Bücher mit dem Tag "gegenwartsroman"
22 Bücher
- Dörte Hansen
Altes Land
(757)Aktuelle Rezension von: ratherbehappythandignifiedIn „Altes Land“ von Dörte Hansen geht es um Vera, die in jungen Jahren mit Ihrer Mutter aus Ostpreußen in das Alte Land bei Hamburg flüchtet. Vera wächst dort in einem alten Bauernhaus auf und fühlt sich unglaublich verwurzelt, aber doch nie wie angekommen in diesem Haus. In Dörte Hansen Roman erfahren wir wie Vera aufwächst, aber erhalten auch Einblicke in die Leben ihrer Nachbarn und Familienmitglieder. Das Leben für Vera nimmt noch einmal eine Wendung, als ihre Nichte bei ihr einzieht. Auch diese hat einige Erfahrungen in ihrem Leben machen müssen. Doch schweißt das die Beiden zusammen?
Mir hat „Altes Land“ an sich gut gefallen, nur fand ich es sehr schwer in die Geschichte reinzukommen. Man fühlt sich als Leser:in manchmal etwas allein gestellt, denn es werden von Anfang an sehr viele Personen genannt, die man erst einmal allein versuchen muss einzuordnen. Wir werden richtig in die Handlung reingeworfen und hat man den einen Teil sortiert, ist man schon wieder eine Zeitebene weiter. Doch wenn man hier erst einmal einen roten Faden gefunden hat, macht die Geschichte wirklich Spaß und hat einen Tiefgang, der einen wirklich in seinen Bann zieht. Im Laufe der Seiten werden dann noch weitere Figuren vorgestellt, die das Leben auf dem „Alten Land“ in humorvoller Weise einmal mehr veranschaulichen. Ich fand es insgesamt ein schönes Buch und auch jetzt, Tage nach dem Lesen, kann ich mich noch an Vera und ihre Nichte zurückerinnern und mit ihnen mitfühlen.
- David Mitchell
Der Wolkenatlas
(535)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer„Der Wolkenatlas“ verbindet sechs Geschichten in verschiedenen Genres, die zu verschiedenen Zeiten spielen und von verschiedenen Menschen handeln.
Auf den ersten Blick haben die Handlungsstränge nicht viel miteinander zu tun – ein Notar schreibt 1859 auf einer Schiffreise Tagebuch, ein älterer Verleger hat 2012 Probleme mit Kriminellen und Verwandten, die letzten Überlebenden der Menschheit laufen 106 Jahre nach dem Fall durch eine postapokalyptische Welt.
Nach und nach wird jedoch deutlich, dass alles verknüpft ist: die Entscheidungen jedes Protagonisten haben Einfluss auf seine Nachfolger und werden selbst von der Vergangenheit oder Zukunft beeinflusst. Das genaue Ausmaß der Verbindungen bleibt unklar. Ob und wie viel Übernatürliches im Spiel ist, kann jeder für sich entscheiden.
Auch bestimmte Themen sind zeitübergreifend und ziehen sich durch das gesamte Buch: Freiheit in verschiedenen Formen und der Kampf darum, Ausbeutung, Betrug, die Suche nach der Wahrheit, das Füttern von Enten.
Eine Folge der besonderen Struktur des Romans ist natürlich eine große Menge an Charakteren (die gerne auch erst nach einigen Hundert Seiten wieder auftauchen), darauf muss man sich einlassen können, wenn man das Buch lesen möchte.
Zudem ändern sich die Erzählart und der Schreibstil mit jeder Geschichte. Von Tagebucheinträgen und Briefen über Interviews bis hin zu Lagerfeuergeschichten bietet dieses Buch erzähltechnisch alles. Je nach Vorliebe kann man das als Vor- oder Nachteil ansehen. Meiner Meinung nach hilft es, in jeder neuen Geschichte „anzukommen“ und bietet Abwechslung, auch wenn ich den postapokalyptischen Dialekt in der letzten Geschichte ehrlich gesagt etwas anstrengend fand.
Wenn man von den vielen Charakteren und der Idee an sich nicht abgeschreckt ist, ist „Der Wolkenatlas“ sehr zu empfehlen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird man mindestens eine oder zwei (am besten natürlich mehr) Geschichten sehr genießen und wenn man dann noch die einzelnen Elemente verbindet, ergibt sich ein Gefühl, als hätte man erfolgreich ein interessantes Puzzle zusammengefügt.
- Jonathan Franzen
Die Korrekturen
(513)Aktuelle Rezension von: MiSoMiGelesen aufgrund eines Schulprojekts. Der Buchtext hat mir zugesagt, jedoch war das Lesen absolute Zeitverschwendung. Sehr freizügig alles... die Familie hat sehr unrealistische Verhältnisse. Hat mir gar nicht gefallen. Schade!
Ich dachte es würde über eine Familienzusammenführung gehen, an Weihnachten. Jedoch geht das Buch nach und nach in eine andere Richtung. Langatmige Vorerzählungen der Familienmitglieder mit meist sehr abstrusen Lebensläufen. Wer so was mag, kann ich es empfehlen. Ich habe mich ehr fremdgeschämt :(
- Barbara Leciejewski
Fritz und Emma
(249)Aktuelle Rezension von: eldora151Fritz und Emma von Barbara Leciejewski ist für mich eines der schönsten Bücher der letzten Jahre. Es hat mich tief bewegt, ich habe gelacht, geweint und mich oft geärgert – besonders über die beiden Hauptfiguren, die so stur sind, dass sie ihre große Liebe nicht einfach leben können. Diese Mischung aus Wut, Trauer und Hoffnung hat mich sehr berührt und lange beschäftigt.
Eine besondere Rolle spielt Marie, die mit ihrem Mann, dem neuen Pfarrer, ins Dorf zieht. Sie hadert zunächst mit dem Landleben, doch nach und nach öffnet sie sich den Menschen und gewinnt Vertrauen. Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen versucht sie schließlich, Fritz und Emma wieder zueinander zu bringen.
Ein Roman voller Emotionen, der zeigt, wie kostbar die Liebe ist – und wie sehr Entscheidungen, aber auch Sturheit, ein Leben prägen können. Ein Buch, das noch lange nachhallt.
- Bernhard Schlink
Olga
(221)Aktuelle Rezension von: BuecherkopfkinoDurch dieses Buch bin ich für meine Verhältnisse wirklich sehr schnell durch gekommen. Der Schreibstil und die kurzen Kapitel haben mir sehr gut gefallen.
Anfangs dachte ich, es sei nicht viel spektakuläres passiert; 100 Seiten vor dem Ende dachte ich, dass es eigentlich auch hier zu Ende sein könnte und dann kamen Olgas Briefe an Herbert, die Lücken füllten, neue Erkenntnisse brachten und das Drama um Olga aufzeigt.
Dieses Buch hat mir sehr gut gefallen.
