Bücher mit dem Tag "genozid"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "genozid" gekennzeichnet haben.

34 Bücher

  1. Cover des Buches Schutzzone (ISBN: 9783518471142)
    Nora Bossong

    Schutzzone

    (32)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Ein Buch aus der Longlist des Deutschen Buchpreises von 2019. Kann gut sein. Oder auch nicht. Am Anfang dachte ich nur: Was für eine wirre Schreibe! Immer wieder springt die Handlung recht zusammenhanglos zu verschiedenen Geschehnissen im Leben des Hauptcharakters Mira. Und dann diese Sprache. Ellenlange Schachtelsätze. Schwierig zu lesen. Und insgesamt zu sehr gewollt! Denn diese Gestaltung macht dieses Buch in meinen Augen nicht besser, eher viel schlechter! Dann klang es anfangs so, als würde die UNO in den Himmel gehoben werden. Will ich das hören? Nach den damaligen Geschehnissen in Ruanda! Den zähen Verhandlungen damals in der UNO, wo es einzig darum ging die Geschehnisse in Ruanda jetzt Völkermord zu nennen oder halt nicht !?!?!? Und in Ruanda starben Menschen, viele Menschen! Das macht mich heute noch wütend!!! Aber nach und nach ändert sich das Geschriebene. Das Buch wird zu einem Blick auf die Natur des Menschen und einem Blick auf die UNO und ihre Taten, ein nach dem Sinn fragender Blick. Einerseits steckt ja ein guter Gedanke hinter der UNO, andererseits ist es aber auch ein Aufspielen, man darf ja auch die wirtschaftliche Macht des Westens nicht vergessen. Und dann kommt der mit Fehlern behaftete Mensch dazu und seine fehlerhaften Erinnerungen. Hier noch die Verbindung zu Mira und ihren Gefühlen, ihren Gefühlsverirrungen und -wirrungen zu ziehen, ist ebenso ein kluger Gedanke. Insgesamt ist also das Buch thematisch nicht schlecht gemacht. Allerdings stößt man auf diesen Sinn im Buch erst recht spät, etwas zu spät in meinen Augen. Vorher quält man sich durch eher unwegsames und holpriges Terrain. Dennoch kommt eigentlich nichts wirklich Neues und dann die Longlist ??? Bei diesem wirren Aufbau und dann dieser sehr eigenen Sprache. Nun ja. Einigen gefällt dieses Buch ja, also auch der Aufbau. Denn den Inhalt fand ich nach und nach auch gut, er verdient eigentlich vier Sterne. Aber der Aufbau und die sprachliche Gestaltung minimiert leider diese Bewertung. Denn mehr als drei Sterne werden es bei mir hier leider nicht. 

  2. Cover des Buches Das einzige Kind (ISBN: 9783426528365)
    Hera Lind

    Das einzige Kind

    (304)
    Aktuelle Rezension von: Sternenstaubfee

    Anni ist erst fünf Jahre alt, als sie Weihnachten 1944 von ihrer Mutter getrennt und in ein jugoslawisches Kinderheim verfrachtet wird. Annis Mutter Amalie wird in ein Arbeitslager nach Sibirien gebracht. Anni hat noch Glück im Unglück - ihre Großeltern sind bei ihr und ermöglichen ihr die Flucht aus dem Heim. 

    Der Roman erzählt die Geschichten von Amalie, Anni und ihren Großeltern über viele Jahre hinweg. 

    Es ist zwar ein Roman, er basiert aber auf wahren Begebenheiten, was die Geschichte nur noch berührender macht. Mich hat das Buch von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt. Unglaublich, was diese Menschen durchgemacht haben. 

    Das ist eines dieser Bücher, das auch nach dem Beenden der Lektüre nachhallt. 

    20.01.2026

  3. Cover des Buches Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910 (ISBN: 9783608949148)
    Aram Mattioli

    Verlorene Welten: Eine Geschichte der Indianer Nordamerikas 1700-1910

    (15)
    Aktuelle Rezension von: Samuel_Pickwick

    In seiner Monografie „Verlorene Welten“ beschreibt der Schweizer Historiker Aram Matiolli die Geschichte der indigenen Völker auf dem Gebiet der USA im Zeitraum vom 1700 bis 1910. Trotz der vielen Details ist das Buch gut und flüssig geschrieben. Es liest sich gut, aber das was man liest, ist schrecklich.


    Dass über dem amerikanischen Experiment eines demokratischen Staats, der sich den Idealen der Aufklärung verpflichtet, ein dunkler Schatten des schlimmsten Rassismus gegenüber den aus Afrika verschleppten Sklaven liegt, ist allen bekannt. Mattioli deckt schonungslos eine weitere Schande auf: der Umgang mit den indigenen Nationen, den Indianervölkern, die im Laufe der Expansion nach Westen um ihr Land, ihre Kultur und in großer Zahl auch um ihr Leben gebracht wurden.


    Mich hat selten ein Sachbuch so erschreckt und frustriert. Dennoch natürlich eine klare Leseempfehlung für historisch Interessierte.

  4. Cover des Buches Rückkehr nach Lemberg (ISBN: 9783596298884)
    Philippe Sands

    Rückkehr nach Lemberg

    (8)
    Aktuelle Rezension von: sKnaerzle

    Philippe Sands hätte ein erfolgreicher Journalist werden können. Als ihn der Zufall zwei Völkerrechtler aus Lemberg über den Weg führt, begibt er sich mit ungeheurer Energie auf die Suche nach ihren Lebensspuren und recherchiert unglaublich viele Einzelheiten über ihr Leben. Der Zufall dieser Recherchen führen außerdem zu der Begegnung mit dem Sohn von Hans Frank und von da aus beginnt Sands seine Geschichte.

    Dabei findet er viele Biographien von Opfern des Holocaust, ihren Mördern und einigen wenigen, die versucht haben, sie zu retten. Dabei schildert er manche berührende Einzelheit.

    Negativ schlägt zu Buche, das der Autor nicht genug überlegt hat. Seine beiden Völkerrechtler waren uneinig über die Frage, ob man die NS-Verbrecher in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder wegen Völkermord anklagen soll. Dabei erklärt er aber immermal wieder nur obenhin was dieser Unterschied bedeutet, statt es einmal richtig und deutlich zu machen.

    Außerdem schildert er etwas zu viel seine persönlichen Erlebnisse und seine Recherchen. Seitenlang geht es darum, dass er ein Autogramm auf einer Fotografie nicht lesen kann, bis er auf einer Abendveranstaltung - die ausführlich geschildert wird - eine Frau trifft, die ihm erklärt, das sei alte deutsche Schreibschrift und die ihm natürlich weiterhelfen kann. Solche Anekdoten gibt es viele und sie machen das Buch ziemlich unübersichtlich, ohne zum Thema etwas beizutragen.

    Erhellend an dieser Sammlung von lose verbundenen Biographien ist dann doch, wie die Enkel der Opfer der Shoa in alle Welt verstreut sind und heute durch Familienbande über alle Kontinente verknüpft sind.

    Und last not least - der Stil ist eingänig und lesbar.

    Trotzdem, dass es so ein Weltbestseller wurde, ist mir unerklärlich.



  5. Cover des Buches Am Himmel die Flüsse (ISBN: 9783446280083)
    Elif Shafak

    Am Himmel die Flüsse

    (153)
    Aktuelle Rezension von: Gundolf

    Elif Shafak führt Handlungsstränge aus verschiedenen Zeiten zusammen. Das beginnt in der mesopotamischen Antike, führt aber hauptsächlich ins 19. Jahrhundert und in die Jetztzeit, Durch Keilschrift und das Zeichen für Wasser, Begebenheiten im Zweistromland und die Geschichte der Jesiden ist alles miteinander verbunden.

    Im 19. Jahrhundert wird die Geschichte des Assyriologen George Smith in vielen Details nachgezeichnet, der die Keilschrift entzifferte. Im Buch heißt er allerdings Arthur Smyth und weist auch ein paar fiktionale Züge auf. Mit ihm beginnt der Erzählstrang über die Jesiden, die der breiten Öffentlichkeit wohl erst durch die Massaker des Islamischen Staates (IS, ISIS, Daesch) an ihnen bekannt wurden. Über den Glauben und die Geschichte der Jesiden erfahren Leser*innen dabei sehr viel.

    Shafak erzählt Smyths Geburt und Jugend in bitterer Armut am Ufer der Thames ebenso wie sein Aufstieg im Britischen Museum und seine Reisen nach Mesopotamien, wo er die Jesiden besser kennenlernt und sich in eine mehr oder weniger schamanische Frau verliebt, allerdings ohne dass es jemals zu einer Erfühllung dieser (beidseitig empfundenen) Liebe kommt.

    Die Jetztzeit führt ebenfalls und gleichzeitig ins heutige London zu einer Frau mit mesopotamischen Wurzeln, die aus ihrer Ehe und dem bisherigen Leben ausbricht und ein Wohnboot auf der Thames mietet (ich wusste gar nicht, dass es so etwas gibt), und zu den Jesiden und den beginnenden IS-Massakern. Das ganze Buch ist einerseits wunderschön und mit seinen Liebesgeschichten "bittersüß", andererseits furchtbar tragisch und traurig, und die Schilderungen mancher Ereignisse sind ehrlich gesagt fast nicht zu ertragen. Aber sie sind bzw. waren – leider – Realität!

    There are Rivers in the Sky ist ein wunderschönes und wichtiges Buch der türkisch-britischen Autorin. Sie hat es, wie alle späteren Werke, auf Englisch geschrieben. Und auch ich habe es im englischen Original gelesen, das eine wunderbare, flüssige und poetische Sprache hat. Zur deutschen Übersetzung kann ich aus diesem Grund nichts sagen, weil ich sie nicht kenne.

    Für mich ist dieses Buch ein wertvoller Beitrag zur Weltliteratur. Absolut empfehlenswert. Und eine kleine Warnung: Empfindsame Leser*innen sollten sich einen Packen Taschenbücher bereitlegen …

  6. Cover des Buches Hier sind Löwen (ISBN: 9783596523436)
    Katerina Poladjan

    Hier sind Löwen

    (62)
    Aktuelle Rezension von: Julietta89

    Katerina Poladjans Roman Hier sind Löwen begleitet eine Restauratorin, die in einer alten Bibliothek in Armenien arbeitet und dort auf ein beschädigtes Evangelienbuch stößt. Während sie Seite für Seite rekonstruiert, entfaltet sich nicht nur die Geschichte dieses Buches, sondern auch eine tiefere Verbindung zur Vergangenheit und zur Region. Der Roman erzählt dabei zwei Geschichten: eine in der Gegenwart und eine, die in die Vergangenheit führt – in die Zeit des Genozids an den Armeniern.

    Meine Leseeindrücke

    Der Roman war angenehm zu lesen, mit einem klaren, oft poetischen Schreibstil, der nie aufdringlich wird. Besonders gelungen fand ich die Verflechtung der beiden Zeitebenen – Gegenwart und Vergangenheit greifen subtil ineinander und ergänzen sich atmosphärisch wie inhaltlich.

    Die Protagonistin wirkte auf mich oft suchend, fast verloren – was dem Buch etwas Meditatives verlieh, zugleich aber auch Fragen aufwarf. Ihre Reise fühlte sich wie eine stille Selbstfindung an, deren Ziel mir manchmal unklar blieb. Das mag durchaus gewollt sein, ließ mich aber streckenweise orientierungslos zurück.

    Ich hatte mir erhofft, mehr über die armenische Geschichte zu erfahren – zumindest in historisch-konkreterer Form. Zwar ist die Vergangenheit durch das alte Buch und durch einzelne Rückblenden präsent, doch blieb vieles eher angedeutet als ausgeführt. Das Ende empfand ich als offen – eigentlich etwas, das ich schätze – doch in diesem Fall wirkte es auf mich eher unentschlossen als bewusst offen.

    Was das Buch für mich dennoch lesenswert machte, waren die Charaktere: fein gezeichnet, still, aber mit Tiefe. Es sind oft die kleinen Begegnungen und Gesten, die haften bleiben. Auch die Atmosphäre – das leise Stauben der Bibliothek, das Licht über den Hügeln Armeniens – bleibt im Gedächtnis.

    Fazit

    Hier sind Löwen ist ein leiser, nachdenklicher Roman über Identität, Erinnerung und die Kraft der Bücher. Wer eine dichte Handlung oder ein historisches Panorama erwartet, wird hier vielleicht weniger fündig. Wer sich aber auf ein ruhiges, literarisches Nachspüren einlassen kann, findet in diesem Buch eine feinsinnige Erzählung über das, was bleibt – zwischen den Zeilen, zwischen den Zeiten.

  7. Cover des Buches Der Bastard von Istanbul (ISBN: 9783036959245)
    Elif Shafak

    Der Bastard von Istanbul

    (49)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Was für ein Buch! Hier gehören eigentlich mehrere Ausrufezeichen hin. Das war’s. Das muss ausreichen. Ausreichen, um einen Lesegenuss zu beschreiben, der gleichzeitig mit einem Verstehensgewinn einhergeht. 

    Türken – Armenier: verdrängen, vergessen oder in der Geschichte leben, sich aus dem Weg gehen oder verstehendes Zusammenfinden?

    All diese widersprüchlichen, diese trennenden und zugleich verbindenden Gedanken und Erfahrungen haben ihren Platz im Leben der hier handelnden Personen. Die „normalen“, die gängigen Sichtweisen zeigen sich (familiär) eingebunden im Kosmos der Megacity Istanbul (türkische Sichtweise) bzw. der Metropole San Franzisco (armenische Sichtweise). Die dynamische, auch rebellische, die suchende und verbindende Sichtweise findet in den beiden Hauptpersonen des Romans ihren herausragenden Part, unterstützt durch Menschen in ihrem jeweils eigenen Umfeld: im Café Kundera (einfach schräg, aber mit Tiefgang; schiebt die Schwere des Themas in eine lockeren, in einen quasi abgehobenen Zusammenhang ) sowie einem Internetforum, dem Café Konstantinopolis (mit der Möglichkeit auch ausgefallene aber immer nachvollziehbare Sichtweisen in das Thema einzubinden). Dies alles wird mit einer erzählerischen Leichtigkeit angeboten, die nicht nur gut unterhält und viel Wissenswertes ganz ungezwungen mitliefert, sondern auch viel Raum für eigene Gedanken (und Gefühle!) lässt. 

     So gibt es neben den spannungsgeladenen Schilderungen bemerkenswerte Beschreibungen zum Beispiel der Alzheimer-Krankheit („Für sie hat die Zeit längst keinen linearen Verlauf mehr; die Vorschriftzeichen, Warnleuchten und Wegweiser entlang der Autobahn der Geschichte sind verschwunden. Sie kann in alle Richtungen fahren oder nach Belieben die Fahrbahn wechseln. Oder mitten auf der Straße stehen bleiben, sich keinen Zentimeter fortbewegen, sich der Pflicht zur Weiterfahrt widersetzen, da es so etwas wie ein ‚Vorwärtskommen‘ in ihrem Leben nicht mehr gibt, nur noch eine ständige Wiederkehr einzelner Augenblicke.“) oder zu psychischen Erkrankungen („Sie ist eine kluge Frau. Wenn sie nur die Einzelteile zusammenhalten könnte. So sensibel zu sein ist ungewöhnlich, so sensibel zu sein ist großartig, so sensibel zu sein ist beängstigend. Da jederzeit alles passieren kann, hat sie nie wirklich sicheren Boden unter den Füßen. Ein Gefühl von Sicherheit oder Kontinuität gibt es für sie nicht. Alles kommt in Einzelteilen daher, die zusammengesetzt werden wollen, sich aber jedem Begriff der Ganzheit widersetzen.“). Es sind diese sanften, verstehenden Worte, die dem Buch seinen besonderen Charme mitgeben. Man muss keine Klimmzüge machen, um Dinge zu durchdringen oder zu verstehen. Dabei ist der Roman alles andere als schmale Kost, er ist auf jeden Fall eine Bereicherung für das eigene Leben.

    (19.11.2018)

  8. Cover des Buches Vom Wind geküsst (ISBN: 9783946955061)
    Lin Rina

    Vom Wind geküsst

    (50)
    Aktuelle Rezension von: WeltbuntmalendeBuecher

     Meine Rezension zu 

    ✨Vom Wind geküsst✨ von Lin Rina aus dem Drachenmond Verlag:


    Ich kann dazu hier schon sagen, dass ich das den Auftakt der Dilogie wirklich toll gefunden habe!


    💜Klappentext💜

    "Jeder hatte seinen Platz. Auch ich. Allerdings anders als die anderen.

    Ich gehörte nicht zu ihrer Familie, ihrem Volk. Ich war kein Kind des Feuers.

    Ich war eine vom Windvolk. Das Mädchen, das der Wind geküsst hatte."


    💜Der Einstieg💜 in 'Vom Wind geküsst' fiel mir sehr leicht. Ich hatte noch keine grosse Ahnung, worum es eigentlich in dem Buch geht, da ich den Klappentext schon vor einiger Zeit gelesen hatte. Daher war es für mich umso spannender, zu schauen, wie die Charaktere in die Geschichte eingebettet und schön vorgestellt wurden, wie ich den Alltag und die Gepflogenheiten der Wagenleute kennenlernen durfte.

    Ich fand es auch sehr schön, dass es im Buch vorne eine Landkarte hat (ich liebe Karten der Welten) und hinten eine Playlist, welche ich perfekt zu dem Buch hören konnte.


    ✨Das Leben spielte nicht in bunten Ballsälen, sondern draussen in der Welt.✨ (Textausschnitt 'vom Wind geküsst')


    💜Die Charaktere💜

    Hier möchte ich als erstes erwähnen, dass der Wind quasi als eigener Charakter steht! Das finde ich grossartig! Auch wenn ich ständig kalt hätte, wenn es windet, würde ich auch gerne den Wind als Freund haben! Die Protagonistin Cate hat genau dies; den Wind als Freund! Ich mag Cate sehr, ich finde sie süss und cool! Ich konnte mich irgendwie mit ihr identifizieren, habe sie als Prota sehr geschätzt! Allgemein finde ich die Charaktere sehr schön durchdacht, alle haben ihre Eigenheiten und auch gute und schlüssige Hintergründe, welche teilweise erst mit der Zeit offenbart werden. Es gibt spannende Gegenspieler, die auch etwas mysteriös wirken, es gibt tolle Freundschaften und mit der Zeit kommen immer mehr interessante Begegnungen vor. 

    Natürlich gibt es auch eine Liebesgeschichte, diese fand ich schön gestaltet und konnte auch die Gefühle gut nachvollziehen. 


    💜Der Schreibstil💜

    Das Buch ist aus der Sicht von Cate (in der Ich-Form) und aus der Sicht von einigen anderen (im Erzähler-Stil) geschrieben.

    Ich finde den Schreibstil sehr angenehm und flüssig. Es gibt spannende Momente, tolle Gefühle und, wie ich finde, sehr interessante Themen! Was ich besonders schön fand, ist, dass es (für mich) so ein langes Buch, mit vielen Seiten, ist, und dennoch echt nie langweilig oder langatmig wird. Es gibt immer wieder neue Wendungen, auch solche, die ich noch nicht vorhergesehen habe, aber auch solche, mit denen ich bereits gerechnet hatte. Dennoch bleibt das Buch zu jeder Zeit spannend! 


    ✨ Erzählte man den Menschen offen, es handle sich um Magie, um Feuerkunst, um etwas Übernatürluches, dann glaubten sie es nicht.✨ (Textausschnitt 'vom Wind geküsst')


    💜Mein Fazit💜

    Ich mag dieses Buch sehr! Ich finde die Thematik mit den Elementen und dem Wagenclan sehr schön umgesetzt, ich mag den Wind und seine Fähigkeiten. Ich habe an einigen spannenden Stellen in dem Buch mit Cate und Justus mitgebangt, habe ihre Gefühle toll beschrieben gefunden und konnte mich gut mit den Wagenleuten anfreunden. Mich hat dieser erste Teil der Dilogie gefesselt, ich fand die Story sehr schön gestaltet und war positiv über den guten Fluss des Buches überrascht! 

    Ich kann das Buch absolut empfehlen, für mich gehört es jetzt schon zu den HIGHLIGHTS dieses Monats!


    💜Details zum Buch💜

    Band 1 von 2 

    Drachenmond Verlag

    466 Seiten

  9. Cover des Buches Mission Genesis (ISBN: B07BP83KZ9)
    Carolin Heidtmann

    Mission Genesis

    (11)
    Aktuelle Rezension von: Anni_Booklover

    Die Fakten:


    Titel: Mission Genesis: Eine Liebe. Zwei Welten am Abgrund



     

    Autor: Carolin Heidtmann 


    Reihe:  

    Verlag:

    Seiten: 314


    Klappentext:

    „Die geheime Mission Genesis führt den Raumschiffpiloten Jack auf den erdähnlichen Planeten Auria, wo er sich in die Aurianerin Mira verliebt. Ihr gemeinsames Glück scheint perfekt – bis ein rücksichtsloser Konkurrent auftaucht.
    Unterdessen wecken mysteriöse Vorfälle in Jack einen schrecklichen Verdacht: Verbirgt sich hinter der Mission ein diabolischer Plan mit verheerenden Folgen?
    Ein dramatischer Wettlauf um Leben und Tod beginnt... „

    Rezension:



    Der Plot der Geschichte hatte mich sehr angesprochen, die Autorin zeigt ein Szenario auf welches gar nicht ganz so abwegig ist. Wir Menschen habe es in dem Roman geschafft die Erde so wie wir sie kenne zu Grunde Zurichten.  

    Der Leser begleitet den Protagonisten Jack bei seiner Mission den Planeten Auria zu erkunden. 

    Die Autorin schafft es, die Charaktere sehr detailliert und bildreich, so dass sich der Leser sehr gut in die Charakter einfühlen kann. Dennoch hätte ich mir öfters mehr Tiefe bei der Beschreibung gewünscht.

    Der Spannungsbogen in der Story hat mich zu beginn Packen könne, doch dann haben sich die Ereignisse etwas zu schnell entwickelt.  Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und leicht zu lesen. Wenn man angefangen hat fesselt es einen und man kann es schwer wieder aus der Hand legen. Allerdings hätte ich mir mehr Beschreibung von Auria und der Landschaft sowie den Lebewesen dort gewünscht.
    In Situationen, die emotionsgeladen sind, finde ich die Sprache zu gewählt sachlich- distanziert, dort hätte ich mir mehr erhofft Die Landschaft wird für den Leser anschauliche beschreiben so das er sich den Erden ähnlichen Planeten Auria gut vorstellen kann. 





    Fazit:

    Das Buch ist ein netter Zeitvertreib mit so kleinen Schwächen. Es konnte mich Unterhalten doch ich hatte etwas höhere Ansprüche.

  10. Cover des Buches Auf der Straße heißen wir anders (ISBN: 9783442494187)
    Laura Cwiertnia

    Auf der Straße heißen wir anders

    (63)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Als Karlas Großmutter stirbt, hinterlässt sie unter anderem einen goldenen Armreifen und einen Zettel mit dem Namen Lilit Kuyumcyan, Yerevan, Armenien. Selten wird in Karlas Familie über Armenien gesprochen, über das Land, aus dem sie väterlicherseits abstammt, das sie aber noch nie besucht hat. Über den Völkermord, die Vertreibungen, die konstante Ausgrenzung hat sie sich selbst informiert, doch nie hat sie mit den Menschen darüber gesprochen, die davon betroffen waren – und nun ist einer dieser Menschen tot. Karla beschließt, nach Armenien zu fahren und mehr über Lilit Kuyumcan zu erfahren, ihr Vater Avi kommt widerwillig mit. Die beiden entdecken ein Land, ohne das es sie nicht gäbe, das sie aber nicht kennen, dessen Sprache sie nicht sprechen und dessen Kultur in ihrer Familie nur bruchstückartig fortgeführt wurde. Langsam tasten sie sich durch diese fremde Heimat und in der eigenen Familiengeschichte vor, bis sie schließlich einzelne Puzzleteile finden, die sie zusammensetzen können.

    Wie soll man eine Heimat finden an einem Ort, an dem man noch nie war? (S. 164)

    Laura Cwiertnia erzählt in ihrem Romandebüt Auf der Straße heißen wir anders eine armenische Familiengeschichte und thematisiert vor allem die Wurzellosigkeit und die Leerstellen in der eigenen Identität, die vor allem viele armenischstämmige Heranwachsende in der Diaspora empfinden. Sie beginnt mit Karla, eigentlich Karlotta, die anders als all ihre Freund:innen aus dem Bremer Norden in den Sommerferien nie in die Heimat fährt – denn Heimat ist für ihre Familie schwer zu definieren. Ist es Armenien, woher die Familie stammt? Die Türkei, in der die früheren Generationen gelebt haben? Oder nicht doch Deutschland, wo Karla geboren ist und das die Heimat ihrer Mutter ist?

    Cwiertnia  arbeitet in ihrem Erstling viel mit Rückblenden: Während ein Erzählstrang in der Gegenwart Karla erst bei der Beerdigung ihrer Großmutter und dann bei ihrer Reise nach Armenien begleitet, erweitert sie in einzelnen Kapiteln die Perspektive und die Tiefe des Romans. Sie lässt Karlas Vater Avi von seiner Kindheit und Jugend erzählen, die irgendwann in einer Klosterschule in Armenien endeten. Die Stimme von Karlas Großmutter nimmt die Leserschaft mit nach Istanbul, wo die Armenier assimiliert leben und trotzdem Ausgrenzung erfahren und wo das Leben als Gastarbeiterin im reichen Deutschland verlockend erscheint. Zum Schluss deutet das Schicksal von Karlas Urgroßmutter Armine den Schmerz und das Leid eines ganzen Volkes an und macht deutlich, warum es in den Biografien aller nachfolgenden Generationen immer größer werdende Lücken gibt.

    Cwiertnia schreibt mit viel Empathie über Karlas Familiengeschichte; die Erfahrungen ihrer Figuren dürften ihr aus biografischen Gründen nicht völlig fremd sein. Und doch ist ihr Stil bei aller Schwere der Thematik leichtfüßig. Der Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit erzeugt nicht nur Dynamik, sondern auch eine gewisse Spannung, die durch die Suche nach der unbekannten Lilit noch verstärkt wird. Die Geschichte ist stimmig komponiert, was auch dadurch deutlich wird, dass sie nicht vollends auserzählt wird: Was die Leser:innen durch die Rückblenden erfahren, wird Karla weitgehend verschlossen sein, der Genozid hat Brüche geschlagen, die keine Recherche mehr kitten kann. Dennoch hätte Auf der Straße heißen wir anders noch ein paar Seiten mehr verdient gehabt, mit knapp 230 Seiten bleibt der Roman, vor allem was das grausamste Kapitel der Geschichte angeht, etwas zu sehr an der Oberfläche. Nichtsdestotrotz ist Cwiertnias Debüt mehr als gelungen, vermittelt es nicht nur Wissen, sondern schafft vor allem Verständnis und erzeugt Mitgefühl. Von mir gibt es 4,5 Sterne und den Wunsch, dass die Autorin uns bald mit einem weiteren Roman beglückt.

  11. Cover des Buches Traumreisende (ISBN: 9783641025564)
    Marlo Morgan

    Traumreisende

    (111)
    Aktuelle Rezension von: katzekatzekatze

    Ich interessiere mich sehr für die Aborigine Kultur, weshalb ich dieses Buch gleich aus dem Bücherschrank gefischt habe.

    Leider wurde ich doch recht schnell enttäuscht.

    Der Autor beherrscht grundlegende Storytellingregeln nicht. Es heißt so schön "Show, don't tell". Aber er "erzählt" die ganze Zeit nur. Und das ist das Problem. Dadurch, dass die Charaktere größtenteils nur passiv und "zusammengefasst" ihre Geschichte erleben, bleiben sie seicht und blass, es gelang mir zu keinem Zeitpunkt eine Beziehung zu den beiden aufzubauen, geschweige denn, dass mich ihr Schicksal irgendwie berührt hätte. Dabei ist das Thema durchaus interessant.

    Die Geschichte insgesamt war sehr langweilig, sehr vorhersehbar und lebte größtenteils von schlecht konstruierten Zufällen. Etwas mehr Tiefe hätte gut getan. 

    Ich kann das Buch leider gar nicht weiter empfehlen.

  12. Cover des Buches Die vierzig Tage des Musa Dagh (ISBN: 9788075830548)
    Franz Werfel

    Die vierzig Tage des Musa Dagh

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Federfee

    Es ist schon etliche Tage her, dass ich das Buch zugeklappt habe, aber es beschäftigt mich immer noch. Es ist einer der besten Klassiker, den ich je gelesen habe: basierend auf Tatsachen, spannend, mit tiefgehenden Personencharakterisierungen, von immerwährender Aktualität wegen der beschriebenen gesellschaftlichen Probleme und Themen und nicht zuletzt Informationen über den Völkermord an den Armeniern.

    Wie kam es überhaupt zu diesem Buch?

    Franz Werfel und seine Frau Alma fielen beim Besuch einer Teppichweberei in Damaskus ausgehungert aussehende Kinder mit großen Augen auf und sie erfuhren auf Nachfrage, dass es Überlebende des Genozids der Türken an den Armeniern waren. Als Werfel zudem noch von Widerstandskämpfern hörte, die sich 53 Tage auf dem Musa Dagh (Mosesberg) verschanzt hatten, bevor sie von alliierten Schiffen gerettet wurden, ließ ihn das nicht mehr los und er begann umfangreiche Recherchearbeiten. Sein Ziel: 'das unfassbare Schicksal des armenischen Volkes dem Totenreich alles Geschehenen zu entreißen'. Und das ist ihm bestens gelungen, auch wenn sein Roman der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer fiel. Die Parallelen sind unübersehbar: 'Unterdrückung, Vernichtung von Minoritäten durch den Nationalismus …', schreib Werfel an seine Eltern.

    Zum Roman

    Es fängt idyllisch an: Gabriel Bagradian, ein Geistesmensch, seit 23 Jahren in Frankreich lebend und mit der Pariserin Juliette verheiratet, ein Sohn, besucht wegen des Todes seines älteren Bruders sein Heimatdorf  Yoghonoluk, eines von sieben Dörfern auf der meerabgewandten Seite eines Gebirgszuges. Es ist eine wunderschöne Landschaft, der französischen Riviera ähnlich; die von Handwerkern bewohnten Armenierdörfer sind schmuck und sauber. Man muss wissen, dass die christlichen Armenier schon immer dort lebten; früher gehörte die Gegend teilweise zu Syrien, heute zur Türkei. Es ist ratsam, sich eine Karte neben das Buch zu legen, um alles verorten zu können.

    Doch dann beginnt das Unglück: der Erste Weltkrieg ist in vollem Gange und 1915 verbündet sich das Osmanische Reich mit den beiden Mittelmächten gegen die Triple Entente (Vereinigtes Königreich, Frankreich, Russland).  Den Armeniern werden von den Türken die Pässe entzogen, auch Gabriel Bagradian, so dass er mit seiner Familie  nicht mehr weg kann. In Istanbul werden alle armenischen Intellektuellen und Geschäftsleute verhaftet, was als Beginn der Armenierverfolgung gilt. Es folgen Deportationen mit dem Ziel der völligen Vernichtung. Bagradian hatte inzwischen wegen seiner Beobachtungen und düsteren Vorahnungen begonnen, sich ein Bild von der Bevölkerung und der Ausstattung mit Waffen zu verschaffen und den Musa Dagh zu kartieren. Als es Ernst wird, beschließt der Großteil der Dorfbevölkerung in einer großen Versammlung, sich auf dem Berg zu verschanzen und Widerstand zu leisten.

    Mir hat es sehr imponiert, wie das alles organisiert wurde: Anführer wählen, heimlich Vorbereitungen treffen, alles hochschaffen und schließlich dem Deportationsbefehl zuvorkommen. Oben zeigt sich dann, wie schwierig es ist, eine Gemeinschaft aufzubauen, für was alles gesorgt werden muss und welche Schwierigkeiten auftreten, nicht zuletzt solche zwischen den reicheren und ärmeren Dorfbewohnern. Es gibt Neid, Streit und Unzufriedenheit und bei einigen den Wunsch, alles für sich zu behalten. Bagradian, der einmal türkischer Reserveoffizier war, organisiert den militärischen Widerstand.

    Es passieren unglaublich viele Dinge: Angriffe der Türken, erfolgreicher Widerstand, Versuche, den Armeniern zu helfen, Hunger und Krankheit, Liebe und Hass. Wir bekommen Einsicht in die politische Lage: die Verwicklungen des Deutschen Reiches und seine Mitschuld, die hier allerdings nur gestreift wird. 'Das Narkotikum des Nationalismus', schreibt Werfel an seine Eltern. In Wirklichkeit sind den Politikern und Militärs des Deutschen Reiches die Armenier völlig egal und es stehen nur die Interessen der Mittelmächte gegen die Entente und Wirtschaftliches im Vordergrund:  die Bagdadbahn, die Ölfelder in Mossul, Baumwolle.

    Aber die Ausgrenzung von Fremden ist ein Phänomen, das selbst auf dem Musa Dagh eine Rolle spielt. So bleibt Juliette immer eine nicht anerkannte Fremde und selbst gegen Bagradian gibt es trotz aller Verdienste Vorbehalte. Sie bleiben 'die Zugereisten, Überheblichen und Unrechten.'

    Dieses Buch ist so reichhaltig, dass meine Rezension ihm leider nicht gerecht werden kann. Ich staune über Werfels Vielseitigkeit, wie er Landschaftsschilderungen, Politisches, Militärisches, Personencharakterisierungen unter einen Hut bringt und wie es nie langweilig wird.

    Es ist ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Verfolgung und Vernichtung von Minderheiten, das allerdings seiner Entstehungszeit entsprechend an manchen stellen ein wenig zu pathetisch klingt. Das mindert aber in meinen Augen keineswegs seinen Wert, so dass ich gerne eine volle Lese-Empfehlung ausspreche.

  13. Cover des Buches Die Sommer (ISBN: 9783446267602)
    Ronya Othmann

    Die Sommer

    (111)
    Aktuelle Rezension von: astridneurauter

    im gegensatz zu Teil 2, der für mich eher trocken und langwierig zu lesen war, da es viel politischer zu geht, ist dieses Buch sehr interessant .

    Man erfährt, wie ihr Vater in einem idyllischen Dorf nahe der Türkischen Grenze aufwuchs, die Ängste, was sie immer wieder hatten und fluchtbereit sein mußten, aber auch daß sie glücklich mit der gesamten Nachbarschaft lebten. Bis der vater anfang 80er mitten in der Nacht flüchten mußte, allein und zu Fuß bis zur zürkischen Grenze, wo erdann anschluß fand. Bis er in München ankam, dauerte es noch ein paar Wochen und er hatte dauernd Angst geschnappt zu werden und zurückgeschickt. Hätte seinen tod bedeuten können. 

    Warscheinlich für mich deswegen super, da es um einen wirklichen politischen Flüchtling geht, der nicht 1000e Euro zahlt um sicher in Europa zu landen. 

    Ein Mensch der in Europa schwarz schufften mußte und sich von klein auf was aufbaute,  bis er die Staatsbürgerschaft bekam, erst da konnte er unbeschwert leben. 

    Es wird auch die leichte Seite beschrieben, wie sie die Verwandtschaft nachholten, bevor 2015 der große Krieg ausbrach....aber lest selbst, ich bin hier neutral, akzeptiere alle Meinungen!

  14. Cover des Buches Das Kastler-Manuskript (ISBN: 9783453436237)
    Robert Ludlum

    Das Kastler-Manuskript

    (13)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    Im Mai 1972 starb John Edgar Hoover 77jährig, nachdem er beinahe 50 Jahre Direktor des von ihm mitbegründeten Federal Bureau of Investigation (FBI) war. Er diente unter 8 US-Präsidenten und 18 Generalstaatsanwälten. Seine Vorgehensweisen zur Erreichung seiner Ziele waren nicht immer legal und seine sich steigernde Paranoia uferte in gewaltige Abhör- und Überwachungsaktionen aus. Ein riesiges Archiv an kompromittierenden Informationen über Politiker, hochrangige Persönlichkeiten und andere Berühmtheiten sollen seine Machtposition über Jahrzehnte hin ausgebaut und gefestigt haben.

    Als 1968 der junge Student Peter Kastler seine Doktorarbeit einreichen will, rät ihm ein Gastprofessor für Politik - ein ehemaliger Botschafter namens Munro St. Claire - davon ab, dies zu tun... zu abwegig seien die in der Arbeit dargestellten politischen Stellungnahmen. Er solle doch stattdessen das Ergebnis dieser Arbeit in Form eines Romanes verarbeiten und seine Resultate so der Öffentlichkeit kundtun. Geschrieben, getan... der Roman erscheint und begründet Peter Kastler's Karriere als überaus erfolgreicher Autor von Thrillerromanen. 

    1972 erreichen J. Edgar Hoover's Bespitzelungs- und Abhöraktionen von Politikern, Militär und anderen wichtigen Persönlichkeiten einen für eine im Geheimen operierende Gruppe hochgestellter Personen eben aus diesen Kreisen nicht mehr tragbaren Zustand. "Inver Brass" - diese Gruppe aus einflußreichen Männern, die nur unter Codenamen auftreten - beschließt die Ermordung des FBI-Direktors und die Übernahme des über 17.000 Akten umfassenden Archivs. Der Mord gelingt... doch nur die Hälfte des Archivs kann in die Gewalt der Gruppe gebracht werden. Um selbst nicht auffällig zu werden, setzt "Inver Brass" den Hoover-Mörder Stefan Varak auf Peter Kastler an, um diesen mittels gezielter Information über die Ermordung Hoover's und der gestohlenen Dossiers als Inhalt für einen neuen Roman zur Suche nach den fehlenden Akten zu bewegen. Kastler, durch den Tod seiner geliebten Frau antriebslos und dem Alkohol zugetan, entdeckt neues Feuer in ihm und macht sich auf die Suche... und wirbelt alte Geschichten auf und bringt Interessenskonflikte auf allen Ebenen mit sich... Die fiktiven Geschichten des Romanautors beginnen sich zu bewahrheiten und es entwickelt sich ein gewalttätiger Strudel, in welchem es für Kastler immer schwieriger wird, Freund von Feind, Realität von Fiktion zu unterscheiden...

    1977 nahm sich der US-Autor Robert Ludlum (1927-2001) in seinem neunten Roman all der Gerüchte und Spekulationen um J. Edgar Hoover an und verwirkte diese gekonnt mit seinen eigenen Theorien und Ideen. Heraus kam ein für Ludlum typisches Werk voll Verschwörung, Manipulation, Betrügereien und Action, welches reale Fakten und viele Spekulationen über den wirklichen (aber mit einiger Mysteriosität versehenen) FBI-Direktor Hoover mit einer nicht immer glaubwürdigen aber spannenden und temporeichen Geschichte um einen Romanautor, der sich selbst in Sein und Schein zu verlieren beginnt, vermengt und für Leser mit Hang zu Verschwörungstheorien ein kurzweiliges Thrillererlebnis beschert.

  15. Cover des Buches Die vierzig Tage des Musa Dagh (Neuausgabe MP3-CD) (ISBN: 9783899649208)
    Franz Werfel

    Die vierzig Tage des Musa Dagh (Neuausgabe MP3-CD)

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Gwhynwhyfar

    «Die Nacht des Musa Dagh saugte schnell die Julidämmerung auf. Der waagrechte Halbmond stieß sich von den Gipfelschroffen des Amanus im Osten ab und fuhr frei in den Raum hinaus.”»


    Als im Sommer 1915 die grausame Verfolgung der Armenier durch die Jungtürken auch die Dorfgemeinden an der syrischen Küste erreicht, wird der Moses-Berg, der Musa Dagh, für eine Gruppe von etwa 5000 Armeniern zur natürlichen Abwehrfestung. Die Männer und Frauen von sechs Dörfern flohen unter der Führung des ehemaligen Offiziers Moses Der Kalousdian,  als der Befehl zu ihrer Deportation sie erreichte, und sie waren zum Widerstand fest entschlossenen. In diesem vor 80 Jahren erschienenen Roman schildert Franz Werfel den Völkermord an den Armeniern. Bis heute leugnet die Türkei ihre historische Verantwortung für den Tod von einer Million Armeniern.


    «Dies war aber nicht nur das gewöhnliche Kopfwackeln, das ihn seit seiner Krankheit häufig anfiel. Es bedeutete das fassungslose Nicht-Begreifen einer Welt, in der zum Geist verpflichtete Wesen, anstatt in die Wonnen der Definitionen, Formeln und Verse einzudringen, sich mit fanatischem Gurgelabschneiden befassen.»


    Zu Beginn des Romans kehrt der Kaufmann Gabriel Bagradian mit seiner Frau Juliette und seinem Sohn nach 23 Jahren aus Frankreich zurück in die Heimat, dem Dorf Yoghonoluk, um das Familienunternehmen zu übernehmen. Die Armenierdörfer am Meer gehörten seit ewigen Zeiten den Armeniern. Es ist eine schöne Zeit, die Dörfer vergleicht er mit der französischen Riviera. Doch plötzlich wird es ungemütlich. Die Türken bescheiden den Armeniern Rechte, die sich ebenfalls als Türken fühlen; Religion hat ja nichts Bürgerrechten zu tun. Aber Stück für Stück werden ihre Rechte weiter eingeschrenkt, ihnen werden die Pässe entzogen. Gabriel Bagradian kann nun nicht mehr mit seiner Familie nach Frankreich zurückkehren. Und dann erfolgt der Befehl der Deportation. Gabriel Bagradian fordert seine Glaubensleute auf, sich nicht dem Schicksal zu fügen, sondern sich zu wehren. 


    Sie fliehen auf den Berg Musa Dagh. Trotz der türkischen Übermacht halten sie sich hartnäckig Dank ziemlich kluger Kriegsführung. Mit wenig Waffen besiegen sie taktisch klug eine Einheit der Türken nach der anderen, bis die französischen Schiffe anlegen und die französische Marine ihnen zur Hilfe kommt. Der Musa Dagh wird zur natürlichen Abwehrfestung.  Bis in die Einzelheit werden die klugen Manöver der militärischen Führung beschreiben. Es macht Spaß, dem zu folgen, wie sie türkische Heere schlagen, zu lesen, wie wenig man benötigt, um einen unorganisierten Haufen von unausgebildeten Soldaten zu schlagen, ohne selbst kaum Verluste zu erleiden. Die Armenier waren selbst ohne Erfahrung, aber sie hatten eine kluge militärische Führung, ordentlich Wut im Bauch und nichts zu verlieren. Eine klasse Schilderung dieses Widerstandes – wenn man bedenkt, wie viele Armenier durch die Deportation gestorben sind, die sich nicht gewehrt haben. Ein wichtiger historischer Beitrag zur Nichtvergessen-Kultur zu einem Völkermord, zur Vertreibung der Armenier; und ein grandios geschriebener historischer Roman.


    «Armenier sein ist eine Unmöglichkeit. Sehr wahr! Die Unmöglichkeiten sind aber für Gabriel Bagradian abgetan. Mit unbeschreiblicher Sicherheit erfüllt ihn das Einzig-Mögliche. Er hat das Schicksal seines Blutes geteilt. Er hat den Kampf seines Heimatvolkes geführt.»


    Franz Werfel, geboren 1890 in Prag und verstorben 1945 im US-amerikanischen Exil, war eine der prägendsten Stimmen des literarischen Expressionismus. Als enger Freund von Max Brod und Zeitgenosse Franz Kafkas begann er seine Karriere als Lyriker, dessen frühe Gedichte eine ganze Generation von Suchenden ansprachen. Werfel war ein Meister der grossen Gefühle und der ethischen Fragestellungen; sein Werk ist durchzogen von der Sehnsucht nach menschlicher Brüderlichkeit und der Suche nach religiöser Wahrheit. Er heiratete Alma Mahler, die Witwe Gustav Mahlers, und floh vor den Nationalsozialisten über Frankreich in die USA. Weltruhm erlangte er nicht nur durch seine Novellen und Dramen, sondern vor allem durch Monumentalwerke wie Die vierzig Tage des Musa Dagh und Das Lied von Bernadette. Als er mit seiner Frau in Damaskus eine Teppichweberei besuchte, fielen ihnen ausgehungert aussehende Kinder mit großen Augen auf. Man erklärte ihnen, dass es Überlebende des Genozids der Türken an den Armeniern waren. Das Interesse für den Stoff war geweckt – und so fing Werfel an, zu recherchieren. Clark Gable wurde für die Rolle des Gabriel Bagradian in der Hollywood-Verfilmung gecastet. Die türkische Botschaft jedoch übte so starken Druck auf den Produzenten aus, dass das Filmprojekt nie realisiert wurde.


  16. Cover des Buches The Rape of Nanking (ISBN: 0465068367)
    Iris Chang

    The Rape of Nanking

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Im Nachwort zu Mark Pilnys "Japan Inc." wurde auf Iris Chang und ihr wichtiges Werk hingewiesen, das auch im Buch selbst mehrmals erwähnt wurde. Auch die Arbeit, die Chang für die Aufklärung des Westens in Bezug auf Nanking gemacht hat, wird lobend erwähnt. Pilny legt seinen Lesern "The Rape of Nanking" sehr ans Herz, hat er doch im Vorfeld zu seinem eigenen Werk, dieses Buch gelesen. Da ich mich weiter, über den literarischen Zweck hinausgehend, über Nanking und die Geschehnisse von 1937 informieren wollte, bestellte ich mir umgehend Changs "The Rape of Nanking".

    Dieses Buch lässt einen nicht kalt, es kann es gar nicht. All diese Gräueltaten sind genau das, was schon zahlreiche Menschen von Chang begriffen haben: Auschwitz in Asien. Doch während Deutschland zur Rechenschaft gezogen wurde, Reparationskosten übernommen und sich offziell entschuldigt hat, ist dies in Bezug auf Nanking noch immer ausstehend. Lange Zeit lang wurde das Massaker in Japan sogar verleugnet!

    Genau deshalb braucht es dieses Buch. Genau deshalb ist es wichtig, dass es auch Leser ausserhalb Amerika und Asien findet. Wenn Chang die Berichte von Überlebenden wiedergibt, läuft es einem oft kalt den Rücken runter. Von Vergewaltigungen ist die Rede, Massenmord, Genozid. Morden als spassige Freizeitaktivität.

    Doch macht Chang von Anfang an keine Schuldzuweisungen. Sie analysiert, wie es dazu gekommen ist, was geschehen ist und wie es nach dem Krieg weiterging. Aber an keiner Stelle holt sie den Zeigefinger raus und verteufelt die Japaner. Im Nachwort gibt Chang unmissverständlich zu verstehen, dass sie der Bevölkerung nichts vorwirft. Wenn man einen Schuldigen suchen will, kann man dies bei der damaligen Regierung tun.

    Ich empfehle das Buch jedem, der sich tiefer für den Zweiten Weltkrieg interessiert, aber auch denjenigen, die nach der Schule eine gewisse Müdigkeit dem Thema gegenüber zeigen. So ging es mir nämlich auch, aber "The Rape of Nanking" hat mich genauso tief erschüttert, wie als mir meine Mutter damals zum ersten Mal vom Zweiten Weltkrieg erzählt hat.

    Es ist ein wichtiges Buch, auch Jahre nach dem Tod der Autorin und es wird immer eines der wichtigsten Werke zum Thema Nanking sein. Ich hoffe sehr, dass die asiatischen Kriegsverbrechen irgendwann auch gesühnt werden und hoffentlich nie, nie in Vergessenheit geraten! Iris Chang hat ihren Beitrag dazu geleistet und wir alle können stolz auf sie sein!
  17. Cover des Buches Gegen Judenhass (ISBN: 9783462052718)
    Oliver Polak

    Gegen Judenhass

    (10)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Polaks flammender Appell gegen Antisemitismus und Xenophobie jeder Art. Neben eigenen Erfahrungen, die er als jüdischer Deutscher an Ablehnung durchleben mußte (bei denen man nur sprachlos zurückbleibt), beschreibt er auch negative Erlebnisse mit Fernsehmoderatoren und sonstigen Veranstaltern (bei denen man wünschte, er würde Roß und Reiter benennen), und legt dar, wie Vorurteile und Stereotype entstehen und wie sie zu bekämpfen sind. Bei mir rannte er mir dem Buch offene Türen ein, daß einige der schlimmen Ereignisse bei uns im Emsland stattfanden, beschämte mich zutiefst.
  18. Cover des Buches Die leuchtenden Tage am Bosporus (ISBN: 9783458364931)
    Lucy Foley

    Die leuchtenden Tage am Bosporus

    (27)
    Aktuelle Rezension von: Betsy
    "Die Minarette erheben sich in ihrer bleichen Eleganz bis in die Wolken hinauf. Die Stadt wirkt, als läge sie in einem Dornröschenschlaf."

    Istanbul 1921: Auch nach Ende des Krieges ist die Stadt noch immer von den siegreichen Entente-Mächten besetzt und die Einwohner haben sich notgedrungen mehr oder weniger damit arrangiert. Mittendrin die junge Nur, die aus wohlbehüteten Verhältnissen entstammt und fließend Englisch spricht, nun aber ihr Dasein gemeinsam mit ihrer Mutter und Großmutter, sowie einem von ihr aufgenommenen verwaisten Jungen, in einer kleinen Wohnung fristet und sich neben dem Unterrichten mit Näharbeiten durchschlägt. Ihr Mann ist im Krieg gefallen, ihr geliebter Bruder verschollen und ihr ehemaliges Zuhause nun ein britisches Militärkrankenhaus. Als der Junge jedoch schwer krank wird, springt sie über ihren Schatten und bringt ihn zum leitenden britischen Arzt George, der nun in ihrem alten Zuhause lebt. Obwohl Nur in ihm den Feind sieht und nur Verachtung für ihn und seinesgleichen übrig hat, entspinnen sich dennoch nach und nach zarte Bande zwischen ihnen, die eigentlich nicht sein dürfen.

    "Die Finger, die die Zigarette halten, sind geschmeidig, elegant. Und doch, erinnert sie sich selbst, sind es die Hände von einem Menschen der nicht viel besser ist als ein Schlachter. Sie hat Augen, sie sieht die Uniform; er mag Arzt sein, aber er ist auch Soldat. Sein Titel ist nur ein eleganter Euphemismus für "Mörder"."


    Die Autorin versteht es mit Worten umzugehen und den Leser von Anfang an in ihren Bann zu ziehen, so poetisch, stimmungsvoll und berührend ist diese Geschichte, die trotz der ernsten Themen, und einer damit alles andere als leichten Handlung, nichtsdestotrotz einfach wunderschön ist. Dabei fließt die Geschichte recht ruhig dahin, schafft es aber dennoch den Leser zu fesseln, weil man bis zuletzt gespannt ist wie sie enden wird und dabei immer wieder gekonnt mit den Emotionen des Lesers gespielt wird. Dies gelingt nicht nur durch die melancholisch märchenhafte Atmosphäre, sondern vor allem auch, weil die Personen unglaublich vielschichtig dargestellt werden und auf sehr authentische Weise aufgezeigt wird, wie tragisch Krieg für alle Beteiligten ist und die Grenze zwischen Opfer und Täter oftmals nur hauchdünn ist, je nachdem wie die Umstände sind.

    "Krieg bedeutet, schreckliche Dinge für einen guten, ja sogar edlen Zweck zu tun. Jedes Kind weiß das. Jede Armee hat Verräter getötet, das ist einfach ein weiteres tragisches, aber notwendiges Nebenprodukt des Krieges. Es liegt nichts Würdevolles darin, sich selbst zu quälen."


    Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven und auch Zeitebenen erzählt. Anfänglich muss man sich ein wenig auf die schnellen Wechsel einstellen, vor allem da alles noch keinen echten Zusammenhang ergibt. Dies legt sich aber sehr rasch und gerade durch die unterschiedlichen Perspektivwechsel, die übrigens schön gekennzeichnet sind, bekommt man wunderbare Einblicke in die jeweiligen Personen und ist oftmals selbst hin- und hergerissen, da alle hier ihre ganz eigene Geschichte haben die sie ausmacht.

    Da wäre zum einen die für ihre Zeit sehr gebildete und selbstständige "Nur", eine Türkin, die einige Verluste hinnehmen musste, miterlebt hat wie ihr Zuhause von ihren Feinden okkupiert wurde und sich dennoch nicht unterkriegen lässt. "George", ein britischer Militärarzt, der offen für die Lebensweise des Orients ist und dessen Schönheit erkennt, aber auch schlimme Dinge im Krieg gesehen hat und offenbar ein Geheimnis hütet. Der "Junge", der von Nur aufgenommen wurde nachdem sie ihn in den zerbombten Trümmern seines Hauses gefunden hat und der anfänglich durchaus ein wenig für Fragezeichen beim Leser sorgt, weil man erst nach und nach mehr zu seinem Hintergrund erfährt und was genau es mit ihm auf sich hat. Der "Gefangene", der an der Front im 1. WK kämpft, beim Massenmord an den Armeniern dabei ist und von dem am Ende nichts mehr an den einst so sanften und lebensfrohen Mann erinnert, der er einmal war, sowie der "Reisende", der viele Jahrzehnte später mit einem Koffer voller wertvoller Erinnerungsstücke eine lange Reise antritt und quasi die Rahmenhandlung zu der ganzen Geschichte bildet. Der Inhalt des Koffer verknüpft dabei auf wunderschöne Art und Weise die Gegenwart mit der Vergangenheit, denn jeder einzelne Gegenstand daraus hat seinen ganz besonderen Platz in dieser Geschichte. Durchaus für eine gewisse Spannung sorgt dann auch die Identität des Reisenden, da man erst zuletzt wirklich sicher sein kann, um wen es sich dabei handelt, denn die Autorin versteht es durchaus geschickt den Leser immer mal wieder ein wenig unsicher werden zu lassen, ob er wirklich derjenige ist, für den man ihn hält.

    Der Leser taucht hier ein in das bunte und geschäftige Treiben auf dem Basar, bekommt die Schönheit am Bosporus gezeigt und kann die Gerüche der orientalischen Gewürze und des Kaffees fast schon selbst wahrnehmen. Zugleich zeigen sich aber auch die immer noch vorhandenen Spuren des Krieges, wie zerstörte Wohnviertel, Menschen die aus ihren Häusern vertrieben wurden, sowie das Misstrauen und der Unmut gegen die Besatzer. Vor allem über den Armenienkonflikt erfährt man einiges, der hier wie eine verhängnisvolle Wolke immer wieder über dem Ganzen zu schweben scheint und dessen Schilderungen einem einfach nur unter die Haut gehen. Besonders traurig ist dabei allerdings die Tatsache, dass dieser an den Armeniern verübte Genozid von der Türkei bis heute nicht anerkannt wird.

    "Die Wirren des Krieges", sagt er. "Ich glaube, die Menschen denken in dieser Situation, dass sie Teil von etwas Größerem sind als sie selbst. Doch häufig sind sie zu weniger geworden. Weniger menschlich. Sie werden zu Teilen einer Maschinerie, und eine Maschinerie besitzt keine Moral."


    Und inmitten all dieser Dinge entspinnt sich eine wunderschöne Liebesgeschichte, die so ganz anders ist als man es von anderen Geschichten her gewöhnt ist und gerade deshalb ihren ganz eigenen Reiz hat. Einerseits sehr subtil und regelrecht unschuldig, aber zugleich von einer Intensität die man selten so spürt wie hier, wo selbst eine kleine Berührung etwas Bedeutsames ist.

    Mit dem Ende zeigt die Autorin hier einmal mehr, dass sie ihr Handwerk versteht, denn erst auf der letzten Seite fügt sich jedes noch so kleine vorherige Detail zu einer wunderschönen Gesamtkomposition zusammen und präsentiert dem Leser einen emotionalen, aber auch unglaublich stimmungsvollen und passenden Abschluss zu dieser Geschichte. Damit wirkt die Geschichte nicht nur noch einige Zeit nach, sondern sorgt auch für feuchte Augen bei Leser.

    Schön wäre allerdings noch ein kleines Glossar mit all den türkischen Begriffen gewesen, die hier vorkommen, selbst wenn sich ein Großteil beim Weiterlesen von selbst erklärt, sowie ein paar historische Eckdaten, die das Ganze noch mal schön abgerundet hätten, auch wenn das nichts daran ändert, dass die Geschichte für sich genommen einfach großartig ist.

    Fazit: Eine wunderschöne, aber auch sehr berührende und melancholisch anmutende Geschichte, die mit ihrer wortgewaltigen und bildhaften Sprache, sowie ihrer ruhigen und gefühlvollen Art in der sie erzählt wird, verzaubert. Einmal mehr zeigen sich hier die verschiedensten Gesichter des Krieges und man wird gefangen genommen von der inneren Zerrissenheit der jeweiligen Protagonisten, die sehr authentisch dargestellt werden. Ein wunderbares Buch, das sowohl optisch als auch vom Inhalt her zu begeistern vermag und großes Gefühlskino bietet, ohne jedoch kitschig zu sein. Für mich eines dieser Bücher, das mir noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.
  19. Cover des Buches After They Killed Our Father (ISBN: 9781845963088)
  20. Cover des Buches Tage der Nemesis (ISBN: 9783747202944)
    Martin von Arndt

    Tage der Nemesis

    (22)
    Aktuelle Rezension von: Scheherazade

    In Berlin wird im Jahr 1921 ein ehemaliges türkisches Staatsoberhaupt ermordet. Dieser war in Berlin untergetaucht, da er einer der Hauptverantwortlichen für den Völkermord an Armeniern in der Türkei war. Der Attentäter gehört wahrscheinlich zu einer Terrororganisation, die die Opfer des Genozids rächen will. Kommissar Andreas Eckart beginnt zu ermitteln und gerät zwischen die politischen Fronten in einem verfeindeten Europa.

    „Tag der Nemesis“ verpackt ein sehr brisantes Thema in der Geschichte in einen packenden Thriller. Dabei gelingt es hier sehr gut historische Fakten mit Fiktion zu verbinden. Die Fakten sind dabei sehr gut in den Thriller eingearbeitet, in die Handlung wie auch in viele Dialoge. Es wird dabei nie langweilig und wirkt auch an keiner Stelle wie ein Geschichtsunterricht. Die Konflikte zu dieser Zeit werden sehr gut dargestellt und auch die Rolle von Deutschland wird verständlich erklärt.

    Die Geschichte wird meist aus der Perspektive des Kommissars Eckart erzählt. Allerdings gibt es auch kurze Perspektivwechsel. Der Kommissar ist eine sehr vielschichtige Figur und dadurch sehr realistisch. Er hat im ersten Weltkrieg gekämpft und dies hat ihn gezeichnet. Er ist Morphium abhängig und war mir somit nicht immer sympathisch, allerdings waren alle seine Handlungen für mich nachvollziehbar.

    Die Geschichte an sich ist sehr interessant erzählt und der Schreibstil flüssig zu lesen und passt zu dieser Zeit und den Ereignissen. Da die Verstrickungen insgesamt so vielschichtig sind, fällt es dem Leser auch schwer nur für eine Seite Partei zu ergreifen, da man die anderen auch verstehen kann. Dies macht es so spannend. Insgesamt schafft es Martin von Arndt die Spannung bis zur letzten Seite zu halten, sodass man das Buch eigentlich nicht mehr aus der Hand legen will. Von mir gibt es 5 Sterne für einen wirklich gelungenen Politthriller.

    Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der gern Thriller liest, oder sich für diese Zeit interessiert.

  21. Cover des Buches "Ich habe getötet, aber ein Mörder bin ich nicht" (ISBN: 9783800078608)
    Birgit Kofler-Bettschart

    "Ich habe getötet, aber ein Mörder bin ich nicht"

    (11)
    Aktuelle Rezension von: buchgestapel

    Meine Meinung

    Auch wenn ich wirklich historisch interessiert bin, war mir der Völkermord an den Armeniern bisher noch kein wirklicher Begriff und somit ein Thema, zu dem ich selbst noch kein Vorwissen hatte. Die Aufarbeitung der Geschichte hat mir hier daher insgesamt wirklich gut gefallen, insbesondere weil die zunächst vielleicht etwas ausschweifenden Erklärungen Hintergründe erläutern, die es auch ohne Vorwissen recht einfach machen, dem Geschehen zu folgen.

    Nicht ganz so überzeugend fand ich dann insgesamt leider den Schreibstil, da man durchaus gemerkt hat, dass das Buch vermutlich nicht in der Reihenfolge der Kapitel geschrieben wurde und ich somit leider den Eindruck hatte, keinem roten Faden von Anfang bis Ende folgen zu können.

    Darüber hinaus gab es einige Abschnitte, die in meinen Augen etwas unnötig gestreckt wurden, insbesondere wenn ich innerhalb von zwanzig Seiten sieben Mal die Information lesen muss, dass Istanbul früher einmal Konstantinopel hieß. Da sich dieses Muster glücklicherweise nicht durch das gesamte Buch gezogen hat, konnte ich dabei durchaus ein Auge zudrücken, stilistisch habe ich jedoch auch im Sach- und Fachbuchbereich schon deutlich angenehmer zu lesende Bücher gelesen.

    Die Informationen an sich waren für mich überwiegend neu, weshalb ich auch durchaus gespannt darauf war, mit welchen Quellen hier gearbeitet wurde. Die Quellenangaben habe ich als umfangreich wahrgenommen und konnte somit auch direkt weiter recherchieren, wenn mich ein Thema besonders interessiert hat, was ich insgesamt sehr zufriedenstellend fand.


    Fazit

    Ich konnte in diesem Buch auf jeden Fall eine Menge lernen und war wirklich überrascht, wie umfangreich die Aufarbeitung insgesamt angelegt war. Stilistisch bin ich allerdings nicht ganz glücklich mit der Umsetzung, da ich mich stellenweise durchaus anstrengen musste, um weiterzulesen und bis zum Ende durchzuhalten.

    Dafür gibt es trotzdem noch knappe vier Bücherstapel von mir.

  22. Cover des Buches Völkermord an den Armeniern (ISBN: 9783776682137)
  23. Cover des Buches Tief (ISBN: 9783740828493)
    Rebekka Moser

    Tief

    (30)
    Aktuelle Rezension von: Anja_Steinvorth

    Inhalt: Am Ufer des Bodensees wird der kleine Ben tot aufgefunden. Auf seinem Körper befindet sich eine verstörende Botschaft. Kommissar Heinzle übernimmt die Ermittlungen, doch Ben bleibt nicht das einzige Opfer und weitere Morde folgen. Schon bald zeigt sich, dass die Verbrechen mit alter Schuld, tiefer Trauer und einer erschütternden Fluchtgeschichte verbunden sind.

    Mein Leseeindruck: Der Thriller spielt auf der österreichischen Seite des Bodensees, wobei dem Wasser eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Es ist nicht nur lebensspendend, sondern kann ebenso Leben nehmen. Diese Ambivalenz zieht sich atmosphärisch durch den gesamten Roman.

    Die Figuren sind authentisch und überzeugend gezeichnet. Kommissar Heinzle trauert noch immer um seine kürzlich verstorbene Frau und stößt bei seinen Ermittlungen immer wieder an persönliche und berufliche Grenzen. Trotz allem bemüht er sich, den Menschen mit Empathie und Verständnis zu begegnen, auch wenn ihm bewusst wird, wie schwierig dies in einer Zeit ist, in der soziale Medien und öffentliche Vorverurteilungen die Ermittlungsarbeit zusätzlich erschweren. Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig ausgearbeitet und wirken durch ihre individuellen Geschichten glaubwürdig.

    Rebekka Moser verbindet klassische Ermittlungsarbeit mit hochaktuellen gesellschaftlichen Themen. Sensibel und vielschichtig setzt sie sich mit Flucht, Migration, Radikalisierung, Schuld und Rache auseinander. Dabei wirken diese Themen nie aufgesetzt, sondern entwickeln sich natürlich aus der Handlung heraus und verleihen dem Thriller eine besondere Tiefe. Es wird hinter die Fassaden geschaut und versucht zu verstehen, wieso sich manche Menschen in bestimmte Richtungen entwickeln. Dadurch regt der Roman nicht nur zum Mitfiebern, sondern auch zum Nachdenken über gesellschaftliche Entwicklungen an und hebt sich deutlich von einem klassischen Thriller ab.

    Fazit: Ein spannender und atmosphärischer Thriller, der weit mehr bietet als einen fesselnden Kriminalfall. Rebekka Moser greift hochaktuelle gesellschaftliche Themen auf und verknüpft sie mit einer packenden Handlung und glaubwürdigen Figuren. Ganz im Sinne des Titels steckt in diesem Buch jede Menge Tiefe – sowohl emotional als auch thematisch.

  24. Cover des Buches ... aber Steine reden nicht (ISBN: 9783790303513)
    Carlo Ross

    ... aber Steine reden nicht

    (24)
    Aktuelle Rezension von: Vera_Hallstroem
    ...aber Steine reden nicht von Carlo Ross

    Dieses Buch handelt von der eigenen Geschichte des Autors, der als Kind im Nationalsozialismus aufwuchs und die Schrecken dieser Zeit am eigenen Leib erfuhr.

    Die Handlung wird aus der Sicht des jungen David geschildert, der zusammen mit seiner Mutter gezwungen wird, in ein Armenviertel zu ziehen. Dort erfährt er Tag für Tag die zunehmende Härte des Regimes gegenüber Juden wie ihm, die sich aber auch gegen Christen, Kommunisten oder Behinderte richtet.

    Hier sind vor allem die verschiedenen Perspektiven interessant und berührend. Einige Leute möchten David und seiner Mutter helfen, auch wenn das für sie gefährlich ist, andere zeigen offen ihre Abneigung und ihren "blinden" Gehorsam gegenüber der Regierung. Erschütternd wird aufgezeigt, wie es den Leuten erging, die nicht nur zusehen wollten oder auch wie Personen falsch verdächtigt und getötet wurden (bspw. nur weil sie vorher einer kommunistischen Partei angehörten).

    "Aber Steine reden nicht" ist ein schonungsloses, erschütterndes und berührendes Buch,das man gelesen haben sollte, sofern man sich für diese Zeit und die Geschehnisse der NS-Zeit interessiert.
    Es ist zudem in einer auch für Jugendliche verständlichen Sprache geschildert (ohne zu kindlich zu wirken) und dient teilweise auch als Pflichtlektüre im Unterricht.

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