Bücher mit dem Tag "habsburg"

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145 Bücher

  1. Cover des Buches Der Sturz des Doppeladlers (ISBN: 9783990500521)
    Birgit Mosser

    Der Sturz des Doppeladlers

     (37)
    Aktuelle Rezension von: awogfli

    Birgit Mosser hat dieses Werk als Trilogie angelegt und deshalb ist es eigentlich unfair, die einzelnen Bände schon zu Beginn abschließend zu bewerten. Im Prinzip kann ich feststellen: Die Gesamtgeschichte hat Potenzial, aber es ist noch nicht absehbar, ob dieses vor allem in der Plotkonstruktion, die mir immer sehr wichtig ist, auch völlig ausgeschöpft werden wird.

    Eines kann man jetzt schon sagen: Die Autorin kann Handlungen und Stimmungslagen der untergehenden Epoche des Habsburgerreichs gut beschreiben. Im ersten Band gibt es zahlreiche Erzählstränge, die das Schicksal von vier Familien beschreiben und die bisher bedauerlicherweise für meinen Geschmack noch viel zu wenig miteinander zu tun haben. Zudem bevölkert eine Unzahl an Personal - Protagonisten wie Nebenfiguren - die Handlung, viele Locations werden bedient, aber es wird recht anständig versucht, trotz der vielen Szenenwechsel möglichst keine Verwirrung zu stiften, sondern eher Struktur zu geben.

    Von der Sprachfabulierkunst ist die Geschichte eher einfach angelegt, keine wortreichen, treffenden politischen und gesellschaftlichen Analysen habe ich gefunden, aber es ist halt auch reichlich unfair von mir, diese zu suchen und gedanklich den Roman automatisch mit dem Oeuvre meines absoluten Lieblingsschriftstellers Joseph Roth zu vergleichen, nur weil er in derselben Zeit mit ähnlichem Figurensetting und Locations operiert.

    Gelungen fand ich auf jeden Fall die Integration kleiner historischer Details und realer Anekdoten in die Handlung, die Otto Normalverbraucher nicht unbedingt so bekannt sind. Zum Beispiel besucht Minnerl aus dem Burgenland ihre Schwester Ernestine in Wien und versorgt die Familie mit sehr dringend gebrauchtem Essen, denn die Wiener hungern schon monatelang. Ernestine steht schon seit Jahren tief in der Schuld von Minnerl, da diese auch ihre Tochter in Neusiedl - respektive ihren ledigen Bastard - vor Ernestines hochangesehenem, strengen und bigotten Ehemann August versteckt hat. Da Ernestine vom Gatten sehr kurzgehalten wird und nicht viel als Kompensation zu bieten hat, macht sie ihrer Schwester eine riesige Freude. Im Kaffeehaus arrangiert sie ein Treffen mit Minnerls Lieblingsschriftsteller Schnitzler, der ihr ein Autogramm mit persönlicher Widmung auf den „zufällig“ mitgebrachten Leutnant Gustl gibt.



    „Schnitzler sieht auf und lächelt versonnen. „Ausgerechnet der Gustl! Wissen Sie, dass mich dieses Büchlein meinen Rang als Oberster der Reserve gekostet hat? Er wurde mir aberkannt, weil …“, er bricht ab und schüttelt den Kopf. „Sprechen wir nicht davon. Das ist lang her.“


    Ebenso an der südlichen Front beim Konflikt mit den Italienern während der Annexion Südtirols werden sehr gut historische Details mit Familienschicksalen verwoben. Leutnant Holzer gerät zum Beispiel wie viele in Kriegsgefangenschaft, weil beim Chaos während der Kapitulation der K&K Armee die Verlautbarungsfristen für den Waffenstillstand nicht berücksichtigt wurden. Die Österreicher haben sich qua Befehl schon ergeben, weil die Kapitulation schon beschlossen war, aber die Italiener sich einen Tag Veröffentlichungsfristen ausbedungen haben. Ein allerletztes Mal wurden die Österreicher geleimt, dieser eine Tag kostet der gesamten Kompanie jahrelange Kriegsgefangenschaft, Folter und Tod. Als Leutnant Holzer durch einen günstigen Umstand von einem Conte kurz vor dem elendiglichen Verrecken gerettet wird, möchte er sich endlich auf den Heimweg zu seiner Familie machen. Als sein Lebensretter ihn nach dem Hotel der Eltern fragt, wird beim Zeigen auf der aktuellen Karte offenbar, sein Haus steht im neuen Südtirol, das sich die Italiener unter den Nagel gerissen haben.

    Auch einen politischen Erzählstrang weist das Werk auf. Ferdinand von Webern arbeitet im Außenministerium in Wien und bringt historisch-diplomatische Hintergründe in den Plot ein. Er kommentiert auch nach Kriegsende sehr treffend und fachkundig die Bildung der neuen Regierung.

    Die ungarisch-burgenländische historische Komponente wird durch das Schicksal der Familie Minnerls abgedeckt und der Bruder von Ferdinand von Werbern gerät an der Ostfront in russische Kriegsgefangenschaft, wird nach Sibirien verschleppt und deckt somit das östliche Reich ab. Der Diplomat von Webern verlangt bei Friedensverhandlungen die Freilassung seines Bruders, aber dieser weigert sich zurückzukehren, denn er will seine Kameraden in Gefangenschaft nicht ohne seine ärztliche Unterstützung zurücklassen.

    So, was fehlt uns noch aus dem ehemaligen Habsburgerreich? Genau! Die Unterschicht und die slowenische Grenze. Diesen Erzählstrang bedient das Dienstmädchen Berta, die auch ledig schwanger wird, dann ihren Bauernsohn Lois kennenlernt, der aus Liebe ihre Schande tilgt und den Bastard Viktor adoptiert. Im Kärtner Elternhaus von Lois sieht die böse Schwiegermutter die neue Patchworkfamilie nicht so entspannt. Eine Intrige nach der anderen wird gesponnen. Bis die kleine Familie vor der bösen Alten nach Wien flüchtet.

    So, Ihr seht also, das Fundament für ein sehr gutes Epos ist zwar gelegt, die unzähligen Figuren auf dem Schachbrett sind bereits aufgestellt und müssen nun in Interaktion zusammenkommen. Warum ich noch so verhalten urteile, ist auch klar. Die Konstruktion der Geschichte hat hohes Potenzial, noch richtig großartig zu werden, wenn die Handlungsstränge wie ein Puzzle konsistent ineinandergleiten. Aber auch die Gefahr einer verwirrenden, zerfledderten Handlung besteht, bei der man irgendwann einmal die Beziehung zu den Protagonisten verliert. Da ich heuer so etwas auch schon bei kürzeren Romanen erlebt habe, bin ich vorsichtig, urteile mit 3,5 Sternen, die ich beim ersten Band vorläufig auch noch sehr streng abrunde. Wenn die derzeitigen Nahtstellen und Umbrüche perfekt ineinander gleiten, werde ich meine Bewertung noch einmal überdenken.

    Eines muss ich auch noch in dieser strengen vorläufigen Beurteilung mitschicken: Birgit Mossers Roman hat mir wesentlich besser als Elena Ferrantes Meine Geniale Freundin gefallen, denn beim Lesen der Saga der italienischen Autorin wusste ich gleich, dass ich die Geschichte nicht weiterverfolgen will, weil sie mich gar so genervt hat.

    Fazit:
    Ich bin sehr gespannt, wie es mit den Familien weitergeht, werde fortfahren und davon berichten.         

           

                      

             

             


  2. Cover des Buches Die Tochter der Wanderhure (ISBN: 9783426635216)
    Iny Lorentz

    Die Tochter der Wanderhure

     (467)
    Aktuelle Rezension von: _jamii_

    Mehr als zwölf Jahre sind vergangen, seit Marie, die ehemalige Wanderhure, ihre letzten Abenteuer bestehen musste. Nun lebt sie glücklich und zufrieden mit ihrem Mann Michel auf Burg Kibitzstein. Ihre Tochter Trudi ist der ganze Stolz der beiden und träumt bereits selbst von der großen Liebe.
     Doch dann passiert das Unfassbare, und Trudi muss sich einem Abenteuer stellen, das ihr ganzes Leben verändern wird …

    Der Schreibstil ist für meinen Geschmack zu zäh, ich hatte leider zum grösseren Teil das Gefühl, dass die Geschichte einfach nicht vom Fleck kommt. So gibt es für mich auch zu viele politische Diskussionen, die meine Lust am Weiterlesen doch sehr gedämpft haben. Für mich hätten da diverse Absätze und Gespräche zusammengekürzt werden können. 

    Trudi ist noch sehr jung und wohlbehütet aufgewachsen, daher kann man auch ihre teilweise doch sehr weitreichende Naivität nachvollziehen. Leider hat sie mir das nicht sympathischer gemacht, ich habe mich das eine oder andere Mal über sie geärgert. Sie ist ein nettes Mädchen, hat das Herz am rechten Fleck, und doch konnte ich nicht so mit ihr mitfiebern und mitfühlen, wie das bei Marie der Fall war. 

    Das ganze Buch ist zäh und langatmig, erst gegen Ende, als die Belagerung kommt, wird es doch noch etwas spannend, das Tempo zieht ein bisschen an. 

    Der spannende Schluss konnte das langatmige Buch aber leider auch nicht retten. 

  3. Cover des Buches Alchimie einer Mordnacht (ISBN: 9783462049190)
    Benjamin Black

    Alchimie einer Mordnacht

     (61)
    Aktuelle Rezension von: Aitutaki

    Christian Stern, ein junger Prager Gelehrten am Renaissance-Hof Rudolfs II., soll einen Mord an einer Geliebten des Königs aufklären. Aber anstatt den Fall zu lösen, verstrickt er sich immer tiefer in die Intrigen- und Lustspiele rund um den König und dessen Gefolge. Eine spannende Mischung zwischen Kriminalroman und historischer Geschichte, die Benjamin Black erzählt und den Leser so schnell zu begeistern und fesseln mag. Genial finde ich persönlich auch die Auflösung des Falles, die sich auch auf die heutige Zeit adaptieren liesse.


    Was ich erst im Nachhinein erfahren habe, dass sich hinter dem Pseudonym Benjamin Black der Irische Autor John Banville verbirgt. Kein Wunder, liesst sich die Geschichte sprachlich so toll und vermag schnell zu fesseln!


    Sehr passend zur Geschichte ist auch das Cover gewählt. Man fühlt sich zurückversetzt ins Jahr 1599. 

  4. Cover des Buches Elisabeth (ISBN: 9783902862969)
    Brigitte Hamann

    Elisabeth

     (134)
    Aktuelle Rezension von: Saralonde

    Gibt es irgendjemanden, zumindest irgendeine Frau, die die Sissi-Filme nicht gesehen hat? Und deren Bild der Kaiserin Elisabeth nicht von ihnen geprägt ist? Das Sisi tatsächlich eine ganz andere war, hat sich herumgesprochen. Und fernab jeden Schmalzes präsentiert uns Brigitte Hamann ausführlich die echte Sisi. Dazu hat sie sich durch Archive und die private Korrespondenz aller möglichen Personen gelesen, die Sisi nahestanden (und natürlich auch alles, was von Sisi selbst noch erhalten geblieben ist). Man könnte jetzt vielleicht befürchten: “Oje, das hört sich staubtrocken an”, doch nein, Brigitte Hamann hat etwas, was für eine promovierte Historikern ein Glücksfall ist: Erzähltalent. Ich will nicht behaupten, das Buch lese sich wie ein Roman, aber es liest sich flüssig und ist an keiner Stelle langweilig.

    Die Kapitel sind chronologisch angeordnet, was Hamann jedoch nicht daran hindert, bezüglich eines bestimmten Themas auch Zeitsprünge zu vollziehen. Es beginnt mit der Verlobung der erst 15-Jährigen mit dem jungen Kaiser in Ischl. Hätte ich mir noch ein Kapitel über Sisis Kindheit gewünscht? Nicht unbedingt notwendig, denn Hamann verweist im Laufe des Buches an gegebener Stelle immer wieder auf Sisi als Kind.

    Das Bild, das Hamann von Elisabeth zeichnet, zeigt uns eine hochintelligente, aber auch äußerst zwiespältige Persönlichkeit, ihrer Zeit durchaus voraus, jedoch in einem solchen Maße egozentrisch, dass ihre Ideale schnell beiseite geschoben wurden, wenn es um sie selbst ging. Mir war nicht bewusst, das Sisi so viel gedichtet hat, immer wieder zitiert Hamann ihre Gedichte, die mitunter sehr aufschlussreich sind. Ergänzt wird der Text durch wirklich tolles Bildmaterial, leider nur aus den jungen Jahren der Kaiserin, da sie es im Alter sehr erfolgreich vermieden hat, fotografiert zu werden.

    Wenn ihr euch für Sisi interessiert (und sie war wirklich interessant genug!), kann ich euch das Buch wärmstens empfehlen. Unbedingte Kaufempfehlung!

  5. Cover des Buches Der Untergang der Habsburgermonarchie (ISBN: 9783709970669)
    Hannes Leidinger

    Der Untergang der Habsburgermonarchie

     (10)
    Aktuelle Rezension von: TochterAlice
    ist ein Schlager, der aus meiner Sicht kein Gehalt hat, es wird einfach etwas dahingesagt. Damit stellt er das Gegenteil zum vorliegenden Werk zum Untergang der Habsburgermonarchie dar. Die Welt der Habsburger ist nämlich sehr wohl untergegangen und zwar nicht nur aus einem Grund, sondern aus mindestens sieben (hauptsächlichen) Gründen, wie das Fazit am Ende der Ausführungen belegt. Doch es gibt viel "dazwischen", also vieles, das dazu beitrug und überaus lesenswert ist.

    Dem Autor Hannes Leidinger fehlt die Leichtigkeit vieler angelsächsischer Autoren, die es fertig bringen, ein historisches Sachbuch wie einen spannenden Roman zu formulieren, den man nicht aus der Hand legen kann. Hier habe ich mich mit der zweifellos sowohl interessanten, auch aufschlussreichen und Neues offenbarenden Lektüre ziemlich schwer getan, denn spannend war sie ganz gewiss nicht. Zumindest nicht aus meiner Sicht.

    Und das, obwohl grandiose Ansätze durchaus vorhanden waren, wie zum Beispiel gleich zu Beginn des Buches die Darstellung der realen Ereignisse aus der Sicht von Ulrich, der Hauptfigur in Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften", also einem fiktiven Kind der Zeit. Doch Einflüsse germanischer Gründlichkeit haben eindeutig überwogen und machen das Werk zu einem ausführlichen und überaus fundierten Werk über die Habsburgermonarchie, zu einem modernen Werk, das Ursachen, Einflüsse und Entwicklungen prüft und in Frage stellt.

    Ein wirklich wichtiges Werk der neuesten Geschichtsschreibung also, das jeder Historiker, der sich mit diesem Thema beschäftigt zur Hand nehmen sollte. Und nicht nur einmal. Denn es hat das Zeug zu einem Handbuch der österreichischen Geschichte, also zu einem Werk, das Kenner und Schätzer nicht wieder aus dem Regal lassen sollten. Und sicher auch das Zeug dazu, ausgiebig diskutiert zu werden, also ein Werk, das jahrzehntelang nachhallen wird. Mindestens.

    Für Laien ist es eher nichts, außer für solche, die sich sehr für die Habsburger und für österreichische Geschichte interessieren und auch schon einige Vorkenntnisse haben. Andere werden sicher enttäuscht sein und das wäre schade angesichts eines so sach- und fachkundigen Werkes.
  6. Cover des Buches Herrscherin im Paradies der Teufel (ISBN: 9783406666957)
    Friederike Hausmann

    Herrscherin im Paradies der Teufel

     (4)
    Aktuelle Rezension von: Andreas_Oberender

    Kaiserin Maria Theresia sparte nicht mit Ratschlägen, wenn eine ihrer Töchter vermählt wurde und zur Reise in die neue Heimat aufbrach. Ihrer Tochter Maria Carolina, die 1769 mit König Ferdinand von Neapel verheiratet wurde, riet die Kaiserin mit Nachdruck, sich niemals in die Staatsgeschäfte einzumischen. Hat man Friederike Hausmanns Biographie gelesen, dann fragt man sich unwillkürlich, wie Maria Carolinas Leben wohl verlaufen wäre, wenn sie sich an den Rat ihrer Mutter gehalten hätte. Bald nach der Ankunft in Neapel muß der Siebzehnjährigen gedämmert sein, dass sie den gutgemeinten Rat der Kaiserin unmöglich befolgen konnte. Ferdinand, der junge König von Neapel, war ein Faulpelz und Taugenichts, der die lästige Pflicht des Regierens nur zu gerne auf andere Personen abwälzte. Und dabei hätte das Königreich Neapel, das zu den rückständigsten Staaten Europas zählte, einen starken und zupackenden Herrscher gebraucht.

    Nach der Entlassung des greisen Premierministers Tanucci 1776 schlug Maria Carolinas Stunde. Da es in Neapel an Staatsmännern von Format mangelte, ergriff die junge Königin notgedrungen die Zügel. Sie leitete fortan die Regierungsgeschäfte. Ihre Mutter, Gebieterin über ein ungleich größeres Reich, mag ihr dabei als Vorbild gedient haben. Maria Carolina ahnte wohl nicht, welche Konsequenzen dieser Schritt nach sich ziehen würde, wieviele Demütigungen, Enttäuschungen und Verleumdungen sie in ihrem weiteren Leben würde ertragen müssen. Der Hass und die Missgunst, die ihr Feinde und Kritiker zu Lebzeiten entgegenbrachten, haben das Bild der Königin bei der Nachwelt lange verdunkelt. Vor allem in Italien galt Maria Carolina lange als Inbegriff einer anmaßenden und herrschsüchtigen Frau, die nur Unheil anrichtet und ihr Land ins Unglück stürzt.

    Von den vielen Töchtern Maria Theresias ist heute eigentlich noch nur Marie Antoinette bekannt, die Königin von Frankreich. Friederike Hausmanns Verdienst besteht darin, dass sie mit ihrer Biographie eine Herrscherin dem Vergessen entreißt, deren Leben kaum weniger dramatisch verlief als das ihrer jüngeren Schwester. Maria Carolina kam in ein Land, das vom übrigen Europa als archaisch und exotisch wahrgenommen wurde. Das Königreich Neapel schien der allgemeinen Entwicklung um Jahrzehnte hinterherzuhinken. Intelligent, selbstbewusst und energisch, gab sich Maria Carolina nicht mit ihrer Rolle als Ehefrau und Mutter zufrieden. Sie nutzte ihre Stellung als Königin in einem Maße aus, das ihrem Umfeld nicht geheuer war. Maria Carolina nahm an den Sitzungen des Staatsrates teil, traf wichtige Entscheidungen, unterstützte überfällige Reformvorhaben, suchte die Nähe von Gelehrten und Intellektuellen, engagierte sich für die Gründung einer Akademie der Wissenschaften und Künste (1778). Aufsehen erregte ihre Parteinahme für die Freimaurer, die sich Angriffen konservativer Kreise ausgesetzt sahen.

    Gingen dem trägen und ungebildeten König jegliche Ambitionen ab, so waren Maria Carolinas Ziele allzu hoch gesteckt. Die Königin wollte Neapel nicht nur im Sinne des aufgeklärten Absolutismus modernisieren, sondern auch in den Rang eines ernstzunehmenden außenpolitischen Akteurs erheben. Wie sehr sie damit die Ressourcen des wirtschaftlich und militärisch schwachen Königreiches überstrapazierte, zeigte sich während der Wirren und Kriege, die im Gefolge der Französischen Revolution und der französischen Expansion in Italien ausbrachen. Allen rastlosen Bemühungen Maria Carolinas zum Trotz war Neapel nie mehr als ein Spielball der europäischen Mächte. Eine eigenständige Außenpolitik konnte das Königreich nicht betreiben. Wie alle gekrönten Häupter ihrer Zeit lehnte Maria Carolina die Französische Revolution leidenschaftlich ab. Aus der einstigen Beschützerin der Freimaurer wurde eine Reaktionärin, die sich dem Kampf gegen die Revolution und den Emporkömmling Napoleon verschrieb. Nennenswerte Erfolge waren der Königin nicht beschieden, auch nicht im Bündnis mit Großbritannien und Österreich. Die Revolution griff auf Neapel über; zweimal musste die Königsfamilie nach Sizilien fliehen. Napoleon installierte seinen Schwager Murat als König von Neapel, während Maria Carolina und Ferdinand ihr Dasein in Palermo fristeten, abhängig von britischem Geld.

    Hausmann hat eine ungemein farbige und schwungvoll erzählte Biographie vorgelegt, zu deren Vorzügen nicht zuletzt eine gründliche Kenntnis der süditalienischen Verhältnisse unter dem Ancien Régime und während des napoleonischen Zeitalters zählt. Der schwierige neapolitanische Kontext, mit dem Maria Carolina konfrontiert war, wird mit großer Anschaulichkeit geschildert. Hausmann entwirft das Bild einer Frau, die bei allem Taten- und Gestaltungsdrang letztlich kein echtes politisches Talent besaß und sich zu oft von ihren Leidenschaften übermannen ließ. Selten hat eine Königin so viel Abneigung provoziert; selten hat eine Herrscherin derart viele Feinde gehabt. Am Ende ihres Lebens war Maria Carolina isoliert und ohne Verbündete, sogar in ihrer eigenen Familie. Fortschrittlich gesinnten Kreisen der neapolitanischen Gesellschaft war sie verhasst. Die Briten, die auf Sizilien das Sagen hatten, betrachteten sie als Störfaktor und erzwangen im Frühjahr 1813 ihre Abreise nach Österreich. König Ferdinand rührte keinen Finger für seine Frau. Ihren Verwandten in Wien war die Königin unwillkommen. Den endgültigen Sieg über Napoleon und die Rückkehr der Bourbonen nach Neapel erlebte Maria Carolina nicht mehr - sie starb kurz vor Beginn des Wiener Kongresses.

    Hausmann zeigt eine Frau, die mutig und entschlossen, aber nicht immer klug und weise handelte, um die Interessen ihrer Familie und des Königreiches Neapel durchzusetzen. Als Kaisertochter und Kind des Ancien Régime hatte Maria Carolina kein Verständnis für die neue Zeit, die mit der Revolution anbrach. Es entsprach nicht Maria Carolinas Charakter und Persönlichkeit, sich aus der Politik herauszuhalten, wie es ihre Mutter empfohlen hatte. Für ihren Entschluss, selbst politisch aktiv zu werden, zahlte die Königin einen hohen Preis. Ob vor der Revolution oder während der Revolutionszeit - stets wollte sie mehr erreichen, als sie unter den gegebenen Umständen bewirken konnte. Hausmann sieht in Maria Carolinas Tragik auch die Tragik Süditaliens. Revolution und Krieg machten alle Ansätze einer progressiven Entwicklung durch Reformen zunichte. Wie so viele Herrscher, deren Throne im Revolutionszeitalter ins Wanken geraten waren, wünschte sich König Ferdinand nach dem Sieg über Napoleon nur eines - Ruhe. Die Frau, die ihn einst zu Reformen angespornt hatte, lebte nicht mehr. Die sprichwörtliche Rückständigkeit des Mezzogiorno wurde auf lange Zeit hinaus konserviert. 

    (Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im August 2014 bei Amazon gepostet)

  7. Cover des Buches Kronprinz Rudolf (ISBN: 9783903441248)
    Brigitte Hamann

    Kronprinz Rudolf

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Dolittle
    Biografie eines Sohnes berühmter und dominanter Eltern, der wenig Chancen hat, dieWelt zu verändern, da man ihm nichts zutraut. Rudolf, Sohn von Sissi und Franz Joseph, die Eltern, machen es Rudolf schwer.So kommt es zum "Jahrhundertskandal", dem Selbstmord. Ein Buch, nicht nur für Geschichtsinteressierte!
  8. Cover des Buches Sisi - Kaiserin wider Willen (ISBN: 9783746638607)
    Allison Pataki

    Sisi - Kaiserin wider Willen

     (97)
    Aktuelle Rezension von: ReadingLikeCarrie

    Wer kennt nicht die romantische Sissi-Verfilmung von Ernst Marischka? Und wer kennt die schonungslose Wahrheit? In "Sisi - Kaiserin wider Willen" findet beides statt: Romantik und Realität. Die historisch überlieferten wahren Begebenheiten dienten der Autorin als Rohfassung, wie sie selbst zum Ende der Geschichte schreibt. 

    Der erste Schauplatz ist Possenhofen und sogleich hat man wieder den Marischka-Film vor Augen. Das Kennenlernen erstreckt sich über fast ein Drittel der Seiten, weshalb ich befürchtete, dass zum Ende hin nicht mehr genug Platz ist. Aber die Autorin hat sich für sehr gute Zeitsprünge entschieden, die den Lesefluss nicht gestört haben. Die Misere mit den Kindern, die nicht in Sisis Obhut aufwachsen dürfen und die späteren Reisen bis hin zu ihrer großen Liebe - Ungarn - werden alle interessant vermittelt. Vor allem zum Ende hin fühlt man diese greifbare Schwermut der Kaiserin und den inneren Konflikt, wer sie sein will. Man merkt es schon, dieses Buch ist ein rundum tolles Werk, das mich als Sis(s)i-Fan sehr begeistert hat.

    Das Cover reiht sich in die Reihe der historisch angelehnten Erzählungen des Verlags ein. Mir persönlich hätte aber eine andere - evtl. sogar größere - Darstellung von Sisi besser gefallen.

  9. Cover des Buches Blut und Silber (ISBN: 9783426638361)
    Sabine Ebert

    Blut und Silber

     (170)
    Aktuelle Rezension von: Thommy28

    Einen kurzen Blick auf die Handlung ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:

    Wieder einmal gelingt es der Autorin aus historischen Fakten und Ereignissen in Kombination mit einer spannenden Geschichte ein beeindruckendes Buch zu schreiben. Es reicht vielleicht nicht ganz an die Bücher der Hebammen-Reihe und der Reihe Schwert und Krone heran, ist aber immer noch so gut, dass es mit 5 Sternen gewertet werden muß.

    Das aktuelle Buch ist ziemlich kampf- und schlachtenlastig. Dabei komme es auch zu recht grausamem Begebenheiten, die aber zu damaliger Zeit im Kriegsfall üblich waren. Auch die vielen Torturen und Ungerechtigkeiten unter denen die Menschen seinerzeit unter der Willkür der Herrschenden zu leiden hatte werden eindrucksvoll geschildert.

    Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich werde mit Sicherheit weitere Bücher der Autorin lesen.

  10. Cover des Buches Der grüne Palast (ISBN: 9783548613529)
    Peggy Hohmann

    Der grüne Palast

     (74)
    Aktuelle Rezension von: Hellena92

    Wien, 1816: Gräfin Lazansky wird beauftragt, Erzherzogin Leopoldine nach Brasilien zu begleiten. Vor ihnen liegt eine aufregende und zugleich beschwerliche Reise ans andere Ende der Welt. Die junge Gräfin ist wenig erfreut, dass auch Fürst Metternich mit von der Partie ist. Der kluge politische Kopf gilt am Hof als skrupelloser Schürzenjäger. Er war es auch, der die Hochzeit mit dem portugiesischen Thronfolger für Leopoldine eingefädelt hat. Was die Frauen nicht ahnen: Seine Beschreibungen des fernen Paradieses erweisen sich als eine große Lüge.

    Mein Fazit: 

    So ein schönes Cover. Das ganze in briefformat zu schrieben war eine schöne Idee. Aber ich hab mich nicht abgeholt gefühlt. Alles wirkte abgehackt und lieblos. Ich war irgendwann so gelangweilt, dass ich abgebrochen habe 

  11. Cover des Buches Maria Theresia (ISBN: 9783406697487)
    Barbara Stollberg-Rilinger

    Maria Theresia

     (8)
    Aktuelle Rezension von: kurti66

    Stollberg-Rilinger präsentiert uns in ihrer wuchtigen und voluminösen Biographie  eine Frau, die zeit Ihres Lebens für ihre Macht, ihre Familie, ihr Haus und ihr persönliches Glück kämpfen musste. Von sich und ihrer Bestimmung überzeugt, aber mit dem 'Makel' des weiblichen Geschlechts belastet,  wirkt ihr ständiger  Kampf fast schon prae-feministisch; doch bleibt sie auch ein Leben lang im engen Korsett einer strengen  katholischen Erziehung und absolutistischen Gesinnung gefangen und damit ein Kind ihrer Zeit. Der Geist der Aufklärung war ihr stets suspekt. Auch waren ihr die Nöte des einfachen Volkes  mehr oder weniger gleichgültig.  Trost  und Erlösung fand sie nur im Glauben, den Beistand Gottes suchte sie  im strengen Gebet und überkommenen Ritualen.  

    Die Biographie ist durch ihre Detailverliebtheit mitunter langatmig und liest sich - besonders bei den Bemühungen der Kaiserin um das Wohl ihrer Familie - wie ein Auszug aus der 'Bunten' bzw. anderer Gossip-Magazine.

    Schwach ist Stollber-Rilinger bei der Schilderung der zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen des Hauses Habsburg mit Preußen. So nimmt der 7-jährige Krieg gerade mal 50 Seiten in ihrem Werk ein. Man merkt auf fast jeder dieser Seiten das Unbehagen der Autorin, den Krieg als legitime Form der Konfliktlösung der damaligen Zeit zu akzeptieren und entsprechend zu beschreiben. Der Krieg wird als quasi  Unwetter geschildert, das man hinnehmen muss und am Ende ist man froh, wenn es vorbei ist. Diese Haltung disqualifiziert sie aber als  bedeutende Historikerin.         

     

  12. Cover des Buches Die häßliche Herzogin (ISBN: 9783746656274)
    Lion Feuchtwanger

    Die häßliche Herzogin

     (36)
    Aktuelle Rezension von: taciturus
    Mit gierigen Blicken werfen die drei großen Fürsten ihrer Zeit – Albrecht von Habsburg, Ludwig von Wittelsbach und Johann von Luxemburg – ihre Augen auf das Herzogtum Tirol. Der dortige Fürst ist in die Jahre gekommen und hat nur einen legitimen Nachfolger, seine Tochter Margarete. Margarete, ein Kind von überdurchschnittlicher Intelligenz, bewandert in Politik, doch kein schöner Anblick für das Aug. In späteren Jahren wird sie den Beinamen „Maultasche“ tragen, nachdem ein Kind bei einem öffentlichen Auftritt Margeretes diesen Aufschrei getan haben wird. Es beginnt ein Poker um Tirol, eine Mischung aus Heiratsvermittlung, Intrige und Kampf in der Mitte des 14. Jahrhunderts. Lion Feuchtwanger schreibt dabei mit einer anspruchsvollen Sprache. Zwar eher kurze Sätze, manchmal auch nur Fragmente, gelingt es ihm eine besondere Atmosphäre zu schaffen und den Lesern Zugang zu seinen Figuren zu ermöglichen. Oft liegen viele Feinheiten in kleinen Details, die man leicht überlesen könnte, wenn man zwischenzeitlich kurz die Aufmerksamkeit etwas schweifen lässt. Gerade viele wichtige Ereignisse, werden so behutsam aufgebaut und nicht reißerisch aufgearbeitet. Dabei schildert uns der Autor nicht Länge mal Breite die Gedanken, Emotionen und Motive seiner Charaktere, sondern lässt diese durch ihre Handlungen, ihre Aktionen und Reaktionen, lebendig werden und überlässt somit einem großen Teil der Interpretation den Lesern. Gerade dadurch entstehen oft sehr aussagekräftige Szenen, die den Leser packen und in denen oft mehr mitschwingt als nur die bloßen geschilderten Handlungen. In denen oft ein Lebensgefühl einer fremden Zeit spürbar wird und Geschichte erlebbar. Für mich war dies das erste Buch von Lion Feuchtwanger und ich bin sehr froh es gelesen zu haben. Hier findet man alles was man sich von einem guten historischen Roman erwartet. Eine spannende Geschichte in der Geschichte, die möglichst nahe an der erforschten Wirklichkeit liegt. Lebendige Figuren und zugleich zeitlose Fragen, wie die Frage nach dem Wert der optischen Schönheit. Ich bin restlos begeistert.
  13. Cover des Buches Habsburgs schräge Vögel (ISBN: 9783800077021)
    Gabriele Hasmann

    Habsburgs schräge Vögel

     (2)
    Aktuelle Rezension von: awogfli
    Eines gleich vorweg über dieses Habsburger-Sachbuch: Es hat keine historische Struktur, und trotzdem hat es mich hier gar nicht gestört. Die Autorin Gabriele Hasmann präsentiert im Plauderton eine wundervolle Sammlung von teilweise mir bekannten aber auch vielen unbekannten Anekdoten über die Habsburger. Da sie nach der Art des „Dachschadens“ von der kleinen Marotte bis zur ernsthaften pathologischen Störung strukturiert und damit quer durch Jahrhunderte und Verwandtschaftslinien springt, ist somit ein chronologischer Aufbau überhaupt nicht gewährleistet. Für mich war diese etwas schräge Struktur kein Störfaktor bei der Rezeption, denn ich wusste meist ganz genau, wer wann wie mit welcher Verwandtschaft gemeint ist, da ich im österreichischen Geschichtsunterricht ohnehin sehr viele Haupt- aber auch Nebenlinien der kaiserlichen Familie lernen musste.

    Hasmann präsentiert in einzelnen Kapiteln: Aberglauben, Magie und Hellsicht, Sado-Maso-Persönlichkeiten, echten Wahn und Wahnsinn, Ticks und Zwangsneurosen, Phobien und Süchte, Narzissmus, Dominanz und Fanatismus versus Laissez-faire, Lug, Betrug und Schurkenstücke und schlussendlich auch noch die sexuellen Eskapaden bzw. amourösen Auffälligkeiten.

    Irgendwie ist das fast so, als könnte der Leser unter dem intellektuellen Deckmantel der historischen Forschung wie ein lüsterner Paparazzo und Boulevardmedienschreiber in die Stuben und Schlafzimmer der gekrönten Häupter schauen und einfach schamlos auch noch darüber tratschen und Witze reißen. Ich gestehe, da ja alle schon tot sind und es keinem mehr schadet, genieße ich mitunter so eine voyeuristische Nabelschau auf ganz tiefem Niveau sehr. Schließlich muss man sich ja auch mit den Schattenseiten der österreichischen Geschichte befassen 😜

    Die Anekdoten waren wie gesagt teilweise ganz neu: Zum Beispiel wurde das Geheimnis von 007 gelüftet, der wahre Van Helsing identifiziert (das wusste ich schon) und die amourösen Abenteuer des Mannes von Maria Theresia mit seinem besten Buddy, Giacomo Casanova, durch das Hurenviertel am Spittelberg und durch die Bums-Droschken geschildert, inklusive wütender Gegenmaßnahmen der Ehefrau.

    Es gab auch eine derart abgefahrene Story über mehrere afrikanische Menschen (Mohren), die dem Kaiser geschenkt wurden und die infolge der ungewohnten Kost und des Klimas nicht lange überlebten. Der Kaiser ließ ihnen die schwarze Haut abziehen und stellte sie als Figuren gekleidet und geschmückt aus. Da viele starben, hatte er bald eine ganze Rotte von Schwarzen beisammen.

    Auch die – wie soll ich es höflich formulieren – extrem hässlichen Habsburgermerkmale, die sich durch die andauernde Inzucht gleichsam wie der Wahnsinn in manchen Linien vervielfachten, wurden von der Autorin mit spitzer Zunge erläutert. Im Rahmen des pathologischen Irrsinns war der Wurm schon seit dem 16. Jahrhundert in der Genetik der Familie durch die spanische Linie, respektive durch „Juana la Loca“, verankert.

    Eine Geschichte hat mich am meisten verblüfft: Maximilian, der Kaiser von Mexiko, wurde offensichtlich nur zum Schein exekutiert, zumindest ist bewiesen, dass die neue Republik nicht seine Leiche überführt hat und ein Bürgerlicher in Salvador namens Justo Armas dieselbe Handschrift hatte.

    Ach ja, im Kapitel Völlerei gibt es ein Rezept für Krebsgermnudeln, die Leibspeise von Maria Theresia. Das möchte ich unbedingt mal kochen.

    Fazit: Für Anfänger im Hause Habsburg leider etwas verwirrend, wenn man auf historische Chronologie Wert legt. Für Profis in diesem Bereich und für Royal Watchers, die auf sensationelle Geschichten abzielen, aber doch sehr vergnüglich.

    P.S: Eine Kleinigkeit ist mir noch aufgefallen. Der Verlag hat sich beim Coverbild von Leopold I. noch eine kleine Impertinenz einfallen lassen. Die hässlichen, wulstigen Habsburgerlippen wurden mit Folie oder Lack überzogen und springen dadurch dem Leser förmlich ins Auge. Das ist sooo böse und köstlich! 😂

  14. Cover des Buches Die letzte Prinzessin (ISBN: 9783458176831)
    Martin Prinz

    Die letzte Prinzessin

     (27)
    Aktuelle Rezension von: krimielse
    Das Buch "Die letzte Prinzessin" von Martin Prinz schildert das ereignisreiche Leben der letzten Habsburger Prinzessin Elisabeth vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts. Es ist ein Roman, keine Biografie, und daher kein vollständiger Lebensbericht und auch nicht chronologisch aufgebaut. Elisabeth Petznek alias Prinzessin Elisabeth, alias die "rote Prinzessin" ist die Tochter von Kronprinz Rudolf, beeinflusst und erzogen von ihrem Großvater Kaiser Franz Joseph, wuchs in Glanz und Gloria der Donaumonarchie auf. Aus den kühlen familiären Verhältnissen ihrer Jugend, geprägt vom frühen und geheimnisvollen Tod ihres Vaters Kronprinz Rudolf, vom Großvater als mögliche Erbin herangezüchtet, heiratet sie gegen dessen Willen früh und unter ihrem Stand, verbunden mit dem Verzicht auf jegliche Ansprüche auf den Thron. Nach unglücklicher Ehe und den Schrecken des Ersten Weltkrieges, die sie zwar spürte, aber keinesfalls wie die übrige österreichische Bevölkerung hungernd durchleiden musste, wendet sie sich den Sozialdemokraten zu und heiratet 1948 Leopold Petzek, einen Sozialdemokraten, Lehrer und langjährigen Weggefährten. Die Geschichte beginnt mit dem Tod der 80jährigen Elisabeth Petznek 1963 in Wien und ist über weite Passagen aus der Sichtweise ihres Portiers Paul Mesli erzählt. Parallel dazu erinnert man sich als Leser gemeinsam mit dem alten Portier an Elisabeths Jugend, so wie sie ihm davon erzählt hatte. Für mich überraschend wurde den Tagen nach dem Tod der Prinzessin und dem Bericht des Portiers darüber viel Raum eingeräumt, auch am Ende des Romanes findet der Autor den Weg dorthin zurück. Durch für meinen Geschmack zu viele Wiederholungen verlor sich die Geschichte hier zu sehr. Viele rückblickend betrachtete Ereignisse in Elisabeths Leben sind unter der Voraussetzung beschrieben, dass man einigermaßen sattelfest in der Habsburger Familiengeschichte ist - ich musste hier einiges nachschlagen bezüglich Verwandschaftsverhältnissen und historischen Ereignissen, an denen sich der Autor ohne näher darauf eingeht entlang hangelt. Die ausführlicher beschriebenen Begebenheiten sind eher familiärer Natur, teilweise verflochten mit ziemlich banalen Gedanken. Das gibt dem Ganzen zwar einen recht persönlichen und familiären Touch, andererseits ist es mir unmöglich nachzuvollziehen, was Dichtung und was Wahrheit entspricht. Bei letzteren stört mich ehrlich gesagt auch die kindlich-naive Sprache, die so ganz verschieden von der recht sachlichen (und mir teilweise zu verschachtelten) Sprache ist, mit der Ereignisse und Hintergründe angetippt werden. Ich habe manchmal das Gefühl, zwei Bücher zu lesen. Ein stichpunktartiges Sachbuch und einen (für mich ehrlich gesagt recht banalen) Roman über einen alten Portier und eine Prinzessin. Nach sehr gut geschriebenen Passagen in der zweiten Hälfte des Buches, wie zum Beispiel Hergang des Attentates auf den österreichischen Ministerpräsident Stürgkh und die Person des Friedrich Adler, der sich von der als opportunistisch dargestellten Sozialdemokratie abwendet, wird die Zeit zwischen den Weltkriegen leider gar nicht angesprochen, statt dessen findet der Autor wieder zu Portier Muesli und seinen Gedanken zurück. Das Buch hat mich leider nicht wirklich abholen können. Es ist eine in meinen Augen nicht gut gelungene Mischung aus historisch belegter Biografie, den Erinnerungen eines Wegbegleiters und einem schwülstigen Schmöker, letzteres ist so gar nicht mein Metier, besonders wenn Inhalt und Sprache sehr seicht sind.
  15. Cover des Buches Die Pilgerin (ISBN: 9783426515297)
    Iny Lorentz

    Die Pilgerin

     (252)
    Aktuelle Rezension von: DanielaN

    Der Vater der jungen Tilla nimmt am Sterbebett seinen Kindern das Versprechen ab, sein Herz nach Santiago de Compostela zu bringen und dort zu begraben. Eigentlich soll der Sohn diese Reise übernehmen. Doch da er keine Anstalten macht, sondern sich im Gegenteil als intrigantisch und ruchlos erweist und seine Schwester zur Heirat mit einem Geschäftsfreund zwingt, befreit Tilla sich schließlich aus ihrer Situation durch Flucht – als Pilgerin nach Santiago und mit dem Herzen des Vaters im Gepäck, um seinen letzten Wunsch zu erfüllen.

    Den größten Teil des Buches nimmt nun Tillas Reise von Ulm nach Santiago mit einer Pilgergruppe ein. Erzählt werden die Abenteuer, die auf einer solchen nicht ungefährlichen Reise zu bestehen sind, und die Leserin lernt neben Tilla einige weitere Charaktere kennen.

    Das Buch ist ein netter Zeitvertreib und angenehm zu lesen, wenn auch nichts Besonderes, da recht vorhersehbar. Die Männer sind (wie immer bei Iny Lorentz?) reichlich triebgesteuert und Frauen ihre Objekte, die „benutzt werden“. Und natürlich wirft sich die Heldin mutig in alle Herausforderungen und besteht diese. Trotzdem begleitet man Tilla und ihre Gefährten gern auf der Reise und möchte wissen, wie sich alles entwickelt, auch wenn man das Ende von Anfang an kennt.

    3,5 Sterne von mir.

  16. Cover des Buches Kaisers Rumpelkammer (ISBN: 9783499628474)
    Simon Winder

    Kaisers Rumpelkammer

     (3)
    Aktuelle Rezension von: SotsiaalneKeskkond

    Simon Winder gibt mit diesem Buch einen sehr detaillierten und aufschlussreichen Einblick in die Herrschaft der Familie Habsburg in Europa. Mit einen meist unterhaltsamen sprachlichen Stil, der teilweise ein wenig langatmig wurde, wird der Leserschaft der Teil der  - vor allem südosteuropäischen - Geschichte nähergebracht, der diese Regionen mit zu dem geformt hat, die sie heute sind. Vor allem hat mir die Komplexität des Beschriebenen gefallen. Historische Zusammenhänge die bis in die Gegenwart und die gesellschaftliche und politische Identität der Nachfolgerstaaten des einst von den Habsburgern beherrschten Gebiets werden schlüssig und anschaulich erklärt. Und so hatte ich den einen oder anderen Aha-Moment beim Lesen. Jedenfalls hat mir auch gefallen, dass Simon Winder immer wieder Verknüpfungen in Kunst und Kultur mit einstreute. Neben historischen Fakten bekommt man also auch Tipps zu lokaler Literatur und Veranstaltungshinweise, die sicherlich einen zweiten Blick wert sind. 


    No front, aber ich finde es übel cringe, dass der Verlag sein eigenes Buch mit 5 Sternen bewertet...

  17. Cover des Buches Erzherzogin Sophie (ISBN: 9783990500248)
    Christa Bauer

    Erzherzogin Sophie

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis
    Erzherzogin Sophie ist vor allem durch ihr Image als „Böse Schwiegermutter“ bekannt. Doch war sie das wirklich?

    Die beiden Autorinnen Anna Ehrlich und Christa Bauer versuchen ein differenzierteres Bild von Kaiser Franz Josephs Mutter zu zeichnen.
    Wer war sie nun?

    Die 1805 geborene Tochter von Maximilian I. von Bayern und seiner Gemahlin Prinzessin Karoline von Baden wuchs im, von Napoleon neu geschaffenen Königreich Bayern auf. Sie wurde 1824 aus rein dynastischen Gründen mit Erzherzog Franz Karl, dem zweiten Sohn Kaiser Franz II./I. verheiratet.

    Sophie ist politisch interessiert und sehr ehrgeizig. Ihrem Gemahl ist sie geistig weit überlegen. Der eine oder andere Schachzug erregt sogar die Aufmerksamkeit von Staatskanzler Metternich. Als Kind, eines durch die Revolutionskriege zum König erhobenen Fürsten, fürchtet sich nichts mehr wie Umsturz und Machtverlust. Diese Angst wird ihr Handeln zeitlebens vorantreiben. Ihrem Ehrgeiz opfert sie alles: Ihren Mann, ihre eigene Person und ihre Kinder. Obwohl sie ihre Söhne Franz Joseph, Maximilian, Carl Ludwig und Ludwig Viktor (die einzige Tochter stirbt bereits als kleines Kind) abgöttisch liebt, unterwirft sie vor allem Franz Joseph einem Erziehungsprogramm, das schon beinahe als Kindesmisshandlung gelten muss: Ein Sechsjähriger, der eine 50-60 Stunden Woche hat?

    Heute würde man sie als „Helikopter-Mutter“ bezeichnen, die sich in alles einmischt und den Kindern keinen Freiraum lässt.

    Zur Höchstform läuft Sophie auf, als klar wird, dass der neue Kaiser Ferdinand kaum in der Lage ist die Regierungsgeschäfte zu führen. Zuvor noch einer Meinung mit Metternich entfremden sich die beiden als der Staatskanzler „quasi ohne Kaiser“ regieren will.
    Bei der Niederschlagung der Revolutionen im März bzw. Oktober 1848 spielt Sophie eine etwas undurchsichtige Rolle. Auf der einen Seite ist sie strikt gegen eine Modernisierung der Monarchie und auf der andern flieht sie beide Male mit der Familie.
    Letztlich zwingt sie gemeinsam mit einigen Getreuen Ferdinand zu Abdankung und ihren Mann zum Thronverzicht. Nun ist der Weg frei für den knapp 18-jährigen Franz Joseph.

    Sophie mischt sich weiter in das politische Geschehen ein und hier muss man dem Kaiser (und seinen Beratern) den Vorwurf machen, dass er sich das gefallen lässt.
    Ihr nächstes großes Vorhaben: Die standesgemäße Hochzeit des Kaisers. Ihre Nichte Elisabeth ist nicht die erste Wahl, aber Franz Joseph setzt hier (erstmals?) seinen Willen durch. Die Geschichte ist bekannt – Tante und Nichte können einander nicht leiden. Sophie ist zwar nicht das „Schwiegermonster“ wie uns immer wieder suggeriert wird, doch die noch immer ehrgeizige Frau glaubt, in der blutjungen Elisabeth eine weitere Schachfigur in ihrem Spiel zu haben. Die Zores sind vorprogrammiert, da Elisabeth keine ordentliche Ausbildung zur Kaiserin erhalten hat und sich dem Wiener Hof nicht unterordnen kann oder will.

    Erst gegen Ende ihres Lebens wird sich Sophie langsam aus der Politik zurückziehen. Sie erlebt tief enttäuscht die vielen Niederlagen der Österreichischen Armee, die Krönung Maximilians zum Kaiser von Mexiko und dessen Scheitern 1867 sowie den Ausgleich mit Ungarn. 1867 ist für Sophie das „annus horribile“.

    Meine Meinung:

    Gleich vorab sei gesagt, dass für diejenigen, die eine besondere Beleuchtung des Verhältnisses „Sophie/Elisabeth“ erwartet haben, wenig Neues in dieser Biografie aufgedeckt worden ist.

    Dieses Kapitel ist in Relation zu den Schilderungen der Erzherzogin und ihrem Umfeld eher kurzgehalten.

    In vielen Zitaten, Tagebuchauszügen versuchen die Autorinnen, Sophies Rolle als politische Strippenzieherin in den Vordergrund zu rücken. Dieser Eindruck gelingt mühelos und manchmal muss ich über ihren Ehemann Franz Karl den Kopf schütteln.

    Gut hat mir die Darstellung der Epoche gefallen, die von den Napoleonischen Kriegen und der Restauration geprägt war. Details aus dem Metternich’schem Überwachungsstaat sowie die Auflehnung dagegen sind gut in die Biografie eingearbeitet.

    Auffallend ist, dass die erste Lebenshälfte viel detaillierter beschrieben ist als die zweite. Was wohl diesen Bruch in der Arbeit der Autorinnen hervorgerufen hat? Ich finde es schade, dass hier ein recht jähes Ende ohne die penible Einarbeitung von Feinheiten wie zu Beginn des Buches zustande kommt.

    Obwohl ich mich in der Genealogie des Hauses Habsburg recht gut auskenne, fehlt ein Stammbaum recht deutlich. Die Verwandtschaftsverhältnisse ließen sich da besser darstellen. Denn die wenig kreative Namensgebung der Herrscherhäuser (Franz, Maximilien, Sophie, Caroline etc.) bringen nicht so versierte Leser gehörig ins Schwitzen. Das häufige Blättern im Internet schmälert das Lesevergnügen.

    Mit ihrer Einschätzung, die sie in ihren letzten Lebensjahren Gräfin Helene von Erdödy mitteilt, hat Sophie recht:  

    „Leider wird nicht von jenen, die mich kennen, Geschichte gemacht! Und es ist ein böses Gefühl, zu bedenken, dass selbst bis über das Grab hinaus die üble Nachrede dauert.“

    Eine starke Frau war Erzherzogin Sophie jedenfalls.

    Fazit:

    Für Kenner der Materie gibt es zwar einige interessante Details aus dem Umfeld Sophies, über die Person erfahren wir wenig Neues. Daher nur 4 Sterne.
  18. Cover des Buches Ungeliebte Königin (ISBN: 9783492995344)
    Helga Thoma

    Ungeliebte Königin

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Susi180

    Land verschachert; nach persönlichem Glück wurde selten gefragt. Packend und historisch fundiert erzählt Helga Thoma von tragischen Schicksalen, aber auch von starken Frauen, die sich vom Leid nicht brechen ließen. 


    Die Autorin:

    Helga Thoma, geboren 1958 in Klosterneuburg, studierte Romanistik und Germanistik in Wien. Nach mehrjähriger Tätigkeit in der Privatwirtschaft lebt sie seit 1994 als freie Autorin in Klosterneuburg. Von ihr erschienen »Madame, meine teure Geliebte. Die Mätressen der französischen Könige«, »Vom Thron zum Schafott. Das blutige Ende gekrönter Häupter«, »Liebe, Macht, Intrige. Königinnen und ihre Liebhaber«, »Ungeliebte Königin. Ehetragödien an Europas Fürstenhöfen« sowie »Verbrechen aus Staatsräson. Familientragödien an Europas Fürstenhöfen«. 


    Meine Meinung:

    Ich habe mir das Buch vor 2 Jahren gekauft und weiß gar nicht, warum es so lange ungelesen war. Irgendwie hatte ich jetzt aber mehr Lust auf Fakten als auf Fiktion. Und da ich sowieso in der Stimmung war, habe ich es mir gleich geschnappt. 


    Der Schreibstil der Autorin ist wirklich angenehm. Jedoch sollte man wissen, das hier eine ganze Menge Namen von geschichtsträchtigen Persönlichkeiten auftreten. Auch „Sissi“ ihr Sohn bekommt sein eigenes Kapitel, da selbst er eine tragische Ehe hatte. Man lernt in diesem Buch so viel über die Vergangenheit, ihre Zusammenhänge, politische Auswirkungen und wie Mann und Frau damals zueinander standen. Am Ende des Buches haben wir ausführliche Stammbäume, und die braucht man auch um nicht durcheinander zu kommen. Zudem gibt es hier viele Geschichtszahlen und diese haben mich immer wieder dazu verleitet zu googeln. 


    Dieses Buch ist ein wahrer Schatz für historisch Interessierte, aber auch für Leser der historischen Romane. Man lernt hier eine Menge auch wenn es kein Buch war, das ich so am Stück lesen konnte. Dafür steckt hier einfach zu viel Information drin. Ich habe mir einige Markierungen gemacht, da es doch vieles gab was mich sehr beeindruckt oder fassungslos gemacht hat. Ich kann das Buch absolut empfehlen, aber man muss beim Lesen schon großes Interesse haben sonst könnte es zu trocken sein. 

  19. Cover des Buches Der Schachautomat (ISBN: 9783492305174)
    Robert Löhr

    Der Schachautomat

     (51)
    Aktuelle Rezension von: Arun

    Der Schachautomat von Robert Löhr

    Ein „Historischer Roman“ aus dem 18. Jahrhundert mit dem Habsburger Kaiserreich als Hintergrund. Der Handlung zugrunde liegt die reale Figur des Wolfgang von Kempelen und seines Schachautomaten.

    Inhalt.

    Der vielseitig Begabte Wolfgang von Kempelen, ein hoher Beamter aus niedrigem Adel im Dienste der Kaiserin Maria Theresia weilt am Kaiserhof in Wien.
    Nach der Vorführung des französischen Gelehrten Jean Pelletier im Bereich Magnetismus bedauert die Kaiserin, dass immer nur Ausländer, nie aber Österreicher die Welt mit neuen Erfindungen und Experimenten verblüffen. Wolfgang von Kempelen meldet sich zu Wort und verspricht der Kaiserin binnen sechs Monaten ein Experiment zu präsentieren, welches jene von Jean Pelletier in den Schatten stellt.
    Das Buch erzählt uns nun die Geschichte der Erfindung in allen Einzelheiten, darunter auch den Bau, den Betrieb und die Hintergründe rund um den Schachautomaten.

    Meine Meinung.

    Ein Roman, der uns einen wissenschaftlichen Betrug in der Form eines Taschenspielertricks näherbringt.
    Die Geschichte wird chronologisch etwas Hin- und herspringend erzählt.
    Die Hauptdarsteller werden ausführlich vorgestellt, wir erfahren einiges aus ihren vorhergehenden Leben mit Werdegang, Erlebnissen und Befindlichkeiten.
    Möchte die Hauptfiguren mal kurz skizzieren: Der Ideengeber Wolfgang von Kempelen wurde schon genannt.
    Der Jude Jakob sein Gehilfe ein genialer Handwerker, welcher immer für eine kluge Bemerkung gut ist und dabei ­allen weltlichen Vergnügen gerne zuspricht.

    Tibor Scardanelli der kleinwüchsige Schachspieler, welcher das Gehirn und den Bediener des Schachautomaten darstellt. Ein kleiner Mensch, der schon viel von der Welt gesehen und dabei immer seine Frömmigkeit bewahrt hat.
    Baronin Ibolya Jesenak, eine Frau mit vielen Facetten und Elise eine Mätresse vom Königshof die als Spionin agiert.
    Diese Figuren und viele mehr zeigen uns ein schönes Abbild der Habsburger Zeit.

    Fazit.

    Eine lesenswerte Geschichte um den seinerzeit berühmten Schachautomaten „Der Türke“ genannt,

    verwoben mit technischen Aspekten, sozialen Umständen und gesellschaftlichen Gepflogenheitendes späten 18. Jahrhunderts.
  20. Cover des Buches Dona Leopoldina (ISBN: 9783902924438)
  21. Cover des Buches Marie Antoinette (ISBN: 9780297857945)
    Antonia Fraser

    Marie Antoinette

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Andreas_Oberender

    Nur wenige Frauengestalten der französischen Geschichte üben eine so starke und dauerhafte Faszination aus wie Marie-Antoinette (1755-1793), die Gemahlin Ludwigs XVI. Ein ähnlich intensives Interesse wecken allenfalls Katharina von Medici und Madame de Pompadour. Die biographische Literatur über Marie-Antoinette ist umfangreich. Für historisch interessierte Laien ist es nicht einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen. Nicht jedes der vielen Bücher über Marie-Antoinette ist lesenswert. In den letzten Jahrzehnten waren auf dem deutschen Buchmarkt mehrere Biographien der Königin verfügbar, sowohl Werke deutscher Sachbuchautoren wie Hermann Schreiber (1988) und Franz Herre (2004) als auch Übersetzungen aus dem Englischen und Französischen. Die leichtgewichtigen populärwissenschaftlichen Biographien von André Castelot (1953), Desmond Seward (1981), Joan Haslip (1987) und Carolly Erickson (1991) kommen für eine ernsthafte Beschäftigung mit Marie-Antoinette genauso wenig in Betracht wie die Bücher von Schreiber und Herre [1]. Wissenschaftlichen Ansprüchen genügt nur eine kleine Zahl von Biographien. Es handelt sich um die Bücher von Evelyne Lever (1991), Antonia Fraser (2001) und John Hardman (2019). Die Bücher von Lever und Fraser liegen in deutscher Übersetzung vor, Hardmans Biographie nicht. Frasers Buch diente als Vorlage für Sofia Coppolas farbenprächtigen Kostümfilm "Marie Antoinette" von 2006. Die drei Biographien werden hier vergleichend rezensiert. Seit vielen Jahrzehnten gehört Antonia Fraser (geb. 1932) in Großbritannien zu den bekanntesten und erfolgreichsten Autorinnen von historischen Biographien und Sachbüchern. Auch außerhalb ihrer Heimat besitzt Fraser eine große Lesergemeinde. Viele ihrer Werke sind Klassiker und erfahren immer wieder Neuauflagen. Zu nennen ist an erster Stelle Frasers Biographie der schottischen Königin Maria Stuart. Seit seiner Veröffentlichung 1969 dürfte dieses Buch weltweit ein Millionenpublikum erreicht haben. Zu Frasers weiteren Biographien gehören Bücher über Jakob I. und Karl II. von England, Oliver Cromwell und Ludwig XIV. Wer die Marie-Antoinette-Biographie lesen möchte, sollte unbedingt zur Originalausgabe greifen. Die deutsche Ausgabe ist unbrauchbar, da der Text drastisch gekürzt wurde. Auch dieses Buch weist die Vorzüge auf, die seit langem an Frasers Werken gerühmt werden. Fraser verfügt über die profunde Sachkenntnis einer Historikerin, und zugleich ist sie eine große Schriftstellerin, die Persönlichkeiten der Vergangenheit einfühlsam zum Leben erwecken kann. 

    Damit ist allerdings nicht gesagt, dass die Marie-Antoinette-Biographie keine Schwächen aufweist. Fraser macht im Vorwort keine Angaben, warum sie das Buch geschrieben hat. Auf einen Mangel an Biographien über die Königin kann sie nicht verweisen, lagen doch in den 90er Jahren, als sie an ihrer Biographie schrieb, etliche englischsprachige Werke neueren Datums vor, die eingangs genannten Bücher von Seward, Haslip und Erickson sowie zusätzlich die Biographie von Ian Dunlop (1993, keine deutsche Übersetzung). Es ist unredlich, dass Fraser nicht auf diese Bücher eingeht und kein Wort darüber verliert, ob und inwieweit sich ihre Biographie von der älteren Marie-Antoinette-Literatur abhebt. Beim Lesen des Buches fällt ein Mangel an Kontextualisierung auf. Die Krise, in der sich Frankreich während der Herrschaft Ludwigs XVI. befand, wird nur ansatzweise greifbar. Fraser befasst sich nicht mit dem politischen, sozialen und kulturellen Hintergrund, vor dem sich das Leben des Königspaares abspielte. Von den Zuständen im Land bekamen Ludwig XVI. und Marie-Antoinette kaum etwas mit. Sie verbrachten ihre Tage ausschließlich in Versailles und anderen königlichen Residenzen, ohne Bezug zur Lebenswirklichkeit der Untertanen. Fraser reproduziert diese Isolation, indem sie ihren Fokus auf die Königsfamilie und den Hofstaat, Versailles und die Hauptstadt verengt. Plötzlich bricht die Revolution aus, und ein Leser mit geringen Vorkenntnissen wird nicht verstehen, warum dies geschah. Problematisch ist zu guter letzt, dass die Revolutionsjahre zu viel Raum in der Biographie einnehmen. Neun der 27 Kapitel, rund 200 von knapp 550 Textseiten, entfallen auf den Zeitraum vom erzwungenen Umzug der Königsfamilie nach Paris (Oktober 1789) bis zur Hinrichtung der Königin (Oktober 1793). Diese Ausführlichkeit ist schwer zu rechtfertigen, und das umso weniger, als Fraser die Geschichte der letzten Lebensjahre des Königspaares nicht um neue Facetten bereichert. Zwei Kapitel über Vorbereitung und Verlauf der missglückten Flucht nach Montmédy im Juni 1791 (S. 377-415) – das ist zu viel des Guten. Es hat etwas schwelgerisch Morbides, wie Fraser die Demütigungen und Gefährdungen, denen Marie-Antoinette ab Herbst 1789 ausgesetzt war, in epischer Breite und bis ins kleinste Detail schildert. Doch diesen Schwächen stehen zahlreiche Stärken gegenüber. Frasers Darstellung beruht auf einer Vielzahl zeitgenössischer Quellen und erreicht ein hohes Maß an Anschaulichkeit. Auch unveröffentlichtes archivalisches Material ist in das Buch eingeflossen, allerdings in geringerem Umfang als bei Lever und Hardman.

    Fraser ist eine erfahrene und im positiven Sinne routinierte Biographin. Sie konzentriert sich auf das Geflecht sozialer Beziehungen, in dem Marie-Antoinette lebte, zuerst in Wien und ab 1770 in Versailles. Die Kindheit der späteren Königin im Kreis der großen kaiserlichen Familie stellt Fraser sehr viel eingehender und anschaulicher dar als Lever und Hardman, die dieser Lebensphase auffallend wenig Raum widmen. Mit großem Einfühlungsvermögen untersucht Fraser Marie-Antoinettes Verhältnis zu den drei Personengruppen, die in ihrem Leben bestimmend waren: Ihre habsburgische Herkunftsfamilie in Wien; die französische Königsfamilie; die kleine Coterie von Freundinnen und Günstlingen, die ihr eine Zuflucht vor den Zwängen des Hoflebens bot. In Wien erhielt Marie-Antoinette eine beklagenswert rudimentäre Bildung; auf ihre künftige Rolle als Königin von Frankreich war sie kaum vorbereitet. In Versailles entwickelte sie kein Bewusstsein für die Aufgaben und Pflichten, die mit ihrer Stellung als Königin verbunden waren. Repräsentation und höfisches Zeremoniell waren ihr lästig, und im Umgang mit den prominenten Adelsfamilien des Königreiches ließ sie es an Takt und Fingerspitzengefühl fehlen. Sie war überfordert vom Auftrag ihrer Familie in Wien, französische Unterstützung für die Großmachtpolitik Österreichs zu mobilisieren. Marie-Antoinette war von unpolitischem Wesen, wie Fraser mehrfach betont. Wieder und wieder enttäuschte sie die überzogenen Erwartungen ihrer Mutter Maria Theresia und ihres Bruders, Kaiser Josephs II. Mit extravaganten Vergnügungen im Kreis ihrer Favoriten entschädigte sich Marie-Antoinette für das unbefriedigende Eheleben an der Seite Ludwigs XVI. Der kostspielige Lebensstil und die massive Begünstigung der Familie Polignac trugen maßgeblich zum Ansehensverlust der Königin am Hof und in der Öffentlichkeit bei. Im liebevollen Umgang mit ihren Kindern zeigte sich Marie-Antoinette von ihrer gewinnendsten Seite. In der Mutterrolle fühlte sie sich wohler als in der Königinnenrolle. Fraser sieht in Marie-Antoinette ein Opfer der Umstände: Geboren als Tochter des Hauses Habsburg, war es ihr vorherbestimmt, eine politisch nutzbringende Ehe einzugehen. Das Bündnis mit Österreich war in Frankreich weithin unpopulär. Marie-Antoinette diente all jenen als willkommener Blitzableiter und Sündenbock, die die Allianz ablehnten und darüber hinaus mit der politischen Situation in Frankreich unzufrieden waren. Die Manie, für alle Mißstände im Land "die Österreicherin" verantwortlich zu machen, kulminierte im Schauprozess gegen Marie-Antoinette im Oktober 1793.

    FAZIT

    Ungeachtet mancher Schwächen kommen die Bücher von Evelyne Lever und Antonia Fraser am ehesten für eine nähere Beschäftigung mit Marie-Antoinette in Betracht. John Hardmans Buch ist zwar die aktuellste der drei Biographien. Das Buch wendet sich aber in erster Linie an Fachhistoriker, weniger an historisch interessierte Laien. Hardman präsentiert keine neuen oder originellen Erkenntnisse. Die Bücher von Lever und Fraser sind also trotz ihres Alters nicht überholt.

    [1] Die Jahreszahlen in Klammern geben die Erscheinungsjahre der Originalausgaben an.

  22. Cover des Buches Metternich (ISBN: 9783406587849)
    Wolfram Siemann

    Metternich

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Andreas_Oberender

    Die Geschichte kennt viele Persönlichkeiten, deren Ansehen sowohl bei den Zeitgenossen als auch bei der Nachwelt durch eine "Schwarze Legende" verdunkelt wurde. Zu diesen Persönlichkeiten gehört auch der österreichische Staatskanzler Klemens von Metternich (1773-1859). Wenige Figuren der deutschen Geschichte des 19. Jahrhunderts hatten bis in die heutige Zeit einen derart schlechten Ruf wie er. Metternich, Mitgestalter der auf dem Wiener Kongress entworfenen neuen europäischen Ordnung, wurde schon zu seinen Lebzeiten als reaktionärer, rückwärtsgewandter Politiker gescholten, der sich der nationalen Einigung Deutschlands in den Weg gestellt und eine monarchische Ordnung konserviert habe, die auf lange Sicht nicht überlebensfähig gewesen sei. Zudem gilt Metternich als Unterdrücker des Geisteslebens. Sein Name steht stellvertretend für Spitzelwesen und Zensur, für die Knebelung aller Kräfte, die sich für Liberalismus, Parlamentarismus und einen deutschen Nationalstaat einsetzten.

    Es gehört zum Schicksal "Schwarzer Legenden", dass sie früher oder später in Frage gestellt und widerlegt werden. Der Münchener Historiker Wolfram Siemann strebt nicht weniger als eine Rehabilitierung und Neubewertung Metternichs an. Das vorliegende schmale Büchlein ist eine Vorstudie zu einer umfassenden Biographie, die in einigen Jahren erscheinen soll. Eingangs geht Siemann auf das verzerrte und klischeebelastete Metternich-Bild ein, das sich im Grunde bis in unsere heutige Zeit halten konnte. Metternichs Festhalten am multinationalen Habsburgerreich und sein Eintreten für eine föderative Ordnung Deutschlands wurden von vielen Historikern als Irrweg und Sackgasse aufgefasst, weil der moderne Verfassungs- und Nationalstaat seit langem als Maß aller Dinge gilt. Politische Ordnungsvorstellungen, die - wie im Falle Metternichs - vom Nationalstaatsmodell abwichen, wurden als antiquiert und obsolet abqualifiziert. Siemann hingegen will Metternich aus seiner Zeit heraus verstehen. Er will Metternichs Denken und Handeln nicht verurteilen, sondern erklären. Welche Anschauungen und Überzeugungen lagen Metternichs Politik zugrunde, und von welchen Erfahrungen wurde er als Mensch und Politiker geprägt? Das ist die Leitfrage, von der Siemanns Darstellung ausgeht. Daneben möchte der Autor herausarbeiten, wie es um Metternichs konkrete Handlungs- und Gestaltungsspielräume als österreichischer Staatskanzler bestellt war. Gegner und Feinde, die von einem "System Metternich" sprachen, schrieben dem Kanzler eine nahezu dämonische Machtfülle zu, die, so ist Siemann überzeugt, unbedingt hinterfragt werden muss.

    Ein so schmales Buch wie dieses kann nicht das Gleiche leisten wie eine umfassende Biographie. Siemann konzentriert sich auf Metternichs Karriere als Diplomat und Politiker. Sein Familien-, Privat- und Liebesleben bleibt ausgeklammert; seine mehr als dreißigjährige Tätigkeit an der Spitze der österreichischen Politik wird nicht systematisch untersucht. Den Schlüssel zum Verständnis Metternichs sieht Siemann in der Prägung durch das 1806 untergegangene Alte Reich und in der Idee des europäischen Gleichgewichts der Mächte, die der spätere Diplomat und Kanzler während seines Studiums verinnerlichte. Das altertümlich anmutende Reich verkörperte ein Ordnungsmodell, das aus Sicht Metternichs ganz Europa als Vorbild dienen konnte: Es zügelte das Machtstreben großer Staaten bzw. Mächte; es gewährte den Mittelstaaten Schutz und Sicherheit; es setzte auf friedliche Kooperation sowie auf eine lockere föderative Verknüpfung anstelle eines straffen Zentralismus oder einer alles beherrschenden Universalmonarchie. Napoleons Griff nach der Hegemonie in Europa erschien Metternich als frevelhafter Verstoß gegen eine bewährte und bewahrenswerte Ordnung, die egoistischer Großmachtpolitik einzelner Staaten einen Riegel vorschob und damit ein friedliches Miteinander der europäischen Völkerfamilie sicherte. Deshalb kam für Metternich nach dem Sieg über Napoleon nur die Rückkehr zu einer Staatenordnung in Frage, die auf dem Gleichgewicht der Mächte und der Zügelung einzelstaatlicher Ambitionen beruhte. Fünfundzwanzig Jahre Revolution und Krieg hatten Metternich gelehrt, dass Frieden und Stabilität wichtiger als alles andere waren.

    Dieses Streben nach Frieden und Stabilität, so Siemann, waren die Fixpunkte, an denen Metternich ab 1815 seine Politik in Österreich, Deutschland und Europa ausrichtete. Er verschrieb sich dem Erhalt der multinationalen Habsburgermonarchie und einer föderativen Ordnung Deutschlands. Der Nationalismus und die Nationalstaatsidee blieben ihm fremd und suspekt. Die Bewahrung historisch gewachsener Vielfalt, sei es in Deutschland, sei es in den Ländern der Habsburgermonarchie, erschien ihm als ein höheres Gut als Vereinheitlichung und Gleichmacherei, Zentralisierung und Staatsbildung auf Grundlage nationaler Prinzipien. Hellsichtig erkannte Metternich das Konflikt- und Gewaltpotential, das dem Nationalismus innewohnte. Was das Spitzelwesen, die Zensur und die "Demagogenverfolgung" angeht, so warnt Siemann davor, das Ausmaß der von Metternich betriebenen Repressionen zu übertreiben. In der Außenpolitik setzte der Kanzler auf die Kooperation der in der Pentarchie versammelten Großmächte und auf die Unterbindung revolutionärer Unruhen und Krisen, die destabilisierend auf Europa hätten wirken und schlimmstenfalls zu einem neuen Flächenbrand hätten führen können. Die Revolutionen von 1830 und 1848 ließen sich mit einer Politik des Containment und der Intervention allerdings nicht verhindern.

    Die Grenzen von Metternichs Staatskunst traten vor allem in Österreich selbst zu Tage. Nach dem Tode Kaiser Franz' I. (1835) kam es zu einer Lähmung an der Staatsspitze. Mehr als alle anderen Akteure war sich Metternich bewusst, dass Reformen dringend nötig waren. Der Staatskanzler besaß aber kaum noch Gestaltungsmöglichkeiten. Während der Regierung des geistesschwachen Kaisers Ferdinand verfolgten die vielen männlichen Mitglieder des Hauses Habsburg ungeniert eine auf dynastische Interessen verengte Politik, die zu Lasten des Gesamtstaates ging. Gegen diesen Block der reformunwilligen Erzherzöge vermochte der reformbereite Metternich kaum etwas auszurichten. Als im März 1848 in Wien die Revolution losbrach, opferte die Dynastie ihren langjährigen treuen Diener und machte ihn zum Sündenbock für Fehlentwicklungen und Mißstände, die keineswegs ihm allein anzulasten waren. Auch im Exil und im Ruhestand sprach sich Metternich weiterhin gegen die Anwendung des Nationalstaatsprinzips auf Deutschland und Österreich aus. Die von Bismarck vorangetriebene "kleindeutsche" Lösung der Deutschen Frage erlebte er nicht mehr.

    Siemann nähert sich seinem Protagonisten mit Verständnis und Sympathie, aber keineswegs unreflektiert und unkritisch. Er zeichnet das Bild eines gebildeten, geistig regsamen und hochintelligenten Mannes, der zu intensiver Reflexion über sein politisches Handeln neigte und ein ausgeprägtes historisches Bewusstsein besaß. Metternichs Tragik bestand darin, dass er, ein mental vom 18. Jahrhundert geprägter Mann, im 19. Jahrhundert Politik betreiben musste, in einer Zeit, in der die alteuropäische Ordnung vom Nationalismus herausgefordert wurde. Nicht Borniertheit war es, die Metternich zur Ablehnung des Nationalstaatsprinzips veranlasste, sondern die Ahnung, dass der Nationalismus neue Bruchlinien und Konflikte hervorbringen und die europäische Völkerfamilie in neues Unglück stürzen werde. Auf Siemanns Metternich-Biographie darf man schon jetzt gespannt sein. Eine Neubewertung, die Metternichs politische Vorstellungen nicht mehr am Maßstab eines von der Geschichtswissenschaft verklärten und überhöhten Nationalstaatsmodells misst, ist überfällig und notwendig. 

    (Hinweis: Diese Rezension habe ich zuerst im November 2013 bei Amazon gepostet)

  23. Cover des Buches Die Deutschen und ihre Nachbarn / Niederlande (ISBN: 9783406578557)
    Geert Mak

    Die Deutschen und ihre Nachbarn / Niederlande

     (4)
    Aktuelle Rezension von: RobBen89
    Die Niederlande bilden die erste Ausgabe aus der von Helmut Schmidt und Richard von Weizsäcker herausgegebenen Serie "Die Deutschen und ihre Nachbarn" und das Buch hat meine Erwartungen weit übertroffen. Geert Mak schildert die Geschichte der Niederlande chronologisch, abwechslungsreich und vor allem spannend. Von den Anfängen weit vor Christi bis zu aktuellen Entwicklungen sind alle Phasen so erzählt, dass es für jede Entwicklung logische und leicht verdauliche Erklärungen gibt, sodass es sich liest wie eine wirklich gute Geschichte. Anzumerken - aber keineswegs kritisch - ist bei diesem Buch, dass auf das niederländisch-deutsche Verhältnis eher wenig eingegangen wird (was ja eigentlich Ziel der Serie ist), sondern eher die kontinentale/globale Rolle des Landes beleuchtet. Immerhin verliert es sich dadurch nicht in platten Floskeln der fussballerischen Feindschaft... "Niederlande" von Geert Mak ist auf jeden Fall geeignet, die Mentalität, die Probleme und das Selbstverständnis unserer Nachbarn verständlich zu machen und nach dem Lesen des Buches möchte man gerne ins Auto steigen und die Niederlande bereisen und das eben Gelesene sich noch mal vor Augen führen und vor Ort nachvollziehen. Generell ist die gesamte Reihe "Die Deutschen und ihre Nachbarn" sehr schön aufgemacht und durch eine aktuelle Landkarte in der Coverinnenseite und einige historische Karten im Innern des Buches kann man so manche Gegebenheiten sich auch nochmal an der Karte verdeutlichen. Sehr hilfreich ist die am Ende des Buches angehängte Zeittafel, die einem gelegentlich Vergessenes wieder für das Verständnis eines Kapitels wieder ins Gedächtnis ruft. Durch die Literaturhinweise am Ende erhält das Ganze noch einen leichten wissenschaftlichen Anstrich und macht jedes einzelne Buch vollkommen!
  24. Cover des Buches Maria Theresia (ISBN: 9783492242134)

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