Bücher mit dem Tag "havanna"
25 Bücher
- Meike Winnemuth
Das große Los
(258)Aktuelle Rezension von: Schlumpfine-02Das große Los“ von Meike Winnemuth ist ein humorvoller, inspirierender Reisebericht über ein Jahr in 12 Städten weltweit, finanziert durch einen Gewinn bei „Wer wird Millionär?“ In Briefen teilt sie Aha-Erlebnisse, Kulturschocks und innere Veränderungen – ein Plädoyer für Mut und Möglichkeiten, das nie langweilig wird.
- Javier Marías
Mein Herz so weiß
(306)Aktuelle Rezension von: wandablueJavier Marías (1951-2022) Roman „Mein Herz so weiß“ ist alt. Sozusagen verstaubt. Geschrieben 1992, übersetzt 1996 ins Deutsche. Zunächst ungeliebt, ein Ladenhüter, bis Marcel Reich-Ranicki sich im Literarischen Quartett seinerzeit überaus lobend äußerte. Seither oft gekauft. Und selten gelesen.Vielleicht jetzt nach dem Versterben des Autors 2022 wieder öfter aus dem Bücherschrank gekramt.
Nun, ich habe den Roman tatsächlich erst jetzt (2022), genau aus diesem Anlass, nach all diesen Jahren gelesen und wenn ich auch nicht ganz so enthusiastisch bin wie Marcel Reich-Ranicki, so stimme ich doch generell in sein Lob ein. Und das von ganzem Herzen. Allerdings gibt es so ein paar Hürden für die Leserschaft.
Spanische Literatur ist nun einmal nicht deutsche Literatur. Spanische Literaten holen weit aus oder verlieren sich (scheinbar) in ihren Schachtelsätzen. Das ist bei modernen spanischen Literaten wie bei Miqui Otero zum Beispiel der Fall oder bei weniger modernen wie Javier Marías. Es sind Spanier. Das muss als Erklärung genügen. Jedenfalls, die Hälfte der anvisierten und durchaus sich der spanischen Weltliteratur auszusetzen gewollten und gewillten Leserschaft geht durch die Schachtelsätze verloren und durch die vielen Klammerzusätze. Sie brechen die Lektüre ab und das ist sehr schade.
Denn so bekommt diese Hälft gar nicht mehr mit, dass wir mit dem Roman „Mein Herz so weiß“ eine raffinierte Verdichtung von Shakespeares Drama Macbeth vor uns haben. Ja, man könnte es bereits aus der Titelgebung erraten, denn diese Zeile „Mein Herz so weiß“ ist ein Zitat aus Shakespeare. Aber wer ist schon so gebildet? Und da ich keine Shakespeareliebhaberin bin, habe ich es auch nicht gewusst. Aber es schwant einem doch irgendwann einmal, dass Juan, unser Icherzähler, nicht so ganz ohne Grund ständig aus Macbeth zitiert.
Kommen wir zur Sache: Juan, ein vierunddreißigjähriger spanischer Übersetzer und Dolmetscher lernt Luisa kennen, die denselben Beruf ausübt und nach einiger Zeit geht er mit ihr die Ehe ein. Dies verändert alles. Denn in Juans Familie gibt es einige seltsame Vorkommnisse, denen Juan aber, aus Lethargie und Furchtsamkeit nie auf den Grund gegangen ist. Luisa ist da anders gestrickt, wohl auch, weil es ja nicht ihre Familie ist, nicht ihr Hintergrund. Sie will wissen.
Der Kommentar:
Der Autor verrät schon in den ersten Szenen des Buches, worum es letzten Endes geht. Ein Auftakt mit Knall. Buchstäblich. Denn es fällt ein Schuss! Das Familiengeheimnis wird vorgestellt. Dann aber, verzögert der Autor. Und zwar gekonnt!Mit Juan, dem Icherzähler geht die Leserschaft in allerhand philosophische Überlegungen. Und man denkt sich, insgeheim, wie langweilig. Aber das ist es nicht! Diese Überlegungen sind philosophisch-intellektueller Unterbau der Story.
Juan ist kein Akteur, er ist ein recht passiver Mensch. Und doch eigentlich ein Grenzgänger wie sein Vater, was eine mitten im Roman liegende Geschichte verdeutlicht, in der sich eine Frau demütigt, indem sie für einen Mann, den sie gar nicht kennt, ein unzüchtiges, sie herabwürdigendes Video dreht. Hier wird Juan Beteiligter.Juan macht sich Gedanken, das ist das, was er hauptsächlich tut, denn die Handlung des Romans ist spärlich. Juan überdenkt das Leben anhand seines Berufs. Wie Friedrich Schiller, dessen Lebenskreis im Gegensatz zu dem seines Freundes und Kollegen Johann Wolfgang v. Goethe begrenzt gewesen ist, schließt er vom Kleinen auf das Große. Von dem, was Juan in seinem Beruf erlebt, zieht er Schlüsse auf das Ganze. Und er hat recht damit. Gibt es eigentlich irgendwelche Gewissheiten? Nein.
So erzählt er der Leserschaft, dass die meisten Gewissheiten, deren die Menschen sich sicher glauben, lediglich auf einer stillschweigend vereinbarten bzw. angenommenen Vertrauensbasis beruhen und er macht sich alsbald daran, dies, immer mit einem Augenzwinkern, unter Beweis zu stellen.Denn wer, zum Beispiel, kontrolliert die Dolmetscher, diese unscheinbaren Gestalten, die bei internationalen Veranstaltungen in ihren gläsernen Kabinen sitzen und die Worte der Regierenden (oder deren Vertretern) übersetzen? Wie leicht wird durch Weglassen, Übertreiben und Umschreiben durch diese unauffälligen Menschen regelrecht Zensur geübt?
Javier Marías macht sich in ausgesucht dezenter Art über die Bürokratie internationaler Organisationen und deren Würdenträger lustig mit ihrer Horde sie umgebender Simultandolmetscher, wo jeder sich so wichtig vorkommt und wo nichts wirklich Wichtiges verhandelt wird, aber eine Menge Papier von links nach rechts geschoben wird und ohne Wirkung im Papierkorb landet.
Über eine Politikerin, die gerade „abgeschossen“ wurde und ihre Sachen zusammenpackt, wird gesagt: „Die schlimmsten Feinde sind die Freunde, mein Freund, hatte sie unseren Staatenlenker, dessen Weg von ausgelöschten Freunden gesäumt war, gewarnt“ – solche Sätze sind es, die mich entzücken!
In ironischer Manier sind viele philosophische Ansätze in Marías Schachtel- und Klammersätzen verpackt, man muss sie jedoch auswickeln, diese Geschenke: über die Beziehung von Wort und Tat wird da geredet, letztlich über die Beziehung zwischen Idee und Realität. Über die Kraft der Worte, über die Kraft des Schweigens und Leugnens, eigentlich über die Bedeutung des Lebens überhaupt.über Moral und Unmoral geht die Story allemal, über Ehe … eher weniger. Obwohl auch dazu Thesen in den Raum gestellt werden, Abenteuerliche Liaison oder Gewöhnung im Alltag, Vertrauen und Misstrauen, Reden oder Schweigen. Teilen oder Sich entziehen, Kontrolle oder Kontrollverlust. Das Bild, das man sich über die mitspielenden Personen macht, wird allmählich rund. Und dann sind wir endlich angekommen. Bei der Tat.
Fazit: Ein kleiner, feiner Bildungsroman über die Bestandteile des Lebens, Drama oder nicht Drama ist hier die Frage, Sein oder nicht sein. Dem deutschen Leser wird einiges abverlangt wegen der Sprache, aber am Ende lohnt es sich. Man muss wohl kaum erwähnen, dass es in einem solchen Roman keine Phrasen gibt.
Kategorie: Ein Klassiker. Weltliteratur
Verlag:Spiegel Edition, 2006. - Armando Lucas Correa
Das Erbe der Rosenthals
(100)Aktuelle Rezension von: BuchspinatZum Inhalt:
New York 2014: Annas Vater ist 2001 beim Anschlag auf das World Trade Center ums Leben gekommen. Anna hat ihn nie kennengelernt. Als unverhofft ein Brief ihrer Großtante Hannah aus Kuba eintrifft, beschließt sie, ihre Großtante in Kuba zu besuchen, um endlich etwas über ihren Vater herauszufinden.
Berlin 1939: Hannah ist elf Jahre alt, als sie mit ihrer Familie auf der St. Louis Richtung Kuba aufbricht, um die Gefahren des Nationalsozialismus hinter sich zu lassen. Denn sie sind jüdischen Glaubens. Doch während der Reise ändert Kuba die Einreisebedingungen und nur wenige Menschen dürfen das Schiff in Kuba verlassen. Hannahs Familie wird auseinandergerissen und ihr Vater zurück nach Deutschland geschickt…
Meine Meinung:
Die Geschichte spielt in zwei Handlungssträngen. Da ist einmal die elfjährige Hannah, die gemeinsam mit ihrem besten Freund nicht wirklich versteht, in welcher Gefahr sie beide und ihre Familien schweben. Wie sollten sie auch?
Doch dann gelingt ihren Familien die Ausreise nach Kuba mit dem Schiff. Auf der St. Louis ist die Welt in Ordnung. Der Kapitän jemand, der das Leid der Menschen nicht ausnutzt und das Herz am rechten Fleck besitzt. Und der – als klar wird, dass Kuba nicht – wie ursprünglich zugesagt – alle Menschen an Bord der St. Louis aufnehmen wird, alles Menschenmögliche tut, um die Menschen nicht zurück nach Deutschland bringen zu müssen.Hannah und ihr bester Freund Leo erleben auf der St. Louis ein paar unbeschwerte Wochen. Ihre kindliche Freude beim Lesen zu spüren nach all der schweren Zeit der Entbehrungen und Drangsalierung hat mein Herz berührt. Als klar wird, dass nur Hannah und ihre Mutter Kuba betreten dürfen, verändert das alles. Für immer.
Der zweite Handlungsstrang handelt 2014 von Anna, die unbedingt mehr über ihren Vater und sein Leben herausfinden möchte. Ihre Mutter kämpft seit dessen Tod mit Depressionen und ihr Kummer war deutlich spürbar beim Lesen. Anna umsorgt ihre Mutter und versucht, ihr da rauszuhelfen, doch das ist für ein Kind eine zu schwere Bürde.
Als der Brief der Großtante Hannah aus Kuba eintrifft und Annas Mutter beschließt, mit Anna nach Kuba zu reisen, verbinden sich die beiden Handlungsstränge zu einer gemeinsamen Geschichte.
Der Leser erfährt, wie es Hannah und ihrer Mutter auf Kuba ergangen ist, ob sie ihren Vater und Leo jemals wiedergesehen hat. So viele tragische Schicksale. So viel Abschied. So viel Tod.
Die Geschichte wird bildhaft ergänzt durch Fotos der originalen Passagierliste und der Passagiere der St. Louis. Dadurch bekommt dieser Roman nochmal eine andere, sehr dunkle Schwere.
Zu wissen, dass diese Geschichte nicht fiktiv ist und die Männer, Frauen und Kinder auf den Fotos nur zu einem kleinen Teil den Holocaust überlebt haben, das tut schon beim Anschauen im Herzen weh.
Zu wissen, dass es Länder gab, wie die USA und Kanada und einige andere, die es abgelehnt haben, die Passagiere der St. Louis aufzunehmen und viele von ihnen somit in den sicheren Tod geschickt haben, macht beim Lesen fassungslos.
Die Geschichte lässt beim Lesen den Schrecken des Nationalsozialismus dem Leser wieder deutlich werden und man zieht beim Lesen erschreckende Parallelen zur heutigen Zeit.
Hass, Ausgrenzung, Faschismus erfahren in diesen Tagen immer mehr Zuspruch. Sei es aus der Bevölkerung oder aus der Politik. Faschismus wird wieder salonfähig. Das darf nicht geschehen. Nicht heute und auch nicht in der Zukunft. Und es liegt in unserer Hand, dass wir in Zukunft nicht in einem faschistischen Regime leben.
Wir sind alle Menschen. Wir tragen alle das gleiche Blut in uns. Das dürfen wir niemals vergessen. Egal aus welchem Land. Egal welcher Religion. Wir sind Menschen.
#niewiederistjetzt
- Chanel Cleeton
Nächstes Jahr in Havanna
(102)Aktuelle Rezension von: tortugaIch habe durch dieses Buch das Gefühl bekommen wirklich etwas über Kuba zu erfahren. Über die Kultur, das Leben, die Geschichte, die Einschränkungen durch die Regierung und den kubanischen Pragmatismus. Es ist ein tolles Buch in dem man durch die Verschiedenen Sichtweisen von Regimekritikern, Regimebefürwortern, Exilanten und Kubanern ein sehr facettenreiches Bild von einem faszinierenden Land erhält.
- Soraya Lane
Die vermisste Tochter
(136)Aktuelle Rezension von: N.B._HumpkeMit Die vermisste Tochter setzt Soraya Lane ihre Reihe auf wundervolle Weise fort und entführt die Leser diesmal nach Kuba. Die lebendige Atmosphäre, die Farben, die Kultur und das Lebensgefühl der Insel werden so bildhaft beschrieben, dass man sich direkt dorthin versetzt fühlt.
Anfangs hatte ich die Sorge, dass die Geschichte einem ähnlichen Muster wie der erste Band folgen würde. Das hätte schnell vorhersehbar werden können. Umso mehr hat es mich gefreut, dass sich die Handlung in eine ganz andere Richtung entwickelt und ihre ganz eigene Identität besitzt.
Wie schon im ersten Band erzählt Soraya Lane die Geschichte auf zwei Zeitebenen und verwebt Vergangenheit und Gegenwart auf eine sehr gefühlvolle Weise miteinander. Genau diese Verbindungen zwischen den einzelnen Büchern machen für mich den besonderen Reiz der Reihe aus. Nach und nach entsteht ein großes Gesamtbild aus vielen einzelnen Schicksalen, Geheimnissen und Familiengeschichten.
Die Geschichte ist eher ruhig erzählt, lebt aber von ihren Emotionen, den sympathischen Figuren und den berührenden Momenten. Wer dramatische Spannung sucht, wird hier vielleicht nicht fündig, doch wer Familiengeheimnisse, historische Elemente und gefühlvolle Liebesgeschichten mag, wird dieses Buch genießen.
Ein wunderschöner zweiter Band, der Lust auf die weiteren Geschichten der Reihe macht.
- Theresia Graw
Mit Hanna nach Havanna
(72)Aktuelle Rezension von: our-red-carpet-of-booksSchon im letzten Jahr habe ich „Mit Hanna nach Havanna“ von Theresia Graw aus dem blanvalet.verlag zugeschickt bekommen
Ich hatte mich aufgrund des wunderschönen Covers riesig auf die Geschichte gefreut aber bin damals überhaupt nicht in die Geschichte gekommen.
Jetzt wollte ich das Buch endlich beenden und bin mit großen Erwartungen an die Geschichte gegangen, die ein wenig an den Film „Briefe für Julia“ erinnerte, den ich sehr gerne mag.
Das Buch erzählt die Geschichte von Katrin, die von ihrem Chef zum Abendessen eingeladen ist und fest davon überzeugt ist für Ihre Sendung „Spaziergang mit Katrin“ den Journalistenpreis Golddnen Griffel zu gewinnen.
Doch stattdessen wird ihr mitgeteilt, dass sie durch eine andere Kollegin ersetzt wird und fortan das Seniorenmagazin moderieren soll.
Durch das Magazin kommt sie in Kontakt mit Hanna, die die bittet ihre Biografie zu schreiben und mit ihr auf die Suche nach ihrer Jugendliebe nach Havanna zu reisen.
Die Geschichte hört sich toll an aber was das Buch für mich zerstörte war Katrin.
Sie war so frustriert, dass sie alles und jeden auf respektloseste Art und Weise schlecht gemacht hat und das ging gut zwei Drittel des Buches so.
Im letzten Drittel wurde die Geschichte ganz schön weil sich Katrin auf das Flair Havannas und die Menschen einlassen konnte und das dann auch dem Leser spürbar machen konnte aber da das Buch aus Katrins Perspektive geschrieben ist, war ich bis dahin schon so genervt von ihr, dass ich ihre Charakterwendung am Ende auch nichts positives mehr entgegen bringen konnte.
Ich muss Euch ganz ehrlich sagen, dass ich das Buch nicht zu Ende gelesen hätte, wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen.
Aber das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, vielleicht hat einem von Euch das Buch ja richtig gut gefallen 😊
Die Autorin schreibt am Ende, dass sie selbst in Havanna war und das Flair vermitteln wollte, was ihr durch ihre Wahl der Erzählerin meiner Meinung nach leider nicht gelungen ist.
Was mir sehr gut gefallen hat waren Hanna und die Rezepte am Ende. - María Dueñas
Wenn ich jetzt nicht gehe
(90)Aktuelle Rezension von: awogfliWas für eine Lese-Qual war dieses langatmige Abenteuerbuch fast ohne Abenteuer, diese furchtbare Schmonzette. Ich fragte mich die ganze Zeit, was die Spanier so an dieser Autorin und ihrer Art zu erzählen finden. Dramaturgisch hat dieses Werk die Qualität einer Telenovela mit gefühlten 1000 Folgen, die Handlung ist alles andere als rasant, es passiert sehr wenig aber es zieht sich ewig laaang. Sprachlich hatte ich ohnehin keinen Anspruch an dieses Werk. Ständig zählte ich die Seiten, die ich noch lesen musste, aber wegen der Autorinnenchallenge habe ich bis zum Ende durchgehalten.
Am Ende ist ist der beinharte Abenteurer auch noch in einer romantischen schmalzigen Verwicklung gefangen, ihm schlottern die Knie und Schmetterlinge flattern im Bauch - wäh das ist furchtbar und total glaubwürdig (Ironie off). Ganz zum Schluss wollte ich aber dann auch wie bei einem Autounfall, bei dem man nicht wegschauen kann, wissen, wie die Autorin die gesamten Intrigen auflöst.
Fazit: Wer kein Spanier ist und Telenovelas nicht liebt, sollte tunlichst die Finger von diesem Buch lassen. - Juan Reinaldo Sanchez
Das verborgene Leben des Fidel Castro
(1)Aktuelle Rezension von: GernotUhlAus: https://www.eulengezwitscher.com/single-post/rezension/castro
Er war der ewige Revolutionär: Fidel Castro. Auf der großen Bühne der Sozialromantik hat er alle Rollen gegeben: er war der Aufrührer an der Uni, der ehrenvoll gescheiterte Putschist als junger Rechtsanwalt, der heldenhafte Guerillakämpfer in den Bergen der Sierra Maestra, der erste Arbeiter und Bauer des sozialistischen Karibikidylls auf Kuba und der große Freund der Dritten Welt. Zwei neue Biografien erlauben ungewohnte Blicke in die Maske dieses begnadeten Selbstinszenierers.
Was ist das für ein Mann, der sein Leben für Ideale riskiert, die er dann verrät und entehrt?
Der junge Fidel Castro streitet gegen den kubanischen Militärdiktator Batista und für seine (gewöhnungsbedürftigen) Vorstellungen von Freiheit und Demokratie. Zumindest gibt er das vor. Denn kaum, dass seine siegreiche Revolution den Tyrannen vertrieben hat, sitzt auch schon der nächste große Unterdrücker in Havanna. Anfangs jubeln ihm die vermeintlich befreiten Kubaner euphorisch zu, weil Castro die amerikanischen Konzerne enteignet und den Großgrundbesitz auf die armen Landbauern verteilt. Sie bewundern ihn dafür, dass er den wutschnaubenden US-Politikern in Washington trotzig die Stirn bietet (auch wenn er sich dafür den Sowjets andienen muss). Sie freuen sich über bessere Bildung und Gesundheitsversorgungen, und sehen geflissentlich darüber hinweg, dass Castros Kuba auch nichts anderes als eine Zweiklassengesellschaft ist. Sie feiern einen Volkstribunen, der selbst mit der Machete das Zuckerrohr schneidet und können doch nicht wissen, dass hinter der Fassade des genügsamen Landmanns ohne eigenen Besitz ein den Luxus liebender Macho steckt, der sich eine geheimgehaltene Paradisinsel, eine Yacht und viele andere Annehmlichkeiten gönnt.
Davon berichtet Castros ehemaliger Leibwächter in leuchtenden Farben. Juan Reinaldo Sanchéz' Blick auf den Maximo Lider ist eine Abrechnung.Was ist das für ein Mann, der sein Leben für Ideale riskiert, die er dann verrät und entehrt? Der junge Fidel Castro streitet gegen den kubanischen Militärdiktator Batista und für seine (gewöhnungsbedürftigen) Vorstellungen von Freiheit und Demokratie. Zumindest gibt er das vor. Denn kaum, dass seine siegreiche Revolution den Tyrannen vertrieben hat, sitzt auch schon der nächste große Unterdrücker in Havanna. Anfangs jubeln ihm die vermeintlich befreiten Kubaner euphorisch zu, weil Castro die amerikanischen Konzerne enteignet und den Großgrundbesitz auf die armen Landbauern verteilt. Sie bewundern ihn dafür, dass er den wutschnaubenden US-Politikern in Washington trotzig die Stirn bietet (auch wenn er sich dafür den Sowjets andienen muss). Sie freuen sich über bessere Bildung und Gesundheitsversorgungen, und sehen geflissentlich darüber hinweg, dass Castros Kuba auch nichts anderes als eine Zweiklassengesellschaft ist. Sie feiern einen Volkstribunen, der selbst mit der Machete das Zuckerrohr schneidet und können doch nicht wissen, dass hinter der Fassade des genügsamen Landmanns ohne eigenen Besitz ein den Luxus liebender Macho steckt, der sich eine geheimgehaltene Paradiesinsel, eine Yacht und viele andere Annehmlichkeiten gönnt. Davon berichtet Castros ehemaliger Leibwächter in leuchtenden Farben. Juan Reinaldo Sanchéz' Blick auf den Maximo Lider ist eine Abrechnung.Analyse des Wissenschaftlers, Abrechnung des Bodyguards Der langjährige Bodyguard will am Ende seiner Laufbahn ins Gefängnis geraten sein, weil er um Vorruhestand gebeten habe. Solcher Undank löst die Bande der bedingungslosen Loyalität - und Sanchéz plaudert durchaus kurzweilig aus dem Nähkästchen. Es ist zwar nicht wirklich sensationell oder ganz und ganz unvorstellbar, was er da ans Licht bringt, denn dass Macht korrumpiert, ist ja an sich keine echte Überraschung. Aber Sanchéz zerstört eines der Bilder, das Castro zeitlebens von sich zeichnet: Das des uneigennützigen, väterlichen Herrschers, dessen Freizeit nur Kuba gilt, aber nie den eigenen Vergnügungen.
Wesentlich weniger aufgeregt nähert sich Roman Rhode Castros Lebensgang und Lebenswerk. Was Rhode vorgelegt hat, ist nicht weniger als ein Lehrstück politischer Biografik. Nüchtern und distanziert beschreibt und analysiert er die Entwicklung von Castro und Kuba. Er beherrscht die mehrsprachige und vieltausendseitige Literaturlage (was allerdings zur Folge hat, dass er mitunter etwas zuviel voraussetzt) und er fällt kein Vorurteil. Aber seine geradezu emotionslose Schilderung führt nochmals eindringlicher vor Augen, wie Castro seine eigenen Ideale ins Gegenteil verkehrt. Beeindruckend ist die exemplarische Anatomie des Schauprozesses gegen den ehemaligen General Ocho (von dem auch Sanchéz erzählt). Rhode zeigt, wie Castro kurzen Prozess mit allen macht, die ihm nicht folgen. Der einstige Freiheitskämpfer verachtet die Freiheit des Andersdenkens straft selbst Widerworte von engen Vertrauten mit Kerker (wie im Fall Sanchéz) und Tod (wie bei Ochoa). Beide Biografien tragen auf ganz unterschiedliche Weise - Boulevard und Wissenschaft - dazu bei, dass der Mythos Castro bröckelt und dass seine Legende möglicher kürzer lebt, als er selbst...
Eulengezwitscher. Bücher, Biografien und Blog von Gernot Uhl
- Susana López Rubio
Das schönste Mädchen Havannas
(38)Aktuelle Rezension von: lesesagaEines Tages lernt der spanische Patricio, die zauberhafte Gloria kennen. Es dauert nicht lange, verlieben sie sich die beiden ineinander. Leider ist das Glück nicht auf ihre Seite, weil Gloria verheiratet ist. Sie hat Angst, das ihr Mann Carlos Valdés der verbotene Liebe erfährt. Er ist ein Mafia Boss und sehr gefährlich.
Meine Meinung:
Das Cover ist mir direkt ins Auge gefallen, es sieht so bezaubernd aus und liebe es so sehr. 🤩 Der Schreibstil der Autorin, wie die Story hat mir sehr gefallen. Bei manchen Szenen musste ich schlucken, sie haben mich sehr berührt. Die Liebe zwischen Gloria und Patricio fand ich so schön. Nachher spürte ich Hoffnungen, das beide endlich zu einander finden würden. Leider hat sich das alles verzögert, es sind Dinge passiert, was ich mir anders gewünscht hätte und es ist nicht so schlimm. Die Liebe zwischen den beiden ist was ganz besonderes und wertvoll. Das Ende hat mich sehr überrascht und bin ich happy das Buch gelesen zu haben. Es ist eine klare Leseempfehlung! 😽
- Vanessa Lafaye
Das Haus des Kolibris
(18)Aktuelle Rezension von: engineerwifeNachdem ich kürzlich meinen Sohn in Amerika besucht hatte und somit Florida ein wenig kennenlernen durfte, war der Griff zu diesem Buch fast schon eine Selbstverständlichkeit, wenn nicht gar ein Muss. Während ich den „Sunshine State“ natürlich in der Gegenwart und in friedlichen Zeiten erleben durfte, fand ich die Reise in die Vergangenheit durch die Augen der leider viel zu früh verstorbenen Autorin Vanessa Lafaye umso spannender.
Der Roman „Das Haus des Kolibris“ ist in zwei Zeitebenen unterteilt, von denen eine im Jahr 1919 und die zweite in den frühen 90er Jahren des letzten Jahrhunderts spielt. Zunächst schreiben wir das Jahr 1919. Die junge Alicia Cortez fällt bei ihrer Familie in Ungnade und ist gezwungen ihre geliebte Heimat Kuba zu verlassen, um in Florida gezwungenermaßen ein neues Leben zu beginnen. Dort findet sie Anstellung im „Tea Salon“ ihrer Cousine. Als diese überraschend stirbt, findet Alicia sich als Besitzerin des Etablissements wieder, das sich bei genauem Hinsehen als Freudenhaus entpuppt hatte. Mit viel Kraft und Spucke stellt sie sich der ungewöhnlichen Herausforderung, bringt den Laden in Schwung und auf Vordermann. Stets an ihrer Seite findet man den Kriegsveteranen John, dem die benachbarte Bar gehört. Nach anfänglichem Zögern verlieben sich die Beiden ineinander und sind bald ein unzertrennliches Paar. Doch sie haben die Rechnung ohne den Wirt, beziehungsweise ohne den KKK gemacht, der gerade im Begriff ist in den Florida Keys Fuß zu fassen. Schnell beginnen Alica und John aufgrund ihrer gemischtrassigen Beziehung den Hass und die Gewalt am eigenen Körper zu spüren …
Das Jahr 1993 hingegen beginnt mit einem Knall, besser gesagt einem tödlichen Schuss, der einen betagten Mann im Rollstuhl niederstreckt. Eine alte Frau bekennt sich offen zu der Tat. Schnell stellt sich heraus, dass es sich hierbei um „La Rosita Negra“, auch bekannt unter ihrem echten Namen Alicia, handelt. Hat sie mit ihrer Tat endlich eine alte Schuld beglichen? Die eingeleiteten Ermittlungen gestalten sich schwierig …
Beim Lesen war ich immer wieder erschüttert, mit welch brutaler Gewalt und geglaubter Überlegenheit der Klan damals und vielleicht sogar noch agiert. Die Autorin zeichnet in meinen Augen in ihrem Roman, der auf realen Ereignissen basiert, ein erschreckend realistisches Bild der Rassendiskriminierung in den Südstaaten der USA im frühen 20. Jahrhundert. Trotz des schwierigen Themas habe ich mich beim Lesen sehr gut unterhalten gefühlt. Mir hat das Buch sehr zugesagt und somit vergebe ich sehr gerne sonnige fünf „Sunshine Sterne“.
- Helge Timmerberg
Die rote Olivetti
(6)Aktuelle Rezension von: RitjaHelge Timmerberg nimmt den Leser mit auf die Reise in sein Leben, zu seinen Anfängen und seinen ersten Reisen. Er schreibt über seine Anfänge kleine Texte zu platzieren und wie er immer mehr Zuspruch und Platz in den größten Zeitschriften Deutschlands erhält. Seine Freiheiten als Journalist/Autor ließen mich schon staunen. Ebenso war ich überrascht, was man damals als (erfolgreicher) Autor verdiente. Ob dies heute noch möglich oder sogar noch mehr geworden ist, wer weiß. Seine für mich spannenste Zeit war seine Havanna-Zeit. Seine Beschreibungen über seine Liebe, seine Kiffer-Drogen-Zeit und auch die Arbeitsbedingungen waren faszinierend zu lesen. Er lässt nichts aus und stürzt dabei auch ordentlich ab und doch schafft er es, sich immer wieder aus dem Sumpf zu ziehen.
Die Reise durch den Himalaja zeigte, wie er versucht die Länder und die Menschen, deren Arbeit, deren Religion und deren Leben aufzusaugen, um sie dann auf Papier zu bringen. Er ist in seinen Büchern immer sehr geradeaus, schont sich und seine Leser nicht und doch sieht er vieles mit einem Augenzwinkern und Ironie.
Und genau diese Mischung lässt mich immer wieder Bücher von ihm lesen.
- Chanel Cleeton
Nächstes Jahr in Havanna
(5)Aktuelle Rezension von: LennyMeine Rezension habe ich unter dem Buch bereits geschrieben, muss aber zum Hörbuch unbedingt noch schreiben, wie klasse ich es finde, dass die 2 Zeitebenen mit unterschiedlichen Stimmen gesprochen werden! So weiß man immer, auch bei Unterbrechungen, in welcher Zeit man gerade ist.
Eine klasse Geschichte super vorgelesen!
- Leonardo Padura
Neun Nächte mit Violeta
(8)Aktuelle Rezension von: nathschlaeger. Auf einer Strandliege am Meer, mit Eistee und Blick über das Buch auf die Wellen mag ich Padura. Er schreibt gemächlich und was er schreibt, liest man am besten gemächlich. Er ist ein genauer, aber angenehmer Beobachter zwischenmenschlicher Beziehungen und der daraus entstehenden Dynamik zwischen Menschen. Es ist ein mäandernder Stil, der mich als Leser mitnimmt, ohne mich mitzureißen. Gute Urlaubslektüre also.
- Yvonne Eisenring
Ein Jahr für die Liebe
(33)Aktuelle Rezension von: varietyDie Autorin reist um die Welt und lernt x Männer (etwas) kennen. Sie wirkt dabei für mich etwas gehetzt und verbissen. Das erleichtert das Finden des Richtigen wohl auch nicht gerade...!
Nach der fünften Station wiederholen sich ihre Aussagen und der Lesegenuss beschränkt sich auf einzelne humorvolle Passagen. Ansonsten habe ich mich gefragt: Für wen (ausser für sich!) hat sie dieses Buch geschrieben? - Leonardo Padura
Die Durchlässigkeit der Zeit
(15)Aktuelle Rezension von: Andreas_TrautweinDer Autor Leonardo Padura schreibt so schön. Auch wenn es eine Übersetzung ist, ist diese sehr gut gelungen. Das ist Literatur, wie ich es nicht schreiben werden kann. Die Geschichte über eine Schwarze Madonna und die daraus gestrickte Kriminalgeschichte ist mit Rückblicken ins Mittelalter von Spanien bestückt. Die Story fließt, rüttelt nie auf, aber bleibt konstant auf hohem Niveau. Die Rückblicke sind an manchen Stellen zu ausfühlrich und man ist froh, wenn diese Kapitel enden. Interessant sind sie dennoch. Also nicht überspringen. Klare Empfehlung.
- Elizabeth Graver
Kantika
(43)Aktuelle Rezension von: AischaElisabeth Gravers "Kantika" ist eine berührende Familiensaga, die mich von Anfang an in ihren Bann gezogen hat. Als sephardische Jüdin erzählt Graver die Geschichte ihrer Vorfahren mit großer Wärme und einer Liebe zum Detail, die spürbar macht, wie tief sie mit ihren Wurzeln verbunden ist.
Besonders hat mich die märchenhafte Kindheit von Gravers Großmutter Rebecca fasziniert. Graver schildert Rebeccas frühe Jahre so lebendig, dass ich mich förmlich in die Szenen hineinversetzt fühlte. Gleichzeitig litt ich mit der Familie, als sie aufgrund des aufkeimenden Antisemitismus aus der Türkei fliehen musste – zunächst nach Barcelona, später nach Havanna und schließlich in die USA. Es ist eine Geschichte voller Verluste und Neuanfänge, und Graver gelingt es meisterhaft, sowohl die Härten des Exils als auch die Hoffnung auf ein neues Leben spürbar zu machen.
Besonders gut gefallen hat mir die atmosphärische Dichte des Romans. Die Autorin schafft es mit ihrer präzisen Sprache und ihren detailreichen Beschreibungen, die verschiedenen Orte und Zeiten zum Leben zu erwecken. Man hört die Lieder, riecht und schmeckt die Gerichte, empfindet die Stimmungen der Orte – sei es das geschäftige Barcelona der 1920er-Jahre oder das sonnendurchflutete Havanna. Die intensive Recherche, die hinter diesem Buch steckt, macht sich in jedem Kapitel bemerkbar.
Ein kleiner Wermutstropfen war für mich die Gestaltung der Schwarz-weiß-Fotos. Diese hätten einen wunderbaren zusätzlichen Einblick bieten können, doch sie sind so klein abgebildet, dass wichtige Details kaum zu erkennen sind. Bildunterschriften, die Orientierung geben, fehlen ebenso. Auch hätte ich mir an manchen Stellen mehr geschichtliche Einordnung gewünscht. Graver lässt die politischen Umstände, die das Leben ihrer Ahnen so stark beeinflusst haben, meist nur als leises Hintergrundrauschen anklingen. Etwas mehr Kontext hätte das ohnehin reiche Porträt noch weiter vertieft.
Trotz dieser kleinen Kritikpunkte bleibt "Kantika" für mich ein großartiger Roman, den ich gerne weiterempfehle. Elisabeth Graver erzählt die Geschichte ihrer Familie mitreißend, detailreich und voller Empathie. Wer sich für persönliche Lebensgeschichten im Spannungsfeld von Exil, Identität und kulturellem Erbe interessiert, wer starke Frauenfiguren mag, wird hier eine eindrucksvolle und bewegende Lektüre finden. - Apostolos Doxiadis
Des Menschen Wolf
(14)Aktuelle Rezension von: Cleo15Eigentlich bin ich kein großer Krimi- Fan und um Thriller mache ich einen großen Bogen. Irgendwie sind mir die beschriebenen Themen darin zu realistisch und dann kann ich abends nicht mehr durch den Bahnhof gehen, ohne mich immer mal unauffällig umzusehen… Bei Mafiageschichten verhält sich das nicht anders. Und doch hat mich der Klapptext von „Des Menschen Wolf“ vom griechischen Autor Apostolos Doxiadis angesprochen. Da mich dann allerdings die Skepsis noch in ihren Fängen hielt, lag das Buch einige Zeit bei mir herum, bis ich mich dann doch mal getraut habe. Und das hat sich auf jeden Fall gelohnt, denn dieses Buch ist kein gewöhnlicher Mafia- Mord- Roman sondern eine richtig gut ausgearbeitete, detaillierte Geschichte. Aber erst einmal zum Inhalt:
Inhalt:
Die Brüder Al, Nick und Leo haben ein schweres Los gezogen. Ihr Vater hat den Sohn eines großen Mafiabosses umgebracht und dieser schwört nun Rache. Wenn seine Söhne das 42. Lebensjahr erreichen, sollen sie getötet werden. Die Söhne sind noch jung und der Mafioso muss jemanden für diese Aufgabe anstellen, da er zu dieser Zeit selbst schon längst im Himmel (oder je nach dem, in der Hölle) weilt. Und so beginnt jeder der Söhne einen Plan zu entwickeln, um sich zu schützen.
Charaktere:
Al: Er ist der Älteste und schlauste der drei. Seine Methode ist Geld, und zwar eine große Menge Geld. Von den drei Brüdern hat er mir am besten gefallen. Er hatte seine Schattenseiten, wie jeder andere Mensch auch, aber er hatte vor allem auch das Wohlergehen der anderen im Blick. Er hat seine Intelligenz benutzt und aus eigenem Antrieb und Können etwas auf die Beine gestellt.
Nick: Der zweite versucht als Schauspieler so berühmt zu werden, dass wenn er 42 ist, die ganze Welt auf ihn aufpasst. Er ist dumm, nur auf sein Äußeres und auf seine Wirkung fixiert. Er bekommt schnell zu spüren, dass Ruhm etwas Vergängliches ist, kann es jedoch nicht begreifen. Ich war von seinem Charakter fasziniert und abgestoßen gleichermaßen.
Leo: Er ist der Jüngste und erfährt erst sehr spät etwas über die Morddrohung. Er ist unglaublich gerissen, dreist und verschlagen. Bei ihm war es so, dass ich ihn bis auf wenige Seiten am Ende absolut nicht leiden konnte. Das ist ein sehr gelungener Streich vom Autor. Den ersten Bruder bewundert man, beim zweiten bekommt man Zweifel, aber irgendwie erkennt man seine Leistung trotzdem noch an und den dritten verachtet man. Wenn man das mit dem Ende des Buches in Zusammenhang bringt (was ich hier tunlichst versuche, zu vermeiden, um nicht zu arg zu spoilern), hat der Autor in meinen Augen etwas ganz wunderbares und überraschendes geschafft.
Auch über den Killer erfährt man einiges. Z. Bsp. wie er sein Leben all die Jahre führt, wie sich seine Intentionen und sein Verhalten über die Zeit ändern.
Das alles ist sehr detailliert und von einer undurchdringlichen inneren Ruhe des Erzählers geschrieben. Trotzdem oder gerade deswegen bleibt die Geschichte immer spannend. Da die Brüder sehr unterschiedliche Leben führen, ist es auch überaus abwechslungsreich. Natürlich fließt auch Blut und Menschen sterben, aber es ist trotzdem kein typischer Mafiakrimi, sondern eher eine kritische und auch ironische Erzählung darüber, was man tut, um sein Leben vor einer undefinierten Gefahr zu schützen.
Fazit:
Ich vergebe 5 Sterne für dieses herausragende Buch.
- Reinhard Kleist
Havanna
(5)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerIch habe keinerlei Ahnung vom Malen und Zeichnen: Meines Erachtens sind die Zeichnungen gelungen und zeigen mir, wie Fotos, die Landschaft und die Menschen auf. Die farbigen und schwarz-weißen Zeichnungen, sowie die skizzenhaften Zeichnungen bieten dem Auge reichlich Abwechslung. Ein Manko des Buchs ist die kleine Schriftgröße, aber man hat halt nicht den Platz für eine Größere und daher ist das Manko so klein wie die Schriftgröße selbst.
Das Bilderbuch ist ein gelungenes kleines Werk: Reinhard Kleist zeichnet seinen Weg durch drei Städte Kubas und erzählt sein Erlebtes und lässt auch Kubaner zu Wort kommen. Dabei gibt er sich keine Mühe, um Kuba schlecht noch gut zu reden.
Das Buch wird natürlich keinen Kapitalisten zum umdenken bewegen, kann aber jemanden der vorurteilsvoll auf Sozialismus oder dergleichen schaut, ein Hoffnungsschimmer sein; wenn er's denn zu lässt.
Aber die letzte Seite des Buches (als Kleist wieder zurück in Deutschland ist) zeigt, dass weder Kuba noch Deutschland so unterschiedlich in Hinblick auf: Freie Presse, Freie Wirtschaft, Propaganda/Werbung, etc. sind. Natürlich kann man nicht alles grob vergleichen, aber wenn sich manches was heutzutage noch als "frei" in Deutschland bezeichnet wird anschaut, dann steht manches was als "unfrei" in Kuba bezeichnet wird im Gegensatz.
- Claudia Clawien
Sieben Farben Blau
(25)Aktuelle Rezension von: Lacrima_Musslick....lebe deinen Traum!
Es nimmt einen mit auf Reisen und gibt wertvolle Einblicke. Es freut mich, dass hier zwei Menschen nach einem schweren Schicksal das Beste gemacht haben und nun ihren Traum leben.
Da ich die Autorin persönlich kenne und sie mich ein Stück meines Weges begleitet hat, perfekt, dass es hier gefühlt umgekehrt ist. ❤️
- Sabine Strick
Der Himmel über Havanna
(34)Aktuelle Rezension von: KikiAndersWie immer hat mich ein Roman von Sabine Strick in Gefilde geführt, auf die ich zwar neugierig bin, aber als "Hasenfuss" viel zu ängstlich bin um selbst dorthin zu reisen.
Von Kuba war ich immer fasziniert. 1957 geboren, war ich von Che Cuevera so fasziniert, dass mein Vater mich als "Revoluzzerin" verprügelte.
Deshalb habe ich es geliebt, diesen Roman zu lesen. Es ist ein bisschen viel Lovestory, aber auch ein guter Ausgleich für Leser*innen, die weniger an der Historie der Revolution interessiert sind, sondern sich auf eine wunderschöne Romanze einlassen wollen.
Mir hat das Buch prima gefallen ind ich fand es spannend und lesenswert bis zum Schluß. Wer mich kennt, weiß dass ich den als erstes lese 😄
Klare Leseempfehlung!
- Leonardo Padura
Der Nebel von gestern
(27)Aktuelle Rezension von: Barbara62Mario Conde, Expolizist, Padura-Fans vertraut aus Das Havanna-Quartett, verdient sein Geld als Antiquar. Eines Tages entdeckt er eine seit 40 Jahren unberührte Bibliothek unter der Obhut zweier alter Geschwister. Neben den kostbaren Büchern fasziniert ihn ein alter Zeitungsbericht über eine gefeierte Bolerosängerin, die sich 1960 überraschend von der Bühne zurückzog und Selbstmord beging. Schnell wird klar, dass ihr Geheimnis eng mit der Bibliothek verbunden ist, doch irgendjemand schreckt zu seinem Schutz nicht vor Mord zurück...
Ein spannender, überaus atmosphärischer Roman, der die bunte Welt vor der Revolution dem tristen Havanna der 2000er-Jahre gegenüberstellt. - Leonardo Padura
Anständige Leute
(23)Aktuelle Rezension von: AlrikHavanna, Obama, Rolling Stones und mittendrin ein toter Kunst Zensor. Klingt erstmal nach Krimi mit ordentlich Musik im Hintergrund, aber Anständige Leute ist viel mehr als nur ein Mordfall mit kubanischem Flair. Dieses Buch riecht nach heißem Asphalt, altem Rum, falschen Versprechen und nach einer Stadt, die gleichzeitig tanzen und schreien möchte.
Mario Conde stolpert hier nicht einfach durch Ermittlungen, er trägt diese Geschichte wie einen schweren Rucksack. Man spürt seine Müdigkeit, seine Wut und diesen trockenen Humor, bei dem man kurz grinst und direkt danach denkt: Autsch, das war eigentlich bitter. Genau das mochte ich richtig gern.
Besonders stark fand ich die zwei Zeitebenen. Die Gegenwart mit Obama Besuch und Rolling Stones Konzert wirkt wie ein Land im Rausch, als würde gleich alles besser werden. Daneben das Jahr 1909 mit Halley’schem Kometen, Rotlichtmilieu, Gangstern und Mord. Erst denkt man: Okay, wohin will Padura damit? Und dann ziehen sich die Fäden langsam zusammen. Nicht hektisch, nicht billig, sondern mit richtig viel Gefühl für Geschichte.
Das ist kein Krimi zum Wegatmen. Padura nimmt sich Zeit, manchmal fast frech viel Zeit, aber genau dadurch entsteht diese Wucht. Kuba wird hier nicht als Postkartenkulisse gezeigt, sondern als verletzter, widersprüchlicher Ort voller Sehnsucht, Korruption, Hoffnung und kaputter Biografien.
Für mich ein dichter, kluger und atmosphärisch starker Kriminalroman, der im Kopf nachhallt. Nicht laut wie ein Knall, eher wie ein alter Song, der plötzlich wieder wehtut.























