Bücher mit dem Tag "gehirnforschung"

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73 Bücher

  1. Cover des Buches Splitter (ISBN: 9783426503720)
    Sebastian Fitzek

    Splitter

     (2.188)
    Aktuelle Rezension von: Wortmagie

    Sebastian Fitzeks Romane nehmen ihren Anfang oft mit der Frage „Was wäre, wenn…?“. „Splitter“ entstand, weil er sich fragte, was wäre, wenn wir unsere negativen Erinnerungen aus unserem Gedächtnis löschen könnten. Diese Idee ist gar nicht so futuristisch, denn in den letzten 10, 15 Jahren verzeichnete die neurologische Forschung erstaunliche Fortschritte. Ein Team am MIT entdeckte, dass sich Erlebnisse tiefer ins Nervengewebe des Hirns einbrennen, je traumatischer und schmerzhafter sie sind, weshalb angenommen wird, dass diese besonders starken Verbindungen irgendwann gezielt mit einem pharmakologischen Wirkstoff aufgelöst werden können. Substanzen, die eine vollständige Amnesie auslösen, gibt es bereits. Das Thema ist wirklich spannend; ich verstehe, dass Fitzek daraus einen Thriller konzipierte, obwohl in „Splitter“ natürlich so einiges schiefläuft…

    Eine einzige Sekunde zerstörte Marc Lucas‘ Leben. Eine einzige Sekunde, in der der Reifen platze und Marc das Auto frontal gegen einen Baum lenkte. Er erwachte im Krankenhaus – verletzt, aber am Leben. Seine schwangere Frau Sandra und ihr ungeborenes Kind überlebten den Unfall nicht. Sechs Wochen sind seither vergangen. Unter normalen Umständen würde Marc nie in das Auto eines Fremden steigen. Unglücklicherweise ist Normalität ein Luxus, auf den er keinen Anspruch mehr hat. Der Fremde stellt sich als Professor Bleibtreu vor, der experimentelle Forschung zum menschlichen Gedächtnis betreibt. Der Professor unterbreitet ihm einen verlockenden Vorschlag: Er bietet Marc an, ihn von den traumatischen Erinnerungen an den Unfall zu erlösen. Trotz anfänglicher Skepsis kann Marc der Aussicht auf Vergessen nicht widerstehen und willigt ein. Doch statt eines Neustarts erlebt Marc verstörende Episoden, die ihn an seinem Verstand zweifeln lassen. Verwirrende, schmerzhafte Bilder verfolgen ihn, bis er nicht mehr weiß, was echt und was eingebildet ist. Wird er verrückt – oder versucht sein Gedächtnis, ihm die Wahrheit zu zeigen?

    Das menschliche Gedächtnis ist ein mysteriöser Ort, über den wir noch immer viel zu wenig wissen, trotz aller Fortschritte, die die Wissenschaft vorweisen kann. Wir sind dem Rätsel, wie unser Gedächtnis funktioniert, auf der Spur, aber noch weit entfernt von einer Lösung. Sebastian Fitzeks Thriller „Splitter“ profitiert davon, dass viele Fragen auf diesem Gebiet bisher unbeantwortet sind. Obwohl die meisten Leser_innen wahrscheinlich nicht auf dem neusten Stand der Forschung sind, wirkt das Szenario, in das er seinen Protagonisten Marc Lucas hineinschleudert, plausibel und führt unweigerlich dazu, dass man sich auf Fitzeks Gedankenspiel einlässt. Würde ich meine negativen Erinnerungen löschen lassen, wenn es möglich wäre? Persönlich kann ich diese Frage verneinen, weil ich davon überzeugt bin, dass auch schmerzhafte Erlebnisse zur Ausbildung meiner Identität beitrugen, auf die ich nicht verzichten möchte. Dennoch kann ich nachvollziehen, dass Marc sich anders entscheidet, womit er eine Kette von Ereignissen auslöst, die Fitzek als Autor sicher einiges abverlangte. Es ist beeindruckend, dass er sich in der erratischen Handlung von „Splitter“ niemals verzettelt. Trotz der vielen perfiden Manöver, die seine Leser_innen absichtlich irritieren, erschüttern und durcheinanderbringen sollen, verliert er die paradoxe Logik, die alle Episoden miteinander verbindet, nie aus den Augen. Ich rechne ihm das hoch an, muss allerdings zugeben, dass ich mich etwas zu lange hingehalten fühlte. Marcs Geschichte gestaltet sich zunehmend verwirrend, präsentiert stetig neue Puzzleteile, die nicht zueinander passen wollen und ist nicht darauf ausgelegt, dass das Publikum dieses Puzzle eigenständig zusammensetzt. Fitzek versucht zu vermeiden, dass jemand das Rätsel vor seiner schockierenden Auflösung knackt. Es frustrierte mich, dass ich deshalb keine Vermutungen entwickeln konnte, was vor sich geht, was wiederum darin resultierte, dass ich ungeduldig wurde und mir nicht mehr die Zeit nahm, den Verlauf der Handlung zu reflektieren. Ich fieberte der großen Enthüllung entgegen, der Weg dorthin erschien mir zweitrangig. Zwar lädt „Splitter“ dazu ein, sich mitreißen zu lassen, doch mein mangelndes Interesse an den Stationen, die Marc durchläuft, war bestimmt kein gewünschter Nebeneffekt. Leider kann ich ebenfalls nicht behaupten, dass mich die schlussendliche Erklärung, was mit Marc geschieht und warum, wirklich überzeugte. Meiner Meinung nach schießt Fitzek zugunsten der Dramatik übers Ziel hinaus, denn ich zweifelte an der Glaubwürdigkeit des Verhaltens der involvierten Figuren. Sie überschreiten Grenzen, die die meisten Menschen vermutlich nicht mal gedanklich verletzen würden. Unabhängig der Umstände konnte ich mir schwer vorstellen, dass sie so weit gehen würden. Ich glaubte Fitzek einfach nicht und das bedeutet, dass er seinen Auftrag als Autor in meinem Fall nicht erfüllte.

    „Splitter“ ist ein flotter Thriller, der die Leser_innen mit einem bizarren Verwirrspiel in Atem hält, bis sie nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht. Nachdem meine letzte Erfahrung mit Sebastian Fitzek in dem politisch angehauchten „Amokspiel“ eher negativ ausfiel, freut es mich, dass er sich in diesem Buch wieder darauf besinnt, was er kann: psychische Achterbahnfahrten, die die Grenzen zwischen Realität und Wahn aufweichen. Ich denke, hätte er mir in „Splitter“ ermöglicht, selbst auf dem Rätsel von Marcs Geschichte herumzudenken, hätte sich dieser Effekt sogar noch intensiver bemerkbar gemacht. Bedauerlicherweise beansprucht Fitzek die finale Auflösung ganz für sich, wodurch die Lektüre für mich nicht so befriedigend war, wie sie hätte sein können und darüber hinaus von den unrealistischen Bedingungen dieser Auflösung überschattet wurde. Dass ganz normale Menschen zu solch eiskalter Skrupellosigkeit fähig sein sollen – davon konnte Fitzek mich nicht überzeugen.

  2. Cover des Buches Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte (ISBN: 9783499187803)
    Oliver Sacks

    Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte

     (145)
    Aktuelle Rezension von: Villa_malLit

    Ein Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselt oder Gesichter sieht, wo keine sind. Dieser und weitere der kuriosesten Fälle vom Neurologen Oliver Sacks schildert er in seinem Buch. In vier Teilen nimmt uns der Autor mit in seine Arbeit und erzählt uns von faszinierenden Menschen und ihren Geschichten aufgrund einer Erkrankung. Vor allem wird einem beim Lesen bewusst, dass man bei der Erforschung des Menschen mit seinem Körper wie auch seiner Psyche noch vieles unentdeckt ist.

