Bücher mit dem Tag "grotesk"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "grotesk" gekennzeichnet haben.

22 Bücher

  1. Cover des Buches Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand (ISBN: 9783328102366)
    Jonas Jonasson

    Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand

    (5.960)
    Aktuelle Rezension von: annalog

    Wahnsinnig witzige Idee, die Umsetzung hat mir sehr gut gefallen. Hier gibt es die Geschichte des 100-jährigen, der vor seiner Geburtstagsparty flüchtet und dabei so allerhand erlebt. Es gibt immer wieder Rückblicke auf sein Leben und auch da hat er Dinge erlebt, die mich kopfschüttelnd zurückgelassen haben.
    Mir ist übel aufgestoßen, dass das N-Wort verwendet wurde. Ich hatte hoffentlich noch eine ältere Version und in den neueren ist das hoffentlich überarbeitet?

  2. Cover des Buches 1984 (ISBN: 9783328111368)
    George Orwell

    1984

    (4.288)
    Aktuelle Rezension von: KlaraWg

    Der Roman 1984 ist für mich eines dieser seltenen Bücher, die nicht nur gelesen, sondern regelrecht erlebt werden. Die düstere Welt, die George Orwell entwirft, wirkt erschreckend klar und beklemmend real – gerade weil sie so konsequent durchdacht ist.

    Besonders beeindruckt hat mich, wie subtil und gleichzeitig gnadenlos das Thema Kontrolle dargestellt wird: nicht nur durch Überwachung, sondern durch Sprache, Denken und sogar Erinnerung. Die Idee, dass Realität formbar ist, wenn man sie nur oft genug neu definiert, hat mich beim Lesen immer wieder innehalten lassen.

    Der Protagonist Winston ist dabei keine klassische Heldenfigur, sondern eher ein stiller Beobachter – genau das macht ihn so greifbar. Seine innere Zerrissenheit und sein vorsichtiger Widerstand spiegeln sehr gut wider, wie schwierig es ist, in einem totalitären System überhaupt noch „man selbst“ zu bleiben.

    Was das Buch für mich besonders stark macht, ist seine Zeitlosigkeit. Obwohl es 1949 erschienen ist, fühlt sich vieles erschreckend aktuell an. Gerade in einer Welt, in der Information, Wahrheit und Medien eine immer größere Rolle spielen, wirkt Orwells Warnung fast schon prophetisch.

    Für mich ist „1984“ kein leichtes Buch, aber ein unglaublich wichtiges. Es regt zum Nachdenken an, bleibt lange im Kopf – und verändert den Blick auf die Realität ein Stück weit. Klare Leseempfehlung.

  3. Cover des Buches Die Analphabetin, die rechnen konnte (ISBN: 9783328100157)
    Jonas Jonasson

    Die Analphabetin, die rechnen konnte

    (730)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Zunächst ein großes Kompliment an die Übersetzerin. Es war sicher nicht einfach, diesen spielerischen Umgang mit Sprache, diese teils aberwitzigen und skurrilen Vorgänge, so zu übertragen, dass diese auch im Deutschen ihre gewünschte Wirkung entfalten. Es ist ein Genuss, diesen teils versteckten oder hintersinnig eingestreuten realen Bezügen in einer ansonsten doch sehr abgedrehten Story zu folgen. 

    Die Geschichte entfaltete ihren Reiz auch dadurch, dass die historischen Personen beim Namen genannt werden und das politische Geschehen in eine Lebenswirklichkeit hineingezogen wird, die die Distanz zu diesen Geschehnissen nicht nur verringert, sondern tatsächlich auch menschlicher und damit verstehbarer machen – unabhängig davon, ob sie sich so oder so oder auch ganz anders abgespielt haben.  Diese indirekten Anspielungen fordern geradezu nach Weiterdenken heraus. Es fällt leicht mit der „guten Seite“ zu sympathisieren (wer möchte nicht gerne, trotz aller Hindernisse, so souverän durchs Leben gehen?), wobei die „böse Seite“ durchaus auch ihren Charme hat. Es gibt also ausreichend Raum, bei guter Unterhaltung, die eigenen Gedanken spazieren zu führen.

    Da das Elend dieser Welt im Moment zuzunehmen scheint, kommt eine solche Geschichte gerade recht. Nicht als „Erlösungsgeschichte“, sondern als augenzwinkernder Hinweis: Nimm das Leben wie es kommt und mache das dir Mögliche daraus.

    (19.11.2018)

  4. Cover des Buches Unterwegs im Namen des Herrn (ISBN: 9783423142809)
    Thomas Glavinic

    Unterwegs im Namen des Herrn

    (36)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Um zu erfahren was es mit dem Pilgern auf sich hat, schließen sich Thomas Glavnic und sein Freund Ingo einer Buspilgerreise von Wien nach Medjugorje an. Dort soll in den 80er Jahren die Muttergottes erschienen sein und es auch heute noch tun. Die beiden Freunde geraten in einen Strudel des Religionstourismus, suchen und finden für sich aber auch keinen gangbaren Pilgerweg. Anstatt Erleuchtung zu erfahren steigt ihr Alkoholkonsum ins Unermeßliche, ihre Fluchttendenzen nehmen zu. Auf keinen Fall mit der Gruppe zusammenbleiben, lieber schnell mit dem Flieger zurück nach Wien.  Aber der Nachhauseweg gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn als Glavinics Vater auftaucht und die Beiden zu einem Freund nach Split bringen sollte, bringt er Thomas und Ingo zu einem Bekannten von ihm. Dort werden sie in einer prunkvollen Villa empfangen und erleben eine Nacht mit viel Alkohol und einer toten Ziege. Bald wird ihnen klar, dass sie besser bei den Pilgern hätten bleiben sollen.                        

  5. Cover des Buches Darkside Park, Folge 7-12 (ISBN: 9783942261012)
    Ivar Leon Menger

    Darkside Park, Folge 7-12

    (33)
    Aktuelle Rezension von: vormi
    Ich bin zwar immer noch nicht viel schlaer, worum es hier wirklich geht, aber der 2. Teil dieses Hörbuches wird immer spannender und Gnsehaut kriecht mr immer öfter über die Arme. Wirklich Super gemacht, die verschiedenen Stimmen und die Geräusche im .Hintergrund - großartig! Und was wirklich in dem kleinen beschaulichen Porterville vorgeht - ich weiß es immer noch nicht..."Haben Sie schon mal vom Darkside-Park gehört?"
  6. Cover des Buches Fahrenheit 451 (ISBN: B002TVY2XE)
    Ray Bradbury

    Fahrenheit 451

    (69)
    Aktuelle Rezension von: SternchenBlau

    „Fahrenheit 451“ las ich bereits in der Schule, aber das ist wohl bald 30 Jahre her 😅 Schon länger nehme ich mir einen Re-Read vor. Und als ich in der Bibliothek gesehen habe, dass Rufus Beck der Sprecher des Diogenes-Hörbuchs ist, habe ich mich für dieses entschieden.

    Ein Hinweis vorneweg zum Hörbuch und unterschiedlichen Übersetzungen:

    Rufus Beck liest hier ungekürzt die Übersetzung von Fritz Güttinger. Ich habe allerdings erst, als ich schon mitten im Hören war, bemerkt, dass es eine neuere Übersetzung gibt. (Ich wollte da ein Zitat nachlesen). 2020 ist auch eine neue Buchfassung bei Diogenes erschienen, übersetzt von Peter Torberg, der sich den Text komplett neu vorgenommen hat. Beim Blog kaffeehaussitzer.de (https://kaffeehaussitzer.de/ray-bradbury-fahrenheit-451-interview-mit-peter-torberg/) findet ihr ein Interview mit Torberg. Was ich in der Neuübersetzung schon mal sehr gelungen finde, ist, dass „Firemen“ nicht mit Feuerwehrmänner, sondern mit Feuermänner übersetzt wird. Da ich die Lesung von Rufus Beck aber so gelungen fand, bin ich dann bei der Hörfassung geblieben. Vielleicht nehme ich mir das Buch aber irgendwann einmal noch im Original vor.

    Generell ist der Roman oft poetisch, in der Schilderung von Gewalt recht nüchtern. Dennoch finde ich eine Content Note wichtig, weil einiges doch vielleicht selbst in einer Dystopie überraschend kommen könnte.

    Content Note:
    Suizid, Suizidversuch, Mord, Gewalt Feuer, Brandstiftung, Hetzjagd, Hunde, Injektionsnadel, Überwachung, Krieg, Autounfall

    Ich hatte nur noch einige Eckpunkte der Handlung im Kopf und war überrascht, wie schnell alles für den Protagonisten und Feuer(wehr)mann Montag brisant wird. Montag erbte den Beruf von seinem Vater und seinem Großvater – die Feuerwehr ist nicht mehr dazu da Feuer zu löschen, sondern Bücher zu verbrennen. Montag weiß noch nicht einmal, dass unter diesem Namen früher die ganz gegenteilige Aufgabe durchgeführt wurde. Am Anfang hinterfragt er diese Arbeit überhaupt nicht. Doch dann stellt das Nachbarsmädchen Clarisse Fragen, die Montags Weltsicht erschüttern. Nun beginnt er selbst Fragen zu stellen und durch seine Fragen werden sein Vorgesetzter Beatty und seine Frau Mildred misstrauisch. Aber er lernt auch den früheren Universitätsprofessor Faber kennen.

    Die Welt ist dystopisch, Bücher sind verboten, Schulen sind Verfahr- und Bespaßungsanstalten, Universitäten gibt es nicht mehr. Die Welt steht vor einem erneuten großen Krieg, aber es gibt keinen Diskurs darüber, weil die Menschen durch Medien, schnelle Autos und Gewalt sediert werden. Vieles davon – die wandgroßen Fernsehbildschirme, die ständige Unterhaltung durch Stöpsel im Ohr – scheint heute fast Alltag zu sein.

    Über eine Stelle bin ich erst gestolpert, weil sie den Zustand dieser Welt vermeintlich den Minderheiten zuschreibt. Deren Bedürfnis, dass dieses oder jenes nicht mehr gesagt werden solle, sei der Grund, warum Bücher immer stärker eingedampf und schließlich verboten worden sein sollen. Das scheint das Geunke der globalisierten Rechten wegen „Political Correctness“ oder „Wokeness“ versteckt, aber dann fiel mir auf: Es ist Beatty, der das behauptet. Wie Faber später mehrfach betont, ist Beatty schlau, hat durchaus Bücher gelesen – und nutzt sie nun, um als Demagoge den verunsicherten Montag wieder zurück auf den rechen Pfad zu bringen.

    Montag geht in seinem neuentdeckten Bewusstsein nicht subtil vor, da hätte ich ihm manchmal zurufen wollen: „Das kannst du doch so nicht machen!“, aber mit Fabers Blick wird die Wut dann wieder verständlicher, auch, wenn wir wissen, dass das so nicht viel bringen wird. Und dann bleibt auch immer die Bewunderung, dass durch solche Wut auch Hoffnung möglich ist.

    »Die Welt war voll von Verbrennung aller Art. Nun galt es schleunigst, die Zunft der Teflonweber ins Leben zu rufen.«

    Das Buch ist in den 1950ern geschrieben, meine einzige wirkliche Kritik ist also also zeitabhängig. Die Frauenfiguren fand ich alle recht klischiert. Gut, außer Montag, Beatty und Faber bekommen die wenigsten Männer auch kaum eine wirkliche Zeichnung, aber dennoch sind es in der Geschichte viel mehr Männer und auch mit mehr Aktion. Clarisse ist zwar komplett positiv gezeichnet, aber eher wie eine jugendliche Beatrice für Dante. Und bei der Ehefrau Mildred und ihren Nachbarinnen kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass da schon einige misogyne Klischees zusammenkommen. Aber gut, das ist die Zeit, sollte man beim Lesen aber nicht ganz außer Acht lassen. Und darum vergebe ich auch 4,5 statt 5 Sternen.

    Wichtiger Klassiker, der auch heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat.


  7. Cover des Buches Das Eulentor (ISBN: 9783844547443)
    Andreas Gruber

    Das Eulentor

    (9)
    Aktuelle Rezension von: Tigana

    Das Hörbuch aus dem @hoerverlag wird mit einer Dauer von 10,5 Std gut und professionell von Achim Buch gelesen.


    Betitelt wird die Story als ein packender Mysterythriller vor historischer Kulisse.

    Tatsächlich wartet man sehr laaaange, bis irgendein Mystery Ereignis um die Ecke kommt. Bis dahin begeben wir uns auf die eiskalte Tour mit den Expeditionsteilnehmern.

    Erzählt wird das Ganze durchaus atmosphärisch und bildhaft. Ich konnte die Bilder vor meinen Augen erzeugen.


    Auch die technischen Fakten fand ich gut eingestreut und keineswegs langweilig,sondern gut erklärt. 


    Dennoch habe ich fast 9 Std darauf gewartet, dass es mystisch wird. Irgendwie.

    Viele Dinge werden nur angerissen, nicht aufgeklärt, wir bleiben im Ungewissen.


    Ja, für mich hätte es da mehr Spannung und Mystikthrill geben müssen, wenns schon so deklariert wird.

    Wie gesagt, am Erzählstil und der Bildhaftigkeit ist nichts zu bemängeln, doch mir fehlte der besondere Kick.


    3,5 von 5

  8. Cover des Buches Der Metropolist (ISBN: 9783453320147)
    Seth Fried

    Der Metropolist

    (50)
    Aktuelle Rezension von: Olaf_Raack

    Auf der Rückseite des Buches prangen fett die Worte: Pulp Fiction meets Science Fiction. Wenn man mit dem Satz in das Buch geht, wird man beides suchen und vermissen und ich frage mich ehrlich, ob dieser zum Verständnis der Leserschaft zum Inhalt des Buches beiträgt.
    Die Geschichte selbst besitzt allerdings einige Wirren, bzw. Skurrilitäten, die an Pulp Fiction erinnern. Nicht in der Thematik, sondern in dem Versuch, Chaos walten zu lassen. Das klappt manchmal, geht beizeiten aber aus meiner Sicht auch grandios in die Hose. Viele Witze und Anspielungen waren mir zu flach und vorhersehbar, zu bemüht lustig. Die Story hatte dennoch was und wenn man durch das erste Drittel durch war, hat sich die Welt ein klein wenig geöffnet. Dennoch hatte ich häufig das Gefühl, ein wenig verloren zu sein. Mir fehlte manchmal der Anschluss ans nächste Gleis des Transportsystems von Metropolis.
    Insgesamt kein schlechtes Buch, aber eben für mich auch keines, das mich vollauf überzeugen konnte. Aber wer es skurril mag, sollte durchaus mal einen Blick riskieren.

  9. Cover des Buches Der Schneesturm (ISBN: 9783462046823)
    Vladimir Sorokin

    Der Schneesturm

    (81)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Man versuche eine Geschichte zu schreiben, in der auf 207 Seiten von nichts anderem die Rede ist als von einer Reise zweier Personen in einer Kutsche durch die verschneite Steppenlandschaft Russlands während eines Schneesturmes, ohne damit beim Leser Langeweile zu erzeugen. Wenn die Protagonisten zum x-ten Mal auf einer zugeschneiten Strasse die Orientierung verlieren, mit dem Mobil steckenbleiben, sich durch tiefen Schnee kämpfen müssen, Gesicht und Füsse einzufrieren beginnen, und sich dabei kein Satz und keine Beschreibung wiederholt, dann ist das Schreibkunst. Mit "Der Schneesturm" beweist Vladimir Sorokin (Wladimir Georgijewitsch Sorokin), einer der heute wohl bedeutendsten zeitgenössischen Schriftsteller Russlands, sein Können, mit Worten, eindrücklichen Bildern, Sprachrhythmus, Humor und dichterischer Erzählkunst umzugehen. Eine zu Beginn gewöhnliche Erzählung, die zeitlich im vergangenen 19. Jahrhundert angesiedelt zu sein scheint, entpuppt sich zu einer mystischen, phantasievollen, märchenhaften Zukunftsvision in einem imaginären Russland, dessen Vergangenheit und Gegenwart mit einigen Anspielungen heftig kritisiert und aufs Korn genommen werden.


    Der Landarzt Platon Garin ist auf dem Weg in den ungefähr zehn Werst entfernten Ort Dolgoje, um dort eine von einer eingeschleppten Pest infizierte Bevölkerung mit Vakzinen zu behandeln. Oder vielmehr jene Menschen, die noch nicht infiziert sind, denn den anderen ist nicht mehr zu helfen, da diese sich zu Zombies entwickeln, die sich unter der Erde aufhalten und fortbewegen. Dies ist aber rein nebensächlich, wird nur hin und wieder am Rand der Geschichte erwähnt, denn einziger Erzählstrang ist diese Reise des pflichtbewussten, hartnäckigen und zielstrebigen Doktors, der, weil auf einer Station aufgrund des herrschenden Schneesturmes keine Pferde und Kutschen mehr auszuleihen sind, den treuen Brotkutscher Kosma für die Fahrt anheuern kann.


    So beginnt die Geschichte, und auf den folgenden zweihundert Seiten wird nichts anderes beschrieben als das groteske Abenteuer und der einsame Kampf dieser beiden ungleichen Personen durch dichten Schnee in immer unwegsamerem und verschneiterem Gelände. Einzige Zwischenstation ist eine Übernachtung in des Müllers Haus und ein Kurzaufenthalt in einem Nomadenzelt. Ein Kampf, der am Ende, das kann man schon von Beginn weg erahnen, nicht gut endet. Meines Erachtens geht es dem Autor auch nicht darum, wie die Geschichte endet, obwohl diese Frage den Leser schon durch den heftigen Schneesturm vorantreiben mag, und obwohl das Ende auch ein sarkastisches Sahnehäubchen obendrauf verspricht, sondern eher um eine in ein skurriles Märchen verpackte Darstellung eines Landes, das in seinen Grundfesten erschüttert ist und sich in eine Richtung bewegt, bei der das Menschliche, vom Kutscher Kosma auf treue Art verkörpert, irgendwo auf der Strecke bleibt.


    Gewiss könnte man Sorokin mit dieser simplen Geschichte unterschwellige Botschaften unterstellen. Sorokin gilt als sehr staatskritisch, war oder ist immer wieder Opfer regimetreuer Gruppierungen und lebt seit Beginn des Ukrainekriegs in Berlin im Exil. Aber bloss weil ein russischer Autor einen sehr einfach gesrickten, merkwürdigen Roman verfasst, müssen ja nicht zwingend politische oder gesellschaftskritische Anspielungen zwischen den Zeilen versteckt sein. Ich möchte an dieser Stelle auch keine Interpretation anbringen. Es wäre schade für dieses Buch, für diese so frische, tragikomische, witzige Darstellung zweier Charaktere, die unterschiedlicher nicht sein können, die sich zu Beginn dieser anstrengenden Kutschenfahrt kaum nahekommen und mit der Aussichtslosigkeit ihrer Situation immer mehr aufeinander angewiesen sind. Obwohl diese Annäherung seitens des treuen, gutherzigen Brotkutschers nie in Frage gestellt zu sein scheint und der Doktor seine ambivalente Haltung beibehält.


    Vladimir Sorokin schreibt stilistisch schön, bildgewaltig und doch auf trockene und witzige Weise, als würde konstant eine unbeabsichtigte Komik seine Worte begleiten, obwohl dieser Witz sehr wohl beabsichtigt ist. Sorokin bedient sich hierfür einerseits der Einfältigkeit seines Protagonisten, die vom Brotkutscher Kosma sehr originell dargestellt wird (wir können ihn nur liebgewinnen), andererseits werden völlig skurrile Dinge und Geschehnisse auf eine Weise geschildert, als wären sie etwas vollkommen Alltägliches. Gerade deshalb kommt diese Geschichte dermassen heiter und humorvoll daher, dass ich während der gesamten Lektüre immer wieder schmunzeln musste. "Der Schneesturm" ist mein erster Roman von Sorokin, weshalb ich diese Stilistik nicht auf seine anderen Werke extrapolieren möchte. Auch weiss ich nicht, wie gut die Übersetzung aus dem Russischen die ursprüngliche Komposition widergibt.


    Besonders Grössenunterschiede scheinen es dem Autor in diesem fantastischen Wintermärchen, das weder in Kapitel noch Abschnitte unterteilt ist, angetan zu haben. Da begegnen die beiden Reisenden dem Müller, einem Kleinwüchsigen, der so kleinwüchsig ist, dass er seinen Selbstgebrannten aus dem Fingerhut der Müllerin trinken muss oder aus einer Essiggurke Keile herausschneidet wie normale Menschen aus einer Melone; da ziehen fünfzig Pferdis das Mobil des Kutschers, die nicht grösser sind als kleine Rebhühner und deren vier in der Fellmütze des Kutschers Platz haben; da tauchen auf der anderen Seite grosswüchsige Pferde auf, so gross wie ein zweistöckiges Haus, die ganze Wagons ziehen, oder ein toter, auf dem Weg liegender Riese, in dessen Nasenloch sich das Schneemobil verkeilt, und der einen lebendigen Riesenschneemann mit Riesenphallus gebaut haben soll. Visionäre Hochtechnologien spielen eine Rolle - Radios, aus denen wie Hologramme lebendige Bilder treten, von lebendgebärender Filzpaste ist die Rede, aus der im Nu Behausungen gebaut werden, und von im Schnee liegenden Pyramiden, bei denen sich herausstellt, dass sie ein neues Drogenprodukt von Nomaden sind.


    Sorokin schildert stets aus der Sicht des Erzählers, wechselt hie und da aber auch auf die Innenschau und Gedankengänge des Doktors oder des Kutschers. Auch finde ich, dass er bewusst mit der Länge der Sätze spielt, um die entsprechende Atmosphäre zu schaffen. So zum Beispiel in der Schilderung von Garins Drogentrip im Zelt der Nomaden, wo die Sätze sehr kurz ausfallen - umso weiter holt er hier für mein Befinden mit der Beschreibung dieser halluzinogenen Reise aus. Zehn Seiten waren mir da einfach zu viel, tatsächlich war es die einzige Stelle im Buch, die ich quergelesen habe, was ich sonst nicht tue. An einer späteren Stelle, wo Garin fast zu erfrieren droht, setzt der Autor für Garins Traumbilder keinen Punkt, so dass der Satz fast über anderthalb Seiten reicht. Die sehr originellen Dialoge zwischen dem Kutscher und dem Doktor werten die Geschichte, in der selbst nicht viel passiert, auf, sind meines Erachtens sogar ein tragendes Element.


    Ich habe das Buch bereits zum zweiten Mal gelesen. Weshalb ich es mir vor einigen Jahren gekauft habe, weiss ich nicht mehr, ich denke, es war das hübsche Buchcover und der Titel, die mir ins Auge gefallen sind. Der verschneite Wald lädt zur Lektüre ein, man erwartet allerdings keine Zukunftsvision - diese schält sich im Klappentext aber heraus. Ein etwas anderes Wintermärchen. Mir hat die Lektüre sehr zugesagt. Ich möchte den Roman jedem empfehlen, der fantasievollen, skurrilen Geschichten nicht abgeneigt ist und gleichzeitig in eine wundersame dichterische Welt eintauchen möchte. Man kann das Buch, einmal mit der Lektüre begonnen, kaum noch weglegen.


    Review mit Zitaten und Bildern auf https://www.bookstories.ch/gelesenes1/der-schneesturm 

  10. Cover des Buches Projekt Rahanna (ISBN: 9783992001774)
    Uli Wohlers

    Projekt Rahanna

    (32)
    Aktuelle Rezension von: Ingrid_Davis
    Ich war bei den Aachener Krimitagen auf einer Lesung mit Uli Wohlers, und das, was er vorgetragen hat, hat mir gut gefallen, ich fand es auch sehr witzig und habe das Buch deshalb gekauft.
    am Anfang war auch soweit noch alles gut - herrlich absurde Situationen, wenn die wilden Wikinger über die spießig-normalen Menschen auf der Insel herfallen. Der Humor ist ziemlich schräg, aber wenn man sowas mag, hat man am Anfang doch öfter mal was zu Lachen. Leider lässt das Buch dann aber in meinen Augen nach.
    Erstens ist es m.E. kein Krimi (auch wenn eine der Hauptfiguren ein Kriminalkommissar ist), es gibt keinen wirklichen Fall, der zu lösen wäre. Das Überleben eines Überfalls von wild gewordenen Öko-Fightern (als solche stellen sich die Wikinger heraus) hat nichts mit einem Krimi zu tun.
    Das hätte mich aber gar nicht sehr gestört, wenn das Buch nach dem ersten Drittel nicht stark nachgelassen hätte. Es war danach nur noch an wenigen Stellen witzig (Willumsen ist noch echt zum Lachen, das war's dann aber auch), und irgendwie geht es dann nur noch um Blut, Sch..., Sex und Gewalt. Das an sich wäre noch nicht unbedingt schlimm - wenn es nicht einfach nur langweilig wäre oder man irgend einen weiteren Sinn darin erkennen könnte.
    Die Kritik an der modernen Konsumgesellschaft, der wahrscheinlich irreversiblen Schädigung unseres Planeten und dem ungleich verteilten Wohlstand auf dieser Erde ist rundum berechtigt. Und so ein Buch ist immer eine Chance, solche Themen über ein schönes Leseerlebnis auch mal außerhalb der Nachrichten zu transportieren und Menschen evtl. zum Nach- und/oder Umdenken zu bewegen. Mit diesem Buch ist das m.E. allerdings nicht gelungen.
    Fazit: Kein Krimi und leider nicht durchgehend so gut wie der viel versprechende Anfang. Für mich enttäuschend, wirklich schade.
    Und noch etwas, wofür der Autor nichts kann: Die gebundene Ausgabe ist im Prinzip ein Taschenbuch mit festem Einband. Als ich an der Kasse stand und es hieß "€ 20" hat es mich fast aus den Schuhen gehauen. (Ein Taschenbuch scheint es derzeit noch nicht zu geben). Da ärgert man sich bei so einem enttäuschenden Leseerlebnis natürlich umso mehr.

  11. Cover des Buches 12 Monkeys (ISBN: 9783943864205)
    Elizabeth Hand

    12 Monkeys

    (4)
    Aktuelle Rezension von: Hellena92


    Das Jahr 2035. In den verlassenen Städten haben die Tiere die Herrschaft übernommen. Die Erdoberfläche ist entvölkert, nachdem eine Virenkatastrophe im Jahre 1996 nahezu die gesamte Menschheit dahingerafft hat. Die wenigen Überlebenden vegetieren in einem klaustrophobischen Unterweltsystem dahin. Die einzige Hoffnung auf ein besseres Leben besteht darin, einen selbstmörderischen Boten durch die Zeit zurückzuschicken, auf daß dieser den Ursprung der Apokalypse lokalisieren möge. Der Schwerkriminelle James Cole ist einer der Auserwählten...

    Mein Fazit: 

    Das Hörbuch ist gut gelungen , der Sprecher ist klasse gewählt. Die Geschichte ist ziemlich hart, aber spannend. Sehr erschrocken habe ich mich über die psychischen Schäden durch Zeitreisen, die hier sehr real zur Geltung kommen. Uve teschner spricht und interpretiert das so unglaublich authentisch, dass ich teilweise Gänsehaut bekam. Die Paradoxa der Zeitreisen hat die Autorin ehenfalls sehr gut durchgedacht.  Ich mochte das Hörbuch, ab und an war es mir jedoch zu lang gezogen. 



  12. Cover des Buches Dead Funny (ISBN: 9781907773761)
  13. Cover des Buches Der Kanon mechanischer Seelen (ISBN: B07Q4CCHWV)
    Michael Marrak

    Der Kanon mechanischer Seelen

    (3)
    Aktuelle Rezension von: Soeren

    In einer fernen Zukunft gibt es zwar nur noch wenige Menschen, dafür aber eine gewaltige Mechafauna: beseelte Gegenstände und Maschinen mit eigenem Bewusstsein. Mit deren Hilfe soll die junge Ninive zu einer kilometerhohen Mauer im Hochland zu reisen, von der niemand mehr weiß, wozu sie einst errichtet wurde. Schon auf dem Weg dahin erlebt sie viele ungewöhnliche Dinge, doch das nichts zu dem Abenteuer, das sie dort erwartet, wo ihre Reise eigentlich enden sollte. Ein Leiden namens Zeitbrand bedroht die Welt und nur Ninive kann das Schlimmste verhindern. Selbstredend, dass sie nicht lang zögert und sich sofort auf den Weg zu der verlorenen Passage in die Welt dahinter begibt.

    Michael Marraks „Kanon mechanischer Seelen“ ist ein ungewöhliches und dadurch sehr gewöhnungsbedürftiges Science-Fiction-Fantasy-Abenteuer. Statt Halblingen und Orks trifft die Heldin auf beseelte Gegenstände, die nicht nur denken und sprechen können, sondern sich dabei mit Brennkammerkoliken, Rußthrombosen, und dergleichen herumzuplagen müssen. Entsprechend missgelaunt sind manche dieser mechanischen Zeitgenossen. Wem das noch nicht abgedreht genug ist, darf sich unter anderem mit Druckwellensittichkanonen und der Definition eines Taschenuniversum beschäftigen.

    Das Ganze klingt nicht nur leicht bizarr, sondern entpuppt sich als absurder, bunter, lebhafter und  verrückter Trip, der sehr an einen psychodelischen Drogenrausch erinnert. Trotzdem oder gerade deswegen war es eine höchst interessante Reise, auch wenn ich die Hälfte der Zeit nicht genau wusste, was überhaupt gemeint war.

    Gelesen wird die ungekürzt 21 Stunden lange Hörbuchfassung von Stefan Kaminski, dem das wahnsinnige Kunststück gelingt, hier jeder einzelnen Figur eine eigene Stimme zu verpassen. Mehr als einmal war ich tief beeindruckt. Hut ab vor so viel Talent.

  14. Cover des Buches Darkside Park, Folge 1-6 (ISBN: 9783942261005)
    Ivar Leon Menger

    Darkside Park, Folge 1-6

    (48)
    Aktuelle Rezension von: Podcast_buecherreich
    Nichts ist so, wie es scheint in der beschaulichen Kleinstadt Porterville im Herzen von Maryland. Denn Porterville ist keine normale, glückliche Kleinstadt - in Porterville verschwinden Menschen spurlos; in Porterville ist die Polizei nicht dein Freund; in Porterville planen ältere Damen beim Kaffekränzchen deinen Tod.

    Ein Schauer nach dem anderen jagt einem über den Rücken beim Lesen dieser 18 ineinander übergreifenden Kurzgeschichten um eine Stadt mit einem dunklen Park und einem noch dunkleren Geheimnis...

    Ich fand die drei Bücher sehr gelungen; sie hätten für meinen Geschmack nur insgesamt kürzer sein können.

    Cool und prämiert ist auch das dazugehörige Hörspiel mit bekannten deutschen Stimmen diverser Stars, u.a. Kiefer Sutherland, Kevin Spacey, Drew Barrymore, Leonardo DiCaprio, Johnny Depp, Nicolas Cage, Matt Damon, Morgan Freeman, Jude Law, Gillian Anderson, Jack Nicholson und Michael Caine.

  15. Cover des Buches Der Professor (ISBN: 9783257061079)
    Amélie Nothomb

    Der Professor

    (117)
    Aktuelle Rezension von: Skrutten

    Die Schilderung eines älteren Ehepaares, dass sich mit seinem neuen Nachbarn auseinandersetzt und dabei auch Erkenntnisse über die eigene Haltung zum Leben und seine Mitmenschen bekommt. Zwar habe ich es geschafft, das Buch komplett durchzulesen, aber der Plot überzeugt wenig. Die charakterlichen Beschreibungen der Hauptfiguren bleiben unscharf und wenig schlüssig und die viele Dialoge wirken aufgesetzt. Einzig der Spannungsbogen ist einigermaßen gelungen.

  16. Cover des Buches Der Teratologe (ISBN: 9783865522603)
    Wrath James White

    Der Teratologe

    (61)
    Aktuelle Rezension von: tsukitia16

    - Triggerwarnungen: Mord; Blut; körperliche und geistige Behinderungen; Erkrankungen und Deformitäten; Fetische mit Exkrementen wie Kot, Urin, Sperma; Vergewaltigung (sexuelle Gewalt); Blasphemie; Kannibalismus; gewaltvolle Geburt; Psychopathie

    - Fetische: Devotismus, Olfaktophilie, Koprophilie, Urophilie

    - Band 3 der Festa Extrem-Reihe (aber alle Bücher aus der Reihe sind unabhängig voneinander lesbar)

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    Vorteile:

    - Viele extreme, kreative Ideen

    - Kurzes Buch, dadurch trotz Wiederholungen gut lesbar

    - Klarer roter Faden

    - Echte „Horror Extreme“-Momente, eklig und grausam

    - Gute Grundidee, einige starke Schocks

    - Unterhaltsamer kurzer „Ekel-Snack“

    - Sehr gelungenes Cover/Design

    Nachteile:

    - Zu viele Schocks ohne Pausen → Abstumpfung

    - Holpriger, merkwürdiger Schreibstil/evtl. Übersetzung

    - Hölzerne, unrealistische Dialoge

    - Mehrere Inkonsistenzen und Fehler (Pillenfarbe, Getränke etc.)

    - Unglaubwürdig leichte Flucht, dämliche Entführer

    - 15 € wirken für den Inhalt überteuert

    - Insgesamt eher mittelmäßig trotz Unterhaltungswert
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    Das Buch enthält viele interessante und natürlich auch abartige Ideen. Allerdings war der Einsatz dieser grotesken Widerlichkeiten so häufig, sodass ich schon recht bald merkte, dass ich anfange abzustumpfen und es gar nicht mehr so schockierend für mich war. Es ist immer besser immer wieder "Ruhephasen" zwischen den Schocker einzubauen, damit diese auch wirklich wirken - so war es irgendwann ziemlich inflationär für mich. Allerdings muss ich auch sagen, dass das Buch sehr kurz ist (nicht mal 150 Seiten) und daher war es noch erträglich genug das zum wiederholten Male etwas Schlimmes passiert - bei 400 Seiten hätte es mich dann nicht mehr erschrocken, sondern einfach nur noch genervt und ich hätte das ganze überhaupt nicht mehr Ernst nehmen können.

    Der Schreibstil ist mehr als merkwürdig. Entweder ist die Übersetzung vom guten Markus Mäurer echt schlecht oder die Autoren schrieben wirklich so. Aber manchmal dachte ich mir auch, dass es zumindest zum Teil die Übersetzung sein muss, da manche Stellen im Englischen rein theoretisch richtig übersetzt worden sind, aber sich halt im Deutschen recht holprig anhören. An anderen Stellen dachte ich mir, es könnte auch an den Autoren selbst liegen, die sich halt komisch ausdrücken. Jedenfalls klang es oftmals echt seltsam und unbeholfen. Die Autoren haben gute Ideen, aber gut Schreiben können sie leider nicht (und eigentlich bin ich da nicht pingelig beim Schreibstil).

    Auch die Dialoge wirkten manchmal so hölzern und unauthentisch. Da sagt dann zum Beispiel eine Person sowas wie: "Nein, ich bin kein Besucher [für dieses Pflegeheim], sondern entführe jetzt diese Patientin und ja offensichtlich habe ich all diese Mitarbeiter gerade umgebracht" so spricht doch niemand! Man hat halt versucht Dramatik reinzubringen, aber ist halt leider daran gescheitert.

    Zudem sind mir mindestens drei Stellen aufgefallen, wo nicht konsistent waren, z. B. sprach man erst von einer roten Pille und dann später von einer rosa Pille (der Lektor Alexander Rösch hat wohl nicht richtig aufgepasst). Kleinigkeiten, ich weiß, aber trotzdem! Es sind nur 140 Seiten und zwei Autoren + Lektorat - bekommt eure Fakten korrekt hin. Dann wüsste auch, ob Westmore Scotch mit Soda oder Whiskey mit Wasser bekam.

    Und leider war die Auflösung am Ende viel zu einfach. Wie nett, dass die Leute, die dich gefangen halten auch schön alles beschriften, damit du auf deiner Flucht auch genau weißt, wo man hinmuss und welche Knöpfchen man drücken muss, um fliehen zu können. Selbst im Buch sagt Westmore es sei viel zu einfach - ja, genau! Zu einfach und zu schnell. Also die Entführer waren ja mal mehr als dämlich. Wie kann es sein, dass ihr zwei Leute entführt und die dann innerhalb von 24 Stunden fliehen können, obwohl ihr alles so toll geplant habt? Ich glaube eher, dass war eine Nacht und Nebel Aktion oder so. The kidnapping did not really kidnapping... Die 15 Euro für das Buch gingen wohl vor allem auf die Außengestaltung drauf (was ich übrigens sehr hübsch und ansprechend finde vom Format her und dem Coverdesign - das hat Christian Martin Weiss schön gemacht).

    Ansonsten gibt es zumindest einen roten Faden und es ist definitiv Horror Extreme würdig. Die Inhalte sind schon echt grausam und eklig - das was ich ja auch wollte. Immerhin! Und die Grundidee war schon auch insgesamt gut - es ist halt nur so, dass die Autoren diese gute Idee nicht gut umsetzen konnten.

    All-in-one kein gutes Buch, aber auch nicht katastrophal. Ich hatte meinen Spaß damit und habe einiges über körperliche Behinderungen und sexuelle Fetische gelernt - zumindest darüber, was es alles so gibt. Zudem gab es auch gute Schockermomente und Abstrusitäten, die mich insgesamt gut unterhalten haben. Es ist ein guter Snack, wenn man sich mal ein bisschen ekeln will, aber nicht so viel Zeit hat. Horrorfilme sind technisch auch nicht so viel besser als dieses Buch - also hat man einen "intellektuellen" Ersatz zu einem Horrorfilm mit diesem Buch quasi.


  17. Cover des Buches Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt (ISBN: 9783785751794)
    Haruki Murakami

    Hard-boiled Wonderland und Das Ende der Welt

    (26)
    Aktuelle Rezension von: Gwennilein

    Ich liebe den Autor, doch diesmal war es mir einen Touch to much. Fiktion, Realtität, miteinander verknüpft, im Wechsel, man findet sich teilweise in einem Strudel aus Worten und dadurch gar nicht mehr zurecht. Ich mag diesen Stil, den Autor ohnehin, doch mit diese Geschichte ist es mir ein wenig zu konfus und phanstastisch geworden. Das liegt weder am Stil, noch an den Charakteren. Doch meines war es leider nicht. Geschmäcker sind verschieden und das ist auch völlig in Ordnung so.

  18. Cover des Buches Der Schneesturm (ISBN: B017DNXNT6)
    Vladimir Sorokin

    Der Schneesturm

    (14)
    Aktuelle Rezension von: JonathanSpies

    Die Kombination von Sorokins wundersamer Geschichte mit dem Stimmwunder Kaminski sucht Ihresgleichen. Beispiellos wird ein kurzweiliges Abenteuer in Szene gesetzt, das einen fesselt und durch die fantasiereichen Ausschmückungen nicht selten zum Schmunzeln bewegt. 

    Es ist eine jener Geschichten, die man sich immer wieder anhören kann, an einem verschneiten Sonntagmorgen oder verregneten Freitagabend. 

    Ohne viel Aufhebens wird man Teil eines Märchenhaften Road-Movies, dessen Steuermann, den Kutscher, man schnell ins Herz schließen muss. 

    Das Setting ist kalt und nass, und trotzdem fühlt man sich in dieser Anderswelt doch heimelig.

    Eine meiner 5 Lieblingsgeschichten die man unbedingt als Hörbuch genießen sollte! 

  19. Cover des Buches Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde (ISBN: 9783863521684)
    Robert Louis Stevenson

    Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde

    (56)
    Aktuelle Rezension von: ViktoriaScarlett

    Der Klassiker war für mich zwar nicht gruselig, doch hatte ich große Freude an der vielen Spannung, die mit der Zeit entstand. Mehr werde ich dir im Text berichten.

    Meine Meinung zur Geschichte:
    Dr. Jekyll und Mr. Hyde waren mir bereits ein Begriff, doch seit ich das Buch »Monster auf der Couch« von Jenny Jägerfeld und Mats Strandberg gelesen hatte, wollte ich mir das Original zu Gemüte führen. Natürlich merkte ich sofort, dass die Geschichte in einem anderen Schreibstil verfasst wurde. Schließlich ist sie bereits 136 Jahre alt. Dennoch hatte Robert Louis Stevenson eine sehr angenehme Art zu schreiben. Er drückte sich sehr gewählt aus und konnte mit wenigen Worten einen guten Fluss des Lesens erzeugen. So manches Mal schweifte er mir bei den Gedanken des Protagonisten oder bei einigen Textabschnitten aus, dennoch konnte ich dem Geschehen gut folgen. Trotzdem brauchte ich eine kurze Zeit der Eingewöhnung.

    Die beiden Persönlichkeiten – Dr. Jekyll und Mr. Hyde – kennen zu lernen, war zuerst nicht ganz einfach. Das Geschehen wurde aus der Sicht des Herrn Utterson erzählt. Es begann damit, dass dieser von einem Verwandten ein seltsames Ereignis geschildert bekam, in das wohl Mr. Hyde involviert war. Mr. Utterson begann sich um seinen Freund Dr. Jekyll Sorgen zu machen. Er versuchte mehr heraus zu finden und gelangte dabei immer mehr zu der Erkenntnis, dass hier etwas nicht stimmen. Auch die richtige Spur kam er nicht alleine.

    Mit dem Verlauf kam ein Mindestmaß an Spannung auf, die sich mit der Zeit steigern konnte. Ich gruselte mich zwar nicht, doch meine Neugier stieg. Auch ich wollte erfahren, warum sich Dr. Jekyll so seltsam verhielt und was es mit dem düsteren Mr. Hyde auf sich hatte.

    Die Wahrheit hatte ich geahnt, doch war sie doch höchst erstaunlich und seltsam. Beinahe das gesamte Geschehen wurde aus der Sicht Mr. Uttersons geschildert. Das Hauspersonal von Dr. Jekyll tat mir besonders leid. Vor allem dessen treuester Diener, der seinen Hausherrn unbedingt retten wollte und uns auf die richtige Spur führte. Gegen Ende füllten einige Schreiben meine letzten Wissenslücken, sodass sich ein allumfassendes Bild ergab. Bis ins letzte Detail wusste ich nun, was wirklich hinter allem steckt und wie gefährlich Dr. Jekylls Forschungen wirklich waren.

    Meine Meinung zum Sprecher:
    Mit David Nathan sprach einer der besten Sprecher und einer meiner liebsten das Hörbuch. Seine Stimme ist einzigartig und sehr einprägsam. Mit ihr und seiner Art vorzulesen konnte er meine Aufmerksamkeit auf das Geschehen bannen. Es war fast, als wäre er Mr. Utterson und er erzählte mir gerade, was er erlebt hatte.

    Mein Fazit:
    Die Geschichte um Dr. Jekyll und Mr. Hyde bot mir eine spannende Atmosphäre. Sie ist in einem wortgewandten Stil geschrieben, dem man auch nach über 100 Jahren nach der Veröffentlichung sehr gut folgen kann. Mir gefielen die Erzählweise und die Ideen des Autors. Es steckte ein gutes Maß an Spannung im Voranschreiten des Geschehens, weshalb die Hörzeit schnell verging. Hohen Anteil hatte der Sprecher David Nathan, mit dem das Hören zu einem aufregenden Erlebnis wurde. Die letzten Kapitel offenbarten die Wahrheit und ergänzten meine Wissenslücken bis ins Detail. Gruselig war die Story für mich nicht, dennoch fand ich sie richtig gut.

    Ich vergebe 5 von 5 möglichen Sternen!

     Das Hörbuch wurde von mir über Audible gehört und anschließend freiwillig rezensiert. 

  20. Cover des Buches Darkside Park, Folge 13-18 (ISBN: 9783942261029)
    Ivar Leon Menger

    Darkside Park, Folge 13-18

    (34)
    Aktuelle Rezension von: kornmuhme

    Rezension bezieht sich auf alle drei Teile!

     

    Inhalt:

    Irgendetwas scheint in dem schmucken Städtchen Porterville nicht zu stimmen. Immer wieder verschwinden Personen; entweder tauchen sie völlig verstört wieder auf - oder gar nicht mehr. Sehr merkwürdig ist auch, dass der Hudson Tower, Wahrzeichen und ganzer Stolz der Stadt, über 56 Stockwerke verfügt, obwohl man nur 53 von außen zählen kann. Stellt man Fragen zu den merkwürdigen Dingen, die in dem schönen Porterville vor sich gehen, oder will man gar mehr über den sog. Darkside Park wissen, muss man feststellen, dass die freundlichen Einwohner der Stadt gar nicht mehr so freundlich sind und dass man am besten die Klappe hält. Denn sonst zeigt Porterville seine dunkle Seite ... Und was hat es mit den Tarot-Karten auf sich?

    Meinung:

    Wow, solch einen rasanten Mystery-Thriller habe ich seit Stephen Kings "Es" nicht mehr gelesen bzw. gehört!

    Der Leser taucht zaghaft ein in die idyllische Welt von Porterville, einer schnuckeligen Kleinstadt in den USA. Das Hörbuch ist in 18 Teile gegliedert und jeder Teil (mit zwei oder drei Ausnahmen) wird aus einer ganz individuellen Perspektive eines, ich nenne es mal "Betroffenen", geschildert, sei es Einheimischer, sei es Zugezogener. So trägt jeder Charakter mit seiner Perspektive und seinem individuellen Erzählstrang ein winziges Puzzlestückchen zu dem großen und gruseligen Rätsel, das sich um Porterville rankt, bei.

    Das Geniale ist, dass sich mit jeder neuen Erkenntnis, sei sie auch noch so klein, immer wieder auch neue Fragen ergeben. So steigt die Spannung bisweilen tatsächlich ins Unermessliche, ich habe manchmal stundenlang dagelegen und Finger knibblend zugehört!

    Die unterschiedlichen Sprecher und Sprecherinnen sind dabei ein extra Highlight! Die meisten sind bekannte Synchron- und Hörbuchsprecher und verleihen ihren Figuren ein hohes Maß an Lebendigkeit und Glaubwürdigkeit. Es war für mich ein Genuss zuzuhören!

    Dabei schaffen es die unterschiedlichen Autoren (Darkside Park ist ein Gemeinschaftsprojekt) zu jeder Zeit, die Spannung aufrechtzuerhalten und das Mysterium anzuheizen. Auch die einzelnen von ihnen erdachten Figuren sind allesamt individuell und authentisch, als würde man sie persönlich kennen. Diese Arbeit ist ihnen hervorragend gelungen!

    Mit der Auflösung des Rätsels (ja, es gibt tatsächlich eine Auflösung am Ende!) bin ich absolut zufrieden. Sie ist in meinen Augen stimmig und logisch (bis auf ein, zwei kleine Ungereimtheiten), was diesem Werk glatt noch einmal einen Pluspunkt einbringt!

    Fazit:

    Spannung und Mystery auf höchstem Niveau, intelligent und stimmig gemacht, verwirrend und mitreißend, dazu hervorragend gelesen durch die Creme de la Creme der Hörbuchsprecher. Ich empfehle daher auch ganz klar die Hörbuchfassung, obwohl das Werk auch als ebook erhältlich ist.

    5 von 5 Sternen

  21. Cover des Buches Bartleby, der Schreiber (ISBN: 9783458194668)
    Herman Melville

    Bartleby, der Schreiber

    (101)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Wenn man in Wikipedia den Begriff "Bartleby, der Schreiber" eingibt, dann erscheint ein Artikel, der fast so lang ist wie die Erzählung selbst. Nun ja, vielleicht ist das etwas übertrieben, aber über den nur 70 Seiten kurzen Klassiker ist im Verlauf der Zeit so viel geschrieben, interpretiert und analysiert worden, dass man sich fast genauso viele Stunden Musse für die Abhandlungen und wissenschaftliche Artikel nehmen muss wie für die Lektüre. Sofern man dies möchte. Bartleby, von dem die Geschichte erzählt, würde mit Gewissheit vorziehen, dies nicht zu tun.


    Herman Melville erzielte mit dem Kurzroman nicht den gewünschten Erfolg. Wie auch schon bei "Moby Dick", der sich zu Lebzeiten des Autors nur dreitausend Mal verkaufte, blieb der finanzielle Erfolg aus, was damals sicherlich als Reaktion auf Melvilles erzählerische Eigentümlichkeit und verwegene Themenwahl verstanden werden konnte. Heute gelten beide Werke als absolute Meisterwerke der klassischen Weltliteratur. "Bartleby, der Schreiber" wurde vierzehn Mal in die deutsche Sprache übersetzt und auch von zahlreichen Verlagen veröffentlicht. Bei meinem Exemplar handelt es sich um die Ausgabe von 2010 des Anaconda Verlags, der für die Verlegung von Weltliteratur-Klassikern bekannt ist. Die Übersetzung aus dem amerikanischen Englischen besorgte Felix Mayer.


    Man begegnet bei fremdsprachigen Werken immer wieder der Frage, wie gut eine Übersetzung denn gelungen sein mag. Hierfür müsste man das Original gelesen haben und auch alle anderen Übertragungen, um sich ein abschliessendes Bild machen zu können, was unmöglich ist. Felix Mayers Übersetzung, ohne die anderen zu kennen, scheint mir dennoch gelungen, sie gibt eine gepflegte Sprache Melvilles wider, die reiche sprachliche und stilistische Variation seiner Prosa. Die Geschichte wurde Mitte des neunzehnten Jahrhunderts verfasst, in einer Zeit, in der man sich noch respektvoller und diplomatischer auszudrücken wusste, wie ich finde. Für heutige Begriffe vielleicht altmodisch. Aber schön und wohlklingend.


    Was meiner persönlichen Vorliebe entspricht, ist die gelungene Komposition kurzer und langer Sätze, letztere auffallend oft durch die Verwendung von Semikolons über mehrere Zeilen führend. Und wenn die Geschichte sich auch durch eine Art innerer Monolog des Erzählers, der die Leserschaft mit entsprechenden Ausdrucksweisen geschickt einzubeziehen weiss ("Es mag nun scheinen, als gäbe es keinen Grund, mit dieser Geschichte fortzufahren" ... oder: "Doch bevor ich mich von meinem Leser verabschiede" ... oder: "Bevor ich nun den Schreiber so vorstelle, wie er mir bei der ersten Begegnung erschien" ...) sind die wenigen Dialoge immer passend eingeflochten, sorgen für ein abgerundetes Bild und dafür, dass wir nicht in den inneren Gedankengängen des Erzählers versinken.


    Die Geschichte ist Mitte des neunzehnten Jahrhunderts angesiedelt. Ich-Erzähler (Ich bin nun schon ein älterer Mann) ist ein Rechtsanwalt mit eigener Kanzlei an der Wall Street, der drei Angestellte, zwei Kanzleikopisten sowie einen Laufburschen, beschäftigt. Ehe er von Bartleby berichtet, eines dieser Geschöpfe, über die sich nichts in Erfahrung bringen lässt, und den er als dritten Kopisten in seiner Kanzlei einstellt, stellt er dem Leser die drei anderen Mitarbeiter vor - Turkey, Nippers und Ginger Nut. Dies, wie ich finde, in äusserst origineller Art und Weise, schliesslich sind auch die Figuren von äusserst originellem Charakter. Im Vergleich hierzu kann der namenlose Ich-Erzähler über Bartleby, den merkwürdigen Neuen, nahezu nichts berichten. Aber auch nichts gegen ihn verwenden; seine stille, ruhige, stets gelassene Art macht dem Rechtsanwalt Eindruck, denn Bartleby ist ein fleissiger Angestellter und nimmt sich nie eine Auszeit. Anfänglich. Denn schon bald beginnt Bartleby die Arbeit zu verweigern. Aufträge seines Vorgesetzten lehnt er in sanftem Ton ab, erklärt lediglich, es vorzuziehen, das Verlangte nicht zu tun.


    So beginnen die Schwierigkeiten, der innere Kampf des Erzählers mit sich selbst, mit seinem Gewissen, seinen Glaubensgrundsätzen, die an wenigen Stellen des Buches durchscheinen; so beginnt sein Ringen mit seinem Unverständnis über die geheimnisvolle aber selbstverständliche Untätigkeit Bartlebys, mit seinem Unvermögen, gegen diesen Arbeitsverweigerer vorzugehen, ihn auf die Strasse zu setzen, denn nichts anderes hätte er verdient. Doch Ärger, Empörung und Erregung sind Kräfte, die keinen Platz haben. Schliesslich ist der Erzähler ein Mann, der seit seiner Jugend von der tiefen Überzeugung erfüllt ist, dass die bedächtige Art zu leben die beste ist. Mitleid, Mitgefühl ist das, was die stumme Zurückhaltung Bartlebys in ihm erzeugt, den Drang, diesen Menschen zu verstehen.


