Bücher mit dem Tag "frankenreich"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "frankenreich" gekennzeichnet haben.

7 Bücher

  1. Cover des Buches Das Erbe der Karolinger (ISBN: 9783757701109)
    Claudius Crönert

    Das Erbe der Karolinger

    (37)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Obwohl Kaiser Ludwig (die Nachwelt wird ihn Ludwig der Fromme nennen) seinen Sohn Lothar zum Mitregenten über das fränkische Reich erklärt hat und auch die anderen Söhne in der Nachfolge berücksichtigt sind, führen unterschiedliche Ansichten über die Regierung immer wieder zu Konflikten innerhalb der Familie. Auch die unterschiedlichen Meinungen der Berater, die oft nur ihre eigenen Interessen im Blick haben, tragen nicht unbedingt zu jenem Regierungsstil bei, die Kaiser Ludwig im Sinn hat.   

    Als Ludwigs Ehefrau stirbt und man ihn zu einer neuerlichen Ehe drängt, fällt die Wahl ausgerechnet auf Judith, auf jene Frau, auf die auch Sohn Lothar ein Auge geworfen hat. Die Kinder, die aus dieser Verbindung hervorgehen, schmälern - so die Meinung der erwachsenen Söhne - das zu erwartende Erbe, weshalb der Haussegen endgültig schiefhängt.  

    Meine Meinung: 

    Dieses über 810 Seiten schwere Buch zeichnet sich durch penible Recherche und angenehmen Schreibstil aus. Trotz der vielen Details zu der durchaus komplexen Geschichte des Fränkischen Reiches wirkt das Buch nie überfrachtet oder langatmig.  

    Claudius Crönert ist es bestens gelungen die Welt des Mittelalters vor unseren Augen auferstehen zu lassen. Auch die politischen Querelen mit unterworfenen Völkern, die Tribute nicht zahlen oder die Einmischung der Kirche sind sehr gut dargestellt. Dass das fränkische Reich nach dem Tod von Ludwig dem Frommen nach endlosen Streitereien letztlich 843 (Vertrag von Verdun) in drei Teile zerfällt, war nicht im Sinne des Erfinders. 

    Besonders gut gefällt mir das Cover, das sich durch seine kraftvolle Schlichtheit aus der Fülle der Mittelalterromane hervorhebt. 

    Fazit:

    Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und opulent erzählten historischer Roman, 5 Sterne und eine klare Empfehlung.

     

  2. Cover des Buches Reichenau - Insel der Geheimnisse (ISBN: 9783987900372)
    Tanja Kinkel

    Reichenau - Insel der Geheimnisse

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Iceage

    Anlässlich der Gründung  der "seligen Insel" Reichenau vor 1300 Jahren erschien diese Anthologie in Kooperation der federführenden Autorin Tanja Kinkel und dem Landesmuseum Baden.

    Am Anfang findet der Leser eine sehr informative Zeittafel. Hier gelistet sind wichtige Jahreszahlen mit entsprechenden wichtigen Ereignissen.

    Begonnen wird 724 mit der Gründung des Benediktinerklosters durch den Wandermönch Pirminius und führt dann bis ins Jahr 1541.

    Dabei werden wichtige Ereignisse wie der Fischerkrieg erwähnt und auch viele wichtige Persönlichkeiten wie zum Beispiel der mächtigste Abt von Reichenau, Hatto III.

    Vor den Kurzgeschichten gibt es ein einstimmendes Vorwort der Autorin Tanja Kinkel.


    Querschnitt durch das Mittelalter


     Es folgen zehn verschiedene Kurzgeschichten von acht namhaften Kolleginnen( Caren Benedikt, Sabine Ebert, Heidrun Hurst, Carmen Mayer, Heidi Rehn, Juliane Stadler und das Autorenehepaar, welches sich hinter dem Namen Iny Lorentz verbirgt ). Tanja Kinkel selbst steuerte ebenfalls zwei Geschichten bei.

    Die Kurzgeschichten sind chronologisch angeordnet und beziehen sich auf die in der Zeittafel genannten Ereignisse.

    Aufgrund der historischen Vorgaben konstruierten nun die Beststellerautorinnen unterhaltsame Kurzgeschichten. Dabei gelang es jeder auf ihre eigene Art und Weise die historischen Vorgaben mit ihrem fiktiven Gedankengut zu verschmelzen.