    Oliver Sacks erläutert die Fälle sehr einfach und interessant, so dass man dieses Buch auch ohne medizinisches Vorwissen gut verstehen kann.

  3. Cover des Buches Das Buch der Spiegel (ISBN: 9783442314492)
    E.O. Chirovici

    Das Buch der Spiegel

     (338)
    Aktuelle Rezension von: NicoleP

    Literaturagent Peter Katz erhält den Anfang eines Manuskripts von Richard Flynn. Im Mittelpunkt steht der Mordfall an Professor Joseph Wieder, der vor 25 Jahren geschah und nie aufgeklärt wurde. Katz ist so sehr von der Geschichte fasziniert, dass er wissen möchte, wie sie weitergeht. Doch Flynn ist zwischenzeitlich verstorben. Katz macht sich auf die Suche nach dem restlichen Manuskript.

    Das Buch ist in drei Teile untergliedert. Neben Peter Katz wird die Geschichte noch durch zwei weitere Charaktere und deren Perspektive fortgesetzt. Alle Figuren sind interessant und gut ausgearbeitet. Die Spannung bleibt über das gesamte Buch auf einem guten Level.

    Der Kriminalroman zeigt sehr gut auf, wie unterschiedlich die Sicht auf Geschehnisse sein kann. Oft sind es die eigenen Gedanken, die einer anderen Person ein Verhalten unterstellen, welches diese wahrscheinlich nicht hat. So ergeben sich im Laufe des Buches mehrere mögliche Tatgeschehen und Täter. Jede dieser Varianten scheint möglich.

    Geschickt schafft es der Autor, bis zum Schluss Wendungen zu bieten, die überraschen. Es ist ein interessanter Roman, den ich gerne weiterempfehle.

  4. Cover des Buches Digitale Demenz (ISBN: 9783426276037)
    Manfred Spitzer

    Digitale Demenz

     (44)
    Aktuelle Rezension von: HannaHofer
    Musste es zweimal lesen - verdammte Demenz. :(
  5. Cover des Buches Der Trakt (ISBN: 9783596512454)
    Arno Strobel

    Der Trakt

     (792)
    Aktuelle Rezension von: FrauMliest

    Inhalt (übernommen):
    'Und wer bist du wirklich?'
    Der Weg durch den nächtlichen Park, der Überfall – all das weiß sie noch, als sie aus dem Koma erwacht. Ihre Erinnerung ist völlig klar: Sie heißt Sibylle Aurich, ist 34 Jahre alt, lebt mit Mann und Kind in Regensburg. Sie scheint fast unversehrt. Und doch beginnt mit ihrem Erwachen eine alptraumhafte Suche nach sich selbst. Zwar hat Sibylle ihr Gedächtnis behalten, die Welt aber hat offenbar die Erinnerung an Sibylle verloren: Ihr Mann kennt sie nicht, von ihrem eigenen Hochzeitsfoto starrt ihr das Gesicht einer Fremden entgegen, und niemand hat je von ihrem Sohn Lukas gehört! Wurde er entführt? Hat er nie existiert? Und wem kann sie überhaupt noch trauen?


    Meine Meinung:
    Arno Strobel packt mich wieder mit seinem Schreibstil!
    Schnelles Tempo, schnörkelloser und fokussierter Schreibstil, kompakte Kapitel - ein Thriller auf den Punkt gebracht!

    Ich mag es, dass Arno Strobel den Leser gleich und ohne viel Tamtam ins Geschehen wirft, das verleiht gleich von Seite 1 an die nötige Spannung.

    Die Protagonisten wirken authentisch, sie sind greifbar und punktgenau ausgearbeitet. Als Leser erhalte ich alle Informationen, die den Charakter rund wirken lassen, nicht mehr und nicht weniger und das trifft es für mein Empfinden ganz genau.
    Die Vielschichtigkeit der Charakter; das Nebulöse - Wer ist gut und wer ist böse? Diese zentrale Frage begleitet mich durch das ganze Buch hindurch bis zum Schluss und trägt diesen Thriller für mich entscheidend mit.

    Die Thematik konnte mich begeistern und auch der Sci-Fi-Anteil hat mich nicht, wie zuerst vermutet, abgeschreckt, da diese Elemente gut verwoben waren.

  6. Cover des Buches Gehirnflüsterer (ISBN: 9783423248693)
    Kevin Dutton

    Gehirnflüsterer

     (18)
    Aktuelle Rezension von: YourGrace
    Kevin Dutton ist ein Genie - Er schreibt für alle Leser gut verständlich und interessant, auch wenn man sich in dem Gebiet nicht gut auskennt. Wie kann es sein, dass wir tagtäglich ohne es zu merken manipuliert werden? Was sind die Schlüsselreize, die die eine oder andere bestimmte Empfindung oder Reaktion im Unterbewusstsein auslösen? Wie kann man andere dazu bringen, genau das zu tun, was man will? Wie kann man SICH SELBST beeinflussen? 
    All das steht in diesem Buch. Mit interessanten Beispielen und Geschichten aus dem eigenen Leben erläutert Kevin die menschliche Psyche - es ist interessant herauszufinden, wie man selbst tickt...und wie man seine eigenen Schwächen austricksen kann.
  7. Cover des Buches Aus Sicht des Gehirns (ISBN: 9783518295151)
    Gerhard Roth

    Aus Sicht des Gehirns

     (3)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Als Einstieg in die Gehirnforschung gehört dieses Buch von Gerhard Roth zu den empfehlenswertesten. Gerhard Roth beleuchtet einige Erkenntnisse aus der Gehirnforschung, die geeignet sind, unser Selbstbild zu erschüttern, mehr noch vielleicht als die Erkenntnisse der modernen Physik oder die Evolutionstheorie. Während in der Allgemeinheit die Idee des Urknalls und die Evolutionstheorie durchaus bekannt sind und diskutiert werden, scheinen die philosophischen Erkenntnisse der Gehirnforschung weitgehend an der Allgemeinheit vorüber gezogen zu sein und kaum Einfluss auf unser Weltbild zu haben.

    Bedeutsam scheint mir z. B.: Es gibt kaum noch Gehirnforscher, die an eine vom Körper unabhängige Seele glauben. Diese Tatsache ist aber unter Laien kaum bekannt, geschweige denn die Gründe dafür. Sie liegen keineswegs nur darin, dass die Forscher keine Seele finden, wenn sie das Gehirn betrachten. Vielmehr wird immer klarer, wie das Gehirn Sinnesreize verarbeitet und speichert. Und auch wenn wir nicht beweisen können, dass es keine unsterbliche Seele gibt, ist doch völlig klar, dass diese Seele die Arbeit des Gehirns eigentlich nur stören kann. Wenn wir eine unsterbliche Seele haben, die auch losgelöst vom Körper sieht, denkt und sich erinnert, wozu brauchen wir dann noch ein energiefressendes Gehirn das die gleiche Arbeit noch einmal macht?
    Es ist praktisch unmöglich, eine Theorie des Denkens und des Bewusstseins aufzustellen, in der eine unsterbliche Seele auch nur einigermassen eine sinnvolle Bedeutung hat. Deshalb gibt es keine solche Theorie. Bemerkenswert scheint mir das deshalb, weil eine unsterbliche Seele im Weltbild vieler Menschen eine ganz zentrale Rolle spielt.

    Wer sein Weltbild mit den Erkenntnissen der Wissenschaft in Übereinstimmung bringen will, muss sich deshalb mit Gehirnforschung befassen. Als erster Schritt dazu eignet sich das Buch von Gerhard Roth. Es gibt einen schönen Einblick in verschiedene Aspekte der Gehirnforschung, ohne allzu sehr in die Details zu gehen. Roth erklärt das Nötigste über den Aufbau des Gehirns. Er zeigt an Hand einiger Gehirnstörungen, dass Denken anders funktioniert, als wir uns dies gemeinhin vorstellen. Viele der kniffligen Probleme, die das Gehirn alltäglich löst, sind uns gar nicht bewusst. Erst wenn etwas nicht mehr funktioniert oder wenn wir einen Roboter auf diese Aufgabe programmieren wollen, wird uns bewusst, was das Gehirn hier leistet. Deshalb ist die Betrachtung von Gehirnstörungen sehr erhellend.

