertraute wurden, die für mein Verständnis genau die richtige Geschwindigkeit und Nähe in ihre Beziehung gelassen haben. Genau diese Einschübe haben das Buch für mich so angenehm gemacht und ich habe sie als Gegensatz zu den schaurigen Entdeckungen empfunden, die Jonas über die Finanzwirtschaft macht, von denen ich hoffe, dass sie wirklich nur in diesem Buch existieren. 

    Die Personen sind sehr authentisch, fast schon alltäglich und dadurch besonders zugänglich und nah. Die Kälte der Bänker hat mich an Personen von Dürrenmatts „Besuch der alten Dame“ erinnert. Professionell, zielorientiert, gefühllos und bereit jeden nötigen Schritt zu gehen. 

    Eigentlich hätte ich nicht gedacht, dass das Thema wirklich was für mich ist. Ich interessiere mich weder für Banken noch für Finanzthemen. Aber hier wurde das Thema so wunderbar eingearbeitet, dass es sowohl für Wirtschaftsliebhaber, also auch für alle anderen ein sehr lesenswertes Buch ist. 

    Lediglich das Ende hat mir nicht so gut gefallen. Das kam für mich zu abrupt und war irgendwie nicht nachvollziehbar. Irgendwie passte die beklemmende Stimmung allerdings auch zu diesem Buch und ein anderes Ende wäre vielleicht auch langweilig gewesen. Aber lest selbst und lasst mir gerne eure Meinung dazu da.

    Insgesamt dennoch eine große Leseempfehlung! Montecristo war mein erstes Buch von Martin Suter und bleibt definitiv nicht das letzte. 

  9. Cover des Buches Anklage (ISBN: 9783453438422)
    John Grisham

    Anklage

     (65)
    Aktuelle Rezension von: Yolande
    John R. Grisham wurde am 8. Februar 1955 in Jonesboro, Arkansas geboren. Als Kind wollte er Baseballprofi werden. Als er feststellte, dass seine Fähigkeiten dazu nicht ausreichen würden, begann er ein Jurastudium und arbeitete nach erfolgreichem Abschluss als Anwalt. 
    1990 begann er damit, Romane zu schreiben. Inzwischen hat er schon über 25 Romane veröffentlicht, von denen eine Vielzahl auch verfilmt wurde. Seine Bücher sind Bestseller und werden weltweit verkauft.


    Inhalt (Klappentext): 
    Als New Yorker Anwältin hat es Samantha Kofer binnen wenigen Jahren zu Erfolg gebracht. Mit der Finanzkrise ändert sich alles. Samantha wird gefeuert. Doch für ein Jahr Pro-Bono-Engagement bekommt sie ihren Job zurück. Samantha geht nach Brady, Virginia, ein 2000-Seelen-Ort, der sie vor große Herausforderungen stellt. Denn anders als ihre New Yorker Klienten, denen es um Macht und Geld ging, kämpfen die Einwohner Bradys um ihr Leben. Ein Kampf, den Samantha bald zu ihrem eigenen macht und der sie das Leben kosten könnte.


    Ich habe schon einige Romane von John Grisham gelesen und habe leider feststellen müssen, dass die jüngeren Bücher bei weitem nicht mehr an seine ersten Werke heranreichen. Romane wie "Die Firma", "Die Akte" oder auch "Der Regenmacher" habe ich damals regelrecht verschlungen, weil sie so spannend waren. Das ist bei diesem Buch leider nicht so. Der Anfang ist noch ganz vielversprechend, aber dann rutscht die Story immer mehr ab. Irgendwann ist das Thema "kleine gute Anwaltskanzlei gegen die bösen großen Konzerne" einfach abgelutscht. Wenn man die Bücher von Grisham liest, könnte man meinen, dass die großen Firmen in den USA ausnahmslos von Verbrechern geleitet werden, die buchstäblich über Leichen gehen und vor nichts zurückschrecken, um Profite zu machen. 
    Hinzu kommt, dass die Hauptprotagonistin Samantha mir nicht sonderlich sympathisch war. Zu jammerig, zu unverbindlich, man erfährt ständig nur, dass sie das, was sie gerade tut, eigentlich gar nicht machen will. Der Schluss war dann auch wieder ziemlich unspektakulär.
    Ich denke, ich werde jetzt erst einmal einige Zeit ins Land gehen lassen, bis ich mich wieder an einen Grisham wage. 



  10. Cover des Buches Frühling der Barbaren (ISBN: 9783442748235)
    Jonas Lüscher

    Frühling der Barbaren

     (64)
    Aktuelle Rezension von: Daniela8
    Ich mag ja Novellen, auch wenn jeder sie heutzutage tot redet. 
    Diese hier ist ganz exquisit. 
    Und der Autor schafft es mit seiner wundervollen Sprache, fein beobachteten Einsichten in die Figuren und dem regelmäßigen Perspektivwechsel innerhalb der Erzählung, mich für eine Geschichte zu begeistern, deren Themen (Tunesien, Staatsbankrott in England, zwei unterschiedliche Familien, die auf einer Hochzeit aufeinandertreffen) mich eigentlich überhaupt nicht ansprechen. 
    Ich kaufte das Buch nach längerem Abwägen dann doch, da die Leseprobe Lust auf mehr machte und ich blieb dran, ja ich muß sogar sagen, ich konnte mich gar nicht lösen von der immer absurder werdenden Geschichte. 
  11. Cover des Buches Der Honiganzeiger (ISBN: 9783749424573)
    Sibylle Barden-Fürchtenicht

