Bücher mit dem Tag "hard boiled"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "hard boiled" gekennzeichnet haben.

36 Bücher

  1. Cover des Buches Freak City / Hexenkessel (ISBN: 9783746779751)
    Martin Krist

    Freak City / Hexenkessel

     (51)
    Aktuelle Rezension von: EmilyTodd

    Das Buch überraschte mich zunächst mit zwei Handlungssträngen, die nicht auf den ersten Blick miteinander verknüpft waren. Innerhalb der Kapitel wechseln die Perspektive hin und her und meist vor jedem Wechsel mit einem miesen kleinen mitreißenden Cliffhanger. Dadurch entpuppte sich dieser Thriller von Martin Krist als ein absoluter Pageturner. Diese Paarung ließ mich quase nur so durch die Geschichte fliegen.
    Freak City: Hexenkessel von Martin Krist enthällt alle Facetten die ein Thrillers nach amerikanischen Stil braucht und erzählt dies alles auf gerade mal knapp über 200 Seiten. Ein düster und fieser wirkender Anti-Held. Verschlagene Polisten und FBI Agenten. Bedrohungen und Drohungen. Panik, Angst und heiße Hitze New Yorks.
    Bei Martin Krist ist kein Wort überflüssig, kein Satz zu viel und kein Handlungsstrang sinnlos. Eben ein Autor der weiß wie man schreibt und seine Leser perfekt unterhält.
    Hexenkessel ist der Auftakt einer Thriller Serie und deswegen erscheinen einige Punkte vielleicht noch etwas blass und nicht auserzählt. Aber mich machen diese Punkte nur neugierig und scharf auf mehr. Ich bin sehr gespannt darauf wie es weiter gehen wird.

    Ich vergebe gerne 4 Sterne für diese sehr guten Auftakt einer vielsprechenden Thriller Reihe.

  2. Cover des Buches Der katholische Bulle (ISBN: 9783518465233)
    Adrian McKinty

    Der katholische Bulle

     (87)
    Aktuelle Rezension von: Zahirah

    Gekonnt gelingt es dem Autor Zeitgeschichte der 1980er Jahre in Belfast mit einem raffinierten Krimiplot zu verknüpfen. Getragen wird das Ganze durch seinen Hauptprotagonisten Sean Duffy, der katholische Bulle. Dieser kommt nicht ohne Makel daher, besitzt aber Moral, Tatkraft und ist durchaus stur und verbissen, wenn es darum geht seinen polizeilichen Pflichten nachzukommen. In seinem ersten Fall ermittelt Duffy in alle Richtungen (wortwörtlich), was nicht jedem gefällt. Immer wieder werden ihm Steine in den Weg gelegt. Aber er bleibt hartnäckig. Die Darstellung der politisch motivierten Zustände (Straßenschlachten etc.) verbindet McKinty geschickt mit dem Berufsalltag seiner Hauptfigur, und bringt dem Leser so nicht nur die aufgeladene Atmosphäre sondern auch den Charakter des Sean Duffy näher. Kurzum: Dies ist ein gesellschaftskritischer historischer Roman mit Krimiplot und einem sympathischen Hauptprotagonisten. Mir hat der Roman/Krimi sehr gut gefallen und möchte eine absolute Leseempfehlung aussprechen und vergebe für das Buch 5 von 5 Sterne.

  3. Cover des Buches Spademan (ISBN: 9783453268883)
    Adam Sternbergh

    Spademan

     (45)
    Aktuelle Rezension von: KruemelGizmo

    Spademan war ein Müllmann, vor der Bombe, die den Time Square verwüstete und seine Frau tötete. Nun ist Spademan ein Auftragskiller, er braucht nur einen Namen und das Geld, an der Geschichte dahinter ist er nicht interessiert. Er tötet Männer und Frauen, aber keine Kinder. Nur Psychopathen töten Kinder. Bei seinem neuesten Auftrag bekommt Spademan ein Problem, das Opfer ist die Tochter des mächtigsten Predigers des Landes, volljährig aber schwanger…

     

    Spademan stammt aus der Feder von Adam Sternbergh

     

    In einem futuristischen und zerstörten New York lebt Spademan, ein ehemaliger Müllmann, der nun als Auftragskiller arbeitet. Er hat seine Grundsätze er tötet keine Kinder, was bei seinem nächsten Auftrag zum Problem wird, denn sein Opfer ist schwanger und auch ungeborene Kinder tötet er nicht.

     

    Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive erzählt und obwohl auch wörtliche Rede vorkommt wird diese nicht durch Anführungszeichen kenntlich gemacht, was am Anfang ein wenig ungewohnt war beim Lesen auch an den trockenen und nüchternen Stil musste ich mich ein paar Seiten lang dran gewöhnen.

     

    Spademan hat seinen eigenen moralischen Kompass, dem er folgt. Menschen sind ihm eigentlich egal, New York mag er auch nicht, und erst nach und nach erfährt man als Leser warum er so geworden ist und was in New York alles passiert ist.

     

    Die Geschichte selbst empfand ich nicht übermäßig spannend, denn bei der Konstellation der Protagonisten war für mich der eigentliche Ausgang schon sehr vorhersehbar. Das Setting, Spademan als Persönlichkeit und die ein oder andere Idee des futuristischen Lebens in New York war interessant gestaltet und unterhaltsam zu lesen.

     

    Mein Fazit:

    Eine unterhaltsame Geschichte mit einem ganz eigenen Stil und einem ungewöhnlichen Protagonisten

  4. Cover des Buches Der lange Abschied (ISBN: 9783257202076)
    Raymond Chandler

    Der lange Abschied

     (71)
    Aktuelle Rezension von: Harry_Robson

    Ich habe alle Raymond Chandler Romane gelesen und finde sie brilliant. Die Art seines Schreibens ist unnachahmlich und die Geschichten sind spannend, wendungsreich und machen auch nachdenklich. Ich kann fast alle Bücher von ihm empfehlen.

  5. Cover des Buches Kings of Cool (ISBN: 9783518464885)
    Don Winslow

    Kings of Cool

     (122)
    Aktuelle Rezension von: NickiBorell

    Das ist echt mal etwas anderes. Die Story an sich nicht mal, aber der Schreibstil. Eine Kombination aus Belletristik und harter Sprache.

  6. Cover des Buches Der dünne Mann (ISBN: 9783257240757)
    Dashiell Hammett

    Der dünne Mann

     (29)
    Aktuelle Rezension von: TheSaint
    Nach Vollendung des Romans "The Glass Key" 1931 hielt die Alkoholabhängigkeit Hammett drei Jahre lang fest im Griff, ehe er 1934 seinen letzten Roman "The Thin Man" veröffentlichen konnte.

