Bücher mit dem Tag "gender"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "gender" gekennzeichnet haben.

76 Bücher

  1. Cover des Buches Eine Frage der Chemie (Schmuckausgabe) (ISBN: 9783492076005)
    Bonnie Garmus

    Eine Frage der Chemie (Schmuckausgabe)

    (790)
    Aktuelle Rezension von: 4nni

    Das Buch hat mich wirklich komplett mitgenommen: Freude, Liebe, Wut, Trauer, Fassungslosigkeit ... Binnie Garmus hat mit der Hauptfigur Elizabeth eine Frau erschaffen, die viele als Vorbild nehmen sollten, mich eingeschlossen!

    Elizabeth hat eine super trockene und direkte Art, was ich komplett gefeiert habe! Vor allem ist sie selbstbewusst und steht für sich und ihre Träume ein. Auch wenn ihr Weg nicht immer wie geplant verläuft, gibt sie nicht auf.

    Wirklich ein unglaublich tolles und inspirierendes Buch!

    Auch den süßen Hund Halbsieben habe ich direkt ins Herz geschlossen. Zwischendurch erfährt man immer mal wieder seine Sicht auf die Situationen und seine Gedanken dazu. Das bringt einen zwischendurch auf alle Falle ofter zum Lachen.

    Die Geschichte spielt zwar in den 60ern, aber leider gibt es selbst heutzutage teilweise noch ahnliche Vorurteile gegenüber Frauen und das Thema ist weiterhin aktuell!

    In diesem Sinne: »Fordern Sie sich heraus, Ladys. Nutzen Sie die Gesetze der Chemie und verändern Sie den Status quo.«

  2. Cover des Buches Letztendlich sind wir dem Universum egal (ISBN: 9783733507404)
    David Levithan

    Letztendlich sind wir dem Universum egal

    (1.327)
    Aktuelle Rezension von: Buecherfreak_M

    "LETZTENDLICH SIND WIR DEM UNIVERSUM EGAL" 🪐✨️ 4/5 Sterne - eine Rezension ohne Spoiler 

    "Letztendlich sind wir dem Universum egal" erzählt die außergewöhnliche Geschichte von A, einer Seele ohne festen Körper. Jeden Tag erwacht A in einem neuen Körper und lebt ein neues Leben. Die Grundidee finde ich total interessant und einzigartig - sowas habe ich noch nie zuvor gelesen! Die Geschichte von A wird gefühlvoll und flüssig erzählt, mir gefällt der Aufbau des Buches sehr, nämlich dass jeder Tag ein neues Kapitel ist. Es ähnelt dem Aufbau eines Tagebuchs wie ich finde. 

    Was mir ebenfalls total gut gefallen hat, ist dass der Autor A in so viele ganz verschiedene Menschen gesteckt hat: Depressionen, familiäre Probleme, Übergewicht, LGBTQ - all das und noch viel mehr hat dabei in dem Buch Platz gefunden. 

    Ziemlich unerwartet für mich war die Tiefe an einigen Stellen des Buches. Ich habe mir tatsächlich einen Marker genommen und ein paar Zitate bzw. Aussagen hervorgehoben, die ich super schön geschrieben fand. Hier ein paar Beispiele:

    ⋆。𖦹° "Wenn ich eins gelernt habe, dann das: Wir alle wollen, dass immer alles okay ist. Wir streben gar nicht so nach so sehr nach phantastisch oder grandios oder hervorragend. Wir geben uns gerne mit okay zufrieden, denn in den meisten Fällen ist okay völlig ausreichend." ⋆❀˖° (Seite 14)

    ♡₊˚ "Ich denke so oft ans Ausbrechen - da ist es echt schön, es tatsächlich mal zu tun. Für einen Tag. Statt ewig aus dem Fenster zu starren, tut es gut, mal auf der anderen Seite vom Fenster zu sein."・₊✧ (Seite 22)

    Einziger Minuspunkt ist, dass ich die Beziehung zwischen A und Rhiannon etwas schnell und unrealistisch fand. A war an einigen Stellen ziemlich voreilig (auch körperlich, er wollte sie echt früh küssen, Händchen halten usw). In Wirklichkeit hätte Rhiannon wohl schon ziemlich schnell das Weite gesucht. Rhiannons Charakter finde ich ebenfalls nicht so gut gelungen. Er ist leider nicht tiefgründig genug beschrieben und sie kommt mir manchmal sehr oberflächlich und unentschlossen vor. Trotzdem war die Liebesgeschichte zwischen den beiden sehr schön und regt zum Nachdenken an: Zählt, wer wir sind - oder wie wir aussehen?

  3. Cover des Buches Unsichtbare Frauen (ISBN: 9783442718870)
    Caroline Criado-Perez

    Unsichtbare Frauen

    (126)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77


    Der Großteil der Menschheitsgeschichte ist eine einzige Datenlücke. Beginnend mit der Theorie vom Mann als Jäger räumten die Chronisten der Vergangenheit der Frau in der Entwicklung der Menschheit weder in kultureller noch in biologischer Hinsicht viel Platz ein. Stattdessen galten männliche Lebensläufe als repräsentativ für alle Menschen. […] Doch das Problem ist nicht nur, dass etwas verschwiegen wird. Die Leerstellen und das Schweigen haben ganz alltägliche Folgen für das Leben von Frauen. […] Die von Männern nicht berücksichtigten frauenspezifischen Faktoren betreffen die verschiedensten Bereiche. Dieses Buch wird jedoch zeigen, dass drei Themen wieder und wieder auftauchen: Der weibliche Körper, die von Frauen geleistete, unbezahlte Care-Arbeit und Gewalt von Männern gegen Frauen.


    Wenn es um die Sicherheit bei Autounfällen geht, werden die dazugehörigen Vorrichtungen abgestimmt auf Körpertypen, die auf männlichen Modellen beruhen; ebenso ist es bei verschiedenen besonderen Kleidungsstücken wie etwa schusssicheren Westen. Regale werden so konstruiert, dass ein durchschnittlicher männlicher Körper das oberste Brett erreichen kann. Räumdienste in Städten räumen priorisiert die Straßen frei, statt die Fußgänger- und Fahrradwege, die sehr viel öfter von Frauen frequentiert werden.

    Dies sind nur einige anschauliche Beispiele, fast noch harmlos. Zu ihnen gesellen sich die großen Ungleichheiten bei der Bezahlung, die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Reaktionen auf männliche und weibliche Körper in der Öffentlichkeit und, auf einer abstrakten Ebene, das generelle Fehlen eines weiblichen Faktors in den Erhebungen von Daten zu jeglichem Thema. Dabei wird nicht nur die unbezahlte Care-Arbeit von Frauen systematisch unterschlagen, sondern elementare und nachweislich feststellbare Bedürfnisse von Frauen bleiben unberücksichtigt. So kommt es zu der Welt in der wir leben – einer Welt, die für Frauen ein wesentlich problematischerer und unzureichend eingerichteter Ort ist als für Männer. Und auch das allgemeine Narrative dieser Welt, mit allen darin zusammengeführten Geschichten von Erfolg, Glück, etc. ist meist männlich.


    Die Folge dieser zutiefst männlich dominierten Kultur ist, dass männliche Erfahrungen und Perspektiven als universell angesehen werden, während weibliche Erfahrungen – also die Erfahrungen der Hälfte der Weltbevölkerung – als, nun ja, Randerscheinung wahrgenommen werden. […] Deshalb auch ergab 2015 eine Studie über Wikipedia-Einträge in mehreren Sprachen, dass Artikel über Frauen Wörter wie »Frau«, »weiblich« oder »Dame« enthalten, während Artikel über Männer nicht »Mann«, »männlich« oder »Herr« umfassen (weil das männliche Geschlecht stets unausgesprochen unterstellt wird).


    Gerade was die Entwicklungsgeschichte der Menschheit betrifft, haben wir meist die männliche Geschichte und die Errungenschaften für die Männer vor Augen – Frauen haben von der Athener Demokratie ebenso wenig profitiert wie von Renaissance und Aufklärung, trotzdem werden sie als übergreifende Errungenschaften gefeiert (die emanzipatorischen Bewegungen gelten dagegen dezidiert als Errungenschaften nur für Frauen). Diese aufs Männliche fixierte Weltsicht wird, wie Criado-Perez sehr umfassend darlegt, für universell gehalten, während eine weibliche Perspektive meist als ideologisch (!) aufgeladen gilt und mit diesem Argumente auch oft beiseitegeschoben wird.


    »Unsichtbare Frauen« erzählt, was geschieht, wenn wir die Hälfte der Menschheit einfach vergessen. Es zeigt, wie die geschlechtsbezogene Datenlücke Frauen im Lauf eines mehr oder weniger normalen Lebens schadet – hinsichtlich der Stadtplanung, der Politik oder der Arbeitsplätze.


    Es ist in der Tat ein Mammutwerk, das die Autorin hier vorgelegt hat, und das mit jeder vorgebrachten Statistik, mit jedem neuen Themengebiet, auf das Criado-Perez zu sprechen kommt, fundamentaler wird. Man kann es, so behaupte ich, nicht ohne teilweises Entsetzen und Erschrecken lesen. Dass die Macht- und Bezahlstrukturen in unseren Gesellschaften ungerecht sind, ist bereits in einer breiteren Öffentlichkeit angekommen. Dieses Buch aber zeigt, wie tief die Wurzeln, Vorstellungen und Mechaniken, die diese Strukturen stützen und von ihnen hervorgebracht wurden, in alle Winkel des Alltags reichen. Von den einfachsten Wahrheiten bis zu den komplexesten Diskriminierungen ist dabei alles enthalten – viele Geschichten über die repräsentative Abwesenheit von Frauen in allen (für sie) wichtigen Bereichen.

    Jede/r sollte zumindest einen Blick in dieses Buch werfen. Vor allem Männer und besonders die, die glauben, sie lebten nicht in einer sexistischen Welt und hätten einen objektiven Blick auf die Dinge (oder ein objektiver Blick würde ihnen täglich präsentiert).


    Studien haben gezeigt, dass die Überzeugung, man selbst sei objektiv oder nicht sexistisch, zu weniger Objektivität und mehr sexistischem Verhalten führt.


  4. Cover des Buches Untenrum frei (ISBN: 9783499014635)
    Margarete Stokowski

    Untenrum frei

    (279)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Haben wir die Fesseln der Unterdrückung längst gesprengt, oder haben wir nur gelernt, in ihnen shoppen zu gehen?“

    Man könnte das ganze Buch von Margarete Stokowski – das in 7 Kapitel unterteilt ist, von denen jedes in sich abgeschlossen ist und als Einzeltext gelesen werden kann – als eine lange, ausführliche, von verschiedenen Seiten beleuchtete Antwort auf eine einzige Frage lesen: Warum Feminismus?

    Das wäre selbstverständlich eine stark verknappte Zusammenfassung. Natürlich schleift diese Frage einen Rattenschwanz von weiteren Fragen hinter sich her: Was ist Feminismus? Wie wirken sich feministische Positionen auf das eigene Leben aus, wie stellt sich eine unter feministischen Gesichtspunkten betrachtete Wirklichkeit dar? Inwiefern hängen Feminismus und Gendertheorie zusammen? Ist Feminismus grundsätzlich solidarisch mit allen anderen Anti-Diskriminierungsbewegungen? Was will der Feminismus erreichen?

    All diese Fragen bindet Stokowski ein und es wird schnell ersichtlich, dass es ihr nicht um einen Feminismus spezieller Prägung, sondern um Feminismus als Ausdruck und Sammelbegriff einer generellen Unzufriedenheit mit den hierarchischen, determinierten, unverhältnismäßigen & ungerechten Gesellschaftsverhältnissen, Normen und Vorstellungen geht, dessen Hauptanliegen und Ziel die Freiheit beim Ausleben der eigenen Persönlichkeit und der Ausformung der eigenen Identität ist (solange dies nicht die Freiheit eines anderen Individuums oder einer Gruppe einschränkt).

    „Es geht um die kleinen, schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet, weil sie peinlich werden könnten, und um die großen Machtfragen, über die man lieber auch nicht redet, weil vieles so unveränderlich scheint. Es geht darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird sich zeigen: Es ist dieselbe.“

    Ich werde nicht müde, Camus zu zitieren, der einmal in seinen Cahiers angemerkt hat, dass alle größeren Konflikte der Menschheit letztlich Kämpfe um Privilegien waren und sind. Noch immer sind die Privilegien auf dem Planeten ungleich verteilt, in jeglicher Hinsicht. Hauptsächlich, weil die Menschen die mehr Privilegien haben nicht bereit sind, einen Teil davon abzugeben, damit irgendwann alle dieselben Privilegien genießen können.

    Rebecca Solnit hat in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eindrucksvoll geschildert, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung immer noch vom anderen Teil unterdrückt wird. Frauen (und als Frauen definierte oder so wahrgenommene Personen jedweden/r Geschlechts/Genderbezeichnung) üben lediglich 10% der Gewalttaten aus, sind aber selbst häufig Opfer von Gewalt, speziell von sexueller Gewalt. Auch in Deutschland hat mindestens jede vierte Frau einmal sexuelle Gewalt erfahren.

    Es gibt in Deutschland und generell in Westeuropa vielleicht keine Zwangsheiraten mehr und keine gesetzlich verankerte sexuelle Repression. Aber immer noch sind unsere Systeme und Vorstellungen von repressiven und problematischen Geschlechterbildern durchdrungen. Das beginnt schon in den banalsten alltäglichen Wortverwendungen, wird deutlich in der pornogeprägten Sexualsprache (z.B.: wenn man in vielen Kontexten bei Frauen von schmutzigen, statt schlicht von sexuellen Phantasien spricht), aber letztlich springt uns diese Problematik überall entgegen. Stokowski spricht in einem Kapitel von einer Studie, bei der den Testpersonen Aussagen vorgelegt wurden, die entweder aus Männermagazinen entnommen waren oder von verurteilten Vergewaltigern stammten.

    „Die Testpersonen waren nicht fähig zu unterscheiden, welche Sätze aus Männermagazinen stammen und welche von Vergewaltigern. Ja, sie fanden sogar die Aussagen aus den Magazinen tendenziell herabwürdigender.“

    Stokowskis Buch ist aber nicht bloß eine gute Darstellung solcher systemimmanenter Diskriminierungen und Idiotien, sondern auch das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklungsgeschichte, von der Bravolektüre bis zum Beziehungsalltag als Erwachsene. Die Kapitel beginnen fast immer mit einem Erlebnis aus ihrer eigenen Biographie und sind von solchen Selbstausleuchtungen mal mehr, mal weniger durchzogen. Klug und überzeugend knüpft sie mit Biographischem an größere Zusammenhängen an. Ihre Prosa hat eine coole Dynamik, ist eine bestechende Mischung aus fachlich Gediegenem und genauestens Durchdachtem, tiefergehenden Selbstzeugnissen und hingerotzten und herbeizitierten Klarstellungen. Sie nimmt letztlich keine hohe Warte ein, doziert nicht, sondern begegnet ihren Leser*innen auf Gesprächsniveau, verständnisvoll und unversöhnlich zugleich.

    Stokowski spricht davon, wie sie selbst lange nicht glaubte, dass Feminismus wichtig ist oder sich zumindest nicht genauer mit ihm auseinandersetzte. Bis sie begriff, was das mit uns macht, wenn wir die gesellschaftlichen Rollen, in die wir gesteckt werden (auch wenn wir nicht glauben, dass wir uns in ihnen durch die Welt bewegen), nicht hinterfragen. Wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dann gibt es sie trotzdem, dann machen sie trotzdem etwas mit uns.

