Bücher mit dem Tag "gesichter"
6 Bücher
- Matt Haig
Ich und die Menschen
(72)Aktuelle Rezension von: Moonchild7Vor zehn Jahren habe ich dieses Debüt von Matt Haig gelesen und mich sofort verliebt. Bis dahin hatte ich noch kein Buch erlebt, in dem ich mich so verstanden gefühlt habe. Wirklich tief verstanden, nicht nur irgendwie getragen.
Schon länger wollte ich einen Reread beginnen, nun aber mit einem weiteren Blickwinkel. Matt Haig hat die Kombination AuDHD, also Autismus mit ADHS. Als er das Buch schrieb, war er noch undiagnostiziert, genauso wie ich damals. Beim erneuten Lesen wird deutlich, dass dieses Gefühl des tiefen Verstandenwerdens vermutlich viel mit einer ähnlichen Wahrnehmung der Welt zu tun hat. Natürlich sind wir verschieden, doch die Hauptfigur, die Haig erschafft, erinnert stark an autistisches Erleben.
Zur Handlung selbst: Es ist kein klassischer Science-Fiction-Roman, sondern eher ein philosophisches Buch, das sich mit den Paradoxien der Menschheit beschäftigt. Ich lese Matt Haig weniger wegen seiner Storylines als wegen seines Schreibstils, und das ist bis heute so geblieben.
Unabhängig davon, ob man neurodivergent ist oder nicht, bietet Ich und die Menschen einen Ort, an dem man sich jenseits von Wertung fallen lassen kann. Auch wenn das Menschsein durch die außerirdische Hauptfigur konsequent infrage gestellt wird. Auf eine gewisse Weise konnte ich mich gut mit ihm identifizieren.
- Umberto Eco
Wie man mit einem Lachs verreist und andere nützliche Ratschläge
(64)Aktuelle Rezension von: Mira123Solltet ihr je planen, Literaturwissenschaft oder ein ähnliches Fach zu studieren, dann bereitet euch schonmal darauf vor, dass euch jeder in eurem Bekanntenkreis plötzlich kistenweise Klassiker vorbeibringen wird, denn ihr braucht die ja sicher dringender. Und dann habt ihr plötzlich vier Ausgaben von Goethes "Faust" als Reclamhefte herumliegen und wisst nicht so richtig, was man denn jetzt damit anfangen soll. Gott sei Dank sind da manchmal aber auch kleine Schätze dabei! Zum Beispiel hat mein Vater mir unter anderem dieses Buch vererbt - was bedeutet, dass ich nicht nur dieses Buch lesen durfte, sondern auch die Anmerkungen, die er in dieses Buch gekritzelt hat als er in meinem Alter war, was ebenfalls spannend ist.
Ich muss zugeben, dass ich bisher von Umberto Eco weniger Bücher gelesen habe, als ich wahrscheinlich gelesen haben sollte. Bei so großen Autor:innen gibt es da immer einen ziemlich ordentlichen Druck, dass ich das kennen muss, verstehen muss und jedem Menschen, den ich ganz zufällig im Bus treffe, erklären können muss. Und natürlich muss mir jede Notiz dieser Autoren gefallen, denn die sind Klassiker und haben damit eigentlich fast Heiligenstatus und nicht sofort vor ihren Werken auf die Knie zu gehen, grenzt fast schon als Ketzerei. Kein Wunder also, dass nicht immer unbedingt Lust darauf habe, die großen Werke zu lesen, denn so eine Art von Druck kann ich in meinem Leben nicht brauchen.
In diesem Büchlein findet ihr verschiedene Kurztexte von Umberto Eco. Größtenteils handelt es sich dabei um satirische Ratschläge und Gebrauchsanweisungen: Wie funktionieren öffentliche Bibliotheken? Wie rechtfertige ich meine Büchersammlung vor Fremden? Wie zitiere ich eigentlich richtig in wissenschaftlichen Texten? Wie überlebe ich den Zoll, wenn ich ins Ausland reise? Oder auch: Wie verreise ich mit einem Lachs? Diese Gebrauchsanweisungen fand ich super spannend und lustig. Es handelt sich dabei natürlich größtenteils um Satire und es war für mich sehr interessant, zu sehen, was denn zum Zeitpunkt des Entstehens gerade Themen gewesen sein müssen, die Umberto Eco beschäftigt haben.
Danach folgt ein Nachrichtenaustausch, der in der Zukunft zwischen verschiedenen Arten von Aliens stattfindet. Ich hatte ehrlich keine Ahnung, dass Umberto Eco je Science Fiction geschrieben hat. Spannend fand ich, dass die Kommunikation hier so stark durch Vorurteile der verschiedenen "Rassen" und durch Misskommunikation geprägt wird, sowie durch die Unfähigkeit, seinen eigenen Standpunkt zu verlassen. Das erinnerte mich stark an den Umgang, den wir Menschen auch untereinander haben, wenn es darum geht, mit dem "Fremden", dem "Anderen" umzugehen. Und wir sind ja alle nur Menschen! Keine unterschiedlichen Spezies, die von anderen Planeten abstammen.
Trotz der Tatsache, dass mich dieser Nachrichtenaustausch so offensichtlich zum Nachdenken anregte, muss ich gestehen, dass ich gegen Ende das Interesse an dieser Kommunikation verlor. Ich hatte einfach das Gefühl, dass mir Vorwissen zu dieser Welt fehlt, die Umberto Eco uns hier zeigt. Es würde mich interessieren, ob zu dieser Welt wirklich nur diese paar Nachrichten existieren, die hier abgedruckt wurden, oder ob diese Nachrichten eine Art "Zusatzmaterial" zu einem längeren Text sind, von dem ich einfach bisher nichts gewusst habe.
Dieses Buch schließt dann mit ein paar Kurzgeschichten, die mich aber ehrlich gesagt nicht so ganz fesseln konnten. Ich glaube das liegt vor allem daran, dass der Ton meiner Meinung nach nicht wirklich zu den vorhergehenden Texten passte.
Mein Fazit? Alles in allem ein cooles Buch, das ich über weite Teile spannend fand. Wie es aber mit Sammlungen dieser Art immer ist, war für mich nicht jeder Text gleich interessant und mit ein paar konnte ich leider auch gar nichts anfangen. Aber alles in allem eine lesenswerte Sammlung.
- Richard Montanari
Shutter Man
(43)Aktuelle Rezension von: Fleur_de_livresMeinung:
Der Klappentext und das Cover passen zu dem neunten Band rund um Kevin Byrne und Jessica Balzano. Es ist düster und doch schaut man es sich gerne an. Ich habe eine Ausgabe, deren Buchschnitt orange ist, das ist ganz nett, aber ich brauche sowas nicht wirklich.
Der Autor schreibt wie gewohnt sehr locker und leicht. Man ist schnell in der Handlung und diesmal umfasst die Handlung mehrere Zeitebenen. Diese sind spannend miteinander verknüpft und man erfährt als Leser wieder etwas mehr aus der Vergangenheit von Byrne.
Byrne und Belzano sind zurück! Endlich geht es mit ihnen weiter. Diesmal führt der neue Fall Beide tief in die Vergangheit rund um Devil's Pocket und die Familie Farrnes. Die sind echte Ganoven und treiben bis heute ihr Unwesen.
Die Familie Farrens spielt eine große Rolle und man erfährt viel über deren üble Machenschaften. Auch wie Byrne mit denen in Zusmamenhang steht wird immer deutlicher. Der Mord an der kleinen Catriona hängt damit eng zusammen.
Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und man hat seine Sympathien bei einigen und bei anderen definitiv nicht. Da hat der Autor gut mit den Ecken und Kanten der Bewohner rund um Devil´s Pocket gespielt. Byrne ist einfach wieder genial gelungen. Ein Rauhbein mit Herz und Verstand. Auch kommt Humor nicht zu kurz in dem Buch, wenn auch versteckt und trotzdem gut eingesetzt.
