Bücher mit dem Tag "gehirnwäsche"
36 Bücher
- George Orwell
1984
(4.333)Aktuelle Rezension von: Karandi
Ich muss sagen, 1984 hat mich wirklich umgehauen. Anfangs habe ich das Buch allerdings missverstanden, weil ich den ersten Teil als recht langweilig empfand. Ich konnte mich in die Hauptfigur Winston Smith überhaupt nicht hineinversetzen. Er wirkte auf mich eher distanziert und schwer greifbar, sodass ich keine Bindung zu ihm aufbauen konnte.
Der Fehler lag aber nicht an der Erzählweise, sondern bei mir. Ab dem zweiten Teil begann ich, das Buch besser zu verstehen, und im dritten Teil wurde mir dann endgültig klar, warum es einen beinahe makellosen Ruf hat – daher auch meine Bewertung von fünf Sternen.
Im ersten Teil lernen wir die Partei kennen: ein System mit einer völlig eigenen Denkweise, eine Diktatur mit monotoner, strikt vorgegebener Lebensweise. Selbst die Sprache wird kontrolliert – durch „Neusprech“, das gezielt Wörter aus dem Wortschatz entfernt, um das Denken zu beeinflussen und kritische Gedanken unmöglich zu machen. Diese Idee wirkt deshalb so eindringlich, weil sie nicht rein fiktiv erscheint. Formen von Kontrolle, Propaganda und gelenktem Denken gab es schon lange vor unserer Zeit. Betrachtet man etwa das Römische Reich, das vor rund zweitausend Jahren seine Blütezeit erlebte, oder das Achämenidenreich, das bereits etwa 550 v. Chr. entstand, sowie das noch ältere Altes Ägypten, dessen Geschichte über drei Jahrtausende zurückreicht, erkennt man, dass Machtstrukturen und der Einfluss auf Denken und Gesellschaft keine neuen Phänomene sind.
Im zweiten Teil kommt die menschliche Komponente hinzu: Winston verliebt sich in Julia. Die Beziehung ist verboten, und beide erkennen, wie sehr sie das vorgeschriebene Leben hassen. Sie lehnen sich innerlich gegen die Partei auf und träumen davon, Teil einer „Bruderschaft“ zu werden – eines möglichen Widerstands, von dem niemand sicher weiß, ob es ihn überhaupt gibt. Wir erleben hier andere Werte, den Drang nach Freiheit, nach Selbstbestimmung und danach, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen. Gleichzeitig zeigt der Roman aber auch, wie viel Kraft es einem Menschen geben kann, nicht mehr allein zu sein, sondern zu zweit, und was Liebe bewirken kann, aber auch, wie blind sie machen kann. Der Übergang vom nüchternen ersten Teil zur emotionalen Tiefe im zweiten ist ein äußerst geschickter erzählerischer Schachzug.
Auch O’Brien tritt hier stärker in Erscheinung und ist für mich einer der gefährlichsten Charaktere des Buches. Ohne zu viel vorwegzunehmen, lässt sich sagen, dass er eine Position vertritt, die die Ideologie der Partei in ihrer reinsten und zugleich erschreckendsten Form widerspiegelt.
Im dritten Teil erleben wir schließlich kein Happy End, sondern eine schonungslose Konsequenz. Winston und Julia werden gefangen genommen und „umerzogen“, und diese Umerziehung funktioniert. Winston wird gebrochen. Er wird zu dem Menschen, den die Partei aus ihm machen will, bis er am Ende sogar den Big Brother liebt.
Für mich ist dieses Buch ein absolutes Meisterwerk, das zeitlos ist und unabhängig von der Epoche, auf die man blickt, immer eine beklemmende Aktualität besitzt.
Zum Abschluss noch mein Lieblingszitat aus dem Buch:
„Man errichtet keine Diktatur, um eine Revolution zu verhindern. Man macht die Revolution, um die Diktatur zu errichten. Das Ziel von Verfolgung ist Verfolgung. Das Ziel von Folter ist Folter. Das Ziel von Macht ist Macht.“
- Scott Westerfeld
Ugly – Pretty – Special 1: Ugly – Verlier nicht dein Gesicht
(626)Aktuelle Rezension von: nadduleinKurz zum Inhalt: Tally Youngblood wächst Uglyville auf. Einer Stadt, in der nur hässliche Menschen bis zu ihrem 16. Lebensjahr leben. Doch an seinem 16. Geburtstag erfolgt eine massive Schönheits-OP, die das komplette Aussehen verändert, sodass sich jeder Mensch ähnelt und einen Ugly zu einem Pretty macht. Die Regierung argumentiert so, dass äußerliche Unterschiede früher zu großen Konflikten geführt haben. Nach der OP folgt der Umzug nach New Pretty Town wo Spaß, Party und Jung sein, an erster Stelle steht. Und wer will das nicht? Doch noch vor ihrem 16. Geburtstag lernt Tally Shay kennen, die nicht operiert werden will. Stattdessen will sie die bekannte Zivilisation hinter sich lassen und sich der unabhängigen Gemeinschaft in „Smoke“ anschließen und flüchtet. Die Behörden verhören Tally als ihre Freundin und erpressen sie: Entweder sie spürt die verbotene Organisation auf und verrät deren Standort oder Tally wird niemals hübsch werden. Sie entscheidet sich Shay zu suchen und alles nötige für die OP zu tun, doch in Smoke, entdeckt Tally Geheimnisse, die sie an allem zweifeln lässt, was sie über die Regierung zu wissen glaubte.
Fazit: Absolut gutes Buch! Wow! Ich finde die Welt unfassbar beeindruckend. Es ist dystopisch, gleichzeitig traurig wahr und bringt mich so zum Nachdenken über Schönheit und deren Wert. Tally gefällt mir als Protagonistin wirklich gut. Sie ist tapfer, reflektiert, trägt das Herz am rechten Fleck und kämpft berechtigterweise mit ihrer Loyalität. Wem schuldet sie ihre Loyalität: dem Staat, Peris, Shay und den Smoke-Menschen? Sie macht Fehler keine Frage, aber sie macht sie aus nachvollziehbaren Gründen und ich wüsste selbst nicht, wie ich mich an ihrer Stelle verhalten hätte. Sie entwickelt sich, fängt an zu hinterfragen und riskiert letztendlich mehr als einmal ihr Leben für das was ihr wichtig ist. Der Schreibstil ist einfach und verständlich.
- Daniel Suarez
DAEMON
(312)Aktuelle Rezension von: StephanvaDieses Buch weiß wirklich zu überzeugen. Auch wenn es inhaltlich schon etwas in die Jahre gekommen ist, ist die Idee dahinter sehr spannend. In der Fortsetzung "Darknet" wird die packende Geschichte zu Ende erzählt.
