Bücher mit dem Tag "französischer autor"

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98 Bücher

  1. Cover des Buches Die Farben des Feuers (ISBN: 9783608963380)
    Pierre Lemaitre

    Die Farben des Feuers

     (125)
    Aktuelle Rezension von: Tausendléxi

    1927, der berühmte französische Bankier Marcel Péricourt soll zu Grabe getragen werden. Ein großes Staatsbegräbnis wurde anberaumt. Alles was Rang und Namen hat, ist zu Ehren des mächtigen Bankiers erschienen. Madeleine, seine Tochter, steht unvermittelt an der Spitze des Imperiums. Madeleine ist geschieden, ihr Ex-Mann verbüßt noch eine Haftstrafe, und Mutter des siebenjährigen Paul. Paul verunfallt am Tag des Begräbnisses seines geliebten Großvaters schwer. 

    Mit dem Tode von Marcel Péricourt verändern sich viele Leben. Madelaine sollte zwar die Geschäfte ihres Vaters weiterführen, doch ist sie nach dem Unfall ihres Sohnes ganz auf seine Gesundung bedacht und überlässt die Führung dem langjährigen Buchhalter Gustav Joubert. Der Privatlehrer von Paul, André Delcourt, beziehungsweise Liebhaber von Madelaine, wird nur noch geduldet. Doch er hat schon längst andere Pläne. Charles, der Bruder von Marcel, befindet sich in einer heiklen Lage, denn sein Bruder half ihm immer wieder großzügig mit Geld aus. Nun muss er sich anders behelfen. Er hat auch schon ein besonderes Vorhaben im Auge. 

    Um Paul macht sich Madelaine sehr große Sorgen, denn der Junge wirkt hochgradig depressiv. Erst als die junge, polnische Krankenschwester Vladi, sich seiner annimmt, scheint es mit Paul aufwärtszugehen. Vladi führt ihn ein in die Welt der Oper und Paul entdeckt seine hingebungsvolle Begeisterung für die Opern-Diva Solange Gallinato. Und gerade in dem Moment, an dem Madelaine wieder Hoffnung schöpfen könnte, wird sie Opfer eines gemeinen Komplotts. Sie verliert Hab und Gut. Die Vorboten des Zweiten Weltkrieges warten auf und Madelaine beginnt ihren ganz persönlichen Rachefeldzug.

    Mit einem rasanten Tempo überschlagen sich die Ereignisse in diesem Roman. Es ist faszinierend was sich Pierre Lemaitre so alles einfallen lässt, wie er die Fäden geheimnisvoll und ausgeklügelt zusammen fügt. Das ist Unterhaltung vom feinsten. Gehaltvoll wartet der Roman mit bitterbösen Intrigen und mannigfaltiger Spannung auf.Sehr große Leseempfehlung!

  2. Cover des Buches Ein Winter in Paris (ISBN: 9783552063778)
    Jean-Philippe Blondel

    Ein Winter in Paris

     (131)
    Aktuelle Rezension von: variety

    Auch diesen Blondel-Roman kann man nur in einem Zug durchlesen, allerdings mit kleinen Pausen dazwischen, denn der Stoff ist ziemlich berührend und man leidet mit den Hauptpersonen. Ein Schüler bringt sich um und der ganze Hintergrund sowie die Familiengeschichte entwickeln sich immer mehr zu einem Spinnennetz, das einen gefangen nimmt. Auch wenn einzelne Passagen (z. B. Besuch an der Atlantikküste) etwas gesucht und unrealistisch wirken, passen sie bestens zu den Protagonisten der Geschichte. Kein leichter Stoff, aber leicht zu lesen

  3. Cover des Buches Unterwerfung (ISBN: 9783832163594)
    Michel Houellebecq

    Unterwerfung

     (287)
    Aktuelle Rezension von: schlumpitschi_liebt_buecher

    In Frankreich werden die extremistischen Parteien immer stärker, als im Jahr 2022 die Muslimische Partei gewinnt kommt das Gleichgewicht im Land zum Schwanken.
    Der Professor François hat mit dieser Veränderung zum kämpfen.

    Das Buch hat mich leider überhaupt nicht überzeugen können.
    Mir war der Protagonist und Erzähler total unsympathisch und ich habe ihn und seine Gedanken überhaupt nicht nachvollziehen können, außerdem hat mich die Handlung auch überhaupt nicht überzeugt.

    Das Buch ist leider keine Empfehlung von mir.

  4. Cover des Buches Drei Tage und ein Leben (ISBN: 9783608981063)
    Pierre Lemaitre

    Drei Tage und ein Leben

     (107)
    Aktuelle Rezension von: BriBu031

    Ich habe das Buch verschlungen und bin begeistert ! Obwohl der Täter ja gleich am Anfang feststeht, hat mich gefesselt, wie der Autor die Spannung aufrecht erhält, ob, wann und wie der Täter entlarvt wird. 2 wirklich unerwartete Pointen gibt es auch, die Geschichte nimmt keine der möglichen Enden, die ich mir zunächst und auch  im Laufe der Geschichte vorgestellt habe.

    Fasziniert hat mich vor allem, die Psychologie des Täters, wie der Autor einem an den Konflikten des Täters teilhaben lässt, innerlich und äusserlich, und wie der Täter diese nie zu lösen vermag, bzw diesen aus dem Weg geht, um damit seine Lage eigentlich nur zu verschlimmern. Der Täter verstrickt sich zwischen Schuldeingeständnis und Versuchen, Entschuldigungen und Rechtfertigungen für seine Tat und sein Nicht-Sichstellen zu finden, immer tiefer. Die Fluchtversuche sind immer zum Scheitern verurteilt und so, tritt der Täter eine "innere Flucht" an, die aber auch nie gelingt. Jedes Mal, wenn er meint, dass er jetzt sicher sein könne, nicht enttarnt zu werden, tritt etwas ein, dass ihn davon überzeugt, seinem Schicksal nicht entrinnen zu können, ewig für die Tat büßen zu müssen, keine Ruhe zu finden, sich nie  von seinem Verbrechen zu lösen und ein eigenständiges Leben führen zu können. Diese ewige Ungewissheit, auch darüber, ob es Zeugen seiner Tat gibt, oder Vermutungen von anderen Menschen, bezüglich seiner Schuld, lässt ihn keine wirkliche Ruhe finden.

    Auch die Rolle der Natur, bzw der Naturgewalt, der Orkan Lothar, ist sehr wichtig für das Geschehen. Zwar wird das Leben des Dorfes duch den Sturm stark erschüttert, aber es tritt keine wirkliche  und nachhaltige Veränderung oder Verschiebung der Machtverhältnisse und Rollenvorgaben im Dorf ein. Auch für den Täter bietet  die Naturkatastrophe nur eine scheinbare Entspannung der Lage, bzw. Problemlösung. Tatsächlich kann er sich nur vorübergehend in Sicherheit wiegen, dass seine Tat nicht entdeckt wird. 

    Hat mich sehr an den Stil v. G. Simenon erinnert. 

    Der Faktor Zeit spielt eine große Rolle: Klingt ja schon im Titel an und endet auch mit diesem Thema.

    Weitere zentrale Themen sind: Unverständnis der Erwachsenen gegenüber dem, was den Jugendlichen wichtig ist; die Beengtheit der Dorfgemeinschaft, die zugleich Stabilität und Geborgenheit, aber auch Eingeschränktheit und Unterdrückung jeglicher Indivualität und Andersdenken bedeutet; und, wie ein kleiner Moment, zeitlich ein winziges Pünktchen, ein ganzes Leben aus den Fugen geraten lassen kann und nie wieder gutzumachende Konsequenzen nach sich zieht.

  5. Cover des Buches Wilde Freude (ISBN: 9783423282376)
    Sorj Chalandon

    Wilde Freude

     (62)
    Aktuelle Rezension von: milkysilvermoon

    Jeanne Hervineau ist erst 39 Jahre alt, als sie die schockierende Diagnose erhält: Brustkrebs. Mit ihrem Mann Matt musste die Pariser Buchhändlerin bereits einen schweren Schicksalsschlag verkraften, den Tod ihres gemeinsamen Sohnes. Nun stellt sie das Leben abermals vor eine schwierige Probe. Doch ihr Gatte sieht sich nicht dazu in der Lage, ihr in dieser Situation beizustehen, und verlässt seine Frau. Zufällig trifft Jeanne auf zwei weitere Krebspatientinnen: Küchenchefin Brigitte Meneur und die junge Frau Mélody Frampin. Zusammen mit der gesunden Assia Belouane, die bei Brigitte lebt, hecken die Frauen einen ebenso gefährlichen wie wahnwitzigen Plan aus…

    „Wilde Freude“ ist ein Roman von Sorj Chalandon.

    Meine Meinung:
    Der Roman besteht aus 24 Kapiteln mit einer angenehmen Länge. Sie sind wiederum in mehrere Abschnitte untergliedert. Das erste Kapitel ist dabei eine Art Vorausschau. Danach wird weitestgehend in chronologischer Reihenfolge erzählt, unterbrochen von mehreren Rückblenden und aus der Sicht von Jeanne. Der Aufbau funktioniert sehr gut. 

    In sprachlicher Hinsicht hat mich der Roman am meisten überzeugt. Metaphern und andere starke Bilder wie die der Kamelie für den Krebs kennzeichnen den Schreibstil, der trotzdem nicht künstlich oder zu verschnörkelt wirkt. Zudem gibt es viele Dialoge – teils in direkter, teils in indirekte Rede – die das Geschehen lebendig und anschaulich machen. 

    Im Vordergrund stehen die vier Frauen und ihre Lebensgeschichten, wobei besonderes Augenmerk auf Jeanne liegt. Ihre Gedanken und Gefühle lassen sich hervorragend nachvollziehen, ihr Charakter macht eine Entwicklung durch: Von einer rücksichtvollen und angepassten Frau wird sie zu einer Person, die sich nicht mehr ständig entschuldigt. Allerdings wirken die Schicksale der Frauen insgesamt recht überzogen, was die Glaubwürdigkeit der Figuren ein wenig schmälert. Darüber hinaus werden immer wieder Nebencharaktere eingeführt, wodurch der rote Faden der Geschichte etwas verloren geht.

    Besonders eindringlich und intensiv wird der Roman, wenn es um die Krankheit Krebs und ihre Begleitumstände geht. Diese Passagen konnten mich immer wieder tief berühren und haben meine Erwartungen an die Lektüre voll erfüllt. An diesen Stellen wird deutlich, dass sich der Autor mit dem Thema auskennt. Nach dem ersten Viertel wird die Krankheitsgeschichte inhaltlich jedoch überlagert und der Roman verwandelt sich in eine Art Gaunerkomödie, bei der auch die Leiden der anderen zwei schwerkranken Frauen in den Hintergrund treten. Die Aktion des Quartetts macht die Lektüre zwar kurzweilig, zieht die Probleme und Leiden der Protagonistinnen jedoch auch etwas ins Lächerliche durch übertriebene und unrealistische Schilderungen. Mit einer Wendung erhält die Handlung im letzten Viertel abermals Schwung. Das Ende lässt mich jedoch enttäuscht und ratlos zurück, weil die letzten Kapitel nicht schlüssig erscheinen und zu viele Fragen offenbleiben. So wird beispielsweise nicht mehr darauf eingegangen, welche Konsequenzen Jeanne für sich persönlich aus den Ereignissen zieht. 

    Das kalligrafisch anmutende Cover ist optisch ansprechend, allerdings auch recht nichtssagend. Der deutsche Titel, der recht wörtlich aus dem Französischen („Une joie féroce“) übernommen wurde, passt meiner Ansicht nach nicht besonders gut zum Inhalt.

    Mein Fazit:
    Zu viele Absurditäten, zu realitätsfern: Mit seinem Roman „Wilde Freude“ konnte mich Sorj Chalandon zwar unterhalten, aber meine Erwartungen nicht in Gänze erfüllen.

  6. Cover des Buches Der Fremde (ISBN: 9783499253089)
    Albert Camus

    Der Fremde

     (562)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    "Der Fremde" des französischen Nobelpreisträgers Albert Camus erschien 1942 und wurde als Meisterwerk berühmt. Die Erzählung entstand parallel zu einer philosophischen Abhandlung des Schriftstellers über das Absurde.