    Es kommt soweit, dass der Rechtsanwalt Bartleby vor seinen wütenden Angestellten in Schutz zu nehmen beginnt, und die Erkenntnis, dass sowohl Nippes und Turkey wie auch der Erzähler selbst Worte Bartlebys in ihren eigenen Wortschatz zu übernehmen beginnen (ich ziehe vor ...), was Befremden auslöst. Bartleby verweigert sich weiterhin, will nicht einmal Botengänge übernehmen, die ihm aufgetragen werden, da seine Augen für die Abschrift von Dokumenten überreizt und geschädigt zu sein scheinen, lässt schliesslich verlauten, dass er das Kopieren endgültig aufgegeben habe, und steht irgendwann, gleich eines Inventarstückes der Kanzlei, nur noch stumm an seinem angestammten Platz. Weshalb sollte er also bleiben? Alle Versuche des Rechtsanwalts, Bartleby vom Weggehen zu überzeugen, scheitern jedoch, weshalb es am Ende des Tages so weit kommt, dass nicht Bartleby geht, sondern der Rechtsanwalt an einem anderen Ort neue Räumlichkeiten bezieht und den unbelehrbaren Schweigsamen in seiner alten Kanzlei zurücklässt.


    Weit gefehlt, zu glauben, dass Bartleby damit aus dem Leben des Rechtsanwalts geschieden wäre. Vom neuen Mieter der alten Räumlichkeiten und des Eigentümers wird er zur Verantwortung gezogen, denn Bartleby ist nicht aus der Kanzlei rauszukriegen. Noch einmal versucht der Rechtsanwalt, mit ihm zu reden, schlägt ihm andere Beschäftigungsgebiete vor, bietet ihm sogar eine Bleibe bei sich zuhause an, doch vergeblich. Nein, gegenwärtig würde er vorziehen, keinerlei Veränderung vorzunehmen. Die Geschichte endet tragisch, denn der neue Mieter der Kanzleiräume bringt nicht so viel Geduld auf wie unser besonnene Erzähler. Der unbewegliche Bartleby landet im Gefängnis, wird ironischerweise wegen Landstreicherei inhaftiert. Verweigert dort das Essen, verweigert sich selbst. "Ach Bartleby! Ach Menschheit!"


    Von den anfänglichen Anstrengungen des Ich-Erzählers, auf Bartleby einzuwirken, verlagert sich die Geschichte auf sein Bemühen hin, ihn verstehen zu lernen. Es gibt in der Literatur viele Interpretationsversuche, die sich auf die Selbstentfremdung und gescheiterte Persönlichkeit des Kopisten beziehen, die einen Bezug herstellen wollen zwischen den zu Beginn der Geschichte beschriebenen Räumlichkeiten der Kanzlei und den Gefängnismauern am Ende des Buches. Man will in der Figur Bartlebys Ansätze eines Selbstportraits des Autors sehen oder eine Parabel auf die Lage eines erfolglosen Schriftstellers, der sich angesichts des Unverständnisses seiner Zeitgenossen letztlich verweigert. Wiederholt wurde Bartleby auch als Sinnbild für passiven Widerstand oder zivilen Ungehorsam verstanden. Heute würden ihm wohl psychotische oder neurologische Erkrankungen untergeschoben, oder autistische Züge.


    Wie dem auch sei. Ich ziehe es vor, keine Deutungen vorzunehmen und das Werk als gelungenes Portrait einer skurrilen Persönlichkeit zu geniessen, als Schilderung einer dunklen Innenwelt eines Menschen, wie Kafka sie später verfolgt, und der erfolglosen Versuche eines Mitmenschen, diese zu ergründen und zu verstehen. Ein zeitloses Meisterwerk zweifelsohne. Ich bin diesem Büchlein diese Woche beim Besuch eines Gebrauchtbuchladens zufällig begegnet und musste es natürlich gleich erstehen und lesen, obwohl dies nicht geplant gewesen war. Die Lektüre hat sich gelohnt.


    Review mit Zitaten und Bildern auf https://www.bookstories.ch/gelesenes1/bartleby-der-schreiber 

  22. Cover des Buches Willard und seine Bowlingtrophäen (ISBN: 9783905802573)
    Richard Brautigan

    Willard und seine Bowlingtrophäen

    (28)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Sie lagen eng aneinandergeschmiegt im Bett, und sie waren sehr traurig. Sie waren immer traurig, wenn sie miteinander geschlafen hatten, aber sie waren ja jetzt die meiste Zeit traurig, so dass es eigentlich soviel auch wieder nicht ausmachte, außer dass sie jetzt warum und unbekleidet beieinanderlagen und dass die Leidenschaft auf ihre eigentümliche Art ihre Körper gestreift hatte wie ein Schwarm seltsamer Vögel oder wie der Flug eines einzigen dunklen Vogels.“

    Während die zwei traurigen Liebenden auf dem Bett liegen (gleich daneben die Green Anthology mit den Fragmenten von zweitausend Jahre alten Gedichten), hockt ein Stockwerk tiefer Willard, der große Pappmachevogel, zusammen mit seinen Bowlingtrophäen, während im Zimmer nebenan seine Besitzer, John und Pat, sich noch die Johnny Carson-Show ansehen und Sandwiches futtern. Das eine Paar hat einen unbefriedigenden Geschlechtsakt hinter sich, mit Sado-Maso, Kondomekel und Entfremdung gespickt, das andere einen befriedigenden, geradezu idyllischen. Eine traurig bis heitere Wohnhaus-Melancholie mit american Flair, mit Feinschliff dargestellt – oder?

    Leider gehören Willard die Bowlingtrophäen nicht (auch wenn sie nun zusammengehören, Pokale und Vogel), sie gehören den Logan-Brüdern, die seit mehreren Jahren auf der Suche nach ihnen sind und durch die Staaten touren. Einstmals nette Jungs, deren ganzer Stolz ihre Trophäen waren, drehen sie krumme Dinger und überfallen Tankstellen, immer nur auf der Suche nach den Dieben, die ihnen eines Abends ihre ganzen Trophäen geklaut haben. Gerade warten sie in einem Hotel auf einen mysteriösen Anruf, der ihnen endlich verraten soll, WO IHRE VERDAMMTEN TROPHÄEN SIND.

    Schon irritiert? Die Lektüre von „Willard und seine Bowlingtrophäen“ wird diese Irritation nicht auflösen, sondern eher noch sanft-süffisant verstärken. Denn Richard Brautigans 1975 erstmals veröffentlichter „perverser Kriminalroman“ ist kein Krimi und auch kein Roman, sondern ein komisch-krudes Kabinettstück. Während wir einiges über Warzen am Geschlechtsteil hören, erleben wir den traurigen Verlauf, den die Liebe manchmal nimmt und sehen gleichzeitig ein Stockwerk tiefer ein zufriedenes Liebesglück. Und dazwischen braut sich langsam die Geschichte über den schleichenden Wahnsinn, die Gewalt, die aus der Verhinderung der höchsten wie einfachsten Lebenswünsche entspringt zusammen.

    Brautigans kurze, aber nicht beiläufige Farce ist skurril, absurd, albern fast. Aber sie hat trotzdem wie immer einen Haufen doppelter Böden, die oft in Nischen und innerhalb der banalsten Momente angebracht sind und sich nur kurz auftun, während die Handlung fast schon behäbig und gleichwohl beschwingt dahinfließt. Seine Bücher kreisen immer wieder um Motive, denen eine absurde, kaum angemessene, aber doch sehr lebensnahe, vertraute Tragik innewohnt – und diese Tragik rettet seine obskure, lang hingezogene Dramatisierung vor dem Abgrund der Mühsamkeit.

    Es ist nicht Brautigans bestes Buch, aber es ist eine kurze und lesenswerte Comedy-Melancholie, ohne Gewieftheit, schlicht und mitunter in ihrer Sanftheit und Unausweichlichkeit poetisch.

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