Es zeigt wie stark eine Liebe sein kann, auch wenn man sie nie wirklich ausleben konnte. Beeindruckende Geschichte um Olga, mit vielen Verlusten aber auch viel Nähe. Ihre große Liebe Herbert erschien meistens unerreichbar, obwohl sie auf Gegenseitigkeit beruht hat. Olga findet aber auch mehrfach Familie in Freundschaften.
Ich fand dieses Buch ganz wunderbar und der Schreibstil hat mir sehr gefallen. Eine Geschichte über eine wunderbar starke Frau namens Olga.
- Malcolm McNeill
Der Wald der träumenden Geschichten
(40)Aktuelle Rezension von: WollyEin Buch was ich schweren Herzens abgebrochen habe, dessen Idee ich aber nach wie vor toll finde. Leider konnten mich aber nur das schöne Cover und die Idee überzeugen. Der Schreibstil bzw. allgemein die Umsetzung ebenso wie die Charaktere konnten mein Herz nicht erwärmen. Manche Szenen fand ich geradezu grausam und alles andere als philosophsich, auch wenn das Buch eigentlich in dieser Richtung angelegt ist. Auch die Einordnung als Jugendbuch lässt mich ein wenig zweifeln. Für mein Empfinden ist es eher ein Roman, aber das ist natürlich Geschmacksache. Eins ist das Buch auf jeden Fall nämlich nicht 0815. Hier rate ich jedem selbst reinzulesen, denn Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. - Karen Joy Fowler
Die fabelhaften Schwestern der Familie Cooke
(97)Aktuelle Rezension von: graefinrockulaDie fabehlhaften Schwestern der Familie Cooke“ von Karen Joy Fowler ist ein emotionales Buch mit Tiefgang, welches zum Nachdenken anregt.
Das Buch, welches in der Ich-Perspektive geschrieben ist, beginnt mit einer scheinbar normalen jungen Frau, welche versucht ihr Leben zu ordnen. Das nicht ganz leichte Verhältnis zu ihrer Familie durch das Verschwinden ihrer zwei Geschwister scheint zunächst nachvollziehbar. Durch viele Zeitsprünge wird einem das Ausmaß der Tragödie erst bewusst. Fern und Rosemary wachsen wie Zwillinge auf. Doch Fern verschwindet. Erst im Laufe der Geschichte wird das Geheimnis um Ferns Identität gelüftet. Eine Geschichte über Toleranz, Mitgefühl und Verantwortung gegenüber allen Lebewesen auf der Welt.
Durch die Ich-Perspektive liegt der Fokus klar bei Rosemary, da Figur und Erzählerrolle zu einem verschmelzen. Eine intelligente, junge Studentin. Der sprachliche Stil der Erzählung passt sich dieser Gegebenheit an und machen diese authentisch. Es werden außerdem sowohl Klassiker der Literatur wie Les Miserables zitiert, als auch Größen der Jugendkultur (Star Wars). Wir erfahren nur langsam Einblick in Rosemarys Innenwelt, auch dies passt zu dem Charakter der gezeichneten Figur. Am Anfang ist dies vielleicht etwas frustrierend, da Rosemary in der Erzählerrolle nicht auf den Punkt zu kommen scheint. Doch genau dieses sprunghafte und teilweise ausweichende macht die Erzählung auch interessant und sorgt dafür, dass man unbedingt weiter lesen möchte.
Ich persönlich kann dieses Buch wärmstens empfehlen. Allerdings sollte man es in Ruhe und mit Zeit zum Nachdenken lesen. Denn ich empfand das Lesen als eine Art von Katharsis. Rosemary mag nach der Erzählung vielleicht immer noch die unsichere und sozial etwas unfähige Frau zu sein, doch ich als Leser habe mich definitiv verändert. Ein gelungenes Buch, welches der heutigen Zeit auch an manchen Stellen radikal den Spiegel vorhält.
- Raffael Rauhenberg
Die Schulter des Riesen
(26)Aktuelle Rezension von: dicketillaGregor Bach, Silberschmied,34 Jahre.
Eine einzige Unbeherrschtheit gab den Auslöser, der nichts mehr mit seinem unbeschwerten, sorglosen Leben gemein hatte. Doch wenig später musste er dieses Vorgehen teuer bezahlen - und jetzt durchlebte er das Leben derjenigen, die er doch einst so verachtete."Sein altes Leben... Damals hatte er für seinen Wohlstand gearbeitet, nun arbeitete er an seiner Armut." (S.139)
Es ist schon verstörend, wie schnell ein Mensch in eine ausweglose Situation, teilweise unverschuldet, gelangen kann. Wie das Labyrinth der behördlichen Unbegreiflichkeiten, ein Entkommen unmöglich machen. Sicher hat Gregor in manchen Momenten falsch gehandelt, aber wie sollte man ihm einen Vorwurf machen, in dieser surrealen Welt.
Der Leser begibt sich mit ihm auf den Weg nach einem warmen Schlafplatz, landet in der Gruft, die ihren Namen zurecht trägt. Bettelt um einige Münzen, um sich sein Schließfach und einen Bissen leisten zu können. Sieht die verachtenden Blicke, die Scham, wie er sich vor seinen Kindern verbirgt.
Aber dennoch verlor Gregor nicht seinen Blick für das Böse, den Dealern, die den Verfall von Menschen in Kauf nahmen, die Perversen, die sich an Jugendlichen, Kindern vergingen.
So sieht er ein Ziel, dem jungen Ricky beizustehen, ihm einen Ausweg zu zeigen.
Die Geschichte spielt in einer fiktiven Stadt in Deutschland, wird als eine Geschichte der Gegenwart geschildert.Und diese Gegenwart lauert bereits vor unseren Türen, ist in unseren Städten präsent. Mich hat diese Geschichte sehr erschüttert, ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, in der die Kluften mehr und mehr auseinander driften.
Raffael Rauhenberg baut seine Gesellschaftskritik geschickt in die Handlung ein. Seine Wortwahl präzise, mit einer Genauigkeit, die Bilder entstehen läßt, die man eigentlich nicht sehen mag, Gerüche denen man entfliehen möchte. Menschen formt, die selbst in ihrer abgrundtiefen Verachtung, dennoch ein wichtiger Teil der Handlung werden. Selbst in dieser Trostlosigkeit etwas wie Sorge, Freundschaft erblühen läßt. Er fordert den Leser auf sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen, hinzusehen, was da so schief läuft. Eine Hand, die sich uns entgegenstreckt, oftmals keine andere Wahl hat, geschweige bekommt.
Die Aroganz derer, die sich im Schoße des Wohlstands befinden, sich dessen ganzen Ausmasses des Elends nicht bewusst sind, ihre Verachtung nach außen tragen.
Ich kann dieses Buch nur jedem Leser empfehlen, sich dem Umstand seines eigenen Lebens bewusst zu sein. In einer Welt, in der Konsum immer mehr im Vordergrund zu stehen scheint, Altersarmut droht, Mieten unerschwinglich werden, man sich nie um seiner Sicherheit sicher sein kann, seine Werte zu überdenken, Menschlichkeit zu bewahren, auch denen gegenüber, die schon ganz unten angekommen zu scheinen.
Es ist nur ein Buch, ein Buch mit einer Geschichte, aber die dennoch weiß den Leser zu erreichen, ihn nie in solch eine Situation gelangen läßt. Im wahren Leben ein Netzt gespannt wird, dass uns davor bewahren möge.
- Gertraud Klemm
Hippocampus
(37)Aktuelle Rezension von: BeautyBooksIrgendwie hat das Unglück der Österreicher mit dem Sonntag zu tun. Mit diesem Nine-to-five, Montag bis Freitag und mit diesen gesetzlichen Feier- und Urlaubstagen. Von einem Feiertag wird zum nächsten gejammert, im Winter zum Frühling hingejammert, im Frühling wird der Sonnenschein herbeigesehnt, und wenn es mal im Mai heißt ist, jammern alle wegen des Klimawandels. Die Menschen vor den Fernsehern und Radios haben immer den Freitag im Blick, damit endlich Samstag und Sonntag folgen. So will er niemals werden. - Seite 8
Inhaltsangabe:
Helene Schulze ist tot. Eine vergessene Autorin der feministischen Avantagarde, die ausgerechnet jetzt als Kandidatin für den Deutschen Buchpreis gehandelt wird. Ihre Freundin Elvira Katzenschlager sortiert Helene's Nachlass und findet sich in einer Marketingmaschinerie voll Gier, Sensationsgeilheit und Neid wieder. Als sie sich mitten in einem Nachruf-Interview befindet, bricht sie dieses ab und begibt sich mit dem wesentlich jüngeren Kameramann Adrian auf einen Roadtrip durch Österreich, um die verzerrte Biografie ihrer Freundin richtigzustellen. Was als origineller Rachefeldzug beginnt, wird immer mehr zum Kreuzzug gegen Bigotterie und Sexismus. Sie verkleiden Heldenstatuen, demontieren Bildstöcke und stören Preisverleihungen. Immer atemloser, immer krimineller werden die Regelbrüche der beiden auf ihrem Weg nach Neapel, wo die letzte Aktion geplant ist.
Und obwohl er das alles weiß und jetzt schon seit zwei Jahren dabei ist, deprimiert ihn immer mehr, wie viel Illusion erzeugt werden muss, um die Zuschauer für eine Naturdokumentation bei Laune zu halten. Vogelkinder mussten ihre Mütter verlieren, Löwenmütter ihren Kindern beim Gefressenwerden zusehen, die Elemente mussten rebellieren und der Lebenskampf toben. Erst wenn Natur mit Storytelling und Mitleidhaschen gespickt wird, ist sie so richtig essfertig für den Durchschnittstrottel vor dem Bildschirm. - Seite 9-10
Meine persönliche Meinung:
Aus diesem Buch habe ich mir so viele Buchzitate herausgeschrieben, die einfach wie eine Faust aufs Auge gepasst haben. Frau Klemm hat uns Österreicher herrlich locker in diese Geschichte miteingebunden. Wie wir so ticken und auch denken. Oder aber auch einfach ein paar Zeilen, die komplett aus dem Leben gegriffen sind, in denen wir uns selbst tagtäglich widerfinden. Buchzitate, die ich euch in diese Rezension miteinbinden werde, damit ihr selbst lesen könnt, was ich meine.
Beginnt man diesen Roman zu lesen, spürt man sofort, dass es sich hier um eine sprachlich anspruchsvolle Geschichte handelt. Die Autorin bringt uns die Welt der Literaturbranche näher und weist uns stets daraufhin, wie wichtig feministisches Engagement tatsächlich ist.
Die beiden Hauptcharaktere werden von der Autorin benutzt, um Geschlechterklischees drunter und drüber zu werfen. Adrian, der junge Fotograf des Interview-Teams, befindet sich in einer typisch weiblichen, dienenden Funktion. Er begleitet Elvira als "Assistent" auf ihrem Road Trip um diesen zu dokumentieren. Adrian hat ganz bestimmte Ansichten, was alte Frauen betrifft. Mit diesen Ansichten wird er tagtäglich von Elvira, die von ihm ja als alt bezeichnet wird, herausgefordert. Sein Leben besteht bisher darin, dass er seinen Alltag als Möchtegern-Liebhaber einer jungen Frau verbringt, während Elvira ihm zeigt, wie lässig sie in Liebesdingen umgeht. Elvira ist eine unglaublich starke Person, der vollkommen egal ist, was andere von ihr denken. Sie hält es nicht aus, wie ihre tote Freundin Helene dargestellt wird und tut alles, um das zu ändern, ohne Rücksicht auf irgendwas oder irgendjemanden. Manchmal musste ich regelrecht schlucken, da sie Aktionen bereithält, die ich fast schon ein wenig zu übertrieben empfunden habe. Damit bekommt sie jedoch ihre Aufmerksamkeit, die sie haben möchte und zieht ihr Ding einfach durch.
Die Menschen machen Licht, bevor es dunkel ist, sie heizen, bevor es kalt wird, sie sterben, bevor sie leben. - Seite 38Die erste Hälfte des Buches konnte mich noch so richtig packen, während ich die zweite Hälfte eher als anstrengend empfunden habe. Anfangs fand ich den Road Trip von Elvira und Andrian noch ziemlich amüsant, schon bald legte sich dieses Gefühl aber ein wenig und kippte für mich schnell ins übertriebene rüber. Es fühlte sich während dem Lesen einfach an, als käme nichts mehr neues und die Geschichte plätscherte so vor sich hin. Ich habe stets gehofft, dass noch irgendwas spannendes oder anderes passieren wird, dass mich aus dieser Lethargie wieder herausholen wird. Ich habe das Buch wirklich gerne gelesen und auch der Schreibstil gefiel mir richtig gut, aber all die Aktionen die Elvira durchgezogen hat, waren dann einfach irgendwann too much. Man hätte auch anders handeln können, um Helene Schulze's Leben oder sie als Person aufleben zu lassen um all den Menschen zeigen zu können, dass sie anders war, als alle gedacht haben.
Sie versteht immer mehr, warum Terroristen so brutal werden müssen. Es hört ihnen ja sonst niemand zu. Sie lassen sich die Aufmerksamkeit der Gesellschaft in Menschenleben bezahlen, sie errichten Installationen aus Schmerz und Leid und nehmen in Kauf, dass man sie hasst und verfolgt und von all den Forderungen, die sie im Zusammenhang mit ihren Aktionen stellen, gar nichts mehr mitbekommt. Terror ist auch nur eine Protest-Kunstform, denkt Elvira verwundert, wenn auch eine sehr widerliche, abstrakte. - Seite 299
Nichtsdestotrotz konnte mich Gertraug Klemm überzeugen bzw. hat sie mich neugierig gemacht und ich habe mir nun "Muttergehäuse" von ihr gekauft. Von "Hippocampus" sollte sich jeder einfach selbst überzeugen. Ich habe sehr viele ganze positive Rückmeldungen in der Arbeit erhalten. Für mich war die Geschichte irgendwann zu eintönig. - Vea Kaiser
Rückwärtswalzer
(178)Aktuelle Rezension von: Elenchen_hFür Lorenz läuft es derzeit nicht wirklich rund im Leben: Seine Rolle in der neuen Krimi-Serie wurde kurzerhand aus dem Stück geschrieben und seine Freundin liebt einen anderen. Zum Glück gibt es seine drei Tanten Mirl, Wetti und Hedi und seinen Onkel Willi, die im 23. Bezirk in Wien wohnen und auf die er immer zählen kann. Lorenz zieht bei Willi und Hedi vorübergehend ein - doch als ein neuerlicher Schicksalsschlag die Familie trifft, findet sich Lorenz unversehens auf einem Roadtrip mit seinen Tanten in einem alten Fiat Panda nach Montenegro wieder. Auf dem Beifahrersitz: Eine Leiche. Im Gepäck: Die Geschichte der Familie Prischinger.
Was für ein Glück, dass mir eine Buchhändlerin in Berlin letztes Jahr ganz unverhofft dieses Buch in die Hand gedrückt hat! "Rückwärtswalzer" von Vea Kaiser ist Familiengeschichte und Roadtriproman zugleich, auf mehreren Zeitebenen erzählt sie von Lorenz im heutigen Wien und auf seiner abenteuerlichen Reise nach Montenegro sowie vom Aufwachsen seiner Tanten in einem kleinen Dorf im österreichischen Waldviertel der Nachkriegszeit und Willis Kindheit in Montenegro. Vea Kaisers Figuren sind schrullig und liebenswert, ich mochte vor allem die drei Tanten unglaublich gerne. "Rückwärtswalzer" war für mich eine wunderbare Wien-Reiselektüre, ich möchte den Roman aber gerne allen empfehlen, die sich mal wieder ganz in eine Geschichte fallen lassen möchten.
Anmerken möchte ich aber, dass ich den Gebrauch des N- und I-Worts sehr unangebracht finde, egal in welchem Kontext. Ich hoffe, die Autorin verzichtet künftig darauf.
- Jolina Petersheim
Licht sucht sich seinen Weg
(17)Aktuelle Rezension von: KleinerVampirBuchinhalt:
Für Ruth bricht eine Welt zusammen, als ihr Mann Chandler auf einem humanitären Auslandseinsatz sein Leben verliert. Von Trauer gezeichnet sucht sie zusammen mit ihren beiden kleinen Töchtern Zuflucht in einer Mennonitengemeinde in Wisconsin, bei Verwandten ihres Mannes. Auf der Cranberry-Farm von Elam schöpft sie neue Kraft und verliebt sich schließlich in den zurückhaltenden, stillen Mann. Die beiden heiraten – doch dann passiert das, womit keiner gerechnet hätte und Ruth steht erneut vor den Trümmern ihres Lebens, emotional aufgerieben zwischen der Liebe zu ihrem verstorbenen und der Liebe zu ihrem jetzigen Ehemann...
Persönlicher Eindruck:
Mit Licht sucht sich seinen Weg legt Autorin Petersheim einen Gegenwartsroman auf, der den Leser in die Welt der Mennoniten führt. Die Autorin selbst hat mennonitische Wurzeln und breitet in die Romanhandlung eingebettet den Alltag und die Lebensweise dieser Religionsgemeinschaft vor dem Leser recht anschaulich aus.
Hauptfigur ist Ruth, eine junge Witwe und alleinerziehende Mutter zweier kleiner Mädchen, die ihren bei einem Auslandseinsatz getöteten Mann betrauert. Der Neuanfang soll bei dessen Verwandten gelingen, die Cranberryfarm seines Vetters Elam ist der Schauplatz der Geschichte.
Elam selbst ist ein zurückhaltender Eigenbrötler, der nicht viel spricht und auch sonst eher sein eigenes Ding macht ohne viel soziale Interaktion. Lediglich seine Schwester Laurie und deren Kinder sind seine Bezugspersonen. Trotz allem ist er sanft und hilfsbereit und wird auch schnell zum Rettungsanker für Ruth, die sich in der mennonitischen Gemeinschaft relativ fehl am Platz führt.
Alles schön und gut – der Alltag der Figuren, das Leben auf der Farm und die tägliche Arbeit sind nachvollziehbar und authentisch beschrieben, das Setting bildhaft und anschaulich für das innere Auge des Lesers. Inhaltlich geht es um Themen wie Trauer und Verlust, Heilung und Neuanfang. Dabei spielt auch der christliche Aspekt der Geschichte eine tragende Rolle, allein schon aufgrund der Frömmigkeit der Figuren.
Was mich gestört hat, waren die Rückblenden anhand von Briefen zwischen Ruth und Chandler. Für den Lesefluss nicht wirklich zuträglich verwirrten diese mehr als dass sie der Handlung nützten. Auch die Fülle der auftretenden Personen, die alle relativ blass blieben, schufen Distanz zu den Figuren.
Nach ungefähr einem Drittel der Handlung tritt eine unerwartete Wendung ein, die dann das bisher Geschehene so ziemlich ad absurdum führt. Ohne hier zu viel zu verraten, findet sich Ruth letztendlich wieder in einem Zwiespalt und ihr neues Leben mit Elam wird komplett in Frage gestellt. Wird sie erneut alles verlieren? Mich konnte diese Idee der Autorin (im Grunde der einzige Aufhänger des ganzen Melodrams) überhaupt nicht überzeugen.
Insgesamt folgt die melodramatische Geschichte schon einem gewissen Faden, entbehrt aber jeglichem Spannungsbogen. Trotz besagter Wendung bleibt sie langatmig und träge, für mich war es kein Roman, der mich an die Seiten hätte fesseln können.
Fazit: Kein Roman, der mir im Gedächtnis bleiben wird, der Funke ist leider nicht übergesprungen.
- Irene Hannon
Der Leuchtturm von Hope Harbor
(19)Aktuelle Rezension von: SiCollierMeine Meinung
Dieses Mal dauerte es nur etwa ein halbes Jahr, bis zum nächsten „Hope-Harbor“-Band; den ersten habe ich vor etwa drei Jahren gelesen, und es ist schön, in diesen Zeiten zumindest lesemäßig in eine vertraute und hoffnungsfrohe Umgebung „zurückkehren“ zu können. Da macht es auch nichts, wenn sich bestimme Handlungsmuster wiederholen, oder besser gesagt, variiert werden.
Denn auch hier (wie in den Vorgängerbänden), kommt jemand nach Jahren nach Hope Harbor zurück, will nur relativ kurz bleiben - und dann wird es doch ganz anders. Damit hören die Gemeinsamkeiten denn allerdings auf. Dieser Roman ist, wie die anderen der Serie auch, in sich abgeschlossen, also auch ohne Kenntnis der vorherigen Bücher verständlich. Allerdings tauchen einige Figuren von früher auf, die nicht groß eingeführt werden. Man braucht deren Vorgeschichte jedoch nicht zu kennen, um der Handlung (und deren Auftreten hier) folgen zu können.
Ben Garrison wie auch Marci Weber haben in ihrer Vergangenheit unschöne Erfahrungen mir Partnern gemacht und sind beide nicht auf der Suche. Marci kam nach Hope Harbor, um hier zur Ruhe zu kommen, Ben hingegen, um die Hinterlassenschaft seines Großvaters zu regeln, alles zu verkaufen und dann nach Ohio zu ziehen. Zum Erbe gehört der Leuchtturm von Hope Harbor, den Ben verkaufen will. Der potentielle Käufer will ihn abreißen - und das will Marci zusammen mit den Einwohnern unbedingt verhindern, ist der Leuchtturm doch ein Wahrzeichen von Hope Harbor. So bleibt es nicht aus, daß Ben und Marci, wenngleich zunächst auf verschiedenen Seiten, immer wieder Kontakt haben.
Als Leser bemerkt man es vermutlich noch vor den Figuren, daß es nicht nur bei Kontakten bleibt, sondern irgendwann such Gefühle ins Spiel kommen. Die Beziehung der beiden entwickelt sich für meine Begriffe durchaus glaubwürdig, zumal das Thema „Fernbeziehung“ im Raume steht, will Ben doch eigentlich nach Ohio. Kann man sich auf eine Beziehung einlassen, wenn am Ende einige tausend Meilen zwischen den Wohnorten liegen?
Auch im „Leuchtturm“ bringt die Autorin einen ernsten Unterton ins Buch, der zeigt, daß auch in Hope Harbor nicht nur eitel Sonnenschein herrscht, und zwar in Gestalt der Nebenhandlung um Greg und Rachel, die ihre Eheprobleme lösen müssen, nachdem Greg bei einem Militäreinsatz schwer verwundet wurde. An manchen Stellen habe ich deren Entwicklung mit größerem Interesse verfolgt aus die der Hauptfiguren. Greg und Rachel hätten eigentlich sogar verdient gehabt, die eigentlichen Hauptfiguren zu sein.
Ganz selbstverständlich werden Themen wie der Afghanistan-Einsatz oder Stationierungen in Übersee in die Handlung integriert; selbst in amerikanischen Weihnachtsfilmen geschieht solches. Ganz im Gegensatz zu europäischen bzw. deutschen Romanen (und Filmen), in denen diese Thematik schlicht totgeschwiegen wird. Insofern haben uns die Amerikaner hier einiges voraus: selbst eine „heile Welt“ verschließt die Augen nicht vor der aktuellen Realität.
Aufgelockert wird die Handlung durch das Auftauchen alter Bekannter: Charley, von dem man nie so recht weiß, ob er Künstler mit dem Nebenberuf Takostandbetreiber ist oder ob es genau anders herum ist. Auf jeden Fall hat er immer eine treffende und hilfreiche Lebensweisheit parat. Oder der Pastor und der Pfarrer, die in diesem Buch allerdings (zu) wenig Gelegenheit für ihre freundschaftlichen Kabbeleien hatten.
Am Ende angekommen, habe ich das Buch zufrieden zugeklappt und freue mich auf den nächsten Band der Reihe, der schon in meinem Buchregal steht.
Mein Fazit
Erneut zeigt die Autorin, daß man in einem Wohlfühlroman auch ernstere Themen verarbeiten kann. Ein gelungenes „Thema mit Variationen“ - ich freue mich auf die weiteren Bände.
- Christoph Fromm
Amoklauf im Paradies
(3)Aktuelle Rezension von: Mary2Ein frustrierter Mittvierziger aus Deutschland entdeckt sein neues Hobby Fliegenfischen.
Nach dem Verlust seines Arbeitsplatzes und seiner Ehefrau möchte er in Schweden („Paradies“) eine Fliegenfischerschule betreiben.
Leider ist Erwin kaum kritikfähig und wenig spontan.
Das sind sehr ungünstige Voraussetzungen für eine Selbstständigkeit in einem wildnisreichen Land. Die Identitätskrise bezieht sich darüber hinaus auch auf Erwins sexuelle Orientierung. Und so geht wenig glatt bei der Existenzgründung in einer Branche, auf die Erwin nur theoretisch vorbereitet ist.
Seine lange vernachlässigte 18-jährige Tochter begleitet ihren Vater nach Schweden um einen Drogen-Entzug zu durchleben.
Zwei Großprojekte, die ziemlich danebengehen und beinahe schief gehen („Amoklauf“).
Immerhin entwickelt sich die Vater-Tochter-Beziehung ganz neu und die Ansichten der Tochter helfen Erwin aus seiner Krise.
Der Leser nimmt Erwins Perspektive ein und erlebt alle Widrigkeiten aus seiner Sicht.
Man möchte Mitleid haben mit diesem Mann, der sich seit Jahrzehnten selbst belügt und seine Pubertät endlich nachholt.
Viele Figuren des Romans sind stark überzeichnet, beschreiben aber im Kern die typischen Muster der 40- bis 50-Jährigen. Neben Erwin stehen seine sich emanzipierende Ehefrau Karin, die exzentrische, machtbewusste Kunstprofessorin Syllke Faber und der unbekümmerte, unzuverlässige schwedische Fliegenfischer Bengt.
Sie treffen auf eine junge Generation, denen die Probleme der Midlifer so völlig fremd sind.
Sprachlich ist dieser Roman bemerkenswert und überzeugt mit treffenden Formulierungen und bissigem Humor.
Viel Freude werden sicher alle Leser im passenden Alter haben.
Auch die Angler im echten Leben werden sich über den fischenden Romanhelden amüsieren.Nicht-Anglern kann zwischendurch die Puste ausgehen, denn hier wird der Autor sehr detailreich.
Das Lachen kann einem aber doch im Halse stecken bleiben, wenn die Parallelen zum eigenen Leben sichtbar werden.
Ernst nehmen kann man die Geschichte natürlich nicht, sie ist denn auch als „Groteske“ beschrieben.
Ein toll erzähltes Buch mit einer Leseempfehlung mindestens für alle ab 40 Jahren (und für diejenigen, die solche Midlifer ertragen müssen).
Ach ja: Der Leser sollte im Englischen doch so bewandert sein, dass er sich mühelos in den fremdsprachlichen Teilen orientieren kann.
- Sarah Schmidt
Eine Tonne für Frau Scholz
(6)Aktuelle Rezension von: MariaAlexandraSarah Schmidt bringt die Geschichte auf den Punkt, da ist kein Wort zu viel und keines zu wenig und von manchen Wendungen war ich echt überrascht.
Die Protagonistin ist keine Heldin, im Gegenteil: Sie steckt mitten in der Midlife-Crisis. Doch ihr Scheitern, ihre Erfolge und ihre markerschütternden Erkenntnisse sind so entzückend skizziert, dass man Nina einfach gern haben muss und sie mit ihren Macken als Person begreift und versteht.
Ein durchweg tiefgründiger und situationskomitragödischer Gegenwartsroman für alle, die meinen, dass irgendwas schiefhängt im Leben und die trotzdem nicht verbissen werden wollen. Oder ignorant. Es geht ja darum, seine eigene Geschichte für sich selbst zu finden und die Balance, zwischen der selbstempfundenen Gewitztheit und der allgemeinen Lächerlichkeit. Sarah Schmidt lässt ihren Figuren sehr viel Raum und deswegen fühlt man sich so frei (und manchmal so ertappt), wenn man das Buch liest.
Sehr sehr schön! - T. I. Lowe
Der kleine Laden am Meer
(24)Aktuelle Rezension von: Blueberry87An der Küste South Carolinas eröffnet die junge Opal Gilbert ihren kleinen Laden "Bless This Mess". Mit viel Liebe und Kreativität restauriert sie alte Möbel und schenkt ihnen neues Leben. Als der ehemalige Soldat Lincoln Cole in ihr Leben tritt, ist Opal zunächst skeptisch. Doch Lincolns Verletzlichkeit und sein großes Herz berühren sie und die beiden freunden sich an. Gemeinsam stemmen sie sich gegen die Widrigkeiten des Lebens und lernen, den Mut zum Glück zu finden.
T.I. Lowe schreibt warmherzig und mit viel Liebe zum Detail. Die Geschichte ist aus der Perspektive von Opal erzählt, was dem Leser einen tiefen Einblick in ihre Gedanken und Gefühle ermöglicht.
Opal ist eine starke und unabhängige Frau, die mit viel Optimismus und Lebensfreude ihr Schicksal meistert. Lincoln ist ein gebrochener Mann, der durch Opals Liebe und Unterstützung neuen Lebensmut schöpft. Die Nebencharaktere, wie Opals Freunde und Familie, sind gut ausgearbeitet und tragen zum warmherzigen Charakter des Romans bei.
Die Handlung ist ruhig und beschaulich. Die Liebesgeschichte zwischen Opal und Lincoln entwickelt sich auf natürliche Weise und sorgt für einige romantische Momente. Neben der Liebesgeschichte gibt es auch einige humorvolle Momente, die die Geschichte auflockern. Die Küste South Carolinas wird liebevoll beschrieben und bildet eine wunderschöne Kulisse für die Geschichte.
Fazit:
"Der kleine Laden am Meer" ist ein zauberhafter Roman, der perfekt für alle ist, die sich nach einer herzerwärmenden und romantischen Lektüre sehnen.
- Carla Laureano
Ein unerwartetes Vermächtnis
(20)Aktuelle Rezension von: maggys_buecherweltDas Buch habe ich eigentlich nur gekauft, weil meine Mama es sich gewünscht hat – aber dann hat es mich mehr begeistert, als ich erwartet hätte! Tatsächlich habe ich bis nach 2 Uhr nachts gelesen, weil ich es einfach nicht aus der Hand legen konnte.
Zunächst einmal hat mir der Schreibstil unglaublich gut gefallen. Er ist flüssig und leicht zu lesen, und ich habe die Geschichte sehr genossen. Das Cover spricht mich ebenfalls an – schlicht, aber passend zur Stimmung des Buches. Besonders überraschend fand ich, dass ich mich sofort mit den Protagonisten verbunden fühlte, obwohl ihre Lebensgeschichten ganz anders sind als meine. Melissa und Gabriel waren mir beide sympathisch, und ich habe ihre Entwicklung gespannt verfolgt.
Einfühlsame Darstellung von Glauben und Vergebung
Ich habe das Buch gelesen, weil ich Lust auf einen christlichen Roman hatte – und der Glaube kommt in der Geschichte wirklich nicht zu kurz. Einige Textstellen haben mich persönlich berührt und zum Nachdenken gebracht. Besonders beeindruckend fand ich, wie Vergebung hier thematisiert wird. Ich habe mich selbst schon viel mit dem Thema beschäftigt und fand es spannend, was Vergebung in der Geschichte alles bewirken kann. Der Glaube hat das Buch für mich sehr bereichert, und die Geschichte wird sicher noch eine Weile in mir nachklingen.
Ein Gespräch zwischen Melissa und Delia hat mich besonders angesprochen. Es geht darum, wie wichtig es ist, dass Christen und ihre Partner ähnliche Überzeugungen teilen, um Konflikten vorzubeugen. Auch Gabriels Aussage über Gottes bedingungslose Liebe und die Brücke, die er zu uns gebaut hat, hat mich tief berührt.
Setting und Atmosphäre
Der kleine Ort in Colorado, Jasper Lake, ist wunderschön beschrieben, und ich hatte das Gefühl, direkt dabei zu sein. Kleinstadtgeschichten mag ich sehr, und auch hier habe ich die authentische Atmosphäre genossen. Das Bed & Breakfast, das von einem streng dreinblickenden Deutschen namens Gabriel geführt wird, war eine besonders interessante Kulisse, die zu vielen schönen Szenen geführt hat.
Tiefe und lebensnahe Charaktere
Melissa und Gabriel lernen sich auf eine Weise kennen, die von Anfang an besonders ist. Zwischen den beiden gibt es eine starke Anziehung, die dennoch stets respektvoll bleibt, und beide haben eine Tiefe, die ihre Geschichten lebendig macht. Die Beziehung entwickelt sich trotz der kurzen Zeit, die sie sich kennen, intensiv und stimmig.
Ein Punkt, der mich besonders angesprochen hat, ist die Darstellung von Melissas eigenständigem Leben. Da sie in ihrer Kindheit kein Sicherheitsnetz hatte, hat sie sich alles selbst erarbeitet und gelernt, unabhängig zu sein. Gabriel hingegen hat einen festen Rückhalt – das war ein interessanter Kontrast, der auch zu Melissas inneren Konflikten geführt hat.
Fachwissen über Architektur und Innenarchitektur
Ich fand es spannend, dass Architektur und Innenarchitektur einen so großen Raum im Buch einnehmen, obwohl ich davon selbst keine große Ahnung habe. Es hat die Geschichte interessanter gemacht und gab mir das Gefühl, etwas über Melissas Welt zu lernen, ohne dass es sich je überladen anfühlte.
Ein unerwarteter Konflikt
Ein spannendes Element war der Konflikt mit dem Bauunternehmer, der sich als Melissas Onkel herausstellt und von Rachegefühlen getrieben ist. Seine hartnäckige und rücksichtslose Art sowie sein Verwandtschaftsgrad zu Melissa bringen interessante Wendungen, die die Geschichte bereichern.
Fazit
Insgesamt hat mich das Buch sehr berührt und überrascht – eine klare Leseempfehlung! Es ist kein klassischer New Adult-Roman, aber die Protagonisten sind Ende 20/Anfang 30 und dadurch sehr nahbar. Auch wenn das Buch mich an einigen Stellen zum Nachdenken über mein eigenes Leben gebracht hat, bleibt eine warme, inspirierende Botschaft zurück.
- Kerstin Rachfahl
Im Netz der NSA - Sonate ins Glück - Aus dem Schatten (Sammelband Internet)
(1)Noch keine Rezension vorhanden - Daniel Galera
So enden wir
(45)Aktuelle Rezension von: AspasiaEin Handy, ein Überfall, ein Schuss, tot. So enden wir. Vielleicht nicht unbedingt wir alle, aber tot ist tot. Und bis dahin: Unser Leben. Und auch das ist weit weniger einzigartig als wir alle gerne glauben möchten.
In Daniel Galeras zweitem Roman So enden wir ist es Andrei Dukelsky, Duke, Nachfahre jüdischer Einwanderer, der nach einem kurzen Intermezzo als strahlender Internetstar Ende der 90er, als anarchischer Mitbegründer des Fansize Orangotango und geheimnisvoller Poet, 15 Jahre später mit Mitte 30 Opfer eines Straßenraubs in der der lähmend heißen brasilianischen Hafenstadt Porto Allegre wird.
Die ehemalige Fangemeinde reiht traurige Emoticons aneinander und versieht drei Großbuchstaben mit Ausrufezeichen, und schickt so ihre individuelle Trauer via Twitter um die Welt.
Auf diese Art erfährt es auch Aurora, ebenso Teil der ehemaligen Online-Redaktion, einst die einzige Frau im heiligen Kreis der coolen Fab Four, ist sie heute Doktorandin der Genetik & erforscht den Biorhytmus des Zuckerrohrs. Sie, die eigentlich in Rio an ihrem Doktor basteln sollte, hat sich vor ein paar Monaten in ihrem Jugendzimmer in der elterlichen Wohnung eingenistet, offiziell wegen einer Herzerkrankung ihres Vaters, aber eigentlich weil ihr so ruhmreich gestartete Leben irgendwie ins Stocken geraten ist.
Auf der Beerdigung trifft sie auf die alten, ehemals unzertrennlichen Freunde. Als da wären: Antern, der sein Schreibtalent nun sehr erfolgreich als Marketingexperte mit eigener Werbeagentur zu Millionen macht. Und Emiliano, Kulturjournalist, in der Bedeutungslosigkeit gestrandet, dessen Insiderwissen über den toten Freund, mit dem er einst eine Nacht verbracht hatte, ihn nun aber wieder auf die große Bühne zurück bringen könnten.
In sich abwechselnde Monologen erinnern die drei sich mit melancholischem Blick der glorreichen Zeiten vor nunmehr 15 Jahren, als sie hoffnungsfroh, ein bisschen arrogant, aber voller Idealismus aufbrachen in die Welt, als noch alles möglich schien, um jetzt am Grab ihres Freundes ihre geplatzten Träume zu bestaunen, zu sehen, dass die verhasste Bürgerlichkeit doch den längeren Atem hatte, dies Realität sie im Würgegriff hält & langsam nichts mehr übrig ist, von den Helden von einst.
So traurig, so alltäglich, zeigt dieser Roman doch das Stimmungsbild einer ganzen Generation gut ausgebildeter junger Leute, die meinten die gesellschaftlichen Veränderung schon mit den Händen greifen zu können, nicht nur in einem aufstrebenden Schwellenland wie Brasilien, die sich jetzt gestrandet in Zeiten der Klimabedrohung, sozialen Verwerfungen & wirtschaftlicher & politischer Instabilität wiederfinden. Somit bietet die Geschichte der 4 eine Identifikationsfläche für so viele ihrer Altersgenossen weltweit.
So enden wir wir also: desillusioniert? Wir rollen den Stein den steilen Berg hoch & er rollt wieder hinunter & wieder hoch & dann wieder runter, mehr oder minder ist das bei uns allen so, die Zeitens des anstrengenden & schweißtreibenden Hochschiebens varieren natürlich, aber das von Albert Camus im Mythos von Sysyphos beschriebene Dilemma teilen wir alle.
Auch ihre & unsere im jugendlichem Blick auf unser Selbstbild identifizierte Einzigartigkeit entpuppt sich als Illusion & doch machen wir weiter, wie schon Generationen vor uns. Denn so einfach enden wir nicht.
- T. I. Lowe
Sehnsucht nach der blauen Insel
(15)Aktuelle Rezension von: awi186Wer einmal hinter die Kulissen einer großen Filmproduktion schauen möchte, wird bei diesem Buch nicht enttäuscht.
Sonny Bates, die in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen ist, hat vor Jahren ihrem Zuhause den Rücken gekehrt und jeglichen Kontakt abgebrochen.
Als Location Managerin hat sie sich mittlerweile einen Namen gemacht und sucht in der ganzen Welt nach geeigneten Drehorten. Als sie in die Nähe ihrer Heimal kommt, wird vieles in ihr aufgewühlt und bringt sie zum Nachdenken. Ihr neuer Auftrag nach einem abgelegenen Filmort zu suchen, stellt sie vor Herausforderungen.
Doch dann gerät sie auf eine private Insel und verschafft sich dort Zutritt, was dem Inselinhaber gar nicht gefällt. Sie bleibt hartnäckig, (was ich manchmal zu aufdringlich fand) und ein interessanter Werdegang nimmt seinen Lauf.
Wer ist dieser verwilderte Mann und warum baut er Indigo an?
Der Schreibstil hat mir gut gefallen. Der Leser bekommt viele Einblicke in das Teamwork einer Filmproduktion. Doch vieles ist nicht Gold, was glänzt, sondern Missbrauch und Korruption stehen auf der Tagesordnung. Die Schwächeren werden untergebuttert, was ich erschreckend fand.
Der Glaube findet sich hin und wieder bei verschiedenen Situationen, ist aber nicht übermäßig. Sehr aufschlussreich ist der Anbau von Indigo geschildert, was ich klasse fand.
Trauer, tiefe Verletzungen, Missbrauch und Selbstzweifel sind große Themen, denen aber Vergebung, innere Heilung und Neuanfänge folgen.
- Takashi Hiraide
Der Gast im Garten
(77)Aktuelle Rezension von: herr_hyggeDer Gast im Garten von Takashi Hiraide ist ein poetisches Kleinod japanischer Literatur. Es handelt von dem flüchtigen Glück des Daseins. Ruhig und auf den Punkt gebracht erzählt der Autor wie eine kleine scheue Katze aus der Nachbarschaft etwas Freude in den Alltag bringen kann. Es geht um Beobachtungen, Entdeckungen und die kleinen Dinge die das Leben ungemein bereichern. Alles vor der Kulisse eines großen idyllischen Gartens, der mit gut gewählten Worten sehr bildhaft beschrieben ist. Die Sprache lässt den Leser mittendrin sitzen und förmlich das plätschern des Teichs oder das rauschen des Windes in den Büschen und Bäumen hören. ☺️ Dazu trägt sicherlich auch die großartige Übersetzung von Ursula Gräfe bei, die vielen Liebhabern japanischer Geschichten als Übersetzerin ein Begriff sein dürfte. Die Illustrationen von Quinn Buchholz runden diesen kleinen glücklich machenden Roman ab. Danke an den @inselverlagfür die wirklich gelungene Ausgabe. Eine schöne kleine Geschichte mit Tiefgang für zwischendurch. 😊
- Deeanne Gist
Auf verborgenen Wegen*
(17)Aktuelle Rezension von: KleinerVampirBuchinhalt:
In einem vornehmen Viertel Charlestons führt die junge Rylee als Hundesitterin die Hunde reicher Leute aus. Als eines Tages mehrere Einbrüche in Villen geschehen, gerät das Mädchen immer weiter in den Fokus der Ermittlungen. Denn alle betroffenen Haushalte waren Kunden bei Rylee…
Persönlicher Eindruck:
Von Deeanne Gist ist man sonst historische Romane gewohnt, so war ich überrascht, diesen Gegenwartsroman von ihr zu lesen – und gespannt, wie sich die Krimihandlung entwickeln würde.
Schauplatz ist Charleston, wo reiche Menschen zwar Hunde besitzen, sich um deren Pflege jedoch nicht selber kümmern und einen sogenannten „Hundesitter“ engagieren, der mit dem Hund zweimal am Tag raus geht. Genau diesen Job verrichtet Rylee, die damit den Pflegeheimplatz ihrer dementen Oma und ihre eigene bescheidene Wohnung in einer eher schäbigen Wohnanlage bezahlt.
Der Sensationsreporter Logan wird nach etlichen Einbrüchen in die Villen reicher Leute auf den Fall „angesetzt“. So kommt er auch mit Rylee in Berührung, die er gleich von Beginn an toll findet. Langsam aber auch vorhersehbar kommt es zu einer Freundschaftsbeziehung zwischen den beiden.
Die Krimihandlung beginnt bereits auf den ersten Seiten und man wird zusammen mit Rylee Zeuge von einem Einbruch. Dass Rylee nicht die Täterin ist, weiß man also von Beginn an – wer allerdings dahinter steckt und welches Motiv den Täter leitet, erschließt sich erst auf den letzten paar Seiten. Der Spannungsbogen plätschert zu Beginn, steigert sich aber gewaltig und man mag das Buch dann nicht mehr aus der Hand legen.
Mich hat beim Lesen etwas gewundert: alle Haushalte, in denen eingebrochen wurde, haben einen Hund. Warum schlagen die Hunde nicht an? Warum kann der Täter so einfach tun und lassen, was er tut? Hier fehlt ein bisschen die Erklärung oder zumindest ein Ansatz.
Das Buch ist ein christlicher Roman, der christliche Aspekt ist allerdings nur rudimentär und sehr sparsam gestreut. Für die Handlung hat er keine oder fast keine Relevanz, der Stoff zum Nachdenken hält sich in Grenzen.
Für Deeanne Gist typisch kommt es natürlich zu einer Liebesgeschichte, allerdings ohne explizite, erotische Szenen, die hier auch völlig fehl am Platz wären. Alles in allem ein leichter Roman für zwischendurch, aber kein absoluter Pageturner.
- Cindy Woodsmall
Eine Brücke ins Glück
(6)Aktuelle Rezension von: KleinerVampirBuchinhalt:
Lena Kauffmann ist Lehrerin an der amischen Schule in Dry Lake. Sie hat es beileibe nicht leicht, denn einer ihrer Schüler ist renitent und stellt ihre Autorität in Frage. Lena hat ein Feuermal im Gesicht und einige im Dorf sehen das als schlechtes Omen – dennoch gibt die junge Lehrerin alles, um ihren Posten behalten zu dürfen. Eines Tages geschieht auf dem Schulgelände ein Unglück und die Schulleitung gibt Lena die Schuld daran. Wird die Dorfgemeinschaft gemeinsam hinter Lena stehen oder muss sie Dry Lake verlassen? Grey jedenfalls, mit dem sie seit Kindertagen befreundet ist, versucht alles, um Lena zu helfen....
Persönlicher Eindruck:
Ich gebe zu: ich habe eine gewise Zeit gebraucht, um mit dem Roman und den vielen Personen darin warm zu werden. Eine Brücke ins Glück ist eigentlich ein zweiter Teil, kann aber ohne Vorkenntnisse gelesen und verstanden werden, die Handlung ist in sich abgeschlossen. Gibt man dem etwas zähen Beginn eine Chance, entwickelt sich die Geschichte zu einem vielschichtigen und spannenden Roman, der das Umfeld der Amisch, christliche Glaubensgrundsätze, Liebe, Freundschaft und Intrigen zu einem mitreißenden Ganzen verbindet, das den Leser kaum loslässt.
Im Grunde ist Lena nicht die alleinige Hauptfigur. Der Plot dreht sich um mehrere Paare und Einzelpersonen, allesamt Amische, die in Dry Lake und einem Nachbarort leben. Die Gemeinschaft ist sehr eng, jeder kennt jeden und wenn es Probleme gibt, hilft man sich. Eigentlich gilt das auch für Lehrerin Lena, doch mehr und mehr wird deren Autorität in Frage gestellt.
Die handelnden Personen sind neben der Lehrein noch deren Jugendfreund Grey, ein amisches Paar namens Deborah und Jonatha, Ada, die eine Bäckerei betreibt sowie Ephraim und Cara. Cara ist selbst nicht amisch aufgewachsen, hat aber vor, der Gemeinschaft durch Taufe beizutreten. Dennoch fällt es ihr schwer, das schlichte Leben ohne Strom, technische Geräte und Autos, aber auch ohne Musik aus dem Radio und ohne weltliche Kleidung zu akzeptieren.
Mit Cara macht der Leser die Erfahrung, was es bedeutet, amisch zu sein, nach den Grundsäten der Religionsgemeinschaft zu leben und auf alles „englische“ zu verzichten. Englische nennen die Amisch alle, die nicht amisch sind. Dennoch erstaunt es mich, dass bei den Amisch hier im Buch doch sehr viele Dinge von außerhalb benutzt werden. Sich mit dem Auto abholen lassen ist demnach kein Problem, das Dorf hat zudem ein gemeinschaftliches Telefon. Skurril fand ich hingegen, dass Fahrräder verboten sind, Tretroller aber erlaubt sind und es im Vergleich zu einem anderen Amisch-Roman, den ich schon gelesen habe, es kein großes Problem darstellt, dass sich eine unverheiratete Frau allein mit einem Mann trifft.
Insgesamt steigert sich der Spannungsbogen kontinuierlich, denn neben einer zarten Liebesgeschichte kommt es auch zu allerhand Straftaten, die Leib und Leben bedrohen. Insgesamt ein Roman, auf den man sich einlassen muss, der sich aber als tiefgründig und vielschichtig entwickelt. Ich jedenfalls habe den Aufenthalt in der heimeligen Gemeinschaft sehr genossen!
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