    Der Honiganzeiger

     (15)
    Aktuelle Rezension von: SusanD

    2028. Die Europäische Vision gibt es nicht mehr; die EU ist aufgelöst, der Euro abgeschafft. Allein Geld regiert die Welt und ein paar mächtige Oligarchen teilen die Märkte unter sich auf; die Finanzmärkte brechen zusammen. Um Deutschland als souveränen Staat zu retten, schickt der Deutsche Kanzler den bisher erfolgreichen, aber unscheinbaren Diplomaten Till von Herlichingen auf eine Mission: Er soll beim Weltwirtschaftsforum in Davos, an der Wall Street in New York und im Casino Monte Carlo lernen, wird schließlich offizieller Botschafter in London - im Hintergrund immer beeinflusst von manipulativen Politikern, mörderischen Oligarchen und schönen Frauen - und muss sich schließlich selbst entscheiden, wie weit er gehen will.

    Sibylle Barden, Journalistin, Publizistin und mit eigenen Erfahrungen in der Deutschen Botschaft, verfügt über ein enormes Wissen und hat tiefschürfend recherchiert; somit ist sie in der Lage, viele Fakten und Hintergründe nachvollziehbar zu erklären. In "Der Honiganzeiger" entwirft sie ein erschreckendes Szenario von unserer Welt in nicht allzu ferner Zukunft, das den Leser aufrüttelt  und zum Nachdenken und Hinterfragen anregt. Alleine durch die geschilderten Möglichkeiten - und die zeitliche Nähe - bekommt dieses Buch eine gänsehauterregende Spannung. 

    Leider lässt sich diese Spannung nicht auf die Handlung um den Protagonisten Till von Herlichingen übertragen: Als Hauptperson bleibt er eher blass und unsympathisch und sein Tun ließ für mich einige Fragen aufkommen bis hin zu einem doch offenen, recht unbefriedigendem Ende.

    Durch die immer wieder auftauchenden realen Personen und das Zeitgeschehen bekommt der Roman noch eine weitere Brisanz, denn der Leser kann die Handlung nicht als reine Fiktion abtun.

    Lange Erklärungen über die Sachverhalte (die jedoch nie abgehoben sind) erinnern mehr an ein spannendes Sachbuch als an einen sich zuspitzenden Thriller und der Leser ist in seiner Aufmerksamkeit stark gefordert.
    Auch "Nebenkriegschauplätze" wie die Tatsache, dass der fiktive Kanzler nun endlich das Beamtentum abschaffen will, was aber einem politischen Selbstmord gleichkäme, nehmen viel Raum ein, der nichts mit dem eigentlichen Thriller zu tun hat.

    Für mich ist "Der Honiganzeiger" ein wichtiges Buch, das mich noch lange beschäftigt hat, das jedoch nicht das halten konnte, was ich mir von ihm versprochen hatte.

  12. Cover des Buches Das war ich nicht (ISBN: 9783442474592)
    Kristof Magnusson

    Das war ich nicht

     (163)
    Aktuelle Rezension von: Callso
    Kristof Magnusson hat einen recht merkwürdigen Roman geschrieben. Er berichtet über eine Welt, in der die einzige Wärme vom Kamin oder von Computern ausgeht, so unterkühlt wir d in dem Werk agiert. Alle anderen Charaktere, Beziehungen und Freunde sind kalt, unterkühlt und enorm emotionslos. So sammeln die drei Hauptpersonen zahlreiche Minuspunkte und erreichen  Sympathiewerte nahe der Nullgrenze.

    Schade, weil die Grundidee der Geschichte sehr vielversprechend ist. Drei Protagonisten, die im Laufe der Geschichte nahe der Verzweiflung sind. Eine Übersetzerin, die frisch getrennt ist und da sie ohne Auftrag dasteht auch mitellos ist. Da ist ein eigentlich erfolgreicher Autor, der seit einem Jahr keine Zeile mehr geschrieben hat. Und es gibt mit Jasper einen Börsenhändler, der zwischen Genie und Wahnsinn handelt, mit größeren Beträgen handelt, ehe er riesige Beträge der Firma aufs riskante Spiel setzt.

    Die drei Personen treffen in Chicago aufeinander. Im hektischen Alltag kreuzen sich deren Wege, doch bei allen deei Personen ist deutlich mehr Schein als Sein.

    Autor Magnusson hat die Charaktere sehr nüchtern, sachlich und wenig sympathisch dargestellt. Insofern hält sich das Zittern und Bangen in Grenzen, aber auch in Nebenschauplätzen wie in der Bank, im Cafe oder im Freundeskreis gibt es kaum wirklich menschliche Züge. Keine beschriebene Person, die freundlich oder empathisch agiert. Sehr merkwürdig.

    Insofern ließ mich das Buch auch sehr kalt. Sicherlich lässt sich die skurrile Story ganz gut lesen, wie realistisch das Treiben ist, darf jeder selber entscheiden.