    „Wir stecken viel Energie in die Rollen, die wir spielen, weil wir glauben, dass alles eine Ordnung haben muss und so viel anders auch gar nicht geht. Wir geben uns Mühe, die wir oft kaum bemerken, weil sie so alltäglich geworden ist. Und auch, weil es leichter ist, sich an vorhandene Muster zu halten.“

    Sie spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit Sex, Bildung, Sozialgefügen, etc. und schafft es, dabei sowohl die menschliche als auch theoretische Ebene konkret herauszuarbeiten, hervorstechen zu lassen – ein bemerkenswerter Balanceakt, den man ihr als Unentschlossenheit, als Makel ankreiden könnte. Doch dann würde man ignorieren, wie nachdrücklich dieses Buch Dinge auf den Punkt bringt, wie versiert und uneitel es sich innerhalb dieser komplexen Themen bewegt und wie weit es sich an manchen Stellen den Leser*innen öffnet.

    „Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen wirkt manchmal so, als wolle man die Gräben zwischen ihnen vertiefen, obwohl man sie auf Dauer abschaffen will: Ein nerviges Dilemma, aus dem man nicht rauskommt, solange man Probleme beheben will.
    Wir müssen zeigen, nach welchen Kriterien sich Reichtum und Erfolg, Gesundheit und Lebensdauer, Gewalt und Leid verteilen, wenn wir wollen, dass alle dieselben Chancen auf ein glückliches Leben haben – auch wenn oder gerade weil diese Kriterien das sind, was wir auf Dauer abzuschaffen versuchen.“

    Ja, wir müssen, im Interesse aller, daran arbeiten, dass eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung nicht nur ein Vorsatz, sondern eine verwirklichte, gelebte Realität ist, entstehen kann und das heißt, dass einiges planiert, einiges platt gemacht werden muss. Dass einige Privilegien verschwinden und letztlich alle.

    „Denn es gibt keine neutrale Sicht auf das Leben, und wir brauchen sie nicht. Wir brauchen Vielfalt – Vielfalt lehrt uns Freiheit.“

    Margarete Stokowskis Buch hat mir seit langem mal wieder Mut gemacht; etwas in mir angefacht, dass an dieser Welt arbeiten, sie auf positive Weise mitgestalten will. Es ist ein Buch mit vielen Facetten und ich hoffe, ich habe keine von ihnen allzu sehr in der Mittelpunkt gerückt oder unter den Tisch fallenlassen.

    Manches hat mich tief berührt, manches schockiert, manches hat meinen Horizont erweitert, manches meine eigenen Gedanken bestärkt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: am meisten hat mich beeindruckt, wie dieses Buch aufklärerlisch argumentiert, auf theoretischen Ebenen arbeitet und doch durch seine Direktheit, seine Sprache, eben nicht belehrt, sondern kommuniziert, ein Aufruf zum Dialog ist. Aufmerksamkeit erzeugt und nicht nur Wissen.

    Solche Bücher braucht es. Bücher, in denen das Abstrakte und das Lebendige zusammenfallen. Die uns Zusammenhänge aufzeigen, Tatsachen vermitteln, die uns aber auch auffordern, in denen wir nicht einfach nur sichere und schweigsame Teilnehmer sein können, sondern die uns mit uns selbst, mit dem Schönen und Schlimmen in uns und um uns, konfrontieren. Bücher, die uns inspirieren.

    „Sie sagen, dass wir von Hass getrieben sind, weil sie sich wundern, dass da Frauen mal keine Harmonie und Liebe versprühen, sondern Forderungen haben. Aber Wut ist nicht dasselbe wie Hass. Hass will Zerstörung. Wut will Veränderung. Hass ist destruktiv, Wut ist produktiv.“

    Stokowski zitiert Susan Sontag mit den Worten: „Wir müssen lernen, mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen.“ Ich glaube, dass Literatur eine Schule des Sehens, des Zuhörens, des Hinhörens und Fühlens sein kann – „Untenrum frei“ hat es mir mal wieder gezeigt, mich darin bestärkt. Genauso wie Stokowski glaube ich daran, dass es wichtig ist

    „hinter Sätze, die in Stein gemeißelt sind, ein Fragezeichen [zu] setzen.“

    Dieses Buch setzt ein paar fette Fragezeichen und fügt meist noch ein fettes Ausrufezeichen hinzu.

  5. Cover des Buches Die Wut, die bleibt (ISBN: 9783499009129)
    Mareike Fallwickl

    Die Wut, die bleibt

    (358)
    Aktuelle Rezension von: Meinbuecherregal

    Die Wut, die bleibt von Mareike Fallwickl aus den #rowohltverlag 

    🔥 

    Gerade gelesen und jetzt ersteinmal Sacken lassen.

    .

    Auch wenn ich manchen Entwicklungen in dem Buch nicht zustimme, steckt doch viel Wahrheit in dieser Geschichte.

    .

    Drei Frauen in der Pandemie. Frau sein, Mutter sein, was bedeutet das? Welche Last wird nicht gesehen? 

    .

    Durch diese drei Leben kann jede Frau sich irgendwo in diesem Buch wiederfinden. Und einen Blick werden. 

    .

    Das kann erschreckend und traurig sein. Aber auch aufklären oder aus der Position der Dankbarkeit.

    .

    Ein Buch über das man sprechen sollte.

    .

    Ich vergebe 4 Sterne ⭐️


  6. Cover des Buches Zwischen Welten (ISBN: 9783442774241)
    Juli Zeh

    Zwischen Welten

    (151)
    Aktuelle Rezension von: Maggi201

    „Zwischen Welten“ ist ein moderner Briefroman von Juli Zeh und Simon Urban über die Kluft in unserer Gesellschaft und ob diese überwindbar ist. Das Buch liest sich nicht wie ein fiktionales Werk, sondern fast wie ein Protokoll der Realität. Thematisiert werden unter anderem Klimapolitik, Gendersprache, Rassismus und Unterdrückung von Minderheiten.

    Die beiden Protagonisten Stefan und Theresa treffen sich nach zwanzig Jahren zufällig wieder und starten daraufhin ihre Kommunikation per E-Mail, später auch WhatsApp und Telegram. Im gemeinsamen Studium vor vielen Jahren noch miteinander verbunden, interessiert an Martin Walser und Literatur, ist Stefan mittlerweile Redakteur bei einer großen deutschen Zeitung und Theresa Landwirtin in der Provinz. Es trennt sie weit mehr, als sie verbindet, trotzdem bricht der Kontakt nicht ab und intensiviert sich immer mehr. Wer hier jedoch eine Liebesgeschichte vermutet, liegt falsch. Vielmehr geht es um die Frage, ob zwei Menschen die Gräben, die aus unterschiedlichen Meinungen, Werten und Weltanschauungen bestehen, im Sinne ihrer Freundschaft überwinden können.

    Ich muss ehrlich gestehen, dass mir die ersten zweihundert Seiten des Romans sehr schwer gefallen sind. Ich habe selten so ein anstrengendes Buch gelesen. Auf der einen Seite steht Stefan, der Besserwisser, der Theresa immer wieder vorhält, was richtig und was falsch ist. Der glaubt zu wissen, was man machen darf und was nicht. Und auf der anderen Seite Theresa, die Stefan gegenüber ständig gemein und zynisch ist. Für keine Figur konnte ich so richtig Sympathie empfinden, überraschenderweise noch am ehesten für Theresa, die Stefan oft die Grenzen seines eigenen Mikrokosmos aufzeigen konnte. Erst als ein Witz von Stefans Vorgesetztem Flori Sota die gesamte Gesellschaft empört, beginnt sich das Blatt langsam zu wenden und ich habe mit Spannung weitergelesen. Die Geschichte war so echt, dass es teilweise weh getan hat. So viel Gegenwart gibt es tatsächlich selten in der deutschen Literatur, da muss ich dem Zitat auf dem Umschlag recht geben.

