Bücher mit dem Tag "gothic novel"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "gothic novel" gekennzeichnet haben.

90 Bücher

  1. Cover des Buches Sturmhöhe (ISBN: 9783423143554)
    Emily Brontë

    Sturmhöhe

     (1.835)
    Aktuelle Rezension von: Maus86

    Erzählt wird die Geschichte von Catherine und dem Findelkind Heathcliff, die unzertrennlich sind, bis Catherine den Heiratsantrag eines anderen annimmt. Heathcliff fühlt sich vom Leben allgemein und von bestimmten Menschen im speziellen betrogen und schmiedet einen Racheplan, der fürchterliche Folgen für seine und auch für die nachfolgende Generation auf Wuthering Heights hat.

    Es handelt sich hier um das Werk von einer der drei berühmten Bronte-Schwestern, Emily Bronte, die selber ein sehr bewegtes Leben führten. Das Buch musste seinerzeit unter männlichem Pseudonym veröffentlicht werden, um Chancen auf Leserschaft und Erfolg zu haben. Heute zählt das Werk aller drei Schwestern zu den bekanntesten Klassikern der Weltliteratur. Sturmhöhe wurde mehrfach verfilmt und findet auch heute viele angetane Fans.

    Es ist ein rebellisches Buch, dass es der Leserin so unbequem wie nur möglich macht. Die meisten Figuren tun alles dafür, möglichst wenig Symphatiepunkte bei der Leserschaft zu sammeln. Die Boshaftigkeit eines Heathcliff sucht in der Literatur seinesgleichen. Zum Teil gibt es durchaus Ambivalenzen in den Charakteren, auch in deren Bosheit, so dass dem Buch nicht wirklich fehlende Tiefe der Figuren vorgeworfen werden kann. Leider werden sehr spannende Figuren wie Isabell, die einen schier übermenschlichen Überlebenswillen in ihrer Rolle an den Tag legt, oder Hareton, der erst zum Schluss gebührend Aufmerksamkeit bekommt, im Plot mit wenig Aufmerksamkeit bedacht.

    Insgesamt hat mich "Sturmhöhe" sehr gut unterhalten und gerade im letzten Drittel mit hohem Spannungsgrad gefesselt.

  2. Cover des Buches Die Melodie der Schatten (ISBN: 9783404177745)
    Maria W. Peter

    Die Melodie der Schatten

     (183)
    Aktuelle Rezension von: Nick_Coll

    Das Buch „Die Melodie der Schatten“ von Maria W. Peter, welches ich mir extra für diesen Spätherbst gelassen und gelesen habe, erzählt eine bewegende Geschichte, die von überall von einer düsteren Landschaft Schottlands des 18. Jahrhunderts umgeben ist.

     

    Den etwa 700 Seiten umfassenden Mittelpunkt des Buches bildet allerdings die Geschichte über Menschen, deren Leben vor existenziellen Herausforderungen stehen. Die historischen Tatsachen sind gut recherchiert und die Stimmung dieser Zeit ist einfach hervorragend eingefangen, sodass das raue Leben im schottischen Norden sehr anschaulich rüberkommt. Die zärtlichen und doch kraftvollen Schilderungen mögen einen zutiefst berühren oder gar erschrecken, wenn man erfährt, wie mit Menschen umgegangen wurde, wie die ganzen Landstriche ausgeblutet und verwaist sind. Vielleicht deswegen erscheinen in den alten Gemäuern nachts dunkle Traumbilder und seltsame Geräusche? Liegt auf diesem entferntesten Eck des Landes ein Fluch, seit die gälischen Pächter gewaltsam vertrieben wurden? Des zu erfahren soll der Leser selbst im Laufe der Handlung.

     

    Mit dem Buch ist der Autorin nochmals ein landschaftlich sensationell schöner und ans Herz gehender Roman geglückt, der zeigt, worum es im Leben wirklich geht: Menschlichkeit oder Missgunst, Gerechtigkeit oder Neid. Sie wirft die Fragen auf, welche moralische Schuld ein Mensch ertragen kann, ohne zu zerbrechen, und zu welchem Preis es gelingt, die individuelle Freiheit zu bewahren.

     

    Am Ende des Buches hegt man schon die Hoffnung, dass Maria W. Peter vielleicht noch einmal in die Highlands zurückkehrt und eine neue Geschichte erzählen wird… Und wieder mit großer sprachlicher Eleganz und einem Sinn für Emotionen.

  3. Cover des Buches Der Schrecksenmeister (ISBN: 9783492253772)
    Walter Moers

    Der Schrecksenmeister

     (1.168)
    Aktuelle Rezension von: eva_maria_hofer

    Das Krätzchen Echo schließt mit dem großen Schrecksenmeister Succubius Eißpin einen verzweifelten Pakt, um nicht verhungern zu müssen. Der Schrecksenmeister wird ihn nach Strich und Faden verwöhnen und mästen, um ihn zum Vollmond schlachten und sein Kratzenfett auskochen zu können. Echo wohnt mit Eißpin in dessen Schloss und bekommt von ihm auch alle Künste der Alchemie gelehrt. Es scheint sich eine Freundschaft zu entwickeln, und Echo hofft, seinem Tod entrinnen zu können - nur, um dann zu erkennen, dass der Schrecksenmeister nicht von seinem Plan abzubringen ist. Echo ersinnt immer neue Wege, wie er dem Schrecksenmeister entkommen kann - auch mit Unterstützung der Schreckse Izanuela - die alle zum Scheitern verurteilt sind.

    Das Buch hat mich durch die immer neuen Hoffnungsschimmer und darauf folgenden Enttäuschungen und Todesängste gefesselt. Dabei bleibt bis zum Schluss offen, ob Echo mit dem Leben davon kommen wird.
    Der Wortwitz und die literarischen Anspielungen von Walter Moers sind dabei, wie immer, eine wahre Freude! 

  4. Cover des Buches Frankenstein (ISBN: 9783717523703)
    Mary Shelley

    Frankenstein

     (490)
    Aktuelle Rezension von: weltentzueckt

    Um Frankenstein kommt man in der Kürbiszeit kaum herum. Trotzdem habe ich die Geschichte 31 Jahre lang „verpasst“. Natürlich wusste ich, dass Frankenstein ein Monster erschuf, kannte aber weder Buch noch Film.

    Um die Sache abzukürzen: Das Buch hat mich sehr enttäuscht. Es ist poetisch geschrieben, vermittelt eine Moral und kann feministisch interpretiert werden, was viel Raum für Diskussion lässt und das Werk literarisch wichtig macht.
    Unterhalten konnte es mich aber leider nicht gut. Die Geschichte wird sehr detailliert und mit Nichtigkeiten ausgeschmückt, startet schleppend und der Spannungsbogen reißt immer wieder ein, sodass mir das Weiterlesen schwerfiel.
    Das offene Ende der Geschichte ließ mich dann vollends unzufrieden zurück.

    Nichtsdestotrotz wirft es viele Fragen auf, die man sich ins Bewusstsein rufen sollte. Was bedeutet es, ein Mensch zu sein? Was macht uns menschlich? Die Erscheinung? Unser Verhalten? Unser Gewissen?
    Welche Verantwortung hat der Mensch gegenüber seiner Mitmenschen? Insbesondere die Erziehungspflicht wird hier ins Spotlight gerückt, da Frankensteins Monster eigentlich keines ist. Es wird sehr deutlich, dass er Liebe und Zuneigung sucht – in einer Welt, die er nicht versteht. Unbeholfen wie ein Kind wurde er in die Welt entlassen, ohne Lehre oder jegliche Leitung, und versagt auf zwischenmenschlicher Ebene, weil die ihm fremd ist. Das führt zu der Frage, wer hier wirklich das Monster ist. Er oder sein Erschaffer, der ihm nicht frühzeitig Einhalt gebot, ihm nie als Mentor diente.
    Und natürlich die allumfassende Frage, inwieweit Wissenschaft moralisch vertretbar ist?

    Deshalb 3 von 5 Sternen für diesen Klassiker.

  5. Cover des Buches Das Phantom der Oper (ISBN: 9783401061115)
    Gaston Leroux

    Das Phantom der Oper

     (269)
    Aktuelle Rezension von: buecherblondine_blondie4books

    German version/English version below: 

    Obwohl das „Phantom der Oper“ bereits 1910 veröffentlicht wurde (die Erstveröffentlichung erfolgte übrigens in mehreren Teilen in der Zeitung „Le Gaulois“), kann man das Buch sehr gut lesen – die Sprache wirkt zwar manchmal etwas altbacken, jedoch ist sie keinesfalls schwer verständlich oder schwerfällig. Im Gegenteil: Es ist Leroux einzigartige Erzählweise, die das Buch erst zu dem macht, was es ist: ein Klassiker des Genres „Mystery Story“.  

    Wie der Titel unschwer erahnen lässt, spielt sich die Handlung zum größten Teil in der Pariser „Opera Garnier“ ab, jenem berühmten Bauwerk, das 1875 fertiggestellt wurde. Genau in dieser Zeit lässt Leroux, der den Bau der Oper miterlebte, das Phantom sein Unwesen treiben: Es spielt der Belegschaft allerlei Streiche (zum Beispiel sorgt es dafür, dass die Carlotta, der Star der Oper, ausgerechnet an jenem Abend, der zu einem Triumph werden sollte, nur Kröten Gequake von sich gibt), erpresst die beiden Direktoren (die nichts davon abbringen kann, nur an einen makabren Scherz zu glauben) und schreckt selbst vor Mord nicht zurück – wehe dem, der sich den Plänen des Phantoms in den Weg stellt! Doch eigentlich geht es dem Geheimnisvollen, von dem der Leser erst zum Schluss mehr als dessen Vornamen, Erik, erfährt, nur um eines: Seine große, unerfüllte Liebe zur Sängerin Christine Daaé, der er zunächst Gesangsstunden gibt, sie später entführt um sie zu seiner Frau zu nehmen, aber schließlich freigibt, da er erkennt, dass er sich ihrer unwürdig fühlt, ja gar wie ein „zum Sterben bereiter Hund“, nachdem Christine ihm das schönste Geschenk gemacht hat, das er sich vorstellen kann: Sie nimmt seine Hand, lässt sich von ihm (keusch auf die Stirn) küssen, sie weint mit ihm, sie behandelt ihn wie ihresgleichen. Daher ist der „arme, unglückliche Erik“letztendlich bereit, seinen Engel die Braut eines anderen werden zu lassen. Wie das Phantom selbst sagt, braucht es nur geliebt zu werden, um gut zu sein... 


