Bücher mit dem Tag "gehirnforschung"
22 Bücher
- Sebastian Fitzek
Splitter
(2.331)Aktuelle Rezension von: LeylascrapEhrlich gesagt kam bei mir die Frage auf, wie krank die Menschheit sein kann?! Allein die Gedanken dazu sind ja schon schrecklich, aber leider gibt es ja genau solche Menschen unter uns. Das beunruhigt einen ja noch mehr.
Die Geschichte nimmt einen vollständig in seinen Bann. Man muss einfach wissen, ob der Protagonist einfach nur krank ist oder sein Umfeld? Wem kann man trauen und wem nicht? Der Charakter Emma in dem Buch, hat mir besonders gefallen. Viele interessante Charaktere und man bleibt am Ende nachdenklich zurück. Was hätte man selbst getan?
- Oliver Sacks
Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte
(151)Aktuelle Rezension von: belli4charlotteIch bin auf das Buch gekommen durch eine neurologische Fortbildung zur Kognition. Denn dieses Buch ist dabei einzigartig gut. Es steckt voller skurriler Fälle und dabei eben mehr als lehrreich.
Das Gehirn als komplexes System voller Irrungen und Wirrungen und das zerbrechliche Sein.
Zum Beispiel gibt es da ein Mann mit medizinisch gesunden Augen und überdurchschnittlicher Intelligenz, der aber nach und nach nach seine Fähigkeit Bilder wahrzunehmen verliert. Was steckt dahinter, zudem er es selbst gar nicht wirklich wahrnimmt. Statt seinen Hut zu nehmen nimmt er den Kopf seiner Frau in die Hand.So auch der Titel des Buches.
Ein anderes Fallbeispiel legt dar, wie es ist, wenn man plötzlich sein eignes Bein als ein fremdes Bein anzieht und es lieber abgeschnitten bekommen will.
Das Leben mit Psychosen, Paresen , Anogsien oder auch anderen hirnorganischen Schäden werden hier unter die Lupe genommen und dabei emotional und nicht nur rein medizinisch betrachtet, so dass es auch Laien möglich ist den einzelnen Geschichten zu folgen und einen Einblick in die Neurologie zu bekommen. Eine Art Fachliteratur in Romanform. Definitiv zu empfehlen.
- E.O. Chirovici
Das Buch der Spiegel
(362)Aktuelle Rezension von: DoraLupinIm Buch geht es um mehrere Personen, die ihre Geschichte und ihre Recherchen zu einem einzigen Mord erzählen, der schon 25 Jahre zurück geht. Dabei sagt der eine das Gegenteil vom andren und es bleibt bis zum Schluss rätselhaft was denn eigentlich passiert ist in der Mordnacht.
Ich bin auf das Buch aufmerksam geworden auf Grund des Covers. Ich finde es toll gemacht wie die Stadt sich spiegelt und dazu der Titel des Buches, passt perfekt.
Es war zunächst eigenartig diesen Roman aus Sicht von 3 Protagonisten bzw erzählen zu lesen aber mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Ist auf jeden Fall eine super Idee und für mich noch nie dagewesen wie der Autor diesen Mordfall erzählt. Man ist vor jeder Person auf der Hut, die in Verbindung zum Mordfall steht.
Sehr spannend gemacht, eine ganz eigene Idee, eine ganz eigene Schreibweise. Etwas sehr neues!
Nur das Ende hat mich etwas ratlos zurück gelassen, da hätte ich gern nochmal die Sicht aus dem Manuscript gehabt....deshalb einen Stern Abzug. Ansonsten sehr gut gemacht! - Manuela Macedonia
Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke
(47)Aktuelle Rezension von: Jana_HomIn diesem Buch wird dem Leser tiefergehendes Wissen im Bezug auf Bewegung und die guten Auswirkungen auf das Gehirn nähergebracht. Es sind zahlreiche interessante Studien enthalten und Erzählungen aus dem Leben und den eigenen Erfahrungen der Autorin. Dieses Buch ist mit zahlreichen Bildern gestaltet. Mich motiviert dieses Buch mich noch etwas mehr zu bewegen im Alltag.
- Arno Strobel
Der Trakt
(854)Aktuelle Rezension von: rose7474Dieser Thriller konnte mich ab der ersten Seite fesseln und er hat mich gut unterhalten. Der Schreibstil des Autoren war wie gewohnt schnörkellos und sehr gut zu lesen.
Die Auflösung war nicht so meins, da es in Richtung SFI ging.
Daher 4 Sterne.
Doch von Arno Strobel werde ich auf jeden Fall noch mehr lesen.
- David Eagleman
The Brain
(26)Aktuelle Rezension von: kleinstadtstudentiin„The Brain“ ist ein bemerkenswertes Buch über das komplizierteste und beeindruckendste Organ, das die Natur je hervorgebracht hat - das Gehirn. In „The Brain“ beschreibt der renommierte Neurowissenschaftler David Eagleman die Entwicklungen und Prozesse unseres Gehirns von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter hinein, und geht auf verschiedene Themen wie z.B. optische Täuschungen und Erkrankungen ein.
Obwohl es sich hierbei um ein an sich sehr komplexes Fachgebiet handelt, führt David Eagleman seine Leser*innen auf eine sehr spannende und laiengerechte Weise an das Thema heran und vermittelt gleichzeitig grundlegende Informationen über das Gehirn, ohne mit seiner Informationsdichte erschlagend zu wirken. Eine klare Leseempfehlung!
- Kevin Dutton
Gehirnflüsterer
(19)Aktuelle Rezension von: YourGraceKevin Dutton ist ein Genie - Er schreibt für alle Leser gut verständlich und interessant, auch wenn man sich in dem Gebiet nicht gut auskennt. Wie kann es sein, dass wir tagtäglich ohne es zu merken manipuliert werden? Was sind die Schlüsselreize, die die eine oder andere bestimmte Empfindung oder Reaktion im Unterbewusstsein auslösen? Wie kann man andere dazu bringen, genau das zu tun, was man will? Wie kann man SICH SELBST beeinflussen?
All das steht in diesem Buch. Mit interessanten Beispielen und Geschichten aus dem eigenen Leben erläutert Kevin die menschliche Psyche - es ist interessant herauszufinden, wie man selbst tickt...und wie man seine eigenen Schwächen austricksen kann. - Anil Seth
Das Gehirn in 30 Sekunden
(3)Aktuelle Rezension von: annlu*Unser Verständnis des menschlichen Gehirns steckt noch immer in den Kinderschuhen...*
Vom Aufbau des Gehirns, über die unterschiedlichsten Theorien werden die Themen Bewusstsein, Wahrnehmung, Emotionen und das sich verändernde Gehirn angesprochen. Eingeleitet durch ein Glossar hängen die Beiträge jedes Kapitels zwar thematisch zusammen, jede Doppelseite behandelt aber in Kürze ein eigenes dazu passendes Thema. Neben einem 3-Sekunden-Überblick und dem 30-Sekunden- Textteil gibt es Kurzbiografien, Querverweise und einen weiterführenden Beitrag. Jede Doppelseite wird von einem Bild begleitet und jedes Kapitel stellt einen bedeutenden Wissenschaftler näher vor.
Bereits das Vorwort spricht die Komplexität des Themas an – so nimmt das Buch nicht für sich in Anspruch einen vollständigen Einblick in die Gehirnforschung zu geben. Das Basiswissen wird hier allerdings abgedeckt. Die einführenden Kapitel zum Aufbau des Gehirns und seiner Funktionsweise (zumindest das was bekannt ist) hätte ich mir in einer anderen Form gewünscht. Durch den Aufbau des Buches kann zwar zu den Themen gewechselt werden, die den Leser interessieren, aber dadurch standen die einzelnen Beiträge auch etwas isoliert da. Die Zusammenhänge musste ich mir also öfters selbst aufbauen.
Die weiterführenden Kapitel allerdings waren sehr interessant. Besonders das um die Wahrnehmung brachte mir eine Reihe neuer Informationen. Auch „Das Bewusstsein“ und das Kapitel um die Emotionen haben das Gehirn aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, der für mich von Interesse war. Die Bilder dabei hatten zwar weniger informativen als vielmehr dekorativen Charakter, dennoch haben sie einen guten Eindruck bei mir hinterlassen.
Fazit: Der Aufbau des Buches lädt dazu ein, sich auf die Themen zu konzentrieren, die einem am meisten interessieren. Für mich hat es viele neue Informationen gebracht, allerdings hätte ich mir manchmal mehr davon gewünscht.
- Steven Pinker
Gewalt
(10)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliDieses Buch hat mir richtig gut getan! – Die Menschheit wurde über die Jahrhunderte und Jahrtausende immer friedlicher. Wir leben in der friedlichsten Zeit seit Menschengedenken. Diese Behauptung hat mich überrascht. Aber sie ist wohl begründet. In allen Bereichen unseres Lebens hat die Gewalt abgenommen: Nie gab es so wenige Kriege, nie gab es –im Verhältnis zur Bevölkerung- so wenige Kriegsopfer, nie so wenige Gewaltdelikte, nie so wenig Gewalt gegen Frauen und Kinder. In Pinkers Worten: „Der Rückgang der Gewalt dürfte die bedeutsamste und am wenigsten gewürdigte Entwicklung in der Geschichte unserer Spezies sein.“
Da schüttelt wohl manch ein Leser verwundert den Kopf. Aber schauen wir doch einige Beispiele an:
- Kleinkriminelle werden bei uns nicht mehr gekreuzigt.
- Katzenverbrennen ist keine Volksbelustigung mehr.
- Wir gehen mit unseren Kindern nicht mehr ins Amphitheater um mit ihnen beim blutigen Völkermord zuzuschauen.
- Der Kasperle im Kasperletheater bringt keine Babys mehr um.
- An unseren Strassenrändern stehen keine Galgen mit erhängten Dieben.
- Wir verbrennen keine Hexen mehr.
- Wir müssen nicht unseren Onkel ermorden, um Gemeindepräsident zu werden.
- Wir machen kein tödliches Duell, wenn der Nachbar sagt, mein Hund werde alt.
- Kriege bestehen nicht mehr darin, so viele Untertanen des Feindes wie möglich umzubringen und deren Ernte und Gebäude zu zerstören, um dem feindlichen Ritter die Einnahmequelle zu rauben.
Pinker belegt seine These aber nicht nur mit Einzelbeispielen, sondern auch mit einer ganzen Reihe sorgfältig ausgewerteter Statistiken. Dabei stellt sich die Frage, welche Zahlen relevant sind. Ist es schlimmer, wenn in einem Krieg 5'000 von 10'000 Menschen getötet werden, oder ist es schlimmer, wenn 50'000 von einer Million sterben? Als Soldat habe ich im zweiten Fall wesentlich bessere Überlebenschancen und das ist wohl, was mich in diesem Moment interessiert. Deshalb vergleicht Steven Pinker jeweils nicht die absoluten Zahlen (5'000 gegen 50'000), sondern die prozentualen Anteile (50% gegen 5%).
Was sagen also die Statistiken? – Eine Auswahl aus den reichen Daten:
- Unter den prähistorischen Leichen finden wir praktisch keine, die nicht Spuren von Gewalt trägt.
- Zwischen 14'000 und 1770 v.u.Z., bevor staatlich organisierte Gesellschaften entstanden, starben im Durchschnitt 15% der Menschen einen gewaltsamen Tod
- In Jäger- und Sammlergemeinschaften blieb der Anteil gewaltsamer Todesfälle bis in die jüngste Zeit auf diesem hohen Niveau.
- Bei vorstaatlichen Gesellschaften, in denen teils gejagt und gesammelt und teils Ackerbau betrieben wird, ist die Gewaltrate am höchsten: Im Durchschnitt sterben da 24,4% an Gewalt.
- Durch die Gründung von Staaten sank die Gewalt auf einen Drittel bis einen Fünftel: Nur noch 5% der Menschen wurden von anderen Menschen getötet.
- Seither ist die Gewaltquote stetig, mit einigen Rückschlägen, weiter gesunken. Die blutigsten Jahrhunderte Europas seit der Gründung moderner Staaten waren die Religionskriege im 17. Jh., als 2% der Bevölkerung durch Gewalt starben, und die zwei Weltkriege, in denen es 3% waren.
- Heute sind die Anteile der Kriegsopfer weltweit bei etwa 0,03%. Wenn man für die USA auch die Zivilpersonen dazu zählt, die durch eigene Landsleute umgebracht werden, kommt man auf 0,8%. In anderen westlichen Staaten sind es noch weniger.
- Die Morde in verschiedenen Gegenden von England vom 13. bis zum 20. Jahrhundert sind um den Faktor 10, 50 und in manchen Fällen um 100 zurückgegangen – zum Beispiel von 110 Morden pro 100'000 Einwohner pro Jahr im Oxford des 14. Jahrhunderts auf weniger als einen Mord pro 100'000 Einwohner Mitte des 20. Jahrhunderts in London.