    Das Buch macht deutlich, wie unüberwindbar die Gräben in unserer Gesellschaft sind. Was mir eindringlich im Gedächtnis bleiben wird: dass sich manche Gruppen „Probleme“ aneignen, die gar nicht die ihren und in Wahrheit vielleicht gar keine sind. Carla verlangt von Flori keine Entschuldigung für den Witz, die beiden sind im Reinen miteinander. Das Buch zeigt, dass Empörung oft von Menschen ausgeht, die selbst gar nicht betroffen sind. Hier findet ein Umdenken in Stefan statt, was mir sehr gut gefallen hat. Auch die Tatsache, dass so gut wie kein Diskurs mehr möglich ist, wird eindrücklich geschildert. Denn mit bestimmten Menschen redet Stefan einfach nicht, er spricht ihnen ab, eine eigene Meinung zu haben.

    Besonders interessant an „Zwischen Welten“ ist die literarische Form. Es gibt keinen Fließtext im klassischen Sinne, sondern seitenlange E-Mails oder kurze WhatsApp-Nachrichten. Manch einer könnte sagen, dass diese Form und insbesondere die Sprache der E-Mails nicht authentisch seien, jedoch kenne ich solch einen Austausch auch aus meinem persönlichen Umfeld, weshalb ich mich gut damit identifizieren konnte. Wie Missverständnisse entstehen, wenn nur per Text kommuniziert wird, hat der Roman eindeutig gezeigt. Juli Zeh und Simon Urban haben es geschafft, Theresa und Stefan einen ganz eigenen Stil zu geben, weshalb anhand des Textes stets klar war, wer hier schreibt.

    Abschließend war das ein bewegender Schlagabtausch zweier Menschen, der zwar sehr anstrengend, für mich aber auch erhellend war. Das Buch macht zwar nicht unbedingt Lust, in unserer heutigen Gesellschaft zu leben, ich empfehle es aber weiter, gerade weil es so anstrengend und fordernd war und zum Nachdenken anregt.

  7. Cover des Buches Changers - Band 1, Drew (ISBN: 9783440143629)
    T Cooper

    Changers - Band 1, Drew

    (273)
    Aktuelle Rezension von: anna_schwpps

    Viel zu lange ist dieses Buch in meinem Regal verstaubt, obwohl mich der Klappentext so angesprochen hat. Vielleicht hat sich das aber auch gelohnt, denn jetzt hatte ich wirklich richtig Motivation dieses Buch anzugehen und es hat mir wirklich gut gefallen.

    Aber mal von Anfang an. Ethan bzw. Drew erzählt die Geschichte selbst, weshalb der Schreibstil sehr locker und jugendlich, aber nicht unangenehm jugendlich ist. Dabei umfasst die Handlung eine Zeitspanne von einem Jahr, wodurch einige Lücken entstehen. Manchmal ist das etwas schade, da Konflikte auftauchen und nicht richtig aufgelöst werden.

    Das Prinzip der Bücher finde ich aber unheimlich interessant, weshalb ich unbedingt dran bleiben möchte. Ethan verändert sich als Drew sehr und entwickelt sich zu einer/einem coolen Protagonist*in, weshalb ich gespannt bin, welche Entwicklungen er*sie noch durchlebt.

    Fazit: Changers ist ein kurzweiliges Buch, das einem aber ganz viel Unterhaltung bietet. Trotz kleiner Schwächen bin ich mehr als gespannt, was mich noch entwickelt.

  8. Cover des Buches Invisible Women: Exposing Data Bias in a World Designed for Men (ISBN: 9781784742928)
    Caroline Criado Perez

    Invisible Women: Exposing Data Bias in a World Designed for Men

    (21)
    Aktuelle Rezension von: Luthien_Tinuviel

    Ich wollte dieses Werk so sehr lieben, aber irgendwie hat mich die Autorin regelmäßig zu Wutanfällen getrieben... und das nicht auf die Weise, wie sie vermutlich intendiert hat.

    Inhalt: 

    Invisible Women ist ein Sachbuch, das die gesellschaftliche unmittelbare und mittelbare Diskriminierung von Frauen anhand von Studien weltweit analysiert und präsentiert.


    Meine Meinung:

    Zunächst zum Positiven: Das Werk ist inhaltlich hochinteressant und wirkt durch die Vielzahl der Studien, die mit ausführlicher Quellenangabe zitiert und präsentiert werden, wissenschaftlich fundiert. Ich habe durchaus einige Dinge durch das Werk gelernt und für mein Allgemeinwissen oder etwaige Diskussionen mitnehmen können.

    Woran ich m ich aber sehr schwer tat, ist zum einen die befangene Haltung der Verfasserin, die gefühlt überall eine Diskriminierung von Frauen sehen will. Sie fasst den Begriff der Diskriminierung in der Tat sehr weit. Auch an Situationen, die eher zufällig eher Frauen als Männer treffen und in denen nicht einmal eine Diskriminierung intendiert ist, sieht sie himmelschreiende Ungerechtigkeiten, die sie vor allem deshalb stören, weil Frauen davon betroffen sind (die Mäner, die in der selben SItuation stecken, scheint sie zu vernachlässigen bzw. sind ihr einfach nicht so wichtig). Auch zieht sie häufig Schlüsse, bei denen ich einfach den Eindruck habe, dass sie gewisse weitere Aspekte (zB kulturelle Unterschiede) gezielt zu ihrem Argumentationszweck vernachlässigt, die aus meiner Sicht aber durchaus relevant sind. Von dem Verhalten oder einer Studie in einem Land ohne Weiteres auf die universelle Übertragbarkeit deren Ergebnisses auf alle Länder der Welt zu schließen, wie es teilweise scheint, finde ich schon ein starkes Stück.

    Fazit: Leseempfehlung wegen der  Informationen, aber nicht wegen der Darstellung.

  9. Cover des Buches Noch wach? (ISBN: 9783462007008)
    Benjamin von Stuckrad-Barre

    Noch wach?

    (75)
    Aktuelle Rezension von: JochenBender

    Noch nie habe ich verstanden, warum manchen einer abgeht, wenn sie mit einem Promi im gleichen Raum sind. Liegt es daran, dass man sich selbst eher nicht leiden kann, kein eigenes Leben hat und dann zur Kompensation einen Fankult aufbaut? Ich weiß es nicht, aber ich empfinde solche Menschen als langweilig. Natürlich kann man auch über solch langweilige Menschen ein Buch schreiben, nur wird das dann ebenfalls langweilig und alles andere als empfehlenswert.

  10. Cover des Buches Melissa (ISBN: 9783733507305)
    Alex Gino

    Melissa

    (199)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    George ist ein feinsinniger Zehnjähriger, der die weibliche Hauptrolle im Theaterstück beim Schulfest spielen möchte. George möchte sich aber auch die Haare wachsen lassen, liebt die Farbe rosa und liest heimlich Mädchenzeitschriften. Und eigentlich möchte George Melissa genannt werden und als Mädchen wahrgenommen werden. Doch alle Welt sieht nur den Jungen, als der sie geboren worden ist.  

    Alex Gino hat mit diesem Buch, das bereits unter dem Titel „George“ veröffentlicht worden ist, sehr feinfühlig und empathisch die Gedanken von George/Melissa, warum sie so ist, wie sie ist, dargestellt.  

    Schon von Anfang an habe ich George nicht als Jungen gesehen, denn zum einen erzählt der Autor die Geschichte in der dritten Person und verwendet stets das weibliche Pronomen und zum anderen ist George siehe George Sand auch als Frauenname bekannt.  

    George/Melissas Gedanken, ihre Ängste und Nöte werden einprägsam dargestellt. Allerdings halte ich ihre Empfunden und die Ausdrucksweise für eine Zehnjährige ein wenig zu erwachsen.   

    Geschickt sind die Reaktionen der Mutter und des älteren Bruders dargestellt. Während der Bruder Melissas „Geständnis“ eher neutral sieht, ist die Mutter zunächst verunsichert und reagiert ziemlich schroff. Doch Melissa lässt sich nicht beirren. Zusätzlich findet sie Verständnis bei der Direktorin ihrer Schule. 

    Fazit:

    Gerne gebe ich dieser einfühlsam erzählten Geschichte eines Mädchens, das als biologischer Junge geboren worden ist, 5 Sterne. 

