Bücher mit dem Tag "gender studies"

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51 Bücher

  1. Cover des Buches Das andere Geschlecht (ISBN: 9783499227851)
    Simone de Beauvoir

    Das andere Geschlecht

    (68)
    Aktuelle Rezension von: julia-elysia

    Ich habe Auszüge des Buches in meinem Studium behandelt und es nun zu großen Teilen - allerdings nicht komplett - gelesen.

    Mit seinen knapp tausend Seiten ist das Buch keine kurze und einfache Lektüre. Simone de Beauvoir erklärt ausführlich, dass man nicht als Frau geboren, sondern zu dieser gemacht wird. Hierzu hat sie das Werk in zwei Teile geteilt. Der erste Teil befasst sich mit den Fakten und Mythen und ist in die Kapitel "Schicksal", "Geschichte" und "Mythos" unterteilt. Der zweite Teil befasst sich mit den gelebten Erfahrungen der Frau und genauer mit dem Werdegang, der Situation, den Rechtfertigungen und dem Weg zur Befreiung.

    Das Buch ist nichts für zwischendurch. De Beauvoir untersucht auf biologischer, historischer, philosophischer und soziologischer Ebene, inwieweit Frauen zum anderen Geschlecht (gemacht) wurden. An einigen Stellen wiederholt die Autorin sich; oft führt sie sogar ähnliche Aussagen, die sie bereits zu Beginn getätigt hat, später noch einmal auf.

    Dennoch hat sich de Beauvoir ausführlich mit dem Thema beschäftigt und sich auch insbesondere mit den biologischen und historischen Aspekt auseinandergesetzt, um diese, so wie sie seit Jahrhunderten weitergegeben werden, zu entkräften und den Ursprung der vermeintlichen biologischen und historischen Gegebenheiten zu erläutern.

    Trotz dessen ist das Werk auch noch über 70 Jahre nach Erscheinung von erschreckender Aktualität. Viele Passagen, die ich gelesen habe, haben immer noch ihren aktuellen Wert und haben sich bis heute nicht geändert. Auch wenn das Werk kein einfaches oder kurzes ist, würde ich dieses sehr empfehlen, zumindest auch ausschnittweise.

  2. Cover des Buches Witches, Bitches, It-Girls (ISBN: 9783499011160)
    Rebekka Endler

    Witches, Bitches, It-Girls

    (48)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    Dieses Buch hatte ich vorbestellt und nun doch etwas gebraucht, um es zu lesen. Ich glaube, ich hatte Angst, dass ich bei der Lektüre so wütend werden würde über die Sachen, die Endler hier erzählt. Und ja, ich wurde wütend, aber gleichzeitig unterhält Endlers pointierter Humor hervorragend. Und: Bei der Lektüre fühlt ihr euch als Feminist*innen und als Menschen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, nicht alleine. Und das tut soooo gut.

    Wie schon Endlers erstes Buch „Das Patriarchat der Dinge“ liefert sie wieder unzählige, grandios recherchierte und dargestellte Fakten. Wie wurden und werden Frauen und queere Menschen dargestellt, vorgeführt, sexualisiert, herabgewürdigt, etc.. Kanonisierung bzw. fehlende Kanonisierung ist oftmals das Mittel der Wahl. Die Wrestlerin Chyna zeigt auf ganz tragische Weise und dennoch idealtypisch, wie Frauen Geld und Ruhm verwehrt werden. Bigott und letztlich perfide wurden bei Chyna unterschiedliche Maßstäbe an Männer und FLINTAs angewendet. Gleichzeitig führte die Nichterfüllung vermeintlicher Geschlechternormen zu gesellschaftlicher Stigmatisierung führen.

