Bücher mit dem Tag "gegendasvergessen"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "gegendasvergessen" gekennzeichnet haben.

12 Bücher

  1. Cover des Buches Die Fliedertochter (ISBN: 9783453421455)
    Teresa Simon

    Die Fliedertochter

     (145)
    Aktuelle Rezension von: eriS

    Paulina begibt sich unbewusst auf die Spuren ihrer Herkunft. Ihre Bekannte Antonia bittet sie nach Wien zu reisen um dort ein unbekanntes Vermächtnis in Empfang zu nehmen. Ihr Glücksbringer, die Schneekugel, ist wie immer auch dabei. Das Vermächtnis besteht aus einem blauen Tagebuch, welche Luzie Kühne verfasst hat. Diese ist 1938 als Halbjüdin von Berlin nach Wien zu ihrer Tante geflüchtet und versucht da Fuss zu fassen. Sie wägt sich in Wien in Sicherheit, die jedoch nicht lange hält. Paulina beginnt in dem Tagebuch zu lesen und verlängert sogar ihren Aufenthalt in Wien hierfür. Was sie zu Beginn nicht weiss, ist das das blaue Buch ihr ganzes Leben verändern wird ...

    Teresa Simon erzählt die Geschichte in zwei verschiedenen Zeitebenen und als Leser bekommt man so das Gefühl auch im Tagebuch zu lesen. Die Geschichte rund um Luzie ist sehr bewegend beschrieben und führt dazu, dass das Buch nicht mehr aus den Händen gelegt werden möchte. Die Autorin hat mit 'Die Fliedertochter' gut rübergebracht, was dazumal auch in Wien geschehen ist. Das Buch ist sehr spannend und gleichzeitig auch traurig. Mich regen solche Geschichten immer wieder zum Nachdenken an und man leidet mit den Einzelschicksalen mit.

    Das Buch ist jedem Leser zu empfehlen, der noch mehr geschichtliche Hintergründe verpackt in einem spannenden Roman entdecken möchte.

  2. Cover des Buches Im Westen nichts Neues (ISBN: 9783462046335)
    E.M. Remarque

    Im Westen nichts Neues

     (1.176)
    Aktuelle Rezension von: julia-elysia

    Ich habe das Buch sowohl in der neunten Klasse als auch in der Universität im vierten Semester gelesen (ich studiere Germanistik/Geschichte). Beide Male wurde mir vor Augen geführt, wie wichtig dieses Buch ist und wie wichtig es auch ist, sich mit diesem auseinanderzusetzen.

    Es handelt sich nicht um eine biografische Erzählung, jedoch um eine Erzählung, die repräsentativ für die Erlebnisse der Soldaten im Ersten Weltkrieg stehen kann. Als Leser erhält man einen Eindruck, wie sich die Soldaten an der Front gefühlt haben, wie sie damit umgegangen sind, dass sie keinen persönlichen Bezug mehr zu den Gegnern hatten, und wie sie damit umgegangen sind, als sie dem Gegner erstmals von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und realisieren, dass sie genauso Menschen sind wie sie selbst.

    Verluste, Umgang mit Entfremdung (vor allem in der eigenen Heimat und auch in Bezug auf die Gegner) und der Kampf ums Überleben sind zentrale Themen des Romans.

    Der Protagonist Paul steht nicht für ein einziges Individuum, sondern für viele Soldaten im Ersten Weltkrieg, die gemeinsam diese Erfahrungen gemacht, gelitten und ihre Seelen und ihre Leben geopfert haben.

    Selbst, nachdem ich den Roman zum zweiten Mal gelesen habe, kann ich sagen, dass es für mich immer noch ein 5-Sterne-Buch ist.

  3. Cover des Buches Maus (ISBN: 9783596180943)
    Art Spiegelman

    Maus

     (211)
    Aktuelle Rezension von: Chris666

    Definitiv Hochkultur!!! Dieses Buch braucht sich hinter keinem Klassiker zu verstecken. Wer "Comics" für kinderkram hält, wird hier eines besseren belehrt. Ich habe selten ein Buch gelesen, dass mir die Schicksale der Juden im zweiten Weltkrieg und ihre Nachwirkungen bis ins Jetzt, besser und eindringlicher vor Augen geführt hat.

  4. Cover des Buches Das Verschwinden des Josef Mengele (ISBN: 9783746636672)
    Olivier Guez

    Das Verschwinden des Josef Mengele

     (81)
    Aktuelle Rezension von: Orisha

    Im Jahr 1949 flüchtete einer der bekanntesten Protagonisten des KZ Auschwitz, Lagerarzt Josef Mengele, nach Argentinien, um fortan mal unter Pseudonymen, mal unter seinem richtigen Namen in Südamerika zu leben.  Dabei folgt man Mengele von seiner Ankunft bis zu seinem Ende in Brasilien. Lernt Helfer, Freunde und Familie kennen - erfährt von der Beziehung zu seinem Sohn, von seinen zwei Ehen, aber eben auch von seinen Taten - auch wenn diese nicht im Fokus dieser Geschichte stehen. Gleichzeitig erhält man das Bild eines Mannes, der in ständiger Angst vor der Enttarnung lebt und das wirft natürlich auch Fragen auf, ob das ein lebenswertes Leben ist oder ob sich das Stellen seiner Verantwortung gegenüber den eigenen Taten, nicht doch die richtigere Entscheidung wäre.

    Guez zeichnet Mengeles Lebensweg gekonnt nach und schafft eine Mischung aus biographischer Überlieferung, deren Leerstellen Guez mit eigenen Erzählungen ausschmückt. Das kann man kritisieren, doch Guez tut dies so geschickt, dass diese Leerstellen nicht weiter auffallen und sich gut in die Gesamtkomposition des Buches einfügen. Dadurch kriegen die LeserInnen einen eindrückliche Schilderung zu Mengele, was es heißt auf der Flucht zu leben, die menschenverachtende Ideologie des Nazi-Regimes - die in gewisser Weise als Enklave in Argentinien fortbesteht (*gruselig und beklemmend) - und gleichzeitig eine Einbettung in die (durchaus) mangelnde Aufklärungsbereitschaft nach dem Ende des Krieges. Dabei bringt Guez Mengele in Kontext mit den Perons, Fritz Bauer oder auch Adolf Eichmann und zeigt gekonnt die Verflechtungen zwischen den Protagonisten auf. Dadurch hat der Autor ein eindringliches Zeugnis geschaffen, dass die Geschichte gut rüberbringt und gleichzeitig die perfide Seite unserer Welt zeigt, in der Massenmörder durch andere Staaten geschützt werden.

    Kurzum: Ein eindringliches Portrait Mengeles und seines Lebens auf der Flucht - sicherlich nicht mit einer Biographie gleichzusetzen, aber ein guter Einstieg in das Thema. Gruselig, beklemmend aber auch den Blick öffnend für die unschönen Dinge unserer Welt. Lesenswert!

  5. Cover des Buches Der Reisende (ISBN: 9783742404039)
    Ulrich Alexander Boschwitz

    Der Reisende

     (5)
    Aktuelle Rezension von: AlexanderPreusse

    Mich hat das Buch begeistert. Ich bin voller Bewunderung über die sprachliche Souveränität des Autors, die ein Echo der Fabulierkunst vor 1945 ist. Das Thema ist unangenehm, es spiegelt aber sehr deutlich die Entwurzelung jener, die sich als Deutsche begriffen und von dem NS-Regime zu Juden gemacht wurden.
    Ein warnender Fingerzeig für die Abgründe identitären Denkens jeglicher Couleur.
    Man folgt der Hauptperson, Otto Silbermann, auf seiner Irrfahrt durch Deutschland nach dem Novemberprogrom 1938, auf der er vielen sehr unterschiedlichen Charakteren begegnet, die allesamt großartig geformt wurden.
    Es ist kein Unterhaltungsroman, wie man sich angesichts des Themas denken kann. Er fesselt, verstört und macht nachdenklich. Die Grenzen sind für Silbermann und seine Schicksalsgenossen gesperrt, ein Motiv, das unsere Gegenwart und Zukunf ebenfalls bestimmt.

