Bücher mit dem Tag "gesellschaftskritisch"
88 Bücher
- Suzanne Collins
Die Tribute von Panem 1. Tödliche Spiele
(17.956)Aktuelle Rezension von: Quilla3Endlich habe ich es geschafft, diese Reihe zu beginnen! Bislang kannte ich nur den ersten Film, habe den aber bestimmt zwei oder drei Mal gesehen, so dass mir das Meiste noch recht präsent war.
Ich habe es richtig genossen, die Hintergründe genauer zu erfahren und vor allem in Katniss' Gedanken - und Gefühlswelt abzutauchen. Während der Spiele stellt sie viele Überlegungen an, von denen man im Film nichts mitbekommt. Ich finde, dass die Autorin diese sehr gut und angemessen schildert, ohne dass es, wie so oft in Büchern, in repetitive innere Monologe abdriftet.
Generell finde ich Katniss als Protagonistin großartig. Sie ist nicht übertrieben badass, aber trotzdem sehr tough und gleichzeitig werden auch ihre Ängste, Ambivalenzen und Zweifel spürbar. Das hat sie für mich greifbar und authentisch gemacht.
Insgesamt hat mir der Schreibstil richtig gut gefallen und auch wenn ich langsam gestartet bin und das Buch immer gut weglegen konnte, so hat es mich am dritten Tag dann dermaßen gepackt, dass ich es noch bis in die Nacht hinein zu Ende gelesen habe.
Ich freue mich jetzt richtig darauf, direkt den nächsten Band zu starten und alle hintereinander weg lesen zu können! Große Empfehlung an alle, die Dystopien lieben!
- Ursula Poznanski
Erebos (Limited Edition)
(3.817)Aktuelle Rezension von: MrsHetfieldIch finde, bei dieser Autorin Ursula Poznanski kann man nicht viel falsch machen, deshalb habe ich diesen Roman gleich in einem Rutsch gelesen und wie erwartet, gefällt er mir mega gut! Spannend von vorne bis hinten und trotz der fiktiven Einschlüsse in der Geschichte ist er so aktuell wie nie, in Zeiten, in denen die Menschen sich mehr mit ihren technischen Spielereien als mit dem realen Leben und ihrer Umgebung befassen. Absolut spannend, sehr gut geschrieben und sehr empfehlenswert!
- Sebastian Fitzek
Noah
(2.130)Aktuelle Rezension von: ButtaIch muss zugeben,dass es ein paar sehr wahre und interessante Aspekte hatte und obwohl Überbevölkerung und die Reichen etc immer wieder Thema sind, gab es keine wirkliche Lösungsalternative zu den Problemen. Dafür hatte ich wieder das Gefühl als wären andere bekannte Ideen in einem Mixer gepackt worden und das kam dabei raus. Davon mal abgesehen, dass mal wieder kein Charakter sympatisch war, fand ich die Frauendarstellung Len auch alle fragwürdig oder dürftig. Es hat sich alles unlogisch und chaotisch angefühlt, die zeitliche Abfolge unrealistisch, es ist zu überladen und was mit Oskar war fand ich auch unnötig. Für mich ist ein interessantes Grundkonzept nicht nur schlecht umgesetzt worden sondern auch in eine schwurblige Richtung voller Verschwörungstheorien samt zwillingstrope, eine seltsame Krankheit und diese Vater-Sohn Sache abgedriftet. Hat mir wirklich nicht gefallen und diese Musik CD die dabei war wirkte auch echt experimentell.
- Marie Lu
Legend (Band 1) - Fallender Himmel
(2.299)Aktuelle Rezension von: MaggieMausWow !! Ab dem ersten Kapitel hatte mich das Buch schon in seinen Bann gezogen.
Eine unglaublich packende Geschichte über June und Day, zwei Menschen, die sich eigentlich nicht mögen sollten.
Viel Charaktertiefe, gute Wendungen, spannende Story! Ich fange sofort den zweiten Teil anSowas habe ich lange vermisst :) danke !
- Sebastian Fitzek
Das Joshua-Profil
(1.442)Aktuelle Rezension von: Alina35Das Joshua‑Profil ist ein rasanter Thriller, der von der ersten Seite an fesselt. Die Idee eines Systems, das zukünftige Straftaten vorhersagt, ist packend umgesetzt, und die Handlung bleibt durchweg spannend. Einige Wendungen wirken etwas konstruiert, insgesamt ist die Geschichte aber klug aufgebaut und hält die Spannung bis zum Schluss.
- Graeme Simsion
Das Rosie Projekt
(1.480)Aktuelle Rezension von: ninzi-jh»Das Rosie-Projekt« von Graeme Simsion hat mich tatsächlich sofort angesprochen und blieb bis zur letzten Seite ganz auf meiner Wellenlänge. Ich muss dazusagen, dass ich nicht die vereinfachte Variante gelesen habe, sondern die normale. Bewerten kann ich hier aber leider nur die Ausgabe in einfacher Sprache. Die normale Version hat mir sprachlich sehr gut gefallen und ich kann nur vermuten, dass durch die Vereinfachung viel von ihrem ganz speziellen Charme verloren geht.
Erzählt wird eine sehr ungewöhnliche gewöhnliche Liebesgeschichte, denn obwohl alle möglichen Klischees bedient werden, ist dieses Buch überhaupt nicht klischeehaft. Mir gefällt, wie der Hauptcharakter eigentlich alles Erdenkliche verkehrt macht und ausgerechnet dadurch bei seiner Rosie landet, die absolut falsch und damit genau richtig für ihn ist. Er wirkt dabei echt, sehr sympathisch und schräg zugleich und hat mich stark an Dr. Sheldon Cooper aus The Big Bang Theory erinnert.
Er ist anders als andere. Auch ohne exakte Diagnose wird klar, dass er wohl irgendeine Form von Autismus hat. Trotzdem - oder gerade deshalb? - wächst er über sich selbst hinaus. Dieser Grundgedanke ist schön: Jeder ist irgendwo anders, jeder beugt sich an irgendeiner Stelle Konventionen, die eigentlich gar nicht seiner Natur entsprechen. Bei ihm muss das eben auf stärkere Art und Weise passieren. Obwohl Don »anders konfiguriert« ist, wie er es nennt, ist er in der Lage, in Liebesdingen ebenso unbeholfen zu sein, wie der Rest der Menschheit.
Genau das hat mich berührt und wird mir in Erinnerung bleiben. Band 2 steht jetzt auf meiner Wunschliste...
- Cecelia Ahern
Flawed – Wie perfekt willst du sein?
(1.199)Aktuelle Rezension von: Books_of_sanMir hat der erste Teil dieser Dystopie sehr gefallen und ich freue mich auf Band zwei. Das System, welches hier geschildert wurde, ist gut durchdacht und die ganzen politischen Intrigen machen es umso spannender und unvorhersehbarer. Man hat jeden wegen irgendetwas im Verdacht und fragt sich welche Überraschung nun als nächstes folgt. Absolute Leseempfehlung!
- Stephen King
Sleeping Beauties
(272)Aktuelle Rezension von: koechlWas würde wohl passieren, wenn plötzlich alle Frauen und Mädchen der Welt in einen tiefen Schlaf versinken, sich in Kokons verpuppen und die Männer, etwas auf sich allein gestellt, zurück lässt?
Stephen und Owen King haben mit diesem Roman, eine wahrlich gelungene und leider auch sehr leicht zu glaubende Situation beschrieben, die einem selbst nach Abschluss des Buches, noch für längere Zeit begleiten wird. Der Geschlechterkampf Mann gegen Frau ist überall present, doch im Vergleich zur Realität, kann man bei Sleeping Beauties ruhig und entspannt, beide Blickwinkel in Augenschein nehmen und sich so, Seite für Seite eine Meinung bilden. Doch selbst dann sollte man stets bedenken, was man selbst falsch oder richtig findet, kann fürs Gegenüber genau das Gegenteil sein. Aber trotzdem ist das Gute oder das Böse weder männlich noch weiblich, sondern schlicht _menschlich_
Zum Schluss möchte ich noch mein liebstes Zitat, aus diesem Buch, mit euch teilen:
"Sag nicht Pussy, wenn du damit was meinst, was schwach ist. Wenn deine Mutter dir das nicht beigebracht hat, hätte sie's tun sollen." - Kelly Oram
Cinder & Ella
(1.695)Aktuelle Rezension von: Stacy_Ich habe dieses Buch geliebt, ich konnte so mit Ella und Brian mitfühlen. Es kam mir so echt vor. Diese Zweifel und Angst die Ella hat, einfach toll geschrieben.
Die Geschichte ist einfach ein Mädchen Traum.
Ich habe dieses Buch kaum aus den Händen nehmen können. Es wurde so stimmig und auch nicht zu lang gezogen geschrieben.
Die Autorin schreibt aber auch super krass.
Hab dann gleich das 2 gekauft und genauso durch gesuchtet.
- Martin Suter
Elefant
(317)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeIm Mittelpunkt der Geschichte steht ein sehr kleiner rosa Elefant, der im Dunkeln leuchtet, 40cm lang und 30cm hoch. Er ist eine Genmanipulation des Forschers Dr. Roux, der mit der Züchtung leuchtender Haustiere als Luxusspielzeug den großen Reibach machen möchte. Mit diesem kleinen Elefant geht es für ihn um Alles. Aber das kleine Tierchen gerät über Umwege in den Unterschlupf des Obdachlosen Schoch. Zusammen mit der Tierärztin Valerie Sommer versuchen sie, den kleinen Elefanten zu retten. Doch nicht nur Dr. Roux und sein chinesischer Kompagnon suchen nach dem Elefanten, sondern auch der burmesische Elefantenführer Kaung, der die kleine Elefantenkuh nach deren Geburt versteckt hat und in ihr ein heiliges Wesen sieht.
Der Schreibstil des Autors ist gewöhnungsbedürftig. Viele kurze Sätze, fast schon im Nachrichtenstil. Auf den ersten Blick ungewohnt zu lesen, aber interessanterweise eloquent und flüssig. Von Beginn an zieht der Autor den Spannungsbogen hoch und bis auf wenige kurze Längen gelingt es ihm, diesen zu halten. Schade ist aber, dass Gut und Böse von vornherein klar erkennbar und vorhersehbar sind. Etwas zu einseitig werden die Charaktere dargestellt und etwas zu sehr getrimmt, auf das, was sie gesellschaftlich widerspiegeln solle. Dazu kommt etwas burmesische Exotik und auch die Liebe darf nicht fehlen und schon ergibt es ein völlig unerwartetes Buch.
Mein Fazit: Auch wenn ich die Story durchaus etwas zu seicht, etwas zu schwarz und weiß empfand, habe ich das Buch in kürzester Zeit durchgelesen und mich in den kleinen Elefanten verliebt. Das Buch war definitiv mal etwas Anderes und nicht meine letzte Lektüre des Autors.
- Mary Shelley
Mary Shelley, Frankenstein. Ein Schauerroman
(640)Aktuelle Rezension von: Susi180Mary Wollstonecraft Shelley (1797–1851) wurde im englischen Somers Town geboren. 1814 folgte sie dem Dichter Percy Bysshe Shelley auf den Kontinent und lebte dort mit ihm zusammen. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete sie ihn 1816. Gemeinsam mit Lord Byron unternahmen beide eine Schweizreise, während der der Roman »Frankenstein« entstand. Percy Shelley starb bereits 1822; daraufhin kehrte Mary Shelley nach England zurück und widmete sich ganz der Herausgabe der Werke ihres Mannes.
Meine Meinung:
Endlich habe ich dieses Buch gelesen. Was war das für ein Projekt. Ich hatte es so oft angefangen, und dann immer wieder zu Seite gelegt. Es hat einfach nie gepasst von der Stimmung. Jetzt aber, habe ich es beendet.
Am Anfang kam ich überhaupt nicht rein. Ich kam mit der Sprache nicht so gut zurecht. Was keinesfalls heißt, das diese schwierig zu lesen ist. Aber es was einfach nicht meins. Und dann kam der Moment, wo ich richtig Lust hatte das Buch zu lesen. Ich muss allerdings dazu sagen, ich hatte vorher den Film geschaut.
Wenn man die Geschichte erst mal auf sich wirken lässt, die Figuren ins Herz geschlossen hat, erwartet einen hier was sehr emotionales. Und das hätte ich ja gar nicht erwartet. Es ist eben nicht das Böse, sondern eigentlich das was uns Menschen ausmacht und wonach wir uns sehnen. Liebe und Zuwendung.
Das Buch hat mich am Ende wirklich begeistert. Und wenn man mal überlegt, wie alt diese Geschichte schon ist. Wahnsinn, wie aktuell doch die Thematik. Das Buch hat eine klare Botschaft die mich wirklich mitgerissen hat. Ein Klassiker der nichts an seiner Stärke verloren hat. Ich kann nur sagen, haltet auf den ersten Seiten durch, es lohnt sich. Und am Ende lies es sich super flüssig lesen.
- Tess Gerritsen
Die Chirurgin
(2.026)Aktuelle Rezension von: MarigoldMit „Die Chirurgin“ hat Tess Gerritsen mich von der ersten Seite an gepackt. Die Geschichte ist spannend, düster und stellenweise nichts für schwache Nerven. Die Morde werden detailliert beschrieben, was die Atmosphäre sehr intensiv macht, ohne dabei die eigentliche Handlung zu überlagern.
Besonders gut gefallen hat mir die Ermittlungsarbeit. Die Suche nach dem Täter war durchgehend interessant und hat dafür gesorgt, dass ich ständig mitgerätselt habe. Auch die medizinischen Hintergründe wirken authentisch und verleihen der Geschichte zusätzliche Glaubwürdigkeit.
Für mich war dieses Buch ein rundum gelungener Thriller mit hohem Spannungsfaktor. Nach der letzten Seite stand direkt fest, dass ich die Reihe unbedingt weiterlesen möchte. Wer spannende und eher düstere Thriller mag, sollte diesem Buch eine Chance geben.
- Morton Rhue
Morton Rhue "Die Welle", Literaturseiten
(2.337)Aktuelle Rezension von: schnegge1998Wenn man an die heutige Zeit in der Schule denkt, wird wohl jeder sagen, dass mehr Disziplin und Respekt den Schülern gut tun würden. Dementsprechend finde ich das Buch sehr beeindruckend, wie schnell sowas aber auch ein anderes Format einnehmen kann. Das buch ist sehr gut geschrieben und kann den ernst der Lage gut rüberbringen. Den Film finde ich jedoch noch besser, deswegen ziehe ich ein Punkt ab.
- Tonio Schachinger
Echtzeitalter
(146)Aktuelle Rezension von: Trishen77
Ich bin immer wieder verblüfft, dass Bücher, obwohl sie im Gegensatz zu anderen Medien keinen unserer Sinne direkt stimulieren, in der Lage sind, eine ganze Welt, ein Erleben wieder gegenwärtig/erfahrbar zu machen – und auch das Empfinden, das damit einherging (und -geht).
Ich habe Tonio Schachingers zweiten Roman innerhalb von zwei Tagen gelesen – und würde dennoch behaupten, dass es ein Buch ist, auf das man sich einlassen muss. Das klingt wie ein Widerspruch und ist vielleicht auch einer; aber dann einer, der für mich unterstreicht, wie gut das Buch ist.
Es erzählt die Geschichte eines Schülers (Till) an einem alteingesessenen Wiener Gymnasium und sein Erwachsenwerden im Kontext von Schikane, Verlieben, Ängsten, Wünschen, etc. (Pubertät, könnte man sagen) und Age of Empires 2. Aber es ist mehr als das. Nicht nur eine Coming-of-Age-Story, sondern auch eine gekonnt inszenierte education sentimentale.
Das zeigt sich schon im Stil, im Satzbau. Der wechselt zwischen einem gewöhnlichen Erzählduktus und einer differenzierten Ausformulierung, die auch schon mal zu verschachtelten, längeren Satzgebilden tendiert.
Das klingt mühsam, ist es aber nicht, weil diese unterschiedlichen Tempi und Intensitäten sehr gut die Gedanken- und Gefühlswelt von Till einfangen, sie in die jeweiligen Situationen und Zustände einbetten. So wird sie nahbar, eindrücklich, ruft vergleichbare Erinnerungen wach.
Man liest die Geschichte von Till und liest zugleich über Gefühle und Erlebnisse, die den Rahmen der Geschichte sprengen, so prägend ist das ihnen Zugrundeliegende. So grundlegend ist das Erleben, bevor es Erinnerung wird und doch wieder Erleben sein will.
"Echtzeitalter" ist beides, ein Buch der Gegenwart und ein Buch der Wehmut. Es erzählt von einer Zeit, von der man wenig begreift, während man sie durchlebt. Und die gerade deswegen etwas Echtes hat. Wenn es denn etwas Echtes gibt, ein wahres Leben im falschen. Ein Glück, das nicht nur eine Pause-Taste ist, sondern gespielt wird, wenn man Play drückt. - Michel Houellebecq
Unterwerfung
(311)Aktuelle Rezension von: Jule6243Zum Inhalt:
Der Roman ist aus der Sicht des Literaturprofessors Francois geschrieben, der in Paris an der Sorbonne lehrt und mit seinen Worten im besten Alter ist. Sein ganzes Leben hat er sich mit den Gedanken eines anderen Mannes beschäftigt, dem Schriftsteller Huysmans. Ehe und Kinder lehnte er ab, ganz im Gegensatz zu wesentlich jüngeren Studentinnen. Ab und an trifft er sich mit Mirijam. Zu Beginn des Romans wird in Frankreich gewählt. Dabei kommt der Politiker Mohammed Ben Abbas an die Macht, führt eine Theokratie, die Scharia und die Polygamie ein. In Paris gibt es daraufhin Unruhen und Francois verlässt die Stadt für einige Zeit. Mirijam hat bereits das Land verlassen, die und ihre Familie sind Juden und sehen keine sichere Zukunft mehr in Frankreich. Nach einer Zeit der Untätigkeit kehrt Francois nach Paris zurück. Er stellt fest, dass er Pensionsgehalt bekommt, also nicht mehr an der Universität unterrichten soll. Im Hinblick auf seinen Alkoholismus stellt er fest, dass er ohne sinnvolle Arbeit nicht mehr lange leben wird. Kurz darauf verbringt er einige Zeit in einem Schweigekloster und kehrt dann nach Paris zurück. Um wieder an der Universität arbeiten zu dürfen, muss er zum Islam konvertieren. Einige Kollegen haben es schon getan und empfehlen diesen Schritt. Der letze Abschnitt ist im Konjunktiv geschrieben, sodass offen bleibt, ob Francois wirklich konvertiert.
In paar Gedanken dazu:
Der Roman greift zwei große Gedanken der aktuellen französischen Politik auf: Einerseits das Erstarken extremer Rechter, andererseits die Islamisierung Europas. Den Roman als Europäer mit christlichem Glauben zu lesen, kann sehr spannend sein. Hier wird den Figuren der Islam, bzw. einige herausgepickte Werte, Normen und Regeln dieser Religion übergestülpt, wie über Jahrhunderte hinweg Christen ihren Glauben anderen Gruppen aufgezwungen haben. Manche mögen meinen: Ausgleichende Gerechtigkeit. Andere sehen den Spiegel, der vorgehalten wird.
Ich habe von Houellebecq bereits Ausweitung der Kampfzone gelesen. Dass Frauen in seinen Büchern nicht besonders gut wegkommen war mir bereits klar. Doch muss man sich immer vor Augen halten, dass er hier aus der Sicht eines alten weißen privilegierten Mannes schreibt. Ein Mann der sich sein Leben lang nur mit den Texten eines anderen alten weißen Mannes beschäftigt hat. Der Frauen nur durch die Brille sexueller Lust wahrnimmt. Dass von diesem Protagonisten tiefere Gedanken für das andere Geschlecht übrig sind, wäre eine Überraschung.
Doch bleiben wir bei den Frauen. Francois nimmt die politischen Veränderung vor allem an den Frauen wahr. Er bemerkt andere Kleidung, sieht, dass ein ehemaliger Kollege von ihm nun plötzlich eine zweite Frau hat, ein fünfzehnjähriges Mädchen, obwohl er sein langem schon mit seiner vierzigjährigen Frau verheiratet ist.
Ganz bewusst wird nicht näher auf die Situation der Frauen eingegangen. Nicht weil es nicht wichtig wäre oder weil Houellebecq keine Relevanz darin sähe. Es geht um die Sicht Francois, für ihn ist es nicht relevant, Für ihn hat eine Islamische Herrschaft im Land völlig andere Auswirkungen, als auf Frauen. Bevor er dem Islam beitreten will, bekommt er ein Buch ausgeliehen, das die Grundzüge des Glaubens erklärt. Natürlich interessiert er sich besonders für die Polygamie. So ganz kann er der pseudointellektuellen Erklärung nicht folgen und er fragt bei der ersten Gelegenheit bei seinem Kollegen nach. Was er hört, könnte auch aus einem Alphamale-Video transkribiert worden sein. Phrasendreschen vom maskulinen Mann. Ein wildes umher schmeißen von angeblichen biologischen Fakten. Gekrönt mit der, in Incelforen gängigen Meinung, dass manche Männer, gerade gebildete einen Anspruch auf eine oder mehr Frauen haben, er dürfe sich eine aussuchen. Sie sollen glücklich sein, mit einem alten Uniprofessor vermählt zu werden.
Wenn die männlichen Figuren um Francois jemals Werte hatten, die die Trennung von Religion und Staat beinhalten oder die Eigenständigkeit der Frauen beinhalten (die dürfen ab den Hälfte des Buches größtenteils nicht mehr arbeiten), dann wurden diese schnellstens über den Haufen geworfen. Opportunismus in seiner reinsten Form und natürlich leicht, denn für diese Männer wird es noch angenehmer im leben.
Der Titel verweist auf das Wort Islam, das übersetzt Hingabe heißt. Hingabe hat etwas sanftes, etwas, was tief aus dem Herzen kommt, wohl überlegt, mit Leidenschaft vorgebracht. Unterwerfung ist mit Widerwillen verbunden. Hier folgt das massenhafte Konvertieren nicht auf eine Hingabe, sondern die Unterwerfung. Von viel Widerwille kann aber nicht die Rede sein, wenn man die Figuren betrachtet, die Uniprofessoren im besten alter sind. Hier verschwimmen die Begriffe.
Es ist erschreckend zu lesen, dass sich männliche Figuren sofort eine zweite Ehefrau zulegen, obwohl sie mit dem Islam nie etwas am Hut hatten und seit 20 Jahren verheiratet sind. Er darf, also sollte er, also muss er? Der Religion wegen? Er hat die zweite Frau doch verdient, der Maskuline Mann. Sie ist Ware.
Die Geschichte steht im Kontrast mit den Personen, die auf Demos am lautesten schreien, sie würden "ihr" Abendland vor einer Islamisierung schütze. Die privilegierten schreien, die Männer, die sich nicht fürchten müssen. Genau die, welche davon in diesem fiktiven Roman profitieren würden. (Meine Meinung: Niemand muss sich vor einer Islamisierung des Abendlandes fürchten, das ist Quatsch)
Alles in Allem ist der Roman sehr gelungen. Er hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich halte die Herangehensweise für originell und mutig. Es wird sich nicht hinter hohlen Phrasen versteckt, denn der Inhalt muss nicht hinter der Sprache versteckt werden. Trotzdem kam mir der Protagonist ausgewaschen und völlig von Emotion befreit vor. Ihn gern zu haben kam gar nicht in Fragen, doch dann hätte ich ihn gerne leidenschaftlicher gehasst.
- Neal Shusterman
Vollendet – Die Flucht
(750)Aktuelle Rezension von: Roman-TippsMit Neal Shustermans dystopischen Scythe-Trilogie konnte er mich so begeistern, dass ich noch mehr Bücher von ihm lesen wollte. Somit war ich schon ganz gespannt auf den Auftaktband „Vollendet – Die Flucht“ aus der 4 Bände umfassenden Vollendet-Reihe von Neal Shusterman.
Die Vollendet-Reihe spielt in einem zukünftigen USA, in welchem Jugendliche, die zu viel Ärger machen, „umgewandelt“ werden können. Das bedeutet, dass ihr gesamter Körper sofort zur Organspende freigegeben wird. Es wird behauptet, dass die Teile des Körpers weiterleben, also dass man selber weiterlebt, nur in einer anderen Form. Ob ein Jugendlicher umgewandelt werden darf, wird von den Eltern bzw. den Erziehungsberechtigten entschieden. Und diese Entscheidung kann nicht rückgängig gemacht werden. Jugendliche, die sich dagegen wären und fliehen, werden gejagt, bis zur Festnahme.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass dieses Thema so richtig…unter die Haut geht, sodass mir ganz anders wurde. Fassungslos, aufgrund dieser Schrecken. Nochmal mehr, wenn man erfährt, wie die Umwandlung passiert. Die Ungerechtigkeit, dass man über ein Leben so bestimmen kann. Dass einem so etwas angetan wird. Dass man nichts dagegen tun kann. Dass es kaum welche gibt, die dagegen angehen. Die Art und Weise, wie dieses System durchgeführt wird. Und das alles erinnert mich an die grausame Ausbeutung von Tieren in unserer Welt – nur dass es in der Geschichte Jugendliche sind, die so etwas durchmachen müssen.
Die Handlung wird aus der Sicht von mehreren Charakteren in der personalen Erzählweise erzählt, hauptsächlich jedoch von Risa, Connor und Lev, die sich auf eine ziemlich krasse Weise begegnen, nämlich inmitten einer halsbrecherischen Verfolgungsjagd auf einer Straße. Alle drei sind Wandler, also Jugendliche, die umgewandelt werden sollen. Während sie auf der Flucht sind, gibt es so einige gefährliche, schaurige und überraschende Momente und Wendungen. Und ganz besonders Levs Entwicklung auf dieser Flucht ist unglaublich.
Neal Shustermans Schreibstil ist flüssig und locker zu lesen. Die Handlung ist spannend, nur hin und wieder ein bisschen langatmig. Aber größtenteils überwiegen Momente voller heftiger und actionreicher Wendungen und Szenen, Herzklopfen und Fragen, wie es nun wohl weitergeht. Auch die Charaktere werden nach und nach tiefgründiger und haben mir gefallen. Connor, der langsam zu einer Legende wird. Risa, mit ihrer Hoffnung und dem kühlen Kopf. Lev, der Gefahren eingeht, um seine Pläne durchzusetzen. Auch das Ende fand ich passend mit dem krassen Showdown. Doch es ist noch lange nicht vorbei. Die Vollendet-Reihe werde ich definitiv weiterlesen!
Fazit:
Eine spannende Dystopie mit einer erschreckenden und albtraumhaften Zukunftsvision. Das Thema geht so richtig unter die Haut und hat mich fassungslos machen können. Die Idee ist spannend umgesetzt und die Charaktere entwickeln sich mit der Zeit. Ich bin neugierig, wie alles letztendlich enden wird und werde die Vollendet-Reihe weiterlesen.
- Dmitry Glukhovsky
Metro 2034
(254)Aktuelle Rezension von: InBetweenDass es in der Fortsetzung nicht um Artjom geht, kam für mich etwas überraschend. Zu Beginn war ich sogar etwas enttäuscht, weil der erste Teil so fulminant endete und ich gerne daran angeknüpft hätte. Im weiteren Verlauf hat sich jedoch gezeigt, dass sowohl der Wechsel der Storyline und der Protagonisten ähnlich spannend war, wie der erste Teil.
Ich bin schon gespannt, wie die beiden Linien dann im dritten Teil verwoben werden.
- Neal Shusterman
Vollendet – Der Aufstand
(346)Aktuelle Rezension von: VinnyZu Beginn des Buches wurden nochmal alle Begriffe erklärt, die in Band 1 aufgetaucht sind. Das fand ich sehr gut. 😊
In diesem Buch lernen wir zwei neue Wandler kennen. Zu einem Miracolina, ein Zehntopfer, das für mich persönlich noch schlimmer im Verhalten war, als Lev in Band 1. Als zweites taucht Starkey auf, ein gestorchtes Kund. Starkes empfand ich von Anfang an als unangenehme und machthungrige Person. Der Eindruck hat sich für mich im Laufe der Geschichte nicht verändert.
Zu guter Letzt, lernen wir Cam kennen. Cam ist ein sogenannter „Verbundsmensch“. Er wurde komplett aus Transplantaten erschaffen. Er besteht nur aus den Besten der Besten.
Einerseits finde ich diese Vorstellung interessant, aber auf der anderen Seite gruselig. Trotzdem war es für mich faszinierend, wie Cam sich selbst kennen lernt.
Im Buch treffen wir auch alte Bekannte wieder. Connor und Risa kümmern sich auf dem Friedhof um die geflüchteten Wandler.
Durch die Explosion im Erntecamp (in Band 1), hat Connor sein Arm verloren. Er erhielt aber ein Transplantat, das ausgerechnet der Arm seines Erzfeindes (Roland) war. Connor hat Angst, dass er mit dem Arm Risa verletzen könnte.
Auch Lev treffen wir wieder und erfahren, wie es ihm seit seiner Verhaftung ergangen ist.
Risa lernt im Laufe der Geschichte Cam kennen und sie befindet sich nicht mehr auf dem Friedhof. Das ist für Connor keine schöne Situation, insbesondere da er immer mit der Angst lebt, dass der Friedhof hochgenommen werden könnte.
Nelson, der damalige JuPo, der von Connor im Band 1 betäubt wurden ist, taucht nun auch wieder auf. Diesmal ist er aber als Teilepirat unterwegs und will Connor finden.
Im letzten Teil des Buches wurde es nochmal richtig spannend und das Ende war eine Überraschung. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil.
Von mir gibt es 4 von 5 Sternen.
- Fredrik Backman
Björnstadt
(218)Aktuelle Rezension von: AukjeFür die Einwohner der kleinen schwedischen Stadt Björnstadt, fernab einer Großstadt mitten im Wald, ist Eishockey das wichtigste in ihrem Leben. Da mittlerweile nach und nach die jüngeren Einwohner weggezogen sind, erhoffen sich die Björnstädter nun das sich das Schicksal ihres Dorfes wendet, wenn die erfolgreiche Jugendmannschaft des 'Björnstädter Eishockeyclub' ins Finale kommt und der Rest der Welt auf sie aufmerksam wird. Als die Mannschaft das Heimspiel gewinnt und somit den Einzug ins Finale, artet die private After-Party ein wenig aus und die 15jährige Maya, die auch die Tochter des Clubdirektors des Vereins ist, wird von dem 17jährigen Starspieler der Mannschaft Kevin vergewaltigt. Als sie sich endlich traut sich ihren Eltern anzuvertrauen und diese daraufhin Kevin anzeigen, beginnt sich die Stimmung im Dorf zu kippen. Viele der Einwohner können nicht glauben das ihr Star so etwas tun könnte oder sie trauen sich einfach nicht die Wahrheit zu sagen, da sie Angst haben nachher gemieden zu werden und geben daher Maya und dadurch auch ihrem Vater Peter die Schuld den Eishockeyclub zu schaden. Von nun an sind Maya, ihre Familie und die Menschen die ihr glauben einer Lynchjustiz ausgesetzt.
Ich muss zugeben das ich mich durch die ersten paar Seiten etwas durchquälen musste. Als ich jedoch in die Story reingefunden habe konnte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen, da ich unbedingt wissen musste wie es weiter geht. Mir persönlich gefiel der ruhige und nicht zu dramatische Schreibstil und das langsame und allmähliche aufbauen bis zum Finale. Man konnte sich in die Charaktere gut hineinversetzen und dadurch ihre Handlungen nachvollziehen, auch wenn nicht alle richtig waren.
- Juli Zeh
Leere Herzen
(344)Aktuelle Rezension von: ArtVandaleyDas Buch ist eine Dystopie, die nur wenige Jahre in der Zukunft spielt. Deutschland wird von einer Partei besorgter Bürger regiert, die in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg erlebt hat. Ähnlichkeiten mit der Realität sind offensichtlich und fast alles, was passiert, ist in wenigen Jahren vorstellbar. Juli Zeh schreibt packend und mitreißend und ich habe das Buch fast "weggeatmet". Am Ende habe ich mich aber gefragt, was ich da eigentlich so schnell gelesen habe und bin ein wenig enttäuscht, weil ich mir mehr Schilderungen der Gesellschaft der nahen Zukunft gewünscht hätte. Stattdessen steht das makabere Geschäftsmodell der Firma "Die Brücke" der beiden Hauptfiguren für meinen Geschmack viel zu sehr im Mittelpunkt.
- Dörte Hansen
Zur See
(259)Aktuelle Rezension von: Ruth
Nach „ Altes Land“ und „ Mittagsstunde“ führt uns der dritte Roman von Dörte Hansen noch weiter in den Norden, auf eine namentlich nicht benannte Nordseeinsel, „ irgendwo in Jütland, Friesland oder Zeeland“. Sie erzählt darin von den Menschen, die dort heimisch sind und von denen, die nur zu Besuch kommen.
Im Mittelpunkt steht die Familie Sander, die seit 300 Jahren auf der Insel lebt. Sie wohnt im schönsten Haus mit reetgedecktem Dach, Sprossenfenster und einem ein Zaun aus Walknochen. Die männlichen Vorfahren waren Grönlandfahrer und Walfänger, die Frauen blieben daheim, bekamen Kinder und zogen sie groß, versorgten das Heim, bepflanzten den Garten und sie warteten. Warteten auf die Heimkehr ihrer Männer und Söhne, betrauerten die Toten, die das Meer behielt.
Hanne und Jens führten die Tradition fort, doch die Zeiten sind andere. Was früher selbstverständlich war und hingenommen wurde, entspricht nicht mehr dem heutigen Lebensstil. „ Sie hätten anders leben können, er und Hanne. Stattdessen haben sie das Leben ihrer Eltern fortgesetzt, Seefahrer und Seemannsfrau gespielt, die Wut für eine alte Wut gehalten und die Verletzungen für unvermeidlich. Ein Erbe angetreten, das man hätte auch ausschlagen können.“
Jens fuhr zur See und Hanne hegte einen Groll, weil sie alles allein machen musste. Zwei Kinder kamen, später noch ein drittes, das die Ehe retten sollte. Das ging natürlich schief. Hanne holte sich den Sommer über Badegäste ins Haus, für den Mann war kein Platz mehr. Da zog Jens ins Vogelschutzgebiet, weg von den Menschen. Bald zwanzig Jahre lebt er dort wie ein Eremit.
Ryckmer, der älteste Sohn, führt zunächst die Familientradition weiter. Er arbeitet als Kapitän auf einem Hochseefrachter, bis ihn eines Tages angesichts einer Riesenwelle die Angst gepackt hat. Nun „spielt“ er den Kapitän auf der Fähre, die die Touristen vom Festland auf die Insel bringt und wohnt wieder bei seiner Mutter, die ihm das Bier rationiert. Denn Ryckmer säuft seit jenem Erlebnis.
Eske hat einmal einen Versuch unternommen, der Insel und der Familie zu entkommen, doch das Heimweh trieb sie zurück. Nun arbeitet sie als Altenpflegerin hier, führt Gespräche mit den alten Leuten, zeichnet diese auf, um deren Geschichte und deren Sprache vor dem Vergessen zu bewahren. Sie hegt einen Groll auf alle Touristen, seit ihrer Kindheit, als sie ihr Zimmer für die „ Gäste“ räumen musste und ihre Mutter keine Zeit mehr für die Kinder hatte. Wenn sie mit dem Auto über die Insel fährt, tut jeder Tourist gut daran, ihr Platz zu machen. Ab und zu besucht sie ihre Festlandbeziehung Freya und lässt sich von ihr ein neues Tattoo stechen.
Einzig Henrik, der Jüngste, der schon als Kind etwas sonderlich war, scheint seinen Frieden gefunden zu haben. Er sammelt Strandgut und baut daraus skurrile Figuren. Seine Familie weiß mit ihnen wenig anzufangen, aber in der Kunstszene hat er sich damit einen Namen gemacht.
Neben der Familie Sander gibt es eine weitere Figur, die Dörte Hansen genauer betrachtet. Es ist der Inselpfarrer, der zum einen zuständig ist für die Ortsansässigen, die einfach wollen, „ dass er vernünftig seine Arbeit macht: taufen, konfirmieren, trauen, die Geburtstage der Alten nicht vergessen und auf keinen Fall die Kaffeetafel schwänzen, wenn er sie beerdigt hat“ und für die Touristen, „ die seine Seelensnacks und Impresario-Talente“ schätzen. Doch nachdem seine Frau nach über dreißig Ehejahren eine Wochenendehe führen möchte und ansonsten auf dem Festland lebt, beginnt sein Glaubensfundament zu wackeln. Er hat kein Netz mehr. „ Abgeschnitten, keinerlei Verbindung mehr zu seinem Gott und keine Nachrichten….Er betet in ein Funkloch, predigt, singt und segnet ohne Resonanz“.
Dörte Hansen versteht es meisterhaft, mit wenigen Szenen Menschen lebendig werden zu lassen. Obwohl es kaum Dialoge gibt im Roman. Das passt aber sehr gut zu diesem wortkargen Menschenschlag im Norden. Man beredet keine Konflikte, man macht einfach weiter. Kämpfe werden im Inneren ausgetragen. Der Leser muss sich selbst seinen Reim darauf machen.
Auch in diesem Roman, wie schon in „ Altes Land“ betrachtet Dörte Hansen die Besucher von außerhalb mit spöttischem Blick. Sie weiß um die Inselsehnsucht, die viele Menschen umtreibt. „ Alle Inseln ziehen Menschen an, die Wunden haben, Ausschläge auf Haut und Seele. Die nicht mehr richtig atmen können oder nicht mehr glauben, die verlassen wurden oder jemanden verlassen haben. Und die See soll es dann richten, und der Wind soll pusten, bis es nicht mehr wehtut.“ so heißt es an einer Stelle. Und dann beschließen sie in ihrem anfänglichen Überschwang, sich hier niederzulassen. „ Ein Haus am Meer gekauft. Das Luftschloss festgemacht mit Backstein, Rosenhecke und Alarmanlage. Und dann ernüchtert festgestellt, dass es nicht schwebt.“
Aber auch die Einheimischen tragen zum Ausverkauf der Insel bei. Verkaufen sich und ihren Grund und Boden für ein besseres Leben. Statt frühmorgens rauszufahren und zu fischen, werden gekaufte Krabben an gutgläubige Touristen teuer verhökert , in Ringel- T- Shirts und Seemannsmütze, versteht sich. Dazu singt der Shanty- Chor.
Doch Dörte Hansen verurteilt nicht. Wer möchte noch das harte Leben aus früheren Zeiten? Wie in „ Mittagsstunde“ hat auch auf der Insel ein unumkehrbarer Strukturwandel stattgefunden. Und der Klimawandel wird letztendlich zum völligen Verschwinden der Insel führen.
Ein spektakulärer Höhepunkt im Roman ist der Tag, an dem ein Wal auf der Insel strandet und dort verendet. Es zeigt sich, wie hilflos die Nachfahren ehemaliger Walfänger in dieser Situation sind. Hilfe von Fachleuten von außen wird gebraucht. Der Wal als Symbol, als rätselhaftes Wesen, das aus der Tiefe kommt, tot, weil er sein Element verlassen hat. In seinem Innern finden sich Plastikteile und Fischernetze, Zeichen dafür, wie der Mensch mit der Natur umgeht.
Es ist ein realistisches Bild, das Dörte Hansen von der Insel und den Menschen darauf zeichnet . Alle haben ihre Päckchen zu tragen und am Ende wird nicht alles gut. Doch man macht weiter.
Es gibt keine Verklärung der Vergangenheit, keine rührselige Nostalgie. Der Alltag damals war ungleich härter als heute, doch in der Gegenwart gibt es andere Probleme, die gemeistert werden müssen. Die See, als eigentliche Hauptfigur, bleibt das, was sie immer war.
Aber Dörte Hansen schreibt darüber so warmherzig, verständnisvoll, dann wieder mit Humor, dass die Lektüre eine einzige Freude ist. Das liegt am typischen Sound der Autorin, lakonisch, leicht melancholisch, knapp und verdichtet.
Ich habe die beiden vorigen Bücher geliebt und „ Zur See“ liebe ich auch. Wenn ich sechs Sterne vergeben dürfte, würde ich es tun.
- Anke Becker
Vereinte Welten: Der Auserwählte
(61)Aktuelle Rezension von: Romy_GavrilInhalt, spoilerfrei:
Kadân lebt weit entfernt vom Zentralplaneten der vereinten Welten. Er liebt sein einfaches Leben als Fischer und ahnt nicht, dass am anderen Ende des Universums ein Zauber auf ihn entsendet wird. Von einem unnatürlichen Drang getrieben, stolpert er zusammen mit Shiran, einer Bekanntschaft Hals über Kopf in ein Abenteuer. Doch wer ist sie wirklich? Und wieso werden sie so vehement Verfolgt?
Rezension, spoilerfrei:
Der eher dramatische Einstieg zog mich sofort in seinen Bann, das wurde natürlich auch davon gestützt, dass es bereits mein drittes Werk der Autorin ist und mich der Stil auch diesmal wieder mehr als nur angesprochen hat. Er zieht sich nicht und ist trotzdem malerisch.
Die Spannung war im ganzen Buch sehr hoch, es gab kaum ruhige Passagen, was einen natürlich förmlich dazu gezwungen hat weiter zu lesen. Und trotz des verhältnismäßig schweren Themas (Gendertheorie), besaß ich nie das Gefühl belehrt oder gestresst davon zu sein. Durch das herumdrehen „klassischer“ Rollen erschienen einige Situationen/ Probleme unglaublich grausam oder grotesk, dabei durfte ich als Frau einige von Kadâns schlimmen Situationen auch schon erleben.
Die Figuren sind mir ebenfalls (meistens) sehr ans Herz gewachsen, vor allem dass es eher ein moralisches grau gibt als schwarz und weiß gefällt mir sehr.
Fazit, spoilerfrei:
Ein interessantes Thema das noch dazu großen Lesespaß bietet. Der Stil hat mir sehr gefallen und Kadân ist ein echt toller Typ! Gerade für mich SciFi-Neuling bot der Genremix großen Spaß. Ich will mehr von den Figuren, den vereinten Welten (die unendliche Möglichkeiten bieten). Es war ein toller erster Teil und ich freu mich auf die weiteren!
- Julia Whelan
Mein Jahr mit Dir
(247)Aktuelle Rezension von: Leseeule35Mein Jahr mit Dir – Julia Whelan, erschienen 14. Januar 2019 / 16. August 2023, beim Verlag: Penguin, als eBook Taschenbuch und Hörbuch
„Mein Jahr mit Dir“ ist die Romanvorlage zum Netflix-Film „My Oxford Year“. Diese Tropes sind im Buch zu finden: Enemies to Lovers, Slowburn, Forced Proximity Romeo & Julia.
Zum Inhalt: Du kannst dein Leben planen, aber nicht deine große Liebe … Es soll das Jahr ihres Lebens werden. Mit einem Stipendium erfüllt sich Ella endlich ihren lang ersehnten Traum von einem Auslandsjahr in Oxford. Doch gleich am ersten Tag stößt sie dort mit dem arroganten Jamie Davenport zusammen, der zu allem Übel auch noch ihren Literaturkurs leitet. Als Ella und Jamie eines Abends gemeinsam in einem Pub landen, kommen sie sich viel näher als geplant. Und obwohl sie sich dagegen wehrt, spürt Ella, dass sie sich in ihn verlieben wird. Sie ahnt nichts von Jamies tragischem Geheimnis und davon, dass diese Liebe sie vor die größte Entscheidung ihres Lebens stellen wird ...
Vor jedem neuen Kapitel gibt es einen lyrischen Exkurs einer englischen Literatur lange vor unserer Zeit. Ich mag dieses englische Feeling, Universität, gebildete Charaktere mit ihrem ganz besonderen Charme und in einer Zeitepoche mit eingebunden, die schon so lange vorbei ist, aber die englische Sittsamkeit und literarische Geschichte wieder hervorbringt. Und das alles zur einer höchst modernen Zeit. Ella, eine junge amerikanische Frau hat es nach Oxford geschafft und möchte dort ein Jahr lang englische Sprache und Literatur studieren. Nebenbei engagiert sie sich für die Politik ihres Landes und ist mitten in einem Wahlkampf dabei, auch wenn der Ozean beide Länder trennt. Sie trifft in ihrer ersten Vorlesung auf andere interessante Charaktere und auch ihr zukünftiger Professor ist ihr kein Unbekannter. Ella weiß was sie will, sie ist entschlossen, klug und neugierig. Spaß haben darf jeder, nur verlieben muss nicht sein, schließlich ist ihre Zeit begrenzt und sie will alles kennenlernen was nur möglich ist. Es endet in einem Epilog.
Der Roman schreitet zwar zunächst langsam voran, macht für mich dann jedoch einen enormen Sprung und auch die besondere Erzählweise bei diesem Sprung ist zunächst ungewöhnlich. Dennoch ist es mitreißend, tiefgründig und poetisch. Die Literatur spielt eine große Rolle und auch die verschiedenen Sichtweisen etwas zum empfinden. Auch gibt es eine unvorhergesehene Wendung, die die Geschichte neu betrachten lässt und einen anderen Touch gibt. Es ist schmerzlich, emotional und mitnehmend, auch wenn mich nicht alles so ergreifen konnte, wie ich gedacht hätte. Die Dynamik ist dennoch anziehend und einnehmend. Die Gefühle sind greifbar, auch wenn ich mir hier mehr gewünscht und mehr spürbare Energie und Romantik gewünscht hätte. Aber diese plätschert ganz leise daher und auf anderen Umwegen. Den Film selbst kenne ich nicht, würde ich mir sicherlich ansehen, wenn es dazu kommt, aber es ist für mich kein Muss und selten kann mich beides gleichermaßen überzeugen.
Eleanor Duran, 24, aus Ohio ist eine bewundernswerte und stake junge Frau. Sie hat früh gelernt für sich einzustehen, selbstständig zu sein, ehrgeizig und hilfsbereit. Sie hat eine gewisse Vorstellung von ihrem Leben, auch wenn fast alles anders kommt als geplant, aber das Leben kann man nun mal nicht planen, es hat seinen ganz eigenen Rhythmus.
Jamie Davenport, ist ein junger Mann, mit festem Ziel vor Augen und gewiss nicht einschätzbar. Nach außen wirkt er anders, als viele meinen und er hält sich privat stark im Hintergrund. Doch er ist gezeichnet und möchte niemanden verletzen. Seine Familie ist ein wunder Punkt.
Der Schreibstil ist angenehm, bewegend, mit sehr gutem Humor besetzt und lyrisch untermauert, dennoch jederzeit modern. Die Kapitellängen sind unterschiedlich lang. Die Dialoge und Erzählungen sind zart humorvoll bis schmerzlich treffend, gefühlvoll, emotional und tiefsinnig ehrlich, so dass die gesamte Gefühlspalette genutzt wird, doch leider nicht immer on Point so rüberkommt.
Dazwischen gibt es tiefgreifende Momente, nachdenkliche, aber auch romantische Augenblicke. Ella erzählt ihre Geschichte aus alleiniger Sicht in der Ich-Perspektive. Natürlich kommt die andere Sicht hierbei nicht zu kurz, auch wenn es Ella´s Geschichte ist, dennoch hätte ich mir hier ab und an einen Perspektivenwechsel gewünscht.
Die Klappbroschur ist wunderschön gestaltet, mit feinen und kleinen Details.
Mein Fazit: Ein ehrlicher und berührender Roman, auch wenn er nicht an allen Stellen für mich durchweg transparent und mitnehmend war. Der Ausflug nach Oxford und die feine englische Annehmlichkeit zur Literatur hat mir ansonsten gut gefallen. - Timur Vermes
Er ist wieder da
(300)Aktuelle Rezension von: erdbeerliebe.Ich bin mir etwas unsicher, wie ich dieses Buch bewerten soll - einordnen kann ich es auf alle Fälle nicht, da es wirklich aus jedem Rahmen der Literatur fällt die ich sonst lese. Ich glaube das Buch WILL auch gar nicht in irgendeine Schublade gehören. Wir verfolgen hier Hitler, der sich an einem Nachmittag auf einem Park in Berlin Mitte wiederfindet. Nach und nach stellt er fest, dass er im Jahre 2011 gelandet ist.. und plant neue Dinge. Das ist die ganze Zeit ziemlich unterhaltsam, ich würde jedoch nicht "spannend" sagen, da die Handlung sich nicht gerade überschlägt. Der Fokus des Buches liegt auf der Darstellung des Protagonisten und seinen Gedankengängen, da es aus der Ich-Perspektive geschrieben ist. Die hervorragende Vertonung von Christoph Maria Herbst trägt absolut dazu bei, Hitler "echt" wirken zu lassen, auch wenn das natürlich kein Mensch sagen kann und es durchaus immer wieder sehr satirische Situationen gibt.
Dennoch würde ich das Buch weiterempfehlen - denn es stimmte mich nachdenklich. Nehmen (im Buch) alle Figuren Hitler wirklich nur als Komikfigur war und wie weit gehen sie, um ihn frei schaffen zu lassen? Beeinflusst er als Mensch der in Medien übertragen wird nicht unweigerlich andere Menschen mit eindeutig antisemitisch und rassistischen Idealen? Ist das noch Kunst oder kann das weg?
Was ich dem Buch wirklich zu Gute halten will: Es machte auf mich nicht den Eindruck Hitlers Ideale irgendwie zu romantisieren oder zu beschönigen. Es hält sich sehr an Fakten und ist sachlich, wenn auch so trocken, dass es an Humor grenzt. Es passiert nicht viel - der Plot ist recht einfach, überspannt einige Monate und beschränkt sich auf zwischenmenschliche Situationen. Die Sprache ist einfach und sehr passend für jemanden, der vorher 1944 lebte. Ich habe selten so viele altdeutsche Begriffe und Beleidigungen gelesen.
Wirklich schön finde ich auch, wie sehr dieses Buch doch die Lesermeinungen spaltet.























