Bücher mit dem Tag "gegen das vergessen"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "gegen das vergessen" gekennzeichnet haben.

33 Bücher

  1. Cover des Buches 28 Tage lang (ISBN: 9783499266638)
    David Safier

    28 Tage lang

     (547)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    1942 lebt die 16-jährige Jüdin Mira im Warschauer Ghetto und schmuggelt Lebensmittel, um sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hannah zu ernähren. Ihr Vater hat sich vor der Deportation das Leben genommen, ihr Bruder Simon arbeitet bei der Judenpolizei. Beide empfindet sie als Verräter. 

    Als sich die Lage im Warschauer Ghetto zuspitzt und die Deutschen beginnen, die jüdische Bevölkerung weiter in den Osten "umzusiedeln", schließt sich Mira, die vor lauter Hoffnungslosigkeit empfindet, nichts mehr zu verlieren zu haben, der jüdischen Widerstandsorganisation ŻOB an. 

    "28 Tage lang" wird aus der Perspektive der 16-jährigen Mira geschildert, die einerseits mutig, aber andererseits auch kopflos und naiv agiert. Schon während ihrer Schmuggeltätigkeit bringt sie sich laufend in Gefahr, hat jedoch immer wieder aufs Neue Glück, nicht von der SS erwischt zu werden. Auch ihre Träume von Liebe und Tanzen und einer Sehnsucht nach New York wirken kindlich. Das Buch würde ich deshalb eher als Jugendbuch einordnen, als einen Roman. 

    Aufgrund der eindringlichen Thematik und der wirklich erschütternden Schilderungen über Hunger, Leid, Angst und Gewalt ist es jedoch auch für Erwachsene ein relevantes Buch über den Holocaust und #GegendasVergessen. 

    Mir war der Roman zu wenig bildhaft geschrieben, das jüdische Ghetto wurde für mich nicht lebendig und vorstellbar, auch die Charaktere wirkten blutleer. Die Geschichte verliert sich häufig in der Gedankenwelt von Mira. Auch wenn man das als Flucht vor der schrecklichen Realität nachvollziehen kann, hatte die Geschichte damit, gerade bis zum Anschluss Miras an den Widerstand, immer wieder ihre Längen. 

    Phasenweise vermittelte der Roman zudem eine sehr einseitige Botschaft hinsichtlich der Frage von Anstand und Moral. Man erhielt die Vorstellung, dass nur der unbedingte Kampf gegen die herrschenden Zustände und die Gefährdung des eigenen Lebens als integer galt. 

    Dagegen fehlte mir ein Gefühl für die Atmosphäre im Warschauer Ghetto, da die Schilderungen des Alltags arg an der Oberfläche blieben. Die junge Mira, die mehr Glück als Verstand hat, konnte mich als Heldin nur bedingt überzeugen, taugt jedoch als Identifikationsfigur für jugendliche Leser*innen.  

  2. Cover des Buches Rote Kreuze (ISBN: 9783257071245)
    Sasha Filipenko

    Rote Kreuze

     (168)
    Aktuelle Rezension von: solveig

    Kreuze ziehen sich in abgewandelten Formen durch das ganze Buch. Es sind nicht nur die kleinen roten Kreuze, welche die 91jährige Tatjana Alexejewna zur Orientierung an Türen malt, weil sie an beginnendem Alzheimer leidet. Das Rote Kreuz als Organisation wird für sie zum Auslöser einer großen Last, die ihr Gewissen jahrzehntelang plagt. Als Übersetzerin  des NKID, des "Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten", landen während des 2. Weltkriegs zahlreiche Briefe des Internationalen Roten Kreuzes auf ihrem Schreibtisch, die den Austausch von Kriegsgefangenen vorschlagen. Auf einer der Listen mit den Namen sowjetischer gefangener Soldaten entdeckt Tatjana auch den ihres Mannes und löscht ihn, um ihn und ihre kleine Familie zu schützen; denn als mögliche Vaterlandsverräter sind sie alle gefährdet.

    Genau wie es Tatjana leicht gelingt, ihren jungen Nachbarn Alexander mit der Erzählung   ihres Schicksals während und nach der Stalinära zu faszinieren, versteht es Filipenko ganz wunderbar, seine Leser in das Leben seiner Protagonistin hineinzuziehen. So werden wir Zeugen eines langen wechselhaften Lebenslaufs, der von Unglück und Verlust geprägt ist.

    Das Kreuz als Symbol für Schmerz und Leid  -  Tatjanas Stärke zeigt sich in dem Willen, die  Schicksalsschläge zu überleben. Mit bitterem Humor und viel Sarkasmus trägt sie ihr Kreuz und findet einen neuen Sinn darin, andere Frauen, die von der Willkür des Stalinsystems betroffen sind, zu unterstützen  -  eine beeindruckende Zeitzeugin, die sich darum bemüht, die vielen Opfer jener Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

     

  3. Cover des Buches Glückskinder (ISBN: 9783453424067)
    Teresa Simon

    Glückskinder

     (122)
    Aktuelle Rezension von: EngelAnni

    Ich habe "Glückskinder" zum Geburtstag geschenkt bekommen. Lt Klappentext ist es ein Buch, was ich mir auch selbst gekauft hätte.

