Bücher mit dem Tag "gerechtigkeit"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "gerechtigkeit" gekennzeichnet haben.

273 Bücher

  1. Cover des Buches Das Lied von Eis und Feuer 03 (ISBN: 9783442268221)
    George R. R. Martin

    Das Lied von Eis und Feuer 03

    (1.623)
    Aktuelle Rezension von: buchgestapel

    Worum geht’s?

    In Westeros ziehen dunkle Zeiten auf, als nach dem Tod von König Robert die Frage um seine Nachfolge geklärt werden soll. Vier Könige sind dabei drei zu viel – und so muss Robb Stark nicht nur alles dafür tun, um als König des Nordens zu bestehen, sondern auch seine Familie beschützen, die in den Händen der Lennisters alles andere als sicher ist.


    Meine Meinung

    So lange wie ich diese Reihe vor mir hergeschoben habe, mit umso mehr Begeisterung arbeite ich mich aktuell durch die Bände. Auch Band drei hat mich wieder gut unterhalten, wobei ich noch immer ein paar Probleme dabei habe, die zahlreichen Nebenfiguren und Schauplätze sauber auseinanderzuhalten.

    Mit dem Schreibstil komme ich mittlerweile sehr gut zurecht und lese ihn tatsächlich auch gerne, was es leicht macht, recht schnell voranzukommen. Auch der Handlungsbogen konnte mich hier recht schnell packen, da die häufigen Perspektiv- und Ortswechsel eine hohe Dynamik mit sich bringen und praktisch keine unnötigen Längen zulassen.

    Schwierig wurde es für mich daher tatsächlich nur bei den Allianzen, Intrigen und taktischen Schachzügen, da ich noch immer ein relativ großes Problem mit den Namen der zahlreichen Nebenfiguren habe und mich nicht so leicht mit der Orientierung tue. In Hinblick auf das Geschehen ist zwar bisher noch nicht weltbewegend viel passiert, Tempo und Ereignisse haben mich aber trotzdem auf keinen Fall gelangweilt und machen neugierig darauf, was mit Familie Stark und ihren Gegenspielern noch so alles passieren wird.


    Fazit

    Auch wenn ich mich bei den ganzen Namen ehrlicherweise noch immer ein bisschen orientierungslos fühle, hatte ich auch hier wieder viel Freude beim Lesen. Für das Setting und den Handlungsbogen lohnen sich die kleinen Unsicherheiten daher in meinen Augen auf jeden Fall, auch wenn man so wirklich aufpassen muss, um der Geschichte folgen zu können.

    Dafür gibt es vier Bücherstapel von mir.

  2. Cover des Buches Wer bin ich - und wenn ja wie viele? (ISBN: 9783442143139)
    Richard David Precht

    Wer bin ich - und wenn ja wie viele?

    (667)
    Aktuelle Rezension von: teilzeitbaeuerin

    Richard David Precht erklärt in diesem Sammelroman in verschiedenen kurzen Einzelgeschichten die essentiellen Fragen des Lebens. Er flechtet dabei gekonnt, die Lebensläufe der berühmtesten Philosophen der vergangenen Jahrhunderte und deren Denkweise ein. Die Geschichten sind rasch zu lesen, sind so geschrieben, dass auch Laien (so wie ich) es gut verstehen und dennoch ansprechend, dass man gerne weiter liest. Die Fragen gehen nicht in die Tiefe, geben jedoch einen kleinen Einblick in die Philosophie unserer westlichen Welt.

  3. Cover des Buches Selection (ISBN: 9783733510220)
    Kiera Cass

    Selection

    (5.419)
    Aktuelle Rezension von: Europeantravelgirl

    Es gibt diese Reihen, die legendär sind und die man doch irgendwie verpasst hat.

    Zum Glück bekommt man manchmal eine zweite Chance, und in meinem Fall war es die Neuauflage von „Selection“, um das ich schon immer herumgetigert bin.

    Die Ausstattung der Neuauflage ist sensationell schön mit Silberdruck auf dem ansprechend gestalteten Cover, einem süßen Farbschnitt und auch noch bedruckten Innenklappen.

    Und die Story? Ein Jugendbuch-Lesesnack vom Feinsten, der uns in eine ferne Zukunft nach Kriegen und Belagerungen in ein völlig verändertes Amerika führt, in dem nun das Königreich Illeá angesiedelt ist. Man muss dazusagen, dass „Selection“ erstmals 2012 erschienen ist in einer Phase, in der Dystopien gerade ihre Glanzzeit feierten. Kein Wunder also, dass einige Elemente bekannt erscheinen, da sie später in anderen Werken aufgegriffen wurden.

    Aus heutiger Sicht könnte man sagen, die Story vom Prinzen, der aus 35 Bewerberinnen seine künftige Königin auswählt, hat gewisse Bachelor-Vibes, aber diese Handlung ist cool eingebunden in eine dystopische Welt, in der die Gesellschaft in Kasten eingeteilt ist. Unsere Heldin America entstammt Kaste 5, und dass sie sich mit Jugendfreund Aspen in eine niedrigere 6 verliebt, ist damit ein echtes Problem. Mehr aus Zugzwang bewirbt sie sich für die Selection, um dann festzustellen, dass Prinz Maxon ganz anders ist als sie gedacht hatte. Das findet sie jedoch erst heraus, nachdem sie ihn ordentlich angeschrien hat! Die Geschichte ist wahnsinnig süß erzählt und ich kann es kaum erwarten bis die Fortsetzungen nach und nach erscheinen!

  4. Cover des Buches Wer die Nachtigall stört ... (ISBN: 9783499218255)
    Harper Lee

    Wer die Nachtigall stört ...

    (1.051)
    Aktuelle Rezension von: einbisschenbuecherei

    Das Buch befasst sich eingehend mit den Themen Rassismus, gesellschaftliche Unterschiede und soziale Ausgrenzung.  Besonders interessant fand ich die Erzählung aus der Perspektive eines Kindes, das die Menschen als gleich empfindet, Hass nicht versteht und völlig unvoreingenommen ist. Trotz seines Alters hat das Buch nichts an Aktualität eingebüßt und ist heute genauso relevant wie in den 1960er Jahren. Das Buch ist eine prägnante Gesellschaftskritik, die zum Nachdenken anregt und gleichzeitig leicht zu lesen ist.

  5. Cover des Buches Der Gesang der Flusskrebse (ISBN: 9783446273252)
    Delia Owens

    Der Gesang der Flusskrebse

    (1.478)
    Aktuelle Rezension von: EllenKnorr

    Eine sehr ruhige Geschichte mit wundervollen und bildlichen Beschreibungen der Natur. 

    Kya tritt als starke und eigenwillige Hauptprotagonistin auf. Ihre Naturverbundenheit und Intelligenz haben mir sehr gut gefallen. Wirklich ein tolles Buch. Bloß die Zeitsprünge haben mich an manchen Stellen im Lesefluss gestört. 

  6. Cover des Buches The Hate U Give (ISBN: 9783570312995)
    Angie Thomas

    The Hate U Give

    (752)
    Aktuelle Rezension von: Isabelle_Kocher

    "The Hate U Give" behandelt das Themen wie Rassismus, Polizeigewalt und Black Lives Matter, jedoch erzählt aus der Perspektive eines 16-jährigen Mädchens. Dadurch wirkt die Geschichte nahbarer und berührt auf eine viel intensivere Weise. Statt den Fokus auf die harten Fakten der zu richten, wirkt dieser Roman fast philosophisch, wenn die Hauptfigur, Starr, sich fragt, was falsch und was richtig ist, was es wert ist, dafür zu kämpfen und wie sie die zwei Welten, in denen sie lebt, miteinander vereinen kann. Besonders gut hat mir an diesem Buch gefallen, dass es der objektiven Berichterstattung unserer Nachrichten nun ein persönliches Gesicht verleiht. Wir sehen nicht mehr einen Afro-Amerikaner, der erschossen wird - wir sehen ein Mädchen, dass sich an die vielen Momente der Freundschaft mit einem Jungen erinnert, dessen Leben nun viel zu früh endet, während sie ohne ihn weiterleben muss. Ein Buch, das bewegt und einem die Augen öffnet.
    MEIN TIPP: Als englisches Audiobook kommt die besonderes Sprache des Buchs am besten zur Geltung! 

  7. Cover des Buches Flawed – Wie perfekt willst du sein? (ISBN: 9783596033836)
    Cecelia Ahern

    Flawed – Wie perfekt willst du sein?

    (1.199)
    Aktuelle Rezension von: Books_of_san

    Mir hat der erste Teil dieser Dystopie sehr gefallen und ich freue mich auf Band zwei. Das System, welches hier geschildert wurde, ist gut durchdacht und die ganzen politischen Intrigen machen es umso spannender und unvorhersehbarer. Man hat jeden wegen irgendetwas im Verdacht und fragt sich welche Überraschung nun als nächstes folgt. Absolute Leseempfehlung!

  8. Cover des Buches Der Todeskünstler (ISBN: 9783404169375)
    Cody McFadyen

    Der Todeskünstler

    (2.138)
    Aktuelle Rezension von: Kathrin_Hermann

    Band 2 der "Smoky Barrett"-Reihe übertrifft seinen Vorgänger in so ziemlich allem. Er ist noch blutiger, noch brutaler und noch gewalttätiger und bedient dabei mindestens genauso viele Klischees wie der erste Teil der Reihe. Dennoch ist auch "Der Todeskünstler" unheimlich spannend und fesselt den Leser bis zur letzten Seite.

  9. Cover des Buches Scythe – Der Zorn der Gerechten (ISBN: 9783733503659)
    Neal Shusterman

    Scythe – Der Zorn der Gerechten

    (703)
    Aktuelle Rezension von: Argentumverde

    Ein Jahr nach ihrer Ernennung zur Junior-Patronin geht Citra als Scythe Anastasia einen ganz eigenen, ungewöhnlichen Weg. Sie gewährt den von ihr gewählten Personen eine Bedenkzeit, was ihr im tief gespaltenen Scythedom nicht nur Respekt, sondern auch gefährliche Feinde einbringt. Währenddessen zieht Rowan als Selbstjustizler durch die Lande, um korrupte Patronatsmitglieder eigenmächtig zur Rechenschaft zu ziehen. Die politischen Spannungen zwischen den Verfechtern der alten Werte und einer neuen, maßlosen Fraktion spitzen sich immer weiter zu. Gleichzeitig beobachtet das Thunderhead, die allwissende künstliche Intelligenz der Welt, das drohende Chaos mit großer Sorge. Da es per Gesetz nicht direkt in die Belange des Scythedoms eingreifen darf, muss es verdeckte Wege finden, um das Gleichgewicht der Welt zu bewahren.

    Die Erzählweise überzeugt erneut durch ein hohes Tempo, vielschichtige Charaktere und mitreißende Perspektivwechsel. Die tiefere Einsicht in die Gedankenwelt der künstlichen Intelligenz verleiht der Handlung eine zusätzliche spannende Ebene und bringt wieder viele neue Informationen für den Leser. Auch wenn dieser Mittelteil dramaturgisch nicht ganz an die Perfektion des ersten Bandes heranreicht und zwischendurch ein paar kleine Längen aufweist, gipfelt das Geschehen in einem absolut spektakulären und schockierenden Finale. Vieles bleibt bis zuletzt unvorhersehbar und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

    Mein Fazit: Eine absolut gelungene Fortsetzung, die die Welt sinnvoll erweitert und trotz kleinerer Abzüge im Vergleich zum genialen Auftakt auf genauso hohem Niveau weiter unterhält. Ich selbst bin mehr als bereit für das Finale und werde dem Autor auch im dritten Band garantiert treu bleiben.

  10. Cover des Buches A Good Girl’s Guide to Murder (ISBN: 9783846602454)
    Holly Jackson

    A Good Girl’s Guide to Murder

    (795)
    Aktuelle Rezension von: _mit_punkt_und_komma_

    Ich war sofort großer Fan von Pip. Sie ist clever und steht zu ihren Werten. Außerdem glaubt sie nicht alles, was ihr erzählt wird, was für dieses Buch absolut existenziell ist. Sie und Ravi sind ein tolles Team, Little Kiltons Sherlock und Watson! Die Geschichte an sich ist genau richtig spannend und hat ein paar interessante Twists, die Spaß machen.

  11. Cover des Buches Ich bin die Nacht (ISBN: 9783404169238)
    Ethan Cross

    Ich bin die Nacht

    (1.242)
    Aktuelle Rezension von: Tanja_Wue

    Wer gerne Thriller liest, kommt gefühlt nicht an die Bücher von Ethan Cross vorbei. "Ich bin die Nacht " war das erste Buch das ich jetzt gelesen habe und ist auch der Einstieg in die Reihe.

    Der Schreibstil ist sehr flüssig und man kommt sehr schnell durch. Wirklich gut geschriebener Pageturner. Jedoch waren mir die Charaktere irgendwie nicht greifbar und insgesamt gab es Stellen, die ich nicht abgekaufen konnte, weil es mir zuuu konstruiert war. 

    Dennoch interessiert es mich wie es weitergeht und vielleicht wird es in Band zwei besser.

  12. Cover des Buches Der Prozess (ISBN: 9783596709625)
    Franz Kafka

    Der Prozess

    (1.111)
    Aktuelle Rezension von: Karandi

    Ich habe zwar gehört, es soll Kafkas Jahrhundert Werk sein. Ich für meine Geschmack muss allerdings sagen, dass ich es etwas zäh fand. Die Idee an sich finde ich zwar sehr gut, dass ein Mensch ohne Grund angeklagt wird und am Ende sogar sein Leben lassen muss und er eigentlich nie erfährt, was er denn verbrochen haben soll. Wir sehen hier eine Trieb gesteuerte Gesellschaft, wie wir sie auch in der heutigen Zeit noch erleben. Den meisten Menschen ist es schon völlig egal, wer gut und böse ist. Hauptsache Ihnen wird ein Opfer gegeben, auf dass sie sich stürzen können, sowie im alten Rom. Auch wenn der Protagonist hier vermeintlich erst mal sein Leben weiter leben kann, bevor er nun vor den Stadtgrenzen zur Schlachtmauer geführt wird. Es ist doch ein Martyrium sich für etwas rechtfertigen zu müssen, für was man nichts kann. Dieses Buch darf man gerne gelesen haben meiner Meinung nach, wenn dem aber nicht so ist, kann man das auch verkraften.

  13. Cover des Buches Untenrum frei (ISBN: 9783499014635)
    Margarete Stokowski

    Untenrum frei

    (281)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Haben wir die Fesseln der Unterdrückung längst gesprengt, oder haben wir nur gelernt, in ihnen shoppen zu gehen?“

    Man könnte das ganze Buch von Margarete Stokowski – das in 7 Kapitel unterteilt ist, von denen jedes in sich abgeschlossen ist und als Einzeltext gelesen werden kann – als eine lange, ausführliche, von verschiedenen Seiten beleuchtete Antwort auf eine einzige Frage lesen: Warum Feminismus?

    Das wäre selbstverständlich eine stark verknappte Zusammenfassung. Natürlich schleift diese Frage einen Rattenschwanz von weiteren Fragen hinter sich her: Was ist Feminismus? Wie wirken sich feministische Positionen auf das eigene Leben aus, wie stellt sich eine unter feministischen Gesichtspunkten betrachtete Wirklichkeit dar? Inwiefern hängen Feminismus und Gendertheorie zusammen? Ist Feminismus grundsätzlich solidarisch mit allen anderen Anti-Diskriminierungsbewegungen? Was will der Feminismus erreichen?

    All diese Fragen bindet Stokowski ein und es wird schnell ersichtlich, dass es ihr nicht um einen Feminismus spezieller Prägung, sondern um Feminismus als Ausdruck und Sammelbegriff einer generellen Unzufriedenheit mit den hierarchischen, determinierten, unverhältnismäßigen & ungerechten Gesellschaftsverhältnissen, Normen und Vorstellungen geht, dessen Hauptanliegen und Ziel die Freiheit beim Ausleben der eigenen Persönlichkeit und der Ausformung der eigenen Identität ist (solange dies nicht die Freiheit eines anderen Individuums oder einer Gruppe einschränkt).

    „Es geht um die kleinen, schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet, weil sie peinlich werden könnten, und um die großen Machtfragen, über die man lieber auch nicht redet, weil vieles so unveränderlich scheint. Es geht darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird sich zeigen: Es ist dieselbe.“

    Ich werde nicht müde, Camus zu zitieren, der einmal in seinen Cahiers angemerkt hat, dass alle größeren Konflikte der Menschheit letztlich Kämpfe um Privilegien waren und sind. Noch immer sind die Privilegien auf dem Planeten ungleich verteilt, in jeglicher Hinsicht. Hauptsächlich, weil die Menschen die mehr Privilegien haben nicht bereit sind, einen Teil davon abzugeben, damit irgendwann alle dieselben Privilegien genießen können.

    Rebecca Solnit hat in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eindrucksvoll geschildert, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung immer noch vom anderen Teil unterdrückt wird. Frauen (und als Frauen definierte oder so wahrgenommene Personen jedweden/r Geschlechts/Genderbezeichnung) üben lediglich 10% der Gewalttaten aus, sind aber selbst häufig Opfer von Gewalt, speziell von sexueller Gewalt. Auch in Deutschland hat mindestens jede vierte Frau einmal sexuelle Gewalt erfahren.

    Es gibt in Deutschland und generell in Westeuropa vielleicht keine Zwangsheiraten mehr und keine gesetzlich verankerte sexuelle Repression. Aber immer noch sind unsere Systeme und Vorstellungen von repressiven und problematischen Geschlechterbildern durchdrungen. Das beginnt schon in den banalsten alltäglichen Wortverwendungen, wird deutlich in der pornogeprägten Sexualsprache (z.B.: wenn man in vielen Kontexten bei Frauen von schmutzigen, statt schlicht von sexuellen Phantasien spricht), aber letztlich springt uns diese Problematik überall entgegen. Stokowski spricht in einem Kapitel von einer Studie, bei der den Testpersonen Aussagen vorgelegt wurden, die entweder aus Männermagazinen entnommen waren oder von verurteilten Vergewaltigern stammten.

    „Die Testpersonen waren nicht fähig zu unterscheiden, welche Sätze aus Männermagazinen stammen und welche von Vergewaltigern. Ja, sie fanden sogar die Aussagen aus den Magazinen tendenziell herabwürdigender.“

    Stokowskis Buch ist aber nicht bloß eine gute Darstellung solcher systemimmanenter Diskriminierungen und Idiotien, sondern auch das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklungsgeschichte, von der Bravolektüre bis zum Beziehungsalltag als Erwachsene. Die Kapitel beginnen fast immer mit einem Erlebnis aus ihrer eigenen Biographie und sind von solchen Selbstausleuchtungen mal mehr, mal weniger durchzogen. Klug und überzeugend knüpft sie mit Biographischem an größere Zusammenhängen an. Ihre Prosa hat eine coole Dynamik, ist eine bestechende Mischung aus fachlich Gediegenem und genauestens Durchdachtem, tiefergehenden Selbstzeugnissen und hingerotzten und herbeizitierten Klarstellungen. Sie nimmt letztlich keine hohe Warte ein, doziert nicht, sondern begegnet ihren Leser*innen auf Gesprächsniveau, verständnisvoll und unversöhnlich zugleich.

    Stokowski spricht davon, wie sie selbst lange nicht glaubte, dass Feminismus wichtig ist oder sich zumindest nicht genauer mit ihm auseinandersetzte. Bis sie begriff, was das mit uns macht, wenn wir die gesellschaftlichen Rollen, in die wir gesteckt werden (auch wenn wir nicht glauben, dass wir uns in ihnen durch die Welt bewegen), nicht hinterfragen. Wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dann gibt es sie trotzdem, dann machen sie trotzdem etwas mit uns.

    „Wir stecken viel Energie in die Rollen, die wir spielen, weil wir glauben, dass alles eine Ordnung haben muss und so viel anders auch gar nicht geht. Wir geben uns Mühe, die wir oft kaum bemerken, weil sie so alltäglich geworden ist. Und auch, weil es leichter ist, sich an vorhandene Muster zu halten.“

    Sie spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit Sex, Bildung, Sozialgefügen, etc. und schafft es, dabei sowohl die menschliche als auch theoretische Ebene konkret herauszuarbeiten, hervorstechen zu lassen – ein bemerkenswerter Balanceakt, den man ihr als Unentschlossenheit, als Makel ankreiden könnte. Doch dann würde man ignorieren, wie nachdrücklich dieses Buch Dinge auf den Punkt bringt, wie versiert und uneitel es sich innerhalb dieser komplexen Themen bewegt und wie weit es sich an manchen Stellen den Leser*innen öffnet.

    „Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen wirkt manchmal so, als wolle man die Gräben zwischen ihnen vertiefen, obwohl man sie auf Dauer abschaffen will: Ein nerviges Dilemma, aus dem man nicht rauskommt, solange man Probleme beheben will.
    Wir müssen zeigen, nach welchen Kriterien sich Reichtum und Erfolg, Gesundheit und Lebensdauer, Gewalt und Leid verteilen, wenn wir wollen, dass alle dieselben Chancen auf ein glückliches Leben haben – auch wenn oder gerade weil diese Kriterien das sind, was wir auf Dauer abzuschaffen versuchen.“

    Ja, wir müssen, im Interesse aller, daran arbeiten, dass eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung nicht nur ein Vorsatz, sondern eine verwirklichte, gelebte Realität ist, entstehen kann und das heißt, dass einiges planiert, einiges platt gemacht werden muss. Dass einige Privilegien verschwinden und letztlich alle.

    „Denn es gibt keine neutrale Sicht auf das Leben, und wir brauchen sie nicht. Wir brauchen Vielfalt – Vielfalt lehrt uns Freiheit.“

    Margarete Stokowskis Buch hat mir seit langem mal wieder Mut gemacht; etwas in mir angefacht, dass an dieser Welt arbeiten, sie auf positive Weise mitgestalten will. Es ist ein Buch mit vielen Facetten und ich hoffe, ich habe keine von ihnen allzu sehr in der Mittelpunkt gerückt oder unter den Tisch fallenlassen.

    Manches hat mich tief berührt, manches schockiert, manches hat meinen Horizont erweitert, manches meine eigenen Gedanken bestärkt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: am meisten hat mich beeindruckt, wie dieses Buch aufklärerlisch argumentiert, auf theoretischen Ebenen arbeitet und doch durch seine Direktheit, seine Sprache, eben nicht belehrt, sondern kommuniziert, ein Aufruf zum Dialog ist. Aufmerksamkeit erzeugt und nicht nur Wissen.

    Solche Bücher braucht es. Bücher, in denen das Abstrakte und das Lebendige zusammenfallen. Die uns Zusammenhänge aufzeigen, Tatsachen vermitteln, die uns aber auch auffordern, in denen wir nicht einfach nur sichere und schweigsame Teilnehmer sein können, sondern die uns mit uns selbst, mit dem Schönen und Schlimmen in uns und um uns, konfrontieren. Bücher, die uns inspirieren.

    „Sie sagen, dass wir von Hass getrieben sind, weil sie sich wundern, dass da Frauen mal keine Harmonie und Liebe versprühen, sondern Forderungen haben. Aber Wut ist nicht dasselbe wie Hass. Hass will Zerstörung. Wut will Veränderung. Hass ist destruktiv, Wut ist produktiv.“

    Stokowski zitiert Susan Sontag mit den Worten: „Wir müssen lernen, mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen.“ Ich glaube, dass Literatur eine Schule des Sehens, des Zuhörens, des Hinhörens und Fühlens sein kann – „Untenrum frei“ hat es mir mal wieder gezeigt, mich darin bestärkt. Genauso wie Stokowski glaube ich daran, dass es wichtig ist

    „hinter Sätze, die in Stein gemeißelt sind, ein Fragezeichen [zu] setzen.“

    Dieses Buch setzt ein paar fette Fragezeichen und fügt meist noch ein fettes Ausrufezeichen hinzu.

  14. Cover des Buches Die Nachtigall (ISBN: 9783352010323)
    Kristin Hannah

    Die Nachtigall

    (667)
    Aktuelle Rezension von: Unser_BücherGarten

    Seit längerem wollte ich „Die Nachtigall“ von Kristin Hannah lesen, nachdem ich sehr viele begeisterte Leseeindrücke gelesen und gehört habe. Viele loben den Schreibstil von Kristin Hannah als emotional und spannend. Sie schreibt überwiegend über Frauen in Verbindung mit der Weltgeschichte. 

    So auch in „Die Nachtigall“. Im Zentrum des Romans stehen die Schwestern Vianne und Isabelle, die beide früh ihre Mutter verlieren. Der überforderte Vater gibt seine Töchter in die Obhut von Pflegefamilien bzw. Internate. Beide Schwestern entwickeln sich unterschiedlich. Vianne gründet eine kleine Familie und muss im von den Deutschen besetzten Frankreich irgendwie überleben. Isabelle schließt sich der Résistance an und führt ein gefährliches Doppelleben. 

    Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zum einen haben wir eine ältere Dame im Jahre 1995, die eine Einladung zu einem Treffen nach Paris erhält und etwas vor ihrem Sohn verheimlicht. Zum anderen lernen wir die Geschichte der Schwestern Vianne und Isabelle kennen. Beide Schwestern können gegensätzlicher nicht sein. Vianne ist behutsam und vorsichtig, während Isabelle impulsiv und freiheitsliebend ist. Hier hat mir sehr gut gefallen, wie die Autorin die zwei unterschiedlichen Schwestercharaktere herausgearbeitet hat. Der Zwiespalt zwischen beiden Schwestern ist gut erkennbar, aber auch deren Wunsch nach Zusammenhalt. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie sie eigentlich zusammen sein möchten, es aber aufgrund der Umstände um sie herum nicht schaffen können. Wie viel Missverständnisse, fehlende Kommunikation, aber auch falscher Stolz, Risse in einem Verhältnis machen können!

    Sehr eindrücklich wird die grausame Zeit der deutschen Besatzung in Frankreich beschrieben. Hier wird nichts beschönigt. Alle Beteiligten im Roman kämpfen auf ihre eigene Weise ums Überleben. Die Autorin gibt auch den Besatzern viele Gesichter. Man sieht auch hier, dass nicht alle grausam waren und dass Widerstand oft auch leise möglich war. Hier war ich sehr vom Mut vieler Menschen beeindruckt. 

    Schade fand ich, dass manche Szenen etwas zu kitschig und klischeehaft geschrieben waren. Ich hatte hier zeitweise das Gefühl ein Drehbuch zu einem Hollywoodfilm zu lesen. 

    Fazit:

    Dennoch hat mir „Die Nachtigall“ insgesamt gut gefallen. Es ist spannend geschrieben und leicht zu lesen. Die Grausamkeiten des Krieges und die traurige Familiengeschichte gingen mir nahe. Ohne die etwas kitschigen Szenen wäre es für mich sicherlich ein Highlight geworden.  

  15. Cover des Buches Scythe – Das Vermächtnis der Ältesten (ISBN: 9783733503666)
    Neal Shusterman

    Scythe – Das Vermächtnis der Ältesten

    (406)
    Aktuelle Rezension von: Bianca_Books

    Auch der letzte Teil der Reihe konnte mich wieder absolut überzeugen. Es ging genauso stark weiter wie in den ersten beiden Teilen. Die Geschichte war wieder absolut spannend, sodass man das Buch gar nicht aus der Hand legen wollte. Wir erreichen nochmal einen absoluten Höhepunkt an Intrigen, Machthunger und Grausamkeit. Aber auch so viel neues wird wieder aufgedeckt, sodass es wirklich zu keiner Zeit langweilig wird. Citra ist mir so sehr ans Herz gewachsen und mach nochmal eine echt tolle Entwicklung durch. Auch Rowan muss wieder einiges durchmachen und auch Grayson macht eine wirklich tolle Entwicklung durch. Und das Ende der Geschichte war wirklich nochmal emotional, aber total schön. Die Welt die hier erschaffen wurde war absolut genial und erschreckend nah an einer möglichen Zukunft dran. Ich bin absolut begeistert von der Reihe.

    Der Schreibstil war sehr angenehm zu lesen. Obwohl wir so viele verschiedene Perspektiven lesen, wird es absolut nicht verwirrend sondern ergibt ein tolles Gesamtbild.

    Fazit: Absolute Empfehlung für die ganze Reihe.

  16. Cover des Buches A Little Life (ISBN: 9781447294832)
    Hanya Yanagihara

    A Little Life

    (110)
    Aktuelle Rezension von: Lia_Bischoff

    Enthält Spoiler


    Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich dieses Buch rezensieren soll, ohne dabei selbst wieder komplett in seine Gefühle hineingezogen zu werden. A Little Life ist kein Buch, das man einfach liest. Es verschlingt dich. Langsam, grausam, wunderschön. Am Anfang war ich ehrlich gesagt skeptisch. Mir wurde zu viel erzählt statt gezeigt. Dieses ständige Beschreiben von Verhältnissen, Vergangenheiten und Dynamiken, anstatt Szenen wirklich auszuspielen, hat mich immer wieder aus der Geschichte gerissen. Dazu kamen die riesigen Zeitsprünge, die fehlenden Kapitel und diese endlosen Rückblicke, bei denen ich irgendwann komplett den Überblick verloren habe, wann wir eigentlich gerade im „Jetzt“ sind. Teilweise fühlte es sich an, als würde ich durch Erinnerungen schwimmen, ohne festen Boden unter den Füßen. Und trotzdem irgendwann hat dieses Buch angefangen, mich vollkommen zu zerstören. Nicht auf die laute Art. Sondern langsam, schleichend. Wie etwas, das sich unter die Haut legt und dort bleibt. Jude ist wahrscheinlich einer der tragischsten Charaktere, die ich jemals gelesen habe. Und das Schlimmste ist: Man versteht ihn. Seine Gedanken, seine Selbstwahrnehmung, seine Angst, seine Zerstörung, all das fühlt sich so echt an, dass es weh tut. Ich habe irgendwann nicht mehr nur gelesen, ich habe mitgefühlt. Teilweise so sehr, dass ich nicht mehr wusste, ob ich gerade noch ich selbst bin oder längst mit ihm zusammen untergehe. Und Willem… Gott, Willem. Alles an ihrer Beziehung hat mich fertiggemacht. Dieses vorsichtige Annähern, diese Liebe, die nie laut sein muss, um alles zu bedeuten. Ich wollte nichts mehr, als dass Jude endlich einfach geliebt werden darf, ohne Bedingungen, ohne Schmerz. Dieses Buch hat mich wütend gemacht. Es hat mich verzweifeln lassen. Mehrmals wollte ich es gegen die Wand werfen. Und trotzdem konnte ich nicht aufhören zu lesen. Ich habe Schlaf vergessen, Essen vergessen, Zeit vergessen. Dieses Buch wurde irgendwann kein Buch mehr, sondern ein Zustand. Natürlich habe ich Kritikpunkte. Die Langatmigkeit. Die teilweise extrem ausschweifenden Rückblicke. Manche Perspektivwechsel, die mich eher herausgerissen als vertieft haben. Und ja  manche Entwicklungen tun so weh, dass man fast das Gefühl bekommt, das Buch wolle einen absichtlich zerstören. Aber vielleicht ist genau das seine größte Stärke. A Little Life ist kein perfektes Buch. Aber es ist ein Buch, das etwas mit dir macht. Etwas Bleibendes. Etwas Unangenehmes. Etwas Wunderschönes. 

  17. Cover des Buches To Kill A Mockingbird (ISBN: 9781784752637)
    Harper Lee

    To Kill A Mockingbird

    (479)
    Aktuelle Rezension von: i1arie

    Ich muss gestehen, dass „How to kill a Mockingbird“ von Harper Lee schon einige Jahre in meinem Regal stand.

    Dennoch war ich überrascht, wie aktuell dieses Buch trotz seines Alters wirkt. Die Geschichte wird aus der Sicht der jungen Scout erzählt, die mit ihrem Bruder Jem und ihrem Vater Atticus in der kleinen Stadt Maycomb aufwächst. Besonders beeindruckt hat mich Atticus Finch, der als Anwalt einen schwarzen Mann verteidigt und dabei Mut, Moral und Gerechtigkeit zeigt – auch wenn viele Menschen in der Stadt dagegen sind.

    Das Buch zeigt sehr gut, wie Vorurteile entstehen und wie wichtig es ist, andere Menschen zu verstehen, bevor man über sie urteilt. Gleichzeitig sieht man die Welt durch Scouts kindliche Perspektive, was viele ernste Themen noch eindrucksvoller macht.

    Mir hat besonders gefallen, wie sich die Figuren im Laufe der Geschichte entwickeln und wie sich am Ende viele Dinge aus den ersten Kapiteln zusammenfügen. Insgesamt ist es eine sehr bewegende Geschichte über Empathie, Mut und Gerechtigkeit. Für mich ein Klassiker, der auch heute noch zum Nachdenken anregt.

  18. Cover des Buches The Book of Life - Das Buch der Nacht (ISBN: 9783764533366)
    Deborah Harkness

    The Book of Life - Das Buch der Nacht

    (340)
    Aktuelle Rezension von: Simply_Another_Bookaholic

    Nach ihrer gefährlichen Zeitreise ins London der elisabethanischen Ära kehren Diana Bishop und Matthew Clairmont in die Gegenwart zurück. Doch anstatt zur Ruhe zu kommen, werden sie sofort mit neuen Gefahren und alten Feinden konfrontiert. In Sept-Tours, dem Stammsitz von Matthews Familie, finden sie zwar Verbündete und vertraute Gesichter wieder, müssen jedoch auch einen schmerzhaften Verlust verkraften, der vor allem Diana tief erschüttert.

    Während im Hintergrund dunkle Mächte agieren, schafft es Autorin Deborah Harkness es immer deutlicher zu machen, dass das Rätsel um das geheimnisvolle Manuskript Ashmole 782 noch längst nicht vollständig gelöst ist. Um die Zukunft der magischen Welt zu sichern, müssen Diana und Matthew die fehlenden Seiten finden und deren wahre Bedeutung entschlüsseln. Dabei geraten sie in einen gefährlichen Strudel aus Intrigen, Machtkämpfen und uralten Geheimnissen.

    Ich habe "The Book of Life" als emotionalen Band erlebt. Die Handlung ist spannend, vielschichtig und bringt zahlreiche Entwicklungen mit sich. Besonders gefallen hat mir, wie die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verwoben und viele Fragen endlich klarer werden.

    Die Charakterentwicklung von Diana und Matthew wirkt authentisch und tiefgehend, ihre Beziehung gewinnt spürbar an Reife. Gleichzeitig bleibt die Geschichte voller Dynamik, Magie und überraschender Wendungen. 

    Für mich ist dieses Buch ein starkes Bindeglied innerhalb der Reihe, das neugierig auf alles macht, was noch folgen wird.

  19. Cover des Buches Der Besuch der alten Dame (ISBN: 9783257600575)
    Friedrich Dürrenmatt

    Der Besuch der alten Dame

    (1.899)
    Aktuelle Rezension von: nina17s

    Dürrenmatt hat mit dem Drama zu "Der Besuch der alten Dame" wirklich etwas großartiges geschaffen.

    Durch das merkt man erst wie sehr man sich von Geld und auch von dem Gruppenzwang zu furchtbaren Taten hinreißen lassen kann und die Schuld selbst nicht bei sich zu sehen.

    Die Anspielungen zwischen drinnen waren wirklich sehr gut durchdacht und haben genau die Stimmung vermittelt die, die Szene haben sollte.

  20. Cover des Buches Die Räuber (ISBN: 9783872910479)
    Friedrich Schiller

    Die Räuber

    (677)
    Aktuelle Rezension von: Sandra1975

    13. Januar 1782. 

    An diesem Tag wurde Schillers "Räuber" uraufgeführt. 

    Das zunächst als Lesedrama konzipierte Bühnenstück handelt von der Intrige des Franz gegen seinen Bruder Karl, um die Alleinherrschaft über die Güter der Adelsfamilie zu erhalten. 

    "Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit", spricht Karl, nachdem der Vater den Verleumdungen des Franz auf den Leim gegangen war. Aus Rache schliesst er sich der Räuberbande an. 

    Wenngleich Schiller das Stück ursprünglich als „Der verlorene Sohn, oder die umgeschmolzenen Räuber“ betitelte und mit dem Untertitel "Ein Trauerspiel" versah, ist die Handlung doch klar an die biblische Intrige zwischen Jakob und Esau angelehnt. Man erinnert sich: Die von Jakob und der Mutter eingefädelte Intrige bringen Esau dazu, sein Erstgeburtsrecht gegen einen Teller Linsensuppe einzutauschen. 

    Interessant auch, wie Schiller hier das Motiv des edlen Wilden mit hineinwebt. Die ungehobelten Räuber gehen als Edle aus der Handlung hervor, dabei die gut betuchten Grossherren entthronend. Innerhalb der damaligen Feudalgesellschaft sorgte das Stück für einen Skandal. 

    Schiller wurde förmlich ausgebuht, man fiel in Ohnmacht, konnte die Kritik nicht aushalten. 

    Und gleichzeitig traf der Meister einen Nerv. Der Aufruhr gegen die feudalen Strukturen erreichte ihren Höhepunkt, Schiller wurde praktisch über Nacht berühmt. 

    "Mein Geist dürstet nach Taten, mein Atem nach Freiheit." Was für ein gewaltiger Satz. 

    Was für ein gewaltiges Stück.

  21. Cover des Buches Krieger des Feuers (ISBN: 9783641074777)
    Brandon Sanderson

    Krieger des Feuers

    (235)
    Aktuelle Rezension von: die_pingus_

    Mit Krieger des Feuers führt Brandon Sanderson die Geschichte aus Kinder des Nebels fort. Nach dem Sturz des Obersten Herrschers hat sich die Situation im ehemaligen Imperium jedoch nicht zum Guten entwickelt. Die neue Freiheit bringt keine stabile Ordnung, sondern Machtkämpfe, politische Unsicherheit und neue Bedrohungen.

    Vin und ihre Gefährten müssen feststellen, dass es wesentlich einfacher ist, einen Herrscher zu stürzen, als ein funktionierendes Reich aufzubauen. Genau dieser Ansatz gefällt mir besonders gut. Sanderson beschäftigt sich nicht nur mit der erfolgreichen Revolution, sondern mit den Konsequenzen, die danach entstehen. Verschiedene Fraktionen kämpfen um Einfluss und die bisher unterdrückte Bevölkerung muss mit einer völlig neuen Situation umgehen.

    Vin steht erneut im Mittelpunkt. Ihre Entwicklung wird weitergeführt und ihre Beziehung zu Elant bekommt deutlich mehr Raum. Gleichzeitig wird sie immer stärker mit der Frage konfrontiert, was ihre eigenen Fähigkeiten eigentlich bedeuten und welche Verantwortung daraus entsteht. Dabei bleibt sie eine interessante Figur, weil sie trotz ihrer enormen Kräfte immer wieder mit Unsicherheit und Misstrauen zu kämpfen hat.

    Auch das Magiesystem wird erweitert. Die Allomantie bleibt ein zentraler Bestandteil der Handlung, gleichzeitig erfährt man mehr über die Hintergründe der Kräfte und die Geschichte dieser Welt. Sanderson gelingt es erneut, die Regeln seines Magiesystems konsequent einzusetzen, ohne dass es wie ein beliebiges Werkzeug wirkt.

    Allerdings hat der zweite Band für mich nicht ganz die Dynamik des ersten Teils. Die politische Handlung nimmt deutlich mehr Raum ein und einige Passagen ziehen sich. Die zahlreichen Gespräche über Herrschaft, Religion und gesellschaftliche Ordnung sind zwar wichtig für die Entwicklung der Geschichte, bremsen das Tempo aber teilweise erheblich.

    Dafür gewinnt die Geschichte an Tiefe. Die Figuren müssen sich mit den Folgen ihrer bisherigen Entscheidungen auseinandersetzen. Besonders interessant ist, dass die ursprüngliche Rebellion nicht einfach als Erfolgsgeschichte dargestellt wird. Sanderson zeigt, dass nach dem Ende einer Diktatur neue Probleme entstehen können und dass Freiheit allein noch keine funktionierende Gesellschaft schafft.

    Das letzte Drittel nimmt schließlich wieder deutlich an Fahrt auf. Die verschiedenen Handlungsstränge werden zusammengeführt und die Geschichte entwickelt eine Spannung, die im Mittelteil teilweise gefehlt hat. Gleichzeitig werden neue Fragen aufgeworfen, die neugierig auf den Abschluss der Trilogie machen.

    Krieger des Feuers ist für mich ein guter zweiter Band, auch wenn er nicht ganz so unmittelbar packend ist wie Kinder des Nebels. Dafür erweitert Sanderson die Welt deutlich und macht aus der ursprünglichen Rebellion eine wesentlich komplexere Geschichte über Macht, Verantwortung und den schwierigen Aufbau einer neuen Gesellschaft.

    Ein stärker politisch geprägter zweiter Teil, der weniger vom Überraschungseffekt des ersten Bandes lebt, dafür aber deutlich mehr Tiefe in die Welt und ihre Figuren 






    Rezensiert von Herr U.

  22. Cover des Buches NEMESIS' TÖCHTER (ISBN: 9783426562468)
    Tara-Louise Wittwer

    NEMESIS' TÖCHTER

    (106)
    Aktuelle Rezension von: BejeweledCat

    Nemesis, die Göttin der ausgleichenden Gerechtigkeit und Konsequenzen wurde von Männern umgeframed in die rachsüchtige schwertschwingende Furie. Furie? Achja, die drei Schwestern, die Gerechtigkeit eingefordert haben und Konsequenzen gefordert haben für verwerfliche Aktionen wie Femizid. Nee halt, das waren die hysterischen Geifer spuckenden, hässlichen Wesen mit Schlangen als Haare und Fledermausköpfen, die völlig unverhältnismäßig verrückt rumschreien und die ja keiner mag. 

    Merkste was? Taras Buch über all die falsch geframeten Frauenfiguren in der Geschichte (s.o.), über die Frauenverbrennung (aka Hexenverbrennung), die nie aufgearbeitet wurde, sondern als lustig-gruseliges Halloweenspektakel vermarktet wird, Magdalenenheime, versteckte Apotheken, Schwesterlichkeit, der "male skill gap epidemic" (so nenn ich es mal) u.v.m. war eine große Bereicherung. 

    Wieder mal viel Neues gelernt, wieder mal wütend gewesen, wieder mal viel genickt, reflektiert und rausgeschrieben. 

    Einzig der Schreibstil war streckenweise nicht meins (viele Anglizismen, sehr lange, verschachtelte Sätze, viele Aufzählungssätze), aber das sollte ja eigentlich nebensächlich sein. Es geht ja schließlich darum, WAS sie sagt und nicht WIE sie es sagt -Stichwort Tone Policing. Deshalb trotzdem gute 3.5 Sterne. 

    Danke Tara. Was Tara sagt. 

  23. Cover des Buches Kleine große Schritte (ISBN: 9783328102601)
    Jodi Picoult

    Kleine große Schritte

    (275)
    Aktuelle Rezension von: Elkes_Literaturwolke

    Inhaltsangabe:

    Witwe Ruth Jefferson arbeitet seit über 20 Jahren im Mercy-West Haven Hospitals als Hebamme und Säuglingsschwester. Sie hat eine fundierte Ausbildung absolviert und hat bislang ohne Fehl und Tadel ihre Dienste verrichtet. Ihr Sohn Edison steht kurz vor seinem Abschluss und bewirbt sich an Colleges.

    Turk und Brit Bauer sind gerade Eltern des kleinen Davis geworden. Ruth möchte sich um den kleinen Jungen kümmern, aber das Ehepaar Bauer möchte nicht, dass sie den Kleinen anfasst. Es wird Ruth untersagt, das Kind anzufassen, weil sie dunkelhäutig ist!

    Doch kurze Zeit später ist sie mit Davis allein, weil ihre Kolleginnen zu Notfällen geeilt sind. Ruth sollte nur ein paar Minuten mit Davis allein sein und ihn nach der Beschneidung überwachen, als plötzlich seine Atmung aussetzt. Sie ringt mit sich, ob sie sich der Anordnung widersetzen sollte.

    Als sie schließlich das Notfall-Team ruft, kommt jede Hilfe zu spät. Davis ist verstorben und Turk Bauer erhebt schwere Vorwürfe gegen Ruth. Sie soll ihn vorsätzlich sterben gelassen haben. Er erstattet Anzeige und stellt damit das Leben der Familie Jefferson grundlegend auf den Kopf.

    Mein Fazit:

    Jodi Picoult scheut kein kritisches Thema in ihrer schriftstellerischen Laufbahn und hat sich mit dem Thema Rassismus auseinandergesetzt. Beim Schreiben entsteht der Eindruck, als würde sie dunkelhäutig sein. Nein, sie ist privilegiert als Hellhäutige aufgewachsen und musste die Empathie aufbringen, sich in Ruth reinzuversetzen.

    Ruth ist nicht nur eine Dunkelhäutige! Sie blendet die Tatsache aus, dass sie trotz der „helleren Farbe“ täglich rassistischen Anfeindungen ausgesetzt ist. Ob im Supermarkt, im Freundeskreis oder auf der Arbeit. Sie hat sich lange Zeit etwas eingeredet und gedacht, sie würde zur „normalen weißen Schicht gehören“. Nun muss sie im wahrsten Sinne des Wortes Farbe bekennen. Ein kleiner Junge ist gestorben und sie muss sich vor Gericht dafür verantworten. Sie erkennt, dass das Krankenhaus sie einfach fallen ließ, gar als Bauernopfer betrachtet. Ruth war das kleinere Übel! Ihr Alltag verändert sich dramatisch, da sie nicht mehr als Hebamme arbeiten darf. Ihr sozialer Abstieg macht der gesamten Familie zu schaffen – auch Edison!

    Das Ehepaar Bauer ist ein durch und durch rassistisches Paar. Turk lernte seine Frau bei ihrem Vater kennen, als er durch die Lande zog und seine krude Ideologie verbreitete. Die Weißen sind schon bald in der Minderheit und „die Schwarzen“ würden ein Systemwechsel planen oder so etwas in der Art. Mir wurde schlecht, als Turk beschrieb, das sein Hass auf Homosexuelle so weit ging, das er sogar seinen Vater verprügelte. Während seine Frau um den verlorenen Sohn trauerte, kämpfte er für vermeintliche Gerechtigkeit! Ich fürchte, dass die Ideologie allgemein sehr weit verbreitet ist, wahrscheinlich mehr, als offensichtlich ist! Die rechten Parteien erhalten immer mehr Zulauf und sind dabei, die Welt in den Abgrund zu stürzen (der Klimawandel macht dann den Rest *Sarkasmusoff*).

    Jodi Picoult ist mit dem Thema sehr sensibel umgegangen und hat bei allen Figuren eine nachvollziehbare Veränderung angestoßen. Die Geschichte wird von Ruth, Turk oder der Anwältin Kennedy aus ihrer jeweiligen Perspektive erzählt. Damit bekommt die Geschichte noch mehr Tiefe, als sie ohnehin schon hat. Es gibt kleine überraschende Wendungen und ein packendes Gerichtsverfahren – ebenfalls mit kleinen Überraschungen, wie es bei Justiz-Dramen üblich ist.

    Mich hat das Buch lange nicht losgelassen und auch jetzt, während des Verfassens des Artikels, blättere ich noch mal im Buch und lese die eine oder andere Stelle. Für mich ist es ein weiteres Highlight in diesem Jahr und ich freue mich auf ihre nächste Geschichte! Begeisterte fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung von mir!

  24. Cover des Buches Der Sohn (ISBN: 9783548287782)
    Jo Nesbø

    Der Sohn

    (328)
    Aktuelle Rezension von: BellaNoelle

    Es fällt mir schwer, eine passende Bewertung zu verfassen. Das Buch ist gut, es ist nur anders, als ich es erwartet hatte. Es dauert etwas bis man in die Geschichte reinkommt und so ganz kann man sie bis zum Ende nicht richtig durchblicken. Es ist spannend, aber auf eine andere Art und Weise als sonstige Krimis, die ich gerne lese. Auch die Charaktere kann man schwer in eine der Schubladen „gut oder böse“ stecken. Es wird einem verdeutlicht, dass auch im vermeintlich Bösen nicht alles böse sein muss.

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