Bücher mit dem Tag "frauenbewegung"

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170 Bücher

  1. Cover des Buches Sturz der Titanen (ISBN: 9783404166602)
    Ken Follett

    Sturz der Titanen

     (1.223)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Brigitte

    Teil I einer Trilogie (Jahrhundert-Saga: Sturz der Titanen-Winter der Welt-Kinder der Freiheit)

    „Die Herrscher Europas haben etwas Schlimmes und Dummes getan, das zehn Millionen Menschen das Leben gekostet hat.“ (S. 899)

    Drei Länder. Drei Familien. Ein Jahrhundert. In seiner Jahrhunderttrilogie nimmt uns Ken Follett mit in ein bewegendes Jahrhundert europäischer Geschichte.

    Inhalt

    Der Auftakt STURZ DER TITANEN beginnt in den Zehner Jahren des 20. Jahrhunderts. In England spüren die Bergleute die Auswirkungen der Industrialisierung körperlich – nie ausbleibende Unfälle, mangelnde Sicherheitsvorkehrungen und ein selbstgefälliger Adel, der die rechtelosen Bürger ausbeutet. Ausbeutung durch die privilegierten Fürsten spürt auch das russische Volk -nachdem 1905 ein Bürgeraufstand blutig niedergemetzelt wurde, brodelt es gefährlich im Zarenreich. Im deutschen Kaiserreich herrscht ein arrogantes Machtstreben nach einem „Platz an der Sonne“ -eine Vereinbarung mit dem Nachbarreich Österreich-Ungarn bringt die Schwarzpulverfässer in Stellung, ein Funke aus Sarajevo entzündet sie. Der Machthunger nach der Vorherrschaft in Europa unter den Obersten der Staaten entfacht einen verlustreichen Krieg und Revolutionen in Politik und Gesellschaft folgen.

    Tipp: lest nicht den Klappentext! Ich bin froh, dass ich ohne viel Vorwissen in die Geschichte eingestiegen bin.

    Schreibstil

    Downton Abbey trifft auf einen Politthriller. Ken Follett, der Stephen King des historischen Romans, erzählt authentisch und so charakterstark wie ein Lew Tolstoi. Seine unterschiedlich angelegten Figuren haben Tiefe, Ausstrahlungskraft und Gefühl. Die Charakterentwicklungen sind authentisch und machen Spaß zu Lesen. Die verwobenen Liebesgeschichten lockern den ernsten Hintergrund auf, aber wirken ab und an etwas zu seicht, schmachtend, groschenromanhaftig. Es hält sich aber noch in annehmbaren Rahmen.

    Protagonisten

    Der Einstieg gelingt leicht. Billy Williams, ein Junge aus dem englischen Volk, erlebt seinen ersten Arbeitstag untertage. Der Leser bekommt ein Gefühl für die miserablen Arbeitsbedingungen und mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen in der Industrialisierung und erlebt im Laufe der Geschichte wie sich eine Arbeiterbewegung etabliert. Billys Schwester, Ethel arbeitet im Gutshaus der adeligen Familie Fitzherbert, was bei mir ein Gefühl von Downton Abbey aufkommen ließ. Das Familienoberhaupt Earl Fitz engagiert sich im britischen Oberhaus, dem House of Lords. Seine Schwester Maud ist Frauenrechtlerin, abwertend: Suffragette. Politische Spannungen sind da vorprogrammiert.

    Durch sein politisches Engagement unterhält Fitz Beziehungen zu Diplomaten und Attachés u.a. aus Deutschland, Österreich und Amerika. Die Männer treffen sich in England, bauen Bekanntschaften, sogar Freundschaften auf. Der Deutsche Sozialdemokrat Walter von Ulrich, der immer wieder gegen seinen konservativen Vater ankämpfen muss, verliebt sich in Fitz Schwester Maud. Walters österreichischer Cousin Robert unterstützt die beiden. Der Amerikaner Gus ist auch noch mit von der Partie, wird aber erst spät in der Handlung interessant.

    Durch seine Ehe mit der Russin Bea unterhält Fitz auch Beziehungen zum Zarenreich, in dem zwei junge Brüder durch das zaristische Regime zu Waisen wurden. Grigori musste schon früh lernen für sich und seinen jüngeren Bruder Lew aufzukommen. Während er unerbittlich für seinen großen Traum -nach Amerika zu emigrieren- schuftet, lebt Lew von einem Tag auf den nächsten und bringt sich in folgenreiche Schwierigkeiten.

    Nach und nach verschachteln sich die einzelnen Handlungsstränge der Protagonisten. Es ist ein Fest, diese Verbindungen nachzuverfolgen, noch dazu, weil auch historische Persönlichkeiten gekonnt einbezogen werden. So kann sich der Lesende über die Auftritte von Woodrow Wilson, König George V., David Lloyd George, Kaiser Wilhelm II, Trotzki und Lenin „freuen“.

    Contra: Gerne hätte ich auch noch eine französische Perspektive gelesen…aber wahrscheinlich hätte das doch den Rahmen gesprengt. Das Buch hat immerhin schon 1020 Seiten…nicht unbedingt ein Buch, dass man überallhin mitnimmt.

    Fazit

    STURZ DER TITANEN von Ken Follett ist ein opulentes Familiendrama rund um den ersten Weltkrieg (Zeit der Handlung: ca. 1911-1923)  mit differenzierten Charakterzeichnungen à la Tolstoi. Follett schreibt polithistorisch fundiert, spannend & gefühlvoll! Politische Spannungen wie in einem Politthriller, Geschlechter- und Standeskonflikte und tragische Liebesgeschichten sind vor dem historischen Setting authentisch verwebt. Dieser Roman ist eine Mahnung zum Frieden und ein Ruf nach Völkerverständigung ganz in der Tradition der Antikriegsromane, jeder sollte es lesen!

    Tipp: Der Roman wird auch grandios vertont von Philipp Schepmann (Lübbe Audio, ca. 37 Std).

     

    STURZ DER TITANEN. Die Jahrhundertsaga. | Ken Follett| aus dem Englischen von Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher| Illustrationen von Tina Dreher| Bastei Lübbe Hardcover| 2010| 1020 Seiten| 28,00€ (erhältlich nur noch die Taschenbuchausgabe für 15,00€)

  2. Cover des Buches Als wir unsterblich waren (ISBN: 9783426512067)
    Charlotte Roth

    Als wir unsterblich waren

     (234)
    Aktuelle Rezension von: elycalxa
    Selten habe ich so ein schön geschriebenes Buch über den Ersten Weltkrieg gelesen, man kann sich gut in die Charaktere hineinversetzten und mit ihnen mitfühlen.
    Die junge Paula setzt sich für Frauenrechte und Arbeitsrechte ein. Sie will betroffene Frauen helfen und mietet dafür in den schweren Zeiten Notwohungen für die Frauen und deren Kindern ein. Doch als die Lage in Berlin schwerer wird, sind auch Paulas Mittel begrenzt und sie muss Wohnungen aufgeben. Bis Hitler an die Macht kommt.

    Der Roman ist sehr schön geschrieben, dass Buch lässt sich gut lesen, so dass man es eigentlich gar nicht aus der Hand legen möchte. Dies ist mein erstes Buch der Autorin, aber aufjedenfall nicht mein letztes!!
  3. Cover des Buches Die Frauen vom Löwenhof (ISBN: 9783548289960)
    Corina Bomann

    Die Frauen vom Löwenhof

     (297)
    Aktuelle Rezension von: Hazelmaus101

    Das Buch ist ein echt dicker Schmöker mit weit mehr als 700 Seiten. Dennoch habe ich es in weniger als 10 Tagen weg gesuchtet (was bei mir etwas besonderes ist). 

    Die junge Agneta wird so herrlich charakterisiert, dass man meinen könnte, man kennt sie tatsächlich. Bemerkenswert finde ich auch, wie die Autorin es geschafft hat ihre Entwicklung von der unreifen Studentin, die ihrem Vergnügen nachgeht, zu einer verantwortungsbewussten Gutsherrin zu schildern. Insgesamt sind alle Personen und deren Charaktere sehr gut gezeichnet. 

    Das man von Max, den Agneta auf dem Löwenhof kennen lernt, nur wenig erfährt, finde ich passt perfekt zum weiteren Verlauf der Geschichte. 

    Trotz seiner Länge wird das Buch überhaupt nicht langweilig. Mir gefiel die Stimmung, die die Autorin geschaffen hat und die vielseitiger nicht sein könnte. Am Anfang leidet man mit Agneta, dann freut man sich, dann zittert man vor Aufregung mit und am Schluss empfindet man ein tiefes, zufriedenes Glück. 