Pinkers Botschaft ist aber natürlich nicht, dass wir uns nun beruhigt zurücklehnen sollten. Die heutige Gewalt wird nicht dadurch besser, dass es früher noch viel schlimmer war. Vielmehr analysiert er die Ursachen für die Gewalt und für die Verbesserungen und untersucht wie Kriege geschlichtet werden können. Als „fünf innere Engel“, die uns dabei helfen, ortet er:
1. Den Leviathan (vor Pinker kannte ich nicht einmal diesen Ausdruck): Eine solide Gesetzgebung und eine Polizei, von denen sich die breite Bevölkerung und auch die Minderheiten vertreten fühlen. Gar nicht gut zu sprechen ist Pinker dagegen auf die Kultur der 60er Jahre, in der die Forderung nach Ruhe und Ordnung als spiessbürgerlich verhöhnt wurde, was zu wesentlich mehr Gewalt führte.
2. Sanfter Handel: Kein vernünftiger Geschäftsmann wird seine Handelspartner und Kunden bekriegen.
3. Verweiblichung: Frauen sind friedlicher als Männer. Durch die Frauenbewegung wurde unsere Welt friedlicher.
4. Der sich erweiternde Kreis: Durch den internationalen Handel und den kulturellen Austausch sinkt die Bereitschaft, andere Völker zu bekriegen.
5. Rolltreppe der Vernunft: Menschen sind im Laufe der Zeit im Sinne der Aufklärung immer vernünftiger geworden. Pinker zeigt an einer Reihe von Hinweisen, dass Lesen (auch Romane), wissenschaftliches Denken und Allgemeinbildung friedfertig macht. Er sieht dabei einen Rolltreppen-Effekt: ist einmal ein erster Schritt in Richtung Vernunft getan, läuft die Entwicklung von alleine in diese Richtung weiter, sofern sie nicht durch eine massive Katastrophe rückgängig gemacht wird.
Es ist ein ausserordentliches, ein wichtiges Buch, weil es Dinge sagt, die sonst nicht gesagt werden. Ob man sich für die über 1000 Seiten Zeit nehmen will, ist eine andere Frage. Sicher wäre auch das ein Schritt zu mehr Friedfertigkeit. - Oliver Sacks
Drachen, Doppelgänger und Dämonen
(9)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliMit etwa fünf Jahren hatte ich als Nebenwirkung eines Hustensirups Halluzinationen. Ich sah verschiedene leuchtende unheimliche Tiere. Seither bin ich misstrauisch, wenn jemand sagt, er glaube nur, was er gesehen hat. Mir scheint, dies ist die entscheidende Frage der Erkenntnistheorie: Woran erkenne ich, wie weit meine Sinneseindrücke einer Wirklichkeit entsprechen?
Deshalb scheint mir fundamental, möglichst genau zu wissen, welches Ausmass Täuschungen annehmen können. In dieser Frage sind Oliver Sacks’ Bücher eine ideale Lektüre. Im hier vorgestellten Werk, ‚Drachen, Doppelgänger und Dämonen’ schildert er eine ganze Reihe eigenartiger Halluzinationen. Wie auch in anderen Büchern geht er dabei kaum auf die neurologischen Hintergründe ein. Halluzinationen können auch bei gesunden Menschen können sporadisch auftreten, sei das durch Übermüdung, Alkohol- oder Drogeneinfluss oder im Zusammenhang mit einem Migräneanfall. Weitere Auslöser sind Höhenkrankheit, Sauerstoffmangel, Halbschlaf, Medikamente, abgesetzte Medikamente oder Drogen, Dehydrierung, grosse Trauer, Epilepsie oder Schizophrenie.
Was der Betroffene an Halluzinationen erleben kann, sprengt die Vorstellungskraft des nicht Betroffenen. Alles, was Sie in Gruselfilmen je gesehen haben, scheint sich hier tatsächlich abzuspielen. Z. B.:
• Eine Stimme kommandiert Sie herum.
• Musik spielt wunderschön.
• Beliebige Farbeffekte und Muster tauchen auf.
• Jemand atmet direkt neben Ihnen.
• Riesige Spinnen, Mäuse, Würmer oder anderes Ungeziefer krabbeln durchs Zimmer.
• Die Figuren eines Films oder eines Gemäldes klettern plötzlich aus dem Fernseher oder aus dem Bild und rennen im Zimmer umher.
• Sie schrumpfen plötzlich zum Zwerg, so dass Sie sich hinter einem Lippenstift verstecken können.
• Sie wachsen riesenhaft gross und sehen andere Menschen winzig klein.
• Die ganze Welt wirkt plötzlich fremd. Sie erkennen Ihre eigene Mutter nicht mehr, obwohl Sie wissen, dass diese genau so aussieht.
• Alles wirkt plötzlich bekannt und vertraut, obwohl es neu ist. Sie sind überzeugt, alles schon einmal erlebt zu haben.
• Der freundliche Verkäufer verwandelt sich unversehens in ein Gruselmonster und Würmer kriechen aus seinem Gesicht.
• Im Türrahmen hängen vermodernde Leichen.
• Sie schweben durchs Zimmer.
• Ihre Beine oder die eines Anderen sind plötzlich verkürzt oder ungleich lang.
• Sie sehen plötzlich alles ganz hell und klar, erleben ein überirdisches Glücksgefühl und wissen, dass Gott zu Ihnen spricht.
• Sie lesen ein Buch und lesen da Dinge, an die Sie sich später erinnern, aber nie mehr finden können.
• Ein Alltagsgegenstand vervielfältigt sich und steht in mehreren Kopien vor Ihnen.
• Eine Person geht in gleichen Zeitabständen auf genau die gleiche Weise immer wieder an Ihnen vorbei.
Viele dieser Erlebnisse werden problemlos als Halluzination erkannt, andere erscheinen völlig real. Welche real erscheinen und welche nicht, ist kaum davon abhängig, wie verrückt die Erlebnisse sind. Jeder gesunde Menschenverstand und jede Logik, was möglich ist und was nicht, kann ausgeschaltet werden. Denn gesunder Menschenverstand und Logik, die schliesslich vom Gehirn produziert werden, können natürlich auch durch eine Gehirnstörung ausser Kraft gesetzt werden. Das Beispiel des Anton-Syndroms mag dies erleuchten: Patienten mit dem Antonsyndrom sind völlig blind, bemerken dies aber nicht. Werden sie aufgefordert, ein Zimmer zu beschreiben, kommen sie dieser Aufforderung nach und erzählen voller Überzeugung viele Details über das Zimmer. Allein, das Zimmer sieht völlig anders aus. Wenn sie im Zimmer umher gehen und dabei gegen Möbel stossen, fällt ihnen keineswegs auf, dass sie diese ja gar nicht sehen, sondern sie erklären z. B., die Möbel seien verschoben worden. Ansonsten sind Anton-Patienten aber voll zurechnungsfähig.
Da erhebt sich doch die Frage, ob wir nicht alle –oder auch nur ich?- auf ähnliche Weise grosse Teile der Welt nicht wahrnehmen, ohne es überhaupt zu bemerken. Was können wir tun, um diese Gefahr zu minimieren? – Das scheinen mir die bedeutsamen Fragen der Erkenntnistheorie. Es erstaunt mich immer wieder, wenn ich Leute treffe, die sich ‚Erkenntnistheoretiker’ nennen, dann aber feststelle, dass sie nur gerade Kant gelesen, aber nie über derartige Fragen nachgedacht haben.