Was ich nur schade fand war, dass Byrne und Belzano nicht mehr als Team an der Ermittlung arbeiteten, zwar zusammen, aber auf unterschiedlichen Ebenen. Denn Belzano ist jetzt bei der Staatsanwaltschaft tätig und somit nicht mehr die direkte Partnerin von Byrne. Aber schön, dass die trotzdem zusammen arbeiten und sich weiterhin helfen/unterstützen.
Fazit:
Der neunte Band rund um Byrne und Belzano – gelungen und empfehlenswert!
- Amber Auburn
Zodiac Academy, Episode 7 - Die Gesichter des Zwillings (Die Magie der Tierkreiszeichen, Band 7)
(44)Aktuelle Rezension von: SternenstaubfeeNachdem der sechste Band mich fast ein bisschen verloren hätte, weil es nur um die Wettkämpfe ging, dachte ich zunächst, dieser siebte Band würde sich da direkt anschließen. Aber dann wurde es doch noch spannend und es kam wieder ein bisschen Bewegung in die Geschichte.
Ich habe gesehen, dass es inzwischen 24 Bücher dieser Reihe gibt. Ob ich die alle lesen möchte, weiß ich noch nicht. Es kommt jetzt ein bisschen darauf an, wie sich die Geschichte in den nächsten Bänden entwickeln wird...
28.09.2024
- Thomas Kierok
Hundert: Die Schönheit jeden Lebensalters
(2)Aktuelle Rezension von: Dr_M"Die Porträts in diesem Buch lehren uns, dass jedes Gesicht einzigartig ist und besonders, in jeder Phase des Lebens. So wie auch der Charakter eines Menschen besonders ist und einzigartig." Das steht ganz am Ende dieses Werkes. Wenn solche völlig banalen Aussagen, denen man nur schwer widersprechen kann, mit einem hochtrabenden Habitus vorgetragen werden, lohnt es sich genauer hinzusehen.
Für jedes Lebensalter von Eins bis Hundert hat Thomas Kierok Fotos von Menschen gemacht. Und zwar immer in der gleichen Weise: "Vor schwarzem Hintergrund heben sich die Gesichter der Porträtierten ab, der Fokus liegt auf ihren Augen. Sie sind frontal zur Kamera ausgerichtet, schauen mit einem neutralen, sehr wahrhaftigen Gesichtsausdruck nach vorne. So, dass die Grenzen zwischen Betrachter und Betrachtetem verwischen. Es scheint geradezu, als würden die Porträtierten den Blick auf einen richten. Albrecht Dürers Selbstbildnis hat mich zu dieser innigen Form des Porträts inspiriert."
Mich verwirren solche Phrasen. Und davon gibt es viele in diesem eigentlich textarmen Buch. Jemanden vor die Kamera zu platzieren und ihm zu sagen, dass er mal möglichst neutral in eine bestimmte Richtung schauen soll – das ergibt dann ein Porträt? Weil jemand nah vor der Kamera sitzt, haben wir es mit einer innigen Form des Porträts zu tun? Wenn das alles so einfach ist, worin besteht dann die Kunst des Porträtierens?
Das Ganze läuft dann auch noch unter der Überschrift "Der Kreislauf des Lebens". Das Leben ist kein Kreislauf, jedenfalls nicht für ein einzelnes menschliches Individuum. Es beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Kierok bekennt, dass er "der menschlichen Schönheit auf besondere Art nahegekommen sei". Das sei ihm vergönnt. Ich weiß jedoch, dass es besonders älteren Menschen schwer fällt, etwas Schönes in ihrem Verfall zu entdecken. Im Buch wird das genaue Gegenteil behauptet. Kierok hofft, dass der Betrachter erkennt, "wie schön jeder Mensch ist, wie alle Menschen miteinander verbunden sind und wie kostbar das Leben ist".
Mich erinnern solche Phrasen immer an meine Schulzeit, an die Erklärung von Kunst. Wirkliche Kunst braucht keine Erklärungen oder nachgereichte Deutungen, weil sie einen direkt trifft und berührt. Oder verblüfft. Ganz anders ist es jedoch, wenn man mit irgendwelchen Phrasen konfrontiert wird, bei denen wenig selbstbewusste Zeitgenossen sich nicht mehr zu widersprechen trauen, obwohl sie ganz anders empfinden.
Wenn jeder Mensch schön ist, wozu gibt es dann diesen Begriff überhaupt? Tatsächlich handelt es sich bei einer solchen Behauptung um eine Lüge. Und jeder weiß das. Und gibt es für jedes Alter ein Gesicht, das es widerspiegelt? Eher unwahrscheinlich. Jeder weiß, dass manche Menschen älter aussehen und andere jünger als sie tatsächlich sind.
Bei diesem Buch handelt es sich einfach nur um ein handwerkliches Projekt, das mit einer eher fragwürdigen Idee vermarktet wird. Und handwerklich ist es gut gemacht. Mehr aber auch nicht. - Ragnar Axelsson
Gesichter des Nordens
(1)Aktuelle Rezension von: Dr_MRagnar Axelssons Bilder sprechen eine klare Sprache. Er fotografiert vor allem gestandene Menschen auf Island, den Färöern und Grönland in ihrer kleinen Welt. Beim Betrachten dieser Bilder schwankt man zwischen Bewunderung und Frösteln. Für die Menschen, die sich diesen harten Bedingungen stellen müssen, empfindet man Hochachtung. Aber selbst möchte man dort wohl kaum sein. Zu stark ist das Empfinden, dass beißende Kälte, Wind und Nässe ins Bewusstsein des Betrachters dringen. Gut in Szene gesetzte Grautöne überhöhen das ganze noch mehr ins Dramatische.
Aber die Menschen auf den Inseln im hohen Norden kennen nichts anderes. Sehnsucht nach dem warmen Süden wird ihnen wahrscheinlich fremd sein. Ob sie alle unglücklich oder gar depressiv sind, ist zu bezweifeln, obwohl man bisweilen schon einen solchen Eindruck aus diesen dunklen Bildern gewinnen könnte. Und so entsteht die Frage, wie typisch Axelssons Fotografien eigentlich sind. Wenn ich den Autor recht verstanden habe, wollte er uns Bilder aus einer Welt zeigen, die er für bald verloren hält. Er unterstreicht dies mit Porträts vorrangig sehr alter Menschen, von denen viele inzwischen schon verstorben sind. Oft erzählt er neben seinen Bildern auch kurz ihre Geschichte. Beim Betrachten seiner Fotografien fällt auch die Primitivität der gezeigten Lebensverhältnisse auf.
Einen Unterschied zwischen dem gezeigten Leben auf Island und Grönland kann man auf Axelssons Bildern in ihren grundsätzlichen Botschaften kaum erkennen, obwohl es ihn zwischen diesen Inseln sehr deutlich gibt. Es geht ihm also nicht um die Gesichter des Nordens schlechthin, sondern um die Gesichter einer Welt des Nordens, die es bald so nicht mehr geben wird, weil sie mit dieser Generation verschwindet. Die Gesichter der nächsten Generationen, die man auf Axelssons Fotografien eher selten sieht, sehen anders aus. Das dazugehörige Leben auch.
Oft liest man bei Axelsson, dass mit dem Wegsterben der Alten auch die Höfe sterben. So gesehen vermittelt dieser beeindruckende Bildband letzte Zeugnisse und Gesichter des Lebens wie es einst dort war. Neben Axelssons Fotografien könnte man bunte Bilder des jungen Lebens auf Island oder Farbfotografien der kargen, aber einzigartigen Natur dieser Insel legen. Der Kontrast wäre erheblich. Beides aber wären Abbilder der Realität, wie man sie je nach Sichtweise hervorheben kann.
Axelssons Fotografien besitzen ungeachtet ihrer Botschaft aber noch einen anderen Aspekt, zeigen sie doch dass der Mensch selbst unter den härtesten Bedingungen zurechtkommen und sehr alt werden kann.





