Bücher mit dem Tag "geheimdienste"
163 Bücher
- Teri Terry
Zersplittert
(972)Aktuelle Rezension von: Stoeckchens_buecherweltMit Zersplittert hat die Autorin noch einmal richtig Spannung vor dem finalen Teil aufgebaut. Während uns Band 1 „Gelöscht“ in eine Welt eingeführt hat, in der jugendliche Straftäter*innen geslated wurden und ihre Persönlichkeit ausgelöscht wird, um somit eine zweite Chance in der Gesellschaft zu bekommen, lernen wir Rain aka. Lucy kennen. Wobei wir sie bereits in Band eins als Kayla kennengelernt haben. Kayla, die so stark traumatisiert wurde, dass sie eine multiple Persönlichkeitsstörung hat.
Kayla, die sich momentan nicht selbst kennt, aber auch nicht weiß, wem sie trauen kann. Die Autorin führt hierbei einige neue Charaktere ein und verändert Konstellationen und das war’s, wir glauben zu wissen, um einfach nur noch mehr Unsicherheit zu streuen. Jeder neue Charakter, jede veränderte Persönlichkeit, jede veränderte Konstellation kann eine potentielle Gefahr sein. Wem kann Kayla nun noch trauen? Nico? Toni? Ihrer Mutter? Ihr Vater? Amy? Wer steckt alles mit den Lordern zusammen und wer steht hinter ihr? Wer hilft ihr, die Wahrheit herauszufinden und für diese zu kämpfen… ? So viele Fragen, während Kayla nicht mal mehr weiß, wer sie selbst wirklich ist. Wer sagt die Wahrheit und wer lügt.
Nicht nur indem die Autorin selbst die Unsicherheit der Leser*innen stützt und man nicht weiß wer ist gut und wer ist böse und wer ist Kayla und was hat sie in den letzten Jahren erlebt, sondern auch durch ihren Schreibstil schafft sie es konstant die Spannung in dem Buch aufrecht zu erhalten und diese für Kapitel zu Kapitel zu steigern. Und dabei lässt sie durch kleine Flashbacks immer mehr eine neue Gefühlswelt zu Lucy und ihrer Vergangenheit aufbauen während dann gegen Ende des Buches einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird.
Die Autorin unterstreicht Kaylas Verzweiflung, Ängste und Ungewissheit mit ihrem Schreibstil so anschaulich.
- Don Winslow
Tage der Toten
(298)Aktuelle Rezension von: JosseleDie amerikanische Originalausgabe dieses Romans erschien 2005 unter dem Titel „The Power of the Dog“. Es ist der erste Band der berühmten Kartell-Saga des Autors. Erzählt wird der jahrelange Kampf des amerikanischen Drogenfahnders Art Keller gegen die mexikanische Drogenmafia, die für Keller zu einer persönlichen Obsession wird. Er wird von seinem Auftrag so gefangen genommen, dass er den Kampf gegen führende Drogenhändler zu seinem persönlichen Kampf erklärt und ihm alles andere unterordnet. Der Roman deckt die Jahre von 1975 – 2004 ab, umfasst also nahezu 30 Jahre. Zwischendurch werden aber immer wieder einige Jahre übersprungen.
Winslows Sprache ist einfach gehalten, teilweise sehr brutal und kompromisslos, aber das entspricht durchaus der Thematik des Romans und erscheint mir daher passend.
In den Roman sind einige tatsächliche Ereignisse, wie z.B. das Erdbeben in Mexiko im Jahr 1985, und einige reale Persönlichkeiten eingeflochten, wie z.B. der Anführer der FARC-Guerilla in Kolumbien, Manuel Marulanda Vélez, genannt Tirifijo. Ebenso entsprechen die Städte und Ortschaften, die Winslow erwähnt, der Realität. Das alles, verbunden mit Winslows Vorwort, lässt vermuten, dass sich die Romanhandlung, wenn auch erfunden, doch nahe an der Realität bewegt, was ziemlich erschreckend ist angesichts der geschilderten Zustände und Taten.
Von dieser Realitätsnähe wird zum Teil auch die Spannung des Romans gespeist, der Leser würde, so glaube ich, weniger mitfiebern, wenn er wüsste, das ist eine Geschichte fern der Realität. Andererseits lässt uns Winslow mit seinem Schreibstil an den Gedanken und Gefühlen der Protagonisten teilhaben, was ebenfalls einen Teil zur Spannung beiträgt. Und nicht zuletzt sorgt die Figurengestaltung für eine interessante Lektüre, in dem es nicht nur einfach holzschnittartige Gute und Böse gibt, sondern die Personen realistisch mit Fehlern, Schwächen und Stärken geschildert werden.
An manchen Stellen verheddert sich der Autor jedoch auch in seinen gewagten Konstruktionen des gegenseitigen Austricksens und bisweilen übertreibt er es bei den Schießereien mit dem Glück, das so manch Beteiligter dabei hat. Aber das ist angesichts eines solchen Werks sicherlich zu verschmerzen. Ich werde auf jeden Fall die beiden anderen Bände ebenfalls lesen. Vier Sterne.
- Ethan Cross
Spectrum
(295)Aktuelle Rezension von: blue-jenAugust Burke ist anders. Irgendwie seltsam, geradezu wunderlich. Doch Burke ist auch ein Genie: Er erkennt Zusammenhänge, die allen anderen verborgen bleiben. Als es in einer Bank zu einer Geiselnahme kommt, wendet das FBI sich an ihn. Denn die Täter verhalten sich extrem ungewöhnlich und verschwinden schließlich sogar unbemerkt aus dem umstellten Gebäude. Mit Burkes Hilfe entdeckt das FBI den Zugang zu einem Geheimlabor unter der Bank - das eigentliche Ziel des Überfalls. Was haben die Räuber dort gesucht? Und haben sie es gefunden? Zusammen mit Special Agent Carter folgt Burke ihrer Spur - und bekommt es mit einem Feind zu tun, der bereit ist, tausende Menschenleben zu opfern.
Der Einstieg in das Buch fiel mir sehr schwer, da die Geschichte aus mehreren Sichtweisen erzählt wird und es sehr lange braucht bis man weiß wie diese zusammenhängen. Zusätzlich sind es einige Protagonisten, bei denen man nie genau weiß wie wichtig sie sind und ob Sie wieder auftauchen, daher fand ich das Buch anfangs eher zäh als spannend.
Erst ab etwa der Hälfte fand ich das Buch dann gut, wobei schon hier absehbar war in welche Richtung es lief, aber das tat der Spannung keinen Abbruch. Die drei Hauptprotagonisten auf der Ermittlerseite gefielen mir auch sehr gut, Burke, Carter und Nic. alle drei sehr verschieden und doch haben sie ein sehr gutes team gebildet.
Die Gegenseite war für mich doch recht undurchsichtig, gerade was die Motive anging, aber auch hier waren es sehr unterschiedliche Charaktere die gut harmoniert haben.
Insgesamt war es ein gutes Buch, das anfangs etwas braucht, leider auch mit einem für mich offenen Ende.
Daher insgesamt nur 3,5 Sterne
- Claire Winter
Die geliehene Schuld
(161)Aktuelle Rezension von: Marina_ProkoppBerlin, 1949: Vera Lessing hatte es in den letzten Jahren nicht leicht: Der 2. Weltkrieg hat ihr ihren Mann und ihre Eltern genommen und jetzt liegt Deutschland in den Trümmern und ist mitten in der Nachkriegszeit. Gemeinsam mit ihrem Jugendfreund und Kollege Jonathan arbeitet sie bei einer Zeitung. Plötzlich stirbt Jonathan in Köln, er wollte dort etwas für seinen aktuellen Artikel recherchieren. Die Polizei geht von einem Unfall aus, aber Vera glaubt, dass mehr dahintersteckt. Als sie seine Unterlagen und eine Nachricht von ihm bekommt, die er kurz vor seinem Tod abgeschickt hatte, ist ihr klar, dass Jonathan an einer großen Sache dran war. Sie beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und folgt seinen Spuren, die sie in die Vergangenheit und in Gefahr bringen ...
Die Autorin Claire Winter hat mit „Die geliehene Schuld“ wieder ein sehr packendes, vielseitiges, facettenreiches und emotionales Buch geschrieben. Der Roman fesselt von der ersten Seite und lässt bis zum Schluss nicht mehr los. Die Geschichte spielt in Deutschland in der Nachkriegszeit und die Autorin hatte die Lebensumstände der Menschen greifbar dargestellt und ihr bildhafter Schreibstil erweckt das Gefühl, dass man direkt dabei ist. In dem Buch wechseln die Zeiten, mal ist man in der Gegenwart und manchmal ein paar Jahre zurück in der Vergangenheit. Das sorgt aber nicht für Verwirrung, sondern macht das Buch noch ergreifender, emotionaler und tiefgründiger, da man den Verlauf der Geschichte immer wieder aus anderen Augen und Blickwinkel betrachten kann. Die Autorin hat sehr gut recherchiert und verknüpft ihre fiktive Erzählung mit realen Geschehnissen.
- Jussi Adler-Olsen
TAKEOVER. Und sie dankte den Göttern ...
(112)Aktuelle Rezension von: JosseleDas Original dieses Romans, der vor der Erfindung von Carl Mørck geschrieben wurde, erschien 2008 unter dem Titel „Og hun taggede guderne“, was übersetzt „Und sie dankte den Göttern“ und damit dem deutschen Untertitel entspricht. Dieses „Original“ scheint jedoch eine überarbeitete (?) Version der 2003 erschienenen Urfassung „Firmaknuseren“ („Firmenzerstörer“) zu sein. So jedenfalls deute ich die etwas rätselhaften Angaben zur Veröffentlichungsgeschichte im Buchinneren. Die Protagonisten der Geschichte sind der Geschäftsmann Peter de Boer, Gründer und Chef der Firma Christie N.V., spezialisiert darauf, erfolgreiche Unternehmen im Auftrag der Konkurrenz zu zerstören, und seine frisch eingestellte Trainee Marlene „Nicky“ Landsaat, die aus prekären Verhältnissen kommt, aber extrem ehrgeizig ist.
Bereits zu Beginn ein seltsamer Widerspruch: da kommt Peter de Boer zu einem Meeting eine Stunde zu spät und niemand sagt dazu ein Wort und nur einer wagt es, ihn anzusehen, obwohl doch ausweislich der Zeilen kurz vorher, weil sich alle lange kennen, „ein entsprechend legerer Umgangston“ herrscht.(dtv Tb, 3. Aufl. 2020, S. 20)
Leider ziehen sich diese logischen Fehler durch den gesamten Roman. Sie werden nur übertroffen von der Realitätsferne der Handlung. Besonders krass habe ich das erstmals empfunden bei der Einstellung von Nicky bei Christie, was, man muss es so hart sagen, nur der Auftakt zu einer Art Stakkato an Realitätsverweigerung war. Selbst wenn man bei einem Thriller keine allzu hohen Maßstäbe an Logik und Realitätsnähe anlegt, ist dieser Roman schwer zu ertragen, es sei denn, man ist Fantasy-Fan. Aber das ist eigentlich eine andere Literaturgattung. In der Gattung Fantasy ist es wahrscheinlich völlig normal, dass ein Mann seine Mutter nach 10 Jahren erstmals wieder besucht und dabei im Keller stante pede das Familiengeheimnis entdeckt. Alle diese Fauxpas aufzuzählen ist fast eine Lebensaufgabe, denn es folgt einer auf den anderen. Da fällt es schon fast nicht mehr, dass der Leiter der Finanzabteilung, Hans Blok (ebd., S. 26), binnen knapp 200 Seiten zum Vertriebschef (ebd., S. 191) und später wieder zurück mutiert. Ächz!!
Insofern muss man den Gestaltern des Umschlags einen großartigen Sinn für Humor attestieren, die sich nicht scheuten, darauf die Worte „Ein beängstigend realistisches Schreckensszenario“ zu drucken, denn das in dem Buch enthaltene Szenario ist ungefähr so realistisch wie die bevorstehende Übernahme der Weltherrschaft durch die Reptiloiden. Will sagen: man kann der Story beliebig viele Eigenschaften zuerkennen, aber eine in keinem Fall: realistisch zu sein!