    Die Hauptpersonen dieses Romans sind das recht trinkfeste Ehepaar Nick und Nora Charles, die Weihnachten in New York verbringen. In einem Lokal wird Nick, der einst ein Detektiv war und sich seit seiner Verehelichung nur noch um das Vermögen seiner Ehefrau kümmert, von der Tochter des Erfinders Clyde Wynant's angesprochen und gebeten, ihr bei der Suche nach ihrem verschwundenen Vater zu helfen...

    Die Suche wird eher widerwillig zwischen einzelnen Drinks der Protagoniosten zu den verschiedensten Tages- und Nachtzeiten aufgenommen und führen Nick und Nora zu recht schrulligen und schrägen Charakteren, die so ihre Schwierigkeiten mit Wahrnehmung, Wahrheitsfindung und Wahrheit haben.
    Dieses Hin und Her zwischen verschiedenen Wohnungen, Lokalen und anderen Locations und die Diskussion über wahre und falsche Spuren, Hinweise und echten Begebnissen beginnt aber irgendwann zu langweilen... lediglich das trinkfröhliche Ehepaar und die Kinder des verschwundenen Wynant begeistern durch ihre Spleens und Schrulligkeiten.

    Hammett's Schreibstil ist prägnant und sparsam. Seine Figuren sind sehr gut ausgearbeitet - auch der Fall um den verschwundenen Erfinder sowie die Auflösung.  Die einzelnen Szenen liefern auch Situationskomik und Kurzweil...

    Noch im Jahr des Erscheinens wurde der Roman in abgeänderter Form mit dem idealen Filmduo William Powell und Myrna Loy verfilmt - die Beiden haben das Ehepaar Charles perfekt auf die Leinwand übertragen. Bis heute kannte ich nur die Filme und nun nach dem Roman befinde ihre Darstellung getreu präsentiert. Der Film war so erfolgreich, dass es fünf Fortsetzungen gab...
    Bei den Fortsetzungen "After the Thin Man" und "Shadow of the Thin Man" schrieb Hammett sogar die Drehbücher.
  7. Cover des Buches Frankie Machine (ISBN: 9783426306598)
    Don Winslow

    Frankie Machine

     (82)
    Aktuelle Rezension von: POMFritz
    Geiler erster Satz:
    "Ich zu sein macht eine Menge Arbeit."
    Don Winslows "Tage der Toten" stand bloß auf der Spiegel-Bestsellerliste, während "Frankie Machine" für mich im Verdacht steht, einen Platz auf der ewigen Hitliste einzunehmen.
    Alles vorhanden:
    Fetzige und dennoch wohlüberlegte bildhafte Sprache statt im Krimibereich leider weitverbreitetes Gestammel. Ein raffinierter Plot, der funktioniert, ohne dass der Leser hinterher Kopfschmerzen kriegt, wie gelegentlich bei Mankell. Treibende Handlung, Tempo, unerwartete Wendepunkte. Perfekt ausgearbeitete Hauptfigur. Übergreifender gesellschaftlicher Hintergrund, der wieder einmal einen tiefen Schatten über die Verhältnisse in den USA legt.
    Ach so: Alternder ehemaliger Mafiakiller, der sich im Ruhestand glaubt, wird von seiner Vergangenheit eingeholt.
    Ab und zu erneut lesen, wenn einfach nichts Gutes zu finden ist!
  8. Cover des Buches ONE NIGHT STAN'S (ISBN: 9783958350182)
    Greg Sisco

    ONE NIGHT STAN'S

     (28)
    Aktuelle Rezension von: annlu

    Armer alter Tragic Jack. Er war nur der Erste von einem Dutzend Typen in Scud City, die bei Sonnenaufgang tot sein würden.

    Eine Nacht in Scud City: Der Besitzer der Tittenbar One Night Stans hat den Auftrag eine Geldübergabe zu manipulieren. Nur leider setzt er dazu ausgerechnet die Stripperin an, die sich daran aufgeilt, andere zu foltern. So kommen zwei betrunkene Collegestudenten in den Besitz des Geldes und damit mitten hinein in eine heiße, blutige Nacht, in der sich nicht nur die mächtigen Kriminellen und die Stripperinnen der Bar, sondern auch der ein oder andere Gesetzesvertreter im Stans wiederfinden. Eine skurrile Suche nach dem Geld folgt, die so manchen Toten hinterlässt.


    Unterteilt in viele kurze Kapitel wechselt die Geschichte zwischen einigen Charakteren. Schon der Beginn zeigt die Stripperin Ginger und bereitet den Leser auf das vor, was ihn im Buch erwartet. Der eigentliche Geldbote wird von der psychopathischen Ginger kurzerhand umgebracht, weil sie grad so in Fahrt ist. An Vulgarität, Brutalität und Sex mangelt es dabei nicht.

    Dermaßen vorgewarnt, war ich fand ich die Studenten Jeremy und Caleb trotz ihres betrunkenen Zustandes – und damit verbundenen Einschränkungen so mancher körperlichen Funktionen - fast schon unschuldig-naiv. Nach und nach wurden die restlichen Charaktere vorgestellt und fanden ihre Rolle in der Geschichte. Der schnelle Wechsel im Zusammenhang mit den blutigen Szenen hat mich an Anonymus „Das Buch ohne Namen“ erinnert. Wobei hier schneller klar wird, in welcher Verbindung die ganzen Personen zueinander stehen.

    Auf Grund der vulgären Sprüche und der knallharten Beschreibungen war ich ganz überrascht auf einige sehr sarkastische Stellen zu treffen, die unerwartet unauffällig und zurückhaltend waren, sodass ich sie fast überlesen hätte. Umso positiver kamen sie bei mir an.

    Fazit: Eine Nacht im Stans hat es in sich – wer sich am Rausschmeißer Russian Bob (von dem die Legende so einiges erzählt, das nichts Gutes verheißt) vorbeitraut, bekommt genau das, was man von einer Geschichte rund um eine Tittenbar erwartet: Sex, Drogen und so manchen blutigen Tod.

  9. Cover des Buches Ära des Verrats (ISBN: 9783750436275)
    S.D. Foik

    Ära des Verrats

     (15)
    Aktuelle Rezension von: AlexanderPreusse

    Als ich das Buch zum ersten Mal gesehen habe, war mir klar, dass ich es irgendwann lesen würde. Es hat Spaß gemacht und lässt mich gleichzeitig etwas irritiert zurück.

    Es gibt historische Ereignisse, die eine Epoche begründen, ohne dass es jemand mitbekommt. Der Wikinger-Überfall auf Lindisfarne im ausgehenden achten Jahrhundert zum Beispiel. Niemand hätte seinerzeit darauf gesetzt, dass dieses Ereignis prägend für die kommenden beiden Jahrhunderte sein würde - von notorischen Apokalyptikern einmal abgesehen, die jeden zerbrechenden Krug als unwiderlegbares Zeichen des nahen Armageddon auslegen.

    Ganz anders die Verkehrsflugzeuge am elften September 2001, die in New York in das WTC rasten.
    Den meisten Zeitgenossen war die Tragweite des Doppelattentats wohlbewusst. Wie sehr sich die USA danach veränderten, brachten in den folgenden Jahren mehrere Whistleblower ans Licht, vor allem aber: Edward Snowden.

    Seine Enthüllungen sind wie ein Echolot gewesen, die jedem vor Augen geführt hat, wie weit die USA in den Schatten abgedriftet waren. Die Bedeutung dessen, was Snowden geschickt dokumentierte und in die Öffentlichkeit entließ, ist quasi in Echtzeit rund um den Erdball spürbar gewesen. Eine einzelne Person erschüttert die gesamte Welt in kürzester Zeit.

    Der Roman "Ära des Verrats" setzt unmittelbar vor diesem Punkt an und lässt den Leser miterleben, wie mit atemberaubender Geschwindigkeit ein Verdacht eskaliert. Die Handlung, die Jagd auf Snowden,
    beschleunigt sich in gleichem Maße, wie das Bewusstsein darüber, was geschehen ist und was v.a. für die USA, aber auch ihre Gegner auf dem Spiel steht.

    Genreüblich kommt es zu Twists, der Titel des Romans bezieht sich keineswegs nur auf Snowden oder andere Whistleblower, Verrat wird auf ganz unterschiedlichen Ebenen geübt, bei den zunehmend verschwimmenden Grenzen verliert der Begriff an sich seine kalte, klare Schärfe.

    Die Perspektive ist sehr gut gewählt, denn sie schildert die Geschehnisse aus der Sicht derjenigen, deren Aufgabe es gewesen ist, das Debakel (aus us-amerikanischer Regierungssicht) zu verhindern. Eine mutige und sehr lobenswerte Entscheidung, weshalb der zweite Teil des Roman einen etwas irritierenden Fortgang nimmt.

    Mit der Übersiedlung der Handlung in die Ukraine und dem inhaltlichen Schwerpunkt der Maidan-Revolution verabschieden sich die Protagonisten überraschend weit in die Kulissen des Geschehens. Der Orts- und Themenwechsel ist selbstverständlich legitim, die Erzählung auf ihre Weise spannend, sehr informiert, gut geschrieben und kreativ strukturiert.

    Gern hätte ich noch mehr über die anfangs handelnden Personen erfahren. Es gibt Konflikte in der Gruppe, die auf unterschiedliche Weltsichten und (wahrscheinlich) Erfahrungen zurückzuführen sind. Bei Corrigan ist das nachvollziehbar, bei den anderen wäre das eine schöne Ergänzung gewesen. So liest man ab der Mitte faktisch einen neuen Roman mit neuem Erzählstil, der sich dem Thrill teilweise entzieht.

  10. Cover des Buches Der große Schlaf (ISBN: 9783257201321)
    Raymond Chandler

    Der große Schlaf

     (95)
    Aktuelle Rezension von: Sean

    Mit Philip Marlowe erfindet Raymond Chandler zwar nciht den Typus des hardboiled Detective, leifert abre einen der bekenntesten Vertreter dieser ermittler. Zynisch, abgebrüht, mit seinen eigenen Regeln und Moralvorstellungen. Der Fall selbst hat manchmal ein paar Lücken, Chandlers Schreibstil macht diese aber wieder wett.

    Wer auf Stereotypen allergisch reagiert, sollte den Krimi - und  die anderen der Hardboiled Detectives - aber meiden. 1939 erschienen, ist "Der große Schlaf" eine Ansammlung von Stereotypen, der gleichzeitig mithilft, ein neues Stereotyp zu erschaffen: Das des hartgesottenen Ermittlers.

  11. Cover des Buches Savages – Zeit des Zorns (ISBN: 9783518464892)
    Don Winslow

    Savages – Zeit des Zorns

     (109)
    Aktuelle Rezension von: turnthepage

    Auch wenn mich der Plot nicht sehr interessiert hat, ist das Buch sprachlich so fesselnd geschrieben, mit spannenden Figuren, dass ich es einfach fertig lesen musste, und es bleibt auch ein starkes Gefühl des Abenteuers zurück.

  12. Cover des Buches Der Preis (ISBN: 9783844250305)
    David Gray

    Der Preis

     (18)
    Aktuelle Rezension von: chrikri
    Milena Fanu ist zufrieden mit sich und ihrem Leben. Sie ist jung, attraktiv, hat einen guten Job bei einem großen Versicherungskonzern und gilt bei ihren Freunden und Kollegen gleichermaßen als beliebt. Doch am Vorabend des französischen Nationalfeiertags wird sie von zwei falschen Kriminalpolizisten in der Pariser Metro entführt und anschließend in einem schalldichten Raum einer raffinierten Psychofolter unterzogen, an der sie seelisch und körperlich zu zerbrechen droht.

    Der schreibstil gefällt mir sehr gut. Flüssig und detailliert. 
    Entführung, Folter und Befreiung ist realistisch beschrieben,  man könnte meinen das es tatsächlich so passiert ist. 
    Kopfkino war ständig auf "on" gestellt. Gänsehaut inklusive. Man war gezwungen weiter zu lesen. 

    Charaktere wurden super beschrieben. 
  13. Cover des Buches Kanakenblues (ISBN: 9783865324542)
    David Gray

    Kanakenblues

     (43)
    Aktuelle Rezension von: Elmar Huber

    Die alte Kaffeemaschine hatte sich ausgeröchelt. Boyle griff nach der Kanne und goss die dampfende Flüssigkeit in einen Porzellanbecher.
    „Morgen, Arschloch“, prostete er durchs Küchenfenster dem Plakat auf dem Bauzaun gegenüber zu. Das Plakat zeigte ihn selbst, wie er breit lächelnd dem Betrachter eine Polizeimarke entgegenstreckte. Darunter stand in großen, vertrauenerweckend blauen Lettern: „EINER VON UNS.“

    STORY
    Hauptkommissar Lewis Boyle von der Pressestelle der Polizei Hamburg wird zum Tatort eines Mordes gerufen. Der Sohn des Polizeipräsidenten Carl Stiller wurde erschossen, regelrecht hingerichtet. Stiller will Boyle unbedingt bei der Soko dabei haben, und versetzt ihn dafür kurzerhand zur Mordkommission. Stiller hat Beweise dafür, dass Boyle ein Jahr zuvor nicht nur eine Festnahme der Drogenabteilung hat platzen lassen, sondern auch, dass er das Koks, das als Köder dienen sollte, direkt aus der Asservatenkammer an einen Dealer verkauft hat. So glaubt er, etwas gegen den Beamten in der Hand zu haben, um ihn kontrollieren und ggf. die Ermittlungen lenken zu können.