    Gaston Leroux’s extraordinary love story! 

    Although the "Phantom of the Opera" was published already in 1910 (by the way, the first publication was for "Le Gaulois" and released continuously in several newspaper issues), the book is easy to read - the language sometimes seems slightly old-fashioned, but it is by no means difficult to understand or wearisome. On the contrary, it is Leroux's unique narrative style that makes the book what it is: a mystery story classic.  

    As the title suggests, the story is mainly located at the Opera Garnier in Paris (no surprise here), the famous building completed in 1875. It is precisely at this time that Leroux, a contemporary witness of the opera’s construction, allows the Phantom to strike terror into people’s hearts: He plays all kinds of tricks on the staff (for example, he makes sure that Carlotta, the star of the opera, is unable to make any sound but a croak on the very evening that was supposed to be a triumph), blackmails both directors of the opera (nothing can dissuade them from believing that somebody plays a macabre joke on them), and does not even shy away from murder – God help anyone who gets in the way of the Phantom's plans! But truly the mysterious man, of whom the reader learns more than his first name, Erik, not before the end of the book, has only one thing on his mind: his great, unanswered love for singer Christine Daaé, to whom he, at first, teaches singing. Later, he kidnaps her to take her as his wife, but finally releases her, as he realizes that he feels unworthy of her, nothing more than a "dog ready to die", after Christine has given him the most beautiful gift he can imagine: She takes his hand, she lets him kiss her (chastely on the forehead), she cries with him, she treats him equally, simply like a human being. Therefore, "poor, unhappy Erik" is finally ready to let his angel become someone else's wife. As the phantom himself says, there is only one thing he needs to be good: Love. 


  6. Cover des Buches Rebecca (ISBN: 9783458361343)
    Daphne Maurier

    Rebecca

     (397)
    Aktuelle Rezension von: Surari

    Die Protagonistin in diesem Buch ist 21 Jahre alt und Gesellschafterin von Mrs. Van Hopper (ältere Dame, Klatschtante). Ihren Vornamen/Mädchennamen erfahren wir nicht. Auf Reisen begegnet sie Maxim de Winter. Sie verbringen viel Zeit miteinander und als Mrs. Van Hopper abreisen möchte halt Maxime um die Hand der Protagonistin an. Nach der Hochzeitsreise kehren sie zurück auf das Anwesen Manderley. Die schüchterne neue Mrs. de Winter (unsere Protagonistin) hat es nicht leicht, steht doch über allem hier die erste Mrs. de Winter - xhier immer benannt als Rebecca. Rebecca ist verstorben bei einem Segelunfall und ihre alte Haushälterin die sie auch großgezogen hat lässt nichts unversucht um die neue Mrs. de Winter schlecht und als unfähig dastehen zu lassen. Als jedoch Rebecca's Boot gefunden wird als ein anderes Boot in Seenot ist findet man eine Leiche an Bord. Was hat es damit auf sich?

    Ich wollte unbedingt einmal die Geschichte von Rebecca von Daphne du Maurer lesen. Der Roman ist schon sehr alt und erschien 1938. Ich bin zuerst damit in Kontakt gekommen als ich vor vielen Jahren im gleichnamigen Musical war. Dann kam vor einer Weile eine Neuverfilmung auf Netflix und die Geschichte war doch ein wenig anders als ich es aus dem Musical im Gedächtnis hatte. Deshalb kam es jetzt dazu das ich endlich den Roman gelesen habe. Immer noch, trotz des Alters, eine spannende Geschichte rund im die Intrigen Rebecca's die sich auch nach ihrem Tod weiter durch die Leben der Menschen die sie kannten zieht. Das Buch hatte ein paar Längen in denen viel beschrieben wurde, trotzdem finde ich es einen tollen 'Krimi' der alten Schule. Selbst Alfred Hitchcock hat das Buch verfilmt.

  7. Cover des Buches Die Spiegel von Kettlewood Hall (ISBN: 9783426520789)
    Maja Ilisch

    Die Spiegel von Kettlewood Hall

     (54)
    Aktuelle Rezension von: WriteReadPassion

    Inhaltserzählung:
    "Schach ist das Spiel der Bauern", sagte er leise. "nur beim Schach kann ein Bauer einen Bischof schlagen, einen Turm zu Fall bringen, einen König stürzen. Nur beim Schach. Und jetzt pass auf."

    (Seite 53)

    Autorin:
    Maja Ilisch, geboren 1975 in Dortmund, studierte Öffentliches Bibliothekswesen an der FH Köln und absolvierte eine Ausbildung zur Fachbuchhändlerin. Sie schrieb unter anderem für TV-Serien auf SAT1 und RTL sowie für ein Hörspiellabel, für das sie auch eine Phantastikreihe konzipierte. Außerdem betreibt sie die Website des von ihr gegründete Fantasy-Autorenforums TINTENZIRKEL. Heute lebt sie als Bibliothekarin und freie Autorin mit ihrem Mann in der Nähe von Aachen, wo sie sich mit Büchern umgibt und ausgewählte Gäste mit ihrer Puppensammlung erschreckt, die fast nur aus Köpfen besteht.


    Bewertung:
    Das Cover ist echt toll gestaltet und zeigt die zwei Aspekte der Geschichte auf; Die Spiegel und das Schachspiel. Auch die Kapitel haben eine tolle Aufmachung. Diese sind in gezeichnete Spiegel gedruckt. Das ist eine Geschichte, die sehr schwer zu rezensieren ist, ohne zu spoilern. Daher bleibt es etwas wage.

    Eine super coole Geschichtsidee, allerdings führen Titel und Klappentext in die Irre. Es geht nicht um die Spiegel. Während des Lesens kommen zwei Aspekte hervor; einmal die mysteriösen Spiegel und dann  noch das Schachspiel, das allerdings mehr zum Ausdruck kam als die Spiegel. Dieser Aspekt wurde eher nur beiläufig eingebaut und nicht näher herausgearbeitet. Das finde ich sehr schade und enttäuschend.

    Die Charaktere sind sehr wechselhaft, ich habe mich etwas schwer getan, alle Handlungen richtig einzuordnen. Aber die Charaktere sind sehr vielschichtig, was mir gefällt. Bei der Protagonistin Iris habe ich ein paar Mängel entdeckt. Der fremde Diener kommt ihr immer nahe und kennt ihren Namen, trotzdem hat sie keine Angst? Und ohne Anhaltspunkte, weiß sie sofort, dass der Mann in der Bibliothek ein Geist ist, den nur sie sehen kann? Etwas aus der Luft geholt! Es gab 1886 schon Wecker, allerdings bezweifle ich, dass man sie so nannte. Das wirkt ziemlich deplatziert in meinen Augen. Die Liebesgeschichte zwischen Iris und Victor ist mir zu gewollt erstellt. Berührend oder interessant empfand ich es leider nicht. Mir ging das zu salopp, was unwirklich wirkte.

    Die Autorin hat die Erzählung nicht wie ich bei "Die Neraval-Sage" gewöhnt bin, poetisch geschrieben, sondern wirklich jugendgerecht gehalten. Ich würde das Buch eher in die Jugendsparte als in Fantasy einsortieren. Fantasieelemente sind kaum vorhanden, ist für mich eher ein Spannungsroman für Jugendliche. Aber die Autorin setzt generell nur minimale Fantasyelemente ein, das kenne ich schon von ihr. Das ist allerdings nicht negativ gemeint. Es ist eher ein unterschwelliger Grusel, der sich nicht blutig oder psychologisch zeigt. Er ist wie ein Hauch eingearbeitet worden. Was geht in diesem Haus wirklich vor? Welche Rollen spielen die einzelnen Personen darin? Die Atmosphäre ist subtil schauderhaft. 


    Fazit:
    Ein solider Spannungsroman, der ein paar Mängel aufweist. Es liest sich Dank des flüssigen Schreibstil sehr schnell und die Idee der Erzählung ist einmalig. Das Potenzial der Geschichte hat die Autorin allerdings nicht ganz ausgeschöpft, da wäre mehr drin.


  8. Cover des Buches Jane Eyre (ISBN: 9783458364252)
    Charlotte Brontë

    Jane Eyre

     (1.556)
    Aktuelle Rezension von: Julia79

    Ohne Frage ist dieses Buch ein Klassiker. Eine schöne Geschichte vom Waisenmädchen Jane, das eine schwere Kindheit und Jugend hinter sich bringt und sich eigentlich nur eins wünscht - geliebt zu werden. Es geht um Sehnsucht und Selbstverwirklichung der jungen Frau im 19. Jahrhundert.

    In dem knapp 180 Jahre alten Buch passiert auf 600 Seiten an sich nicht viel und das wenige möchte ich zukünftigen Lesern nicht vorweg nehmen. Wirklich spannend zu lesen ist das Buch erst etwa ab der Hälfte.

    Ich muss zugeben, es hat mich nicht von den Socken gehauen. Die Sprache ist poetisch, anrührend, bildhaft ausgeschmückt, aber leider ohne besondere Raffinesse, wenn auch die Gedanken und gesellschaftliche Normen, die junge Frauen in dieser Zeit umgetrieben haben, gut zur Sprache gebracht werden. Die Form des Tagebuchs, die direkte Ansprache des Lesers fand ich dafür jedoch unpassend, denn die Darstellungen wären viel zu detailliert, Wort für Wort die Dialoge und die Umgebung bis ins Kleinste beschrieben. Es erschien mir nicht ganz rund. 

    Und dann diese Männer.

    In dem ganzen Buch kommen fast ausschließlich anstrengende, wenn nicht sogar verhaltensauffällige männliche Figuren vor. Und zwar nicht auf die Weise, dass ich dachte "das ist ja höchst interessant" sondern eher "du liebes Lieschen, tut das denn Not, sich so aufzuplustern?" Schmalztriefend, pathetisch, theatralisch... Das hat mir fast den Humor und Wortwitz der männlichen Hauptperson verleidet, die eigentlich echt toll ist! Ursprüngliche Dialoge, die in einen seitenlangen Monolog des Gegenüber ausarten, da hab ich teilweise augenrollend weitergeblättert. 

