Bücher mit dem Tag "hausbesetzer"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "hausbesetzer" gekennzeichnet haben.

34 Bücher

  1. Cover des Buches Starters (ISBN: 9783492269322)
    Lissa Price

    Starters

     (1.266)
    Aktuelle Rezension von: LadyMay

    Wir begleiten hier Callie, die mit ihrem Bruder, nach dem Krieg alleine auf der Straße ums überleben kämpft. Als sie das Angebot der Body Bank bekommt für einen unverschämt hohen Betrag ihren jungen Körper für einen gewissen Zeitraum einer Enders, also einer Seniorin, zur Verfügung zustellen, gerät sie in einen Kampf zwischen Moral und Macht....

    Ich fand die Idee dieser Dystopie so genial! Die Vorstellung, dass es nur noch Kinder/Jugendliche und Senioren gibt und das diese die Körper tauschen, einfach nur großartig und auch sehr erschreckend. Generell dieses ganze Body Bank Sache ist ziemlich creepy. 

    Abzug gab es für Callies offensichtlich dämlichen Entscheidung in der Mitte des Buches. Ich hab mir wirklich nur gedacht: Mädchen was zur Hölle machst du da?!

    Das Ende hat es aber wieder rausgerissen und ich bin wahnsinnig gespannt auf den zweiten Teil. 

    Große Empfehlung! (auch wenn ich vermutlich wieder die letzte bin, die es gelesen hat...)

  2. Cover des Buches Heißes Pflaster (ISBN: 9783328103240)
    Alex Pohl

    Heißes Pflaster

     (62)
    Aktuelle Rezension von: Kate17

    Vor einiger Zeit durfte ich bereits Alex Pohls „Eisige Nächte“ lesen und war sehr gespannt auf den zweiten Fall von Seiler und Novic. Daher habe ich mich sehr gefreut, dass mir der Penguin Verlag (Verlagsgruppe Random House) auch sein neuestes Buch „Heißes Pflaster“ als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. Meine Wertung wird dadurch jedoch nicht beeinflusst.

    Hanna Seiler und Milo Novic, das Leipziger Ermittlerduo, ermitteln dieses Mal zum Tod eines Politikers, der sich durch sein soziales Engagement für ein "Buntes Leipzig" viele Feinde gemacht hat, besonders Immobilienhaien mit Kontakten zur rechten Szene aber auch Vertreter höchster politischer Kreise war er ein Dorn im Auge. Seiler und Novic geraten bei den Ermittlungen schnell unter Druck, denn auch ihr Vorgesetzter, der gut in wirtschaftlichen und politischen Kreisen vernetzt ist, stellt sich gegen sie. Doch der Tod von Politiker Ehrlich war nur der Anfang ... Dann wird ein Anschlag auf einen Polizisten verübt, ein Gebäude fliegt teilweise in die Luft und alles deutet auf die linke Hausbesetzerszene hin. Doch Seiler und Novic sind nicht davon überzeugt und ermitteln gegen alle Widerstände weiter in eine andere Richtung. Als dann ein Video auftaucht, scheint der Täter für den Anschlag gefunden. Doch dann überschlagen sich die Ereignisse und Seiler und Novic müssen eine Katastrophe verhindern.  

    Alex Pohl hat hier einen sehr spannenden, gut konstruierten Krimi mit politischem Hintergrund geschrieben, den ich nur weiterempfehlen kann. Sein Schreibstil gefällt mir sehr gut, ist flüssig zu lesen, die Spannung baut sich allmählich immer weiter auf, doch der Leser (zumindest ich) tappt bis fast zum Schluss im Dunkeln. Immer wieder lockt Alex Pohl den Leser in eine falsche Richtung, doch letztendlich war die Auflösung sehr gut nachvollziehbar. Gefallen hat mir auch sehr gut der Bezug zu den (immer noch) aktuellen Vorkommnissen in Leipzig – Connewitz.

    Ich jedenfalls konnte das Buch nicht aus der Hand legen und kann „Heißes Pflaster“ nur jedem Krimi-Fan empfehlen. 

  3. Cover des Buches Sunset Park (ISBN: 9783499255168)
    Paul Auster

    Sunset Park

     (76)
    Aktuelle Rezension von: The iron butterfly

    Wir lernen Miles als Erwachsenen kennen. Miles Heller, der Chronist der aufgegebenen Dinge, ist Teil eines Entrümpelungstrupps einer Immobiliengesellschaft. Immer, wenn er eine von den Bewohnern verlassene Wohnung betritt, schlägt ihm mit voller Wucht ein Schicksal entgegen. Jedes verlassene Haus war einmal ein Heim und ist nun nur noch Heimstatt einer abschreckenden Szenerie. Widerliche Gerüche, wütende Schmierereien, Schmutz, Leere und Dinge. Dinge, die weder über Schulden noch Traurigkeit hinweghelfen konnten und zurückgelassen wurden. Bücher, Schuhe, Spielzeug, Großes, Alltägliches, Lebloses. Miles weiß nicht, was ihn antreibt dies zu dokumentieren, denn diese unzähligen Fotos sprechen nie von Hoffnungen, immer nur von Tristesse. Und dabei könnte Miles doch etwas von der Schönheit dieser Welt gebrauchen. Selbst hat er sich mittlerweile auf das Notwendigste beschränkt, er raucht und trinkt nicht mehr, besitzt lediglich noch ein Auto und ein Handy, weil sie seinen Lebensunterhalt sichern.

    Als er im Park das Mädchen Pilar kennenlernt, scheint eine kleine Sonne aufzugehen. Nicht nur, weil sie denselben Büchergeschmack zu haben scheinen, da ist noch so viel mehr, auch wenn sie einige Jahre Altersunterschied voneinander trennen. Aber dieser Altersunterschied macht ihre Liebe angreifbar und so ergreift Miles in einer misslichen Lage das Angebot seines alten Bekannten Nathan, der für seine kleine Hausbesetzertruppe noch Zuwachs sucht und verlässt Pilar vorerst. In Sunset Park angekommen, ist es nicht die bescheidene Unterkunft, die Miles beschäftigt, sondern die Nähe zu seiner Familie, die ihn verloren glaubt. Miles, der verlorene Sohn, der in Ungnade gefallene, Miles der Sünder. Die Vergangenheit muss bewältigt werden, Ungesagtes ausgesprochen, auch wenn Wunden aufreißen und nie wieder zu heilen drohen.

    Paul Auster versammelt mit den weiteren Protagonisten Ellen Brice und Alice Bergstrom noch weitere Unikate, die mehr oder weniger auf der Suche sind. Alle, Nathan, aber auch Miles‘ Vater Morris treiben in diesem großen dunklen Ozean Leben und klammern sich an jedes Stück Treibholz, das ihren Weg kreuzt. Diese leise Traurigkeit im Roman hat mich unterstrichen, war Begleiter im Jetzt und Hier und „dann nicht mehr hier…, das Jetzt, das für immer verschwunden ist.“

    Auster!

  4. Cover des Buches Nashville (ISBN: 9783841503725)
    Antonia Michaelis

    Nashville

     (169)
    Aktuelle Rezension von: Weltentraeumerin
    „Nashville“ ist für mich persönlich nicht so gut wie die anderen Bücher von der Autorin, was es nicht zu einem schlechten Buch macht, denn aus der Masse der meisten Bücher sticht es immer noch problemlos heraus.
    Von Anfang an muss man sich einfach darauf einlassen, dass Svenja Nashville bei sich aufnimmt und nicht zur Polizei geht. Dass alle hinnehmen, dass eine Achtzehnjährige einfach so ein ihr zugelaufenes Kind aufnimmt. Das sind Handlungen, die gegen jede Vernunft laufen, aber nur wenn man sie einfach akzeptiert, kann man dem Buch auch eine Chance geben.

    Natürlich zeigt sich aber auch hier der herausragende Schreibstil der Autorin, allein schon generell in der Wortwahl und der Formulierung der Sätze. Diese sogen mich hinein in ihre poetische Melancholie. Das ist ein Stil, mit dem klarkommen muss, aber der auch einfach ziemlich cool ist, obwohl ich auch hier sagen würde, dass er in anderen Werken von ihr besser zur Geltung kommt. Aber vielleicht liegt das alles auch einfach daran, dass dieses Buch an sich einfach nicht ganz mein persönlicher Fall war und andere empfinden das ganz anders.

    Das Ganze spielt in Tübingen im Sommersemester. Svenja ist dorthin gezogen und fängt ihr zweites Semester Medizin an. Der Autorin gelingt es dabei, diese Atmosphäre und auch ein bisschen die alltäglichen Sorgen von Studierenden spürbar zu machen, gerade auch die vom Anfang des Studiums. Svenja steht an einem Umbruch, weiß nicht so ganz, was sie will, genießt einerseits ihre neue Selbstständigkeit, ist aber auch andererseits davon überfordert, alles alleine klären zu müssen – und das alles noch viel mehr, da sie sich ja auch noch um Nashville kümmert. In gewisser Weise schwingt da eine Metaphorik mit, dazu, auszuziehen und eigenständig zu werden, und der Autorin gelingt es durchaus, diese Emotionen rüberzubringen.
    Ansonsten ist Svenja aber, wie es auch zu dem Stil passt, recht naiv, leichtgläubig und verträumt, was nicht unbedingt schlecht ist. Wie gesagt, man muss mit dem Stil klarkommen, und der umschließt die Handlung ebenso wie die Charaktere.

    Ein zentrales Thema des Buches ist allerdings Obdachlosigkeit. Durch den Stil wird dem natürlich eine gewisse romantisierende Seite verliehen, dennoch habe ich es als Abwechslung empfunden, dass diesem doch oft eher totgeschwiegenen, aber im Alltag in der Stadt stets präsenten Thema Beachtung geschenkt wird.
    Was mir auch sehr gefallen hat, war, wie selbstverständlich mit LGBT+ umgegangen wird. Generell wird sehr offen mit dem Thema Sex umgegangen, ungewöhnlich für andere Jugendbücher, aber sehr authentisch. Liebesgeschichten spielen eine Rolle, spielen sich aber nicht dauernd auf störende Weise in den Vordergrund.

    Ich versank beim Lesen ein wenig in dem düsteren, aber poetischen Stil, ließ mich von bildhaften Worten davontragen und von dem Sog, der durch die immer präsente unterschwellige Spannung entstand, mitreißen. Dabei weiß gerade das Ende noch mal zu schockieren und bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit in Erinnerung. Auch wenn ich manches schon vorhergesehen habe. Vieles enthält dabei Diskussionspotenzial und nicht alle Handlungen sind unproblematisch - aber ich glaube, das ist auch gewollt, um eben infragezustellen, zu schockieren und darüber nachzudenken.

    Fazit: Einige Handlungen sind nicht wirklich nachvollziehbar, trotzdem eine Geschichte im düsteren, poetischen und melancholischen Stil, die fesselnd Themen wie Obdachlosigkeit anspricht und passend zu diesem Stil eine eher naive, leichtgläubige und verträumte Protagonistin im Zentrum hat.

  5. Cover des Buches Unschuld (ISBN: 9783499267758)
    Jonathan Franzen

    Unschuld

     (72)
    Aktuelle Rezension von: kaelle

    Dieser Roman dreht sich schwerpunktmäßig um die junge Frau Pip Tyler, deren Mutter ihr hartnäckig verschweigt, wer ihr Vater ist. Dadurch entwickelt Pip so eine Art Vaterkomplex, interessiert sich für ältere und v.a. immer für die falschen Männer. Auch beruflich läuft es nicht so rund. Studienschulden wollen abbezahlt werden. Also macht sich Pip auf, ihren Vater zu finden. Dazu heuert sie in Bolivien bei einer Art Wikileaks-Gruppe an, was diverse Entwicklungen anstößt, von denen ich hier nichts verraten möchte.

    Toll fand ich, dass der Roman nicht nur aus Pips Perspektive erzählt wird, sondern auch aus der anderer Figuren. Toll ist das zum einen, weil man diesen Figuren dadurch richtig nahekommen kann. Alle sind irgendwie verkorkst und dadurch keine Identifikationsfiguren - oder vielleicht gerade deswegen doch. (Bei wem läuft schon alles normal?) Zum anderen finde ich an den unterschiedlichen Perspektiven toll, dass so auch die Chronologie aufgebrochen wird. Man erhält so wichtige Informationen verspätet. Das schafft Spannung und hat etwas von einem Puzzle, bei dem die einzelnen Steinchen nach und nach an die richtige Stelle fallen.

    Manch einer mag noch die Information spannend finden, dass dieser amerikanische (!) Roman teilweise auch das Leben und das Ende der DDR thematisiert.

  6. Cover des Buches Das zweite Zeichen - Inspector Rebus 2 (ISBN: 9783641113971)
    Ian Rankin

    Das zweite Zeichen - Inspector Rebus 2

     (99)
    Aktuelle Rezension von: Weltenwandler
    Auch der zweite Band dieser Reihe überzeugte. Ian Rankin bleibt sich treu.
    Ein klassicher Krimi, welcher mich vom Beginn an fesselte. Geschickt führte mich der Autor auf verschiedene Fährten, wodurch die Handlung nie vorhersehbar war. Das erzeugt Spannung wie ich sie erwarte. Vom herunter gekommenen Junkie bis zu den elitären Kreisen in Edinburgh, hat Ian Rankin alle Gesellschaftsschichten mit in dieser Geschichte verarbeitet und macht den Leser damit deutlich, das Edinburgh nicht nur die Royal Mile ist. Mit seiner sehr deutlichen, plastischen, Sprache gelingt es ihm, dem Leser die Orte der Handlung vor Augen zu führen.

    Das Privatleben von Inspector Rebus ist wohl dosiert im Verhältnis zum eigentlichen Fall. Sehr angenehm ist auch, das Rebus nicht der „perfekte“ Mensch ist dem alles gelingt, sondern auch Fehler macht, Rankin läßt es zu und es ist für mich zu hoffen, das der Inspector auch in weiteren Bänden der Reihe so menschlich bleibt.

    Sehr gefallen hat mir die Auflösung des Falles, wenn auch...... ( mehr kann ich zum Ende nicht schreiben, da ich zur Erklärung spoilern müsste, und das wollen wir ja nicht ).

    Ingesamt ein weiteres Lesevergnügen, welches ich jedem empfehlen möchte.

    Auch hier fällt es mir leicht 5 Sterne zu geben, da ich nicht wüsste was ich negativ
    kritisieren sollte.

    LG Euer Weltenwandler
  7. Cover des Buches Allein kann ja jeder (ISBN: 9783423216494)
    Jutta Profijt

    Allein kann ja jeder

     (69)
    Aktuelle Rezension von: Sonnenwind

    Dies ist mal wieder ein locker-leichtes Buch und entsprechend mein Enthusiasmus recht gedämpft: Mehrere Geschädigte eines Immobilien-Hais ziehen gemeinsam in ein leerstehendes Haus, müssen sich natürlich miteinander arrangieren und sich gegenseitig ertragen.

    Dazu kommt, daß die Charaktere recht künstlich überhöht sind und dadurch lange nicht so authentisch rüberkommen. Fürs Krankenhaus aber ganz gut zu lesen.

  8. Cover des Buches Nikotin (ISBN: 9783499290817)
    Nell Zink

    Nikotin

     (8)
    Aktuelle Rezension von: mapefue

    Nell Zink lädt in ihrem Roman in ein besetztes Haus. Eine Realistin blickt auf irre Verhältnisse.

    Vorgeschichte. 1985. Im kolumbianischen Cartagena trifft die dreizehnjährige Amalia einen mittelalter (51) Amerikaner (Norm) auf einer Müllkippe. Dort wird sie nie wieder zurückkehren, denn Norm wird Amalia adoptieren. 

    2005. Penny, Tochter von Amelia und Norm ist 12 Jahre alt, ihr Halbbruder Matt, Müllwagendesigner, 36, drei Jahre älter als seine Stiefmutter Amalia.

    Elf Jahre später liegt Norm im Sterben. Nach dem Tod des von Penny geliebten Vaters erfährt sie von einer weiteren Immobilie in seinem Besitz. Nach einem Brand wegen einer vergessenen Zigarette stand es lange Jahre leer. Ein Gebäude in New Jersey mit einem „Monster“; in einem Zimmer stapeln sich Eimer voll mit Exkrementen. Inzwischen hat sich im "Nikotin", so der Name des Hauses ein buntes Grüppchen „netter rauchender Anarchisten“ wohnlich eingerichtet: Sorry aus dem Westjordanland wurde von einem fehlenden Visum daran gehindert, die Revolution in Afghanistan anzuführen, die Malerin Anka verschenkt ihre Bilder und arbeitet mit Aids-Kranken, der gutaussehende Rob bastelt in der Garage an Fahrrädern herum und die Dichterin Jazz trocknet auf dem Dachboden Tabakpflanzen und lebt mit großem Enthusiasmus ihre Sexualität aus. Penny, arbeits- und bald obdachlos ist fasziniert von diesen schrulligen Typen. Sie hat sich auf den ersten Blick in Rob verliebt, doch dieser will keinen Sex mit ihr. Ist er schwul oder impotent? nein einfach nur asexuell.

    Doch Sex steht höher im Kurs als Ideologien, auch Matt, der das Haus noch niederreißen wollte, hat in Jazz seine ideale Gespielin gefunden. Nach einer Katastrophe wandelt sich der rohe Matt vom Saulus zum Paulus. Jazz ist geflohen und Matt begibt sich auf die Suche nach ihr.

    Die verschiedenen Arten von Liebe spielen eine große Rolle, es geht um komplexe Familienstrukturen, um liebenswerte Außenseiter, Protestbewegungen, um Tod und Abschied, um Glaube und Spiritualität. Ohne Übertreibungen strahlt der Roman eine kompromisslose Direktheit aus, zu verkraften sind extreme Seltsamkeiten.

    Der Roman bietet gute Unterhaltung und als Europäer kann man sich an dieser Momentaufnahme der amerikanischen Gesellschaft ergötzen und für einen oder eine der Hausbesetzer/-innen Sympathie gewinnen.

    "Das Buch ist Jonathan Franzen (er kämpft mit seiner Nikotinsucht) gewidmet." Nell Zink

    Das Leben lebt! Alles ist eins!


  9. Cover des Buches Der kleine Bruder (ISBN: 9783732504640)
    Sven Regener

    Der kleine Bruder

     (317)
    Aktuelle Rezension von: Matteo_Di_Giulio

    Sven Regener hat ein literarisches Ökosystem gebildet, was so regsam ist, dass man sich sofort fühlt, dazu verbunden. Der zweite Roman der Saga nach "Herr Lehmann" ist genauso gelungen als sein Vorgänger: mutig, spaßig und bunt. Wie ein alter Freund, der immer da ist, wenn man Geborgenheit braucht. Der Leser lacht, wird traurig, denkt über das Leben nach, wie es manchmal unfair ist; aber vor allem, unabsehbar. Der Stil ist nie monoton oder langweilig und obwohl es um keine Unterhaltungsliteratur geht, ist "Der kleine Bruder" ein echter Pageturner. Die Sehnsucht der Vergangenheit und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens in einer stillen Berlin, das nie wieder so sein wird, spielen noch wieder eine große Rolle. Herr Lehmann ist der normale Held der Gegenwart, ohne Vorzüge und ohne Mängel. Lesenswert.

  10. Cover des Buches Annas Erbe (ISBN: 9783894250539)
    Horst Eckert

    Annas Erbe

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Lillith54w

    Seit etlichen Jahren begeistern mich die Politthriller von Horst Eckert,
    hat er doch gerade vor kurzem wieder ein Meisterstück abgeliefert.

    Im Laufe der Jahre bin ich neugierig auf seine früheren Bücher geworden und habe auch einige gelesen. Das Erstlingswerk, "Annas Erbe", gibt es in gedruckter Form nur noch antiquarisch, was mich aber zum Glück nicht abschreckte, es zu bestellen.

    Ich habe es soeben beendet und sage nur Wow! Was für ein Debüt!
    Auch 26 Jahre nach seinem Erscheinen (1995) wirkt dieser Roman keinesfalls angegraut oder verstaubt, obwohl man noch in eine Schreibmaschine schreibt und weder Handy noch Computer benutzt.
    Horst Eckert legt hier den Grundstein für seinen kleinen Kosmos, die "Festung", wie er das Düsseldorfer Polizeipräsidium nennt. Bereits in seinem Erstlingsroman begegnen uns einige seiner später wieder auftauchenden Protagonisten, so ist hier der Protagonist Karl Thann, ein junger Kommissar mit einem Alkoholproblem. Er ist einerseits ehrgeizig, anderseits will er sich aber auch einfach nicht abspeisen lassen mit offensichtichen Lügen, die von "ganz oben" gedeckt scheinen, ein Grundthema, welches bei Horst Eckert auch heute noch eine Rolle spielt...
    Er hat einen Mord an einem entlassenen Strafgefangenen aufzuklären, welcher wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin Anna verurteilt wurde, die Tat jedoch nie zugab. Karl Thann sieht Zusammenhänge und macht sich gegen alle anderen Kollegen auf eine einsame Spurensuche, findet und verliert eine Liebe, riskiert mehrfach sein Leben - und wie es ihm gelingt, den Sumpf aus bestechlichen Beamten auszutrocknen, die u.a. im Pornomilieu ihre Hände aufhalten und selbst vor brutalen Mitteln nicht zurückschrecken - das muss man einfach selbst lesen!

    Wenn ich nicht schon ein Fan von Horst Eckerts Büchern wäre, dann hätte mich "Annas Erbe" auf jeden Fall dazu gemacht.

    Es ist sicher selten, dass ein so altes Buch noch einmal rezensiert wird - aber in meinen Augen hat dieser Roman es verdient!




  11. Cover des Buches Gegenspiel (ISBN: 9783518466506)
    Stephan Thome

    Gegenspiel

     (35)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Jede Geschichte hat zwei Seiten. Die erste hat Stephan Thome in seinem Roman Fliehkräfte erzählt. Sie berichtet vom Philosophieprofessor Hartmut Hainbach, der mit 60 Jahren aufgrund des Bologna-Prozesses an seinem Beruf als Philosophieprofessor und aufgrund der erzwungenen Wochenendbeziehung mit seiner Frau Maria an seiner Ehe zu zweifeln beginnt. In Gegenspiel (der Titel suggeriert es schon) erzählt er nun dieselbe Geschichte aus der Perspektive der Maria – und dadurch doch letztendlich eine ganz andere.

    Ähnlich wie in Fliehkräfte skizziert Thome auch in Gegenspiel die Geschichte eines ganzen Lebens. Er erzählt von Marias Jugend in Portugal nach der Nelkenrevolution; ihrer Flucht in ein neues, wilderes Leben in Westberlin, wo sie nicht nur mit der Hausbesetzerszene, sondern vor allem mit Falk Merlinger in Kontakt gerät; von den Anfängen des Familienlebens mit Hartmut und der gemeinsamen Tochter und von der Einsamkeit in der Bonner Provinz. Dabei geht der Autor – anders als im ersten Band – jedoch weniger systematisch, sondern assoziativer vor: Immer wieder springt er in Raum und Zeit hin und her und wirft den Leser unmittelbar in verschiedene Szenen. Dabei setzt sich einerseits Stück für Stück das Bild seiner Hauptfigur zusammen; andererseits – und das ist der Charakterisierung der Maria als sprunghafte, dabei zugleich phlegmatische, stets suchende und nie findende Figur geschuldet – erscheint seine Protagonistin bis zum Schluss fragmentarisch. Bisweilen hat man das Gefühl von drei verschiedenen Marias zu lesen (Portugal-Maria, Berlin-Maria, Bonn-Maria). Dies ist sicherlich vom Autor gewollt, führte bei mir aber bisweilen zu einigen Irritationen und zu der Tatsache, dass ich mit Maria bis zum Schluss nicht wirklich warm wurde.

    Sprachlich konnte mich das Buch im direkten Vergleich zum Vorgänger weniger überzeugen: Während Thome in Fliehkräfte mit poetischen Sätzen und anregenden philosophischen Gedanken punkten konnte, verliert sich Gegenspiel häufig in plattitüdenhaften Wendungen und einem recht konventionellen Schreibstil. Zweifellos lässt sich der Roman gut lesen und die Erzählung kommt atmosphärisch daher; sein schriftstellerisches Talent zeigt Thome in diesem Roman jedoch nicht.

    Insgesamt zieht Gegenspiel seine gesamte Stärke aus dem Umstand, eben genau das zu sein: ein Gegenspiel. Ich habe es sehr genossen, die bekannte Geschichte aus der anderen Perspektive zu entdecken, mich an alte Szenen zu erinnern und tatsächlich zwischendurch in beiden Büchern parallel zu blättern und die verschiedenen Deutungen, die die jeweiligen Protagonisten aus ein und derselben Situation ziehen, zu vergleichen. Im Zusammenspiel zeigt Thome die Schwierigkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation und dass wir nie wirklich verstehen werden, was in einer anderen Person – sei sie uns auch so vertraut und von uns geliebt – vorgeht. Darüber hinaus fehlt es Gegenspiel jedoch an einer eigenen Geschichte: Die Story plätschert über 450 Seiten vor sich hin, dem zweiten Band fehlt eindeutig eine treibende Kraft wie dem „Roadmovie“ im ersten Teil. So hat man es zwar mit einer kurzweiligen und auch recht unterhaltsamen Erzählung zu tun, sie interessiert aber tatsächlich nur als Ergänzung zu Fliehkräfte und steht nur schlecht für sich selbst.

    Allen Lesern, die Fliehkräfte gelesen haben, empfehle ich auch die Lektüre von Gegenspiel, die tatsächlich an vielen Stellen sehr erhellend ist und vor allem das Ende – zumindest für mein Empfinden – in ein positiveres Licht taucht. Vom Lesen des Romans als eine eigene Geschichte über den unablässigen Emanzipationsversuch einer Frau rate ich hingegen ab: Hier bleibt der Roman aufgrund der Figurenzeichnung zu blass und wenig greifbar!