    Zuvor am selben Tag erfährt der Bauarbeiter Younas davon, dass seine Tochter, die kurz vor dem Abitur steht, von vier jungen Männern vergewaltigt wurde. Auf den Druck seines Schwagers und seiner Ehefrau fasst er widerwillig den Plan, die vier Männer zu töten, die seiner Tochter eine vielversprechende Zukunft geraubt haben.

    „Wer immer meinen Sohn erschossen hat, müsste schon sehr viel Pech haben, wenn er dafür mehr als die üblichen zwölf bis fünfzehn Jahre kassiert. Aber zwölf bis fünfzehn Jahre Knast sind mit zu wenig. Das hat mein Junge nicht verdient.“

    MEINUNG
    Bereits einige Jahre zuvor hat David Gray den vorliegenden Roman unter dem Titel GLASHAUS in Eigenregie veröffentlicht. Als es zur Zusammenarbeit mit dem Pendragon Verlag kam, wurde das Buch dann zusammen mit den Lektoren wesentlich erweitert und einige Veränderungen vorgenommen. Es ist also komplett überarbeitet worden.“ Und KANAKENBLUES macht sich sehr gut im Programm des Bielefelder Verlages, der dem geneigten Leser vor allem für sein ausgesuchtes Programm moderner Krimis, wie z.B. auch für seine Robert B. Parker-Edition bekannt ist.

    Nach eigener Aussage wollte David Gray eine Geschichte schreiben, in der „jede Hauptfigur gute Gründe dafür hat, das strafrechtlich, bzw. moralisch verwerfliche zu tun“ (Interview auf http://wortgestalt-buchblog.blogspot.de). So wimmelt es in dem Roman von Grauzonen, keiner der Charaktere hat eine weiße Weste, jeder hat die eine oder andere Fehlbuchung auf seinem Konto. Sogar die Hauptfigur Lewis Boyle ist beileibe kein Saubermann, doch kommt man als normal tickender Leser mit ihm und dem, was ihn antreibt, noch am besten klar. So erklärt sich Boyles rechtliches Fehlverhalten immerhin aus Integrität zu denen, die ihm nahe stehen und richtet sich gegen jene, die ihm selbst ans Bein pissen wollen.

    Die Stärke des Autors besteht darin, seine Charaktere, nachdem sie einmal aufgestellt sind, wie Spielfiguren durch das Geschehen zu treiben, die ihre Handlungen und Entscheidungen nahezu vollständig durch äußere Umstände bestimmt. Überdies gelingt es ihm nicht nur, die Motivationen der Figuren klar heraus zu arbeiten, sondern diese auch für den Leser nachvollziehbar aufzubauen. Hüben wie drüben auf dem schmalen Grat der Gesetzestreue. Ganz dicht ist Gray dabei an seinen Personen dran, so dass der Leser gemeinsam mit den Protagonisten in einen Ereignisstrudel gesaugt wird, der einen erst ganz am Ende und ordentlich durchgekaut wieder ausspuckt. „Irgendwie wenigstens den Kopf über Wasser halten“, lautet die Devise. So kann man KANAKENBLUES – nicht zuletzt wegen des Handlungsortes Hamburg – ganz treffend als adrenalingetriebene Mischung der TATORTe mit Mehmet Kurtuluş und seinem Nachfolger Till Schweiger beschreiben.

    Im Groben besteht KANAKENBLUES aus zwei Handlungssträngen. Einerseits dem Weg des Soko-Ermittlers wider Willen, Lewis Boyle, der plötzlich unter dem enormen Druck steht, möglichst schnell den Mörder des Sohnes seines obersten Vorgesetzten zu finden und dabei auch noch mit seinem neuen Team klar kommen muss. Auf der anderen Seite dem Pfad des Rächers seiner Tochter Younas, der sein Handeln, zu dem ihn andere gedrängt haben, selbst nicht vollständig vor sich rechtfertigen kann. Doch einmal diesen Weg beschritten, gibt es für ihn auch kein Zurück mehr.

    Beide „Kontrahenten“ sind also nicht mit voller Überzeugung bei ihrer jeweiligen Sache und man könnte sich die beiden gut zusammen in einer Kneipe bei einem gemeinsamen Bier vorstellen.

    Im Gegensatz zur moralischen Unschärfe, die den Roman beherrscht, ist zu bemerken, dass der Handlungsverlauf sehr gut durchgeplant ist und die Geschichte zu keinem Zeitpunkt zu entgleisen droht. Möglicherweise kommt es KANAKENBLUES hier zugute, dass die Geschichte bereits einmal geschrieben und hierfür „nur“ professionell überarbeitet wurde.

    Ein zweiter Fall mit Lewis Boyle ist bereits in Arbeit.

    FAZIT
    Brillanter Hard Boiled Thriller aus Hamburg. Eine Tour de Force durch alle möglichen Grauzonen, die von vorneherein kein gutes Ende nehmen kann.

  14. Cover des Buches Der sichere Tod (ISBN: 9783518463437)
    Adrian McKinty

    Der sichere Tod

     (28)
    Aktuelle Rezension von: Eglfinger
    Die Bronx. Harlem. 2000 Morde pro Jahr. Und nicht gerade das, was der Ire Michael Forsythe sich von New York erhofft hat. Aber als Neuling in Darkey Whites Street Gang macht Michael sich gut. Bis er sich mit dessen Freundin einlässt – eigentlich sein Todesurteil. Doch Darkey hat Michael unterschätzt. Der Ire Michael Forsythe reist 19-jährig als Illegaler in die USA ein um als Handlanger in Darkey Whites mafiöser Organisation zu arbeiten. Er wird in Harlem in einem ungezieferverseuchtem Drecksloch einquartiert und wartet auf seine Chance. Als er endlich zur Tat schreiten kann, erweist er sich als skrupelloser Gewalttäter und es eröffnen sich große Chancen in Whites Mafia. Doch als er sich in die Geliebte seines Chefs, Bridget, verliebt, begeht er einen Riesenfehler. Auf einer Mexikoreise geht bei einem Drogendeal etwas schief und er landet in einem mexikanischen Gefängnis. Schnell stellt sich heraus, dass die Mexikoreise eine Falle war, von der Michael nicht lebendig zurückkommen soll. Doch Michael ist zäher als gedacht und die Rache, die er geschworen hat, sollen Michaels Gegner schon bald am eigenen Leib spüren. Michael wird vom Autor aber nicht nur als skrupelloser Gewalttäter oder gnadenloser Rächer dargestellt, sondern auch als literarisch kultiviert. Mit seinem literarischen Intellekt, gepaart mit Straßenweißheiten, treibt er seine Gangmitglieder immer wieder zur Weißglut, weil er sie spüren lässt, dass sie ihm intellektuell unterlegen sind. Und oft begibt er sich in Tagträume, die einem als Leser halluzinierend vorkommen, die ihm aber auf seiner Flucht von Mexiko vermutlich das Leben retten. Die Geschichte spielt im Jahr 1992, als in Irland noch der Bürgerkrieg vorhanden war, und bevor in New York der spätere Bürgermeister Giuliani mit seiner Nulltoleranzstrategie die Straßen von NY wieder sicherer machte. Es wird nicht auf damalige politische Ereignisse oder heute historisch wichtige Personen eingegangen, sondern sie handelt einfach nur von einem jungen Mann, der sich den Umständen seines Lebens anpasst und daraus versucht das Beste zu machen. Der Schreibstil des Autors ist ein wenig ungewöhnlich, weil die wörtliche Rede nicht hervorgehoben ist, aber das lässt die Geschichte noch intensiver wirken und man gewöhnt sich schnell daran. Woran man sich nicht so schnell gewöhnt, ist die detailbeschriebene Brutalität, aber auch die ist nötig, damit man als Leser ein authentisch Gefühl für das Milieu bekommt, in dem die Geschichte spielt. Ich gebe nur 4 von 5 Sternen, weil mir manchmal der Fortgang der Handlung ein wenig durchhängt.
  15. Cover des Buches Bobby Z (ISBN: 9783518462454)
    Don Winslow

    Bobby Z

     (44)
    Aktuelle Rezension von: P_Gandalf

    ... obwohl ich die Verfilmung bereits vor einiger Zeit gesehen habe.

    Bobby Z - erschienen 1997 - erzählt die Geschichte eines Pechvogels, der davon träumt einmal im Leben Glück zu haben und seinem Dasein zu entfliehen.

    Der Klappentext gibt den Inhalt des Buches recht gut wieder und soll hier nicht wiederholt werden.

    Ein typischer Winslow Roman. Keine lange Vorrede oder Einführung - er kommt sofort zur Sache. Die Geschichte ist temporeich geschrieben und nimmt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite mit. Die Rollen sind klar verteilt und man fiebert mit, ob Tim Kearney es schafft sich und den Sohn von Bobby Z zu retten. 

    Im Gegensatz zu einigen anderen Lesern mag ich den Schriebstil von Winslow sehr. Seine Romane sind spannend und hier legt er seinem Protagonisten manch zynisch, humorvollen Satz in den Mund.

    Fazit:

    Trotz seines Alters kein "altes Buch". Der Drogenkrieg an der mexikanischen/US-amerikanischen Grenze tobt heute genauso wie damals. Wer gute Krimi-Unterhaltung und nicht allzu viel Tiefgang erwartet, ist hier goldrichtig.

  16. Cover des Buches Jetzt und auf Erden (ISBN: B005G2C0DW)
    Jim Thompson

    Jetzt und auf Erden

     (5)
    Aktuelle Rezension von: PaulTemple
    Der Ich-Erzaehler James Dillon berichtet von seinem Leben in San Diego, Anfang der 1940er. Nach gescheiterten Versuchen als Schriftsteller schlaegt er sich, mittlerweile Alkoholiker, als Lagerarbeiter in einer Flugzeugwerft durchs Leben. Zuhause warten Frau, Mutter und drei Kinder, die von seinem kargen Lohn versorgt werden wollen...
    Dies klingt nun erst einmal nicht weiter spannend, sei da nicht der irrsinnige, psychologisch bestens analysierende Sprachstil Jim Thompsons, der kein Blatt vor dem Mund nimmt und brutal, detailliert und schonungslos das Leben - oder sagen wir besser das Dahinvegetieren - einer Arbeiterfamilie am Rand der Armut in den USA der 1940er beschreibt.

    Ausgesprochen lesenswert!!!
  17. Cover des Buches Den ersten Stein (ISBN: 9783423248181)
    Elliott Hall

    Den ersten Stein

     (5)
    Aktuelle Rezension von: rallus
    Das Szenario ist erschreckend: nach einer Atombombe auf Houston haben die fundamentalen Christen die Macht in den USA bekommen.
    Demzufolge haben die Minderheiten noch schwerer zu kämpfen, alle Zugeständnisse die sie in den letzten Jahrzehneten erkämpft haben, verlieren sie nach und nach in den trübsinnigen christlich-radikalen Bibelsumpf.
    Frauen müssen zurück an den Herd und die Kinder hüten, Schwule und Lesben verlassen lieber die USA ins noch freie Ausland.
    Medien sind reglementiert, die Reichen sind nur noch geduldet.
    Felix Strange, ein Privatdetektiv,  hat sich eine Krankheit im heiligen Krieg in Iran zugezogen und ist auf illegale Medizin angewiesen.
    Deshalb nimmt er einen zweifelhaften Auftrag entgegen, als ein heiliger Priester ermordet wird, er soll den Mörder finden.
    Mit seinen Recherchen sticht er in ein Wespennest von nicht geahnten Verbindungen.
    Ein klassischer Hardboiled Thriller, wo die Informationen nach und nach gereicht werden, der Held ist eher gehandicapt findet aber seine Bonnie, die zwar eine andere politische Meinung hat, Felix aber durchaus die Treue halten kann.
    Als Serie ausgelegt kann der erste Teil überzeugen, der Plot und die Sprache sind staubtrocken, der Witz mir teilweise etwas zu sandig.
    Auch sind die einzelnen Institutionen und deren Verbindungen nur angedeutet und das Verstehen wird durch die Verwirrtheit der unbekannten Begriffe etwas geschmälert.
    Ein etwas anderes Buch im Buchsektor was die Fans des Lonely Rangers überzeugen wird.
    Für mich knapp an 4 Sternen vorbei

  18. Cover des Buches N.Y.D. - Abserviert von zarter Hand (New York Detectives): Cassiopeiapress Spannung (ISBN: 9783739616193)
    A. F. Morland

    N.Y.D. - Abserviert von zarter Hand (New York Detectives): Cassiopeiapress Spannung

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Elmar Huber

    „Was Amanda ihm da anbot, war bestimmt kein leichter Job. Eine schwierige Aufgabe, Bilder im stolzen Wert von einer halben Million so zu sichern, dass es nicht einmal dem gerissensten Dieb in dieser Stadt möglich war, sich an ihnen zu vergreifen. New York war vollgeklebt mit netten Plakaten, die überall verkündeten, dass hier demnächst ein fantastischer Schatz zu holen sein würde. Eine schwierige Aufgabe. Sie reizte Bount Reiniger.“

    STORY
    Für den Millionär und Philanthropen Lui C. Carr soll der Privatdetektiv Bount Reiniger die New Yorker Etappe der Wanderausstellung seiner privaten Gemäldesammlung überwachen. Für den schwerreichen Geschäftsmann ist der Big Apple die sprichwörtliche Brutstätte des Verbrechens und da ihn, seit einer Rauschgiftaffäre, in die beide verwickelt waren,  eine private Freundschaft mit Reiniger verbindet, hält der diesen für geeignet, seine Kunstwerke gebührend zu beschützen.