    Wie z. B. merkt das Gehirn, welcher Körper und welche Körperteile zum Ich gehören und welche nicht, wo das Ich jetzt gerade ist, wer ich bin? – Alle diese Probleme scheinen einfach zu lösen. Es gibt aber Menschen, bei denen dies nicht mehr funktioniert, die z. B. ihr eigenes Bein für ein fremdes halten, die sich selber an zwei Orten sehen oder glauben, ein anderer zu sein.

    Auch andere, oft diskutierte Fragen, etwa, ob Tiere bewusst denken oder ob wir einen freien Willen haben, wie viel Erziehung ausmacht, wie wir besser lernen können, wie das Bewusstsein zu Stande kommt oder welche Gewaltverbrecher therapierbar sind, erscheinen durch die Gehirnforschung in einem neuen Licht. Zu all diesen Themen offeriert Roth einige bemerkenswerte Erkenntnisse, ohne die Themen tot zu schlagen. In der Frage, was das Ich ist, zeigt er, dass dieses Ich eine ganze Reihe verschiedener Aufgaben erfüllt. Roth unterscheidet demzufolge eine ganze Reihe verschiedener Arten von Ich.

    Für die oft als unwissenschaftlich geschmähte Psychoanalyse Sigmund Freuds findet er einige freundliche Worte, die ich bedauerlicherweise fast nicht mehr finde, weil zumindest meine Ausgabe des Buches keinen Index hat. Hier: Freuds Ansichten wurden von der Gehirnforschung insbesondere in drei Punkten bestätigt. 1. Das Unbewusste, das Es, hat mehr Einfluss auf das Bewusste, das Ich, als umgekehrt. 2. Das Unbewusste entsteht zeitlich vor den verschiedenen Bewusstseinszuständen und legt die Grundstrukturen der Persönlichkeit fest. 3. Das bewusste Ich hat wenig bis keine Einsichten in das, was seinen Wünschen, Plänen und Handlungen tatsächlich zugrunde liegt. Das Ich legt sich Erklärungen darüber zurecht, diese haben aber häufig wenig mit den eigentlich bestimmenden Geschehnissen zu tun.

    Dabei scheut sich der Neurologe Gerhard Roth nicht, klare Worte zu verwenden, wenn er mit gewissen Aussagen nicht einverstanden ist. Und wenn er zum Schluss seines Buches eine Reihe von Philosophen kritisiert, so ist diese Kritik zumindest nicht aus der Luft gegriffen.

    Lediglich in zwei Aussagen würde ich klar widersprechen. S. 64: „Denken ist zwar auch nichtsprachlich möglich, aber es besteht kein Zweifel, dass sprachliches Denken nichtsprachlichem stark überlegen ist.“ Und S. 95: „Wichtig ist aber die Tatsache, dass solch unbewusstes, implizites Lernen nicht bei komplizierten Sachverhalten funktioniert.“
    Das wird zwar von vielen Experten oft und gerne behauptet, ist aber völlig falsch. Als Lehrer sehe ich das regelmässig, wenn einer der Spitzenschüler den anderen erklären soll, wie er eine Mathe- oder Physikaufgabe gelöst hat. Die eigenen völlig korrekten Überlegungen in eine einigermassen verständliche Sprache zu fassen, das schaffen nur die allerwenigsten. Auch Topwissenschaftler haben ihre grössten Ideen sehr oft in nichtsprachlichem Denken, indem sie z. B. die Dinge bildlich vor sich sehen. Mehrere grosse Entdeckungen wurden sogar geträumt, z. B. entdeckte Kekulé den Benzolring im Traum, Paul McCartey hörte das Lied „Yesterday“ in allen Details im Traum. Elias Howe, der die erste Nähmaschine erfand, träumte seine entscheidende Idee. Albert Szent-Györgyi, der das Vitamin C entdeckte, benutzte das unbewusste Denken gezielt, um Probleme zu lösen. Wenn er bei einer Frage nicht weiter kam, aber genügend darüber nachgedacht hatte, legte er sich schlafen. Er erklärte: „Da ich das Problem nicht lösen kann, lasse ich es in mein Unterbewusstsein absinken. Dort verweilt es unterschiedlich lange. Irgendwann wird die Lösung unverhofft an mein bewusstes Denken übermittelt.“ – Ich selber mache das übrigens selber genauso.

    Wir brauchen die Sprache nicht zum Denken, auch nicht für sehr komplexe Gedanken. Wir brauchen die Sprache, um komplexe Gedanken anderen Menschen zu erklären. Und weil komplexe Gedanken meist erst dadurch wertvoll werden, dass wir sie erklären können, - und nur deshalb - treten komplexe Gedanken meist im Zusammenhang mit Sprache auf.

    Die falsche Vorstellung, Denken basiere vor allem auf Sprache, führt nicht selten zu einer grotesken Didaktik. So wurde ich z. B. von Sportlehrern aufgefordert, eine schwierige Bewegung in Worten präzise zu beschreiben, in der Hoffnung, ich könne die Bewegung danach besser ausführen. Eine Bewegung beschreiben ist sicher ein gutes Sprachtraining. Aber eine Bewegung lernen kann man so bestimmt nicht. Sie können problemlos ohne Worte durch Vorzeigen jemandem zeigen, wie man einen Papierflieger faltet. Aber versuchen Sie das mal am Telefon, - ohne Kamera!

    Diese kleine Kritik tut aber dem ausserordentlich positiven Gesamteindruck keinen Abbruch. Es ist ein hervorragendes Buch, das ich jedem heiss empfehle!
  8. Cover des Buches Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke (ISBN: 9783710602603)
    Manuela Macedonia

    Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke

     (21)
    Aktuelle Rezension von: katze267

    In ihrem Buch „ Beweg dich !und dein Gehirn sagt Danke“ erläutert uns Frau Dr. Manuela Macedonia wie wichtig richtige (aerobe) regelmäßige Bewegung für unser Gehirn und damit für viele Bereiche unseres Leben ist. Detailgenau erläutert sie die komplexen Vorgänge im Gehirn, macht deutlich, welche Auswirkungen mangelnde Bewegung auf viele Aspekte unseres Denkens haben kann. Steigerung von Konzentration, Gedächtnisleistung, ja die Verzögerung von Demenz und Alzheimer sind dabei u.a. wichtige Aspekte, aber es gibt noch viele andere.

    Sie führt nicht nur schnell einsichtige Beispiele aus ihrem eigenen Leben an sonder zitiert auch eine Fülle von Studien und Untersuchungen, die dies eindrucksvoll belegen (das Quellenverzeichnis umfasst fast 8 sehr klein gedruckte Seiten).

    Immer wieder werden auch Zeichnungen zum besseren Verständnis eingefügt.

    Leider ist da die Farbwahl nicht optimal. Dir Gelbton, der im Text sehr schön und deutlich wichtige Textstellen markiert , auch in Zeichnungen Bereiche kennzeichnet, ist als Einzelzeichnung nur sehr schwer erkennbar, insbesondere bei Lampenlicht.

    Der Schreibstil ist schon sehr wissenschaftlich orientiert, trotz des eher lockeren Titels.Auch wenn er immer wieder durch persönliche Beispiele aufgelockert wird, stehen sehr komplexe Beschreibungen von Hirnfunktionen unter Verwendung der entsprechenden Fachterminologie doch im Vordergrund. Forschungsergebnisse und Studien belegen diese Fakten.

    Insgesamt fand ich das Buch sehr interessant zu lesen, aber deutlich anspruchsvoller als mich der Titel vermuten ließ

    Etwas vermisst habe ich ein Glossar, da die Fachterminologie (wie Hippocampos, Glia, etc) mir nicht so vertraut ist und ich in späteren Kapiteln gerne nochmal in den Eingangskapiteln eingeführte Begriffe nachgesehen hätte.

    Die einleuchtenden Argumente haben mich jedoch überzeugt, mich auf jeden Fall mehr zu bewegen.

  9. Cover des Buches Die Natur des Bewusstseins (ISBN: 9783406605949)
    Reinhard Werth

    Die Natur des Bewusstseins

     (3)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Werth startet mit der originellen Feststellung Wittgensteins, dass auch subjektive Empfindungen, wie etwa der Schmerz, den Wissenschaften zugänglich sind. Denn würde das Wort ‚Schmerz’ etwas rein Subjektives bezeichnen, so würde es im Gespräch zu Verwirrung führen, weil ja keiner wissen könnte, was der andere darunter versteht. Das Bewusstsein und die subjektiven Erlebnisse, die den Inhalt des Bewusstseins bilden, sind also nicht rein privat, sondern anderen Personen zugänglich.

    So findet der Leser eine ganze Reihe kluger Bemerkungen und Erklärungen, die irgendwie mit dem Bewusstsein, mit der Wahrnehmung oder mit dem Willen zu tun haben. Aber die Gesamtaussage ist mir jedenfalls nicht wirklich klar geworden. Dabei sind die einzelnen Abschnitte durchaus empfehlenswert.

    Empfehlenswert für alle Lehrpersonen ist der lange Abschnitt über die Aufmerksamkeit. Während Aufmerksamkeits störungen unter Psychologen und Pädagogen alltäglich diskutiert werden, ist auch in die Fachliteratur bemerkenswert vage, was Aufmerksamkeit eigentlich ist. Reinhard Werth, der sich schon in seinem Buch ‚Legasthenie und andere Lesestörungen’ mit dem Lernen befasst hat, macht auch hier verständlich, was bei gewissen Lernschwierigkeiten passiert und wie man allenfalls dagegen ankämpfen kann.

    Aufschlussreich ist z. B. eine Bemerkung zum Bogenschiessen: Das Hauptproblem beim Bogenschiessen ist, dass der Schütze seine Aufmerksamkeit nicht gleichzeitig auf das Ziel und auf das Loslassen des Pfeiles richten kann. Selbst so einfache Bewegungen, wie einen Pfeil loszulassen, erfordert die volle, ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Schütze bemerkt dies selber nicht, aber während er den Pfeil loslässt, wird er kurzzeitig blind für das Ziel. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb Pfeile daneben gehen. Wenn nun also Schüler behaupten, sie können problemlos neben den Hausaufgaben Musik hören, chatten und einen Fernseher laufen lassen, dann kann man sich nun vorstellen, wie falsch diese Schüler liegen.

    Empfehlenswert für Richter und Anwälte sind die Ausführungen zur Frage des freien Willens im Zusammenhang mit dem Strafrecht. Werth zitiert mehrere Paragrafen des deutschen Strafrechts, das aber in anderen europäischen Ländern ähnlich sein dürfte. Insbesondere ist nach dem deutschen Strafrecht nur vorsätzliches Handeln strafbar, sofern nicht das Gesetz bei fahrlässigem Handeln ausdrücklich mit Strafe droht. Ob ein Täter vorsätzlich oder aus dem Affekt gehandelt hat, muss nicht selten von Gerichtsgutachtern beurteilt werden.

    Der Autor selber hat z. B. in Experimenten festgestellt, dass eine unvorbereitete Person rund 532 bis 847 Millisekunden benötigt, um seinen Körper vor einem überraschenden Messerstich 50 cm zurück zu ziehen. Wenn also z. B. ein Polizist, der überraschend von einem Verbrecher mit einer Waffe angegriffen wird, innerhalb von etwa 200 Millisekunden auf den Verbrecher schiesst, dann könne dies keine Willensentscheidung sein. Ausser „dass der Polizist sich bereits lange im Voraus dafür entschieden hat, in einer solchen Situation so zu schiessen (da er die oben beschriebenen Zeitverhältnisse kennt) und diese Reaktion so eingeübt hat, dass sie zu einem vorprogrammierten Reflex wurde.“

    Nun scheint mir das eher der Normalfall oder zumindest der wünschenswerte Fall zu sein, dass ein Polizist, der mit einer geladenen Waffe unterwegs ist, sich vorher schon einmal überlegt hat, wie er in verschiedenen denkbaren Situationen reagieren würde. Als langjähriger Badmintonspieler weiss ich auch, dass man eine Reaktion nicht sehr lange vorprogrammieren muss. Es reicht durchaus, während des Spiels zu entscheiden, den nächsten Smash in die rechte hintere Ecke abzuwehren. Bei der konkreten Ausführung habe ich dann auch nicht mehr Zeit als besagter Polizist. Das ist aber auch nicht nötig, weil ich den Schlag schon vorher geplant habe.

    Das Thema freier Wille und Strafrecht regt natürlich zu weiteren Diskussionen an. Was soll denn das Ziel einer Strafe sein? – Geht es darum, sich an den Bösewichten zu rächen? Oder wäre es nicht sinnvoller, den zukünftigen Schaden zu minimieren? - Wenn immer mal wieder Äste von einem Baum fallen und Spaziergänger invalide schlagen, frage ich nicht danach, ob der Baum das bewusst macht oder nicht.

    Die von Reinhard Werth zusammen gestellten Überlegungen sind also wohl sicher nicht abschliessend. Aber sie sind eine gute Grundlage für den wichtigen Dialog zwischen Strafrechtlern und Gehirnforschern.

    Bemerkenswert deutlich ist in diesem Zusammenhang Werths Fazit, wenn es um Wiederholungstäter geht: „Die häufig geübte Praxis, Wiederholungstäter fortwährend mit Bewährungsstrafen oder kurzen Gefängnisstrafen zu belegen und ihnen unermüdlich psychotherapeutische oder sozialtherapeutische Massnahmen angedeihen zu lassen, kann nur als Unkenntnis oder vorsätzliches Ignorieren psychobiologischer Erkenntnisse gewertet werden.“

    Empfehlenswert ist das Buch auch für alle, die mit Patientenverfügungen und insbesondere mit Sterbehilfe zu tun haben. Denn die Frage nach der Willensfreiheit stellt sich natürlich auch bei Patientenverfügungen.

    Ein weiteres Gebiet, das wohl einige Leser interessiert, ist die Frage, ob Tiere ein Bewusstsein haben. Auch dazu findet man einige interessante Fakten, obwohl das Buch in dieser Frage nicht sehr in die Tiefe geht.

    Man kann nicht behaupten, Reinhard Werth habe das Bewusstsein in diesem Buch erklärt. Er hat einige interessante Aspekte dazu aufgezeigt. Aber auch wenn sicher noch einige Diskussionspunkte offen sind, hat er zur Frage, ob es eine unsterbliche Seele gibt eine klare Antwort, der wohl die meisten Gehirnforscher zustimmen würden:
     „Aus allen wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen folgt unzweifelhaft, dass ohne Hirnfunktion keine unserer Fähigkeiten, Empfindungen, Erfahrungen und nichts, was unser Bewusstsein sonst ausmacht, existieren kann.“

    Auch zu dieser Behauptungen findet man eine gute aber gewiss nicht ganz abschliessende Begründung in diesem Buch.
  10. Cover des Buches Wer bin ich - und wenn ja, wie viele? (ISBN: 9783837109276)
    Richard David Precht

    Wer bin ich - und wenn ja, wie viele?

     (35)
    Aktuelle Rezension von: Bommerlinda
    Ja, ich bin eine Spätzünderin, bzw. eine Spätleserin.

