Bücher mit dem Tag "hannah arendt"

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32 Bücher

  1. Cover des Buches Die drei Leben der Hannah Arendt (ISBN: 9783423282086)
    Ken Krimstein

    Die drei Leben der Hannah Arendt

     (57)
    Aktuelle Rezension von: Sokratestochter

    "Am Leben zu sein und zu denken ist ein und dasselbe" 

    Es ist wirklich interessant den Lebensweg dieser starken Frau nachzuverfolgen. Ihr Leben ist eigentlich mehr als ein einziges, wie der Titel so treffend schon sagt. So viel wie diese Frau, erlebt nicht jeder. 

    Die Umsetzung als Graphic Novel finde ich besonders gut, um die Philosophie auch dem Laien näher zu bringen. Hannah Arendt erkennt man durch ihre grüne Kleidung auf jeden Bild sofort wieder und auch andere bekannte Denker ihrer Zeit werden aufgegriffen und in Verbindung gebracht. 

    Am meisten hat mich die Entwicklung der Beziehung zu Heidegger überrascht. Ich wusste bisher nicht viel über ihn, jetzt wurde mir allerdings deutlicher, wie wichtig es ist den Charakter hinter einer Philosophie zu kennen, um sie einzuordnen. 

  2. Cover des Buches Was wir scheinen (ISBN: 9783847900665)
    Hildegard E. Keller

    Was wir scheinen

     (57)
    Aktuelle Rezension von: KateRapp

    Mit diesem beeindruckenden Roman lässt uns die Autorin hinter die Maske von Hannah Arendt schauen, einer Frau, die viel und absichtlich missverstanden wurde. Diese durch ihren Intellekt unnahbar scheinende Denkerin, die ich  Ketterauchend und harsch aus einer Filmbiografie mit Barbara Sukowa kannte und als Autorin durch ihr Buch über Rahel Varnhagen, sie wird in diesem Geschichte wirklich lebendig. In einer Mischung aus paraphrasierten Originaltexten, Zitaten, Name-Dropping historischer Freunde sowie hübschen kleinen erfundenen Anekdoten gelingt es der Autorin, einen guten Eindruck dieser Frau zu vermitteln, die stets so allein unter all diesen Männern wirkt und die so stark umstritten in ihren Aussagen war. Dabei war ihr Anliegen das unabhängige Denken, das Hinterfragen und mit messerscharfer Analyse legte sie den Finger in die Wunden.

    Die Kontroverse - Shit-Storm und Fake-News der Sechziger Jahre - die Ahrendt auch bei Freunden mit ihrer Berichterstattung um den Eichmannprozess auslöste, ihre Analysen und der von ihr geprägte Begriff der „Banalität des Bösen“ und wie sie darauf kam, sind nachvollziehbar, spannend und intellektuell durchdrungen dargestellt. Sei es Karl Jaspers, Walter Benjamin, Martin Heidegger, sie kannte die Denker ihrer Zeit alle und streckenweise liest sich das Buch wie ein Who is who der Exilintellegenzia. 

    Der Roman beginnt 1975, Hannah Arendt weilt verwitwet im Tessin und blickt auf ihr Leben zurück, auf ihre Erinnerungen und auf die verschiedenen Lebens-Phasen: die Flucht, das Exil, den Eichmannprozess.

    In dialogischen Szenen bei ihrem freundlichen Kardiologen Dr. Cox, mit der jungen Studentin Annemarie, im Zwiegespräch mit einem Pater im Petersdom oder mit Barbara im Tessin kommen wir ihr und ihren Überzeugungen näher. Ganz besonders diese Passagen haben mir gefallen, denn sie lassen die literarische Herangehensweise, die Fiction erkennen, die dieses Leben verständlich macht, menschlich. Keller flicht beispielsweise Kosenamen ein und hübsche Landschaftsbeschreibungen des Tessin, die Komplexität des Arendtschen Alltags konkretisiert sie mit der unvermeidliche Zigarette und der ständigen Suche nach einer guten Schreibmaschine. 

    Und zwischendurch kommen auch noch Dichterinnen wie Alfonsina Storni und Ingeborg Bachmann zu Wort, die ihren überraschenden Hang zur Poesie illustrieren.

    Ein wirklich lesenswertes, lehrreiches Vergnügen und eine Empfehlung für alle, die sich mit der menschlichen Intellektuellen Arendt, Jüdischem Leben, Israel, Zionismus und Antisemitismus auseinandersetzen mögen.


    Eichborn, 2021


  3. Cover des Buches Die Freiheit, frei zu sein (ISBN: 9783423146517)
    Hannah Arendt

    Die Freiheit, frei zu sein

     (25)
    Aktuelle Rezension von: ManjaEls

    Was ist Freiheit und was bedeutet sie uns`? Woher kommt der Begriff der „Revolution“ und wie unterscheidet sich dieser von dessen heutiger Wahrnehmung?

    In einem, mit 40 Seiten recht knappem, Essay beleuchtet Arendt mit ihrer typischen interdisziplinären und reflektierten Art das Thema der politischen Freiheit. Durch die historische Nachzeichnung der Begriffsherkunft und Parallelen zu verschiedenen Revolutionen und Freiheitsdiskursen gelingt ihr so eine lesenswerte Abhandlung des Themas.

     Dies ist natürlich kein Buch, welches man einfach so zwischendurch von vorn bis hinten durchliest, es bedarf Reflektion und Zeit, sich vertieft damit auseinanderzusetzen. Mit dem interessanten Nachwort vom Philosophen Thomas Meyer ist hier allerdings ein Werk erschienen, welches auch heute noch aktuell ist und für das sich der „Denkaufwand“ lohnt!

    Nur diejenigen, die die Freiheit von Not kennen, wissen die Freiheit von Furcht in ihrer vollen Bedeutung zu schätzen, und nur diejenigen, die von beidem frei sind, von Not wie von Furcht, sind in der Lage, eine Leidenschaft für die öffentliche Freiheit zu empfinden. (S. 26)
  4. Cover des Buches Hannah Arendt (ISBN: 9783458358725)
    Alois Prinz

    Hannah Arendt

     (29)
    Aktuelle Rezension von: Pantoffeltier

    "Ihr »Ton« sei ihre Person, hat Hannah Arendt einmal ihren Kritikern entgegengehalten, und damit gemeint dass man ihre Bücher und ihre »Philosophie« nicht trennen kann von ihrer persönlichen Haltung, ihrem Auftreten in der Öffentlichkeit und ihrer Einstellung zu Politik, Freundschaft und Liebe." (aus der Nachbemerkung des Autors zur Neuausgabe)

    Laut Alois Prinz kann man Hannah Arendt nur verstehen wenn man ihre Beziehungen zu anderen Menschen, die historischen Hintergründe, ihre Erlebnisse und ihre Persönlichkeit kennt. Eben dies alles versucht er in seiner Biographie zu verbinden. Da gibt es viel zu erzählen, denn Hannah Arendt hat einen wechselvollen Lebensweg und ihre Denkweise bleibt vielen ihrer ZeitgenossInnen unverständlich. 

    Prinz zeichnet das Bild einer scharfsinnigen Denkerin, die gern streitet, keine Kompromisse und falsche Höflichkeit zulässt und damit oft aneckt. Zentral sind für Sie die Diskussionen mit Anderen. Berühmt ist ihre Beziehung zu Heidegger mit dessen Philosophie und politischer Einstellung sie ihr Leben lang hadert, aber sie pflegte auch enge Freundschaften u.a. zu Karl Jaspers, Walter Benjamin und Mary McCarthey.

    Das Ganze ist informativ und gut lesbar aufbereitet. Arendts Werke werden eher in den Kontext gesetzt, als das tiefgehend ihr Inhalt beschrieben wird.

    Eine Biographie, die sich gut eignet, um sich einen Überblick zu verschaffen und Arendts Werke biographisch und historisch einzuordnen und deren Rezeption zu verstehen. Ein guter Einstieg in Arendts Denkweise.

  5. Cover des Buches Wir Flüchtlinge (ISBN: 9783150193983)
    Hannah Arendt

    Wir Flüchtlinge

     (7)
    Aktuelle Rezension von: Flamingo
    Auf 64 Seiten liefert Reclam hier zwei aktuelle Essays ab: Einmal das 36-seitige Essay von 1943 "We Refugees" von Hannah Arendt in deutscher Übersetzung und dann das einordnende Essay von Thomas Meyer. 
    Sehr lesenswert und wie immer mMn erschreckend, wie sehr lehrreich Geschichte sein könnte, aber nicht ist.
  6. Cover des Buches Eichmann in Jerusalem (ISBN: 9783492264785)
    Hannah Arendt

    Eichmann in Jerusalem

     (34)
    Aktuelle Rezension von: BrittaRoeder
    Hanna Arendt, Publizistin, Autorin, streitbare politische Theoretikerin, begleitete von April bis Dezember 1961 als Journalistin die Jerusalemer Eichmannprozesse und veröffentlichte dazu eine Berichtstrecke „Eichmann in Jerusalem - von der ‚Banalität des Bösen‘ in der Zeitschrift New Yorker.
    Dieser Veröffentlichung folgte eine große Debatte, in deren Rahmen Arendt heftig kritisiert, ja sogar angefeindet wurde.
    Denn – die deutsch-amerikanische Journalistin, selbst Jüdin, kritisierte in ihrem Text nicht nur offen den Prozessverlauf, ja sie stellte ihn sogar teilweise in Frage.
    Die öffentliche Empörung war riesig. Wie konnte sie es wagen, einen der schlimmsten Massenmörder des Dritten Reiches zu verteidigen? Wie die Schwere seiner Schuld zu relativieren?

    Die 2011 erschienene mit einem sehr aufschlussreichen Vorwort von Hans Mommsen versehene Ausgabe gibt der Berichterstattung eine dankenswert neutrale Plattform.
    Insgesamt sind die zusammengefassten Berichte von Arendt gut lesbar. Chronologisch folgt sie in ihrer Darstellung dem Prozessverlauf, weicht aber auch regelmäßig ab um ergänzende Fakten einzubringen. In diesem Sinne liefert Arendt auch heutigen Lesern noch immer eine fundierte Quelle über die Ereignisse rund um den Prozess. Man kann ihre Texte aber auch als eine große zusammenfassende historische Darstellung der Gräueltaten der Nationalsozialisten sehen.  Arendts Berichtston bleibt dabei immer kühl und sachlich. Bittere Ironie ist das höchste Maß an Polemik, das sie sich als Berichterstatterin gestattet. Diese Nüchternheit, mit der sie das Grauen ungeschönt benennt,  verleiht den zahllosen Opfern die verdiente Würde und weitet den Blick der Leserschaft auf das unfassbare Ausmaß dieses Verbrechens.

    Darüber hinaus sind Arendts Schriften noch in einem weiteren Kontext zu betrachten:
    Immer wieder kommt sie auf die Frage zurück, wie Eichmanns Anteil am Holocaust zu bewerten ist. Und immer wieder kommt sie dabei zu dem Schluss, dass er in Wahrheit lange nicht die tragende Rolle spielte, die man ihm anhängt. Um allen Missverständnissen vorzubeugen: sie nimmt ihn nicht in Schutz, sie zweifelt nicht an seiner Schuld, an seinem Beitrag am Morden. Aber sie stellt die Korrektheit des juristischen Verfahrens in Frage, kritisiert die Verhandlungsführung, die Auslegung der Beweise etc.
    Und sie sieht in den Verbrechen Eichmanns (und der Nationalsozialisten) nicht nur das Verbrechen am jüdischen Volk bzw. ein Verbrechen an der Menschlichkeit sondern das Verbrechen an der Menschheit begangen am jüdischen Volk, wodurch es im Grunde nur noch schwerer wiegt.
    Auch wehrt sie die These ab, das jüdische Volk historisch in einer Opferrolle zu sehen.

    Arendts Beharren auf eine neutrale Behandlung aller historischer Fakten, ihre Forderung nach Objektivität zu jeder Seite hin, hat viele Diskussionen aufgeworfen.
    Sie muss eine unbequeme Frau gewesen sein. Eine mutige Frau war sie in jedem Fall, denn mit ihrer kompromisslosen Art brachte eine breite Öffentlichkeit gegen sich auf.
    Alleine diese ihr eigene unbestechliche Art auf die Wahrheit der Tatsachen zu bestehen, macht dieses Buch zu einer lohnenden und hochaktuellen Lektüre.
  7. Cover des Buches Hannah Arendt (ISBN: 9783458178316)
    Isabel Sánchez Vegara

    Hannah Arendt

     (40)
    Aktuelle Rezension von: Mitherzundbauch

    Viele von uns haben bereits große Träume, wenn sie noch klein sind. Die meisten Träume verpuffen und es wird nie etwas daraus. Manchmal aber, entwickeln sich aus diesen kleinen Menschen mit ihren Träumen große Persönlichkeiten, die uns alle inspirieren, jede:r auf seine/ ihre eigene Weise. Und genau von diesen Menschen handelt die Buchreihe Little People, big Dreams. 


    In diesem Band geht es um die jüdische Journalistin, Hochschullehrerin und politische Theoretikerin Hannah Arendt. Sie war bereits als Kind eine starke Persönlichkeit, die sich nichts gefallen lies. Als Hitler an die Macht kam, musste sie Deutschland verlassen und emigrierte nach Amerika. Ihre philosophischen Werke zählen bis heute zu den Klassikern des Genres.


    Wir begegnen Hannah in diesem Buch als Kind und verfolgen ihr Leben anhand von dessen Eckpfeilern. Sie wird beschimpft, weil sie Jüdin ist, der Schule verwiesen und reist nach Amerika. Bei all dem nehmen wir ihre innere Stärke wahr. Die schwierigen Themen werden hier kurz und bündig und kindgerecht vermittelt ohne dass zu viele Worte alles verkomplizieren. Und dennoch ist der Inhalt auf den Punkt gebracht. Man kann Hannahs Geschichte sehr gut als Grundlage für weitere Gespräche mit dem Kind nutzen. Bei uns kamen Fragen auf wie „warum sind die anderen Kinder gemein?“ oder „Warum muss Hannah in ein anderes Land gehen zu Donald?“ (Amerika = Donald Trump). So konnten wir auch zeitliche Abfolgen innerhalb der Geschichte thematisieren. 

    Ich hätte erwartet, dass meiner Tochter die Geschichte vielleicht nicht tief genug geht aber das ist überhaupt nicht so. Bei ihr kommt an, dass Hannah immer an sich geglaubt hat, unglaublich schlau war, sich gegen Gemeinheiten gewehrt hat und eine angesehene Denkerin wurde, die andere unterrichtet hat. Und genau darauf kommt es an. Wir haben auch die letzten beiden Seiten, die einen Zeitstrahl mit echten Bildern aus Hannah Arendt‘s Leben zeigen, genau studiert. Meine Tochter ist sehr fasziniert. 

    Die Gestaltung und Illustration des Buchs gefallen mir sehr gut und passen sehr gut zur damaligen Zeit und zu den behandelten Themen.


    Empfohlen ist das Buch ab 4 Jahren. Dem würde ich aufgrund der behandelten nicht folgen und denke, dass es ab ca. 6 Jahren genau richtig ist. 


    Von uns gibt es eine klare Leseempfehlung für alle wissbegierigen Kinder und Erwachsenen. Denn auch ich habe mich nach der Lektüre ein wenig genauer in das Leben Hannah Arendts eingelesen.

  8. Cover des Buches Mit Wittgenstein im Wartezimmer (ISBN: 9783499633621)
    Nicolas Dierks

    Mit Wittgenstein im Wartezimmer

     (14)
    Aktuelle Rezension von: Caroas
    Mit Philosophen warten, eine interessante Idee und mit diesem Buch sehr gut durchgeführt.

    Am besten liest man diese Büchlein – passt theoretisch sogar in die Hosentasche – während man selber warten muss. Es verkürzt einen die Zeit, lässt einen das Warten aus einem anderen Blickwinkel sehen und regt zum Philosophieren an.

    Fazit, ein Buch gegen das Warten und man lernst manch einen guten Philosophen / gute Philosophin kennen von dem / der man bis dato – mir ging es so – nichts gehört hat.
  9. Cover des Buches Vita activa oder Vom tätigen Leben (ISBN: 9783492316910)
    Hannah Arendt

    Vita activa oder Vom tätigen Leben

     (17)
    Aktuelle Rezension von: nickido
    das politische leben und das annehmen der politischen Verantwortung sind das einzige was ein aktives leben erwägt.
  10. Cover des Buches Über das Böse (ISBN: 9783492250634)
    Hannah Arendt

    Über das Böse

     (11)
    Aktuelle Rezension von: cosima73
    Hannah Arendt versucht in diesen hier versammelten vier Vorlesungen über Ethik, sich dem Begriff des Bösen zu näheren. Sie geht dabei von dem sie nie loslassenden (wie könnte es) Thema des Holocaust und den damit verbundenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit aus, im Besondern beruft sie sich immer wieder auch auf Eichmann, über dessen Prozess sie berichtet hatte. Im Buch Eichmann in Jerusalem prägte sie den Begriff der Banalität des Bösen, welcher auch in diesem Buch eine zentrale Rolle spielte. Die Banalität sah Hannah Arendt darin, dass das Böse von ganz normalen Menschen verübt wird, dass keine Monster oder Teufel am Werk sind. Das macht das Böse so erschreckend, da es wohl in allen angelegt zu sein scheint. Die Frage stellt sich also, wie man es vermeiden kann. Unter Berufung auf Sokrates, Platon, Aristoteles, Kant und andere sowie durch eigene Schlussfolgerungen näherst sich Hannah Arendt immer mehr dem, was sie als zentral im Kampf gegen das Böse sieht: Dem Denken. Das gedankenlose Handeln (wie bei Eichmann wahrgenommene) erachtet Hannah Arendt als grosse Gefahr. Hannah Arendt geht von der Hypothese aus, dass jeder Mensch in sich weiss, was gut und böse, was recht und unrecht ist. Sich für das eine oder andere zu entscheiden, heisst, zwischen Vernunft und Begierde zu entscheiden, Schiedsrichter dabei ist der eigene freie Wille. Sich für das Unrecht zu entscheiden würde einen in Konflikt mit sich selber bringen, lautet Hannah Arendts Überzeugung, die sie mit Sokrates’ Ausspruch, dass es besser ist, Unrecht zu erleiden, als Unrecht zu tun, abstützt. Hielte man sich an das, was in einem als Rechtes erkannt ist, statt äusseren Einflüssen blind zu folgen, hätte das Böse keine Chance. Sehr informativ und auf den Punkt gebracht ist das Nachwort von Franziska Augstein, welches nochmals auf die wichtigen Punkte von Hannah Arendts Text hinweist und diesen auch in den zum Entstehen wichtigen Kontext rückt. Augstein weist dabei auf Hannah Arendts Täuschung in Bezug auf Eichmanns Aussagen hin, worauf sie ihre Diagnose eines gedankenlosen Täters begründete. Diese Fehleinschätzung wurde später durch die „Sassen-Protokolle“ offengelegt. Vermutlich hätte Hannah Arendts Einschätzung des Falles Eichmann anders ausgesehen, hätte sie davon Kenntnis gehabt. Nichts desto trotz schmälert das nicht den Wert ihrer Arbeit. Fazit Unbedingt lesenswert. Tiefgehende Gedanken von zeitloser Aktualität von einer herausragenden Philosophin.
  11. Cover des Buches Frauen (ISBN: 9783806725179)
    Barbara Sichtermann

    Frauen

     (4)
    Noch keine Rezension vorhanden
  12. Cover des Buches Bloodlands (ISBN: 9783406621840)
    Timothy Snyder

    Bloodlands

     (7)
    Aktuelle Rezension von: mapefue

    C.H.BECK Verlagsinformation
    Mit zahlreichen Karten. Aus dem Englischen von Martin Richter. Timothy Snyder erzählt in seinem Buch drei miteinander verknüpfte Geschichten - Stalins Terrorkampagnen, Hitlers Holocaust und den Hungerkrieg gegen die Kriegsgefangenen und die nichtjüdische Bevölkerung - so wie sie sich tatsächlich zugetragen haben: zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. "Bloodlands" gehört zu den historischen Büchern, die einen anderen Blick auf die Geschichte des 20. Jahrhunderts eröffnen. Noch bevor der Zweite Weltkrieg begann, hatte Hitlers zeitweiliger Partner und späterer Gegner Stalin bereits Millionen von Menschen umgebracht - und setzte dieses Morden während des Krieges fort. Bevor Hitler besiegt war, hatte er sechs Millionen Juden ermorden lassen - und ließ Millionen andere Menschen gezielt verhungern. All dies geschah auf einem einzigen Gebiet: den "Bloodlands" zwischen Russland und Deutschland. Doch als der Zweite Weltkrieg zu Ende war, verschwand die Erinnerung an diesen millionenfachen Mord in der Dunkelheit hinter dem Eisernen Vorhang. Nicht nur unser Bild vom Holocaust erweist sich jedoch mit dem Blick auf die "Bloodlands" als unvollständig und westlich verzerrt. Auch die Geschichte Europas gewinnt ein verlorenes Terrain im Osten zurück: die gemeinsame Erinnerung an 14 Millionen Tote und die größte Tragödie der modernen Geschichte.

    Nationalsozialistische und stalinistische Verbrechen reihen sich im Osten Polens, in Weißrussland und der Ukraine aneinander, erst die von Stalin herbeigeführte Hungersnot, der Terror und das Massaker von Katyn, dann die Erschießungen hunderttausender Juden durch die Wehrmacht und die Vergeltungsmaßnahmen gegen die Zivilbevölkerung. Keine andere Bevölkerung hat im Zweiten Weltkrieg einen solch hohen Blutzoll zahlen müssen wie die in der Ukraine und Weißrussland, wo erst die sowjetische Geheimpolizei wütete, dann die nationalsozialistischen Divisionen von SS, Wehrmacht und Polizei. Snyder rückt die allgemeine Meinung des Konzentrationslagers als Zentrum des Holocaust zurecht, wurden die meisten Juden in Osteuropa erschossen. 

    Snyder beweist mit diesem Meisterwerk sein erzählerisches Können. Mit umfangreichem Anhang: Zusammenfassung, Quellennachweis und Bibliographie.

    Timothy Snyder
    Timothy Snyder ist Professor für Geschichte an der Yale-University und Permanent Fellow am Institut für die Wissenschaft vom Menschen (IWM) in Wien. Seine Bücher "Bloodlands", "Black Earth", "Der Weg in die Unfreiheit" und "Über Tyrannei" sind auf Deutsch alle im Verlag C.H.Beck erschienen sind. Für seine Arbeiten hat er u.a. den Hannah-Arendt-Preis und den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung erhalten. Er gehört zu den führenden Intellektuellen in den Vereinigten Staaten. 

  13. Cover des Buches Hannah Arendt und Martin Heidegger (ISBN: 9783492251921)
  14. Cover des Buches Rahel Varnhagen (ISBN: 9783492202305)
    Hannah Arendt

    Rahel Varnhagen

     (5)
    Aktuelle Rezension von: skommi

  15. Cover des Buches Eichmann war von empörender Dummheit (ISBN: 9783492964494)
    Thomas Wild

    Eichmann war von empörender Dummheit

     (5)
    Aktuelle Rezension von: cosima73
    Hannah Arendt beschreibt Eichmanns Dummheit, die weder grausam noch dämonisch war, sondern einfach die Gedankenlosigkeit eines Funktionärs innerhalb eines bürokratischen Systems ausdrückt, und bezeichnete sie in ihrem Buch "Eichmann in Jerusalem" als „Banalität des Bösen“. Mit diesem Begriff (unter anderem) löste sie eine der grössten Kontroversen des letzten Jahrhunderts aus. Das vorliegende Buch enthält ein Gespräch mit Joachim Fest, welcher zur selben Zeit wie Hannah Arendt Eichmann in Jerusalem sein Werk Das Gesicht des Dritten Reiches veröffentlicht hatte, welches zu einem ähnlichen Schluss kam wie Arendt. Das Gespräch behandelt Themen wie die Definition eines neuen Verbrechertypus, welcher eben keine kriminelle Energie hat, sondern aus (oft blindem ) Gehorsam handelt, es handelt von der Frage nach Verantwortung und Schuld in einem totalitären System, von Gerechtigkeit nach einem historischen Unrecht solchen Ausmasses, sowie von gut und böse als moralischen Urteilen. Neben dem Gespräch findet man den das Gespräch vorbereitenden Briefaustausch zwischen Arendt und Fest sowie sporadische spätere Briefe, welche eher auf eine intellektuelle Verbindung denn auf eine Freundschaft hinweisen, allerdings von gegenseitigem Respekt zeugen. Anschliessend folgen vier Dokumente aus der Kontroverse um Hannah Arendt und Eichmann in Jerusalem, welche während des Austauschs zwischen Arendt und Fest erwähnt worden sind. Die Stellungnahme des Council of Jews from Germany tut sein Unverständnis kund über die „unverantwortbaren Schlussfolgerungen“, die Hannah Arendt aus „unfundiertenn Feststellungen“ zog, Golo Manns sarkastischer Text voller plakativer Herabwürdigungen gibt ihr immerhin in Bezug auf das Portrait Eichmanns recht und Mary McCarthy verteidigt das Buch so sachlich, wenn auch offensichtlich wohlgesonnen. Den Abschluss macht Reinhard Baumgard mit einem Nachwort zu Hannah Arendts Eichmann-Buch: Mit Mördern leben? Die Zusammenführung der Texte ist aufschlussreich und sinnvoll, die Einleitung zeigt durch Vorwegnahme und Zusammenfassung einiger zentraler Argumente die Grundaussagen des Austauschs und hilft damit beim Verständnis des Kommenden. Die abschliessenden Dokumente aus der Kontroverse verdeutlichen die Unsachlichkeit der Angriffe gegen Hannah Arendt und ihr Buch. Fazit: Die spannende Analyse eines Jahrhundertverbrechers und des Systems, das ihn zustande brachte. Sehr empfehlenswert.
  16. Cover des Buches Lust an der Erkenntnis, Politisches Denken im 20. Jahrhundert (ISBN: 9783492219877)
  17. Cover des Buches Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt (ISBN: 9783407788795)
    Alois Prinz

    Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt

     (7)
    Aktuelle Rezension von: karatekadd

    Gibt es eigentlich Philosophinnen? So lautete die Frage vor einigen Jahren unter zwei sogenannten Buchgesichtern. Damals ging es um Luise Rinser. Ausgangpunkt der Diskussion war dann das Buch MIRIJAM von ihr. Aber auch der Name Hannah Arendt fiel. Dannach verlor ich das ein wenig aus den Augen, bis ich vor knapp zwei Jahren in einem kleinen Kino in Brühl den Film HANNAH ARENDT sah. Das Buchgesicht, welches mir deutlich machte, dass Philosoph durchaus auch weiblich sein können, schenkte mir die hier zu besprechende Biografie und nun habe ich sie gelesen.

    * * *

    Im Jahre 1906 wurde Johanna Arendt bei Hannover geboren, sie wuchs in Königsberg auf. Die Eltern waren säkulare Juden, wodurch sie relativ spät mit dem Judentum an sich in Verbindung kam.1 Bereits mit vierzehn Jahren beschäftigte sie sich mit KANT und KIERKEGAARD. Ab 1924 studierte sie in Marburg bei Martin HEIDEGGER Philosophie. Das Studium setzte sie später ab 1928 bei Karl JASPERS fort, der auch ihr Doktorvater wurde. Sie bekam später Kontakt zu zionistischen Organisationen, welche sie auch unterstützte ohne selbst Zionistin zu sein oder zu werden.

    Frühzeitig emigrierte sie vor dem Nationalsozialismus nach Paris und konnte auch in Frankreich 1940 der Deportation entgehen. Gemeinsam mit Ehemann Heinrich Blücher und ihrer Mutter erreichte sie 1941 New York.2

    Sie beschäftigte sich weiterhin viel mit Philosophischen Themen und natürlich immer wieder mit M. HEIDEGGER, mit dem sie am Anfang ihres Studiums eine Liebesbeziehung verband, welche erst später offenbart wurde. Sie unternahm regelmäßig Europareisen und besuchte die junge Bundesrepublik Deutschland und auch den jungen Staat Israel. Gegenüber der zionistischen Weltanschauung ging sie auf Distanz. Arendt vertritt schon lange vor der Staatsgründung Israels die Auffassung, dass eine jüdische Heimstätte nur existieren kann, wenn man sich mit seinen arabischen Nachbarn versöhnt und mit ihnen friedlich zusammenlebt. Ansonsten wären die Juden so etwas wie ein Kriegerstamm (Spartaner), umgeben von feindlichen Nachbarn. Wie weitblickend.3

    Bekannt wird sie später vor allem mit ihren Werken zum Totalitarismus und dann mit ihren Berichten zum Eichmann-Prozess (Eichmann in Jerusalem). Da sie hier die „Banalität des Bösen“ beschreibt und Eichmann zwar als verbrecherischen Nationalsozialisten, jedoch nicht als das personifizierte Böse schlechthin beschreibt, handelt sie sich entsprechenden Ärger ein. Sie bezeichnet den Angeklagten in Jerusalem „Das Gespenst in der Glaskiste“4 und schreibt, „Ich weiß nicht, wie oft ich gelacht habe, aber laut“ als sie ihre Protokolle bzw. die Gerichtsprotokolle noch einmal liest. „Eichmann und kein Ende“ ist das nächste, das 28. Kapitel, überschrieben und darin berichtet Prinz von den Anfeindungen, denen sie auch und vor allem von jüdischen Freunden ausgesetzt ist.

    Sie nimmt Stellung zum Vietnamkrieg, zur McCarthy – Ära, zu den Bürgerrechten in Amerika und wählt John F.Kennedy. Arendt beschreibt sich in einem Interview mit Günter Gaus im ZDF vom 28. 10.64 nicht als Philosophin sondern als Dozentin für „politische Theorie“5. Doch beschäftigt sie sich bei weitem nicht nur mit politischer Theorie, sondern eben auch mit wirklich philosophischen Themen. „Vita activa oder vom tätigen Leben“ heißt eines ihrer Werke, Hannah Arendt geht es um das Denken, das Wollen und das Urteilen des Menschen, dies behandelt sie auch in ihren

    Vorlesungen an amerikanischen Universitäten.

    1975 stirbt sie nach einem zweiten Herzinfarkt in New York.

    * * *

    Es ist einerseits nicht schwierig, die Biografie einer solchen Person zu lesen, will man aber tiefer einsteigen, wird es komplizierter. Alois Prinz hat es mit einer geschickten Einteilung der Kapitel, deren Überschrift auch immer ein kurzes Zitat beinhalten, auf gerade mal rund 300 Seiten einen Bogen zu spannen, der Leben und Wirken von Hannah Arendt sehr gut beschreibt. Man muss nicht besonders philosophisch interessiert sein, um dem Inhalt zu folgen, auch wenn es sich empfielt, bei diesem oder jenem Ereignis oder zu einzelnen Personen einmal nachzuschlagen. Alois Prinz schaft es auch, das Thema „Eichmann in Jerusalem“ eben nicht als das zentrale Thema zu behandeln, sondern es genauso zu bearbeiten wie andere große Themen, deren sich die „politische Theoretikerin“ annahm. In einer Rezension6 habe ich gelesen, dass der Autor „mit wenig wissenschaftlichen Aufwand (in der Textverarbeitung) eine Biographie schreiben [habe] wollen. … flach, sich auf das Wesentliche beschränkend, liefert die vorliegende Biographie außer biographischen Daten wenig werkinterpretatorische Ansätze und kaum kritische Reflektion der von Arendt vertretenen philosophischen Positionen.“

    Wir haben es hier mit einer Biografie für Jugendliche und junge Erwachsene zu tun, wer wissenschaftlich Ansätze sucht, der solle sich einer entsprechenden Bibliothek umsehen. Die geforderten Inhalte würden eine solche Biografie wohl sprengen. Zu empfehlen hätte ich allerdings unbedingt das erwähnte Interview mit Günter Gaus und die Dokumentation in sieben Teilen auf YouTube7.

    Das Buch wurde für den UNESCO-Preis für Kinder und Jugendliteratur nominiert und der Tagesspiegel schrieb „So anschaulich, spannend wie ein Roman, dabei sorgfältig auf Zeugnisse bauend, macht Alois Prinz mit seiner Biografie eine der originellsten politischen Persönlichkeiten dieses Jahrhunderts bekannt.“ (Buchrücken).

    * * *

    Alois Prinz8 wurde 1958 geboren. Er studierte Literaturwissenschaft und Philosophie, er lebt in der Nähe von München. Prinz veröffentlichte Biografien über Hermann Hesse, Ulrike Meinhof, Franz Kafka und auch über den Apostel Paulus und Josef Goebbels.


    © KaratekaDD


    1Prinz: Hannah Arendt, Kapitel II „Jüdin in Königsberg“

    2Vegleiche wikipedia, http://de.wikipedia.org/wiki/Hannah_Arendt, 16.01.2015

    3Prinz: Hannah Arendt, Seite 116

    4Ebenda, Seite 228, Kapitel 27 „Das Gespenst in der Glaskiste“

    5Interview: https://www.youtube.com/watch?v=J9SyTEUi6Kw

    6LB: http://www.lovelybooks.de/autor/Alois-Prinz/Hannah-Arendt-1018078603-w/rezension/1080272172/

    7Dokumentation: https://www.youtube.com/watch?v=3XSaoBgqDMI

    8Alois Prinz in der wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Alois_Prinz
  18. Cover des Buches Martin und Hannah (ISBN: 9783871344008)
    Catherine Clément

    Martin und Hannah

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  19. Cover des Buches Hannah Arendt (ISBN: 9783492301756)
    Hannah Arendt

    Hannah Arendt

     (2)
    Aktuelle Rezension von: cosima73
    Nüchterne Sachlichkeit und fehlende Weitsicht, was sie mit ihrem Protokoll des Eichmann-Prozesses auslösen könnte, machten Hannah Arendt zum Mittelpunkt einer der grössten Kontroversen des vergangenen Jahrhunderts und kosteten sie einige Freundschaften, an denen ihr Herz gehangen hatte. Diese Sachlichkeit war aber auch nur eine Seite, die andere war voller Charme, Herz und auch einer gewissen Schüchternheit. Hannah Arendts erster Mann, Günther Stern, brachte die Widersprüchlichkeiten ihres Charakters auf den Punkt: "Sie war damals zugleich profund, frech, fröhlich, herrschsüchtig, schwermütig, tanzlustig – für die scheinbaren Widersprüche übernehme ich keine Verantwortung – sie war eben so." Das vorliegende Buch mit einem Vorwort von Franziska Augstein ist mehr als ein Buch zum Film. Es bietet eine Annäherung an eine der grössten Denkerinnen von verschiedenen Seiten, es beleuchtet ihr Leben und Werk (vornehmlich das Buch Eichmann in Jerusalem, dessen Entstehung die Ausgangslage zum Film bot). Margarete von Trottas schildert, wie sie sich langsam der Person Hannah Arendt annäherte und von ihr immer mehr begeistert war. Auch werden die Schwierigkeiten offensichtlich, die bei der Suche nach den geeigneten Mitstreitern und vor allem nach den finanziellen Mitteln für einen solchen Film auftauchen. Vom ersten Gedanken bis hin zum fertigen Film sollte mehr als eine Dekade ins Land streichen. Pam Katz (Mitautorin), Barbara Sukowa und Klaus Pohl (Schauspieler) beschreiben ihre Auseinandersetzung mit diesem Film und der Rolle, die sie dabei spielten und Bettina Brokemper den Weg vom Projekt hin zum Film. Viel Platz wird der Arendt-Kontroverse rund um das Buch Eichmann in Jerusalem gewidmet. Mary McCarthy, Schriftstellerin und Hannah Arendts Freundin bezeichnet das Werk als „Dokument ethischer Verantwortung, Ernst Vollrath zeichnet ihren Gedankengang vom „radikal Bösen“ (Kant) hin zur „Banalität des Bösen“ nach und auch Jerome Kohn und Rainer Schimpf beleuchten Aspekte des Buches und der daraus entstehenden Debatte, die für Hannah Arendt sehr schmerzlich war. Durch Volker Schaefer gelingt noch ein Blick in Hannah Arendts Wohnung in New York, die Zentrum ihres Schaffens, Liebens und der Freundschaftspflege war, also quasi ihr ganzes Leben beherbergte. Fazit: Ein sehr gelungenes Buch, das einem Hannah Arendt in ihrem Schaffen und Sein näher bringt und zudem einen Einblick in die Entstehung des Filmes über sie bietet. Sehr empfehlenswert!
  20. Cover des Buches Warum auf Autoritäten hören? (ISBN: 9783411750443)
  21. Cover des Buches Jahrhundertfrauen (ISBN: 9783406421013)
    Cathrin Kahlweit

    Jahrhundertfrauen

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  22. Cover des Buches Ideology in Cold Blood: A Reading of Lucan's Civil War (ISBN: 9780674005501)
    Shadi Bartsch

    Ideology in Cold Blood: A Reading of Lucan's Civil War

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    Aktuelle Rezension von: Admiral
    Von Lucan wissen wir heute fast nichts und von Lucan haben wir heute auch fast nichts (mehr). Nur dieses eine Epos haben wir von ihm: "Bellum Civile" in 10 Büchern.
    Falls Ihr mal in die Verlegenheit kommen solltet, in Lucans "Bürgerkrieg" reinzulesen, werdet ihr schnell merken, dass vieles an diesem Epos ungewöhnlich ist. Aber da uns einfach unglaublich viel vom Kontext und vom Hintergrund fehlt, kann auch unglaublich viel in das Werk hineininterpretiert werden.

    Und einer dieser Versuche, den "Bürgerkrieg" zu verstehen ist eben dieses Bemerkenswerte Buch von Shadi Bartsch "Ideology in cold blood: a reading of Lucan's Civil War" (1997). Der Titel ist hier gewissermaßen Programm.  Denn das Buch soll wohl dazu verleiten, dass wir nach dieser Lektüre NOCHMAL bei Lucan reinlesen und eben die Aspekte, die Bartsch hier anspricht, mit im Hinterkopf behalten. Bartsch präsentiert jedoch keine umfassende Interpretation oder gar Analyse von Lucan, sondern präsentiert uns vielmehr in 5 Kapiteln 5 Gedankengänge, die sie scheinbar zum Werk gehabt hat.
    Ihre interpretatorischen Gedankengänge sind durch ziemlich interessant. Ihr erstes Thema ("ONE. The Subject under Siege", S. 10-47) ist das unklare Verhältnis von Objekten zu Subjekten im Werk Lucans. In zahlreichen Beispielen zeigt sie, dass Lucan das Subjekt als Person auflöst. Dieses Auflösen beinhaltet jedoch nicht nur das sprachliche Vertauschen oder inhaltliche Unklarmachen von Objekt uns Subjekt einer Handlung (was an sich schon interessant genug ist), sondern Lucan stellt die blosse Existenz des persönlichen Subjekts durch das Zerstören des menschlichen Körpers auf grausamste Arten in Frage. Sprachlich und inhaltlich passe das zum Thema: denn beim Bürgerkrieg zerfleischt sich das Subjekt des römischen Staates ebenfalls selbst.
    Diese Übertragung des Widerspruchs in sich beim Ereignis des Bürgerkriegs in die sprachliche und inhaltliche Form des Epos untersucht Bartsch auch noch im 2. Kapitel ("TWO. Paradox, Doubling, and Despair", S. 48-72), wo Bartsch aufzeigt, dass Lucan sein Gedicht mit zahlreichen Paradoxa anreicherte (Verschonung = Strafe zB) und dadurch einfaches und logisches Verständnis von Vorneherein parasitär unterminiert. Und all diese Widersprüche kulminieren in einer Person: Pompeius ("THREE. Pompey as Pivot", S. 73-100). Er ist nicht besser als sein dämonischer Gegner Caesar und doch erhält er die Sympathiebekundungen des Erzählera/Lucans (?). Lucan lässt sich an diesem Punkt durchschimmern, indem er mit zahlreichen Apostrophen Farbe bekennt. Doch macht Lucan uns seinen Protagonisten Pompeius nicht gerade symathisch. Auch wenn wir als Leser Pompeius zu unserem Favoriten erklären, werden wir dennoch immer daran erinnert, dass Pompeius kein Held ist, sondern ebenfalls die Tyrannenherrschaft anstrebte.


    Doch Bartsch lässt ihre Arbeit sich nicht in der blossen Untersuchung des Werkes erschöpfen, sondern stellt zahlreiche Bezüge zur Neuzeit her. Die Auflösung des persönlichen Subjekts kommt aus dem Ereignis des Kriegs an sich und zieht zum Vergleich dafür eine Untersuchung der Effekte des Vietnamskriegs heran (S. 44f.).
    Zur Erforschung des Verhältnisses von zynischer Distanz und intensiver Involvierung zieht Bartsch das philospohische Werk "Contingency, Irony, and Solidarity" von Rorty (1989) heran ("FOUR. The Will to Believe", S. 101-130).
    Das paradoxe Sprachgefüge und die Vermung von Subjekt und Objekt führt Bartsch auf das brutale Grauen des Bürgerkriegs zurück - und vergleicht des mit Nazideutschland und dem Holocaust (S. 66-72).





    Das Buch ist an sich nicht sonderlich lang oder groß. Es hat etwa 220 Seiten, von denen jedoch etwas mehr als 20 die Bibliographie und der Index sind. Von den restlichen 200 Seiten sind allein 50 die angehängten Fussnoten. Die Arbeit war also wohl recht umfassend, die Bartsch in dieses Buch steckte. Es ist tatsächlich vielmehr eine umfassende und echt große Interpretation, bei der einzelne Aspekte in der Vordergrund gerückt wurden und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. In ihrer Methodik und Vorgehensweise ist das Buch äußerst interessant und zeigt, wie viel wir aus dem einen Epos (obwohl wir zum Kontext und zum Autor fast kein Wissen mehr haben) herauslesen KANN. Vieles ist spekulative Interpretation, doch dadurch keinesfalls weniger bemerkenswert. Tatsächlich bin ich selbst mir nicht sicher, ob die Interpretation in diesem Fall nicht zu weit ins Spekulative hineingeht. Bartsch setzt so eine allesumfassende Komposition voraus und scheint hinter allem eine vom Autor intendierte Absicht zu sehen. Doch die Tatsache, dass Lucan viel jünger war, viel weniger Zeit hatte (als zB Vergil oder Ovid) und das Werk auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Schreibprozess unterbrechen musste, macht es mir schwer glaubhaft, dass Lucan alles geplant haben soll.


    ABER. Allein schon die interessante Herangehenswiese Bartsch hat mir die Autorin selbst interessant gemacht. Auch wenn meine Sympathie für Lucan und sein Werk nur ein wenig stieg, werde ich mir die Autorin dieser Interpretation merken und evtl. mal eine andere Arbeit von ihr lesen.



     Ich muss aber auch ehrlicherweise eingestehen, dass mir ihr Englisch etwas schwer viel und ich evtl. nicht jede Nuance richtig verstanden habe und mir evtl. einzelne Gedankengänge nicht klar wurden.
  23. Cover des Buches Macht und Gewalt (ISBN: 9783492100014)

    Macht und Gewalt

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    Noch keine Rezension vorhanden
  24. Cover des Buches Hannah Arendt (ISBN: 9783104038001)
    Elisabeth Young-Bruehl

    Hannah Arendt

     (1)
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