    Dazu denkt Endler Feminismus immer intersektional, das beginnt schon beim Vorwort, das einen Publikumskommentar bei einer Lesung zu der angeblichen Verdrängung von Frauen durch trans Frauen zum Einstieg nimmt. In „Witches, Bitches, It-Girls“ erzählt Endler noch häufiger von ihren persönlichen Erfahrungen, entweder in kleinen Episoden oder ihrer klareren Haltung. Dabei gelingt ihr die Kunst, von ihrem persönlichen Erfahrungen auf die allgemein gültige Ebene zu verweisen und umgekehrt. Ihr beißender und doch leichter, beschwingter Humor ließ mich immer wieder laut auflachen. So lassen sich die historischen „WTF???“-Momente ebenso gut ertragen, wie der Backlash, den aufmerksame Menschen nicht nur täglich mit Manosphere, Trump und Tradwives erleben, sondern der selbstverständlich im Buch thematisiert wird. Popkultur schildert Endler als Trägerin und Katalysator von misogynen Vorstellungen, ob das nun ein Film wie „Miller’s Girl“ ist oder die Leidensgeschichte von Britney Spears, die ihr Vater ohne die Haltung der Öffentlichkeit vermutlich nicht hätte entmündigen können. Endler hinterfragt dazu tradierte Vorstellungen, wie dass Hebammen die Hauptopfergruppe der Hexenverfolgungen gewesen sein sollen. Dass hier höchstwahrscheinlich weibliche Unternehmerinnen aus dem Markt gedrängt wurden, ist eigentlich nochmal fieser.

    Ich kann diese Fülle an Beispielen in der Kürze nicht annähernd so gut schildern, wie Endlers in ihrem tollen Buch. Darum lest es! Ich selbst nehme mir fest vor, das Buch demnächst ein zweites Mal als Print zu lesen, damit ich mir die vielen Aspekte nochmal tiefer in mein Gedächtnis verankere, um sie bei den passenden Gelegenheiten zum Argumentieren benutzen kann.

    Jetzt beim ersten Mal hörte ich die Lesung der Autorin, der ich schon im Podcast mit Annika Brockschmidt „Feminist Shef-Control“ total gerne zuhöre. Endler transportiert beim Lesen eine gelungene Mischung aus Schalk, Nüchternheit und Empörung. Die bitteren Stellen zeigen Einfühlung und Respekt. (Nur manchmal fiel mir auf, dass an einigen Stellen neu beim Lesen angesetzt wurde. Aber das ist Kritik auf ganz hohem Niveau.)

    Lest/hört selbst! „Witches, Bitches, It-Girls“ hilft Muster zu erkennen und ihre Wiederholungen. Und macht zudem wirklich Spaß zu lesen. 5 von 5 Sternen.

  3. Cover des Buches Unsagbare Dinge (ISBN: 9783894018177)
    Laurie Penny

    Unsagbare Dinge

    (14)
    Aktuelle Rezension von: Brombeere

    Worum geht es?
    Um die systematische Benachteiligung von Frauen in vielen Bereichen des Lebens.

    Worum geht es wirklich?
    Ansprüche, Sex und Selbstbestimmung.

    Lesenswert?
    Ja, ein wirklich gutes Sachbuch, das sich lohnt.
    Es ist nicht Pennys erstes Werk und sie kann auf jeden Fall schreiben, Dinge klug in einen Zusammenhang setzen und beim Lesen auf diverse Probleme unserer Gesellschaft hindeuten. Logisch verknüpft sie die unterschiedlichen Bereiche und die dort einhergehende Diskriminierung und stellt Forderungen.

    Die Sprache ist rotzig, frech, direkt, aber wunderbar lesbar und an vielen Stellen auch sehr unterhaltsam. Das hat mir gut gefallen; auch wenn ich verstehen kann, dass das nicht für jede*n Leser*in gilt. Die Wortwahl ist umgangssprachlich und derb in einigen Sätzen, aber auch das passt irgendwie sehr zu dem Inhalt dieses Buches. Zudem beschreibt sie einzelne Szenen humorvoll, sodass das Buch auch noch unterhaltsam und nicht nur lehrreich ist. An einigen Stellen benutzt sie eine inklusive Sprache, allerdings nicht durchgängig und ab und zu finden sich leider auch diskriminierende Aussagen.

    Auch wenn ich die Sprache zu Beginn als frisch und gut empfunden habe, war es geballt auf den gut 250 Seiten dann schon sehr viel und zwischendrin auch das ein oder andere Mal anstrengend.

    Ob man hier neues dazu lernt, hängt vermutlich vom Wissensstand ab, mit dem man dieses Buch beginnt. Aber auch, wenn man schon einiges gelesen hat zu den Themen, ist Pennys Zusammenfassung und Schlussfolgerung bereichernd, wirkt in sich schlüssig.