Daniel Suarez zeichnet eindrücklich ein Bild von einer sich verändernden Gesellschaft, wenn der Einsatz von virtueller Realität die "reale" Welt unterläuft. Geschickt erzählt er, wie verschiedene technische Innovationen ganze Gruppen verändern können. Dabei zeigen die verschiedenen Charaktere sowohl die hellen als auch dunklen Seiten der Menschen, die eine solche Veränderung mit sich bringt.
Deamon und Darknet sind eine absolute Leseempfehlung!
- Jennifer Estep
Coldest Frost
(93)Aktuelle Rezension von: ChillysbuchweltCover:
Auch das 3. Cover passt wieder wunderbar zur Reihe und sieht einfach toll aus. 😍Meinung:Der Einstieg viel mir wieder total leicht, nicht nur weil meine Erinnerungen sehr präsent sind, sondern auch, weil die Autorin diesen generell wieder sehr leicht gemacht hat.
Im Verlauf gibt es immer wieder kleinere Wiederholungen bzw. Rückblenden, welche Informationen aus den vorherigen Bänden enthalten, sodass man immer wieder erinnert wird.
Generell mag ich so was sehr, hier fand ich es stellenweise schon fast nervig, wenn man die Bücher zeitnah hintereinander liest, begrüße so was jedoch generell.
Der Schreibstil der Autorin war wieder wie gewohnt superleicht und angenehm zu lesen, sodass ich schön durch die Seiten geflogen bin.
Die Protagonistin mag ich nach wie vor gern.
Allerdings fand ich sie stellenweise auch ein wenig nervig, vor allem die Dialoge zwischen Corvington konnte ich einfach nicht richtig ernst nehmen.
Auch alle anderen Mitglieder von Team Midgard mochte ich wieder, man merkt, dass sie mittlerweile wirklich ein Team sind, was ich ganz schön fand.
Es gab einige Parallelen zur Hauptreihe, was ich grundsätzlich nicht schlimm finde, doch in dieser Trilogie war es doch ein wenig viel.
Das Finale war stellenweise sehr spannend, dennoch konnte es mich auch bis zum Schluss nicht so richtig packen.
Ich fand die Trilogie zwar ganz gut, was wohl vor allem an der spannenden Welt mit den Göttern, Mythen und Artefakten liegt, gebraucht hätte es sie aber ehrlich gesagt nicht.
Ich wurde in allen drei Bänden gut unterhalten, doch mit der Hauptreihe kann diese halt nicht mithalten.💖
- Tillie Cole
Hades' Hangmen - Styx
(159)Aktuelle Rezension von: Nici-lesebineMan trifft sich immer zweimal im Leben !
𝐴𝑢𝑓 𝑑𝑒𝑟 𝐹𝑙𝑢𝑐ℎ𝑡 𝑣𝑜𝑟 𝑖ℎ𝑟𝑒𝑟 𝑉𝑒𝑟𝑔𝑎𝑛𝑔𝑒𝑛ℎ𝑒𝑖𝑡, 𝑏𝑒𝑡𝑟𝑖𝑡𝑡 𝑠𝑖𝑒 𝑒𝑖𝑛𝑒 𝑊𝑒𝑙𝑡, 𝑣𝑜𝑛 𝑑𝑒𝑟 𝑠𝑖𝑒 𝑠𝑖𝑐ℎ 𝑖𝑚𝑚𝑒𝑟 𝑓𝑒𝑟𝑛ℎ𝑎𝑙𝑡𝑒𝑛 𝑠𝑜𝑙𝑙𝑡𝑒 ...
Wow, diese Geschichte ist ein auf und ab der Emotionen. Ab dem ersten Kapitel war mein Herz gebrochen, es wurde zwar mit jedem Kapitel wieder Stück für Stück zusammengesetzt aber auch jetzt noch, nachdem ich die Geschichte fertig gelesen habe, ist mein armes Herz ganz schwer.
Die Story ist so anders – spannend und hat so eine schöne Liebesgeschichte.
Die Autorin hat es geschafft einen dunklen, starken und überaus anziehenden männlichen Hauptcharakter zu schaffen, trotz Handicap. Trotz der Gewalt und der Brutalität gab es aber auch wahre Menschlichkeit, dass mein Herz teilweise überlief. Es gibt faszinierende Charaktere und andere, die man nur in die Hölle schicken möchte. Es ist ein hin und her, zwischen Wut, Unglaube und Hoffnung.
Das Thema "Sekten" wurde sehr gut beschrieben und dargestellt und es wurde mit einem großartigen Schreibstil sehr einfühlsam beschrieben. Es ist schlimm was Menschen im Namen des Glaubens tun.
Es ist der Auftakt einer wirklich spannenden Reihe. Sie beschäftigte mich auch nach dem Lesen noch.
- Morton Rhue
Boot Camp
(453)Aktuelle Rezension von: EllenKnorrIrgendwie hatte mich das Buch nicht ganz so gepackt, wie ich es erhofft hatte. Ich kann nicht einmal mehr genau sagen, was fehlte. Vielleicht kamen die Emotionen nicht richtig rüber. Morton Rhue hat auch einen relativ trockenen Erzählstil, was an manchen Stellen zu Längen geführt hatte. Die Charaktere waren mir aber sehr sympathisch und der Umgang im Boot Camp auch wirklich glaubwürdig. Trotzdem liest es sich sehr wie ein Jugendbuch. Vielleicht hätte mir die Story damals besser gefallen.
- Will Hill
After the Fire
(186)Aktuelle Rezension von: Karinandhercat"After the Fire" ist ein Jugendbuch, das nicht nur junge Leser anspricht, sondern auch von Erwachsenen mit Gewinn gelesen werden kann, da es bewegt und zum Nachdenken anregt. Zu Recht wurde das Buch mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis 2021.
Kurz zum Inhalt
Die 17-jährige Moonbeam überlebt schwer verletzt eine Brandkatastrophe auf der Farm einer religiösen Sekte, den Gotteslegionären. Während sie im Krankenhaus von einem Psychologen betreut und einem FBI-Agenten befragt wird, beginnt sie zu erzählen, wie das Leben innerhalb der Gemeinschaft war und wie es zu dem Feuer und der Schießerei kam. Eine Sache aber kann sie nicht erzählen. Doch sie muss aussprechen, was sie getan hat, will sie nicht daran zerbrechen.
