Bücher mit dem Tag "hebamme"
102 Bücher
- Caragh O'Brien
Die Stadt der verschwundenen Kinder
(1.048)Aktuelle Rezension von: bibliophilaraZuletzt habe ich im vergangenen Spätsommer eine dystopische Trilogie gelesen. Mit der um „Gaia Stone“ kommt hier die nächste. Die Jugendbuchreihe von Caragh O‘Brien war ein Weihnachtsgeschenk meiner Patentante, was durchaus passend ist, da die Familie auch hier eine wichtige Rolle spielt. Der erste Band heißt „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ und erschien 2011. Die Protagonistin heißt Gaia Stone, was übrigens ein kleines Wortspiel ist, da Gaia Stone ins Deutsche übersetzt etwa „grüner Obsidian“ bedeutet.
Anfang des 25. Jahrhunderts lebt die 16-jährige Gaia Stone mit ihren Eltern im Dorf Wharfton. Ihre Mutter Bonnie ist Hebamme und Gaia ist bei ihr in der Ausbildung. Es ist Gesetz, dass jeden Monat die ersten drei entbundenen Babys am Südtor der Mauern um die sogenannte „Enklave“ vorgebracht und damit abgegeben werden müssen. Für Gaia ist das in Ordnung, denn dort können die Kinder in Wohlstand und Luxus aufwachsen, was den Bewohnern von Wharfton verwehrt bleibt. Als Gaia jedoch nach ihrer ersten eigenständigen Entbindung nach Hause kommt, sind ihre Eltern verschwunden. Sie wurden von Soldaten der Enklave verhaftet und ins Gefängnis gesteckt. Nun steht Gaia vor der Wahl zu fliehen, ihr Leben so gut wie möglich weiterzuführen oder ihren Eltern zur Hilfe zu eilen.
„Im Halblicht der ärmlichen Hütte zwang sich die Frau, ein letztes, qualvolles Mal zu pressen, und das Baby glitt heraus, in Gaias griffbereite Hände.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels, der den Leser direkt ins Geschehen wirft. Setting und Protagonistin werden angehaucht, die Entbindung erreicht gerade ihren Höhepunkt und durchbricht damit die Stille der Nacht. Man kann kaum besser in eine Geschichte gezogen werden. „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ ist fast 500 Seiten lang und besteht aus 28 Kapiteln, die alle einen Namen tragen. Außerdem war in meiner Ausgabe noch eine Bonusgeschichte enthalten. Vor dem Inhaltsverzeichnis findet sich eine Karte von der Enklave und Wharfton, in der wichtige Handlungsorte wie „Gaias Zuhause“, das „Südliche Tor“ oder der „Marktplatz“ aufgeführt sind. Über den Kapiteln sind die kleinen Punkte, die man schon vom Cover kennt. Insgesamt ist die Gestaltung allgemein sehr liebevoll gemacht, was sich auch bei den Codierungen und den Symbolen in der Geschichte zeigen.
Gaia berichtet als personaler Erzähler im Präteritum. Sie ist ein unscheinbares, schlankes Mädchen mit braunen Haaren. Jedoch ist sie im wahrsten Sinne des Wortes gebrandmarkt, da sie eine vernarbte linke Gesichtshälfte hat, weil diese als sie noch klein war, mit heißem Wachs verbrannt wurde. Damit galt sie in ihrer Gemeinde als Missgeburt, wurde gemieden und von vermeintlich Gesunden fern gehalten. Dies belastet sie vor allem psychisch: Man merkt ihr ihre Unsicherheit, Scham und Schüchternheit sehr schnell an. Zudem hat sie permanent den Drang ihren Makel vor anderen Menschen zu verstecken und kann Blicke auf ihr Gesicht nicht ertragen. Doch die Vernarbung ist Fluch und Segen zugleich, denn da sie als Missgeburt galt, konnte sie nicht mehr der Enklave vorgebracht werden und wuchs deshalb bei ihren leiblichen Eltern auf, die sie sehr liebevoll behandelten. Ich fand es richtig klasse, dass endlich mal ein offensichtlich fehlerhaftes junges Mädchen die Protagonistin ist und nicht wie gewohnt das klassische Mauerblümchen. Das macht Gaia zu einem einzigartigen Charakter. Trotz ihrer Zurückhaltung beweist sie jedoch auch immer wieder Mut und Willensstärke, weshalb ich Gaia von Anfang an sehr mochte.
O‘Briens Schreibstil sticht, gerade unter den dystopischen Jugendbüchern, enorm positiv hervor. Er ist einfach und doch sehr bezeichnend, sodass Situationen schnell aber prägnant gezeigt werden. Sie trifft sowohl die lauten, als auch die leisen Töne, hat ein Gespür für feine Details, ohne sich zu sehr in ihnen zu verstricken. Selbst eher inhaltsarme Kapitel füllt sie mit viel Leben, weshalb ich wirklich jede Seite genossen habe.
Es gelingt O‘Brien wunderbar einige gesellschaftliche Probleme in ihre dystopische Welt einzubinden. Beispielsweise zeigen die Enklave und Wharfton zwei kontrastreiche Welten. In der Enklave leben die Menschen ein mindestens mittelständisches Leben in Häusern mit fließend Wasser und Strom. Viele haben vornehme Möbel, Elektrogeräte und Kunstgegenstände. Die Märkte und Geschäfte bieten ein breit gefächertes Angebot, auf denen sich mit dem entsprechenden Kleingeld fast alles erwerben lässt. In Wharfton ist die Lage dagegen ganz anders. Sie müssen sich mit aufgefangenem Regenwasser begnügen, Licht gibt es nur mithilfe von Öllampen oder Kerzen. Die meisten Einwohner arbeiten in der Landwirtschaft oder im Handwerk und verkaufen ihre Waren an die Enklave. Ihre Kleidung ist einfach und häufig abgenutzt. Das Essen reicht gerade so zum Überleben. Kurzum: Die Enklave und Wharfton repräsentieren Reichtum und Armut, was sich in der realen Welt in Industrie- und Entwicklungsländern widerspiegelt. Genau wie in der heutigen Gesellschaft, basiert der Reichtum auf der Ausbeutung der Armen. Das bedeutet ein potenziell hohes Konfliktpotenzial, welches im Fall von Wharfton und der Enklave mit einer Mauer gelöst wird. Aktuellstes Beispiel für eine Mauer, die arm von reich trennen soll, ist die, die US-Präsident Donald Trump an der Grenze zu Mexiko erbauen lassen will. Mauern dieser Art sollen eine unüberwindbare Schwelle zum Wohlstand sein. Allgemein sind Mauern oder Zäune ein häufiges Motiv in dystopischen Romanen, wie beispielsweise bei „Die Tribute von Panem“ von Suzanne Collins oder der „Amor-Trilogie“ von Lauren Oliver.