Wer sich dafür interessieren, wie Wissen begründet werden kann, findet bei Oliver Sacks einige Warnlampen, die er beachten sollte. Wer eine Theorie des menschlichen Bewusstseins oder der Seele begründen will, findet einige unerwartete Phänomene, die durch so eine Theorie erklärt werden sollten. Wer aus eigener Erfahrung oder aus ihrem Umfeld ähnliche Phänomene kennt, findet Leidensgenossen und Verständnis. Wer gesund ist, aber sich auf mögliche zukünftige Halluzinationen vorbereiten will, findet Anschauungsmaterial. Falls Sie morgen beim Aufwachen feststellen, dass sie von einer Riesenschlange umschlungen werden, schlafen Sie getrost noch eine Runde. Sofern Sie in Deutschland und nicht in der Nähe eines Zoos wohnen, haben Sie gute Chancen, dass dies reine Einbildung ist. Und sonst ist’s eh zu spät.
Hier habe ich einige der Halluzinationen in Kurzfassung zusammen gefasst:https://fragen-raetsel-mysterien.ch/experimente-und-fakten-zum-thema-bewusstsein/
- Jens Johler
Kritik der mörderischen Vernunft
(42)Aktuelle Rezension von: Tilman_SchneiderTroller ist ein Wissenschaftsjournalist und wird von einem gewissen >Kant< kontaktiert. Dieser begeht grausame Morde an Wissenschaftlern, aber alles im Namen der Wissenschaft. Er hinterlässt Nachrichten und Begründungen und gemeinsam mit Jane eine Kriminaljournalistin macht sich Troller auf die Jagd. Das Feld ist groß und die Beweise führen zu keinem rechten Ergebnis und Kant meldet sich immer wieder und begeht weitere Morde. Was hat die Wissenschaft wirklich verbrochen oder überhaupt nichts? Was wollen Tierrechtler in dem Fall? Ein äußerst spannender Wissenschaftsthriller mit vielen Überraschungen, beklemmenden Situationen und einer kleinen Liebesgeschichte.
- Reinhard Werth
Die Natur des Bewusstseins
(3)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliWerth startet mit der originellen Feststellung Wittgensteins, dass auch subjektive Empfindungen, wie etwa der Schmerz, den Wissenschaften zugänglich sind. Denn würde das Wort ‚Schmerz’ etwas rein Subjektives bezeichnen, so würde es im Gespräch zu Verwirrung führen, weil ja keiner wissen könnte, was der andere darunter versteht. Das Bewusstsein und die subjektiven Erlebnisse, die den Inhalt des Bewusstseins bilden, sind also nicht rein privat, sondern anderen Personen zugänglich.
So findet der Leser eine ganze Reihe kluger Bemerkungen und Erklärungen, die irgendwie mit dem Bewusstsein, mit der Wahrnehmung oder mit dem Willen zu tun haben. Aber die Gesamtaussage ist mir jedenfalls nicht wirklich klar geworden. Dabei sind die einzelnen Abschnitte durchaus empfehlenswert.
Empfehlenswert für alle Lehrpersonen ist der lange Abschnitt über die Aufmerksamkeit. Während Aufmerksamkeitsstörungen unter Psychologen und Pädagogen alltäglich diskutiert werden, ist auch in die Fachliteratur bemerkenswert vage, was Aufmerksamkeit eigentlich ist. Reinhard Werth, der sich schon in seinem Buch ‚Legasthenie und andere Lesestörungen’ mit dem Lernen befasst hat, macht auch hier verständlich, was bei gewissen Lernschwierigkeiten passiert und wie man allenfalls dagegen ankämpfen kann.
Aufschlussreich ist z. B. eine Bemerkung zum Bogenschiessen: Das Hauptproblem beim Bogenschiessen ist, dass der Schütze seine Aufmerksamkeit nicht gleichzeitig auf das Ziel und auf das Loslassen des Pfeiles richten kann. Selbst so einfache Bewegungen, wie einen Pfeil loszulassen, erfordert die volle, ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Schütze bemerkt dies selber nicht, aber während er den Pfeil loslässt, wird er kurzzeitig blind für das Ziel. Dies ist einer der Hauptgründe, weshalb Pfeile daneben gehen. Wenn nun also Schüler behaupten, sie können problemlos neben den Hausaufgaben Musik hören, chatten und einen Fernseher laufen lassen, dann kann man sich nun vorstellen, wie falsch diese Schüler liegen.
Empfehlenswert für Richter und Anwälte sind die Ausführungen zur Frage des freien Willens im Zusammenhang mit dem Strafrecht. Werth zitiert mehrere Paragrafen des deutschen Strafrechts, das aber in anderen europäischen Ländern ähnlich sein dürfte. Insbesondere ist nach dem deutschen Strafrecht nur vorsätzliches Handeln strafbar, sofern nicht das Gesetz bei fahrlässigem Handeln ausdrücklich mit Strafe droht. Ob ein Täter vorsätzlich oder aus dem Affekt gehandelt hat, muss nicht selten von Gerichtsgutachtern beurteilt werden.
Der Autor selber hat z. B. in Experimenten festgestellt, dass eine unvorbereitete Person rund 532 bis 847 Millisekunden benötigt, um seinen Körper vor einem überraschenden Messerstich 50 cm zurück zu ziehen. Wenn also z. B. ein Polizist, der überraschend von einem Verbrecher mit einer Waffe angegriffen wird, innerhalb von etwa 200 Millisekunden auf den Verbrecher schiesst, dann könne dies keine Willensentscheidung sein. Ausser „dass der Polizist sich bereits lange im Voraus dafür entschieden hat, in einer solchen Situation so zu schiessen (da er die oben beschriebenen Zeitverhältnisse kennt) und diese Reaktion so eingeübt hat, dass sie zu einem vorprogrammierten Reflex wurde.“
Nun scheint mir das eher der Normalfall oder zumindest der wünschenswerte Fall zu sein, dass ein Polizist, der mit einer geladenen Waffe unterwegs ist, sich vorher schon einmal überlegt hat, wie er in verschiedenen denkbaren Situationen reagieren würde. Als langjähriger Badmintonspieler weiss ich auch, dass man eine Reaktion nicht sehr lange vorprogrammieren muss. Es reicht durchaus, während des Spiels zu entscheiden, den nächsten Smash in die rechte hintere Ecke abzuwehren. Bei der konkreten Ausführung habe ich dann auch nicht mehr Zeit als besagter Polizist. Das ist aber auch nicht nötig, weil ich den Schlag schon vorher geplant habe.