    Ich kann nicht sagen, ob ich nun zwingend ein weiteres Buch eben dieser Autorin lesen möchte. Erst mal ist eine kleine Sättigung eingetreten.

    Wirklich positiv überrascht bin ich von der Lesbarkeit dieses Titels aus den „Nautilus Flugschriften“, da ich ein eher langweiliges und schwer lesbares Sachbuch erwartet/befürchtet habe und somit sehr erstaunt war über die gute Lesbarkeit und die unwissenschaftliche Sprache. Da habe ich gleich Lust, noch andere Bücher aus der Reihe kennenzulernen.

  4. Cover des Buches Das Patriarchat der Dinge (ISBN: 9783832166298)
    Rebekka Endler

    Das Patriarchat der Dinge

    (44)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    Endlers Buch ist so toll, dass ich es bereits zwei Mal mit Begeisterung gelesen habe. Und ich werde sicherlich auch weiterhin darin nachschlagen und daraus zitieren. Viele Frauen haben vermutlich das Gefühl, dass viele Gegenstände, Gegebenheiten, allgemeiner das Design der Welt nicht so wirklich passen. Aber zumindest ich dachte ja noch in meinen 20ern oft, dass das an mir läge. Doch es liegt am Design, das einfach nicht für Frauen gemacht ist. (Für PoCs, trans Personen und Menschen mit Behinderung übrigens auch nicht und es ist wichtig, dass Endlers im letzten Kapitel eine intersektionale Brücke schlägt.)

    In einer Welt, in der kürzlich ein bekannter Theatermacher meinte: „Ich dachte immer, das Patriarchat sei überwunden“, und erst der Fall Pelicot zu einem Heureka-Moment führte, dass dies ein Trugschluss war – in dieser Welt ist das Bewusstsein um dieses patriarchales Design oftmals mehr als mangelhaft. Und obwohl ich mich schon seit langem mit struktureller Diskriminierung beschäftige und einige Aspekte aus dem Buch schon bei der Erstlektüre kannte, haben mich einige Tatsachen wieder überrascht. Das krasseste Beispiel: Das Satteldesign im Radrennsport wurde rein auf die männliche Anatomie angepasst. Die britische Profi-Radsportlerin Hannah Dines dachte zunächst auch, es läge an ihr, als sie Hornhautabschürfungen und eingewachsene Schamhaare bekam. Doch es blieb nicht dabei, die chronischen Entzündungen der äußeren Schamlippen und Lymphknoten führten zu Verhärtungen, die schließlich chirurgisch entfernt werden müssen. All das nur, weil die Industrie keine Sättel für Frauen konstruiert, die gut 50 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen. Und es liegt NICHT am Profisport, denn Männer haben keine solchen Probleme.

    Cis Frauen sterben statistisch viel häufiger an Herzinfarkt, obwohl sie ihn seltener bekommen, einfach, weil ihre spezifischen Symptome nicht erkannt (oder nicht ernst genommen) werden. Es gibt langweilige Witze darüber, dass Frauen so lange auf Toilette brauchen würden, dabei liegt es auch daran, wie das Design der Toiletten aussieht. Endler sammelt viele solche Beispiele und es wird deutlich: Es gibt noch ganz viel zu tun.

    Dabei macht Endlers Stil wirklich großen Spaß zu lesen. Sie dosiert die Analyse, die Verwunderung, die Absurdität ausgezeichnet.

    Bitte lesen! 5 von 5 Sternen.

  5. Cover des Buches Medusa: A beautiful and profound retelling of Medusa’s story (ISBN: 9781526662408)
    Jessie Burton

    Medusa: A beautiful and profound retelling of Medusa’s story

    (6)
    Aktuelle Rezension von: buecher_t1na

    Mir hat Medusa von Jessie Burton sehr gut gefallen. Das Cover finde ich allgemein schon schön, das grün mit der Zeichnung von Medusas Kopf in Gold.
    Das Buch hatte ich spontan aus einem englischen Buchladen in Warschau letztes Jahr im September mitgenommen. Da ich aktuell Assassin's Creed Odyssey spiele, interessiert mich auch die griechische Mythologie sehr.

    Aber! Dieses Buch ist ein Retelling, es ist nicht die Story, wie sie wohl offiziell lautet. Es ist eher zu betrachten als "Was wäre, wenn..." es anders gekommen wäre, wenn sich die Personen anders verhalten hätten.
    Die Story allgemein erstmal: Medusa ist eine Priesterin im Tempel der Athene. Eine schöne junge Frau und zieht damit die Aufmerksamkeit von Poseidon auf sich. Und wie ich die griechischen Götter jetzt kennen gelernt habe, machen sie das worauf sie Lust haben - also nimmt sich Poseidon Medusa einfach (nett ausgedrückt). Athene ist darüber erzürnt, weil sie aber gerade nicht an Poseidon rankommt, verflucht sie Medusa. Also I'm sorry, aber Medusa ist komplett das Opfer in der Geschichte und wird dafür auch noch bestraft! WTF! und dann hört ein König von Medusa, und schickt Perseus los um ihren Kopf zu holen, damit Perseus seine Mutter retten kann. Wenn ich hier eins gelernt habe, dann nur, dass Medusa mir leid tut.

    Zurück zum Buch: Medusa lebt mit ihren Schwestern, den Gorgonen zusammen. Nach dem Fluch aber zieht sie sich zurück und will auch mit niemanden reden, was man total verstehen kann.
    Dennoch sieht sie eines Tages, wie ein junger kräftiger Mann mit seinem Boot an der Insel anlegt. Sie sprechen miteinander, aber so, dass Medusa verborgen in der Höhle ist und der junge Mann auf der anderen Seite. Und sie sprechen miteinander, tauschen ihre Gefühle aus. Man fühlt mit den beiden mit.
    Leider stellt sich aber heraus, dass dieser junge Mann Perseus ist und er genau die junge Frau auf der anderen Seite töten soll. Zum Ende sage ich natürlich nichts. :)

    Mir hat das wirklich gut gefallen! Die 170 Seiten ließen sich auch schnell und gut lesen. Auf Grund dieses Buches habe ich mir dann später noch "Stone Blind - Der Blick der Medusa" aus der Bibliothek ausgeliehen. 

  6. Cover des Buches Die Wahrheit über Eva (ISBN: 9783499000546)
    Carel van Schaik

    Die Wahrheit über Eva

    (7)
    Aktuelle Rezension von: toms

    Ein wichtiges und längst überfälliges Buch: van Schaik und Michel zeichnen die kulturelle Entwicklung der Rolle der Frau von der Sesshaftwerdung bis in die Neuzeit nach. Ihr Befund: Nicht die Biologie, sondern kulturelle Prozesse führten zur Unterdrückung von Frauen.

    Die Stärke des Buches liegt im roten Faden, der historische, biologische und anthropologische Zusammenhänge zu einer klaren Erzählung verbindet. Zugleich gibt es Schwächen: Schon zu Beginn bauen die Autoren auf einem fragilen Fundament, indem sie einen nur provisorisch gedeuteten ugaritischen Schöpfungsbericht zum Ausgangspunkt machen. Hinzu kommen Wiederholungen, die das Buch unnötig in die Länge ziehen.

    Viele Thesen sind plausibel und faktenreich, andere bleiben eher spekulativ. Dennoch gelingt es den Autoren, eine eindringliche Erzählung über die langsame Entstehung der Benachteiligung und Unterdrückung von Frauen zu entwerfen. Ein gutes aber nicht in allen Punkten überzeugendes Buch – weshalb es für mich keine volle Punktzahl bekommt.

  7. Cover des Buches Politische Männlichkeit (ISBN: 9783518127650)
  8. Cover des Buches King Kong Theorie (ISBN: 9783462052398)
    Virginie Despentes

    King Kong Theorie

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Sam_antha

    “So I am writing from here, as one of the left-overs, one of those weirdos, the ones who shave their heads, those who don't know how to dress, those who worry that they stink, those who have rotten teeth, those who don't know how to go about things, are never given presents by men, those who will fuck anyone who'll have them, the fat tarts, the skinny sluts, those whose cunts are always dry, those who have big bellies, those who would rather be men, those who behave as if they were men, those who think they're  porn  queens,  who  don't  give  a  damn  about  guys  but  who  are interested in their girlfriends, the ones with big asses and thick, dark body hair they don't wax, brutish, noisywomen, who destroy everythingthat gets in their way, those who don't like perfume shops, whose red lipstick is too red, who haven't got the figure to dress like hookers and yet desperately want to, women who want to wear men's clothes and a beard in the street, those who want to show it all, those whose shyness is due to their hang-ups,

    those who don't know how to say no, those who are locked up in order to be controlled, women who are scary, pitiful ones, women who don't turn menon, those with flabby skin and a face full of wrinkles, those who dream of plastic surgery, of liposuction, of having their nose broken so it can be reset but can't afford it, women who look like the back of a bus, those who can only rely on themselves for protection, who don't know how to comfort others, who couldn't care less about their kids, those who like to get drunk in bars and collapse on the floor, women who don't behave. And in the same vein, while I'm at it, I'm writing for men who don't want to protect, men who would like to be protective but don't know where to start, men who don't know how to fight, those who cry easily, those who aren't ambitious, competitive,  well-hung  or  aggressive,  men  who  are  fearful,  timid, vulnerable, men who prefer looking after their home to going out to work, men who are fragile, bald, too poor to be attractive, men who'd like to be fucked, men who don't want to be counted on, men who are scared to be alone at night.”

  9. Cover des Buches Anti-Genderismus: Sexualität und Geschlecht als Schauplätze aktueller politischer Auseinandersetzungen (Gender Studies) (ISBN: 9783837631449)
  10. Cover des Buches Das beherrschte Geschlecht (ISBN: 9783492236195)
  11. Cover des Buches Female Choice (ISBN: 9783608501766)
    Meike Stoverock

    Female Choice

    (20)
    Aktuelle Rezension von: KateRapp

    Dieses populäre Sachbuch ist eine unterhaltsame Einführung in die Reproduktionsbiologie und in die Folgen für die menschliche, insbesondere unsere androzentrische Gesellschaft.

    Auf den ersten Hundert Seiten wird zunächst einmal das Sexualverhalten im Tierreich anhand zahlreicher unterhaltsamer Beispiele erläutert, die Tatsache, dass Female Choice auf einem geringen Angebot an Eizellen und einem Überangebot an Spermien beruht und dem sich daraus entwickelnden Konkurrenzverhalten der Männchen um die begehrten Weibchen. Schillernde Federn, aufgeblasene Backen, derwischartige Balztänze, all das hat nur das eine Ziel: die Fortpflanzung des Männchen durch Ausstechen der Konkurrenten sicherzustellen. Dass es einige Ausnahmen von der Regel gibt, wie bei Seepferdchen oder sich klonenden Rennechsen bleibt allerdings auch nicht unerwähnt.

    Wenn sich die Frage stellt, wie die Tatsache der Female Choice sich bei uns Menschen auswirkt, kommt man nicht umhin, anzuerkennen, dass auch Gewaltbereitschaft ein integraler  Bestandteil der männlichen Reproduktionsstrategie sein kann. Dass Opfer von Vergewaltigungen fast immer Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter sind, lege neben der Machtfrage auch eine unbewusste sexuell-reproduktive Absicht des Täters nahe.

    Die Kapitel sind mit griffigen Überschriften wie „Trostpflaster“ oder „Gleitmittel“ betitelt und ackern durch die Evolutionsgeschichte, göttliche Sexualmoral, Onanie und Feminismus,um am Ende das Wanken der androzentrischen Zivilisation und der Unterdrückung der natürlichen weiblichen Sexualität zu postulieren.

    „Der Versuch, die beiden Pole in einem sesshaften System unter einen Hut zu bringen, gleicht einer Operation am offenen Herzen, wir müssen an die wichtigsten und von der männlichen Zivilisation bestgeschützten Organe ran.“

    Vorschläge, dieses Dilemma der widerstreitenden männlichen und weiblichen Strategien gleichberechtigt und friedlich zu lösen, die explizit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, sind eine offenere und lockere frühzeitige Sexualerziehung der eigenen Kinder, insbesondere Ermutigung der Mädchen zu Lustgefühl und sexueller Triebbefriedigung. Zudem auch Lockerung der Verknüpfung von Männlichkeit mit Sexhaben und Auflockerung der Geschlechterrollen generell. Entkriminalisierung von Prostitution zu Sexbegleiterin, respektvolle, positive Pornografie zum Triebabbau, Sexpuppen. Und sie gipfeln in der Enttarnung der romantischen, monogamen Liebe als Lüge, der Reduzierung der Religion zur Privatsache und im grundsätzlichen Hinterfragen aller hierarchischen Gesellschaftssysteme.

    „Die Ehe ist ein Werkzeug, das aus dem unbedingten Unterdrückungs- und Kontrollwunsch der Männer entstanden ist und das die Gesetzgeber bis heute zur Benachteiligung von Frauen nutzen.“

    Bereits im Vorwort weist die Autorin darauf hin, dass sie einen biologistischen Ansatz verfolgt, der sich in der Übertragung auf den Menschen auf die häufigsten sexuellen Muster bezieht, andere sexuelle Orientierungen oder Genderidentitäten dadurch aber nicht negiert noch ausgrenzt.

    Es ist ein recht radikales, gut strukturiertes, unterhaltsames Buch, das in seinen Aussagen differenziert ist und auch ebenso differenziert gelesen und verstanden werden will und die Problematik mit geradezu umstürzlerischer Konsequenz zu Ende denkt.


    Tropen 2021

  12. Cover des Buches A Companion to Gender History (Wiley Blackwell Companions to World History) (ISBN: 9780470703465)
  13. Cover des Buches Vergewaltigung (ISBN: 9783960542452)
    Mithu M. Sanyal

    Vergewaltigung

    (8)
    Aktuelle Rezension von: downey_jr

    „Vergewaltigung“ von Mithu M. Sanyal, erschienen bei Edition Nautilus, ist ein kompaktes, faktenreiches Sachbuch, das verschiedene Perspektiven des Verbrechens „Vergewaltigung“ betrachtet.

     

    Die Autorin stellt kluge und provokante Analysen dar, die Machtstrukturen und Konzepte von Sexualität und gesellschaftlichen Normen kritisch hinterfragen. Dabei beleuchtet sie historische, kulturelle und aktuelle Aspekte.

     

    "Mit den Worten der Historikerin Joana Bourke: 'Vergewaltigung ist eine Form von sozialer Performance: Sie ist hochritualisiert. Sie variiert von Land zu Land und zwischen unterschiedlichen Zeiten. an Vergewaltigung ist nichts Zeitloses oder Zufälliges. Ganz im Gegenteil sind Vergewaltigung und sexuelle Gewalt tief in konkreten politischen, ökonomischen und kulturellen Umständen verwurzelt.'"

     

    „Es gibt nicht die Wahrheit, die eine autoritative Geschichte über Vergewaltigung, sondern immer viele Wahrheiten und viele Blickwinkel. Es ging mir darum, Fenster zu öffnen und unterschiedliche Narrative hörbar zu machen, in dem Wissen, dass es - zum Glück - immer noch viel mehr zu sagen und zu reflektieren gibt.“

     

    Mithy M. Sanyal geht der Frage nach, was Selbstbestimmung und Konsens wirklich bedeuten:

     

    "Denn Konsens bedeutet nicht freier Wille, sondern freier Wille unter den gegebenen gesellschaftlichen Umständen."

     

    Sie beleuchtet die rechtliche und soziale Bedeutung des Sexualstrafrechts und sie analysiert die Kulturgeschichte der Vergewaltigung, die Rolle von Geschlechterbildern und Rassismus sowie die Entwicklung der Rechtssprechung.

     

    Ein kluges, tiefgründiges Buch, das volle Aufmerksamkeit beim Lesen fordert, aber einiges zu bieten hat.

  14. Cover des Buches Kelch und Schwert. Von der Herrschaft zur Partnerschaft. Weibliches und männliches Prinzip in der Geschichte (3442124964) (ISBN: B004KUKPEW)
  15. Cover des Buches Warum Feminismus gut für Männer ist (ISBN: 9783962890551)
    Jens van Tricht

    Warum Feminismus gut für Männer ist

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Jo_Ri_09

    Absolut Goldwert. Hat mich sehr bereichert und bestärkt auf einem guten Weg zu sein.

  16. Cover des Buches Einführung in die Historiographie der Homosexualitäten (ISBN: 9783892956785)
  17. Cover des Buches Die Ordnung der Geschlechter (ISBN: 9783593343372)
  18. Cover des Buches Die pinke Linie (ISBN: 9783518429884)
  19. Cover des Buches Frauen & Männer und Pornographie: Ansichten - Absichten - Einsichten (ISBN: 9783596101498)
  20. Cover des Buches Wir Untoten des Kapitals: Über politische Monster und einen grünen Sozialismus (edition suhrkamp) (ISBN: 9783518127469)
  21. Cover des Buches Der lange Weg zu Freiheit und Gleichheit (ISBN: 9783851141665)
  22. Cover des Buches Speculum, Spiegel des anderen Geschlechts (ISBN: 9783518109465)
  23. Cover des Buches Die Töchter der Penelope. Elemente des Weiblichen (ISBN: 9783530129403)
  24. Cover des Buches Trans. Frau. Sein. (ISBN: 9783960428053)
    Felicia Ewert

    Trans. Frau. Sein.

    (6)
    Aktuelle Rezension von: spookytree

    Auf dieses Buch habe ich schon lange vor seiner Erscheinung voller Vorfreude gewartet. Seit Jahren folge ich Felicia Ewert auf Twitter und bin begeistert von der ganzen Aufklärungsarbeit, die sie dort leistet – unbezahlt und oft im Fadenkreuz transfeindlicher, misogyner und lesbophober Tweets. Eine so undankbare wie wichtige Aufgabe, der sie mit Bravour nachkommt.

    Das Buch allerdings, muss ich sagen, hat mich leider enttäuscht.
    Inhaltlich habe ich nichts auszusetzen – in detailgenauer Arbeit analysiert die Autorin die Aspekte des Transsexuellengesetzes, legt die Verflechtungen von Ableismus und Transfeindlichkeit offen, erzählt von alltäglichen absichtlichen wie unabsichtlichen Feindseligkeiten gegen trans Personen. Bei all dem verliert sie nie die Tatsache aus den Augen, dass von allen Menschen Transfeindlichkeit ausgehen kann, da wir alle, auch Personen voll guten Willens oder Personen, die selbst trans sind, in einer Gesellschaft der strukturellen Diskriminierung aufwachsen. Diese Positionierung innerhalb eines Systems anstatt der eine „objektiven“ Beobachtungsinstanz ist etwas, das ich in vielen kritischen Texten vermisse.

    Das Enttäuschende war, dass das Buch wohl nur durch einen sehr, sehr oberflächlichen Lektoratsprozess durchlaufen hat. Bei diesem Thema bin ich bei kleinen/unabhängigen Verlagen sowie Self-Publishern eigentlich sehr kulant. Ich schwenke die Flagge des Teams „Inhalt über Form!“ und wenn ich twittere ist mir kaum etwas weniger wichtig als korrekte Rechtschreibung oder Grammatik. In diesem Buch aber wimmelte es in einem solchen Maße von Tippfehlern, seltsam platzierten Satzzeichen und unvollständigen Sätzen, dass teilweise das Verständnis des Inhalts sehr erschwert wurde. Hinzu kommt eine häufige Verwendung von Internet-Sprechweise (*zwinker*, lmao) und ständige Verweise auf online-Diskurse.

    Ich kann selbst nur sagen, das Buch verstanden zu haben, weil ich mich mit den angesprochenen Themen schon vorher ziemlich gut auskannte und auch relativ gut dabei bin was ein aktuelles Wissen darüber betrifft, was in LGBT-Online-Communities gerade diskutiert wird. Als ein Einstieg für Menschen, die sich mit der Thematik Transsexualität noch überhaupt nicht auseinandergesetzt haben, und vielleicht auch gar nicht so viel im Internet unterwegs sind (ich denke da so an – ältere – Freund*innen und Verwandte, denen man vielleicht mit einem Buch einen kleinen Gedankenanstoß geben möchte, bevor man sich outet) kann ich das Buch leider nicht empfehlen.

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