    Die Geschichte handelt von einem jungen Franzosen, Meursault, dessen Antriebslosigkeit keine Grenzen kennt. In seinem Persönlichkeitsprofil könnten fast autistische Züge vermutet werden. Sein Verhalten führt zu einem Mord, den er aus Notwehr begeht. Das richterliche Urteil führt aufgrund mehrerer sinnloser Schüsse, die er zusätzlich abgibt, seiner fehlenden Reue und der kompletten Gefühl- und Gottlosigkeit zur Todesstrafe. Selbst der Geistliche, der ihn am Abend vor seiner Hinrichtung aufsucht, wird Zeuge einer schockierenden Gleichgültigkeit gegenüber der Welt.

    Die schlichte Sachlichkeit und Intelligenz, seine ruhige und pflichtbewusste Art machen aus dem Protagonisten trotz allem einen Menschen, den man eigentlich ganz gern hat. Darin liegt das Absurde der Geschichte.

    Der lakonische Schreibstil hat mich angesprochen und macht den kurzen Essay zu einer leicht zu lesenden Lektüre.

  7. Cover des Buches Liebe mit zwei Unbekannten (ISBN: 9783426517451)
    Antoine Laurain

    Liebe mit zwei Unbekannten

     (200)
    Aktuelle Rezension von: Speechless

    Laure ist Vergolderin und wird eines Abends vor ihrer Pariser Wohnung Opfer eines Überfalls. Dabei wird ihr ihre Handtasche gestohlen, in welcher sie viele liebgewonnene Dinge aufbewahrt. Während des Überfalls wird sie schwer am Kopf verletzt und fällt tags darauf in ein Koma, da sich eine Hirnblutung gebildet hat. 

    Laurent besitzt eine Buchhandlung und findet die geraubte Tasche, die auf einer Mülltonne abgestellt wurde. Aus Neugier öffnet er sie und erfährt durch ihren Inhalt einiges über ihre Besitzerin. Während er den verschiedenen Hinweisen aus der Tasche nachgeht, um deren Besitzerin ausfindig zu machen, beginnt er sich Stück für Stück in die geheimnisvolle Unbekannte zu verlieben.

    Die grundsätzliche Plotidee ist dann auch schon das originellste am gesamten Buch. Beide Protagonisten bleiben sehr blass. Sie wären mir zwar grundsätzlich sympathisch, aber dazu hätte ich ihr jeweiliges Handeln nachvollziehen müssen, was mir leider überhaupt nicht gelang. Besonders Laurents Verhalten seiner Geliebten und Laure gegenüber finde ich schrecklich. Ersterer lügt er glatt ins Gesicht und wundert sich dann darüber, dass sie hinter der Handtasche mehr vermutet als nur ein Fundobjekt und bei der Suche nach Laure überschreitet er nicht nur deutlich Grenzen, sondern setzt sich einfach vollständig darüber hinweg. Dies wird zwar einige Male von ihm reflektiert, aber das reicht dann nicht so weit, als das sich an seinem Verhalten etwas ändern würde und wird im Folgenden als romantische Geste eingeordnet.

    Auch für Laures Verhalten habe ich kein Verständnis. Als sie erfährt, dass sich ein Unbekannter über mehrere Tage hinweg regelmäßig in ihrer Wohnung aufgehalten hat, findet sie das romantisch und möchte diesen Mann unbedingt kennenlernen. Mir wäre nach einer solchen Aktion nach Umzug und einem Austausch der Türschlösser, aber sie kommt nicht mal auf die Idee, dass der Mann in ihrer Wohnung theoretisch auch der Taschendieb hätte sein können. Ich kann gar nicht begreifen, warum der Autor diese zunehmend verschwimmende Grenze zwischen Stalking und Romantik einfach so stehen lässt. Verbunden mit der Tatsache, dass im gesamtem Roman sehr viele Mann/Frau-Klischees bemüht werden, müsste an dieser Stelle mal das Frauenbild des Autors hinterfragt werden.

    Vielleicht lag es auch nur an der Übersetzung aber der französische Charme, von dem in vielen Rezensionen die Rede ist, ging völlig an mir vorbei. Dazu zählt auch, dass mir die deutsche Übersetzung des Titels nicht gefällt. Hätte man nicht einfach den französischen Originaltitel "La femme au carnet rouge" übernehmen können? 

  8. Cover des Buches Am Tag davor (ISBN: 9783423281690)
    Sorj Chalandon

    Am Tag davor

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Buchperlenblog

    Inhalt

    Michel ist erst sechzehn Jahre alt, als eine Tragödie seinen älteren Bruder Joseph das Leben kostet. Viele Jahre später, Michels Frau ist gerade an Krebs gestorben, erinnert er sich mehr als je zuvor an den Tag des Unglücks. In der Zeche Saint-Amé, im Schacht 3b, in dem sein Bruder zehn Jahre lang als Bergmann gearbeitet hat, gab es eine gewaltige Explosion, 42 Bergleute verloren dabei ihr Leben. Der 43. ist sein Bruder gewesen, doch er starb erst einige Wochen später und wurde nie offiziell zu den Todesopfern gezählt.

    Rezension

    Von trügerischen Erinnerungen

    Sorj Chandalon nahm sich einen wahren Unfall als Vorlage für seinen Roman. Das Unglück unter Tage, bei dem 42 Menschen ihr Leben verloren, kurz bevor die Zeche in Liévin sowieso geschlossen werden sollte, ist ein besonders tragisches. Denn es hätte verhindert werden können, ja müssen. Von den Verantwortlichen, die am 27. Dezember 1974 nicht die nötigen Vorkehrungen trafen, um das Leben der Arbeiter zu retten. Der Schacht wurde nach den Weihnachtsfeiertagen nicht ordnungsgemäß gelüftet, der Kohlenstaub nicht angefeuchtet, die Kontrollgänge reduziert. Eine Explosion, die sich mit gewaltiger Wucht unter Tage durch die Gänge fraß und die Menschen bei lebendigem Leib verbrennen ließ, hinterlässt einen schalen Beigeschmack, angesichts der Nutzlosigkeit des späteren Prozesses, bei dem die Bergwerksgesellschaft nicht ordnungsgemäß zur Rechenschaft gezogen wurde.

    Michel bewahrt die Erinnerungen an Jojo tief in seinem Herzen. Er besitzt eine Garage, in der er die Kleidung seines Bruders aufbewahrt, Bilder von ihm – und von dessen Vorgesetztem, dem Steiger, der all das zu verantowrten hatte.

    Als er Ende 50 ist, kehrt er zurück in seine alte Heimat, gibt sich als fremd aus und freundet sich mit dem ehemaligen Vorarbeiter seines Bruders an. Sein Ziel ist es, endlich Gerechtigkeit walten zu lassen. Der Prozess, der diesmal folgen soll, offenbahrt jedoch noch weitaus mehr, hinterfragt die Erinnerungen Michels an den fragwürdigen Abend. Ist Joseph tatsächlich Opfer der Grube geworden? Und wenn ja, warum wird er dann nicht zusammen mit seinen gefallenen Kumpels genannt, erfuhr keine Trauer in der Öffentlichkeit?

    Chalandon strickt einen Fall direkt neben der Wahrheit und lässt uns teilhaben am Leben der Bergmänner, an ihrem Stolz an ihrer Arbeit, an den immerwährenden Gefahren – und an einer Bruderliebe, die so manche Erinnerunen verschleiert.

    Fazit

    Ein bewegendes Buch über ein reales Unglück, das verhindert hätte werden können, und das Platz für Geschichten lässt, die sich am Rande der Grube abgespielt haben könnten.

  9. Cover des Buches Rabenschwarzer Winter (ISBN: 9783548288482)
    Philippe Georget

    Rabenschwarzer Winter

     (45)
    Aktuelle Rezension von: djojo
    Gilles Sebag hat einen Fehler begangen. Seit Monaten schon quälten ihn Vermutungen, dass ihn seine Frau Claire hintergeht und eine Affäre hat. Doch bislang gab es dafür lediglich Indizien. Und nun hat er im vergangenen Sommer doch auf ihrem Handy nachgesehen. Und die Wahrheit war wie ein Schlag ins Gesicht für ihn. Nun muss er überlegen wie er mit den Tatsachen, denen er ins Auge gesehen hat, umgeht.

    Gleichzeitig ist da aber auch noch sein Job. Und der ruft ihn kurz vor Weihnachten gleich in zwei vermeintliche Beziehungstragödien. In einem Fall hat ein hintergangener Ehemann seine Frau auf frischer Tat ertappt und sie kaltblütig erschossen. Im zweiten Fall stürzt sich ein Betrogener aus dem Fenster. Alles sieht nach einem klaren Suizid-Versuch aus, nachdem er von den Seitensprüngen seiner Frau erfahren hat.

    Gepaart mit seinen eigenen Problemen hat Gilles Sebag durchaus Schwierigkeiten diese Fälle voller Motivation anzugehen. Doch sein Gespür für seltsame Zusammenhänge in diesen Fällen feuern ihn regelrecht an. Irgendetwas stimmt nämlich ganz und gar nicht.

    „Gilles Sebag konnte den Zufall nicht leiden. Zufällige Faktoren konnten bisweilen die besten polizeilichen Schlussfolgerungen über den Haufen werfen, dass hatte seine Erfahrung ihm gezeigt. Wenn man den Zufall aber von vorneherein in seine Gedankengänge einbaute, wurde es ein Ding der Unmöglichkeit, ernstzunehmende und glaubwürdige Hypothesen aufzustellen.“ (S. 244)

    Wie auch schon in den ersten beiden Roussilon-Krimis um Gilles Sebag gibt es immer wieder Passagen, deren zweideutigen Sinn man erst beim zweiten Lesen erfassen kann. Der Autor bedient sich wortgewandt schlauen Sätzen und driftet manchmal schon ein wenig ins Philosophische ab. An dieser Stelle möchte ich auch explizit die Übersetzung von Corinna Rodewald loben. Ihr ist es gelungen einen sauberen Lesefluss aufrecht zu erhalten und trotzdem anspruchsvolle Sätze und unterhaltsame Elemente aus dem Original einfließen zu lassen.

    Prinzipiell ist der Roman durchaus spannend. Allerdings befürchte ich, dass jeder der selbst unter Trennungsschmerzen leidet spätestens nach der Hälfte des Krimis genug von der Thematisierung hat. Philippe Georget hat es einfach ein wenig übertrieben. Vielleicht verarbeitet er seine eigenen Erfahrungen mit diesem Buch. Ein explizites Dankeschön in der Danksagung am Buchende für den Beistand seiner Kinder „in schwierigen Zeiten“ deutet darauf hin.

    Gelungen ist dem Autor dagegen wieder die authentische Darstellung der Atmosphäre im Süden Frankreichs, der Menschen im Roussillon und der skurrilen Herangehensweise des Inspecteurs bei der Auflösung der Verbrechen in Perpignan. Und damit bleibt auch der Dritte Fall für Gilles Sebag eine Leseempfehlung. Durchaus geeignet für den einen oder anderen kalten Wintertag.
  10. Cover des Buches Charlotte (ISBN: 9783328100225)
    David Foenkinos

    Charlotte

     (79)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Ich liebe Biografien.
    Doch dies ist keine Biografie.
    Dies ist ein biografischer Roman.
    Über das Leben einer deutschen Malerin.
    Sie war mir bisher unbekannt.

    Das Buch hat mich mitgenommen in Charlotte Salomons Leben.
    Sie wurde am 16. April 1917 geboren.
    Viele Schicksalsschläge erschwerten ihr das Leben.
    Mit 26 Jahren wurde sie schwanger ermordet.

    Was Autor David Foenkinos geschrieben hat, hat mich umgehauen.
    Es gäbe Zitate ohne Ende.
    Doch ich weiß nicht, wo ich anfangen sollte.
    Das muss jeder Interessent selbst erleben.

    Es beginnt schon mit dem Layout.
    Jeder Satz benötigt eine Zeile.
    Nicht mehr und nicht weniger.
    Und jede Aussage sitzt!
    Jede Zeile zieht den Leser tiefer ins Buch.

    Dabei ist es kein Buch zum „Wegschlürfen“.
    Es ist so intensiv, dass Pausen durchaus sinnvoll sind.
    Um das Gelesene zu verdauen.
    Um das Buch nicht zu schnell zu beenden.
    Sondern sich am Text zu berauschen.

    Der Roman geht tief unter die Haut.
    Er trieb mir Tränen in die Augen.
    Er verursachte mir Gänsehaut.
    Er zog mich immer tiefer in das Leben dieser Ausnahmekünstlerin.
    Sie hat sich in mein Herz geschlichen.

    Ebenso wie in das Herz des Autors.
    Foenkinos stammt aus Frankreich, dem Land, wo sie zuletzt lebte.
    Er hat sich auf ihren Wegen umgesehen.
    Er kennt ihren Bilderzyklus „Das ist mein ganzes Leben“.
    Ebenso die Orte, an denen sie gelebt hat.

    Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.
    1940 hat Charlotte ein Selbstporträt gemalt.
    Ein Ausschnitt prangt auf dem Cover.
    So wurde das Buch innen und außen ein Kunstwerk.
    Wenn es ginge, würde ich ihm gerne 10 Sterne geben.

    Ein Ehrenplatz in meinem Bücherregal ist ihm sicher.
    Ich wünsche dem bereits 2014 herausgekommenen Werk viele Leser!

    @gst


  11. Cover des Buches Das Ende von Eddy (ISBN: 9783596032433)
    Édouard Louis

    Das Ende von Eddy

     (93)
    Aktuelle Rezension von: Orchideenglanz
    Das Ende von Eddy ist, wenn auch als Roman veröffentlicht, eine authentische Erzählung über die Kindheit des Autors. Die fast schon neutrale Beschreibung der Gewalt, des Sexismus und der Homophobie, dem der junge Eddy ausgesetzt gewesen ist, hat mich sehr berührt und etwas schockiert. Da denkt man, dass wir in einer modernen, aufgeklärten Welt leben, wo Frauen und Männer im Alltag und im Beruf gleichberechtigt sind, eine höhere Bildung fast schon selbstverständlich ist und keiner mehr Anstoß daran nimmt, wenn jemand homosexuell, transsexuell oder bisexuell ist. Doch Louis Erzählung lässt alles in einem anderen Licht erscheinen. Er wurde als Kind verprügelt, verspottet und ausgegrenzt, weil er nicht so männlich wie seine Brüder, so selbstbewusst wie sein Vater war. Er femininer lief und redete als die andere Jungen und lieber Theater spielte oder las, als fern zu sehen. Noch erschreckender finde ich, dass er das nicht vor 50 oder 60 Jahren erleben musst. Nein, Édouard Louis ist gerade mal 28 Jahre alt.
    Sein Roman rück die sozialen Probleme der ländlichen Bevölkerung Frankreichs in Erinnerung, gleichzeitig erzählt er die Geschichte eines Jungen, dem eine Fluch aus seiner gewaltgeprägten Kindheit gelungen ist, und sich nun in der Großstadt Selbstverwirklichung kann 
  12. Cover des Buches Elementarteilchen (ISBN: 9783832162788)
    Michel Houellebecq

    Elementarteilchen

     (423)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Belka

    Michel Houellebecq: das "Enfant terrible" der französischen Literatur mit seinem besten Buch. Egal, wie man zu ihm steht: Schreiben kann der Mann!!!

    Ich war etwa 25, als ich dieses Buch las: Es war ein Schlag ins Gesicht! Das Buch hatte mich total umgehauen. Wie brutal in "Elementarteilchen" die Abschaffung der Spezies "Mensch" gefeiert wird. Schrecklich und grandios zugleich.

    Ich teile nicht die Ansichten des Autors, aber dieses Buch ist schlicht und einfach eine Meisterleistung!

  13. Cover des Buches Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte (ISBN: 9783596030286)
    Romain Puértolas

    Die unglaubliche Reise des Fakirs, der in einem Ikea-Schrank feststeckte

     (99)
    Aktuelle Rezension von: Die-Glimmerfeen
    Ein Nagelbett von Ikea mit fünfzehntausend Nägeln bestückt, zum sensationellen Preis von 99,99 Euro, ist so unwiderstehlich für den Fakir Ayarajmushee (sprich: Ayran in der Moshee), dass er sich einen Anzug leiht, nach Paris reist um am nächsten Tag mit dem heiß begehrten Stück wieder nach Indien zu fliegen. Kaum ist er in Paris gelandet, hält das Schicksal ein großes Abenteuer und unglaubliche Zufälle für ihn bereit.

    Das Buch kennt keine Langeweile, flott und unterhaltsam erlebt man mit dem Fakir seine Abenteuer und ja, sie sind unglaublich und ein Vergleich zu dem ‚Hundertjährigen, der aus einem Fenster stieg‘ drängt sich unwillkürlich auf, wobei der Fakir leider verliert. Hier ging Schnelligkeit auf Kosten von Tiefe. Ich empfand es als kurzweilige Lektüre, die sich in einem Stück weglesen lässt, aber keinen wirklich bleibenden Eindruck hinterlassen wird. Die Aussprache der Namen wird mit einem Augenzwinkern erklärt. Es gibt einige Anleihen zur Popkultur, die das Ganze zusätzlich würzen. Das ernste Thema der illegalen Einwanderer und deren Abschiebung wird gestreift und wirbt für Verständnis für die Not dieser Menschen. Die Wandlung des Fakirs vom Saulus zum Paulus ist recht nett zu lesen, konnte mich aber im Ganzen nicht völlig überzeugen.

    Warum man vielleicht zu diesem Buch greifen sollte:
    01. Wenn man gerne Geschichten liest, die wirklich unglaublich sind
    02. Man Verfolgungsjagden mag
    03. Wenn man auf Tempo steht

    Fazit: Ein kurzweiliges Buch, dass sich bestens als Strandlektüre oder Reisebegleiter eignet.
  14. Cover des Buches Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran (ISBN: 9783596509577)
    Eric-Emmanuel Schmitt

    Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

     (741)
    Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecher

    Moses ist ein 11-jähriger Junge, der mit seinem alleinerziehenden Vater in der Rue Bleue, Paris lebt. Da er nur wenig Geld von seinem Vater bekommt, stiehlt er in dem Gemischtwarenladen von Monsieur Ibrahim immer mal wieder etwas. Doch der "Araber an der Ecke" nimmt es dem kleinen Jungen nicht übel, sonst nimmt in unter seine Fittiche und bringt ihm die wichtigen Dingen des Lebens bei - vorallem das Lächeln. Das Buch ist sehr kurzweilig und liebevoll geschrieben. Es zaubert dem Leser ein Lächeln ins Gesicht und macht warm ums Herz. Obwohl man im ersten Moment denken könnte, dass es um die Unterschiede zwischen den Menschen geht (alt/ jung,  Jude/ Moslem, etc.), geht es eigentlich mehr darum, dass man menschliche Wärme und ein Lächeln seinen Mitmenschen entgegen bringen sollte. Auch wenn ich nicht ganz nachvollziehen kann wie ein 11- jähriger in den Puff gehen kann und darf🤣

  15. Cover des Buches Ich schreibe Ihnen im Dunkeln (ISBN: 9783406697180)
    Jean-Luc Seigle

    Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

     (29)
    Aktuelle Rezension von: Book-worm
    Jean-Luc Seigle beschreibt das Leben eines französischen Mädchens während der deutschen Besatzung. Sie ist sehr auf ihren Vater fixiert und um ihm zu gefallen, geht sie eine  Beziehung zu einem deutschen Arzt ein.
    Was sie erlebt, nachdem Frankreich befreit wurde und die Besatzer abgerückt sind ist ,kaum zu beschreiben.
    Sie wird sich von den Misshandlungen und Demütigungen nicht mehr erholen. Als sie dann Jahre später an einen Mann gerät, der sie aufgrund ihrer Vergangenheit erneut demütigt und verlässt, bringt sie ihn um.
    Nachdem sie ihre Strafe verbüßt hat, verliebt sie sich erneut und hofft auf ein besseres Leben. Aber wieder holt sie die Vergangenheit ein, sie sieht keinen Ausweg mehr und bringt sich um.


    Fazit: Ein Buch, was man zwischendurch schwer erträgt und eine Geschichte die man nicht vergisst.
  16. Cover des Buches Heute wegen Glück geschlossen (ISBN: 9783404169221)
    Patrice Leconte

    Heute wegen Glück geschlossen

     (61)
    Aktuelle Rezension von: Eva_G
    Thomas, 27 Jahre alt, arbeitet als Verkäufer in einer Papeterie in Paris. Da er sich gerne Ziele setzt und auch nicht mehr alleine sein möchte, will er bis er 30 Jahre alt ist seine Frau fürs Leben finden und sie heiraten. Doch die Jahre vergehen und er verliebt sich unglücklich, findet Frauen, die er nur mag, aber nicht liebt und geht sogar zu einer Wahrsagerin.
    Sein Freund André stellt ihm dann die entscheidende Frage: Findet man die große Liebe, wenn man nach ihr sucht oder begegnet sie ihm einfach und er muss sie nur entdecken?

    Der Autor Patrice Leconte hat hier mit seinem Romandebut ein wunderbares Buch geschaffen. Es bezaubert durch seinen einfachen aber nicht langweiligen oder übertriebenen Schreibstil. Er beschreibt die Lage von Thomas so anschaulich und nachvollziehbar, dass sich der Leser ab der ersten Seite in ihn hineinversetzen kann.

    Der Roman hat mir sehr gut gefallen und ich gebe ihm eine klare Leseempfehlung!
  17. Cover des Buches Die zwei Leben der Alice Pendelbury (ISBN: 9783442380282)
    Marc Levy

    Die zwei Leben der Alice Pendelbury

     (101)
    Aktuelle Rezension von: Chokka

    Die Geschichte ist in süffigem Stil geschrieben, die Handlung spannend, die Hauptprotagonisten echt. Der Verlauf ist immer wieder überraschend und das Ende sehr willkommen.

  18. Cover des Buches Wie später ihre Kinder (ISBN: 9783446264120)
    Nicolas Mathieu

    Wie später ihre Kinder

     (21)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Kaum etwas bleibt so präsent in der Erinnerung wie die Sommer unserer Jugend: Freie Wochen, die man mehr draußen als drinnen verbringt, mehr mit den Freunden als der eigenen Familie, Wochen, die im Rückblick immer heiß, sonnig, schwül und bedeutungsschwanger waren, da mit ihnen die erste Party, der erste Kuss, das erste Bier, der erste Joint, das erste Mal etc. unzertrennlich verbunden sind. Die Sommer auf dem Dorf zeichnen sich zudem durch eine weitere Besonderheit aus: eine drückende Langeweile, der man sich nur entziehen kann, wenn man das Kaff für ein mehr oder weniger große Reise verbringt. Alle andere bleiben zurück im einzigen Freibad, am einzigen Kiosk, an den dorfbekannten Treffpunkten der Heranwachsenden mit den immer selben Leuten, die die immer gleichen Geschichten erzählen und von der Stadt träumen, in die zur schulfreien Zeit kein Bus fährt.

    So geht es auch Anthony und seinem Cousin, Hacine und seiner Kleinganovengang, Stephanie und ihrer Freundin Clémence, die die Leser_innen in Nicolas Mathieus Wie später ihre Kinder insgesamt durch vier Sommer der 1990er begleiten. Sommer, die wie oben geschrieben, geprägt sind von Sex, Joints, Alkoholräuschen, Flirtereien, Prügeleien und der Gewissheit, dass das Leben in Zukunft nur schwerer, nicht aber leichter werden wird. Denn Wie später ihre Kinder ist nicht nur ein Coming-of-Age-Roman über eine Gruppe pubertierender Jugendlicher, sondern auch ein Gesellschaftsroman über die französische Provinz. Mathieus fiktiver Ort Heillange zeichnet sind nicht nur durch die Nähe zum wohlhabenden Nachbar Luxemburg aus, sondern auch durch den Niedergang der Stahlindustrie und der damit einhergehenden Krise der Arbeiterklasse. Arbeitslosigkeit, Prekarisierung und Strukturschwäche schweben über nahezu allen Bewohner und wirken tief in die Familien ein: Alkoholismus, häusliche Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, Kleinkriminalität entwickeln sich aus der Trost- und Perspektivlosigkeit heraus und bestimmen das soziale Miteinander.

    Das alles erzählt Nicholas Mathieu sehr klar und kraftvoll, auf die durchaus typisch französische analytische Art, wie sie zum Beispiel auch Édouard Louis zu Eigen ist, zugleich aber auch – und das ist zum Beispiel ein Unterschied zum Genannten – sehr atmosphärisch. Mathieus Untersuchung der Abgehängten und Sich-Abstrampelten entwickelt sich kontinuierlich aus der Geschichte um Anthony, Hacine und Steph, deren Wege sich immer wieder kreuzen und die doch alleine mit der Bürde ihrer Familien bleiben. Ihre jugendliche Verlorenheit spiegelt sich im Bedeutungsverlust des sie umgebenden ländlichen Raumes; die Gewalt, die sie erfahren und die sie auch selber ausüben, speist sich aus der Brutalität der Gleichgültigkeit, die der Staat gegenüber ihrer Heimat walten lässt.

    Wie später ihre Kinder ist hochkomplexe Gegenwartsliteratur, die sprachlich treffend und mit authentischen Figuren realistisch erzählt wird. Auch wenn der Roman sich über seine knapp 450 Seiten als eher handlungsarm erweist, so ist er doch nicht frei von Entwicklungen und vor allem nicht frei von Erkenntnissen. Nicolas Mathieu setzt hier der verlorenen Zukunft einer ganzen Generation und dem Kampf der unteren Mittelschicht gegen den unaufhaltsamen Abstieg ein literarisches Denkmal und deckt dabei die Schwächen der französischen Gesellschaft auf, die ein Emporkommen kaum möglich macht, sondern ihre Mitglieder zur Stagnation verdammt. Auch wenn der Roman einige Längen hat, hier und da zu nacherzählend ist, dort für mich zu testosteronlastig war, besticht er insgesamt durch seine knallharte Desillusionierung bei zugleich bittersüßer sommerlicher Melancholie, die einen in der eigenen Jugenderinnerung schwelgen lässt. Sehr gut, sehr Französisch, aber auch sehr deprimierend und unterschwellig tragisch! 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung!

  19. Cover des Buches Der Fall (ISBN: 9783499253102)
    Albert Camus

    Der Fall

     (135)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Dieser im Jahr 1957 veröffentlichte schmale Band enthält die Lebensgeschichte des Pariser Anwalts Johannes Clamans. Im Stil eines Gesprächs gibt er sich in einem Zeitraum von fünf Tagen einem fiktiven Dialogpartner im Amsterdamer Hafenviertel zu erkennen. Geschildert werden der kometenhafte Aufstieg des jungen Mannes in der Pariser Gesellschaft, begünstigt durch ein Wesen, dass durch Eigenliebe, Opportunismus und einen Mangel von Empathie gekennzeichnet ist. Durch seine Zeugenschaft bei einem Suizid einer jungen Frau gerät sein Welt- und Selbstbild ins Schwanken. Er verlässt den eingeschlagenen Weg und hält nun mit Hilfe seiner Selbstanklage den Menschen den moralischen Spiegel vor. Doch ist diese Veränderung nicht durch Läuterung gekennzeichnet, sondern von dem Versuch, sich selbst zu ent- und den Gesprächspartner zu belasten, sodass dieser gezwungen wird, seine eigene Lebensbeichte abzulegen. Camus schafft es, auf knapp 120 Seiten eine große Menge von Themen anzusprechen. Liebe, Glaube und Gemeinschaft bilden hier die Pfeiler der Argumentation, welche den Leser nachdenklich und betroffen zurücklässt. Dass der Autor hierfür den Nobelpreis erhielt, ist mehr als nachvollziehbar. Ein Muss für jeden, der sich für die Triebfedern menschlichen Handelns und des "Pudels Kern" der Gesellschaft interessiert.
  20. Cover des Buches Rose Royal (ISBN: 9783446267855)
    Nicolas Mathieu

    Rose Royal

     (22)
    Aktuelle Rezension von: mimitati_555

    Rose ist fast fünfzig, geschieden, hat zwei erwachsene Kinder, einen Job und hat sich ein jugendliches Aussehen bewahrt. Sie hat kein Problem mit ihrem Alter, ist sich ihrer Vorzüge bewusst und achtet auf sich. Eigentlich ist alles toll, zumindest nach außen hin.

    „Sie hatte jenes schwierige Alter erreicht, in dem sich die verbliebene Frische, das Funkeln im Alltag aufzulösen schien. Manchmal erwischte sie sich bei einem Meeting oder im Bus dabei, wie sie ihre Hände versteckte, die ihr fremd geworden waren“ (Seite 11)

    Rose lebt allein, hat die Kerle satt und einen Revolver in der Handtasche. Sie hat sich geschworen, dass ihr niemand, schon gar kein Mann, mehr wehtun wird. Kein Mann wird sie ins Elend stürzen, diesmal will sie sich wehren.

    „Die Angst sollte die Seiten wechseln.“ (Seite 19)

    Nach Feierabend geht Rose gerne ins Royal, ist dem Alkohol zugetan. Dort lernt sie eines Abends Luc kennen, der ihr ein ganz neues Leben zeigt. Eine späte Liebe, ein Paar, das so gegensätzlich ist und doch zusammen findet.

    Dieses dünne Büchlein ist ein Schatz. Auf wenigen Seiten schafft der Autor es, dass ich das Gefühl habe, ich kenne Rose schon länger. Das Kennenlernen von Rose und Luc, ihre Annäherung, der einkehrende Alltag, all das wird eindringlich beschrieben, mit Worten, die sitzen, mit Sätzen, die treffen. Und mehr sollte nicht verraten werden. Nur so viel: ich werde das Buch jetzt noch einmal lesen. Wegen der Wörter, wegen der Sätze, wegen Rose. Verdiente 5 Sterne.