Ich hätte die Lektüre der Romane des Autors mit dem letzten Teil der Carl Mørck Reihe beenden sollen. Diesen letzten mir noch unbekannten Roman Adler-Olsens auch noch zu lesen, war ein Fehler. Er ist schlicht schlecht! Ein Stern.
- Anthony McCarten
Going Zero
(262)Aktuelle Rezension von: PhilabibliaDie US-Geheimdienste und der Social-Media-Mogul Cy Baxter möchten FUSION, ein gemeinsames Projekt, testen und haben zehn Menschen dafür ausgewählt: Wer es schafft 30 Tage unterzutauchen und nicht gefunden zu werden, dem winken 3 Millionen Dollar.
Die Idee ist gut, aber bei der Umsetzung zeigen sich große Lücken.
Das fängt mit der Auswahl der Tester an: zur Hälfte Normalbürger und zur Hälfte Experten, die es gewöhnt sind, ihre digitalen Spuren zu minimieren. Mehr wird nicht verraten. Ansonsten treten die einzelnen ZEROs von 1 bis 10 nur dann in Erscheinung, wenn sie kurz davor sind, erwischt zu werden. Komisch, dass Zero 3 nie erwähnt wird.
Wie die Leute entdeckt werden, ist ein Querschnitt durch das Wissen, was der Normalbürger an digitalen Spuren freiwillig oder unfreiwillig hinterlässt. Da McCarten mit seinen technischen Erklärungen an der Oberfläche bleibt, ist es leicht nachvollziehbar. Aber an manchen Stellen wünscht man sich mehr Tiefgang.
Zero 10 kann am längsten durchhaltenund es wundert nicht nur den Leser. Der Twist ist am Ende der Phase 1, wenn der Hintergrund von Zero 10 aufgedeckt wird und ihre Ambitionen, am Projekt teilzunehmen.
Der Grund für die Teilnahme ist etwas weit hergeholt und der "Verräter" in den Augen des Social-Media-Moguls tritt erst dann richtig auf. Die Nebencharakter - mal abgesehen von den Zeros - sind nicht gut gezeichnet bzw. die Weiterführung der Handlung schludrig und nicht konsequent durchgezogen. Der Schwung vom Anfang ist weg.
Auch das Ende - wenn auch offen - lässt zu viele Fäden lose. Das merkt man auch an den Kapitelüberschriften. Bis einschließlich Phase 2 wurde immer die verbleibende Zeit als Einteilung genannt, plötzlich kommen "Die Zukunft, Teil 1" und die "Die Zukunft Teil2". Schade eigentlich, dass das Ende zu unausgegoren ist.
Lieber die Bourne-Reihe nochmals schauen.
- Rafik Schami
Sophia oder Der Anfang aller Geschichten
(115)Aktuelle Rezension von: gstSalman, in Syrien aufgewachsen und zur Schule gegangen, mochte die Korruption in seinem Heimatland nicht. Er zog es vor, in Europa zu studieren. Inzwischen lebt er Rom, wo er mit Stella eine Familie gegründet hat. Als Geschäftsmann kann er auf große Erfolge blicken. Lange hat er gewartet, um endlich seine Mutter Sophia und seinen Vater Jusuf zu besuchen. Schließlich wurde er einst als politischer Feind verfolgt. Das scheint nun „bereinigt“ zu sein. Niemand ahnte, welche Probleme auf Salman in der alten Heimat warteten.
Anfangs hatte ich Schwierigkeiten, mich in dem Buch zurecht zu finden. Der Autor springt in den Zeiten und in seinen Erzählungen hin und her. So konnte ich zwar die Eigenheiten der Syrer und ihre Lebensweise kennenlernen, doch der Zusammenhang der einzelnen (Liebes-)Geschichten erschloss sich mir erst relativ spät. Dann allerdings wollte ich unbedingt wissen, ob und wie es Salman gelingt, das Land wieder zu verlassen.
Der Handlungsstrang ist auf Weihnachten 2009/2010 festgelegt, also gerade in die Zeit, als in Tunesien der arabische Frühling begann.Rafik Schami lässt uns Leser tief eintauchen in diese Zeit, in der die Geheimdienste das Sagen hatten. 1946 wurde er in Damaskus geboren und lebt seit 1971 in Deutschland, wo er 1979 mit der Promotion sein Chemie-Studium abschloss. Inzwischen zählt er zu den bedeutendsten Schriftstellern in deutscher Sprache.
- Lee Child
Ausgeliefert
(117)Aktuelle Rezension von: elenas_littlebookworldZu Beginn des Buches war ich erstmal ein kleines bisschen enttäuscht, denn im Gegensatz zu "Größenwahn" wird dieser 2. Band nicht aus der Ich-Perspektive von Hauptfigur Jack Reacher erzählt. Da die wechselnden Sichtweisen jedoch eine gute Dynamik in die Story bringen, war ich damit dann doch ganz fein. Die Kapitel sind wieder kurz gehalten und Lee Childs Schreibstil ist schlichtweg fantastisch.
Obwohl die deutsche Erstausgabe bereits vor über 24 Jahren erschien, passt das Hintergrundthema gut in die aktuelle Zeit und wirkt somit alles andere als altbacken. Ein äußerst gut durchdachter Plot, der überwiegend durch Spannung überzeugt, aber auch ein paar klitzekleine Längen hat. Die Actionszenen und das fulminante Finale lassen diese allerdings schnell vergessen.
Neben Reacher steht in "Ausgeliefert" die FBI-Agentin Holly Johnson im Vordergrund. Während ihrer Gefangenschaft versuchen die beiden mehr über den jeweils anderen zu erfahren und hinter den Grund für die Entführung zu kommen. Holly hat mir als Protagonistin sehr gut gefallen, sie ist intelligent, einfallsreich und überzeugt mit ihrer ruhigen und sympathischen Art.
Reacher, der klassische amerikanische Held, ist einfach großartig und da ich ihn bereits aus der gleichnamigen Serie kannte, bin ich mit der Figur schon bestens vertraut. Auch in diesem Teil zeichnet der Autor seinen Hauptcharakter nicht nur als knallharte Kampfmaschine, sondern gibt ihm Raum, zu zeigen, dass er auch einiges auf dem Kasten hat.
"Ausgeliefert" kann unabhängig von dem 1. Band gelesen werden und bietet durchweg beste Unterhaltung - ähnlich wie ein spannender Actionfilm. Leseempfehlung und 4,5 Sterne!
- Matthias Jösch
PHOENIX - Unsere Rache wird euch treffen
(46)Aktuelle Rezension von: Uwes-LeseloungeDie Geschichte wird einmal aus der Sicht von einem jungen Mann names S. erzählt. Hier erleben wir die Gräueltaten der SS im 2. Weltkrieg hautnah mit, die sehr brutal, ausführlich und schonungslos erzählt werden. Dies war und ist starker Tobak! Parallel zu dieser Geschichte befinden wir uns in der Gegenwart und lernen Adrian von Zollern kennen. Er besitzt eine Dozentenstelle an der Humboldt-Universität in Berlin, die er aber gekündigt hat, um seine neue Stelle beim BND anzufangen.
Durch den Erwerb einer Holzkiste bekommen es Adrian, sein bester Freund Sebastian und dessen Schwester Violetta mit einer Organisation zu tun, die es sich zur Aufgabe gemacht hat das 3. Reich wie ein Phoenix aus der Asche auferstehen zu lassen, um eine neue Weltordnung zu schaffen. Aber was hat dies alles mit der Holzkiste und den Schallplatten zu tun? Währenddessen geht die junge und schöne Israelin Shari verschiedenen Hinweisen bezüglich einer Verschwörung nach und dabei stößt sie auf Adrian und seine Freunde. Es beginnt eine gnadenlose Jagd quer durch Deutschland, Österreich, England, Argentinien, Israel und Syrien nach Hinweisen aus der Vergangenheit. Wird es unseren Protagonisten gelingen, den Plan der Organisation zu vereiteln oder fällt Deutschland und Europa in die Zeit des 2. Weltkrieges zurück?
Mit dieser Geschichte arbeitet der Autor Matthias Jösch unsere Vergangenheit rund um den 2. Weltkrieg und der Herrschaft von Hitler auf. Dies tut er in einer schonungslosen und mitunter sehr brutalen Weise. Eigentlich bin ich schon recht hart im Nehmen, was so etwas angeht, aber gerade das Thema Judenverfolgung und hier speziell Ausschwitz, haben mir teilweise den Atem geraubt bzw. mehrmals schlucken lassen. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie ein so großer Hass auf andere Menschen, Religionen oder Ansichten entstehen und man einem einzelnen Mann folgen kann...
Hier wird dem Leser nochmals ein Spiegel vor das Gesicht gehalten. Und ich möchte hoffen, dass ein solches Szenario wie im Buch beschrieben, niemals eintrifft. Die Protagonisten wurden allesamt gut ausgearbeitet, ohne jedoch einen besonders hervorheben zu wollen. Die Geschichte an sich, ist von Anfang bis Ende gut durchdacht und weißt eine sehr hohe Spannung auf, die sich zum Ende hin nochmals stark erhöht. So sollte ein Thriller sein. Gerade auf Grund der schweren Thematik des Buches, aber auch der noch relativ jungen Vergangenheit von Eurokrise und ähnlichem, ist das Buch nicht mal eben so weg zu lesen. Ich werde jetzt erst mal ein, zwei Tage Pause einlegen, da mich dieses Buch gedanklich doch noch recht beschäftigt.
Ich kann das Buch nur empfehlen!
- Gil Ribeiro
Lautlose Feinde
(47)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannAuch einer erfolgreiche Krimireihe wird vermutlich irgendwann die Luft ausgehen, spätestens dann, wenn die Personen auserzählt und sich die zu lösenden Fälle im Gewohnten erschöpfen. Das ist in diesem inzwischen sieben Fall rund um den eigenwilligen wie sympathischen Leander Lost allerdings (noch) nicht zu erkennen. Ganz im Gegenteil. Kennt man zumindest einige Bücher dieser Reihe, ist man zwar mit den speziellen Marotten der handelnden Personen gut vertraut, aber sie sind einem auch gleichzeitig ans Herz gewachsen. Insofern kann man sich als Beobachter auch als Teil des Teams fühlen, was sicher der sprachlichen Finesse des Autors zuzuschreiben ist. Er sorgt dafür, dass man tatsächlich in diesen Fällen aufgehen kann.
Es ist eigentlich egal, welcher Fall zu klären ist, der Sub-Inspektor der portugiesischen Kriminalpolizei sorgt aufgrund seines hier als „Entwicklungsstörung“ bezeichneten autistischen Verhaltens immer wieder für besondere Höhepunkte in der Geschichte, sie sind sozusagen das Salz der gesamten Reihe. Selbst wenn der Deutsche mit den eidetischen Fähigkeiten (fotografisches Gedächtnis) auch hier wieder mit mehr oder weniger Erfolg einige Insekten mit einem Kescher aus dem Pool vor dem Ertrinken rettet, so sorgt doch die jeweilige Einbettung in den Text nicht nur für ein Wiedererkennen, sondern auch für ein Einfühlen in diese besonders liebenswerten Menschen. Man braucht halt seine Zeit, um sich auf dieses Verhalten so einzulassen, dass gutes Zusammenleben möglich ist. Und diese Zeit nimmt man sich hier an der portugiesischen Algarve ja sowieso. Dieses Lebensgefühl springt immer wieder auf den Leser über, was diese Reihe so anziehend macht.
In diesem Fall werden nicht nur die nachrichtendienstlichen Operationen zu einem High-end-Krimi verwoben und zusammen mit drei zunächst unbegreiflichen Morden in ein ermittlungstechnisches Spannungsfeld überführt, sondern auch das „Gut-Böse-Spiel“ besonders perfide aufgeführt. Es ist diese Kombination aus Spannung und einer Vielzahl unterschiedlicher Charaktere, die diesen Krimi zu einem Lesegenuss machen. Und nicht nur das. Als Zugabe gibt es den ein oder anderen Hinweis wie z.B. Tipps für die Tomatenzucht oder auch ein passendes Zitat wie das von Simone de Beauvoir: „Wenn der Mensch verliebt ist, zeigt er sich so, wie er immer sein sollte.“
- Don Winslow
Das Kartell
(144)Aktuelle Rezension von: JosseleDie amerikanische Originalausgabe dieses Romans erschien 2015 unter dem Titel „The Cartel“. Es ist der zweite Band der berühmten Kartell-Saga des Autors. Erzählt wird der jahrzehntelange Kampf des amerikanischen Drogenfahnders Art Keller gegen die mexikanische Drogenmafia, der für Keller zu einer persönlichen Obsession wird, insbesondere wenn es um das Kartell seines ehemaligen Freundes Adán Barrera geht. Gegenüber dem Vorgängerband sind die Kartelle noch mächtiger geworden. Verbunden damit ist eine Zunahme der Brutalität, qualitativ und quantitativ. Die Bosse halten sich nicht mehr nur ein paar Schläger- und Mördertrupps, sondern regelrechte Armeen, nicht selten zusammengesetzt aus ausgebildeten Ex-Soldaten, die der höheren Bezahlung wegen die Seiten gewechselt haben. Alle bekämpfen irgendwie alle, Bündnisse werden geschmiedet, um sie bald zu brechen und die Polizeibehörden des Landes stehen jeweils auch in Lohn und Brot eines der Konkurrenten. Das alles ist möglich, weil der Drogenhandel so unglaublich hohe Gewinne abwirft, dass er alle anderen Geschäfte, selbst die Prostitution, in den Schatten stellt.
Zu Beginn enthält der Roman einige Ungereimtheiten. So heißt Adáns im ersten Band verstorbener Bruder plötzlich Ramón statt Raúl. Außerdem wartet Adán zu Beginn dieses Bandes noch auf seinen Prozess, obwohl er doch im letzten Band schon verurteilt wurde: 12 Mal lebenslänglich. In diesem Band ist er kurz nach seinen Aussagen plötzlich auch zu 22 Jahren verurteilt, offenbar ohne Prozess. Zudem taucht plötzlich eine Schwester Elena von Adán Barrera auf, die im ersten Band überhaupt nicht erwähnt wird. Diese Schlampereien ziehen sich leider ein bisschen durch. So heißt ein Konkurrent Barreras, der im ersten Band noch Güero Méndez hießt plötzlich Güero Palma (Droemer Tb, November 2021, S. 275)
Die Machtverhältnisse zwischen den Akteuren ändern sich öfters mal ein bisschen zu schnell und unmotiviert, um noch logisch zu sein. Das ist schade, weil es Winslow ansonsten sehr gekonnt versteht, raffinierte Intrigen fehlerfrei und spannend zu inszenieren. Zwischendurch geht jedoch auch immer wieder ein Teil der Spannung verloren, wenn sich die Geschichte in der Aufzählung von Morden erschöpft. Das ist zwar schockierend, aber irgendwann nicht mehr spannend. Es kam mir manchmal so vor, als wollte Winslow die Anzahl der Morde und die Brutalität in der Sprache auf einen Höhepunkt treiben. Ein Beispielsatz: „Köpfe und Gliedmaßen vermischen sich in seiner Stadt mit allem dem anderen Unrat, und in den Slums laufen die Straßenköter mit blutigen Lefzen und schuldbewussten Blicken umher.“ (ebd., S. 620)
Vielleicht tue ich dem Autor aber auch insofern unrecht, als die Brutalität schlicht und einfach der Wirklichkeitsnähe geschuldet ist, denn dass Winslow einen erheblichen Rechercheaufwand betrieben hat, ist dem Werk anzumerken. Das betrifft nicht nur die Namen der Kartelle, die allesamt der Realität entnommen sind, sondern zeigt sich auch in einzelnen Kapiteln, denen öfters kaum veränderte reale Geschehnisse zugrunde liegen.
Dieser Roman ist bestimmt kein schlechter, die Freunde bluttriefender Seiten werden ihn vielleicht sogar lieben, aber aus meinem Blickwinkel kommt er nicht an die Raffinesse und Spannung des Vorgängers heran. Drei Sterne.
- Titus Müller
Die Dolmetscherin
(44)Aktuelle Rezension von: monika_schulzeMich fasziniert es immer, wie Autor*innen es schaffen, Fiktion mit Realität zu verbinden. So wie bei "Die Dolmetscherin" von Titus Müller aus dem Heyne Verlag.
Hier wird die fiktive Übersetzerin Asta als Dolmetscherin für die Nürnberger Prozesse eingesetzt. Natürlich wusste ich, was im Grunde in dieser Geschichte passieren wird, denn über diese Zeit und Ereignisse drum herum gibt es viele Berichte, aber für mich war es doch nochmal etwas anderes, das Ganze aus Astas Sicht zu erleben. Für mich war das genau das Richtige, denn dadurch hat man zum einen einen "Augenzeugen" zum anderen aber auch ein wenig Abstand, da Asta nicht real ist.
Trotzdem hat es mich erneut schockiert und verwundert, wie unterschiedlich die Reaktionen der Beteiligten doch waren. Die einen geben sich unwissend und weisen jede Verantwortung von sich, die anderen verteidigen sich oder sind immer noch der Meinung, das Richtige getan zu haben oder dass es doch gar nicht so schlimm war, wie behauptet. Titus Müller hat das in seinem Buch noch einmal gut herausgearbeitet und dem Leser*in nahegebracht. Mich hat es dabei wieder richtig geschüttelt und obwohl ich weiß, dass die Schilderung den Tatsachen entspricht, kann ich es trotzdem nie glauben. Wie konnten sie nur?!
Ich konnte Asta nur bewundern (auch, wenn sie selbst fiktiv ist, gab es doch wirklich Menschen, die bei den Nürnberger Prozessen übersetzt haben), wie kann man bei dieser Arbeit neutral bleiben? Aber es war auch sehr interessant bei ihrer Tätigkeit hinter die Kulissen zu schauen. Und obwohl ich schon so viel vom Inhalt des Buches wusste, war es durch die Protagonistin doch spannend und ich konnte das Buch kaum weglegen, weil ich so vereinnahmt wurde.
Ein wirklich gutes Buch, das ich sehr empfehlen kann. - Peter Beck
Die Spur des Geldes
(51)Aktuelle Rezension von: trollchenSpur des Geldes
Herausgeber ist Emons Verlag; 1. Auflage (21. März 2019) und hat 432 Seiten.
Kurzinhalt: In einem Schacht beim Tegeler See wird ein grausam gefolterter Mitarbeiter der Berliner Wasserwerke gefunden. Schnell zeigt sich: Er war in dubiose Bankgeschäfte verwickelt. Tom Winter, wortkarger Sicherheitschef einer Schweizer Privatbank, folgt der Spur des Geldes und hört sich in den Wasserwerkenvon London, München und Zürich um. Der Fall führt ihn bis ins russische Krasnodar und ein gnadenloserWettlauf gegen die Zeit beginnt.
Meine Meinung: Es war nicht schlecht zu lesen, nur leider manchmal etwas langatmig und ohne roten Faden. Irgendwie kam es mir vor, als wenn der Autor nicht wusste, was Tom Winter nun finden soll. Er konnte sich nicht entscheiden. Und manchmal fand ich es komisch, dass er manchmal total taff war und dann wieder wie ein Anfänger gehandelt hat. Irgendwie unglaubwürdig. Das Ende war irgendwie vorhersehbar und relativ fade, so wie eigentlich das ganze Buch, es passierte selten etwas neues und es wurde sehr langatmig geschrieben. Es hätte ein tolles Buch werden können, wenn es zwischendurch mal etwas Spannung gehabt hätte. Aber ich wollte doch wissen, wie es weitergeht, deswegen habe ich es zu Ende gelesen. Es war aber auf alle Fälle spannend, was alles passieren kann, wenn man ins Trinkwasser etwas mischt, was leider heutzutage doch nicht mehr so abwegig ist.
Mein Fazit: Man kann es lesen, zwischendurch wäre etwas Spannung gut gewesen und leider manchmal etwas langatmig zu lesen. Ich vergebe 4 gute Sterne und kann es trotzdem weiter empfehlen. Die Idee vom Buch ist gut.
- Thomas Kiehl
Die Ameisenfrau
(30)Aktuelle Rezension von: CalipsoEin Buch welches ein aktuelles Thema anspricht, und zwar die Angst vieles zu verlieren und man erfährt Interessantes über die Spezies der Ameisen. Kein blutiger Thriller, zwar ein paar Leichen aber eher ein Thriller der in die Tiefe geht. Durch die verschiedenen Wendung bleibt die Spannend gut erhalten und man fragt sich immer wieder wer ist Feind, wer ist Freund.
- Gerd Schilddorfer
Der Nostradamus-Coup
(53)Aktuelle Rezension von: Isar-12"Der Nostradamus-Coup" ist der dritte Band der John-Finch-Reihe von Gerd Schilddorfer. Als eine alte Douglas DC-3 zum Verkauf steht kann das Fliegerass John Finch nicht widerstehen und schlägt zu. Gemeinsam mit seiner Weggefährtin Amber will er damit von einem Flughafen in der Wüste Libyens starten. Doch als Gaddafis Sohn mitsamt einem seiner Geheimdienstmänner als ungebetene Passagiere die Herrschaft über das Flugzeug nehmen wollen, beginnt für John Finch ein weiteres Abenteuer. Er gelangt in den Besitz eines brisanten Notizbuches, für das sich Geheimlogen, der Vatikan und der IS, aber auch der britische Geheimdienst interessiert. Denn es enthält geheime Botschaften zu den Prophezeiungen von Nostradamus und dem Schatz der Templer. John Finch entfacht damit ein Katz und Maus Spiel der jeweiligen Gegenspieler, dass ihn und seine Mitstreiter ein Abenteuer quer durch Europa erleben lässt. Gerd Schilddorfer begeistert den Leser mit diesem nächsten Band um den Weltenbummler und Fliegerass John Finch, einer Art Indiana Jones der Gegenwart. Die Geschichte bleibt dabei ständig auf einem hohen Spannungsniveau und man fiebert bei Finch und seinen Erlebnissen mit. Dabei wird die Story auf verschiedenen Zeitebenen und aus dem Blickwinkel verschiedener Akteure erzählt. Was anfangs noch Einzelstränge sind, verwebt sich aber bestens miteinander und wird zu einer schlüssigen Story. Mit 800 Seiten ist dieses Buch sicherlich keinerlei Leichtgewicht, aber man wird von Anfang bis Ende darin aufgesogen. Für mich ist auch dieses Abenteuer des John Finch ein absolut gelungener Band und ich freue mich schon auf weitere spannende Abenteuer aus der Feder von Gerd Schilddorfer.
- Tom Wood
Codename Tesseract
(55)Aktuelle Rezension von: hardysauerSo gnadenlos präzise Tom Woods Protagonist Victor seine Gegner aus dem Weg räumt, so gnadenlos schlägt sein Debüt, mit "Codename Tesseract", auf dem Thrillermarkt ein. Dieser Roman ist ein atemloses Leseerlebnis, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat.
Der Protagonist, Victor, ist immer brillant und unerbittlich – eine faszinierende Figur, deren kalte Effizienz durch Momente überraschender Menschlichkeit gebrochen wird. Man kommt nicht umhin den Killer zu mögen. Das Gute verschwimmt mit dem Bösen. Die Handlung ist dicht, die Twists sind unvorhersehbar und die Actionsequenzen sind derart packend beschrieben, dass man das Gefühl hat, mitten im Geschehen zu sein.
Für mich ist "Codename Tesseract" ein absolutes Highlight und ein Muss für jeden Fan von Spionage- und Actionthrillern. Eine klare Fünf-Sterne-Empfehlung – dieses Buch hat alles, was man sich von einem intelligenten und explosiven Thriller wünschen kann!
Victo r- a new Bourne is born!
- Bastian Obermayer
Panama Papers
(13)Aktuelle Rezension von: Joseph_WeisbrodAm 15. November 2016 wurden die Reporter Bastian Obermayer und Frederik Obermaier in Berlin mit dem Otto Brenner Preis für kritischen Journalismus ausgezeichnet. Nach Auffassung der Jury sind die Panama Papers eine „journalistische Großtat, ein Unikat, was die internationale Dimension der Enthüllungen angeht“. Eine Marathonleistung, die mit dem „Pling“ auf dem Laptop eines jungen Journalisten begann. Bastian Obermayer weilte gerade im Familienurlaub, als auf dem Bildschirm eine neue Nachricht aufblinkte: „Hallo! Hier spricht John Doe. Interessiert an Daten?“ Und wie! Beim Stellvertreter des von Investigativpapst Hans Leyendecker geleiteten Ressorts „Investigative Recherche“ der Süddeutschen Zeitung (SZ) musste der anonyme Postmann nicht zweimal plingen.
Bis zur weltweiten Veröffentlichung am 3. April 2016 – in Deutschland zur Tagesschau-Zeit vor dem „Tatort“ - sollten sich die Datenmengen aus der bis heute anonymen Quelle „John Doe“ auf 2,4 Terabyte, 11,8 Millionen Dokumente, eine Viertelmillion Briefkastenfirmen, heiße Spuren zu etwa 50 Staatschefs und Tausende von Namen aus Politik, Wirtschaft, Finanzindustrie, Sportwelt und organisierter Kriminalität vom Drogen- bis zum Waffenhandel steigern.
Die in der Redaktion sogenannten „Gebrüder Obermay/ier“ schildern in ihrem packenden Werkstattbuch, wie sie monatelang an einem monströsen Datenberg sitzen und fast niemandem davon erzählen dürfen. Wie sie als Autoren in der eigenen Zeitung kaum noch in Erscheinung treten, weil sie aus dem Datenlesen und deren Sortierung nicht mehr herauskommen. Wie sie in eine hermetisch abgeschottete Parallellelwelt der Reichen und Mächtigen eintauchen, die Milliarden verstecken, verschieben, waschen und vermehren. Wie es dazu kam, dass in den Panama Papers am Ende fast 400 Journalisten aus mehr als 80 Ländern in höchster Verschwiegenheit recherchieren. Und wie sie den ungeheuren Datenschatz in die Reportervereinigung „International Consortium of Investigative Journalism“ (ICIJ) einbringen.
Im Mittelpunkt der weltweit vernetzten Recherchen: Die von dem Deutschen Jürgen Mossack gemeinsam mit dem ehemaligen Regierungsmitglied Ramon Fonseca gegründete und geleitete Anwaltskanzlei Mossack Fonseca mit Sitz im Steuerparadies Panama. Der Leser wird Zeuge, wie die Rechercheure beinahe in Echtzeit Einblicke in E-Mails, Daten und Dokumente der Kanzlei Mossack Fonseca nehmen. Diese überwältigende Materialfülle übersichtlich zu strukturieren und in 352 Buchseiten zu packen ist ein schier unmögliches Unterfangen.
Unter Kapitel-Überschriften wie „Wladimir Putins bester Freund“, „Die Lügen der Commerzbank“, „Von der Waffen-SS zur CIA nach Panama“, „Deutschland, deine Banken“, „Der rote Adel“, „Die Siemens-Millionen“ oder „Der vierte Mann und die FIFA“ skizzieren Bastian Obermayer und Frederik Obermaier erste brisante Geschichten aus den internationalen Datenrecherchen.
In einer Art von „Journalismus als Hochleistungssport“, so die Journalistenpreis-Jury, veröffentlicht die SZ seit dem 4. April 2016 unter einem eigens entwickelten Logo immer wieder neue Enthüllungen über „Die Geheimnisse des schmutzigen Geldes“. Sie belegen, dass die „Kanzlei des Bösen“ nicht nur Premierministern und Diktatoren geholfen hat, Geld zu verstecken, sondern auch Drogenkartellen, Mafia-Clans, Betrügern, Waffendealern und Regimen wie Nordkorea oder Syrien. Die gute Nachricht: Panamas Präsident Juan Carlos Varela hat kürzlich bei seinem Deutschlandbesuch mitgeteilt, dass die Skandal-Kanzlei Mossack Fonseca "am Ende" sei und ihre Büros schließen müsse.
Für die Otto Brenner Preis-Jury bleibt die Leistung der SZ-Reporter „singulär“. Sie haben ihr Reporterglück – John Doe wandte sich zuerst und exklusiv an sie – „durch unermüdliche Gegenrecherche in einen Scoop von globaler Reichweite und mit noch unabsehbaren Folgen verwandelt“, urteilten die Juroren in der Begründung für den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis.
Joseph Weisbrod
Info: Bastian Obermayer & Frederik Obermaier: „Panama Papers – Die Geschichte einer weltweiten Enthüllung“. Kiepenheuer & Witsch, Köln. 2016. 352 S.,16,99 Euro.
- Tom Clancy
Red Rabbit
(54)Aktuelle Rezension von: MartinSteinJack Ryan muss schon wieder ran.
Wenige Monate nach den Geschehnissen, die im Buch "Die Stunde der Patrioten" beschrieben wurden, lebt Ryan mit seiner Familie außerhalb von London - was Tom Clancy dazu nutzt, auf unterhaltsame Weise die Unterschiede zwischen dem Alltag in den USA und England herauszuarbeiten. Doch das ist nur eine Randbemerkung.
Im Mittelpunkt des Buchs stehen die Bemühungen der CIA, einen Überläufer aus der Sowjetunion zu schleusen, der Details zur geplanten Ermordung des Papstes besitzt. Ryan ist also wieder in ein brisantes Abenteuer verstrickt.
Der Politthriller ist solide geplant und geschrieben, wie wohl jedes von Clancys Büchern. Allerdings fehlt "Red Rabbit" dann doch etwas an Spannung, um Begeisterung aufkommen zu lassen.
Wem der Charakter Jack Ryan sympathisch ist, wird das egal sein.
- Mathias Frey
EXCESS
(33)Aktuelle Rezension von: PhaedrusBoldDer Einstieg in dieses Buch ist mir ehr schwer gefallen, sehr viele Namen und sehr viele Handlungsplätzen sind aufeinander getroffen und wurden gleichzeitig eingeführt.
Aber mit der Zeit wurde die ganze Sache verständlicher und ich denke ich konnte fast alle Namen in die Geschichte einordnen. Zudem hat es mich gegen Ende immer mehr gepackt.
Danach muss man echt aufpassen nicht irgendwelche Abstrusen Verschwörungstheorien in die Wirklichkeit zu interpretieren, aber insgesamt fand ich das Buch gut und kann es empfehlen!
- Chris Kraus
Das kalte Blut
(29)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchIn diesem Roman geht es um die radikale, systematische Vernichtung von Menschen während des zweiten Weltkriegs. Aus Sicht des Täters. Zwei Brüder werden als SS-Männer mit der „Säuberung“ im Osten und Westen des „Großdeutschen Reichs“ beauftragt. Beide lieben sie die Jüdin Ev, die traumatisiert aus Auschwitz zurückkehrt, wo sie zur Folterung von Häftlingen gezwungen wurde. Nach dem Krieg wechseln die Brüder Hub und Koja zu anderen Geheimdiensten, CIA und KGB, dienen als Doppelagenten mal hier mal da der „Sache“. Harte Kost, die anfangs in schönen Bildern und einem lockeren Erzählstil in das Buch zieht. 1974 beichtet der Ich-Erzähler Koja einem Hippie-Leidensgenossen in einem Krankenhaus seine Vergehen. Dabei schweift er immer wieder in melancholische Erinnerungen ab. Koja ist ein Künstler, hält alles mit Graphit auf Papier fest, lernt Heinrich Himmler kennen und beeindruckt ihn. Sein Bruder Hub möchte den „Zartbesaiteten“ beschützen. Er sorgt dafür, dass Koja versetzt wird, sobald er zu Massenhinrichtungen abkommandiert werden soll, doch eines Tages kann Hub es nicht mehr verhindern. Und Koja ballert ein ganzes Magazin auf einen Säugling.
Es gibt wunderschöne Metaphern in dem Buch, aber die will man als Leser mit zunehmender Enthüllung der Grausamkeiten nicht mehr genießen. Der Roman erinnert an die wahren Schicksale und pflanzt sie damit in die Gedächtnisse von uns Nachgeborenen ein oder besser, er ätzt sie ein. Für „Das kalte Blut“ hat er penibel in seiner eigenen Familiengeschichte recherchiert. Trotz bester Absichten zerfällt der Roman für mich als Leser aber eher in einen Bericht als in eine runde Gesamterzählung.Ein bedrückendes aber gutesBuch.
- Anja Marschall
Verrat am Kaiser-Wilhelm-Kanal
(31)Aktuelle Rezension von: bigpandaIm dritten Fall von Hauke Sötje ist er als Kriminalkommissar in Kiel tätig, als er aus dem Kaiser-Wilhelm-Kanal die Leiche einer Dienstmagd bergt. Alle glauben an Selbstmord, aber Sötje hat vage Beweise, dass es sich vermutlich um Mord handelt und so verwickelt er nicht nur seine Verlobte Sophie Struwe in die Recherchen, sondern auch den Schreiber Bloch. Während den Ermittlungen wird Sötje von Graf von Lahn gebeten bei einem Treffen mit der russischen Delegation im Schloss des Prinzen ihm zu Diensten zu sein und so gerät Sötje immer mehr in die Verwicklungen der Spionage und wird schmerzlich auch mit einigen Wahrheiten aus seiner Vergangenheit konfrontiert.
Wieder ist Anja Marschall ein spannender historischer Krimi gelungen.
- James Rollins
Feuermönche
(74)Aktuelle Rezension von: MelLilaDieser Roman hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Und das, obwohl ich weder besonders religiös noch wissenschaftlich aufgestellt bin. Aber es wird alles sehr gut und anschaulich und nachvollziehbar erklärt. Spannung von der ersten bis zur letzten Seite. Habe es in wenigen Tagen durchgelesen. Auf zum nächsten Band.
- Andreas Pflüger
Kälter
(90)Aktuelle Rezension von: bobbember„Kälter“ von Andreas Pflüger ist ein extrem spannender Thriller, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Die Geschichte beginnt im Herbst 1989 auf der Nordseeinsel Amrum, wo Luzy Morgenroth ein scheinbar ruhiges Leben als Provinzpolizistin führt – weit weg von der Person, die sie früher war. Doch als ein Mann plötzlich spurlos von einer Fähre verschwindet, bricht ihre Vergangenheit mit voller Wucht über sie herein. Was zunächst wie ein lokaler Vermisstenfall wirkt, entpuppt sich als Auftakt zu einer gnadenlosen Jagd durch die Schattenwelt des Kalten Krieges. Plötzlich ist Luzy nicht mehr die gemütliche Dorfpolizistin, sondern wieder das, was sie einst war: eine Waffe, geschliffen durch Schmerz und Verlust.
Ich gebe ehrlich zu: Ich bin normalerweise überhaupt kein Fan von Provinzpolizisten als Thrillerhelden – oft sind sie mir zu klischeehaft oder zu langsam erzählt. Aber Luzy? Die habe ich sofort ins Herz geschlossen. Sie ist tough, aber nicht unnahbar, hat Ecken und Brüche und bleibt dabei herrlich menschlich. Ihre Mischung aus norddeutscher Bodenständigkeit und internationaler Agenten-Badass-Energie macht sie unglaublich sympathisch und zu einer Figur, der man gern folgt – selbst wenn es rund um sie immer kälter und gefährlicher wird.
Die Spannung ist wirklich stark: rasant, hart, kompromisslos. Pflüger versteht es, Bedrohung und Action so zu inszenieren, dass man immer weiterlesen will. Der persönliche Rache-Plot – Luzy gegen das Geheimdienst-Imperium, das den Mann schützt, der ihr Leben zerstörte – ist intensiv und emotional treibend. Man spürt dieses Katz-und-Maus-Spiel auf jeder Seite: Wer ist kälter? Wer hat die besseren Nerven?
Einen Stern ziehe ich nur ab, weil mir die „Provinz-Komponente“ trotz der tollen Protagonistin manchmal etwas fremd blieb und ich mich in den globalen Agenten-Passagen noch wohler fühlte. Aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau. - Robert Littell
Die kalte Legende
(18)Aktuelle Rezension von: Sabrina DMartin Odum, früherer CIA-Agent, arbeitet nun als Privatdetektiv in NYC. Er bekommt folgenden Auftrag: Er soll den Ehemann einer jüdischen Frau in Israel finden. Hinter diesem Fall steckt allerdings ein Riesenkomplott, der sich bis nach Russland und weiter erstreckt. Fazit: Leider hat das Buch meinen Geschmack überhaupt nicht getroffen. Ost-Block-Thriller sind einfach nicht mein Ding!