    Ich fand durchwegs alle Geschichten sehr gelungen. Besonders beeindruckt hat mich die Kurzgeschichte von Sabine Ebert "Morcheln im Winter und der sehr große Fisch".

    Die Länge der Kapitel ist sehr leserfreundlich.


    Beindruckende Aufmachung


    Das gebundene Buch, welches im Bonifatius Verlag erschien, ist an sich eine Augenweide. Der Einband in edlem Rot mit goldener Schrift ist Zierde für jeden Buchliebhaber. Auch die jeweiligen Katitelanfänge sind dazu passend gestaltet.

    Am Ende findet sich noch eine Übersicht der beteiligten Schriftstellerinnen mit kurzer Vita zu jeder Einzelnen.

    Unbedingt erwähnt sollte noch werden, dass dieses Werk dem verstorbenen Autoren Ulf Schiewe gewidmet ist, der ursprünglich auch eine Geschichte beisteuern wollte.


    Fazit:


    Nicht nur optisch eine Bereicherung in jedem Bücherregal, sondern für jeden Liebhaber des Mittelalters eine Empfehlung. Durch dieses Buch wird deutlich welche Macht dieser Klosterinsel inne wohnte und wie geschichtsträchtig sie tatsächlich war.

  3. Cover des Buches Karl der Große (ISBN: 9783492306126)
    Stefan Weinfurter

    Karl der Große

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Andreas_Oberender

    Noch ein Buch über Karl den Großen? Erst vor zwei Monaten ist Johannes Frieds Biographie des Frankenkönigs und Kaisers erschienen. Im Vorfeld des nahenden Jubiläums - Karls des Großen Todestag jährt sich im Januar 2014 zum tausendzweihundertsten Mal - hat nun auch der Mediävist Stefan Weinfurter, eigentlich ein Experte für hochmittelalterliche Geschichte und die Zeit der Salier, ein Buch über Karl den Großen vorgelegt. Allein schon aufgrund seines schlanken und handlichen Formats ist es eine willkommene Alternative zu den sehr viel umfangreicheren Darstellungen von Dieter Hägermann und Johannes Fried.

    Weinfurters Buch bietet wenig Überraschendes. Es fasst knapp und mit dem Blick für das Wesentliche zusammen, was sich anhand der begrenzten Quellen über Persönlichkeit und Herrschaft Karls des Großen sagen lässt. Auch Weinfurter sieht in der Zeit Karls des Großen eine Schlüsselepoche, eine Zäsur in der Geschichte des Mittelalters. Nicht die Ausdehnung des Frankenreiches erwies sich als Karls bleibende und fortwirkende Leistung, sondern der von ihm geförderte Aufschwung des Geisteslebens und der Wissenschaften. Mit der sogenannten Karolingischen Renaissance, die eine lange Phase kulturellen Verfalls im lateinischen Europa beendete, leisteten Karl der Große und die Gelehrten an seinem Hof einen kaum zu überschätzenden Beitrag zur Wiederaneignung, Bewahrung und Weitergabe antiken Wissens und antiker Literatur. Ohne diese Karolingische Renaissance wäre die Verbindung Europas zum geistigen Erbe der Antike vielleicht vollständig abgerissen.

    Wie andere Autoren betont auch Weinfurter, dass die von Karl und seinem Umfeld ausgehenden Bildungsreformen kein Selbstzweck waren, sondern in erster Linie dazu dienten, das religiöse Leben auf eine solide intellektuelle Grundlage zu stellen. Karl war ein dezidiert christlicher Herrscher, der sich den Schutz der Kirche sowie die Pflege, Vertiefung und Ausbreitung des christlichen Glaubens auf seine Fahne geschrieben hatte. Der dreißigjährige Unterwerfungskrieg gegen die Sachsen hatte zweierlei Ziele: Ausdehnung des Reiches und Bekehrung eines bislang heidnischen Volkes. Weinfurter macht keinen Hehl daraus, dass Karl ein gewalttätiger Herrscher war, ein Mann, der dem Geist seiner Zeit entsprechend Gewaltanwendung im Dienst Gottes und des christlichen Glaubens als legitim und notwendig erachtete. Weinfurter ist jedoch weit davon entfernt, Karl als "Sachsenschlächter" zu verurteilen. Stattdessen plädiert er dafür, den Frankenkönig an den Normen und Wertvorstellungen seiner eigenen Zeit zu messen. Geist, Glaube und Gewalt ließen sich damals in einer Weise miteinander verbinden, die uns heute befremdet.

    Geleitet vom Bestreben, Karl aus seiner eigenen Zeit und Kultur heraus zu verstehen, zeichnet Weinfurter ein in sich schlüssiges und überzeugendes Bild seines Protagonisten, auch wenn der relative Mangel an Quellen einer Annäherung an Karl und seine Persönlichkeit von vornherein Grenzen setzt. Was Karls Größe, von der schon die Zeitgenossen sprachen, ausmachte, wird immer zu einem Gutteil rätselhaft bleiben. Der Mensch Karl ist für uns im Grunde kaum zu fassen, ein Dilemma, mit dem jeder Historiker leben muß, der sich mit den Herrschern des Früh- und Hochmittelalters auseinandersetzt. Weinfurter setzt gleichwohl eigene Akzente, die sein Buch von anderen Karlsbiographien abheben. Er vertritt die These, der Kirchenvater Augustinus habe mit seinem Werk vom "Gottesstaat" ("De civitate dei") Karls Herrschaft als König und Kaiser nachhaltig beeinflusst. Augustinus als Ideengeber Karls des Großen? Fachleute werden dieses Diskussionsangebot vielleicht interessiert aufgreifen, während Laien damit sicher wenig anfangen können. Gerade an diesem Punkt zeigt sich, dass ein gewisses Maß an Vorwissen bei der Lektüre des Buches hilfreich ist.

    Weinfurter behandelt alle Aspekte, die in einer Biographie Karls des Großen vorkommen müssen. Im Zentrum der Darstellung stehen erwartungsgemäß die Herrschaftspraxis des Königs und Kaisers, seine Kriege, seine Beziehungen zum Papsttum. Was die Annahme des Kaisertitels im Jahre 800 angeht, so hält sich Weinfurter an den Konsens der heutigen Forschung: Karls immense Machtfülle, die im lateinischen Europa ihresgleichen suchte, sollte endlich mit einem passenden Titel versehen werden, und dafür kam nur der Kaisertitel in Frage. Das fränkische Reich brach schon wenige Jahrzehnte nach Karls Tod auseinander. Das im Dezember 800 wiederbegründete westliche Kaisertum hingegen bestand für ein ganzes Jahrtausend. Karl der Große kann heute nicht mehr ohne Weiteres als "Vater" oder "Baumeister Europas" bezeichnet werden. Versuche, West-, Mittel- und Südeuropa in einem Großreich zu vereinen, sind seit den Zeiten Karls des Großen immer wieder gescheitert. Insofern ist das Karolingerreich kein Modell oder Vorbild für eine europäische Ordnung. Dass Karl der Große dennoch einen Platz in unserem historischen Gedächtnis besitzt, verdankt er seiner Bedeutung als Impulsgeber für die Rückbesinnung auf das kulturelle Erbe der Antike und als Erneuerer des westlichen Kaisertums, einer Institution, die die europäische und deutsche Geschichte für Jahrhunderte prägte. Diese Leistungen finden in Stefan Weinfurters gut lesbarem Buch ihre verdiente Würdigung. 

    (Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im November 2013 bei Amazon gepostet)

  4. Cover des Buches Neue Globalgeschichte (ISBN: 9783806243352)
    Klaus Berndl

    Neue Globalgeschichte

    (2)
    Aktuelle Rezension von: Kristall86

    Klappentext:

    „Komplexe Zusammenhänge der Weltgeschichte – einfach erklärt: Mit 960 Seiten und ca. 1.000 farbigen Abbildungen und Karten, teils über Doppelseiten, lädt dieses Geschichtskompendium zum Stöbern ein! Historische Persönlichkeiten und wichtige geschichtliche Ereignisse von der Antike bis in die Gegenwart werden so leichter greifbar. Die »Neue Globalgeschichte« präsentiert einen grandiosen Gesamtüberblick über die Menschheitsgeschichte in Wort und Bild. Sie ist ein Lesebuch für Kulturinteressierte und ein praktisches Kompendium für alle, die auf kurzweilige Art und Weise ihr Geschichtswissen auffrischen möchten!“


    Es ist ein Schwergewicht dieses Buch und das ist auch gerechtfertigt! Wenn man 10.000 Jahre auf knapp 1000 Seiten „quetscht“ muss es auch ein gewisses Gewicht mit sich bringen. Dieser besondere Bildband zeigt sehr detailliert und anschaulich die oben beschriebenen Zeitenspanne auf und die kurzweiligen und knackigen präzisen Texte geben das gekonnte Umfeld dafür. Alles wirkt anschaulich, ja zum Teil sogar spannend und der Lessr wird hier keineswegs müde beim durchblättern, ganz im Gegenteil. Neben der evolutionären Veränderung des Menschen und dem technischen Fortschritt zeigen sich auch gesellschaftliche Themen als große Veränderung der Zeit. Von Apartheid bis hin zum Klimawandel bis hin zu Kurzbiographien besonderer Menschen ist hier alles und jedes wichtige Welt-Detail notiert. 

    Ich muss zugeben, ich liebe solche Bücher, da sie die Zeitgeschichte festhalten und in vielen Jahren später ein gewisser Anhaltspunkt sind und aufzeigen, wie es mal war…

    Ein Buch, welches auch für Jugendliche sehr zu empfehlen ist! 5 von 5 Sterne hierfür!

  5. Cover des Buches Die List der Grafentochter (ISBN: 9783404193318)
    Isabel Voss

    Die List der Grafentochter

    (12)
    Aktuelle Rezension von: mabuerele

    „...Giselher, der ein Jahr älter war als Warmunt, sprang auf. Die beiden waren grundverschieden, nicht nur vom Wesen her. Warmunt hatte die zierliche Figur und das weiche Gesicht seiner Mutter geerbt, Giselher war stämmig wie sein Vater...“


    Beide waren sie die jüngeren Brüder von Gunhild, die auf der Burg das Sagen hatte, weil ihre Eltern, der Graf und seine Frau, auf der Reise zum Kaiser waren.

    Die Autorin hat einen spannenden historischen Roman geschrieben. Der Schriftstil lässt sich flott lesen.

    Wir schreiben das Jahr 785. Hardrad, Gunhilds Vater, ist Graf in Thüringen. Er steht fest an der Seite von Karl dem Großen und verteidigt, wenn nötig, das Land gegen die Sorben.

    Die Zeitverhältnisse werden gut wiedergegeben. Karl regiert mit harter Hand. Sein Wille ist Befehl. Dabei stößt er allerdings die alteingesessenen Grafen vor den Kopf. So legt er fest, wen Gunhild zu heiraten hat. Das ist ein Problem, denn sie ist einem anderen versprochen. Graf Autkar, der vom Kaiser bestimmte Bräutigam, lässt Gunhild kurzerhand entführen. Trotzdem hat er ein Problem.


    „...Sollte der Gaugraf die Ehe erzwingen und sie verweigert die Zustimmung mit der Begründung, dass sie bereits einem anderen versprochen ist, so könnte der Papst die Ehe annullieren...“


    Weder Graf Hardrad noch Graf Autkar ahnen, dass eigentlich ein völlig anderer im Hintergrund die Fäden zieht. Der hat es auf Karls Thron abgesehen und plant eine raffinierte Intrige.

    Gunhild ist von ihrem Eltern für die damalige Zeit sehr gut ausgebildet worden. Die junge Frau kann mit Waffen umgehen. Sie ist die Schildmaid ihres Vaters. Außerdem hat sie in kluges Köpfchen.

    Es ist Gunhild, die sehr schnell feststellt, was im Hintergrund läuft. Sie hat einen gefährlichen Plan. Wird er gelingen?

    Das Buch hat mir sehr gut gefallen. Die Protagonisten werden ausreichend charakterisiert und zwar mehr durch ihre Handlungen als durch ihre Worte. Es geht um Recht und Gesetz, um Verrat und Machtgier.

  6. Cover des Buches Krieger des Nordens (ISBN: 9783734101892)
    Jonas Herlin

    Krieger des Nordens

    (12)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    „Krieger des Nordens“ von Jonas Herlin erbat ich beim Bloggerportal von Random House, weil ich noch immer die Mission verfolge, endlich meine Nische im Genre der historischen Romane zu finden. Aktuell versuche ich es mit Wikingergeschichten, die meinen generellen Lesevorlieben theoretisch entgegenkommen sollten. Im November 2015 hatte ich mich bereits an „Götter der Rache“ von Giles Kristian herangewagt, war aber leider nur mäßig begeistert. Ich erhoffte mir von „Krieger des Nordens“ den großen Knall, der bei Kristians Trilogieauftakt für mich ausblieb.

    Der Raubzug der Nordmänner ins Fränkische Reich versprach, ein voller Erfolg zu werden. Getragen von den Wassern des mächtigen Rheins gelang es den Wikingern, die heikle politische Situation zwischen den drei Enkeln Karls des Großen auszunutzen und bis nach Xanten vorzudringen. Von Gier getrieben segelte Grimr Schädelspalter mit 700 Kämpfern und seinen Söhnen Thorbrand und Olav weiter flussaufwärts. Hier, auf einer Flussinsel mitten im Frankenreich, wendet sich das Blatt. Was als siegreiche Eroberung einer wehrlosen Stadt beginnt, entwickelt sich schnell zu einem Desaster. Als Grimr einer schweren Verletzung erliegt und Thorbrand für seinen Jähzorn verbannt wird, obliegt es Olav, die Verteidigung gegen die Franken anzuführen, die die Plünderung ihrer Ländereien nicht länger tatenlos hinnehmen. Die Nordmänner sind rettungslos unterlegen, die Lage ist aussichtslos. Doch kein Wikinger würde jemals kneifen, wenn es gilt, für Beute und die Leben seiner Kameraden zu kämpfen. Blut tränkt die Ufer des Rheins. Werden die Krieger des Nordens als reiche Männer in ihre Heimat zurückkehren oder dem Tod die Hand reichen?

    So viel zu dem erhofften großen Knall. Ihr seht mich mit weit heruntergezogenen Mundwinkeln und einem tiefen Stirnrunzeln vor dem Laptop sitzen. Meine Güte, war dieses Buch furchtbar. Ich fand es grauenvoll. Wenn Jonas Herlin gern Geschichtsunterricht geben möchte, soll er das tun. Aber bitte, bitte, bitte, er soll nie wieder ein Buch wie „Krieger des Nordens“ verfassen. Ich finde keine Worte, um auszudrücken, wie sehr ich mich gelangweilt habe. Es war so… so… dröge. Mein Hirn wollte sich ständig ausschalten und sich angenehmeren Gedanken hingeben, wie der Frage, wann der nächste Abwasch fällig ist oder ob ich für die Staubfluse in der Ecke extra den Staubsauger rausholen sollte. Ich konnte mich nur mit Mühe über die Seiten quälen und habe mich zwingen müssen, am Ball zu bleiben, um dieses literarische Pendant einer Schlaftablette endlich beenden zu können. Ich hatte das Gefühl, Herlin wollte mir unbedingt ganz viel beibringen, was auch funktionierte, aber die Geschichte, die all die Informationen seiner umfangreichen Recherche transportieren sollte, überzeugte mich leider überhaupt nicht, weil sie hinter den zahllosen Fakten nahezu verschwindet und Herlin meiner Meinung nach einfach kein schriftstellerisches Talent besitzt. Da ist kein Gespür für Atmosphäre, kaum inhaltliche Variabilität, kein durchdacht konstruierter Spannungsbogen. Stattdessen kenne ich jetzt wohl jeden der 700 Nordmänner mit Namen. Die Art und Weise, wie Herlin Charaktere etabliert, ist die seltsamste, die mir je untergekommen ist. Wann immer eine Figur mit einer Sprechrolle starb, war er offenbar der Meinung, sie ersetzen zu müssen, damit stets jemand vorhanden ist, der überflüssige Kommentare abgeben und mit anderen Worten wiederholen kann, was bereits dreimal gesagt wurde. Es ist übrigens ganz wichtig, dass die Schiffe auf die Insel gebracht werden, damit die Franken sie nicht zerstören, klar?! Er stellte mir am laufenden Band neue Persönlichkeiten vor, samt Kurzbiografie. Es waren viel zu viele, oberflächliche Figuren, die kaum erkennbaren Wert für die Handlung hatten. Ich kapiere einfach nicht, was das sollte. Wenn man eine Geschichte schreibt, die auf einen blutigen Belagerungskampf hinausläuft, sterben auf beiden Seiten zwangsläufig einige Akteure. Sonst wäre die Belagerung ja kaum blutig, oder? Ein cleverer Autor lässt Figuren, die für die Handlung unverzichtbar sind, allerdings erst dann sterben, wenn er sie nicht mehr braucht, keine Sekunde früher, damit er ihre Rollen eben nicht erneut ausfüllen muss und nicht jegliche Bindung, die die Leser_innen bis dahin aufgebaut haben, zerstört wird. Irgendjemand sollte das Jonas Herlin wohl mal sagen.
    Dann haben wir da noch das Motiv der entzweiten Brüder. Thorbrand und Olav. Die beiden sind so gegensätzlich, dass sie schon wieder stereotyp sind. Ich weiß eigentlich nicht so recht, was mir Herlin durch ihre Schicksale mitteilen wollte. Vermutlich ging es abermals darum, möglichst viel historisches Wissen in das Buch zu quetschen, da Thorbrand in seiner Verbannung an der Seite eines Mönches durch das Fränkische Reich reist und die zeitgenössische Politik kennenlernt, während Olav als Anführer der Wikinger Einblicke in ihre Kultur gewährt. In der Theorie nett, in der Praxis jedoch unzusammenhängend und zu viel Input. Außerdem empfand ich es als unvorteilhaft, dass ich den beiden dadurch stets ein Stück voraus war. Es kam keine Spannung auf, kein Hoffen und Bangen, ob die Nordmänner es nun nach Hause schaffen oder nicht. Ich wusste einfach zu viel.

    „Krieger des Nordens“ war in jeglicher Hinsicht ein Fehlschlag. Es ist ein quälend fantasieloses Buch, trocken und zermürbend, die längste Geschichtsstunde aller Zeiten. Ich glaube nicht, dass ich Jonas Herlin jemals wieder eine Chance gebe. Dazu war diese Lektüre wirklich zu traumatisierend.
    Meine Experimente mit Wikingerromanen werde ich an dieser Stelle allerdings noch nicht abbrechen. Einmal werde ich es noch wagen, geht dieser Versuch auch wieder schief, orientiere ich mich neu. Ich begebe mich vertrauensvoll in Hände eines echten Nordmannes, der dann hoffentlich weiß, wovon er schreibt und sein Werk nicht als Zwangsgeschichtsunterricht missbraucht: Snorri Kristjansson.

    Vielen Dank an das Bloggerportal von Random House für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars im Austausch für eine ehrliche Rezension!

  7. Cover des Buches Der erste König (ISBN: 9783442488520)
    Sabrina Qunaj

    Der erste König

    (37)
    Aktuelle Rezension von: MarinaH

    Es war nicht mein erster Mittelalterroman von Sabrina Qunaj, leider war es aber der der mich am meisten enttäuscht hat. Ich hatte hohe Erwartungen an diesen Roman, denn die Geraldines-Reihe habe ich verschlungen und jedes Buch hat mich in seinen Bann gezogen. Hier war das leider überhaupt nicht der Fall.
    Ich bin sehr schwer in das Buch reingekommen, dieses Problem tritt bei mir bei Qunaj schon zum zweiten Mal auf. Ich weiß nicht ob es an der Zeit lag, denn eigentlich lese ich keine Bücher die im 8. Jahrhundert spielen. Andererseits könnte der schwere Start auch schlichtweg am Schreibstil liegen.
    Offa als Charakter war mir sympathisch, ich mochte ihn und insbesondere am Anfang war er interessant, ihn als jungen Aldermann kennenzulernen. Leider hat die Autorin Offas Entwicklung meiner Meinung nach weggenommen, indem sie sehr viele Jahre vergehen lassen hat. Man hat seinen Weg vom Krieger zum König also gar nicht nachvollziehen können. Es fehlte mir einfach die Charakterliche Entwicklung.
    Drida war eine Protagonistin mit der ich leider nicht viel anfangen konnte. Sie war in meinen Augen eine typische Mary Sue und ich konnte einfach keine Empathie für sie empfinden, auch wenn ich mich sehr bemüht habe. Der Wolf, den sie immer im Schlepptau hatte hat mich gestört. Ich fand das ziemlich unrealistisch genauso wie Offas und Dridas Liebesgeschichte. Aber ich möchte hier auch nicht zu viel Spoilern.
    Der Schreibstil war mir manchmal viel zu langatmig, die Beschreibungen einfach zu detailliert. Leider spielte Offa für mich in seinem eigenen Roman nur eine Nebenrolle, der Klappentext passt auch nicht so zur Story.
    In die anderen Charaktere konnte ich mich überhaupt nicht reinfühlen, sie waren nur graue Schatten im Hintergrund - dabei blieb es bei den meisten.

    Trotz allem war dieser Roman historisch wieder sehr gut recherchiert und die Plottwists waren überraschend. 

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