  21. Cover des Buches Das geheime Leben des Monsieur Pick (ISBN: 9783328102151)
    David Foenkinos

    Das geheime Leben des Monsieur Pick

     (103)
    Aktuelle Rezension von: Bibliomania

    Mein erstes Buch von David Foenkinos war „Nathalie küsst“, ein hinreißender Roman, der mich stark an die fabelhafte Welt der Amélie erinnert hat. Durch Kommissar Dupin habe ich die Bretagne lieben gelernt und war deshalb außerordentlich erfreut, dass auch Foenkinos einen Roman geschrieben hat, der zu großen Teilen in der Bretagne spielt.

    Monsieur Pick war ein guter und kreativer Pizzabäcker, bis er vor nicht allzu langer Zeit verstorben ist. Eine junge Lektorin, Delphine, aus Paris mit bretonischen Wurzeln besucht mit ihrem Freund eine kleine außergewöhnliche Bibliothek, die unter anderem auch abgelehnte Manuskripte bereithält. Die beiden finden einen unglaublichen Roman, der in ihren Augen sofort ein Bestseller werden würde. Die junge Lektorin möchte das Buch herausbringen und steht nun vor der Aufgabe Madeleine Pick zu erklären, dass ihr Mann ein großartiger Schriftsteller ist. Diese kann sich das ganze nicht so richtig erklären, hat ihr Henri doch nie etwas geschrieben, höchstens die Einkaufsliste...

    Das Buch „Das geheime Leben des Monsieur Pick“ hat mich wirklich gefallen. Nicht nur die Bretagne kommt zur Geltung, der ganze Literaturbetrieb spielt eine große Rolle (was für Buchliebhaber wahrscheinlich immer ganz spannend ist). Eine richtige Detektivgeschichte kreiert Foenkinos, der auch noch einen fallengelassenen Literaturkritiker auf den Plan holt. Dieser zweifelt  die Echtheit dieses Romans an und möchte die vermeintliche Wahrheit ans Licht bringen.

    Schade fand ich allerdings, dass die Familie Pick dann so sehr in den Fokus gerückt ist und auch die Geschichte des Literaturkritikers so viel Raum eingenommen hat, das sich der eigentliche Plot arg in die Länge gezogen wurde. Was sich zwischen Delphine und ihrem Freund abspielt und was im Literaturbetrieb passiert, bleibt etwas im Hintergrund und hätte durchaus in den Fokus gerückt werden. Das Ende des Buches hat mich dann trotzdem sehr überrascht und einen ausgefuchsten Clou hinter dieser Geschichte erkennen lassen.

    David Foenkinos wird nun wohl doch wieder mehr auf meine Leseliste rutschen.

  22. Cover des Buches Die Wohlgesinnten (ISBN: 9783833306280)
    Jonathan Littell

    Die Wohlgesinnten

     (155)
    Aktuelle Rezension von: Guccini

    Einfach ekelhaft das Buch. Dann lieber Frankls „ ... trotzdem Ja zum Leben sagen“.Jedes weitere Wort ist hier Verschwendung.

  23. Cover des Buches Das Leuchten in mir (ISBN: 9783455002737)
    Grégoire Delacourt

    Das Leuchten in mir

     (24)
    Aktuelle Rezension von: STEFANIE608

    Emma ist mit ihrem als Mutter und Ehefrau eigentlich ganz zufrieden, bis sie in einem Cafe auf Alexander trifft. Er weckt in ihr eine Sehnsucht, die sie schon sehr lange nicht mehr spürte.

    Von heute auf morgen lässt sie ihre Familie zurück und möchte ein neues Leben beginnen, mit Alexander. 


    Ich bin hin und hergerissen von der Geschichte. Einerseits entwickelt sie einen unglaublichen Sog dem man sich nur schwer entziehen kann. Andererseits konnte ich mich mit Emma nicht wirklich identifizieren oder nahe fühlen.

    Was sie erlebt ging mir schon nahe und es ist wirklich schlimm was sie alles mitgemacht hat. Aber ich empfand ihre Entscheidung, ihre Familie einfach den Rücken zu kehren sehr egoistisch.


    Die Geschichte ist sehr von Melancholie und Schwermut geprägt, was mich auch eher bedrückte.

    Ich hätte mir manchmal etwas mehr Leichtigkeit gewünscht.


    Ein Roman mit einer starken Sogwirkung, der mich dennoch nicht ganz begeistern konnte.

  24. Cover des Buches Äquator (ISBN: 9783570103401)
    Antonin Varenne

    Äquator

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Dajobama

    Äquator – Antonin Varenne 

    Das hier ist eine interessante Mischung aus Western und Abenteuerroman. Diesen beiden Genres sollte man also nicht ganz abgeneigt sein. 

    Ist es Flucht oder Fernweh, die den Protagonisten Pete Ferguson immer weiter antreibt? Den Äquator will er sehen. Perspektive hat er darüber hinaus kaum. Unterwegs gerät er auch noch in etliche brenzlige Situationen. Es ist das 19. Jahrhundert, in Nebraska und Nevada wird er gesucht, als Brandstifter und Mörder. Er schließt sich zunächst Büffeljägern an und gelangt schließlich nach Mexiko. Egal wo er auftaucht, es gibt immer Ärger und Grund zur Flucht. Und so geht es immer weiter Richtung Süden. 

    Pete ist ein geborener Abenteurer. Er findet aus jeder Situation einen Ausweg und schafft es meist auch noch eine zweite, schwächere Person zu retten. Er hat das Herz am rechten Fleck, ein wahrer Held eben. Vielleicht ein bisschen viel des Guten, aber egal. Einige Entwicklungen erschienen mir sehr an den Haaren herbeigezogen. Normalerweise würde mich das sehr stören,  hier nicht. Warum auch immer. 

    Überhaupt könnte man viele kleine Schwächen an diesem Roman finden, wenn man will. Man kann ihn aber auch einfach sein lassen, wie er ist und die einzigartige Atmosphäre genießen. Und ebendiese mochte ich sehr. Pete ist ein sehr empfindsamer Held, der  nicht nur den Äquator sucht sondern auch seinen Platz im Leben. Die Stimmung und die Atmosphäre des Wilden Westens sind hervorragend eingefangen. 

    Die Geschichte ist fesselnd erzählt mit vielen nachdenklichen Momenten. Ich habe die Lektüre sehr genossen. 

    Trotz allen Kritikpunkten mochte ich das Buch sehr. 4 Sterne

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