    Gleichzeitig kommt Dandy Moreno, ein Kleinganove, den Reiniger fünf Jahre zuvor hinter Gitter gebracht hatte, wieder aus dem Knast und wirft sofort ein Auge auf die bevorstehende Ausstellung. Der heroinabhängige Maler Bug Kadess soll ihm helfen, die besten, sprich wertvollsten Stücke auszusuchen und zu stehlen.

    Reiniger erfährt von Morenos Vorbereitungen und macht sich auf die Suche nach dem Ganoven, um dem geplanten Einbruch zuvor zu kommen. Als Moreno von Reinigers Beteiligung erfährt, wird die Sache für ihn persönlich und er beschließt, den Detektiv aus dem Weg räumen zu lassen.

    „Sie wissen, dass Reiniger für Sie ein ebenbürtiger Gegner ist, Mr. Doonan. Es muss Sie doch förmlich danach drängen, ihn zu jagen. Den gefürchteten Privatdetektiv aus dem Verkehr ziehen. Was für eine große Aufgabe. Den gerissensten Schnüffler der Ostküste über den Jordan schicken. Wie viele haben das wohl schon versucht und nicht geschafft. Wäre Bount Reiniger für Sie nicht eine Möglichkeit, sich selbst zu bestätigen? An ihm könnten Sie Ihre wahre Größe messen, Mr. Doonan. Wenn Sie Bount Reiniger über die  Klinge springen lassen, machen Sie Ihr Meisterstück.“

    MEINUNG
    ABSERVIERT VON ZARTER HAND erschien zuerst 1977 unter gleichem Titel als Nummer 352 der KOMMISSAR X Taschenbuch-Reihe (unter dem Pseudonym Brian Ford). Für sein ebook-Programm, das überwiegend aus Wiederauflagen alter Heftromane aller gängigen Genres (Western, Grusel, Krimi, Romantics) besteht, wurde der Roman bei Cassiopeia Press (in persona Alfred Bekker) mit neuen Rollennamen versehen, aus „Kommissar X“ Jo Walker wurde der Privatermittler Bount Reiniger – und in die dortige (lose) Reihe NEW YORK DETECTIVES eingegliedert. Diese ebooks sind meist für lau und oft sogar in Gratisaktionen zu haben. Das Vorgehen klingt zunächst dreist, doch sind die Autoren (z.B. auch Alfred Wallon, Peter Dubina und Alfred Bekker selbst unter seinen zahlreichen Pseudonymen) natürlich eingebunden und bestimmt nicht abgeneigt, mit ihren alten Romanen noch einige Cent zu verdienen. Als Leser sollte man sich klar sein, was man hier vor sich hat, und wer bei dem Titel hohe Literatur erwartet, dem ist wohl nicht zu helfen. So mutet die Schreibe aus heutiger Sicht fast karikaturistisch an, wird jedoch immer absolut ernsthaft serviert. Mit anderen Worten bekommt man hier einen Pulp-Kracher erster Kajüte geboten, der es absolut in sich hat und einen förmlich zurück katapultiert in eine Zeit, als Belmondo und Co. noch große Kinostars waren.

    A.F. Morland schildert die Ereignisse dieses Reißers grob aus zwei Perspektiven. Einmal natürlich der des unbestechlichen Helden Bount Reiniger, der einen Plan zur Sicherung der Ausstellungsstücke seines Freundes entwirft und dann seine Kontakte spielen lässt um diese auch technisch umzusetzen. Plötzlich sieht er sich in Morenos Fadenkreuz und es entspinnt sich eine Duell auf Leben und Tod zwischen den „alten Bekannten“. Auch der labile Dandy Moreno nutzt seine alten Kontakte, um eine Crew zusammen zu stellen, die diesen nichts weniger als spektakulären Bruch begehen soll. Als er von der Beteiligung seines alten Gegners erfährt, stachelt dies nur seine Verbissenheit, seine Wut und sein Ego an. So wird Moreno selbst zu einem unberechenbaren Pulverfass für Reiniger und für seine eigene Crew.

    So unwahrscheinlich es klingt, überzeugt ABSERVIERT nicht nur mit saloppen Kalauern („Okay. Dann mache ich mich jetzt auf die Selbstgestrickten“), einem wortkargen Helden, den gleich zwei Weibchen gerne in ihr Nest bekommen würden und einer guten Portion Old-School-Action, der Roman findet auch immer wieder Nischen, um die fragile Gruppendynamik der Einbrecherbande, sowie Morenos Besessenheit von seiner früheren Freundin greifbar zu machen, die ihm letztendlich das Genick bricht. Indem er diese zweite, menschliche Spannungsebene auf Seiten der Gangster eröffnet, muss man A. F. Morland zweifellos ein gewisses psychologisches Geschick bescheinigen und er schafft sich die Möglichkeit, gleich an mehreren Spannungsschrauben zu drehen.

    FAZIT
    Trocken, schnell, hart und salopp. ABSERVIERT ist ein purer Anachronismus, nicht ernstzunehmen, aber ein Volltreffer, wenn man weiß, worauf man sich einlässt.

  19. Cover des Buches Gun Machine (ISBN: 9781444730647)
    Warren Ellis

    Gun Machine

     (19)
    Aktuelle Rezension von: Wassollichlesen
    Klappentext
    Hinter einer mit High-Tech-Systemen gesicherten Tür in einem unscheinbaren Wohnkomplex an einer der ältesten Straßen Manhattans liegt mein Apartment, dessen Wände und Decken über und über mit Schusswaffen bedeckt sind. Mit jedem dieser Werkzeuge habe ich genau einen Mord begangen, und meine Sammlung ist noch lange nicht komplett. Ich bin der Jäger. Mein Revier ist Manhattan.
    Meine Meinung
    Der Klappentext klingt schon ziemlich verrückt. Und das ist der Jäger auch. Aber der Klappentext führte mich auch auf eine falsche Fährte: ich dachte, der Jäger sei die Hauptfigur in "Gun Machine", das ist aber in Wirklichkeit Detective Tallow.Detective Tallow ist ein Ermittler wie man ihn aus vielen Büchern kennt und wie man sich ihn vorstellt: ein Einzelgänger und ein ziemlich kaputter Typ. Aber er passt in die Story und ist noch nicht mal unsympathisch. Zumal der überraschende Beginn der Geschichte ihn aus seinem gewohnten Alltagstrott reißt, was meist dazu führt, dass Menschen unausstehlich werden. Oder aber das genaue Gegenteil tritt ein.. Auch der Jäger bedient einige Klischees: auf den ersten Blick ist er ein planender, bessener, durchgeknallter (oder egozentrischer?) Killer. Sein Motiv? Wird doch hier nicht verraten! Er bleibt jedenfalls das ganze Buch über nur der Jäger. Seinen Namen wird man nicht erfahren. Das ist cool und innovativ, denn der Name tut eh nichts zur Sache.Im Verlauf der Geschichte erinnert er mich immer mehr an ein Monster, das unkontrollierbar zu werden droht. Ein bisschen wie im "Zauberlehrling"...nur mit einem Killer mit Waffenfetisch. Im Kampf gegen den Jäger und andere "Mächte" zur Seite stehen Tallow zwei wahnsinnige Forensiker. Meine Helden in diesem Buch. Sie bilden mit Tallow ein komisches und unterhaltsames Trio, was mich immer wieder zum Schmunzeln brachte. Grade gegen Ende des Buches, wenn ihre Anteile mehr Raum bekommen, wird es absurd und überdreht. Aber im positiven Sinne. Es wird geschimpft, beschimpft und Sarkasmus versprüht. Da ist zum Beispiel die Rede von muskelbepackten Sicherheitsleuten, die "jeden ihrer Muskeln beim Namen kennen" (und die Muskeln auch so nennen "Hi Steve").Aber auch kleinere Rollen skizziert Ellis sehr passend und authentisch, sei es der Pseudogangsterboss oder die labile Ehefrau.
    Auch wenn früh ersichtlich ist, wen der Jäger sich als nächstes Opfer ausgeguckt hat, hat es Spaß gemacht weiterzulesen, weil Spannung und Tempo bis zum etwas kurz geratenen Ende oben bleiben. Nichtsdestotrotz ist das Ende stimmig und passt zum Rest der Geschichte. Lieber so, als wenn ein schlechtes Ende mit Pauken und Trompeten den Gesamteindruck zunichte macht.
    Fazit
    Keine Frage, wer bei "Gun Machine" auf anspruchsvolle und langwierige Kost hofft, dem rate ich von dem Buch ab. Obwohl, wenn ich es richtig interpretiere könnte ich kritische Töne im Bezug auf staatliche Überwachung, Abgrenzung der Oberschicht, .... lassen wir das. Es ist ein kurzweiliges Buch und das soll es auch sein.
    Warren Ellis hat alles in "Gun Machine" gepackt, was ein guter Thriller braucht: Spannung, Tempo, Gewalt, Humor, schwarzen Humor, Zynismus, abgedrehte Charaktere und natürlich Klischees. Ich hoffe auf eine Fortsetzung und gebe eine klare Kaufempfehlung!

  20. Cover des Buches Kata (ISBN: 9783548106267)
    Andrew H. Vachss

    Kata

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Joachim_Tiele
    In den 80ern und 90ern waren die Krimis von Andrew Vachss legendär, insbesondere die um den Privatdetektiv Burke, schon damals für viele Leser zu hart, weil zu realistisch, aber gelesen wurden sie. Inzwischen will wohl keiner seiner ehemaligen deutschen Verlage mehr etwas von ihm wissen, denn alle Titel sind hoffnungslos vergriffen (und auch als Ebooks nicht erhältlich)... Die Romane der Serie waren von Anfang an verstörend, aber sie zeigen auch, dass sich seit dem Ende des letzten Jahrhunderts, was die vom Publikum akzeptierten Zumutungen durch anspruchsvolle Unterhaltung angeht, einiges geändert hat. Fast sind sie wohl inzwischen als historische Romane anzusehen, allerdings nicht im Sinne des aktuellen luschigen Genrekitsches, sondern über eine Vergangenheit, die nicht nur nicht sehr weit zurückliegt, sondern noch nicht einmal vergangen ist. Sie wird nur anders wahrgenommen.

    Autor Andrew Vachss ist ein New Yorker Rechtsanwalt, der sich nicht nur auf die Vertretung von Kindern und Jugendlichen spezialisiert hat, in allen Rechtsbereichen von Familien- bis zum Strafrecht, ob sie Opfer sind oder Täter, sondern exklusiv in diesem Bereich tätig ist (oder war, denn inzwischen ist er über Siebzig). Dies konnte er sich, so geht die Fama, nur leisten, weil seine Kriminalromane so außerordentlich erfolgreich waren, dass er die Minivergütungen für Anwälte im Bereich des Kindesrechts sozusagen wegstecken konnte. Als Marketingbotschaft war das natürlich klasse: der Käufer der Romane würde also nicht nur tolle Krimis kaufen, sondern die im amerikanischen Rechtsystem traditionell Schwächsten unterstützen.

    Ein Stück weit ist das natürlich Quatsch. Vachss ist Kriminalschriftsteller reinsten Wassers und als solcher durch die harte Schule gegangen, denn seine Romane wurden jahrelang von allen Verlagen abgelehnt, und an einen späten Erfolg, nämlich die Tatsche, dass Kata überhaupt je bei einem Verlag herauskommen würde, wollte der Autor zunächst kaum glauben. Er sah ihn als eine einzigartige und voraussichtlich eher unwiederbringliche Möglichkeit, sein Thema, Kindesmissbrauch als organisiertes Massenverbrechen, außerhalb  juristischen Fachartikel oder Sachbücher darzustellen. Als viel zu vollgepackt sah er den Erstling später selbst an, und er hätte vieles gekürzt, hätte er da bereits die Chance gesehen, sein Thema in einer Fortsetzungsreihe zu behandeln.

    Andererseits ist tatsächlich ein toller Reihenerstling entstanden, der einen ganz eigenen New Yorker Stadtkosmos beschreibt, die selbstgewählte Familie von Außenseitern eines nicht zugelassenenn und in seinem Vorgehen gelegentlich selbst höchst kriminellen Privatdetketivs. Burke, der im Roman keinen Vornamen hat, weil ihm, der in einer staatlichen Einrichtung aufgewachsen war, tatsächlich niemand einen Vornamen gegeben hatte, Mama Wong, die Inhaberin eines Chinarestaurants, dessen größte Sorge es ist, bei New-York-Touristen nicht beliebt zu werden, damit die Fassade für mancherlei andere Akivitäten nicht gestört wird, Max, der Stille, ein kampfsporterprobter taubstummer Tibeter, der selbst Mama Wong gelegentlich suspekt ist, ein älterer Farbiger namens Prof, bei dem nicht sicher ist, ob die Abkürzung für Professor oder für Propheth steht, der Maulwurf, lichtscheuer Besitzer eines Schrottplatzes und technisches Genie, Michelle, ein Transsexueller, der sich auf dem Strich das Geld für eine Geschlechtsumwandlung verdient, aber auch gerne für Burk als Sekreteärin arbeitet, etwa wenn es darum geht, einen komplizierten Telefonschwindel durchzuziehen...

    Im ersten Fall ist Flood Burkes Klientin, auf der Suche nach einem Säuglingsvergewaltiger, der das Kind einer Freundin und diese selbst auf dem Gewissen hat, die selbst vor Gewalttätigkeiten bin hin zu Mord nicht zurückschreckt, aber hier die Hilfe eines noch abgebrühteren Spezialisten braucht, um ihre Rache ausleben zu können. Vachss' Krimis um Burke sind alle brutal realistisch und im Jahrhundert des eher zartbesaiteten Als-Ob-Realismus auch in Thrillern und Kriminalromanen vergriffen, dafür bereits  für wenige Cents antiquarisch erhältlich. Das Gesamtwerk des Verfassers wird aber nach wie vor von einer sehr guten (auf Deutsch wie auf Englisch) und aktuell gehaltenen Webseite begleitet, die den Krimiautor genauso behandelt, wie den Juristen und Fachautor zu Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, einschließlich der Bereiche dieses Verbrechenskomplexes, die für viele wahrscheinlich als unvorstellbar gelten (http://www.vachss.de/ - mit Leseproben zu den meisten Büchern).

    26.07.2017 - Joachim Tiele
  21. Cover des Buches Shroud - Die Narrenouvertuere (Shroud, PI 1) (ISBN: B00NDZCHAU)
  22. Cover des Buches Tödliche Luftschlösser (ISBN: 9783923208630)
    Jean P Manchette

    Tödliche Luftschlösser

     (2)
    Noch keine Rezension vorhanden
  23. Cover des Buches Der Kalenderblattmörder (ISBN: 9783423210928)
    Marek Krajewski

    Der Kalenderblattmörder

     (15)
    Aktuelle Rezension von: PaulTemple
    Die von mir noch beim Vorgänger weitestgehend vermisste historisch-kulturelle Atmosphäre gelingt Krajewski beim Kalenderblattmörder deutlich (!) besser. Der Kriminalfall, in dem Mock diesmal hinter einem ominösen Serienmörder her ist, bildet nur eine Facette im Buch, welches vor allem durch atmosphärische, historische Schilderungen und dem schier wahnsinnigen Charakter des Hauptprotagonisten punktet. Mock ist gewalttätig, sadistisch, suizidgefährdet, brutal und bisweilen herzlos - doch auch ein begnadeter Polizist. Durch die Untersuchungen der Mordfälle taucht der Leser diesmal auch tief in die Stadtgeschichte Breslaus ein - was beim Vorgänger leider nicht so stark im Fokus stand. Ich habe mich mit dem "Kalenderblattmörder" bestens unterhalten gefühlt und freue mich sehr auf den nächsten Fall!
  24. Cover des Buches Der Malteser Falke (ISBN: 9783257240719)
    Dashiell Hammett

    Der Malteser Falke

     (79)
    Aktuelle Rezension von: Yolande
    Samuel Dashiell Hammett wurde am 27. Mai 1894 in Maryland geboren. Nach der Teilnahme am 1. Weltkrieg und verschiedenen Aushilfstätigkeiten begann er als Angestellter der Detektivagentur Pinkerton zu arbeiten. Seine literarischen Arbeiten basieren zu einem großen Teil auf persönlichen Erfahrungen, die er als Mitarbeiter dort gemacht hatte. Als Schriftsteller arbeitete Hammett ab 1922. Neben seinen Romanen verfasste er eine Reihe von Kurzgeschichten und Drehbüchern. 1937 trat er in die Kommunistische Partei ein. Wegen dieses politischen Engagements wurde er während der McCarthy-Ära zu einer sechsmonatigen Haftstrafe verurteilt. Seine Tantiemen wurden beschlagnahmt und seine Veröffentlichungen gestoppt.
    Dashiell Hammett starb am 10. Januar 1961 verarmt in New York und wurde auf dem Soldatenfriedhof Arlington bei Washington beigesetzt.   (Quelle: Wikipedia)

    Inhalt (Klappentext):
    Als die hübsche Brigid den Privatdetektiv Sam Spade und seinen Mitarbeiter Miles Archer um Hilfe bittet, weil sie sich vor einem gewissen Thursby fürchtet, da kann Spade noch nicht wissen, wohin ihn das führen wird. Doch nur kurze Zeit später ist sein Partner tot und er selbst auf der Suche nach dessen Mörder. Je länger Spade nachforscht, desto undurchsichtiger wird der Fall. Eine  weitere Leiche wird gefunden, und auf mysteriöse Weise scheinen die Morde etwas mit einer äußerst wertvollen Goldstatue zu tun zu haben, die angeblich Malteser Ordensritter vor hunderten von Jahren anfertigen ließen: dem Malteser Falken. Hinter ihm sind gleich mehrere abgebrühte Gangster her und nicht zuletzt auch die verführerische Brigid. Spade gerät selbst in Bedrängnis, als sich ihm Archers Witwe aufdrängt und ihn die Polizei des Mordes an seinem Partner verdächtigt.

    Wer kennt ihn nicht? Die Spur des Falken - den grandiosen Film von 1941 mit Humphrey Bogart und Peter Lorre. Sam Spade, der Prototyp des wortkargen und abgebrühten Privatdetektivs, der auf nicht immer legale Weise ermittelt und auch in den brenzligsten Situationen total cool bleibt. Der Film ist sehr eng an die literarische Vorlage angelehnt und fast kommt es einem vor, als würde man das Drehbuch lesen. Die ganze Story ist sehr dialoglastig und Hammett war sehr großzügig in der Verwendung von Adjektiven.

    "Samuel Spades Unterkiefer war lang und knochig, sein Kinn ein vorspringendes V unter dem ausdrucksvolleren V seines Mundes. Die rückwärts geschwungene Linie seiner Nasenflügel bildete ein weiteres, kleineres V. Seine gelbgrauen Augen lagen waagrecht. Das V-Motiv wurde erneut von den Augenbrauen aufgegriffen, die von der Doppelfalte über seiner Hakennase nach außen hin anstiegen, während sein blassbraunes Haar von hohen, flachen Schläfen zu einer Spitze in der Stirnmitte auslief. Er sah aus wie ein eigentlich ganz umgänglicher, blonder Satan."     (S. 9)

    Die Geschichte ist allerdings ziemlich konfus und verwickelt und man weiß lange nicht, worauf alles hinausläuft (natürlich nur, wenn man den Film nicht kennt). Fast alle Charaktere sind irgendwie zwielichtig und haben Hintergedanken. Diese Art Krimi war wohl damals etwas absolut Neues und schlug ein wie eine Bombe. Ich würde trotzdem eher den Film empfehlen, denn die ausschweifende Art der Erzählung lässt die Gedanken öfter mal abdriften und man sollte schon konzentriert bleiben um dieser verwickelten Story folgen zu können.

    Fazit: Eine verwickelte Geschichte, ausschweifend erzählt. Bei Interesse würde ich eher den Film von 1941 empfehlen.



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