     

  11. Cover des Buches Die Erschöpfung der Frauen (ISBN: 9783426303153)
    Franziska Schutzbach

    Die Erschöpfung der Frauen

    (20)
    Aktuelle Rezension von: SinaAnis

    Franziska Schutzbach ist bekannt für ihre super rechechierten Sachbücher und genau das hat man beim lesen gemerkt.

    Die Autorin hat ihr Buch so aufgeteilt, dass man nur die Kapitel lesen konnte, die einem auch ansprechen- Pluspunkte!!

    Mich hat das Buch sehr interessiert, auch weil ich sonst noch nie was von ihr gelesen habe.

    Die behandelten Themen fand iuch alle sehr wichtig, einige waren für mich aber weniger spannend.

    Insgesamt hätte ich mir aber etwas mehr Abwechslung gewünscht und ein wenig mehr Beispiele, etwa so wie in "Jede_Frau" von Agota Lavoyer.


    Ein Buch, welches ich aber sehr gerne weiterempfehle, da Feminismus und Gleichberechtigung heute wichtiger den jeh sind.

  12. Cover des Buches The Power (ISBN: 9780670919963)
    Naomi Alderman

    The Power

    (46)
    Aktuelle Rezension von: supersusi

    Überall auf der Welt können Frauen plötzlich einen Stromschlag abgeben. Bei einigen ist er so stark, dass er töten könnte, bei anderen nur wie ein Kitzeln, was den Sex etwas prickelnder macht für die Männer. Die meisten lösen bei Berührung aber vor allem Schmerzen aus. Werden damit die Machtverhältnisse der Geschlechter umgekehrt ?

    Was für ein Thema und was hätte man draus machen können ! Das Buch ist gut geschrieben, flüssig, mit unterschiedlichen Charakteren und einem Twist am Schluß, der einen umhaut, auch wenn es der Anfang impliziert. Das Buch schildert die Anfänge und wie Frauen bei anderen Frauen diese Fähigkeit wecken und nach und nach begegnen wir den Hauptfiguren, deren Handlungsstränge sich immer wieder kreuzen. Kriminelle Mafiosi, die ihre Geschäfte ausweiten, in einem Land kommt eine Frau an die Macht, ein Journalist berichtet, welche Auswirkungen die Gabe der Frauen überall auf der Welt hat, eine Politikerin versucht mit der neuen Situation umzugehen und eine Frau gründet eine neue Religion. Das Buch ist spannend und man kann es kaum aus der Hand legen. Vor allem der Schluß ist gewaltig. Dennoch habe ich das Gefühl, dass etwas fehlt, dass man mehr auf die Auswirkungen hätte eingehen könnte, Aber wahrscheinlich hätte das den Rahmen des Buches gesprengt. Es wird ja auf unterschiedliche Aspekte eingegangen. Und eine komplette Soziomilieustudie wäre wohl zuviel erwartet. Einige Szenen sind sehr grausam. Interessant finde ich folgenden Gedanken : Männer sind Bewahrer des eigenen Hauses und daher friedlich, während Frauen aggressiv sind, weil sie ihre Kinder schützen müssen. Allem in allem ein Buch, was Eindruck hinterlässt.

  13. Cover des Buches Identitti (ISBN: 9783442772537)
    Mithu Sanyal

    Identitti

    (162)
    Aktuelle Rezension von: Geschichtenfinder

    Niveditas Professorin Saraswati ist die Inspiration ihres Lebens. Sie zeigte ihr, dass man als PoC, als Frau, trotz aller Widerstände, das Leben leben kann, dass man verdient, dass man gesehen wird, dass Nivedita nicht mehr alleine ist, mit ihren Erfahrungen, ihren Zweifeln und ihrer Angst, nie irgendwo dazuzugehören. Saraswati beeinflusst den identitären Diskurs an ihrer Uni, ihrer Stadt, beeinflusst Niveditas Selbstwahrnehmung und das Selbstbewusstsein der Schwarzen Community. Umso schockierender, als sich herausstellt, dass Saraswati gar kein PoC ist, sondern Weiß. Und auf einmal sind wieder all die Fragen wieder da und Nivedita und ihre Freunde müssen sich wieder die nach Identität, "Race", "Whiteness" und Saraswati selbst stellen.


    Mithu Sanyal ist bereits als Journalistin mit den Themenpunkten Feminismus, Rassismus, Popkultur und Postkolonialismus sehr bekannt, bevor sie ihren Roman "Identitti", angelehnt an den Medienskandal um Rachel Dolezal, veröffentlicht.


    Niveditas Konflikt wird gut beleuchtet, sodass man ihr Dilemma versteht, auch wenn man mit diesem Konflikt sonst eher weniger Kontaktpunkte hat. Sanyal nimmt sich die Zeit alle Sichtweisen zu Wort kommen zu lassen, wodurch man sich gut selbst in diesem aktuellen Konflikt eine eigene Sichtweise bauen kann.


    Da es sich hier um ein gesellschaftspolitisches Thema handelt, würde ich den Roman erst ab 12, bzw. 14 empfehlen.

  14. Cover des Buches Loveless (deutsche Ausgabe) (ISBN: 9783743212190)
    Alice Oseman

    Loveless (deutsche Ausgabe)

    (180)
    Aktuelle Rezension von: Janinezachariae

    "Loveless" von Alice Oseman ist ein wundervolles Buch über Selbstfindung und dass die Liebe viele Seiten hat.
    Es geht nicht immer ausschließlich über die körperliche Anziehung oder dass man unbedingt Liebe empfinden muss.
    Sie kann sich in den kleinen Dingen verstecken.
    Georgia versteht sich selbst nicht und sieht um sich herum all die Pärchen.
    Dabei glaubt sie, in einen Jungen verliebt zu sein. Aber ist das wirklich so?
    Und was wäre, wenn sie sich in ein Mädchen verliebt?
    Wie fühlt sich Verliebtsein an?

    Alice Oseman hat eine wundervolle Geschichte geschrieben über die Vielfalt der Gefühle, der Liebe, der Emotionen und Gedanken.
    Es ist die Geschichte über Träume, Wünsche, Ängste, der Suche nach sich selbst und dem Licht am Ende eines Tunnels voller düsterer Gedanken.
    Dabei geht es nicht nur um Georgia, sondern auch um andere in ihrem Alter. Mit 18 steht die Welt offen. Doch was ist mit den Gefühlen? Müssen wir wirklich einem Schema folgen oder können wir einfach wir sein? Ohne ein Label? Mit Label? Mit all dem, was einen ausmacht?

    Warum lesen Jugendliche nicht solche Bücher in der Schule?
    Go for it. Follow your flow. Sei glücklich. Finde dich.
    Aber pass dich ja in diese Gesellschaft an und wir stopfen dich direkt in eine Schublade?
    Brich aus und finde deinen eigenen Weg.

    "Loveless" von Alice Oseman ist eine wirklich wundervolle Geschichte, die mich beeindruckt hat!

  15. Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783442772070)
    Jackie Thomae

    Brüder

    (64)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Party, durchgemachte Nächte, Alkohol, Drogen, Techno. Micks Leben findet in der Nacht statt, der Tag dient ihm zur Erholung für den nächsten Exzess und für den notdürftigen Verdienst seines Lebensunterhalts. Irgendetwas findet sich immer, um Miete, Auto und Essen zu bezahlen, doch Mick lebt nicht, um zu arbeiten, sondern um zu feiern. Im freiheitstrunkenen wiedervereinten Berlin der 1990ern findet er seine Bestimmung jenseits der Konventionen von Ausbildung, Beruf, Ehe und Kindern. Dass dabei Menschen und persönliche Entwicklungen auf der Strecke bleiben, erkennt er erst später; im Moment des Rausches fühlt sich jede einzelne Nacht perfekt und richtig an.

    Auch Gabriel kennt den Rausch: Wenn die Wochen mit 70 Stunden Arbeit am Stück aneinander vorbeirasen, wenn das Großprojekt bereits vor der Deadline erfolgreich beendet wurde, wenn er für den nächsten Megaauftrag im Flieger um den halben Globus jettet. Sweet life of a workaholic, der sich mit Fleiß,  Ehrgeiz und Talent dahin gebracht hat, wo er immer hinwollte – ein schönes Haus in London, ein eigens Architekturbüro, Frau und Kind. Zeit für Erinnerungen bleiben kaum: an seine Kindheit in der DDR, an sein Aufwachsen bei den Großeltern, an seine verstorbene Mutter und seinen abwesenden Vater, der ihm nichts hinterlassen hat außer seiner Hautfarbe. Erst der Burnout zwingt Gabriel zur Vollbremsung, die nicht ohne Kollateralschäden erfolgt.

    Hedonist vs. Highperformer. Westjugend nach dem Rübermachen vs. Sozialisation im Arbeiter- und Bauernstaat. Muttersöhnchen vs. Halbwaise. Träumer vs. Durchplaner. Antimonogamist vs. Loyaler Ehemann. Jackie Thomae erzählt in ihrem Roman Brüder die Leben zweier komplett unterschiedlicher Brüder, die nichts voneinander wissen und deren einzige Gemeinsamkeit scheinbar darin besteht, vom gleichen Vater abzustammen – einem senegalesischen Austauschstudenten – und dessen Abwesenheit in ihrem Leben zwar immer gespürt, aber wenig darunter gelitten zu haben. Doch beim genauen Lesen wird deutlich, dass Mick und Gabriel sich ähnlicher sind als man denkt, insbesondere, was ihr Hang zum Extremen angeht. Und damit ist Jackie Thomae ganz schnell bei der ganz großen Frage, warum wir der sind, wer wir sind. Gene oder Umfeld, Natur oder Sozialisation? Was prägt uns? Warum sind wir der Mensch, der wir sind?

    Es ist der große Verdienst der Autorin diese großen Fragen nicht mit der Holzhammermethode zu verhandeln, sondern im Gegenteil scheinbar im Nebenbei während sie von Clubnächten und Dienstreisen erzählt. Brüder ist ein atmosphärischer Roman, der auf über 500 Seiten die Leser:innen in die unterschiedlichen Lebenswelten von Mick und Gabriel hineinsaugt und sie dabei die Relevanz der behandelten Themen vergessen lässt. Denn natürlich kann die Identitätsfrage in Micks und Gabriels Fall nicht losgelöst von der Hautfarbe betrachtet werden: nicht in Deutschland, vor allem nicht in Ostdeutschland der 1990er Jahre. Doch Rassismus wird in Brüder nicht anhand Rostock-Lichtenhagens greifbar, sondern an den kleinen Irritationen des Alltags, an den Momenten, wo beiden Brüdern signalisiert wird, dass sie anders sind und bleiben, egal für wie angepasst sie sich halten.

    Daneben besticht Brüder durch eine leichtfüßige Sprache, einen modernen Sound, Witz und interessanten Frauenfiguren, die das Buch zwar einen Männerroman bleiben lassen, ihn aber nicht darauf reduzieren. Die Lektüre geht leicht und angenehm von der Hand, der Roman ist Unterhaltung auf hohem Niveau – etwas, was mich die Buchpreisnominierung in  2019 nicht völlig verstehen lässt. Gleichzeitig muss ich gestehen, dass ich erst zum Schluss gemerkt habe, wie sehr das Buch einen doch beschäftigt und wie sehr man das Leben der beiden Protagonisten doch schließlich durchdrungen hat. Brüder ist daher eines dieser Bücher, das man – trotz mancher Hänger zwischendurch – unbedingt zu Ende gelesen haben muss, um zu erkennen, wie sehr es wirkt und wie stark es doch jenseits der vermeintlich leichten Textur ist. 4 Sterne und eine große Empfehlung für diesen Lesespaß!

     

  16. Cover des Buches Aller Anfang (ISBN: 9783552063952)
    J. Courtney Sullivan

    Aller Anfang

    (46)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin

    Celia, Sally, Bree und April lernen sich am Smith-College in Northampton kennen, an dem ausschließlich weibliche Studierende zugelassen sind. Sie stammen aus unterschiedlichen familiären Verhältnissen und sind auch charakterlich verschieden. Während die schöne Bree bereits verlobt ist, ist April nach dem Vorbild ihrer Mutter eine feministische Aktivisten. Sally leidet unter dem Verlust ihrer kürzlich verstorbenen Mutter, während Celia aus einer intakten katholischen Familie stammt, an der sie sehr hängt.
    Auch wenn sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Träume und Vorstellungen vom Leben Konflikte austragen müssen und es durch Brees neue Beziehung zu Lara, Sallys Heiratspläne und Aprils Aktivismus Reibungspunkte gibt, halten sie, wenn es darauf ankommt, fest zusammen.

    "Aller Anfang" wird abwechselnd aus der Perspektive einer der vier Frauen erzählt, wobei die ersten Kapitel, die am College handeln, zur jeweiligen Vorstellung des Charakters sehr lang sind. Man erhält damit auch einen bildhaften Einblick in den Campus und das sehr besondere College, auf dem die Frauen mit gleichgeschlechtlichen Beziehungen experimentieren.
    Die vier Frauen machen unterschiedliche Erfahrungen in Sachen Liebe - von festen Beziehungen, Verlobungen und Trennungen über eine Affären zu einem älteren Mann - bis die gemeinsamen vier Jahre am College vorbei sind und es sie wieder in unterschiedliche Richtungen verschlägt.
    Eine Wiedervereinigung zur Hochzeit von Sally endet im Streit und bedeutet einen Riss der Freundschaft, der erst wieder gekittet werden kann, als sie die anderen brauchen und eine von ihnen in ernsthafte Gefahr geraten ist.

    Der Roman erzählt von den Höhen und Tiefen einer Freundschaft, wie Frauen einander Halt geben können, aber auch wie sie sich gegenseitig verletzen können. Empathisch wird die Entwicklung der jungen Frauen beschrieben, die zu Beginn noch etwas orientierungslos sind und erst noch ihren Platz finden müssen.

    Die Geschichte ist vielschichtig und handelt neben Freundschaft und dem Erwachsenwerden von sexueller Orientierung, Feminismus, Gewalt gegen Frauen, von Selbstfindung, Toleranz und Loyalität.
    Jede der Hauptfiguren ist individuell gezeichnet und selbst wenn man keine Identifikationsfigur finden sollte, ist es interessant ihre Entwicklung durch die Hürden des Lebens - gemeinsam und getrennt von einander - zu verfolgen. Der Fokus liegt dabei klar auf Frauen, denn trotz der beschriebenen Liebesbeziehungen spielen Männer nur eine untergeordnete oder negativ besetzte Rolle.

    Die Bedeutung von Freundschaft und die unterschiedlichen Lebensentwürfe, die sich aufgrund der vielen verschiedenen Wahlmöglichkeiten für Frauen zu Beginn des 21. Jahrhunderts ergeben, sind facettenreich und empathisch geschildert.

  17. Cover des Buches One Last Stop (ISBN: 9783426527719)
    Casey McQuiston

    One Last Stop

    (108)
    Aktuelle Rezension von: WohlsortierteBuchstaben

    Ich muss sagen, ich habe von diesem Buch nichts erwartet. Und das war vielleicht auch ganz gut so. Denn so wurde ich immer wieder überrascht und konnte richtig tief eintauchen.


    🏳️‍🌈🚇🏳️‍⚧️ Ambiente: Ich liebte das Setting und die WG. In so einer Umgebung würde ich selbst gerne wohnen. Jeder wird geliebt und kann er/sie selbst sein. Outing, Dragqueens und weitere Aspkete des WG-Lebens wurden nicht als 'anders' dargestellt, sondern einfach mit in die Geschichte gebracht.


