Bücher mit dem Tag "fremdenhass"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "fremdenhass" gekennzeichnet haben.

84 Bücher

  1. Cover des Buches Fremd (ISBN: 9783805250849)
    Ursula Poznanski

    Fremd

     (502)
    Aktuelle Rezension von: KatelynErikson

    [ R E Z E N S I O N ]

     

    Ich mag es ja, wenn Ursula Poznanski und Arno Strobel zusammen Bücher schreiben. Daher habe ich mich sehr auf ‚Fremd‘ gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. 

    Es ist ja oft so, dass der Schreibstil zweier Autoren nicht wirklich harmoniert oder zusammenpasst, dass einer besser schreibt, als der andere oder schlichtweg beide gut, aber ‚anders‘. Das ist bei den beiden Gott sei Dank nicht der Fall. Im Gegenteil, sie scheinen sich regelrecht zu ergänzen.

    Entsprechend habe ich auch die Seiten verschlungen. Es war spannend und hatte viele überraschende Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet habe. Klar, es gab hier und da Dinge, die man sich denken konnte, aber alles in allem fand ich es echt gut. Insbesondere, wie raffiniert die Geschichte teilweise erbaut war, wenn auch manchmal ein wenig unrealistisch.

     

    Es geht hier nämlich konkret um die Situation, dass ein Mann nachhause kommt und dort alles anderes ist – es gibt keinerlei Hinweis darauf, dass er in diesem Heim lebt. 

    Und um eine Frau… die nicht weiß, dass dieser Fremde ihr Ehemann ist. 

     

    Mehr möchte ich nicht verraten, auch wenn der Klappentext schon einige Dinge andeutet, wenn auch nicht viele. Es war verworren, es war spannend, es war schnell durch. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen durchgelesen und nicht aus den Händen gelassen.

     

    Ich würde mir wirklich mehr von dieser tollen Kombination wünschen!   

  2. Cover des Buches Er ist wieder da (ISBN: 9783404171781)
    Timur Vermes

    Er ist wieder da

     (3.373)
    Aktuelle Rezension von: worldofbooksps

    Ein Roman der vom ersten Moment an zum Schmunzeln bringt. Man muss sich nur einen Adolf Hitler in mitten Deutsch-Türkischen Mitmenschen vorstellen. Timur Vermes, macht aus einem grauenhaften Mann, einen Mann mit dem man lachen kann. Man darf allerdings nicht außer Acht lassen, dass dieser Roman mit Humor geschrieben ist und nicht um irgendetwas verharmlosen zu wollen. Ich finde die Idee dahinter sehr interessant und bin froh es gelesen zu haben. 

  3. Cover des Buches Wenn die Nacht verstummt (ISBN: 9783596184521)
    Linda Castillo

    Wenn die Nacht verstummt

     (397)
    Aktuelle Rezension von: archer2603

    Wenn die Nacht verstummt

    von Linda Castillo aus dem Rowohlt Verlag 

    Es handelt sich hier um den dritten Band von Linda Castillo. Sie ermittelt in diesem Band wieder um Amische Menschen, die auf mysteriösen Umständen zu Tode kommen oder gefoltert werden. 

    Mir hat der dritte Band sehr gut gefallen. Er war spannend von der ersten Minute und ich konnte nicht abschätzen, wie es am Ende ausgehen wird. Ich konnte das Buch ab Seite 120 nicht aus der Hand legen und habe es an einem Tag fertig gelesen. Der Schreibstil von Linda Castillo begeistert mich sehr. Flüssig zu lesen und man vergisst so schnell die Zeit. 

    Chief Burgholder ist mir sehr ans Herz gewachsen. Hart im nehmen, aber sehr sensibel. Dazu Agent Tomasetti, passt wunderbar. Ich bin sehr gespannt, wie es mit den beiden weitergeht. Die Spannung hält von Anfang bis Ende.

    Da ja noch einige Bände darauf warten gelesen zu werden freue ich mich schon mega darauf. 


    absolute Kaufempfehlung und 5 Sterne von 5

  4. Cover des Buches The Hate U Give (ISBN: 9783570312988)
    Angie Thomas

    The Hate U Give

     (668)
    Aktuelle Rezension von: Ellamara_the_real_hero

    „The hate u give“ war mein erster Buch von Angie Thomas und es wird ganz bestimmt nicht das letzte bleiben, weil es für mich ein wahres Highlight war. Ich hoffe mit dieser Rezension euch zum lesen dieses Buches bewegen zu können, da ich der festen Überzeugung bin, so manche Probleme würden sich auflösen, wenn mehr Leute dieses Buch von der unvergleichlichen Angie Thomas lesen würden. Ich kann schon jetzt meine eindringliche Empfehlung für diesen New York Times Bestseller aussprechen.

    Fangen wir mit der Coverbewertung an, den dazu habe ich tatsächlich was zu sagen xD. Anfangs war ich ein wenig enttäuscht von meinem Taschenbuch Film Ausgabe Exemplar von „The Hate U Give“, doch wenn ich recht drüber nachdenke, gefällt sie mir sogar besser als die andere. 

    Die Erstausgabe mit der gezeichneten Starr gefällt mir optisch viel besser, doch von der Bedeutung her, finde ich die Filmausgabe stärker. Punkt eins: Die gezeichnete Starr wirkt klein und Schulmädchen- Haft, wie sie dort steht mit ihrem viel zu großen Schild, das beinahe ihre ganze Gestalt abdeckt. Man sieht noch nicht mal Starrs ganzes Gesicht. Bei der Filmausgabe aber macht Starr einen starken herrischen Eindruck. Das Schild ist nur halb so groß und Starr strahlt mit ihrem ernsten Blick Autorität aus. Sowieso ihr Gesicht beeindruckt mich. Sie starrt einem vom Cover ernst an und bringt damit rüber wie ernst ihr auch diese Situation ist. 

    WOW,… Was für ein Highlight! Ach, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich Bücher mit Bedeutung und Sinn liebe! Und dieses liebe ich ganz besonders und vom Herzen! Die Bedeutung von „The Hate U Give“ ist wichtig und verschafft einiges an Klarheit. Nach beenden dieses Buches, hatte ich einen unbeschreiblich schlimmen Tatendrang etwas hilfreiches zu tun. Irgendwas. Und solche Bücher die einem zum helfen anregen sind immer die aller besten! Deswegen sollte es jeder gelesen haben!

    Weiße können nicht nachvollziehen, wie sich alltäglicher Rassismus anfühlt und wie wütend rassistische Kleinigkeiten (-vielleicht sogar im Spaß gemeinte) machen können. Kein Weißer weiß, wie sich Rassismus anfühlt und was bereits Rassismus ist. Starker Rassismus und alltäglicher Rassismus, all das ist schlimm. Eigentlich zählt nämlich nur eins: Wir sind alle Menschen, eine Rasse, wer interessiert sich schon für die Hautfarbe! 

    „The Hate U Give“ ist von einer schwarzen Autorin, aus der Ich Perspektive eines schwarzen Mädchens geschrieben. Ich bin ein besonderer Fan von Büchern aus der Ich Perspektive, weil du alles aus den Augen der Protagonistin siehst und beobachtest und auch fühlst. 

    Man macht Starrs Alltag aus ihren Augen mit, man fühlt alles was sie fühlt im richtigen Moment. So bekommt man ein besseres Gefühl, was man im Alltag schon Rassismus nennen kann. Das liebe ich am meisten an diesem Buch. Man bekommt ein besseres Verständnis. Natürlich kann man es nicht richtig verstehen, aber es verändert trotzdem das denken und das ist das was zählt und was dieses Buch so besonders macht. Das Buch hat mich so oft fertig gemacht, innerlich aufgewühlt und mein Denken beeinflusst. 

    Anfangs hatte ich mit Angie Thomas Schreibstil einige Probleme, doch das lichtete sich schon bald. Angie Thomas schreibt ziemlich zeitlich und aktuell angepasst und setzt an den richtigen Stellen Humor ein. Wenn es sein muss sind ihre Worte stark gewählt und erwecken einen Gänsehaut Effekt, so oft war ich kurz vor den Tränen und so oft hat sie Wut in mir aufflammen lassen. Wenn eine Autorin sowas schafft, dann hat sie wahres Talent

    Die Charaktere fand ich sehr bewegend und sympathisch. Mir hat gefallen wie Angie Thomas die Teens zeitgetreu gehalten hat. Die Familien Gemeinschaft von Starr hat mich so oft berührt und beeindruckt. Gleichzeitig wurde der Hass auf Weiße gezeigt, aber durch Starrs weißen Boyfriend wurde auch gezeigt, das nicht jeder Weiße schlecht ist. Ich liebe Starr sehr und sie ist eine meiner absoluten Lieblingsprotagonisten. Sie hat Feuer und ist unvergleichlich treu und liebevoll und hat eine gesunde Portion Wut bei sich! Auch sehr, mochte ich ihren Bruder und ihre Freundin Maya. 

    Fazit: Ein starkes Buch, mit Schockmomenten, stark gewählten Worten und sympathischen Charakteren. Ein Buch was von Rassismus handelt und eine Wut entflammt die für jeden Weißen gut ist. Es erweckt Tatendrang und ist eindeutig ein Muss und mein neues Highlight! Die Story ist passend und wichtig! Ich kann nur meine eindringliche Empfehlung ansprechen! 

    Viel Spaß beim selbst lesen und mutig werden! Ich hoffe diese Rezension spiegelt wieder wie sehr mich dieses Buch bewegt hat!

    Eure Sienna<3

    (Mehr dazu und weitere Rezensionen: https://the-new-chapter.de/2021/11/the-hate-u-give/ )

  5. Cover des Buches Fanatisch (ISBN: 9783649624547)
    Patricia Schröder

    Fanatisch

     (154)
    Aktuelle Rezension von: natural_ranchgirl

    "Fanatisch" war mein erstes Buch dieser Autorin und ich war absolut begeistert.

    Die Handlung hat mich sofort gepackt und ich konnte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich habe einen Thriller in diesem Stil noch nie gesehen, er packt einen mit Klauen und lässt nicht mehr los. Was ich besonders fand ist das ich denke das es auch in echt passieren könnte was dort mit den Mädchen geschieht.


    Eine echte Leseempfehlung von mir, wer sich auf eine überraschende Wendung freut der ist hier genau richtig.

  6. Cover des Buches To Kill A Mockingbird (ISBN: 9781784752637)
    Harper Lee

    To Kill A Mockingbird

     (453)
    Aktuelle Rezension von: chillbibliophie

    INHALT:

    At the age of eight, Scout Finch is an entrenched free-thinker. She can accept her father's warning that it is a sin to kill a mockingbird, because mockingbirds harm no one and give great pleasure. But Scouts world isn‘t as happy as it seems. 

    REZENSION:

    Ich bin relativ schwer in das Buch hineingekommen. Das könnte aber an der englischen Version liegen. 

    Die Geschichte wird aus der kindlichen Sicht von Scout, was also auch etwas anders ist. 

    Leider war für mich einfach nicht wirklich viel los. Erst am Seite 200/310 ging es mal. Da wurde auch endlich das Hauptthema aufgegriffen. 

  7. Cover des Buches Inspektor Takeda und die Toten von Altona (ISBN: 9783746632131)
    Henrik Siebold

    Inspektor Takeda und die Toten von Altona

     (76)
    Aktuelle Rezension von: Paperboat

    Claudia Harms arbeitet in der Mordkomission Hamburgs und wird als einzige Frau vor allem von ihrem Vorgesetzten nicht ernst genommen. Der ist der Meinung, dass allein sie sich als Babysitter eignet, denn aus Japan soll über ein Austauschprogramm ein Kollege aus Tokyo ins Team kommen. Claudia bereitet sich gründlich auf die Ankunft von Kenjiro Takeda vor, macht sich aber keine Hoffnungen mit diesem auch wirkliche Fälle lösen zu dürfen. Daher landen die beiden in Altona, wo sie den Selbstmord eines Buchhändler-Ehepaars in deren Wohnung untersuchen wollen. Takedas Meinung nach kann es sich nicht um einen Suizid handeln. Claudia ist geneigt dem Urteil des Japaners zu glauben, und als der Gerichtsmediziner diese Einschätzung teilt, beginnt das Duo seine Ermittlungen, das sie in politische Kreise führt, in denen die Fronten noch geklärt werden müssen...


    „Die Toten von Altona“ ist der Auftakt der Inspektor-Takeda-Reihe von Henrik Siebold aka.  Daniel Bielenstein, der den Großteil seiner Kindheit in Japan verbracht hat und daher mit der Kultur des Landes bestens vertraut ist, was man meinem Dafürhalten nach dem Buch auch anmerkt. Mit Kenjiro Takeda hat er Claudia Harms einen Kollegen zugeworfen, der eine interessante Person mit ungewöhnlichen Untersuchungs- und Befragungsmethoden ist. Claudia Harms selbst ist eine facettenreiche Protagonistin, durchaus stark, aber mit nachvollziehbaren Schwächen, die sie sehr menschlich machen.

    Der Auftakt der Krimireihe hat Wendungen wie ein weglaufendes Kaninchen, springt mal in diese, mal in jene Richtung. Bis der Fall sich aufklärt, gibt es verschiedene Lösungsansätze, denen man als Leser*in versucht nachzufühlen, so dass das Ende mich auf jeden Fall überrascht hat.

    Das erste Buch hat mir derart gut gefallen, dass ich weitere Bände bei mir bereits bereitstehen!

  8. Cover des Buches Slow Horses (ISBN: 9783257070187)
    Mick Herron

    Slow Horses

     (88)
    Aktuelle Rezension von: books_games_and_more

    „Mein Name ist Bond, James Bond!“ - „Geschüttelt, nicht gerührt“ 

    Wer kennt ihn nicht den berühmtesten Agenten de britischen Geheimdienstes MI5. Doch was ist, wenn einer vom ihnen versagt hat? Gibts dann den Gnadenstoß?!

    Mit mürrischer Miene schon, der Stoß geht vom Regens Park runter zu den Slow Horses nach Slough House. Die Agenten die auf dem Abstellgleis sind und keine Chance haben/sehen wieder festen Boden unter den Füßen zu bekommen.


    Ihr Boss ist der brüske und Mitmenschen verachtende Jackson Lamp. Er hat im kalten Krieg, selbst als Agent in Deutschland gedient und lebt immer noch auf diese Art. Doch auch bei ihm muss etwas vorgefallen sein, weswegen er Slough House leitet, oder?!

    Er ist faul und Provoziert andere gerne, somit niemand den man als Freund haben möchte. Dennoch ist er für seine Agenten da, wenn es hart auf hart kommt. Jackson Lamp umgibt immer etwas rätselhaftes. Laut dem Auto, ist es auch bewusst so ausgearbeitet, dass man zu ihm Distanz hat und keine Einblicke in seine Gedanken oder Beweggründe erhält.


    In der Reihe geht es um Jackson Lamp und seine Agenten. Es fangt im ersten Teil "Slow Horses" damit an, dass River Cartwright versetzt wird dort hin, sich damit aber nicht abfinden möchte und versucht dort wieder rauszukommen. Vor allem als es darum geht einen pakistanischen Jugendlichen live im Netz zu enthaupten. Doch da stellt sich die frage ob das Opfer wirklich der ist der er vorgibt zu sein? Und überhaupt wer steckt hinter dem ganzen? Nun Lest selbst..;)


    Im zweite Teil "Dead Lions“, sollen zwei Agenten des Slough House einen russischen Oligarchen beschützen. Doch von Anfang an ist etwas faul an der Sache. Zu mal ein ehemaliger Spion aus den Zeiten des kalten Krieges tot aufgefunden wird, angeblich Herzinfarkt.

    Die komplette läge Spitz sich wirklich bis aufs äußerste zu, doch genau da sind doch diese Abgestellten Agenten zu etwas nütze. Wie genau? Schaut selbst..=)


    Fazit:


    Es ist schon an einigen Stellen eine derbe Sprache, die mir nicht immer gefällt. Doch ich verstehe, dass sie für die Authentizität nötig ist. Was mir aber besonders gut gefällt, ist beim deutschen Cover der Erkennungswert. Es hat immer eine bekannte Londoner Sehenswürdigkeit und einen Auszug aus dem Tube-Streckenplan. 

    Ja klar auch vor allem der Inhalt, er ist immer spannend und ich habe nicht nur einmal gedacht, was soll jetzt das?! Macht doch keinen Sinn!! Doch es wurde immer die Spannung gehalten. Man kann auch den zweiten Band lesen ohne den Ersten, da es immer eine Personenübersicht gibt. Doch empfehlen würde ich mit dem ersten, da es doch dann übersichtlicher ist.

  9. Cover des Buches Die Bienenhüterin (ISBN: 9783442732814)
    Sue Monk Kidd

    Die Bienenhüterin

     (282)
    Aktuelle Rezension von: DianaMirion

    Inhalt: Lilys Mutter ist vor zehn Jahren umgekommen. Ihr Vater herrscht wie ein grausamer Rachegott über die inzwischen 14-jährige. Eines Tages flieht Lily aus der bedrückenden Atmosphäre ihres Elternhauses, wandert über die staubigen Straßen der Südstaaten, um ein neues Zuhause zu finden. Sie begegnet wunderbaren Menschen, rettet mit Mut und Klugheit ein Leben und findet bei drei Frauen Unterschlupf, die, wie im Märchen, in großer Eintracht zusammenwohnen. Die drei Schwestern geben dem Mädchen alles, was es braucht: Liebe, Halt, und Geborgenheit. Sie nehmen Lily in ihre Familie auf und weihen sie in die Geheimnisse weiblichen Wissens ein. Lily lernt alles über die Bienenzucht. Sie erfährt, wer ihre Mutter, die sie so schmerzlich vermisst, wirklich war, und sie verliebt sich. Doch eines Tages steht ihr Vater am Gartentor ...

    Meine Meinung: Anfangs hat mich dieses Buch noch nicht so gepackt. Aber dies änderte sich nach wenigen Seiten. Das Leben eines Mädchens, und auch aus ihrer Perspektive, zu lesen, Höhen und Tiefen ihres Lebens und somit die Züge ihres Charakters mitzuerleben war ein reines Abendteuer. 

  10. Cover des Buches Die Wahrheit der Dinge (ISBN: 9783710900938)
    Markus Thiele

    Die Wahrheit der Dinge

     (88)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    Erste Seite: «Die Nacht hat Frost gebracht, er hat sich auf die kahlen Bäume gelegt und funkelt wie Glassplitter im frühen Sonnenlicht. Um 4.30 Uhr ist Corinna Maier aufgestanden, hat Kaffee gekocht und auf ihrem Balkon eine Zigarette geraucht. Danach hat sie in der Dusche eine Stunde lang heißes Wasser auf sich regnen lassen und sich gewünscht, es wäre Abend ohne Tag davor. Sie kann nicht essen, schläft in Versatzstücken und denkt ständig an die Verhandlung. Nach der Dusche war ihr übel, Kaffee und Magensäure schossen ihr die Kehle empor. Sie musste sich übergeben. Danach zog sie sich an, packte ihre Handtasche und ist in die Straßenbahn. Sechs Stationen. Die Fahrt dauerte ewig.»


    Recht zu sprechen, bedeutet nicht immer moralisch gerecht zu sein, insbesondere aus der Sicht der Opfer. Grundlagen für das erste Semester im Jurastudium. Ein Thema, das in der Literatur immer wieder großartig verarbeitet wurde, mit besonderer Intensität von Ferdinand von Schirach. Ich war gespannt auf den Roman eines Rechtsanwalts und bin leider bereits auf der ersten Seite enttäuscht worden. Wenn jemand eine Geschichte zu erzählen hat, dann impliziert es noch lange nicht, dass er schreiben kann. Die Stilistik stellt den Leser auf eine harte Probe mit einer starren Sprache ohne Rhythmus, Ausdrucksschwächen, Ausdrucksfehlern, Hilfsverbkonstruktionen. Gab es ein Lektorat, fragt man sich; denn im Impressum findet sich hier kein Verweis. Auch das Korrektorat ist nicht fehlerfrei, gleich auf der ersten Seite auffällig. Ich war mehrfach drauf und dran abzubrechen, weil die Sprache und der gesamte Aufbau der Geschichte mich nicht überzeugen konnten. 


    Frank Petersen ist Strafrichter aus Leidenschaft und er fühlt sich als unfehlbar, als einer, der stets nach Recht und Gesetz seine Urteile fällt. Doch in letzter Zeit macht ihm der BGH einen Strich durch die Rechnung, kippte drei seiner Urteile, ein viertes liegt zur Prüfung beim Bundesgerichtshof vor. Seine Frau und sein Sohn sind gerade für unbestimmte Zeit ausgezogen, weil auch sie eins seiner Urteile persönlich getroffen hat. Seine Frau wirft ihm vor, er sei selbstherrlich und lasse sich bei seinen Urteilen von seinen Vorurteilen leiten und er sei rassistisch. Es geht um den Fall Korkmaz, bei dem herauszuhören ist, dass hier der Vater der Freundin seines Sohns verurteilt worden ist. Sie Beziehung seines Sohns mit einer Kurdin scheint Petersen im Allgemeinen nicht ganz recht zu sein. Die Familie wirft ihm vor, dass er den Fall wegen Befangenheit hätte ablehnen können. Leider erfährt der Leser erst im letzten Drittel, worum es bei diesem Fall gegangen ist. Ich habe das als störend für das Verständnis des Konflikts empfunden.


    Der Konflikt in diesem Roman ist der innere Konflikt in Petersen selbst: Habe ich alles richtig gemacht, bin ich unfehlbar oder trübt mein Weltbild meine Urteilskraft? Und so nimmt er sich Urlaub, renoviert das Haus, kommt dann auf die Idee, Corinna Maier aus dem Gefängnis abzuholen, die damals vor seinen Augen im Gerichtssaal den Angeklagten erschoss. Ein zweiter Stang behandelt die Lebensgeschichte von Corinna Maier, die interessant gestaltet ist. Aber leider wird ihre Selbstjustiz mit keinem Wort hier abgehandelt, überhaupt je in Frage gestellt – genau das wäre interessant gewesen. Auch der Fall Korkmaz ist letztendlich in der Auflösung nur ein paar Zeilen Wert. Juristisches Glatteis wird in diesem Roman nie bestiegen, Moral nie hinterfragt. Die ganzen philosophischen Aspekte, die sich in der Rechtsprechung auftun, werden außer Acht gelassen. Hier geht es um Petersen, um nichts anderes. Sämtliche Protagonisten sind ihm untergeordnet aufgebaut, zu unterstreichen, was Petersen für ein toller Typ ist. Selbst die ihm unterstellte Fremdenfeindlichkeit bekommt ein Gesicht: Um Corinna Maier aus dem Knast abzuholen, muss er nach Husum reisen und kehrt in ein kleines Hotel ein, das einem türkischstämmigen Ehepaar gehört. Na sowas, die Besitzerin kann leckere Pfannkuchen und Waffeln backen, die muss man ja liebhaben und der Ehemann trinkt mit Petersen spät am Abend Schnaps, weil Allah das im Dunkeln nicht sehen kann – wo die Wirtsstube hell beleuchtet ist. Zwischendurch musste ich immer weder blättern, es wiederholt sich einiges wie ein Mantra. Am Ende ist alles gut, denn alle Protagonisten, einschließlich der Richter im BGH geben Petersen recht, der Freund gibt zu, einen Fehler gemacht zu haben, auch die Ehefrau kommt zur Einsicht, dicke Freundschaft mit Frau Maier, für sie eine erfreuliche Zukunft – schöner kann ein Ende doch gar nicht sein – zumindest für den unfehlbaren Petersen. Och nö. Sprachlich und inhaltlich keine Glanzleistung, Spannung mäßig, alles in allem eine flache Story zu einem großen Thema.


    Markus Thiele ist Schriftsteller und Rechtsanwalt und kennt das Gerichtswesen mit all seinen Stärken, aber auch seinen vielen Schwächen. Er widmet sich in seinen Romanen juristischen Grauzonen mit moralischer Brisanz und verwebt dabei gekonnt Fiktion und Realität anhand zugrundeliegender wahrer Kriminalfälle. Er ist Vater von zwei Kindern und lebt in Göttingen.


    https://literaturblog-sabine-ibing.blogspot.com/p/die-wahrheit-der-dinge-von-markus.html

  11. Cover des Buches Die Salbenmacherin (ISBN: 9783839217313)
    Silvia Stolzenburg

    Die Salbenmacherin

     (46)
    Aktuelle Rezension von: Schmusekatze69

    Olivera (16) lebt mit ihrer Familie in Konstantinopel und wünscht sich, dass ihr Vater endlich einen Heiratskandidaten für sie aussucht. Sie selbst hat schon eine jungen Mann ins Auge gefasst. Laurentius ist ein Handelspartner ihres Vaters und kommt aus Tübingen. Mit Hilfe einer List und Ihrer Großmutter, bekommt sie die Zustimmung und reist kurze Zeit später mit Lauenz nach Tübingen ab. Was aber als Liebesheirat begann, entpuppt sich bald als großer Fehler. Gewalt und  Jähzorn werden genau so wie Unaufmerksamkeit zur Tagesordnung. Was dann Oliver entdeckt, bringt ihr Leben in Gefahr. 

    Silvia Stolzenburg läßt unterschiedliche Kulturen des 15. Jahrhunderts aufeinander prallen. Sie bringt Missverständnisse und Aberglauben gegenüber anderen Kulturen sehr bildlich herüber. Auch über die Handelsware zwischen dem Orient und Europa werden glaubwürdig und sehr informativ dargestellt. Die Ablehnung dunkelhäutiger Frauen gegenüber, machen das Leben zur damaligen Zeit nicht einfach. Die Autorin großen Wert auf eine genaue Darstellung der damaligen Zeit mit   Gesellschaftsform oder den Lebensumständen. Alles verknüpft sie auch noch einen spannenden Krimi. Dem Leser wird schnell klar, dass Laurenz etwas verbirgt. Seine eigenes Gewissen lastet auf ihm und lässt ihn unberechenbar werden. Interessant sind auch die Informationen über einer Salbenmacherin, ihrer Arbeit und ihrer Zusammenarbeit mit einem Apotheker. Ein großartiges Buch und für jeden der historische Bücher liebt sollte es ein Muss werden. ⭐⭐⭐⭐⭐

  12. Cover des Buches Mörder ohne Gesicht (ISBN: 9783423212120)
    Henning Mankell

    Mörder ohne Gesicht

     (982)
    Aktuelle Rezension von: Radagast

    Abermals ist Wallander auf Mörderjagd. Diesmal ein Doppelmord. Henning Mankell ist es in diesem Krimi gut gelungen den Leser gut in die Geschichte ein zu weisen. Auch wie schlaflos und alkohlgeschwängert Wallander durch diesen Fall beschrieben wird. Einzig die teilweise unnötige Länge von Spannungsbogen zu Spannungsbogen ist etwas mühsam. Ja, ich habe dabei etwas geflucht und das Buch für eine Pause bei Seite gelegt. Abseits des Mordfalles schimmert etwas Alltag von Wallander und Schweden selbst durch. Ich denke, ein Fünkchen Wahrheit wird es sein, auch wenn es schon etwas verjährt ist.
    Ein lesenswerter Krimi mit leichten Schwächen. 

  13. Cover des Buches Der weiße Stern (ISBN: 9783426511701)
    Iny Lorentz

    Der weiße Stern

     (68)
    Aktuelle Rezension von: SotsiaalneKeskkond

    Nach ihrer Flucht aus dem von Repressionen geplagten Deutschland und der gefährlichen Atlantiküberquerung haben es Gisela und Walther endlich nach Amerika geschafft. Zwar war der Plan des Paares, sich in den USA niederlassen, doch letztendlich stranden sie in der mexikanischen Provinz Tejas. Die dortige Verwaltung sucht händeringend nach Siedlern und so bekommen Gisela und Walther ein Stück Land, dass sie bewirtschaften können und beginnen sich hier eine neue Existenz aufzubauen. Das Leben schreitet voran und so steht Gisela bereits kurz vor der Geburt ihres ersten Kindes, währen Walther Bekanntschaft mit den Komantschen macht, die in der Nähe des Siedlungsraums leben. Nach anfänglichen Sorgen bemerken die beiden aber recht schnell, dass es sich neben den Indigenen recht gut leben lässt, und diese ein willkommener Handelspartner sind, und so entspinnt sich ein reger Handel zwischen Walther und dem Oberhaupt der Komantschengruppe. Diese guten Beziehungen machen sich auch dann bezahlt, als Giesela nach der Geburt des Kindes nicht dazu in der Lage ist, ihr Kind zu säugen, und Walther die junge Navajo Nizhoni, dir kurz zuvor ihr eigenes Kind verloren hat, den Komantschen abkaufen kann. Nach anfänglicher gegenseitiger Abneigung zwischen den drein entsteht schon nach kurzem zwischen ihnen ein starkes freundschaftliches Band, das scheinbar unzerstörbar ist. 

    Sprachlich unterscheidet sich das Buch nicht von seinem Vorgänger. Ein einfacher lockerer Schreibstil, der mich als Leser sofort in die Geschichte eintauchen lies. Auch mangelt es dem Buch durchaus nicht an Spannung. Soweit alles top und genau so gut wie der Vorgängerband. Die Charakterzeichnung wirkte allerdings in diesem Buch blasser, als noch in "Das Goldene Ufer". Walther, vor allem aber Giesela konnten mich nicht so überzeugen, wie im Buch davor. Sie wirkten auf mich deutlich blasser und auch langweiliger. Ich konnte keine Sympathien in solchem Maße aufbauen, wie ich es im ersten Teil tat. Mir entglitten also die Hauptcharaktere, dafür aber konnten die Nebencharaktere mich größtenteils für sich einnehmen. Vielleicht wirkten sie auf mich auch ein wenig interessanter als Giesela und Walther, da die beiden meiner Meinung nach nicht sonderlich viel Potenzial haben, und dieses bereits zu einem großen Teil ausgeschöpft wurde. Ein wenig daran gestoßen habe ich mich auch, dass ich stellenweise ein wahrlich unangenehmes Gefühl beim Lesen mancher Situationen hatte. Gewisse Stellen wirkten auf mich zu übertrieben freundlich und manche Dialoge fand ich einfach nur extrem cringe. Das ist aber Geschmackssache. Ich bin einfach kein Fan von übertrieben kitschigen Situationen und auch übertrieben glückliche Happy-Ends kann ich gar nicht leiden. Überzeugen konnten mich Iny Lorentz aber wieder mit den Beschreibungen des drum herum und den historischen Fakten, die in die Geschichte eingebunden wurden. an bekommt einen recht guten Eindruck davon, was es bedeutete, sich im 18. Jahrhundert eine Farm aufzubauen, und welchen Gefahren an dabei ausgesetzt ist. Auch erfährt an einige recht interessante Details über den den texanischen Unabhängigkeitskrieg, da dieser genau in die Handlungszeit des Buches fällt und teilweise sogar eine recht große Rolle spielt, ohne dass dabei allerdings die Leser:innen von zu vielen Informationen erschlagen werden. Da haben Iny Lorentz wieder bewiesen, was sie so können. 

    Kurz gesagt ist das Buch eine durchaus würdige Fortsetzung von "Das goldene Ufer", auch wenn dabei ein Teil des alten Charmes der Protagonisten verloren geht. 

  14. Cover des Buches Kühn hat zu tun (ISBN: 9783499266829)
    Jan Weiler

    Kühn hat zu tun

     (94)
    Aktuelle Rezension von: Yolande
    Jan Weiler wurde am 8. Oktober 1967 in Düsseldorf geboren. Er besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und arbeitete ab 1994 beim SZ-Magazin, zunächst als redaktuer, später als Chefredakteur.
    2003 schrieb er ein Buch über die Lebensgeschichte seines italienischen Schwiegervaters. Mit "Maria, ihm schmeckt's nicht" wurde er deutschlandweit bekannt und ist seither als Vorleser seiner Werke in verschiedenen Städtetouren zu sehen. Außederdem schreibt er Kolumnen für die Zeitschrift "stern" und die "Welt am Sonntag".
    Jan Weiler lebt mit seiner Familie in der Nähe des Starnberger Sees.
    (Quelle: Wikipedia)

    Inhalt (Lovelybooks).
    Ehemann, Vater, Freund, Polizist, Nachbar – und umfassend überfordert. 
    Martin Kühn ist 44, verheiratet und hat zwei Kinder. Er wohnt auf der Weberhöhe, einer Neubausiedlung nahe München. Früher stand dort eine Munitionsfabrik, aber was es damit auf sich hatte, weiß Kühn nicht so genau. Es gibt ohnehin viel, was er nicht weiß: Zum Beispiel, warum von seinem Gehalt als Polizist ein verschwindend geringer Betrag zum Leben bleibt. Ob er sich ohne Scham ein Rendezvous mit seiner rothaarigen Nachbarin vorstellen darf. Warum er jeden Mörder zum Sprechen bewegen kann, aber sein Sohn nicht mal zwei Sätze mit ihm wechselt. Welches Geheimnis er vor sich selber verbirgt. Und vor allem, warum sein Kopf immer so voll ist. 
    Da wird ein alter Mann erstochen aufgefunden, gleich hinter Kühns Garten in der Böschung. Und plötzlich hat Kühn sehr viel zu tun.

    Ich habe vor einiger Zeit Jan Weilers Buch "Im Reich der Pubertiere" gelesen. Der humorvolle Schreibstil hat mir gut gefallen und deshalb habe ich einen Krimi in ähnlichem Stil erwartet. Leider wurde ich in dieser Hinsicht enttäuscht, im Gegenteil, ich fand es sogar ziemlich deprimierend. Ein Kommissar in einer Lebenskrise ist ja per se nichts Schlechtes, aber mir war es streckenweise zu arg. Seinen Humor empfand ich als Sarkasmus. 
    Die Krimihandlung trat ein wenig in den Hintergrund, war aber auch ziemlich konstruiert und abgedreht. Auch das Mordmotiv war mir zu weit hergeholt. 

    Fazit: Das Buch konnte mich nicht überzeugen, zu deprimierend. Ich fand es sehr enttäuschend.

  15. Cover des Buches Die Mission des Kreuzritters (ISBN: 9783785727591)
    Ulf Schiewe

    Die Mission des Kreuzritters

     (44)
    Aktuelle Rezension von: Lesewunder

    Königstochter Melisende, die es tatsächlich gab, soll aus Staatsräson einen Mann heiraten, der alles verkörpert, was sie ablehnt und der aus seiner abschätzigen Meinung über Frauen kein Hehl macht.

    Um der Heirat zu entgehen, flieht Melisende und wird dadurch gegen ihren Willen zum Spielball der rivalisierenden Gruppierungen im Heiligen Land. Retter aus höchster Not ist der Tempelritter Raol, den es leider nie gegeben hat.

    Raol verkörpert das, was man sich unter einem vorbildlichen Ritter vorstellt. Sein Leben war nicht einfach. Auf dem Schlachtfeld wurde er schwer verwundet. Dennoch ist nicht Rache die Triebfeder für sein Handeln. Töten ist notwendig, um das eigene Leben und das von Schutzbefohlenen zu retten. Er sieht die Rolle der Christen im Heiligen Land nicht verklärt und auch sein Verhältnis zu Gott ist nicht so ungetrübt, wie man es von einem Tempelritter erwarten würde. Und er sieht gut aus, was für den Fortgang der Geschichte nicht hinderlich ist. Raol und Melisende kommen sich entgegen aller Konventionen und Standesunterschiede näher.

    Wer jetzt gelangweilt abwinkt, weil er keine Liebesgeschichten mag, liegt mit seiner Einschätzung völlig falsch.

    Ja, es gibt eine kurze Liebesepisode, aber wer bis zu diesem Punkt des Romans gelesen hat, hat einen wilden Parforceritt mit Intrigen, Überfällen, blutigen Kämpfen und interessanten Einblicken in die damaligen machtpolitischen Verhältnissen im Heiligen Land hinter sich.

    Ich war ganz froh über diesen Moment der Entspannung und habe Melisende diese Glückserfahrung von Herzen gegönnt.

    Was mir am Roman neben der packenden Handlung ganz besonders gefallen hat, war der Erzählstil. Der Autor kann mit Worten sehr lebendige Bilder malen, so dass ich glaubte meine Umgebung zu riechen, zu schmecken und zu hören. Ein sehr anschauliches Beispiel ist die Beschreibung des Jerusalemer Basars .

    Mich hat das Buch völlig für sich eingenommen. Es war geschichtlich interessant. Es gab einen guten Spannungsbogen. Raol war eine sympathische Figur, die mir ein wenig Herzklopfen beschert hat und Melisende entwickelt sich zu einer Frau, der man zutraut, ein Königreich zu regieren.

  16. Cover des Buches Das Ende von Eddy (ISBN: 9783596032433)
    Édouard Louis

    Das Ende von Eddy

     (95)
    Aktuelle Rezension von: Orchideenglanz
    Das Ende von Eddy ist, wenn auch als Roman veröffentlicht, eine authentische Erzählung über die Kindheit des Autors. Die fast schon neutrale Beschreibung der Gewalt, des Sexismus und der Homophobie, dem der junge Eddy ausgesetzt gewesen ist, hat mich sehr berührt und etwas schockiert. Da denkt man, dass wir in einer modernen, aufgeklärten Welt leben, wo Frauen und Männer im Alltag und im Beruf gleichberechtigt sind, eine höhere Bildung fast schon selbstverständlich ist und keiner mehr Anstoß daran nimmt, wenn jemand homosexuell, transsexuell oder bisexuell ist. Doch Louis Erzählung lässt alles in einem anderen Licht erscheinen. Er wurde als Kind verprügelt, verspottet und ausgegrenzt, weil er nicht so männlich wie seine Brüder, so selbstbewusst wie sein Vater war. Er femininer lief und redete als die andere Jungen und lieber Theater spielte oder las, als fern zu sehen. Noch erschreckender finde ich, dass er das nicht vor 50 oder 60 Jahren erleben musst. Nein, Édouard Louis ist gerade mal 28 Jahre alt.
    Sein Roman rück die sozialen Probleme der ländlichen Bevölkerung Frankreichs in Erinnerung, gleichzeitig erzählt er die Geschichte eines Jungen, dem eine Fluch aus seiner gewaltgeprägten Kindheit gelungen ist, und sich nun in der Großstadt Selbstverwirklichung kann 
  17. Cover des Buches Der unerbittliche Gegner (ISBN: 9783462049381)
    Voosen | Danielsson

    Der unerbittliche Gegner

     (31)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Nyström und Forss, Band 5: Der verstümmelte Körper einer Frau wird unter der Eisdecke des Sees in Småland gefunden. Kommissarin Ingrid Nyström und ihr Team nehmen die Ermittlungen auf. Wenige Tage später wird ein junger Familienvater heimtückisch getötet. Mordopfer, -waffe und Tatort waren unterschiedlich, doch die Fälle werden aufgrund der zeitlichen Nähe trotzdem miteinander abgeglichen. Dann wird ein weiterer Toter gefunden…

    Erster Eindruck: Das Cover wirkt – wie von dieser Reihe gewohnt – kalt, bedrohlich mit einem Adler; passt sehr gut.

    Dies ist Band 5 der Reihe; er lässt sich ohne Kenntnis der Vorgängerbände lesen. Der Blickwinkel ändert immer wieder, mal aus Sicht der Chefin, dann aus Sicht von Stina Forss oder anderen Personen – sehr lebhaft, aber auch komplex. Der Prolog ist mysteriös und macht neugierig auf die Geschichte. Sie spielt in der Gegenwart in Schweden und es gibt Rückblenden ein paar Jahre zurück in Afrika.

    Die Arbeit geht in Växjö seinen gewohnten Gang. Das Team um Ingrid Nyström ist gut eingespielt, auch Kent Vargen hat sich gut eingegliedert. Mir war er schon im letzten Band nicht so geheuer; er hat ein Medikamentenproblem, unterdrückte Aggressionen und eine Zwangsstörung. Doch das ist noch nicht alles. Ingrid mag ich seit dem ersten Band, nur verstehe ich nicht, wieso sie es sich so schwer macht, am Leben ihrer Tochter teilzunehmen. Stina ist… nun ja, ich gehöre nicht zu ihren grössten Fans – da hat sich ebenfalls nichts geändert. Ihre Sozialkompetenz ist unterentwickelt und sie scheut sich davor, andere ins Vertrauen zu ziehen. Bei ihr wird wiederholt eingebrochen, aber nichts gestohlen. Wer tut das? Will diese Person Stina Angst machen? Wieso holt sie nicht Hilfe?
    Sehr interessant waren Einblicke in ein raffiniert geschütztes Computerprogramm, das Labyrinth genannt wurde. Dieses Programm war nicht einfach passwortgeschützt, sondern durch eine Auswahl von Bildern, die nur demjenigen etwas sagt, der die versteckten Daten schützen will. Wenn beim ersten Schritt das richtige Bild von zweien angewählt wird, wird der Bildschirm schwarz und sodann erscheinen neu vier Bilder zu einem neuen Thema – dann acht, 16, 32, 64. Doch welches Bild von zig Handtaschen oder Autos ist nun das richtige? Wer falsch tippt, fällt raus. Nach einer gewissen Anzahl Fehlversuche blockiert das System. Was die Technik heutzutage alles kann…

    Fazit: Das Buch war ein wahrer Pageturner und ich musste einfach immer weiterlesen. Die Beschreibungen waren wie gewohnt sehr detailliert und so entstanden unschöne Bilder vor meine geistigen Auge. Wer Lektüre zur Entspannung sucht, ist hier falsch, denn hier gibt es nur Spannung satt. Hass, Gier, Fremdenfeindlichkeit – dies sind nur einige der behandelten Stichworte. Von mir gibt es die maximale Anzahl Sterne. Ich freue mich auf den nächsten Band, muss aber vorher ein bisschen durchatmen.

  18. Cover des Buches Es war einmal Aleppo (ISBN: 9783958692770)
    Jennifer Benkau

    Es war einmal Aleppo

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Osilla

    Das Buch, welches ich euch heute vorstellen möchte, habe ich bereits vor einigen Jahren entdeckt, aber erst jetzt kam ich dazu es zu lesen. Jennifer Benkau habe ich durch ihre Dilogie "One True Queen" kennen und schätzen gelernt. Doch bereits ein paar Jahre zuvor erschien ihr Buch "Es war einmal Aleppo", in welchem sie die Flüchtlingswelle von 2015 thematisiert und mit Vorurteilen aufräumt. Da sie selbst zu dieser Zeit ehrenamtlich in verschiedenen Asylbewerberunterkünften tätig war, konnte sie Erfahrungen aus erster Hand sammeln und in ihrem Roman verarbeiten. Einzelschicksale zeigen hier, warum die Menschen ihre Heimat verlassen müssen, was sie im Krieg und auf der Flucht erlebt haben und wie es ihnen nach der Ankunft in eigentlich sicheren Ländern ergeht. Jennifer Benkau gibt gleichzeitig einen Einblick in das Kriegsgeschehen in Syrien und zeigt, wer Opfer und wer Täter ist.

    Die Autorin:
    Jennifer Benkau schreibt Bücher für Erwachsene, Jugendliche und auch für Kinder. Bekannt wurde sie mit ihrer Dark Canopy – Reihe, welche 2013 mit dem DeLiA-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Sie ist Mitbegründerin des Labels INK REBELS. Die Autorin lebt mit ihrem Mann, vier Kindern und einigen Tieren zwischen Düsseldorf und Köln. 2019 erschien der erste Band ihrer Dilogie One True Queen – Von Sternen gekrönt bei Ravensburger und erhielt den bronzenen Lesepreis in der Kategorie „Jugendbuch – Fantasy“ auf Lovelybooks.


    Inhalt:
    „Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Antonia kommt mit ihrer Familie aus dem Urlaub, und plötzlich leben mehrere hundert Flüchtlinge nebenan. Klar – irgendwo müssen sie unterkommen. Aber ausgerechnet hier? Doch dann trifft Toni auf Shirvan. Und mit jeder skeptischen Frage, die sie ihm stellt, wird die Sache verzwickter.“ (Klappentext)

    Kritik und Fazit:
    Der Titel des Buches erinnert zunächst an den Beginn eines Märchens, doch hier wird definitiv kein Märchen erzählt. Wie der Titel zu verstehen ist, wird im Verlauf der Handlung deutlich. Die Covergestaltung stellt auch gleich dar, dass wir kein Märchen vor uns haben. Es ist in düsteren Grüntönen und vereinzelten Rottönen gehalten, man sieht überall Stacheldraht, außerdem die Silhouetten syrischer Gebäude mit Kuppeldächern. Ein großer Schmetterling prangt unter dem Titel. Was es hiermit auf sich hat, findet auch seinen Platz in der Erzählung. Titel und Cover sind sehr gelungen.

    Jennifer Benkau schaffte es mal wieder, mich bereits auf der ersten Seite abzuholen. Ihr Schreibstil ist flüssig und ergreifend. Ich sympathisierte sofort mit Antonia (Toni), die aufgrund eines Überfalls in ihrer Vergangenheit skeptisch gegenüber Männern ist, die eine dunklere Hautfarbe haben. Obwohl sie weiß, dass nicht richtig ist, kann sie ihre Angst, welche aus diesem Trauma resultiert, nicht abstellen. Als ihre Freundin Fee sie aber mit in das Flüchtlingscamp nimmt, ist sie zur Konfrontation gezwungen und Stück für Stück baut sie ihre Ängste ab. Dabei hilft ihr Shirvan, ein Flüchtling, der ihre Fragen beantwortet, über die Einzelschicksale erzählt und dennoch Verständnis für gewisse Vorurteile aufbringt. Auch Shirvan habe ich sofort ins Herz geschlossen, er hat viele schlimme Dinge erlebt, über die er kaum sprechen kann und wenn er es wagt, berichtet er aus einer gewissen Distanz. Wenn er aber über sein Leben in Aleppo vor den Kriegswirren erzählt, oder von seiner Familie spricht, so bekommt er eine geradezu bildhafte und poetische Sprache. Das war sehr faszinierend und zeigte seine tiefe Verbundenheit zu seiner Familie, seinen Freunden und seiner Heimat.

    Der Syrienkonflikt ist nicht so einfach zu durchschauen. Da gibt es unzählige Parteien, die an den Unruhen beteiligt sind. Durch Shirvans Erklärungen lernt der Leser auch gleich etwas darüber, wann die Unruhen begannen, wie der Krieg im Groben abläuft und dass es für die Bewohner kaum eine Möglichkeit gibt, sich für eine Seite zu entscheiden oder für das eigene Land zu kämpfen. Denn egal was sie tun, sie sind die Verlierer. Es gewinnen nur die Mächtigen und deren Konflikte werden auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen. Nachdem ich das Buch beendet habe, habe ich mich weiter mit der Thematik auseinander gesetzt und einen guten Bericht in der arte Mediathek gefunden. Denn auch wenn die Flüchtlingspolitik im Moment kaum in den Medien vertreten ist, da sie zuerst vom Klimawandel und dann von Corona abgelöst wurde, so ist der Krieg in Syrien immer noch nicht zu Ende und gerade in Zeiten von Corona gibt es einige schwerwiegende Probleme für jene Menschen, die noch dort leben und versuchen zu überleben.

    Das Buch enthält wichtige Informationen und auch wenn es von schlimmen Dingen berichtet, geht die Autorin nicht zu sehr ins Detail. So können auch Jugendliche das Buch gut lesen, ohne hinterher Albträume zu haben. Es ist eine schwere Thematik, doch durch die eigentliche Handlung, nämlich den Wandel Antonias und die Annäherungen zwischen ihr und Shirvan bekommt die Geschichte etwas Positives, einen Ausblick in eine lebenswerte Zukunft. Ich wäre gerne noch länger bei Toni und Shirvan geblieben, wollte mich nach den ca. 500 Seiten eigentlich gar nicht von ihnen trennen und brauchte gedanklich noch ein wenig Zeit, mich von ihrer Geschichte zu verabschieden, denn sie ging mir mitten ins Herz hinein.

    "Es war einmal Aleppo" ist ein so bedeutsames Buch gegen Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile, welches sich an Jugendliche ab 12 Jahren richtet. Es ist wichtig weiter über diese Themen zu sprechen, Missverständnisse auszuräumen und Toleranz zu leben. Auch wenn man aktuell kaum mehr etwas zur Flüchtlingsdebatte hört, so sind der Krieg und die Not immer noch präsent. Ich wünschte es würde mehr solcher Bücher geben und ich hoffe, dass noch viele Menschen dieses Buch lesen werden. Ein großer Dank geht an die Autorin Jennifer Benkau, für ihre Aufklärungsarbeit mit diesem Buch, ich hätte es viel früher lesen sollen.

  19. Cover des Buches Engel aus Eis (ISBN: 9783548287201)
    Camilla Läckberg

    Engel aus Eis

     (149)
    Aktuelle Rezension von: Engelchen07

    Auch in diesem Kriminalroman um Kriminalkommissar Patrik Hedström ist es wieder spannend bis zum Schluß. Patrik ist im Erziehungsurlaub und kümmert sich um Maja. Doch bei einem Einsatz treffen die Kommissare unterwegs zufällig Patrik und bitten ihn mitzukommen um sich den Tatort anzusehen. Zwei Jugendliche sind in das Haus des ehemaligen Geschichtslehrers Erik Frankel eingebrochen und haben dort dessen Leiche gefunden. Frankel wurde ermordert. Erika wird unbewußt in die Sache mit hineingezogen: sie hat beim Ausräumen der Sachen ihrer Mutter ein Nazikreuz gefunden und dies um nähere Betrachtung an Erik Frankel weitergegeben um genaueres darüber zu erfahren und nun ist Frankel tot.

    Durchaus wieder spannend geschrieben und ich konnte das Buch keine Sekunde aus der Hand legen. Mir hat hier ganz gut gefallen, dass dieses Mal Erika mehr im Zentrum der Geschichte gestanden hat und auch sehr viel selber ermittelt hat.

  20. Cover des Buches Die Zeit der Töchter (ISBN: 9783426523650)
    Katja Maybach

    Die Zeit der Töchter

     (35)
    Aktuelle Rezension von: anne_fox

    Der Roman ist die Fortsetzung von Die Stunde der Mütter. Es ist die Nachkriegzeit und alle haben noch mit den Folgen des Krieges zu kämpfen. Es herrscht noch immer Rassenhass, an dem Thema hat sich ja bis heute nicht geändert. Doch alle versuchen sich ein neues Leben auszubauen. Die Geschicht schwenkt laufend zwischen Vievien, Maria, Veronka, Anna, Antonia, Veronika und Marie-Luise hin und her.Dadurch wird die Geschichte sehr verzerrt und man muss immer überlegen wo man gerade ist. Da ich alle Romane der Autorin kenne und bis jetzt begeistert war, bin sich sehr enttäuscht von ihrem für mich schlechtesten Roman.

  21. Cover des Buches Fremdland (ISBN: 9783442488049)
    Philipp Reinartz

    Fremdland

     (22)
    Aktuelle Rezension von: camilla1303
    Der Kriminalroman „Fremdland“ von Philipp Reinartz ist 2018 im Goldmann Verlag erschienen.

    Jerusalem „Jay“ Schmitt von der Neunten Mordkommission für besondere Fälle wird zu einer Mordermittlung in einer Seniorenresidenz gerufen. Neben der Leiche, die in ihrem Zimmer ermordet wurde, findet sich eine rätselhafte Botschaft. Zeitgleich ermittelt er in einem Fall aus der Vergangenheit und sein eigener Vater scheint ein Verdächtiger zu sein. Fremdenhass und Polizeigewalt werden authentisch thematisiert.

    „Fremdland“ ist der zweite Band der Reihe rund um den Ermittler Jerusalem „Jay“ Schmitt. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt. Immer wieder eingebaute Rückblenden erschließen sich den LeserInnen nur nach und nach und haben mich, auf Grund der fehlenden Zeitangabe, beim Lesen mehr als einmal verwirrt. Immer wieder wird man beim Lesen auf die falsche Spur geführt, bis sich am Ende alle losen Enden zusammenfügen und man sprachlos zurückbleibt.

    „Fremdland“ ist meiner Meinung nach ein intellektueller Krimi mit authentischem Schreibstil, der beim Lesen die ganze Aufmerksamkeit der Lesenden fordert.
  22. Cover des Buches Solothurn spielt mit dem Feuer (ISBN: 9783740803056)
    Christof Gasser

    Solothurn spielt mit dem Feuer

     (23)
    Aktuelle Rezension von: peedee

    Dominik Dornach, Band 3: Ein Kinderskelett wird auf der Burgruine Balm gefunden – Einsatz für Hauptmann Dominik Dornach und sein Team. Die Ermittlungen laufen an, da explodiert im Büro des Oberrichters eine Briefbombe; kurz darauf ist sein kleiner Sohn verschwunden. Hängen diese Fälle irgendwie zusammen? Der Junge ist schnellstmöglich zu finden, da er als Diabetiker auf Insulin angewiesen ist. Die Zeit läuft und plötzlich gibt es Hinweise auf eine terroristische Bedrohung für Solothurn…

    Erster Eindruck: Das Cover mit der grossen Kirchenuhr und der gut gewählte Titel machen neugierig auf das Buch – sehr gut!

    Dies ist Band 3 einer Reihe; er kann jedoch gut ohne Kenntnis der Vorgängerbände gelesen werden (wer diese jedoch auslässt, verpasst spannende Lektüre!).

    Jana Cranach arbeitet für Europol, befindet sich aber gerade in der Schweiz, in erster Linie für einen Vortrag in Montreux und danach ein paar Tage Urlaub, die sie gerne mit Dominik in Solothurn verbringen möchte. Dominik freut sich, Jana wiederzusehen – ganz im Gegensatz zu Angela Casagrande, der Staatsanwältin. Angela geht es aktuell nicht so gut…
    Dominiks Tochter Pia ist mit Rafik zusammen. Diese Beziehung wird von Rafiks Eltern toleriert, obwohl Pia keine Muslima ist – Rafik ist eben ein Mann. Seine Schwester Nadal arbeitet als Lehrerin und gehört auch zum Freundeskreis von Pia. Sie hat sich von ihrem Freund getrennt, da er immer radikalere Ansichten vertrat. Eine Beziehung zu einem Nicht-Moslem, also einem „Ungläubigen“, wäre für sie als Frau nicht möglich. Unverständlich. Wenn Pia der Meinung ist, dass Unrecht geschieht, ist sie nicht mehr zu halten (und bringt sich das eine oder andere Mal in Gefahr).
    Schon nach kürzester Zeit gibt es für das Team zig Fragen zu klären: Von wem ist das Kinderskelett? Warum wurde es auf die Burg gebracht? Die Inszenierung des Skeletts glich einer rituellen Handlung – warum? Von wem stammt die Briefbombe? Wieso wurde der Sohn des Oberrichters entführt? Und was ist mit der Moschee in Olten? Der Imam und seine Schweizer Ehefrau hetzen gegen die „Ungläubigen“.

    Islamismus, Radikalisierung, Terrorismus, Vorurteile, Kindsmord, Entführung – dies sind nur einige der behandelten Stichworte. Und: die Vergangenheit holt einen meistens ein, wenn nicht damit gerechnet wird… Einmal mit der Lektüre begonnen, konnte und wollte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich bin jede Woche in Solothurn und kenne daher etliche der beschriebenen Orte. Dem Autor ist es auch im dritten Fall mit Dominik Dornach gelungen, die Spannung bis zum Ende hochzuhalten – GROSSARTIG! Daher gibt es von mir – auch zum dritten Mal – 5 Sterne und ich freue mich auf die Fortsetzung.

  23. Cover des Buches Albtraumland: Zehn querhirnige Grübelstories (ISBN: B07Y8V573F)
    Daniela Zörner

    Albtraumland: Zehn querhirnige Grübelstories

     (25)
    Aktuelle Rezension von: litera

    Solch ein interessantes, tiefgreifendes Werk kommt nicht alle Tage vor. Autorin Daniela Zörner schürft in ihren Kurzgeschichten hartnäckig unter der Oberfläche unseres Alltagsgeschehens. Wohl jeder Leser erhält eine dicke Scheibe von dem erlesenen Grübelkuchen für sich, ob es ihm passt oder nicht. Manch ein Lacher wird im Hals stecken bleiben, manch ein hartes Schlucken erfolgen. Ob unsinnige Kriege, irre Autokraten oder unwillige Haustechnik: Das Leben ist bei genauerer Betrachtung oft mehr als bizarr. Manch eine Story kommt als Fabel daher, um hintersinnige Seitenhiebe auf unsere Ausbeutung der Natur auszuteilen. „Albtraumland“ lässt sich nicht mal eben wie ein Krimi verkonsumieren, dafür hinterlässt das Lesen zu viele Denkspuren im Gehirn - und ein flaues Gefühl im Magen obdendrein.

    Absolut empfehlenswert!

  24. Cover des Buches Das Glück umarmen (ISBN: 9783426519691)
    Nicole Walter

    Das Glück umarmen

     (15)
    Aktuelle Rezension von: parden

    VOM LEBEN UND DER LIEBE...

    Leon lebt sein Leben nicht - er hetzt durch sein Leben. Für ihn zählt nur eines: Erfolg und Geld – und das innerhalb kürzester Zeit. Diese Geschwindigkeit wird ihm zum Verhängnis, als er sich eines Tages auf der Fahrt durchs liebliche Chiemgau mit dem Auto überschlägt. Etwa zur selben Zeit ist Johanna unterwegs auf ihrem Achtsamkeits-Spaziergang, bei dem sie sich ganz auf den Moment einlässt. Sie entdeckt den in seinem Sportwagen eingeklemmten Leon, leistet Erste Hilfe und verständigt den Notarztwagen. Ein schrecklicher Moment für Johanna – aber auch ein besonderer, denn für sie ist sofort klar: Das ist er, der Eine, den sie nie wieder loslassen darf. Johanna bringt ihn ins Haus ihrer geliebten Großmutter Marceline, um ihn dort so richtig wieder aufpäppeln zu lassen. Marceline aber ist eine ganz besondere Frau, die nur eines im Sinn hat: so viele besondere Momente wie möglich zu sammeln, bevor sie ganz im Vergessen versinkt...

    Um es gleich vorwegzunehmen: für mich ist dies kein reiner Achtsamkeitsroman, wie es der Untertitel vermuten lässt. Aber das Thema zieht sich durch die Seiten und durch das Leben der verschiedenen Charaktere, insofern ist es auch wieder nicht ganz falsch. Die Kunst, den Moment zu leben - darauf läuft letztlich doch alles hinaus...


    Jeder Tag lässt genau das in einem zurück, was man aus ihm gemacht hat.


    Natürlich klappt das mit dem Leben im Moment nicht immer und vor allem nicht sofort - und jemand, der damit nicht vertraut ist, geht zweifelsohne zunächst einmal voller Skepsis an diese Thematik heran. So z.B. der Bad-Boy Leon, der dem Leben hinterherzurennen scheint: höher, schneller, weiter, immer auf der Suche nach dem großen Kick. Drogen, Geld, Affären - alles kein Problem, Hauptsache, es bleibt alles schön oberflächlich und unverbindlich. Durch seinen Unfall wird er allerdings brutal ausgebremst. Doch im Haus von Johanna und ihrer Großmutter wähnt er sich gleich in einer ganz anderen, fremden Welt:


    'Du mit deiner naiven Puderzuckermentalität. (...) Yoga, Barfußspaziergänge, dieses Achtsamkeitsding, dieser ganze esoterische...' --- 'Jetzt sag bloß nicht Quatsch.' --- 'Okay... Aber Johanna, jetzt mal ehrlich, das alles sind dorch nur irgendwelche Haltegriffe, damit du nicht ganz so durchgeschüttelt wirst, wenn du dich durchs Leben hangelst.'


    Johanna ist klar, dass sich Leon nur aus sich heraus verändern kann - wenn er es denn will. Und dafür braucht er Zeit. Die bekommt er im Haus von Marceline, der Whiskybrennerin, der welterfahrenen und kampferprobten alten Dame, die ihr Leben in vollen Zügen genießt und versucht alles anzunehmen, was dieses ihr bietet. Nur mit ihrer zunehmenden Demenz, da kann sie sich nicht anfreunden. Wie wird es sein, wenn das große Nichts da ist? Doch Marceline wäre nicht die, die sie ist, wenn sie bis dahin nicht jede Sekunde einfach nur lebt.

    Johanna hat vieles von Marceline gelernt und hadert dadurch mittlerweile deutlich weniger mit ihrem eigenen Schicksal als noch vor einigen Monaten. Dennoch weiß sie, dass sie an ihrem Lebenspäckchen noch zu knabbern haben wird. Doch ihre Großmutter erdet sie immer wieder, und der kleine nigerianische Junge Kio, der ganz allein aus seinem Land geflohen und dessen Rücken voller hässlicher Narben ist, braucht sie ebenso wie Marceline. Denn das Leben in Deutschland ist nicht immer leicht - abgesehen von der drohenden Abschiebung wird Kio nicht von allen mit offenen Armen empfangen...

    Vier Schicksale, die hier aufeinandertreffen, vier sehr unterschiedliche Charaktere, die ihren Weg im Leben suchen, die füreinander da sind - und manchmal eben auch nicht. Liebe, Verlust, Trauer, Wut, Fremdenhass, Flüchtlingsproblematik, der Sinn des Lebens, Vertrauen, Verrat, Demenz und Herzlosigkeit - und noch einige andere Themen mehr finden Platz in diesem Roman, der dennoch nicht überladen wirkt. Achtsamkeit ist dabei ein verbindendes Element, das auf mich nur zu Beginn des Romans konstruiert und aufgepfropft wirkte, später aber zur zunehmenden Entwicklung der Charaktere passte.


    Und wer bestimmt, was Illusion ist und was nicht? Wie wir leben möchten, das bestimmen doch wir. Die meisten von uns wissen es nur nicht.


    Ein nach einem für mich etwas holperigen und bemühten Einstieg in die Erzählung doch angenehm zu lesender Roman, dessen Charaktere trotz aller Präsentation ihrer Gedanken und Gefühle doch etwas distanziert blieben. Nichtsdestotrotz auch ein möglicher Anstoß für das eigene Leben. 3,5 Sterne, die ich gerne aufrunde...


    © Parden

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