  6. Cover des Buches Amerika (ISBN: 9783608962611)
    Kai Wieland

    Amerika

     (9)
    Aktuelle Rezension von: monerl
    Stichworte
    Gegenwartsroman, Dorfgeschichte, Regionalliteratur (Schwaben), Debütroman, Nachkriegszeit, Charakterstudie

    Handlung 3 - Gegenwart und Vergangenheit des Dorfes und seiner Bewohner, etwas zu dünn
    Sprache 5 - schön, nüchtern, leicht satirisch / humorvoll
    Charaktere 4 - unterschiedlich, vielschichtig
    Spannung 4 - subtil
    Ende 4 - leicht unrund, etwas offen, nicht ganz zufriedenstellend

    Gesamtwertung
    4,0 / 5


    Fazit:
    Kai Wieland stellt mit seinem Buch die deutsche Nachkriegszeit im schwäbisch-dörflichen Mikrokosmos dar. In Rillingsbach, einem fiktiven Dorf in der Nähe des schwäbischen Murrhardt, irgendwo im Dreieck Murrhardt – Backnang – Heilbronn, kommen Tag für Tag im Schippen die Rillingsbacher zusammen und erzählen den Chronisten, nicht chronologisch ihre Geschichte sowie die des Dorfes. Einst, vor dem Krieg, ging es ihnen recht gut, doch auch Rillingsbach und seine Bewohner litten unter dem Krieg und mussten sich unter der darauffolgenden amerikanischen Besatzung neu ausrichten.

    Sprachlich nüchtern und doch irgendwie schön als auch humorvoll erfahren die Leser*innen in Wielands Debüt, dass der Schippen früher ein angesehenes Hotel war, wie es die englische Mutter von Hilde ins schwäbische Rillingsbach verschlagen hatte und wie ihr Vater ums Leben kam. Ebenso hat auch Rillingsbach Nazis gehabt, die nicht immer und von jedem als solche wahrgenommen wurden. Es wurde geträumt und gestritten, Familiengeheimnisse wurden preisgegeben. Und doch scheint es, dass Rillingsbach keine Zukunft hat, denn die jüngste Bewohnerin ist Hilde, die selbst schon wohl Rentenalter hat.

    Ein subtil spannendes und interessantes Buch, ein regionaler schwäbischer Gegenwartsroman, der gerne etwas tiefer in die Historie und die Geschichte seiner Charaktere hätte gehen dürfen. Ich freue mich auf weitere Bücher des Autors und kann hierfür auf jeden Fall eine Leseempfehlung aussprechen.
  7. Cover des Buches Überleben (ISBN: 9783218011297)
    Gerhard Zeillinger

    Überleben

     (22)
    Aktuelle Rezension von: monerl

    Meine Meinung
    Dies wird keine Rezension im üblichen Sinne! Dies sind emotionale Zeilen zu einem Buch, einem Zeitzeugenbericht, der mich in vielerlei Hinsicht schmerzt!

    Nachdem ich nun gestern (27. Oktober 2019) das Buch beendet habe und auf der Suche nach weiteren Informationen zum Autor und dem Zeitzeugen Walter Fantl war, stolperte ich über das Todesdatum von Walter Fantl. Gestorben ist er am 24. Oktober 2019. Das war letzten Donnerstag und das war während ich noch das Buch gelesen habe. Es überkommt mich Gänsehaut! Während ich über die Kindheit und den familiären Verlust von Walter Fantl und all den anderen Juden lese, während ich froh bin, dass er und einige andere den Holocaust in den Konzentrationslagern, wie z. B. Auschwitz, überlebt haben, stirbt Herr Walter Fantl im Alter von 95 Jahren. Und genau gestern in der Früh, das wusste ich gestern noch nicht, wurde er in Wien beerdigt.  

    Beide Gefühle, Freude und Trauer, werden überlagert. Und dennoch bin ich von Herzen froh, dass Herrn Fantl noch so viele Jahre Frieden geschenkt wurden.

    Und während ich gestern Abend die Buchdeckel zuklappte und so durchs Internet surfte, sah ich die Hochrechnungen der Thüringer Landtagswalen 2019! Ich sah, wie die AfD in Thüringen mit einem Plus von 12,8% auf ein Ergebnis von 23,4% gekommen war!

    Ein EKEL stieg in mir hoch, ich kann es kaum besser in Worte fassen. Ich fühlte mich benebelt, traurig und furchtbar wütend! Ja, ich bin immer noch richtiggehend wütend, weil ich nicht glauben kann, dass so viele Menschen, jeglichen wahlberechtigten Alters, einen Faschisten und sein rechtes Gedankengut gutheißen!

    Ich kann nicht fassen, dass das Leid Walter Fantls und das von millionen anderer Juden, Sinti und Roma, behinderter und kranker Menschen und anderer Minderheiten vergessen und weggewischt werden konnte! Wer solche Bücher liest, wie ich sie lese, Videos, Filme und Berichte von Zeitzeugen gesehen hat, kann nicht die AfD wählen und kann nicht wollen, dass wir erneut ein NAZI-Deutschland bekommen! Jedem Menschen, mit einem Minimum an Empathie und Menschlichkeit, weden solche Berichte, Fotos und Filme das Herz zusammendrücken und sie werden wissen, dass so eine Partei unter KEINEN UMSTÄNDEN gewählt werden darf, auch nicht aus Protest!

    Gerhard Zeillinger schreibt über Walter Fantl und berichtet über andere Wiener Juden, wie sie nach und nach entrechtet wurden und wie ihr Weg langsam aber sicher ins Konzentrationslager geführt hat.

    Dass Theresienstadt, wo Walter Fantl lange Zeit gelebt hat, ein Juden Ghetto, ein Durchgangslager war, war mir bis zu diesem Buch nicht so richtig klar. Viele prominente Juden aus dem Theater- und Künstler-Milieu waren in Theresienstadt. Daher gab es dort ein ungewöhnliches “kulturelles Leben”, wie in keinem anderen KZ, Lager oder Ghetto. Die Texte, die zu dieser Zeit dort entstanden, berichten über das damalige Leben, über das “Als-ob”-Leben.

    “Vieles im Ghetto wird nun anders, zumindest nach außen hin, seit der Besuch der “Kommission” angesagt ist. Schon im Jahr davor haben deutsche Pressevertreter und eine Delegation des Deutschen Roten Kreuzes Theresienstadt besucht und es war icht schwer, ihnen für wenige Stunden eine heile Welt vorzuspielen. Diesesmal sind es Vertreter des Internationalen Komitees und dänische Delegierte, die sich ein Bild vom Leben im Ghetto machen wollten.” (S. 139f)

    “Die SS lässt kurz darauf Filmoperateure aus Prag kommen, um das schöne Leben in Theresienstadt zu dokumentieren. Ein “Kulturfilm” wird gedreht, von der Prager Wochenschau-Gesellschaft. Sie filmen einen Alltag, den es nicht gibt, mit Hunterten Häftlingen als Statisten.” (S. 142)

                                

    Und immer wieder schwanken meine Gedanken zu der Frage, wie es sein kann, dass all das Grauen heute scheinbar vergessen wurde. Und dann erinnere ich mich, wie Gerhard Zeillinger in der Nachlese des Buches schreibt:

    “Im Gegensatz zu den anderen europäischen Regierungen, die sich bemühten, ihre Überlebenden so schnell wie möglich nach Hause zu holen, hatte die österreichische Bundesregierung keinerlei Anstalten zur Repatriierung der österreichischen Juden unternommen.” (S. 227)

    “Der österreichische Bundespräsident Karl Renner bekundete im Jahr 1946, dass er einer Wiederansiedlung von Juden in Wien mit allen Mitteln entgegentreten werde.” (S. 230)

    “Zwei Jahre später [1963] begannen in Deutschland die Auschwitzprozesse. Aber nur wenige wurden zur Rechenschaft gezogen. Von den SS-Männern der Wachmannschaft in Gleiwitz und den berüchtigten Kapos im Lager wurde kein einziger angeklagt.” (S. 230)

     

    Aus heutiger Sicht kommt deshalb das Gefühl in mir auf, dass damals nicht genug getan wurde. Viel zu viele Nazi-Verbrecher hatten überlebt und durften nach dem Krieg ein neues Leben anfangen, ganz unbescholten und frei. Und wer weiß, wie viele der Nachkommen mit der NS-Ideologie aufgewachsen sind und sie weiter verbreiten konnten. Eventuelle ernten wir gerade, was damals gesät wurde…  

                        

    Fazit                            

    Dieses und viele andere solcher Bücher sollten m.M.n. als Pflichtlektüre im Unterricht gelesen werden! Bildung bildet und öffnet Augen und auch Herz. Das Wissen über den Holocaust muss weiter verbreitet werden, da die letzten Zeitzeugen demnächst aussterben werden. Viele von ihnen, wie auch Walter Fantl, haben in der Öffentlichkeit und auch in Schulen darüber gesprochen. Wenn sie es nicht mehr können, müssen wir da weitermachen, wo sie aufgehört haben.


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  8. Cover des Buches Gestern war wieder der Herrgott bei mir (ISBN: 9783741238413)
    Stefan Heikens

    Gestern war wieder der Herrgott bei mir

     (1)
    Aktuelle Rezension von: MissRose1989

    Das Cover ist sehr schlicht gehalten, man sieht ein Bild von Leopold Bigl, im Hintergrund ist ein Brief angedeutet, das ist alles, aber das reicht auch, weil das beschreibt genau das, was man im Buch zu lesen bekommt.

    In dem Buch handelt es sich um originale Briefe, die Stefan Heikens gesammelt hat und in diesem Buch zusammenträgt. Man merkt, wie es den Soldaten ging, es ist so wahnsinnig authentisch und man merkt, dass die Soldaten immer weiter abstumpfen, man ist auch manchmal verwundert, aber der Krieg wird noch schrecklicher, weil die Menschen auch durch die Umgebung verändert werden, sie werden gefühlskalt, es geht ums blanke Überleben und so ist auch erklärbar, warum dann Krieg die Menschen so verändert, das versteht man sich nur über authentische Zeitzeugnisse.

    Das Buch ist nichts für schwache Nerven, man bekommt die Schrecken des Krieges sehr nah mit und trotzdem merkt man immer wieder, dass es auch den Menschen um die Lieben zu Hause geht, die Gedanken an sie sind wichtig und halten die Soldaten aufrecht.

  9. Cover des Buches Ein Held dunkler Zeit (ISBN: 9783958903746)
    Christian Hardinghaus

    Ein Held dunkler Zeit

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Lenchi
    Titel: Ein Held dunkler Zeit
    Autor: Christian Hardinghaus
    Seitenanzahl: 368 Seiten
    Verlag: Europa Verlag

    Zum Inhalt:
    Winter 1941/42, deutsche Stellungen in der Südukraine. Wilhelm Möckel, Unterarzt in der Panzer-Aufklärungs-Abteilung 16, kämpft einen verzweifelten Kampf – er benötigt das Eiserne Kreuz I. Klasse. Es ist die einzige Chance, in den Offiziersrang aufzusteigen und beim Führer ein Gnadengesuch einzureichen, um seine halbjüdische Frau »arisieren« zu lassen. Eine Ausnahmeregelung der Nazis verspricht ihr »deutsches Blut«, wenn er zum Helden wird  Wird es Wilhelm rechtzeitig gelingen, sein Ziel zu erreichen?

    Meinung:
    Das Buch wird aus der Sicht des Sanitätshelfers von Wilhelm im 2. Weltkrieg beschrieben. Im hohen Alter im Seniorenheim entscheidet er sich, ein Buch über seine Geschichte zu schreiben was eigentlich ein Buch über Wilhelm wird.
    Einige Dinge waren mir neu z.B. wußte ich bis heute nicht, dass es die Arisierung gab bei der man JüdInnen eben arisieren lassen konnte. Man spürt im Laufe des Buches Wilhem´s Kampf um seine Familie, um die Entbehrungen, die der Krieg allen abverlangte, man spürt die Kälte die die Soldaten im Winter litten. Sprachlich finde ich das Buch top, der Autor gab sich redlich Mühe einfach zu schreiben und trotzdem kann man der Geschichte glaubhalf folgen. Einziges Manko: Manches Mal wurde die Geschichte meines Erachtens durchgepeitscht, vor allem die Liebesgeschichte zwischen Wilhelm und Annemarie (verlieben, heiraten, plötzlich sind die Jungs sechs Jahre alt) hätte man noch etwas ausbauen können. Auch das emotionale kommt vor allem in den Kriegsszenen nicht zu kurz (ich sage nur: Truppenhund und Truppenkatze)  obwohl man eine gewisse Stumpfheit nicht abstreiten kann - was sicher auch an den Kriegswirren liegt.

    Vier Sterne Leseempfehlung von mir mit Dank an den Europa Verlag und netgalley für das Reziexemplar!
  10. Cover des Buches Die Bucht der Lupinen (ISBN: 9783442492930)
    Johanna Laurin

    Die Bucht der Lupinen

     (43)
    Aktuelle Rezension von: ann-marie

    Fasziniert vom wunderschönen Cover und einem Titel, der auf Grund des Blumennamens Kindheitserinnerungen an einen ganz besonderen Ausflug mit meiner Mutter hervorrief, war ich mir nach der kurzen Inhaltsangabe sicher, dass es sich um Roman handelt, der mich sehr interessiert und den ich unbedingt lesen muss. Und ich wurde nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil: wurde ich schon lange nicht mehr so einfühlsam mit einem düsteren Kapitel des Zweiten Weltkriegs konfrontiert.

    Hier, im vorliegenden Roman, lerne ich über nur wenige Seiten eine den Roman tragende Frau kennen: Louise, genannt Lou, eine deutsche Jüdin, die 2016 in ihrem Haus in Neufundland beginnt, Abschied zu nehmen. Und begleite dann ihre drei Enkelinnen Judith, 'Anna und Greta auf ihrem Weg, den Nachlass ihrer verstorbenen Großmutter Lou zu regeln. Bei der dazu nötigen Auflösung des Hausstands fallen ihnen neben einem Tagebuch der Großmutter auch ein Bild und einige Briefe in die Hände, die nach und nach Auskunft geben über eine Vergangenheit, die ihnen ihre Großmutter verschwiegen hat bzw. von der sie nie erzählt hat.

    So eröffnen sich zwei Erzählstränge: auf der einen Seite die drei Schwestern die im hier und jetzt und zum Teil mit Problemen, die sie nach und nach und im Vergleich zur Lebensgeschichte der Großmutter eher als "Problemchen" einstufen. Lous Lebensgeschichte öffnet ihnen den Blick für das wirklich wichtige im Leben und ermutigt, sich Herausforderungen zu stellen und eigene Wege zu gehen.

    Die Autorin ermöglicht mit sehr großem Einfühlungsvermögen und bemerkenswertem Schreibstil, sich beim Lesen in die Zeit, die Lebensumstände, die täglichen Herausforderungen und die Gedankenwelt der jungen Lou hineinzuversetzen. Sie wächst als Arzttochter zunächst relativ sorglos im Deutschland der Vorkriegszeit auf, bis auch sie die sich bereits 1935 sich abzeichnenden Repressalien gegen Juden erkennt und zu werten weiß und ihre Liebe zum Nachbarsohn, einem Nichtjuden, von dessen Vater torpediert wird. Beide Charaktere, Lou und ihr Freund Carl, haben in ganz besonderer Weise mein Herz berührt, da ihre Liebeunter keinem guten Stern steht und die aufkommende Bedrohung ihrer Beziehung ungemein treffend, überzeugend und nachvollziehbar dargestellt wird. Dass Lou mit ihrer Tochter letztendlich in Neufundland eine neue Existenz aufbauen kann, was aus ihren Familienangehörigen geworden ist und vor allem aus ihrer ersten und großen Liebe Carl – all dies eröffnet sich nach und nach und auf sehr einfühlsame und berührende Weise.

    Ein Roman, der in Erinnerung bleiben wird und den ich mit Sicherheit noch einmal lesen werde. Und den ich sehr gerne weiterempfehle, weil er für mich einen sehr wichtigen Bestandteil "gegen das Vergessen" darstellt

  11. Cover des Buches Der Apfelbaum (ISBN: B07HRKV7ZR)
    Christian Berkel

    Der Apfelbaum

     (3)
    Aktuelle Rezension von: Perserkatze

    „Jahrelang bin ich vor meiner Geschichte davongelaufen. Dann erfand ich sie neu“

     

    Für den Roman seiner Familie hat der Schauspieler Christian Berkel seine jüdische Wurzel nachgespürt. Er hat Archive besucht und

     Reisen unternommen. Entstanden ist ein großer und spannungsreicher Familienroman vor dem Hintergrund eins Jahrhunderts deutscher Geschichte. Er führt über drei Generationen von Ascona, Berlin, Paris, Gurs und Moskau bis Buenos Aires. Am Ende steht die Geschichte zweier Liebenden unterschiedlicher nicht sein könnten und doch ihr Leben lang nicht voneinander lassen.

    Ganz wichtig: die Geschichte erfordert ein ziemliches Maß an Konzentration aber an den vielen Charakteren lag das jetzt meiner Meinung nicht aussichtlich. Ich hatte eher Probleme mit stätig sprunghaften Zeitebenen. Es war teilweise sehr anstrengend zuzuhören, weil man sich plötzlich in ganz andere Situation befand. Und diese werden ziemlich ausführlich, dramatisch beschrieben, was ja auch Positive ist, weil der Hörer viel von den Charakteren und ihre Lebensweise erfährt und ich habe mir gewünscht, dass der Autor versucht hätte seinen roten Faden dem Hörer genau zu definieren und auch dabeigeblieben wäre. So ist das alles ein wenig chaotisch und ohne Struktur

    Irritierend war für mich auch dass ein bestimmter Charakter der für die Beziehung von Otto und Sale sehr wichtig war abrupt von der Bildfläche verschwindet und auch in der Gegenwart nicht mehr erwähnt wird.

    Der Leser spürt eindeutig wie Emotional die Geschichte den Autor berührt und er daraufhin ambitioniert detailliert zu schreiben und zu beschreiben versucht. Den Mut die Geschichte seiner Familie niederzuschreiben und anderen offen darzustellen hat mich sehr beeindruckt. Aber meiner Meinung hat er es nicht richtig umgesetzt, den ich als Hörer habe i  eindeutig die Bremse in den Erzählungen rausgehört. Nach dem Motto das erzähl ich das andere aber nicht. Ist ja auch absolut okay, denn der Autor hat das Recht Entscheidungen diesbezüglich zu treffen aber es wirkte alles so abgehakt und hinterließ dadurch ein paar Fragezeichen. Trotz allem sind es für mich 4 Sterne, denn die Thematik und die dazugehörende Zeit kann man nicht oft genug erwähnen!

  12. Cover des Buches Mamsi und ich (ISBN: 9783492058575)
    C. Bernd Sucher

    Mamsi und ich

     (2)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Margot Altmann, geboren 1925, wuchs in einem begüterten Haushalt auf – bis 1935, als die Nürnberger Gesetze das Leben der Juden einschränkten. Da Margots Mutter Jüdin war, musste das Mädchen die evangelische Schule verlassen, bekam den Judenstern und wurde später nach Polen deportiert. Für sie kam das dem Ende ihres Lebens gleich, obwohl sie dank Helfern das Grauen überlebte und nach Deutschland zurückkehrte.

    Wie sehr diese Zeit ihr weiteres Leben beeinflusste, bringt uns der Autor in dieser Biografie nah, die schließlich zu seiner Autobiografie wird. Durch mühsame Recherchen erfuhr er, was seine Mutter ihm ihr Leben lang verheimlicht hatte. Waren die Härten gegen sich selbst die Ursachen für die Härten gegen ihren Sohn? 

    Tagebucheintrag vom 4.Oktober 2005 auf Seite 100:

    „Gestern ist Mamsi gestorben … Sie hat mich geformt wie niemand anderer. Sie hat mich verletzt, mich gepeinigt, mich verraten. Ich weiß nicht einmal, ob sie mich geliebt hat. Aber ich habe sie vergöttert und mich ihr zeitlebens ausgeliefert. Was und wo wäre ich ohne ihren Ehrgeiz? G‘tt hat mir einen wachen Geist geschenkt; meine Mutter forderte von mir, ihn zu nutzen. Zur Not half sie nach. Sie war streng – und ungerecht.“ 

    Der Autor, der nach außen so selbstbewusst und entschieden auftritt, beschreibt sich selbst als unsicher. Mich verwirrt diese Diskrepanz. Auf der anderen Seite beeindruckt mich seine schonungslose Offenheit, mit der über seine Gefühle, seine Schwächen und Stärken schreibt. Bewundernd sehe ich auf seine berufliche Vielfalt, die durch die mäkelnde und fordernde Mutter beeinflusst wurde. Deutlich wird, wie sie ihren Sohn ihr Leben lang angefeuert hat, damit er das verwirklichen konnte, was ihr versagt blieb. 

    Fazit: Diese Biografie ist lesenswert, weil sie aufzeigt, wie sehr Eltern das Leben ihrer Kinder prägen. Außerdem wurde sie in einer Sprache verfasst, die einen durch das Buch fliegen lässt.

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