    🔎⏳️Hintergründe: Die 'Vorgeschichte' zu Augusts Kindheit und der Suche nach ihrem Onkel hat eine spannende Basis für die Geschichte geschaffen. Ich konnte nachvollziehen, warum August so handelt wie sie es tut.


    💘📦📌 Entwicklung: Der rote Faden der Geschichte war für mich (logischerweise) die Vergangenheit von Jane. Ich habe mitgerätselt und war immer wieder von den neuesten Entdeckungen überrascht. Obwohl es sich zwischendrin etwas gezogen hat, war es nie längere Zeit langweilig. Gut gefallen hat es mir, dass die gesamte WG sowohl bei den 'Ermittlungen', als auch bei einem anderen Problem der Geschichte 🤫 mitgeholfen hat. 


    🛤🫂Ende: Die Auflösung der Geschichte hat mir gut gefallen, und die Hintergrundgeschichte mit Augusts Onkel hat zu einem runden Abschluss der Story geführt. Und ich als Liebhaberin von Happy Ends wurde nicht enttäuscht 😁


    🚫📍❌️ Haken: Es gab einige kleine Haken in der Geschichte, über die ich aber gut hinwegsehen konnte. Die Protagonistin empfand ich teilweise als etwas anstrengend und in einigen Bereichen hat sich die Geschichte etwas gezogen, aber das hat auch nur zu 1 Stern Abzug geführt. 


    🗞✒️ Zusammenfassung: Ein schönes Buch, in dem Jede und Jeder akzeptiert wird, die Zeit der größte Gegenspieler ist und am Ende doch alles irgendwie gut wird 🤫🫂

  18. Cover des Buches Morgen mach ich bessere Fehler (ISBN: 9783404179817)
    Petra Hülsmann

    Morgen mach ich bessere Fehler

    (190)
    Aktuelle Rezension von: Ursus_25

    Ich habe bei "Wenn Schmetterlinge Loopings fliegen angefangen und musste dann unbedingt noch "Hummeln im Herzen " lesen. Ich mag die etwas vorhersehbare Liebesgeschichte mit einigen unvorhergesehenen Wendungen,die Liebeswerten Charaktere, die so menschlich wie nur was sind. Die Bücher geben immer wieder neue Impulse, irgendwie entdecken bzw entwickeln sich die Charaktere in für sie ungeahnte Richtungen. Der Charme nimmt einen regelrecht gefangen. Es gibt viele Stellen zum Schmunzeln. Hier ist es Elli, die mit ihrer Tochter Paula im Mittelpunkt steht. Sie lässt sich auf einen ganz besonderen Roadtrip ein um pünktlich zu ihrer Tante zum Geburtstag zu kommen und erlebt dabei das ein oder andere Abenteuer.

  19. Cover des Buches The Gender Game - Machtspiel der Geschlechter (ISBN: B06XFMMKNX)
    Bella Forrest

    The Gender Game - Machtspiel der Geschlechter

    (53)
    Aktuelle Rezension von: Castellia

    Heutzutage ist es leider oft so, dass Bücher sich wiederholen oder etwas abkupfern. Das war hier überhaupt nicht der Fall (zumindest meines Wissens nach nicht). Ich fand die Idee wirklich toll und originell. 

    Allerdings hatte das Buch stellenweise Längen, deshalb habe ich recht lange gebraucht, um es fertig zu bekommen. Das Ende fand ich dann wirklich unpassend und hat mir um ehrlich zu sein die Lust genommen, die Reihe weiter zu verfolgen. 

    Wenn man das Ende aber weglässt, war es ein wirklich tolles Buch. Es hat mich oftmals mitfiebern lassen und einige Kapitel haben mich echt Herzklopfen bescherrt. Wer weiß, vielleicht gebe ich der Reihe irgendwann doch noch einmal eine Chance. 

  20. Cover des Buches This Is How You Lose the Time War (ISBN: 9781534431003)
    Amal El-Mohtar

    This Is How You Lose the Time War

    (30)
    Aktuelle Rezension von: Lubricularist

    Es war nicht leicht seinen Weg in die Geschichte zu finden, aber wenn man sich erst mal an den Schreibstil gewöhnt, ist es eine tolle Story. Normalerweise mag ich Zeitreisen gar nicht, aber dieses Buch hat mir sehr gefallen. Es ist eins der Bücher, die man am Ende angekommen, sofort noch einmal lesen möchte. 

  21. Cover des Buches Empusion (ISBN: 9783311150978)
    Olga Tokarczuk

    Empusion

    (35)
    Aktuelle Rezension von: dracoma

    Ein kleiner Kurort im schlesischen Gebirge kurz vor Ausbruch des I. Weltkrieges: hier verortet die Autorin die Erlebnisse und Beobachtungen ihres jungen Protagonisten. Der Klappentext verrät schon die Nähe zu Thomas Manns „Zauberberg“, die tatsächlich unübersehbar ist. Aber die Autorin gibt dieser Reverenz vor dem Altmeister ihre ganz besondere Färbung. Sie ahmt nicht nach, sondern sie erzählt selbstbewusst eine ganz eigene Geschichte – was man schon am Genre des Schauerromans sieht. Olga Tokarczuk fährt einen großen Reigen an Schauermotiven auf: unerklärliche Todesfälle, zwei hexenartige alte Frauen, geheimnisvolle nächtliche Geräusche, dunkle Andeutungen, irritierende Beobachtungen und einiges mehr, und all das verwebt sie mit den dunklen Sagen und Legenden der Gegend.

    In einem „Gästehaus für Herren“ sammeln sich die Kranken, darunter der junge Protagonist, ein Student aus Lemberg, der seinem Vater und dessen dringlicher Erziehung zur Männlichkeit entkommen will. Die Bewohner des Gästehauses führen Gespräche über Gott und die Welt, oft unterstützt vom heilsamen Likör „Schwärmerei“, und um was es auch geht: die Gespräche wenden sich den Frauen zu. Auch wenn ihre Ausführungen oft von Husten und Atemnot unterbrochen werden und sie sich nur mit großen Anstrengungen noch weiterbewegen können, so sind sie sich doch einig, dem weiblichen Geschlecht meilenweit überlegen zu sein. Hier versammelt die Autorin mit genussvollem Spott ein ganzes Kaleidoskop an misogynen Urteilen der Philosophiegeschichte. Dieser Gegensatz zwischen Unvermögen und Arroganz gibt dem Roman eine skurrile und heitere Note, auch wenn das Unterschwellig-Düstere-Drohende immer präsent bleibt.

    Aber es naht Rache. Diesem Männerstammtisch setzt die Autorin eine Schar von weiblichen Dämonen entgegen, den Empusen, die sich wie die Harpyien der griechischen Mythologie im Brausewind nähern und ihr Opfer, bevorzugt einen jungen Mann, mit ihren Klauen zerreißen. Das auserwählte Opfer ist der junge Student, der Klappentext verrät es schon. Wunderbar, wie hier die Erzählinstanz wechselt und ein geheimnisvoller mythischer Wir-Erzähler auftritt, der schließlich auch das letzte Wort hat, und dazu sehr schöne, lyrische Naturbeschreibungen und witzig-originelle Sprachbilder.

    Insgesamt hat mir die Komposition des Romans hervorragend gefallen: wie der Leser sukzessive das Anders-Sein des Protagonisten entdeckt, wie dieses Anderssein sein Leben rettet und wie er sich schließlich selbstbewusst damit arrangiert.

    Ein Lese-Genuss!


