Bücher mit dem Tag "hannah arendt"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "hannah arendt" gekennzeichnet haben.

14 Bücher

  1. Cover des Buches Eichmann in Jerusalem (ISBN: 9783492317085)
    Hannah Arendt

    Eichmann in Jerusalem

    (39)
    Aktuelle Rezension von: nayezi

    Der Bericht Arendts ist unfassbar bereichernd und hoch interessant. Er ermöglicht einem eine interessante Perspektive auf den damaligen Fall Eichmanns und setzt dabei auch alles in einen sinnigen Kontext, sodass man - auch wenn man in dem Thema nicht allzu viel Vorwissen hat - alles versteht. 

    Es gibt bereits haufenweise Texte, welche die Kontroversen des Textes sowie den allgemeinen Inhalt behandeln, weshalb ich dies hier nun nicht vertiefen werde. Allerdings möchte ich gerne anmerken, dass mir an dieser Edition das Nachwort von Helmut König sehr positiv aufgefallen ist. Es leistet sehr gut die Aufarbeitung des Berichts sowie der historischen Reaktionen darauf. Dadurch wurde das Ganze nochmal mehr „abgerundet“, da man so manch offene Fragen noch beantwortet bekommen hat. 

    Ich würde das Werk, explizit in dieser Edition, definitiv weiterempfehlen. Allerdings ist zu beachten, dass Hannah Arendts Bericht in der alten Rechtschreibung verfasst ist, was anfangs etwas ungewohnt und verwirrend sein kann. 

  2. Cover des Buches Vita activa oder Vom tätigen Leben (ISBN: 9783492316910)
    Hannah Arendt

    Vita activa oder Vom tätigen Leben

    (19)
    Aktuelle Rezension von: Wolfram

    Arendts Hauptanliegen ist es, die Entfremdung des modernen Menschen von seiner Fähigkeit zum politischen Handeln zu erörtern. Sie sieht eine Welt, in der Arbeit und Konsum die menschliche Existenz zunehmend vereinnahmen und in der das Denken und Handeln – zentrale Aspekte des menschlichen Wesens – vernachlässigt werden. Diese Entfremdung stellt sie besonders heraus, indem sie die Dynamiken der Moderne mit jenen der Antike vergleicht, wo das Handeln als höchste Form der „vita activa“ betrachtet wurde. In einer Gesellschaft, die das Handeln kaum noch als bedeutsam ansieht, sieht Arendt die Gefahr einer Vereinzelung des Individuums und eines Verlusts der gemeinschaftlichen, politischen Freiheit.

  3. Cover des Buches Mit Wittgenstein im Wartezimmer (ISBN: 9783499633621)
    Nicolas Dierks

    Mit Wittgenstein im Wartezimmer

    (13)
    Aktuelle Rezension von: Caroas
    Mit Philosophen warten, eine interessante Idee und mit diesem Buch sehr gut durchgeführt.

    Am besten liest man diese Büchlein – passt theoretisch sogar in die Hosentasche – während man selber warten muss. Es verkürzt einen die Zeit, lässt einen das Warten aus einem anderen Blickwinkel sehen und regt zum Philosophieren an.

    Fazit, ein Buch gegen das Warten und man lernst manch einen guten Philosophen / gute Philosophin kennen von dem / der man bis dato – mir ging es so – nichts gehört hat.
  4. Cover des Buches Die drei Leben der Hannah Arendt (ISBN: 9783423282086)
    Ken Krimstein

    Die drei Leben der Hannah Arendt

    (63)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    Sie war ein unabhängiger Geist und daran hat sie immer festgehalten, sich festgehalten. Bis heute sind ihr Werk und ihre Person umstritten. Sie war eine Philosophin, die die Philosophie hinter sich lassen wollte, Essayistin mit einem Hang zur Epik und eine jüdische Intellektuelle, die es sich mit den meisten anderen jüdischen Intellektuellen ihrer Zeit verscherzte. "Am Leben zu sein und zu denken ist ein und dasselbe", so lautete ihre Überzeugung und sie hat viele Gedankengebäude in ihrem Leben ent- und verworfen, immer auf der Suche nach einer Wahrheit, aber letztlich mehr auf der Suche nach den Konsequenzen, die zu ziehen sind, aus dem, was geschieht - ohne falsche Scheu, ohne metaphysischen Über- oder Unterbau.

    In seiner Graphic Novel "Die drei Leben der Hannah Arendt" zeichnet Ken Krimstein den Weg der großen Denkerin nach, von der Jugend bis zu ihrem Tod. Im Prinzip ist das Buch eine bebilderte Biographie, gespickt mit einigen komischen bis faszinierenden Eigenheiten. Aufgebaut ist es sogar wie eine Autobiographie, denn erzählt wird immer aus der Perspektive von Arendt.

    Der Stil des Comics ist der einer schnellen und doch ausgefeilten Bleistiftskizze. Die einzige Farbe, die dann und wann vorkommt, ist Grün; meist als Farbe des Kleidungsstücks von Arendt. Krimstein arbeitet viel mit Zitaten und inszeniert Arendt gerne im Zwiegespräch. Er hat außerdem einen Faible für Namedropping und immer wieder wird Arendt als Teil einer Runde von großen Namen dargestellt.

    Darüber hinaus gelingt es ihm, ein sehr anschauliches und einfühlsames Bild von Arendts Leben und Denken zu zeichnen, mit allen Zweifeln und Fragwürdigkeiten. Ihre Obsession für Heidegger ist natürlich bspw. ein nicht ganz unwichtiges Motiv.

    Es wird aber vor allem deutlich, was für eine herausragende Gestalt Arendt tatsächlich war: eine der zentralen Wahrheitssuchenden ihres Zeitalters. Ein Zeitalter des Traditionsverfalls, in dem sich viele noch fester an Traditionen klammerten, während sie nach neuen Wegen suchte, nach neuen Ansätzen, neuem Umgang.

    So lässt Krimstein sie am Tag des Kriegsendes, als alle anderen feiern, sagen: "In der Welt ist etwas im Gang, das die Menschen veranlasst, ihre eigene Freiheit zu kannibalisieren, und während sie dies tun, verwandeln sie andere Menschen in eine Deponie."

    Sehr viel Raum gibt Krimstein der Darstellung ihrer Theorien zu Pluralität und Natalität, zu privatem und öffentlichem Raums. Eichmann und "Die Banalität des Bösen" lässt er, obgleich dieser Punkt natürlich behandelt wird, ein bisschen außen vor. Trotzdem hat man das Gefühl, zum Kern von Arendts Denken vorzustoßen.

    Letztlich ist es ein bemerkenswertes Buch, weil Krimstein ein fesselndes und doch sehr auf Arendts Philosophie eingehendes Portrait gelingt. Wo mancher Biograph vielleicht der Versuchung erlegen wäre, Arendts Leben vor allem entlang der Skandale und vor dem Hintergrund der Shoa und der Liason mit Heidegger zu inszenieren, setzt Krimstein lieber auf eine ausbalancierte und vielseitige Darstellung, die dem Denken ebenso viel Platz einräumt wie dem Leben.

    "Aus dem Jenseits spricht Hannah Arendt zu uns: Obgleich das Leben in der Welt der Pluralität und Natalität kein Spaziergang ist, haben wir, wenn wir Auschwitz oder den Gulag oder die Mauer oder Pol Pot oder Gefängnisrevolten wie die von Attica oder der Isis vermeiden wollen, als Gattung keine Wahl, dieses anzunehmen und auszuhalten.

    Mit anderen Worten: es gibt keine einzige Wahrheit. Keinen Königsweg des Verstandes, nur einen gloriosen, nie enden wollenden Schlamassel. Der nie enden wollende Schlamassel echter menschlicher Freiheit."

  5. Cover des Buches Die Freiheit, frei zu sein (ISBN: 9783423146517)
    Hannah Arendt

    Die Freiheit, frei zu sein

    (31)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    „Wie jeder andere Begriff unseres politischen Wortschatzes lässt sich auch der der Revolution in generischem Sinne verwenden, ohne dass man dabei die Herkunft des Wortes oder den zeitlichen Moment berücksichtigt, an dem der Terminus erstmals auf ein bestimmtes politisches Phänomen Anwendung fand.“

    Die erste (als solche bezeichnete) Revolution (auch in Abgrenzung zu einer Revolte/einem Putsch (z.B.: des Militärs, des Heeres) oder eines Aufstand (regional und/oder zunftbezogen)) war tatsächlich eine konservative, eine Restauration sozusagen, und führte 1660 in England die Monarchie wieder ein. Aber dies nur als bedenklicher Fun-Fact am Rande.

    In Hannah Arendts 1967 gehaltener Rede, die im Umfeld ihres Buches „On Revolution/Über die Revolution“ entstand, geht es nämlich um weitaus mehr, als um eine bloße Auseinandersetzung mit dem Begriff der Revolution – vielmehr um eine Auseinandersetzung mit den Begriffen, die das erklärte Ziel der meisten (wenn nicht aller) Revolutionen sind: das Ende von Unterdrückung, also Befreiung, und das Schaffen besserer, uneingeschränkterer Möglichkeiten der Lebensführung, also Freiheit.

    „Kompliziert wird es dann, wenn es der Revolution um Befreiung und Freiheit geht, und da Befreiung ja tatsächlich eine Bedingung für Freiheit ist – wenngleich Freiheit keineswegs zwangsläufig das Ergebnis von Befreiung ist –, ist es schwer, zu entscheiden, wo der Wunsch nach Befreiung, also frei zu sein von Unterdrückung, endet und der Wunsch nach Freiheit, also ein politisches Leben zu führen, beginnt.“

    Dass zwischen dem Wunsch nach Befreiung und der Forderung nach Freiheit kein Unterschied besteht, ist ein oft unterschätztes Missverständnis. Dass der Akt der Befreiung oft vorschnell mit einem Akt zur Schaffung der Freiheit gleichgesetzt wird, ist spätestens seit der russischen Revolution ein trauriges Faktum (und, was bereits aus der frz. Revolution zu lernen gewesen wäre, sich aber auch in der russischen Revolution wieder zeigte: das große Autoritäts- und Machtvakuum, welches Revolutionen hinterlassen, wird oft von neuen, nicht minder starken Autoritäts- und Machtstrukturen besetzt; das Dilemma: am Ende werden nur die Privilegien verschoben, vielleicht etwas breiter verteilt, aber selten aufgeweicht oder gar abgeschafft.)

    Ein anderer wichtiger Punkt, den Arendt hervorhebt: Revolutionen gelingen nicht in Staaten und Systemen, in denen das Autoritätsgefüge noch intakt und stark ist (einer der Gründe, könnte man spekulieren, warum im Dritten Reich oder im sowjetischen Russland keine Revolution stattfand). Eine große Unzufriedenheit, nicht nur des „Volkes“, sondern auch der privilegierten Gesellschaftsschichten, ist notwendig; eine klar aufscheinende Differenz zwischen der eingenommenen Machtposition und der tatsächlichen Macht der Herrschenden.

    „Revolutionen sind keine notwendige, sondern eine mögliche Antwort auf den Niedergang eines Regimes, sie sind nicht Ursache, sondern Folge des Verfalls politischer Autorität.“

    Natürlich gibt es einige Revolution, die Arendt nicht erlebte – nicht nur den arabischen Frühling, auf den das Problem des Machtvakuums sicher zutrifft, sondern z.B. auch die friedliche iranische Revolution. Vielleich hätten diese ihren Blick auf einige Aspekte des Phänomens, die bis hierhin angesprochen wurden, geändert.

    Wenig bis gar nicht verändert hätten diese Ereignisse wohl ihre Betrachtungen und Erkenntnisse, auf die sie im Folgenden zu sprechen kommt und die um die Problematik von der Vorstellung des Revolutionären kreisen, aber auch um die ganz konkrete Frage: was will eine Revolution denn eigentlich? Was kann sie erreichen, inwiefern ist sie wünschenswert? Und inwiefern kann mit ihr die Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse angestrebt werden? (Werden nur die Karten neu gemischt oder werden sie auch fairer verteilt?)

    „Eine der wichtigsten Konsequenzen der Revolution in Frankreich war es, dass sie zum ersten Mal in der Geschichte le peuple [das Volk] auf die Straßen brachte und sichtbar machte. Als das geschah, stellte sich heraus, dass nicht nur die Freiheit, sondern auch die Freiheit, frei zu sein, stets nur das Privileg einiger weniger gewesen war.“

    Albert Camus schrieb einmal in seinen Cahiers, dass die gesamte dokumentierte Menschheitsgeschichte, seit der Gründung der ersten Staaten mit größeren Gesellschaften, letztlich nichts anderes als eine Geschichte des Kampfes um Privilegien sei. Denn Privilegien sind letztlich alles: sie entscheiden über die Möglichkeiten, die uns offenstehen, über unseren Zugriff auf natürliche Ressourcen und fremde Dienstleistungen, über unseren Zugang zu Räumen, in denen wir uns entfalten können.

    Da wir auf einer Welt mit begrenzten Ressourcen leben, sind zwei Möglichkeiten denkbar, diese Privilegien zu verteilen: 1. Es wird allen der gleiche Lebensstandard ermöglicht, der dem entspricht, was der Planet an Belastung verträgt und wir an Ressourcen zur Verfügung haben. Das ist eine theoretische, sehr utopische (und von vielen nur als scheinbar-gerecht bezeichnete) Idee, bei der viele Möglichkeiten ausgeklammert bleiben.
    Die 2. Möglichkeit (die natürlich sehr unterschiedlich angelegt und ausgeführt werden kann) ist die vom Menschen praktizierte: Hierarchische Systeme, in denen die Anzahl der Privilegien theoretisch mit der Schwere der Pflichten, der Verantwortung, der Arbeit und der Bedeutung dieser Arbeit steigen, während dafür gesorgt wird, dass alle Menschen ein Mindestmaß an Sicherheit, die aber in den meisten Fällen noch nichts mit Freiheit zu tun hat, genießen (das letzte Wort ist durchaus euphemistisch zu verstehen).

    Ganz abgesehen davon, dass sich Privilegien (und mit ihnen die Machtverhältnisse) in diesen Systemen schnell zementieren & in den seltensten Fällen flexibel gehandhabt werden und allgemein Korruption und andere Phänomene die Idee des Ganzen sabotieren, ist die genaue Ausformung dieser hierarchischen Modelle schon seit den Tagen der Athener Demokratie Gegenstand von kritischen Auseinandersetzungen. Revolutionen wurden spätestens im 18. Jahrhundert zu der Tat, die einem allzu deutlichen Missstand innerhalb der hierarchischen Verhältnissen folgen sollte/konnte (auch wenn die Akzeptanz des Modells an sich zwar oft infrage gestellt, aber nie wirklich verworfen wurde und wird).

    „Ein Vergleich der ersten beiden Revolutionen [amerikanische und französische], deren Anfänge so ähnlich und deren Enden so ungeheuer unterschiedlich waren, zeigt, so glaube ich, in aller Deutlichkeit nicht nur, dass die Überwindung der Armut eine Voraussetzung für die Begründung der Freiheit ist, sondern auch, dass die Befreiung von der Armut etwas anderes ist als die Befreiung von politischer Unterdrückung.“

    Solange jemand herrscht und sei es auch eine gewählte Regierung, wird es das Problem des Privilegs geben – warum wohl ist Fremdenfeindlichkeit ein so großes Problem, warum senken Staaten den Spitzensteuersatz, warum ist den Emanzipationsbewegungen von unterdrückten Bevölkerungsgruppen und gesellschaftlichen Minderheiten oft ein so steiniger Weg beschieden? Weil die Menschen, die viele Privilegien haben, sehr gut wissen, dass sie diese in einer freieren und gerechteren Welt teilweise abgeben müssten.

    „Herrschaft bezog ihre größte Legitimation nicht aus Machtstreben, sondern aus dem menschlichen Wunsch, die Menschheit von den Lebensnotwendigkeiten zu emanzipieren; um das zu erreichen, bedurfte es der Gewalt, der Zwangsmittel, damit viele die Last der wenigen trugen, sodass zumindest einige frei sein konnten. Das – und nicht die Anhäufung von Reichtum – war der Kern der Sklaverei, zumindest in der Antike, und es ist lediglich dem Aufkommen moderner Technik und nicht irgendwelchen modernen politischen Vorstellungen, darunter auch revolutionären Ideen, geschuldet, dass sich diese Situation der Menschen zumindest in einigen Teilen der Welt geändert hat.“

    Wollen wir und können wir diese Dynamik, diese Systematik ändern? Ist Revolution das Mittel gegen die Hierarchien? Hannah Arendt öffnet in dieser kurzen Rede, in der sie sehr viele kluge, erhellende – und vielleicht ein-zwei vorschnelle – Definitionen und Erklärungen anbringt, ein weites Feld. Und stößt uns, wie es ihre Art ist, gleichsam in unbequeme Wahrheiten und erstaunliche Betrachtungsweisen. Obgleich mittlerweile 50 Jahre alt, ist dieser Text nicht nur lesenswert, sondern fast schon so etwas wie das Musterbeispiel einer Einführung in das Nachdenken über das Phänomen der Revolution, des Revolutionären, jenseits des Westentaschenhistorischen und der Romantisierung – ohne, und das ist besonders bemerkenswert und schön, dass Arendt darin abschließend festlegt, was eine Revolution sein kann und wie, man von ihren Gedanken aus gesehen, weiter damit umgehen sollte.

    Das sollte ein Anstoß für unsere Generation sein, darüber nachdenken, ob die Revolution nicht eine Idee ist, die es gerade in unseren Zeiten neu zu erfinden gilt. Die 68er Bewegungen waren teilweise ein erster Schritt in diese Richtung, ein teilweise ungelenker. Fest steht, dass die Mächtigen, die „Herren der Welt“ wie Noam Chomsky sie nennt, wenig Interesse daran haben, den Status Quo zu ändern und die derzeitige Verteilung der Privilegien weltweit, zu überdenken. Vielleicht könnte man sich darauf besinnen, dass sie in der Minderheit sind. Und das Revolution, friedlich und im Bewusstsein von Verantwortung und Gerechtigkeit, nach wie vor eine Option ist – solange man auch aus der Geschichte lernt, was mit diesem Text von Hannah Arendt um einiges leichter sein sollte.

    Das letzte Wort erhält Konstantin Wecker:

    „Ach pfeifen wir auf alles, was man uns verspricht,
    auf den Gehorsam, auf die sogenannte Pflicht,
    was wir woll´n ist kein Reförmchen und kein höh´rer Lohn,
    was wir woll´n ist eine
    REVOLUTION!“

  6. Cover des Buches Was wir scheinen (ISBN: 9783847901242)
    Hildegard E. Keller

    Was wir scheinen

    (64)
    Aktuelle Rezension von: walli007

    Im Sommer 1975 reist die Publizistin Hannah Arendt in die Schweiz. Sie hat vor einiger Zeit einen Herzinfarkt überstanden und will nun einen mehrwöchigen Urlaub an einem ihrer Lieblingsorte verbringen. Sie freut sich über die Ruhe. Ihren Mann Heinrich, der vor einigen Jahren verstorben ist, vermisst sie immer noch. Doch sie blickt auch zuversichtlich in die Zukunft. Natürlich ist sie schon Ende Sechzig, doch das muss ja nichts heißen. Während des Aufenthaltes lässt sie die Erinnerungen in sich aufsteigen. Die erste Zeit in Amerika, zum Glück sind sie den Nazis entkommen. Ihr Austausch mit Personen, die ihr teure waren. Der Eichmann-Report und die Reaktionen darauf. 


    Eine beeindruckende Persönlichkeit reflektiert hier zu ihrem Leben, das in der Rückschau als wirklich außergewöhnlich bezeichnet werden kann. Eine Frau, der das Denken wichtig ist, eine Frau, die Denken kann. Sie konnte studieren und promovieren. Mit ihrem Doktorvater hielt sie Kontakt. Sie führte eine glückliche Ehe. Sie veröffentliche ihre Gedanken und Gedichte, Werke, die noch immer Beachtung finden. Ihr Bericht zu dem Eichmann-Prozess, der ein kontroverses Echo auslöste, auch von Seiten, von denen sie es nicht so erwartet hätte. Und immer wieder die entspannende Urlaubsatmosphäre an einem Ort, an den sie immer wieder zurückgekehrt ist. 


    Wenn man immer schon mal mehr über diese außerordentliche Persönlichkeit wissen wollte, sich aber noch nicht an ihre Werken herantraut, dann könnte dieser Roman, der Teile ihres Lebens ein toller Einstieg sein. Leben und Werk werden auf ansprechende Art und Weise dargestellt. Die Person Hannah Arendt wird einem nahegebracht. Ihre Verhaftetheit im Denken, das genaue Durchdenken der Fragen, die sich ihr Stellen, aber auch ihr persönliches Leben in ihrer Ehe oder auch im Austausch mit Freunden und Weggefährten. Sie ging der Kontroverse nicht aus dem Weg und suchte doch ihre Gedanken zu erklären. Dieser Roman bietet eine beeindruckenden Überblick in das Leben von Hannah Arendt.

  7. Cover des Buches Hannah Arendt – Little People, BIG DREAMS (Deutsche Ausgabe) (ISBN: 9783458178316)
    Isabel Sánchez Vegara

    Hannah Arendt – Little People, BIG DREAMS (Deutsche Ausgabe)

    (40)
    Aktuelle Rezension von: Ramgardia

    Die kleine Hannah wächst zunächst in Königsberg auf, sie bringt sich selbst das Lesen bei und liest bald die Bücher der großen Denker. Obwohl sie als Jüdin beschimpft wird, bringt sie die Mitschüler hinter sich, als ein Lehrer sie beleidigt. Als sie nach dem angezettelten Streik die Schule verlassen muss, geht sie nach Berlin und schafft dort als Externe ihr Abitur. Das Wissen hat sie als Gasthörerin an der Uni erworben. Sie studiert Philosophie und geht, als Hitler an die Macht kommt in den Widerstand. Bald muss sie über Frankeich nach Amerika flüchten. Als amerikanische Staatsbürgerin setzt sie sich für die Rechte ein und resümiert „Man muss sich wehren, man darf sich nicht ducken!“

    Das Buch hat kurze Texte und große, klare, erklärende Bilder. Am Ende gibt es noch einen kurzen Lebenslauf mit Originalfotos. Diese Bilderbuchreihe ist hervorragend geeignet schon kleinen Kindern bekannt Persönlichkeiten vorzustelle. Vielleicht werden sie sich später erinnern und mehr über Hannah Arendt erfahren wollen.

     

  8. Cover des Buches Warum auf Autoritäten hören? (ISBN: 9783411750443)
  9. Cover des Buches Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt. Die Lebensgeschichte der Hannah Arendt (ISBN: 9783407811288)
    Alois Prinz

    Beruf Philosophin oder Die Liebe zur Welt. Die Lebensgeschichte der Hannah Arendt

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    "Am Ende unseres Lebens wissen wir, dass nur das wahr war, dem wir bis zuletzt die Treue halten konnten."

    Bewegende Geschichten großer Menschen sind eine der Errungenschaften der Literatur (und das meine ich nicht ironisch und nicht pathetisch, denn wenn Rührung und Anteilnahme aus der Lebensgeschichte selbst kommen und nicht aus der Darstellungs und Untermalung, kann man die Anerkennung und Würdigung eines Menschen wohl kaum als pathetisch bezeichnen). Sie führen uns vor Augen, dass Tugenden & Glück und Unglück anderer Meschen eine wesentlich größere Emotion in uns wecken können, als es unser ebenfalls nicht unbedeutendes Interesse für geschichtliche Zusammenhänge oder z.B. Kriege, Tyrannen und Politik vermag. Denn obgleich jeder von uns in einer anderen Welt lebt, haben diese Welten die verschiedensten Brücken, die sie verbinden; und die größten dieser Brücken entstehen nun einmal im Sinnbild bedeutender Persönlichkeiten.

    Hannah Arendt war eine dieser Persönlichkeiten und mit dem Thema des "Gemeinsam" und "Einsam" sind wir auch schon beinahe bei den Thematiken, mit denen sie sich ein Leben lang beschäftigt. Unverkrampft, wenn auch sehr theoretisch, muten viele ihrer Systeme und Gedanken zu gesellschaftlichen und menschlichen Verhaltensmustern an und mit Begriffen wie "Banalität des Bösen" hat sie auch immer wieder Kontroversen der Sprache und Ansicht hervorgerufen. Dass sie diese Klippen des Lebens stehst mit einer einachen und unaufgsetzten Entschlossenheit und Bestimmtheit umschiffte, was manche ihr fälschlicherweise als Gleichgültigkeit attestierten, ist einer ihrer hervorstechendsten Charakterzüge. Nein, man weiß nicht, ob man sie gemocht hätte, dafür gibt uns Alois Prinz mit seiner Darstellung genug Unwägbarkeiten und Ambivalenzen ihres Charakters an die Hand. Aber zweifellos ist ihr Lebensweg, genauso wie ihre Idealität sehr interessant und in der Lektüre diese kleines Buches gut kennenzulernen, wenn auch nicht unbedingt zu vertiefen.

    Neben den Stationen ihres Lebens und den Menschen mit denen sie viel verband und die immer wieder ebenso porträtiert werden wie sie selbst, geht das Buch häufig auch auf Einflüsse und Werke Arendst ein, was Prinz mit einem bemerkenswerten Drahtseilakt bewältigt, was das ganze Buch manchmal etwas unhomogen anmuten lässt, aber auch abwechslungsreich und vielschichtig. Viele, aber nicht übermäßig viele Zitate und Randgeschichten, machen das Buch insgesamt zu einem wirklich kompackten Ausgangspunkt, um sich der vielleicht bedeutendsten Philosophin dieses Jahrhunderts zu nähern.

    "Sie war durchdrungen von einer merkwürdig ziellosen Sehnsucht. >>Ich meine nicht Sehnsucht nach einen bestimmten Was<<, erklärt sie in "Die Schatten",>>sondern Sehnsucht als das, was ein Leben ausmachen, für es konstitutiv werden kann.<<"

    Wenn ein Buch es schafft, von Mensch zu Mensch zu sprechen (nicht unbedingt wortwörtlich, aber in seiner Stimme, seiner Auffassung), ist es meist ein gutes Buch und ein bereicherndes. Philosophen und Schriftsteller bringen uns das nahe, was uns alle angeht, auch wenn wir es noch nicht wissen oder nur unterbewusst erlebt haben, aber noch keine Form gefunden haben, um es auch als eine bewusste Tatsache, Empfindng oder Ansicht zu erkennen.
    Und immer wieder schenken uns Bücher einen wirklichen Eindruck von der Wichtigkeit, zentrale Punkte menschlichen Wesens zu refklektieren und für sich selbst wiederzufinden. Zum Tod ihres Mannes schrieb Arendt so eine sehr bemerkenswerte Passage, mit der ich diese Rezension beenden will:

    "Beklage dich nicht, wenn etwas genommen wird, dass dir gegeben war, das du aber nicht notwendigerweise besaßest. und vergiss nicht, um genommen zu werden, musste es erst gegeben werden. Wenn du zu besitzen glaubtest, wenn du vergessen hast, dass es gegeben war, dann ist es eben schlimm für dich."

    P.S. Ein grober Fehler ist mir aufgefallen: Das Todesdatum Franz Kafkas wird hier mit 1928 angegeben, ist aber 1924 (Meine Ausgabe von 2002).

  10. Cover des Buches Wir Flüchtlinge (ISBN: 9783150193983)
    Hannah Arendt

    Wir Flüchtlinge

    (8)
    Aktuelle Rezension von: Gungl

    Dieser Aufsatz von Hannah Arendt erschien 1943 und ist ungebrochen aktuell. Tatsächlich wies mich ein "Flüchtling" auf dieses Werk hin, mit den Worten, dass er seine Gemütslage nicht besser ausdrücken könnte. Umso beklemmender empfand ich die Lektüre - denn bei allem "mit-fühlen" kann niemand ermessen, wie tief der Schnitt in die Seele geht, wird man gezwungen, seine Heimat zu verlassen. Die Sprache zu verlieren, nun, das kann man sich vorstellen. Jedoch, Zitat: "die Natürlichkeit unserer Reaktionen" - unvorstellbare Pein! Und soviel mehr Abgründe auf wenigen Seiten zu entdecken. Dieses Büchlein sollte - seit Jahrzehnten - in Schulen gelesen und diskutiert werden, da kann es etwas bewirken. Absolute Leseempfehlung.

  11. Cover des Buches 1939 – Exil der Frauen (ISBN: 9783869152684)
    Unda Hörner

    1939 – Exil der Frauen

    (10)
    Aktuelle Rezension von: HEIDIZ

    Das Buch "1939 - Exil der Frauen" erzählt in monatlichen Kapiteln von Januar bis Dezember von verschiedenen Frauen und ihren Erlebnissen. Mit dabei sind u. a.: Simone de Beauvoir, Else Lasker-Schüler, Frida Kahlo, Luise Mendelsohn, Gisèle Freund sowie Ruth Berlau, Leni Riefenstahl oder Virginia Woolf und Erika Mann, um einige zu nennen.

     

    Leseprobe:
     ========

     

    "Wenn er weiter so herumlamentiert", sagt sie, "fliegt der ganze Laden auf."

    Auch von Zedtwitz ist beunruhigt. "Ganz einfach", flüstert er Milena ins Ohr, "ich werde ihm sagen, dass ich ihn zur Gestapo bringe,  und ...

     

    Es gibt aus der Reihe schon die Bücher

     

    1919 - Das Jahr der Frauen

    und

    1929 - Frauen im Jahr Babylon

     

    Sehr lebendig und aufschlussreich zugleich zu lesen hat mich dieses Buch fasziniert. Die thematisierten Frauen werden in genau diesem Jahr lebendig. Sehr gut kann man ihre Charaktere einordnen in die Zeit, in der die Kapitel "spielen". Der historische Hintergrund wird perfekt einbezogen, sodass man zum einen Biografisches dieser Frauen herausliest und auch historisch interessante Fakten verarbeitet sind. Alles in allem sehr gut gemacht und literarisch ansprechend geschrieben, sodass ich mich im Buch sehr wohl gefühlt habe, wenn man das bei dieser Thematik - man kann sich denken, dass es nicht lustig ist, im Jahr 1939 zu landen. Hannah Arendt flüchtet nach New York, Erika Mann veröffentlicht gemeinsam mit Klaus ein Who´s who der deutschen Kultur im Exil, Simone de Beauvoir schreibt im Café de Fore ihr Kriegstagebuch usw. usw. Ich bin wirklich angetan, die Idee, einmal über ein Jahr hinweg an die Biografien dieser besonderen Frauen heranzugehen, finde ich sehr interessant und perfekt umgesetzt. Ansprechend auch die Auswahl der Frauen, welche von der Autorin im Buch beschrieben werden - gibt einen perfekten Überblick - gut gewählt !!!

  12. Cover des Buches Hannah Arendt (ISBN: 9783104038001)
  13. Cover des Buches Macht und Gewalt (ISBN: 9783492100014)
  14. Cover des Buches Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur (ISBN: 9783742432056)
    Uwe Wittstock

    Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur

    (5)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint

    Juni 1940: Die Verteidigung der französischen Armee gegen den im Mai durch die deutsche Wehrmacht gestarteten Westfeldzug bricht zusammen. Die Wehrmacht besetzt ganz Nordfrankreich und die französische Atlantikküste. Ein schnell geschlossener Waffenstillstand bewahrt den Süden Frankreichs vor der Besetzung. Für viele vor dem nationalsozialistischen Regime aus Deutschland geflüchtete Menschen, darunter viele Intellektuelle, Politiker, Künstler, Schriftsteller*innen, eine Katastrophe. Sie waren in den Jahren nach 1933 in Paris untergekommen, doch nun gilt es, schnellstmöglich aus der Hauptstadt in die einzige freie Hafenstadt Marseille zu gelangen, um dort die Flucht aus dem besetzten Europa durchzuführen. Da die "Vichy-Regierung" mit den Besatzern kollaboriert, werden ihr Listen von sofort auszuliefernden wichtigen Personen wie unter anderen Lion Feuchtwanger, Hannah Arendt, Franz Werfel, Heinrich und Golo Mann übermittelt. Somit reicht der Arm der Gestapo bis nach Marseille und es wird immer schwieriger, an die notwendigen Ausreisepapiere zu kommen. 

    In den USA machte man sich seit einiger Zeit Gedanken, wie man den Menschen helfen könnte. Es gelten strenge Einreisequoten. Es gelingt, die Ehefrau des Präsidenten Roosevelt - Eleanor - zu mobilisieren und es kommt zur Gründung des "Emergency Rescue Committee". Dieses Kommittee entsendet für drei Wochen den jungen Journalisten Varian Fry nach Marseille, um dort die Flucht zu koordinieren und direkte Hilfe zu leisten. Aus den drei Wochen werden 13 Monate, in welchen Fry ohne wesentliche Unterstützung seiner Regierung aber dank der Mithilfe des Vizekonsuls Hiram Bingham sowie der schwerreichen amerikanischen Erbin Mary Jayne Gold, die in Frankreich gestrandet war und einigen weiteren Mitstreitern Mittel und Wege findet, an die 2.000 Menschen teilweise auf illegalen Fluchtwegen über die Pyrenäen nach Spanien zu retten.

    Der deutsche Autor und Literaturkritiker Uwe Wittstock (*1955) erzählt mosaikartig unheimlich dicht an den Personen, plastisch und spannend die anhand von Briefen, Tagebuchaufzeichnungen, Erinnerungen und Selbstzeugnissen großer Persönlichkeiten wohl recherchierte hindernisreiche Flucht von Paris in die Hafenstadt. In rasch wechselnden Szenarien schildert Wittstock Anna Seghers Flucht mit ihren Kindern zu Fuß nach Marseille, Lion Feuchtwanger landet in einem französischen Internierungslager, Walter Benjamin übergibt seinen letzten Essay an Hannah Arendt... Heinrich Mann hofft seinen Bruder Golo wiederzutreffen aber auch die dramatische Geschichte der Werfels wird erzählt. Man fiebert mit dem US-Amerikaner Varian Fry (1907-1967) mit, dem durch dieses Buch endlich Würdigung zuteil und sein Name vor der Vergessenheit bewahrt wird. 1994 wurde er als einer der "Gerechten unter den Völkern" in Israels Holocaust-Mahnmal "Yad Vashem" aufgenommen, vier Jahre später zum Ehrenbürger Israels ernannt. 2023 nahm sich die Netflix-Miniserie "Transatlantic" dieses bemerkenswerten Mannes an.

    Julian Mehne liest dieses fesselnde und wichtige Buch mit seiner eingänglichen und empathischen Stimme so vor, dass man gern noch einem Kapitel lauscht und noch einem Kapitel... Für Geschichtsfreunde eine Lese/Hörempfehlung.

  15. Zeige:
    • 8
    • 12
    • 24

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freund*innen und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber*innen und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks