Bücher mit dem Tag "französische literatur"

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122 Bücher

  1. Cover des Buches Der Kleine Prinz (ISBN: 015601386X)
    Antoine de Saint-Exupéry

    Der Kleine Prinz

    (8.124)
    Aktuelle Rezension von: Max1919

    Nachdem ich „Vollmondkinder – Eine Erzählung über den Sinn des Lebens“ von Anna Swedenborg gelesen hatte – ein außergewöhnliches Buch voller Wärme, Tiefe und Hoffnung – suchte ich nach einer weiteren Geschichte, die sich auf besondere Weise mit den wichtigen Fragen des Lebens beschäftigt: Was macht uns glücklich, was verbindet Menschen miteinander und was ist wirklich wertvoll?

    „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry ist eine zeitlose Erzählung, die mit wenigen Worten große Wahrheiten über das Leben vermittelt. Hinter der scheinbar einfachen Geschichte verbirgt sich eine tiefgründige Botschaft über Freundschaft, Liebe, Verantwortung und die Bedeutung echter Verbundenheit. Die Reise des kleinen Prinzen durch verschiedene Welten zeigt auf berührende Weise, wie unterschiedlich Menschen die Welt betrachten und wie wichtig es ist, das Herz für das Wesentliche offen zu halten.

    Besonders beeindruckend ist die stille Weisheit dieses Buches. Es erinnert daran, dass die wertvollsten Dinge im Leben nicht materieller Natur sind, sondern in Beziehungen, Vertrauen und liebevollen Begegnungen liegen. Die Geschichte lädt dazu ein, die Welt wieder mit mehr Staunen und Achtsamkeit zu betrachten.

    Dieses Buch hat mich nicht nur emotional berührt, sondern auch zum Nachdenken über den eigenen Lebensweg und die Bedeutung von Nähe und Menschlichkeit angeregt. Für alle, die eine tiefgründige, liebevolle und zeitlose Geschichte über den Sinn des Lebens suchen, ist „Der kleine Prinz“ ein besonderes Buch, das Menschen jeden Alters begleiten kann.

  2. Cover des Buches Die Spiegelreisende 1 − Die Verlobten des Winters (ISBN: 9783458364863)
    Christelle Dabos

    Die Spiegelreisende 1 − Die Verlobten des Winters

    (744)
    Aktuelle Rezension von: Sara1

    Die beschriebene Welt ist ein tollen Konzept. Die Hauptfigur Ophelia lernt man im Laufe des Buches immer besser kennen und auch lieben. Sie wird wie der Leser auch in die neue Welt den Pol  geworfen und muss sich darin zurecht finden. Die Handlung nimmt nach der Hälfte immer mehr Fahrt auf und es kommt zu Wendungen mit welchen man nicht rechnet. Insgesamt ist das Buch toll geschrieben und man kann es nicht weglegen wenn man mit dem lesen begonnen hat. 

  3. Cover des Buches Dumas - Der Graf von Monte Christo. Schmuckausgabe mit Kupferprägung (ISBN: 9783730615171)
    Alexandre Dumas

    Dumas - Der Graf von Monte Christo. Schmuckausgabe mit Kupferprägung

    (420)
    Aktuelle Rezension von: fm_winkel

    Den Roman wollte ich schon seit Jahren lesen - einfach, um ihn mal gelesen zu haben. Die großartige Serie auf Disney hat mich letztlich nochmal dazu angestachelt. 


    Das fast 1000seitige Buch wurde ca 1844-46 verfasst, entsprechend "altmodisch" liest es sich natürlich, das ist klar. Trotzdem konnte ich sehr gut folgen, es war verständlich und stilistisch sehr gut gemacht. Bei dem Schreibstil hat mich besonders der sehr emotionale Aspekt überrascht, wenn es um Romance Szenen mit Mercedes ging, das hat mich richtig berührt. 


    Der Roman handelt zu 90 % von Rache. Beinahe-Kapitän Edmond Dantès wird an seinem Hochzeitstage aufgrund einer aus Neid und Eifersucht resultierenden Intrige dreier Männer vehaftet. Ganze 14 Jahre verbringt er auf einer abgelegenen Gefängnisinsel. Erst nach ca 7 Jahren beginnt er, einen Tunnel zu graben, weil ein anderer ihn auf die Idee brachte - ich hatte dieses augenrollende Gefühl, eine Frau hätte direkt begonnen und wäre nach der Hälfte der Haftzeit draußen 🤣 

    Die Zeit mit Abbé hat ihn und mich als Leserin geprägt, sein Ende hat mir das Herz gebrochen. Diese Kapitel waren hart, authentisch, emotional und auf Edmonds Innenleben ausgelegt. 


    Erst nach seiner Flucht und dem Fund des Schatzes geht es richtig zur Sache. Als reicher Grad kehrt er unter falschem Namen zurück nach Marseille und legt sein Leben auf Rache aus, wobei er die 3 Männer komplett zerstören will. Beeindruckend und erschütternd, wie er dies bis ins kleinste Detail plant und über die Jahre so akribisch durchzieht, die Twists waren enorm, das sich Verstricken immer heftiger. Dass er dabei einen Teil seiner Menschlichkeit verliert, ist ihm einerlei. Seine Entwicklung ist erschreckend, aber in gewisser Weise nachvollziehbar. 


    Bei Mercedes bin ich hin- und hergerissen. Klar ist er wütend, dass sie seinen Rivalen geheiratet hat, aber sie dachte ja, er sei tot, und was soll eine mittellose Waise zu der Zeit sonst machen? Hier hätte ich mir ein Happy End gewünscht, aber wir sind einfach sooo viele Schattierungen hinter morally grey, dass überhaupt nichts mehr gut werden kann. 


    Für mich ist der Roman ein Meisterwerk der Literatur. Wahnsinn gut durchdacht, bis ins kleinste Detail. Die menschlichen Facetten, ihre Schattenseiten, moralische Dilemma und die Frage, wie weit ein Mensch bereit ist, für Vergeltung zu gehen. 

    Obwohl es durch Komplexität und Stil sicher nicht ganz leicht zu lesen ist, kann ich es sehr empfehlen und bin stark beeindruckt ♡ Es ist einfacher, wenn man zB vorher die Serie schaut ;)


  4. Cover des Buches Die Pest (ISBN: 9783499006166)
    Albert Camus

    Die Pest

    (536)
    Aktuelle Rezension von: Marcello

    Die Pest von Albert Camus habe ich mit 4 Sternen bewertet – mehr aus inhaltlicher Achtung als aus reiner Lesefreude.

    Der Roman spielt in der algerischen Stadt Oran, die von einer Pestepidemie heimgesucht wird. Im Zentrum steht Dr. Rieux mit einer kleinen Gruppe von Leuten, die unterschiedlich auf die Katastrophe reagieren. Camus zeigt, wie Menschen mit sinnlosem Leid umgehen, wie sich Solidarität und Egoismus mischen und was es heißt, "anständig" zu handeln, obwohl die Welt keinen erkennbaren Sinn bietet.

    Besonders interessant ist die metaphorische Ebene: Die Pest ist bewusst mehr als nur eine Krankheit. Sie kann als Sinnbild für den Kampf der Résistance gegen den Nationalsozialismus gelesen werden, generell aber auch für jede Form von Tyrannei und politischem Übel, das Institutionen, Sprache und Moral angreift. Gleichzeitig steht sie existenziell für das allgegenwärtige Übel im menschlichen Leben – Krankheit, Tod, Zufall, Grausamkeit –, das sich nie endgültig besiegen lässt. Der Roman legt nahe, dass der Ausweg eher in Haltung und Solidarität liegt als in einer großen Lösung.

    Aktuell wirkt das Buch dort, wo Camus betont, dass der Pestbazillus nie ganz verschwindet, sondern im Verborgenen weiterbesteht und jederzeit zurückkehren kann. Eine ziemlich klare Parallele zu faschistischen und anderen destruktiven Ideologien, die immer wieder auftauchen – wie auch in der heutigen politischen Diskussion.

    Wer einen spannenden Pageturner erwartet, wird hier eher enttäuscht. Die Pest liest sich für mich eher wie ein nüchterner, philosophisch unterlegter Bericht über eine Krise. Der Stil ist bewusst zurückhaltend und stellenweise langatmig. Wenn man sich darauf einstellt und eher an Idee und Atmosphäre als an Spannung interessiert ist, ist das Buch allerdings sehr lohnend.

  5. Cover des Buches Der Glöckner von Notre-Dame (ISBN: 9783458646648)
    Victor Hugo

    Der Glöckner von Notre-Dame

    (324)
    Aktuelle Rezension von: H-Lsh

    Es ist schon einige Jahre her, dass ich dieses Buch, , gelesen habe. Da es mir kürzlich wieder in die Hände fiel, dachte ich, ich teile meine Gedanken dazu. Wenn ich mich richtig erinnere, war es damals eine anspruchsvolle Lektüre. Es eignet sich nicht unbedingt für entspannte Strandlektüre oder ähnliches. Dennoch hat mich die Geschichte tief beeindruckt. Vielleicht finde ich ja die Zeit, es noch einmal zu lesen. Aus der Erinnerung heraus kann ich es nur wärmstens empfehlen. 

  6. Cover des Buches Gustave Flaubert, Madame Bovary (ISBN: 9783730612842)
    Gustave Flaubert

    Gustave Flaubert, Madame Bovary

    (634)
    Aktuelle Rezension von: JohnSmith

    Es gibt zu diesem Buch bereits unzählige Rezensionen, bei denen Emma Bovary sämtlichst nicht gut wegkommt, sogar eine Verhaltensstörung ist nach ihr benannt. Derart voreingestellt habe ich mich auf den Roman eingelassen, doch ich wurde überrascht, denn: ich mochte Emma sehr!

    Doch im Einzelnen: dank der vielberühmten Sprache Flauberts ist es leicht, in die Geschichte einzutauchen. Man sieht die Landschaften, man erlebt die gesellschaftlichen Zwänge, und dies durch die Augen der jeweiligen Protagonisten. Besonders diese Perspektivwechsel, die ich beim Lesen kaum bemerkt habe, finde ich beeindruckend! 

    In drei Abschnitte unterteilt, die sich an dem Leben von Charles, dem Ehemann orientieren, wird die Geschichte von Emma Bovary erzählt, eine Figur, mit der Flaubert das Leben und Sterben einer realen Frau nacherzählt- "True-Crime" sozusagen. 

    Diese Geschichte (für genaue Inhaltsangaben bitte in andere Rezensionen schauen ;) ) lässt sich problemlos in die heutige Zeit übertragen: Emma wächst behütet auf und heiratet, voll romantischer Träumereien, besagten Charles, der Emma, oder besser gesagt, das Leben mit Emma, wirklich liebt - allerdings sind seine Ansprüche auch nicht sonderlich hoch, er ist glücklich, wenn seine hübsche Frau ruhig neben ihm sitzt, während er gemütlich vor dem Kamin wegschlummert. Besagte hübsche Frau gibt sich auch wirklich Mühe, glücklich zu sein und den gesellschaftlichen Konventionen zu entsprechen und gibt sich mit harmlosen Flirts und Träumereien zufrieden. 

    Naja, zumindest bis Leon, das Ziel der Schwärmerei - bevor etwas nennenswertes passiert - wegzieht. 

    Denn kaum hat Emma sich von ihrem Liebeskummer etwas erholt, wird sie selbst zum Objekt der Begierde, und der professionelle Schürzenjäger Rodolpho beginnt mit der Jagd auf sie. Und der Mann konnte jagen, mannomann.... Schnell begann also eine Liebesbeziehung, er gaukelt ihr vor, mit ihr abzuhauen, kneift aber und trennt sich im letzten Moment von ihr - durch ein weinendes Smiley! (frei in die heutige Zeit übersetzt...) Emma verkraftet das kaum.

    Und wieder - kaum hat sich Emma erholt, trifft sie Leon wieder, der mittlerweile auch so seine Erfahrungen gemacht und daher weniger Hemmungen hat, die Ebene der Träumereinen in Richtung Fleischeslust zu verlassen - direkt in einer durch die Stadt rasenden Kutsche! 

    Da Emma parallel zu diesen (sehr eindrücklich geschilderten) Affären auch noch etwas zuviel Gefallen an "schönen Dingen" findet, fällt sie auf die Betrügereien ihres Nachbarn herein, bis die Schulden sie erdrücken und sie nur einen Ausweg sieht- Suizid durch Selbstvergiftung.

    Als bekennende "Krimi-Mimi" sage ich: selten so eine gruselige Sterbeszene gelesen!

    Und damit noch nicht genug, die Geschichte geht weiter, bis Charles, der mittlerweile von Allem erfahren hat, kurz darauf als runinierter und gebrochener Mann stirbt. Dadurch wird das gesamte Lieben und Leiden von Emma auf eine reine Episode in Charles´ Leben reduziert. Wer also ein Happy End oder ein Mutmach-Buch zur Erbauung sucht - der ist hier falsch.

    In der Gesamtbetrachtung erscheint mir das gesamte Buch wie eine einzige Warnung, aber gleichzeitig eine Aufforderung an alle Frauen: 

    lasst Euch nicht einlullen durch schöne Worte, sondern fangt an zu denken!

  7. Cover des Buches Die drei Musketiere (ISBN: 9783458684626)
    Alexandre Dumas, der Ältere

    Die drei Musketiere

    (385)
    Aktuelle Rezension von: Itsnotabout_Happyendings

    Handlung und Struktur Die Geschichte folgt dem jungen d'Artagnan, der nach Paris kommt, um Musketier zu werden. Durch eine Verkettung von Umständen freundet er sich mit den drei Musketieren Athos, Porthos und Aramis an. Was als persönliche Geschichte beginnt, entwickelt sich zu einer epischen Erzählung von politischen Intrigen, gefährlichen Missionen und schicksalhaften Begegnungen.

    Dumas gelingt es meisterhaft, verschiedene Handlungsstränge zu verweben. Die Haupthandlung um die Diamantspangen der Königin wird durch zahlreiche Nebenhandlungen ergänzt, die alle kunstvoll miteinander verknüpft sind. Die Spannungsbögen sind perfekt getaktet - kaum ist ein Abenteuer überstanden, wartet schon das nächste.

    Charakterzeichnung Die Charakterisierung der Hauptfiguren ist außergewöhnlich differenziert. Jeder der vier Protagonisten hat eine eigene, unverwechselbare Persönlichkeit:

    • D'Artagnan: Jung, ungestüm, aber clever und lernfähig
    • Athos: Geheimnisvoll, aristokratisch, von dunkler Vergangenheit geprägt
    • Porthos: Kraftvoll, prahlerisch, aber von großer Loyalität
    • Aramis: Elegant, intellektuell, zwischen weltlichen und geistlichen Ambitionen schwankend

    Besonders bemerkenswert ist die Figur der Milady de Winter - eine der faszinierendsten Schurkinnen der Literaturgeschichte, deren Komplexität bis heute beeindruckt.

    Historischer Kontext Dumas bettet seine fiktive Geschichte geschickt in den historischen Kontext des Frankreichs unter Ludwig XIII. ein. Die politischen Intrigen zwischen Kardinal Richelieu und Königin Anna von Österreich, die Spannungen mit England und die Belagerung von La Rochelle bilden einen fesselnden historischen Hintergrund.

    Sprache und Stil Der Autor beherrscht die Kunst, packend zu erzählen. Seine Dialoge sind witzig und schlagfertig, die Beschreibungen lebhaft und atmosphärisch. Die Duelle werden mit einer Dynamik geschildert, die den Leser mitten ins Geschehen versetzt. Dumas' Sprache ist dabei zugänglich und direkt, ohne an literarischer Qualität einzubüßen.

    Thematische Tiefe Unter der spannenden Oberfläche behandelt der Roman zeitlose Themen:

    • Die Bedeutung von Freundschaft und Loyalität
    • Der Konflikt zwischen persönlicher Ehre und Staatsräson
    • Die Komplexität menschlicher Beziehungen
    • Die Frage nach Gerechtigkeit und Vergeltung

    Kulturelle Wirkung Der Einfluss des Romans auf die Populärkultur ist kaum zu überschätzen. Der Wahlspruch "Einer für alle, alle für einen" ist zum geflügelten Wort geworden. Die zahlreichen Adaptionen für Film, Fernsehen und Theater zeugen von der ungebrochenen Faszination der Geschichte.

    Kritische Würdigung Natürlich lässt sich aus heutiger Sicht einiges kritisch sehen:

    • Die Darstellung der Geschlechterrollen ist zeitbedingt
    • Manche Handlungsstränge verlieren sich in Nebensächlichkeiten
    • Einige historische Ungenauigkeiten sind vorhanden

    Diese Aspekte schmälern jedoch nicht die literarische Leistung und die packende Erzählkunst des Autors.

    Fazit "Die drei Musketiere" ist ein zeitloser Klassiker, der auch heute noch zu fesseln vermag. Die Kombination aus spannender Handlung, komplexen Charakteren und historischem Panorama macht den Roman zu einem außergewöhnlichen Leseerlebnis. Dumas gelingt der seltene Spagat zwischen anspruchsvoller Literatur und mitreißender Unterhaltung. Ein Meisterwerk, das zu Recht seinen Platz im Kanon der Weltliteratur gefunden hat.

  8. Cover des Buches Der Zopf (ISBN: 9783103973518)
    Laetitia Colombani

    Der Zopf

    (903)
    Aktuelle Rezension von: Avenza

    Ein wunderschönes und außergewöhnliches Buch, das mich von der ersten Seite an gefesselt hat. Laetitia Colombani verbindet drei unterschiedliche Lebensgeschichten auf eine unglaublich berührende Art und zeigt dabei, wie stark Frauen sein können und wie Schicksale miteinander verbunden sind. Jede einzelne Geschichte hat mich auf ihre eigene Weise bewegt. Dieses Buch erzählt nicht nur eine Geschihte, sondern vermittelt auch wichtige Gedanken über Mut, Hoffnung, Freiheit und den eigenen Weg im Leben. Es regt zum Nachdenken an und bleibt auch nach dem Lesen im Kopf und im Herzen. Der Schreibstil der Autorin ist wunderschön - emotional, klar und voller Gefühle. Ich kann dieses Buch wirklich jedem empfehlen. der tiefgründige Geschichten liebt. Laetitia Colombani gehört für mich zu meinen Lieblingsautorinnen und ich freue mich auf jedes weitere Buch von ihr.

  9. Cover des Buches Les Misérables - Die Elenden (ISBN: 9783730600429)
    Victor Hugo

    Les Misérables - Die Elenden

    (55)
    Aktuelle Rezension von: fm_winkel

    1344 Seiten in 5 Teilen machen es gar nicht so einfach, den Inhalt aussagekräftig zusammenzufassen. Der Fokus liegt auf Jean Valjean, der nach 19 Jahren Haft nach Frankreich zurückkehrt, um unter einer neuen Identität sein Unrecht wieder gut zu machen. Besonders die kranke Fantine und deren kleine Tochter Cosette liegen ihm am Herzen, sodass er alles daran setzt, deren Leben zu retten. Die Kapitel um Fantine haben mich besonders getroffen. Um Geld zu verdienen, gibt sie ihr Kind in die Obhut von Menschen, die die monatlichen Zahlungen selbst verprassen, das Kind m1sshandeln und Fantine in den Ruin treiben, immer mehr verlangen, bis sie ihre Haare verkauft, als Pr0stituierte auf der Straße landet, jede Münze für ihre geliebte Tochter zweimal umdreht und letztlich daran zugrunde geht.

    Wie Jean dann nach dem Mädchen sucht, es befreit und alles für ihre Zukunft gibt, zwar sie retten kann, aber nicht sich selbst, ist unfassbar tragisch.

    Die Verfilmungen sind hierbei mMn auch wahnsinnig gut gelungen, auch die neuste mit Anne Hathaway. Man verdrückt so viele Tränen um die drei.

    Das Original stammt von 1862 und entsprechend anspruchsvoll liest es sich auch. Der Stil ist stellenweise schon schwieriger, d.h. man muss konzentriert lesen und der Text lädt ein, über die einzelnen Abschnitte nachzudenken. 

    Auf der anderen Seite gibt es recht viele gedankliche Ausschweifungen, wodurch ich immer mal wieder den roten Faden verloren habe.

    Politisch-historisch spannend fand ich die Themen rund um Napoleon, den Rückblick zu 1815 zur Schlacht bei Waterloo, und dann 1832 den Pariser Juniaufstand, wo Arbeitende und Studierende um ihre Rechte kämpfen, Barrikaden bauten, aber vom restlichen Volk nicht unterstützt wurden, sodass es nach nur einem Tag 800 T0te gab. Sprich, der Roman endet mit dem Erhalt der sozialen Ungerechtigkeiten, was jede einzelne der Figuren wahnsinnig gut ausgearbeitet widerspiegelt.

    Es ist ein historischer Roman, in dem man wirklich etwas lernen kann, gebettet in ein Drama, das mir wieder und wieder das Herz gebrochen hat. Es ist auf jeden Fall ein anspruchsvoller Klassiker, aber ich finde es einfach so beeindruckend, im 19. Jhdt einen derart detaillierten, authentischen Roman von weit über 1000 Seiten zu verfassen.


  10. Cover des Buches Das Mädchen, das in der Metro las (ISBN: 9783832165000)
    Christine Féret-Fleury

    Das Mädchen, das in der Metro las

    (273)
    Aktuelle Rezension von: herr_hygge

    Sobald Juliette auf dem Weg zu ihrem langweiligen Makler-Job in die Metro steigt flüchtet sie sich in die bunte Welt der Bücher, oder beobachtet die Menschen um Sie herum. Da ist die Dame mit dem Kochbuch oder der Mann mit dem grünen Hut, der immer in eine Insektenfibel vertieft ist.
    Eines Tages, als sie beschließt zwei Stationen vor ihrem eigentlichen Ziel auszusteigen, begegnet Sie Soliman und seiner Tochter Zaïde, die zwischen unzähligen Bücherstapeln in einem Lagerhaus wohnen. Soliman ist fest davon überzeugt, dass jedes Buch die Kraft hat ein Leben für immer zu verändern, wenn es nur an die richtige Person vermittelt wird. Dafür beauftrag er spezielle Kuriere, welche die kostbaren Güter unter die Leute bringen, die es tätig haben. Juliette wird zu einer solchen Botin und erlebt am eigenen Leib wie Bücher ein Leben verändern können.

    Eine nette kleine Geschichte die Christine Furet-Fleury in ihrem Roman „Das Mädchen, das in der Metro las“ niedergeschrieben hat. Allerdings wird dieses Buch mein Leben nicht verändern, denn mehr als die Eigenschaft „nett“ kann ich der Handlung nicht zugestehen.
    Eigentlich mag ich Geschichten, die leise vor sich hin plätschern sehr gerne, aber diese war mir dann doch etwas zu leisen. Ich kam nicht richtig rein und es fiel mir schwer zu verstehen was die Figuren in ihrem Handeln antreibt. Alles wirkte etwas farblos und wie eine ausführliche Lektüren-Liste um die eine Geschichte gewoben wurde. Es gab wirklich gut geschriebene Szenen, allerdings befürchte ich, dass diese nicht ausreichen werden, damit mir dieses Buch in Erinnerung bleibt.

  11. Cover des Buches Das Leben des Vernon Subutex 1 (ISBN: 9783462005981)
    Virginie Despentes

    Das Leben des Vernon Subutex 1

    (111)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76

    ‚Im Angesicht der Katastrophe hält sich Vernon an einen Grundsatz: so tun, als ob nichts wäre.‘ (Seite 7)

    Vernon Subutex ist Ende 40 und hat 25 Jahre lang als Plattenverkäufer im ‚Revolver‘ in Paris gearbeitet. 2006 musste er seinen Plattenladen schließen, und nun ist ihm das Geld ausgegangen. Er hat keinen Kaffee mehr im Haus, kaum Tabak, kein Essen, und das Wohngeld kommt schon seit Monaten nicht mehr.

    In seinem Umfeld sind zudem viele Leute gestorben, und nun muss er auch noch seine Wohnung räumen.

    Als er die Wohnung verlässt, nimmt er drei Tapes mit, die Aufnahmen des verstorbenen Alexandre Bleach enthalten. Und er überlegt, bei wem er sich nun einquartieren kann. Zuerst kommt er bei Emilie unter, die darüber alles andere als begeistert ist, und zieht dann von einem (früheren) Freund zum nächsten.

    Ich bin schon seit vielen Jahren um ‚Das Leben von Vernon Subutex‘ geschlichen, aber irgendwie hat es sich nie stimmig angefühlt, das Buch zu lesen oder das Hörbuch zu hören. Nach meiner Approbationsprüfung habe ich mich nun endlich dazu entschlossen, die Roman-Trilogie von Virginie Despentes zu lesen.

    Bei der Lektüre kommt von Anfang an eine richtige Paris-Stimmung auf. Paris ist bei Despentes etwas schmuddelig und heruntergerockt, aber ganz unverwechselbar Paris - ein Paris jenseits der Touristenpfade.

    Nach einem starken Anfang flachte die Handlung meiner Meinung nach im Verlauf eher ab und hat mich stellenweise nicht mehr richtig fesseln können. Zum Glück bin ich aber bei der Stange geblieben, denn dieser Roman, der sich um Sex, Gewalt, Drogen, Armut, Rassismus, Politik etc. dreht, hat dann wieder ordentlich Fahrt aufgenommen, hat mich begeistert, fasziniert, bewegt, schockiert.

    Und am Ende habe ich richtige Lust, auch den zweiten und dritten Band zu lesen.

  12. Cover des Buches In Swanns Welt (ISBN: 9783518391716)
    Marcel Proust

    In Swanns Welt

    (30)
    Aktuelle Rezension von: tara_tonks
    In diesem Band sind die ersten beiden Bücher von Proust's Werk: "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit". Der Schreibstil Prousts ist unglaublich schön. Man kann sich leicht in seine Welt hinein träumen. Jedoch sind dieser endlosen Schachtelsätze manchmal sehr schwer zu folgen. Doch wenn man sich Zeit nimmt, und einmal in eine andere Welt, eine Welt der vergangenen Zeit, kennen lernen möchte, dann ist man bei Proust ehr richtig. Vor allem wird die Liebe thematisiert. Die Liebe in allen Variationen.
  13. Cover des Buches Gefährliche Liebschaften (ISBN: 9783423144957)
    Pierre Ambroise François Choderlos de Laclos

    Gefährliche Liebschaften

    (122)
    Aktuelle Rezension von: Tilman_Schneider

    Sie schreiben sich Briefe und es geht um Liebe, Verrat und Hintergehen. Man gibts ich Aufgaben und möchte den Anderen damit ins Bett bekommen und man benutz unschuldige junge Frauen und Männer, um deren Verlangen zu schüren. Skandalös damals und wirkt immer noch und ist so vielschichtig und auch spannend. Dabei, auf der anderen Seite, aber auch so richtig bitter Böse. Gebrochene herzen und Sehnsucht nach dem Tod sind Ergebnisse ihres Tuns.

  14. Cover des Buches Salz auf unserer Haut (ISBN: 9783426654347)
    Benoîte Groult

    Salz auf unserer Haut

    (351)
    Aktuelle Rezension von: Elkes_Literaturwolke

    Inhaltsangabe:

    George aus Paris verbrachte mit ihrer Familie immer die Ferien in der Bretagne. Daher kannte sie Gauvain schon früh. Es waren unbeschwerte Sommer einer glücklichen und privilegierten Kindheit.

    An der Schwelle des Erwachsenwerdens entdecken sie ihre unwiderstehliche körperliche Anziehungskraft. Während Gauvains Lebens als Fischer vorgezeichnet war, hatte George hochtrabende Pläne. Als Gauvain seine Gefühle für sie erkannte, wollte er Konsequenzen ziehen, doch sie lehnte es ab.

    Ihrer beider Leben waren so grundverschieden, dass es kaum einen Kompromiss für ein gemeinsames Leben gab. Und so blieb ihnen immer wieder nur gestohlene Zeit, ein paar Tage auf den Seychellen oder in Florida. Immer wieder durchliebte Nächte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich ansonsten wenig zu sagen hatten oder grundsätzlich unterschiedliche Lebensauffassungen hatten.

    Und doch können sie über die Jahre hinweg nicht voneinander lassen…

    Mein Fazit:

    Ich habe vor Jahren den Film zu dieser Geschichte gesehen und habe ihn durchaus positiv im Sinn, auch wenn es jetzt keine besonderen Merkmale gibt. Die Darsteller Greta Scacchi und Vincent D’Onofrio haben -im Nachhinein betrachtet- die Figuren im Roman jedoch gut verkörpert.

    Die Autorin Benoîte Groult hat den Roman 1988 veröffentlicht und es gab da wohl ziemliche Kontroversen. Sie hat da nicht sehr viel Scham gezeigt, sondern ziemlich deutlich die körperlichen Vorgänge zwischen Gauvain und George beschrieben. Es ist Ansichtssache, ob das so jetzt sein musste, wie die Autorin es gemacht hat. Ich hätte mir etwas weniger Details gewünscht, schließlich sind mir die Vorgänge ja durchaus bekannt. Sie hat da also nichts Neues beschrieben und der Rest hätte die Fantasie erledigt!

    Die charakterlichen Unterschiede zwischen den zwei Hauptfiguren waren da schon deutlich interessanter, das zwischenmenschliche Geplänkel. Er ein einfacher Fischer, der harte Arbeit gewohnt ist und kaum Zeit und Lust für andere Dinge hat. Und sie, die in gehobenen Kreisen verkehrt, als Professorin arbeitet und einen interessanten Freundeskreis hat. Sie kann ihr Kind großziehen, während er sporadisch und selten seine drei Kinder sieht! Und je älter sie werden, desto größer werden die Unterschiede – wohl aufgrund ihrer Lebenserfahrung.

    Die Sprache ist von der damaligen Zeit, etwas abgehoben und gelegentlich auch gestochen. Oder es lag an der Übersetzung. Es ist eindeutig ein älteres Buch und man muss sich an die Ausdrucksweise gewöhnen. Die Geschichte beginnt immerhin am Ende des zweiten Weltkriegs und da wurde noch eine andere Ausdrucksweise angewandt.

    Insgesamt gesehen wurde ich gut unterhalten und ich vergebe vier Sterne.

  15. Cover des Buches Von der Erde zum Mond (ISBN: 9783846099841)
    Jules Verne

    Von der Erde zum Mond

    (81)
    Aktuelle Rezension von: Aischa

    Vielen gilt Jules Verne als einer der Wegbereiter der Science-Fiction-Literatur; ich sehe ihn eher als sehr technikgläubigen Visionär mit großem erzählerischen Talent. 1828 geboren erlebte Verne eine Zeit, in der die Natur- und Ingenieurwissenschaften in rascher Folge bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen machten, die zu tiefgehenden gesellschaftlichen Veränderungen führten. So verwundert es nicht wirklich, dass Verne eine große Technikbegeisterung entwickelte und neueste Erfindungen in vielen seiner Romanen eine zentrale Rolle spielen. Aber wie detailverliebt der studierte Jurist Maschinen, chemische und physikalische Vorgänge schildert, fasziniert mich immer wieder aufs Neue.

    So auch im vorliegenden Roman, wenn er für eine erste bemannte Raumfahrt gleich drei Menschen zum Mond fliegen lässt. Zwar nicht in einer Rakete, sondern in einem riesigen Hohlprojektil, abgefeuert von einer riesigen Kanone, doch wirkt alles sehr glaubhaft. Die Geschichte ist als satirische Kritik am damaligen Militarismus zu lesen und als solche sehr gelungen, etwa, wenn mit beißendem Spott ausgerechnet wird, dass die kriegsbegeisterten Mitglieder des "Gun-Clubs" nur noch einen Arm pro vier Personen, dafür umso mehr Prothesen und Krücken aufweisen können.

    Einzig Vernes Hang zu schier endlosen Aufzählungen strapaziert meine Geduld als Leserin auch in diesem Roman ab und an. Und man sollte  - abgesehen vom rasanten Ende - nicht allzu viel Action erwarten. Doch vermag Verne auch ohne diese reichlich Spannung zu erzeugen.

    Fazit: Nicht unbedingt das beste unter Vernes zahlreichen Büchern, aber doch ein lesenswertes!

  16. Cover des Buches Der Fall (ISBN: 9783644485211)
    Albert Camus

    Der Fall

    (139)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    15 Jahre liegen zwischen “Der Fremde” und “Der Fall”. Camus ist währenddessen lakonischer geworden  (und verbitterter?) – und unerbittlicher.

    Als ich “Der Fall” zum ersten Mal las, war es wie ein Schock und eine Offenbarung. Der 120 Seiten lange Monolog griff tief in mich hinein und ließ dort für immer ein neues Gefühl zurück. Und das nicht unbedingt wegen seiner vielschichtigen Gesamtaussage, die (für mich) sehr schwierig im Ganzen zu begreifen ist, sondern wegen der Wahrheiten die auf dem Weg liegen, wie nebenbei verschüttet, die zu einer starken Selbstreflexion zwingen oder einladen (je nach dem) und sich u.a. in wunderbar lakonischen Ereignissen ausdrücken, die Camus in stilitisch-knapper Manier beschreibt.

    Inhalt:

    Johannes Clamans ist “Bußrichter” in einer kleinen Amsterdamer Kneipe. Was ein Bußrichter ist und die Lebensgeschichte des intelligenten und witzigunruhigsubtilen Anwalts erfahren wir von ihm selbst, als er sich mit einem Gast der Kneipe zu unterhalten beginnt – die raren Antworten des Gegenübers erahnen wir nur aus der Weiterführung Clamans, da sie nicht mit abgedruckt werden.

    Wer oder was Clamans ist und was er darstellen soll… – darüber gehen die Meinungen wohl auseinander. Man entwickelt unweigerlich eine Sympathie für die Charme und die (scheinbare) Ehrlichkeit des eloquenten Mannes, doch wer hinter die Fassade des ununterbrochenen Redens sieht, sieht pausenlose Rechtfertigung und (vielleicht) auch Heuchelei.

    Ganz gleich ob Camus die Unmöglichkeit des vollkommenen Gutseins darstellt oder ob er mit diesem Buch gegen die Heuchelei und scheinbare Sauberkeit der (nur denkenden, argumentierenden, nicht handelnden) frz. Intellektuellen seiner Zeit wettert – da das Buch keine genaue Auskunft, sondern hauptsächlich sehr viele Betrachtungen, Gedanken und Denkastöße anhand eines “Fall-beispiels” erläutert, gibt es nur eine Möglichkeit, für sich zu dem Ende dieser Beschreibung und zum Ende des Buches zu kommen: Es zu lesen! Es ist eine ungeheuere Selbsterfahrung, die jeder einmal gemacht haben sollte, kryptisch, unwillkürlich und wunderbar eindrücklich in jedem Satz, jeder Szene.

  17. Cover des Buches Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (ISBN: 9783518468302)
    Marcel Proust

    Auf der Suche nach der verlorenen Zeit

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Klugscheisser

    "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust

    Als ich nach den schwersten Büchern googelte, denn mit einem derartigen, sollte der Bösewicht in meiner Kurzgeschichte erschlagen werden, da zeigte mir die Suchmaschine nicht die schwersten Bücher an, sondern diejenigen, die am schwersten zu lesen sind, also die schwierigsten, da Google, um möglichst viele Menschen zu erreichen, von einer fehlerhaften Sprachbeherrschung der User auszugehen scheint.

    Unter den Top Ten der schwierigsten Bücher zog mich ein Titel  an: „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Marcel Proust. Das klingt magisch und spannend, dachte ich mir und sofort tauchten Bücher von Jules Verne auf, Bücher wie Momo, Die vergessene Welt oder eine Welt wie in Avatar. Nur noch viel, viel schöner und phantasievoller, malte ich mir aus, denn schließlich hat der Roman von Marcel Proust über 4000 Seiten und in dieser Welt scheint ja die Zeit verloren gegangen und somit auch alles möglich zu sein !

    Ein wenig Ernüchterung trat ein, als ich erfuhr, dass es keineswegs um phantastische Welten geht, sondern lediglich um die Vergangenheit des Protagonisten Marcel. Um dessen Erinnerung an sein Leben, die er verloren glaubt und auffrischen möchte. Doch, da es sich bei Marcel um einen adeligen Müßiggänger handelt, der seine Zeit und sein Talent untätig hauptsächlich in den Pariser Salons des ausgehenden 19. Jahrhunderts herumsitzend verschwendet hat, scheint der Roman zu weiten Teilen aus für uns völlig uninteressantem Klatsch einer gelangweilten Oberschicht zu bestehen.

    Gleichzeitig wird dieses Mammutwerk aber in den höchsten Tönen gelobt und jemand schrieb sogar, dass Proust das Gebirge sei  und alle anderen Schriftsteller nur kleine Vögelchen, die sich vergeblich mühten, darüber zu fliegen.

    Nun war sowohl mein Interesse geweckt, als auch mein Ehrgeiz angestachelt, denn man wird genauso Schwierigkeiten haben, jemanden zu finden, der noch nicht von diesem Werk gehört hat, wie jemanden, der es tatsächlich gelesen hat.

    Es gibt Menschen, die würden sich nie ein gebrauchtes Buch kaufen, da sie beim Lesen ständig daran denken würden, wo die Finger des Vorbesitzers überall waren, bevor er die eben gelesene Seite umblätterte. Nicht alle Menschen sind, wie ich, davon überzeugt, dass ein Buch, in dem Augenblick, wo es die Türe eines Antiquariates passiert, in genau jener Sekunde, wieder jungfräulich rein wird, auch wenn es beim Vorbesitzer zwanzig Jahre lang auf dem Gästeklo lag.

    Doch Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ können alle Menschen bedenkenlos auch gebraucht kaufen, denn die Chance, dass der Vorbesitzer mehr als ein paar Dutzend Seiten dieses  Werkes gelesen hat, tendiert gegen Null. Die meisten werden es vielleicht bis zu den berühmten „Madeleines“ geschafft, aber dann ziemlich bald aufgegeben haben.

    Die Szene, in welcher der Autor beschreibt, wie Marcel von seiner Mutter eine Tasse Tee bekommt und darein das Gebäckstück mit dem Namen Madeleine taucht und wie dieser Genuss sein Bewusstsein verändert, ist weltberühmt und zeigt, worin Prousts Meisterschaft besteht, nämlich im Beschreiben von Empfindungen und Situationen, also dem, worin unser Leben und Sein letztendlich besteht.

    Dieses Werk ist für mich in zweierlei Hinsicht eine Offenbarung. Einmal, weil ich endlich einen Autor gefunden habe, dessen Vorliebe für sich über ganze Seiten erstreckende Schachtelsätze der meinen entspricht. Und zum zweiten, da ich in ihm einen Bruder im Geiste gefunden habe, denn endlich weiß ich, dass die übersteigerten Empfindungen, die ich immer hatte und habe, in Ordnung waren und sind und dass nicht ich der Spinner war und bin, sondern die meisten Menschen dieser Welt in ihrer Abgestumpftheit, in ihrer Rohheit und Dummheit, in ihrer Langweiligkeit und materialistischen Uninspiriertheit die Verrückten waren und sind.

    Wenn Thomas Mann in seinen Büchern die Menschen und das Leben mit der Lupe betrachtet, so legt Proust diese unter das Elektronenrastermikroskop.

    Es gibt kaum einen Bereich des menschlichen Daseins den Proust nicht seinen Betrachtungen und Überlegungen unterzieht und so werden die Themen Liebe, Leidenschaft und Eifersucht, Sexualität und Homosexualität, Schlafen, Träumen, Erwachen, Literatur und Schreiben, Musik, Theater, Oper und bildende Kunst, Politik und Zeitgeschehen, Technischer Fortschritt, die Zeit in all ihren Erscheinungsformen, Kulturgeschichte, Architektur und Baukunst, Medizin und Gesundheit, Altwerden, Sterben und Tod, Natur, Landschaft und Botanik sowie alle Gefühlsregungen und gesellschaftlichen und Bedingtheiten des Menschen in teils atemberaubender poetischer Sprache beschrieben und erfasst, wobei er es kaum unterläßt Vergleiche und Metaphern voller Geist und Esprit aufblühen zu lassen und auch nicht mit Witz und Ironie spart, wo immer es angebracht ist.

    Den Lesenden wird schnell aufgehen, daß dies ein autobiographischer Roman ist und, daß es sich beim Ich-Erzähler Marcel um niemand anderen, als Marcel Proust selbst handelt, der über diese außerordentliche Empfindsamkeit und dieses übersteigerte Einfühlungsvermögen verfügt.

    Absolut geflasht war ich, als ich entdeckte, dass es das Gesamtwerk auch als Hörbuch gibt, wortgetreu meisterhaft gelesen von meiner Lieblings-Synchronstimme, der von Peter Matić, dem österreichischen Schauspieler, der Ben Kingsley in Filmen wie Gandhi und Sneakers, die Lautlosen synchronisierte.

    Obwohl ich es schon einige Male mit Hörbüchern versucht habe, aber es nur wenige Minuten aushielt, so war ich bei diesem hier nach wenigen Minuten süchtig.

    Ein besonderer und intensiver Genuss ist es auch, beim Anhören des Hörbuches gleichzeitig den Text im Buch zu lesen. (Das Hörbuch besteht aus 17 mp3-CDs und dauert tatsächlich 159 Stunden und ist somit das umfangreichste, das je eingelesen wurde).

    Zudem bietet das Hörbuch die Möglichkeit, die für viele von uns vermutlich, aus heutiger Sicht, zunächst langweilig erscheinenden Passagen des Werkes nebenbei zu hören, während man aufräumt, putzt oder werkelt, um dann wieder voll einzusteigen, wenn der Autor ins Philosophieren gerät oder in so gnadenlos ehrlicher Weise die Gefühle beschreibt und seziert, die wir heute genauso haben, wie er selbst vor hundert Jahren. Zu einer Zeit in der es das Telefon gerade noch in den Roman geschafft hat.

    Ich muss aber eine Warnung aussprechen. Es ist durchaus möglich, dass man sich nach Proust für andere Bücher nicht mehr interessiert.

    Doch vor allem auch allen, die selbst schreiben oder schreiben wollen, möchte ich dringend ans Herz legen, zunächst Proust zu lesen.

  18. Cover des Buches Der erste Mensch (ISBN: 9783644004535)
    Albert Camus

    Der erste Mensch

    (78)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Camus plante während und verstärkt nach seinem Buch "Der Fall" ein monumentaltes Werk über seine Kindheit und seinen Werdegang zu schreiben und nannte es (und wer Camus noch nicht gelesen hat könnte das für pure Selbstverheißung halten) "Der erste Mensch".

    Doch was einem hier in diesen eindeutig autobiografischen und doch als Roman aufgezogenem Szenen vor den Augen tanzt ist das genaue Gegenteil. Es ist ein wunderschöne, geistreiche, tiefe und vor allem ehrlich Ansicht einer Landschaft der Kindheit, eines Seelenlebens. Camus schafft auch in seinem letzten unvollendeten Buch die Balance zwischen intellektuellem Gedankengut und einfacher, bildstarker, erzählerischer Kraft; sein Hang zu den Situationen, die das Leben in seiner ganzen Fülle zu fassen bekommen (wenn auch nur kurz) ist immer wieder wundervoll; die gleichsam zurückhaltende und doch stets akkurate, nach dem Wesentlichen greifende Sprache ist ein ganz besonderer literarischer Genuss.

    Das Buch ist sicherlich vor allem für Kenner, Fans und Liebhaber von Camus interessant (auch wenn der Schmerz bei mir groß war, denn das Buch hätte es verdient gehabt, zu Ende geschrieben zu werden), aber auch für jemanden, der einfach mal eine gleichsam erhellende und trotzdem schöne kurze Lektüre haben möchte, ist dieses Buch eine äußerst gute Wahl - wenn man weiß, dass man ein Fragment zu lesen bekommt!

    Inhalt: Text + 20 Seiten Anhang mit Skizzen, Ideen und Plänen + 2 Briefe, der erste von Camus an seinen alten Lehrer, dann der Antwortbrief.

  19. Cover des Buches Der Fremde (ISBN: 9783644026216)
    Albert Camus

    Der Fremde

    (651)
    Aktuelle Rezension von: frischelandluft

    Ein Hauptwerk des Existentialismus, der meistpublizierte Roman Frankreichs, auf verschiedenen Listen der 100 wichtigsten Bücher der Welt (z.B der Zeit). Der Ich-Erzähler, ein junger Mann, der dem Leben in den meisten Aspekten gleichgültig gegenübersteht, begeht einen Mord an einem anderen jungen Mann, für den er schließlich vor Gericht geführt wird. Gerichtet wird nicht der Mord, sondern seine Gefühllosigkeit, mit der er sich von dem, was die Gesellschaft erwartet, distanziert. Seine Unbeteiligtheit am Geschehen, gegenüber anderen Menschen, jeder Situation verstört noch immer, verstärkt durch die Ich-Erzählperspektive. Mir gehen drei Aspekte besonders nahe – Zum einen, weil das Leben an sich (sein eigenes genauso wie das des Toten oder jedes anderen Menschen) für ihn keinen Sinn hat, weil es unwiederbringlich enden wird und für ihn mit dem Tod alles vorbei ist. Die ultimative Sinnfrage – wo findet man den Sinn, wenn das Religiöse / Spirituelle für einen keine Lösung bietet? Zum anderen, weil das einzige Gefühl, das er empfindet, ein Trieb ist, die Lust. Dieser Aspekt verstört mich heute – nach MeToo und Epstein mehr, als es wahrscheinlich damals verstört hat. Der Erzähler mauert, wenn ihm Fragen gestellt werden, man kommt nicht an ihn heran. Da es aus seiner Innenperspektive geschildert wird, scheint er auch in sich gefangen zu sein. Die Mauer steht zwischen ihm und der Gesellschaft. Dafür wird er hingerichtet, er passt nicht dazu. Der dritte Aspekt, der mich beschäftigt – ist der psychologische Hintergrund - hat er Asperger / Autismus – kann er überhaupt dafür gerichtet werden? (Abgesehen davon, dass die Todesstrafe generell keine Lösung ist, natürlich.) Der Roman wurde 1942 geschrieben, liest sich aber auch heute noch intensiv, die Fragen bleiben universell.

  20. Cover des Buches Der Hut des Präsidenten (ISBN: 9783426517468)
    Antoine Laurain

    Der Hut des Präsidenten

    (176)
    Aktuelle Rezension von: sansol

    Typisch französisch und voller Charme - dieses kurze Buch erfüllt einen Lesenachmittag voller Magie.
    Der eher unscheinbare Buchhalter Daniel sitzt in einer Brasserie zufällig am Nachbartisch von Präsident Mitterand als dieser dort seinen Hut vergisst. Daniel ist fasziniert und nimmt den Hut mit. Die nächsten Tage passieren so viele Dinge, sein Leben verändert sich entscheidend zum Guten, doch leider verliert er den Hut.
    Dieser wird von einer jungen Frau gefunden, die mit dem Hut ebenfalls Veränderungen erreicht. So wandert der Hut weiter und die jeweiligen Besitzer fassen den Mut, wichtige Entscheidungen zu treffen.
    Auch ohne diesen besonderen Hut - jeder kann sein Leben positiv verändern.

  21. Cover des Buches Der Mensch in der Revolte (ISBN: 9783644485310)
  22. Cover des Buches Ich zähmte die Wölfin (ISBN: 9783717521617)
    Marguerite Yourcenar

    Ich zähmte die Wölfin

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Joroka

    Am Anfang benötigt man schon etwas Durchhaltevermögen, um sich einzulesen. Zunächst dachte ich: was ist das denn für ein zäher Monolog.

    Doch hält man die ersten 50 – 70 Seiten durch, erschließt sich einem die römische Welt des 2. Jahrhunderts anhand der Lebensgeschichte des Kaisers Hadrian. Umso überraschender erscheint mir die quasi-biografische Aufzeichnung, da sie von einer Frau geschrieben wurde. Man hört in diesen Zeilen so durchdringend einen Mann sprechen, dass ich vor Frau Yourcenar ehrfurchtsvoll den Hut ziehe.

    In Erwartung seines Todes schreibt der greise Kaiser an seinen jungen Freund Marc Aurel einen Brief, der sich zu einem umfassenden Rückblick auf sein Leben und seine Zeit ausweitet.

    Hadrian war offiziell zwar verheiratet, doch seine große Liebe galt dem jungen Antinous, der mit knapp 20 Jahren jedoch den Freitod wählte. Diesen Verlust hat Hadrian nie überwunden. Unzählige Bildnisse des Antinous stehen heute in Museum rund um die Welt als Büste oder Relief und künden von dieser tiefen emotionalen Bindung.

    Hadrian war dem Griechentum sehr zugetan und reiste so oft es ging nach Athen. Er veranlasste den Wiederaufbau Jerusalems als heidnische Metropole und war für die Niederschlagung der jüdischen Revolte im Jahr 135 n. Chr. verantwortlich.

    Ansonsten widmete er sein Kaisertum auf vielen Reisen der Befestigung der Reichsgrenzen.

    Fazit: Wer mehr aus dem Leben des Hadrian erfahren möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.


  23. Cover des Buches Das Spiel ist aus (ISBN: B004ABFD2K)
    Jean-Paul Sartre

    Das Spiel ist aus

    (254)
    Aktuelle Rezension von: NaimaHermioneMarie

    Sartres Schreibstil ist hier sehr distanziert und es wirkt teils wie ein Protokoll der Geschehnisse. Dennoch gefiel mir das Buch sehr gut, die Geschichte ist fesselnd und regt zum Nachdenken an. Mit nur knapp 130 Seiten kann man das Buch schnell abschließen und bekommt auch keine Szene unnötig in die Länge gezogen. Manchmal hätte ich mir sogar etwas mehr "Zeit" gewünscht, gerade am Anfang wo die Romanze der Hauptpersonen recht schnell vorangeht. Die Figuren sind alle klar und man mag sie gerne und das Ende des Buches hat mir auch gut gefallen. 

  24. Cover des Buches Die Farben des Feuers (ISBN: 9783442719624)
    Pierre Lemaitre

    Die Farben des Feuers

    (127)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    1927, der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt soll zu Grabe getragen werden. Ein großes Staatsbegräbnis wurde anberaumt. Alles was Rang und Namen hat, ist zu Ehren des mächtigen Bankiers erschienen. Madeleine, seine Tochter, steht unvermittelt an der Spitze des Imperiums. Madeleine ist geschieden, ihr Ex-Mann verbüßt noch eine Haftstrafe, und Mutter des siebenjährigen Paul. Paul verunfallt am Tag des Begräbnisses seines geliebten Großvaters schwer. 

    Mit dem Tode von Marcel Péricourt verändern sich viele Leben. Madelaine sollte zwar die Geschäfte ihres Vaters weiterführen, doch ist sie nach dem Unfall ihres Sohnes ganz auf seine Gesundung bedacht und überlässt die Führung dem langjährigen Buchhalter Gustav Joubert. Der Privatlehrer von Paul, André Delcourt, beziehungsweise Liebhaber von Madelaine, wird nur noch geduldet. Doch er hat schon längst andere Pläne. Charles, der Bruder von Marcel, befindet sich in einer heiklen Lage, denn sein Bruder half ihm immer wieder großzügig mit Geld aus. Nun muss er sich anders behelfen. Er hat auch schon ein besonderes Vorhaben im Auge. 

    Um Paul macht sich Madelaine sehr große Sorgen, denn der Junge wirkt hochgradig depressiv. Erst als die junge, polnische Krankenschwester Vladi, sich seiner annimmt, scheint es mit Paul aufwärtszugehen. Vladi führt ihn ein in die Welt der Oper und Paul entdeckt seine hingebungsvolle Begeisterung für die Opern-Diva Solange Gallinato. Und gerade in dem Moment, an dem Madelaine wieder Hoffnung schöpfen könnte, wird sie Opfer eines gemeinen Komplotts. Sie verliert Hab und Gut. Die Vorboten des Zweiten Weltkrieges warten auf und Madelaine beginnt ihren ganz persönlichen Rachefeldzug.

    Mit einem rasanten Tempo überschlagen sich die Ereignisse in diesem Roman. Es ist faszinierend was sich Pierre Lemaitre so alles einfallen lässt, wie er die Fäden geheimnisvoll und ausgeklügelt zusammen fügt. Das ist Unterhaltung vom feinsten. Gehaltvoll wartet der Roman mit bitterbösen Intrigen und mannigfaltiger Spannung auf.Sehr große Leseempfehlung!

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