An der Geschichte um Gaia hat mich aber eine Sache gestört. Sie spielt im 25. Jahrhundert, allerdings ist die Gesellschaft in der Enklave technologisch deutlich rückständiger als heutzutage. Das liegt daran, dass die Menschheit viele Ressourcen völlig ausgeschöpft hat und kaum Alternativen verbreitet sind. Soweit also verständlich. Jedoch wohnt Gaia in der Enklave auch einer öffentlichen Hinrichtung durch Erhängen bei und erzählt, dass Frauen nur in Ausnahmefällen Hosen tragen dürfen. Es gibt aber keinen logischen Zusammenhang zwischen Ressourcenerschöpfung und moralischen, beziehungsweise emanzipatorischen Rückschritten. Woher soll dieser Sinneswandel kommen, dass es in 400 Jahren wieder akzeptabel ist, Leute auf dem Marktplatz zu exekutieren und Frauen die Hosen zu verbieten? Es lässt sich zwar ansatzweise damit begründen, dass es das Staatssystem wie wir es kennen hier nicht gibt, diese Gesellschaftskritik wirkt dann aber doch überzogen und zu gewollt. Das Ende bleibt hier recht offen und hinterlässt einige Fragen. Jedoch konnte es mich auch nicht wirklich überzeugen, da es inhaltlich stark an das Finale von „Delirium“ aus der Amor-Trilogie erinnert. Trotzdem bin ich sehr gespannt auf die Fortsetzung.
„Die Stadt der verschwundenen Kinder“ ist ein vielversprechender Auftakt der sogenannten „Gaia Stone-Trilogie“. Die liebevolle Gestaltung, die sympathische Protagonistin, der grandiose Schreibstil und die klug eingebundene Gesellschaftskritik geben diesem dystopischen Jugendbuch Favoritenpotenzial. Nur die erzwungene Moralkritik und das unoriginelle Ende konnten die Euphorie leicht trüben. Insgesamt hat dieses Jugendbuch-Debüt von Caragh O‘Brien vier von fünf Federn verdient. Natürlich werde ich heute noch mit Band zwei „Das Land der verlorenen Träume“ fortfahren.
- Ariel Lawhon
Der gefrorene Fluss
(83)Aktuelle Rezension von: Puschel1304Fazit: Diese Geschichte ist eine absolute Leseempfehlung. Der Leser erhält einen Einblick in das Leben einer unfassbar starken Hebamme aus dem 18. Jahrhundert, die stets wusste, wie weit ihre femininen Grenzen reichen und welches Recht sie zu ihrer Zeit besaß und doch wusste, sich in jeglicher Schlacht bemerkenswert gut zu schlagen. Für mich ein sehr überzeugender Aspekt war von einer Protagonistin im mittleren Alter zu lesen, da das meiner Meinung nach nicht oft gegeben ist. Das Buch gibt einen Einblick in die Rolle der Frau, in Vergewaltigungen zur damaligen Zeit, in Geburten und die Prozesse vor Gericht. Es zeigt auf, wie schwer viele Situationen waren aber auch, wie die Menschen miteinander umgingen und gemeinsam dem anderen halfen. Die Geschichte rund um Martha Ballard ist eine sehr ruhige und zeitgleich intensive Reise, die mich in den Bann gezogen hat. Was mich jedoch am allermeisten überzeugte war der Aspekt, dass lediglich 25 Prozent der Handlung fiktiv waren. Den restlichen Teil hat es genau in dieser Form mit all seinen Facetten gegeben. Ein ganz starkes Buch!
- Jodi Picoult
Kleine große Schritte
(272)Aktuelle Rezension von: ratherbehappythandignifiedDer Roman „Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult handelt von Ruth Jefferson, einer Säuglingsschwester. Sie ist ziemlich gut in ihrem Job und wird von den Kolleginnen auch sehr geschätzt. Doch als sie vertretungsweise das Kind einer weiteren Familie versorgen will, stößt sie auf Ablehnung. Ihr, als Afroamerikanerin, wird von der Klinikleitung sogar untersagt, dieses Kind jemals wieder zu berühren. Doch dann geht es plötzlich um Leben und Tod, denn das Kind erleidet unter ihrer Obhut eine schwere Krise und Ruth ist hin und hergerissen, ob sie sich der Anweisung der Leitung widersetzen oder dem Kind auf bestmöglicherweise helfen soll. Doch jede Hilfe kommt zu spät und Ruth Jefferson wird angeklagt. Ihr wird nun eine Anwältin zugeteilt, doch kann Ruth der Anwältin trauen, die den Alltagsrassismus gar nicht erst kennt und verstehen kann?
„Kleine große Schritte“ von Jodi Picoult war für mich augenöffnend und aufwühlend. Ich hätte Ruth am liebsten aufschütteln wollen, als sie zu ihrer Notlüge gegriffen hat und am Ende musste ich mir wieder eingestehen, dass ich dieses ganze Leid und diese Situation gar nicht wirklich vorstellen kann. Es ist so traurig, dass wir noch heute von so viel Rassismus umgeben sind und kein Mensch sich aus dieser Verantwortung herausnehmen darf. Mir wurde einmal mehr bewusst, wie wir Menschen unterscheiden und nach Äußerlichkeiten bewerten und dass es noch Generationen dauern wird, ehe hoffentlich Gerechtigkeit einkehrt und sich niemand aufgrund von Hautfarbe, sexueller Orientierung, Geschlecht etc. diskriminiert fühlen muss. Wird es so eine Welt überhaupt jemals geben? Ich hoffe es sehr.
„Kleine große Schritte“ war ein sehr lesenswertes Buch für mich. Ich fand die Dialoge zwischen Anwältin und Angeklagte äußerst aufschlussreich und konnte das Buch kaum weglegen. Die Plädoyers waren super geschrieben, doch war ich ab und an von der Nahbarkeit von Ruth´ Anwältin überrascht. Vielleicht ist das auch eine amerikanische Art, die hierzulande erst einmal fremd wirkt.
Von mir gibt es für diesen Roman eine klare Leseempfehlung.
- Carmen Korn
Töchter einer neuen Zeit
(235)Aktuelle Rezension von: luckytimmiHenny und Käthe sind Freundinnen und wohnen in Hamburg. Beide beginnen nach dem Ende des 1. Weltkrieges eine Hebammenausbildung. Wir begleiten die beiden nun durch ihre Ausbildung bis zu ihrer Festanstellung, durch Freundschaft, Liebe und Trauer und durch die Kriegsjahre. Weitere wichtige Personen sind die zwei Freundinnen Lina und Ida, aber auch deren Partner und Familien spielen immer wieder eine wichtige Rolle…
Die Kapitel des Buches tragen als Überschrift immer einen Monat und eine Jahreszahl. Die Geschichte spielt in einem Zeitraum von ca. 30 Jahren, wobei manche Kapitel ein halbes Jahr später als das vorherige spielen, dann gibt es aber auch wieder große Zeitsprünge von mehreren Jahren.