    Die absolute Stärke des Romans und das schriftstellerische Können von Charlotte Bronte liegt meiner Ansicht nach in den Zeichnungen der Charaktere, Aussehen, Wesenszüge und wie Janes Bezug und Gefühl zu ihnen ist. Die Hauptfigur Jane ist eine der stärksten und eindrucksvollsten Frauenfiguren, die mir zwischen zwei Buchdeckeln bislang begegnet sind, sie strahlt eine unglaubliche Präsenz aus.

    Alles in allem kein schlechtes Buch, aber auch kein Highlight. 

  9. Cover des Buches Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär (ISBN: 9783328107682)
    Walter Moers

    Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär

     (2.154)
    Aktuelle Rezension von: eva_maria_hofer

    In diesem Buch erzählt Käpt'n Blaubär über seine ersten 13 1/2 Leben und garantiert, dass sich dabei auch alles genau so zugetragen hat. Jedes dieser Leben hat eine Station von Käpt'n Blaubär in Zamonien zum Inhalt (Mein Leben als Zwergpirat, Mein Leben bei den Klabautergeistern, Mein Leben auf der Flucht, Mein Leben auf der Feinschmeckerinsel, Mein Leben als Navigator, Mein Leben in den Finsterbergen, Mein Leben im Großen Wald, Mein Leben im Dimensionsloch, Mein Leben in der Süßen Wüste, Mein Leben in der Tornadostadt, Mein Leben im Großen Kopf, Mein Leben in Atlantis, Mein Leben auf der Moloch, Mein halbes Leben in Ruhe).

    Ergänzt wird die Erzählung von lexikonartigen Erklärungen zu zamonischen Erscheinungen ("Lexikon der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung" von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller).

    In gewohnt humorvoller und fantasievoller Art lässt uns Walter Moers am frühen Leben von Käpt'n Blaubär teilhaben. Es ist ein Vergnügen, in diese Welt einzutauchen!

  10. Cover des Buches Die Stadt der Träumenden Bücher (ISBN: 9783328107514)
    Walter Moers

    Die Stadt der Träumenden Bücher

     (3.365)
    Aktuelle Rezension von: eva_maria_hofer

    Hildegunst von Mythenmetz lebt ein ruhiges Leben auf der Lindwurmfeste. Als sein Dichtpate stirbt, erbt er ein makelloses Manuskript. Dieses berührt Mythenmetz so sehr, dass er sich auf die Suche nach dessen Autor nach Buchhaim begibt. 

    Das Leben in Buchhaim und Mythenmetzs Erfahrungen werden auf humorvolle Art ausführlich beschrieben. Im Verlauf der Suche nach dem Urheber des Manuskripts wird Mythenmetz in die gefährlichen Katakomben von Buchhaim gesperrt und findet dort nach einer Odyssee den sagenumwobenen Schattenkönig. Es entwickelt sich eine äußerst ambivalente Beziehung. Schließlich hilft der Schattenkönig Mythenmetz, dem Labyrinth unter Buchhaim zu entkommen, wofür der Schattenkönig und Buchhaim einen hohen Preis zahlen.

    Walter Moers bezieht sich auf unzählige literarische Vorlagen und schreibt mit einem so leichten Wortwitz, dass ich dieses Buch schon alleine deshalb empfehle.

  11. Cover des Buches Die Glasbücher der Traumfresser (ISBN: 9783442372744)
    Gordon Dahlquist

    Die Glasbücher der Traumfresser

     (186)
    Aktuelle Rezension von: DieSchwesterdesDorianGray

    Wie eingangs schon in der Kurzmeinung erwähnt: Dieses Buch hat mich ordentlich Sitzfleisch gekostet!
    Aber von Anfang an. Den expliziten Inhalt bitte aus vorherigen Rezensionen entnehmen, ich werde hier nur oberflächlich darauf eingehen. Gordon Dahlquist, eigentlich Bühnenautor, entführt uns hier in ein viktorianisch angehauchtes Setting. Seinen eigentlichen Beruf bemerkt man recht schnell, da die Beschreibung der Szenerie irgendwie wenig "roman-like" daherkommt, sondern tatsächlich an einzelne, isolierte Bühnenbilder erinnert, was etwas ist, worauf man sich (meiner Meinung nach) erst einstellen muss. Ebenso Dahlquists Schreibstil, der an manchen Stellen doch äußerst antiquiert scheint, was wahrscheinlich ebenfalls eine Hommage an den Viktorianismus darstellt. Anfangs hatte ich ziemliche Probleme damit, was mich mehrfach kurz vor den Punkt der Aufgabe gebracht hat. (Bin mir hier nicht sicher, ob es an der deutschen Übersetzung liegt und im englischen Original anders ist.) Ich konnte allerdings dann doch nicht aufhören, weil die Verschwörung mich ziemlich gepackt hat, was im Kontrast zu dem (anfangs) ungeliebten Schreibstil stand. Die Story an sich ist großartig, wohl durchdacht, löst sich zum Ende hin komplett auf, und Intrigen werden so unauffällig angelegt, dass ich auf den letzten Seiten oft gestaunt habe, wie sich doch alles zusammensetzt, und dass ich trotz Verdachtsmomenten eigentlich keine wirkliche Ahnung hatte, was da vor sich geht. Also rein storyline-technisch ein Juwel. Der Weg dahin ist allerdings nicht ganz so einfach. 

    Eigentlich bin ich ein totaler Schlinger, was Bücher angeht, fast 1000 Seiten halten bei mir selten länger als 2-3 Tage, aber hier wären wir beim Sitzfleisch angekommen: Die 10 kleinen Bändchen (jeweils ein Kapitel à 81 Seiten, der letzte Band à 162), haben mich fast 3 Wochen gekostet, weil ich den Lesefluss nicht wirklich aufbauen konnte, und immer wieder Pausen brauchte. Ebenso fällt das komplette Eintauchen in die Geschichte schwer, da die oben beschriebene Einführung in die Welt an sich wenig Begeisterung auslöst. Das kann hier leider nur die Story. 


    Fazit: Ich musste ordentlich kämpfen, durch dieses Buch durchzukommen, für die Story hat es sich aber gelohnt. Eine tolle Geschichte, und ich bin sehr gespannt auf die Fortsetzung.

  12. Cover des Buches Das Labyrinth der Lichter (ISBN: 9783596522156)
    Carlos Ruiz Zafón

    Das Labyrinth der Lichter

     (251)
    Aktuelle Rezension von: Hortensia13

    Der geheime Auftrag der Politischen Polizei führt die junge, vom Krieg gezeichnete Alicia Gris zurück in ihre Heimatstadt Barcelona. Sie soll das mysteriöse Verschwinden des Innenministers Mauricio Valls aufklären, eine umstrittene Persönlichkeit mit düsterer Vergangenheit. Alicia findet in Valls Besitz ein seltenes Buch aus der Reihe «Das Labyrinth der Lichter». Wieso hielt er es versteckt? Hat es mit seinem Verschwinden zu tun? Alicia macht sich auf die Suche. Der Weg führt sich in ein Labyrinth von Intrigen und tödlichen Machenschaften.

    Der vierte und letzte Band der Reihe «Friedhof der Vergessenen Bücher» ist ein spannender Krimi, der schlussendlich alle offenen Fragen, auch aus den drei vorgängigen Büchern, beantwortet. Carlos Ruíz Zafon versteht es einen runden Abschluss zu machen. Sein Schreibstil ist nach wie vor philosophisch, sarkastisch und voller Humor. Mit 944 Seiten ist dieses Buch aber eine ziemliche Herausforderung.

    Mein Fazit: Ein ausgiebiges Ende der Reihe, dass alle Erzählstränge der einzelnen Bücher zusammenführt. Wer in die Vergangenheit Barcelonas eintauchen will, kann sich in diesem Labyrinth verlieren. 4 Sterne.

  13. Cover des Buches Der Sandmann (ISBN: 9783423026840)
    E. T. A. Hoffmann

    Der Sandmann

     (701)
    Aktuelle Rezension von: Buechergarten

    》INHALT:

    „Aber die gräßlichste Gestalt hätte mir nicht tieferes Entsetzen erregen können, als eben dieser Coppelius. – Denke Dir einen großen breitschultrigen Mann mit einem unförmlich dicken Kopf, erdgelbem Gesicht, buschigten grauen Augenbrauen, unter denen ein paar grünliche Katzenaugen stechend hervorfunkeln, großer, starker über die Oberlippe gezogener Nase. Das schiefe Maul verzieht sich oft zum hämischen Lachen; dann werden auf den Backen ein paar dunkelrote Flecken sichtbar und ein seltsam zischender Ton fährt durch die zusammengekniffenen Zähne.“

     

    》EIGENE MEINUNG:

    Vor vielen Jahren schon hat dieses kleine Reclam-Büchlein seinen Weg zu mir gefunden und wurde nun endlich zu meinem Halloween-Lesenacht-Buch 2020. Verbunden habe ich damit zuvor Horror, Grusel und den Namen E. T. A. Hoffmann. Mehr wusste ich tatsächlich nicht und habe entsprechend auch nur den Text auf dem Buchrücken als Inhaltsangabe hier übernommen, um auch anderen Lesern nicht vorzugreifen. Einzig noch der Hinweis, dass es sich dabei um eine „Erzählung in der Tradition des Kunstmärchens der Schwarzen Romantik (häufig auch als Schauerroman bezeichnet)“ handelt.

    Das erste was sofort auffällt ist der Schreibstil dieser Geschichte – erstmals 1816 veröffentlicht (ohne bestimmte Autorenangabe in Berlin als erste Erzählung in dem Zyklus Nachtstücke). Die Sätze sind teils recht lang, die Wörter oft anders geschrieben als wir es heute gewohnt sind und einige waren mir sogar gänzlich unbekannt. Trotz dieser etwas erschwerenden Umstände konnte mich die Geschichte schnell gefangen nehmen. Sie ist auf ihre Art spannend und faszinierend.

    Einen großen Anteil daran hat der Beginn der Geschichte, der aus 3 Briefen besteht, in denen Nathaniel – der Hauptcharakter – engen Freunden seine (Grund-)Lage schildert. Schnell wird man so mit den Charakteren bekannt gemacht und ebenso wie Nathaniel mit dem Mythos des Sandmannes in Berührung kam, welcher sein Leben für immer verändern sollte. Im Anschluss wird der Fortgang der Geschichte von einem fiktiven Erzähler weiter dargelegt.

    Hier kann ich guten Gewissens und mit etwas Erleichterung sagen: Es ist ein schönes Buch für die Halloween-Nacht, ruhig einschlafen konnte ich im Nachgang trotzdem! Der Grusel und Horror dieses Buches liegt nicht in persönlichen Ängsten, sondern in der Frage nach Wahrheit, Täuschung und Wahnsinn. Nathaniel ist definitiv nicht als sympathische Hauptfigur angelegt, dennoch ist man gespannt, man rätselt mit und ist nah an seinen Erlebnissen.

    Nach den 43 Seiten Haupthandlung schließt sich ein größerer Anhang an. Dieser enthält eine Editorische Notiz, ausführliche Anmerkungen, Literaturhinweise, sowie ein Nachwort. Spannend war für mich durchaus Letzteres, das viele Interpretationen, Hinweise und Motive des Autors darlegt, z. B. Kritik an Rollenbildern dieser Zeit. Die Erzählung ist derart vieldeutig, wie es auf den ersten Blick nicht den Anschein macht. Sie ist durchaus abstrus, aber trotzdem wohldurchdacht in ihrem Aufbau oder beispielsweise mit dem wiederkehrenden Augenmotiv, der Projektion einer Schauergestalt auf die Realität oder Schlüsselmomente einem traumatischen Erlebnis der Kindheit.

     

    》FAZIT:

    Diese faszinierende Erzählung hat einen tollen Aufbau und bietet vielfache Interpretationsmöglichkeiten, die es verdienen sich genauer mit ihnen auseinander zu setzen. Trotzdem ist es auch eine kurze Lektüre, wenn man sich mal wieder an einen Klassiker wagen möchte. Vor schlaflosen Nächten muss man, meiner Meinung nach, hier keine Sorge haben!

  14. Cover des Buches Loney (ISBN: 9783548289878)
    Andrew Michael Hurley

    Loney

     (89)
    Aktuelle Rezension von: Jukebook_juliet

    Klappentext:

    »Die Einheimischen nannten es The Loney. Niemand, der auch nur das Geringste über diesen Ort wusste, näherte sich je dem Wasser. Zumindest abgesehen von uns. Doch wahrscheinlich hatte ich stets geahnt, dass das, was dort geschehen war, nicht für immer verborgen bleiben würde, so sehr ich es mir auch wünschte.«


    Zwei Brüder geraten an einem gottverlassenen Küstenort immer tiefer in eine rätselhafte, unheimliche Geschichte, in der sie selbst einander der einzige Halt sind. Ein berührender, packender Roman über die Suche nach Erlösung und die Abgründe, in die sie führen kann.


    Meine Meinung:

    Ich habe das Buch aufgrund des schönen Covers und des interessant klingenden Klappentextes mitgenommen. 

    Niemals hätte ich erwartet, dass es in dieser Geschichte hauptsächlich um die Osterpilgerreise einer tief gläubigen Familie und ihresgleichen gehen würde. Das Thema Religion spielt in meinem Leben keine übergeordnete Rolle, weshalb ich mich mit den Ansichten und Taten der Protagonisten schwer tat. 

    Einzig und allein der Schreibstil von Andrew Michael Hurley und die bedrückende Atmosphäre des Buches ließen mich am Ball bleiben, sodass ich bis zum Ende durchhielt. Was mich da erwartete, passte zwar zur Thematik und der Autor blieb seinem Stil absolut treu, jedoch setze es für mich dem ganzen Wahnsinn die Krone auf. 

    Ich bin ja auch der Meinung ‚Glaube versetzt Berge‘, aber hier war alles einfach too much. 


    Fazit:

    Ein von Kritikern viel zu hoch gelobtes Buch mit der Thematik ‚die Macht des Glaubens‘. 


    Meine Bewertung:

    2,5/5 Sterne

  15. Cover des Buches Der Glöckner von Notre Dame (ISBN: 9783734729041)
    Victor Hugo

    Der Glöckner von Notre Dame

     (292)
    Aktuelle Rezension von: SaniHachidori

    Im Folgenden werde ich euch sehr ausführlich meine Eindrücke schildern. Ich kann euch versprechen, dass dies schon die Kurzform im Gegensatz zu dem Buch selbst ist. Allerdings kann ich euch auch versprechen, dass dies wohl die längste Rezension meiner Laufbahn wird. :D

    Anmerkungen:
    * Die Geschichte des Glöckners von Notre-Dame ist gemeinhin bekannt und schon im Jahre 1831 erschienen. Daher gibt es hier keinen direkten Spoiler-Hinweis; allerdings die lieb gemeinte Anmerkung, dass ich das Werk in seiner Gesamtheit beleuchten und auch einige Vergleiche zum bekannten Disney-Film ziehen werde. Wer also das Buch oder den Film nicht gespoilert bekommen möchte, sollte eventuell von der Lektüre dieses Beitrags absehen. :)
    ** In diesem Artikel werden Begriffe genutzt, die in der Originalschrift verwendet, aus heutigen Gesichtspunkten allerdings kritisch bewertet werden könnten. Ich möchte darauf hinweisen, dass ich mich von Rassismus, Chauvinismus und allen anderen Arten von Diskrimierung klar distanziere. Um dieses Buch im Stil seiner Veröffentlichungszeit zu bewerten, werden zu eurer Information die Originalwörter benutzt, die allerdings nichts mit meiner persönlichen Gesinnung zu tun haben.
     


    INHALT:

    Ich warne euch vor: Es wird nicht einfach, den geballten Inhalt und meine Eindrücke auf den Punkt zu bringen.

    Fangen wir doch einfach bei den Charakteren an. Denn ein ganz großer Unterschied zwischen der Originalgeschichte und dem Disney-Film, sind die Figuren. Da gibt es nicht nur Personen, die im Film gar nicht vorhanden sind, sondern auch Figuren, die im Film zusätzlich erfunden wurden. Auch das Verhalten bzw. das allgemeine Gebärden ist unterschiedlich. 


    "Freundschaft heißt Bruder und Schwester sein, zwei Seelen, die sich berühren, aber nicht vermengen, zwei Finger an einer Hand." - "Der Glöckner von Notre-Dame" von Victor Hugo, S.132 -


    Welche Charaktere gibt es nun also, die es auch im Film gibt?

    Da wäre natürlich zunächst Quasimodo, Glöckner und Patron für den Titel des Buches. Dieser ist ähnlich bemitleidenswert wie sein Filmbruder.
    Im Buch hat Quasimodo einen Buckel, große Hände, aber auch entstellte Beine und nur ein Auge. Zudem ist er taub, durch seine Tätigkeit als Glöckner und hört nur einen sehr hohen Ton aus einer Pfeife. Seine Haare sind struppig und er wird oftmals als hässlich tituliert. Damit hat er es nochmals um einiges schwerer als die Filmversion.
    Quasimodo war für mich die mit Abstand sympathischste und gutmütigste Person im gesamten Buch. Er war zwar auch brutal, allerdings fand ich es toll, dass die sanfte Stimme, die beschrieben wurde, auch im Film eingebaut ist. Umso bedauerlicher ist es, dass dieser Protagonist erst im letzten Drittel des Buches so richtig aktiv wurde. Vorher war er doch recht blass und ist einfach nicht richtig zum Zug gekommen.
    Doch wo kommt Quasimodo eigentlich her?
    Im Buch verläuft das ganze etwas anders als im Film, wo Frollo den Tod von Quasimodos Mutter verschuldet und wo er dies auf Anraten des Archidiakons mit der Aufnahme des unglücklichen Kindes aufwiegen soll. Im Original hat eine Frau, die früher ein Freudenmädchen war, ihr Glück in der Mutterschaft gefunden. Eines Tages wird ihr die Tochter gestohlen und anstatt derer ein entstelltes Kind hinterlassen. Das nun ist Quasimodo. Die Frau bringt das entstellte Kind daraufhin nach Paris und legt es vor der Kirche auf einen Altar, der für Findelkinder vorgesehen ist. Aufgrund einer gaffenden Menge wird der Archidiakon bzw. Priester Frollo auf Quasimodo aufmerksam und fühlt sich aus Mitleid verpflichtet, das Kind an sich zu nehmen.

    Ebenfalls vorhanden war Esmeralda, die schöne Zigeunerin und ihre Ziege Djali. Im Buch weicht vor allem Esmeralda sehr von der Filmdarstellung ab. Sie ist nicht nur naiv, sondern auch völlig verblendet in ihrer Liebe zu Phoebus. Natürlich ist sie im Buch ebenfalls eine begnadete Tänzerin und genießt ein hohes Ansehen unter den Zigeunern. Sie wird als deren "heilige Jungfrau" bezeichnet. Tatsächlich ist Esmeralda noch eine Jungfrau, da sie ein Zauberamulett trägt, welches sie zu ihren Eltern führen soll - denn auch sie ist ein Findelkind - das Amulett funktioniert aber nur in Jungfräulichkeit.
    Die Ziege ist ebenso begabt wie im Film, hat allerdings goldene Hörner und Hufe. 

    Wer aufgepasst hat - Phoebus de Châteaupers habe ich gerade schon erwähnt. Nur leider ist auch dieser Protagonist ganz anders als im Film. Im Buch suchen wir vergeblich nach dem charmanten, wortgewandten und gerechten Ritter, der sich in Esmeralda verliebt und alles für sie aufs Spiel setzt. Tatsächlich ist er das genaue Gegenteil. Er ist zwar Bogenschütze in der Stadtwache, aber er jagt jedem Rockzipfel hinterher, verzecht seine Nächte und verprellt seine Verlobte mit seinem unmöglichen Verhalten. Esmeralda findet er zwar attraktiv, aber mehr als körperliches Verlangen steckt ehrlicherweise nicht dahinter. Auch ist er nicht der strahlende Ritter und weder rettet er Esmeralda, noch steht er wirklich zu ihr. Sein Spaß und sein Ruf stehen im Vordergrund. Ein höchst unsympathischer Geselle.

    Natürlich darf auch der Bösewicht Claude Frollo nicht fehlen. Anders als im Film, ist er selbst der Archidiakon. Trotz seiner Priester-Tätigkeit beschäftigt er sich mit Alchemie und der Wissenschaft. Sein Geist war sein Leben lang auf das Lernen aus, bis er Esmeralda das erste Mal erblickt. Auf einmal kann selbst die Wissenschaft ihn nicht mehr ablenken, denn er denkt immerzu an dieses Mädchen. Seine Begierde wächst ins Unermessliche und wird eine wahre Obsession. Er stellt ihr nach und versucht sie wie im Film durch die Androhung ihres Todes dazu zu bewegen, ihn zu heiraten.

    Ein wunderbarer Charakter im Film, der im Buch keine so große Rolle bekam, wie ich es mir gewünscht hätte, war Clopin Trouillefou, den wir aus der Filmumsetzung als charismatischen Anführer der Zigeuner kennenlernen, der wie ein Narr jedes Schauspiel - und sei es eine Hinrichtung - auf die komödiantische Spitze treibt und zudem die Geschichte des Glöckners erzählt. Im Buch ist er zwar ebenfalls König der Zigeuner, aber für meinen Geschmack viel brutaler und skrupelloser. Er blieb mir auf Dauer zu blass, um mich zu begeistern, weil er nur am Rande eine Rolle spielte.


    Welche Charaktere gibt es nur im originalen Buch, aber nicht im Film?

    Eine Person, die schon zum Anfang des Buches eine Rolle spielt, im Film aber nie auftaucht, ist der Dichter Pierre Gringoire. Wir lernen ihn deprimiert und resigniert kennen, denn sein Schauspiel zum Festtag wird nicht mit der gebührenden Aufmerksamkeit bedacht und von der Wahl des Narrenkönigs überschattet. Um seinen Lebensunterhalt gebracht, schleicht er durch die Gassen und wird in einen Konflikt verwickelt, in dem er die schöne Esmeralda zu retten versucht. Er folgt ihr anschließend und entgeht einer Hinrichtung, indem er mit Esmeralda verheiratet wird. Danach schließt er sich den Zigeunern an. Er versucht zwar, die Gunst Esmeraldas zu erringen, ist aber ein anständiger Kerl, der seine Bemühungen schlussendlich einstellt - immerhin hatte sie durch die Heirat verhindert, dass er stirbt. Er hat sowohl Kontakte zu den Zigeunern als auch zu Frollo, was ihn zu einer wichtigen Randfigur macht, die fast schon zu einem Protagonisten avanciert - gerade wenn man den Anfang des Buches betrachtet. Gefallen findet er sehr an der Ziege Esmeraldas, über die er oft sagt, welch schön geratenes Tier sie doch ist.

    Ebenfalls nie im Film erwähnt wird Jehan Frollo du Moulin, der kleine Bruder von Frollo. Dieser wurde zum Waisen und Frollo nahm seinen kleinen Bruder daraufhin bei sich auf, um ihn zu einem ebenso gelehrten Menschen zu erziehen, wie er selbst einer war. Jehan ist zurzeit der Geschichte des Glöckners ein Student und nicht eben brav. Er schlägt leider in eine gänzlich andere Richtung als Frollo es sich erhoffte - versauft sein Geld und frönt dem Rebellentum. Dauerhaft pleite, bittet er Frollo nicht nur einmal um eine finanzielle Unterstützung, was seinem großen Bruder immer mehr zuwider wird. Am Ende wendet sich Jehan ab, wird ein Mitglied der Zigeuner und zieht mit diesen gegen Notre-Dame, wo er schließlich umkommt.

    Eine immer wieder auftauchende Person im Buch ist die Klausnerin, eine alte, verhärmte Frau, die verrückt zu sein scheint. In ihrer Klause haust sie schon viele Jahre und lebt nur von dem, was mildtätige Menschen ihr durch die Gitter reichen. Einen ganz besonderen Hass hat sie auf die Zigeuner, da sie ihr ihre Tochter genommen haben. Da klingelt es wahrscheinlich bei euch - genau diese Person ist die unglückselige, bestohlene Mutter, die Quasimodo nach Paris brachte. Sie trägt immerzu einen kleinen Schuh ihrer Tochter bei sich, der nach dem Verschwinden zurückblieb. Am Ende stellt sich heraus, dass ihre entführte Tochter die Esmeralda ist, die sie so erbittert hasst.

    Es gibt noch weitere Nebencharaktere wie bspw. Ludwig XI. oder Verbündete von Clopin, die für mich allerdings keine so tragende Rolle spielten, dass ich sie hier erklären müsste.


    Welche Charaktere aus dem Film sind nicht im Buch enthalten?

    Wie ihr lesen konntet, ist Frollo im Buch ein Priester und nicht der Richter. Deswegen fällt der aus dem Film bekannte Archidiakon, der Frollo ermahnt, im Original leider weg. Dabei mochte ich diese Figur im Film immer sehr gern, weil er so freundlich war.

    Es war sehr traurig, dass es sie nicht gab, aber das war zu erwarten - die Rede ist von den Wasserspeiern. Sie waren im Film Quasis einzige Freunde. Im Buch hat er einfach niemanden an seiner Seite. Im Film heißen die Wasserspeier Victor, Hugo und Laverne, was eine Hommage an den Autoren dieser Geschichte darstellt. Hugo hat ähnlich wie Gringoire eine Vorliebe für Djali, was ein sehr süßes Detail ist, was aus dem Buch entlehnt wurde.


    Gibt es Szenen im Buch, die Szenen im Film ähneln?

    Es mag erstaunen oder auch nicht - tatsächlich sind die Szenen, die zwischen Buch und Film übereinstimmen sehr gering. Mir fallen nach der Lektüre spontan einige Szenen ein, beispielsweise als Quasimodo auf einem Rad festgebunden und im Film mit Tomaten beworfen wird. Diese Szene gibt es ähnlich auch im Buch, wo es allerdings sehr viel brutaler zugeht und Quasimodo mit Steinen beworfen wird und vorher mit einer Peitsche gepeinigt wird.

    Die zweite Szene, die mir einfällt ist tatsächlich relativ am Ende, als Esmeralda im Film verbrannt und im Buch erhängt werden soll. Frollo bietet ihr an, dass er sie rettet, wenn sie ihn heiratet. Diese Szene ist ziemlich deckungsgleich zwischen beiden Medien.

    Weiterhin sind der Sturm auf Notre-Dame, die Rettung Esmeraldas und der Schrei nach Asylrecht und der Todessturz von Frollo annähernd übereinstimmende Szenen.


    Die Handlung des Buchs


    " '(...) das wird noch ein schlimmes Ende nehmen.'
    ' Aber der Anfang war schön gewesen.' " - "Der Glöckner von Notre-Dame" von Victor Hugo, S. 350 -


    Mir fällt es unglaublich schwer, die Handlung herunterzubrechen, aber ich mag es versuchen. Die Handlung wurde immer wieder durch Kapitel unterbrochen, die zur Haupthandlung nichts beitrugen, weswegen man etwas den roten Faden verloren hat.

    Wie ihr in der Charakterbeschreibung schon lesen konntet, werden eine Vielzahl von Handlungssträngen unterschiedlichster Personen verfolgt. Diese kreuzen sich immer wieder mal und laufen dann wieder auseinander.

    Am Anfang begegnen wir Gringoire, der wie gesagt sehr deprimiert ist, weil er um seinen Lebensunterhalt als Dichter gebracht wurde. Schuld daran ist die Wahl des Narrenpapstes, zu der auch Quasimodo das erste Mal die Bühne betritt. Er selbst wird Narrenpapst.
    Er versucht Esmeralda zu retten, als der Glöckner sie entführen will. Die Entführung geschieht auf Geheiß von Frollo. Gringoire scheitert kläglich an Esmeraldas Rettung und stattdessen hilft Phoebus der schönen Zigeunerin. Als Gringoire der Zigeunerin folgt, gerät er in den sagenumwobenen Hof der Wunder und sieht sich nun dem Galgen gegenüber. Seine einzige Chance ist eine verzweifelte Zigeunerin, die ihn zum Mann will.
    Derweil wird Quasimodo aufgrund seiner Tat, Esmeralda entführen zu wollen, zu einer Strafe am Pranger verurteilt. Nach seiner Peinigung taucht Esmeralda selbst auf, um ihm etwas zu Trinken zu geben.
    Danach rettet Esmeralda Gringoire das Leben, da sie ihn aus Mitleid zum Mann nimmt. Die beiden werden für vier Jahre verheiratet. Esmeralda will allerdings nichts von Gringoire wissen und träumt nur immerzu von ihrem Retter Phoebus. Außerdem trägt sie ein Zauberamulett, welches ihr helfen soll, ihre Eltern zu finden. Dieses funktioniert aber nur, solange sie Jungfrau bleibt. Sie weist Gringoire mehrmals ab. Daraufhin entwickelt sich zwischen Gringoire und der Ziege Djali eine besondere Zuneigung.
    Esmeralda trifft sich schließlich mit ihrem geliebten Phoebus. Dieser ist jedoch nicht auf ihre Liebe, sondern ihren Körper aus. Zudem weiß er nicht, dass Claude Frollo ihn verfolgt. Frollo konfrontiert ihn, will ihn töten, doch schlussendlich treffen sie eine Abmachung. Da Phoebus das Zimmer, in dem er sich mit Esmeralda trifft, nicht bezahlen könnte, übernimmt dies Claude Frollo. Als Gegenleistung darf er den beiden bei ihrem Stelldichein zuschauen. Das allerdings erzeugt in Frollo eine rasende Eifersucht und er sticht Phoebus nieder. Esmeralda fällt in Ohnmacht und wird von Frollo geküsst, welcher daraufhin flieht.
    Esmeralda wird anschließend des Mordes an Phoebus und der Hexerei angeklagt. Unter Folter gesteht sie und wird zum Tod durch Erhängen verurteilt. Ihre Ziege wird ebenfalls zu diesem Schicksal verdammt.
    Claude Frollo bietet Esmeralda am Tage der Hinrichtung an, ihn zum Mann zu nehmen, dann würde er sie vor dem Galgen bewahren. Sie erkennt in ihm den Mörder von Phoebus und weist ihn ab. In diesem Moment sieht sie aber auf einem Balkon eben diesen Mann, in den sie sich verliebte - Phoebus lebt - aber an seiner Seite ist eine andere Frau.
    Quasimodo rettet Esmeralda vor der Hinrichtung und bringt sie nach Notre-Dame, wo sie dem Asylrecht unterliegt und sie somit unantastbar wird. Allerdings wird die Kirche für Esmeralda dadurch auch zu einem Gefängnis. Quasimodo sorgt für Esmeralda - bringt ihr Essen oder Blumen - und versucht immer wieder, mit ihr zu sprechen. Sie lässt sich zwar kurz darauf ein, versinkt aber dennoch wieder in ihrer Sehnsucht nach Phoebus. Auch Quasimodos Hässlichkeit stößt sie zu sehr ab, als dass sie Freunde werden könnten. Eine Pfeife, die sie von ihm erhielt, um ihn zu rufen, warf sie achtlos auf den Boden.
    Als Frollo erfährt, dass Esmeralda Unterschlupf in Notre-Dame gefunden hat, schleicht er sich in der Nacht dorthin und überfällt sie geradezu. Er kann seine Begierde nicht mehr zurückhalten. Nur Quasimodos Pfeife verhindert Schlimmeres.
    Gringoire wurde von Frollo dazu angestachelt, Esmeralda aus Notre-Dame zu befreien und die gesamte Zahl der Zigeuner ebenfalls dazu zu bewegen. So kommt es, dass alle Zigeuner aus Paris gegen Notre-Dame in den Krieg ziehen. Dabei sterben viele Angehörige und auch Quasimodo verteidigt die Kirche und Esmeralda erbittert. Dennoch kann er es nicht verhindern, dass Esmeralda schließlich doch noch hingerichtet wird. Daraufhin stößt Quasimodo seinen Ziehvater Frollo von Notre-Dame in die Tiefe. Quasimodos Skelett wird später in Esmeraldas Grab eng umschlungen mit ihren Knochen gefunden.

