Bücher mit dem Tag "geschichtsschreibung"
8 Bücher
- Leonie Schöler
Beklaute Frauen
(129)Aktuelle Rezension von: Ms_ViolinMuse, Sekretärin, Ehefrau – es gibt viele Bezeichnungen für Frauen, deren Einfluss aus der Geschichte radiert wurde. Leonie Schöler stellt in ihrem Bestseller unser Bild der vergangenen 200 Jahre grundlegend infrage und spürt den Machthierarchien und institutionellen Strukturen nach, die Frauen in der Wissenschaft, Kunst, Literatur, Politik und in vielen anderen Bereichen unsichtbar machten und machen. Sie zeichnet eine Vielzahl von Biografien nach und erweitert so unser Bewusstsein für die komplexen Identitäten und Erfahrungen von Frauen, die bisher gar nicht oder kaum in öffentlicher Erinnerung geblieben sind. Schöler würdigt das Schaffen und Wirken dieser vergessenen Heldinnen und macht sie so (wieder) für uns als Handelnde in der Geschichte wahrnehmbar. Beklaute Frauen liefert ein wichtiges Gegenstück zum noch immer dominanten Narrativ der »großen weißen Männer« und zeigt die Gefahren auf, die die Reproduktion von antifeministischen Sichtweisen und fehlende Repräsentation auch heute noch mit sich bringen. Vor allem aber ist es als eine augenöffnende Ermutigung zu verstehen, die unzählige starke Vorgängerinnen und Identifikationsfiguren bereithält, die jede und jeder von uns sich zum Vorbild nehmen sollte.
Dieses Buch hat mich wirklich von der ersten Seiten an absolut gefesselt. Der leicht verständliche und mitreißende Schreibstil und die unglaublich tolle Recherche haben mich hier wirklich nur so durch die Seiten fliegen lassen.
Allerdings wurde ich auch von Seite zu Seite, von Kapitel zu Kapitel und mit jedem neuen Namen wütender.
Wer weiß, wie viele Frauen komplett aus der Geschichte gelöscht wurden?Selbst die Geschichten, die mir schon mehr oder weniger bekannt waren (wie die von Rosalind Franklin oder über die Hintergründe der Werke bekannter Männer wie Brecht oder über den - freundlich ausgedrückt - Unsympathen Picasso), haben nur dazu beigetragen, dass mein Unmut und vor allem meine Wut angewachsen sind.
Wut auf einzelne Personen, die sich hier ganz klar an verschiedensten Frauen bereichert haben, sie übergangen oder ganz absichtlich sie und ihre (Mit-)Arbeit klein gehalten haben - auch innerhalb historischer Einordnungen -, aber eben auch Wut auf dieses System und die Strukturen, die all das zugelassen und begünstigt haben und woran sich immer noch viel zu wenig geändert hat - mal ganz abgesehen davon, dass es aktuell ja auch so einige Bemühungen gibt, die bisherigen Errungenschaften rund um alle Diversitäts- und Gleichstellungsbemühungen wieder zurückzufahren.Ein Kapitel hat mich allerdings ganz besonders getroffen, nämlich Kapitel 5: „Widerstand“.
Dort werden kämpfende Frauen (z.B. im zweiten Weltkrieg) vorgestellt und die Art und Weise wie mit diesen Frauen umgegangen wurde, ist nicht gerade leichte Kost. Umso wichtiger also, dass auch diese Geschichten erzählt werden!
Fazit: Absolut lesenswert! Klar, verständlich, eindringlich und wunderbar recherchiert. Aber Vorsicht: Es macht richtig wütend!
Aber vielleicht sind wir alle auch noch nicht wütend genug. - Vea Kaiser
Blasmusikpop oder Wie die Wissenschaft in die Berge kam
(154)Aktuelle Rezension von: _liesmich_Ich weiß noch immer nicht ob mir das Buch gefallen hat oder nicht. Der Schreibstil ist phänomenal, flüssig und anregend. Aber die Themen sind mir generell zu „wir nehmen alles ländliche auf’s Korn“ und das ist mir zu oberflächlich. Vielleicht bin ich da auch zu empfindlich, da ich selbst "vom Land" komme.
- Jan Weiler
Kühn hat zu tun
(105)Aktuelle Rezension von: Lilli33Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Rowohlt Taschenbuch (21. Mai 2016)
ISBN-13: 978-3499266829
Preis: 11,00 €
Spannender Krimi und mehr
Inhalt:
Kriminalhauptkommissar Martin Kühn, verheiratet mit Susanne, zwei Kinder, stolzer Besitzer eines Eigenheims, schwirrt der Kopf. In seiner Wohnsiedlung geht es drunter und drüber. Irgendwas stimmt mit dem Baugrund nicht, Neonazis bilden eine Bürgerwehr, ein kleines Mädchen ist verschwunden und hinter Kühns Garten liegt eine Leiche, aufs Übelste zugerichtet.
Meine Meinung:
Dies ist der Auftaktband der Reihe um den Münchner Polizisten Martin Kühn. Er hat mir in seiner Vielseitigkeit ausgesprochen gut gefallen. Dicht an der Seite des sympathischen, aber auch ein bisschen verschrobenen Protagonisten erleben wir einige turbulente Tage mit polizeilichen Ermittlungen, aber auch einigen privaten Problemen, wobei sich alles irgendwie vermischt.
Besonders Kühns innere Monologe vermögen zu fesseln und bringen auch die Ermittlungen voran. Was den Täter angeht, hatte ich zwar schon früh den richtigen Riecher, doch was genau dahintersteckt, hat mich letztendlich doch sehr überrascht und fasziniert.
Von mir gibt es eine unbedingte Leseempfehlung für diesen tollen Kriminalroman.
Die Reihe:
1. Kühn hat zu tun
2. Kühn hat Ärger
3. Kühn hat Hunger
★★★★★
- Egon Friedell
Kulturgeschichte der Neuzeit: Vollständige Fassung in fünf Bänden (Sachbücher bei Null Papier)
(0)Noch keine Rezension vorhanden - Martín Caparrós
Der Hunger
(3)Aktuelle Rezension von: JulesBarroisDer Hunger - Martín Caparrós (Autor), Sabine Giersberg (Übersetzer), Hanna Grzimek (Übersetzer), 844 Seiten, Suhrkamp Verlag; Auflage: 1 (7. November 2015), 29,95 €, ISBN-13: 978-3518425121
In der Zeit, in der Sie diese Rezension lesen, sterben etwa 30 Kinder an Hunger. Und das auf einem so reichen Planeten, dass er reibungslos das Doppelte der heutigen Weltbevölkerung ernähren könnte. Und das, wo fast die Hälfte der in der Welt produzierten Lebensmittel in der Mülltonne landet. Diese 30 Kinder sterben an Hunger, wie ihn keiner von uns kennt.
Martín Caparrós redet über Hunger “der extremsten, grausamsten Art der Armut, … die einem die Möglichkeit nimmt, sich ein anderes Leben auch nur vorzustellen.“ (Seite 18). Dieser Hunger ist ultimativ und vollkommen unerträglich. Es mag viele Dinge geben, die ethisch unerträglich sind. Aber man kann damit leben. Hunger macht es extrem schwierig, mit ihm zu leben, denn er ist existentiell.
Caparrós verlässt die nichtssagende, anonyme Welt der Hungerstatistiken und nimmt uns mit auf eine Reise in Orte, wo Menschen leiden: Ghana, Sudan, Indien, Argentinien, Chicago, Spanien, Bangladesch, Burkina Faso, Madagaskar, Nigeria und Südsudan. Sein Buch verbindet eine tiefgehende Analyse des globalen Hungers mit Geschichten und realen Gesichtern. Es ist eine Reise, aber nicht die Reise der glitzernden Welt des Tourismus, sondern eine Reise in die Vororte und Slums. Wir bekommen keine hochtrabenden Reflexionen, sondern Kommentare aus erster Hand.
Das ist der erste Grund, warum „Der Hunger“ ein beeindruckendes und gutes Buch ist: weil er das Leben vieler Menschen in dieser anderen Welt zeigt, was vollständig von Hunger beherrscht wird.
„Der Hunger“ ist ein beeindruckendes und gutes Buch, weil er die verbalen Tricks aufdeckt, mit dem dieser Hunger verschleiert wird und als unpersönlicher Hunger weniger schrecklich daherkommt.
Und es ist ein beeindruckendes und gutes Buch, weil der Autor es versteht, den Zorn und die Frustration dieser Menschen zu teilen.
Was ist die Ursache des Hungers? Dürren, Klimawandel, Entwaldung, Erosion, Versalzung, Wüstenbildung, Kriege, Migrationskrise, schlechte landwirtschaftliche Infrastruktur, politische Korruption? Nach Martin Caparrós reichen diese Erklärungen nicht aus und werden vorsätzlich falsch eingesetzt, um eine inakzeptable Wirklichkeit zu verbergen: die brutale, schamlose Zivilisation einer globalisierten Wirtschaft, die keine andere Motivation als Gewinn kennt und die Millionen von hungernden Menschen einfach zu „Abfall“ degradiert.
Hunger ist die Geschichte von denen, die unter prekären Bedingungen arbeiten und diejenigen, die mit Nahrung spekulieren und so viele Menschen verhungern lassen. „Der Hunger“ versucht vor allem, die Mechanismen zu entdecken, die dafür verantwortlich sind fast eine Milliarde Menschen nicht essen können, was sie brauchen. Ist Hunger ein unausweichliches Produkt der Weltordnung? Ist er das Ergebnis von Faulheit? Ist Hunger eine unvermeidliche Folge von Zivilisation und Entwicklung. Ist er ein Problem, das nicht gelöst werden kann? Oder ist, wie Caparròs darlegt, die Hauptursache des Hungers der Reichtum anderer? Zum Beispiel durch „die Verwandlung des Essens in ein Spekulationsobjekt.“ (Seite 388)
Auf jeden Fall ist Hunger als "strukturelle Unterernährung" am wenigsten sichtbar und gleichzeitig Normalität für viele Menschen, die jeden Tag nicht zu essen haben, was Krankheiten auslöst und schließlich der Tod den einzigen täglichen Kampf, etwas in den Mund stecken zu können, beendet.
Auch wenn Caparrós keine kurzfristig wirkenden konkreten Lösungen anbietet (wer hat die schon?) zeichnet er ein weitgehend vollständiges Bild über den weltweiten Hunger. Obwohl das Problem des Hungers von zentraler Bedeutung in der Welt ist, wird es zur gleichen Zeit vernachlässigt und ist schwer zu behandeln.
Kann ein solches Buch die Realität verändern? Kurzfristig mit Sicherheit nicht. Aber sein Versuch, die Situation so darzustellen, dass sie nicht nur gesehen sondern auch verstanden wird, ist ein Ansatzpunkt, dass Menschen beginnen, darüber nachzudenken, wie man sie lösen könnte. Und das ist schon viel.
Das Drama des Hungers lebt von Gier und von Dummheit. Und der politische Wille ist dieeinzige Möglichkeit, all die aufgeworfenen Fragen zu lösen.
Es ist ein wichtiges Buch, gerade in einer Zeit, in der Menschen zu uns kommen. Natürlich wundern sich vor allem die, die immer noch glauben, dass die neoliberale Politik der Konsumgesellschaften, das Beste ist, was uns passieren könne. Ein wichtiges Buch über Armut und Ungleichheit und gegen Arroganz und Gefühllosigkeit. Das unerwartete Erscheinen von ISIS ist ein tragisches Beispiel für die Wendung, die wir erleben, wenn Menschen nicht die Möglichkeit haben, ein Leben in Würde zu führen.
„Der Hunger“ ist ein Buch für Leser, die den Mut haben, sich der Welt, die wir gemeinsam aufgebaut haben, zu stellen. Leser, die den Mut haben, sich raus holen zu lassen aus der Welt des schönen Scheins, holt sie weg vom Fernseher, diesem genialen Ort, um seine Ruhe zu haben, holt sie aus ihrer „abgesicherten Gemütlichkeit.“ (Seite 823)
Lesen Sie dieses schockierende Buch und sie entdecken, dass Hunger keine Statistik ist. Dass alles in dieser Welt miteinander verbunden ist und dass das Gleichgewicht sehr leicht kippen kann. Vielleicht führt es dazu, dass auch Sie ihre Verhaltensweisen ändern und sich engagieren.
Hier geht es direkt zum Buch auf der Seite des Suhrkamp Verlages
http://www.suhrkamp.de/buecher/der_hunger-martin_caparros_42512.html
Fragen Sie in Ihrer örtlichen Buchhandlung nach diesem Buch. Wenn Sie in meiner Gegend „Landkreis Merzig-Wadern“ leben, dann wenden Sie sich an die Rote Zora: http://www.rotezora.de
Kindler Kompakt: Klassiker der Geschichtsschreibung (German Edition)
(0)Noch keine Rezension vorhanden- Jing Liu
Chinas Geschichte im Comic - China durch seine Geschichte verstehen - Band 1
(19)Aktuelle Rezension von: LillianMcCarthyIn der Schule steht besonders die deutsche und die europäische Geschichte stark im Fokus dessen, was Schüler*innen im Geschichtsunterricht beigebracht bekommen. Meist blickt man einzig und allein in anderen Fächern, wie zum Beispiel Englisch, über den Tellerrand und schaut sich die Vergangenheit anderer Kulturen an. Und das ist so schade, denn viele andere Kulturen haben beeindruckende und interessante Geschichten und von diesen erfährt man wenn überhaupt erst im Geografiestudium. Zugegeben, sich über eine völlig fremde Geschichte ein Bild zu machen und bei vielen Jahren Geschichtsschreibung irgendwo einsteigen zu müssen, ist als Laie nicht einfach. Man ist angewiesen auf gute Übersichtswerke und eine erste Anlaufstelle.
Eine Kultur, die ich schon lange bewundere, ist die chinesische. Nicht zuletzt wegen der chinesischen Medizin und den alten chinesischen Werten. Doch wo nahm die Geschichtsschreibung ihren Anfang? Wie entstand die chinesischer Mauer und wo hat der Daoismus seinen Anfang? Mit vielen Begriffen, Bauwerken und Kulturelementen der chinesichen Geschichte sind wir bereits mehr oder weniger in Berührung gekommen. Genaues Wissen fehlt jedoch. Ich habe mich unglaublich gefreut, als ich gesehen habe, dass eine vierbändige Reihe von Jing Liu bei China Books erscheint. Er packt unzählige Jahre Geschichtsschreibung in nur vier Comics, die informativ und anschaulich aufgemacht sind.
Völlig klar ist, dass nicht jeder historische Augenblick der langen Geschichte Chinas Platz in vier Comics findet. Die ersten zwei Teile der Reihe habe ich jedoch schon gelesen und kann sagen, dass Jing Liu seine Arbeit gut macht. Er gibt einen tollen Überblick über die wichtigsten Stationen der Chinesischen Geschichte und beschreibt die keinesfalls trocken. Er achtet darauf, dass alle Hintergründe gut erklärt werden und so erfährt man nebenbei von Religionen, Wirtschaftssystemen, Lehren und Kulturelementen, die für das Verständnis Chinas und seiner Geschichte notwendig sind.
Chinas Geschichte im Comic ist somit ein Sachbuch-Comic.Klingt erst mal langweilig, aber ehrlich gesagt waren beide Bände unglaublich spannend. Es las sich wie eine gut gemachte Filmdokumentation, bei der man nicht mehr wegschauen will. Von Langeweile keine Spur. Solltet ihr euch also schon immer mal näher mit der Geschichte Chinas beschäftigen wollen oder ihr jetzt Lust auf die Reihe bekommen haben, kann ich sie euch nur ans Herz legen. Ich persönlich fiebere schon Band 3 und 4 entgegen.