    Für mich einer der besten Romane mit starker weiblicher Figur (auch das Thema Frauenrechte und Emanzipation wird immer wieder thematisiert). Ich freu mich schon darauf die anderen beiden Teile zu lesen.

  4. Cover des Buches Kim Jiyoung, geboren 1982 (ISBN: 9783462053289)
    Nam-Joo Cho

    Kim Jiyoung, geboren 1982

     (264)
    Aktuelle Rezension von: BabsyZ

    Kim Jiyoung lebt das typische Leben einer koreanischen Frau: nach dem Studium die Heirat, dann kommt ein Kind und selbstverständlich bleibt die junge Mutter irgendwann zu Hause. Doch es ist nichts wie bei anderen jungen Paaren, denn Kim entwickelt eine Persönlichkeitsstörung: sie spricht auf einmal wie ihre Mutter, ihre Schwiegermutter, eine verstorbene Freundin. Warum das so ist – das versucht ein Psychiater herauszufinden. Und hier beginnen die Rückblenden, in denen wir von Kims bisherigen Leben erfahren.

    Es ist das Leben, das viele Frauen in Korea kennen lernen müssen, und nicht nur dort: junge Mütter entschuldigen sich bei ihren Schwiegermüttern, wenn sie „nur“ eine Tochter zur Welt bringen, Jungen bevorzugt behandelt bekommen selbstverständlich zuerst zu essen, kommen mit weniger Anstrengung weiter im Leben. Männer verdienen natürlich mehr als Frauen, obwohl diese mindestens dieselbe Leistung erbringen. Sexuelle Belästigungen sind schon fast an der Tagesordnung. Unterwürfiges Verhalten wird von Mutter zur Tochter weitergegeben und der Widerstand, der sich bei den Frauen regt, kommt erst langsam in Fahrt.

    Das liest sich bestürzend anschaulich. Auch konnte ich nicht umhin, an einigen Stellen Parallelen zu eigenen Erlebnissen zu entdecken.

    Mein Fazit: Dieser Roman ist kein literarisches Meisterwerk, aber ein wichtiger Roman über die Probleme der Frauen nicht nur in Asien. Lesenswert.

  5. Cover des Buches Das Haus der Schwestern (ISBN: 9783442375349)
    Charlotte Link

    Das Haus der Schwestern

     (798)
    Aktuelle Rezension von: PeytonS

    Die Geschichte in der Gegenwart sowie die Geschichte rund um Frances Gray gefallen mir beide. Die Geschichten sind sehr spannend beschrieben. Die Recherchen scheinen schlüssig zu sein und ich fand es sehr interessant von der Zeit damals zu lesen. 

    Bis zum Ende bleibt es sehr spannend. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. 

    Es gibt 1 Stern Abzug für sehr lange Kapitel und dafür, dass das Ende zu in die Länge gezogen wird. Außerdem bleibt eine Sache offen, was ich sehr schade finde. 

  6. Cover des Buches Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen (ISBN: 9783959670845)
    Margot Lee Shetterly

    Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Igelmanu66

    »Veranlassen Sie, dass das Mädchen die Zahlen prüft«, sagte der Astronaut. Wenn sie nichts zu beanstanden hätte, wäre er startbereit.

     

    Februar 1962. John Glenn ist perfekt auf seine Mission vorbereitet. Aber kurz vor dem Countdown stellt er eine Bedingung. Er steigt erst ein, wenn Katherine Johnson die Berechnungen des IBM-Computers allesamt von Hand nachgerechnet hat.

     

    Ich kenne die Aufnahmen aus dem Kontrollraum, die damals und in der Folgezeit in alle Welt übertragen wurden. Fasziniert starrte ich auf die konzentriert und wichtig aussehenden Männer und ahnte nicht, dass sich im Hintergrund, unbemerkt und von den Kameras unbeachtet, jemand so Wichtiges für die Mission aufhalten würde wie Katherine Johnson.

    Sie und zahlreiche weitere Frauen arbeiteten über Jahrzehnte hinweg im Hintergrund und leisteten unverzichtbare Arbeit. In diesem Buch erzählt Margot Lee Shetterly ihre Geschichte.

     

    Die Tochter eines NASA-Forschers wurde auf die Problematik aufmerksam, als ihr Vater ihr eines Tages von einer Nachbarin erzählte, die in Langley „als Computer gearbeitet“ hatte. Dem ersten Gespräch mit dieser Nachbarin folgten weitere Interviews und umfangreiche Recherchen. Das Ergebnis ist mehr als beeindruckend und sollte erzählt werden.

     

    Katherine Johnson war wie die Autorin Afroamerikanerin. Frauen im Allgemeinen hatten es schon schwer, sich im Beruf zu behaupten, aber mit einer nicht-weißen Hautfarbe waren die Probleme noch ungleich größer. Dabei war die Arbeit der „Mädchen“ in Langley und später bei der NASA, die je nach Hautfarbe „West-Computer“ oder „Ost-Computer“ genannt wurden, von Anfang an unverzichtbar. Zunächst mussten sie ran, weil kriegsbedingt die Männer fehlten, Amerika aber bei der Entwicklung von Flugzeugen ganz dringend einen Zahn zulegen musste bzw. wollte. Und als die Russen Jahre später bei der Eroberung des Weltraums die Nase vorn hatte, erkannte Amerika erneut, dass man es sich nicht leisten konnte, auf die tatkräftige Mitarbeit eines großen Teils der fähigen und kompetenten Bürger zu verzichten.

     

    Die Frauen, zum Teil hochqualifizierte Mathematikerinnen, rechneten tagein tagaus. Sie führten die kompliziertesten Berechnungen durch – und sie waren dabei sehr gut. Besser als viele der Ingenieure. Doch erst Mitte der 50er Jahre erhielten Rechnerinnen mit einem Abschluss in Mathematik den Titel Mathematikerinnen, Männer mit derselben Ausbildung führten ihn ganz selbstverständlich. Langleys erste Ingenieurin hatte sich 1939 einen Studienplatz gerichtlich erstreiten müssen und eine Frau, die einem Ingenieur zuarbeitete, konnte nicht damit rechnen, ihren Namen irgendwo in der fertigen Forschungsarbeit vorzufinden.

     

    Für viele Männer waren die Rechnerinnen nicht mehr als ein Stück „lebender Hardware“ und die afroamerikanischen mussten zusätzlich noch mit den Problemen leben, die die Rassentrennung mit sich brachte, zum Beispiel weit laufen, um die Toilette mit der Aufschrift „farbige Mädchen“ zu erreichen oder in der Cafeteria an dem Tisch mit der Kennzeichnung „farbige Computer“ sitzen.

     

    Sich da zu behaupten ist schwer. Sehr schwer. Umso bewundernswerter die Geschichte von beispielsweise Katherine Johnson, die die Zeitfenster für die ersten Astronauten berechnete, von Dorothy Vaughan, der ersten afroamerikanischen Abteilungsleiterin, oder von Mary Winston Jackson, die sich bis zur Ingenieurin durchbiss und dann jahrelang auf Fachkonferenzen nicht nur die einzige Frau, sondern auch noch die einzige schwarze Person war.

     

    Die Autorin hat ihr Buch randvoll mit Wissen gepackt. Wer den Film gesehen hat, zum Buch greift und normalerweise keine Sachbücher liest, könnte enttäuscht werden. Das hier ist kein Roman, auch eine Biografie darf man nicht erwarten. Im Wesentlichen wird die Geschichte der amerikanischen Luft- und Raumfahrt erzählt, mit einem Schwerpunkt auf der Mitarbeit der Frauen, die gleichzeitig unverzichtbar und immens wichtig war und doch fast immer nur im Hintergrund ablief.

     

    Ich muss gestehen, dass ich gerne noch mehr über die Frauen erfahren hätte. In Zwischenabschnitten stellt die Autorin einige von ihnen vor, erzählt etwas über ihr Leben, ihre Herkunft und die Probleme, mit denen sie zu kämpfen hatten. Allerdings führt sie gleichzeitig detailliert aus, woran gerade wie gearbeitet und geforscht wurde. Zudem beschreibt sie stets genau, wie sich die jeweils aktuelle Situation in der Problematik der Rassentrennung entwickelte. Das ist alles hochinteressant und wichtig, doch manches Mal wurden die Geschichten der Frauen so stark unterbrochen, dass sie in den Hintergrund gerieten. Das fand ich sehr schade, genau das sollte doch bei diesem Buch nicht geschehen. Ein wenig mehr Struktur wäre gut gewesen und vielleicht noch ein paar zusätzliche Seiten über die einzelnen Frauen, damit man ihnen beim Lesen noch näherkommen könnte. Diesen Frauen, die es schafften, Rassenschranken zu überwinden und die den Weg ebneten für unzählige weitere Frauen.

     

    Fazit: Sehr beeindruckende Lektüre, die Geschichte dieser starken Frauen fasziniert und sollte unbedingt weitererzählt werden.

     

    »Sagen Sie mir, wo der Mann landen soll, und ich sage Ihnen, an welcher Stelle ihr ihn losschicken müsst.«

  7. Cover des Buches Die Villa an der Elbchaussee (ISBN: 9783746634449)
    Lena Johannson

    Die Villa an der Elbchaussee

     (78)
    Aktuelle Rezension von: ***Chrissy***

    Inhalt:

    Frieda ist eine junge Frau und die Tochter eines angesehenen Hamburger Kaufmanns, der mit Kolonialwaren handelt. Trotz den Schrecken des ersten Weltkriegs fehlt es ihr an nichts und sie kann ihre Jugend verhältnismäßig unbeschwert genießen. Sie ist wissbegierig, ehrgeizig und zeichnet sich durch ein großes Selbstbewusstsein aus. Es ist somit nicht verwunderlich, dass sie davon träumt, eines Tages den Männern ebenbürtig zu sein und in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten.
    Friedas Leben verändert sich dann schlagartig, als sie erfährt, dass die familiären Geschäfte schlecht laufen. Nun soll sie die Familie vor einer drohenden finanziellen Not bewahren und heiraten. Doch mit einer pragmatischen Ehe möchte die emapzipierte Frieda sich nicht abfinden und beginnt einen Kampf für ihre Familie, ihre Stadt und nicht zuletzt für sich selbst.

    Meinung:

    Das Buch ist sehr gut recherchiert. Das Hamburger Leben in der Zwischenkriegszeit wird glaubwürdig und detailliert beschrieben. Ich konnte mir die Stadt und das in ihr stattfindene Leben zu jedem Zeitpunkt sehr gut vorstellen, weil die urbane Kulisse so umfangreich und authentisch dargestellt wird. 

    Im Vordergrund stehen die Erlebnisse der jungen Frieda.
    In einer Zeit, in der die Frau noch eine den Männern sehr untergeordnete Rolle einnimmt, kämpft sie für ihren beruflichen Erfolg, eine frei bestimmte Liebe und die Verwirklichung ihrer Träume. Mündigkeit, Gedanken- und Handlungsfreiheit sowie die schwer erkämpften Entwicklungsschritte der Frauenbewegung sind somit klare Kernpunkte des Romans. Daneben nehmen die Geschehnisse und die historische Bedeutsamkeit der Zeit zwischen den Weltkriegen eine fast untergeordnete Rolle ein. 

    Neben Krieg und Emanzipation weist das Buch jedoch noch andere thematische Schwerpunkte auf. Liebe und Freundschaft, Klassendenken, Armut sowie Judenhass und Fremdenfeindlichkeit werden ebenso in die Handlung eingeflochten wie die Hamburger Stadtentwicklung, Alkoholismus und Drogenabhängigkeit.

    Das Buch ist ereignisreich. Leider wurde ich jedoch mit den Charakteren nicht richtig warm, so dass für mich Spannung verloren ging.
    Es passiert so viel im Buch, das jedem an Herz und Niere gehen würde. Angst oder Mitgefühl scheinen für Frieda jedoch Fremdwörter zu sein. Sie trotzt jeder schlechten Nachricht mit einem kühlen Verstand und distanziert sich von ihren wahren Gefühlen, obwohl sie für deren Auslebung die ganze Zeit heroisch kämpft. Größtenteils denkt sie nur an sich selbst und ihren persönlichen Erfolg. Alles andere geschieht außerhalb ihres Refugiums, ihrem "Schokoladen-Labor" und scheint sie wenig zu betreffen. Insgesamt fand ich Frieda wenig empathisch und konnte deswegen keine große Sympathie für sie aufbauen. Aber das ist sicherlich Geschmackssache.

    Fazit:

    Ich hatte mir mehr von dem Buch versprochen und es hatte einige Schwächen für mich. Vor allem die Beschreibung der Protagonistin hat mir nicht gefallen. Das Ende ist jedoch dafür sehr gelungen und macht wieder Lust auf die nächsten Bände der Hannemann-Saga. Ich bin sicher, dass sich dann auch der Charakter Frieda mehr entfalten wird und ich hoffe, dass ich sie im nächsten Teil "besser kennenlernen" kann.



  8. Cover des Buches Vox (ISBN: 9783596704514)
    Christina Dalcher

    Vox

     (340)
    Aktuelle Rezension von: fayreads

    Ihr könnt uns die Wörter nehmen, aber zum Schweigen bringen könnt ihr uns nicht! 

    Als die neue Regierung die Theokratie anordnet und Frauen durch elektronische Armbänder bewacht werden, dass sie nicht mehr als 100 Wörter am Tag sprechen dürfen, kann Jean McClellan - eine angesehene Neurowissenschaftlerin - es nicht glauben. Nicht im 21. Jahrhundert. Nicht in Amerika. Nicht ihr. 

    Schon bald darf Jean nicht mehr arbeiten, da Frauen nach dem alten Rollenverständnis zu Hause sich um das Essen, den Haushalt und die Kinder kümmern müssen. Auch ihre Tochter Sonia werden die Wörter und ihr Lebensmut geraubt. 

    Doch dann erleidet der Bruder des Präsidenten eine Wernicke-Aphasie und sie soll mit ihrem Team nach einem Medikament dagegen forschen. 


    Fazit: 

    Die Thematik ist total spannend, besonders da linguistische Aspekte aufgegriffen werden. Oft wird als Kritik angeführt, dass das Buch zu sachlich ist, aber das habe ich nicht so empfunden. Das kann natürlich daran liegen, dass mich Linguistik generell interessiert und die Autorin selbst auch eine anerkannte Linguistikerin ist. 

    Ein Kritikpunkt war für mich die Charaktere. Ich konnte mich mit keinem identifizieren und Jean hat mir am Anfang viel zu viel herumgenörgelt und nichts gemacht. Auch Patrick und ihre Kinder waren mir zu anstrengend und besonders bei Steven konnte ich den Wandel nicht verstehen. 

    Außerdem mochte ich die Affäre zwischen Jean und Lorenzo nicht, weil es mir zu gewollt vorkam und es für die Geschichte nichts beigetragen hat. 

    Etwas fragwürdig fand ich auch, dass Jean und ihr Mann eigentlich jeden aus dem Weißen Haus kannten und da auch einfach mal anrufen konnten. Ich fand es einfach etwas unrealistisch, dass sie alle kannten und Patrick trotzdem das sein konnte, was er war. 

    Ganz schade fand ich das Ende: Man hat die Rebellion Patricks nicht mitbekommen, sondern konnte lesen, wie Jean in der Zeit, die Pferde füttert?! Darauf war ich nicht vorbereitet und wollte eigentlich schon das spannende Ende mitbekommen und nicht, wie die verbleibenden Menschen auf dem Hof waren. 

  9. Cover des Buches Das Haus der vergessenen Träume (ISBN: 9783453357150)
    Katherine Webb

    Das Haus der vergessenen Träume

     (169)
    Aktuelle Rezension von: Pitzi

    Im Jahre 2011:

    Als ein unbekannter Soldat, der im zweiten Weltkrieg auf dem Schlachtfeld fiel, knapp hundert Jahre später mit zwei mysteriösen Briefen in seiner Tasche aufgefunden wird, engagiert ein Mitarbeiter der Kriegsgräberfürsorge seine Ex-Freundin Leah Hickson, die sich als Journalistin bereits einen Namen gemacht hat. Obwohl Leah ihren Exfreund niemals wieder sehen wollte, der sie mit einer anderen betrog, kann sie dennoch nicht widerstehen, sich den Toten und die besagten Briefe einmal näher anzusehen. Und am Ende ist Leah zu neugierig, wer der unbekannte Soldat war, um „den Fall“ abzulehnen. Sie begibt sich mitten aufs Land, weit entfernt vom turbulenten London, in das beschauliche Dorf Cold Ash Holt bei Thatcham, wo die Verfasserin der Briefe, eine H. Canning, als Frau des hiesigen Dorfpfarrers gelebt hat. Dort begegnet sie einem Nachfahr der Frau, doch dieser scheint zunächst kein großes Interesse daran zu haben, mit Leah zu sprechen. Besonders als er erfährt, dass sie Journalistin ist.

    Im Jahre 1911:

    Die Hausangestellte Cat tritt eine neue Stelle in Cold Ash Holt an, weil sie ihr ehemaliger Arbeitgeber nach ihrem zweimonatigen Gefängnisaufenthalt nicht mehr in seinem Hause beschäftigen möchte. Sie kommt beim Pfarrer des Ortes, Albert Canning und seiner Frau Hester unter. Doch Cat hat große Mühe damit sich unterzuordnen. Und auch die Nachwirkungen ihres Gefängnisaufenthaltes haben ihre Spuren bei der jungen Frau hinterlassen. Als sie jedoch in dem Dörfler George eine verwandte Seele entdeckt und sich in ihn verliebt, scheint ihr Leben plötzlich nicht mehr so düster. Aber dann erreicht ein vom Pfarrer hochgeschätzter Gast, der Theosoph, Robin Durrant die kleine Pfarrei und damit nimmt das Unheil seinen Lauf…

    Ich kann an keinem Roman vorbeigehen, der mit einer geheimnisvollen Story wirbt und da mir auch bereits der Erstlingsband „Das geheime Vermächtnis“ der Autorin so gut gefiel, war ich schon ganz gespannt auf das aktuelle Buch von Katherine Webb. Auch diesmal hat sich die Autorin entschieden, an ihrem bewährten Schreibstil festzuhalten. Abermals treibt sie ihre Geschichte, immer abwechselnd, auf gleich zwei Zeitebenen handelnd, voran. Dadurch lernt man sowohl Cat, Suffragette aus tiefster Überzeugung besser kennen und wird gleichzeitig mit den Widrigkeiten, mit denen die Frauen dieser Zeitepoche zu kämpfen hatten, vertraut gemacht und zum anderen darf man auch der Heldin des Romans in der Gegenwart, Leah, bei ihren Recherchen den toten, unbekannten Soldaten betreffend sozusagen „über die Schulter“ schauen.

    Beide Handlungsstränge, ob Vergangenheit oder Gegenwart sind sehr spannend beschrieben, doch ehrlich gesagt fehlte mir dieses Mal zu einer Höchstbewertung ein wenig mehr Ausführlichkeit beim Handlungsstrang, der in der Gegenwart spielt. Leah blieb mir dabei leider ein wenig fremd; zwar erfährt man, dass sie eine gescheiterte Liebesbeziehung hinter sich hat, doch auf eine Vertiefung anderer charakterlicher Facetten hat die Autorin zugunsten des Handlungsverlaufs leider verzichtet, was ich sehr schade fand. Dennoch, interessant ist Leahs Recherche allemal beschrieben und man möchte als Leser stets erfahren wie es weitergeht.

    Dafür hat mir die Handlung, die um 1911 spielt umso besser gefallen. Cats Ängste nach ihrem Gefängnisaufenthalt wurden sehr eindringlich und unter die Haut gehend geschildert und man kann sich dabei gut in ihre Gedanken und Gefühlswelt einfühlen. Erschütternd sind auch die Romanpassagen, in denen sich Cat an ihre Zwangsernährung im Gefängnis erinnert. Cat ist dabei keine einfache Romanheldin; durch ihre Lebenserfahrungen und modernen Einstellungen eckt sie überall an, denn nicht jede Frau in dieser Zeit teilt ihr Gedankengut. Besonders groß sind dabei die Unterschiede im Vergleich zur Hausherrin und Frau des Pfarrers, Hester, die völlig naiv und unbedarft wirkt.

    In mir drängte sich beim Lesen der Verdacht auf, dass die Autorin Hester besonders naiv darstellen wollte, um damit die Kluft zwischen Hester und Cat für den Leser hervorzuheben und nebenbei zu verdeutlichen, wie wenig Rechte Frauen in dieser Zeit hatten und wie ihr tägliches Leben aussah.

    Meiner Meinung nach hat Katherine Webb diesen Punkt sehr gut herausgearbeitet und auch ein weiterer Themenschwerpunkt dieses Romans, die so genannte Lehre der Theosophie (durch religiöse Bestrebungen, Erkenntnisse über das Göttliche (oder übersinnliche, höher gestellte Wesen) zu erfahren und gegebenenfalls dieser Wesen ansichtig zu werden) wurde verständlich erläutert.

    Zwar habe ich dieses Mal recht früh erahnt, wie der Roman am Ende ausgeht und wer der tote Soldat, dessen Identität Leah herausfinden möchte, gewesen ist, doch das minderte die Spannung trotzdem nicht. 4.5 von 5 Punkten.

  10. Cover des Buches Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt (ISBN: 9783802597404)
    Andrea Schacht

    Kyria & Reb - Bis ans Ende der Welt

     (476)
    Aktuelle Rezension von: PMelittaM

    Im Jahr 2125 ist Europa, nun New Europe, NuYu genannt, matriarchalisch geprägt. Kyria, deren Mutter einen hohen Ministerposten einnimmt, ist eine Gendefekte und hat an ihrem 18. Geburtstag schon länger gelebt, als zu erwarten war. Leider verläuft ihr Geburtstag nicht gut, erst erfährt sie, dass sie als Novizin im Tempel aufgenommen werden soll, nicht gerade das, was sie von ihrem weiteren Leben erhoffte, dann wird sie von einer Hornisse gestochen und landet im Heilungshaus. Dort lernt sie Reb kennen, einen Jungen, der ohne Identität im Untergrund lebt – und damit beginnt für Kyria ein Abenteuer, von dem sie nicht erwartet, es zu überleben …

    Ich war sehr auf den Roman gespannt, denn ich bin ein Fan der Autorin, vor allem ihrer in Köln spielenden, historischen Romane. Ziemlich schnell allerdings trat Ernüchterung ein. Der Roman wollte mich so gar nicht packen, ich hatte sehr oft das Gefühl Altbekanntes zu lesen, ich konnte mich nicht so recht mit den Charakteren und auch nicht mit der Welt, die die Autorin entwickelt hat, anfreunden.

    Erzählt wird distanziert und recht emotionslos, und das, obwohl die Autorin Kyria selbst in Ich-Form erzählen lässt. Ein Mädchen, todkrank, aus ihrer gewohnten Welt gerissen, das schnell nicht mehr weiß, wer Freund und wer Feind ist, sollte mehr Emotionen haben – und die möchte ich als Leser auch gerne miterleben können. Mit Reb zankt sie sich ständig, Kyria ist zickig, er ist frech, das soll wohl auflockern und für Humor sorgen, wird aber nach einer gewissen Zeit nervig. Insgesamt sind die Charaktere nicht sehr tiefgehend gezeichnet.

    Ich persönlich finde matriarchalische Gesellschaften interessant. Die Gesellschaft NuYus wurde aus einem bestimmten Grund so aufgebaut, tatsächlich ist sie aber nicht besser als die frühere, die abgelöst und verbessert werden sollte. Interessanterweise lässt Andrea Schacht die Katastrophe, die die Welt verändert, nicht in einer zukünftigen Welt passieren, sondern 1975, wodurch NuYu eher eine Parallelwelt zu unserer ist. Die Gesellschaft der 1970er Jahre bleibt in sogenannten Reservaten bestehen, hier hat sich nichts weiterentwickelt, das empfand ich nicht sehr realistisch, auch die Gesellschaftsform wurde nicht geändert, hier ist die Rollenverteilung altbekannt – und auch bei den Ausgestoßenen, zu denen Reb zählt, ist die Rollenverteilung klar: Frauen kochen und putzen. Ich finde, hier verschenkt Andrea Schacht allerhand, vor allem die Chance, eine Welt zu zeigen, in der Gleichberechtigung herrscht, in der jeder das sein kann, was er möchte (oder zumindest eine Gesellschaft auf dem Weg dorthin).

    Die Geschichte wirkt auf mich recht oberflächlich, hin und wieder auch nicht ganz logisch, z. B., wenn Reb zwar in das Heilungshaus geschafft, dort aber nicht behandelt wird. Dann wieder wirkt sie sehr bemüht jugendlich. Leider ist die Geschichte nicht sehr spannend. Teilweise plätschert sie so dahin, gegen Ende immer mehr, zwischendurch geschehen Dinge zu plötzlich, viele „Überraschungen“ kann der Leser schon vorab ahnen, lediglich die Frage nach dem Warum finde ich interessant. Leider erfährt man in diesem Band nur relativ wenig darüber. Es handelt sich hier um einen Zweiteiler, d. h., Antworten bekommt man erst im Abschlussband. Und tatsächlich hat es die Autorin geschafft, mich auf die Auflösung neugierig zu machen und so werde ich die Fortsetzung vielleicht noch lesen. Ich hoffe auch, dass im zweiten Band einige Dinge, die hier nur angerissen werden, wie die Religion oder die Wagenrennen, überhaupt die Welt, in der Kyria groß geworden ist, etwas ausführlicher dargestellt werden. Im Moment habe ich das Gefühl, als hätte man die Geschichte auch gut in nur einem Band erzählen können.

    Wie gesagt, bin ich Fan der Autorin, doch mit diesem Jugendroman hat sie mich enttäuscht. Ich hatte den Eindruck als wolle Andrea Schacht unbedingt auf der Dystopie-Welle mitschwimmen und als habe sie aus allen möglichen Versatzstücken dieses Genres eine Geschichte zusammengesetzt, die auf mich nicht als etwas Neues, Besonderes wirkt, ich hatte vielmehr während des Lesens sehr oft einen Déjà-vu-Gefühl.

    Ich vergebe knappe 3 Sterne. Ganz große Dystopie-Fans können einen Blick wagen, wirklich empfehlen kann ich den Roman leider nicht.

  11. Cover des Buches Jane Eyre (ISBN: 9783458364252)
    Charlotte Brontë

    Jane Eyre

     (1.539)
    Aktuelle Rezension von: Julia79

    Ohne Frage ist dieses Buch ein Klassiker. Eine schöne Geschichte vom Waisenmädchen Jane, das eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich bringt und sich eigentlich nur eins wünscht - geliebt zu werden. Es geht um Sehnsucht und Selbstverwirklichung der jungen Frau im 19. Jahrhundert.

    In dem knapp 180 Jahre alten Buch passiert auf 600 Seiten an sich nicht viel und das wenige möchte ich zukünftigen Lesern nicht vorweg nehmen. Wirklich spannend zu lesen ist das Buch erst etwa ab der Hälfte.

    Ich muss zugeben, es hat mich nicht von den Socken gehauen. Die Sprache ist poetisch, anrührend, bildhaft ausgeschmückt, aber leider ohne besondere Raffinesse, wenn auch die Gedanken und gesellschaftliche Normen, die junge Frauen in dieser Zeit umgetrieben haben, gut zur Sprache gebracht werden. Die Form des Tagebuchs, die direkte Ansprache des Lesers fand ich dafür jedoch unpassend, denn die Darstellungen wären viel zu detailliert, Wort für Wort die Dialoge und die Umgebung bis ins Kleinste beschrieben. Es erschien mir nicht ganz rund. 

    Und dann diese Männer.

    In dem ganzen Buch kommen fast ausschließlich anstrengende, wenn nicht sogar verhaltensauffällige männliche Figuren vor. Und zwar nicht auf die Weise, dass ich dachte "das ist ja höchst interessant" sondern eher "du liebes Lieschen, tut das denn Not, sich so aufzuplustern?" Schmalztriefend, pathetisch, theatralisch... Das hat mir fast den Humor und Wortwitz der männlichen Hauptperson verleidet, die eigentlich echt toll ist! Ursprüngliche Dialoge, die in einen seitenlangen Monolog des Gegenüber ausarten, da hab ich teilweise augenrollend weitergeblättert. 

    Die absolute Stärke des Romans und das schriftstellerische Können von Charlotte Bronte liegt meiner Ansicht nach in den Zeichnungen der Charaktere, Aussehen, Wesenszüge und wie Janes Bezug und Gefühl zu ihnen ist. Die Hauptfigur Jane ist eine der stärksten und eindrucksvollsten Frauenfiguren, die mir zwischen zwei Buchdeckeln bislang begegnet sind, sie strahlt eine unglaubliche Präsenz aus.

    Alles in allem kein schlechtes Buch, aber auch kein Highlight. 

  12. Cover des Buches Das andere Geschlecht (ISBN: 9783499227851)
    Simone de Beauvoir

    Das andere Geschlecht

     (60)
    Aktuelle Rezension von: LeBovarisme
    Ein absolutes Muss für Frauen aber auch Männer um sich gegenseitig zu verstehen. Simone de Beauvoirs Monumentalwerk ist eine Mischung aus Biologie, Soziologie, Phsychologie, Philosophie und Literaturwissenenschaft. Es ist unglaublich was diese Frau weiss und verarbeitet und dazu noch in einer wundervollen Sprache. Viel mehr ist es eine theoretische Niederschrift oder ein Sachbuch, eine wissenschaftliche Arbeit. Ich bin beeindruckt!
  13. Cover des Buches Die Frau von Montparnasse (ISBN: 9783746638140)
    Caroline Bernard

    Die Frau von Montparnasse

     (43)
    Aktuelle Rezension von: duchessofmarvellousbooks

    Der historische Roman: Die Frau von Montparnasse von Caroline Bernanrd aus dem Aufbauverlag, stellt eine mutige, ehrgeizige und auch leidenschaftliche Frau der Literaturgeschichte in den Mittelpunkt, die Lust am Denken und dem Leben hatte und zeigt sie von ganz anderen Seiten. Ich mag die Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“, des Aufbau Verlags sehr und habe auch schon einige gelesen umso gespannter war ich hier drauf.


    Ich habe mich ja sofort in das Cover verliebt! Ist es nicht schön? Und ich gebe zu, ich bin auch oft eine Coverkäuferin, wenn natürlich der Inhalt stimmt:)


    "Ich konnte mir ein Leben nicht ohne Schreiben vorstellen. Sartre lebte nur, um zu schreiben."

    Der Roman schildert großartig die komplexe Entwicklung Simones, dass nicht alles gradlinig verlief, dass sie Hürden überwinden musste, dass ihre Grundsätze erschüttert wurden und wie sie Stück für Stück zu der wurde, die sie sein wollte. Das fand ich super.


    Dass die Autorin das innere Ringen Simones zwischen gelebter offener Beziehung, Freiheit, Emanzipation und dem Wunsch nach Exklusivität in der Partnerschaft, gezeigt hat, ist fabelhaft. So erlebt man von ganz anderen Seiten, sie wirkt menschlicher und man kann so gut nachvollziehen wie zu der berühmten Feministin wurde.


    Die Autorin hat sich auch sehr intensiv mit Simone und ihrem Leben auseinandergesetzt, das sieht man auch am Anhang. Daher ist es auch so fundiert geworden, das ist mir bei aller Fiktion bei historischen Romanen immer sehr wichtig.


    Es hat aber auch ein paar Längen, und an manchen Stellen musste ich mich durchkämpfen. Ich kann gar nicht sagen warum, weil der Schreibstil eigentlich sehr packend und poetisch ist. Mich hat auch etwas die Darstellung des Hinterherlaufens von Simone zu Sartre gestört. War das echt so?


    Fazit:

    Es ist ein lesenswerter Roman über eine faszinierende Frau, deren leben mit viel Liebe zum Detail dargestellt wurde. 



  14. Cover des Buches Die Erfindung der Flügel (ISBN: 9783442717071)
    Sue Monk Kidd

    Die Erfindung der Flügel

     (265)
    Aktuelle Rezension von: Sonnenwind

    Am Anfang hat dieser Text auf mich gewirkt wie Onkel Toms Hütte - miserabler Stil und kitschige Aussage. Danach wurde es besser, so ab Seite 100. Als ich dann wußte, daß es hier um historische Persönlichkeiten ging, war ich mit dem Buch versöhnt. Manches, was beschrieben wird, ist erschreckend bis zum Äußersten - aber das ist wohl historisch. Kann ein Mensch sich so gegenüber anderen verhalten, nur weil die einen anderen Lack haben? Wenn man diese ethischen Abgründe sieht, kann einem regelrecht schlecht werden.
    Es liegt wohl in der menschlichen Natur, sich persönliche Vorteile, die man genießt, selbst zuzuschreiben. Und andere müssen dann darunter leiden. Hoffentlich werden die Menschen noch reifen - und bald!

  15. Cover des Buches Sehnsucht nach Sansibar (ISBN: 9783442476664)
    Micaela Jary

    Sehnsucht nach Sansibar

     (79)
    Aktuelle Rezension von: Steffi_the_bookworm

    3.5


    1888 sind drei Frauen aus sehr unterschiedlichen Verhältnissen an Bord eines Schiffes auf dem Weg nach Sansibar. Da ist zum einen Viktoria, eine Reederstochter, die nach einem Skandal Hamburg verlassen soll, um ein wenig Gras über die Sache wachsen zu lassen, zum anderen Antonia, die einen Forscher als seine Sekretärin auf einer Expedition begleitet und Juliane, ein verwöhnte junge Frau aus reichem Hause. An Bord freunden die sich drei Frauen und starten in ihr Abenteuer auf Sansibar.


    Mich konnte die Geschichte um die drei Frauen sehr gut unterhalten und ich fand ihre unterschiedlichen Lebensweise und Lebenshintergründe sehr interessant. Wir begleiten die drei Frauen auf ihrem Abenteuer in einem fremden Land, wie sie sich zurechtfinden müssen und neue Dinge auf sie warten.


    Auch die Umgebung und das Land werden mit vielen Details beschrieben und man hat das Gefühl alles genau vor Augen zu haben. Dennoch haben sich ab und an ein paar Längen eingeschlichen und mir fehlte manchmal ein wenig ein roter Faden. Die Geschichte konnte mich aber auch des öfteren überraschen.


    Insgesamt war das Buch für mich ein unterhaltsamer historischer Roman, der mit einem tollen Setting überzeugen kann.

  16. Cover des Buches Garp und wie er die Welt sah (ISBN: 9783257068153)
    John Irving

    Garp und wie er die Welt sah

     (781)
    Aktuelle Rezension von: CharlieKaya

    Ich habe sehr lange gebraucht, dieses Buch zu lesen, aber ich habe es durch und durch geliebt. Es handelt sich bei diesem Werk um eine umfangreiche Lebensgeschichte, die sehr unterschiedliche Faszetten und Handlungsweise aufbringt. Zudem ist Garp Schriftsteller und seine Arbeiten werden umfangreich, aber sehr, sehr interessant erzählt. Es ist nicht die Spannung, die dieses Buch ausmacht, sondern die Verbundenheit, die man schnell zu den Protagonisten einnimmt. Ich habe das Buch für ein paar Wochen weggelegt und trotzdem konnte ich unbekümmert weiterlesen, so als ob ein Familienmitglied ein paar Wochen in Urlaub war und nun wieder vor der Tür steht. Man freut sich, weiter zu lesen und Neues zu erfahren. Das Buch nimmt den Leser mit, es ist extrem einnehmend; es schwingt mit dem Leser im Einklang. 

    Obwohl das Buch bereits 1978 erschien, ist es unglaublich aktuell. Die Ansichten haben mich teilweise ehrlich überrascht.

    Mittlerweile "grübele" ich nicht mehr. Ich spüren den "Sog".

    Ich werde T.S.Garp aufrichtig vermissen.

  17. Cover des Buches Die Geschichte der getrennten Wege (ISBN: 9783518469538)
    Elena Ferrante

    Die Geschichte der getrennten Wege

     (232)
    Aktuelle Rezension von: Orisha

    Nach dem großen Erfolg von Lenús Roman, findet sich die junge Autorin in der Ehe mit Pietro wieder. Zwei Kinder sind schnell geboren und der Alltag nimmt Einzug in die Ehe der beiden. Schnell muss sie feststellen, dass Pietro sich nur für sich selbst interessiert und den schriftstellerischen Avancen seiner Frau skeptisch gegenübersteht. Doch Schwägerin Mariarosa ist ein Lichtblick und führt Lenú in die Welt des Feminismus ein. Als dann Nino erneut in ihr Leben tritt, ist das Chaos perfekt.

    Lina hat hingegen ganz eigene Probleme. In der Fabrik von Bruno Soccavo schuftet sie von morgens bis abends. Als sie durch Zufall über Jugendfreund Pasquale in die Versammlung linker Studenten gerät und die Missstände in Soccavos Fabrik offen legt, entbrennt ein Kampf zwischen Kommunisten und Faschisten, in dessen Tumult Lila zwischen die Fronten gerät. Doch auch für sie gibt es Licht am Horizont, als IBM Enzo und ihr einen Posten anbietet.

    In Band drei der Neapel-Saga folgen wird Lenú und Lina durch ihr Erwachsen-Dasein. Beide gehen getrennte Wege, leben ihr Leben und werden mit ganz unterschiedlichen Problemen konfrontiert. Während Lila sich dem Klassenkampf der Arbeiter gegenübersieht, muss Lenú mit der Rolle als Ehefrau vorliebnehmen, die nur wenig von ihrem Mann unterstützt wird. Dabei ist Pietro per se kein schlechter Mann, nur will er eben das klassische Bild - die Frau kümmert sich um Haus, Kinder und Ehemann, und stellt die eigene Karriere hinten an. Als Nino einmal mehr in Lenús Leben tritt, beginnt sie ihr Leben in Frage zu stellen. Denn Nino sieht mehr in Lenú als sie selbst.

    Ferrantes dritter Band hat mich lange Zeit versöhnlicher mit der Quatrologie gestimmt. Endlich einmal wurden spannende Themen abgehandelt und sie schienen Relevanz zu haben. Klassenkampf, die Macht der Faschisten im Rione, die Rolle der Ehefrau, die Rolle von Studenten- und Arbeiterschaft - alle Themen waren geschickt zusammengeknüpft. Bis Ferrante einmal mehr Nino ins Bild holte und Lenú ganz klassisch durchdrehen lässt. -SPOILER- Eine Ehefrau, die ihre Familie für ihren Geliebten sitzen lässt? Wirklich? Ich kann diesem Bild einfach nichts abgewinnen. Zumal Lenú - die ja beginnt die Rolle von Mann und Frau zu hinterfragen, unglücklich in ihrer Ehe ist und der ihr Mutter-Dasein nicht reicht -diese Lenú rennt einem Typen hinterher, der sie schon mehrfach ignoriert hat, mit der besten Freundin abzogen ist, verschiedenen Frauen Kinder macht und diese sitzen liess. Da weiss ich nicht was ich schlimmer finden soll. Pietro, der die klassiche Ehefrau will - oder Nino, der sich nimmt, was er kriegen kann. Und Lenu rennt fröhlich von einem Unglück ins nächste. Nun kann ich nur hoffen, dass Ferrante, Lenú im letzten Band, endlich einmal zu der starken Frau werden lässt, die sie im Grunde ihres Wesen ja eigentlich ist.

    Kurzum: Viele gute Themen, doch die Hauptstory --- puh, wieder mal an der falschen Ecke abgebogen. Aber lest für euch selbst.

  18. Cover des Buches Freiflug (ISBN: 9783832181307)
    Christine Drews

    Freiflug

     (60)
    Aktuelle Rezension von: Isabell47

    Die Geschichte, die die  Autorin erzählt, spielt in Köln im Jahre 1974 und zwei Frauen - Rita Maiburg (22 Jahre alt) und Kaharina Berner (34 Jahre) stehen im Fokus des Geschehens. Katharina ist das Nesthäkchen mit zwei älteren Schwestern und einem älteren Bruder und stammt aus einer gutsituierten Unternehmerfamilie. Sie hat studiert, was in der damaligen Zeit etwas besonderes war, ist alleinstehend und Anwältin. Bei Katharina handelt es sich um eine fiktive Person, während Rita Maiburg eine "historische"  Figur ist und zwar als die Frau sich einen Namen gemacht hat, die gegen die Lufthansa prozessierte, weil diese aufgrund der Tatsache, das sie eine Frau ist, sie nicht als Pilotin einstellen wollten.

    Im Roman treffen beide Frauen aufeinander, als Rita Maiburg die Anwältin bittet, sie bei ihrer Klage gegen die Lufthansa zu unterstützen.

    Ich, im Jahre 2021, denke gerade noch...."Ja, und...?" als ich von der Autorin in das Jahr 1974 kapultiert werde, in dem ich selber noch ein kleines Kind war, aber nun "staunend" mit den Augen einer erwachsenen Frau wahrnehme, wie die Welt für Frauen damals bezüglich Gleichberechtigung aussah. Habe ich gerade eben noch gedacht, dass es mit der Gleichberechtigung auch heute noch nicht so weit her ist, werde ich schnell eines Besseren belehrt, dass Frauen bis 1977 nur erwerbstätig sein konnten, wenn dies mit der Familie und Haushalt vereinbar war - also durfte der Mann sogar die Stelle kündigen - unglaublich sich das vorzustellen.  Sexuelle Belästigung, Schlechterbezahlung der Frau, etc. war noch mehr  Normalzustand und erzwungener Geschlechtsverkehr in der Ehe sogar bis 1997 erlaubt.

    Ich komme ins Grübeln, wie viel weiter wir mit der Gleichberechtigung gekommen sind, während ich viel über Katharinas Familie, deren Vergangenheit und die Gegenwart erfahre, aber auch um das Arbeitsleben einer Pilotin und Anwältin bzw. deren Umfeld. Nebenbei erfahre ich auch noch viel über politische Gesinnungen, Umweltzerstörung und die Folgen von Drogenkonsum. Dieser Roman, der laut Klappentext sich mit der Gleichberechtigung in einer von Männern dominierten Welt auseinandersetzt, hat zwar den Aufhänger"Rita Maiburg", erzählt jedoch einerseits leider mir persönlich nicht genug von ihr, jedoch macht die Autorin es andererseits wieder wett mit den vielen kleinen Geschichten, die sie unterbringt (Teilweise bekam ich Gänsehaut)  und damit ein sehr anschaulichen Einblick in die 70ziger Jahre  insbesondere der Rolle der Frau einschließlich der Raumgestaltung und Mode schafft.

    Fünf Sterne!

  19. Cover des Buches Das Feuer der Freiheit (ISBN: 9783423260862)
    Lyndsay Faye

    Das Feuer der Freiheit

     (28)
    Aktuelle Rezension von: benfi
    KURZBESCHREIBUNG:
    Während eines Einsatzes wird Timothy Wilde von dem Stadtrat Robert Symmes darüber informiert, dass er bedroht wird. Der zwielichtige Geselle verdächtigt die Frauenrechtlerin Sally Woods hinter diesen Drohungen. Der Kupfersternträger und New Yorks erster Detektiv nimmt die Untersuchung der Drohbriefe auf, als auch schon das erste Gebäude von Symmes den Flammen zum Opfer fällt und dabei zwei sogenannte Heimnäherinnen sterben. Hat der Vorfall tatsächlich etwas mit den Kämpfen der Frauenbewegung zu tun, welche eben jenen armen Frauen zu einem besseren Lebens-Status verhelfen will? Je tiefer Timothy bei seinen Ermittlungen in die undurchsichtigen Hintergründe dringt, umso düsterer und unbarmherziger scheint die Lösung des Falls. Da taucht auch noch seine alte Liebe Mercy Underhill in New York auf und sein Bruder Valentin nimmt den Wahlkampf gegen den mächtigen Symmes um den Titel des Stadtrates auf. Zu viele Probleme auf einmal, wie es für den jungen Wilde erscheint...

    KOMMENTAR:
    Der Roman 'Das Feuer der Freiheit' ist der dritte Teil um den Kupfersternträger Timothy Wilde. Die Autorin beendet damit ihre Werke um den Aufbau der New Yorker Polizei in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Durch ihre sehr einfühlsame Schreibweise und ihren charakterstarken Figuren wie dem Anti-Held Timothy Wilde ist der Leser schnell in dem Geschehen, welches außer eben den vertrauten und lieb gewonnenen Personen wie die beiden anderen Bücher als eigenständiger Roman dasteht. Dabei fügt sie kleine Überraschungen ein, wobei allerdings einige davon unglücklicherweise auf dem Klappentext wie auch im Inlay schon ausposaunt werden; beziehungsweise man einiges schnell erahnen kann. Da hat der Verlag leider etwas gepatzt, würde ich meinen! Trotzdem ist auch dieser dritte Roman ein feines Buch, welches besonders Fans von historischen Kriminalromanen ans Herz gelegt werden kann. Ich persönlich muss allerdings hinzufügen, dass ich mich irgendwo im letzten Fünftel des Buches stehen gelassen fühlte und glaubte, nicht mehr mittendrin im Geschehen zu sein, sondern hinter der Handlung hinterher zu humpeln. Ich denke, so beschrieben trifft es mein Gefühl am Besten. Nicht der stärkste Band der Trilogie, jedoch auch keinesfalls ein schwacher Roman. Die Messlatte der beiden Vorgänger lag halt recht hoch...
    8,2 Sterne
  20. Cover des Buches Zwei wie Hund und Katz (ISBN: 9783957340146)
    Jen Turano

    Zwei wie Hund und Katz

     (21)
    Aktuelle Rezension von: Lotti2go

    Allein schon der Charakter von Arabella ist wunderbar konstruiert. Mit all den kleineren oder ziemlich grossen Peinlichkeiten ist sie mir sehr sympathisch. Sie steht auf, wenn sie eine Meinung hat, redet sehr viel, im ganzen ist sie so charmant, dass ihr eigentlich jeder verfällt. Das Buch besticht nicht durch die Geschichte an sich, ich mag mehr die Details, die das Leseabenteuer wiederholt unterhaltsam machen und einen immer wieder zum Schmunzeln bringen (oder man bekommt einen roten Kopf, weil einem mal wieder peinlich ist, was Arabella da anstellt (sie wirft sich auf einen harmlosen Mann, weil sie denkt, er wäre der Dieb, den sie mal gesehen hat und die riesige Menge am Bahnhof bekommt das mit)). Die Szenen kurz vor dem Ende werden sehr dramatisch und wären mir etwas zu viel, doch da das Buch schon in einer ähnlichen, wenn auch deutlich weniger gefährlichen Situation beginnt, ist es okay. 

  21. Cover des Buches Frauen und Macht (ISBN: 9783103973990)
    Mary Beard

    Frauen und Macht

     (35)
    Aktuelle Rezension von: lillywunder

    Dass Frauen zum Schweigen gebracht und von den Zentren der Macht ferngehalten werden ist nicht nur von vorgestern, sondern hat tausende Jahre Tradition. In Form von zwei kurzen, aber pointierten Essays zeigt die Historikerin Mary Beard wie die heutige Debattenkultur und die Strukturen der Macht mit Blick auf die antiken Griechen und Römer erhellt werden können. 

    Denn schon in Homers Odyssee verbietet der junge Telemachos seiner Mutter Penelope den Mund - Frauen haben mit der öffentlichen Rede nichts am Hut, geschweige denn mit Macht und sie solle sich gefälligst um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern. Mit dieser Einstellung war Telemachos ein Kind seiner Zeit und Mary Beard findet viele weitere Beispiele in der klassischen Literatur. Die Redekunst war nicht nur eine den Männern vorbehaltene Tätigkeit, sondern ein entscheidendes Merkmal von Männlichkeit, Frauen hingegen hatten keinen Anteil an der öffentlichen Rede. Die einzigen Ausnahmen, und das ist interessant, waren Frauen, die als Opfer von Gewalttaten bzw. als Märtyrerin sprechen oder aber Frauen, die für sich und ihre Kinder einstehen - und klar kann man an dieser Stelle mal einen Gedanken daran verschwenden, ob Frauen heutzutage eigentlich eher Familienministerin oder Finanzministerin werden. In der klassischen Welt wurde unsere heutige Rhetorik begründet und die Basis dafür gelegt, was als gut und überzeugend wahrzunehmen ist und was nicht. Und da wundert es kaum, wenn es die tiefen, dunklen Männerstimmen sind, die noch immer als Beleg für Autorität wahrgenommen werden und Frauenstimmen lange Zeit im besten Fall lieblich in die Kindererziehung hineinwirkten, ansonsten aber eher "kreischten" und "zeterten". 

    Und auch die frühen Erzählungen von Frauen "an der Macht" wurden eher als Gruselgeschichten erzählt - von den furchterregenden Amazonen bis hin zu Medusa, die auch heute noch als abschreckendes Beispiel in Wahlkämpfen verwendet wird. In den griechischen Mythen müssen mächtige Frauen von Männern um ihre Macht gebracht werden, um die Menschheit vor dem Chaos zu bewahren, das sie anrichten würden. So wurden mit den klassischen Erzählungen die tatsächliche Ausschließung von Frauen aus dem öffentlichen Leben legitimiert und Mary Beard spannt von da aus einen weiten Bogen bis ins 21. Jahrhundert und die kulturelle Einbettung der Exklusion von Frauen. 

    Nun stellt sich allerdings die Frage, wie man Traditionen entgegenwirken kann, welche die Menschheit schon seit Jahrtausenden begleiten. Was ist zu tun, damit Frauen heute gehört und ernst genommen werden und einen Unterschied machen können? Mary Beard erachtet es jedenfalls nicht als Lösung, wenn Frauen sich möglichst wie Männer kleiden, eine tiefere Stimme trainieren und alles tun, um möglichst männlich (und damit mächtig) zu wirken. Es kann also nicht darum gehen, Frauen in zutiefst männlich kodierte Machtstrukturen bestmöglich einpassen zu wollen, sondern vielmehr dieser Strukturen zu ändern und ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie diese kulturell begründet und konstruiert sind und hierzu will das Buch einen Beitrag leisten.

    Insgesamt ein sehr markanter Puzzlestein im Themenfeld gender und Gleichberechtigung, der zwar eher auf Erklärung aus ist als auf Lösung, dafür allerdings durch jahrtausende alte Texte neue Denkanstöße in die Debatte einbringt und die Wahrnehmung von Penelope-Momenten in Meetings, Medien und Politik schärft.

  22. Cover des Buches Das weibliche Prinzip (ISBN: 9783832165017)
    Meg Wolitzer

    Das weibliche Prinzip

     (132)
    Aktuelle Rezension von: sophie1981

    Meg Wolitzer gehört zu meinen Lieblingsautorinnen. Dieses war etwas anders als die anderen, trotzdem konnte ich viel mitnehmen, immer wieder lachen und mich entrüsten.. Sie beschreibt humorvoll und klug den Weg des Feminismus bis zur Me too Debatte. 

  23. Cover des Buches Das Fräulein mit dem karierten Koffer (ISBN: 9783596700493)
    Claudia Kaufmann

    Das Fräulein mit dem karierten Koffer

     (22)
    Aktuelle Rezension von: Dreamworx

    1964 München. Die 19-jährige Sabine hat es nicht leicht, sie stammt aus einfachen Verhältnissen und muss sich mit den Bevormundungen ihrer Mutter Brigitte und ihres Stiefvaters Heinz herumschlagen, die ihr immer wieder suggerieren, wie wichtig ein guter Leumund ist. Als sie den reichen Unternehmersohn Michael Dornheim kennenlernt und sich in ihn verliebt, scheint es, als hätte sie die perfekte Partie gemacht und sähe einer rosigen Zukunft entgegen. Eine ungeplante Schwangerschaft lässt diesen Traum schnell zerplatzen, denn Michael kann Sabine gar nicht schnell genug verlassen. Nun steht sie schwanger, ohne Ehemann, ohne Arbeit und Dach über dem Kopf, nur mit einem gepackten karierten Koffer auf der Straße, weil auch ihre Eltern nichts mehr mit ihr zu tun haben wollen. Sabines mühseliger Kampf, sich und ihr Kind allein durchzubringen, beginnt…

    Claudia Kaufmann hat mit „Das Fräulein mit dem karierten Koffer“ einen unterhaltsamen historischen Roman vorgelegt, der die 60er Jahre wieder lebendig werden lässt, aber vor allem die Rolle der Frau zur damaligen Zeit sehr kraftvoll widerspiegelt. Der flüssige, bildhafte und gefühlvolle Erzählstil der Autorin lässt den Leser eine Zeitreise in die jüngere deutsche Vergangenheit antreten, um sich dort an Sabines Fersen zu heften und ihren harten, ereignisreichen Weg zu begleiten. Während der Leser miterlebt, wie sehr sich Menschen der Gesellschaft unterwerfen und ihnen die Meinung anderer wichtiger ist als die eigene Familie, sieht er gleichzeitig, wie vehement Sabine sich als Frau und alleinerziehende Mutter durch die Widrigkeiten des Alltags und die Vorurteile ihres Umfelds kämpft. Frauen hatten zur damaligen Zeit kaum Rechte, konnten ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns nicht mal den Führerschein machen. Die meisten sahen in einer Ehe eine Versorgungseinheit, die ihnen Sicherheit bot, wofür sie demütig dem Manne untertan waren. Der Staat fungierte bei alleinstehenden Müttern als Vormund für deren Kind, so dass die Frau bei der Erziehung ihres eigenen Kindes eingeschränkt wurde und sie öffentlich als „unfähig“ und gefallene Frau brandmarkte. Neben dem moralischen Gesellschaftsbild lässt die Autorin auch noch andere historische Feinheiten in ihre Geschichte miteinfließen. So gab es z. B. damals noch den Paragrafen 218, der eine Abtreibung verbot, ebenso war Homosexualität zu jener Zeit noch eine Straftat. Kaufmann hält dem Leser im wahrsten Sinne des Wortes den Spiegel vor und macht eindrucksvoll deutlich, wie sehr sich die Gesellschaft und die Rolle der Frau in den letzten 60 Jahren verändert hat, obwohl es auch heute noch auf vielen Gebieten Nachholbedarf gibt.

    Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und mit menschlichen Ecken und Kanten in Szene gesetzt. Mit ihrer Authentizität und Glaubwürdigkeit geben sie dem Leser die Möglichkeit, ihnen über die Schulter zu schauen und ihre Gedanken- und Gefühlswelt zu erkunden und nachzuvollziehen. Der Leser begegnet zuerst noch einer naiven, etwas verträumten, zurückhaltenden jungen Frau, die noch an die große Liebe glaubt. Als verlassene alleinstehende werdende Mutter sieht sie sich dann plötzlich als gesellschaftlich ausgestoßen und verachtet und kämpft praktisch gegen Windmühlen, was sie erwachsen werden lässt und sie zu einer selbstsicheren und starken Frau heranreifen lässt. Ihre Mutter Brigitte sucht sich lieber einen Versorger, so dass sie sich finanziell sicher fühlt und gesellschaftlich anerkannt ist. Interessant zu beobachten ist die Tatsache, dass Sabine das Handeln ihrer Mutter erst in Frage stellt, sich dann allerdings in die gleiche Richtung bewegt. Michael wirkt wie ein Hasenfuß, wobei es wohl auch an dem Einfluss der Familie liegt, denn Sabine war keine akzeptable Partie. Wichtige Rollen in dieser Geschichte sind auch Alexander, Holger und Anne vorbehalten, die für Sabine Rückhalt und Freundschaft bereithielten.

    „Das Fräulein mit dem karierten Koffer“ ist eine anrührende Zeitreise in die 60er Jahre mit einer Handlung voller Tragik und Dramatik. Doch am Ende gibt es einen Hoffnungsschimmer, denn wie sehr hat sich die Position der Frau bis heute verändert. Eine mit vielen Bildern angefüllte, eindrucksvolle Geschichte, die noch nachklingt, nachdem das Buch gelesen ist. Verdiente Leseempfehlung!

  24. Cover des Buches Die Frauen vom Nordstrand - Eine neue Zeit (ISBN: 9783746635705)
    Marie Sanders

    Die Frauen vom Nordstrand - Eine neue Zeit

     (25)
    Aktuelle Rezension von: ***Chrissy***

    Inhalt:

    Anni ist eine starke und intelligente junge Frau, die in den 50er Jahren im beschaulichen Badeort St. Peter an der Nordsee wohnt. Sie verfolgt den großen Traum, das Hotel ihrer Eltern zu modernisieren und ein renommiertes Urlaubsziel daraus zu machen. Um dieses lang gehegte Ansinnen zu erreichen, muss sie sich jeden Tag aufs Neue behaupten, denn Frauen wird ein Sinn für das Geschäftliche in der Nachkriegszeit noch nicht zugestanden. Und so beginnt für Anni ein langer Kampf. Unterstützt wird sie dabei von ihren Freundinnen. Helena ist eine der wenigen Ärztinnen dieser Zeit, die im Krieg Schreckliches erlebt hat. Edith ist Frauenrechtlerin und zieht heroisch für ihresgleichen jeden Tag aufs Neue in die Schlacht. Gemeinsam versuchen die drei Frauen die Welt nach ihren Idealen zu verändern und zu gestalten.

    Meine Meinung:

    Das Buch ist insgesamt eine nette und kurzweilige Lese-Unterhaltung. Der Kern der Geschichte ist schön und beschaulich. Eine fröhliche junge Dame möchte ein Urlaubsparadies erschaffen und sich beweisen, dass Frauen durchaus einen Sinn für Geschäftliches haben. Frauenpower pur.

    Der Roman von Marie Sanders hat mir in Summe ^sehr gut gefallen.

    Mir war das Buch nur etwas zu vollgestopft mit Dramen. Natürlich braucht ein Buch auch spannende Ereignisse, sonst wäre es langweilig. Aber in diesem Fall wurde mit Katastrophen, Pech und schweren Prüfungen übertrieben. Die einzelnen Tragödien werden zudem immer sehr schnell abgehandelt, damit rasch das nächste Unglück passieren kann. Etwas weniger wäre in meinen Augen mehr gewesen.

    Ein zweiter Punkt, der mir nicht gefiel, war die Rolle der Männer im Buch. Die Herren der Schöpfung kommen in der Storyline extrem schlecht weg. (Fast) alle männlichen Figuren im Buch sind aggressiv, gewalttätig oder dumm. Klar, die Autorin weist auf die Umstände dieser Zeit hin. In den 50er Jahren wurden Frauen oftmals unterdrückt und durften sich nicht so frei ausleben wie heute. Aber bestimmt waren nicht alle männlichen Wesen brutale Säufer, gemeine Schurken oder dumme Besserwisser. Ein Punkt, der meiner Meinung nach auch etwas zu übertrieben dargestellt wird.

    Die weiblichen Charaktere waren mir alle sehr sympathisch. Die drei Freundinnen sind sehr unterschiedlich und jeweils auf ihre einzigartige Weise authentisch und charmant. Ich habe mich gerne in sie hineinversetzt und mit ihnen mitgefiebert.

    Das Ende kam nicht überraschend. Ein spannender Cliffhanger, der Lust auf die nächsten Teile der Reihe macht.

    Fazit:

    Die Frauen vom Nordstrand erinnern uns daran, dass wir froh sein können in der jetzigen Zeit und in diesem Land zu leben. Frauen vor uns sind einen langen und harten Weg gegangen, bis die Gleichstellung der Geschlechter ansatzweise durchgesetzt war. Die Aussage des Buches wird sehr gut vermittelt und die Problematiken der Mitte des letzten Jahrhunderts sehr gut dargestellt. Den Roman kann man jedem empfehlen, der Geschichten von starken Frauen und den Meilensteinen der Emanzipation mag. Die nächsten Teile werde ich auch noch lesen.    

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