Bücher mit dem Tag "fremdenfeindlichkeit"
64 Bücher
- Rebecca F. Kuang
Babel
(439)Aktuelle Rezension von: koechlKann meine Gedanken gerade nur halb in kohärente Sätze formulieren, aber wow, war für ein vergeudetes Potential. Die Grundidee ist ja wirklich spannend (die Rolle von Übersetzer*innen im British Empire und für den Kolonialismus + es gibt ein bisschen Magie), das Buch ist extrem gut recherchiert und auch sprachlich hab ich nichts zu meckern. Aber: Der Plot???
- Wie kann man so wenig Gespür für subtiles Erzählen haben???
- Die belehrenden Fußnoten?
- Gefühlt keine Charakterentwicklung?
- Und zu guter Letzt: Die im Buch skizzierte Idee von politischer Veränderung finde ich vor allem in der dargestellten Absolutheit leider so unglaublich hanebüchen. - TJ Klune
Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte
(916)Aktuelle Rezension von: AnschiMIch bin ein riesen Fantasy-Fan und dieser Roman ist wirklich ganz wundervoll. Einzigartige, liebevolle Charaktere die einem ans Herz wachsen.
Der Beamte Linus wird in ein Waisenhaus auf einer Insel geschickt um zu kontrollieren ob dort alles gut läuft. In diesem Heim leben magische Minderjährige, welche von Arthur Parnassus betreut werden. Diese Kinder übertreffen alle Erwartungen!!!
Es geht um Vorurteile, Freundschaft, Liebe, sich treu bleiben und seinen Platz im Leben finden.
Ganz klare Leseempfehlung für Fantasy-Fans!
- Angie Thomas
The Hate U Give
(746)Aktuelle Rezension von: Isabelle_Kocher"The Hate U Give" behandelt das Themen wie Rassismus, Polizeigewalt und Black Lives Matter, jedoch erzählt aus der Perspektive eines 16-jährigen Mädchens. Dadurch wirkt die Geschichte nahbarer und berührt auf eine viel intensivere Weise. Statt den Fokus auf die harten Fakten der zu richten, wirkt dieser Roman fast philosophisch, wenn die Hauptfigur, Starr, sich fragt, was falsch und was richtig ist, was es wert ist, dafür zu kämpfen und wie sie die zwei Welten, in denen sie lebt, miteinander vereinen kann. Besonders gut hat mir an diesem Buch gefallen, dass es der objektiven Berichterstattung unserer Nachrichten nun ein persönliches Gesicht verleiht. Wir sehen nicht mehr einen Afro-Amerikaner, der erschossen wird - wir sehen ein Mädchen, dass sich an die vielen Momente der Freundschaft mit einem Jungen erinnert, dessen Leben nun viel zu früh endet, während sie ohne ihn weiterleben muss. Ein Buch, das bewegt und einem die Augen öffnet.
MEIN TIPP: Als englisches Audiobook kommt die besonderes Sprache des Buchs am besten zur Geltung! - Nele Neuhaus
Im Wald (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 8)
(638)Aktuelle Rezension von: KeksTrommelEin Fuchs und ein Junge verschwinden. Jahre später wird eine totkranke Frau ermordet. Wollte sie ihr Gewissen erleichtern und drohte die Wahrheit ans Licht zu kommen? Oder hat beides nichts miteinander zu tun? Es bleibt nicht der einzige Mord.
Das Cover finde ich ganz passend gestaltet, wenn man mehr von den Geschehnissen Kenntnis erhält.
Es war mein erstes Buch von Nele Neuhaus. Das war aber nicht weiter schlimm, da es ein unabhängiger in sich geschlossener Fall war.
Das Buch wurde aus verschiedenen Sichtweisen erzählt.
Der Fall an und für sich war spannend erzählt, das Ende war schlüssig.
Ganz Ruppertheim war hier im Fokus, weil die ehemaligen Kinder zusammenhielten und über die Geschehnisse der Vergangenheit schweigen. Auch Bodenstein ist tief in den Fall verwickelt.
Mir gefallen die Charaktere. Pia ist noch etwas unsicher, als sie die Leitung übernimmt. Das merkt man ihr an und das ist für mich als Leser nachvollziehbar. Das Bodenstein dennoch ermittelt, weil der damals verschwundene Junge sein Freund und der verschwundene Fuchs sein Haustier war, ist für mich ebenso nachvollziehbar.
Das Buch hat mir viele spannende Lesestunden geboten, auch wenn es am Ende etwas in die Länge gezogen wurde, weshalb ich es weiter empfehlen kann.
- Daniel Speck
Bella Germania
(211)Aktuelle Rezension von: Johann_BaierDeutsch-italienische Familiengeschichte über drei Generationen – meine Gefühle beim Lesen schwankten stark: mal fand ich es spannend, durch die Augen der Gastarbeiter der Siebziger Jahre auf Deutschland zu blicken, die zweistufige Migration (Süditalien-Norditalien-Deutschland) mitzuerleben, die Verklärung der armen Ursprungsheimat mitzufühlen. Mal haben mich die kitschigen, pseudo-tiefsinnigen, Hollywood-artigen Dialoge genervt, die es nur in Drehbüchern gibt, aber nicht in der Realität (der Autor ist hauptberuflich Regisseur). Mal haben mich die unglaubwürdigen Handlungsstränge gestört (Gastarbeiter ziehen in trotzkistische Hippie-WG, die plötzlich die RAF unterstützt – diese Subkulturen waren damals doch streng getrennt und verachteten sich gegenseitig). Mal konnte ich den sehr ausführlichen Gedanken der jeweiligen Protagonisten folgen, mal nicht (warum regt er sich jetzt so auf?). Manche Liebesszene schien aus einem Trivialroman, die betrogene Ehefrau, die technisch versiert den Bremsschlauch des Alfa Romeos ihrer Rivalin durchtrennt, aus einem Tatort-Krimi entsprungen zu sein. Das Schicksal des unsympathischen Sohnes Vincenzo, dessen Traum es war, professioneller Autorennfahrer zu werden, interessierte mich irgendwie nicht so. Am Schluss versucht der Autor, die Figuren noch ein paar allgemeine Lebensweisheiten zur Bedeutung der Familie äußern zu lassen.
Interessant fand ich, die Handlung mit den politischen und wirtschaftlichen Ereignissen der Siebziger Jahre zu verknüpfen. Die Figuren des Romans erlebten also die Zeit, an die ich mich auch erinnere – Vietnamkrieg, Ölkrisen, Olympiade in München und RAF-Hysterie.
Die Familiengeschichte wird nicht chronologisch erzählt, sondern man folgt dem jüngsten Familienmitglied bei der Erforschung der ihr bislang nicht bekannten Familiengeschichte. So wird das Puzzle nach und nach komplett. Man hätte die Geschichte auch auf 400 statt auf 600 Seiten erzählen können.
- Martin Walker
Bruno Chef de police
(276)Aktuelle Rezension von: Sanne54Nachdem ich schon sehr oft über Bruno, den Chef de Police eines kleinen Örtchens in der französischen Provinz gestolpert bin, nie aber ein Buch gelesen habe, habe ich nun doch mal einen Blick in den ersten Teil gewagt.
Und bin auch eine durchaus charmant konstruierte Geschichte gestoßen, was den namensgebenden Protagonisten und das Setting betrifft. Ein bisschen wie Rosamunde Pilcher in Frankreich. (Passenderweise kommen auch einige Engländer vor.) Bruno, dessen Rolle nicht so ganz trennscharf auf den örtlichen Polizisten festzulegen ist, hat eine große Schwäche fürs Kulinarische und die Tradition seines Perigords, wofür er sich gerne auch mal mit der EU anlegte, und ist anerkannter Teil seiner Gemeinde Saint-Denis. Obwohl kleinere Versuche gewagt werden, der Figur Tiefe zu verleihen (betrifft seine Vergangenheit in der Armee und dass er als Waise aufgewachsen ist), bleibt der überzeugte (?), aber begehrte Junggeselle sympathisch, allerdings ohne Ecken und Kanten. Das finde ich persönlich Schade.
Insgesamt wartet das Buch für mich mit zu vielen Klischees auf. Vielleicht trägt das zum "Cosy"-Gefühl bei, das diese Krimi-Reihe so erfolgreich macht, ich würde mir mehr Authentizität wünschen und weniger "Reiseführer"-Feeling. Da sind die Figuren die entscheidenden Stellschrauben, wie ich finde.Und dann macht zwischen Wochenmarkt, Kulinarik und Tennisplatz der Fall plötzlich eine überraschende Wendung. Nicht nur durch den brutalen Mord, bei dem Bruno den Ermittlern zuarbeitet, sondern auch durch den politisch-historischen Hintergrund, den der Autor einarbeitet. Hier werden interessante Themen aufgeworfen, die aber in diesem Kontext einfach zu flach und banal bearbeitet werden. Das wird der Thematik einfach nicht gerecht, weshalb ich einen zweiten Punkt abziehe. Vielleicht passen die folgenden Fälle Brunos besser zum Setting und sind nicht im Bereich des politisch-brisanten Kapitalverbrechens angesiedelt, denn das würde ihnen meiner Meinung nach besser zu Gesicht stehen.
Im Großen und Ganzen leicht lesbare Unterhaltung und ein sympathischer, spitzbübischer Protagonist, der nachvollziehbar viele Fans hat und hier aber leider in eine zu ambitionierte Story verwickelt wurde.
- Henning Mankell
Mörder ohne Gesicht
(1.008)Aktuelle Rezension von: Pascal_MaessHenning Mankells „Mörder ohne Gesicht", der erste Band der Wallander-Reihe, hat mich von Anfang an durch seinen prägnanten und reduzierten Erzählstil überzeugt. Der Schreibstil mag zunächst ungewohnt erscheinen, erinnert aber mit seiner präzisen, teils stakkatoartigen Erzählweise an die Direktheit eines „Maschinengewehrs". Diese Klarheit, gepaart mit dem Verzicht auf überflüssige Ausschmückungen, sorgt dafür, dass die Handlung stets auf den Punkt bleibt und nie ins Stocken gerät. Selbst alltägliche Handlungen, wie Wallanders Reisen von einem Ort zum anderen, werden aufs Wesentliche reduziert, ohne dass dabei etwas fehlt.
Die Handlung selbst ist geprägt von rea-litätsnaher Polizeiarbeit. Wer actiongela-dene Szenen, Explosionen oder filmreife Verfolgungsjagden sucht, wird hier nicht fündig. Stattdessen überzeugt das Buch durch die nüchterne und präzise Darstellung von Ermittlungsarbeit. Gerade diese sachliche Herangehensweise macht die Geschichte so fesselnd - die Spannung entsteht aus der Authentizitat der Arbeit und den falschen Fahrten, denen man als Leser ebenso auf den Leim geht wie die Ermittler. Mankell schafft es meisterhaft, den Leser in den Denkprozess der Ermittler einzubeziehen, sodass man selbst miträtseln kann.
Kurt Wallander ist eine Figur, die mich besonders beeindruckt hat. Mankell gibt einen tiefen Einblick in seine Persönlichkeit und Gefühlswelt. Wallander ist ein vielschichtiger Charakter, der manchmal unsympathisch wirkt, gleichzeitig aber auch seine menschliche und mitfühlende Seite zeigt. Diese Ambivalenz macht ihn glaubwürdig und interessant. Es ist spannend, Wallanders Entwicklung im Verlauf des Buches zu beobachten, und ich freue mich darauf, seine charakterliche Reise in den folgenden Büchern weiterzuverfolgen.
Ein weiteres Highlight des Buches ist die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Besonders auffällig ist, wie aktuell die Diskussionen über Themen wie Asylpolitik und Rassismus auch heute noch sind - mehr als 30 Jahre nach Erscheinen des Buches. Dies verleiht dem Werk eine zeitlose Relevanz und regt zum Nachdenken an. Ich bin gespannt, welche weiteren gesellschaftlichen Fragestellungen Mankell in den nächsten Bänder -'fgreifen wird.
Insgesamt ist „Mörder ohne Gesicht" ein beeindruckender Auftakt der Wallander-Reihe. Die Kombination aus realitätsnaher Ermittlungsarbeit, spannenden Wendun-gen, einem tiefgründigen Hauptcharakter und gesellschaftskritischen Themen macht das Buch zu einem echten Leseer-lebnis. Ich freue mich auf die Fortsetzung der Reihe und bin gespannt, wie sich Kurt Wallander weiterentwickelt.
Fazit: Ein gelungener Start in eine der wohl bekanntesten Krimireihen - absolut empfehlenswert!
- Carolin Emcke
Gegen den Hass
(53)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerWer sich auch nur ein wenig im Internet bewegt, weiß es schon lange: die Menschenfeinde versuchen lautstark, organisiert und hemmungslos ihren Hass als die wahre Meinung des Volkes, die aufrichtige Mehrheitsmeinung zu verkaufen. Dass es diesen rechten bis rechtsextremen Rand in jeder Gesellschaft gibt, ist nichts Neues. Dass diese fanatische Minderheit bis zu 20 Prozent der deutschen Gesellschaft ausmacht, könnte man auch seit Jahren wissen, wenn man die entsprechenden Studien verfolgt hätte. Hier haben die bürgerliche Mitte und die Verteidiger der offenen Gesellschaft schlichtweg zu lange weggeguckt. Die autoritären Charaktere mit ihrer Radfahrermentalität (Erich Fromm), nach oben buckeln und nach unten treten, die preußischen Untertanen, versuchen den Diskurs zu okkupieren und ihre Meinung als mehrheitsfähig in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren.
„Die Sorge erlebt zur Zeit eine erstaunliche Aufwertung. In der Sorge, so die rhetorische Suggestion, artikuliere sich ein berechtigtes Unbehagen, ein Affekt, der politisch ernst genommen und keinesfalls kritisiert werden sollte. Als seien ungefilterte Gefühle per se berechtigt. Als käme unreflektierten Gefühlen eine ganz eigene Legitimität zu.“
Obsessiver Hass
Erst mit dem Erstarken von Pegida und AfD wacht die im Konsum erstarrte offene Gesellschaft langsam auf. Erst mit dem Rückfall zahlreicher Deutscher in den völkischen Hass-Habitus schrecken Intellektuelle wie Carolin Emcke oder Harald Welzer auf. Es ist dringend an der Zeit die offene Gesellschaft zu verteidigen und sich klar und deutlich als Mehrheitsgesellschaft gegen den Hass zu positionieren. Emckes Plädoyer trifft den Kern der Debatte, was die Reaktionen der besorgten Bürger (u.a. in Amazon Rezensionen und Kommentaren) eindringlich bestätigen. Der Hass ist obsessiv geworden. Und seit geraumer Zeit werden aus den Worten auch Taten. Was Sarrazin, Pirinçci, Don Alphonso (Rainer Meyer), Höcke und sonstige Protagonisten der Neurechten sprachlich und gedanklich vorbereiten, führen die Hohlköpfe der neuen SA, die Hooligans, Kameradschaften, Freundeskreise und wie sich die rechtsextremen Gewaltaffinen auch nennen mögen, auf den Straßen aus.
„Den Hass und die Angst schüren nicht zuletzt die, die sich von ihm Gewinn versprechen. Ob die Profiteure der Angst in der Währung der Einschaltquoten denken oder in Wählerstimmen, ob sie mit einschlägigen Titeln Bestseller produzieren oder sich mit griffigen Schlagzeilen Aufmerksamkeit verschaffen – sie alle mögen sich distanzieren von dem sogenannten »Mob« auf der Straße, aber sie wissen ihn ökonomisch für sich zu nutzen.“
Mehr noch, muss man hinzufügen, sie sind sich in der Sache einig, lediglich die Methoden halten sie für falsch. Es ist diese Allianz der Hetzer mit dem Mob, die das gesellschaftliche Gefüge gefährden und der Menschenfeindlichkeit den Nährboden bieten. Carolin Emcke beginnt „Gegen den Hass“ mit genau solch einer Melange aus Worten und Taten. Clausnitz, wiedermal ein deutscher Ort, nach den überwunden geglaubten 90er Jahren, der zu einem Symbol des Hasses geworden ist.
„Clausnitz ist nur ein Beispiel für den Hass und die Raster der Wahrnehmung, die ihn vorbereiten und formen, die Menschen unsichtbar und monströs zugleich machen. In Clausnitz traf es einen Bus mit Geflüchteten. In anderen Städten, in anderen Regionen trifft es Menschen mit einer anderen Hautfarbe, einer anderen Sexualität, einem anderen Glauben, einem uneindeutigen Körper, es trifft junge oder alte Frauen, Menschen mit einer Kippa oder einem Kopftuch, Menschen ohne Obdach oder ohne Pass, was immer gerade als Objekt des Hasses zugerichtet wird. Sie werden eingeschüchtert, wie in diesem Fall, oder kriminalisiert, sie werden pathologisiert oder ausgewiesen, angegriffen oder verletzt.“
Als zweites Beispiel für „Hass und Missachtung“ führt Emcke den institutionellen Rassismus in den USA an. Es ist ein Beispiel, exemplarisch und nicht der Fingerzeig auf andere. Der institutionelle Rassismus ist kein Problem der USA, dort hat er lediglich eine spezifische Geschichte mit einer spezifischen und nicht einfach übertragbaren Ausprägung. Aber die Strukturen des Rassismus, die Missachtung des Lebens, die Menschenfeindlichkeit sind sehr wohl auch bei uns auszumachen.
Der Mord an Eric Garner und sein Ausruf „This stops today“ ist Warnung, Mahnung und Aufforderung an alle Demokraten sich den Hass entgegenzustellen. Wie Harald Welzer es in „Wir sind die Mehrheit“ schrieb: Die Weimarer Republik scheiterte nicht, weil sie zu viele Feinde hatte, sie scheiterte, weil sie zu wenig Freunde hatte. Ebenso wie Welzer ruft Emcke dem Leser zu: Werdet Freunde der offenen Gesellschaft! Stellt euch gegen den Hass! Wir sind die Mehrheit!
Der zweite Teil des Buches ist der Versuch den Kern der völkischen Ideologie, wie sie im Rassismus, bei Pegida, AfD und Neurechten gepflegt wird, aufzudecken: Homogen, Natürlich, Rein. Die Dreifaltigkeit der Einfältigkeit. Die Nähe von Neurechten, besorgten Bürgern und Islamisten wird hier besonders deutlich. Die Fundamentalisten sind immer gegen das vermeintlich Unnatürliche, das Unreine, die Biologisierung der eigenen Ideologie, der eigenen Ressentiments. Menschenfeinde sind Menschenfeinde – auch wenn sie es, geblendet von ihrem Hass, nicht erkennen werden.
Emcke schließt das Buch mit dem dritten Teil, einem Plädoyer für den Pluralismus, die offene Gesellschaft. Hinter allem steht die Mahnung Eric Garners: Es muss heute aufhören! Der Hass muss aufhören.
Während der erste Teil des Buches im journalistischen Stil geschrieben ist, dominiert im zweiten und dritten Teil ein philosophisch-akademischer Ton. Hierdurch wird meines Erachtens Potenzial verschenkt. Solche Bücher bedürfen einer großen Reichweite. Dass die besorgten Bürger das Buch nicht lesen werden, versteht sich von selbst. Aber die Mehrheitsgesellschaft besteht nicht nur aus Akademikern und Intellektuellen. Das ändert aber natürlich nichts an der Wichtigkeit des Buches und der trefflichen Analyse und Argumentation.
- Libba Bray
Diviners – Die dunklen Schatten der Träume
(63)Aktuelle Rezension von: Jo_CobaltDie Diviners in New York werden in eine mysteriöse Situation hineingezogen und wir lernen neue Diviners kennen und unsere bisherigen Charaktere noch besser. Ich freu mich dass die Autorin so gut im Ecken und Kanten schreiben ist. Leute wie Evie sind kompliziert und nicht einfach in eine Schublade zu stecken. Mein Dream team aus Henry und Theta hatte es wahrlich nicht leicht in diesem Teil, es wird sehr feinfühlig und wenig voyeuristisch über Gewalt, Rassismus und Menschenhass gesprochen, ihne ins Plakative oder Belehrende zu kippen. Die Story ist wirklich spannend und die ganze Zeit fragt man sich, wo und wie das alles mit dem Großen Ganzen zu tun hat, dem Mann mit dem Zylinder, Jake Marlowe, Will…? Die Nebencharaktere sind oft echt sus, zB Addie und Blind Bill, auch das macht es nochmal wirklich spannend. Außerdem sind die anbändelnden Pärchen authentisch, zart und realistisch durch Unsicherheiten… freue mich sehr auf Band 3!
- Anna Schneider
Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
(113)Aktuelle Rezension von: Sir_Gerry_63Die Grenzfallreihe von Anna Schneider hat nun 5 Bände, in denen grenzüberschreitend zwischen Deutschland und Österreich ermittelt wird. Diesmal geht es um heiße und brennende Ermittlungen kurz vor den traditionellen Sonnenwendfeuern im Karwendel. Bei Bad Tölz kommt es zu einem Verkehrsunfall, bei dem der Fahrer verbrennt. Weitere tödliche Brandanschläge folgen....Zufall oder Brandstiftung oder doch was Anderes?
Oberkommissarin Alexa Jahn nimmt mit ihrem Kollegen Huber die zähen und anfangs recht erfolglosen Ermittlungen auf. Mit ihrem eindrucksvollen Schreibstil schafft es Anna Schneider, Alexa Jahn sehr detailliert zu beschreiben und das Innere so darzustellen, dass ich das Gefühl hatte, sie schon jahrelang zu kennen. Gleiches gilt für die ruhige und differenzierte Darstellung der weiteren Geschehensabläufe, ohne dabei langatmig oder zu ausführlich zu sein. Man konnte gut in die Geschichte eintauchen.
Neben der weiteren Storyentwicklung kommt die Autorin immer wieder auf die Geschehnisse in den vorherigen Bänden zurück. Das war so geschickt, dass ich auch ohne Vorkenntnisse ein Gefühl dafür bekam, was vorher passierte und wie sich die Fäden der Vergangenheit bis in die Gegenwart gezogen haben. Dennoch empfehle ich, wer die Reihe kennenlernen möchte, mit Band eins zu beginnen.
Was mir auch gut gefallen hatte, war, dass die Autorin immer wieder zwischendurch kurze knackige Statements zu Themen wie Wohnungspolitik, Ausländerfeindlichkeit oder Wohlstandsverwahrlosung in den Ring wirft.
Weiter kam ich sehr gut mit der Figur des österreichischen Chefinspektor Bernhard Krammer zurecht, dem die Autorin eine angenehme Tiefe verleiht. Man erfährt über ihn auch immer wieder, was zuvor passiert ist und wie ihn das berührt. Die menschliche Seite kommt gut zur Geltung.
Allerdings hätte ich mir an manchen Stellen ein wenig mehr Spannung gewünscht. Das ist aber eine rein subjektive Empfindung.
Mit einem klaren Krimikonzept, tollen Figuren und des guten Schreibstils kann ich diesen Krimi allen empfehlen, die sich für das Genre Krimi begeistern können.
Ich gebe 4 von 5 ⭐️
- Jan Weiler
Kühn hat zu tun
(104)Aktuelle Rezension von: Lilli33Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (21. Mai 2016)
ISBN-13: 978-3499266829
Preis: 11,00 €
Spannender Krimi und mehr
Inhalt:
Kriminalhauptkommissar Martin Kühn, verheiratet mit Susanne, zwei Kinder, stolzer Besitzer eines Eigenheims, schwirrt der Kopf. In seiner Wohnsiedlung geht es drunter und drüber. Irgendwas stimmt mit dem Baugrund nicht, Neonazis bilden eine Bürgerwehr, ein kleines Mädchen ist verschwunden und hinter Kühns Garten liegt eine Leiche, aufs Übelste zugerichtet.
Meine Meinung:
Dies ist der Auftaktband der Reihe um den Münchner Polizisten Martin Kühn. Er hat mir in seiner Vielseitigkeit ausgesprochen gut gefallen. Dicht an der Seite des sympathischen, aber auch ein bisschen verschrobenen Protagonisten erleben wir einige turbulente Tage mit polizeilichen Ermittlungen, aber auch einigen privaten Problemen, wobei sich alles irgendwie vermischt.
Besonders Kühns innere Monologe vermögen zu fesseln und bringen auch die Ermittlungen voran. Was den Täter angeht, hatte ich zwar schon früh den richtigen Riecher, doch was genau dahintersteckt, hat mich letztendlich doch sehr überrascht und fasziniert.
Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für diesen tollen Kriminalroman.
Die Reihe:
1. Kühn hat zu tun
2. Kühn hat Ärger
3. Kühn hat Hunger
★★★★★
- Heinz Strunk
Der goldene Handschuh
(308)Aktuelle Rezension von: AtschiBIch habe vor längerer Zeit den Film gesehen und er geht mir nicht aus dem Kopf. Eher angewidert von der Perversion des Frauenmörders in Hamburg, wollte ich nun doch das Buch lesen. Heinz Strunk beschreibt in bisweilen sehr derber Sprache das Leben und die Gedanken des Frauenmörders Fritz Honkas sowie das seines sozialen Umfeldes und gibt Einblicke das Leben der Familie von Dohren. Das perverse Innenleben des Protagonisten wird teilweise in äußerst vulgärer Sprache dargestellt. Das ich im Film schon abartig und ist im Buch nicht anders. Ich hatte bisweilen Probleme zwischen den verschiedenen Handlungslinien unterscheiden obwohl ich den Film kenne. Der Autor nimmt den Leser mit nach St. Pauli der 70er Jahre, in die Kneipe ‚Zum goldenen Handschuh‘, wo sich Alkoholiker, Zuhälter und Prostituierte treffen. Es ist eine beeindruckende und verstörende Darstellung eines Milieus der völligen Verwahrlosung, in dem keinerlei Hemmungen und Anstand mehr existieren. Honkas Wohnung, wo es vergammelt riecht und unsagbar dreckig ist, in eine Welt, die einem buchstäblich den Atem nimmt und einen mit Schrecken erfüllt. Die gesamte Atmosphäre im Buch erdrückend, düster, verstörend und bisweilen einfach nicht auszuhalten.
- Peter Beutler
Weissenau
(7)Aktuelle Rezension von: peedeeBeat Lauber, Band 1: Interlaken (Schweiz), 2001. Interlaken ist ein beliebter Urlaubsort, doch leider ist es nicht Idylle pur, denn Neonazis vergiften ihre Umwelt mit ihrem Gedankengut und ihren Hasstiraden. Der junge Polizist Beat Lauber hat nicht nur mit Rassismus zu kämpfen, sondern auch mit Verrat in den eigenen Reihen! Dölf Imobstgarten und seine Kumpane werden verdächtigt, einen brutalen Überfall auf einen Obdachlosen verübt zu haben. Aber es ist ihm nichts nachzuweisen. Dann verschwindet plötzlich einer aus Imobstgartens Geheimbund… Die Geschichte basiert auf einem wahren Fall.
Erster Eindruck: Das Cover mit der Bergkulisse ist schlicht – gefällt mir.
Ein kleiner Junge hat einen Mord gesehen. Als er dies auf dem Polizeiposten Flurmühle in Interlaken in Begleitung seiner Mutter dem diensthabenden Polizisten erzählt, stellt sich dieser die Frage, ob der Junge nicht einfach nur schlecht geträumt hat. Aber sein Bauchgefühl sagt ihm etwas anderes – und das hat ihn noch selten getäuscht.
Dölf Imobstgarten ist in einer frommen und sehr konservativen Familie aufgewachsen; Veränderungen gegenüber ist man misstrauisch und zugezogene Nachbarn bleiben auch noch zwanzig Jahre „fremd“. Imobstgarten ist zum ersten Mal in einer Disco und hat Interesse an einem Mädchen. Da kommt ein anderer Mann daher, an dem das Mädchen Gefallen findet. Dieser andere, wie er tags darauf herausfindet, war Bruno Tadic – ab sofort Dölfs neustes Hassobjekt. Er schert seine Kumpels um sich, um Tadic eine Abreibung zu erteilen…Die Polizisten Lauber und Raaflaub (ich verzichte auf die korrekte Rangbezeichnung) und Polizei-Aspirant Minder haben mir sehr gefallen. Bei anderen Polizei-Kollegen kam mir schier die Galle hoch (während des Lesens habe ich mich immer wieder gefragt, wem man eigentlich noch trauen kann). Ebenso bei den Neonazis – deren Gedankengut ist für mich nicht nachvollziehbar (und ich will das auch gar nicht verstehen können). Hass, Rassismus, Gewalt – und das alles auch noch mit der schrägen Idee, zu den „Guten“ zu gehören.
Dies war mein erstes Buch des Autors. Es hat sich gut lesen lassen, wenn mir auch die erste Hälfte deutlich schwerer fiel als der zweite. Im Anhang des Buches befinden sich ein Glossar sowie ein Zeitungsartikel über den wahren Fall im Jahr 2004. Die Lektüre des Buches im Wissen darum, dass es auf einer wahren Tatsache beruht (aber mit fiktiven Bestandteilen ergänzt wurde), war spannend aber auch bedrückend. - Deniz Ohde
Streulicht
(81)Aktuelle Rezension von: RadagastDieser Roman hatte mich von Anfang an voll abgeholt. Abgesehen von den Protagonisten, der Handlung und dem Schreibstil ging mir dieses Buch an mein Herz. Liegt daran das es Themen aufgreift die wenig spektakulär sind. Momente beschrieben werden die zwar auf den ersten Blick nicht relevant für die Handlung sind, aber im Gesamten alles abrundet.
Ein Vater der in seiner Blase gefangen ist. Sicherheit darin findet diese Blase nicht zu zerstören. Seine Verzweiflung trinkt er sich weg und auch um sozialen Abstand zu wahren. Die Mutter mit einer schwierigen Vergangenheit versucht mit ihren Möglichkeiten ein annehmbares Leben zu leben. Die Tochter selbst introvertiert und durchaus schlau sucht in ihrer Jugendzeit den Weg ins Leben zu finden.
Dieser Weg ist für die Tochter steinig. Lehrer, Nachbarn und Freunde werten sie teilweise ab. Vor allem ihren Schuljahre sind harte Jahre. Sie verlässt die Schule und kommt wieder zurück zur Abendschule. Von der Abendschule ins Gymnasium um das Abitur zu machen. Damit sie endlich etwas wert ist.
Der soziale Spießrutenlauf zeigt auf wie es ist anders zu sein. Anders zu sein dass man normal wirkt und doch nicht dazu gehört, weil man für andere gefühlt nichts tut. Dieses unsichtbar sein und doch mit schwimmen wollen auf eigene Art, lässt sie durch das gesellschaftliche Raster fallen.
Dieses Buch ist mein Highlight 2025. Dieser Roman hat mich berührt und an Stellen meiner Seele wo ich dachte: "Das hast du im Griff". - Shida Bazyar
Drei Kameradinnen
(176)Aktuelle Rezension von: venenorojoDieser großartige Roman handelt von Kasih, Hani und Saya, drei Freundinnen mit Migrationshintergrund, die in dem selben Stadtteil groß werden, die seit ihrer Kindheit viel Zeit miteinander verbringen, engste Vertraute werden, sich in- und auswendig kennen. Drei Freundinnen mit unterschiedlichen Charakteren, mit verschiedenen Ansichten und Wünschen, die zusammen lachen und weinen. Eines verbindet die drei mittlerweile jungen Frauen mehr als alles andere: der Alltagsrassismus, dem sie ausgesetzt sind und ihre differenzierte Art, damit umzugehen.
Shida Bazyar zeigt die unterschiedlichen, oft subtilen oder auch gar nicht böse gemeinten, Facetten des Alltagsrassismus und die diversen Möglichkeiten, mit diesen umzugehen. Sie verleiht ihrer Erzählerin Kasih eine Stimme voller Inbrunst und Wut, warum Menschen aufgrund ihrer Herkunft ständig hinterfragt werden, ja selbst von Antifaschisten, denn wozu betont man eigentlich, dass man Antifaschist ist?! Müsste das nicht normal sein? Und immer wieder hebt sie eines hervor: Dass der wichtigste Halt in unserer heutigen Zeit bedingungslose Freundschaft ist.
Dieses Buch ist das Beste, was ich seit langem gelesen habe, und offenbart zum Ende neben einem alles in Frage stellenden Plot Twist auch einige weitere Überraschungen.
Für mich ist Shida Bazyars Roman das Buch des Jahres 2021! - Hakan Nesser
Der Fall Kallmann
(115)Aktuelle Rezension von: Athene100776Mir gefiel dieser Roman des Autors gut, auch wenn andere Bücher vom ihm um einiges spannender sind.
Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig und locker gehalten, so dass man gerade zu durch das Buch gleitet.
Besonders gut gefallen hat mir, dass es sowohl Rückblicke in die Vergangenheit gibt, als auch die Geschichte aus mehreren Perspektiven erzählt wird.
Die Idee des Buches empfand ich als sehr ansprechend und auch die Umsetzung gelang dem Autor.
Die Spannung war vorhanden, wenn auch nicht in der Menge und so tiefgründig, wie ich es aus anderen Büchern von ihm gewohnt bin.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und entwickeln sich im Laufe der Geschichte, was mich freute.
Ich konnte die Charaktere gut greifen, mit ihnen mitfühlen oder sie auch einfach nicht mögen, der Autor lässt in diesem Roman kaum eine Gefühlsregung aus.
Alles in allem ein schöner Roman, denn man gut und gerne weiterempfehlen kann.
- Terry Pratchett
Fliegende Fetzen
(226)Aktuelle Rezension von: AleshaneeDen Krieg auf die Schippe nehmen kann nur einer wirklich gut - Pratchett hat es mal wieder geschafft mit Humor und Scharfblick die Gesellschaft auf liebenswerte Art vorzuführen :)
Mein Fazit: Ein weiterer re-read aus dem Scheibenwelt-Universum und wieder bin ich mit Samuel Mumm und Konsorten aus der Stadtwache von Ankh-Morpork unterwegs ... was für ein geniales Abenteuer mal wieder!
Dieses Mal nimmt Pratchett die "Kriegstreibereien" aufs Korn; ein ernstes Thema, das er allzu genau mit viel trockenem Humor, Feingefühl aber auch sehr deutlich beleuchtet und mit sämtlichen Vorurteilen aufräumt.
Ich hab mich wieder köstlich amüsiert, weil es trotz der zur Realität bezogenen Konflikte einfach wunderbar witzig war und der Menschheit so gekonnt den Spiegel vorhält. Der Autor hat wirklich meinen größten Respekt solch humorvolle Geschichten zu entwerfen und damit - ohne dass man es als Leser zunächst wahrnimmt - den "Finger genau auf die menschliche Überheblichkeit zu legen".
Dazu kommt die geniale Auflösung durch den Patrizier, den man nie unterschätzen sollte, und der selbst Mumm noch überraschen kann :)
Zitat: "Ich glaube, es heißt: >Wer den Frieden will, sollte für den Krieg bereit sein<, Exzellenz", sagte Leonard.
Vetinari neigte den Kopf zur Seite, und seine Lippen bewegten sich, als er die Worte lautlos wiederholte. "Nein", sagte er schließlich. "Nein, ich glaube, das ergibt keinen Sinn." Seite 280
Weltenwanderer - John Lanchester
Die Mauer
(172)Aktuelle Rezension von: LeserstimmeJoseph Kavanagh bewirbt sich als VERTEIDIGER an der Mauer Englands. Diese erstreckt sich über etwa 10000 km entlang der Küste. Die ersten Seiten klangen etwas befremdend, aber Kavanaghs immer wiederkehrender Gedanke "Betonwasserwindhimmel" prägt sich beim Leser dann doch ein und macht neugierig. Etwas sehr viel anderes gibt es hier nämlich nicht.
Kavanaghs Leben als Verteidiger ist trist, kalt und anstrengend. Einzige Abwechslung sind Ausflüge zu einer anderen Kompanie, um mit ihnen den Ernstfall zu üben: ANDERE drohen die Mauer anzugreifen, um ins Landesinnere zu fliehen und ein besseres Leben als vorher zu führen. Doch das scheint nur Privilegierten vorbehalten zu sein.
Für alle VERTEIDIGER gilt, ANDERE zu eliminieren und nicht zu versagen, ansonsten droht die "Abschiebung" ins Meer und man ist die längste Zeit Verteidiger gewesen. Kavanagh lernt auf der Mauer Hifa kennen, die sich auch ineinander verlieben und sich gegenseitig stützen im kargen "Betonwasserwindhimmel". Kurz keimt der Gedanke auf zu FORTPFLANZLERN zu werden, was auch sehr viel angenehmer und luxuriöser wäre und zudem vom Staat gefördert wird. Doch dazu soll es nicht kommen. Der Hauptmann ihrer Kompanie, selbst einmal ein ANDERER gewesen, ermöglicht gerade diesen einen furchterregenden Angriff zu planen und die Mauer anzugreifen. Das bleibt nicht ohne Folgen und Kavanagh und Hifa werden mit anderen ihrer Kompanie aufs Meer verbannt.
Die Idee der Geschichte ist wahrscheinlich nicht ganz allein seinem Ideenreichtum entsprungen, gibt es doch schon "Die Mauer" in das "Lied aus Eis und Feuer" und den Film "Waterworld", an den die Geschichte durchaus erinnert. Doch seine Umsetzung eine Klassengesellschaft zu erschaffen von ANDEREN, VERTEIDIGERN; FORTPFLANZLERN und DIENSTLINGEN, lässt sich metaphorisch umsetzen in die heutige Gegenwart. Lanchester klingt durchaus politisch in seinem Roman, lässt aber großen Spielraum für eigene Gedanken und ist brandaktuell, was das Thema Klima betrifft. Die ureigene Angst ums nackte Überleben macht den Menschen wiederum zum Tier. Spannend und sprachlich sehr gut umgesetzt. Ein Highlight von mir! Das Buch ist auch durchaus als Schullektüre für höhere Klassen geeignet, da es sehr viel Interpretationsmöglichkeiten gibt. Unbedingt lesen!
Genre: Klimawandel, Dystopie, Klassengesellschaft
- Toxische Pommes
Ein schönes Ausländerkind
(39)Aktuelle Rezension von: Karlotta_StahlSelten hat mich ein #buch so ambivalent zurückgelassen wie „Ein schönes Ausländerkind“ von @toxische_pommes
Irina alias @toxische_pommes erzählt von ihrer Kindheit als Migrantin in Österreich. Oder erzählt sie doch eher von ihrem Vater, für den die Integration so ganz anders verlief als für sie selbst? Ist das ein #roman ? Oder doch eher eine #biografie ? Oder eine Familiengeschichte? Und wo ist hier der rote Faden?
Wer das Buch in eine konkrete Sparte stecken möchte, sauber einordnen oder gar vergleichen möchte, wird wahrscheinlich scheitern. Für mich war das letztlich aber ehrlich gesagt total egal. Denn das Buch bietet ungelogen so großen Unterhaltungswert! Es hat mich in eine für mich unbekannte Welt hineinschauen lassen. Dabei mischen sich sehr intime und emotionale Einblicke mit einem so bissigen Humor, dass man nur Fan werden kann.
Die #autorin , die übrigens selbst auch #juristin ist, ist als Kleinkind mit ihren Eltern nach Österreich geflohen. Während ihrer Mutter eine Karriere in der Pharmazie gelang, wurde ihr Vater ungewollt zum Hausmann aber auch zu ihrem besten Freund. Zwischen witzigen Anekdoten und Geschichten, die Einblicke in die osteuropäische Lebensart bieten, liest man in leisen Zeilen vom Leid des Vaters, dessen Integration einfach nicht gelingen möchte.
Ein Buch, wie ich es bislang noch nicht gelesen habe und das noch immer nachhallt. Ein kleines Manko im Aufbau und auch im Preis. Aber davon ab eine absolute Empfehlung: Unterhaltung mit Mehrwert garantiert! - Annelies Verbeke
Dreissig Tage
(3)Aktuelle Rezension von: Thomas_LawallMadeleine Claeys hat klare Vorstellungen. Ihr Bruder ist gestorben. Einst wurde sie von ihrer Mutter beschuldigt, für dessen Zustand verantwortlich zu sein. Sein ehemaliges Zimmer muss jetzt renoviert werden. Jenes "eingefrorene Kinderzimmer aus einem anderen Zeitalter, strahlend vor wöchentlich gereinigter Nichtbenutzung". Alles muss verändert werden, von den Fußleisten bis zu den Fensterrahmen.
Den Auftrag dazu erhält Alphonse, ein senegalesischer Musiker. Mit seiner Brüsseler Freundin Kat ist er in ein kleines Dorf im flämischen Flachland gezogen, um sich dort eine Existenz aufzubauen. Er renoviert mit Sorgfalt alte Häuser und wie von selbst ergibt sich eine weitere, jedoch unbezahlte, Dienstleistung, die sich aus seiner besonderen Fähigkeit ergibt. Alphonse ist es gegeben, besonders gut zuhören zu können.
Diese Gabe nutzen seine Kunden für ihre jeweiligen "Herzensergüsse" oft und gerne, zumal er sogar im einen oder anderen Fall spontane Lösungen anzubieten hat oder diese zumindest anregt. So auch für Madeleine Claeys. Hinter den Fußleisten entdeckt er alte Briefe, deren Inhalt ihn zunächst nicht besonders interessiert. Jedenfalls bis die Hausbesitzerin wünscht, er solle sie lesen ...
"Dreißig Tage" wird auf keiner der üblichen Bestsellerlisten erscheinen. Dazu ist der Roman viel zu gut, die Themen aber zu unpopulär. Schon schlimm genug, wenn die Hauptpersonen, in völlig unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen aufgewachsen, massive private Probleme entwickeln. Annelies Verbeke deckt zudem zwischenmenschliche Tragödien in weit größerem Umfang auf. Man erkennt sie meist nicht, denn alltägliches Einerlei und die unumgängliche Schönfärberei übermalen das Elend, selbst in unmittelbarer Nachbarschaft. Zu allem Überfluss gesellt sich dann noch handfeste Flüchtlingsproblematik.
Schade, wenn man sich davon abschrecken lässt, denn allein der sprachliche Reichtum des Buches reicht für eine Sammlung Loblieder. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll. Fast auf jeder Seite möchte man den Rückwärtsgang einlegen, um die Beschreibung von Land und Leuten nochmals zu verinnerlichen. Leider erzeugen die Andeutungen des Klappentextes sowie der geschickt kaschierte Spannungsbogen der Autorin selbst einen gewissen Erwartungsdruck. Um zu erfahren, wie sich das entwickelt und wie es ausgeht, möchte man das Lesetempo beschleunigen. Davon ist aber dringend abzuraten. Man könnte hochkarätige musikalische Verweise abenteuerlicher Bandbreite (Dizzy Gillespie, Alpha Blondy, Seydina Insa Wade, Liszt ...) übersehen, ebenso berauschende Landschaftsbeschreibungen und andere Nebensächlichkeiten wie das Hüpfen der Vögel (!) und überhaupt all die wunderbaren, teilweise radikal schrägen, Charaktere der ganz hervorragend besetzten Nebenrollen.
Der Autorin scheint nichts zu entgehen. Was allzu leicht übersehen wird, kann hier nachgelesen werden. Alphonse wundert sich, "dass die meisten Menschen in der Mehrzahl über hypothetische Kinder reden, als träten diese grundsätzlich als Gruppe in Erscheinung". Die Ambivalenz einer Nachbarin gibt ihm noch weitaus größere Rätsel auf: "Manchmal denke ich, die Natur macht, dass ich mich in Menschen verliebe, um zu verhindern, dass ich sie ermorde."
Mit ebenso bizarrem wie pechschwarzem Humor geizt Annelies Verbeke ebenfalls nicht, wobei der Hund, dessen Aussehen "an einen Hardrocker aus den späten Siebzigerjahren" erinnert, eine Kuh, die denken kann, oder das "fanatische Verfertigen von Blumentopfhaltern aus Makramee" noch die harmlosen Varianten darstellen.
Phantasiebeladene Beschreibungen körperlicher Nähe und Sexualität spotten jeder Belanglosigkeit und stehen wiederum im krassen Widerspruch zu abgründigem gesellschaftlichem Spießertum, welches eigene Probleme nach außen stülpt und Erlösung in der Projektion auf andere sucht. Und wehe, sie konzentriert sich auf einen, der irgendwie immer und trotz alledem nur das Gute in seinen Mitmenschen sehen möchte. Alphonse, der "Magnet für alle Gestörten": Die Hauptthematik. Unsichtbare Abgründe, jetzt lesbar.
Im Rausch der Worte glaubt man sich fern des Gewöhnlichen und befindet sich doch mitten darin. Ein literarisches Fest, wenn auch mit dunklem Ausgang. Ein unerschütterlicher Optimist geht seinen Weg, auch wenn sich alles und jeder gegen ihn wendet. Einer der das Leben liebt, findet selbst dann noch Worte des Ausgleichs. Großartig! - Oliver Polak
Der jüdische Patient
(22)Aktuelle Rezension von: HoldenOliver Polaks Bericht aus der Psychiatrie, vielen Dank für die Lesung im Alten Schlachthof in Lingen! Was die psychischen Leiden angeht und einem diese Krankenhäuser auch nicht ganz fremd sind, hat man einiges wiedererkannt, so schlimm wie Oliver hatte es mich damals aber zum Glück nicht erwischt. Die Beschreibungen der Verwirrungen, Angstzustände usw. sind schon sehr treffend, mutig so was öffentlich zu machen. Und man ist natürlich nach wie vor sprachlos, mit welchen Gedanken- bzw. Taktlosigkeiten bis hin zu offenen Vorurteilen und Antisemitismen jüdische Menschen in Deutschland klarkommen müssen, wunderbar daß der Autor diese Menschen als das "Dreckspack" bezeichnet, das sie sind. Nur bei der Udo-Jürgens-Verehrung gehe ich nicht mit, auch wenn ich seine sozialkritischen Texte natürlich kenne. Toller Autor, sehr gelungenes Buch!
- Peer Martin
Winter so weit
(37)Aktuelle Rezension von: buchfeemelanieDer erste Band hat mir sehr gut gefallen. Das Coverbild ist okay und den Titel finde ich gut.
Von der Fortsetzung war ich dann doch sehr enttäuscht und ich habe es abgebrochen. Es war mir einfach zu langatmig geworden obwohl der Schreibstil immer noch gut ist.
Nuri kann ich mit ihrer Sehnsucht und Rastlosigkeit gut verstehen. Aber gerade die Zeit in Syrien hat mich irgendwie so gar nicht gepackt.
Ich habe es jetzt erst einmal abgebrochen und werde es in einiger Zeit noch mal lesen.
Gut gefällt mir, dass immer zum Ende eines Kapitels Stichworte zum googlen aufgelistet sind.
- Jan Weiler
Kühn hat Ärger
(105)Aktuelle Rezension von: LennyIch habe von dem Autor noch nichts gelesen. Da war sehr viel für mich drin. Diese vielen Vergleiche zwischen Arm und Reich. Auch die Mittelschicht wurde hier richtig gut dargestellt. Ich fand das Ende nicht überragend, aber gut. Mit dem Herrn Kühn werde ich weiter in Kontakt bleiben. Habe schon gesehen, dass es weitere Bücher gibt.
- Friedrich Ani
German Angst
(38)Aktuelle Rezension von: XirxeAußerordentlich realistischer Thriller: Nazis entführen eine Deutsche, um so die Ausweisung ihres nigerianischen Verlobten und dessen 14jähriger krimineller Tochter zu erzwingen. Es entsteht ein Medienrummel ohnegleichen. Ich musste das Buch immer wieder weglegen, weil es einfach unerträglich ist. Zu diesem Buch gibt es eine Menge Verrisse: Hauptvorwurf: zu klischeebeladen. Meiner Meinung können diese Leute es lediglich nicht akzeptieren, dass ihnen ein Spiegel vorgehalten wird, der ihnen nur zu deutlich zeigt, wie weit verbreitet Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in unseren Landen noch ist.