     

     



     

  22. Cover des Buches Periode ist politisch (ISBN: 9783453272651)
    Franka Frei

    Periode ist politisch

    (72)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Weltweit menstruieren rund 300 bis 800 Millionen Menschen. Alleine in diesem Moment. Sie tun dies heimlich, oft mit Selbstzweifeln und Angst, und zu großen Teilen ohne wirklich zu wissen, was dies genau bedeutet, weil sie gelernt haben, sich dafür zu schämen. […] Viele gehen nicht in die Arbeit oder Schule, was Auswirkungen auf ihr Leben und das ihrer Mitmenschen hat. Sie haben Schmerzen, die sie womöglich mit Pillen abstellen, ohne zu wissen, was diese eigentlich mit ihrem Körper machen. […] Am Ende geht es weniger um Bluten oder Nichtbluten als um die globale geschlechterspezifische Ungleichheit, die sich auch im Thema Periode spiegelt. Das ganze klingt kompliziert, und das ist es auch. Doch dieses Buch soll nicht als weiteres unverständliches wissenschaftliches oder langweiliges Kauderwelsch vergessen werden. Es soll Teil einer Bewegung sein, die Veränderung bewirkt. Und es soll unterhalten.“

    Menstruation – ein ziemlich unterrepräsentiertes Thema, sei es im medialen Tagesgeschäft, in Filmen, Romanen oder in Gesprächen. Jahrhundertelang als eine „Frauensache“ abgestempelt (was hunderte von Philosophen, Autoren, Ärzten und sonstigen Männern nicht davon abhielt, obskure und in vielerlei Hinsicht misogyne Abhandlungen darüber zu verfassen, von Aristoteles bis Paracelsus and so on), ist es auch heute noch ein Themenkomplex, der mehr von Mythen, Ressentiments und Schweigen als von Fakten und Verständnis geprägt ist.

    Mit diesem Missstand will das Buch von Franka Frei gründlich aufräumen. Die Menstruationsaktivistin geht dabei, wie versprochen, unterhaltsam und ungezwungen vor, ohne allerdings zu verhehlen, wie ernst die Lage in vielen Bereichen rund um das Thema immer noch ist. Ein großer Teil der jungen Frauen auf der Welt ist bei Auftreten ihrer ersten Periode noch immer nicht ausreichend informiert (und wird es auch oft danach nicht) und nach wie vor ist die Menstruation für viele Frauen mit Scham verbunden. Hinzu kommen auch große ökonomische und ökologische Faktoren.

    „Die Kosten, die für Frauen* durch bis zu insgesamt 500 Monatszyklen im Leben anfallen, liegen im vierstelligen Bereich. (Berechnungen der Seite bloodyluxurytax.de zufolge beläuft sich der Durchschnittswert sogar auf 8600 €) […] Btw an alle, die es noch nicht wussten: Die Menstruationstasse kostet einmalig zwischen 10 und 30 €, hält über viele Jahre und spart Tausende Tonnen Müll von nur geringfügig ökologisch abbaubaren Produkten wie Tampons und Binden.“

    Der ökonomische Faktor war erst kürzlich in Deutschland wieder Thema, als der Bundestag die Abschaffung des Luxusmehrwertsteuersatzes auf Menstruationsartikel beschloss (also eine Senkung von 19% auf 7%). Leider scheint es so, als würden die Herstellerfirmen diese Errungenschaft durch einen Preiserhöhung nivellieren (und die Differenz als Gewinn einstreichen) wollen, wogegen einige Händler erfreulicherweise bereits protestiert haben, da sie diese Erhöhung nicht nachvollziehen können und deshalb auch nicht akzeptieren wollen. In anderen Teilen der Welt ist der ökonomische Faktor noch heftiger, denn hier kann man manchmal sogar von „Periodenarmut“ sprechen, wenn einkommensschwache Familien einen nicht geringen Teil des Geldes für Menstruationsprodukte aufwenden müssen.

    Die ökologischen Probleme liegen teilweise auf der Hand, aber auch hier ist es wichtig, sich einmal mit der Wucht der Zahlen zu konfrontieren. Außerdem gibt es Faktoren, die, so glaube ich, noch eher unbekannt sind – bspw. das viele Zusatzstoffe in Binden und Tampons gesundheitliche Folgen haben können oder was es mit der Periode während der Einnahme der Pille auf sich hat.

    Frei beschreibt sowohl die Lage in einzelnen Ländern (in Nordafrika, Indien und anderen, in die sie reist und wo sie vor Ort mit Aktivist*innen spricht und arbeitet) als auch übergreifende Zusammenhänge und Probleme. Manchmal hat man den Eindruck, dass sie in manchen Kapiteln etwas zu viel unter einen Hut zu bringen versucht, aber da sie meist sehr direkt und handfest zu Werke geht, sind selbst diese Kapitel in ihrer dynamischen Art informativ und anregend (zumal Frei nie den Fehler macht, ihre eigene Warte nicht zu hinterfragen).

    Für Unterhaltung sorgen – neben jede Menge klugen Vergleichen und dem Vorsatz, kein Blatt vor dem Mund zu nehmen – Negativ-Preise (an die schon erwähnten Aristoteles & Co und jeden, der mal zur Menstruation etwas Obskures hingekleckst hat) und ein cooles Kapitel, in dem die Absurdität der Vergleiche von Menstruationsblut mit Sp er ma, Ro tz oder Sche**** herausgearbeitet wird.

    Ich kann dieses Buch nur jedem/r empfehlen. Nicht nur, aber gerade Männer sollten es lesen. Die Periode ist eine gesunde körperliche Funktion und sollte als solche wahrgenommen werden, in jeglichen Zusammenhängen. Zugleich können Periodenschmerzen so stark sein wie ein Herzinfarkt, also ist auf der anderen Seite auch Verständnis wichtig. Das Tabu die Verteufelung der Menstruation ziehen einen riesigen Rattenschwanz an Folgeschäden nach sich, die man in Franka Freis Buch begutachten kann. Nein: sollte.

  23. Cover des Buches How to Be Gay (ISBN: 9783733500924)
    Juno Dawson

    How to Be Gay

    (37)
    Aktuelle Rezension von: Bücher_Tini

    Dieses Buch wurde mir empfohlen als ich auf der Suche für Bücher für eine Schulbibliothek war . Ich muss gestehen es ist gut, es ist locker geschrieben und man liest es sehr flott , ohne große Umwege wird erklärt und begrifflichkeiten nahe gebracht. Sowohl für Jugendliche als auch für mich als Mutter ist es ein wirklich gelungenes aufklärendes Buch um sich besser zu verständigen.

    Es ist kein plattes Sachbuch , was nur erklärt , nein hier komm auch betroffene ( das klingt blöd) zu Wort und das ohne ihre Texte umzuschreiben, man merkt das es aus ihnen heraus kommt und das macht es verständlich und nahbar.


  24. Cover des Buches Mrs Fletcher (ISBN: 9783423147781)
    Tom Perrotta

    Mrs Fletcher

    (48)
    Aktuelle Rezension von: MelB2508

    Mrs Fletcher handelt von Eve Fletcher,, 46 Jahre alt (genauso alt wie ich bin), alleinerziehende Mutter von Brendan, der sie im klassischen empty nest zurücklässt, als er von zuhause Hause auszieht, um aufs College zu gehen. Brendan, aus dessen Sicht das Buch ebenfalls erzählt wird, ist ein Klischee-Typ, Sportass, Gamer mit wenig Ambitionen und einem zweifelhaften Frauenbild. 

    Während Eve versucht, in ihrem Leben einen neuen Sinn zu finden und ihre Lust auszuleben, scheitert Brendan mit seiner Art auf brutale Art und Weise am College. 

    Die Geschichte ist sehr modern, obwohl sie bereits 2007 erschienen ist. Eve besucht beispielsweise ein Erwachsenenseminar zum Thema Gendertstudien, das von einer Transfrau geleitet wird. Brendans Umgangston mit Frauen wird nicht geduldet und er wird lächerlich gemacht - zum Glück! Auch meine Töchter würden einen "Typen" wie Brendan absolut nicht tolerieren. 

    Bis in die Nebenfiguren haben mich alle Personen sehr berührt und waren auf ihre Art lebendig und zauberhaft. Besonders aber habe ich Eve gefühlt. Sie ist eine Frau, die ich, obwohl ich ein anderes Leben als sie lebe, sehr stark verstehen konnte - und ich wäre gern ihre Freundin! 

    Ich kann das Buch absolut uneingeschränkt empfehlen - danke lieber Olli für den Tipp! Perfekt meinen Geschmack getroffen!!!

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks