Bücher mit dem Tag "flüchtlingspolitik"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "flüchtlingspolitik" gekennzeichnet haben.

19 Bücher

  1. Cover des Buches Nordlicht - Die Spur des Mörders (ISBN: 9783734107238)
    Anette Hinrichs

    Nordlicht - Die Spur des Mörders

     (78)
    Aktuelle Rezension von: law-and-words

    Ein neuer Fall für Hauptkommissarin Vibeke Boisen und ihr Kollege Rasmus Nyborg. Am Fuße des Idstedt-Löwen wird ein 73-jähriger Mann tot aufgefunden. Auf der Suche nach dem Täter gräbt das Ermittler-Team tief in der Vergangenheit des Verstorbenen, dabei werden Verbindungen zu dunklen Kapiteln der Deutsch-Dänischen-Geschichte aufgedeckt.


    Schon der erste Teil der Nordlicht Reihe hat mir gut gefallen, dieser zweite ist sogar noch besser. Ich habe fast bis zum Ende im Dunkeln getappt und es haben sich immer neue Verdachtsmomente ergeben. Die Spannung ist nicht zu kurz gekommen! Diese betrifft nicht nur die Suche nach dem Täter, sondern auch die Vergangenheit des Verstorbenen. Die Autorin hat die Deutsch-Dänische Geschichte auf eine interessante und passende Weise in den Krimi eingebaut.


    Die Ermittler haben sich schon im ersten Teil in mein Herz geschlichen und ich habe mich sehr auf ein Wiedersehen gefreut. Ich finde es besonders toll, dass das Privatleben und die Vergangenheit beider muteinbezogen wird, aber nicht zu stark thematisiert wird. Außerdem gefällt mir die Charakterentwicklung und ich bin gespannt wie es mit beiden weiter geht. 


    Der Schreibstil ist toll und die Beschreibung der verschiedenen Schauplätze sehr eindrücklich. Abgerundet wird die Darstellung der Umgebung noch durch Fotos der Schauplätze und eine Karte auf der die entscheidenden Orte eingezeichnet sind, so kann man sich das Geschehen noch besser vorstellen.

  2. Cover des Buches Der Tintenfischer (ISBN: 9783462001013)
    Wolfgang Schorlau

    Der Tintenfischer

     (57)
    Aktuelle Rezension von: Jana_Zimmermann

    Schauplatz Venedig – was wir uns als romantisch und beschaulich vorstellen wird uns Leser im Buch „Der Tintenfischer“ von Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo schnell als Illusion genommen. Denn nach nur einer kurzen Einführung geht es auch schon rasant her. Und mal unter uns: Genauso mag ich das auch. Dabei werden im Kriminalroman gesellschaftspolitische Probleme auf das Geschehen projiziert, die man analog beispielsweise auf Deutschland wie eine Schablone legen könnte. Es geht um Geflüchtete, deren Ausbeutung. Es geht um Schlepperbanden, um die Mafia. Alles geht Hand in Hand ineinander. Daran erkenne ich auch die gut recherchierten Hintergründe der Autoren. Den ersten Teil der Romanreihe habe ich bisher nicht gelesen. Für das Verständnis von „Der Tintenfischer“ ist das auch nicht zwingend notwendig. Neben einer scheinbar rauen Schale des Kommissars Antonio Morello spielt der weibliche Gegenpart von Anna Klotze die Hauptrolle. Klar, dass dabei auch von beiden die menschlichen Seiten zum Vorschein kommen. Für mich ist „Der Tintenfischer“ von Wolfgang Schorlau und Claudio Caiolo rund, perfekt abgestimmt. Schauplatz, Hintergrund und die Gefühlswelt passen einfach zusammen. Zudem mag ich den Schreibstil unheimlich gern. Man spürt hier eine Sprachgewandtheit, die mir doch in manchen Büchern fehlt.

  3. Cover des Buches Die Hungrigen und die Satten (ISBN: 9783404178865)
    Timur Vermes

    Die Hungrigen und die Satten

     (89)
    Aktuelle Rezension von: raeubertochter

    Timur Vermes scheint vor nichts zurückzuschrecken. Während in Er ist wieder da vor allem die Bewegung nach Rechts in Deutschland im Mittelpunkt stand, taucht dieses Thema auch in der Beleuchtung der Flüchtlingssituation in Die Hungrigen und die Satten wieder auf. Sein Schreibstil erinnert ein bisschen an Jonas Jonasson und die ungewöhnliche Entscheidung, manchen zentralen Figuren zunächst keine Namen zu geben, hindert einen nicht daran, mit ihnen zu fühlen – egal ob im guten oder schlechten Sinn.

    So nimmt Vermes Reality-TV-Stars, Journalismus (der sich eigentlich nicht so nennen darf) und Fernsehunterhaltungsformate auf die Schippe, während die Geschichte sich mit den Fragen auseinandersetzt: Was passiert, wenn 150.000 Flüchtende auf einmal zu Fuß unterwegs sind, und wie reagiert Deutschland? 

    Stilistisch ist man dabei immer im Kopf desjenigen, aus dessen Sicht ein Kapitel geschrieben ist, und dadurch extrem nah an den jeweiligen Geschehnissen. Es herrscht fast durchgängig eine spürbare Grundspannung, da immer deutlicher wird, dass ein Happy End nicht vorprogrammiert ist. So wird die Spannung bis zu einem höchst aufwühlenden Finale immer geladener.

    Insgesamt ein Roman, der eindrucksvoll Was-wäre-wenn?-Szenarien durchspielt, die einen schlucken lassen, und dabei mit seiner verstörenden überzogenen Authentizität überzeugt!

  4. Cover des Buches Gegen den Hass (ISBN: 9783596522217)
    Carolin Emcke

    Gegen den Hass

     (45)
    Aktuelle Rezension von: Mikki44

    Ich hatte mir von diesem Essay mehr erhofft, neue Sichtweisen, kluge Gedanken. Emcke befasst sich mit aktuellen Themen der Gesellschaft wie Rassismus, Demokratieverständnis oder auch -feindlichkeit, Fanatismus und humanistischer Haltung.
    Keine Frage, sie spricht vieles an, was für eine offene Gesellschaft unumgänglich ist, aber bleibt leider oft an der Oberfläche. Emcke schneidet ein Problem an und geht dann über zum nächsten. Als Beispiel: sie sagt, dass es wichtig ist, Wutbürger*innen und AfD-Wähler*innen nicht als Dumme und Kleingeistige am Rand der Gesellschaft abzutun. Ja, gehe ich voll mit ihr. Aber dass sie dann mal näher drauf eingeht, welche Ursachen (von denen sie selber immer spricht und sie als so wichtig empfindet) und Gründe die Menschen zu so drastischen Sichtweisen drängt - Bildungs- und Chancen Gleichheit, Vernachlässigungsgefühl und auch Zukunftsängste - kommt das nächste Thema. Transgender. Super wichtiges Thema, aber das Buch heißt "Gegen den Hass" und nicht "welche Rechte helfen betroffenen Menschen für ein freies und offenes Leben". Um zu verstehen, wieso sich Hass bildet (z.B. gegen transsexuelle Menschen) , muss man doch erst einmal die Menschen betrachten, die hinter dem Hass stehen. Rechte helfen da vorrangig wenig. Ach und noch was: für ein Buch, was die breite Öffentlichkeit ansprechen soll und nicht nur die, die sich eh schon mit den Themen auseinander setzen, benutzt Emcke außergewöhnlich viele hochgestochene Wörter und grenzt somit eine bestimmte Gruppe Menschen aus. 

    Dennoch kann das Buch für viele Personen ein Denkanstoß sein, die eigenen Sichtweisen zu hinterfragen.

  5. Cover des Buches Negerkuss (ISBN: 9783981872279)
    Meredith Winter

    Negerkuss

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Kirsten_Ateeq

    Das Buch wurde vor Erscheinen schon diskutiert, das Cover wurde geändert und in den meisten Rezensionen heisst es, nicht lesen, Nationalismus und Romanze sollten kein Buchthema sein. Die Geschichte wird sehr gut ausgeleuchtet, man versteht warum sie geflohen sind, man versteht warum er Angst vorm fremden hat und man versteht warum sie sich anziehen und abstoßen. Keine sentimentale Liebesgeschichte in der alles Friede, Freude, Eierkuchen endet, sondern der Versuch zu zeigen das es keinen objektiven Standpunkt gibt, zu viele Faktoren spielen eine Rolle!

  6. Cover des Buches Wir leuchten (ISBN: 9783969666944)
    Joe Rain

    Wir leuchten

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Marie-Therese_Goldmann

    Das Buch ‚Wir leuchten‘ von Joe Rain lag lange auf meinem virtuellen SuB - schon seit letztem Jahr, ehrlich gesagt. Nun habe ich mich ‚durchgerungen‘ & es nicht eine Sekunde bereut! 

    Ich bin kein Mensch, der sich groß mit Politik beschäftigt. Ich weiß ein bisschen was und denke mir bei politischen Themen wie ‚Flüchtlingskrise‘ auch etwas dabei, aber so richtig laut und glühend für etwas in der Richtung einstehen - nein, so bin ich nicht. 

    Wahrscheinlich konnte ich mich deshalb so gut mit Estelle, der Meinungslosen, identifizieren. Die ist eine ganz geradlinige Schülerin, die eines Tages aber an genau dieser Geradlinigkeit zweifelt - und abhaut. Und zwar mit zwei Menschen, die sie nicht kennt: Isy, die Kommunistin und Daniel, der AfD-Wähler. 

    Da prallen also Welten aufeinander und es wird sehr, sehr viel diskutiert. Und das ist es, was ‚Wir leuchten‘ in meinen Augen so großartig macht: Denn bei all den Diskussionen beginnt auch der Leser, sich und seine Meinung zu hinterfragen. Soziale und politische Themen werden von vielen Seiten beleuchtet, sodass man gar nicht umhin kommt, mitzudenken und vielleicht auch mal seine Meinung zu ändern. Der flüssige Schreibstil von Joe Rain macht es einem dann noch leichter. 

    .

    Ich liebe, liebe, liebe dieses Buch. Es ist ein richtiger Goldschatz. Bitte Leute, lest dieses Buch und helft dieser grandiosen Autorin, bekannter zu werden!

  7. Cover des Buches Der dunkle See (ISBN: 9783832163099)
    Conny Schwarz

    Der dunkle See

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Buecherspiegel

    Ja, die Protagonistin Thea Dombrowski von Autorin Conny Schwarz in ihrem Kriminalroman „Der dunkle See“ ist sympathisch. Keine Frage. Und die Handlungsfolge hat einen Spannungsbogen, Wendungen, Überraschungen aber auch Vorhersehbares. Allerdings sticht sie nicht aus der Masse der Ermittlerinnen heraus, die keine Kriminalbeamtinnen sind. Diesmal also eine Journalistin, Ehe zerbrochen, der ehemalige Angetraute ein Mann nicht deutscher Abstammung. Da ist sie nicht so glimpflich davon gekommen, hat sie doch in dieser Lebensphase ein Auge verloren und muss sich nun alleine um ihre Tochter kümmern. Aber halt, sie hat ja Hilfe, wohnt sie doch bei ihrer Mutter. Das alles kommt mir bekannt vor. Hier ist es die Mutter, anderswo die Tante. Und immer auch die schlimme Geschichte hinter der Ermittlerin, die rein zufällig in irgendwelche Kriminalfälle hineingerät, Retter inklusive.
    Der aktuelle Bezug dieser Geschichte sind einige Taten der NSU. Für viele mag das wichtig und richtig sein, auf mich wirkt es befremdlich, ist doch der Prozess noch lange nicht zu Ende und ein großes Thema mit im realen Leben vielen Opfern und leidenden Hinterbliebenen. Schließlich handelt es sich um einen der größten, wenn nicht gar die größte Kriminalgeschichte Deutschlands, wenn man die unglaublich vielen involvierten Personen und Institutionen mit einbezieht. Hier möchte ich dann eher auf das Buch „Heimatschutz – Der Staat und die Mordserie der NSU“ von Stefan Aust und Dirk Laabs verweisen. Aber zurück zu unserem Kriminalroman.
    Hier gerät Thea Dombrowsky im Rahmen einer Recherche mitten in einen Mordfall, das Opfer ein mutmaßlicher Rechtsradikaler, seine Freundin eine „Pegida“-Anhängerin, ein Asylantenheim ist auch gleich um die Ecke. Noch dazu ist der Sohn einer Nachbarin spurlos verschwunden, dessen Mutter erst Dombrowsky bittet nach ihm zu suchen, um kurze Zeit später diese wieder zurückzunehmen. Die Autorin beschreibt sehr gut, wie sich junge Menschen viele Gedanken über den einen oder anderen Mord der NSU machen und sich selbst auf die Suche nach der Wahrheit machen, sich darin verlieren, doch gibt es diese hier? Vielleicht ein zu großes Thema für diese Art Krimi.
    Selbstverständlich kommt es auch zu einem, wenn auch traurig angehauchten Happy End. Aber wie gesagt, das ist alles nicht neu.

  8. Cover des Buches Wir können doch nicht alle nehmen! (ISBN: 9783218009683)
    Livia Klingl

    Wir können doch nicht alle nehmen!

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Lesemaus_im_Schafspelz
    Livia Klingl, langjährige Außenpolitik-Journalistin, will mit diesem Buch mit Vorurteilen aufräumen.
    Der Untertitel „Europa zwischen ‚Das Boot ist voll‘ und ‚Wir sterben aus‘“ verrät bereits, dass man die Flüchtlingswelle in der EU nicht einseitig beleuchten kann und darf.
    Der Aufbau ist hier in vier Teile untergliedert:
    In „Warum wir Migranten brauchen“ werden dem Leser die Hintergründe erklärt, die Vorteile aufgeführt, die Österreich und Europa von den Flüchtlingen haben – Stichwort „Bevölkerungspyramide“ beispielsweise.
    „Was sie erwartet, auf der Flucht“ hat mich persönlich sehr bewegt, da man zwar natürlich schon die eine oder andere Info zu wissen meint, jedoch ist es doch noch etwas anderes, die Details der Flucht so deutlich vor Augen geführt zu bekommen.
    Hat man es geschafft, so steht noch immer „Der dornige Weg durch die Asyl-Bürokratie“ vor den Flüchtlingen – ein nicht minder schweres Unterfangen.
    Schließlich gibt Klingl noch „Menschen mit Migrationshintergrund“ das Wort.

    An und für sich eine gut durchdachte und sinnige Gliederung.
    Jedoch wirkt das Buch eher wie ein einseitiges Plädoyer für eine offene Flüchtlingspolitik, Quellen fehlen leider fast vollständig und die Begrifflichkeiten („Migranten“, „Flüchtlinge“ usw.) werden für meinen Geschmack zu sehr miteinander vermischt, so dass die klare Differenzierung hier leider fehlt.

    Ich denke, ich muss nicht ausdrücklich betonen, wie sehr mich die knapp 200 Seiten bewegt haben, gerade wenn man sich die neuesten Bilder aus den immer wiederkehrenden Nachrichten vor Augen führt: immer wieder wird da von neuen Flüchtlingswellen berichtet, von immer mehr Booten, die vor Lampedusa kentern und ihre Insassen – allesamt verzweifelte Menschen, die sich eine neue Zukunft in Europa erhofft haben – ertrinken.
    Vermutlich gibt es wenig Menschen, denen das nicht nah geht.

    Was ich jedoch sehr schade finde: Die Menschen, die am Ende zu Wort kommen, sind in den meisten Fällen solche, die schon seit Jahren oder gar Jahrzehnten in Österreich leben und teilweise als Gastarbeiter in das Land kamen. Hier fehlt mir leider der Bezug zum eigentlichen Flüchtlingsthema, denn hier habe ich das Gefühl, die Autorin hat es bei der Wahl ihrer Gesprächspartner ein wenig aus den Augen verloren.

    Zusammenfassend muss ich sagen, dass ich hier trotz der Mängel (teilweise „Themaverfehlung“ und fehlende Quellenangaben – Hinweis: Wikipedia stellt für mich keine Quelle für ein Sachbuch dar!) eine absolute Leseempfehlung aussprechen muss!
    Es ist ein Thema, das uns alle etwas angeht, ich denke, es beinhaltet einige Infos, die das „breite Publikum“ nicht unbedingt in der Tiefe schon weiß, und vor allem sollten wir uns alle Gedanken machen über ein immer aktuelles Thema!
  9. Cover des Buches Teuflische Partner (ISBN: B01N1QNAPQ)
    Jörg Fockenbrock

    Teuflische Partner

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  10. Cover des Buches Fluchtpunkt Karibik (ISBN: 9783861535515)
    Hans-Ulrich Dillmann

    Fluchtpunkt Karibik

     (2)
    Aktuelle Rezension von: karatekadd

    Hört man sich um unter Kollegen und Freunden, dann erzählen doch einige vom Urlaub in der DomRep. Gekennzeichnet durch Attribute wie "all inclusiv" oder auch mal "Taucherparadies". Da kann ich nicht mitreden, ich war noch nicht dort. Die Dominikanische Republik ist mir besonders aus einer Romantrilogie bekannt. Die stammt von Wolfgang Schreyer (wiki),  der in der DDR politische Romane schrieb und sich dabei auf Südamerika spezialisiert hatte. In Der Adjutant, Der Reporter und der Der Resident beschrieb er den Untergang des Diktators Rafael Leónidas Trujillo Molina, der 1961 einem Attentat zum Opfer fiel. Aber dass dieser typisch südamerikanische Diktator einst anbot, jüdischen Flüchtlingen einen "sicheren Hafen" zu geben, las ich zum ersten Mal in diesem Buch: Fluchtpunkt Karibik.

    Kurz, Trujillo wollte seine Bevölkerung "aufhellen", es waren ihm wohl zu viele Schwarze, vor allem Haitianer (Nachfahren der Sklaven französischer Plantagenbesitzer) darunter, und da momentan, also 1938 immer mehr jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und Österreich, dem Dritten Reich, aufbrachen um letztlich der Vernichtung zu entgehen, kamen ihm die gerade recht. [1]

    "Während nahezu alle Länder ihre Grenzen gegenüber den Flüchtlingen aus Nazi-Deutschland verschlossen, sollte ausgerechnet in dem diktatorisch regierten Inselstaat ein landwirtschaftliches Vorzeigeobjekt nach dem Muster jüdischer Kibbuzim entstehen." (Buchrücken)

    100.000 Juden wollte man aufnehmen und eine jüdische Hilfsorganisation (Joint) [2] übernahm Organisation und Finanzierung. Bezeichnenderweise war der erste Direktor, J. Rosen, ein Agrarexperte, der auf der Krim und in der Ukraine (!), also der Sowjetunion, in den zwanziger Jahren jüdische Siedlungen  aufbaute. Am Ende aber gab es wohl zwischen 1940 und 1945 nie mehr als 500 Juden in Sosúa, dem Ort, wo das Projekt entstand. [3]

    "In der Geschichte Sosúas [werden] die großen Entwicklungslinien des 20. Jahrhunderts konkret: Die Kapitulation der demokratischen Staaten vor der antijüdischen Politik der Nazis, das Konzept eines an sozialistischen Ideen orientierten Siedlungsprojektes und sein Scheitern und schließlich die Migration als Motor der Modernisierung." [4]

    * * *


    Bereits im Vorwort und dann im Kapitel "Europas Juden in Not" beschreiben die Autoren die Probleme der jüdischen Emigration aus Deutschland und Österreich, insbesondere ab der Jahre 1938. 130000 Menschen hatten Deutschland bereits verlassen, davon waren 80 % Juden. [5]. In Jahre 1938 wurde Österreich angeschlossen, die Reichskristallnacht (9./10. November) leitete eine neue Stufe der Verfolgung der jüdischen Bevölkerung ein. Erschreckend war die fehlende Bereitschaft der Nachbarstaaten Deutschlands, Flüchtlinge aufzunehmen. "Unmittelbar nach dem Anschluss Österreichs verschärften fast alle europäischen Zielländer der jüdischen Emigration aus Deutschland ihre Einwanderungsbestimmungen, sowie die Kontrolle ihrer Grenzen, oder sie erließen Einwanderungsverbote...." [6] Genannt werden zum Beispiel die Schweiz, Frankreich, Dänemark, die Niederlande und andere. Erschreckend ist die Aktualität der (europäischen) Bilder, auch wenn heute die Migration in der anderen Richtung verläuft.

    Vom 06. bis 15. Juli tagten in Evian (Schweiz) die Vertreter von 32 Staaten und alle großen jüdischen Verbände, die katholische Kirche und andere. Sie berieten über die Auswanderungsmöglichkeiten und raus kam so gut wie nichts. Man erklärte sein Mitgefühl, aber auch, dass das eigene Land nicht in der Lage wäre, diese aufzunehmen. [7]. Und kommt dieses dominikanische Angebot, ausgerechnet von einem, der dem Regime in Deutschland durchaus zugetan war und so haben die Autoren Kapitel auch benannt: "Ein Rassist heißt rassisch Verfolgte willkommen" [8]

    * * *

     

    Im Weiteren erzählen die Autoren vom doch sehr beschwerlichen Weg der Siedler, die, zumeist Großstädter und oft dem Bildungsbürgertum angehörend, sich mit der Landwirtschaft schwertaten. Für bestimmte Arbeiten wurden dann Einheimische gewonnen, deren Lohn konnte nicht in die weitere Entwicklung investiert werden.

    Rosen wollte neben der "dauerhaften Unterbringung der Flüchtlinge [den] Aufbau einer wirtschaftlich unabhängigen Gemeinschaft, die mittelfristig sich nicht nur selbst versorgen kann, sondern auch Überschüsse erwirtschaftet."  Jedoch funktionierte dieser kooperative Gedanke, ähnlich des Kibbuz in Israel, so nicht.  Die Ursachen waren vielfältig und reichten vom "Trend, körperliche Arbeiten zu vermeiden" bis zu Ansichten einiger Siedler selbst einer "höheren Kulturstufe" anzugehören als die Einheimischen. [9]

    Einen Neubeginn gab es 1944, als David Stern, der in Palästina solche Projekte geleitet hatte, in der Dominikanischen Republik ankam. Der stellte das Projekt vom Kopf auf die Füße, indem er zum Beispiel die Selbstversorgung von 57 Siedlern, die den Neuaufbau mittrugen mit 30 ha Weideland und 2 ha Anbaufläche ermöglichte. Eine Familie mit 2 Kindern bekam 15 Kühe: 10 die Familie, eine weitere für die Ehefrau und je zwei für die Kinder. Damit ließ sich etwas anfangen. [10] Erfolge gab es in der Milchverarbeitung, es gab die ersten Hotels mit 200 Feriengästen (1946), später dann eine Sparkasse. Die "Cooperación Sosúa" war für die Infrastruktur da, Müllabfuhr, Straßenbau, Strom und Wasserversorgung. So ging es immer weiter aufwärts. [11]
     

    * * *


    Noch heute gibt es viele Spuren der jüdischen Siedlungsversuche. Dies zeigt das Bild oben. Rosen und Stern sind Straßennamen gewidmet und auch wenn die Religionsausübung sich meist auf die wichtigsten jüdischen Feiertage beschränkte, gibt es auch heute noch eine Synagoge in Sosúa. [12]. Im jüdischen Museum ist die Geschichte dokumentiert und 1990 feierten 300 ehemalige Siedler den 50. Jahrestag der DORSA [13]. Die Spuren werden vom Tourismus überdeckt, aber man findet sie noch. [14] 

    * * *

     

    Die Autoren:
    Der Kölner Journalist Hans Ullrich Dillmann (1951) lebt in Deutschland und der Dominikanischen Republik. Als Korrespondent der TAZ für Lateinamerika und der "Jüdischen Allgemeine" für die Karibik weiß er von was er erzählt. (Webseite) An seiner Seite hatte er die Historikerin Susanne Heim (1955), deren Arbeitsschwerpunkte auf der nationalsozialistischen Judenverfolgung und der internationalen Flüchtlingspolitik liegen. PD Dr. Susanne Heim  arbeitet am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Freiburg, sowie am Institut für Zeitgeschichte München.

    Sie haben mit diesem Buch etwas "aufgedeckt", was mir bisher völlig unbekannt war, die Emigration von Juden mal nicht in die USA oder Palästina sondern aus einem Land mit einer vorher nicht dagewesenen Diktatur in eine andere Diktatur, die Gründe dafür sind weiter oben angerissen. Die Ablehnung der Aufnahme von Flüchtlingen, hier den von den Nationalsozialisten verfolgten Juden, scheint mir im Zuge des heutigen Streits um Flüchtlingsquoten in der EU und insbesondere der extremen Ablehnung der Aufnahme von Muslimen einiger EU-Staaten von einiger Aktualität zu sein.

    Mit diesem Buch lässt sich aus der Geschichte lernen. Versuchen sollten dies zum Beispiel diverse Präsidenten und Ministerpräsidenten, aber auch Menschen in unserem Land, deren Fremdenfeindlichkeit zum Himmel schreit.

    ► DNB / Ch. Links Verlag / Berlin 2009 / ISBN: 978-3-86153-551-5 / 188 Seiten


    © KaratekaDD


     Fußnoten

    [1] Dillmann / Heim: Fluchtpunkt Karibik, Seite 9
    [2] American Jewish Joint Distribution Committee
    [3] vgl. Dillmann / Hein, ebenda
    [4] siehe Ebenda
    [5] Dillmann / Hein: Seite 29
    [6] Ebenda, Seite 32
    [7] vgl. Ebenda, Seite 38 
    [8] siehe Ebenda ab Seite 45
    [9] vgl. Ebenda ab Seite 94 / 109
    [10] vgl. Ebenda, Seite 152 ff
    [11] vgl. Ebenda Seite 157 ff
    [12] vgl. Ebenda, Seite 109; Kapitel: Jüdisches Leben ohne Rabbi
    [13] DominicanRepublic Settlement Assocuation
    [14] vgl. Dillmann / Hein, Seite 166 f

    Abbildungen:

    Bild 1 und 2: Kartenmaterial aus googlemap, siehe Link unter der Abbildungen
    Bild 2: Jüdisches Museum und Synagoge / Quelle Internet http://www.sosuanachrichten.com/print.php?id=777 14.10.2015;18:00 Uhr

    Webseiten: (19.10.2015; 19:30Uhr)

  11. Cover des Buches Im Land der Frühaufsteher (ISBN: 9783939080688)
    Paula Bulling

    Im Land der Frühaufsteher

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  12. Cover des Buches Und das ist erst der Anfang (ISBN: 9783499631849)
    Anja Reschke

    Und das ist erst der Anfang

     (4)
    Aktuelle Rezension von: SitataTirulala
    Deutschland und die Flüchtlinge. Ein Thema, das wohl nicht nur polarisiert, sondern auch Menschen der unterschiedlichsten Schichten und Regionen im ganzen Land wieder bewegt. Etliche in eine meiner Meinung nach mehr als fragwürdige, viele aber auch in eine unglaublich positive, hilfsbereite und weltoffene Richtung.

    Anja Reschke, Innenpolitik-Chefin des NDR, hat den Entschluss gefasst zu diesem aktuellen Thema der Nation Beiträge, Artikel und Aufsätze zusammenzustellen, die ganz unterschiedliche Haltungen wiederspiegeln und auch ganz verschiedene Bereiche der Thematik abdecken. So befassen sich die zahlreichen Autoren, die in diesem Sammelband vertreten sind, unter anderem damit, was Menschen eigentlich dazu treibt ihre Heimat unter den widrigsten, ja, lebensgefährlichen Bedingungen zu verlassen. Sie beschreiben, welche Routen am stärksten frequentiert sind und welche Entbehrungen und Gefahren diese bergen. Sie berichten teilweise von ihrem eigenen Schicksal als Flüchtling oder haben mit Menschen gesprochen, die sich in Deutschland ein neues, ein sicheres Leben erhoffen. Sie zeigen aber auch auf, welche Chancen und Risiken Migration in diesem Ausmaß birgt.

    Das Buch deckt also wirklich ein sehr breites Spektrum an Aspekten ab und betrachtet den ein oder anderen Punkt auch durchaus kritisch. Für alle, die aber ein Werk wollen, in dem alles schlecht geredet und festgefahrene Meinungen und Ängste bestärkt und geschürt werden, ist "Und das ist erst der Anfang" nicht das, was sie suchen - ganz sicher aber das, was sie unbedingt lesen sollten. Die Beiträge sind zum Teil menschlich-berührend, aber auch sachlich und faktenreich. Viele wollen natürlich überzeugen und den meisten gelingt es meiner Meinung nach auch.

    Für mich waren viele neue Aspekte und Informationen in diesem Buch enthalten, erschreckend, aufrüttelnd, manchmal auch mit richtigen Aha-Momenten gespickt, als sich mir Zusammenhänge erschlossen haben, vor denen ich vorher die Augen verschlossen hab. Ich kann nur jedem empfehlen, den das Thema auf die eine oder andere Art bewegt, einen Blick hinein zu werfen und zuzulassen, dass die Autorinnen und Autoren, die hier zusammen gekommen sind, seinen Horizont erweitern.
  13. Cover des Buches Opfer-Leid (ISBN: 9783744883030)
    KJ Weiss

    Opfer-Leid

     (7)
    Aktuelle Rezension von: funny1
    Um was geht es: ( Inhaltsangabe übernommen)

    Er hat sein Kind nicht schützen können!

    Als Michael erfährt, dass seine Tochter jahrelang missbraucht wurde, bricht seine Welt zusammen. Er sinnt auf Rache.

    Doch dann geschieht ein Mord - der ursprüngliche Täter wird zum Opfer. Und plötzlich steht Michael im Fokus der Ermittlungen.

    Meine Meinung:

    Diese Geschichte ist gespickt mit vielen ernsten Themen unserer Gesellschaft, die zum Nachdenken anregen. Die Autorin hat gekonnt die Themen vermischt und zu einer interessanten und spannenden Geschichte zusammengefasst. Man kann sich die Protagonisten sehr gut vorstellen, denn sie kommen sehr authentisch rüber. Man leidet mit Michael und seiner Frau mit. Bis zum Ende rätselt man mit, wer denn der Mörder nun ist und warum. Man wird das ein oder andere mal sogar auf falsche Fährten gelockt, was das ganze noch interessanter macht. Mich hat die Geschichte gefässelt und deswegen von mir 5 Sterne.

    Fazit: Eine Geschichte die einen zum Nachdenken anregt. Durch die verschiedenen Themen ein sehr interessantes Buch. Kann ich nur Weiterempfehlen, aber Vorsicht es ist keine einfache Lecktüre.
  14. Cover des Buches Der Tiergartenmörder: Ein Berlin-Krimi (ISBN: B07D6RSB88)
  15. Cover des Buches Liebe deinen Nächsten (ISBN: 9783958394155)
    Peter Eickmeyer

    Liebe deinen Nächsten

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Flaventus

    Das Mittelmeer ist weit weg. Ebenso wie die Dramen, die sich dort auch heute noch abspielen. Nur weil die Medien nicht mehr über die Flüchtlinge im Mittelmeer berichten, heißt es nicht, dass die Menschen sich nicht mehr auf diese gefährliche Flucht begeben.

    Mit dieser Graphic Novel wird ein neuer Weg beschritten, um über die Situation der Menschen vor Ort zu berichten. Im Juni 2016 begaben sich Gaby von Borstel (Text) und Peter Eickmeyer (Zeichnungen) an Bord der MS Aquarius, um hautnah mitzuerleben, wie die Situation für die Retter und Geretteten auf dem Mittelmeer ausschaut.

    Reportage mit eindrucksvollen Bildern

    Somit ist die vorliegende Graphic Novel kein Werk, in dem eine Geschichte erzählt wird, sondern es ist mehr eine Reportage geworden, in der für jede Partei Raum eingeräumt wurde. Die Autoren stellen zuerst das Team und das Boot vor, sowie wie die Idee entstand und umgesetzt wurde.

    Mit diesem ruhigen Einstieg wird der Leser sehr ruhig und stimmig auf das vorbereitet, was im Laufe der Mission geschehen wird. Es werden die verschiedensten Teams ebenso vorgestellt wie Techniken und Abläufe an Bord des Schiffes.

    Mit dem Entdecken des ersten Flüchtlingboots ändert sich der Stil im Buch.


    „Wir verlieren den Blick für den ganzen Menschen mit seinem vorherigen Leben, seinen Plänen und Wünschen.“ (S. 93)


    Es kommen Menschen an Bord. Und diesen Menschen wird auf den nun folgenden Seiten viel Platz eingeräumt. Von einigen Menschen werden die Einzelschicksale erzählt, später gibt es einige großflächige Großportraits. Die Portraits erzählen sehr beeindruckend ihre ganz eigene Geschichte. Ohne Worte.

    Dem aufmerksamen Leser fällt der Stilbruch schon beim Lesen auf. Wenn nicht, dann macht Eickmeyer am Ende des Buchs darauf aufmerksam, dass die ersten Bilder unter Zuhilfenahme eines Rechners entstanden sind, die Bilder aber, die an Board der MS Aquarius entstanden, von ihm selbst als Aquarelle gezeichnet wurden. Der Stilbruch beginnt mit der Sichtung des ersten Flüchtlingboots.


    "Migration hat es immer gegeben. […]
    Man kann sie als Chance oder als Bedrohung sehen.
    Man kann die Menschen abwehren oder willkommen heißen." (S. 104)


    Natürlich wird das Buch vor allem am Ende politisch. Eine solche Reportage kann nicht objektiv und distanziert bleiben. Die Schicksale der Menschen berühren. Allerdings werden in diesem Buch gemäßigte Töne angeschlagen. Das finde ich sehr gut, dass man das eine Extrem nicht mit einem anderen bekämpfen möchte.

    Was in diesem Buch fehlt, ist eine tiefgreifendere Auseinandersetzung mit der Thematik, dass manchen NGOs vorgeworfen wird, mit den Schleppern zu kooperieren und somit für einen Teil des Flüchtlingsstroms verantwortlich zu sein. Es findet sich aber ein kleiner Hinweis auf diese Problematik:

    "NGOs wie SOS Mediterranee reagieren auf diese Notlage, sie produzieren sie nicht." (S. 104)

    Das ist in meinen Augen wichtig, sich nicht der Notlage der Menschen zu verschließen und den NGOs zu Mitverantwortlichen zu machen, selbst wenn es das ein oder andere schwarze Schaf unter ihnen geben sollte.

     

    Fazit

    Diese Graphic Novel Reportage führt uns allen eines vor Augen: Es geht um Menschen und um Menschlichkeit. Es geht in diesem Buch nicht um die Integration der Flüchtlinge in Europa, sondern es wird in erster Linie davon berichtet, was den Menschen widerfährt, wenn sie sich auf diese Reise begeben.

    Ich denke, dass bei aller Politik eines sehr deutlich wird. Es ist unverantwortlich, Menschen bewusst ertrinken zu lassen. Deshalb schließt das Buch dann auch mit den folgenden Sätzen:

    Wir werden sie nicht ertrinken lassen. Wie werden nicht tatenlos zusehen.“ (S. 117)


    Diese Rezension mit einigen Bildern aus dem Buch und weiterführenden Links findet sich auf meinem Bücherblog.

  16. Cover des Buches Schiffbruch (ISBN: 9783426787458)
    Wolfgang Grenz

    Schiffbruch

     (6)
    Aktuelle Rezension von: parden
    IT TAKES COURAGE TO BE A REFUGEE...

    Als Flüchtling braucht man Mut. Schließlich verlässt man das, was man als Heimat empfunden und angesehen hat, seine Familie, seine ganze Existenz, und macht sich auf den Weg ins Ungewisse. Doch ist es selten der Einzelne, der im Fokus steht, wenn es um die Frage der Flüchtlingspolitik geht. Die Mengen sind es, die bewegen, die Fragezeichen entstehen lassen, Sorgen und Ängste, bisweilen sogar Hass und Ablehnung.


    "Europa wird sich auf viele weitere Jahre einstellen müssen, in denen die Menschen auf den 'alten Kontinent' fliehen - zu Land, zu Luft, zu Wasser. Nicht jedes Bootsunglück wir automatisch Beweis einer gescheiterten Flüchtlingspolitik sein. Aber jeder Tote im Mittelmeer ist ein Beweis, dass wir besser werden müssen."


    Es sind die Katastrophenmeldungen von Ertrunkenen im Mittelmeer, die aufhorchen lassen, zuletzt vor einigen Tagen, wo gleich bis zu 500 Flüchtlinge bei einem Schiffsunglück ums Leben gekommen sein sollen. Unvergessen das Bild des syrischen Flüchtlingskindes, das leblos an einem türkischen Strand liegt. Für Medien sowie für viele Nutzer in den sozialen Netzwerken ist es zum Sinnbild der Flüchtlingskrise geworden.

    Mehr Flüchtlinge, mehr Abwehr - so könnte man die Reaktion Europas wohl bezeichnen, und auch wenn Deutschland mehr Flüchtlinge aufnimmt als viele andere europäische Staaten, begegnet diesen Menschen neben viel Hilfsbereitschaft auch eine Unzahl an bürokratischen Hürden sowie auch viel Hass und Fremdenfeindlichkeit. Parteien, die das Thema für ihren Wahlkampf nutzen und Medien, die gezielt Informationen und Parolen streuen - wer soll da noch durchblicken? Als ich auf dieses Buch stieß, griff ich zu. Ein Sachbuch zu dieser komplexen Thematik - was kann es Besseres geben, um sich über all die damit verbundenen Zusammenhänge zu informieren?


    "Wer irrgeulär die Grenze zur EU übertritt, will fast immer Asyl beantragen. Aber nicht jeder, der Asyl beantragt, hat auch irregulär die Grenze übertreten. Und vor allem: Nicht jeder, der Asyl beantragen will, erhält Gelegenheit, es auch zu tun. Nicht jeder, der es beantragt, bekommt es. Und nicht jeder, der es auf dem Papier bekommt, bekommt es auch in Wirklichkeit. Klingt kompliziert? Ist es auch. Wer Europa erreicht hat, lernt schnell, was komplexe Bürokratie bedeutet."


    Und dieses Buch informiert tatsächlich. Keine leichte Lektüre, wie man sich wohl vorstellen kann - und 127 Lesezeichen verdeutlichen vielleicht, wie viele wichtige und bemerkenswerte Stellen ich hier markiert habe. Zu viel, um hier im einzelnen darauf einzugehen - und wie sollte ich mir auch anmaßen, an dieser Stelle in wenigen Sätzen das wiederzugeben, was drei Autoren sachlich fundiert auf über 200 Seiten zusammengetragen haben?

    Doch wie kann die EU nun ihrem eigenen Anspruch gerecht werden, ein Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu sein  gegenüber schutzbedürftigen Flüchtlingen und Asylsuchenden? Was kann und muss sich auch in Deutschland ändern? Das vorliegende Buch skizziert Antworten auf diese Fragen. Es ist dabei nicht nur ein eindringliches Plädoyer für eine "'menschenrechtskonforme, gute und realistische Flüchtlingspolitik"', sondern liefert in sechs Kapiteln eine prägnante und gut lesbare Analyse der Entstehung und Herausforderungen des Flüchtlingsschutzes auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene.


    "Je nachdem, in welchem EU-Land sich ein Flüchtling befindet, können sich die Dinge für ihn sehr unterschiedlich entwickeln, kann die Unterbringung schlechter oder besser sein und sogar die Entscheidung über das Asylgesuch unterschiedlich ausfallen. Eine Asyl-Lotterie beginnt."


    Bei aller Sachlichkeit ist das Buch auch parteiisch - und das ist auch gut so. Ohne die Grenzen des Machbaren aus den Augen zu verlieren, stellen die Autoren die Widersprüchlickeiten und Schwierigkeiten in der Gesetzgebung und der Handhabung der europäischen bzw. deutschen Flüchtlingspolitik dar, plädieren dringend für eine Verbesserung des Flüchtlingsschutzes und räumen mit Vorurteilen auf. Abschließend präsentieren sie Vorschläge, die zur Entspannung der Flüchtlingskrise beitragen könnten und verknüpfen auf diese Art eine deutliche und fachlich untermauerte Anklage gegen die derzeitige Flüchtlingspolitik mit der Möglichkeit eines Auswegs.

    Dieses engagierte Plädoyer für die Abkehr von einer fehlgeleiteten Flüchtlingspolitik in Europa verdient in meinen Augen viele Leser. Wissen baut Ängste ab und sorgt für einen Überblick über die historischen und internationalen Zusammenhänge. Und eines ist das Buch ganz gewiss: ein deutliches Statement für die Mitmenschlichkeit.

    Unbedingt empfehlenswert!


    © Parden
  17. Cover des Buches Last Haven – Über alle Grenzen (ISBN: 9783492502276)
    Lisbeth Jarosch

    Last Haven – Über alle Grenzen

     (18)
    Aktuelle Rezension von: 0Soraya0

    Zum Inhalt (Klappentext):
    Mit der Liga der Mutigen ist auch der Widerstand gegen den neuen, sozialen Kurs Last Havens gestorben. Doch die Vereinigung mit dem Nachbarland God’s Acres führt zu anderen Problemen. Gegenseitiges Misstrauen spaltet die Bevölkerung. Aida und ihre Freunde haben alle Mühe, unter diesen Umständen ein neues Militär auf die Beine zu stellen. Dabei stehen sie unter höchstem Druck. Denn überall herrscht der Hunger und treibt die Menschen zu Verzweiflungstaten. Im Angesicht der Katastrophe gibt es etwas, was sie alle miteinander verbindet: den Wunsch, zu überleben. 

    Meine Meinung:
    Bei "Über alle Grenzen" handelt es sich um den Abschlussband der Trilogie um Last Haven. Damit man wirklich alle Zusammenhänge versteht, sollte man die Reihenfolge unbedingt einhalten.
    Wie schon bei den anderen Teilen ist man wirklich schnell wieder Mitten im Geschehen und kann komplett in der Geschichte abtauchen. Das liegt mit an dem sehr angenehm zu lesenden Schreibstil von Lisbeth Jarosch. Aber natürlich auch an den liebgewonnenen Charakteren.
    Auch diesmal wird die vergangene Handlung geschickt aufgenommen und weiter gesponnen, so dass ein wirklich spannendes und actionreiches Ende der Trilogie entsteht. Zwischendurch gibt es allerdings immer mal wieder kleine Längen, die man evtl. etwas geschickter hätte lösen können.
    Wobei mir persönlich das Ende dann doch etwas zu offen gestaltet ist.

    Fazit:
    Ein aufregendes und im Großen und Ganzen gelungenes Ende der Last Haven Trilogie.

  18. Cover des Buches Propaganda als Waffe (ISBN: B01NCOHWX5)
    Willi Münzenberg

    Propaganda als Waffe

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Der gute Mensch von Assuan (ISBN: 9783943709155)
    Peter S. Kaspar

    Der gute Mensch von Assuan

     (13)
    Aktuelle Rezension von: Waschbaerin
    Die Wortkombination, die mir in diesem Buch mit am besten gefällt ist: "Feind, Todfeind, Parteifreund".

    Diese drei Worte habe ich dem Buch "der gute Mensch von Assuan" von Peter S. Kaspar entnommen. Es ist ein Roman über Flüchtlinge, Flüchtlingshilfe und Parteigerangel.

    Der Ägypter Mansur Ghali kommt 2015 wieder an seinen ehemaligen Studienort Berlin. Durch Zufall lernt er den dealenden Afrikaner Souliman kennen, hört von den Schrecken seiner Flucht auf einem übefüllten Boot. Mansur, ein milliardenschwerer Geschäftsmann sieht das Hilfe gebraucht wird und schon handelt er. Geld hat er genug um seine ehrgeizigen Pläne in die Tat umzusetzten. Es soll ein Selbstversorgerdorf entstehen, in dem Flüchtlinge die dtsch. Sprache lernen und eine Ausbildung bekommen. Doch er hat die Rechnung ohne die Nazigruppe des nahen Dorfes gemacht. Zwar sind die meisten Jugendlichen nur Mitläufer, aber es gibt auch einen "Chef" der Gruppe, der nicht lange redet, sondern sofort zu unrühmlichen Taten schreitet.

    "Was man nicht ändern kann, muss man umarmen", heißt ein Sprichwort und so macht Mansur auch den Nazis das Angebot, in dem Dorf eine Berufsausbildung  zu erhalten. Diese willigen mehr oder weniger freudig ein. Es bleibt ihnen keine Wahl, als seinem Vorschlag zuzustimmen. Doch was sie dann erleben gibt ihnen Selbstwertgefühle und es ist, als spürten sie erstmals, dass sie ernst genommen werden und Menschen mit persönlichen Werten  sind. Endlich etwas Vernünftiges mit der Zeit anfangen können! Die ersten Bekanntschaften mit Asylbewerbern werden geknüpft und sowas wie zarte Freundschaften geschlossen. Es entsteht ein Geben und Nehmen.

    Doch es sind nicht nur Flüchtlinge und Nazis, die aufeinander treffen. Da sind auch Parteifreunde, von denen einige schlimmste Verstöße wittern und hoffen, durch das Aufdecken eines Skandals die eigene, politische  Karriere in Schwung zu bringen, mit dem Hintergedanken, einen Stuhl zu ergattern, auf dem derzeit noch jemand sitzt.

    Die Ideen von Mansur sind gut. Doch so weit, so theoretisch. Die Realität ist oftmals eine andere.

    Woran es liegt?  Mhh - Menschen sind keine Roboter die man programmieren kann und dann funktionieren/arbeiten sie wie gewünscht. Es gibt unenedlich viele Unabwägbarkeiten, angefangen bei der jeweiligen Kultur, die sich von unserer mitunter ganz gewaltig unterscheidet, bis hin zum Anspruchsdenken von Flüchtlingen, die aus Rentierstaaten (franz.) stammen. Am einfachsten dürfte die Intergration der Flüchtlinge sein, die es als große und einmalige Chance begreifen, sich in Europa ein Leben aufbauen zu können - egal ob sie für immer bleiben oder in einigen Jahren wieder in ihr Land zurückgehen wollen.

    Doch diese Themen bleiben ausgespart. Viele der Unabwägbarkeiten, mit denen sich Flüchtlingshelfer in der Realität abgeben müssen, konnte der Autor getrost beiseite schieben. Ist es doch ein Roman und kein Sachbuch. Herausgekommen ist ein sehr interessantes und gut lesbares Buch, das ich gerne weiterempfehle. Mit den Sternchen schwankte ich zwischen vier und fünf, entschied mich am Ende dann doch für fünf, da ich mich von der Ausarbeitung des Themas sehr angesprochen fühle.


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