Meine Meinung
"After the Fire" konnte mich von der ersten Seite an begeistern. Ich war sofort mittendrin, erlebte das Feuer und die Schießerei auf der Farm der religiösen Sekte. Es ist gleichzeitig der Moment, der die beiden Zeitebenen des Buches trennt, die Zeit "Davor" und die Zeit "Danach". Der dynamische und intensive Einstieg, der mich, ohne die Zusammenhänge zu kennen, direkt ins Geschehen warf und ans Buch fesselte, ist ebenso wie die Erzählstruktur auf zwei Zeitebenen überaus gelungen. Ich wollte zum einen erfahren, wie konnte es so weit kommen, und zum anderen, wie geht es mit Moonbeam und den anderen geretteten Kindern weiter.
Im Wechsel zwischen "Davor" und "Danach" entsteht eine unglaubliche Spannung, die mich atemlos durch die Seiten fliegen ließ. Obwohl das Geschehen von Moonbeam nüchtern und fast schon berichtend emotionslos erzählt wird, oder vielleicht auch gerade deswegen, entfaltet sich die Geschichte mit einer emotionalen Wucht, die mich teilweise sprachlos gemacht hat.
Gleichzeitig fing ich an darüber nachzudenken, warum Menschen Teil einer religiösen Sekte werden? Warum geben sie sich derart auf? Warum lassen sich sich entmündigen und schlecht behandeln? Und was macht es insbesondere mit Kindern, in so einer Sekte leben zu müssen? Die Erwachsenen können immerhin frei wählen, die Kinder nicht.
Fazit
"After the Fire" ist ein Buch, das mich noch lange nicht loslassen wird. Die Geschichte hat mich zum Nachdenken gebracht, mich emotional aufgewühlt und gleichzeitig gut unterhalten.
Von mir gibt es eine Lesempfehlung für dieses Lesehighligt.
- Don Winslow
Missing. New York
(17)Aktuelle Rezension von: TWDFanSTInhalt
Die kleine Hailey verschwindet ohne eine Spur aus ihrem Vorgarten. Für Frank Decker ist dies ein Zustand, den er nicht ertragen kann. Er kündigt seinen Job als Polizist, verlässt seine Frau und begibt sich auf eine Jagd nach Hailey...
Bewertung
"Missing. New York" wird gelesen von Martin Kessler, der deutschen Synchronstimme von Nicholas Cage. Und dies ist auch der Punkt, warum dieses Hörbuch so gut funktioniert. Dank der bekannten Stimme fühlt man sich, als wäre man selbst dabei und würde als Frank Decker nach der kleinen Hailey suchen.
Ein weiterer Pluspunkt für mich ist die Geschichte an sich. Wer hier ein Actionfeuerwerk erwartet, der wird enttäuscht werden. Die Handlung ist langsam und logisch aufgebaut. Frank Decker selbst wirkt auch nicht wie der emotionale Typ, was zu der beinahe klinischen Stimmung beiträgt. Große emotionale Zusammenbrüche sollte man bei ihm nicht erwarten. Man kommt sich tatsächlich vor, als sei man selbst an der Ermittlung beteiligt und würde selbst ermitteln und seine Schlüsse ziehen. Und hinter all dem liegt die Dringlichkeit, Hailey zu finden...
"Missing. New York" ist das passende Hörbuch für alle, die klassische, nicht allzu blutige Thriller mögen. Von mir gibt es vier Sterne dafür.
- Daniel Cole
Hangman. Das Spiel des Mörders (Ein New-Scotland-Yard-Thriller 2)
(216)Aktuelle Rezension von: Alice_WonderlandDie Charaktere von Baxter und Co sind mir im ersten Band schon sehr ans Herz gewachsen und im zweiten noch viel mehr. Allein wegen der Entwicklung der Charaktere lohnt es sich. Die Geschichte selbst konnte mich leider nicht ganz überzeugen. Sehr spannend aufgebaut fand ich manche Szenen doch sehr übertrieben. Trotzdem freue ich mich sehr darauf den dritten Teil zu lesen um zu schauen, wie es mit dem Leben von Baxter und Co weiter geht.
- Anja Jonuleit
Rabenfrauen
(106)Aktuelle Rezension von: winter-chillEs ist eines der dunkelsten Kapitel der deutschen Justizgeschichte: die Colonia Dignidad. Anfang der 1960er Jahre gründet der pädophile Laienprediger Paul Schäfer die deutsche Kolonie in Chile. Eine Vielzahl von Anhängern, die er schon vorher unter dem Denkmantel einer freichristlichen Bewegung um sich geschart hatte, folgen ihm. Er verspricht ihnen ein urchristliches Leben im gelobten Land. Auch zahlreiche Kinder und Jugendliche werden nach Chile entführt. Was dann in der Colonia Dignidad wirklich passierte, ist an Horror nicht zu überbieten: Sklavenarbeit, Misshandlungen, sexueller Missbrauch Minderjähriger und Psychoterror waren an der Tagesordnung. Ein Entrinnen aus der Kolonie war unmöglich, weil auch die deutsche Botschaft die Vorfälle lange ignoriert hatte und die chilenischen Behörden von der Sektenführung geschmiert worden sind.
Vor Jahren hatte ich mich schon mal mit der Colonia Dignidad beschäftigt und war daher umso neugieriger darauf, wie Anja Jonuleit das Thema umgesetzt hat.
Aufgebaut ist der Roman aus verschiedenen Handlungssträngen, die auch auf unterschiedlichen Zeitebenen spielen. Im Mittelpunkt des Romans stehen die beiden Freundinnen Ruth und Christa. Im Sommer 1959 lernen sie beim Baden Erich kennen – er gehört zu einer Gruppe freikirchlicher Christen, die in der Nähe des Baches ein Zeltlager aufgeschlagen haben. Er lädt sie ein, doch mal im Zeltlager vorbeizuschauen. Eine willkommene Abwechslung für die Freundinnen – zudem finden beide Erich sehr attraktiv. Viele Abende und Tage verbringen die beiden nun im Zeltlager und lernen auch Paul Schäfer kennen. Während Ruth die Gruppierung aber zusehends suspekter findet und sich ihr bald abwendet, ist Christa wie gefangen und zieht mit der Sekte mit, schließlich landet sie mit vielen anderen in Chile.Rückblickend erfahren wir im Roman nun immer abwechselnd aus Ruths und aus Christas Sicht, wie es den Freundinnen erging. Durch Christas Sicht merkt man besonders, wie es Paul Schäfer gelang, die Menschen um sich zu scharen und man erfährt natürlich vor allem aus ihrer Sicht, was dann in der Colonia Dignidad wirklich geschah. Aus Ruths Sicht erfährt man vor allem, wie chancenlos es für Familie und Freunde war, ihre Angehörigen aus den Fängen der Sekte zu befreien.
Ein zweiter Handlungsstrang spielt im Jahr 2010 – fünf Jahre nach der Festnahme von Paul Schäfer und dem endgültigen Ende der Sekte. Ruth ist mittlerweile Ende 60 und spielt nun mit den Gedanken nach Chile zu fliegen, um Christa zu sehen. Zeitgleich lernen wir Ruths Tochter Anne kennen, die in die alte Heimat zurückgekehrt ist, nachdem ihr Lebensgefährte verunglückt ist. In der Nachbarschaft trifft sie auf eine neu hinzugezogenen Familie, die sehr hilfsbereit ist, aber irgendwie aus der Zeit gefallen scheint. Bald erfährt Anne, dass die Familie erst kürzlich aus Chile hergezogen ist und ihr Lebensgefährte vor seinem Tod der Familie noch bei einer Klage helfen wollte.
Zugegeben: Anfangs hab ich mich ein bisschen schwergetan, in den Roman reinzukommen, was tatsächlich an den zwei Zeitebenen und verschiedenen Handlungssträngen lag. Der Roman beginnt tatsächlich auch mit der Geschichte von Ruths Tochter Anne und das hat mich irgendwie komplett verwirrt. Mit der Zeit wurde dann aber alles klarer und man konnte der Geschichte dann auch sehr gut folgen. Am Ende war es eine rundum gelungener Roman, der einen tiefen Einblick in dieses Stück Zeitgeschichte bietet und auch noch spannende Wendungen parat hält. Anja Jonuleits Schreibstil ist wie gewohnt packend und bildgewaltig. Vor allem in die beiden Freundinnen Ruth und Christa kann man sich extrem gut hineinversetzen. Wirklich große Leseempfehlung.
- Norman Ohler
Der totale Rausch
(32)Aktuelle Rezension von: _MiriamAnne_Norman Ohlers Der totale Rausch – Drogen im Dritten Reich öffnet ein Themenfeld, über das ich zuvor nie wirklich nachgedacht hatte. Umso mehr ich mich jedoch mit den Inhalten auseinandersetze, desto deutlicher wird mir, welche erschreckende Rolle Rauschmittel im nationalsozialistischen System spielten. Ohler zeigt eindrücklich, wie weit verbreitet der Konsum von Medikamenten, Stimulanzien und harten Drogen war und nicht nur bei der Bevölkerung, sondern besonders auch bei Militär und Führungselite. Dadurch wird verständlicher, wie Menschen zu Handlungen fähig waren, die heute unbegreiflich erscheinen. Die Kombination aus fanatischer Ideologie, systematischer Manipulation und chemischer Stimulierung schuf eine Realität, in der Gewalt und moralische Grenzüberschreitungen immer weiter normalisiert wurden. Gerade diese Perspektive macht das Buch so wertvoll: Es erklärt nicht entschuldigend, aber erhellend, welche zusätzlichen Faktoren das Funktionieren der NS-Maschinerie begünstigten. Für das Verständnis, wie es zu den unvorstellbaren Taten kommen konnte, bietet Ohler einen wichtigen Baustein, einen, der erschüttert, aber zugleich hilft, historische Abläufe differenzierter zu begreifen.
Der totale Rausch ist daher ein bedeutsames und aufwühlendes Werk, das eine bislang wenig betrachtete Ebene des Dritten Reiches sichtbar macht und dazu anregt, über menschliche Verantwortung und Manipulierbarkeit neu nachzudenken.
- Christina Henry
Böse Mädchen sterben nicht
(83)Aktuelle Rezension von: BellitaIch war total gespannt auf die Geschichte, weil ich Christina Henry bisher vor allem für ihre düsteren und märchenhaften Geschichten kenne, und auch hier hat sie wieder eine richtig besondere Atmosphäre geschaffen.
Die Geschichte rund um drei Frauen, die plötzlich in ziemlich mysteriöse und gefährliche Situationen geraten, fand ich super interessant. Besonders gut hat mir gefallen, dass man lange nicht genau wusste, was eigentlich hinter den ganzen Ereignissen steckt. Dadurch wollte ich immer weiterlesen und unbedingt herausfinden, wie alles zusammenhängt.✨
Auch die drei unterschiedlichen Perspektiven fand ich richtig spannend. Die Charaktere könnten kaum unterschiedlicher sein und gerade dadurch war es interessant zu sehen, wie ihre Geschichten nach und nach miteinander verbunden werden. Besonders die Entwicklung der Figuren hat mir gut gefallen, weil man immer mehr über ihre Vergangenheit und ihre persönlichen Probleme erfahren hat.
Allerdings hatte das Buch für mich auch ein paar Schwächen.🙈 Gerade am Anfang hat es etwas gedauert, bis die Geschichte richtig Fahrt aufgenommen hat, und manche Entwicklungen waren für mich etwas vorhersehbar. Auch das Ende hätte ich mir teilweise etwas ausführlicher gewünscht, da einige Fragen für mich etwas zu schnell beantwortet wurden.
Trotzdem hat mir die düstere Atmosphäre richtig gut gefallen und besonders die Mischung aus Mystery, Spannung und Horror fand ich super gelungen.🖤 Es gab einige Momente, bei denen ich wirklich wissen wollte, wie es weitergeht, und gerade die verschiedenen Geschichten haben das Buch sehr abwechslungsreich gemacht.
Insgesamt ein spannender und atmosphärischer Thriller, der mich zwar nicht durchgehend überzeugen konnte, aber definitiv für einige spannende Lesestunden gesorgt hat.✨ Wer gerne düstere Geschichten mit Mystery- und Horrorelementen liest, sollte sich das Buch auf jeden Fall anschauen.🖤
- Karl Olsberg
Das Freu
(32)Aktuelle Rezension von: thenightMafalda bekommt von ihrem Vater einen Fortunator geschenkt, eine VR Brille, die die Wirklichkeit verbessert darstellt. Alles, was man dadurch sieht, erscheint viel besser als die Wirklichkeit. Zunächst ist das Mädchen begeistert, denn sie ist einsam und unglücklich, ihr Vater ist beruflich viel unterwegs und mit ihrer Stiefmutter versteht sie sich überhaupt nicht.
Wenn sie den Fortunator trägt kann sie der Wirklichkeit entfliehen, eine virtuelle Katze animiert sie auch unangenehme Aufgaben, wie das Aufräumen ihres Zimmers oder Hausaufgaben mit Spaß und Freude anzugehen, diese Katze, die sie Kasimir nennt, erklärt ihr das sie allein sein für ihr Glück verantwortlich ist, sie muss nur wollen und immer den Fortunator tragen.
