Bücher mit dem Tag "geschlechter"

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20 Bücher

  1. Cover des Buches Untenrum frei (ISBN: 9783499014635)
    Margarete Stokowski

    Untenrum frei

    (281)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Haben wir die Fesseln der Unterdrückung längst gesprengt, oder haben wir nur gelernt, in ihnen shoppen zu gehen?“

    Man könnte das ganze Buch von Margarete Stokowski – das in 7 Kapitel unterteilt ist, von denen jedes in sich abgeschlossen ist und als Einzeltext gelesen werden kann – als eine lange, ausführliche, von verschiedenen Seiten beleuchtete Antwort auf eine einzige Frage lesen: Warum Feminismus?

    Das wäre selbstverständlich eine stark verknappte Zusammenfassung. Natürlich schleift diese Frage einen Rattenschwanz von weiteren Fragen hinter sich her: Was ist Feminismus? Wie wirken sich feministische Positionen auf das eigene Leben aus, wie stellt sich eine unter feministischen Gesichtspunkten betrachtete Wirklichkeit dar? Inwiefern hängen Feminismus und Gendertheorie zusammen? Ist Feminismus grundsätzlich solidarisch mit allen anderen Anti-Diskriminierungsbewegungen? Was will der Feminismus erreichen?

    All diese Fragen bindet Stokowski ein und es wird schnell ersichtlich, dass es ihr nicht um einen Feminismus spezieller Prägung, sondern um Feminismus als Ausdruck und Sammelbegriff einer generellen Unzufriedenheit mit den hierarchischen, determinierten, unverhältnismäßigen & ungerechten Gesellschaftsverhältnissen, Normen und Vorstellungen geht, dessen Hauptanliegen und Ziel die Freiheit beim Ausleben der eigenen Persönlichkeit und der Ausformung der eigenen Identität ist (solange dies nicht die Freiheit eines anderen Individuums oder einer Gruppe einschränkt).

    „Es geht um die kleinen, schmutzigen Dinge, über die man lieber nicht redet, weil sie peinlich werden könnten, und um die großen Machtfragen, über die man lieber auch nicht redet, weil vieles so unveränderlich scheint. Es geht darum, wie die Freiheit im Kleinen mit der Freiheit im Großen zusammenhängt, und am Ende wird sich zeigen: Es ist dieselbe.“

    Ich werde nicht müde, Camus zu zitieren, der einmal in seinen Cahiers angemerkt hat, dass alle größeren Konflikte der Menschheit letztlich Kämpfe um Privilegien waren und sind. Noch immer sind die Privilegien auf dem Planeten ungleich verteilt, in jeglicher Hinsicht. Hauptsächlich, weil die Menschen die mehr Privilegien haben nicht bereit sind, einen Teil davon abzugeben, damit irgendwann alle dieselben Privilegien genießen können.

    Rebecca Solnit hat in ihrem Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären“ eindrucksvoll geschildert, dass ein großer Teil der Weltbevölkerung immer noch vom anderen Teil unterdrückt wird. Frauen (und als Frauen definierte oder so wahrgenommene Personen jedweden/r Geschlechts/Genderbezeichnung) üben lediglich 10% der Gewalttaten aus, sind aber selbst häufig Opfer von Gewalt, speziell von sexueller Gewalt. Auch in Deutschland hat mindestens jede vierte Frau einmal sexuelle Gewalt erfahren.

    Es gibt in Deutschland und generell in Westeuropa vielleicht keine Zwangsheiraten mehr und keine gesetzlich verankerte sexuelle Repression. Aber immer noch sind unsere Systeme und Vorstellungen von repressiven und problematischen Geschlechterbildern durchdrungen. Das beginnt schon in den banalsten alltäglichen Wortverwendungen, wird deutlich in der pornogeprägten Sexualsprache (z.B.: wenn man in vielen Kontexten bei Frauen von schmutzigen, statt schlicht von sexuellen Phantasien spricht), aber letztlich springt uns diese Problematik überall entgegen. Stokowski spricht in einem Kapitel von einer Studie, bei der den Testpersonen Aussagen vorgelegt wurden, die entweder aus Männermagazinen entnommen waren oder von verurteilten Vergewaltigern stammten.

    „Die Testpersonen waren nicht fähig zu unterscheiden, welche Sätze aus Männermagazinen stammen und welche von Vergewaltigern. Ja, sie fanden sogar die Aussagen aus den Magazinen tendenziell herabwürdigender.“

    Stokowskis Buch ist aber nicht bloß eine gute Darstellung solcher systemimmanenter Diskriminierungen und Idiotien, sondern auch das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklungsgeschichte, von der Bravolektüre bis zum Beziehungsalltag als Erwachsene. Die Kapitel beginnen fast immer mit einem Erlebnis aus ihrer eigenen Biographie und sind von solchen Selbstausleuchtungen mal mehr, mal weniger durchzogen. Klug und überzeugend knüpft sie mit Biographischem an größere Zusammenhängen an. Ihre Prosa hat eine coole Dynamik, ist eine bestechende Mischung aus fachlich Gediegenem und genauestens Durchdachtem, tiefergehenden Selbstzeugnissen und hingerotzten und herbeizitierten Klarstellungen. Sie nimmt letztlich keine hohe Warte ein, doziert nicht, sondern begegnet ihren Leser*innen auf Gesprächsniveau, verständnisvoll und unversöhnlich zugleich.

    Stokowski spricht davon, wie sie selbst lange nicht glaubte, dass Feminismus wichtig ist oder sich zumindest nicht genauer mit ihm auseinandersetzte. Bis sie begriff, was das mit uns macht, wenn wir die gesellschaftlichen Rollen, in die wir gesteckt werden (auch wenn wir nicht glauben, dass wir uns in ihnen durch die Welt bewegen), nicht hinterfragen. Wenn wir uns nicht mit ihnen auseinandersetzen. Dann gibt es sie trotzdem, dann machen sie trotzdem etwas mit uns.

    „Wir stecken viel Energie in die Rollen, die wir spielen, weil wir glauben, dass alles eine Ordnung haben muss und so viel anders auch gar nicht geht. Wir geben uns Mühe, die wir oft kaum bemerken, weil sie so alltäglich geworden ist. Und auch, weil es leichter ist, sich an vorhandene Muster zu halten.“

    Sie spricht über ihre eigenen Erfahrungen mit Sex, Bildung, Sozialgefügen, etc. und schafft es, dabei sowohl die menschliche als auch theoretische Ebene konkret herauszuarbeiten, hervorstechen zu lassen – ein bemerkenswerter Balanceakt, den man ihr als Unentschlossenheit, als Makel ankreiden könnte. Doch dann würde man ignorieren, wie nachdrücklich dieses Buch Dinge auf den Punkt bringt, wie versiert und uneitel es sich innerhalb dieser komplexen Themen bewegt und wie weit es sich an manchen Stellen den Leser*innen öffnet.

    „Ungerechtigkeiten zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen wirkt manchmal so, als wolle man die Gräben zwischen ihnen vertiefen, obwohl man sie auf Dauer abschaffen will: Ein nerviges Dilemma, aus dem man nicht rauskommt, solange man Probleme beheben will.
    Wir müssen zeigen, nach welchen Kriterien sich Reichtum und Erfolg, Gesundheit und Lebensdauer, Gewalt und Leid verteilen, wenn wir wollen, dass alle dieselben Chancen auf ein glückliches Leben haben – auch wenn oder gerade weil diese Kriterien das sind, was wir auf Dauer abzuschaffen versuchen.“

    Ja, wir müssen, im Interesse aller, daran arbeiten, dass eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung nicht nur ein Vorsatz, sondern eine verwirklichte, gelebte Realität ist, entstehen kann und das heißt, dass einiges planiert, einiges platt gemacht werden muss. Dass einige Privilegien verschwinden und letztlich alle.

    „Denn es gibt keine neutrale Sicht auf das Leben, und wir brauchen sie nicht. Wir brauchen Vielfalt – Vielfalt lehrt uns Freiheit.“

    Margarete Stokowskis Buch hat mir seit langem mal wieder Mut gemacht; etwas in mir angefacht, dass an dieser Welt arbeiten, sie auf positive Weise mitgestalten will. Es ist ein Buch mit vielen Facetten und ich hoffe, ich habe keine von ihnen allzu sehr in der Mittelpunkt gerückt oder unter den Tisch fallenlassen.

    Manches hat mich tief berührt, manches schockiert, manches hat meinen Horizont erweitert, manches meine eigenen Gedanken bestärkt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: am meisten hat mich beeindruckt, wie dieses Buch aufklärerlisch argumentiert, auf theoretischen Ebenen arbeitet und doch durch seine Direktheit, seine Sprache, eben nicht belehrt, sondern kommuniziert, ein Aufruf zum Dialog ist. Aufmerksamkeit erzeugt und nicht nur Wissen.

    Solche Bücher braucht es. Bücher, in denen das Abstrakte und das Lebendige zusammenfallen. Die uns Zusammenhänge aufzeigen, Tatsachen vermitteln, die uns aber auch auffordern, in denen wir nicht einfach nur sichere und schweigsame Teilnehmer sein können, sondern die uns mit uns selbst, mit dem Schönen und Schlimmen in uns und um uns, konfrontieren. Bücher, die uns inspirieren.

    „Sie sagen, dass wir von Hass getrieben sind, weil sie sich wundern, dass da Frauen mal keine Harmonie und Liebe versprühen, sondern Forderungen haben. Aber Wut ist nicht dasselbe wie Hass. Hass will Zerstörung. Wut will Veränderung. Hass ist destruktiv, Wut ist produktiv.“

    Stokowski zitiert Susan Sontag mit den Worten: „Wir müssen lernen, mehr zu sehen, mehr zu hören und mehr zu fühlen.“ Ich glaube, dass Literatur eine Schule des Sehens, des Zuhörens, des Hinhörens und Fühlens sein kann – „Untenrum frei“ hat es mir mal wieder gezeigt, mich darin bestärkt. Genauso wie Stokowski glaube ich daran, dass es wichtig ist

    „hinter Sätze, die in Stein gemeißelt sind, ein Fragezeichen [zu] setzen.“

    Dieses Buch setzt ein paar fette Fragezeichen und fügt meist noch ein fettes Ausrufezeichen hinzu.

  2. Cover des Buches Vox (ISBN: 9783596704514)
    Christina Dalcher

    Vox

    (434)
    Aktuelle Rezension von: Lissianna

    Der flüssige, angenehm zu lesende Schreibstil zieht sofort in die Handlung. Erzählt wird aus der Ich-Perspektive, ergänzt durch immer wiederkehrende Rückblenden. Diese Vergangenheitsrückblicke zeichnen anschaulich nach, wie sich die Lage schleichend verschlimmert hat. Auch wenn visuelle Trennelemente – wie etwa Sternchen oder größere Absätze – die Zeitsprünge noch etwas klarer strukturiert hätten, findet man sich schnell zurecht.

    Ich musste das Buch letztlich jedoch abbrechen, weil mir das Geschehen emotional einfach zu nah ging und schlichtweg zu real wurde. Wer extrem authentische Erzählungen schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten. Für mich war es letztlich leider zu intensiv.

  3. Cover des Buches Changers - Kim (ISBN: 9783440151143)
    T Cooper und Allison Glock-Cooper

    Changers - Kim

    (63)
    Aktuelle Rezension von: Silliv

    Leider ist es zu lange her, dass ich noch Details aus Band 2 kenne, deshalb war ich nicht  ganz drin, aber spannender Schluss,  so dass ich jetzt keinen Fehler mache und gleich Band 4 lese. Aber es wurde sehr viel hinterfragt und philosophiert, etwas zu viel Geschwafel. 

    Kim lernt selbstbewusst zu sein. Wohnt bei den RaChas und merkt, was Haushalt bedeutet, dass war ganz gut so.


  4. Cover des Buches Der Beste küsst zum Schluss (ISBN: 9783956497711)
    SUSAN MALLERY

    Der Beste küsst zum Schluss

    (62)
    Aktuelle Rezension von: Dijan

    Die schöne Liebesgeschichte wurde dadurch zerstört, dass die Mutter den narzisstischen Vater immer vor das Wohl ihrer Kinder stellt. Absolut unmöglich!
    Deshalb bekommt die Geschichte nur einen Stern von mir.
    Susan Mallery. Ich weiß nicht, was du mit dieser Familie bezweckst. Aber Elaine ist der Grund, dass ich die andere Reihe nicht weiter verfolgen werde.

    Ich habe die vorherigen Bücher alle geliebt. Aber das, macht mich einfach nur wütend beim Lesen. 

  5. Cover des Buches Nur Hannah. (ISBN: 9783991298427)
    Isabella Maria Kern

    Nur Hannah.

    (31)
    Aktuelle Rezension von: Pimpy2502

    Kloster oder Psychiatrie – vor dieser Wahl steht Hannah, bevor sie für ein Jahr zu ihrer Tante Rosalia in ein italienisches Kloster zieht, die dort als Nonne lebt. Es scheint, als verbergen die Nonnen ein Geheimnis, das nicht nur den verbotenen Pavillon im Klostergarten umschließt. Hannah lebt sich nur schwer in Italien ein, nimmt mit Widerwillen am Klosterleben teil und trifft sich in ihrer freien Zeit mit Luca am Strand, der seine Beine bei einem Unfall verloren hat. Dabei ahnt sie nicht, dass jemand auf der Suche nach ihr ist und sogar eine Facebook-Gruppe gründet, die nach ihr sucht…


    Isabella Maria Kern hat mit „Nur Hannah“ eine Geschichte geschaffen, die mich echt sprachlos zurücklässt und auch Kopfschütteln blieb während des Lesens nicht aus. Anfangs war nicht klar, warum Hannah den Weg ins Kloster wählt – es sickert nur immer wieder durch, dass sie psychisch angeschlagen und ihre Lebensfreude abhandengekommen ist. Aber es fällt ihr nicht leicht, sich an die strengen Regeln des Klosters zu halten, einzig ihre Tante Rosalia gibt ihr Halt. Besonders bewegend fand ich, als Hannah auf Luca trifft, der durch einen Unfall seine Beine und somit auch seinen Mut verloren hat. Man merkt, dass sich die beiden gegenseitig guttun, sie miteinander aus ihrer Tristesse entfliehen können und sich unterstützen. Im Buch gibt es außerdem einen zweiten Erzählstrang, der widerspiegelt, was in Österreich und bei der Suche nach Hannah vor sich geht, die von dem ehemaligen Klassenkameraden Herbert initiiert wird. Als sich Rosalia schließlich ihrer Nichte öffnet und ihr von ihrer Vergangenheit erzählt, hatte ich Gänsehaut – das fand ich sehr emotional. Den Schreibstil von Isabella Maria Kern fand ich super, er war bildlich, hat das Kloster und die Landschaft sehr gut beschrieben und die Gefühlswelt der Protagonisten richtig greifbar rübergebracht. Ich fand außerdem das Thema, das im Buch als Hannahs „Geheimnis“ verarbeitet wird, ergreifend und wichtig. Es ist etwas, das in der heutigen Zeit leider noch immer von der Gesellschaft an den Rand gestellt und beschwiegen wird. Toll, dass Isabella Maria Kern Betroffenen eine Stimme gibt und darauf aufmerksam macht. Von mir bekommt dieses Buch 5* und von Herzen eine Leseempfehlung.


  6. Cover des Buches Der Protektor: Liebesroman (Männer des Nordens, Band 1) (ISBN: 9798356174773)
    Elin Peer

    Der Protektor: Liebesroman (Männer des Nordens, Band 1)

    (5)
    Aktuelle Rezension von: eLieschenO

    Etliche Hundert Jahre in der Zukunft, nach einem Giftkrieg, haben sich die letzten Menschen in zwei Gebiete aufgespalten: Die Mutterländer eher im Süden, vorwiegend bewohnt von Frauen und wenigen Männern und im Norden, die Nordmänner. Die beiden Völker haben Friedensverträge aber leben sonst sehr separiert von einander, weil sie ihre Weltanschauung nicht teilen. Als in den Nordländern eine Ausgrabung gefunden wird, soll die Archäologin Christina aus den Mutterländern gesandt werden. Vorort muss nach Nordländer-Sitten ein Beschützer, ein Protektor, für sie gestellt werden. Diese Aufgabe soll Alexander Boulder übernehmen. 

    Es ist natürlich von vorneherein klar, wie die Geschichte ausgeht - das amüsante beim Lesen sind die Diskussionen und Streitereien der Figuren. Die Satire ist klasse gelungen: Die Frauen der Mutterländer halten sich für weltoffen, liberal, sanft, freundlich. Währenddessen leben die Männer im Norden teilweise so, wie man sich Wikinger vorstellt. Die Männer denken, die Mutterländer sind verweichlichte Mimosen, die Mutterländer glauben, die Nordmänner wären alles brutale Barbaren. Alles ist überspitzt dargestellt und lädt zum Schmunzeln und Lachen ein. Es werden so viele Klischees und Vorurteile bedient, das ich mich immer wieder umentschieden habe, in welchem Volk ich lieber leben wollte...

  7. Cover des Buches Sexuell verfügbar (ISBN: 9783548061016)
    Caroline Rosales

    Sexuell verfügbar

    (24)
    Aktuelle Rezension von: 0_storytime_0

    Wenn man schon die ein oder andere Lektüre zum Thema Feminismus gelesen aht, birgt dieses Buch sicherlich noch ein paar andere Sichtweisen, als Einstieg in die Thematik würde ich es allerdings nicht emfehlen. Definitiv ein wichtiges Buch, auch wenn mir an manchen Stellen etwas Selbstkritik gefehlt hat.  

  8. Cover des Buches Die Rosa-Hellblau-Falle (ISBN: 9783888979385)
    Almut Schnerring

    Die Rosa-Hellblau-Falle

    (10)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    Aber das sind doch nur Farben, die tun doch nichts, wie kann man nur so kleinlich sein? Diese Repliken kommen noch häufig, wenn die Vermeidung von Rollenklischees angemerkt wird.

    „Die Rosa-Hellblau-Falle“, dieser Begriff ist so naheliegend für das gesellschaftliche Phänomen, in dem wir stecken: Der Sexismus, der alle Geschlechter einschränkt. Ich finde es immer wieer erstaunlich, dass erst das Autor:innen-Duo Almut Scherring und Sascha Verlan mit ihrem gleichnamigen Buch von 2014 diesen Begriff geprägt haben. Ich habe in den letzten Jahren viel von den beiden gehört und gelesen und bin nun auch endlich dazu gekommen, ihr Buch zu lesen.

    Es sind eben nicht nur Farben, wie das Buch zeigt, sondern ganz bestimmte Rollenerwartungen, die damit verknüpft werden. Mädchen und Frauen sollen anschmiegsam sein, Jungs und Mädchen hart und stark. Und die Falle wirkt sich auf viele Bereiche aus: Ernährung und Über- bzw. Untergewicht, Adultismus von Kindern, Stringtangas und Push-up-BHs in Größe 116, ungerechte Bezahlung, Schulerfolg oder -misserfolg. Den Kindern wird da wenig Spielraum gelassen und im Klamottenladen kommt man auch als Eltern der Falle kaum aus. Andere Länder gehen zumindest in Bezug auf die Werbung längst aktiv dagegen vor:

    „In Norwegen gibt es bereits seit 1978 ein Verbot von geschlechtsdiskriminierender Werbung, auch in Irlang Norwegen, Schweden, Dänemark und Finnland, Kroatien, Griechenland, Portugal und Spanien. Doch für Deutschland ist keine gesetzliche Regelung in Aussicht.“

    Das ist 2020 leider immer noch so. Im Werberat sitzen nicht mal Pädagogen oder Entwicklungspsychologen, so verwundert es nicht, dass mit „Ironie“ argumentiert wird. Aber wie sollen die 5-, 7- oder 11jährige Kinder dechiffrieren, wenn wir das als Erwachsene nicht immer schaffen? Das Autor:innen-Duo ist auch privat ein Paar und greift immer wieder auf ihre persönlichen Erfahrungen mit den drei Kindern zurück und zeigen damit, dass es eben nicht reicht, wenn man als Eltern bewusste Kaufentscheidungen trifft oder gegen diese Genderbilder ankämpft, wenn Marketing und Gesellschaft die immer gleichen rosa-hellblauen Bilder reproduzieren.

    Das Buch bringt immer wieder Meinungen und Sätze aus der Hölle, wie vom Leiter eines international erfolgreichen Marktforschungsinstituts oder von einer Münchner Mutter, die ihre 5jährige Tochter bei einem Beautysalon speziell für Kinder angemeldet hat:

    „Ich find’ das schön, dass man das auch mal gemeinsam machen kann und die Mädels an das Thema so sanft herangeführt werden, also sich zu pflegen und hübsch zu machen.“

    Inhaltlich ist das Buch leider immer noch aktuell, manches hat sich aber sogar meiner Meinung nach seit 2014 noch verschärft. Die feministische Antithese „Germany’s next Topmodel“ wird zwar stark beleuchtet, Instagramer:innen und Influencer:innen aber noch kaum. 

    Das Sachbuch lässt sich schnell und unkompliziert lesen, obwohl die Autor:innen oftmals Bezug zur Forschung nehmen. Ihr toller Schreibstil macht auch immer wieder die Absurdität der Rosa-Hellblau-Falle deutlich. Lässt sich schnell lesen. Ich persönlich habe jetzt nicht so viel Neues mitgenommen – und das Buch dennoch sehr gerne gelesen.

    Als Grundlagenwerk für das Thema Gendersensibilität vergebe ich 4,5 von 5 Sternen.

  9. Cover des Buches Oh Boy, oh Girl! (ISBN: 9783442175840)
    Evelyn Holst

    Oh Boy, oh Girl!

    (13)
    Aktuelle Rezension von: schnaeppchenjaegerin
    "Oh boy, oh girl" ist ein amüsantes Sachbuch, das die Unterschiede zwischen Mann und Frau aus der persönlichen Sicht von York Pijahn und Evelyn Holst darstellt.

    Die Kolumne von York Pijahn in der Zeitschrift Myself, "100 Zeilen Liebe", verfolge ich jeden Monat. Aufgrund seines Charmes und des selbstironischen Humors wollte ich ein ganzes Buch von Pijahn lesen.

    Die beiden Journalisten schildern in der "Gebrauchsanleitung für Männer und Frauen" ihre persönlichen Erfahrungen mit dem anderen Geschlecht in 24 Kapiteln. So werden die unterschiedlichen Charaktereigenschaften und Verhaltensweisen von "typischen" Männern bzw. Frauen von Kindesbeinen bis ins hohe Alter beschrieben.
    Dabei werden zahlreiche altbekannte Klischees bedient, wie shoppende Frauen, leidende Männer, unterschiedliche Ansichten in Sachen Hygiene im Haushalt etc., die dem Leser zwar keine neuen Informationen bieten, aber dennoch zum besseren Verständnis des anderen Geschlechts beitragen können, indem man vieles einfach nicht so ernst sehen darf.

    Jede Frau und jeder Mann wird sich selbst mit dem Buch bzw. den Partner oder Ex-Partner an der ein oder anderen Stelle wiederfinden und über sich selbst lachen können.

    Die recht unterhaltsame Darstellung der geschlechtsspezifischen Unterschiede wird am Ende eines jeden Kapitels durch Experteninterviews zum entsprechenden Thema ergänzt, so dass zur rein persönlichen Meinung von Pijahn und Holst auch wissenschaftliche Aspekte zum Tragen kommen.

    "Oh boy, oh girl" ist weniger als ernsthafter Ratgeber in Beziehungsfragen zu gebrauchen und enthält auch nichts wesentlich Neues, erklärt jedoch auf humorvolle Art den alltäglichen Kampf der Geschlechter und ist deshalb auch als Geschenkbuch für das andere Geschlecht zu empfehlen.

    Die monatliche Kolumne von York Pijahn empfinde ich dennoch als pointierter und witziger als diese "Gebrauchsanleitung für Männer und Frauen".
  10. Cover des Buches Wütende Bärin (ISBN: 9783961941827)
    Ingebjørg Berg Holm

    Wütende Bärin

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Der hohe Norden, der Polarkreis: ihn umgibt eine Faszination, die verschiedenen Formen von Ehrfurcht entspringt, gepaart mit einem Wunsch nach dem Abseits, der Einfachheit. Wie alle unwirtlichen, für den Menschen eher lebensfeindlichen Gegenden, verknüpft man ihn mit Archaischem, dem Mythos vom Mangel als Fülle. Hier, in der unbeherrschten Natur, soll uns Menschen unser eigentliches Kerngeschäft glasklar vor Augen stehen: das nackte Überleben.

    Der Roman von Ingebjørg Berg Holm ist subtil vom Wesen des Polarkreises durchdrungen, erschöpft sich aber darin nicht. Es ist kein Buch für leicht zu verstörende LeserInnen, den die abwechselnd aus drei Perspektiven (zwei Frauen, ein Mann) erzählte Geschichte, geht an (und über) Schmerzgrenzen, wenn es um Kinder (& postnatale Depression), Männlichkeit, sexuelle Obsessionen, Lügen, Selbsthass und einiges andere geht.

    Es ist berauschend, dann wieder ernüchternd, dann wieder intensiv und bald erbarmunswürdig, wie die drei Menschen versuchen, ihre Ängste unter Kontrolle zu kriegen, miteinander umzugehen, ihre Agenda durchzusetzen und dabei zwischen tiefer Verunsicherung und blindem Eifer über ihr Leben und das Dasein generell reflektieren.

    Wer ein Buch sucht, dass sich mit den Cruxen von Männlichkeit und Mutterschaft, mit der eher schleichend einsickernden als brachialen Problematik rund um diese beiden Themen beschäftigt, der ist hier auf jeden Fall fündig geworden. Und wird das ganze auch noch spannend und vielschichtig aufbereitet finden. 

  11. Cover des Buches Das Spiel mit der Angst (ISBN: 9783518467848)
  12. Cover des Buches Außer sich (ISBN: 9783518469262)
    Sasha Marianna Salzmann

    Außer sich

    (93)
    Aktuelle Rezension von: Tatiana_

    "Außer sich" habe ich vor einigen Jahren gelesen und hier im Titel steht mein Erlesnis, ausführlich formuliert: Ich habe in Erinnerung, dass ich bei der Lektüre sehr intensiv gespürt habe, wie es sich anfühlt, nach dem Selbst zu suchen, wenn es aus diversen Gründen - die wie immer nicht allein bei der* Protagonist*in liegen - echt kompliziert ist, bleibt und wird..


  13. Cover des Buches Mein Schatten ist pink (ISBN: 9783649639961)
    Scott Stuart

    Mein Schatten ist pink

    (23)
    Aktuelle Rezension von: kleine_buecherwuermchen

    In Reimen wird die Geschichte eines Jungen erzählt, dessen Schatten pink ist und andere Dinge mag, als die blauen Schatten seines Papas oder Opas. Sein Vater meint, es ist eine Phase und geht vorbei. Am ersten Schultag soll er sein Lieblingsoutfit anziehen und geht daher in einem Kleid in die Schule. Dort wird er dann angestarrt. Er ist ganz bedrückt, doch siehe da, sein Papa hat auch ein Kleid angezogen und am nächsten Tag gehen sie gemeinsam in ihren Kleidern in die Schule und er findet zwei Freunde.

    Der Autor wurde zu dieser Geschichte von seinem eigenen Sohn inspiriert, da dieser mit drei Jahren ein großer Fan der Eiskönigin war und er einmal ganz enttäuscht aus dem Kindergarten nach Hause kam, weil ein anderes Kind gemeint hat, die Eiskönigin sei nur für Mädchen.

    Meine Erfahrung/Meinung:
    🙂
    Ich habe mich sofort in dieses Buch verliebt. Mir selbst wurde als Kind oft eingeredet, dass dies und das nur für Jungs sei und ich habe es damals schon mega doof und unfair gefunden. Die Botschaft, dass jedes Kind bzw. jede Person so ist, wie sie ist und alles mögen darf, was sie will, finde ich unheimlich wichtig und solche Geschichten bestärken die Kinder darin, so zu sein wie sie nunmal sind. 🥰 Das der Papa in der Geschichte nach anfänglichen Sorgen zum Schluss dann voll und ganz hinter seinem Kind steht, finde ich auch wunderschön. 🥰 

  14. Cover des Buches Brüste (ISBN: 9783608502497)
    Linus Giese

    Brüste

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    n dem Film Notting Hill gibt es eine Szene, in der Julia Roberts und Hugh Grant nackt im Bett liegen (er oberkörperfrei, sie bedeckt, of course). Sie kommen auf Brüste zu sprechen und die Figur von Roberts sagt, paraphrasiert, dass sie das ganze Gewese nicht verstehe. Jeder zweite Mensch habe Brüste. Warum also dieser Aufstand. Ja, meint die Figur von Grant, hmm, er müsse noch mal nachsehen, lüftet die Decke. Gibt einen Kommentar ab, einen zurückhaltend-schmeichelhaften – der dennoch die vorangegangene Frage auf gewisse Weise relativiert.

    Brüste sind überall. Auch ohne das Internet und die Werbung wären sie überall, wo Körper sind. Es gibt eigentlich kaum etwas Gewöhnlicheres. Und doch gibt es kaum etwas, dass in der westlichen Kultur einen solchen Symbolwert hat, das unentwegt anhand von Vorkommnissen und Bildern gehypt und ausgeschlachtet wird. Kultur wird manchmal als der Spiegel einer Gesellschaft bezeichnet. Wenn dem so ist, müssen wir beim Thema Brüste aber von einem Zerrspiegel sprechen (außer man*frau will das Patriarchat sehen, dann ist dieser Spiegel sehr akkurat. Das Patriarchat will Brüste sehen. Ihre Verfügbarkeit zum einen und die Kontrolle über ihre Darstellung – Ikonographie könnte man*frau fast sagen – zum anderen, muss gesichert sein. Wie definiert sich der cis-Mann? Er mag Brüste, er ist auf sie fixiert und wünscht genug Gelegenheiten, sie anzuglotzen...)

    Diese Verzerrung, die Brüste (vor allem deren Nippel) als hypersexuelle Marker inszeniert, als Verkörperung und Aufforderung von/zur Sexualisierung (mit all dem forcierten Schamgefühl und der Entpersonalisierung, die damit einhergeht), kontert diese Anthologie mit Beiträgen, die sich mit dem Thema Brüste auf einem viel breiteren Spektrum an Sichtweisen auseinandersetzen. Nicht nur mit der Phantasie, dem Fetisch, sondern mit der ganzen Realität, wozu neben der ständigen Objektifizierung Dinge wie Stillen, Brustkrebs, Befremden und vieles andere gehört. 

    Was in den Texten klar wird (und vermutlich allen klar sein sollte) ist, dass es ungeheur schwer ist, als Person mit Brüsten ein gutes Verhältnis zu ihnen zu haben (zumindest wenn man sich nicht bedingungslos (männlichen) Narrativen unterwerfen will). Ja, dass man überhaupt ein Verhältnis zu ihnen haben muss, kann als Zwang bezeichnet werden. Müssen Männer ein Verhältnis zu ihrer Brustbehaarung haben?
    Auch von diesem Zwang sprechen die Beiträge und es ist umso mutiger, dass sie dennoch geschrieben wurden. Schon der Eingangstext von Daniela Dröscher fächert vieles auf (ich bin aber auch ein Fan der Bluets, dementsprechend mochte ich auch die Struktur des Textes). Wer @bettinawilperts take on Stillen mag (der auch einige schöne Anregungen enthält, sich mit der Ikonographie der stillenden Person in der Malerei auseinanderzusetzen; ich wollte eigentlich eines der Gemälde in den Fotos zeigen, aber, guess what...), kann sich direkt ihren neuen Roman "Die bärtige Frau" zulegen. Besonders berührt hat mich Linus Gieses Text über seine Mastektomie – ein Thema, das Angela Lehner und Kirsten Achtelik  ebenfalls in ihren Texten verhandeln, wenn auch jeweils unter anderen Bedingungen (Brustverkleinerung und Brustkrebs.)

    Miku Sophie Kühmels Text hat, wie so oft, eine sehr nahbare, einnehmende Präsenz, ohne gefällig zu wirken, ohne beliebig zu sein; ganz davon abgesehen, dass ich es mag, wie sie spannende Element aus der Popkultur extrahiert, hier aus One Piece. Poetisch, fragmental, geht es bei Biba Oskar Nass zu, derweil Nils Pickerts Text meine Herumlavierei von oben deutlich eloquenter auf den Punkt bringt. Sarah Bergers Text erfüllt mich gleichermaßen mit Scham und Hoffnung; Ambivalenz und klare Ansagen, aufs beste vermengt. @theaudreynaline erzählt unterhaltsam, heiter, aber auch mit viel Biss, von Drag, künstlichen Brüsten und warum man einen Scheiß auf manche Sachen geben sollte (nur nicht auf den sich ansammelnden Schweiß!) Michaela Dudleys Text wäre ein guter, launiger Abschluss gewesen. Denn den letzten Text von Antje Rávik Strubel empfand ich leider als den schwächsten. Vielleicht ist aber gerade diese Ernüchterung auch wichtig: Ist nun mal so!Lest dennoch! Entzerrt das Bild! Dieses Buch: that's what the fuzz should be about. And  also: not.

  15. Cover des Buches Don’t miss the Clitoris (ISBN: 9783458645702)
    Prof. Dr. Mandy Mangler

    Don’t miss the Clitoris

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Eric_Maes

    „I'm a genie in a bottle, baby, you gotta rub me the right way.“ – Christina Aguilera 

    „Ein Knöpfchen? Eine Perle? Oder doch eher eine Reiterin mit vier verborgenen Beinen auf dem Rücken der Vagina?“

    Hand aufs Herz, könntest du die Klitoris zeichnen – oder gehörst du auch noch zum Club der Ahnungslosen? Nach diesem Buch schon. Und danach wirst du dich fragen, warum dir das niemand viel früher erklärt hat. Es gibt Bücher, die unterhalten. Es gibt Bücher, die bilden. Und dann gibt es Bücher wie „Don't Miss the Clitoris – Eine Bedienungsanleitung“ von Deutschlands führender Frauenärztin. Dieses Buch ist ein wundervoller Höhepunkt zu einem Thema, was viele noch gar nicht kennen. 

    Dieses kleinformatige Softcover mit seinen 132 Seiten ist weit mehr als ein Sachbuch – es ist ein mutiges, kluges und wunderbar geschriebenes Manifest für Wissen, Gleichberechtigung und sexuelle Aufklärung.

    Schon der Einstieg macht klar, worum es geht: Wie zeichnet man eigentlich eine Klitoris? Eine verblüffend einfache Frage, an der erstaunlich viele Menschen scheitern würden. Genau dort setzt das Buch an und nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf eine faszinierende Reise durch Anatomie, Geschichte, Wissenschaft, Kultur und Sexualität.

    Die Autorinnen machen deutlich, dass die Klitoris über Jahrhunderte ignoriert, verschwiegen und gesellschaftlich an den Rand gedrängt wurde – obwohl sie das einzige Organ des menschlichen Körpers ist, das ausschließlich der Lust dient. Genau deshalb lautet ihre klare Botschaft, die Klitoris muss endlich auf die Bühne! Weibliche Lust ist nichts Obszönes. Sie ist menschlich, natürlich und verdient dieselbe Aufmerksamkeit wie männliche Sexualität.

    Besonders beeindruckt hat mich der lockere, humorvolle Schreibstil. Wissenschaftliche Studien, medizinische Fakten und aktuelle Forschung werden so verständlich erklärt, dass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Komplizierte Anatomie wird plötzlich kinderleicht verständlich. Dass Penis und Klitoris homologe Organe sind und aus demselben embryonalen Gewebe entstehen, beschreiben die Autorinnen herrlich anschaulich als „dasselbe Lego-Starterset“ – besser kann man Medizin kaum erklären.

    Ein echtes Highlight sind die wunderschönen Illustrationen, mit denen jedes Kapitel beginnt. Anatomie, Lage der Klitoris und das Zusammenspiel der Beckenorgane werden farbenfroh, modern und unglaublich verständlich dargestellt. Gerade die bildliche Darstellung macht das Buch zu einem perfekten Einstieg für alle, die sich bisher kaum mit diesem Thema beschäftigt haben.

    Spannend sind auch die Kapitel über die sogenannte Gender Orgasm Gap, also die wissenschaftlich belegte Orgasmuslücke zwischen Männern und Frauen. Die Autorinnen zeigen eindrucksvoll, warum Sex kulturell oft auf Penetration reduziert wurde – und weshalb dieses Verständnis weiblicher Sexualität schlicht nicht gerecht wird. Dass die Vagina eben nicht das eigentliche Lustorgan ist, sondern die Klitoris im Zentrum weiblicher Erregung steht, wird hier hervorragend erklärt.

    Besonders gelungen fand ich die Kapitel über Klitorisstimulation, G-Punkt, A-Punkt sowie das gesamte Organcluster aus Klitoris, Vagina, Blase und Uterus. Statt plumper Ratgebertipps liefern die Autorinnen wissenschaftlich fundierte, zugleich aber alltagstaugliche Informationen über Berührung, Kommunikation, Lust und gegenseitiges Verständnis. Dabei geht es nie um Leistungsdruck, sondern immer um Wissen, Neugier und Gleichberechtigung.

    Ebenso faszinierend sind die Erklärungen darüber, was beim Orgasmus im Gehirn geschieht. Oxytocin, Dopamin, Endorphine, Serotonin, Noradrenalin oder Prolaktin – plötzlich wird verständlich, warum Orgasmen Körper und Psyche guttun und weshalb sie Beziehungen stärken können. Auch Themen wie Beckenboden, neurochemische Prozesse, Solo-Sex, Sextoys und die gesundheitlichen Vorteile regelmäßiger Orgasmen werden offen, sachlich und angenehm unaufgeregt behandelt.

    Ein sympathisches Augenzwinkern beweisen die Autorinnen mit der vorgeschlagenen 1:1-Regel für Paare sowie mit dem augenzwinkernden Klitoris-Kompetenz-Zertifikat am Ende des Buches. Nach dem Klitoris-Quiz darf man seine neue Kompetenz sogar offiziell bescheinigen – oder, wie die Autorinnen scherzhaft empfehlen, gleich ins Dating-Profil stellen. Humor und Wissenschaft schließen sich hier überhaupt nicht aus – im Gegenteil.

    Für mich ist dieses Buch ein echter Meilenstein der sexuellen Aufklärung. Es gehört eigentlich nicht nur ins Bücherregal, sondern genauso in Schulen, in die Sexualpädagogik, in die Ausbildung von Gynäkologie, Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern sowie in jede Partnerschaft. Es hilft dabei, dem sexuellen Analphabetismus etwas entgegenzusetzen und endlich jene Wissenslücken zu schließen, die Generationen von Menschen mit sich herumgetragen haben.

    „Wissen ist das einzige Gut, das sich vermehrt, wenn man es teilt.“ Genau dieses Motto lebt dieses Buch auf jeder einzelnen Seite.

    Mein Fazit, dieses kleine Buch hat das Zeug dazu, den Blick auf weibliche Sexualität nachhaltig zu verändern. Informativ, humorvoll, wissenschaftlich fundiert, wunderbar illustriert und herrlich verständlich geschrieben. Ganz klare Leseempfehlung – für Frauen, Männer, Paare, Singles und alle, die endlich mehr über das faszinierende Klitoversum erfahren möchten.

    5 von 5 Lustfunken! Manche Bücher erweitern den Horizont – dieses hier erweitert das Körperwissen einer ganzen Gesellschaft.

    Wissen macht sexy – Unwissen war gestern!

    „Und nach dem Höhepunkt folgt der Afterglow …“

    „I feel like I've been locked up tight for a century of lonely nights waiting for someone to release me.“ – Christina Aguilera

  16. Cover des Buches Alles dazwischen, darüber hinaus (ISBN: 9783709982389)
    Maë Schwinghammer

    Alles dazwischen, darüber hinaus

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Gerade (bin spät dran) ausgelesen. Ein berührender Roman, über viele Strecken geradezu intim, aber auch anschaulich, ohne je unauthentisch zu wirken.

    Ich wünsche mir mehr Bücher, die mit so viel Ruhe ihr Sujet entfalten. Vor kurzem gings in meinen Storys um die (absurde) Behauptung, dass es keine Literatur mehr für junge Männer gäbe. Mal abgesehen davon, dass man sich nach der Lektüre von Büchern wie diesem hier das starre Geschlechterdenken eh abgewöhnen will, ist "Darüber hinaus" ein weiteres Beispiel für ein Buch, dass diese These Lügen (oder zumindest Naivität) straft. Es ist ein Buch, dass junge Menschen lesen könnten, sollten; dass ihre Lebenswelt auf jeden Fall betrifft; mehr als sie vielleicht glauben, wenn sie nur den Klappentext lesen. 

  17. Cover des Buches Die andere Welt (ISBN: 9783453360532)
    Julie Cohen

    Die andere Welt

    (47)
    Aktuelle Rezension von: Lisi_Wirth

    In diesem Buch werden zwei Geschichten gleichzeitig erzählt. Louis ist männlich, hat Probleme mit seiner Frau und kehrt nach Hause zurück um die Mutter zu pflegen. Louise lebt mit ihrer Tochter alleine und kommt auch nach Hause um ihre Mutter zu pflegen. Es werden beide Lebensgeschichten nebeneinander erzählt. Handelt es sich um die gleichen Personen? Ist etwas schwierig zum Herausfinden.

  18. Cover des Buches Sex Story (ISBN: 9783442757442)
    Philippe Brenot

    Sex Story

    (38)
    Aktuelle Rezension von: le_petit_renard

    In diesem Buch werden alle Fakten der Geschichte der Sexualität in einer Art Comic gezeigt. Beschrieben werden Praktiken, Herausforderungen rund um das Thema - insbesondere die Rolle der Frau und auch die Homosexualität werden veranschaulicht. Ein interessantes und lehrreiches Buch, aber eben keine Standardlektüre. Die Comiczeichnungen sind lustig gemacht und stellen auf anschauliche Weise das Wissen dar. Die Zeichnungen selbst sind sehr gelungen und bietet sicherlich Inspiration für das ein oder andere Künstlerherz. Dabei sind die Zeichnungen nicht anstößig - was doch eine Kunst bei dem Thema an sich ist. Insgesamt fand ich die Idee des Buches nett, mal was anderes - aber für 5 Sterne hat es mich nicht ganz überzeugt. Daher sehr gute 4 Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die sich in der Geschichte zu Sexualität weiterbilden wollen.

  19. Cover des Buches What Works: Gender Equality by Design (ISBN: 9780674986565)
  20. Cover des Buches Florian (ISBN: 9783949315176)
    J.R. Ford

    Florian

    (14)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    Es ist so einfach:

    „Seit ich denken kann, weiß ich, dass ich ein Junge bin.“

    Dieses wundervolle Kinderbuch zeigt Florians Weg, wie er auch öffentlich zu Florian wird. Die Eltern unterstützen ihn dabei liebevoll. Trans Kinder können sich hier angenommen fühlen, alle anderen können sich einfühlen: Alle dürfen so sein, wie sie sein wollen. 

    Eigentlich keine große Sache, aber das Allerwichtigste überhaupt.

    Das i-Tüpfelchen: Linus Giese übersetzte das Buch.

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