Bücher mit dem Tag "geographie"
16 Bücher
- Tim Marshall
Die Macht der Geografie
(68)Aktuelle Rezension von: FederfeeMit ein wenig Zähneknirschen vergebe ich 4 Sterne, denn es gibt für mich zwei nicht unerhebliche Kritikpunkte, halte es aber dennoch für ein wichtiges, Einsichten verschaffendes Buch.
Der Untertitel: ‘Wie sich Weltpolitik anhand von 10 Karten erklären lässt’ trifft genauso ins Schwarze wie der Originaltitel ‘Prisoners of Geography’. Es handelt sich um eine komplett überarbeitete Neuausgabe (2025) und ist somit hochaktuell. Auch wenn sich sicher in nächster Zeit einiges verändern wird, bleiben die geografischen Rahmenbedingungen bestehen.
Das Vorwort, das auf wenigen Seiten eine gut verständliche, zusammenfassende Darstellung der Weltlage mit ihren Tendenzen gibt, hat mir gefallen: Zusammenschluss autoritärer Staaten, Lockerung der Bindungen von einst, hin zu einer multipolaren Welt, Falscheinschätzungen der Europäer, neue Technologien, etc.
Der Autor stellt zehn Räume mit ihren geografischen Gegebenheiten vor, wozu aber auch Faktoren wie Demografie, Klima etc. gehören, also nicht nur Berge, Flüsse. Seen, Meere. Es sind Russland, China, USA, Westeuropa, Afrika, Der Nahe Osten, Indien und Pakistan, Korea und Japan, Lateinamerika, Die Arktis.
Inhaltlich leicht lesbar und einsichtig dargestellt, ist aber mein erster Kritikpunkt: es hätte strukturierter sein müssen. Wenn man z.B. ein Kapitel über Westeuropa schreibt, wäre es ein Leichtes, über einen Abschnitt den Namen des Landes zu schreiben, um das es gerade geht. Das wäre besonders wichtig, weil sich der Autor nach einleuchtenden gut dargestellten geografischen Gegebenheiten etwas zu sehr in Details verliert.
Zu jedem Kapitel gibt es eine große Karte und im Text noch einmal eine oder zwei kleinere. Aber: ohne Atlas daneben geht es nicht. Wie kann man wichtige Orte erwähnen, die dann doch nicht auf der Karte eingetragen sind?! Das ist leider ein großes Manko dieses Buches und hat mich streckenweise sogar geärgert.
Aber - um sachlich zu bleiben - außer den erwähnten Mängeln (in meinen Augen) bleibt es immer noch ein Buch, das grundlegende wichtige Einsichten verschafft und zu mehr Verständnis im Sinne von ‘Erklärung’ einiger Phänomene der Weltlage verhilft. Trotz meiner Kritik kann ich es empfehlen, wenn man politisch interessiert ist.
- Stephen Fry
Mythos
(86)Aktuelle Rezension von: SM1In dem Sachbuch "Mythos - Was uns die Götter heute sagen" erzählt der Schriftsteller, Schauspieler, Moderator, Kolumnist und Regisseur Stephen Fry Geschichten aus der griechischen Mythologie in einer verständlichen Sprache nach. Somit ist der englische Originaltitel "Mythos. A Retelling of the Myths of Ancient Greece" eindeutig passender, als die deutsche Variante.
Das Buch ist in fünf große Kapitel mit den Titeln "Der Beginn. Teil1", "Der Beginn. Teil 2", "Die Spielzeuge des Zeus. Teil 1", "Die Spielzeuge des Zeus Teil 2" und "Die schönen und die Verdammten" unterteilt. Diese enthalten wiederum mehrere Unterkapitel. Dazu gibt es ein Vorwort, Anhänge und ein Nachwort, sowie einige Seiten mit verschiedenen künstlerischen Darstellungen der Figuren und Geschichten aus unterschiedlichen Epochen der Kunstgeschichte. Die Texte enthalten zahlreiche Fußnoten, deren Inhalt man oftmals auch im Text hätte unterbringen können.
Es sollte ausdrücklich darauf hingewiesen werden, dass der Autor aus den antiken Erzählungen weder einen Roman, noch einzelne Kurzgeschichten oder ähnliches gemacht hat. Die Geschichten werden in verständlicher, moderner Sprache nacherzählt und teilweise werden die Handlung und die Motive der Figuren erläutert, es bleibt aber ein Sachbuch.
Manche kurze Texte lesen sich eher wie ein Eintrag im Lexikon, besonders am Anfang, wenn oftmals lediglich geschildert wird, wer wen gezeugt hat und wie die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Göttern, Titanen und anderen Figuren sind. Dafür wird man allerdings an anderer Stelle mehr als entschädigt.
Wer ein wenig Interesse für das Thema mitbringt, dem dürfte bei der Lektüre zu keinem Zeitpunkt langweilig werden. "Mythos" bietet einen guten Einstieg in die Welt der antiken griechischen Mythologie.
- Delphine Papin
Atlas der Unordnung
(39)Aktuelle Rezension von: HundertmorgenwaldWas sind Grenzen und wie wurden sie festgelegt?
Die Antwort erscheint erstmal einfach, doch es ist ein komplexes Thema, welches Delphine Papin und Bruno Tertrais in diesem Buch angehen.
Der Westfälische Friede 1648 schrieb die ersten Landesgrenzen fest und zwischen Russland und der Türkei wurde schließlich die moderne Staatsgrenze erfunden. So konnte man Epidemien eingrenzen, aber auch verhindern, dass sich jemand seinen Steuern oder der Wehrpflicht entzog.
Die meisten Grenzen entstanden erst nach 1800.
„Von Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1914 wurde im Zuge der Staatenbildung die ganze Welt eingegrenzt. Mehr als die Hälfte aller Landgrenzen stammt aus den Jahren 1875 bis 1924. Fast zeitgleich schlossen die USA (1890) und Russland (1860) die „Eroberung“ ihrer riesigen Landflächen ab.“
Es gibt „natürliche“ Grenzen (Flüsse und Gebirge) und „künstliche“ Grenzen.
„Natürliche“ Grenzen können dabei genauso komplex, unfair und umstritten sein, wie „künstliche“ Grenzen gerecht und friedliche sein können.
Die französische Originalausgabe erschien 2021. 2020 gab es 311 internationale Landesgrenzen, die zwei Staaten trennen.
In 60 Schaubildern und 5. Kapiteln erläutern Delphine Papin und Bruno Tertrais verschiedene Grenzthematiken.
Kapitel 1: Grenzen als Vermächtnisse
Hier wird z.B. die wachsende Zahl der Grenzen von vor 1800 bis heute aufgezeigt und die verschiedenen Ansichten von Kulturgrenzen.
Kapitel 2: Meere und Grenzen
Wie wird eine Grenze im Meer und im Fluss gezogen? Wo fängt das Hoheitsgebiet an?
Hier geht es vor allem auch um Bodenschätze, Erdölvorkommen und Fischerei. Jede Menge Stoff für Konflikte, in ganz unterschiedlichen Regionen der Erde. Da kriselt es sogar zwischen den USA und Kanada.
Kapitel 3: Mauern und Migration
Welche Mauermodelle gibt es?
Es gibt immer mehr Mauern. 2015 hatte Europa schon fast mehr physische Barrieren an seinen Grenzen als zur Zeit des Kalten Krieges. Grenzen werden zum Friedhof und Pässe und Visum zum Schlüssel. Die Berliner Mauer war da mit 3,6 m im Vergleich zu anderen Mauern noch klein.
Kapitel 4: Spezielle Grenzen
Exterritoriale Liegenschaften, in denen das Gastgeberland keine Hoheitsrechte hat, Enklaven, Mikroländer und absurde Grenzverläufe. In diesem Kapitel finden sich jede Menge Kuriositäten. Z.B. ein Bauernhof in Australien, der zu Groß-Britannien gehört. Oder Belgien hat 22 kleine Enklaven in den Niederlanden. Und in dieser Enklave befinden sich wiederum Enklaven der Niederländer.
Kapitel 5: Umstrittene Grenzen
Fast alle Länder der Erde liegen im Streit um ihre Grenzen. D.h. nicht zwangsläufig, dass es auch Krieg gibt. Auch in Europa gibt es 15 Unstimmigkeiten, darunter auch die Frage, wo am Bodensee die Grenze zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz verläuft. Neben den bekannten „heißen“ Grenzkonflikten versuchen auch Großmächte ihre Grenzen wieder auszuweiten und das ist nicht Putin alleine.
Meine Meinung:
Ich finde das Buch sehr interessant. Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel über Grenzen zu sagen gibt. All die Fragen und unterschiedlichen Themen waren sehr spannend. Ganz besonders mochte ich die geschichtlichen Hintergründe und die Erklärungen, wie Grenzen festgelegt werden. Bisher habe ich Grenzen als eher etwas Trennendes erlebt und empfinde das nun anders. Da wo Grenzen klar sind und man sich einig ist, herrscht Ordnung, um den Titel aufzugreifen.
„Eine Grenze bedeutet unter anderem, dass Frieden geschlossen wurde.“ Michel Foucher
Allerdings ist „Der Atlas der Unordnung“ nicht ganz so leicht zu lesen. Obwohl ich denke, dass ich mich in Geografie ganz gut auskenne, musste ich so einige Mal googeln, um etwas zuordnen zu können. Hier hätte ich mir auf jeden Fall mehr Erklärungen gewünscht und auch mehr Hintergrundinformationen zu einzelnen Konflikten.
Die Karten sind komplex und man muss sich Zeit nehmen, um sie in ihrer Vielschichtigkeit zu verstehen. - Tim Marshall
Die Macht der Geographie im 21. Jahrhundert
(24)Aktuelle Rezension von: H-LshMit großem Interesse habe ich dieses Buch gelesen, an einigen Stellen sogar mehrmals. Ich habe versucht, die dazugehörigen Karten auszuwerten und an anderer Stelle zu recherchieren. Nach dem Lesen wird einem die immense Macht der geostrategischen Entscheidungen in unserer Zeit bewusst. Für mich und alle Interessierten ist es eine absolute Top-Empfehlung.
- Paulina Rowińska
Mapmatics
(6)Aktuelle Rezension von: SternchenBlauKarten formen, wie wir die Welt sehen. Es gibt keine perfekte Karte, weil keine ohne Verzerrungen auskommt. „Mapamatics“ macht diese Verzerrungen bewusst – und zeigt, dass Wissenschaft so richtig cool ist.
In dieses Sachbuch habe ich mich verliebt. Vielleicht besonders, weil ich Karten zwar generell hübsch finde, mich aber Geografie bislang nie sonderlich gereizt hat. Dieses Buch zeigte mir nun die ganze Schönheit dieses Wissenschaftsgebiet an der Schnittstelle zur Mathematik.
Paulina Rowińska beginnt mit den naheliegenden Themen: Wie entstand die Weltkarte? Welche nutzte Kolumbus, um mit seiner Trickserei durchzukommen – er wusste durchaus, dass er nicht Indien entdecken würde. Die Mercator-Projektion weißt Tücken auf und es hat mathematische Gründe, warum das so ist, und auch welche, warum man sie trotzdem benutzt. Aber neben dem Fokus und der zu großen Abbildung von Europa, zeigt sie uns nicht die kürzesten Wege, z.B. für die Luftfahrt, was manche dann für Politik missbrauchen. So geschickt Rowińska die mathematischen Hintergründe erkläre – ich kam immer mit, auch, wenn mir manchmal der Kopf rauchte – fragt sie auch immer: Welche Konsequenzen hat das? Welche Fallstricke? So landen wir über der „Londoner Tube map“ über Graphen dann beim Gerrymandering, der bewussten Manipulation von Wahlbezirken, dem Zuschnitt von Schulbezirken oder der Ausbreitung von Viren und Bakterien. Und wir gucken in die Tiefsee.
Leute, die so gar kein Interesse an Mathe habe – ich frage mich, ob die hier verloren sind. Rowińska erklärt wirklich hervorragend und dazu kommt, auch, wenn wenn ich nicht immer alles komplett kapiert habe, hat es dem Lesevergnügen keinen Abbruch getan. Und das Wichtigste: Wir bekommen hier mit, warum wir uns damit beschäftigen müssen, weil es eben ganz entschieden unsere Welt prägt. Komplette Mathe-Hassende allerdings, das kann ich nicht sagen, weil ich nicht dazu gehöre 😅.
Hier habe ich auf alle Fälle viel gelernt und empfehle dieses Herzensbuch zu 100 Prozent weiter. Begeisterte 5 von 5 Sternen.
- Toby Lester
Der vierte Kontinent
(2)Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzickDieses voluminöse Buch ist ein Leckerbissen für Menschen, die sich für Kulturgeschichte interessieren, insbesondere für die Geschichte der Entdeckung der Welt in den Jahrhunderten, bevor Kolumbus in Amerika anlandete. Lange Zeit kannten die Menschen und Wissenschaftler Europa, Afrika (in Teilen) und Asien. Dorthin gab es Handelsbeziehungen und zum Teil bedeutenden kulturellen Austausch. Immer wieder aber wurde fantasiert über einen „vierten Kontinent“ jenseits des Ozeans. Als dann 1507 der deutsche Kartograph Martin Waldseemüller eine Karte veröffentlichte, bekamen diese Spekulationen erstmals wissenschaftlichen Boden. Sie bedeutete einen Wendepunkt. Doch bald ging sie wieder verloren und galt als verschollen Toby Lester erzählt in dem Buch die Geschichte dieser Karte, mit der er sich zwei Jahre beschäftigt hat. Ein großes Werk, dabei absolut verständlich und anschaulich geschrieben. - Stefan Bollmann
Der Atem der Welt
(9)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerKlappentext:
„Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war nicht nur als Dichter und Schriftsteller ein Kristallisationspunkt seiner Zeit. Sein umfangreiches literarisches Werk bezeugt eine eingehende Beschäftigung mit Naturforschung und sein Leben ist von einem ununterbrochenen, intensiven Erleben der Natur in allen Erscheinungen tief geprägt und geformt. Souverän erschließt Stefan Bollmann in dieser Biographie dieses lange Zeit vernachlässigte Naturverständnis und vermittelt uns ein überraschend neues Goethebild. Auf einer spannenden Entdeckungsre durch Goethes Landschaften, seine Texte und Gedanken begleiten wir ihn in Italien, in der Schweiz, beobachten ihn bei seinen Forschungen in Thüringen und im Harz. Wir nehmen teil an seinen geologischen, anatomischen, botanischen und optischen Untersuchungen, werden Zeuge seiner Freundschaft mit Alexander von Humboldt – und verstehen unsere eigene tiefe Sehnsucht nach der Natur neu. Goethe kann uns lehren, unsere Stellung in der Natur neu zu verorten. Eine große Geschichte der Naturwahrnehmung und zugleich ein hochaktuelles Buch, das zeigt, wie Goethes sinnlich anschauliche Erfahrung der Natur auch heute noch Grundlage unserer Humanität und Lebendigkeit sein kann.“
Autor Stefan Bollmann macht mit diesem Buch deutlich, das in Goethe noch viel mehr schlummerte als nur der reine Schriftsteller. Mit viel Mühe und Engagement geht er hier akribisch vor und beleuchtet das Naturverständnis Goethe‘s. Wer sich einmal mit diesem Genie der Literatur beschäftigt hat, wird allein durch die verschiedenen Herrenhäuser wo er gern logierte festgestellt haben, das Goethe sich auch für die Natur sehr intensiv interessierte. Er nahm seine Umgebung sehr detailliert war und wollte mehr. Auch in seinen Werken erleben wir im er wieder diese Beobachtungen! Mit Humboldt zusammen ging es Schritt für Schritt sogar in Richtung Forschung. Das er dabei auch seine Reisen nutzte, war schlussendlich dem großen Interesses Goethes geschuldet. Es wurde fast schon zu einer Sucht Pflanzen und Co. zu bestaunen, zu dokumentieren, zu erforschen. Stefan Bollmann geht hier mit viel Gefühl vor und wir erleben einen Mann, der mit viel Sinn und Verstand Goethe dem Leser öffnet. Wir lernen eine komplett neue Seite kennen und werden einfach nur erstaunt sein, das Goethe und seine Lust nach Natur sehr große Bewunderer hatte und seine Entdeckungen auch auf große Resonanz in der Forschung stießen.
Alles in allem ein sehr faszinierendes, unterhaltsames und lehrreiches Buch. Lehrreich, weil man ganz schnell feststellt, das doch mehr in einem steckt, als das, was einen bekannt gemacht hat. 5 von 5 Sterne.
- Paolo Giordano
Tasmanien
(69)Aktuelle Rezension von: KarokarotteDer Hauptcharakter des Buches "Tasmanien" heißt Paolo. Besagter Paolo ist aktuell Mitte 30 und musste feststellen, dass sich sein Leben und seine Pläne innerhalb kürzester Zeit radikal wandelten. Lange haben er und seine Frau versucht, durch künstliche Befruchtung schwanger zu werden, doch ihr Wunsch nach einem Kind ließ sich nicht erfüllen und mit dem Scheitern ihres Traumes scheint auch ihre Ehe auf der Kippe zu stehen.
Neben den Sorgen in seinem Familienleben, sorgt sich Paolo auch um den Zustand der Welt. Im November 2015, nur wenige Wochen nach den Terroranschlägen in Paris, reist Paolo in die Hauptstadt Frankreichs, um hier die Weltklimakonferenz zu besuchen. Von den Zuständen der Welt und den Zukunftsaussichten berührt, beginnt Paolo zu überlegen, welcher Ort auf der WElt wohl sicher ist und ihm überhaupt eine sichere Zukunft bieten kann. Seine Begleiter empfehlen Tasmanien als diesen sicheren Zukunftsort und Paolo muss sich auf eine Suche und Erkundungsreise machen, um herauszufinden, welcher Ort für ihn infrage kommt.
Der Autor hat hier einen wirklich tiefgehenden Roman geschrieben. Mit einem großartigen Erzählstil geht er hier Zukunftsfragen nach und eröffnet eine wunderbare geschaffene Gefühlswelt seines Protagonisten. Man kann seine Ängste, die Konflikte aber auch die Hoffnungsschimmer nachvollziehen und fühlt sich unglaublich von diesen berührt. Gleichzeitig schafft es der Autor, dass man während des Lesens selbst über den Zustand der Welt und seine eigenen Erwartungen an die Zukunft nachdenkt. Auch die Tatsache, dass Giordano so aktuelle und bedeutende gesellschaftliche Themen ausgewählt und in sein Werk eingearbeitet hat, ist gleichzeitig bedrückend, aber ebenso sehr gut gelungen und macht das Lesen zu einer großen Freude.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass "Tasmanien" ein großartiges Werk ist, in dem große gesellschaftliche Themen behandelt werden. Gleichzeitig führt es zu Denkanstößen und führt dazu, dass man selbst über die Zukunft und seine eigene Bedeutung nachdenkt. Mustertitel pink
(2)Aktuelle Rezension von: j125Meine Meinung:
Ich liebe Geografie und hatte daher sofort Interesse an dem Buch, als ich es zum ersten Mal gesehen habe. Lange bin ich drumherum geschlichen, aber irgendwann konnte ich nicht mehr widerstehen. Zum Glück habe ich den Kauf nicht bereut.
Die gezeigten Karten decken eine große Bandbreite an Informationen ab. Es gibt politische Karten, gesellschaftliche Karten, geografische Karten, komische und unterhaltsame Karten… es ist wirklich (fast) alles dabei. Natürlich hat das auch zur Folge, dass man als Leser*in einige Karten weniger sinnvoll findet als andere. Die auf dem Cover abgebildete Karte finde ich beispielsweise sinnlos. Es ist vielleicht ein ganz netter Fakt, weil man sich noch nie Gedanken darüber gemacht hat, dass man sich vom Südpol nur nach Norden bewegen kann, aber dafür brauche ich keine Karte.
Der Großteil der Karten gefiel mir sehr gut und auch die kurzen Begleittexte waren größtenteils informativ. Ein, zweimal habe ich den Zusammenhang zwischen Text und Karte nicht verstanden bzw. wusste nicht, was die Karte mir sagen soll. Aber auch das kam selten vor.
Leider habe ich erst am Ende festgestellt, dass das Buch ein Quellenverzeichnis enthält. Hätte ich das mal eher gewusst. Bei einer Karte oder dem Begleittext war ich mir nämlich nicht sicher, ob die Informationen so stimmen. Manchmal gibt es je nach Quelle unterschiedliche Angaben, weshalb es natürlich gut gewesen wäre, wenn ich mir die Quelle gleich hätte anschauen können. Leider habe ich auch vergessen um welche Karte es sich handelte, weshalb ich wohl einfach die Informationen der Autoren hinnehmen muss.
Möchtet ihr wissen, welche Karten mir besonders gefallen haben? Es handelt sich hierbei um eine Auswahl, weil manchmal die Titel einfach nicht aussagekräftig sind:
Länder, in die das Vereinigte Königreich nie einmarschiert ist (sehr wenige!)
Länder, in die Deutsche ohne Visum einreisen können (sehr viele!)
Nicht anerkannte Staaten und Autonomiebewegungen in Europa (auch viele)Fazit:
Absolute Empfehlung für Sachbuchliebhaber, Blätterfreunde und Geografiefans.- Ian Morris
Geographie ist Schicksal
(2)Aktuelle Rezension von: WedmaDieses Werk habe ich gern gelesen. Es hat einfach Spaß gemacht. Zumindest auf etwa 4/5 der Gesamtstrecke.
Der Autor kennt sich in seinem Fach Geschichte Großbritanniens bestens aus und weiß, sein Wissen bildhaft, sehr zugänglich und spannend zu präsentieren, und somit den Leser auf diese leichte und intelligente Art prima zu unterhalten.
Gerade diese Art der Stoffdarbietung hat auf weiten Strecken viel Lesevergnügen bereitet: diese Pfiffigkeit, der leicht ironisch-humorige Ton, wenn es um die früheren Zeiten in Teil I und II ging. Kapitel 7 im Teil II (Die Neuausrichtung: 1713-1815), auch Kapitel 8 (Weiter, immer weiter: 1815-1865), fallen sehr aussagestark aus: Sie beschreiben u.a. die Dinge, die damals zugrunde gelegt wurden, die wiederum das Geschehen in Europa heute plausibel erklären können. Der Autor liefert auch bestimmte Fakten, die einem auch historisch interessierten Leser bis dato nicht so geläufig waren. Spannende Vergleiche, z.B. Großbritannien im 16 und 19. Jh., wie sich das Land und Menschen entwickelt haben. Vergleiche der Könige, was der eine sich herausnahm und der andere nicht mehr konnte usw. setzen quasi ein Tüpfelchen auf dem i.
Die zahlreichen Karten, Fotos und Zeichnungen bereichern das Leseerlebnis ungemein. Geografie spielt (natürlich) eine große Rolle.
Leider, je näher die Erzählung zur Gegenwart rückte, desto öfter musste ich denken: So manches ist hier echt mit Vorsicht zu genießen, was mich das Ganze noch kritischer betrachten ließ. Die NATO-Denke machte sich auf der Strecke, die die Nachkriegszeit bis zur Gegenwart beschreibt, Teil 3, etwa hundert Seiten, deutlich bemerkbar. Mehrere Griffe der (plumpen) Meinungsmache traten zutage. (Lernen Sie mal bei Gelegenheit „Propaganda“ von Jaques Ellul kennen). Einiges wurde schöngeredet, anderes erst gar nicht erwähnt (Lesen Sie mal z.B. die Biografie von Leonid Breschnew aus der Feder von Susanne Schattenberg, „Wir sind immer die Guten“ von Matthias Bröckers). Passte wohl nicht in den vorgegebenen Erzählrahmen. Das gezeichnete Bild geriet entsprechend stark verzerrt. Hier war vielsagender, was der werte Autor ausgelassen als das, was er gesagt hatte. Schade. Gerade diese leicht ironische Pfiffigkeit, die das Werk aus der Masse gehoben hatte, fehlte im Teil 3. Beklemmung machte sich breit. Hier kamen mir die Worte von Ulrich Teusch („Lückenpresse“, „Der Krieg vor dem Krieg“, „Politische Angst“) oft genug in den Sinn: „Nachrichten im ‚Lückenjournalismus‘ sind gekennzeichnet durch spezifische Gewichtung, tendenziöse Bewertung (Doppelmoral) und teilweise gezielte Unterdrückung, was durch die gängigen Narrative in den Mainstream-Medien quasi systemimmanent geschieht.“ Just so war Teil 3 und teilweise die 2.te Hälfte von Teil 2 gestaltet. Klar, konnte man sich denken, dass ein Brite, der seit Jahrzehnten in den USA lebt und wirkt, wohl kaum was anderes bringen wird. Ich wollte mich aber nicht auf Vorurteile verlassen. Ich lasse mich diesbezüglich gerne überraschen. Es bleibt aber dabei: „Wer die Wahrheit sagt, muss ein schnelles Pferd haben“, wie das alte Sprichwort sagt. Heute wagen nur wenige, die Dinge in aller Klarheit, den Tatsachen entsprechend zu beschreiben, und erst dann, wenn sie vom System nicht mehr finanziell und anderswie abhängig sind, wie Ulrike Guerot in ihrem sehr lesenswerten Werk „Wer schweigt, stimmt zu“ schreibt.
Dennoch ist „Geografie ist Schicksal“ ein durchaus kennenlernenswertes Buch geworden, das u.a. eine gute Erklärung abgibt, warum die Briten für Brexit gestimmt haben, und noch einiges mehr.
Das Buch ist hochwertig gestaltet: Festeinband, Umschlagblatt, Lesebändchen. Die vielen Karten, Fotos etc., Literaturverzeichnis, Register runden den guten Eindruck ab. Es ist schon ein dicker, recht schwerer Foliant geworden.
Für die Liebhaber der englischen Geschichte ein Muss.
- Susanne Billig
Die Karte des Piri Re'is
(5)Aktuelle Rezension von: SikalEines gleich vorweg:
Die Karte des Piri Re’is ist in manchen Kreisen als Mythos wohl gut bekannt und sorgt für einiges an Gesprächsstoff und Verwirrung – mit diesen Mythen hat das hier beschriebene Buch sehr wenig bis gar nichts zu tun. Weltverschwörungsanhänger oder solche die glauben, die Karte des Piri Re’is wäre aus einem UFO fotografiert, sei gesagt, dass dieses Buch nicht den Mythos um die Karte beschreibt oder gar erweitert, sondern mit wissenschaftlichem Vorgehen die tatsächlichen Hintergründe der Karte untersucht.
Susanne Billig hat auf Grund von Untersuchungen Fuat Sezgins, Professor für Geschichte der Naturwissenschaften, ein Buch geschaffen, welches nur wenig Spielraum für oben genannte Mythen lässt. Akribisch werden die Errungenschaften der arabisch-islamischen Welt und deren Einfluss auf den Westen dargestellt und erläutert.
Um die Herkunft der im Titel genannten Karte zu hinterfragen, wird bis zurück ins neunte Jahrhundert gegangen und Astronomie, Nautik, Geografie und Kartografie der arabischen Raumes erläutert. Die Autorin greift hier ausschließlich auf die Forschungsergebnisse von Fuat Sezgin zurück und versucht chronologisch-sachlich die Vorgeschichte zur Karte und die Entdeckung Amerikas mithilfe dieser und weiterer Karten zu erklären.
Leider sind die Charakteristiken einzelner astronomischer und nautischer Gerätschaften zwar technisch beschrieben, jedoch sind die Bezüge zu den Bildern nicht gegeben. Somit wird es für technisch unversierte Leser unmöglich, die tatsächlichen Funktionsweisen der einzelnen Hilfsmittel der Astronomie oder Nautik zu durchschauen. Hinzu kommt, dass hier sehr wissenschaftlich vorgegangen wird und der Werdegang der arabisch-islamischen Wissenschaft im westlichen Raum einer Aufzählung von Fakten gleichkommt, was den Lesefluss jedoch sehr hemmt.
Auch stellt sich im Laufe des Buches heraus, dass der Zusammenhang der Karte und der wissenschaftlichen Erkenntnisse eher auf Indizien beruhen als auf tatsächliche Fakten – was die Arbeit des Herrn Fuat Sezgin oder Susanne Billigs auf keinen Fall schmälern soll.
Definitiv klar nach dieser Lektüre ist, dass die Karte durch Menschenhand entstanden ist und sämtliche Mythen zur Karte Unfug sind. Definitiv klar ist auch, dass dieses Buch weitere Fragen aufwirft – vor allem, was den Umgang der westlichen, angeblich so sehr aufgeklärten Welt mit der Geschichtsschreibung betrifft. Aber auch hier gilt wie so oft, „Die Geschichte schreiben die Sieger“.
Fazit:
Wenn es auch passagenweise schwierig zu lesen ist, es immer wieder Wiederholungen gibt und die Erklärungen schwer aus den Bildern herauszulesen sind, so ruft dieses Buch dennoch auf, die eigene Denkweise zu hinterfragen. Lange wurden uns geschichtliche Fakten in der Schule eingetrichtert, welche wir heute nicht mehr in Frage stellen.
Dieses Buch leitet wieder dazu an, sich ein eigenes Bild zu machen – von der Entdeckung Amerikas, aber auch von der Geschichtsschreibung im Allgemeinen.
100 Karten, die deine Sicht auf die Welt verändern
(6)Aktuelle Rezension von: dunis-lesefutterAktuell verändert sich die Sicht auf die Welt rasant. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Die Diktaturen dieser Welt scheinen sich gerade an Dummheit überbieten zu wollen. Wenn ihr wissen möchtet welche kuriosen Superlative ist vor 2019 gab, dann nehmt euch dieses Buch vor. Das allermeiste davon hat immer noch Bestand.
Ihr habt zum Beispiel eine Übersicht über das UNESCO Weltkulturerbe, die höchsten und tiefsten Punkte auf Erde und Mars, in welcher Region man das Wort Brezel benutzt und die Namen deutscher Punk Bands. Ihr seht ein buntes Sammelsurium an Informationen, die natürlich wieder perfekt grafisch aufgearbeitet wurden. Die wunderbaren Karten (siehe in den Slides) machen einem das Abspeichern von Wissen einfach. Der Katapult Verlag hat damals noch nicht selbst verlegt, deswegen ist es bei Hoffmann und Campe erschienen. Mittlerweile bringen Sie aber eigene Bücher nach diesem Konzept heraus und gerade in diesem Monat gibt es ein ganz Neues, das unbedingt auch noch bei mir einziehen muss.
Mir macht es immer viel Freude, diese Bücher zu lesen und sie eignen sich ganz gut, auch mit Kindern ab zwölf Jahren erforscht zu werden. So kann man auch mit der nächsten Generation über die vielfältigen Themenbereiche ins Gespräch zu kommen.
Für mich mal wieder ein ganz kurzweiliges Vergnügen und eine absolute Leseempfehlung für euch.
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