Doch so richtig will sich das Glück bei Mafalda nicht einstellen, sie entfremdet sich immer mehr von ihrer Familie und diese entfremdet sich immer mehr von ihr, weil sich jeder nur noch mit seinem Fortunator beschäftigt und auch auf den Straßen und sogar in der Schule gehört das Gerät bald zum Alltag.
Dann stößt Mafalda in einem Nachbargarten auf ein Freu, ein magisches Wesen das Mafalda zeigt wie schön die einfachen Dinge im Leben wirklich sind.
Mafalda ist ein kluges und freundliches Mädchen, lustig und mit Flausen im Kopf, die sie immer wieder von ihren Pflichten abhalten, das kennt wohl jeder, wir wollen eine wichtige Arbeit erledigen und dann plingt das Smartphone mit einer neuen Nachricht und bevor wir uns versehen haben wir stunden in den sozialen Medien verbracht, bei Mafalda ist es ein Schmetterling vor dem Fenster oder eine mathematische Formel, die die Form einer Eidechse hat.
Sie ist wie Kinder sein sollen, verträumt, fantasievoll, manchmal wild, chaotisch und wissbegierig. Doch wenn es nach ihrer Stiefmutter Eva ginge, sollte sie pflegeleicht, fleißig, ordentlich und vor allem ruhig sein.
Und dabei hilft der Fortunator, den sogar schon die Allerkleinsten tragen.
In unserer Realität sind es Smartphones auf denen schon Kleinkinder *kindgerechte* Spiele spielen können und damit ruhig gestellt werden.
Hier hält Karl Olsberg uns Erwachsenen einen Spiegel vor, zu oft vergessen wir, was es heißt Kind zu sein und wie wichtig die Flausen im Kopf für die gesunde Entwicklung eines Kindes sind, denn sie stehen für nichts anderes als die Fantasie.
Er verteufelt die Fortunatoren nicht, er rät zu einem sorgsamen Umgang damit und damit natürlich zu einem sorgsamen Umgang mit Smartphones und das alles tut er ohne erhobenen Zeigefinger. Ein absoluter Pluspunkt für das Buch.
Noch dazu war das Buch sehr spannend sogar für mich als Erwachsene, seine Wortwahl ist kindgerecht und nichts in dem Buch ist wirklich beängstigend, sodass ich die Leseempfehlung für
10 – 12-jährige Leser durchaus unterschreiben kann.
Was macht uns Glücklich?
Die neuste Technik, die uns die Wirklichkeit vergessen lässt und alles durch eine rosarote Brille sehen lässt, oder ein Schmetterling, das Lachen eines Kindes oder ein Besuch im Zoo?
Carl Oslberg beantwortet diese Frage mit seinem Buch eigentlich recht genau.
Ich empfehle, dass Eltern dieses Buch auch lesen, diese Zeit sollten wir uns nehmen.
- Uwe Wilhelm
Die sieben Gründe zu töten
(28)Aktuelle Rezension von: abuelitaDass es sich hierbei um das Finale einer Trilogie um eine Staatsanwältin dreht, wusste ich leider vorher nicht. Ich hätte das Buch auch beinahe abgebrochen, weil es für mich einfach zu „stark“ war, zu grauenhaft, zu brutal. Und trotzdem fesselte mich die Geschichte so, dass ich einfach weiterlesen musste.
Ob es in Saudi-Arabien wirklich so ist, kann ich nicht beurteilen. Der Autor hat sicher gut recherchiert und schreibt dazu: "Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Saudi-Arabien eine menschenverachtende Diktatur und in der Unterdrückung der Frau ohne jedes Beispiel ist." Er selber „kennt“ das Land gewissermaßen nur von außen, aber zwei von ihm genannte Personen haben das Leben, die Diktatur dort am eigenen Leib erfahren und ihm berichten können. Da lässt einen vieles eher fassungslos zurück….
Das Buch ist in verschiedene Handlungsstränge eingeteilt und auch ohne Kenntnis der vorherigen Bände konnte ich der Handlung mehr oder weniger mühelos folgen. Diese ist wirklich sehr spannend, einprägsam, schockierend, aber auch bewegend.
Trotzdem werde ich vermutlich die vorherigen Bücher nicht lesen; ich vermute, dass auch diese für mich Sensibelchen zu erbarmungslos genau skizziert sind.
- Dean Koontz
Schwarzer Mond
(110)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Handlung stehen sechs fremde Menschen, die sich auf mysteriöse Weise miteinander verbunden fühlen. Während die Welt im Chaos versinkt, müssen sie herausfinden, was sich hinter dem „schwarzen Mond“ verbirgt und welche Rolle sie in diesem kosmischen Spiel einnehmen. Die Handlung besticht vor allem durch ihre Atmosphäre und dynamische Spannung, die vor allem zum Ende hin ein wenig überzeichnet wirkt.
Die unterschiedlichen Hauptprotagonisten mit ihren jeweiligen inneren Konflikten sorgen für eine angenehme psychologische Tiefe innerhalb der Handlung und wirken realitätsnah. Nebenprotagonisten sorgen für ein angenehmes Facettenreichtum innerhalb der Handlung.
Wer düstere, atmosphärische Thriller mit übernatürlichem Einschlag und emotionaler Tiefe mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist bildhaft, auf den Punkt und unterstützt den Lesefluss sehr gut.
Einziger Minuspunkt: Besonders zum Ende hin wirkt die Handlung ein wenig überzeichnet, was den Lesespaß mindert.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - T. M. Frazier
Pike - Er wird dich retten
(16)Aktuelle Rezension von: Kitty_CatinaWow, was für ein zweiter Teil des Sequels zur King-Reihe. Wieder einmal konnte mich die Autorin mit ihre Geschichte extrem begeistern und ich bin erneut einfach nur so durch sie hindurch geflogen, beziehungsweise hatte sie an einem Tag durch gehört. Wenn es überhaupt noch irgendwie geht, so ist dieser zweite Band sogar noch besser als Band eins.
Über den Schreibstil der Autorin muss ich dabei gar nicht mehr viel sagen. Ich mag ihn nämlich einfach und er bleibt konstant großartig, passt super gut zum Genre und gibt der Geschichte genau den richtigen Schliff. Und ebenso haben die Sprecher einfach wieder alles gegeben.
Die Geschichte geht hier auch gleich spannend weiter und immer mehr kommen die Hintergründe hinter Mickeys teilweise sehr seltsamen Verhalten ans Licht. Diese Hintergründe fand ich gleichzeitig super erschreckend und traurig, denn Verlust spielt eine sehr große Rolle in dieser Geschichte. Aber auch Rassismus ist ein sehr großes und wichtiges Thema, welches die Autorin gerade in Anbetracht der großen Aktualität, richtig toll und nachvollziehbar umgesetzt hat. Sie gibt nämlich einen ausgezeichneten und verstörenden Einblick in eine hasserfüllte und nach Macht strebende, rassistische Gruppierung und zeigt gleichzeitig, wie fatal es ist, in eine solche hineinzugeraten. Und noch ein wichtiges Thema spricht die Autorin an und das in einer ganz besonderen Weise, die ich einfach großartig fand. In diesem Sinne, will ich aber nichts weiter verraten, weil ich sonst eventuell spoilern könnte. Jedenfalls gibt es auch hier wieder wahnsinnig gelungene und geniale Wendungen, mit denen ich niemals gerechnet hätte. Und auch das Ende hat mir so super gut gefallen, dass ich gleich noch eine Geschichte aus diesem Universum hätte inhalieren können.
Auch was die Charaktere angeht, so hat es T.M. Frazier einfach drauf, diese immer wieder einzigartig und lebendig zu schreiben. So ist es einmal mehr auch hier und vor allem habe ich die beiden Protagonisten schon im ersten Band ins Herz geschlossen und in diesem zweiten gleich noch mehr. Sowohl Mickey als auch Pike sind einfach großartige und total liebenswerte Charaktere, die beide aber auch ihre Ecken und Kanten haben und gerade dadurch menschlich wirken. Und auch die Nebencharaktere sind super und nachvollziehbar geschrieben.
Ich kann jedenfalls auch nach diesem Band nur sagen, dass ich die Bücher von T.M. Frazier, vor allem wenn es um diejenigen geht, die in Logan's Beach spielen, nur empfehlen kann. Diese Bücher sind allesamt einfach wahnsinnig spannend und prickelnd und obwohl man es vielleicht so nicht erwartet, voller romantischer und gleichzeitig tiefer, beschützender Liebe.
- Sasha Filipenko
Der ehemalige Sohn
(92)Aktuelle Rezension von: Jin_nyEin junger Erwachsener, der nach Jahren aus dem Koma erwacht, findet sich nicht mehr zurecht in seiner Welt, die gleich und doch anders geworden ist. Die Geschichte spielt in Belarus und erzählt nicht nur vom grauen Leben von Franzisk, sondern auch von der Entwicklung von Belarus unter dem autoritären Regime. Es war als würde er nach seinem körperlichen Koma nun nach dem Erwachen zu einem seelischen Koma gezwungen werden.
"Der olympische Grundgedanke betrifft doch generell das Leben, Franzisk: Es geht nicht um den Sieg, sondern ums Dabeisein, permanent..."
Die Erzählweise ist voller Temperament, Gleichgültigkeit und Biss. Unverhohlen macht sich die Jugend über die Autoritären lustig, sei es die Schule oder die Regierung, aber trotz aller Versuche gibt es keinen Ausweg aus dem Leben außer dem Auswandern oder dem Tod.
Die Dialoge haben mir besonders Spaß gemacht, weil diese voller Ausrufezeichen und Fragezeichen sind. Man wird zur Stille verdonnert und gleichzeitig mit Fragen bombardiert. Dabei kommen dann Szenen, wo man schmunzelt, weil die Situation so komisch ist, obwohl es eigentlich keine schöne Szene ist. Besonders hilfreich fand ich auch die Anmerkungen der Übersetzerin, die halfen um die Geschichte besser nachvollziehen zu können. Für meinen Geschmack war der Anfangsteil, wo Franzisk noch nicht im Koma war, etwas lang, aber im großen und ganzen war es ein unterhaltsames, nachdenkliches Leseerlebnis.
** Dieses Buch wurde mir über NetGalley als E-Book zur Verfügung gestellt ** - Caroline Schmitt
Monstergott
(116)Aktuelle Rezension von: Books_n_artMonstergott spricht von einem Bruder und seiner Schwester. Von Esther und Ben. Ihre Eltern sind schon früh Teil einer (christlichen) Glaubensgemeinschaft geworden, und die Kinder sind mit Bibelcamps, Lobpreisung und dem Pastor und Jesus als wichtigste Menschen in ihrem Leben groß geworden.
Heute leben Sie in einer WG, finden ihren Weg durch Studium und Job und leiten die Bibelcamps, die sie früher selbst besucht haben. Und beide strugglen für sich, im Geheimen. Sie, weil sie als Frau eine wichtigere Rolle in der Gemeinschaft einnehmen möchte und dabei gegen Mauern rennt. Und er …er versucht mit sich selbst ins Reine zu kommen, und hat seine eigenen Schwierigkeiten mit den Geboten der Gemeinschaft.Das Buch spielt in Deutschland, was es für mich deutlich nahbarer gemacht hat, als ein Buch über Sekten in der USA. Wir vergessen gerne, dass es auch in deutschland Bibel-treue christliche Gemeinschaften, um nicht Sekten zu sagen, gibt. Gerade durch dieses "nahe" Szenario und auch durch den leichten und flüssigen Schreibstil ist das Buch sehr gut lesbar. Es wird sogar ein wenig Spannung aufgebaut, da erst gegen Ende die tief liegenden Ursachen für die Inneren und tief vergrabenen Konflikte an die Oberfläche kommen. Dieser tägliche Struggle macht die Charaktere nahbar und nachvollziehbar, da es um Probleme geht, die viele junge Menschen haben. Wenn auch vor einem anderen sozialen und religiösen Hintergrund.
Monstergott ist ein sehr gutes Buch, dass zeigt wie "leicht" es ist in eine fundamentalistischen christliche Gruppierung zu kommen, und wie sehr die Art der Erziehung das Leben Formen kann.
So sehr ich das Buch aber geliebt habe, hat mir persönlich eine Stellungnahme der Autorin gefehlt, inwiefern sie sich auf reale Ereignisse bezieht, ob sie in einer entsprechenden Kirche zu Besuch war, ob sie mit Aussteigern gesprochen hat, oder ob sie sich die Definition einer Freikirche durchgelesen hat, und ihr Buch darauf basiert hat…
Und wie bei vielen Büchern über Konflikte war mir das Ende auch hier zu schnell und zu (un)rund gelöst. Es dürfen auch Konflikte bleiben. Wenn eine Familie all ihre überzeugungen jahrelang auf Glaubensgrundsätze stützt und der Pastor die höchste Instanz ist, ist für mich eine 180 Grad Wendung innerhalb eines Gesprächs nicht glaubwürdig. Da ist Tiefenarbeit notwendig.
Das alles macht das Buch nicht weniger lesenswert. Für alle, die sich für den Glauben in der modernen Zeit interessieren und für die Konflikte die daraus entstehen können, kann ich das Buch sehr empfehlen! - Tillie Cole
Hades' Hangmen - Kyler
(90)Aktuelle Rezension von: Kitty_CatinaEine außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das bekommt man auch im zweiten Band der Reihe um die Hades' Hangman, dazu viel Gewalt, einiges an Drama und ein paar sehr prickelnde Momente. Natürlich sollte man sich aber immer bewusst sein, dass auch diese Geschichte mit der Realität nicht allzu viel gemein hat. Trotzdem habe ich sie geliebt.
Der Schreibstil der Autorin ist auch hier wieder flüssig und leicht verständlich. Die Sprache ist grob und unerbittlich, mit den gleichen kleinen Macken, wie in Band eins, aber es gibt auch ein paar echt tiefgründige Dialoge.
Die Sprecher des Hörbuchs sind die Gleichen wie aus dem Vorgängerband, aber man merkt es eigentlich gar nicht, weil sie es schaffen, jeder Figur einen eigenen Charakter zu verleihen.
Was die Geschichte angeht, so ist diese nicht weniger atmosphärischer, spannender und prickelnder als im ersten Band. Vielmehr entwickelt sich die Liebesgeschichte langsamer und das Vertrauen zwischen Ky und Lilah wächst stetig, wobei an emotionalen Momenten nicht gespart wurde. Dafür verantwortlich sind unter anderem richtig schöne, teils witzige und fast schon romantische Szenen, die außerhalb der Unterkunft des Motorradclubs spielen. Überhaupt wird die Welt hier noch ein bisschen ausgedehnt. Ebenfalls gab es hier noch mehr Rückblicke auf die Vergangenheit Lilahs als auch ihrer Schwestern und man bekommt mehr Einblicke auf das jetzige Neu Zion, die Gemeinde, welche ich als alles andere als christlich bezeichnen würde. So werden hier einige Kapitel aus Cains, alias Riders, Sicht erzählt, woran man sich zwar erst einmal gewöhnen muss, doch es ist auch wichtig, um die Hintergründe einiger Entwicklungen im Laufe der Geschichte zu verstehen.
Jedenfalls ist die Geschichte wieder einmal nicht so leicht zu ertragen und es kommt einmal mehr zu einiger Gewalt, Entführungen und Misshandlungen. Dafür ist die Liebesgeschichte richtig toll und ich liebe den Zusammenhalt unter den Hangman, die Brüderlichkeit und Liebe.
Die beiden Protagonisten fand ich in diesem Band allerdings ein klein wenig schwierig, was allerdings nicht daran liegt, wie diese geschrieben wurden, sondern vielmehr an deren Charakter. Mit Kyler kam ich soweit klar, aber er war nichts Besonderes für mich, nicht der nette Kerl von nebenan, aber auch kein riesiger Sympathieträger. Lilah aber fand ich teilweise sehr anstrengend. Es war zwar die ganze Zeit nachvollziehbar, warum sie so ist, schließlich wurde sie ihr Leben lang indoktriniert und gehirngewaschen, aber dennoch war sie nicht unbedingt mein Lieblingscharakter und ich war oft genervt von ihr. Die beiden zusammen haben mir aber dann wieder gut gefallen und ich mochte auch ihre Beziehung zueinander.
Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich auch diesen Band, trotz ein paar Kleinigkeiten, die ich nicht so mochte, wieder richtig gern gehört habe. Ich fühlte mich die ganze Zeit großartig unterhalten, es war nervenzerreißend und sexuell aufgeladen und ich wollte immer wissen, wie es weitergeht, so dass es mir schwergefallen ist, das Hörbuch zwischendurch auch einmal auszuschalten.
- Anthony Horowitz
James Bond: Mit der Absicht zu töten
(14)Aktuelle Rezension von: jackdeckNachdem er in Trigger Mortis – Der Finger Gottes von James Bonds ersten Auftrag als 007 erzählte und danach den Roman Ewig und ein Tag in der Mitte der Karriere des Geheimagenten ansiedelte, vollendet Horowitz jetzt seine Trilogie. Im Gegensatz zu fast allen anderen nicht von Ian Fleming geschriebenen 007-Büchern wird auch in Mit der Absicht zu töten keine in der Gegenwart angesiedelte Geschichte erzählt, die sich zudem auch noch darum bemüht, die Gigantomanie der 007-Kinofilme zu übertreffen. Anthony Horowitz, der bereits Bücher mit Sherlock Holmes schrieb, lässt seine Geschichte 1964 spielen, also in jenem Jahr in dem Ian Fleming starb und nicht mehr erlebte, wie sein letzter Roman Der Mann im dem goldenen Colt veröffentlicht wurde.
Fleming erzählt in diesem Buch nicht nur davon, wie James Bond versuchte, jenen gefährlichsten Hitman Francisco “Pistol“ Scaramanga zu töten, den Christopher Lee in der Verfilmung spielte. Am Anfang des Romans geht es darum, dass der KGB dem gefangen genommenen 007 das Gehirn gewaschen hat und nach London zurückschickt, damit dieser seinen Chef M tötet. Doch der Anschlag misslingt und nach einer intensiven Elektroschock-Behandlung ist Bond fast wieder der Alte und darf daher den Mann mit dem goldenen Colt jagen. Hier knüpft Anthony Horowitz an und lässt seinen Roman mit einem Begräbnis von M beginnen.
Die Beerdigung wurde in der Hoffnung fingiert, dass jene Russen, die Bond einst umdrehen wollten, den angeblichen Mörder aus der Haft befreien, um ihn für ihre Zwecke einzusetzen. Der Plan klappt, und 007 landet erst in Sankt Petersburg und dann in Moskau. Nach einigen perversen Tests wird er mit einem Mordauftrag nach Ostberlin geschickt. Horowitz gelingt auch diesmal eine spannende Geschichte, die genau wie Flemings Romane dadurch fasziniert, dass die Schauplätze, aber auch die Speisen und Getränke, detailliert beschieben werden. Natürlich gibt es auch eine bittersüße Love Story, sowie ein großartiges Finale. Dieses ist als letzter Einsatz von James Bond sehr viel überzeugender als Daniel Craigs Schwanengesang in Keine Zeit zu sterben. - Ed Brubaker
Scene of the Crime
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenJack Herriman ist ein Exjunkie und Privatdetektiv, der versucht, sein Leben wieder auf Kette zu kriegen. Er wohnt unter seinem Onkel Knut Herriman (jawohl, DEM Knut herriman), beühmter Zeitungs- und Polizeiphotograph, und dessen Dauerverlobter Molly, die sich den ganzen Tag piesacken, in San Francisco und versucht, sich über Wasser zu halten. Paul Raymonds, Sergeant beim SFPD, vermiitelt ihm Alex Jordan als Klientin, die sich Sorgen wegen ihrer verschwundenen Schwester macht. Als sich herausstellt, daß die Schwester sich mit einer zwielichtigen Hippiekommune eingelassen hat und bald darauf erschossen in einem Motelzimmer aufgefunden wird, ist klar, daß noch viel mehr dahinter steckt. Eine spannende Crime noir-Geschichte mit einigen routinierten Wendungen, aber die Auflösung kommt überraschend und gefesselt folgt man der Story bis zum letzten Bild. Der einäugige Jack wird häufig so gezeigt, daß das blinde Auge sich im Schatten befindet. Mal drauf achten!
- diverse
SUPERMAN 21. SUPERBAND - SUPERBOY und die Legion der Superhelden ?!
(1)Aktuelle Rezension von: HoldenWie kann man Lana Lang, liebesbedürftige Jugendfreundin, nur so brüsk mit zwei fallenden Äpfeln außer Kraft setzen? Aber Clark in jung wird nach Metropolis ins 30. Jahrhundert gerufen, er weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, daß die Rückkehr von Brin LOndo ("Waldwolf") gefeiert werden soll, der quasi back from the dead ist. Wie konnte er die schwere Asteroidenexplosion überleben? Körperlich scheint mit ihm nichts geschehen zu sein, aber was ist mit seinem Geist, ist da auch alles supie sorry)?. ..In der Abwehr der interstellaren Gefahr wird Teamwork gepriesen, neben sexy Saturngirl ein schöner Nebeneffekt der Story.
- Nicholas Briggs
The Prisoner: Series 1
(1)Aktuelle Rezension von: TheSaintDie TV-Serie "The Prisoner" (im deutschen Sprachraum: "Nummer 6") zählt zu den einflussreichsten Serien der TV-Geschichte und spielte eine Vorreiterrolle für das Genre "Mystery"...
Die Geschichte um einen namenlosen Agenten, der seinen Dienst quittiert, jedoch den Ausstieg nicht schafft, sondern in die Mühlen der Verhörmaschinerie gerät, war vor 50 Jahren (1967-68) verstörend und beunruhigend. Der TV-Zuseher rätselte 17 Folgen lang über den Inhalt der Serie und wurde schlußendlich ohne eine Auflösung der Geschichte zurück gelassen...
Jahrzehnte später sollte David Lynch mit "Twin Peaks" Ähnliches versuchen... doch während sich seine zu Beginn faszinierende TV-Serie nach einigen Folgen in einem bildgewaltigen aber sinnleeren Kaleidoskop an wirren Charakteren verliert, bewahrt "The Prisoner" seine Eleganz und seine Konsequenz...
Was wohl neben einem sehr eloquenten Patrick McGoohan auch dem Schauplatz der Serie geschuldet ist: Das pittoreske Örtchen Portmeirion in Wales!
"Big Finish" hat sich zum 50jährigen Jubiläum dieser Kultserie angenommen und präsentiert eine wunderschön und aufwändig gestaltete Box mit 5 CD's (4 Folgen á 60 Minuten + 1 Doku-CD) und Souvenir-Booklet. Alleine das Betrachten dieses "Buches" und das Lesen der Infos bereitet ganz große Freude, welche dann durch exquisite Arbeit der Autoren, Tontechniker und Sounddesigner wie auch von Mark Elstop, der mit unglaublicher Präsenz und Glaubwürdigkeit "Number 6" spricht (und wunderbar an Pat McGoohan erinnert), belohnt!
In den vier Folgen wird nicht der Inhalt der TV-Serie nacherzählt, sondern das Grundmaterial genommen und sacht modernisiert und weiter ausgeführt.
Vor 50 Jahren war es McGoohan schon wichtig gewesen, die Zuseher vor unkontrolliertem Fortschritt und der damit einhergehenden Entpersonifizierung zu warnen...
Er war ein Visionär... nur werden die von ihm in der Serie gezeigten Überwachungs- und Manipulationsversuche einer geheimen Obrigkeit sowie das Verkommen des Individuums zu einer Nummer in einer gleichgeschalteten Gesellschaft heute bei weitem übertroffen!
Daher sind die vier Abenteuer in dieser Box brandaktuell und "Wachrüttler" für den Zuhörer...
Beeindruckend die erste CD "Departure and Arrival", in welcher der Agent seine Kündigung einreicht, jedoch seinen Ausstieg nicht antreten kann und an einem geheimen Ort namens "The Village" aufwacht, wo er zu "Nummer 6" verkommt.
"The Schizoid Man" ist wohl die verstörendste Episode dieser Box und man leidet mit Nummer 6, der mit Drogen und durch Gehirnwäsche gebrochen werden soll, um endlich der stets wechselnden Nummer 2 die wahren Gründe seines Ausstiegs zu nennen.
"Your Beautiful Village" zieht die Schraube nochmal an und man wird wie die Hauptfigur selbst nervös und fahrig. Nummer 6 wacht in kompletter Dunkelheit auf und wird mittels furchtbarer Geräusche, Dialogfetzen orientierungslos gemacht... Die Klaustrophobie und die psychische Gewalt wird durch überragende Soundarbeit und durch ein exzellentes Drehbuch körperlich spürbar auf den Hörer übertragen.
"The Chimes of Big Ben" konfrontieren Nummer 6 mit einer neuen Gefangenen. Die starke, unabhängige Frau verweigert wie er zu einer Nummer zu verkommen. Er schließt sich mit ihr zusammen und Beide hoffen, durch vereinte Kraft aus dem Village zu entkommen...
Eine ganz ausgezeichnte Audio-Box für Freunde der Kultserie sowie des Agenten-Genres. Hervorragende Sprecher (u. a. Celia Imrie) und clevere Skripts warnen vor dem Einlullen durch Regierungen und Obrigkeiten. Dies ist sowieso schon zu weit fortgeschritten. Die Gesellschaft hat schon viele Freiheiten und eigene Gedanken aus Bequemlichkeit abgegeben.
Daher höre man auf das wutentbrannte Rufen von "Nummer 6":
"I AM NOT A NUMBER! I AM A PERSON!" - Pia Lamberty
Gefährlicher Glaube: Die radikale Gedankenwelt der Esoterik
(1)Noch keine Rezension vorhanden