    Lt Klapentext werden sich die Münchnerin Toni und die ehemalige KZ-Insassin Griet begegnen. Zuerst mögen sie sich nicht, dies soll sich aber im Laufe der Geschichte ändern. Außerdem soll es um die harten Nachkriegsjahre gehen, in denen die Münchner Bevölkerung kaum etwas zu essen hat und der Handel auf dem Schwarzmarkt floriert.

    Die Hintergrundgeschichte, in der das harte Leben im Nachkriegsdeutschland beschrieben wird, gefällt mir sehr gut. Ich habe bisher hauptsächlich Bücher gelesen, die mit Kriegsende auch zu Ende waren. Deswegen habe ich mich gefreut, etwas mehr über die harten Jahre bis 1948 zu erfahren.

    Die Autorin gibt einen gute Eindruck in die Entbehrungen, die die Hauptfiguren erleiden müssen und es ist auch spannend geschildert, wie der Handel auf dem Schwarzmarkt entsteht.

    Leider gerät diese Geschichte etwas in den Hintergrund, da die seichten Liebesgeschichten in den Vordergrund gerückt werden. Diese Geschichten passen eher in einen "schmalzigen" Liebesroman, aber nicht richtig in den historischen Kontext. Es läuft alles ein bisschen zu glatt und gipfelt darin, dass ein früherer Nazianhänger eine polnische Jüdin heiratet.

    Ich kann daher leider nur 3 Sterne vergeben.

  4. Cover des Buches Einfach unvergesslich (ISBN: 9783492308021)
    Rowan Coleman

    Einfach unvergesslich

     (343)
    Aktuelle Rezension von: FranLuTi

    Das Buch schreibt aus mehreren Sichtweisen, welche alle zur Familie von Claire gehören. Claire ist eine tolle Mutter, liebevolle Ehefrau,  etwas störrische Tochter und wird mit der Diagnose Alzheimer, welche ihr Vater auch durchmachte, konfrontiert. Claire will kämpfen gegen den Nebel im Kopf,  doch immer wieder fehlen ihr die Begriffe für Dinge. Caitlin, ihre mittlerweile Erwachsene Tochter, erfährt viel aus ihrer Vergangenheit und muss sich aktuellen Problemen stellen,  die auch mit Claire zutun haben.  Greg zieht sich immer mehr zurück, da er ClairesAblehnung erfährt und Ruth,  ihre Mutter, möchte sie unterstützen,  aber ihr fehlt oft die Kraft. Die Geschichte ist sehr gefühlvoll geschrieben.  Man kann gut mit den Charakteren mitgehen,  sich in sie hinein versetzen und man fühlt den Schmerz von Claire und ihre Angst bald eine nicht wissenden Hülle zu sein. Dazwischen ist viel Witz und Humor und viel Familiendrama. 3 Generationen starke Frauen, die alle auf ihre Weise kämpfen. An einigen Stellen ist es etwas zu rund, aber die Geschichte gibt einem mit auf den Weg, jeden Tag mit seinen Lieben zu genießen.  Absolute Leseempfehlung !

  5. Cover des Buches Die Nachtigall (ISBN: 9783746636337)
    Kristin Hannah

    Die Nachtigall

     (500)
    Aktuelle Rezension von: Hortensia13

    Die Schwestern Vianne und Isabelle haben seit dem Tod ihrer Mutter ein gespaltetes Verhältnis zueinander. Doch als der Zweite Weltkrieg die Welt überzieht und die Deutsche Wehrmacht Frankreich besetzt, wird zunehmend das Überleben wichtig. Viannes Mann wird an die Front abkommandiert und sie versucht alles, um ihre Tochter vor dem Bösen zu beschützen. Isabelle schliesst sich der Résistance an und wird unter dem Pseudonym Nachtigall berühmt. Doch alles was die Schwestern entzweien mag, spielt das im Kriegsgeschehen noch eine Rolle?

    Dieses Buch war ein absolutes Lesehighlight. Bücher über die Zeit des Zweiten Weltkrieg sind immer bewegend, aber diese Geschichte über die zwei ungleichen Schwestern war regelrecht überwältigend und ich musste einige Tränen verdrücken. Es fängt schon damit an, dass das Buch aus der Sicht von zuhause gebliebenen Frauen in einem besetzten Frankreich geschrieben wurde. Wie versuchen sie durch den Alltag zu kommen? Was müssen sie für ihre Kinder tun? Dazu passt das Zitat aus dem Buch: «Frauen schweigen, stehen auf und machen weiter». Die Autorin hat dazu noch einen wundervollen Schreibstil, bildreich und mit Details ausgeschmückt. Die Geschichte hat mich richtig berührt.

    Mein Fazit: Das Buch wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Es geht absolut ans Herz und macht einem bewusst, dass es mehr Leid gab als nur das an der Front. Absolute Leseempfehlung mit 5 Sternen.

  6. Cover des Buches Der Junge im gestreiften Pyjama (ISBN: 9783596856916)
    John Boyne

    Der Junge im gestreiften Pyjama

     (2.242)
    Aktuelle Rezension von: rotkehlchen

    Das Buch ist ein Jugendbuch, welches häufig als Schullektüre verwendet wird um mit den Schülern das Thema Holocaust zu bearbeiten. Das Buch ist aus Brunos Sicht geschrieben und mit 270 Seiten und größerer Schrift relativ kurz.

    Das Buch nimmt einen beim Lesen mit und ist sehr eingängig geschrieben. Bruno als Protagonist ist gut gelungen, allerdings dachte ich manchmal, dass er für seine neun Jahre vielleicht manchmal etwas zu naiv ist (damit meine ich keineswegs die Punkte bei denen es um den Holocaust geht), habe mich aber auch gefragt ob das altersgerecht ist. Andererseits ist es dem Autor wunderbar gelungen wie Bruno die Dinge hinterfragt, bspw. Was so schlimm an Juden ist und wenn „die anderen“ Juden sind, was sind dann sie? Oder wer entscheiden darf wer Pyjamas und wer Uniformen tragen darf?

  7. Cover des Buches Bis die Sterne zittern (ISBN: 9783836959551)
    Johannes Herwig

    Bis die Sterne zittern

     (27)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick


     

    Mit diesem historischen Jugendroman gelingt es Johannes Herwig in seinem literarischen Debüt auf eine ganz besondere Weise, das Erwachsenwerden in einer Diktatur zu thematisieren und heutigen Jugendlichen die gesellschaftliche und politische Situation am Beginn der Nazidiktatur nahe zu bringen.

     

    Der Roman spielt im Jahr 1936 und erzählt davon wie in diesem Sommer der 16-jähruge Harro am ersten Tag seiner Sommerferien in eine Prügelei mit Hitlerjungs verwickelt wird. Er bekommt unverhofft Hilfe und Unterstützung von anderen Jungs, die ebenso wie er selbst nichts mit der Nazi-Ideologie zu tun haben wollen. Sie freunden sich an, und im darauf folgenden Jahr wird sich alles für Harro verändern.

    Er hat Reibereien mit seinen Eltern und immer wieder Ärger in der Schule. Mit seinen neuen Freunden verbringt er Nächte am Lagerfeuer, nimmt teil an politischen Aktionen und er fährt seine erste Liebe. Und über allem  hängt jeden Tag die bange Ahnung, dass sein wildes Treiben gefährliche Konsequenzen haben kann.

     

    Kraftvoll, mitreißend und emotional erzählt Herwig in einem Roman, der sehr geschickt Fiktion und geschichtliche Tatsache verbindet vom schwierigen Erwachsenwerden in der Unfreiheit. Die Fragen, die er dabei stellt, sind heute so aktuell wie damals: Mitmachen, sich still anpassen oder Kontra geben?

     

    Ein hervorragender Jugendroman.

     

     

  8. Cover des Buches Heimatsterben (ISBN: 9783423219709)
    Sarah Höflich

    Heimatsterben

     (73)
    Aktuelle Rezension von: Lesemama

    Zum Buch:
    Tilda Ahrens hat den zweiten Weltkrieg sowie zwei Ehemänner überlebt. Als Mutter von drei Kindern hat sie erfolgreich einen Hof geleitet. Nun ist sie 97 Jahre alt und liegt im Sterben.
    Ihre Lieblingsenkelin Hanna reist extra aus Amerika an, um sie nochmal zu sehen. Auf dem Sterbebett bittet sie Hanna auf ihre Schwester und deren Mann aufzupassen. Keine leichte Aufgabe, ist doch Trixies Ehemann ein vielversprechender Kanzlerkandidat ...

    Meine Meinung:
    Die Geschichte hat mich überrascht. Ich erwartete eigentlich eine Familiengeschichte über Tilda, die viel in ihrem Leben erlebt hat. Aber Tilda spielte nur eine Nebenrolle, eigentlich. Das Szenario rund um den Kanzler Felix, der Mann von Hannas Schwester Trixie und um die Zukunft Deutschlands war sehr erschreckend, aber auch absolut vorstellbar.
    Zu Beginn hatte ich allerdings ein paar Probleme mit den vielen verschiedenen Personen, die alle irgendwie miteinander Verwandt waren und das verwirrte schon.
    Aber dann hat mich die Story schon sehr gut unterhalten können und richtig gepackt.
    Ein gut zu lesender Schreibstil, ein ständig ansteigender Spannungsbogen und ein großes Ende, das mich überrascht hat. Eine gute Mischung aus Spannungsroman und Familiengeschichte, war auf jedenfall sehr unterhaltsam.

  9. Cover des Buches Nackt unter Wölfen (ISBN: 9783351033903)
    Susanne Hantke

    Nackt unter Wölfen

     (130)
    Aktuelle Rezension von: Babsi123

    " Nackt unter Wölfen " , der DDR Klassiker der auch Pflichtlektüre in den Schulen war. 

    Die Geschichte dreht sich um einen 3 - jährigen Jungen der vor den SS - Schärgen im KZ Buchenwald von Wiederstandskämpfern versteckt wird. Würde er der SS übergeben, wäre es sein sicherer Tod. Dieser Junge ist Stefan Jerzey Zweig, geboren 1941 im Ghetto von Krakau. 

    Trotz aller Widrigkeiten und der Angst der Häftlinge vor dem Tod , verstecken sie den Jungen bei den Typhuskranken und so überlebt er den Krieg  und wird zusammen mit wenigen Überlebenden 1945 befreit. 

    Bekannt wurde S. J. Zweig als der so genannte " 

    Buchenwaldjunge ".


  10. Cover des Buches Der Sänger (ISBN: 9783257070521)
    Lukas Hartmann

    Der Sänger

     (18)
    Aktuelle Rezension von: heinoko

    Wer erinnert sich heutzutage noch an diesen grandiosen Sänger Joseph Schmidt, nur 1,54 m groß, dem aufgrund seiner Körpergröße die Opernbühnen verschlossen blieben, der aber als Konzert-, Film- und Radiosänger eine großartige Karriere hinlegte? Vielleicht kennt man noch am ehesten „Tiritomba“ oder „Ein Lied geht um die Welt“. Ich empfehle Ihnen sehr, sich Joseph Schmidt bei YouTube mit der Arie „Nessun dorma“ anzuhören. So bekommen Sie am ehesten eine Ahnung davon, wieso seine Stimme die Welt verzauberte.

    Das vorliegende Buch befasst sich mit den letzten Lebensjahren des berühmten Tenors, dem die Frauen zu Füßen lagen, Joseph Schmidt,„the tiny man with the great voice“. Nach den Jahren größter Erfolge in Deutschland, Europa und Amerika ist Joseph Schmidt als Sohn orthodoxer Juden seit 1933 auf der Flucht vor den Nazis, von Wien nach Belgien nach Holland nach Frankreich. Schließlich schafft er es von der Auvergne aus in die Schweiz. Joseph Schmidt ist krank, schwer krank. Doch der Schweizer David fürchtet sich vor dem deutschen Goliath. Und so landet Joseph Schmidt trotz seiner schlechten körperlichen Verfassung im Internierungslager Girenbad, erfährt keine wirkliche medizinische Hilfe und stirbt schließlich 1942, im Alter von nur 38 Jahren. 

    Lukas Hartmann versucht in seinem Buch, dem begnadeten Tenor während seiner letzten Lebensjahre intensiv nachzuspüren, indem er viel Platz lässt für Innenansichten, für Gedanken, für Erinnerungen, kurzum für die Tragik eines jüdischen Tenors, für den Gesang eine Form der  Frömmigkeit war, der sich durch seine Stimme Größe und Raum verschaffte. Und der in der Schweiz seine Stimme verliert und damit auch sein Kapital, seinen Glanz, seine Kraft der Verführung und der, obwohl er keine Hilfe erfährt, dennoch den Schweizern dankbar bleibt, weil sie ihn (im Lager!) aufgenommen haben. Obwohl sich Lukas Hartmann in einem etwas zähflüssigen, gefühlsarmen Schreibstil ausdrückt mit geradezu nüchtern-distanzierten Schilderungen, geht das Buch ans Herz. Aber es ist nicht nur eine Hommage an den Künstler Joseph Schmidt, es ist vor allen Dingen ein politisches Buch. Denn es ist eine Ohrfeige für die Schweiz während der NS-Zeit, und auch eine Ohrfeige für unser gegenwärtiges Europa und seine Flüchtlingspolitik. Ein Buch, das lange nachklingt…

  11. Cover des Buches So weit der Himmel dich trägt (ISBN: 9783749482627)
    Uta Baumeister

    So weit der Himmel dich trägt

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Bookmagic13

    Dieser Roman verknüpft geschickt die Geschichten von vier Generationen. Er ist authentisch erzählt und hat mich tief eintauchen lassen in das Leben der jeweiligen Protagonisten. An manchen Stellen ging mir die Geschichte sehr nah. Es gibt Maria, deren Leben durch den zweiten Weltkrieg von Verlusten geprägt ist, ihre Tochter Marlene, die sich zu ihrer Liebe nach Schweden flüchtet, deren Sohn Ben und Enkelin Malin, die  Marias Leben und ihre Handlungen Jahre später versuchen zu verstehen. 

    „So weit der Himmel dich trägt“ ist ein eindringlicher und lesenswerter Roman.

  12. Cover des Buches Jakob der Lügner (ISBN: 9783518468098)
    Jurek Becker

    Jakob der Lügner

     (300)
    Aktuelle Rezension von: valyien

    Inhalt:

    Die Rote Armee ist nur noch wenige hundert Kilometer entfernt, das hat Jakob Heym zufällig erfahren. Und er erzählt es den anderen, die mit ihm eingeschlossen sind im Ghetto einer polnischen Stadt und schon fast alle Hoffnung verloren haben. Und damit die anderen ihm auch glauben, behauptet Jakob, er habe ein Radio. Nun kommen alle zu ihm, um nach Neuigkeiten zu fragen, die Mut machen, weiter auszuhalten in einer Welt, in der die Deutschen die Vernichtung der Juden betreiben. So wird aus ihm Jakob der Lügner; er lügt, um den Menschen wieder Hoffnung zu geben und damit die Kraft zu widerstehen.

    Meinung:

    Am Anfang ist das Buch ein bisschen verwirrend. Der Einstieg passt einfach irgendwie nicht zum Rest des Buches und ich hatte Mühe den Ich-Erzähler zu entziffern, sofern ich erst gegen Mitte gemerkt habe, dass es einen Ich-Erzähler gibt und es kein Auktorialer-Erzähler ist. Es gibt keine grosse Spannung, jedoch wird es gegen Ende richtig gut. Das Thema ob lügen okay ist und ob es gutes und schlechtes lügen gibt ist unglaublich interessant – Es bringt einem ein wenig ins grübeln. 

  13. Cover des Buches ... trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager (ISBN: 9783328102779)
    Viktor E. Frankl

    ... trotzdem Ja zum Leben sagen: Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager

     (85)
    Aktuelle Rezension von: Radagast

    Bücher zu lesen die Psychologen geschrieben haben genieße ich immer mit etwas Vorsicht. Meine Neugierde ist zwar geweckt, aber gleichzeitig befürchte ich, dass mich deren Thema über das sie schreiben mich sehr lange aufwühlt.
    Vorab kann ich sagen das Vitktor E. Frankl mich auf sehr angenehme Art und Weise überrascht hat. Sein analytischer und direkter Schreibstil hat mich an sein Buch gefesselt. Über die eigene Gefangenschaft in vier verschiedenen Konzentrationslager zu berichten war für ihn wohl ein Schritt um dieses Kapitel in seinem Leben abschließen zu können. Zumindest macht es auch mich diesen Eindruck.

    Er gliedert es in drei Phasen:
    1 Phase - Die Aufnahme ins Lager,
    2 Phase - Das Lagerleben,
    3 Phase - Nach der Befreiung aus dem Lager.

    Er beschreibt in den jeweiligen Phasen wie er und die Mithäftlingen mit den jeweiligen Lebensumständen umgegangen sind. Welche Werte verfallen, welche Trostlosigkeit vorherrscht und was der Hunger mit einem Menschen machen kann, wie sehr der Mensch um sein Überleben nicht nur in der physischen sondern vor allem in der psychischen Art überleben will. Es macht auf mich den Eindruck das er die menschliche Seele wie eine Zwiebel schält und man einen einzigartigen Blick auf diese bekommt.
    Ein roter Faden von unbändigen Lebenswillen durchzieht dieses Buch, dass mich unglaubliche glücklich machte. Klingt eigenartig, aber anders kann ich es nicht beschreiben. Es ist unvorstellbar furchtbar was diese Menschen erlebt haben und viele sind daran zerbrochen verstorben. Und doch gab/gibt es vereinzelt Menschen die darüber hinaus einen unbeugsamen Lebenswillen entwickelt haben und vor Leben nur so sprühen. Diesen Menschen zolle ich meinen vollsten Respekt und meine Dankbarkeit das ich wieder ein Stück dazu lernen darf, wie man wachsen kann.

    Ein Buch das ich nicht mehr aus meinen Regal geben werde, es bei Zeiten wieder lesen werde und voll mit Post-it ist.

  14. Cover des Buches Karolinas Töchter (ISBN: B0742H8LNQ)
    Ronald H. Balson

    Karolinas Töchter

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Lese_Lisel

    Karolinas Töchter – ein Roman über den Holocaust in Polen, über das Leben im Ghetto und über das Vernichtungslager Auschwitz aus der Feder des amerikanischen Rechtsanwalts Ronald H Balson. Ich stehe diesem Buch sehr zwiespältig gegenüber…

    Inhalt:

    Die hochbetagte Lena Woodward-Scheinmann will mit Hilfe der Anwältin Catherine Lockhart und deren Partner und Privatdetektiv Liam Taggart die Zwillingstöchter ihrer Freundin Karolina finden, die im Zweiten Weltkriegs verschwunden sind.

    Viel mehr will Lena über diese Kinder nicht sagen. Dafür beginnt sie in ihren Gesprächen mit Lockhart, die ganze Geschichte ihrer Jugend in Polen während des zweiten Weltkriegs aufzurollen: Als die Familie Scheinmann von den Nazis aus ihrem Haus vertrieben wird, versteckt sich Lena im Dachboden und entgeht so der Deportation. Im Ghetto trifft sie ihre Jugendfreundin Karolina wieder, und die beiden Mädchen kämpfen zusammen ums Überleben. Als Näherinnen in einer Fabrik der Deutschen können sie lange Zeit dem Konzentrationslager entgehen. Während Lena geheime Berichte des Polnischen Widerstandskämpfers Witold Pilecki (eine äusserst beeindruckende Figur) über das Vernichtungslager Auschwitz zu einem Mittelsmann schmuggelt, verliebt sich Karolina in einen Deutschen und wird schwanger. Kurz nach der Geburt ihrer Zwillinge wird das Ghetto geräumt und auch Lena und Karolina müssen mit den Zwillingen den Zug nach Auschwitz – Birkenau besteigen…

    Während Lockhart und Taggart sich Lenas Geschichte verständnisvoll anhören, versucht deren Sohn Arthur, ihre Suche nach Karolinas Töchtern zu verhindern, in dem er Catherine Lockhart vor Gericht bringt und seine Mutter als dement erklären lassen will.

    Schwache Rahmenhandlung

    Lenas Schilderungen über den Naziterror in Polen, die Bedingungen im Ghetto und in Auschwitz sind eindrücklich, sehr schockierend und ausführlich, ohne je langweilige zu sein.

    Den ganzen Sommer hindurch fuhren Züger heran, aus denen die Neuankömmlinge direkt in die Gaskammern geschickt wurden. Die Krematorien arbeiteten rund um die Uhr. Zu seiner Spitzenzeit tötete Auschwitz-Birkenau zweitausend Menschen pro Stunde.

    Die Rahmenhandlung dagegen ist schwach, stellenweise fast nervig und störend. Es ist doch eher unglaubwürdig, dass sich eine vielbeschäftigte Anwältin stunden-, ja wochenlang Lenas detaillierte Jugenderinnerungen anhört, ohne Genaueres über die Kinder und den Ort und Zeitpunkt von deren Verschwinden zu erfahren. Das hätte erzähltechnisch anders gelöst werden müssen. Auch ist der Schreibstil insgesamt sehr einfach, mag sein, dass das auch an der Übersetzung liegt. Während die Handlung in Polen flüssig und bildhaft erzählt wird, ist die Rahmengeschichte langweilig, unglaubwürdig und die Dialoge teilweise fast dümmlich. Während mir Lena und Karolina ans Herz gewachsen sind, konnte ich mit Lockhart und Taggart bis zum Schluss gar nichts anfangen. Sehr schade, denn die Geschichte von Lena, Karolina und den Zwillingen ist sehr berührend und schockierend und mehr als wert, erzählt zu werden. Wenn auch der Schluss doch etwas zu sentimental geraten ist.

    Fazit:

    Wer mit einer schwachen Rahmenhandlung leben kann und keine grossen Ansprüche an den Schreibstil hat, dem lege ich dieses Buch trotzdem ans Herz. Gegen das Vergessen und im Gedenken an alle Mütter, die während irgendwelcher Kriege dieser Welt von ihren Kindern getrennt wurden!

    Bibliografische Information:

    • Ronald H. Balson:  Karolinas Töchter: Roman (Liam Taggart und Catherine Lockhart, Band 2)
    • Hörbuch-Download
    • Verlag: Audible Studios
    • Audible.de Erscheinungsdatum: 18. August 2017
    • Spieldauer: 12 Stunden und 46 Minuten
    • Version: Ungekürzte Ausgabe
    • Taschenbuch: 448 Seiten
    • Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 4. (18. August 2017)
    • Sprache: Deutsch
    • Originaltitel: Karolina’s Twins

    Gehört im Februar 2019

  15. Cover des Buches Sarahs Schlüssel (ISBN: 9783827078209)
    Tatiana de Rosnay

    Sarahs Schlüssel

     (232)
    Aktuelle Rezension von: EngelAnni

    Klappentext: Die ergreifende Geschichte eines jüdischen Mädchens, das im Sommer 1942 in Paris von der Polizei deportiert wird, und einer Journalistin, die sich sechzig Jahre später auf die Suche nach ihr begibt.

    Im ersten Moment habe ich gedacht: "Nicht schon wieder eine Nazi-Geschichte", aber in diesem Buch werden die Geschichten der beiden Hauptfiguren mit einander verknüpft, zu Beginn liest man immer abwechselnd deren Geschichten, zum einen 1942 und dann im Jahr 2002.

    Geschichten von deportierten Juden habe ich viele gelesen, sie verlieren nie ihren Schrecken. Das besondere an diesem Buch ist, dass die Journalistin sich 2002 auf die Suche nach diesem einem Mädchen begiebt um ihre Geschichte festzuhalten und auch um ihr zusagen, dass die Welt nicht vergessen hat und nie vergessen wird.

    Diese Buch hat mich sehr bewegt und mich auch wieder dazu gebracht, die wirkliche Geschichte noch etwas tiefer nachzulesen, denn in diesem Buch stehen die Figuren im Vordergrund.

    Ich vergebe volle 5 Sterne und spereche eine absolute Leseempfehlung aus!

  16. Cover des Buches Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück (ISBN: 9783944442402)
    Robert Scheer

    Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück

     (42)
    Aktuelle Rezension von: parden
    EIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...

    Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.


    "Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)


    Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.

    Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.

    Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.

    Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.


    "Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)


    Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.

    Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.

    Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.

    Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.


    © Parden
  17. Cover des Buches Anna und der Schwalbenmann (ISBN: 9783570311677)
    Gavriel Savit

    Anna und der Schwalbenmann

     (45)
    Aktuelle Rezension von: Villa_malLit

    Die Reise von Anna und dem Schwalbenmann führt einen zwar fantasievoll durch die Geschehen des zweiten Weltkriegs, doch werden einem natürlich auch die grausamen Seiten sehr deutlich vor Augen geführt. Man begleitet das Mädchen auf abenteuerlicher und emotionaler Weise mit allen Facetten des Heranwachsens.

  18. Cover des Buches Nachtzug (ISBN: 9783104002408)
    Barbara Wood

    Nachtzug

     (58)
    Aktuelle Rezension von: Katis_bookblog

    Die Kleinstadt Sofia in Polen ist während des zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen besetzt. Die Übergriffe der Deutschen werden immer brutaler und zwei polnische Ärzte, welche in der Klinik in Sofia beschäftigt sind, überlegen sich einen genialen Widerstandsplan um die Dorfbewohner vor den Machenschaften der deutschen Besatzer zu schützen. Durch diesen Plan begeben auch sie sich in Gefahr und müssen herausfinden wem sie trauen können oder nicht.
    Neben diesem Handlungsstrang geht es auch um die jüdischen Bewohner der Stadt, welche sich vor den Deutschen versteckt halten und sich fragen, wohin diese mysteriösen Nachtzüge fahren…

    𝑃𝑒𝑟𝑠𝑜̈𝑛𝑙𝑖𝑐ℎ𝑒 𝑀𝑒𝑖𝑛𝑢𝑛𝑔: 

    Nachtzug war mein erstes Buch von Barbara Wood und hat mich direkt umgehauen. Der Schreibstil ist sehr angenehm und die Spannungsbögen sorgen dafür, dass man das Buch nicht mehr zur Seite legen möchte. Die Geschichte ist berührend, spannend und mitreißend (möchte bzgl. des Inhalts nicht so viel Spoilern).

    Wer sich für Romane in Zeiten des zweiten Weltkriegs interessiert, sollte sich dieses Buch auf jeden Fall anschauen.

    𝐹𝑎𝑧𝑖𝑡:
    Nachtzug ist ein super spannender Roman, welchen ich wirklich jedem empfehlen kann. Er zeigt auf, wie wichtig es ist das richtige zu tun und Menschen zu helfen.
    Ich vergebe hier 5 / 5⭐️

  19. Cover des Buches Wir waren doch so jung (ISBN: 9783945025437)
    Jennifer Riemek

    Wir waren doch so jung

     (26)
    Aktuelle Rezension von: MissRose1989
    Jakob und Annie sind Juden in Aachen in der Zeit des Nationalsozialismus. Jedem, der sich mal ansatzweise mit dem Thema beschäftigt hat, weiss, welchen Anfeindungen Juden in diese Zeit ausgesetzt waren und wie hart in der Öffentlichkeit mit ihnen umgegangen wurde. Da war das Tragen des "Judenssterns" noch das Harmloseste. Der Judenstern findet sich auch auf dem sonst schlichten Cover des Buches wider, sonst ist der Cover eher grau gehalten. Die alter deutsche Schrift, die für den Titel genutzt wurde, hebt sich von sonstigen Covern ab, macht das Cover aber interessant. Jakob ist gerade 14 Jahre alt und erlebt immer wieder, sie mit Juden und auch mit ihm umgegangen wird, weil er eben Jude ist. Dieser Art der Repressalien verkraftet er nur schön, nur die Liebe zu Annie und eine alte Goldmünze seines Opa helfen ihm, die Zeit, die jahrelang mit Schikanen und Verspottung andauernd wird, zu überstehen... Mit Jakob und Annie schaffen Kuhn und Riemek zwei starke Charaktere, die man sofort ins Herz schliesst, weil sie einfach Opfer ihrer Zeit sind, doch sie finden sie mit der Opferrolle nicht einfach so ab. Das macht sie zu sehr starken Menschen in einer für Deutschland unrühmlichen Zeit.  Natürlich muss man sagen, dass das Thema Holocaust in Bücher nichts neues ist, aber gerade die Verbindung zwischen der fiktiven Geschichte, die gar nicht so sehr von den realen Grundlagen abweicht, gekoppelt mit dem Beleg der historischen Fakten macht es schon zu etwas besonderem.  Die Art, wie die Geschichte durch die Autoren Kuhn und Riemek erzählt werden, ist sehr feinfühlig und macht das Grausame, was in der Zeit besonders gegen die Juden gerichtet wurde, begreifbarer und für den Leser entwickelt sich eine neue Art von Verbundenheit mit Jakob und Annie. Man spürt richtig, dass die Autoren eben nicht nur eine einfache Geschichte schreiben wollten, sie haben ein Buch geschrieben, was nicht nur die Fakten sondern auch durch das Herzblut der Autoren überzeugt. Die Handlung des Buches basiert auf wahren Gegebenheiten, welche im Buch immer wieder belegt werden und so die Geschichte zweier Aachener Familien zwischen 1934 - 1945 erzählt, die einfach geprägt durch die Zeit und durch die Umgebung werden und dabei selber nicht viel dagegen tun können, was mit ihnen gemacht wurde.  Besonders an den Buch ist, dass die Aussagen der Zeitzeugen im Anhang wirklich nochmal durch die Autoren belegt werden und sogar Kurzbiografien der Zeitzeugen im Anhang niedergeschrieben sind, wodurch die Authentizität des Buches nochmal gewaltig gewinnt. 

    Fazit: Die Geschichte rund um Jakob und Annie und deren Familien wird von Michael Kuhn und Jennifer Riemek mit viel Feingefühl erzählt, trotzdem bekommt man beim Lesen leichte Beklemmungen, da alleine das allgemeine Wissen über das Leben der Juden in der Zeit unter den Nationalsozialisten gepaart mit der Geschichte, die auf Zeitzeugenaussagen und Dokumenten basiert, ein konkretes Bild des Lebens der Beiden gibt. Durch das Belegen der Geschichte durch Zeitzeugen und Dokumente wird die Geschichte noch tiefgreifender und berührt den Leser anders als eine fiktive Geschichte. 

  20. Cover des Buches Manja (ISBN: 9783746632018)
    Anna Gmeyner

    Manja

     (21)
    Aktuelle Rezension von: holzmair_eva

    Anna Gmeyner. Anna Who? Wie so vielen Autorinnen und Autoren der Zwischenkriegszeit wurde sie im deutschsprachigen Raum vergessen und spät wiederentdeckt. Ihr Roman "Manja" wurde vom Aufbau Verlag 2016 neu aufgelegt. Eine Freundin hat ihn mir geschenkt, und nun bin ich endlich dazugekommen, ihn zu lesen.

    Schon allein der vorweggenommene Schluss mit den betroffenen vier Buben auf der Mauer ist stark. Gleich darauf folgt die Schilderung der fünf Nächte, eigentlich einer einzigen Nacht, nur an fünf verschiedenen Orten, in denen die vier und die titelgebende Manja gezeugt werden. Das sind ungewöhnliche Erzählperspektiven und deuten auf eine Autorin, die ihr Handwerk versteht. 

    Behutsam führt uns Gmeyner so in die Welt dieser Kinder und damit in die ihrer Eltern ein: verzweifelte Intellektuelle, nach Erfolg hechelnde Absteiger und Aufsteiger als Väter, Männer, die nach oben buckeln und nach unten treten, aber auch jene, die weiter aufrecht ihre Überzeugungen leben wollen und gerade deshalb zu zerbrechen drohen; an ihrer Seite verschreckte, rücksichtslose, in den Wahn flüchtende oder verständnisvolle und selbstbewusste Frauen als Mütter, eine Gemengelage, die, verstärkt durch den aufkommenden Nationalsozialismus Kindern wenig Orientierung und schon gar keinen Halt gibt. Nur die Mauer auf einem verlassenen Grundstück wird zum Refugium für die fünf so unterschiedlichen Kinder, wo sie spielen und, angesteckt von der fantasievollen Manja, ungehindert ihren Gedanken und Träumen nachhängen. 

    Wunderbar, wie Gmeyner die guten Anlagen dieser Kinder herausarbeitet, was aus ihnen werden könnte, was jedoch nie aus ihnen werden wird, weil es die Zeiten nicht zulassen und ihre Eltern diesen Zeiten zuweilen hilflos gegenüberstehen, zudem zu feige, zu verbohrt, auf der politisch falschen Seite oder wie Harrys und Manjas Eltern "jüdisch versippt" sind. 

    Langsam, aber unaufhaltsam wird es für die fünf immer schwieriger, ihre Freundschaft aufrechtzuerhalten und so zu tun, als gäbe es die Welt abseits ihrer Mauer nicht. Sie werden in der Schule bedrängt, werden aus Furcht krank und machen aus Unerfahrenheit oder alterstypischer Angeberei falsche Behauptungen, die dem geliebten Mittelpunkt ihrer kleinen Clique  - Manja - zum Verderben werden. Selten noch habe ich derart kitschbefreite und doch berührende Kinderschicksale in der Literatur gefunden wie bei Gmeyner.

    "Manja" - das ist ein damals (Erstveröffentlichung 1938) wie heute wichtiges Buch, das die Leserin nachdenklich zurücklässt.

     


  21. Cover des Buches Tagebuch. Die weltweit gültige und verbindliche Fassung des Tagebuchs der Anne Frank, autorisiert vom Anne Frank Fonds Basel (ISBN: 9783103971514)
    Anne Frank

    Tagebuch. Die weltweit gültige und verbindliche Fassung des Tagebuchs der Anne Frank, autorisiert vom Anne Frank Fonds Basel

     (2.389)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Der historischen Zusammenhänge und der immensen Bedeutung dieses Zeitdokumentes bewusst, trafen mich die Lebensfreude und die teils sehr unterhaltsamen Anekdoten der jungen Autorin doch unvorbereitet. So überrascht, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Das Tagebuch der Anne Frank gewährt ein fesselndes Eintauchen in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und lässt einem ganz beiläufig erfahren, wie es ist, von einem deutschen Unrechtsstaats das eigene Daseinsrecht abgesprochen zu bekommen. Es ist unfassbar, dass die Deutschen damals ihre ethnischen Säuberungen sogar im Radio angekündigt haben. Und alle haben gewusst, was mit jenen passiert, die weggeholt und abtransportiert wurden. Alle haben es gewusst!

  22. Cover des Buches Massel (ISBN: 9783446208599)
    Digne M. Marcovicz

    Massel

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  23. Cover des Buches Helle Nächte, dunkle Tage: Das ewige Suchkind (ISBN: 9783744827102)
  24. Cover des Buches Meine freie deutsche Jugend (ISBN: 9783104912608)
    Claudia Rusch

    Meine freie deutsche Jugend

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    "für Irmgard, ganz herzlich, Weimar 16.10.03" lautet die Widmung, dem bleibt eigentlich nichts hinzuzufügen, nur das hier die Lebensgeschichte eines Vorbilds an Zivilcourage anschaulich präsentiert wird. Wäre man selbst so tapfer gewesen, man weiß es nicht, aber durch die Erziehung zum Querdenken durch ihre Mutter und deren Freunde wurden die Energien der kleinen Claudia in die richtigen Bahnen gelenkt. Das DDR-Unrecht wird drastisch angeklagt, so daß kein Platz mehr für Ostalgie und Verklärung bleibt, erst mit der "Wende" wurden die Oppostitionellen zu "echten" DDR-Bürgern, aber aufhalten ließ sich der hier schreibende Wirbelwind nicht. Auch ein Vorbild an Lebensenergie und der Beweis dafür, was man als Individuum erleben kann.

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