Die Kapitel waren recht lang, doch wiederum in kurze Abschnitte eingeteilt, mit einem ständigen Wechsel der Personen.Der Schreibstil ist etwas gestelzt und altmodisch, manchmal auch sehr hamburgerisch, musste man sich dran gewöhnen, dann hatte man irgendwann den Eindruck, man schaut einen alten Film von damals.
Fazit:
Da ich schon einmal ein Buch von Carmen Korn gelesen hatte, freute ich mich eigentlich auf das Buch, aber der Schreibstil hat meine Lesefreude dann erstmal etwas gedämpft. Aber je weiter ich in dem Buch vorankam, desto mehr hat es mich dann doch gepackt; die Geschichten aus den Weltkriegen sind halt doch immer wieder aufwühlend. Ich vergebe 4 Sterne und habe doch wieder Lust auf Band 2.
- Andreas Gruber
Todesmal
(380)Aktuelle Rezension von: Tanja_WueIch mag einfach die Art wie diese Bücher geschrieben sind und auch wie sich die Protagonisten entwickeln. Schön ist es auch zu sehen, dass noch weitere Personen dazu kommen und man diese nicht nur anhand der Name auseinander halten kann, sondern sie Personen greifen kann.
Absolute Empfehlung! Bitte unbedingt bei Band eins beginnen. Macht so am meisten Spaß.
- Sabine Ebert
Die Entscheidung der Hebamme
(351)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen kurzen Blick auf die Handlung ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Der dritte Band der Reihe setzt inhaltsmäßig auf die vorherigen Bände auf. Er umfasst weitere sechs Jahre im Leben der Protagonisten. Wieder müssen die Figuren viele Abenteuer bestehen und leiden unter der Willkür der Herrschenden. Sehr eindrucksvoll schildert die Autorin das -zumeist sehr rechtlose - Leben der gemeinen Leute zu damaligen Zeiten. Gekonnt entwickelt sie die Figuren weiter - auch scheut sie sich nicht selbst wichtige Figuren aus der Handlung zu entfernen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich fiebere schon dem vierten Band entgegen....!
- Sabine Ebert
Die Spur der Hebamme
(430)Aktuelle Rezension von: Thommy28Klappentext (Zitat):
"Sachsen im Jahre 1173: Die Hebamme Marthe und ihr Mann, der Ritter Christian, könnten mit ihrem Leben glücklich sein, doch da erreicht sie eine schlimme Nachricht: Randolf, Christians ärgster Feind, ist aus dem Heiligen Land zurückgekehrt. Und damit nicht genug: Eines Tages taucht im Dorf jener fanatische Beichtvater auf, dem Marthe und ihre Fähigkeit, die Menschen zu heilen, schon lange ein Dorn im Auge sind. Nur zu gern ergreift er die Gelegenheit, die Hebamme zu denunzieren. Christian will seine Frau in Sicherheit bringen, doch zu spät: Marthe muss sich wegen Hexerei vor einem Kirchengericht verantworten …"
Meine persönliche Meinung:
Der zweite Band der Reihe schliesst sich inhaltsmäßig unmittelbar an das Geschehen des ersten Bandes an. Man trifft auf die bekannten Figuren - und auch auf zusätzliche Personen. Die Protagonisten sind vielfältigen Gefahren und Qualen ausgesetzt bevor das Finale den Leser auf den kommenden Band vorbereitet.
Wieder hat die Autorin die Handlung mit der aus der Reihe "Schwert und Krone" verknüpft. Das hat für Leser die diese Reihe schon gelesen haben einen angenehmen Wiedererkennungseffekt. Andererseits kommt es dadurch zu Wiederholungen bereits bekannter Ereignisse. Diese Wiederholungen waren sicher unvermeidlich, haben mich aber dennoch gestört. Ich habe da schnell nur "darübergelesen"....!
Ansonsten hat mir das Buch wieder sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf Band 3.
- Luca Di Fulvio
Das Kind, das nachts die Sonne fand
(221)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDas Buch ist so bildlich beschrieben, dass ich mich total in die Geschichte und Zeit hineinversetzt fühlte. Super geschrieben, es liest sich auch etwas wie ein Märchen. Liebe, Abenteuer allerdings auch die Brutalität der damaligen Zeit wird sehr deutlich dargestellt und es fasziniert und entsetzt zugleich. Ich bin begeistert und kann diesen abenteuerlichen Historienroman absolut empfehlen!
- Franziska Böhler
I'm a Nurse
(88)Aktuelle Rezension von: WunderweltensbuecherDa ich selber im Bereich der Pflege ausgebildet bin und Franzi zusätzlich von sozialen Medien kannte war ich sehr gespannt auf das Buch.
Ich finde es sehr gut strukturiert, mit den verschiedenen Bereichen, die es in der Pflege und im Leben halt so gibt. Sie geht sehr authentisch mit allen Themen um, die einem dabei begegnen. Dabei beschönigt sie nichts, versucht aber trotzdem einem nicht den Mut und die Hoffnung in die Berufsgruppe und das Gesundheitssystem als solches zu nehmen. Die immer wieder eingestreuten Beispiele und Verweise auf Studien usw. machen das Buch sehr lebendig und greifbar.
- Sabine Ebert
Das Geheimnis der Hebamme – Das Buch zum Film
(747)Aktuelle Rezension von: miss_chipsWir befinden uns im Deutschland zur Zeit von Kaiser Barbarossa. Nachdem Marthe, die als Hebamme und weise Frau arbeitet, nach einer Fehlgeburt vor dem Burgherr Wulfhart fliehen muss, schließt sie sich einer Gruppe aus Siedlern an, die sich auf den Weg nach Osten machen, um dort eigenes Land zu erhalten. Ritter Christian führt die Gruppe an und findet nach und nach Gefallen an Marthe, die ihm auch nicht ganz abgeneigt ist. Jedoch hat Christian Feinde, die damit auch Marthe ins Auge fassen. Zudem ist Marthe als unverheiratete junge Frau sowieso gefährdet.
Marthe ist eine wirklich liebenswürdige Protagonistin, die stets bemüht ist Menschen zu helfen und ihr Bestes zu geben. Sie weiß, welche Kräuter wie helfen und wie man mit Menschen in einer Notlage umgehen sollte. Leider hat sie trotz ihres jungen Alters schon viele schlimme Dinge erlebt. Man trachtet ihr nach dem Leben; sie ist in neuer Umgebung auf sich allein gestellt; sie weiß nicht, wem sie vertrauen kann.
Christian ist ein Ritter, der bürgerlich geboren wurde. Daher wird er von manchen der nobelgeborenen Ritter nicht als wahrer Ritter angesehen. So auch nicht von seinem ärgsten Rivalen Randolf. Christian ist ein überraschend sympathischer Charakter, der tatsächlich nicht glaubt, dass Frauen stumm und still zu sein haben. Er setzt sich im Buch immer wieder für Marthe ein und hat im Verlauf des Buches meinen Respekt gewonnen.
Es gab einige Charaktere, die einfach nur abscheulich waren. Ich weiß, dass ich im Mittelalter andere gesellschaftliche Maßstäbe ansetzen muss. Aber wie Frauchen verachtend sich manche der Charaktere verhalten haben, hat mir doch immer wieder zugesetzt. Es gab viele Vergewaltigungsszenen, viele misogyne Kommentare und Gedanken, die nicht unbedingt schön zu lesen waren.
Natürlich gab es auch andere nette Charaktere, um die ich ständig gebangt habe. Leider wurden sie nicht nur einmal verletzt und gedemütigt. Mögen sie auch den Rest dieser Reihe überleben.
Die Geschichte war interessant zu lesen. Die Kombination aus Fiktion und historischer Realität, gepaart mit einem Funken Übernatürlichkeit hat mich in seinen Bann gezogen. Reale Personen und Orte sind immer wieder aufgetaucht und wurden wunderbar in die Welt unserer Protagonisten eingeflochten.
Zudem mochte ich persönlich den Schreibstil sehr, da er klar und auf den Punkt war. Es habe elendig langen Beschreibungen der Landschaft. Stattdessen wurden nur die nötigen Details eingebunden und die Storyline vorangetrieben.
Alles in Allem war das wirklich ein sehr gutes Buch für mich und ich bin gespannt, wie es mit Christian und Marthe weitergeht. Wer jedoch Probleme mit Gewalt und frauenfeindlichem Verhalten hat, sollte dieses Buch unbedingt meiden.
- Oliver Pötzsch
Die Henkerstochter (Die Henkerstochter-Saga 1)
(344)Aktuelle Rezension von: a_different_look_at_the_bookIch weiß, ich bin „late to the party“, denn mittlerweile ist der 10. Band rund um die Henkerstochter erschienen. Nun, da ich den ersten Teil gehört habe, muss ich schauen, wann ich Zeit finde, auch die anderen zu konsumieren.
Früher habe ich öfter mal einen historischen Roman zur Hand genommen. Obwohl Geschichte in der Schule nicht mein Lieblingsfach war, mochte ich schon immer historische Ereignisse gut eingebettet in tollen Geschichten.
„Die Henkerstochter“ ist ein historischer Krimi und daher nicht ganz mein Gebiet, weil mir Krimis meist zu lasch sind. Ich bevorzuge dann schon eher (Psycho)Thriller.
Doch das vorliegende Werk konnte mich für sich gewinnen - was wahrscheinlich nicht zuletzt am genialen Sprecher lag.
Johannes Steck hat die Geschichte sehr lebendig rüber gebracht. Seine Stimme, die er immer wieder verstellt hat, war super authentisch. Wenn er die Dialekte nachmachte, kaufte ich ihm das 100%ig ab. Allein deshalb würde ich zu „Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“ greifen.
Der Plot rund um die Henkerstochter Magdalena ist recht einfach und überschaubar. Am Ende gibt es zwar mehrere Stränge, die zusammenlaufen, doch man verliert sich nicht in ihnen.
Warum es die „Henkerstochter-Saga“ ist, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Sie taucht zwar immer mal wieder auf, doch würde ich ihr persönlich keine Hauptrolle zuschreiben. Vielleicht entwickelt sich das in den kommenden Teilen.
Der Autor hat Gefallen an Ausschmückungen. So lief bei mir während des Hörens ein Kopfkino ab, welches die Erzählung sehr lebendig machte. Daher ist er in meinen Augen eher nicht für Zartbesaitete geeignet. Es gibt einige brutale Szenen, die detailreich geschildert werden.
Aber auch das Leben einer Henkersfamilie zur damaligen Zeit wird überzeugend beschrieben. Erst hinterher habe ich erfahren, dass Oliver Pötzsch selbst ein Nachfahre dieser Dynastie ist. So hatte er exklusiven Einblick in den Beruf und wir erfahren einige Details dazu.Ich überlege tatsächlich, ob ich mir noch den zweiten Teil gönne, um zu schauen, ob die Saga generell etwas für mich ist oder ob ich direkt zur David-Hunter-Reihe wechsle, die eher meinem Beuteschema entspricht und genauso darauf wartet, von mir gehört zu werden. Mit Johannes Steck als Sprecher kann man sicherlich wenig falsch machen.
In „Die Henkerstochter“ kann man mal reinlesen / -hören, ob das Genre einem liegt. Man braucht jedoch, wie bereits erwähnt, starke Nerven an der ein oder anderen Stelle und zudem Ausdauer, denn zuweilen verliert sich der Verfasser ein wenig. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.
©2024 a_different_look_at_the_book
- Sabine Ebert
Der Fluch der Hebamme
(229)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen kurzen Blick auf das Geschehen ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Das Buch spielt 4 Jahre nach den Ereignissen des Vorgängerbandes und setzt die Geschichte mit den Jahren von 1189 bis 1191 fort. Wieder haben die Protagonisten eine Vielzahl von Abenteuern und Gefahren zu bestehen. Die Handlung umfasst die Ereignisse in Meißen sowie auch zu einem guten Teil solche auf dem dritten Kreuzzug ins Heilige Land. Diese wechselnden Schauplätze haben das Leseerlebnis deutlich aufgewertet.
Überhaupt gelingt es der Autorin sehr gut dem Leser das Leben der "kleinen Leute" zu damaligen Zeiten zu veranschaulichen. Das hat ja auch schon die vorherigen Bände geprägt. Für Spannung ist auch reichlich gesorgt. Insgesamt richtet die Autorin die Handlung sehr gut an den geschichtlichen Fakten aus und ergänzt diese geschickt durch eigene Figuren und fiktive Handlungen.
Ein tolles Buch! Ich freue mich schon auf den fünften - und damit abschließenden - Band.
- Sabine Ebert
Der Traum der Hebamme
(160)Aktuelle Rezension von: Thommy28Einen ersten Blick auf das Geschehen ermöglicht die Kurzinfo hier auf der Buchseite. Meine persönliche Meinung:
Dieser fünfte - und damit abschließende - Band der Reihe setzt dem Ganzen die Krone auf. Wie auch bisher schon gelingt es der Autorin meisterhaft die historischen Fakten mit einer spannenden und berührenden fiktiven Geschichte ineinander zu verweben. Das macht das Buch zu einem herrlichen Leseerlebnis. Die Figuren sind wunderbar gezeichnet und auch das damalige Leben und Sterben hat die Autorin sehr gut eingefangen. Ich wollte es gäbe mehr so tolle historische Romane. Mit Sicherheit werde ich noch andere Bücher dieser Autorin lesen...!
- Ulrike Schweikert
Die Charité: Hoffnung und Schicksal
(318)Aktuelle Rezension von: Nira_coleAls Krankenschwester interessiert mich jede form der Historischen Geschichten im Bereich der Medizin. Um so schöner war es die Charite zu Lesen und zu erfahren wie sie versuchen Verschiedene Krankenheiten in der Damaligen Zeit zu bekämpfen. Es ist toll geschrieben und auch für Leute die keine Ahnung von Medizin haben super nachvollziehbar. Wer wissen will wie es früher war sollte diese Bücher lesen. Alle Toll
- Robyn Carr
Neubeginn in Virgin River
(240)Aktuelle Rezension von: mattderEine Krankenschwester will einen Neubeginn und nimmt eine stelle in Virgin River an. Der Arzt ist alt und braucht hilfe. Die will er nicht an nehmen. Es entwickelt sich eine schöne Geschichte mit Herz schmerz. Aber auch Kriminalität. Na ja ist ein Frauen Roman macht trotzdem SPSS zu lesen. Wer die Serie kenn wird es lieben.
- Elif Shafak
Ehre
(110)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaEs geht um Ehre, zumindest sagt das der Titel. Das Buch beginnt auch richtig interessant, die Schwester holt den Bruder aus dem Gefängnis ab und quartiert den Muttermörder in ihre Wohnung. Muttermörder? Die eigene Mama? Also das war ein Satz, der mich sofort aufhorchen ließ.
Doch sobald ich neugierig bin, macht die Autorin einen Zeitsprung zurück und erzählt von der Oma des Muttermörders, und das verdammt langweilig.
Zuerst wird von der Oma berichtet, die so viele Schwangerschaften hinter sich und nur Pech mit Mädels hatte. Am Ende stirbt sie und dann konzentriert sich die Geschichte auf die Tochter der Oma, der Mama des Mörders, und es ist so, wie ich es nicht erwartet habe: Langweilig.
Jedes kleine Detail wird in die Länge gezogen. Sobald die Autorin endlich schafft, mich für sich zu gewinnen, kommt ein Zeitsprung, ruiniert die Bilder, zieht die Handlung in die Länge und im nächsten Abschnitt wird erzählt, wie die Mutter nach England zieht und damit das nicht zu aufregend wird, erzählt die Autorin von der Schwester der Mutter, der jungfräulichen Hebamme, die beste Hebamme aller Zeit, und da war ich so froh, dass das Buch so dick und schwer war. Damit auf meinem Kopf zu schlagen, war eindeutig schöner, als es zu lesen.
Und die Männer erst: Sie werden weitgehend ignoriert. Der Opa, der Vater, die werden nur am Rande erwähnt, als wären sie nur Penisse, die ihre Aufgabe erledigt und nur noch die Autorin genervt haben, während Oma und Mama so viel Platz bekommen, als hätten die Frauen nach dem Empfängnis des heiligen Spermas nichts mehr mit dem anderen ehelichen Teil zu tun gehabt.
Die Autorin macht nicht einfach einen Bogen um das aktuelle Thema der Geschichte; sie läuft davon weg und erzählt über alles andere und dafür habe ich nicht gezahlt. Das Problem dabei ist, dass sie nicht wirklich einen Spannungsbogen aufbaut oder auch nur schafft, die Figuren irgendwie sympathisch zu machen. Klar, sie bekommen Gesichter, doch gleichzeitig wird so distanziert erzählt, dass mich die Figuren nicht berührt haben. Dann die Szene mit der Namensgebung: Das war so Hardcore-Türkisch, dass Kopfschütteln allein nicht genügt haben.
Das Buch ist so langatmig, so langweilig, als hätte der Verleger sich von der Autorin gewünscht, so viel wie nur möglich zu schreiben ohne viel zu erzählen.
- Anne Stern
Fräulein Gold: Schatten und Licht
(238)Aktuelle Rezension von: liceys_buecherwunderland[𝕦𝕟𝕓𝕖𝕫𝕒𝕙𝕝𝕥𝕖 𝕎𝕖𝕣𝕓𝕦𝕟𝕘]
𝕋𝕚𝕥𝕖𝕝: Fräulein Gold - Schatten und Licht (Die Hebamme von Berlin 1)
𝔸𝕦𝕤 𝕕𝕖𝕣 𝔽𝕖𝕕𝕖𝕣 𝕧𝕠𝕟: Anne Stern
𝕍𝕖𝕣𝕝𝕒𝕘: Rowohlt // Argon Verlag (Hörbuch)
𝔾𝕖𝕤𝕡𝕣𝕠𝕔𝕙𝕖𝕟 𝕧𝕠𝕟: Anna Thalbach
𝔾𝕖𝕝𝕖𝕤𝕖𝕟/𝔾𝕖𝕙𝕠𝕖𝕣𝕥 𝕒𝕦𝕗: Deutsch
𝔽𝕣𝕒𝕘𝕖: Magst du Bücher die in Deutschland spielen?
𝔻𝕣𝕖𝕚 (𝕠𝕕𝕖𝕣 𝕞𝕖𝕙𝕣) 𝕎𝕠𝕖𝕣𝕥𝕖𝕣 𝕫𝕦𝕞 𝔹𝕦𝕔𝕙:
Spannend - Gut - Kurzweilig
𝕀𝕟𝕙𝕒𝕝𝕥:
1922: Hulda Gold hat schon das ein oder andere Kind auf die Welt gebracht und unzählige Schwangere betreut. Da kommt es schonmal vor, dass man in die Angelegenheiten anderer hineingezogen wird. Diesmal hat es die Hebamme jedoch in einen Mordfall verwickelt, der sie nicht los lässt. Und während sie Ermittlungen anstellt, gerät die unerschrockene Frau in Gefahr...
𝕄𝕖𝕚𝕟𝕖 𝕄𝕖𝕚𝕟𝕦𝕟𝕘:
Die Geschichte rund um Hulda Gold ist spannend und kurzweilig. 😊
Während man am Fall miträtselt, lernt man die Hebamme und die Menschen in ihrer Umgebung immer besser kennen - und will unbedingt auch mehr wissen.
Egal ob man sich in die düsteren Ecken Berlins verirrt oder mit Hulda entspannt in einem Kaffee sitzt, es wird nicht langweilig. 😁
Dabei bleibt der Stil immer locker und leicht zu lesen und man fliegt durch die Seiten.
Auch in das Hörbuch habe ich reingehört. Denn dieses wird von Anna Thalbach gelesen - eine der wenigen weiblichen Sprecher die ich gerne höre.
𝕃𝕖𝕤𝕖𝕖𝕞𝕡𝕗𝕖𝕙𝕝𝕦𝕟𝕘?
Von mir gibt's eine Leseempfehlung für Leute, die eine gute Geschichte über eine starke Frau suchen.
𝔼𝕦𝕣𝕖 𝕃𝕚𝕔𝕖𝕪 ☘️
- Michael Mittermeier
Achtung Baby!
(330)Aktuelle Rezension von: HoldenMichl Mittermeiers "Gedanken" zu Kinderlosigkeit, verändertem Essverhalten bei Schwangeren und Zeugungsvorschlägen aus der näheren Umgebung, alles "humorvoll" unterlegt mit Verweisen auf Zombiefilme, Ghostbusters usw. Des wos a Schmarrn. Alles komplett unlustig und unlesbar, fürchterlich!
- Kerstin Cantz
Die Hebamme, Sonderausgabe
(71)Aktuelle Rezension von: Maria_WinterfeldIch hab das Buch nicht aus der Hand bekommen. Es ist spannend und man leidet mit. Ich bin froh, dass ich nicht in dieser Zeit leben muss. Die Protagonist ist ein starker Charakter. Es passiert viel in dem Buch und handelt von unzähligen Einzelschicksälen.
- Caragh O'Brien
Das Land der verlorenen Träume
(558)Aktuelle Rezension von: bibliophilaraCaragh O‘Brien hat ihre Leser mit ihrem Jugendbuch-Debüt „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ in eine dystopische Welt entführt, in der die Bewohner eines Dorfes die ersten drei Neugeborenen pro Monat weggeben müssen. Eine junge Hebamme fängt an sich gegen dieses Gesetz aufzulehnen und so beginnt die Geschichte der „Gaia Stone-Trilogie“. Mit „Das Land der verlorenen Träume“ habe ich nun die Fortsetzung gelesen, auf die ich mich schon sehr gefreut hatte und die 2012 erschien.
Der 16-jährigen Gaia Stone ist dank ihren Freunden die Flucht aus der Enklave und Wharfton gelungen. Nur mit einem Rucksack und ihrer neugeborenen Schwester Maya bei sich, macht sie sich nach Norden zum toten Wald auf, von dem nicht einmal klar ist, ob er tatsächlich existiert. Nach einigen Wochen im Ödland wird Maya immer schwächer und auch Gaia kommt an das Ende ihrer Kräfte. Im letzten Moment wird sie von einem jungen Mann namens Peter gerettet, der sie und Maya nach Sylum bringt, eine Siedlung, dessen Oberhaupt Gaias Großmutter Danni Orion bis zu ihrem Tod war. Dort angekommen wird ihr Maya weggenommen, denn Mädchen gelten in dieser Gesellschaft als äußert wertvoll, da in Sylum nur jedes zehnte Neugeborene ein Mädchen ist und die Population deswegen stetig schrumpft. Aufgrund ihres geschwächten Zustandes und der sogenannten Schwellenkrankheit ist es Gaia aber unmöglich erneut zu fliehen und so muss sie sich vorerst mit ihrem Schicksal abfinden.
„Sie packte den Griff ihres Messers fester und taumelte zurück ins Dunkel.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels und zeigt die Szene, in der Gaia im Ödland merkt, dass sie beobachtet wird. Dieser Beobachter ist Peter, der sie später nach Sylum bringt. Somit ist der wochenlange Marsch durch die Einöde wegen des Übergangs zwischen beiden Bänden glücklicherweise maximal gekürzt. Wer sich noch an „Die Flucht“ von Ally Condie erinnert, weiß, dass das nicht immer so läuft. Mit fast 500 Seiten und 27 Kapiteln ist „Das Land der verlorenen Träume“ in der Länge nahezu identisch mit seinem Vorgänger. Auch dieses Mal gibt es eine Bonusgeschichte und eine Karte, hier von Sylum, in der die wichtigsten Handlungsorte verzeichnet sind, beispielsweise das Mutterhaus oder die Häuser von wichtigen Nebencharakteren.
Wie gewohnt erzählt Gaia im personalen Erzähler und im Präteritum. Jedoch hat sich Gaia charakterlich inzwischen stark verändert. Sie weiß nun, dass das Brandmal ihr absichtlich zugefügt wurde und scheint damit ihren Frieden gemacht zu haben. Seitdem sie Blicke in ihr Gesicht standhalten kann, ohne es verstecken zu wollen, scheinen ihre Mitmenschen interessanterweise auch weniger darauf zu achten. Gaia wirkt von Anfang an deutlich reifer und selbstbewusster als vorher. Man merkt ihr an, dass sie gerade an der Schwelle zum Erwachsen werden steht und die Grenzen zwischen Mädchen und Frau fließend sind. Sie traut sich immer häufiger ihre Meinung und Zweifel offen zu sagen und entwickelt sich langsam von einem unscheinbaren Mädchen zu einer rebellischen jungen Frau.
Mit Sylum, das phonetisch klar an Asylum erinnert, zeigt O‘Brien eine ganz andere Gesellschaft als die Enklave, die aber auch ihre Probleme mit Babys hat. Litten die Kinder in der Enklave aufgrund eines zu geringen Genpools an Hämophilie, im Volksmund auch Bluterkrankheit genannt, werden in Sylum kaum noch Mädchen geboren. Nur noch jedes zehnte Kind ist ein Mädchen, weshalb jede verheiratete Frau dazu verpflichtet ist, mindestens zehn Kinder zu bekommen, in der Hoffnung, dass darunter zumindest ein Mädchen ist, was den Fortbestand des Dorfes absichert. Aufgrund des Mangels an Mädchen, gelten diese auch als besonders wertvoll und schützenswert. Sylum wird zudem von einer Frau, die als „Matrarch“ bezeichnet wird regiert, da das Dorf schließlich ein Matriarchat ist. Frauen sind Familienoberhäupter, die Jungen müssen von den Müttern versorgt werden, da es von ihnen zu viele gibt, um sie alle zu verheiraten. Unverheiratete Frauen dürfen keine sexuellen Beziehungen führen, Männer dürfen Frauen nicht einmal ohne Erlaubnis ansprechen. Die Diskriminierung der Männer geht so weit, dass man von Sexismus sprechen kann, denn diese dürfen nicht einmal demokratisch wählen. Ein wenig erinnert die geringe weibliche Geburtenrate in überspitzter Form an Länder, in denen Frauen noch stark diskriminiert und sexualisiert werden, wie zum Beispiel in Indien oder China. Durch Abortionen werden in diesen Ländern heute noch mehr Jungen als Mädchen geboren. In Indien kommen auf 100 geborene Mädchen 106 Jungen, in China sind es sogar 118 Jungen. Dadurch mangelt es der Gesellschaft an Frauen: Entführungen und Massenvergewaltigungen häufen sich.
Gesellschaft an Frauen: Entführungen und Massenvergewaltigungen häufen sich.
Ein weiteres Problem, das hier aufgegriffen wird und aktuell wieder sehr präsent in den Medien ist, ist der Klimawandel. Im 25. Jahrhundert, in dem die Geschichte spielt, ist dieser so weit fortgeschritten, dass das heutige Zeitalter nur noch als die „Kalte Zeit“ bezeichnet wird. Die Folgen waren so katastrophal, dass viele Tierarten wie Elefanten oder vermeintlich Pferde ausgestorben sind und auch die Menschheit so enorm dezimiert wurde, dass sie nur noch in verstreuten Kolonien leben. An Wharfton grenzt der Trockensee, der laut Gaias Vater bereits seit über 300 Jahren ausgetrocknet ist. Auch der Nipigonsumpf bei Sylum war früher einmal ein richtiger See. Selbst wenn man es auf den ersten Blick nicht bemerkt, hat der Klimawandel starke Auswirkungen auf Gaias Leben.O‘Briens Schreibstil bleibt gewohnt leicht und angenehm, auch wenn ich das Gefühl habe, dass sie bei diesem Band unter größerem Zeitdruck stand, weshalb es atmosphärisch doch nicht ganz so ausgereift ist und die Dialoge manchmal zur Überdramatisierung tendieren. Was mich zudem gestört hat, ist die Liebesgeschichte, die sich in eine äußerst nervige Richtung aufbaut. War Gaia bei ihren vorherigen Gefühlen recht gefasst, überreagiert sie jetzt beim Anblick ihres Schwarms. Herzrasen, Schweißausbruch und kurzweiliger Atemstillstand sind die teenagerhaften Symptome, die ansonsten zu einer immer reifer werdenden Gaia überhaupt nicht passen. Zudem baut O‘Brien hier noch eine Dreiecksbeziehung mit ein, die furchtbar klischeehaft ist. Ich hatte ehrlich gehofft, dass diese dystopische Jugendbuch-Trilogie endlich mal vom Schema F abweicht, anstatt in ein viel zu vorhersehbares Muster zu fallen, doch leider wurde ich enttäuscht.
Bis kurz vor dem Ende war nicht ganz sicher, wohin der Plot sich so richtig bewegt. Wird Gaia im dritten Band nach Wharfton zurückkehren, wo alles begann und dessen Konzept mich beim Klappentext so fasziniert hat? Wird sie sich in Sylum bewähren und hierarchisch sogar aufsteigen können? Ob kluge Entwicklung oder Bruch wird wohl erst die Fortsetzung „Der Weg der gefallenen Sterne“ zeigen.
Nach wie vor mag ich Gaia Stone und ihre Geschichte. Leider kann der zweite Band aber merklich nicht mit dem Auftakt mithalten. Beim Ortswechsel zu Sylum bin ich recht zwiegespalten, vor allem aber die Liebesgeschichte, die mit übertriebenen Schwärmereien und der Dreiecksbeziehung Punkte verliert, sorgt dafür, dass „Das Land der verlorenen Träume“ schlechter wegkommt als der Vorgänger. Außerdem ist es atmosphärisch ebenfalls schwächer, weshalb es vor allem die zweite Hälfte zur Langatmigkeit neigt. Der dystopische Aspekt ist, wenn er denn mal thematisiert wird, aber wirklich gelungen. Nichtsdestotrotz reicht das nicht für ein besseres Urteil als „In Ordnung“, weshalb ich hier nur zwei von fünf Federn vergeben kann. Ich hatte auch kurz in Erwägung gezogen, Caragh O‘Briens Trilogie hiermit abzubrechen, habe mich dann aber aus drei Gründen dagegen entschieden. Erstens: Ich bin zwar enttäuscht, aber die Geschichte ist bisher schlichtweg nicht schlecht genug, um sie reuelos abbrechen zu können. Zweitens: Ich besitze den dritten Band „Der Weg der gefallenen Sterne“ bereits und es wäre schade, wenn das Papier bedruckt und ungelesen bliebe. Drittens: Inzwischen habe ich zwei Drittel der Geschichte gelesen und es wäre schade, kurz vor dem Ende aufzugeben, zumal der letzte Band auch der kürzeste ist. Vielleicht ist das Ende überraschend gut, zumindest hoffe ich darauf.
- Caragh O'Brien
Der Weg der gefallenen Sterne
(397)Aktuelle Rezension von: bibliophilaraMit einer doch etwas moderaten Erwartungshaltung bin ich an den letzten Band der „Gaia Stone-Trilogie“ von Caragh O‘Brien gegangen. „Der Weg der gefallenen Sterne“ aus dem Jahr 2013 schließt die dystopische Jugendbuchreihe ab. Viele Fragen stellten sich mir schon vor dem Lesen: Wird der letzte Band eine derbe Enttäuschung oder ein gutes Ende liefern? Wie werden die gesellschaftlichen Probleme gelöst? Gibt es ein Happy End oder vielleicht ein offenes Ende? Der dritte Band ist besonders in diesem Fall entscheidend für die Bewertung der gesamten Trilogie.
Nach dem Tod Lady Olivias ist die inzwischen 17-jährige Gaia Stone die neue Matrarch Sylums. Da sie das Heilmittel gegen die Schwellenkrankheit entdeckt hat, ist es den Bewohnern nun möglich das Dorf zu verlassen. Die Meisten entscheiden sich dafür, die Umgebung des giftigen Nipigonsumpfes gänzlich hinter sich zu lassen und mit Gaia zurück nach Wharfton zu ziehen. Nach wochenlangen Strapazen erreichen sie ihr Ziel und gründen im Bett des Trockensees die Gemeinde „New Sylum“. Dies bleibt von der Enklave nicht unbemerkt, weshalb Gaia prompt im Gefängnis landet und darum bangen muss, ob ihre Völkerwanderung wirklich die richtige Entscheidung zum Schutz ihrer Gefolgsleute und sich selbst war.
„Gaia legte einen Pfeil ein und spannte den Bogen.“, ist der erste Satz des ersten Kapitels. Wie gewohnt ist die Protagonistin Gaia die personale Erzählerin im Präteritum. Die Geschichte setzt an einem Zeitpunkt ein, an dem die Völkerwanderung schon recht weit fortgeschritten ist, sodass der Leser auch hier nur einen knappen Einblick in das Ödland bekommt, was klug gewählt ist.
Gaias Charakterwandel ist auch hier wieder sprunghaft fortgeschritten. War sie zuvor noch ein rebellisches und halsstarriges Mädchen, ist sie nun eine autoritäre und selbstbewusste junge Frau, wie sie auch selbst feststellt. Trotzdem hat sie manchmal Probleme, sich gegen ihre Gefolgsleute durchzusetzen, da sie teilweise mit ihrer Position überfordert ist. Auch in puncto Sexualität hat sich bei ihr Einiges getan. Fand im ersten Band noch ihr erster Kuss statt, wird hier bereits erwähnt, dass sie schon häufiger mit ihrem Freund Leon geschlafen habe. Zwar verstehe ich, dass O‘Brien dieses Mittel einsetzt, um Gaias Erwachsen sein zu untermauern, ich empfinde es dennoch als unpassend, da Gaia immer wieder Zweifel an ihrer Beziehung zu Leon hat und seine Heiratsanträge mehrfach abgelehnt hat. Aber Sex ist kein Problem? So Eine ist Gaia nun wirklich nicht.
Subjekt ihrer Begierde ist Leon, den sie in „Die Stadt der verschwundenen Kinder“ als Leon Grey kennenlernte, als dieser sie in ihrem Elternhaus erwartet, um ihr mitzuteilen, dass ihre Eltern von ihm und weiteren Soldaten der Enklave verhaftet wurden. Kein besonders guter Start für eine Beziehung sollte man meinen. Konnte ich ihn anfangs noch gut leiden, nahm die Sympathie bei mir in jedem Band ein wenig ab. Inzwischen bin ich soweit zu sagen, dass Leon der schlimmste „Book Boyfriend“ seit Langem ist. Er ist impulsiv, aggressiv, egoistisch und provokant. Mit seinem Verhalten legt er Gaia häufig Steine in den Weg und macht ihr die diplomatischen Verhandlungen zusätzlich unnötig schwer. Deshalb haben mir die romantischen Szenen zwischen den Beiden auch nicht gefallen, die aber glücklicherweise hier mehr in den Hintergrund rücken, was aber nicht bedeutet, dass die Dreiecksbeziehung damit völlig beendet wäre. Denn auch wenn Gaia sich für Leon entschieden hat, heißt das für sie ja nicht, dass ihre weiteren Verehrer sich anderweitig umschauen dürfen. Darauf reagiert sie prompt mit Eifersucht. Es tut mir schon fast leid, es so zu formulieren, aber diese Liebesgeschichte ringt mir von vorne bis hinten nur Augenrollen ab.
Was mir allerdings in der gesamten Trilogie gefallen hat, ist die Darstellung von Gaia als Hebamme. O‘Brien hat hier gut recherchiert und thematisiert verschiedene Aspekte von Schwangerschaft und Entbindungen, beispielsweise Beckenendlagen, Kaiserschnitte, Plazentaretenzionen oder Abtreibungen. Auch andere medizinische Bereiche wie Genetik oder Hämatologie sind korrekt umschrieben. Was Transfusionen betrifft, stolpert die Autorin dann letztendlich doch. In einer Szene findet eine Übertragung von Mensch zu Mensch statt. Beide sind in sitzender Position, die behandelnde Ärztin verlässt das Geschehen kurz nach dem Verbinden beider Venen. Die Transfusion soll plötzlich ganz automatisch laufen, aber wie soll denn das Blut fließen, wenn es nur eine Verbindung gibt? Dafür bräuchte man eine Spritze von Jubé, die kontinuierlich betätigt werden müsste, was hier nicht der Fall ist. Selbst wenn der Rest medizinisch nicht zu beanstanden ist, ist knapp vorbei eben trotzdem daneben.
Hat mir der Schreibstil im Auftakt noch sehr gefallen, konnte er mich zunehmend weniger überzeugen. Das Ganze wirkt letztendlich nur noch hektisch und ungeschliffen, gerade so, als würde ein eigentlich guter Koch in der Eile vergessen sein Gericht zu salzen. Es ist fad und muss, trotz allem Bedauern, bemängelt werden. Der Plot verläuft sich erst und verstrickt sich dann in Ungereimtheiten. Auch wenn es schon fast böse klingt, ist es wirklich gut, dass „Der Weg der gefallenen Sterne“ mit 350 Seiten und 24 Kapiteln kürzer als sein direkter Vorgänger ist. Die Länge ist nämlich angemessen und der Fehler von „Das Land der verlorenen Träume“ wurde damit nicht wiederholt. Mit dem Ende bin ich einigermaßen zufrieden. Die größten Fragen wurden beantwortet, ein kleiner Teil bleibt offen. Allerdings hätte das Finale doch etwas spannender sein können, denn der richtig aufregende Teil beschränkt sich auf zwei, drei Seiten, was für den Abschluss einer Trilogie eindeutig zu wenig ist. Ich bin einfach froh, die Trilogie abgeschlossen zu haben und zu etwas Neuem greifen zu können.
„Der Weg der gefallenen Sterne“ konnte mich leider nicht mitreißen. Zwar mochte ich Gaia als Charakter nach wie vor sehr und die entsprechende Kürze hat dem Werk gut getan. Das alles kann aber nicht über Leon als Antipathieträger, eine missglückte Liebesgeschichte, mittelmäßige Recherche, einen abflachenden Stil und ein unspektakuläres Ende hinweg täuschen. Deswegen kann ich für diesen Band von Caragh O‘Brien maximal zwei von fünf Federn vergeben. Ob ich die „Gaia Stone-Trilogie“ im Allgemeinen empfehlen kann, ist schwierig zu beantworten. Wer sich mit einem starken Auftakt in einer grundsätzlich schön inszenierten dystopischen Welt zufrieden geben, in anderen Punkten aber auch Abstriche machen kann und wer gleichzeitig ein Fan des Genres mit weiblichen Protagonistinnen und Dreiecksbeziehungen ist, ist hier noch recht gut beraten. Allen anderen kann ich ans Herz legen, erst einmal andere dystopische Jugendbücher zu lesen und hier lediglich ergänzend zuzuschlagen.
- Charlotte Thomas
Die Madonna von Murano
(148)Aktuelle Rezension von: rehlein24Die Geschichte von Sanchia wird in einem höchst spannenden, geschichtlich sehr gut eingebettenen Rahmen präsentiert. Beim Lesen hatte ich bereits Respekt vor der ganzen Hingabe und der dahinterliegenden Recherche für ein so gut getroffenes Bild von den Städten Italiens und der Gesellschaft im 15. Jahrhundert. Dieser Buch empfehle ich all denen, die sich sowohl geschichtlich interessieren, die dicke Wälzer mögen und die Lust haben auf ein verstricktes, mitreißendes, dramatisches und immer wieder doch Mut machendes Menschenleben!
- Ellin Carsta
Die heimliche Heilerin
(93)Aktuelle Rezension von: buchfeemelanieGenre: Historischer Roman
Erwartung: Spannung und die vergangene Atmosphäre erleben.
Meinung:
Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen. Das Buch ist spannend und abwechslungsreich geschrieben.
Madlen war als Charakter gut gelungen. Ich mag ihren Mut und ihre Hilfsbereitschaft. Sie hatte es nicht leicht und hat ihr Glück verdient.
Die Atmosphäre war ganz gut gelungen. Was mir hier wieder besonders aufgefallen ist - und was zu dieser Zeit ja auch oft war -ist der Zustand, dass sich die Meinung der Menschen sehr schnell ändern kann. Auch das Frauen nicht so viel Wert sind wie Männern wurde hier wieder deutlich
Fazit: 4 Sterne von mir gibt es für das Buch.
- Gisa Pauly
Die Hebamme von Sylt
(59)Aktuelle Rezension von: julestodoEine Geschichte, die langsam dahinplätschert. Eigentlich ein tolles Thema, leider wurde es nicht gut verwertet.
Obwohl ich nicht bis zm Ende gelesen habe, kann ich mir schon vorstellen worauf es hinausläuft. Leider kommt die Gschichte nicht auf den Punkt und konnte mich nicht mitnehmen. Ein gutes Buch, wenn man etwas zum Einschlafen braucht!
Von der Autorin habe ich schon wesentlich bessere Bücher gelesen!