Das Thema freier Wille und Strafrecht regt natürlich zu weiteren Diskussionen an. Was soll denn das Ziel einer Strafe sein? – Geht es darum, sich an den Bösewichten zu rächen? Oder wäre es nicht sinnvoller, den zukünftigen Schaden zu minimieren? - Wenn immer mal wieder Äste von einem Baum fallen und Spaziergänger invalide schlagen, frage ich nicht danach, ob der Baum das bewusst macht oder nicht.
Die von Reinhard Werth zusammen gestellten Überlegungen sind also wohl sicher nicht abschliessend. Aber sie sind eine gute Grundlage für den wichtigen Dialog zwischen Strafrechtlern und Gehirnforschern.
Bemerkenswert deutlich ist in diesem Zusammenhang Werths Fazit, wenn es um Wiederholungstäter geht: „Die häufig geübte Praxis, Wiederholungstäter fortwährend mit Bewährungsstrafen oder kurzen Gefängnisstrafen zu belegen und ihnen unermüdlich psychotherapeutische oder sozialtherapeutische Massnahmen angedeihen zu lassen, kann nur als Unkenntnis oder vorsätzliches Ignorieren psychobiologischer Erkenntnisse gewertet werden.“
Empfehlenswert ist das Buch auch für alle, die mit Patientenverfügungen und insbesondere mit Sterbehilfe zu tun haben. Denn die Frage nach der Willensfreiheit stellt sich natürlich auch bei Patientenverfügungen.
Ein weiteres Gebiet, das wohl einige Leser interessiert, ist die Frage, ob Tiere ein Bewusstsein haben. Auch dazu findet man einige interessante Fakten, obwohl das Buch in dieser Frage nicht sehr in die Tiefe geht.
Man kann nicht behaupten, Reinhard Werth habe das Bewusstsein in diesem Buch erklärt. Er hat einige interessante Aspekte dazu aufgezeigt. Aber auch wenn sicher noch einige Diskussionspunkte offen sind, hat er zur Frage, ob es eine unsterbliche Seele gibt eine klare Antwort, der wohl die meisten Gehirnforscher zustimmen würden:
„Aus allen wissenschaftlich fundierten Erkenntnissen folgt unzweifelhaft, dass ohne Hirnfunktion keine unserer Fähigkeiten, Empfindungen, Erfahrungen und nichts, was unser Bewusstsein sonst ausmacht, existieren kann.“
Auch zu dieser Behauptungen findet man eine gute aber gewiss nicht ganz abschliessende Begründung in diesem Buch. - William H. Calvin
Die Symphonie des Denkens
(1)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliDer Neurologe, Psychiater und Verhaltensforscher William Calvin führt uns bei einem wundervollen Spaziergang zu einem vertieften Verständnis, was Bewusstsein ist und wie es zu Stande kommt. Er präsentiert dazu eine angenehme Mischung aus Grundwissen über den Gehirnaufbau, die Evolution und künstliche Intelligenz, aufgelockert durch Anekdoten, viele kluge Zitate und verblüffende Resultate aus der Forschung. Nie hat man das Gefühl, ein Lehrbuch zu lesen, stets lernt man Neues dazu.
Am Beispiel des Sehsinns diskutiert Calvin ausführlich, wie Neuronen geschaltet sind und wie durch diese Schaltung bereits auf sehr früher Stufe die Wahrnehmung vorbereitet wird. Intuitiv würden wir vielleicht denken, das Bild der Netzhaut werde ins Gehirn weiter geleitet und dort sozusagen auf eine Leinwand projiziert, wo die Seele dieses Bild anschaut. Tatsächlich aber wird ein Bild bereits in einer sehr frühen Phase in Bedeutungseinheiten zerlegt. Gewisse Neuronen reagieren nur auf kleine Punkte, andere auf nur auf horizontale Linien, wieder andere auf Linien, die unter einem gewissen Winkel zur Horizontalen stehen u. s. w.
Sehen bedeutet aber im Ursprung gleichzeitig interpretieren und reagieren. Bei Froschaugen ist dieser Zusammenhang noch sehr gut nachvollziehbar. Da sind die Bedeutungseinheiten (Punkte, Linien, Flächen, Bewegung) sehr direkt mit Reaktionsmustern verbunden. Ein grösser werdender dunkler Fleck, bedeutet 'Fressfeind' und sein Auftauchen bewirkt, dass der Frosch in eine waagrechte Linie hineinspringt, was in der Froschwelt meist eine gute Lösung ist, weil eine waagrechte Linie in der Froschwelt meist eine Wasseroberfläche ist. Ein kleiner sich bewegender Fleck bedeutet 'Fliege' und führt dazu, dass der Frosch die Zunge in diese Richtung ausfährt. Dazu muss der Frosch nichts über die Welt wissen und nichts verstehen. Es reicht, wenn er diese Punkte und Linien sieht und wenn sein Körper entsprechend reagiert. Alle restliche Information auf seiner Netzhaut wird unterdrückt.
Wie daraus am Ende die bewusste Wahrnehmung eines Bildes wird, ist bei Calvin nicht ohne weiteres ersichtlich. Calvin liefert aber eine ganze Reihe wichtiger Eckpunkte, die zu berücksichtigen sind, wenn man sich darüber Gedanken macht, was Bewusstsein ist. Z. B. ist wohl bereits die obige kurze Feststellung über das Froschauge nicht ohne weiteres mit der Vorstellung einer vom Körper unabhängigen Seele zu vereinen. Wenn es für das Sehen nötig ist, dass das Netzhautbild durch Neuronen zerlegt wird, wie soll dann eine Seele sehen können, wenn nach dem Tod keine Neuronen mehr da sind? Wenn diese Zerlegung aber nicht nötig ist und wenn die Seele auch ohne Neuronen sehen kann, wozu verschwendet das Gehirn dann so viel Energie für diese? – Calvin geht nicht auf solche Überlegungen ein. Aber ein aufmerksamer Leser findet reichhaltiges Beobachtungsmaterial, an dem er seine eigene Vorstellung vom Bewusstsein und von der Seeler austesten kann.
Darüber hinaus hat Calvin einige sehr originelle Ideen, von denen man sonst nirgends liest. Insbesondere zur Frage, wie das menschliche Gehirn überhaupt zu seinen überragenden Fähigkeiten kam, die uns von allen anderen Tieren ganz klar unterscheiden. Er stellt nämlich fest, dass eine extrem hohe Zahl an Neuronen nötig ist, um z. B. einen Stein gezielt zu werfen. Laien glauben, auch Affen können auf einige Distanz ein Ziel treffen. Tatsächlich werfen Affen zwar durchaus Gegenstände in der Gegend herum. Zielen können sie aber nicht, auch wenn sie vielleicht einmal durch Zufall treffen. Calvin rechnet vor, weshalb das so ist. Angenommen, ein Schütze treffe auf drei Meter einigermassen zuverlässig. Um auf sechs Meter (doppelt so weit) dieselbe Trefferquote zu erreichen, bräuchte er 64mal, nämlich 2 hoch 6 Mal (!) so viele Gehirnzellen, die diesen Wurf planen und so präzise ausführen. Um auf neun Meter (dreifache Distanz) zu treffen, müsste er sogar 729mal, nämlich 3 hoch 6 Mal, so viele Zellen einsetzen.
Für Urmenschen, die auf der Steppe lebten und nicht mehr ohne weiteres auf Bäume fliehen konnten, war es entscheidend, dass sie Raubtiere mit gezielten Steinwürfen verscheuchen konnten. Wenn sich aber die nötigen Gehirnstrukturen einmal ausgebildet haben, dass gezielte Steinwürfe geplant und durchgeführt werden können, kann man die gleichen Gehirnstrukturen auch benützen, um andere Abläufe zu planen, die eine sehr präzise zeitliche Abfolge verlangen. Dies ist genau die Struktur, die es zum Sprechen braucht. Oder zum Singen. Musizieren wäre ein Nebeneffekt des Steinewerfens. Menschen singen, weil sie es können. Sie können es, weil es in der Evolution ein Vorteil war, präzise Steine werfen zu können. Diese Überlegung inspirierte Calvin zum Titel ‚Symphonie des Denkens’.
Es ist nicht das erste Buch, das ich empfehlen würde, um mehr über das Gehirn zu erfahren. Dazu fehlen wichtige Themen, etwa die Gehirn aufgebaut ist und wie die verschiedenen Areale miteinander kommunizieren. Aber wer schon einiges über das Gehirn gelesen hat und noch weitere Aspekte hinzulernen möchte, wird bei Calvin inspirierende Ideen finden. Ein sehr wertvolles Buch! - Manfred Spitzer
Vorsicht Bildschirm!
(12)Aktuelle Rezension von: ElisabethBulittaEin Buch, das alle Eltern einmal gelesen haben sollten, um ihren häuslichen Umgang mit Bildschirmmedien zu überdenken. Besonders beeindruckt hat mich die Vielzahl an Untersuchungen, die belegen, dass Fernsehen, Computerspielen, Xbox usw. doch mehr Spuren bei unseren Kindern hinterlassen, als man im Allgemeinen annimmt. Leider ist das Buch doch stellenweise recht wissenschaftlich geschrieben, sodass fraglich ist, ob Betroffene alles verstehen. Ich persönlich habe jedenfalls aus dem Buch eine Menge Stoff zum Nachdenken herausgezogen. - Joyce Carol Oates
Der Mann ohne Schatten
(7)Aktuelle Rezension von: YukBookDer Roman handelt von einer höchst ungewöhnlichen Beziehung zwischen einer Neurowissenschaftlerin und ihrem Forschungsobjekt. Seit einer Entzündung im Gehirn ist das Kurzzeitgedächtnis von Elihu Hoope gestört. Der 37-Jährige kann sich gerade einmal siebzig Sekunden lang erinnern.
Mit großem Enthusiasmus stürzt sich die ehrgeizige Neuropsychologin Margo Sharpe auf den Fall, der eine große berufliche Chance für sie darstellt. Man könnte meinen, dass es mühsam ist, sich jedes Mal seinem Probanden vorstellen zu müssen. Doch Margot fühlt sich in seiner Gesellschaft wohl und führt lange vertraute Gespräche mit ihm. Während sie Elihus Erinnerungsvermögen mit einer Reihe von Tests untersucht, kommen auch aus seinem vergangenen Leben mysteriöse Bruchstücke zum Vorschein, was die Spannung erhöht.
Der interessanteste Aspekt ist sicher die ambivalente Figur der Margo. Einerseits legt sie großen Wert auf ihre Karriere und Professionalität, andererseits lässt sie sich von ihren romantischen Gefühlen zu Elihu leiten, gaukelt ihm sogar vor, sie sei seine Ehefrau und bindet trotz ethischer Bedenken ihr Forschungs- und Liebesobjekt völlig an sich.
Für mich hatte die Geschichte ein paar Längen, doch abgesehen davon hat mich das hohe literarische Niveau, die gut gezeichnete Hauptfigur und Oates interessante Gedanken über unser Gehirn und Erinnerungsvermögen schwer beeindruckt.
- Daniel J. Siegel
Mindsight - Die neue Wissenschaft der persönlichen Transformation
(2)Noch keine Rezension vorhanden - Jens Johler
Gottes Gehirn
(23)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDas göttliche Gehirn – oder: wie ein Fanatiker Wissenschaftler Gehirne verknüpfen will (Achtung: Spoiler!!!) Regelmäßige Leser meines Blogs werden wissen, dass ich großer Fan von Wissenschaftsthriller bin, allerdings müssen diese fundiert sein bzw. sollte ein wenig Wahrheit schon enthalten sein. „Gottes Gehirn“ verspricht dem Leser am Anfang sehr viel, allerdings werden die Versprechen größtenteils nicht eingehalten. Die Story bietet, um es mal mit den Worten eines Journalisten zu sagen, einen sehr vielversprechenden Aufhänger: hochkarätige Wissenschaftler, die alle an einer Konferenz im 20. Jahrhundert teilgenommen haben, bei der es um die Verknüpfung von Wissen und Wissenschaften ging, werden seltsam verstümmelt und tot aufgefunden. Klingt doch toll, oder? Das dachte ich mir auch und ließ mich beim Lesen dieses sogenannten Wissenschaftsthrillers fallen, um mich der Story hinzugeben, doch das ging nicht lange. Zwei deutsche Journalisten reisen, im Auftrag eines deutschen Magazins, in die USA um dort mit Wissenschaftlern zu sprechen, die als Koryphäen auf ihrem Gebiet anerkannt werden und deren Forschungen über die Zukunft der Menschheit und der Welt entscheiden werden. Getarnt als Interviewreihe befragen die beiden Journalisten die Wissenschaftler aber auch über die Konferenz aus und müssen dabei feststellen, dass ein Verrückter hinter den Gehirnen jener Wissenschaftler her ist. Klingt doch auch noch toll, oder? Soweit war die Handlung auch noch völlig hinnehmbar und spannend, doch die letzten hundert Seiten gingen gar nicht. Doch dann kommt das Unglaubliche: dieser Verrückte will die Gehirne der Wissenschaftler verknüpfen, um Gottes Gehirn herzustellen und um damit die Zukunft der Menschheit und der Welt zu retten, denn seiner Meinung nach hängt die Welt am seidenen Faden, weil das Wissen und die Wissenschaften immer weiter spezialisiert werden. Verrückt oder? Aber das war noch nicht das Unglaublichste, denn das kommt jetzt: durch das Verknüpfen dieser Gehirne erhält dieser Verrückte die Macht über das gesamte Universum und kann es lenken und steuern, so wie er will. Das Ende ist viel zu abgedreht und viel zu unrealistisch für einen Wissenschaftsthriller. Die einzelnen Wissenschaftler, die mitsamt ihren Forschungen dargestellt werden, wirken bei weitem realistischer, denn an den erforschten Themen arbeiten Wissenschaftler rund um die Welt. Und genau deswegen passt das Ende zu 200% nicht zu dem Rest des Buches – völlig bekloppt! Doch das war noch nicht alles. Die Charaktere in diesem Buch bleiben unheimlich oberflächlich und zeigen während des gesamten Buches keine Gefühlsregungen, absolut keine. Es ist völlig unrealistisch, dass zwei Charaktere während des gesamten Buches nicht ein privates Gespräch führen oder dass sie am Ende dann doch auf einmal ein Paar werden, wenn die dreihundert Seiten vorher nichts passiert ist! Und last but not least: dem Buch fehlt es völlig an Thrill und teilweise sogar absolut an Spannung. Die Story wird lediglich durch die Frage, wer der, bereits erwähnte, Verrückte sein könnte, angetrieben. Diesem Buch dem Genre Thriller zu zuordnen ist komplett daneben, denn es fehlt der für einen Thriller typische Thrill, der dadurch erzeugt wird, dass der Leser dem Protagonist immer einen Schritt voraus ist. Insgesamt ein unheimlich grauenvolles Buch, durch das ich mich quälen musste, aber das gerne gemacht habe, um mit dieser Rezension vor diesem Buch zu warnen. Wer einen Wissenschaftsthriller erwartet, der einem die Nerven raubt, ist bei diesem Buch komplett falsch; wer interessante Charaktere erwartet, sollte lieber zu einem anderen Buch greifen; und wer sich ein atemberaubendes Ende erhofft, hat hier zum absolut falschen Buch gegriffen. FINGER WEG VON DIESEM BUCH! - Matteo Farinella
Das Gehirn
(9)Aktuelle Rezension von: MissTalchen"Es gibt keine Gespenster, und es gibt auch keine Seele! Die Vorstellung von dir als ein "Selbst", das dein Gehirn bewohnt, ist eine reine Illusion; ein Bild, das das Gehirn von seinem eigenen Körper und dessen Aktivitäten hat."
Dieses Buch ist eine Art Sachbuch im Gewand eines Comics, das ich auf der letzten Messe als Rezensionsexemplar angefragt habe. Aufgrund der innovativen Idee war ich sehr neugierig darauf und es hat sich definitiv gelohnt.
Zur Story: Na, hast du in Bio immer gut aufgepasst? Nein? Ich auch nicht! Ja, da war was mit Synapsen und der Pawlowsche Hund sagt mir auch was, aber wie das nun alles zusammen hängt, frag mich nicht! Dieses Buch schafft da Abhilfe. Vom Neuronenwald bis hin zur geheimnisvollen Psyche wird alles noch einmal Stück für Stück und verständlich erklärt. Gemeinsam mit den großen Forschern des menschlichen Gehirns werfen wir einen Blick in unser Inneres und lernen obendrein noch etwas dazu.
Meine Meinung: Auf den ersten Blick wirkt die Kombination aus Sachbuch und Comic zugegeben etwas unkonventionell, aber es funktioniert.
Alle Themen rund um das Gehirn werden raffiniert in die „Reise“ eingebunden und kurz beleuchtet. Dabei sind die Erklärungen bewusst einfach gehalten und prägen sich durch die Darstellungen und den damit verbundenen, visuellen Aspekt sehr gut ein. Es wird daher nicht zu komplex, sondern das Grundwissen aus der Schule noch einmal aufgefrischt und vertieft. Ich persönlich hätte mir diezbezüglich mehr neue Infos gewünscht, bin aber vielleicht doch noch relativ gut in der Materie drin.
Der Handlungsaufbau ist so gestaltet, dass er möglichst nahe am Leser ist, der quasi einen Blick auf sein eigenes Gehirn wirft. Das gelingt am Anfang durch den Protagonisten nicht ganz so geschickt, aber gerade zum Ende hin spannt das Buch noch einmal den perfekten Bogen.
Auch der Bezug auf die verschiedenen Wissenschaftler gibt der Handlung eine gelungene Dynamik. Außerdem zeugt es von einer gewissen Wissenschaftlichkeit, was das Verzeichnis weiterführender Literatur am Ende noch verstärkt.Der Zeichenstil ist relativ grob und schlicht, passt aber gut zum Thema, da er der Verständlichkeit des Buches angepasst ist.
Mein Fazit: Ein rundum gelungenes Buch, um das Wissen über das eigene Gehirn noch einmal aufzufrischen, ohne dabei all zu komplex und kompliziert zu werden. - Gerhard Roth
Aus Sicht des Gehirns
(3)Aktuelle Rezension von: PhilippWehrliAls Einstieg in die Gehirnforschung gehört dieses Buch von Gerhard Roth zu den empfehlenswertesten. Gerhard Roth beleuchtet einige Erkenntnisse aus der Gehirnforschung, die geeignet sind, unser Selbstbild zu erschüttern, mehr noch vielleicht als die Erkenntnisse der modernen Physik oder die Evolutionstheorie. Während in der Allgemeinheit die Idee des Urknalls und die Evolutionstheorie durchaus bekannt sind und diskutiert werden, scheinen die philosophischen Erkenntnisse der Gehirnforschung weitgehend an der Allgemeinheit vorüber gezogen zu sein und kaum Einfluss auf unser Weltbild zu haben.
Bedeutsam scheint mir z. B.: Es gibt kaum noch Gehirnforscher, die an eine vom Körper unabhängige Seele glauben. Diese Tatsache ist aber unter Laien kaum bekannt, geschweige denn die Gründe dafür. Sie liegen keineswegs nur darin, dass die Forscher keine Seele finden, wenn sie das Gehirn betrachten. Vielmehr wird immer klarer, wie das Gehirn Sinnesreize verarbeitet und speichert. Und auch wenn wir nicht beweisen können, dass es keine unsterbliche Seele gibt, ist doch völlig klar, dass diese Seele die Arbeit des Gehirns eigentlich nur stören kann. Wenn wir eine unsterbliche Seele haben, die auch losgelöst vom Körper sieht, denkt und sich erinnert, wozu brauchen wir dann noch ein energiefressendes Gehirn das die gleiche Arbeit noch einmal macht?
Es ist praktisch unmöglich, eine Theorie des Denkens und des Bewusstseins aufzustellen, in der eine unsterbliche Seele auch nur einigermassen eine sinnvolle Bedeutung hat. Deshalb gibt es keine solche Theorie. Bemerkenswert scheint mir das deshalb, weil eine unsterbliche Seele im Weltbild vieler Menschen eine ganz zentrale Rolle spielt.
Wer sein Weltbild mit den Erkenntnissen der Wissenschaft in Übereinstimmung bringen will, muss sich deshalb mit Gehirnforschung befassen. Als erster Schritt dazu eignet sich das Buch von Gerhard Roth. Es gibt einen schönen Einblick in verschiedene Aspekte der Gehirnforschung, ohne allzu sehr in die Details zu gehen. Roth erklärt das Nötigste über den Aufbau des Gehirns. Er zeigt an Hand einiger Gehirnstörungen, dass Denken anders funktioniert, als wir uns dies gemeinhin vorstellen. Viele der kniffligen Probleme, die das Gehirn alltäglich löst, sind uns gar nicht bewusst. Erst wenn etwas nicht mehr funktioniert oder wenn wir einen Roboter auf diese Aufgabe programmieren wollen, wird uns bewusst, was das Gehirn hier leistet. Deshalb ist die Betrachtung von Gehirnstörungen sehr erhellend.
Wie z. B. merkt das Gehirn, welcher Körper und welche Körperteile zum Ich gehören und welche nicht, wo das Ich jetzt gerade ist, wer ich bin? – Alle diese Probleme scheinen einfach zu lösen. Es gibt aber Menschen, bei denen dies nicht mehr funktioniert, die z. B. ihr eigenes Bein für ein fremdes halten, die sich selber an zwei Orten sehen oder glauben, ein anderer zu sein.
Auch andere, oft diskutierte Fragen, etwa, ob Tiere bewusst denken oder ob wir einen freien Willen haben, wie viel Erziehung ausmacht, wie wir besser lernen können, wie das Bewusstsein zu Stande kommt oder welche Gewaltverbrecher therapierbar sind, erscheinen durch die Gehirnforschung in einem neuen Licht. Zu all diesen Themen offeriert Roth einige bemerkenswerte Erkenntnisse, ohne die Themen tot zu schlagen. In der Frage, was das Ich ist, zeigt er, dass dieses Ich eine ganze Reihe verschiedener Aufgaben erfüllt. Roth unterscheidet demzufolge eine ganze Reihe verschiedener Arten von Ich.
Für die oft als unwissenschaftlich geschmähte Psychoanalyse Sigmund Freuds findet er einige freundliche Worte, die ich bedauerlicherweise fast nicht mehr finde, weil zumindest meine Ausgabe des Buches keinen Index hat. Hier: Freuds Ansichten wurden von der Gehirnforschung insbesondere in drei Punkten bestätigt. 1. Das Unbewusste, das Es, hat mehr Einfluss auf das Bewusste, das Ich, als umgekehrt. 2. Das Unbewusste entsteht zeitlich vor den verschiedenen Bewusstseinszuständen und legt die Grundstrukturen der Persönlichkeit fest. 3. Das bewusste Ich hat wenig bis keine Einsichten in das, was seinen Wünschen, Plänen und Handlungen tatsächlich zugrunde liegt. Das Ich legt sich Erklärungen darüber zurecht, diese haben aber häufig wenig mit den eigentlich bestimmenden Geschehnissen zu tun.
Dabei scheut sich der Neurologe Gerhard Roth nicht, klare Worte zu verwenden, wenn er mit gewissen Aussagen nicht einverstanden ist. Und wenn er zum Schluss seines Buches eine Reihe von Philosophen kritisiert, so ist diese Kritik zumindest nicht aus der Luft gegriffen.
Lediglich in zwei Aussagen würde ich klar widersprechen. S. 64: „Denken ist zwar auch nichtsprachlich möglich, aber es besteht kein Zweifel, dass sprachliches Denken nichtsprachlichem stark überlegen ist.“ Und S. 95: „Wichtig ist aber die Tatsache, dass solch unbewusstes, implizites Lernen nicht bei komplizierten Sachverhalten funktioniert.“
Das wird zwar von vielen Experten oft und gerne behauptet, ist aber völlig falsch. Als Lehrer sehe ich das regelmässig, wenn einer der Spitzenschüler den anderen erklären soll, wie er eine Mathe- oder Physikaufgabe gelöst hat. Die eigenen völlig korrekten Überlegungen in eine einigermassen verständliche Sprache zu fassen, das schaffen nur die allerwenigsten. Auch Topwissenschaftler haben ihre grössten Ideen sehr oft in nichtsprachlichem Denken, indem sie z. B. die Dinge bildlich vor sich sehen. Mehrere grosse Entdeckungen wurden sogar geträumt, z. B. entdeckte Kekulé den Benzolring im Traum, Paul McCartey hörte das Lied „Yesterday“ in allen Details im Traum. Elias Howe, der die erste Nähmaschine erfand, träumte seine entscheidende Idee. Albert Szent-Györgyi, der das Vitamin C entdeckte, benutzte das unbewusste Denken gezielt, um Probleme zu lösen. Wenn er bei einer Frage nicht weiter kam, aber genügend darüber nachgedacht hatte, legte er sich schlafen. Er erklärte: „Da ich das Problem nicht lösen kann, lasse ich es in mein Unterbewusstsein absinken. Dort verweilt es unterschiedlich lange. Irgendwann wird die Lösung unverhofft an mein bewusstes Denken übermittelt.“ – Ich selber mache das übrigens selber genauso.
Wir brauchen die Sprache nicht zum Denken, auch nicht für sehr komplexe Gedanken. Wir brauchen die Sprache, um komplexe Gedanken anderen Menschen zu erklären. Und weil komplexe Gedanken meist erst dadurch wertvoll werden, dass wir sie erklären können, - und nur deshalb - treten komplexe Gedanken meist im Zusammenhang mit Sprache auf.
Die falsche Vorstellung, Denken basiere vor allem auf Sprache, führt nicht selten zu einer grotesken Didaktik. So wurde ich z. B. von Sportlehrern aufgefordert, eine schwierige Bewegung in Worten präzise zu beschreiben, in der Hoffnung, ich könne die Bewegung danach besser ausführen. Eine Bewegung beschreiben ist sicher ein gutes Sprachtraining. Aber eine Bewegung lernen kann man so bestimmt nicht. Sie können problemlos ohne Worte durch Vorzeigen jemandem zeigen, wie man einen Papierflieger faltet. Aber versuchen Sie das mal am Telefon, - ohne Kamera!
Diese kleine Kritik tut aber dem ausserordentlich positiven Gesamteindruck keinen Abbruch. Es ist ein hervorragendes Buch, das ich jedem heiss empfehle! - 8
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