    Ach ja: Der Buchtitel "Das war ich nicht" passt meiner Meinung nach überhaupt nicht. Klingt für mich deutlich mehr nach einem Kinderbuch. Auch dem Buchcover kann ich nur sehr wenig abgewinnen.
  13. Cover des Buches Black Swan - Silberner Fluch (ISBN: 9783453526976)
    Lee Carroll

    Black Swan - Silberner Fluch

     (34)
    Aktuelle Rezension von: Pergamentfalter
    In "Silberner Fluch" begleitet der Leser Magaret "Garet" James, eine junge Schmuckdesignerin, aus deren Sicht die Geschichte verfasst ist. Angereichert mit zahlreichen mehr oder weniger ausführlichen Gedankengängen und Beschreibungen erlebt man, wie sich ihr Leben mit Erhalt der Schatulle verändert. Dabei stellte sich mir von vornherein die Frage: Was ist das für eine Schatulle? Die Darstellung lässt auf ein magisches Objekt tippen, aber welche Fähigkeiten hat es? Warum ist es für den einen oder anderen von so großer Bedeutung? Fragen, die sich erst im Laufe der Geschichte langsam klären.
    Die Idee mit der Schatulle fand ich sehr gut. Derartiges hab ich bisher in den Büchern, die ich gelesen habe, kaum gefunden. Die Grundidee hatte demnach schon mal ihren Reiz und war - was den realen Teil angeht - gut umgesetzt. Die Darstellung der Schatulle mit den ganzen Linien und Symbolen fand ich sehr gelungen, besonders, da sich dadurch immer neue Fragen ergeben.
    Als die Geschichte endgültig in den Fantasy-Bereich schwenkt und neben Magie auch Vampire, Sylphen, Feen und andere Wesen eine Rolle zu spielen beginnen, verliert sie jedoch ihre Überzeugungskraft.
    Auf der Suche nach der Schatulle erfährt Garet, dass sie besondere Fähigkeiten erlernen kann. Dieser Lernvorgang nimmt einen sehr großen Teil der Geschichte ein, was ich persönlich enttäuschend fand, da es einerseits nach kurzer Zeit langweilig wurde und andererseits kaum überzeugen konnte. Zu Beginn war ich eigentlich der Ansicht gewesen, dass der Großteil der Geschichte von der Suche nach der Schatulle handelt und nicht vom Erlernen irgendwelcher Fähigkeiten... Dem Autorenduo ist es nur in selteneren Fällen gelungen, diese Fähigkeiten glaubhaft darzustellen. Zwar wird sehr detailreich beschrieben, was Garet tut, aber es bleibt teilweise unklar, inwieweit ihr so manche Fähigkeit helfen soll und einige, wie beispielsweise das Fliegen, wirken schlichtweg unglaubwürdig.
    Eine gute Fantasygeschichte, die im modernen New York spielt, zeichnet sich in meinen Augen dadurch aus, dass sich das Übernatürliche nahtlos in die menschliche Zivilisation einfügt und man jederzeit glauben könnte, dass das eine oder andere Magische tatsächlich so existieren könnte. Diesen Glauben habe ich in "Silberner Fluch" nur sehr selten gewinnen können.
    Dafür schlägt die Handlung einige Male überraschende Wendungen ein. Weitere Spannung wird durch mehrere Intrigen und Geheimnisse erzeugt, die sich erst im Laufe der Geschichte offenbaren.
    Die Figuren in "Silberner Fluch" schätze ich insgesamt als mittelmäßig ein. Die Protagonistin Garet wird zwar sympathisch und durchaus lebendig dargestellt, aber ich wurde mit ihr die ganze Zeit über nicht richtig warm. Anders sieht es mit dem Nebencharakter Will Hughes aus, der mir sehr gut gefallen hat. Die anderen mehr oder weniger bedeutsamen Figuren sind eher farblos geblieben. Manche Charaktere hatten noch positive Tendenzen, aber insgesamt hat mich kein Charakter, abgesehen von Will, wirklich überzeugt.
    Sprachlich gesehen war "Silberner Fluch" recht gut gemacht, auch wenn mir die Sprache manchmal zu einfach war. Die Beschreibungen sind gut gewählt und die Details sind ausreichend.

    FAZIT
    Gehe ich von dem Rückentext aus, hatte ich mir unter diesem Buch wesentlich mehr vorgestellt. Das Grundthema schien stellenweise regelrecht in Vergessenheit zu geraten.
    Die Idee an sich hat mir gut gefallen. Leider wurde sie nicht konsequent umgesetzt und wirklich ausgeschöpft.
  14. Cover des Buches Eine Billion Dollar (ISBN: 9783431041286)
    Andreas Eschbach

    Eine Billion Dollar

     (677)
    Aktuelle Rezension von: Obst4

    Der Schreibstil von Andreas Eschbach ist, wie immer grandios. Die Idee hinter dem Roman find ich super; armer Pizzabote erbt 1 Billion Dollar und wird über Nacht zum reichsten Mann der Welt.
    was macht man mit SOOO viel Geld? Wie verändert man sich, wie verändert es das Umfeld? Und welche Verantwortung geht damit einher?


    leider ist. Sehr viel Wirtschaftliches Bla bla dabei und damit fange ich nunmal nichts an. Auch sonst finde ich hat der Roman schon extreme Längen mit immer wiederkehrenden ausführlichen Erzählungen wie die Anwaltskanzlei das denn nun alles gemacht hat usw.

    Konnte mich damit dann nicht überzeugen

  15. Cover des Buches Der große Plan (ISBN: 9783462053364)
    Wolfgang Schorlau

    Der große Plan

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Lesenisttoll

    Wolfgang Schorlau hat mit „Der große Plan“ wieder einmal einen spannenden und – soweit ich das beurteilen kann - sehr gut recherchierten Krimi vorgelegt. Eine junge Frau wird entführt. Sie arbeitete für die Troika, das Gremium, das während der sogenannten Griechenlandkrise Lösungen zur finanziellen Rettung Griechenlands erarbeitete. Hängt die Entführung Anna Hartmanns mit ihrem Job zusammen? Um sie zu finden, wird Georg Dengler, Privatdetektiv aus Stuttgart, eingeschaltet. Auftraggeber ist niemand Geringerer als das Auswärtige Amt. Wie das Auswärtige Amt allerdings ausgerechnet auf Dengler kam, ist mir nicht ganz klar. Gibt es in Berlin keine fähigen Privatdetektive?

    In einem zweiten Handlungsstrang erfahren wir über die Machenschaften deutscher Soldaten in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs, die dort teilweise mit äußerster Brutalität vorgingen. Dass ein Zusammenhang zwischen den beiden Erzählsträngen besteht, ist klar, doch erfährt man erst gegen Ende, worin dieser besteht. Ich habe den Roman als Hörbuch gehört. Die Story hat mich gefesselt und es war schön, der angenehmen Stimme des Sprechers Frank Arnold zu lauschen. Außerdem gefällt mir gut, dass Schorlaus Bücher oft auf reale Ereignisse eingehen und auf Missstände hinweisen. Von mir 5 Sterne.

  16. Cover des Buches Empört Euch! (ISBN: 9783550088834)
    Stéphane Hessel

    Empört Euch!

     (188)
    Aktuelle Rezension von: Kerstin-Scheuer

    Über dieses Buch, das monatelange auf der Bestsellerliste stand, wurde bereits viel gesprochen und geschrieben. Für einige ist es wohl sogar zu einer Art "Bibel" geworden. Es geht zurück auf eine Rede Hessels, die viel Beachtung fand.
    Klar, dass ich dieses Werk auch einmal lesen wollte, um herauszufinden, was so besonders daran ist.

    Leider kann ich die allgemeine Euphorie nicht so ganz teilen.
    Bei dem dünnen Heftchen - ich würde es eher eine "Schrift" als ein "Buch" nennen - handelt es sich um den Aufruf eines 94jährigen an die jüngeren Generationen, sich endlich wieder mehr zu engagieren. Mich erinnerte dies etwas an das ewige "Früher war alles besser" und die ständigen "die Jugend von heute"-Klagen, die mich immer ärgern, weil sie schlicht und ergreifend falsch sind.
    Die Dinge, für wir uns engagieren sollen, liefert Hessel gleich mit. Neues hat er dabei nicht zu bieten: für Umwelt und soziale Gerechtigkeit, gegen die Macht der Banken und des Geldes, in Israel und den arabischen Ländern. Nunja.

    Was mich allerdings wirklich stark beeindruckte, war der Lebensweg von Hessel, von dem man das ein oder andere innerhalb der Schrift; wesentlich mehr jedoch in einem Nachwort erfährt. Hessel wurde in Deutschland geboren und flieht mit seinen Eltern während des Zweiten Weltkriegs nach Frankreich aus, nachdem es der jüdischen Familie gelang aus dem KZ "Buchenwald" zu entkommen. (Schon allein DAS finde ich zu tiefst beeindruckend; es geht aber noch weiter) Als Jugendlicher und junger Mann engeagiert er sich in der Resistance gegen Nazideutschland und schreibt schließlich nach Ende des Zweiten Weltkriegs an der Menschenrechtscharta mit. Später ist er als Botschafter für Frankreich an den unterschiedlichsten Orten weltweit im Einsatz. Wow!
    Mit diesem Hintergrund, finde ich, bekommt die Schrift doch gleich eine ganz andere Perspekitve. Wer sich stets so sehr für die eigenen Ideale und eine bessere Welt einsetzte, hat meiner Meinung nach alles Recht, sich über die heutigen Verhältnisse und die scheinbare Letargie der Jugend zu beschweren. Denn - sind wir mal ehrlich - so stark engagiert sind die wenigstens von uns. Natürlich sind die offensichtlichen Bedrohungen auch - gottseidank - geringer. Gründe, um sich zu engagieren - gibt es aber noch immer genug. Schön, dass uns so ein außergewöhnlicher Mensch hieran erinnerte.

    Unmittelbar nach der Lektüre dieses Werkes habe ich die Autobiografie von Stephane Hessel "Mein Tanz mit dem Jahrhundert" auf meine Wunschliste gesetzt. Ich bin wirklich schwer beeindruckt.

  17. Cover des Buches Verräter wie wir (ISBN: 9783548288079)
    John le Carré

    Verräter wie wir

     (58)
    Aktuelle Rezension von: Beust

    Dima ist nicht nur ein Mensch mit Vergangenheit, einem wertvollen Geheimwissen über die Geldwäschepraxis im postsowjetischen Russland, das er verhökern möchte, und einem Plan, wie er seine Geheimnisse an den (westlichen) Mann bringen will. Er ist vor allem ein Mensch mit Herz. John le Carré ist mit seinen Figuren in „Verräter wie wir“ ein großer Wurf gelungen, wobei vor allem Dimitri Krasnow, genannt „Dima“ ein kraftstrotzender Vertreter der russischen Seele ist: gemütvoll, breitbeinig, leutselig und trinkfest. Und dabei extrem gefährlich, ein Familienmensch, der über viele Leichen ging.

    Die Idee, dass Dima sein Wissen über die Geldwäsche russischer Mafiaclans an den britischen Geheimdienst verkaufen möchte, reflektiert die veränderten politischen Rahmenbedingungen in le Carrés Lieblingsspannungsfeld zwischen Russland und Großbritannien. Im ewigen Sowjetreich haben keine Masterminds wie „Karla“ mehr das Sagen, sondern menschenverachtende Raffgeier und Mafiosi. Das ist gelungen und schmeckt hochaktuell. Dass der britische Geheimdienst aus einer Mischung aus bürokratischem Phlegma und ebenso menschenverachtendem Dünkel Dima die Tour vermasselt, weil Menschen in dem großen Spiel nur hohle Figuren sind, passt zur Kälte der Welt er Spione.

    Dass aber ein Tennisturnier den Hintergrund bildet und das unschuldig ins Spiel gezogene Pärchen Oxford-Dozent Perry Makepiece und Rechtsanwältin Gail Perkins zum Überlaufzirkus gehört, beschert der Handlung einige Längen vor allem beim Einstieg in die Geschichte und wirkt nicht immer ganz rund.

    Unter dem Strich ein gelungener Geheimdienstroman mit hervorragend gezeichnetem Personal, aber gewiss nicht le Carrés stärkster Wurf.

  18. Cover des Buches F (ISBN: 9783499249273)
    Daniel Kehlmann

    F

     (177)
    Aktuelle Rezension von: Freedom4me

    Dies ist kein klassischer Freizeitroman. Es ist eindeutig Kunst und so gestaltet, dass man den Roman am besten mehrmals Lesen und anschließend diskutieren muss. Ich muss zugeben, dass ich das nicht getan habe und damit bin ich dem Buch vielleicht nicht gerecht geworden. Ich würde es als Buddy-Read für literaturwissenschaftlich Interessierte empfehlen, sodass man jedes Kapitel im Anschluss gemeinsam diskutieren kann. 

    Vordergründig steht die Geschichte der drei Brüder im Zentrum. Dies ist recht gut gestaltet, da ein Tag dreimal (jeweils aus Sicht eines Bruders) erzählt wird. Das wird allerdings keinesfalls langweilig, sondern bringt immer wieder neue Facetten hinzu. Die verschiedenen Erzählstränge finden am Ende zusammen, wenngleich das etwas konstruiert wirkt und das Ende dennoch offen bleibt.

    Daneben geht es aber um viele große Themen und auch Metaebenen werden aufgemacht. Es gibt ein Buch im Buch. Gleichzeitig wird im Buch das Schreiben und die Kust diskutiert, sodass das der Roman sich irgendwo selbst reflektiert. Außerdem geht es um Themen wie Vorhersehung und Schicksal, den eigenen Willen vs. Fremdbestimmung, Blendung und Täuschung,... Zudem gibt es immer wieder fantastische Elemente, bei denenen offen bleibt, ob sie tatsächlich geschehen oder nur Einbildung der Figuren sind.
    Wie bereits angeklungen ist all diese Offenheit und die Leerstellen frustrierend, wenn man es als Freizeitlektüre betrachtet. Wenn man aber über den Roman diskutieren möchte, steckt hier sicherlich viel Potential.

    Trotz Ich-Perspektive bleiben die Figuren Figuren. Sie sind fernab von der Realität und man kann vielleicht in Ansätzen ihre Beweggründe verstehen, sich aber nicht in sie hineinversetzen (was wahrscheinlich auch nicht von Kehlmann gewollt ist).

    Zeitlich spielt der Roman im Sommer vor der Weltwirtschaftskrise, wodurch noch mehr Distanz zwischen dem Roman und mir als Leserin geschaffen wurde, da ich zu dieser Zeit keine Verbindung habe. Das Setting verschärft den Eindruck, dass es sich hier um einen Roman und nicht um eine Geschichte aus dem Leben handelt und schafft Entfernung.

    Alles in allem hat mich vor allem das Setting gestört und teils gelangweilt (Beschreibung von Jahrmärkten, etc.). Der Roman hat interessante Passagen, aber auch sehr langwierige Teile (z.B. Diskussionen über Kunstwerke mit hochtrabenden Fachbegriffen).
    Ich möchte aber noch einmal betonen, dass ich dem Roman durch meine Lesart wahrscheinlich nicht gerecht geworden bin. Hätte ich ihn im Buddy-Read oder im Kontext einen Uni-Seminars gelesen und die Kapitel anschließend diskutiert, kann es gut sein, dass er mir besser gefallen hätte. So kann ich ihm aber nur 2,4 Sterne geben.

  19. Cover des Buches Selbst denken (ISBN: 9783100894359)
    Harald Welzer

    Selbst denken

     (48)
    Aktuelle Rezension von: DerRob

    Der Autor ist wie in seinen anderen Werkwn frech und zeigt provokant ehrlich auf, was alles schief läuft und wieso die Ansätze einer dystopischen Zukunftsprognose zu keinerlei Aufwachen führen wird. Ganz nach dem Credo "Um etwas zu ändern muss man die Menschen durch pisitive Bilder, in dem Fall Visionen/Utopien zum Umdenken motivieren. Nicht gegen eine furchtbare Zukunft, sondern für eine wunderbare Alternative kämpfen.

    Dabei zeigt er schön auf, was wir alles falsch machen. Man ertappt sich selbst dabei und muss ab und an nicken und bestätigen, was er uns Lesern, aber auch der gesamten Gesellschaft vorwirft. An für sich ein tolles Buch und die Beispiele der Menschen/Unternehmen, die zeigen, dass es besser geht, sind auch gut und Mut machend. Allerdings wird seine Überschrift "Anleitung zum Widerstand" erst ganz am Ende in einem Kapitel abgehandelt und das mehr schlecht als recht. Auch die 12 Regeln zum Widerstand sind ziemlich selbstredend. Vielleicht mag das Buch als Einstieg in die Thematik gut sein, aber wer sich mit der gesellschaftl. Problematik schon auseinander gesetzt hat, wird kaum Mehrwert finden. Im Endeffekt macht der Autor genau das, was er verurteilt: er zeigt auf, wie viel falsch gemacht wird und findet dann einfache Lösungen, die nicht wirklich weiterhelfen. Das einzig inspirierende waren für mich die Beispiele anderer Unternehmer usw. Sehr enttäuschend zumal seine anderen Bücher wirklich gut sind und ich seine direkte, provokante Art ganz erfrischend finde.

  20. Cover des Buches Kalter Trost (ISBN: 9783404166947)
    Quentin Bates

    Kalter Trost

     (30)
    Aktuelle Rezension von: schlumeline
    Nachdem in Reykjavík, der isländischen Hauptstadt, die bekannte TV-Fitnesstrainerin Svana Geirs tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, übernimmt Kommissarin Gunnhildur Gísladóttir, genannt Gunna, die Ermittlungen. Zeitgleich ist diese mit ihrem Team auch noch in einer anderen Sache aktiv, denn gerade erst ist Ómar Magnússon aus dem Gefängnis ausgebrochen und das, obwohl er eigentlich gar nicht mehr lange abzusitzen hatte. Gibt es hier vielleicht einen Zusammenhang oder haben diese beiden Ereignisse überhaupt nichts miteinander zu tun? Bei den Ermittlungen kommt Gunna einem privaten Club einflussreicher Männer aus Wirtschaft und Politik auf die Spur, die scheinbar eine Abmachung der besonderen Art mit Svana hatten. Aber nicht nur der Club an sich, sondern auch die sonstigen Tätigkeiten der Herren, geben Anlas zu weiteren Ermittlungen. Der Autor, Quentin Bates, stammt zwar selbst aus England, kennt aber Island durch seine häufigen Besuche und Reisen dorthin sehr gut und ist außerdem dem Land durch seine isländische Ehefrau verbunden. Das spiegelt sich sehr deutlich in der Geschichte wieder, denn der Leser darf ganz klar feststellen, dass der Autor weiß worüber er schreibt. Hier wimmelt es vor lauter isländischer Namen und Namenskürzeln, hier wird jeder geduzt, ob bekannt oder unbekannt und hier bleibt auch die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage des Landes nicht unerwähnt, nein, sie spielt sogar in Bezug auf die Ermittlungen eine relativ große Rolle. Mancher Leser dürfte sich an diesen Schreibstil und die Erzählweise erst einmal gewöhnen müssen, ist er aber erst einmal richtig in der Handlung angekommen, dann lässt diese ihn nicht mehr aus ihren Fängen. Natürlich bleibt das Privatleben der Kommissarin nicht unerwähnt, aber Gunna ist einfach nur eine sympathische Figur, die bei allem ihrem Tun nur Pluspunkte sammelt. Sie ist alleinerziehend und gerade wieder neu verliebt, hat einige Probleme mit ihrer heranwachsenden Tochter, nebenher noch eine Freundin, die gerade viel größere private Probleme hat als Gunna selbst. Bei allen diesen Dingen bleibt sie dennoch immer relativ ruhig und gelassen. Genauso leitet sie auch die Ermittlungen. An jedem neuen Ermittlungstag geht es spannend zu, aber dennoch geruhsam. Das passt zur ermittelnden Kommissarin, denn so ist Gunna, sie wahrt immer den Überblick. „Kalter Trost“ ist ein Kriminalroman, der es in sich hat und dessen Lektüre wirklich lohnt. Trotz der relativ ruhigen Krimihandlung, sind hier überraschende Wendungen garantiert.
  21. Cover des Buches Super Sad True Love Story (ISBN: 9783499255007)
    Gary Shteyngart

    Super Sad True Love Story

     (49)
    Aktuelle Rezension von: Forti
    Bei einer (fast) 10 Jahre alten Dystopie bzw Zukunftsvision frage ich mich ja unweigerlich, wie aktuell das Buch noch ist. "Super sad true love story" ist auch im Jahr 2019 noch erstaunlich aktuell. Die Oberflächlichkeiten neuer Medien, Konkurrenz der USA mit China, Gräben zwischen den gesellschaftlichen Klassen sind heute mindestens genauso stark Thema wie 2010.
    Leider hat das Buch aber seine Längen. Die eigentliche Handlung ist übersichtlich - das Buch konzentriert sich auf die Liebesbeziehung und die dystopische Welt, in der die Handlung angesetzt ist. Ganz ehrlich: ich hätte lieber noch mehr über dieses düstere neue Amerika erfahren (vieles bleibt vage) oder eine handfestere Handlung verfolgt als mich so tief in die ziemlich kranke Beziehung zwischen Lenny und Eunice zu begeben. Da konnte auch der Witz, den es durchaus gibt, nicht helfen. Vor allem mit Eunice hatte ich meine Probleme. Ihre Person, ihre Beweggründe, ihr Handeln blieb für mich blass und unklar. Lenny wuchs mir da schon eher ans Herz. Vielleicht ist das aber auch genau die Intention des Autors gewesen, da Lenny eher noch unsere Realität repräsentiert, während Eunice für das neue Amerika steht.

    Dystopische Liebesgeschichte mit einem bissigen, düsteren Bild der (künftigen) USA – immer noch aktuell, aber etwas lang.
  22. Cover des Buches Brauchen Sie eine Tragetasche? (ISBN: 9783442373970)
    Sibylle Weischenberg

    Brauchen Sie eine Tragetasche?

     (28)
    Aktuelle Rezension von: babylu
    Herrlich-Kreuzfahrt mit der Mutter-kann das gut gehen!? Ich liebe diese 3 Bücher Sibylle Weischenberg einfach!
  23. Cover des Buches Kapital (ISBN: 9783453410992)
    John Lanchester

    Kapital

     (99)
    Aktuelle Rezension von: Buchstabenliebhaberin
    Kapital, ein wuchtiges Wort. Ein wuchtiges Buch. 682 Seiten voller Leben, Schicksale, Zahlen. Das Buch handelt von den verschiedenen Nachbarn einer Straße in London während der Finanzkrise von 2008. Wir befinden uns in einer besseren Gegend, der Pepys Road. Die Häuser dort gewinnen stetig an Wert, eine sinnvolle Investition, ein Prestigobjekt, ein Arbeitsplatz, und für manche einfach schon immer Heimat. Alle träumen vom schönen Leben.

    Ich habe mit trockenem Stoff gerechnet, mit Finanzgedöns, was für Betriebswirtschaftsmenschen. Als solche interessieren mich Märkte und Menschen. John Lanchester verknüpft beides auf das Interessanteste! Im Klappentext steht, das Buch ist von "leichtfüßiger Brillanz", und dem kann ich nur begeistert zustimmen. 

    Ist es Ironie, wie Lanchester vom konsumorientierten Leben des Bankers Roger und Ehefrau Arabella schreibt? Jedenfalls macht es unheimlich Spaß zu beobachten, wie sie sich um Kopf und Kragen shoppen, sich alles und noch viel mehr gönnen, Hauptsache es ist teuer, und wie nachlässig Roger seinem überaus ehrgeizigen Stellvertreter Mark vertraut. Ein fataler Fehler ...

    Dann ist das ominöse "Wir wollen was Ihr habt"-Projekt. Kunst oder Bedrohung, wer kann das sagen? Wer steckt dahinter, ist die Nachbarschaft in Gefahr? Künstler, die es geschafft haben und andere, die auch schon gern so weit wären, gibt es dort.

    Und es gibt "die Zugereisten": den polnischen Handwerker Zbigniew, das ungarische Kindermädchen Matya, die illegale Politesse (was für eine kuriose Idee!) Quentina, die Fußballhoffnung Freddy aus dem Senegal und sein Vater und die Familie Kamal aus Pakistan, Kioskbetreiber in der Pepys Road.

    Der brave Handwerker findet beim Renovieren einen Koffer mit uraltem Geld, den der misstrauische Ehemann der soeben verstorbenen Petunia zu gut versteckt hat. Damit könnte er sich all seine Träume erfüllen - die Erben sind schon alleine mit dem Verkauf des Elternhauses Millionäre geworden ...

    Mir sind die Figuren des Buches sofort ans Herz gewachsen, täglich freute ich mich auf das Buch, auf das Wiedersehen mit diesen so normalen, und dennoch kauzigen Gestalten, die einfach nur ihr Leben leben, sich ihre Existenz zu sichern versuchen, die sich durchschlagen, sich hängenlassen, illegale Wege beschreiten und so weiter. 

    Es wird nicht langweilig, keine einzige Seite lang. Sehr subtil beschreibt John Lanchester unsere Abhängigkeiten von Systemen, von Staatsangehörigkeiten, Vorurteilen, und von der willkürlichen Verteilung von Glück und Unglück.

    Leseempfehlung!



  24. Cover des Buches Abgewirtschaftet (ISBN: 9783426785201)
    Thomas Wieczorek

    Abgewirtschaftet

     (4)
    Aktuelle Rezension von: sabisteb

    Deutschland 2013: Das Umfeld wird nicht mehr nach den Vorstellungen der Menschen geschaffen, nach der Frage, ob sich darin irgendjemand wohl fühlt, sondern danach, ob es „sich rechnet“, also der vollständigen, hemmungslosen und moralfreien Profitmaximierung nutzt. (S. 14)

    Dieser These geht der Autor in 13 Kapiteln nach.

    1.       Die Parasitären Eliten

    „Zu faul zum Arbeiten, stattdessen lieber sich mit Drogen volldröhnen, N*t*en v*geln […] dabei auch noch abkassieren und hinterher noch mehr wollen. Was würde der Gesellschaft eigentlich fehlen, wenn die steinreiche Schmarotzergilde über Nacht von der Bildfläche verschwände.“ (S. 26) – Abgesehen von seinem sehr polemischen Ton, stellt sich Ayn Rand in „Atlas shrugged“ genau diese Frage. Letztendlich geht es in diesem Kapitel darum, dass keiner der Superreichen sein Geld auf ehrliche Weise erworben hat. Oft ist es noch Blutgeld aus der Nazizeit und letztendlich alles nur ererbt und nicht erarbeitet.

     

    2.       Sicherheit – nur was für Gruftis und Weicheier?

    Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf. Die obere Kaste sichert sich ab, das Fußvolk soll flexibel bleiben.

     

    3.       Deutschland verfällt

    Verfall der Infrastruktur (Straßen, Schulen…) und das übliche Herumhacken auf der Deutschen Bahn mit ein paar besonders abschreckenden Beispielen wie mit Kindern und Jugendlichen umgegangen wurde. Danach bekommt die Deutsche Post noch ihr Fett weg, es wird (zu Recht) gegen die Privatisierung des Wassers gewettert, Monopolismus bei den Stromversorgern und der Fall Mappus, neue Energien und Feinstaub werden auch gleich mit abgehandelt.

     

    4.       Nur Reichen brauchen den armen Staat

    „Händler sind nichts als eine Art von Spielern, die miteinander um die Arbeitsergebnisse der Armen spielen, ohne selbst etwas hervorzubringen.“ (S. 126). Hier bekommen die deutschen Superreichen wie Karl und Theo Albrecht, Dieter Schwarz (Lidl, Kaufland), Klatten, Quandt und Co ihr Fett weg. Es geht um PPP und das Euro Debakel.

     

    5.       Politik

    Bestechung, Betrug, gefälschte Doktortitel. Es geht um den zu recht schlechten Ruf der Politiker und die Skandale der letzten Jahre, die nie wirklich aufgeklärt wurden. Es geht um den Homo oeconomicus, Gier und Habsucht der Herrschenden Kaste. Liebe zum Geld als Besitz als geistige Erkrankung (ein Ausspruch von Keynes, der von den Keynsianern gerne verschwiegen wird). Auch wird erwähnt, dass unsere aktuelle Regierung gerne ein paar Beschlüsse am Parlament vorbei durchdrücken würde in Manier des Ermächtigungsgesetzes von 1933, aber vom Verfassungsgericht am 7. 9.2011 noch mal gestoppt werden konnte. Es geht in diesem Kapitel um Korruption, Lobbyismus und Raubtierkapitalismus gegen den Volkswillen und um Politikverdrossenheit und die Gründe des Wahlboykotts.

     

    6.       Menschenwürde und Solidarität

    „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem furchtbaren politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Neuordnung von Grund auf erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volkes sein. (Ahlener Programm der CDU 3.02.1947).

    Geschichte wiederholt sich immer wieder, die CDU verrät ihre Wurzeln. In diesem Kapitel geht es um das Mysterium des Existenzminimums, den Umgang mit den Alten (Wohlstandsmüll) und Rüstungsexporte.

     

    7.       Menschenwürde und Primaten

    Selbst Spitzenpolitikern fällt es schwer, den Unterschied zwischen Stasi und Verfassungsschutz zu erklären (S. 223)

     

    8.       Gewaltenteilung

    Nicht funktionierende Trennung von Politik und Justiz, außergerichtliche Deals für die Eliten und dass ein Polizeistaat zum Glück derzeitig einfach zu teuer ist.

     

    9.       Wirtschaft: Der kriminell-korrupte Saustall

     

    10.   Halbbildung ist auch `ne Bildung

    Ein ärgerliches Kapitel. Hier bläst der Autor unreflektiert in das Horn des angeblichen Fachkräftemangels, den es de facto gar nicht gibt. Dazu noch Kritik des dreigliedrigen Schulsystems, Schröder bashing und Verunglimpfung von Quereinsteigern in das Lehrfach. Keine Ahnung woher die Informationen des Autors stammen, aber Lehrer sehen Schüler definitiv schon mehrfach in Praxissemestern während des Studiums (zumindest in BW), was der Autor da schreibt ist Großteiles schlichtweg falsch. Auch sein Wissen zu Drittmitteln an der Uni kann man maximal als Halbwissen bezeichnen, genau das, was er in diesem Kapitel kritisiert. In der Biologie zumindest stammen über 90% der Drittmittel von der DFG und vom BMBF, Industriegelder sind so selten wie Eisbären in Deutschland. Es gibt sie, einzeln, in Zoos. Deswegen gleich die universitäre Forschung pauschal als korrupt hinzustellen ist eine polemische Verallgemeinerung.

     

    11.   Russisch Roulette mit unserer Gesundheit

    Betrug im Gesundheitssystem, erfundene Krankheiten, Organhandel, ein alter Hut.

     

    12.   Lichtgestalt Schröder als Garantin des deutschen Volkes

    13.   Wie soll es weitergehen?

    Ich bin recht Zwiegestalten, was dieses Buch angeht. Einerseits spricht der Autor viele Dinge, die alle eigentlich wissen, sehr direkt an, und im Gegensatz zu vielen seiner Kollegen, hat er wenigstens einen ordentlichen Zitateanhang. Der jedoch ist teilweise in der Reihenfolge der Zitate durcheinandergewürfelt (304, 307, 305), das wäre mit Verwendung einer vernünftigen Zitiersoftware sicherlich nicht passiert. Dazu extrem peinliche Tippfehler wie die Krankenversicherung wurde 1884 und nicht 1984 eingeführt (S. 194). Sein Sprachstil ist mir deutlich zu polemisch und unsachlich, so bezeichnet er Merkel als FDJ- Trude (S. 232) und einige der Zitate habe ich oben in der Kapitelübersicht auch schon ein wenig entschärfen müssen. Das ist BILD Niveau. So genau die ersten Kapitel auch recherchiert sein mögen, verrennt sich der Autor selber in dem von ihm so angeprangerten Halbwissen, besonders in Kapitel 10. Wieczorek neigt mir zu stark zu Verallgemeinerung und Polemik, auch wenn er in vielen Punkten sicherlich recht hat.

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