    Fünf Jahre steht die philosophische Reise des Herrn Prechts bereits in meinem Bücherregal, aber ehrlich gesagt, habe ich nie so richtig Lust verspürt, dieses Buch zu lesen, warum auch immer. Das hat sich nun geändert und so schlimm, wie ich es mir zeitweise ausgemalt habe, ist es dann doch nicht zu lesen.

    Der Inhalt des Buches gibt auf unterhaltsame Art und Weise Antworten auf Fragen, mit denen sich Philosophen so im Allgemeinen beschäftigen müssen. Hier besitzt Herr Precht die Fähigkeit, manch tiefgreifende Erkenntnis so prägnant auf den Punkt zu bringen, dass viele Philosophen noch etwas lernen können.
    Allerdings behandelt Precht vor allem die modernen Philosophen des 19. und 20. Jahrhundert. Wer einen wirklichen Überblick über die wichtigen Philosophen haben möchte, der kommt um andere Bücher nicht drumrum, so wird beispielsweise Sokrates, der Begründer der Philosophie, nur kurz erwähnt. 

    Übersichtlich und kompakt umfasst jedes Kapitel um die zehn Seiten. Die Sprache ist verständlich, und jedes Thema wird sehr klar dargestellt und fast immer mit einem Beispiel aus dem heutigen Alltag belegt, so dass die Gedanken Prechts sehr anschaulich vermittelt werden.
    Der Autor bietet dem Leser einiges, nämlich die drei Pfeiler der Philosophie: die Ethik die Erkenntnistheorie sowie die Metaphysik.
    So gesehen ist die philosophische Reise mit Precht zwar unterhaltend und lehrreich, meines Erachtens führt sie aber letztendlich in ein Nirgendwo.

    Wer sich allerdings nur für Zusammenhänge aktueller ethischer Fragen interessiert, für den ist dieses Buch sicherlich spannend, aufschlussreich und durchaus lesenswert.
  11. Cover des Buches Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt (ISBN: 9783442713974)
    Haruki Murakami

    Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

     (519)
    Aktuelle Rezension von: Aischa

    Nachdem mir "Kafka am Strand" gut gefallen hatte, wollte ich mich nun eigentlich an "1Q84" wagen, aber ein Freund empfahl mir, zuvor unbedingt "Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt" zu lesen, es sei quasi ein Schlüsselroman Murakamis, mit dem sich folgende Werke viel besser verstehen lassen würden.

    Anfangs konnte mich das Buch auch durchaus begeistern. Die Geschichte spielt in zwei Ebenen, gleichzeitig, aber räumlich getrennt. Der Plot ist hochkomplex und fordert die ganze Aufmerksamkeit des Lesers, vor allem, wenn es um die geschilderten Hirnmanipulationen und Datenverschlüsselungen geht. Aber Murakami schreibt unterhaltsam und durchaus witzig. Leider geht im weiteren Verlauf die Spannung verloren, die Schilderung der unterirdischen Flucht des Protagonisten dehnt sich über mehrere Kapitel, ohne dass es die Geschichte wirklich voran bringt. Schade auch, dass kaum zu merken ist, dass Murakami ein japanischer Autor ist. Außer dass "Hard-boiled Wonderland" im futuristischen Tokio spielt, sind kaum japanische Anklänge im Roman zu finden, dafür mehr als genug Zitate der europäischen und amerikanischen Kultur, von Bachs Brandenburger Konzerten über die Popgruppe Duran Duran bis zu Hollywoodfilmen. Desweiteren sind zahlreiche sexuelle Abenteuer des Protagonisten eingestreut. Nichts gegen (guten) Sex, aber was es in diesem Plot damit auf sich hat, erschließt sich mir leider nicht. 

    Murakami hat sich große Themen vorgeknöpft: Wie manipulierbar sind wir, was macht unsere Seele aus, wie wertvoll sind unsere Erinnerungen, welchen Preis sind wir bereit, für die Unsterblichkeit zu zahlen? Aber der Roman schafft es nicht, mich wirklich zu fesseln, im Gegenteil, zum Schluss kam ich mir vor wie in einer Mischung aus drögem Märchen für Erwachsene und der Beschreibung eines online-Fantasy-Spiels. Überladen mit Symbolik, seltsam distanzierte Dialoge, einfach nicht mein Ding.

  12. Cover des Buches Robin und das Positive Fühlen (ISBN: 9783905765366)
    Ella Kensington

    Robin und das Positive Fühlen

     (8)
    Aktuelle Rezension von: elRinas
    Ist zwar wie ein Liebesroman geschrieben, beschreibt aber sehr gut, wie mensch mit den inneren Missverständnisssen zwischen Großhirn und Emotionalgehirn konstruktiv umgehen kann... Fortsetzung von Mary & Mysterio ... Offenbar lässt sich manches Wissen in Romanform (für manche) leichter verdauen ... na - wirklich empfehlenswert ***
  13. Cover des Buches Der Spinoza-Effekt (ISBN: 9783548604947)
    Antonio R. Damasio

    Der Spinoza-Effekt

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Micha_M
    Was soll ich sagen? Zunächst geht es darum, dass Damasio das Entstehen von Gefühlen und Emotionen zu ergründen versucht (hierbei stellt er Spinoza vor, einen Philosophen des 17. Jahrhunderts). Im Laufe des Buches werden Spinozas Gedankengänge über Gefühle und Emotionen (die von Damasio unterschieden werden) mit neurobiologischen Fakten belegt. Auch hier gibt es wieder Skizzen und Illustrationen und einen Glossar. Das Buch ist ziemlich leicht zu lesen und ähnelt anfangs eher einem Geschichtsbuch (hat mich zunächst etwas verwirrt, aber ist dennoch interessant). Auch hier ist wieder die Mischung Neurobiologie und Philosophie gelungen. Natürlich bleiben hier auch fragen offen, weil die Forschung nicht soweit ist, alle Fragen klären zu können, aber man kann sich ein enormes Wissen ansammeln.
  14. Cover des Buches Warum das Leben schneller vergeht, wenn man älter wird (ISBN: 9783492300094)
  15. Cover des Buches Gewalt (ISBN: 9783596192298)
    Steven Pinker

    Gewalt

     (10)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Dieses Buch hat mir richtig gut getan! – Die Menschheit wurde über die Jahrhunderte und Jahrtausende immer friedlicher. Wir leben in der friedlichsten Zeit seit Menschengedenken. Diese Behauptung hat mich überrascht. Aber sie ist wohl begründet. In allen Bereichen unseres Lebens hat die Gewalt abgenommen: Nie gab es so wenige Kriege, nie gab es –im Verhältnis zur Bevölkerung- so wenige Kriegsopfer, nie so wenige Gewaltdelikte, nie so wenig Gewalt gegen Frauen und Kinder. In Pinkers Worten: „Der Rückgang der Gewalt dürfte die bedeutsamste und am wenigsten gewürdigte Entwicklung in der Geschichte unserer Spezies sein.“

    Da schüttelt wohl manch ein Leser verwundert den Kopf. Aber schauen wir doch einige Beispiele an:
    - Kleinkriminelle werden bei uns nicht mehr gekreuzigt.
    - Katzenverbrennen ist keine Volksbelustigung mehr.
    - Wir gehen mit unseren Kindern nicht mehr ins Amphitheater um mit ihnen beim blutigen Völkermord zuzuschauen.
    - Der Kasperle im Kasperletheater bringt keine Babys mehr um.
    - An unseren Strassenrändern stehen keine Galgen mit erhängten Dieben.
    - Wir verbrennen keine Hexen mehr.
    - Wir müssen nicht unseren Onkel ermorden, um Gemeindepräsident zu werden.
    - Wir machen kein tödliches Duell, wenn der Nachbar sagt, mein Hund werde alt.
    - Kriege bestehen nicht mehr darin, so viele Untertanen des Feindes wie möglich umzubringen und deren Ernte und Gebäude zu zerstören, um dem feindlichen Ritter die Einnahmequelle zu rauben.

    Pinker belegt seine These aber nicht nur mit Einzelbeispielen, sondern auch mit einer ganzen Reihe sorgfältig ausgewerteter Statistiken. Dabei stellt sich die Frage, welche Zahlen relevant sind. Ist es schlimmer, wenn in einem Krieg 5'000 von 10'000 Menschen getötet werden, oder ist es schlimmer, wenn 50'000 von einer Million sterben? Als Soldat habe ich im zweiten Fall wesentlich bessere Überlebenschancen und das ist wohl, was mich in diesem Moment interessiert. Deshalb vergleicht Steven Pinker jeweils nicht die absoluten Zahlen (5'000 gegen 50'000), sondern die prozentualen Anteile (50% gegen 5%).

    Was sagen also die Statistiken? – Eine Auswahl aus den reichen Daten:
    - Unter den prähistorischen Leichen finden wir praktisch keine, die nicht Spuren von Gewalt trägt.
    - Zwischen 14'000 und 1770 v.u.Z., bevor staatlich organisierte Gesellschaften entstanden, starben im Durchschnitt 15% der Menschen einen gewaltsamen Tod
    - In Jäger- und Sammlergemeinschaften blieb der Anteil gewaltsamer Todesfälle bis in die jüngste Zeit auf diesem hohen Niveau.
    - Bei vorstaatlichen Gesellschaften, in denen teils gejagt und gesammelt und teils Ackerbau betrieben wird, ist die Gewaltrate am höchsten: Im Durchschnitt sterben da 24,4% an Gewalt.
    - Durch die Gründung von Staaten sank die Gewalt auf einen Drittel bis einen Fünftel: Nur noch 5% der Menschen wurden von anderen Menschen getötet.
    - Seither ist die Gewaltquote stetig, mit einigen Rückschlägen, weiter gesunken. Die blutigsten Jahrhunderte Europas seit der Gründung moderner Staaten waren die Religionskriege im 17. Jh., als 2% der Bevölkerung durch Gewalt starben, und die zwei Weltkriege, in denen es 3% waren.
    - Heute sind die Anteile der Kriegsopfer weltweit bei etwa 0,03%. Wenn man für die USA auch die Zivilpersonen dazu zählt, die durch eigene Landsleute umgebracht werden, kommt man auf 0,8%. In anderen westlichen Staaten sind es noch weniger.
    - Die Morde in verschiedenen Gegenden von England vom 13. bis zum 20. Jahrhundert sind um den Faktor 10, 50 und in manchen Fällen um 100 zurückgegangen – zum Beispiel von 110 Morden pro 100'000 Einwohner pro Jahr im Oxford des 14. Jahrhunderts auf weniger als einen Mord pro 100'000 Einwohner Mitte des 20. Jahrhunderts in London.

    Pinkers Botschaft ist aber natürlich nicht, dass wir uns nun beruhigt zurücklehnen sollten. Die heutige Gewalt wird nicht dadurch besser, dass es früher noch viel schlimmer war. Vielmehr analysiert er die Ursachen für die Gewalt und für die Verbesserungen und untersucht wie Kriege geschlichtet werden können. Als „fünf innere Engel“, die uns dabei helfen, ortet er:
    1. Den Leviathan (vor Pinker kannte ich nicht einmal diesen Ausdruck): Eine solide Gesetzgebung und eine Polizei, von denen sich die breite Bevölkerung und auch die Minderheiten vertreten fühlen. Gar nicht gut zu sprechen ist Pinker dagegen auf die Kultur der 60er Jahre, in der die Forderung nach Ruhe und Ordnung als spiessbürgerlich verhöhnt wurde, was zu wesentlich mehr Gewalt führte.
    2. Sanfter Handel: Kein vernünftiger Geschäftsmann wird seine Handelspartner und Kunden bekriegen.
    3. Verweiblichung: Frauen sind friedlicher als Männer. Durch die Frauenbewegung wurde unsere Welt friedlicher.
    4. Der sich erweiternde Kreis: Durch den internationalen Handel und den kulturellen Austausch sinkt die Bereitschaft, andere Völker zu bekriegen.
    5. Rolltreppe der Vernunft: Menschen sind im Laufe der Zeit im Sinne der Aufklärung immer vernünftiger geworden. Pinker zeigt an einer Reihe von Hinweisen, dass Lesen (auch Romane), wissenschaftliches Denken und Allgemeinbildung friedfertig macht. Er sieht dabei einen Rolltreppen-Effekt: ist einmal ein erster Schritt in Richtung Vernunft getan, läuft die Entwicklung von alleine in diese Richtung weiter, sofern sie nicht durch eine massive Katastrophe rückgängig gemacht wird.

    Es ist ein ausserordentliches, ein wichtiges Buch, weil es Dinge sagt, die sonst nicht gesagt werden. Ob man sich für die über 1000 Seiten Zeit nehmen will, ist eine andere Frage. Sicher wäre auch das ein Schritt zu mehr Friedfertigkeit.
  16. Cover des Buches Drachen, Doppelgänger und Dämonen (ISBN: 9783499629723)
    Oliver Sacks

    Drachen, Doppelgänger und Dämonen

     (8)
    Aktuelle Rezension von: PhilippWehrli
    Mit etwa fünf Jahren hatte ich als Nebenwirkung eines Hustensirups Halluzinationen. Ich sah verschiedene leuchtende unheimliche Tiere. Seither bin ich misstrauisch, wenn jemand sagt, er glaube nur, was er gesehen hat. Mir scheint, dies ist die entscheidende Frage der Erkenntnistheorie: Woran erkenne ich, wie weit meine Sinneseindrücke einer Wirklichkeit entsprechen?

    Deshalb scheint mir fundamental, möglichst genau zu wissen, welches Ausmass Täuschungen annehmen können. In dieser Frage sind Oliver Sacks’ Bücher eine ideale Lektüre. Im hier vorgestellten Werk, ‚Drachen, Doppelgänger und Dämonen’ schildert er eine ganze Reihe eigenartiger Halluzinationen. Wie auch in anderen Büchern geht er dabei kaum auf die neurologischen Hintergründe ein. Halluzinationen können auch bei gesunden Menschen können sporadisch auftreten, sei das durch Übermüdung, Alkohol- oder Drogeneinfluss oder im Zusammenhang mit einem Migräneanfall. Weitere Auslöser sind Höhenkrankheit, Sauerstoffmangel, Halbschlaf, Medikamente, abgesetzte Medikamente oder Drogen, Dehydrierung, grosse Trauer, Epilepsie oder Schizophrenie.

    Was der Betroffene an Halluzinationen erleben kann, sprengt die Vorstellungskraft des nicht Betroffenen. Alles, was Sie in Gruselfilmen je gesehen haben, scheint sich hier tatsächlich abzuspielen. Z. B.:

    • Eine Stimme kommandiert Sie herum.
    • Musik spielt wunderschön.
    • Beliebige Farbeffekte und Muster tauchen auf.
    • Jemand atmet direkt neben Ihnen.
    • Riesige Spinnen, Mäuse, Würmer oder anderes Ungeziefer krabbeln durchs Zimmer.
    • Die Figuren eines Films oder eines Gemäldes klettern plötzlich aus dem Fernseher oder aus dem Bild und rennen im Zimmer umher.
    • Sie schrumpfen plötzlich zum Zwerg, so dass Sie sich hinter einem Lippenstift verstecken können.
    • Sie wachsen riesenhaft gross und sehen andere Menschen winzig klein.
    • Die ganze Welt wirkt plötzlich fremd. Sie erkennen Ihre eigene Mutter nicht mehr, obwohl Sie wissen, dass diese genau so aussieht.
    • Alles wirkt plötzlich bekannt und vertraut, obwohl es neu ist. Sie sind überzeugt, alles schon einmal erlebt zu haben.
    • Der freundliche Verkäufer verwandelt sich unversehens in ein Gruselmonster und Würmer kriechen aus seinem Gesicht.
    • Im Türrahmen hängen vermodernde Leichen.
    • Sie schweben durchs Zimmer.
    • Ihre Beine oder die eines Anderen sind plötzlich verkürzt oder ungleich lang.
    • Sie sehen plötzlich alles ganz hell und klar, erleben ein überirdisches Glücksgefühl und wissen, dass Gott zu Ihnen spricht.
    • Sie lesen ein Buch und lesen da Dinge, an die Sie sich später erinnern, aber nie mehr finden können.
    • Ein Alltagsgegenstand vervielfältigt sich und steht in mehreren Kopien vor Ihnen.
    • Eine Person geht in gleichen Zeitabständen auf genau die gleiche Weise immer wieder an Ihnen vorbei.

    Viele dieser Erlebnisse werden problemlos als Halluzination erkannt, andere erscheinen völlig real. Welche real erscheinen und welche nicht, ist kaum davon abhängig, wie verrückt die Erlebnisse sind. Jeder gesunde Menschenverstand und jede Logik, was möglich ist und was nicht, kann ausgeschaltet werden. Denn gesunder Menschenverstand und Logik, die schliesslich vom Gehirn produziert werden, können natürlich auch durch eine Gehirnstörung ausser Kraft gesetzt werden. Das Beispiel des Anton-Syndroms mag dies erleuchten: Patienten mit dem Antonsyndrom sind völlig blind, bemerken dies aber nicht. Werden sie aufgefordert, ein Zimmer zu beschreiben, kommen sie dieser Aufforderung nach und erzählen voller Überzeugung viele Details über das Zimmer. Allein, das Zimmer sieht völlig anders aus. Wenn sie im Zimmer umher gehen und dabei gegen Möbel stossen, fällt ihnen keineswegs auf, dass sie diese ja gar nicht sehen, sondern sie erklären z. B., die Möbel seien verschoben worden. Ansonsten sind Anton-Patienten aber voll zurechnungsfähig.

    Da erhebt sich doch die Frage, ob wir nicht alle –oder auch nur ich?- auf ähnliche Weise grosse Teile der Welt nicht wahrnehmen, ohne es überhaupt zu bemerken. Was können wir tun, um diese Gefahr zu minimieren? – Das scheinen mir die bedeutsamen Fragen der Erkenntnistheorie. Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich Leute treffe, die sich ‚Erkenntnistheoretiker’ nennen, dann aber feststelle, dass sie nur gerade Kant gelesen, aber nie über derartige Fragen nachgedacht haben.

    Wer sich dafür interessieren, wie Wissen begründet werden kann, findet bei Oliver Sacks einige Warnlampen, die er beachten sollte. Wer eine Theorie des menschlichen Bewusstseins oder der Seele begründen will, findet einige unerwartete Phänomene, die durch so eine Theorie erklärt werden sollten. Wer aus eigener Erfahrung oder aus ihrem Umfeld ähnliche Phänomene kennt, findet Leidensgenossen und Verständnis. Wer gesund ist, aber sich auf mögliche zukünftige Halluzinationen vorbereiten will, findet Anschauungsmaterial. Falls Sie morgen beim Aufwachen feststellen, dass sie von einer Riesenschlange umschlungen werden, schlafen Sie getrost noch eine Runde. Sofern Sie in Deutschland und nicht in der Nähe eines Zoos wohnen, haben Sie gute Chancen, dass dies reine Einbildung ist. Und sonst ist’s eh zu spät.

    Hier habe ich einige der Halluzinationen in Kurzfassung zusammen gefasst:
    https://fragen-raetsel-mysterien.ch/experimente-und-fakten-zum-thema-bewusstsein/
  17. Cover des Buches Die Pilotenkonferenz (ISBN: 9783734733550)
    Harald Mayer

    Die Pilotenkonferenz

     (11)
    Aktuelle Rezension von: Blaustern
    Der junge Tom hat seinen Abschluss an der Eliteuniversität mit Bravour bestanden und wird nun zu einer Konferenz des „Vereins der Piloten mit Herz und Verstand“ eingeladen. Merkwürdig ist nur, dass er nicht weiß, von wem die Einladung stammt noch wer der Organisator ist und warum ausgerechnet er eingeladen wird. Trotzdem entscheidet er sich dafür teilzunehmen. Er bekommt einen Mentor gestellt, der ihm mit Rat und Tat zur Seite steht. Chris. Doch seine brennendsten Fragen kann er ihm auch nicht beantworten. Das Thema ist Entscheidungsfindung. Vorträge finden statt. Warum entscheiden wir so wie wir entscheiden? Doch was ist das eigentliche Ziel dieser Veranstaltung, die einen so hohen Preis hat?
    Hier werden in Romanform mit einem spannenden Geschehen aktuelle Erfahrungen präsentiert. In den unterschiedlichen Vorträgen, die Tom besucht, werden die Tatsachen dargelegt, die anschließend noch einmal in einer Diskussion durchleuchtet werden. So erfahren auch wir zusammen mit Tom Neuigkeiten zum Thema Entscheidungsfindung und wie der Mensch von gewissen Stellen dabei beeinflusst wird, manchmal wird man sogar regelrecht gesteuert, ohne es zu merken. All das ist möglich durch die neueste Gehirnforschung. Sehr interessant ist auch, wie sich diese Leute die Statistiken geraderücken, damit sie für bestimmte Personen passgerecht sind. Man kann hier eine Menge lernen und darüber nachdenken und ist so in Zukunft besser gewappnet. Zum leichteren Verständnis werden Praxisversuche dargeboten, die gut nachvollziehbar sind. Und ein jeder sollte gut auf sein Unterbewusstsein aufpassen. ;)
  18. Cover des Buches Das Jesus-Experiment (ISBN: 9783945362334)
    Bernd Roßbach

    Das Jesus-Experiment

     (63)
    Aktuelle Rezension von: Monika_Grasl
    Was mir bei diesem Thriller auf Anhieb gefiel, war die Mischung aus typischen Thriller und zugleich einem Hauch von Science Fiction, wenn man sich den Klappentext durchliest.
    Der Umstand, dass Erinnerungen vererbar sind und Bilder für jedermann zugänglich werden können hat schon einen besonderen Touche und so tauchte ich ein in die Geschichte.

    Der Schreibstil des Autors  ist durchweg flüssig zu lesen. Schwerlich kann man das Buch aus der Hand legen und wenn es doch dazu kommt lässt einen die Story nicht los.
    Das ist zu einem großen Teil auch den Charakteren geschuldet, aber ebenso den Städten, die der Autor hier einbaut. Ein wenig enttäuscht war ich schon, dass es am Ende die allseitsbekannten Orte sind und nicht mal etwas neues gewagt wurde. Auf der anderen Seite bietet es sich an und das Cover macht diesen Umstand bereits deutlich, von daher kann man mit den gewählten Städten zufrieden sein.

    Was gelegentlich etwas rausreißt aus der Handlung ist der Sprung zwischen den Figuren, aber das ist für mich bloß ein kleiner Kritikpunkt.
    Die Idee war jedenfalls mal etwas anderes und die Gegenden sehr gut beschrieben.

    Fazit: Wenn man Dan Brown gelesen hat, kommt man um diesen Mysteriethriller schwerlich herum.
  19. Cover des Buches Das weibliche Gehirn (ISBN: 9783442155163)
    Louann Brizendine

    Das weibliche Gehirn

     (18)
    Aktuelle Rezension von: illunis
    Eine Freundin hat mir das Buch ausgeliehen und ich war von der ersten Seite an begeistert! Es ist (entgegen meiner Befürchtungen) überhaupt nicht wissenschaftlich hochgestochen geschrieben, so das wirklich jeder alle Studienergebnisse etc. nachvollziehen kann. Durch dieses Buch versteht man sich selbst (bzw. Frauen) einfach viel besser. Manchmal habe ich mich auch schon gefragt warum ich in den gleichen Situationen ganz unterschiedlich reagiere. Jetzt haben wir die Antwort: Die Hormone sind schuld!! Zumindest oft... Ich kann das Buch wirklich jeder Frau ab der Pubertät empfehlen, jeder Mutter aber vor allem: jedem Mann, der gewillt ist die Frauenwelt etwas besser zu verstehen!!
  20. Cover des Buches Lernen (ISBN: 9783827417237)
    Manfred Spitzer

    Lernen

     (16)
    Aktuelle Rezension von: Ralf_Carsten_Jann

    Wer sich damit beruflich beschäftigt verliert gelegentlich den Blick für das Einfache. Dieses Buch sollte allen Pädagogen gegeben werden.

  21. Cover des Buches Kritik der mörderischen Vernunft (ISBN: 9783548269542)
    Jens Johler

    Kritik der mörderischen Vernunft

     (41)
    Aktuelle Rezension von: badwoman
    Dieses Buch über die Hirnforschung und deren mögliche Folgen ist sehr spannend geschrieben. Es geht um "Menschenzucht" und darum, ob alles, was machbar ist, auch verwirklicht werden sollte. Ist es sinnvoll, religiöse Eiferer (den 11.9. werden wir alle nicht vergessen) schon vor eventuell geplanten Attentaten so zu manipulieren, dass diese Attentate abgewendet werden können? Wo gäbe es dann noch Grenzen in der Wissenschaft? Wer würde entscheiden, was einen Menschen ausmacht? Wo bleiben Moral und Menschlichkeit? Diese ganzen Fragen wurden in einen wirklich spannenden Krimi verpackt: Der Journalist Troller ist auf mysteriöse Weise in eine Mordserie verstrickt, der Hirnforscher zum Opfer fallen. Erst spät werden die Zusammenhänge deutlich. Auch seine Freundin wird in den Fall hineingezogen und begibt sich dadurch in Lebensgefahr. Einige Längen bei philosophischen Erörterungen kann man da getrost vernachlässigen. Für mich persönlich war es auch ein lehrreiches und schockierendes Buch, denn vieles, wie im Nachwort des Autoren nachzulesen ist, ist nicht frei erfunden, sondern seriös recherchiert. Der Titel dieses Buches hätte mich unter normalen Umständen allerdings nicht angesprochen oder animiert, dieses Buch zu kaufen. Umso besser, dass ich es vorablesen durfte, sonst hätte ich ein wirklich gutes Buch wahrscheinlich nicht gelesen!
  22. Cover des Buches Ich fühle, also bin ich (ISBN: 9783548601649)
    Antonio R. Damasio

    Ich fühle, also bin ich

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Micha_M
    Damasio versucht in diesem Buch das Bewusstsein mit Hilfe neurologischen Anatomie (und den in Gehirn und Körper entstehenden Emotionen) als auch mit Sprache und Körper(-sprache) zu erklären.Anschließend findet der Leser ein Fachwörter-Glossar, das einem das Lesen deutlich vereinfacht. Das Lesen an sich ist kein Problem, da es sprachlich zwar nicht ganz leicht ist (vor allem wegen der ganzen neurologischen Begrifflichkeiten), dies aber durch Illustrationen und das Glossar ausgeglichen wird. Mutig finde ich, dass Damasio hier ein eher philosophisches Thema mit der Neurologie in Verbindung bringt, was mich zunächst etwas skeptisch machte. Aber diese Verknüpfung ist perfekt gelungen und bereitet dem Leser viel Spaß. Was den Leser manchmal auch erschrecken könnte, sind die Fallbeispiele aus Damasios Praxis (habe ich so mitbekommen), aber sie verdeutlichen präzise, was Damasio einem nahelegen möchte. Empfehlung: Kann eigentlich jeder lesen, ob Philosoph, Neurobiologe oder einfach nur eine Leseratte spielt wirklich keine Rolle.
  23. Cover des Buches PROFILE - Die Prognose (ISBN: 9783841421500)
    Christy Seifert

    PROFILE - Die Prognose

     (28)
    Aktuelle Rezension von: lizzie123

    Spannendes Jugendbuchdebüt, das zum Nachdenken anregt.

    An der Quiet High, die Daphne seit kurzem besucht, ereignet sich ein Amoklauf, bei dem aber niemand, außer dem Täter selbst, stirbt. Nun soll das Programm PROFILE, das Daphnes Mutter mitentwickelt hat, alle Schüler testen und voraussagen, welche von ihnen ein Sicherheitsrisiko darstellen. Bald sollen die Ergebnisse veröffentlicht werden und alle sind zunehmend angespannt. Auch Daphne, denn Jesse, in den sie sich verliebt hat, scheint ihr etwas zu verheimlichen – etwas, das mit PROFILE zu tun hat…

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da die Geschichte nicht nur sehr spannend war, sondern mich auch das Thema generell interessiert hat, da es sehr aktuell ist.
    In der ersten Hälfte des Buches, als die PROFILE-Ergebnisse noch nicht veröffentlicht sind, ist das Buch eher wie ein Roman, es geht um Jesse und Daphne und wie sie sich in der High-School einlebt und es gibt auch lustige Stellen. Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse ändert sich das aber und das Buch wird deutlich ernster und auch etwas belastend, da man dazu gebracht wird über PROFILE bzw. Umgang mit den Schülern mit Prognose nachzudenken und auf welche Seite man sich stellen würde.
    Der Schreibstil der Autorin hat mir auch sehr gut gefallen und die Charaktere sind sehr gut beschrieben. Ich mochte Daphne sehr, weil sie – ebenso wie ihre Mutter Melissa – zu ihrer Meinung steht und diese mutig vertritt. Auch die meisten anderen Personen waren mir sehr sympathisch und haben sich auch im Laufe der Geschichte entwickelt.
    Insgesamt sehr gut und ich würde das Buch auf jeden Fall weiterempfehlen :)

    Meine Meinung zum Programm PROFILE:
    Ich denke (wie wahrscheinlich jeder andere, der das Buch gelesen hat), dass mit den Ergebnissen falsch umgegangen wird; sie sollten nicht veröffentlicht werden. Noch schlimmer finde ich allerdings diese Art „Rassentrennung“, die nach der Veröffentlichung der Ergebnisse beginnt. Die Schüler mit Prognose in eine eigene Schule zu stecken und zu isolieren scheint mir völlig kontraproduktiv und verstärkt das antisoziale Verhalten der „Guten“, der Schüler ohne Prognose, noch mehr. Außerdem ist es mehr als nur ungerecht Menschen für etwas zu bestrafen, das sie noch getan – von dem man nicht weiß, ob sie es jemals tun werden. Diese zukünftigen Verbrecher, als die sie jetzt schon abgestempelt sind, sehen vielleicht jetzt gar keinen Ausweg mehr und werden wirklich Verbrecher, was vielleicht ohne PROFILE nie passiert wäre. Oder sie werden immer als potenzielle Verbrecher angesehen, obwohl sie niemals ein Verbrechen begehen werden, da jeder Mensch sich ändern und seine Handlungen selbst bestimmen kann. Andererseits wer sagt, dass nicht jemand ohne Prognose ein Verbrechen begehen könnte?

    Ich denke nicht, dass es jemals ein Programm geben könnte, das uns voraussagen kann, wer ein Gewaltverbrechen begehen wird, sondern maximal eines, das die Personen mit dem größten Risiko ein Gewaltverbrecher zu werden, erkennt. Diese Leute sollte man dann aber besonders in die Gesellschaft integrieren und nicht isolieren, schließlich haben sie noch kein Verbrechen begangen!

  24. Cover des Buches Gehirn und Geist (ISBN: 9783406488368)
    Gerald M. Edelman

    Gehirn und Geist

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden

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