    Wie ihr euch vorstellen könnt, war ich vor allem von dem Ende sehr geschockt und auch etwas enttäuscht. Tatsächlich sterben auch viele Nebenfiguren, wie beispielsweise der jüngere Bruder Frollos oder auch Clopin, der König der Zigeuner. Der unerträglich arrogante Phoebus ist neben Gringoire die einzige gewichtige Person, die wirklich überlebt. Gringoire bringt am Ende nochmal etwas Humor in die Geschichte, weil er die liebgewonnene Ziege von Esmeralda vor dem Galgen retten kann und mit ihr fortan zusammenlebt.

    Da die Filmumsetzung so komplett anders ist als das Originalwerk, fällt es mir schwer, einen wirklichen Vergleich zu ziehen. Ich kann nur bemerken, wie viel besser mir der Film ausnahmsweise gefällt. Er bringt alles auf den Punkt und vermittelt dabei wichtige Werte. Das Buch konzentriert sich auf sehr viele unterschiedliche Personen und das in einem Detailgrad, der es schwierig macht, eine Bindung zu den Protagonisten aufzubauen.


    SCHREIBSTIL:


    "An diesen lichten, lauen Tagen voll verhaltener Weihe, gibt es einen Moment, wo das Portal von Notre-Dame zu noch größerer Schönheit aufblüht als sonst, dann nämlich, wenn die schon westwärts sinkende Sonne der Kathedrale fast gegenübersteht und sie aus dieser Sicht bescheint." - "Der Glöckner von Notre-Dame" von Victor Hugo, S. 303 -


    Victor Hugo schreibt ohne Zweifel meisterhaft. Das sprachliche Niveau ist wirklich sehr hoch. Er beschreibt bildhaft, spielt mit den Worten und findet immer wieder bezaubernde Vergleiche, die einer Situation den letzten Schliff verpassen können.
    Leider verstand er es genau so gut, in ewig langen Passagen von der Haupthandlung abzuschweifen. Alles, was ich in der Handlung beschrieben habe, ist eine Zusammenfassung des roten Fadens. Um diesen sind aber etliche Kapitel über Nebenpersonen oder auch einzelne Kapitel mit 30 Seiten Architekturbeschreibung gebaut. Das macht das Lesen sehr schleppend und gibt einem das Gefühl, mit der Handlung nicht voranzukommen, obwohl etwas passiert.
    Neben der Architektur, wird auch das Interior oft bis ins kleinste Detail beschrieben. Offensichtlich war der Autor ein großer Liebhaber der Baukunst, denn er wusste nicht nur alle Elemente zu benennen, sondern appellierte bei jeder sich bietenden Gelegenheit an den Leser, um für den Erhalt der Kulturstätten und der Architektur vergangener Zeiten zu werben. Sicherlich muss anerkannt werden, dass gerade auf Bauwerke bezogen, der Text ein wahres historisches Zeugnis ist. Auch die Eigenarten und Ansichten der Zeit des Glöckners sowie von Hugos Zeitalter sind wertvolle Dokumentationen für die Nachwelt, um ein Gefühl für frühere Epochen zu bekommen. Jedoch schreibt Hugo oft aus Sicht des Autors und damit positioniert er sich für einige Ansichten meiner Meinung nach zu klar und leider auch etwas enttäuschend. Von einem Autoren, der Weltliteratur schrieb erwarte ich einfach anderes.
    So wie Victor Hugo sich auf das Schreiben von Abschweifungen verstand, so begabt war er auch in der Darstellung von unfassbar unsympathischen Charakteren. Gerade Phoebus ist für Liebhaber des Films im Buch eine moralische Enttäuschung. Selbst Esmeralda ist keine Person, mit der mitgefiebert werden könnte, da sie viel zu einfältig und hörig ist. Noch dazu besitzt sie ein so geringes Selbstbewusstsein, dass es erstaunlich ist, was für eine starke Frau sie in der Filmumsetzung geworden ist.

    Man kommt nicht umhin, zu betonen, wie sehr dieses Werk zwischen komödiantischen Einlagen, grotesken Vorkommnissen und Brutalität schwankt. Leider waren die Dialoge zuweilen recht kitschig und überzogen - andererseits wieder furchtbar trocken und fad. Dieses Wechselspiel machte das Leseerlebnis etwas unstet und auch langatmig.


    Die dunklen Seiten des Buches

    Das Buch "Der Glöckner von Notre-Dame" spielt zwar im 15. Jahrhundert, wurde von Victor Hugo aber Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben.
    In diese Buch werden einige Themen oder auch Ansichten besprochen, die aus heutiger Sicht problematisch sind.
    Da wäre zum Einen der offenkundige Rassismus. Hierbei rede ich nicht nur von der Benutzung des Wortes Zigeuner und deren Darstellung als gefährliche, zügellose und hinterhältige Personen, sondern auch von ein paar Andeutungen in andere Richtungen. Es gab da eine Stelle, als der Narrenkönig mit seiner Parade vorüberzieht, da wurden generalisierende Vergleiche und Klischees zu anderen Nationen gezogen. Auch über Menschen jüdischer Abstammung wurde einmal sehr deutlich hergezogen. Natürlich lag mir das während der Lektüre schwer im Magen und es war sehr unangenehm, so etwas zu lesen. Jedoch habe ich es mit einigen Leuten diskutiert und muss zu dem Schluss kommen, dass man Victor Hugo nicht für etwas verurteilen kann, was der damaligen Zeit geschuldet war. Das bedeutet jedoch nicht, dass wir es aus heutiger Sicht nicht kritisch sehen dürfen.
    Etwas, was mir das Herz gebrochen hat, waren die Beschreibungen von Quasimodo und anderen körperlich behinderten Menschen. Diese Diskrimierung von Behinderten ist sicherlich historisch gesehen ebenfalls ein Makel der damaligen Zeit, jedoch hatte ich großes Mitleid mit diesen Menschen, weil die Beschreibungen sehr hart waren. Die Hässlichkeit der "Krüppel" war so abstoßend beschrieben und so mitleiderregend, dass mir dabei richtig mulmig wurde. Auch wird gut deutlich, dass diese Menschen zu damaligen Zeiten ausgegrenzt wurden, da sie in eigenen Vierteln bzw. Slums lebten und die Hygiene dort noch katastrophalere Ausmaße hatte.
    Damit eng verbunden ist die Darstellung der Kausalität zwischen Attraktivität und Intelligenz sowie Lebensglück. Es wird mehrmals deutlich gemacht, dass ein äußerlich hässlicher Mensch auch nichts erreichen wird. Es wird ein Zusammenhang zwischen den Fähigkeiten und der Attraktivität hergestellt. Das ist etwas, was mich nachhaltig beschäftigte, da das Aussehen eines Menschen noch so tadellos sein kann - er kann trotzdem eine völlig hohle Nuss sein. Offensichtlich herrschte zu damaligen Zeiten ein ganz anderes Bild vor.
    Und zum Schluss darf die gute alte Frauenfeindlichkeit nicht fehlen. Das war wirklich eines der Themen, was meine Lesepartnerin und ich oft kommentiert haben - weil es einfach viel zu häufig vorkam. Victor Hugo vermittelt in diesem Buch einfach so oft ein schlechtes Frauenbild, dass der Leser kaum noch aus dem Augenrollen herauskommt. Das reicht von "... weil alle Frauen das so machen" bis hin zu "Ich bin es nur wert, erniedrigt zu werden." und hat uns regelmäßig genervte Seufzer entlockt.


    FAZIT:


    "Der Stamm des Baumes wandelt sich nicht, das Laub dagegen sprießt nach eigener Lust und Laune." - "Der Glöckner von Notre-Dame" von Victor Hugo, S.150 -


    Wie ihr vielleicht schon erahnen könnt, ist das Buch keines, welches mich vollends begeistern konnte. Mir fiel es noch nie so schwer, meine Gedanken zu einem Buch in Worte zu fassen, wie bei diesem hier. Eine der wichtigsten Erkenntnisse ist aber, dass ich einfach unendlich dankbar bin, dass ich dieses Werk von Hugo im Austausch mit meiner lieben Gabriela von Buchperlenblog lesen durfte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich dieses Buch ohne den gegenseitigen Ansporn niemals beendet hätte. Auf jeden Fall bin ich stolz, dass ich mal wieder einen Klassiker gelesen, ein Buch von meinem SuB befreit und damit ein großes To-Do erledigt habe.

    Ein Buch, welches durch sprachliche Rafinesse glänzt. Allerdings wird der rote Faden zu oft verloren, Abschweifungen auf ganze Kapitel ausgeweitet und damit die Langatmigkeit provoziert. Die zum großen Teil unsympathischen Charaktere tragen ebenfalls ihren Teil dazu bei. Ein historisches Zeugnis, welches leider auch aus diesem Grund oft kritisch zu betrachten ist und zwischen Brutalität, Albernheit und Groteskem schwankt.

  16. Cover des Buches Rumo (ISBN: 9783869522791)
    Walter Moers

    Rumo

     (123)
    Aktuelle Rezension von: Ninniach

    Mit Dirk Bach als Leser hat man bei diesen Hörbüchern generell nichts falsch gemacht. Aber nach die 13 1/2 Leben des Käptn Blaubär ist Rumo das beste Buch, das Moers geschrieben hat und das so hervorragend gelesen wird. Bach bringt es fertig, dass man sich keine Minute gelangweilt fühlt, die Geschichte spricht für sich. Rumo ist absolut hörens- und lesenswert!

  17. Cover des Buches Die Elixiere des Teufels (ISBN: 9783150140734)
    E. T. A. Hoffmann

    Die Elixiere des Teufels

     (145)
    Aktuelle Rezension von: claudiaZ

    Die Lektüre des Buches habe ich sehr euphorisch begonnen. Mit dem Schreibstil kam ich auch gut zurecht, jedoch wurde die Handlung im zweiten Teil zunehmend verwirrend. Medardus, die Hauptfigur, unter teuflischen Einfluss eines Elixiers stehend, verliert zusehends die Kontrolle über sein Leben und schwankt zwischen Phasen des Wahnsinns und der Reue hin und her. Als schwierig empfinde ich es auch, dass verschiedene Personen in den einzelnen Handlungssträngen immer wieder gleiche Namen tragen. Dies führt dazu, dass man im Lesen innehalten muss, um für sich zu klären, wem welche Handlung nun zu zurechnen ist. Auch beschlich mich ab und zu die Vermutung, wichtige Details völlig überlesen zu haben. Mit anderen Worten, die anfängliche Euphorie hat bei mir nicht bis zum Ende angehalten. 

     

  18. Cover des Buches Graveminder (ISBN: 9783492269360)
    Melissa Marr

    Graveminder

     (84)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ich finde der Klappentext verrät schon zu viel über die Geschichte. Ich würde empfehlen sich einfach auf das Buch einzulassen und die Geschichte ebenso mit Rebekkah und Bryon zu entdecken.
    Ein paar Hinweise, worum es geht. Eine Kleinstadt- scheinbar idyllisch. Eine junge Frau, auf der Suche vielleicht nach dem Sinn im Leben und dem Gefühl sich nicht binden zu wollen. Ein junger Mann, der dem Sog seiner Heimatstadt nachgeben hat und zurück ist um hier im Bestattungsinstitut des Vaters zu arbeiten.
    Bestattungsritualen- anders als anderswo auf der Welt.
    Die Welt der Toten und die Welt der Lebenden- auch das spielt eine große Rolle in der Geschichte. Es wird auch ein wenig gruselig, aber nicht zu sehr. Ich fand es genau die richtige Mischung aus Grusel und Spannung.
    Den Prolog, den finde ich schon ein wenig gruselig. Da kommt schon die düstere, dunkle Stimmung des Buches zum Tragen. Es sind aber eher die Andeutungen, das Offenlassen, das bei mir als Leser das Kopfkino auf Grusel einschaltet, als wie die Beschreibungen im Buch. Für mich war das so sehr gelungen. Ich mag keine blutigen Detailszenen lesen. Andeutungen, das reicht total um die Gänsehaut zu erzeugen.
    Die Geschichte war unheimlich fesselnd. Ich tappte die ganze Zeit über im Dunklen, worum es überhaupt geht in der Geschichte (eher nicht Klappentext im Buch lesen, der verrät noch mehr, als der außen auf dem Buch).
    Lebende Tote- Zombies? Aber warum heißt das Buch „Grave Minder“- müssen die Verstorbenen bewacht werden?
    Was mir sehr gefallen hat beim Lesen, ist das ich einen Verdacht hatte. Aber der Autorin gelingt es, mich als Leser immer wieder in die Irre oder die Sackgasse zu führen und dann einen Schwenker vorzunehmen und mich damit total zu überraschen.
    Das ist schon ein Buch in dem Mysterien, Tot, Dunkelheit, Emotionen, Vorherbestimmungen und auch das Schicksal eine Rolle spielen. Mir haben die Figuren und auch die Emotionen sehr gut gefallen.
    Rebekkah in ihrer Zerrissenheit, der Umtriebigkeit. Bryon mit dem starken Gefühl, dass er zurückkommen muss in seine Heimatstadt- ein Gefühl wie eine Art Sog.
    Und dann diese Vorkommnisse.
    Doch die Auflösung hinter diesen ganzen Geschehnissen. Der Pakt der Stadt- das war genial spannend.
    Das Buch fesselt von der ersten bis zur letzten Seite.
    Es kann dazu führen, dass man nachts wachliegt und schmökert und das Buch nicht zu Seite legt bis die letzte Seite gelesen ist.
    Absolute Leseempfehlung.
  19. Cover des Buches Das Durchdrehen der Schraube (ISBN: 9783423144568)
    Henry James

    Das Durchdrehen der Schraube

     (87)
    Aktuelle Rezension von: Buchperlenblog

    Inhalt

    Eine junge Frau nimmt die Stelle als Gouvernante für zwei Kinder an, deren Eltern verstarben, und die nun, ganz der abwesenden Obhut des Onkels überlassen, auf einem herrschaftlichen Anwesen für einigen Wirbel sorgen.

    Das Nicht-Gesagte

    Heute, am 09. Oktober 2020, startet die neue Spuk-Staffel auf Netflix. War ich großer Fan der ersten Staffel rund um The Hunting of Hill House – ebenso von Shirley Jacksons Romanvorlage wie auch der filmischen Umsetzung von 2018 – wollte ich vorab natürlich unbedingt wissen, worum es dieses Mal gehen wird! Henry James‘ „Das Durchdrehen der Schraube“ stand hierfür Pate und erzählt uns eine eigentlich ziemlich gruselige Geschichte.

    Eigentlich? Ja, denn würde man die vielen nichtssagenden, um den heißen Brei herumredenden Dialoge einmal beiseite lassen, käme eine durchaus unheimliche Geschichte bei raus. Doch von Anfang an.

    Wir gelangen zusammen mit unserer namenlosen Erzählerin auf das großzügige Landgut Bly Manor. Die Angestellten des Hauses scheinen allesamt nett, und besonders in der Haushälterin Mrs Grose findet sie schnell eine Verbündete. Auch die beiden Kinder Miles und Flora wirken in ihrer kindlichen Schönheit und Unschuld wie zwei kleine Engel auf die neue Gouvernante. Doch einige Zeit nach ihrer Eingewöhnung trifft sie auf einem ihrer Spaziergänge auf die Erscheinung eines fremden Mannes. Eines Mannes, der, wie sich später herausstellt, schon längst verstorben ist. Dieser soll nicht der einzige geisterhafte Besucher Blys bleiben, denn nicht alle ehemaligen Angestellten möchten das Landgut verlassen, weder lebend noch tot. Auch die Kinder scheinen die Erscheinungen längst bemerkt zu haben. 

    Anfangs erinnerte mich dieses Buch durchaus in den Grundzügen an liebgewonnene Schauerklassiker wie Jane Eyre oder Sturmhöhe der Bronte-Schwestern. Doch mit der Zeit wurde eines immer deutlicher: Was den Bewohnern Blys eindeutig fehlt – und womit James wohl seine Geschichte besonders schmücken wollte – ist die mangelnde Kommunikation. Zwischen den Ausrufen der ach so goldlockigen Kinderlein und der Beschwörung der Haushälterin zur Vorsicht, findet sich vor allem eines: das Nicht-Gesagte. Viele Gespräche werden begonnen, Fragen um Fragen gestellt, und doch nie zufriedenstellend beantwortet. Auch bleiben die Geister in ihrem Erscheinen eher undurchsichtig, die wahrhaft böse Absicht, die ihnen immer wieder unterstellt wird, blieb mir seltsam fremd. Interessanter dagegen empfand ich die vielen Interpretationsansätze, die sich hier und da und auch in den Anmerkungen des Buches finden lassen. 

    Fazit

    Eigentlich eine grundsolide Geistergeschichte, die besonders durch ihren vergänglichen Charme besticht. Dabei hätte ich mir allerdings doch mehr Handlung an sich gewünscht, um mich wahrhaft gruseln zu können. Stattdessen wollte ich schlussendlich nur noch eines: das alle Beteiligten einfach miteinander reden. Nun blicke ich also gespannt auf den neuen Netflix-Spuk und hoffe, dass dort die Geister uns wahrhaft gruselig heimsuchen werden.

  20. Cover des Buches Rumo & die Wunder im Dunkeln (ISBN: 9783328601906)
    Walter Moers

    Rumo & die Wunder im Dunkeln

     (1.105)
    Aktuelle Rezension von: Eva-Marie_Kwade

    Im Buch begleitet man den Wolpertinger Rumo auf seinem Lebensweg. 

    Zuerst entdeckt er das Kämpfen für sich und befreit damit seine Freunde und andere Lebewesen von den Teufelsfelsen. Danach wird er von seinem neuen Freund Smeik ein Stück seines Weges begleitet, bis Rumo den "Silbernen Faden" entdeckt. Dieser führt ihn nach Wolperting, eine Stadt nur für Wolpertinger. Dort geht er zu Schule und lernt Rala, eine wunderschöne Wolpertingerin kennen. Sie ist sein silberner Faden. Um ihr seine Liebe zu beweisen, möchte er ihr eine selbstgemachte Schatulle aus dem gefährlichen Nurnenwald schenken. Nach seinem "Ausflug" dorthin sind jedoch alle Wolpertinger verschwunden. Rumo fackelt nicht lange und will seine neuen Freunde wieder finden und befreien. Auf dem Weg nach Hel, die Hauptstadt von Untenwelt erlebt er wieder eine Menge spannender Dinge und kann letzendlich seine Freunde (auch Smeik, der zufällig auch gekiddnaped wurde) aus den Fängen vom irren König Gaunab befreien. Natürlich befreit er auch seine Rala. In Wolperting zurück kommt es zu einem tollen Happy End.

    Ich fand es so schön Rumo zu begleiten und musste so manches Mal schmunzeln, dass Rumo zum Beispiel nicht wusste, dass es auch weibliche Geschöpfe gibt :) Manchmal ist es jedoch recht schwer die Zamonien-Bücher von Walter Moers zu lesen, da der Schreibstil ein wenig "gewöhnungsbedürftig" ist. 

    Die Handlung war sehr spannend. Manchmal konnte ich lachen und manches mal war es sehr herzzereißend. 

    Die Charaktere fand ich alle genial und vom Autor gut ausgearbeitet und beschrieben. 

    Das Buch würde ich jedem empfehlen, der mal wieder in eine fantastische, außergewöhnliche Welt abtauchen möchte. Jedoch darf man nicht außer Acht lassen, dass dies kein Kinderbuch ist.

  21. Cover des Buches Das Albtraumreich des Edward Moon (ISBN: 9783492266932)
    Jonathan Barnes

    Das Albtraumreich des Edward Moon

     (133)
    Aktuelle Rezension von: simonfun

    Eigentlich liebe ich die englischen noir-viktorianisch-angehauchten Geschichten mit typisch britisch untermalten schwarzen Humor mit geheimnisvollen Andeutungen. Genau das hat der Autor auch geliefert. Aber? Ein paar Details, die eingeflochten waren, wurden leider nicht erklärt, bzw. aufgelöst und andere Details sind in den Wirrungen der Geschichte verloren gegangen und ein paar Szenenfortsetzungen wurden vom Autor verweigert. Die drängendste Frage ist dennoch: wer oder was ist der Stumme?
    Ich habe trotzdem zufrieden das Buch nach der letzten Seite zur Seite gelegt und noch einige Minuten darüber sinniert. Und genau das macht es zu einem 5 Sterne General.
    Wie auch immer - alles bedient!
  22. Cover des Buches Ravenhurst (ISBN: 9783948483142)
    Sandra Bäumler

    Ravenhurst

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Rajet

    Der Schreibstil ist sprachlich der Zeit angepasst in dem der Roman spielt, lässt sich gut lesen – für Fans des Regency Genre oder gruseliger Romane passend.

    Das Cover zeigt eine junge Frau (Eleonore) in der typischen Kleidung der Zeit vor einem alten Landsitz (Ravenhurst). Es scheint einsam zu liegen und wirkt wie an einem düsteren November Tag – atmosphärisch passt es zum Roman Inhalt.

    Der Klappentext macht neugierig auf einen dunklen und düsteren Roman.

    Fazit:
    Da ich schon andere Romane der Autorin, meist im Genre Fantasy gelesen habe, war ich auf diese Gothic Novel von ihr gespannt. Der Verlag ist mir unbekannt, da er meist Genres bedient, die ich eher nicht lese: Viktorianische Krimis. Crimetime. Fantasy Krimis. Gothic Novel hört sich schon mal düster und dunkel an - interessant.

    Wir lernen Eleonore kennen die nach dem Freitod ihres Vaters alles verliert, sogar ihr Zuhause. Dann bekommt sie über den Familienanwalt ein Angebot: wenn sie Dorian Graves heiratet, bekommt sie das ehemalige Haus ihres Vaters auf sich überschrieben. Also geht sie auf das Angebot ein und reist mit ihrer Zofe und Freundin nach Ravenhurst, dem Landsitz ihres zukünftigen Gatten. Dieser wirkt eher kalt und distanziert – die Ehe wird lieblos in der Bibliothek geschlossen. Unter dem Aspekt das Eleonore noch in Trauer ist. Aber ihr Ehemann scheint geheimnisse zu haben und dann sind da noch die Vorfälle in denen Frauen verschwinden.

    Erzählt wird die Handlung aus der Sicht von Eleonore, man kann sich gut in sie hineinversetzten, in ihre Ängste, Trauer und Zweifel, Hoffnung und Liebe. Gerade zu Anfang bis ca. zu dreiviertel des Romans kann man es mit Fug und Recht als Gothic Novel bezeichnen. Leider wird zum Ende hin doch mehr eine Liebesgeschichte daraus. Ansonsten bin ich ein Fan von alten Häusern und ihren Bewohnern, es darf ruhig düster, dunkel und gruselig sein – passend zu den Monaten Oktober / November. Mit eher bildhaften Beschreibungen konnte man sich gut in das düstere London und den Landsitz Ravenhurst hineinversetzen.

    Eine Geschichte, wo etwas mehr Gänsehaut Momente toll gewesen wären, aber ansonsten gut zu lesen. Das Ende ist mehr offengehalten – wird noch eine Fortsetzung folgen? Für diesmal gibt es von mir 4 Sterne. 

  23. Cover des Buches Northanger Abbey (ISBN: 9783328106753)
    Jane Austen

    Northanger Abbey

     (571)
    Aktuelle Rezension von: rebell

    Inhaltsangabe: Ein finsteres Familiengeheimnis oder doch nur blühende Phantasie?

    Catherine Morland liest gerne Schauerromane. Als ihr gebildeter Verehrer sie seiner Familie vorstellt, ist diese not amused. Die Aura des alten Landsitzes ›Northanger Abbey‹ beflügelt Catherines Phantasie so sehr, dass sie bald glaubt, einem Familiengeheimnis auf der Spur zu sein.


    Sichtweise/Erzählstil: Wir tauchen ein an der Seite von Catherine und beobachten von Außen wie sie das gesellschaftliche Leben empfindet und gern in ihren Romanen abtaucht. Wir bekommen einen guten EInblick in ihre Gedanken und Emotionen. Es ist ein leichtes eine stabile Verbindung zu ihr Aufzubauen.


    Spannung/Story: Die erste Hälfte des Buches beschäftigt sich mehr mit dem gesellschaftlichen Treiben in Bath und wie Catherine ihre neuen Freunde kennen lernt. Hier muss man auch mal laut auflachen oder wütend schnauben. Die lockere Geschichte lässt sich einfach so weglesen und man kann super entspannen.
    Jedoch ist der Part um das Kloster Northanger Abbey meiner Meinung nach zu kurz geraten. Man muss im Hinterkopf behalten, das Jane Austen hier eine Parodie über Horrorgeschichten geschrieben hat. Das spiegelt sich sehr gut in der zweiten hälfte des Buches wieder, auch wenn wir nicht lange in dem Kloster verweilen. Die Fantasie scheint oft mir Catherine durchzugehen und man schüttelt den Kopf wegen ihres Verhaltens.


    Fazit: Auch wenn es eine leichte lockere Geschichte für zwischendruch ist, hatte ich persöhnlich zu hohe Erwartungen an das Buch.

  24. Cover des Buches This House is Haunted (ISBN: 9780857520920)
    John Boyne

    This House is Haunted

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Zauberberggast

    "I blame Charles Dickens for the death of my father." So lautet der kuriose erste Satz dieses historischen Romans von 2013, der in der Tradition des englischen Schauerromans steht. Er greift Motive der "Gothic novel" von Charlotte Brontës "Jane Eyre" bis hin zu Daphne du Mauriers "Rebecca" auf und generiert doch gleichzeitig einen ganz eigenen individuellen Zugang zum Genre. Auch Elemente des Horrors, des Kriminalromans und des Psychothrillers werden in "This House is haunted" verarbeitet.

    London 1867: Die 21-jährige Eliza Caine verliert nach einer Lesung von Charles Dickens ihren geliebten Vater und einzigen engeren Verwandten (die Mutter starb bei der Geburt ihrer jüngeren Schwester). Während ihr Vater als Entomologe am Britischen Museum beschäftigt war, ist Eliza Lehrerin an einer Schule für Mädchen, wo sie die 5-6-jährigen unterrichtet. Aufgewühlt vom plötzlichen Verlust ihres Vaters, sieht die junge Frau eine Anzeige für eine Stelle als Gouvernante in Norfolk. Begierig ihrer Einsamkeit in London zu entfliehen, kündigt sie ihre Stelle als Lehrerin und macht sich auf den Weg in die ihr unbekannte Grafschaft. Nachdem bereits die Reise mit unheimlichen Zwischenfällen einherging, erlebt Eliza bei ihrer Ankunft auf “Gaudlin Hall” schier Unglaubliches: Die beiden Kinder Isabella und Eustache empfangen sie, von Erwachsenen fehlt jede Spur. Und das ist nur der Anfang von einer Kette von unerklärlichen Ereignissen, die die Protagonistin auf eine harte Probe stellen.

    "Gaudlin Hall" ist ein typisches englisches Herrenhaus, das schon bessere Tage gesehen hat und damit prädestiniert als Schauplatz für eine "Gothic novel". Aber nicht nur das abgewirtschaftete Herrenhaus selbst erzeugt eine gruselige Atmosphäre. Auch die Bewohner oder vielmehr ihre Abwesenheit, lassen beim Leser viel Raum für Schauder und Spekulationen über die wahre Natur ihres Verschwindens. Zahlreiche Nebenfiguren spinnen ein Netz aus Gerüchten und Geschichten, aus dem Eliza sich einen Weg zur Wahrheit bahnen muss. Sie ist eine starke Protagonistin, die niemals an ihrem eigenen Verstand zweifelt. Bodenständig, mutig und sympathisch versucht sie die Abgründe von “Gaudlin Hall” auf eigene Faust zu ergründen. 

    Was mir besonders gefallen hat: Der Roman strotzt nur so vor Intertextualität. Neben Charles Dickens (wir erinnern uns an den ersten Satz), der mit seinen Texten und auch als extrem erfolgreicher Autor der viktorianischen Zeit, in der der Roman spielt, quasi leitmotivisch erwähnt wird, werden noch viele andere AutorInnen bzw. Ihre Werke genannt. Neben Shakespeare, den Eliza gerne zur Sprache bringt, wird u.a. die Lektüre von Jane Austen (“Pride & Prejudice”) sowie George Eliot bzw. Mary Ann Evans (“Silas Marner”), die zur Handlungszeit des Romans noch lebte, erwähnt. 

    Als Schauerroman und “moderne” Gothic novel kann ich diesen Roman, bei dem dem Leser niemals langweilig wird, unbedingt empfehlen.



Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks