Bücher mit dem Tag "hanser,carl"

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65 Bücher

  1. Cover des Buches Die Terranauten (ISBN: 9783446253865)
    T. C. Boyle

    Die Terranauten

     (308)
    Aktuelle Rezension von: Dajobama

    Die Terranauten – T.C.Boyle 

    „Nichts rein, nichts raus. Vier Männer, vier Frauen. Neue Welten, neues Leben.“ Das sind die Mantras der Crew von Ecosphere 2.

    Acht Menschen, die in einer überdimensionalen Glaskuppel eine neue Welt aufbauen sollen. Es soll versucht werden, in einem geschlossenen Ökosystem das Leben nachzubilden. Dieser Roman basiert auf realen Begebenheiten. Ein entsprechendes Experiment gab es tatsächlich. Aufgezogen wie eine Reality-Show, sind die Kandidaten ständig unter Beobachtung, dennoch auf sich selbst gestellt. Der Medien-Rummel ist riesig. Big Brother is watching you. 

    Wie ich finde, eine total spannende Ausgangssituation, die der Autor auf eine recht spezielle Weise weiterentwickelt. 

    Nun ja, die Protagonisten, drinnen wie draußen sind allesamt keine Sympathieträger. Alle arbeiten auf das gleiche Ziel hin: der Einschluss, der zwei Jahre dauern soll, darf auf keinen Fall unterbrochen werden. Darüber hinaus sind sie alle keine Teamplayer. Da wird von Anfang an sehr viel geschauspielert, nach außen hin, versteht sich. Im Inneren der Kuppel werden sehr bald erste Risse in der Gemeinschaft sichtbar. 

    Erzählt wird das Ganze aus drei Perspektiven: Ramsay und Dawn, beide in der Glaskuppel, und Linda, neidisch und missgünstig von außen. Sie verkörpert das voyeuristische Element, das teilweise recht stark ausgeprägt ist. 

    4 Männer, 4 Frauen. Eigentlich ist klar, wohin das führen wird. Insbesondere der Schönling Ramsay überlegt bereits im Vorfeld, welche der zur Verfügung stehenden Frauen er gerne beglücken würde. Und nun ist es tatsächlich so, dass im Verlauf des Romans, die technischen, biologischen etc. Details dieser besonderen Mission etwas in den Hintergrund geraten. Boyle zieht es vor, sich auf die zwischenmenschliche Schiene des Unternehmens zu konzentrieren. Und das bedeutet: sehr viele Oberflächlichkeiten und noch mehr Sex. Nun steht es bereits im Klappentext und ist somit kein Geheimnis, dass Ramsay es fertig bringt, seine Auserwählte Dawn zu schwängern. Ich erwähne das deshalb, weil es tatsächlich über weite Teile das beherrschende Thema dieses Buches ist. Die Frage stellt sich: kann die Mission fortgesetzt werden? 

    Stellenweise war ich bei der Lektüre dieses Romans etwas irritiert, weil ich etwas anderes erwartet hatte. Mehr Fokussierung auf die naturwissenschaftlichen Fakten, das eigentliche Ziel. Das hier erinnert oftmals an eine schlechte Daily Soap. Boyle versteht, es seine Leser zu fesseln. Wenn auch zumindest oberflächlich betrachtet auf billige, voyeuristische Weise. Aber bei näherer Betrachtung: ist es nicht das Wesen des Menschen, all die Streitereien und Missgünste, Machtkämpfe, Rivalitäten, die letztendlich über unser Überleben auf welchem Planeten auch immer entscheiden? Sind diese zwischenmenschlichen Differenzen nicht ebenso wichtig wie Ackerbau etc.? 

    Dieser Roman wirkte provokativ auf mich, konnte mich aber trotzdem absolut fesseln. Ich flog nur so durch die Seiten, fühlte mich aber immer wieder an Trash-TV erinnert. Die eigentliche tiefsinnige Aussage hat Boyle sehr gut hinter Eitelkeiten und Sex versteckt: Wenn der Mensch sich auf der Erde schon zerfleischt, wird er das überall sonst früher oder später ebenso machen. 

    Im Nachgang sehr beeindruckend: 4 Sterne

  2. Cover des Buches Underground Railroad (ISBN: 9783446256552)
    Colson Whitehead

    Underground Railroad

     (295)
    Aktuelle Rezension von: Bibliokate

    Corlson Whitehead erzählt in seinem Roman die Geschichte der Sklavin Cora stellvertretend für die unzähligen Menschen die Opfer dieses großen Unrecht wurden, und auch von jenen die ihre Lebensgefährliche Flucht in die Freiheit mit Hilfe von unterirdischen Höhlensystemen, der Underground Railroad wagten.


    Begleiter von "Schaffnern", also Fluchthelfern machten sie sich auf den Weg in die Freiheit.


    Der Roman erzählt von den unglaublich unmenschlichen Bedingungen denen die Sklaven ausgesetzt waren. Ihnen wurde ihre Menschlichkeit und Würde verwehrt und sie würden als Ware verkauft.


    Für Whiteheads Protagonistin ist das keine Option mehr und sie beschließt sich auf den  geferhlichen Weg in die Freiheit zu begeben.


    Ein großartiges Buch, das eines der Finstersten Kapitel der Amerikanischen Geschichte sehr eindrücklich erzählt und großen Eindruck hinterlässt.


  3. Cover des Buches Stella (ISBN: 9783446259935)
    Takis Würger

    Stella

     (316)
    Aktuelle Rezension von: EmmaWinter

    Der 20-jährige Schweizer Friedrich kommt Anfang 1942 nach Berlin. Er will sich umsehen in der Hauptstadt, von der behauptet wird, dass Juden dort mit Möbelwagen abgeholt werden und nicht wieder zurückkommen. In einer Kunstschule lernt er Kristin kennen, die ihn sofort fasziniert. Mit Tristan von Appen, einem eleganten, vermögenden Mann, verbindet ihn bald eine Art Freundschaft. Im Mai erfährt Friedrich die Wahrheit über beide. Tristan ist Mitglied der gefürchteten SS (Schutzstaffel der Nationalsozialisten) und Kristin heißt eigentlich Stella Goldschlag und ist ein "Köderjude", wie Tristan sie nennt. Sie sucht und verrät untergetauchte Berliner Juden an die Gestapo. Erst am Heiligabend verläßt Friedrich Berlin - allein.

    Ein schmales Büchlein, von gerade mal 222 Seiten Text, dazu noch mit reichlich Zeilenabstand und einem schlichten Cover, vermochte bei Erscheinen eine große Diskussion auszulösen. Auf dem insgesamt schwarzen Cover strahlt den Lesern das Gesicht der realen Stella Goldschlag entgegen. Kann das Leben der "Greiferin", auch "Blondes Gift" oder "Blondes Gespenst" genannt, mittels einer Liebesgeschichte in einem historischen Roman dargestellt werden, angesichts des Schreckens und Gräuels, die sie verursacht hat?

    Takis Würger hat über dieses Jahr 1942 in Berlin in kühler Sprache und ganz aus der Sicht von Friedrich geschrieben. Kurze Sätze, die wenig mehr als das wiedergeben, was Friedrich sieht und erlebt. Wenig Reflexion und Gefühle. Friedrich ist oft sprachlos, während Kristin/Stella und Tristan die Führung übernehmen, im Sprechen und Handeln. Dazu wird zu Beginn jeden Kapitals, das immer einem Monat entspricht, ein kurzer Abriss über tatsächliche historische Ereignisse vorangestellt. Dies verschärft den Eindruck eines eher nüchternen Berichts und hält den Lesenden vor Augen, was "im Hintergrund" geschieht. Rationierung des Essens, Geburten berühmter Persönlichkeiten, politische Entwicklungen etc. Eingestreut in den Text sind kursiv gedruckte Abschnitte, die aus Gerichtsakten stammen und über einzelne Schicksale jüdischer Personen oder Familien berichten, die durch Stella Goldschlag verraten wurden.

    Eine schwierige Lektüre, die zwar schnell gelesen, aber nicht schnell verarbeitet ist. Erwähnenswert ist das Nachwort von Professor Sascha Feuchert, dessen Forschungsschwerpunkt Holocaust- und Lagerliteratur innerhalb der Neueren deutschen Literatur ist. 

    "Stella" regt zur weiteren Auseinandersetzung mit dem Thema an und hält die Diskussion lebendig. Als ein spezielles Buch gegen das Vergessen hat es eine wichtige Aufgabe erfüllt. Ich vergebe vier Sterne und eine Leseempfehlung für alle, die sich dem Thema nähern wollen.




  4. Cover des Buches Ein ganzes Leben (ISBN: 9783442482917)
    Robert Seethaler

    Ein ganzes Leben

     (384)
    Aktuelle Rezension von: Iris_Muhl

    Die Sprache von Robert Seethaler ist ein grossartiges Geflecht aus leisen Empfindungen und schroffen Bildern. Unglaublich vielschichtig und überraschend erzählt der Autor das Leben eines einfachen Seilbahnarbeiters namens Andreas Egger. Er erzählt von den wichtigsten Themen des Lebens, vom Kämpfen und Überleben, von Liebe und Verlust, Versöhnung und Tod. Der Autor berichtet so unaufgeregt und klar, dass der gebannte Leser immer noch mehr davon haben muss, nicht genug kriegt. Ich liebe diese Sprache, ich liebe diesen Autor. Er lockt die schönsten Gefühle in einem hervor. Man lacht und weint, man wächst gar an Empfindung und Respekt für einen kleinen einsamen Arbeiter, der sich vom Schicksal nicht einschüchtern lässt. Was will man von einem Buch mehr?

  5. Cover des Buches Miroloi (ISBN: 9783446261716)
    Karen Köhler

    Miroloi

     (163)
    Aktuelle Rezension von: hamburgerlesemaus

    Ich wollte das Buch auf Seite 70 bereits aus der Hand legen, als es geschah: Es packte mich, fing mich ein und ließ mich bis zum Ende nicht mehr los. 571 Seiten in 2 Tagen (ok, ich bin für 15 Tage in Thailands Quarantäne weggeschlossen, aber ich hätte auch draußen jede Minute lesen müssen…)

    Das Mädchen ohne Namen, die Protagonistin des Buches, wurde als Baby auf die Treppe des Bethauses auf der fiktiven Insel „im schönen Dorf“ (vermutlich in Griechenland) ausgesetzt.
    Seitdem ist sie verantwortlich für alles Schlechte, was im Dorf passiert. Sie wird von den abergläubischen Dorfbewohnern gemoppt und beschimpft, die Dorfkinder laufen ihr hinterher: „Eselshure, Schlitzi, Nachgeburt der Hölle. Ich war schon von Anfang an so hässlich, dass meine Mutter mich lieber hier abgelegt hat, statt mich zu behalten“ (S.9).
    Sie gehört nicht zur Gemeinschaft, darf keinen Namen haben, nicht heiraten und auch später keine Kinder kriegen.
    Aber sie darf arbeiten: Auf dem Feld, im Stall, in der Küche, Wäsche waschen und nähen.. Jeder darf sich das Mädchen für Arbeiten ausleihen.

    Das Dorf ist hinterwäldlerisch: Frauen dürfen nicht lesen und schreiben lernen. Es gibt keinen Strom und wer nicht gehorcht, wird an den Pfahl gebunden und bestraft.

    Es ist die Geschichte einer männerdominierten Dorf-Gesellschaft, wo ein Mädchen Mut aufbringt und sich widersetzt.

    Die Sprache des Romans ist poetisch, aber naiv doch interessant.
    Mir hat gefallen, wie Karen Köhler es geschafft hat, verschieden Kulturen und Religionen zu verknüpfen: So heisst das Gebetbuch des Dorfes Khorabel, die 3 Götter kommen aus dem Hinduismus, wobei die Gemeinschaft eher an die Sekte Colonia Dignidad erinnert.

    Das Buch hat mich ein wenig traurig zurückgelassen: so weiß man, dass es diese Art von Unterdrückung noch in der heutigen Zeit gibt und Religionen als Machtmittel benutzt werden.

    Ein großartiges #romandebüt, ein Buch was nicht so schnell vergessen wird, ein #buchhighlight für mich!

  6. Cover des Buches Der Gesang der Flusskrebse - Der große Bestseller als limitierte Schmuckausgabe (ISBN: 9783446268463)
    Delia Owens

    Der Gesang der Flusskrebse - Der große Bestseller als limitierte Schmuckausgabe

     (536)
    Aktuelle Rezension von: booksandperfumes

    Ich habe selten ein Buch so verschlungen. Kya wird von allen immer nur verlassen und lässt daher niemanden so wirklich an sich heran. Einzig mit der Marsch fühlt sie sich bedingungslos verbunden. Als dann ein Toter gefunden wird, gerät sie, die das Marschmädchen genannt wird, wegen ihrer eigenbrötlerischen Art schnell unter Verdacht. Gefühlvoll und mit jeder Menge Details geschrieben. 

  7. Cover des Buches Die Nickel Boys (ISBN: 9783446262768)
    Colson Whitehead

    Die Nickel Boys

     (172)
    Aktuelle Rezension von: FrauKlopp

    Anfang der 60er Jahre lebt der 16jährige Elwood bei seiner Großmutter in einem schwarzen Ghetto in Florida und hat keinen anderen Wunsch als am College angenommen zu werden. Der Traum scheint in Erfüllung zu gehen, jedoch gerät er an seinem ersten Tag auf dem Weg dorthin zufällig in ein gestohlenes Auto und wird, bedingt durch den vorherrschenden Rassismus, ohne dass ihm gerechte juristische Hilfe zusteht, in die Jugendbesserungsanstalt Nickel Academy gesperrt.


    Die Nickel Academy ist ein grausamer und schrecklicher Ort, an dem strickte Rassentrennung herrscht. Weiße Insassen und Wärtern missbrauchen die Schwarzen, betiteln sie als „Lebewesen zweite Klasse”, peinigen sie und lassen sie spüren, dass sie alles andere als willkommen sind.

    Elwood, ein glühender Anhänger Martin Luther Kings, versucht alles, um die Zeit dort eingermaßen ungeschoren und heil zu verbringen ...

     Unaufgeregt, nüchten und sachlich – und deshalb so unglaublich tiefgehend und schockierend. Diese Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit und deckt ein furchtbares Verbrechen auf. Colson Whitehead berichtet schonungslos und offen vom tief verwurzelten Rassismus in der amerikanischen Geschichte. Absolute Leseempfehlung!!!

  8. Cover des Buches Königskinder (ISBN: 9783446260092)
    Alex Capus

    Königskinder

     (164)
    Aktuelle Rezension von: Lese_Lisel

    Max und Tina werden auf der Strasse über den Jaunpass eingeschneit und müssen die Nacht in ihrem roten Toyota Corolla verbringen. Nach einigen Kabbeleien über den Sinn und Unsinn von Scheibenwischern und ob Velohelme ein Scheidungsgrund sind oder nicht, nutzt Max die Zeit, um Tina eine Geschichte aus der Region zu erzählen...

    Die Französische Revolution steht kurz bevor, Aufbruch und Umbruch liegen in der Luft. Vorerst spürt Jakob, ein junger Kuhhirte aus dem Greyerzerland, jedoch noch nichts davon. Alleine und abgeschieden von der Welt hütet er den Sommer über die Kühe auf seiner Alp. Beim Viehtrieb ins Dorf geschieht es dann, und er und die Bauerntochter Marie verlieben sich - offenbar unsterblich - ineinander. Maries Vater allerdings will nicht nichts von dem Verehrer seiner Tochter wissen und verfolgt Jakob, worauf dieser sich in den Kriegsdienst flüchtet...

    Als Jakob nach vielen Jahren zurückkehrt, schnappt er sich kurzerhand seine Marie gegen den Willen des Vaters und verbringt den Winter mit ihr in seiner Alphütte. Doch die Schwester des Louis XI braucht für ihren Spielzeugbauernhof in Versailles einen echten Kuhhirten, und so wird Jakob nach Versailles eingezogen und muss seine Marie im Greyerzerland lassen... Neben der Liebesgeschichte um Jakob und Marie serviert uns Capus viel Weltgeschichte und Atmosphäre, wobei ihm das Ausmalen von gruseligen Details besonderen Spass zu machen scheint. Wie es mit den beiden weitergeht, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: die Geschichte beruht auf wahren Gegebenheiten. Ein paar Links dazu ganz am Schluss.

    Capus schafft es wunderbar, uns in den roten Toyota Corolla zu holen und ihm in dieser kalten Winternacht zuzuhören. Die Geschichte von Jakob und Marie wird immer wieder durch Dialoge von Max und Tina unterbrochen, in denen sie über die Geschichte diskutieren. Dies und die Art, wie Capus im wahrsten Sinne des Wortes erzählt, geben der Geschichte ihre ganz besondere Note. Ich bin mir immer bewusst, dass ich hier eine erzählte Geschichte lese. Ich lese nicht die Geschichte von Jakob und Marie, sondern die Geschichte, wie Max seiner Tina die Geschichte von Jakob und Marie erzählt. Das ist einerseits wirklich gut gemacht und gibt dem Buch einen ganz eigenen Charme. Andererseits aber konnte ich dadurch nicht so tief zu Jakob und Marie vordringen. Meine Emotionen hielten sich in Grenzen, ich blieb gewissermassen auf Distanz. Ganz klar, es geht nicht beides (siehe Karolinas Töchter)! Sonst wäre die Rahmenhandlung unglaubwürdig geworden. Trotzdem hat mich diese eher emotionsarme Erzählweise teilweise auch ein wenig gestört, so sehr ich das Setting und die Rahmenhandlung schätzte!

    Also wer bei Takis Würgers Stellaeinen emotionslose Erzählweise bemängelt (was ich dort gar nicht so empfunden habe!), der müsste dies eigentlich auch bei Königskinder bemängeln. Seltsamerweise habe ich aber nie etwas derartiges gelesen. (Ja, ich finde Stella ein gute Buch, und nein, ich wurde nicht vom Hanser Verlag bestochen).

    Fazit

    Wie auch immer: alles in allem ein toller Lesegenuss von einem wundervollen Autor. Die Geschichte kommt aber nie und nimmer an Leon und Louise heran. Aber ich schätze Capus' Schreibweise so sehr, dass mir die Geschichte eigentlich schon fast egal ist. Es ist einfach immer schön, seine sympathische Art zu spüren!

    Ach ja, etwas muss ich noch loswerden: Das Cover ist zwar nicht hässlich, aber total unpassend!!! Ein Paar an einem endlosen Strand für ein Buch, das in den Alpen und in Versailles während der Französischen Revolution spielt - was soll das denn bitte?

  9. Cover des Buches Das Licht (ISBN: 9783446261648)
    T. C. Boyle

    Das Licht

     (96)
    Aktuelle Rezension von: mariameerhaba

    Es ist der Stil, der dieses Buch so besonders gut macht. Ich liebe es, wie er mit der Sprache umgeht mit kurzen Sätzen, mit einer gewissen Hektik darin, die einen nicht stört, weil der Stil den Leser mitzieht und dafür sorgt, dass man nicht nur die Figuren kennt, sondern zu den Figuren wird.

    Das Buch ist nicht eines dieser Drogengeschichten, die mit Farben zu punkten versuchen oder ein miserables Leben zur Schau stellen, sondern es beginnt langsam, zeigt uns den Effekt von LSD, nicht alles, zumindest eine Ahnung davon, und sorgt dann Schritt für Schritt dafür, dass die Figur von einem Wissenschaftler zu einem Junkie mit Diplom mutiert.

    Ich bin von der Sprache begeistert, der Wortgewandtheit des Autoren, der gerade aus einer langweiligen Geschichten etwas so Großartiges kreiert hat. Im Laufe der Handlung tauchen viele Fragen, bei denen ich mich gefragt habe, wie der Autor gedenkt, diese zu beantwortet. Er tut es nicht, was nicht raffiniert ist, sondern einfach nur blöd. Vor allem das Ende ist weit offen für jegliche Interpretation, was ich nicht ausstehen kann. Wieso schließt der Autor nicht einfach die Geschichte ab? Es wirkte für mich so, als wäre Boyle am Schluss die Puste ausgegangen und er hätte einfach beschlossen, die Geschichte so zu beenden.

    Trotzdem habe ich es gern gelesen. T.C. Boyle ist definitiv einer meiner Lieblingsautoren.

  10. Cover des Buches Vater unser (ISBN: 9783446262591)
    Angela Lehner

    Vater unser

     (96)
    Aktuelle Rezension von: Rinoa

    Eva Gruber wird von der Polizei in die psychiatrische Abteilung des Wiener Spitals gebracht. Dort spricht sie mit Doktor Korb über ihr Leben, die Eltern, ihren Bruder Bernhard und die Umstände, die sie hergebracht haben. Doch kann man Eva und ihrer Wahrnehmung überhaupt trauen? Oder ist vielleicht doch alles ganz anders?

    Zunächst einmal ist „Vater unser“ wirklich super geschrieben und gut zu lesen, der Sprachstil ist rasant und modern. Eva ist ichbezogen und besserwisserisch, doch sie erzählt – oder besser gesagt: monologisiert – auch mit einem Augenzwinkern und lässt hier und da einen gewissen Humor aufblitzen, so dass die knapp 300 Seiten wirklich nur so dahingeflogen sind.

    Ich kann auch nicht sagen, dass die Lektüre nicht kurzweilig war oder ich mich nicht unterhalten gefühlt habe, aber sie hat mich doch ganz schön ratlos zurückgelassen.
    Am Ende waren es für meinen Geschmack zu viele Andeutungen und zu wenig Handfestes, so dass ich fast raten musste, was denn nun wirklich passiert ist (und bis heute nicht sicher bin, ob ich „richtig“ lag). Sicher von der Autorin so gewollt, aber leider nicht ganz mein Fall.

  11. Cover des Buches Ein wenig Leben (ISBN: 9783492308700)
    Hanya Yanagihara

    Ein wenig Leben

     (398)
    Aktuelle Rezension von: ingaburg

    Der Roman "Ein wenig Leben" von Hanya Yanagihara steht schon lange in meinem Bücherschrank und ich habe viel Widersprüchliches darüber gelesen. Nach den ersten 100 Seiten hat mich die Geschichte nicht mehr losgelassen und ich vermute, sie wird mich noch lange im Gedächtnis bleiben. 

     

    In dem Roman geht es um eine lebenslange Freundschaft zwischen vier Männern in New York, die sich am College kennengelernt haben. Jude St. Francis ist die tragische Figur im Zentrum der Gruppe – ein liebender und zugleich zerbrochener Mensch. Immer tiefer werden die Freunde in Judes schmerzhafte Welt hineingesogen, aber auch als Leser kann man sich dem Lesesog irgendwann nicht mehr entziehen. Eigentlich eine Geschichte über wahre Freundschaft und eine Freundschaft wie die von Jude und Wilhelm wünsche ich jedem von uns. Es ist aber auch eine Geschichte über sexuellen Missbrauch, Leid und Hoffnung, Scham, Kindheit, Vergangenheit, Gegenwart, Erwachsen- und Älterwerden, Verzeihen und all das macht das Buch so traurig und fesselnd. 

     

     

    Fazit: Ein Herzensbuch: hochemotional, berührend, besonders und wirklich lesenswert. 

    Eine riesen Empfehlung für alle, die erfahren wollen, wie nahe einem ein Buch gehen kann!
    Macht euch gefasst auf 960 Seiten Emotion.

  12. Cover des Buches Das Volk der Bäume (ISBN: 9783446262027)
    Hanya Yanagihara

    Das Volk der Bäume

     (67)
    Aktuelle Rezension von: lovelines

    >>Eine Expedition in einen Dschungel der Düsternis.<<

    „Das Volk der Bäume“ von Hanya Yanagihara – ein Buch, das mich wirklich sehr gespalten zurück lässt. Ich bin mir sehr bewusst, dass die Autorin viele sehr bewegen und begeistern konnte mit diesem Buch, jedoch tat ich mich mit diesem Buch unglaublich schwer...
    Zuerst einmal muss ich sagen, dass ich die Geschichte thematisch und mit all seinen Problematiken als wirklich höchst brisant und interessant empfand. Auch viele Bilder entstanden beim lesen für mich. Insbesondere konnten mich der Dschungel, die Insel mit all den Beschreibungen sehr begeistern! Nun aber zum Knackpunkt... während des Lesens hatte ich einfach das Gefühl, dass die Geschichte einfach nicht zum Punkt kommt, alles dümpelte so vor sich hin und dazu kamen dann teilweise gefühlt ewig lange Anmerkungen, die zwar mitunter interessant, für mich aber total störend im Bezug auf den Lesefluss waren.
    Für mich persönlich war dieses Buch wirklich ein Kampf, sehr anstrengend zu lesen und leider konnte es mir eher wenig geben...
    Interessant zu erwähnen wäre vielleicht noch, dass dieses Buch sich am Leben des US-amerikanischen Virologen und Nobelpreisträgers Daniel Carleton Gajdusek und an dem Missbrauchsskandal um ihn orientiert. So zeigt die Autorin mit diesem Roman einmal mehr auf, wie nah und in welch vermeidlich glanzvoller öffentlicher Erscheinung die Düsternis sich versteckt. 

  13. Cover des Buches Unter der Drachenwand (ISBN: 9783446258129)
    Arno Geiger

    Unter der Drachenwand

     (80)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    Mondsee in Österreich 1944. Nach mehr als vier Jahren Krieg treffen am Mondsee, der bislang vom Krieg verschont wurde, der traumatisierte Soldat Veit, die Lehrerin Margot, die mit ihrer Klasse aus Wien verschickt wurde und Margot mit ihrem Baby aufeinander. Es entwickelt sich das Leben in einer Idylle, die scheinbar vom Krieg verschont wurde. Nach und nach kommt aber immer mehr der Krieg ins Leben der Menschen und die Hoffnung auf ein siegreiches Ende des Krieges sind längst verflogen. Als Veit und Margot zusammenkommen und Veit jeden Tag fürchten muss wieder an die Front geschickt zu werden, bekommt das Idyll starke Risse und die Sehnsucht nach einem Leben ohne Krieg wird immer stärker. Diese Sehnsucht verzehrt die Menschen und die Hoffnungslosigkeit breitet sich aus.

    Dem Autor gelingt mit einer tollen Sprache und großer Stilistik ein wundervolles Buch über drei Menschen, die zerrissen sind vom Krieg und dessen Folgen, das vermeintliche Glück gefunden zu haben in einem kleinen Idyll, aber vom großen Krieg wieder eingeholt werden. Die Sehnsucht nach einem normalen Leben wird exzellent eingefangen und auch die Hoffnungslosigkeit des Krieges gelingt als Darstellung. Ein aufrüttelndes Buch, das mich überzeugt hat und daher eine klare Empfehlung.

  14. Cover des Buches Auf Erden sind wir kurz grandios (ISBN: 9783446263895)
    Ocean Vuong

    Auf Erden sind wir kurz grandios

     (107)
    Aktuelle Rezension von: Zeilentaenzer

    Darum gehts

    Ein langer Brief eines Sohnes an seine Mutter. Sie ist die Tochter eines amerikanischen Soldaten und einer vietnamesischen Bauerntochter. Lesen und schreiben kann sie nicht und spricht kaum Englisch. Sie verdient ihren Lebensunterhalt mit einem Nagelstudio. Ihr zierlicher Sohn ist ein Einzelgänger, der sich in einen amerikanischen Jungen verliebt. Er berichtet von den prügelnden Händen seiner Mutter, der kranken Oma und den Herausforderungen, die das Leben eines vietnamesischen Jungen in den Staaten so mit sich bringen.


    Meine Meinung

    Das sprachgewaltigste Buch, das ich bisher gelesen habe. Erschütternd brutal und zart zugleich beschreibt der Protagonist seine Kindheit und Jugend in Briefen an seine Mutter. Die intensiven Erinnerungen und tiefen Einblicke in sein Leben erschaffen sofort Bilder im Kopf eines jeden Lesers. Die Bandbreite an heftigen Themen könnte größer nicht sein. Die Geschichte wird getragen von ihren Emotionen und Metaphern. Die Sprache ist kunstvoll, ästhetisch und die große Stärke des Buches. Dass Vuong bereits für seine lyrischen Texte ausgezeichnet wurde, verwundert nicht. Inhaltlich keine leichte Kost und gleichsam wunderschön geschrieben. Der Autor springt in den Zeiten, ein Element, das hier bewusst eingesetzt wird. So verzichtet er auf chronologische Abläufe. Die autobiografischen Einflüsse sind klar erkennbar.


    Der Junge durchlebt eine schwierige Kindheit in ärmlichen Verhältnissen bei Mutter und Großmutter. Liebe und Schmerz liegen nah beieinander und prägen den Heranwachsenden auf vielen Ebenen. Er setzt sich mit seiner eigenen Sexualität auseinander und verliebt sich in den gleichaltrigen Trevor. Eine Verbindung zweier traumatisierter Jugendlicher, bei der ich nie ganz wusste, was sie dem Einzelnen bedeutete. Ocean Vuong lässt keine Situation aus und wagt sich auch an unangenehme Textstellen. Der poetische Schreibstil zieht sich durch das gesamte Buch und trägt die Geschichte auf eine sehr zärtliche Weise durch die Zeit. Er beschreibt die Folgen des vietnamesischen Krieges für seine Bewohner anhand des Lebens der Familie des Erzählers. Seine Mutter, geprägt von den schrecklichen Erfahrungen, liebt ihren Sohn und erhebt dennoch die Hand gegen ihn. Die Beziehung zwischen Mutter und Sohn geht nahe und lässt sich schwer einordnen.


    Wie ein langes Gedicht, so beschreiben viele Leser:innen ihre Eindrücke über »Auf Erden sind wir kurz grandios« und dem kann ich voll und ganz zustimmen. Eine Mutter-Sohn-Beziehung, schwankend zwischen Verbundenheit und Ablehnung, schonungslos erzählt. Den Platz im eigenen Leben suchend, muss der Junge viel Grausamkeit erfahren. Und trotz dieser Umstände gelingt es dem Schriftsteller auf grandiose Weise diese Wucht an Emotionen auf kompakten 272 Seiten unterzubringen und stets den Balanceakt zwischen Gnadenlosigkeit und Hingabe zu halten. In mir wird das Gelesene noch lange nachhallen und jeder Verfechter:in der Literatur sollte dieses Debüt von Vuong gelesen haben.


    Das Buch lebt vor allem von seiner sprachlichen Schönheit, die schon außergewöhnlich ist. Ich habe selten so viele Zitate aus nur einem Roman herausgeschrieben. Die Briefe, die der Protagonist seiner Mutter schreibt, sind authentisch und so lebendig, dass ich mir vorstellen kann, dass der Autor aus seinem eigenen Leben erzählt.


    Ich danke Randomhouse und btb für das Rezensionsexemplar.

  15. Cover des Buches Ellbogen (ISBN: 9783446254411)
    Fatma Aydemir

    Ellbogen

     (85)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    "Ellbogen" von Fatma Aydemir ist auch so ein ein Buch, das ich in zwei Tagen gelesen habe und das zwei Wochen später immer noch nachhallt. Hazal ist siebzehn Jahre alt, das Buch beginnt in Deutschland mit einem Lippenstift, den sie vergessen hat zu bezahlen und endet in Istanbul.  Sie und ihre Freundinnen haben alle unterschiedliche Anpassungsstrategien, um in Deutschland Fuß zu fassen, denn angekommen sind sie nicht, obwohl sie hier geboren sind. Doch dann passiert etwas, was die Polizei auf sie aufmerksam macht und Hazal setzt sich in die Türkei ab. Auch dort fällt es ihr nicht leicht, sich zurechtzufinden.

    Nach dem Lesen des Buchs sind mir vor allem die vielen verschiedenen Frauenfiguren im Kopf geblieben, ihre Versuche, sich innerhalb sexistischer Strukturen in Deutschland wie in der Türkei zu behaupten, der Grad, zu dem sie sich angepasst haben oder sich den Strukturen verweigern. Hazal eckt an, und das zu großen Teilen auch als junge Frau, die sich mit den Erwartungen der Gesellschaft auseinandersetzen muss und damit, welche davon sie für sich übernimmt.

  16. Cover des Buches Was Nina wusste (ISBN: 9783446267527)
    David Grossman

    Was Nina wusste

     (59)
    Aktuelle Rezension von: KataRaf

    Aus der Perspektive von Rafael wird die Geschichte um Eva, ihre Tochter und seine große Liebe Nina und die gemeinsame Tochter Gili erzählt.


    Vera, Kind einer wohlhabenden jüdisch - ungarischen Familie verliebte sich in den serbischen Offizier Miloš und erlebte mit ihm trotz der schweren Zeiten die schönsten Jahre ihres Lebens. Auch die Tochter Nina liebte ihren Vater sehr. Als dieser sich als vermeintlicher Stalinist in politischer Gefangenschaft das Leben nahm, wurde Vera von der Geheimpolizei aufgesucht und vor eine ungeheuerlich Wahl gestellt. Entweder sie unterschreibt, dass ihr geliebter Miloš ein Stalinist und Verräter war, oder sie kommt auf die berüchtigte Gefangeneninsel Goli Otok und ihre 6jährige Tochter Nina landet auf der Straße. Ohne zu zögern wählt Vera zweites, unfähig ihren geliebten Mann zu schänden, zerstört sie damit die Kindheit und das Leben ihrer Tochter, die rastlos, wütend durch die Welt zieht, sich missbrauchen und misshandeln lässt, unfähig ist Bindungen einzugehen, unfähig ist, ihrer Tochter Gili eine verfügbare Mutter zu sein. 


    An ihrem 90sten Geburtstag entscheiden Rafael und die drei Frauen nach Goli Otok zu fahren und einen Film zu drehen. Die Geschichte ist schnell erzählt, was sie vielschichtig macht ist die Frage der Auswirkungen und Gedanken zu den Erlebnissen und Entscheidungen. Wir werden auf uns zurück geworfen, was richtig oder falsch ist. 


    Der israelische Autor David Grossman hat die Geschichte von Eva Panić-Nahir genommen und ihr mit Was Nina wusste ein Denkmal gesetzt. Was Nina wusste ist emotional erzählt, poetisch, entrückt, romantisch und hart.


    David Grossman - Was Nina wusste 

    Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer

    Carl Hanser Verlagsgruppe @hanserliteratur 2020



    Ich empfehle sehr die Dokumentationen zu der Eva Panić-Nahir zu schauen, aber damit euch nicht ähnliches wie mir passiert, rate ich dazu, sie erst nach dem Auslesen des Romans zu schauen. 

    Das letzte drittes des Buches habe ich mir selbst vermasselt, begann ich während der Lektüre an einem Abend auf YouTube die Dokumentationen zu Eva Panić-Nahir anzuschauen, sie, ihre Tochter Tiana und Enkeltochter zu erleben und ihre Geschichte zu erfahren. 

    "EVA" von Macabit Abramson und Avner  Faingulernt zeigt sie auf der Reise in die Heimatstadt und nach Goli Otok, sehr nahe und intensiv zeigen sich die Abgründe und Konflikte zwischen Eva und Tiana. Auch wenn Eva eine einnehmend Aura ausstrahlt, Tiana eine wahnsinnige Wut und Haltlosigkeit. So glamourös, wie im Buch sind sie nicht. In der Dokumentation Goli Život von Danilo Kiš aus den 80er Jahren beeindruckt Eva und zeigt, wie sehr sie die Aufmerksamkeit des berühmten Schriftstellers genießt, was mir auch etwas aufstieß. 

    Nach den Dokumentationen empfand ich die für Fiktion völlig legitimen Hinzudichtungen von Grossmann als zu dick aufgetragen und wahrte eine Distanz, die ich nicht mehr zu überwinden mochte. 


  17. Cover des Buches Das Evangelium der Aale (ISBN: 9783446265844)
    Patrik Svensson

    Das Evangelium der Aale

     (101)
    Aktuelle Rezension von: _blaetterrauschen_

     Wer hätte gedacht, dass ich mal von einem schlangenartigen Wesen, das im Wasser lebt, so fasziniert sein könnte? Vermutlich denken das die meisten Menschen.... Genial verwebt Svensson hier seine eigene Geschichte, die retrospektiv erzählt wird - mit der Geschichte der Aale. Über das Verhältnis zu seinem Vater, die Natur und das Leben - und über die Aalfrage,das Mysterium, der unerforschte Fisch. Von den Anfängen der Forschung Aristoteles' , über Sigmund Freud bis zu Johannes Schmidt und noch einigen Forschern mehr, mit ihren Theorien woher der Aal kommt, wo er lebt, wie er sich fortpflanzt, wie er wissen kann, dass es nun an der Zeit ist zurückzukehren - bis zu heutigen Ergebnissen. Mega interessant! Die Atmosphäre während Svenssons Kindheit  ist so angenehm. Sowohl die Naturbeschreibungen,  die Angelvorgänge und das relativ wortlose, aber doch innige Verhältnis zu seinem Vater. Die gut recherchierten Fakten, gepaart mit den Erinnerungen, die so gut zu einer Geschichte zusammenfließen,  haben mich wirklich beeindruckt. Überhaupt nicht langweilig, sondern spannend und teilweise sehr poetisch. Die philosophischen Ansätze und Vergleiche der Aale zum eigenen Leben haben mich sehr überzeugt. Also, absolute Leseempfehlung,  auch wenn du dich nicht für den Aal interessierst - spätestens nach den ersten Seiten bist du so neugierig, dass du es in einem Rutsch weglesen wirst. Denn das was uns neugierig macht und über das wir immer mehr und mehr wissen wollen, ist das, was eben nicht endgültig erforscht ist, über das wir eben nicht alles wissen,oder wissen können - und mit Mythen belegt ist.

  18. Cover des Buches Was wir sind (ISBN: 9783446265639)
    Anna Hope

    Was wir sind

     (91)
    Aktuelle Rezension von: Simone_081

    Ich habe dieses Buch nicht zu Ende gelesen, weil ich es irgendwann nicht mehr aushalten konnte.

    Die Autorin scheint davon auszugehen, dass sich das Leben aller Frauen um Kinderwunsch bzw. Kinderkriegen, Beziehungen und Ausgehen mit Freundinnen dreht. So oberflächlich sind wir doch nicht! Diese stereotypische Darstellung der Frau ist mir auf die Nerven gegangen, da es in meinem Leben mehr gibt als oben genannte Themen, die jedoch die Leitmotive dieses Romans sind.

    Ein typischer Frauenroman also, der allerdings ein bisschen "tiefgründiger" verpackt wurde.

    Ich würde dieses Buch nur solchen Frauen empfehlen, die sich gerade selbst mit dem Thema Kinder und Mutterschaft auseinandersetzen und auch vor Klischees nicht zurückschrecken.

  19. Cover des Buches Weit weg von Verona (ISBN: 9783446260405)
    Jane Gardam

    Weit weg von Verona

     (81)
    Aktuelle Rezension von: buechernarr

    Dieser Coming-of-age Roman wurde schon 1971 veröffentlicht wurde, aber erst spät ins Deutsche übersetzt wurde (2018), nachdem Jane Gardam, die Autorin, es hierzulande mit ihrem Werk zu einiger Berühmtheit gebracht hat.  

    Protagonistin dieses Romans ist Jessica, die in dem kleinen Küstendorf, in dem sie lebt, so einige Probleme hat, dazuzugehören. Sie hat kaum Freunde in der Schule („Ich bin nicht besonders beliebt. Manche mögen mich sogar ausdrücklich nicht. Also, um es ehrlich zu sagen, ziemlich viele Leute können mich absolut nicht leiden.“ S.16) weil sie etwas speziell ist und sich viele Gedanken macht, die ihre Mitschülerinnen nicht nachvollziehen können. Dass sie die Angewohnheit hat, immer und überall die Wahrheit zu sagen – und auch alles, was ihr so durch den Kopf schießt - hilft ihrer Beliebtheit auch nicht. Jessica selber scheint das mal mehr und mal weniger zu stören, hat sie doch eigentlich sowieso besseres zu tun: Sie möchte Schriftstellerin werden.

    Der Roman ist aus der Sicht von Jessica selber erzählt, was dazu führt, dass es irgendwie keinen richtigen roten Faden in der Geschichte gibt. Die Ereignisse werden etwas willkürlich aneinandergehängt und der Erzählstil ist, ganz klischeehaft für ein junges Mädchen, recht flatterhaft. Die Beschreibungen und Beobachtungen der Lebenswelt, der Mitmenschen und der Probleme mit dem Heranwachsen sind aber sehr bildlich und eindrücklich beschrieben. Jessica ist eine ganz besondere Protagonistin, weil ihr Blick auf die Welt zwar einerseits noch kindlich-naiv ist, andererseits durch einen hintergründigen Witz besticht, der ihr so manche Torheit verzeihen lässt. Am besten hat mir gefallen, wie der Alltag des Krieges in die Geschichte miteingeflossen ist. Er war nie alles beherrschendes Thema, sondern immer unterschwellig da (die Kinder singen Abzählreime über Hitler, Jessica muss überall ihre Gasmaske mitschleppen ect.). Jessica selbst mochte ich als Protagonistin eigentlich ganz gern, manchmal ist sie allerdings ein wenig zu besserwisserisch und vorlaut um wirklich sympathisch zu sein. Alles in allem ein Roman, der viel Spaß macht beim Lesen aber wohl wenig „Nachhall“ bei mir haben wird.

  20. Cover des Buches Brüder (ISBN: 9783446264151)
    Jackie Thomae

    Brüder

     (48)
    Aktuelle Rezension von: KataRaf

    In Brüder erzählt Jackie Thomae von zwei Männern, die sich gegenseitig und ihren Vater Idris nicht kennen. Der Vater hat in der DDR Medizin studiert und ist in den Senegal zurückgekehrt. Die Brüder sind in der DDR aufgewachsen. Abgesehen von der Hautfarbe und der Leerstelle Vater sind sie sehr unterschiedlich. Subtil entdecken wir ihre Lebenswege und Gemeinsamkeiten. 


    Mick wächst mit seiner selbstbewußten Mutter auf, läuft mit, nimmt mit, was sich ihm bietet. Als er 15 Jahre alt ist, reist seine Mutter mit ihm nach Westberlin aus, wenige Jahre später fällt die Mauer. Mick lässt sich treiben, mag das Nachtleben, Musik und lässt sich von Delia verwöhnen. Treu ist er ihr nicht. Nach einem Unfall bei einem Soundcheck, feiert Mick die Jahrtausendwende im Krankenhaus. Delia wendet sich ab. Er gerät in eine Krise, die er durch Meditation und Achtsamkeit überwindet.


    Gabriel verliert seine Mutter und wächst bei den Großeltern auf. Er ist ehrgeizig, kontrolliert, bedacht, keine Klischees als Schwarzer zu erfüllen und lebt als Stararchitekt in London. Seine Frau Fleur und sein Sohn Albert hält er auf Distanz, bis ihm die Sicherungen durchknallen.


    Die Frage der Gemeinsamkeiten der beiden Brüder schwingt mit und regt zum Nachdenken an. Ich spoiler mal nicht, ob sich die Brüder begegnen, die Geschichten sich verbinden. 


    Thomae erzählt wunderbar leicht und klar, die Sprache und Atmosphäre ändert sich mit den Figuren. Sie werden aus der Innenperspektive und von außen erzählt, so dass Raum für Nähe und Abstand zu den Figuren entstehen kann. Race, Class, Gender und Herkunft sind Thema und Normalität , ohne sich Explizit machen zu müssen.


    @jackiethomae - Brüder btb Taschenbuch 2021 @btb_verlag @hanserberlin 


    Kritisches in den Kommentaren 

    Es hat den Reiz ausgemacht, dass es zwei getrennte Geschichten und Erzählstränge  gab, aber für mein Dafürhalten wurde es irgendwann zu viel an Informationen, Details, Blickwinkel. Der Wechsel zwischen Fleur und Gabriel ermüdete mich etwas.


  21. Cover des Buches Die Sommer (ISBN: 9783446267602)
    Ronya Othmann

    Die Sommer

     (90)
    Aktuelle Rezension von: Runenmädchen

    In Ronya Othmanns Roman geht es um die in Deutschland lebende Leyla und ihre Sommer, die sie mit ihren Eltern (zumeist) bei ihrer Familie väterlicherseits verbracht hat. Ihr Vater ist jesidischer Kurde, aufgewachsen im nördlichen Syrien. 

    Zunächst lernt man Leylas Familie in Syrien kennen und erfährt, welche Beziehungen sie untereinander pflegen. Eigentlich passiert nichts Besonderes, aber Leylas Familie ist sehr facettenreich und man kann als Leser einerseits sehr schnell die Verbundenheit innerhalb der Familie spüren (besonders das vertrauensvolle Verhältnis zwischen Leyla und ihrer Großmutter hat mich berührt) und andererseits selbst mit Leichtigkeit eine Verbindung zu den Figuren aufbauen. Ganz nebenbei lernt man zudem etwas über den jesidischen Glauben. 

    Im fortgeschrittenen Teil des Buches wird es kurz historisch und schließlich politisch. Der Schwerpunkt wurde hier auf die Entstehung und den Fortgang des Syrienkriegs gelegt. Der Krieg an sich wurde eher rudimentär behandelt: Es wurde vielmehr vorrangig Bezug auf Leylas Familie genommen, inwieweit sie unmittelbar betroffen waren und welche Folgen das für die Familie hatte. Diese gewählte Perspektive in Bezug auf den Syrienkrieg wirkte sich positiv auf den Roman aus. 

    Ronya Othmann hat einen ruhigen Schreibstil, was ich generell sehr schätze. Sie hält viele Anekdoten bereit und springt in den Sommern respektive Zeiten hin und her. Die Anekdoten kann man demzufolge keinem genauen Jahr zuordnen. Dass die Geschichten und Sommer ineinander übergehen, fand ich persönlich sehr gut. Denn um die Chronologie geht es in diesem Roman nicht wirklich. 

    Zudem werden auch schwerwiegende Themen wie Mord, Folter und Staatenlosigkeit behandelt, was dem Roman eine gewisse Tiefe verleiht.

    Insbesondere möchte ich hervorheben, dass mir die emphatische Herangehensweise der Autorin, wie sie die innere Zerrissenheit Leylas im letzten Abschnitt darstellte, ausgesprochen gut gefallen hat. Denn nicht zuletzt geht es bei Leyla um Zugehörigkeit, Heimatlosigkeit, Identität und um auszustehende Ängste. 

    Allerdings übe ich hier gleichzeitig auch Kritik aus. Leider ist es schwer, meine Kritik zu begründen ohne zu verraten, worum es geht. Nur soviel: Für die Folge von Leylas Zerrissenheit fehlen mir einfach gewisse weitere Parameter. Othmanns Intension verstehe ich sehr gut, aber sie hätte es meiner Ansicht nach nicht in dieser Kürze abhandeln sollen, da die Thematik wesentlich komplexer ist und so viel mehr Information braucht als das, was wir Leser über Leyla und ihre Familie wissen. 

    Ferner hätte ich gerne etwas über Leylas Mutter erfahren oder über die Ehe der Eltern, was auch für den zweiten Teil sinnvoll gewesen wäre. Dies war mir insgesamt zu blass. Außerdem wurde die Vergangenheit des Vaters im Ausland relativ ausführlich dargestellt. Hier fehlte mir der Kontrast zu seinen Erfahrungen in Deutschland. Denn auch dies ist einer der o.g. fehlenden Parameter. Das Buch ist ja nicht sonderlich lang, es hätte sich meiner Ansicht nach gewinnbringend ausgewirkt. 


    Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn es nicht perfekt war. Ich kann es trotz meiner negativen Kritik absolut empfehlen und denke, dass das Buch zu Unrecht so wenig Aufmerksamkeit erhält.

  22. Cover des Buches Wir haben Raketen geangelt (ISBN: 9783423144742)
    Karen Köhler

    Wir haben Raketen geangelt

     (95)
    Aktuelle Rezension von: Elenchen_h

    "Wir haben Raketen geangelt" ist eine Sammlung an Erzählungen von Karen Köhler. Sie alle haben gemeinsam, dass in den Leben der Protagonist*innen etwas zerbrochen ist - sei das nun durch eine Krankheit, den Verlust eines geliebten Menschen oder sexualisierte Gewalt. Besonders ist, wie Karen Köhler ihre Charaktere mit diesem Zerbrochen-Sein umgehen lässt. Die Geschichten habe alle etwas von einer fröhlichen Melancholie, in allen steckt trotz der Trauer auch etwas Leichtes.


    Wie das so häufig bei Erzählbänden beziehungsweise Sammlungen von Kurzgeschichten ist, haben mich nicht alle gleichermaßen berührt und begeistert. Einige fand ich so gut, dass ich das Buch erst mal zur Seite legen musste, um über den Inhalt nachzudenken, andere waren zwar ganz schön, haben mich aber nicht weiter beschäftigt. Im Gesamten gesehen ist "Wir haben Raketen geangelt" für mich aber trotzdem eine der besten Kurzgeschichtensammlungen, die ich bisher gelesen habe, gerade auch wegen der Abwechslungsreichen Erzählweise und der wirklich schönen Aufmachung des Buches. Zudem entführt Karen Köhler die Lesenden in die verschiedensten Winkel unserer Erde: vom Death Valley über ein kleines sizilianisches Dorf bis hin zum Kreuzfahrtschiff ist alles dabei.


    Ich finde, die Geschichten machen Mut, gehen aber auch auf höchst sensible Weise mit den Schicksalen der Personen im Buch um. Von mir gibt es eine Empfehlung!

  23. Cover des Buches Die Gespenster von Demmin (ISBN: 9783446267848)
    Verena Keßler

    Die Gespenster von Demmin

     (44)
    Aktuelle Rezension von: secretworldofbooks

    Die fünfzehnjährige Larissa, von allen nur "Larry" genannt, lebt in Demmin. Ein Grauer, öder Ort. Diese Tristess zieht sie runter. So übt sie immer wieder für ihren Traumberuf einer Kriegsreporterin. Körperliche Strapazen muss sie aushalten. So hängt sie minutenlang im Apfelbaum kopfüber. Beobachtet von ihrer Nachbarin Fr. Dohlig. Diese wird bei diesen Anblick immer an früher erinnert. Dort hing schon einmal jemand. Die alte Kastner. So schweift sie mit ihren Gedanken ab. Erinnert sich an früher, an den Massenselbstmord als die Russen kamen.... 

    Verena Keßler gelingt es wunderbar das trostlose Heute mit dem Aussichtslosen von Damals zu verbinden. Beide Hauptcharaktere haben auf dem ersten Blick nichts gemeinsam. Außer die Suche nach dem Ausweg aus dieser Trostlosigkeit, von der sie umgeben sind. 

  24. Cover des Buches Kriegslicht (ISBN: 9783446259997)
    Michael Ondaatje

    Kriegslicht

     (38)
    Aktuelle Rezension von: buchstabenwald

    Irgendwie hatte ich im Dezember bist jetzt kein gutes Händchen für Bücher. Und dieses Buch meiner Klassiker-Challenge reißt das Ruder leider auch nicht gerade herum. 

    Nicht wegen einem schlechten Schreibstil oder uninteressanten Figuren, sondern einfach weil dieses Buch so uneeeeeeeeendlich langweilig war.

    Es geht um Nathaniel, der in der Nachkriegszeit aufgewachsen ist, und nun als erwachsener Mann seine Jugend revue passieren lässt. Diese war stark durch seine Mutter geprägt, die eine Spionin im kalten Krieg war. Hört sich nicht so unspannend an, oder? Hahaha.

    Die Geschichten und die Eindrücke, die Nathaniel aus seiner Jugend erzählt, sind an sich sehr interessant. Der Alltag von Kindern, die von Agenten beaufsichtig werden, wodurch man einen Einblick in deren Hintergrundarbeiten aus den Augen eines Jugendlichen bekommt, war spannend. Nur die Umsetzung so dermaßen metaphorisch und ohne Tiefgang daher geschwafelt, dass ich mich lieber nicht weiter darüber auslasse, weil ich sonst echt bösartig wirke. 

    Das Buch hat keinen Höhepunkt, es geht um nichts. Man erfährt im Endeffekt nichts, was man nicht auch vom Klappentext schon weiß. Es gibt keine wirkliche Handlung, sondern nur eine Aneinanderreihung von Beobachtungen… die an sich nicht uninteressant sind, aber so zusammenhangslos. Das ganze Buch wirkt wie ein großer Lückenfüller. Man wartet ständig nur, dass etwas passiert, bis man auf einmal bei der Danksagung ankommt. 

    In den wenigen Momenten, an denen wirklich etwas Tiefgründiges passiert, wo man endlich einmal erahnen kann, wie es mit einer Spionin als Mutter ist, die waren so zerpflückt geschrieben, dass jeglicher Spannungsbogen die Konsistenz einer 30 min Spagetti hatte.  

    Also: Leider nein. Und mir tut das ehrlich leid, denn ich habe das Gefühl, der Autor hängt da mit seinem Herzblut darin. Aber für mich ist das leider nichts.

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