  12. Cover des Buches Deutschland, Deutschland alles ist vorbei .... Alternatives Leben oder Anarchie? Die neue Jugendrevolution am Beispiel der Berliner Scene. Eine Bild-/Textdokumentation (ISBN: 9783763754298)
  13. Cover des Buches Treffpunkt Irgendwo (ISBN: 9783401066783)
    Thomas Fuchs

    Treffpunkt Irgendwo

     (23)
    Aktuelle Rezension von: BeautyBooks
    Wenn ich mich über etwas geärgert hatte, wenn mich wer gekränkt hatte, so konnte ich das leider nicht so leicht wie andere wegstecken.. Louisa behauptete,  ich sei nachtragend.. Doch das stimmte nicht.. Ich konnte eben nur nicht so einfach wie andere Dinge vergessen.. Wenn etwas dumm gelaufen war, dann dachte ich darüber noch lange nach.. Teilweise Jahre später noch.. Da konnte ich nichts dafür.. Da kamen dann unvermittelt Erinnerungen, Bilder, Gefühle hoch, spürte ich die Kränkung, als wäre sie erst gerade eben erlebt.. Das war eben so.. - Seite 86

    Jana lebt in einer ehemaligen Vorstadtsiedlung in Berlin, in Marienfelde.. Mit ihren Eltern wohnt sie in einer dieser in den Siebzigerjahren gebauten Reihenhaussiedlungen.. Mit ihren Freundinnen Mia und Louisa verbringt sie fast jede freie Minute in ihrer Freizeit.. Als sie eines Abends einen total angesagten Club im Wedding, den Brunnen70, einen Besuch abstatten wollen, wird Janas Handy in der S-Bahn geklaut.. Als dieses auch noch zu läuten anfing, konnte Jana den Dieb noch in der S-Bahn sofort aufspüren.. Ein Punk, der soeben bei der nächsten Haltestelle aussteigen möchte.. Jana verfolgt ihn, um sich ihr nagelneues Handy, dass sie soeben erst zu Weihnachten von ihren Eltern geschenkt bekommen hat, zurückzuholen.. Durch Gassen und kleinen Vororten von Berlin rennt sie Len, dem Punk, hinterher und gerät ganz plötzlich, wegen ihm, in eine Polizeiaktion.. Ihr Ausweis wird verlangt und in einem Lesegerät geprüft.. Jana versucht den Polizisten immer wieder zu erklären, dass sie diesem Punk nur verfolgt hat, weil dieser ihr Handy gestohlen hat.. Alle Polizisten rund um ihr trugen einheitliche olivgrüne Kampfanzüge, Schilder, bizarre Helme mit Visieren und Schlagstöcken.. Ein besetztes Haus war hier geräumt worden, und Jana stand nun mittendrin.. Im Zusammenhang mit der Räumung hatten jugendliche Sympathisanten randaliert.. Plötzlich eskaliert die Aktion, Len ergreift Janas Hand und bittet sie ihm zu folgen.. Tage später erhielt Jana eine Ladung zur Beschuldigtenvernehmung von der Polizei..

    Aber wie das mit den Gedanken so ist.. Ist eine Idee erst einmal gedacht, dann ist sie in der Welt und es gibt kein Zurück mehr.. Und dann konnte man der Idee auch gleich nachgeben.. - Seite 46

    Aber ich stamme aus der DDR, ich habe erlebt, nicht direkt, doch über meine Eltern erlebt, dass alles, was dir wichtig ist, zusammenbrechen kann.. Dass alles, was vorher galt, plötzlich nichts mehr zählt.. So läuft das im Leben.. - Seite 191


    Meine persönliche Meinung:
    Eines muss ich vorneweg sagen.. Dieses Cover, der Gebundenen Ausgabe, ist im Gegensatz zu der Taschenbuchausgabe ein Traum und widerspiegelt die Geschichte perfekt.. Bei der Taschenbuchausgabe hat das Cover absolut nichts mit dem Inhalt des Buches zu tun, was man hier nicht behaupten kann.. Immerhin lesen wir die Geschichte von Len dem Punk, der auf der Straße lebt und kein zu Hause hat.. Noch dazu fühlen sich die farbigen Stellen auf dem Cover kratzig und sandig an.. Ich ertappe mich immer wieder dabei, wo ich "Treffpunkt Irgendwo" desöfteren in die Hand nehme, nur um es zu streicheln! Ein absolut tolles Cover mit einem noch tolleren Inhalt.. Ein Inhalt, der einem Gänsehautmomente liefert, und einem die Augen öffnet.. 
    In diesem Buch erzählt uns Thomas Fuchs eine Liebesgeschichte jenseits der Konventionen und führt uns lebhaft vor Augen, was wahre Liebe wirklich bewegen kann.. 
    Wir lernen Jana kennen, die ständig mit ihren Freundinnen Mia und Louisa auf Achse ist.. Sie lebt mit ihren Eltern in Berlin und führt eigentlich ein glückliches Leben.. Ihre Eltern arbeiten viel und haben nur wenig Zeit für Jana, doch das stört sie kaum, solange sie nur ihre Ruhe hat.. Ein Abend verändert Janas Leben jedoch komplett.. Als sie Len den Punk kennenlernt, der ihr Handy in der S-Bahn klaut, und sie kurz darauf vor einer Polizeiaktion rettet und ihr daraufhin das Handy auch wieder zurückgibt.. Alles geschah so unglaublich schnell, und schon war Len auch wieder verschwunden.. Und Tage später hat Jana ein Vorladung der Polizei im Briefkasten.. Eines ist ihr sofort klar: Sie muss Len suchen und finden um ihn zu bitten, bei der Polizei klarzustellen, dass sie nur wegen ihm und dem Handyklau in diese Situation geraten ist, und sie absolut nichts mit der Räumung zu tun hat.. 
    Len hat drei Geschwister, seine Eltern sind beide Ingenieure, mit all denen kann er absolut nichts anfangen.. Er hat sich zurückgezogen und das Leben auf der Straße vorgezogen.. Nun hat er Jana kennengelernt, und auch für ihn ist nichts mehr wie es einmal war..
    Eine Geschichte, die mich so unglaublich berührt und auch verändert hat.. "Treffpunkt Irgendwo" nimmt uns mit auf eine kleine Reise, in der wir die wohl außergewöhnlichste Liebe kennenlernen dürfen.. Zwischen Jana, die aus gutem Hause kommt, und Len dem Punk, der seit Jahren auf der Straße lebt.. Der kein Ziel vor Augen hat und jeden Tag verstreichen lässt.. Es fällt mir irrsinnig schwer, die Gefühle, die ich während dem Lesen von Treffpunkt Irgendwo hatte, nur irgendwie beschreiben oder gar euch vermitteln zu können.. Als ich dem Ende immer Nähe kam, hatte ich richtige Tränen in den Augen.. Jana kämpft um einen Menschen, trotz ständiger und vieler Rückschläge, und ihr ist es völlig egal, was ihre Eltern und alle anderen davon und von Len halten.. Len ist so ganz anders als Jana, das komplette Gegenteil von ihr.. Und doch fühlen sie sich zueinander hingezogen.. Len lebt ständig auf der Flucht.. Bei der Staatsanwaltschaft und der Polizei liegt die ein oder andere Anzeige, sowie Strafverfahren, gegen ihm vor.. Es wird der Tag kommen, an dem Len seine Zeit im Knast absitzen muss.. Ein Gedanke, der Jana tagtäglich quält.. Bis sie einen Entschluss gefasst hat..
    "Treffpunkt Irgendwo" ist ein Buch, dass man gelesen haben muss, um mitreden und auch verstehen zu können, was dieses Buch in einem auslöst.. Eine spannende und so aufwühlende Geschichte, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite völlig in seinen Bann zieht.. Thomas Fuchs hat mit diesem Buch eine unglaublich tolle und realitäsnahe Geschichte erschaffen.. Eine Geschichte die den Leser nach Beenden des Buches nicht so schnell loslassen wird.. Eine absolute Kaufempfehlung von mir!

    Egoismus und Einsamkeit beherrschten unsere Welt, alles war so schnelllebig geworden, nachdenken kaum noch möglich.. Aus dem Kindergarten in die Schule, G8, direkt daran Ausbildung, Studium und ab in die Berufswelt.. Keine Möglichkeit mehr, sich selbst kennenzulernen, das Leben zu begreifen, Echtes zu erleben.. Es zählte nur noch Leistung, schnell-schnell, tausend oberflächliche Freunde auf Facebook, wenn alles vertwittert wird, geht das Wesentliche unter.. Finanzkrise, Politik, nur noch Entscheidungen ohne Alternative, wir wurden verdummt, abgelenkt, beschäftigt, damit wir nicht anfingen Fragen zu stellen.. Daher wurden die besetzten Häuser geräumt, die Punks aus den Innenstädten vertrieben - die Gesellschaft ertrug es nicht, wenn jemand ausstieg, nicht länger mitmachen wollte.. - Seite 201
  14. Cover des Buches Pirate Cinema (ISBN: 9783453267534)
    Cory Doctorow

    Pirate Cinema

     (5)
    Aktuelle Rezension von: lyydja
    Pirate Cinema von Cory Doctorow, der Autor von Little Brother / Little Brother Homeland, umfasst diesmal das Thema Film Piraterie,künstlerische Freiheit und die Mediale Lobby. Er schafft es wie auch schon bei Little Brother das Thema gut rechachiert darzulegen und einen näher in das Thema und in seine Ansichtsweise einzuführen mit interessanten Ansichtsweisen, die mich beschäftigt haben und gut nachvollziehbar waren auch wenn ich manchmal anderer Meinung war, besonders da Internetpiratiere in unserer Zeit ein immer größeres Thema wird und natürlich auch wichtig ist. den Auch im Internet ist Diebstahl, Diebstahl und gehört doch bestraft. Doch was Cory Doctorow hier darstellt ist künstlerisches Schaffen, welches ja durch dieses Gesetz auch beeinträchtigt wird und zwar mit unverhältnismäßigen Strafen, die ganze Familien ins Unglück stürzen. Zusammen mit den Charakteren, die jeder auf seine Art besonders waren, besonders Jem und 26 haben mir gefallen und natürlich Trent, der sich im Laufe der Geschichte wahnsinnig entwickelt hat, einer Schreibweise bei der man das Gefühl hat, dass Trent einem gerade gegenübersitzt und das Erlebte erzählt gibt Pirate Cinema eine ziemlich gute Geschichte über ein wichtiges Thema, welches mich zum Nachdenken gebracht hat. Einziger Minuspunkt ist, dass es doch wie ich finde, viele Parallelen zu Little Brother aufweist.
  15. Cover des Buches Sunset Park (ISBN: 9780805092868)
    Paul Auster

    Sunset Park

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Orisha
    Miles Heller ist davongelaufen - von seiner Mutter, seinem Vater, seinem Leben.  In Florida hat er sich eingerichtet, trifft die große Liebe - die doch ganz anders ist als man sie sich vorstellt. Als diese von außen bedroht wird, muss Miles wieder fliehen. Er geht nach New York. Zurück an den Ort seiner Kindheit, zurück zu Freunden, zurück in sein altes Leben?

    Austers Romane bestechen durch ihre ausgeklügelten Figuren. Sunset Park bildet da keine Ausnahme. Wir folgen Miles Heller durch sein aktuelles Leben - und lernen sein Umfeld kennen: Vater Morris und die Bewohner von Sunset Park - Bing, Ellen und Alice. Wir erhalten einen Einblick in ihr Leben, ihr Denken, ihre Welt. Und das ist spannend. So minimalistisch dieser Roman in seiner Handlung auch angelegt ist - denn wir folgen lediglich Miles durch ca. neun Monate seines Lebens - um so stärker treten dieser Charakterstudien hervor- die Auster gekonnt durch Rückblenden unterfüttert. Und damit schafft er es den Leser abzuholen.

    Fazit: Ein starkes Buch. Kurzweilig, minimalistisch in seiner Handlung und dennoch tiefgreifend und sprachlich auf hohem Niveau. Es war eine Freude.


  16. Cover des Buches Auf Heineken könn wir uns eineken (ISBN: 9783492272926)
    Kerstin Schweighöfer

    Auf Heineken könn wir uns eineken

     (35)
    Aktuelle Rezension von: ulla_leuwer

    Meine Meinung:

    Beim  Stöbern bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden, weil mich das Buchcover so angesprochen hat. Und nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, wanderte es ebenfalls in meine Büchertasche. Ich war gespannt auf den Inhalt, denn mit unseren holländischen Verzeihung niederländischen Nachbarn habe ich doch ab und zu auch mal Kontakt. Vielleicht würde ich nach dem Lesen einiges besser verstehen.


    Kerstin Schweighöfer beschreibt in ihrem Buch, wie sie 1990 Jan Kees kennen und lieben lernte. Sie wohnte damals in München und Jan Kees in Leiden. Das war nicht mal eben um die Ecke und deshalb beschloss sie, nach Leiden zu ziehen. Sehr kurzweilig schreibt sie über ihre Erlebnisse mit den neuen Nachbarn und das Erlernen der Sprache. Obwohl auch ich bisher der Meinung war, beim Zuhören einiges zu Verstehen, weil es sich auch in meinen Ohren wie eine Art Dialekt anhörte, wurde ich eines besseren belehrt. Spaßig waren die Ausdrücke, die in unseren Ländern verschiedene Bedeutungen haben und mit denen die Autorin manches Mal für Peinlichkeit sorgte. Mir hat gefallen, dass ich nicht nur lesen durfte, wie es Kerstin Schweighöfer ergangen ist, sondern auch viel neues und interessantes kennen lernen durfte. Wer wissen will, was es mit Nieuw Amsterdam und Yankee auf sich hat, sollte dieses Buch lesen.


    Es gibt inzwischen reichlich Bücher, in denen die Autoren beschreiben, wie sie sich in einem anderen Land zurecht finden. Nicht immer ist es interessant geschrieben und man hätte sich das Lesen sparen können. Aber ich fand dieses Buch sehr interessant und habe mehr über Land und Leute erfahren.


    Fazit:

    Mir hat das Lesen dieses Buch sehr viel Spaß gemacht. Empfehlen kann ich es auf jeden Fall!




  17. Cover des Buches Kings of London (ISBN: 9783518466100)
    William Shaw

    Kings of London

     (32)
    Aktuelle Rezension von: DarthEni
    "Kings of London" ist die Fortsetzung des Kriminalromans "Abbey Road Murder Song". Man kann den zweiten Band jedoch auch dann lesen, wenn man den ersten Roman nicht kennt. Es werden zwar Andeutungen bezüglich des Vorgängers gemacht, aber diese versteht man auch ohne Vorkenntnisse.

    Auf den Inhalt möchte ich gar nicht weiter eingehen, da jedes Wort hier zu viel verraten wäre. Der Klappentext gibt hier einen guten ersten Eindruck, um zu entscheiden, ob man die Geschichte ansprechend findet. Ich möchte lediglich sagen, dass ich bezüglich der Handlung mehr Spannung erwartet habe und mir die Auflösung nicht besonders zugesagt hat.

    Neben der Handlung ist der zweitwichtigste Faktor bei einem Kriminalroman der Protagonist. Besonders gut gefällt mir, dass der Autor William Shaw keine Abziehbilder erschaffen hat. Der Protagonist Cathal "Paddy" Breen wirkt erschreckend normal, er hat weder ein Alkoholproblem noch leidet er unter einer Scheidung oder ähnlichen Klischees. Er gehört zu der Sorte Polizist, die mit ihrer Arbeit tatsächlich noch versuchen etwas Gutes zu tun. Ab und zu wirkt Paddy fast schon etwas "langweilig", was meiner Meinung nach allerdings eher positiv als negativ ist. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass der Leser noch tiefere Einblicke in seine Gedanken und Motive gewährt bekommt.

    Paddys Arbeitskollegin Helen Tozer ist ebenso gut ausgearbeitet. Als Frau in den 1960ern bei der Polizei zu arbeiten war wohl nicht so einfach. Tozer wird oftmals unterschätzt, ihr wird nichts zugetraut. Wenn sie einen Erfolg zu verzeichnen hat, wird ihr unterstellt, dass ein männlicher Kollege die eigentliche Arbeit getan hätte. Je nach Situation reagiert Tozer darauf entweder gelassen oder genervt. Klar merkt man auch, dass sie teilweise rebelliert/rebellieren möchte, aber es wird nie übertrieben dargestellt.

    Die Atmosphäre war durchgehend gut, wobei die Zeitspanne relativ austauschbar ist, abgesehen vom Unterschied der Ermittlungsmethoden und -werkzeuge.

    Insgesamt habe ich von "Kings of London" mehr erwartet. Die Handlung ist in Ordnung, wobei hier Spannung und Überraschungsmomente fehlen. Dafür kann der Autor mit seinen Figuren punkten, die gut ausgearbeitet sind und durch die Abwesenheit von Klischees zu keiner Zeit nerven. Wer mit nicht allzu hohen Erwartungen an das Buch rangeht wird hier gut unterhalten. Es gibt aber definitiv spannendere Alternativen.
  18. Cover des Buches Chucks (ISBN: 9783442747023)
    Cornelia Travnicek

    Chucks

     (120)
    Aktuelle Rezension von: Fantasticfox

    Das Cover ist schlicht und doch schön und der Klappentext schon sehr toll.

    Die Thematik soll nachdenklich stimmen und schafft das auch. Man kann sich super in die Protagonisten hineinversetzen.

    Auch der Schreibstil ist super angenehm und packend, sodass die Seiten nur so dahinfliegen.

    Alles in allem also ein super Roman mit wichtiger Thematik, der sehr bewegt und aufmerksam macht, sowie zum Nachdenken anregt.

  19. Cover des Buches Oktober und wer wir selbst sind (ISBN: 9783895616860)
    Peter Kurzeck

    Oktober und wer wir selbst sind

     (9)
    Aktuelle Rezension von: Fabian_Neidhardt

    Kurzeck erzählt keine Geschichten, Kurzeck erzählt Leben. Schreibt nieder, was passiert und was er denkt und was ihn an was erinnert. Dabei erinnert mich seine Schreibe daran, wie Araber schreiben. Die Vokale werden nicht geschrieben, und dennoch versteht man jedes Wort aus dem Kontext. Ähnlich ist es bei Kurzeck. Er lässt viele Worte weg, weil klar ist, welche es sein müssen. Schreibt extrem elliptisch und überlässt dem Leser das denken.

    Man kann nicht wirklich runterlesen, diese Gedanken. Man muss aktiv lesen, sich aktiv in den Kanal Kurzeck schalten, der einfach durchgehend läuft. Es gibt keine Absätze, keine Ruhepause.

    Es gibt viele schöne Gedanken, mein Exemplar des Buches ist voller Eselsohren und unterstrichenen Sätzen. Es gibt viel Atmosphäre, viele Bilder. Aber keine Geschichte. Kein Plot. Man das Buch irgendwo anfangen und irgendwo aufhören. Das Buch selbst fängt irgendwo an und hört irgendwo auf. Die erste Hälfte macht das Spaß. Tolle Bilder, schöne Sätze, angenehmes Gefühl. Aber irgendwann ist es mir wirklich anstrengend, dabeizubleiben. Und ich weiß, es gibt noch ein halbes Dutzend weiterer Bücher, die genau so funktionieren.

    Man kann das schon machen, dieses Einschalten von Kanal Kurzeck. Aber ich brauche das nicht nochmal. Da lese ich lieber Geschichten, habe genug eigenes Leben in mir.

  20. Cover des Buches Große Liebe (ISBN: 9783499269707)
    Navid Kermani

    Große Liebe

     (28)
    Aktuelle Rezension von: serendipity3012
    Aus anderer Perspektive 

    Ein Fünfzehnjähriger verliebt sich zum ersten Mal, so sehr, dass es ihn erschüttert, dass für nichts anderes mehr Platz ist. Die Angebetete ist ein paar Jahre älter, Abiturientin, doch trotzdem werden die beiden ein Paar. Sehr kurz, eine Woche dauert das Zusammensein nur, in der der Junge dreimal bei ihr übernachtet, erste sexuelle Erfahrungen macht, bevor sie sich ihm entzieht und es schon wieder vorbei ist. Das Leiden des Jungen ist unermesslich, die Eifersucht, das Nicht-wahrhaben-wollen – nie wieder habe er so geliebt wie beim ersten Mal, so sagt er, und genau um diese ersten Erfahrungen geht es in Navid Kermanis Roman „Große Liebe“.

    Für sich genommen wäre die Geschichte einer Pubertätsliebe, die gerade mal eine Woche gedauert hat, kaum Stoff genug für einen Roman, den auch jene lesen wollten, deren Jugend längst hinter ihnen liegt. Doch Kermani führt seiner Geschichte noch eine, eher zwei weitere Ebenen hinzu, die die Lektüre dann doch zu einem Gewinn machen:

    Zunächst einmal wechselt der Erzähler immer wieder hin und her zwischen der Er- und der Ich-Perspektive, erklärt dies auch an einer Stelle damit, dass er sich selbst in dem jüngeren Ich nicht wieder erkenne: Es sei also mehr als ein literarischer Trick. Gleichzeitig ist das aber auch eine Art Kokettieren, ein sicherlich bewusstes Verwirren des Lesers, denn „Große Liebe“ ist ganz eindeutig ein Roman. Und doch scheint die Grenze zwischen Erzähler und Autor immer wieder zu verschwimmen, neigt man dazu, zu vergessen, dass wir hier nicht eine autobiographische Episode aus dem Leben des Autors lesen. Ganz automatisch sieht man Kermani vor sich, der – so lässt er uns ja auch glauben – seine eigene Geschichte erzählt. Und zwar aus heutiger Perspektive heraus, mit 30 Jahren Abstand, so dass er dem Erzählten die Perspektive desjenigen gibt, der in der Lage ist, das Geschehene mit Abstand einzuordnen.

    Was den Roman aber vor allem von anderen Geschichten um eine erste Liebe unterscheidet, dürften die vielen immer wieder eingeschobenen Betrachtungen oder auch nur kurze Zitate aus der persisch-islamischen Liebesmystik sein, die mit dem Geschehen in Verbindung gebracht werden. Zum Beispiel, wenn der Erzähler sich der Eifersucht des Jungen zuwendet und diese vergleicht mit dem, was der persische Mystiker Schibli zu ihr zu sagen hat:

    „Der höchste Grad der Eifersucht jedoch besteht darin, auf sich selbst eifersüchtig zu sein. Gefragt, was wahre Liebe sei, antwortete Schibli: „Wahre Liebe ist es, wenn du zu eifersüchtig bist, als daß einer wie du sich dem Geliebten zuwenden dürfte.“ Das hat nun alles mit dem Jungen nichts mehr zu tun, dessen Liebe Schibli alles andere als groß vorgekommen wäre. Ich erwähne es nur, um zu illustrieren, daß die Eifersucht nicht erst mit der Verzweiflung auftritt, sondern schon der Verzückung angehört….“ Kapitel 84

    Der Erzähler macht seinen Leser, den er von Zeit zu Zeit auch persönlich anspricht, gern glauben, dass er sein Konzept, das dem vorliegenden Buch zugrunde liegt, nach Lust und Laune ändert. Er führt auf, wie viele Kapitel er für welches Stadium der Liebe vorgesehen hat, nur um sich doch wieder als unzuverlässig zu erweisen und alles über den Haufen zu werfen. Wir lesen also nicht nur seinen Roman, wir sind auch bei dessen Entstehen dabei – angeblich.

    Mit „Große Liebe“ ist Kermani ein Roman gelungen, der eine Geschichte, die so alt ist wie die Menschheit, auf andere, neue Art erzählt. Er nimmt sein jüngeres Ich ernst, betrachtet es aber auch ehrlich aus heutiger Perspektive, er benutzt eine Sprache, die sich zwischen gesetzt und gestelzt befindet und die vermutlich nicht jedermanns Sache ist. An einigen Stellen vielleicht ein wenig redundant, so dass man kleinere Längen empfindet. Alles in allem aber eine charmante Geschichte, die durch Kermanis durchdachte Konzeption alles andere als eindimensional ist. 
  21. Cover des Buches Das wird mein Jahr (ISBN: 9783746626352)
    Sascha Lange

    Das wird mein Jahr

     (6)
    Aktuelle Rezension von: gi_johm
    Unterhaltsam, schnell gelesen, erfreulich fröhlich. Überraschende Erkenntnis: Wie unkritisch die Haltung des Helden gegenüber Konsum und Kapitalismus ausfällt - ich hegte bisdato immer die Illusion, dass der offengelegte (sehr gute) Musikgeschmack unbedingt nur mit einer linken, aufklärerischen, emanzipierten Haltung und einer gewissen Widerstandsfähigkeit gegenüber den Verführungen des Westens in Einklang zu bringen ist. Aber offensichtlich ein Irrtum. Mein größter Wunsch jetzt: Die Kapitelüberschriften in eine echte Playlist verwandeln. Gibt es denn keine CD zum Buch zu kaufen? ;-J
  22. Cover des Buches Berliner populäre Irrtümer (ISBN: 9783839341117)
    Volker Wieprecht

    Berliner populäre Irrtümer

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Jens65
    Sehr nett! Man kann beliebig drin rumblättern, man findet immer was Interessantes oder Kurioses. Perfekt für jeden Partysmalltalk, um Freunde zu beeindrucken. Hübsch aufgemachtes Buch, gut zum Verschenken oder zum Behalten.
  23. Cover des Buches Volles Haus (ISBN: 9783894255404)
    Kirsten Holst

    Volles Haus

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Lilith79

    In dem Krimi "Volles Haus" werden die dänischen Kommissare Hoyer und Therkelsen gleich zu Beginn mit mehreren schlimmen Gewalttaten konfrontiert. Die 12-jährige Bettina ist schon seit einiger Zeit verschwunden und niemand glaubt mehr daran, dass sie noch lebendig aufgefunden wird. Dann findet ein Dorfpolizist bei einer Rundfahrt einen Selbstmörder, als er dessen Familie informieren will, findet er die Frau schwer verletzt vor, die gemeinsamen Kinder des Paares wurden brutal ermordet, offenbar von dem Vater. Und dann wird auch die Leiche eines Obdachlosen in einem besetzten heruntergekommenen Haus aufgefunden als die Polizei dieses räumen lässt. Schnell wird dem Leser klar, dass alle diese Ereignisse zusammenhängen, aber wie und warum?

    Die beiden Polizisten ermitteln im Umfeld der jugendlichen Hausbesetzer und versuchen die letzten Tage des Leben des ermordeten Obdachlosen zu rekonstruieren. Das Buch präsentiert sich dabei als klassischer Ermittlungskrimi mit zwei sympathischen Kommissaren. Der Kriminalfall ist interessant und das Buch liest sich flüssig und unterhaltsam. Der Krimi ist erstmalig schon 1982 erschienen, man merkt der Geschichte aber eigentlich überhaupt nicht an (weder sprachlich noch inhaltlich), dass sie schon über 30 Jahre alt ist,  abgesehen davon, dass es noch keine Handys gibt, könnte sie genauso gut heute spielen.

     

     

     

     

     

  24. Cover des Buches die terroristin. roman. aus dem englischen von manfred ohl und hans sartorius (ISBN: B008NLKPW6)

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