Bücher mit dem Tag "fluchthilfe"
6 Bücher
- Norbert Scheuer
Winterbienen
(100)Aktuelle Rezension von: NicolePEgidius Arimond lebt 1944 in ständiger Gefahr. Wehruntauglichkeit wegen Epilepsie und diverse Frauengeschichten sind noch harmlos. Er versucht, Juden in speziellen Bienenstöcken nach Belgien zu schmuggeln.
Die Geschichte besteht in erster Linie aus Tagebuchnotizen von Egidius. Dort ist in erster Linie über seine Arbeit und Tätigkeit als Imker zu lesen. Doch in leisen Zwischentönen erfährt der Leser viel über die damalige Zeit und wie die Menschen versucht haben, irgendwie hindurch zu kommen.
Dieser ruhig erzählte Roman regt auch zum Nachdenken an. Man sollte beim Lesen bedenken, dass Tagebucheinträge in erster Linie für einen Schreiber selbst als Erinnerung gedacht sind und daher ausführliche Beschreibungen zu Orten, Personen und Begebenheiten selten sind. Dafür bringen sie einem den Verfasser emotional sehr nahe. Mir hat das Buch sehr gefallen, und ich empfehle es gerne weiter.
- Anna Seghers
Das siebte Kreuz
(4)Aktuelle Rezension von: Shannon„Das siebte Kreuz“ ist ein Baum, der auf dem Gelände eines Konzentrationslagers inmitten Deutschlands steht. Genau wie seine sechs Brüder wartet er auf einen entflohenen Gefangenen, bei dessen Wiederkehr unaussprechlich Grausames auf ihn wartet.
Und diese Männer sind einiges gewöhnt. Wir stehen kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges und die gesammelte politische Opposition hat schon jahrelange Folter, Quälerei und Verfolgung hinter sich. Die, die draußen überlebt haben, sind furchtsam geworden und die alten Strukturen großteils zerbrochen. Wir finden uns in einem Deutschland wieder, dass nach einem verlorenen Weltkrieg durch Hunger und Arbeitslosigkeit ein leichter Fang ist für Menschen, die vorgeben allmächtig zu sein. Und Arbeit ist ja auch wieder da. Die Rüstungsindustrie baut auf, was später durch das Kriegsgeschehen zerstört wird.
Durch diese Welt taumelt Georg, unser siebter Entflohener, auf der Suche nach Hilfe und Sicherheit. Und wir erleben all das mit ihm – den zuvor eilenden Gehorsam, den unbrechbaren Widerstand, Feigheit, Anständigkeit, Wegsehen, … alles Mögliche, was die Menschheit in solchen Situation hervorzubringen im Stande ist. Gelingt ihm die Flucht in die noch sicheren Niederlande?
Anna Seghers hat all meine Bewunderung für dieses Buch. Ihr ist damit ein unglaublich vielfältiges Psychogramm von Tätern und Opfern gelungen mit allen Schattierungen, die ich bislang an solchen Büchern immer vermisst habe. Es beginnt schon damit, dass einem klar wird – schon lange vor dem Krieg waren die Mutigen, die Andersdenkenden, die, die das Unheil kommen sahen, aus dem Weg geräumt. Und wie vielfältig waren die Leute, die dabei zusahen. Da gibt es den, der nicht verwinden konnte, dass der Krieg ebenso wie der kärgliche Bauernhof verloren waren und der dies kompensieren musste um wieder an den alten Selbstwert anzuknüpfen. Es gibt den Jungen, der erst im Laufe von Georgs Flucht erkennt, dass Gut und Böse nicht so klar auf der Hand liegen, wie er zunächst meinte. Es gibt Ehefrauen, die viel stärker sind als sie glauben möchten. Und Ehepaare, die plötzlich Wesenszüge aneinander kennen lernen, die sie für unmöglich gehalten hatten. Es wird daher auch klar sichtbar, was das Regime erst ermöglichte – die Fähigkeit, die Menschen ihre Allmacht glauben zu machen.
Die Sprache des Romans ist ein teilweise antiquiertes, ländliches und regionales Deutsch, das durch seine Feinheit und Eigentümlichkeit bezaubert. Es liest sich anfangs befremdlich, entfaltet dann aber seinen hausbackenen Charme.
Der Aufbau des Romans ist hervorragend durchdacht und alle Kreise schließen sich. Auch dafür hat die Autorin meine volle Bewunderung.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich kann eine klare Leseempfehlung aussprechen. Teilweise blieb mir die Spucke weg, weil das alles natürlich harter Tobak ist, aber es war eine lohnenswerte Lektüre. Sie deckt da Motive und Hintergründe auf, die mir so nicht klar waren und die für mich vieles erklären und verständlicher machen und vor allem anderen, ist sie eine schlaue, wirklich gewiefte Menschenkennerin.
- Miriam Unterthiner
Blutbrot
(3)Aktuelle Rezension von: pardenEXPERIMENTELLES THEATER...
Der Theatertext "Blutbrot" beschäftigt sich mit der nach Ende des Zweiten Weltkrieges in Südtirol geleisteten Fluchthilfe. In Zuge dessen wurden zwischen 1945 und ca. 1950 Nationalsozialist:innen wie unter anderem Adolf Eichmann, Josef Mengele und Gerhard Bast über den Brennerpass, die sogenannte Grüne Grenze, von Österreich nach Italien gebracht, mit Hilfe von Südtiroler:innen, die ihre geheimen (Schmuggler-)Wege gegen Bezahlung teilten. In "Blutbrot" leistet die Kollektivfigur "DasDorf" diese Fluchthilfe, spricht jedoch nicht darüber und verweigert sich der Aufarbeitung der eigenen Taten. "DasDorf" beschäftigt sich stattdessen mit dem Brot, spricht im Kollektiv ausschließlich über Brot. Doch je mehr Nationalsozialist:innen die Grüne Grenze passieren, desto mehr Spuren hinterlassen sie, nicht nur im Dorf, sondern auch in dessen Landschaft, den Feldern und schließlich im Brot. So ist es auch die Landschaft, die nicht länger wegsehen kann und "DasDorf" mit der eigenen Vergangenheit, den eigenen Taten konfrontiert. In "Blutbrot" wird die Frage gestellt, wie ein in der Landschaft stattgefundenes Verbrechen sich auf sie auswirkt, einwirkt, sie verändert. Ebenso wird nach dem Raum, auf dem es stattfindet, gefragt und diesem als solchen eine Sprache gegeben. (Verlagsbeschreibung)
Der sehr ausführliche Klappentext für solch ein kurzes Buch (gerade einmal 72 Seiten) zeigt schon auf, dass der Inhalt einer Interpretation bedarf. Tatsächlich wirkte der Text auf mich doch wie ein sehr experimentelles Theaterstück. Im Fokus steht der Boden eines kleinen Ortes in Südtirol, der blut- und schuldgetränkt durch die totgeschwiegenen Taten der Dorfbewohner zwar Getreide hervorbringt, welches jedoch zu einem zunehmend ungenießbaren Brot verarbeitet wird. Das Dorf droht am eigenen ewigen Schweigen zu ersticken.
Das Dorf und das Brot werden personifiziert, Taten und Personen angedeutet, gelegentlich mit Namen benannt. Die Fluchthilfe für hochrangige Nationalsozialisten aus vergangenen Tagen (Stichwort: Rattenlinien) hat mehr Spuren hinterlassen als manch einer wahrhaben will. Die Schuldigen leben oft schon nicht mehr, aber das Kollektiv des Schweigens will sich einfach nicht auflösen. Die Atmosphäre, die die Autorin kreiert, ist beklemmend. Auf der Bühne wirkt das Stück womöglich noch eindrucksvoller als beim Lesen.
Als störend empfand ich das "Intermezzo", als die Autorin plötzlich in einer Szene vors Publikum tritt und von den Schwierigkeiten berichtet, auf die sie in der heutigen Theaterwelt stößt. Das lenkte doch arg vom dringlichen Thema ab, aber womöglich gehören solche unerwarteten Einsprengsel zum modernen Theater?
Dieser Titel war der Gewinner des diesjährigen Österreichischen Debütpreises, wozu ich herzlich gratuliere. Trotz der wichtigen Thematik sprach mich das Buch insgesamt jedoch nicht so sehr an...
© Parden
- Brigitte Liebelt
Die Vikarin
(12)Aktuelle Rezension von: Ariane_VassenEingepackt in einen biographischen Roman über die historische Person Margarete Hoffer, begegnet uns zuerst Elly Haller. Ein fiktives Mädchen, die die Anfänge des Nationalsozialismus in Österreich und Deutschland miterlebt. In Wien lernt sie Frau Hoffer kennen, die ihr vom Glauben an Jesus erzählt und ihr einen Blick für die ungerechten politischen Umstände der Zeit gibt.
Als die beiden sich wieder treffen ist der Krieg im Gange und Elly unterstützt die beeindruckende Person Margarete Hoffer in ihrem Kampf gegen die Nazis und den Judenhass.
Der Leser bekommt einen guten Eindruck über das Leben dieser Zeit und die Kämpfe der Christen und Gemeinden gegen das NS-Regime. Ellys Gedankenwelt und Gefühle spiegeln die Fragen und Erlebnisse in dieser Zeit sehr gut wieder. Einige historische Personen, die flüchten wollten erscheinen in der Geschichte und die Probleme der Flucht und des Widerstands werden lebendig berichtet.
Obwohl es schon so viele Bücher über diese Zeit gibt, hat mich dieses Buch besonders gefesselt. Die lebhafte Beschreibung und Erzählung über die Anfänge der NS-Zeit und die Judenverfolgung sind bewegend beschrieben. Der Leser ist nahe an der jungen Elly, die durch Margarete Hoffer ein bemerkenswertes Vorbild hat und trotz der Gefahren versucht das Richtige zu tun.
Klare Leseempfehlung für diesen wichtigen und beeindruckenden historischen Roman.
- Anja Baumheier
Kastanienjahre
(91)Aktuelle Rezension von: anne_foxHier geht es um ein kleines Dorf in der DDR an der Ostsee. In der Gegendwart soll das Dorf platgemacht werden. Die wenigen Einwohner treffen sich nochmal und es werden alte Geheimnisse aufgedreckt. Besonders Elise die jetzt in Paris lebt kommt zurück um sich zu verabschieden. Dabei erinnert sich an so vielen Dinge und Menschen und was sie dortalles seit ihrer Kindheit erlebt.Besonders an ihre verschwunden große Liebe Jacob.
Fazit:
Ein Roman den sicher ehemalige DDR Bürger gerne lesen werden um sich an die Umstände damals zu erinnern. Aber a uchwie man Angst hattet sagar vom besten Freund bespiztelt zu werden zu können.





