Bücher mit dem Tag "heimatlosigkeit"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "heimatlosigkeit" gekennzeichnet haben.

42 Bücher

  1. Cover des Buches Das Mädchen mit dem Fingerhut (ISBN: 9783446250550)
    Michael Köhlmeier

    Das Mädchen mit dem Fingerhut

     (96)
    Aktuelle Rezension von: Greedyreader
    Michael Köhlmeiers Roman „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ erinnert vom Titel her an Andersens berühmtes Märchen, ist aber keins. Der Roman erzählt von einem 6jährigen Mädchen, das sich Yiza nennt, aber seine Identität nicht wirklich kennt. Das Kind ist offensichtlich unbegleitet in einer namenlosen Stadt in einem europäischen Land angekommen und wird von einem „Onkel“ betreut, der nicht wirklich sein Onkel ist. Er bringt Yiza mit genauen Verhaltensmaßregeln täglich auf einen Markt, wo sie stumm sitzen und lediglich laut und anhaltend kreischen soll, wenn jemand das Wort Polizei ausspricht. Irgendwann kommt der Onkel nicht mehr wieder, und das Mädchen ist auf sich allein gestellt. Yiza versteht die Menschen nicht und hat bisher lediglich überlebt, weil sie niedlich aussieht und die Passanten und Geschäftsleute ihr gern helfen. Eines Tages wird sie in ein Heim gebracht, wo sie zwei Jungen in derselben Situation kennenlernt: Arian und den 14jährigen Schamhan, der die Sprache des Mädchens versteht und für Arian dolmetscht. Die drei bilden zeitweise eine Kleinfamilie, geben einander Schutz und Wärme, bis sie nach einem Einbruch gefasst werden. Arian und Yiza können entkommen und in einem eiskalten leer stehenden Gewächshaus kurze Zeit überleben. Dann erkrankt Yiza schwer. Die Besitzerin des Grundstücks pflegt sie im Haus gesund, sperrt das Mädchen jedoch ein und will es für sich behalten. Bei Arians Versuch, seine Gefährtin zu befreien, kommt es zur Katastrophe.
    Köhlmeier erzählt in nüchterner Sprache ohne jede Sentimentalität von einem Schicksal, wie es heutzutage überall in Europa vorkommen kann. Obwohl der Autor es nicht darauf anlegt, empfindet der Leser angesichts der ungeheuren Härte einer solchen Kampfes um das nackte Überleben Empathie und kommt ins Grübeln. Ein Einzelschicksal ist allemal beeindruckender als Zahlen und Statistiken. Köhlmeiers Roman ist keine herzerwärmende schöne Geschichte, sondern ein wichtiges und gut geschriebenes Buch.        
  2. Cover des Buches Der Russe ist einer, der Birken liebt (ISBN: 9783423142465)
    Olga Grjasnowa

    Der Russe ist einer, der Birken liebt

     (182)
    Aktuelle Rezension von: Lesegezwitscher



    *Klappentext*

    Mit kühler Ironie und beeindruckender Prägnanz erzählt Olga Grjasnowa die Geschichte der höchst eigenwilligen jungen Mascha, die keine Grenzen kennt. In ihrer Welt kommen viele Kulturen und viele Traditionen zusammen. Sie könnte überall leben. Doch eine Heimat hat sie nicht.

    (©dtv_verlag )


    *Meinung*

    Wow, dieses kurze Buch beinhaltet so viele Themen. Mascha ist traumatisiert von dem Bürgerkrieg in ihrem Geburtsland Aserbaidschan und erfährt in Deutschland eine Retraumatisierung durch einen schweren Schicksalsschlag. 

    Sie kann fünf Sprachen und hat verschiedene Wurzeln. Sie ist Jüdin, Russin, Deutsche.

    Es geht um Zugehörigkeit und um die Frage, wie sehr wir uns mit unserer Herkunft identifizieren (müssen?) und in wie fern sie uns ausmacht. 

    🌳🌳🌳🌳🌳🌳

    Die Geschichte wurde gegen Mitte etwas zäh und das zog sich bis zum Ende hin. Der Roman lebt nicht davon, DASS die Geschichte erzählt wird, sondern WIE.

    Die Autorin hat es aber sehr gut geschafft, das "Innere" der Protagonisten nach Außen zu bringen und es gleichzeitig geschafft, dass sie uns fern bleibt, weil sie einfach niemanden an sich ran lässt.


    *Fazit*

    Für mich ein gutes Buch, welches wichtige Themen anspricht, mich aber ab der zweiten Hälfte nicht mehr richtig packen konnte.

    Hätte ich es nicht empfohlen bekommen, wäre es mir aufgrund des (meiner Meinung nach) nicht gelungen Covers wohl nicht aufgefallen. 

  3. Cover des Buches Die Blechtrommel (ISBN: 9783423138192)
    Günter Grass

    Die Blechtrommel

     (543)
    Aktuelle Rezension von: Lorenz1984

    Danke Herr Grass für diesen längeren Ausflug in die Welt von Oskar Matzerath. 

    Dieses Buch kann ich definitiv mit nichts vergleichen was ich bisher gelesen habe... 

    Jedem zu empfehlen der Lust auf etwas unkonventionelles hat! 

  4. Cover des Buches Der Schwimmer (ISBN: 9783596510207)
    Zsuzsa Bánk

    Der Schwimmer

     (159)
    Aktuelle Rezension von: Tefelz

    Normal liebe ich Geschichten einfach aus dem Leben heraus. Es muss dabei kein großer Adrenalinstoß sein oder eine immense Biographie aber es sollte eine nette und unterhaltsame Geschichte sein, bei der man sich wohlfühlt und eingekuschelt in seine Decke auf der Couch liegt und einfach genießt. So habe ich mir diese Geschichte irgendwie vorgestellt, aber es lief anders...

    Geschichte: Ungarn, in den 60er Jahren. Isti und seine Schwester müssen den Verlust ihrer Mutter verkraften, die anscheinend einfach ohne ihre Kinder auf und davon gegangen ist. Der Vater , ein Träumer, der einfach Stunden oder Tagelang in seinem Kopf "wegtauchen " kann und Egoist und zu der Zeit auch ein Macho vor dem Herrn, ist sicher nicht in der Lage die beiden Kinder zu versorgen, zieht zur Verwandtschaft um die Kinder unterzubringen und sich weiter bekochen zu lassen. Doch auch das funktioniert nicht auf Dauer...

    Personen und Schreibstil:

    Davon abgesehen, dass mir fast alle Personen zu 100% Unsympathisch sind, ist der Schreibstil sicherlich nicht schlecht, aber die ganze Geschichte stößt mich derart ab, dass auch nicht der Mitleids-oder ich habe alle Lieb Effekt eintreten kann. 

    Meinung:

    Es gibt Geschichten wie Bsp. zuletzt gelesen Tender Bar oder Der Gesang der Flußkrebse, in denen die Autoren wirklich etwas zu erzählen hatten, oder mir etwas wie Natur oder eine Bar nahe bringen konnten. Im Vordergrund stehen natürlich die Personen und Ihr Verhalten. So auch bei Zsuzsa Bank, aber die Personen sind alle Verhaltensgestört. Warum sollte ich mir die Geschichte einer komplett verhaltensgestörten Familie in Ungarn antun ? Menschen die Tagelang auf einen Stuhl ins nichts schauen können, Menschen die absolut keine Verantwortung übernehmen wollen, Mütter die ohne Kinder in den Westen fliehen, Kinder die sterben, weil niemand aufpasst. Väter die nicht arbeiten wollen und zur Not auch im freien schlafen. Das hier hat nichts mit Romantik oder mit verklärter Schönheit zu tun. Das ist auch kein Schicksal welches auf unerklärliche Art einer Familie widerfährt, sondern einfache Dummheit und Verwahrlosung, bei denen die Verwandten reagieren sollten, aber selbst voller Probleme stecken, die wir nicht nachvollziehen können.

    Fazit:

    Das Buch hat mich angesprochen, aber auf eine Art und Weise , dass ich einfach nur wütend wäre, wenn ich auf solch dumme Menschen treffen würde. Ich kann leider den angeblichen Erfolg des Buches nicht nachvollziehen, da es mir einfach nichts gegeben hat aber Geschmäcker sind zum Glück verschieden.




  5. Cover des Buches Altes Land (ISBN: 9783328602101)
    Dörte Hansen

    Altes Land

     (636)
    Aktuelle Rezension von: Catastrophia

    Vera Eckhoff, ursprünglich mit ihrer Mutter aus Ostpreußen geflohen, ist über die Jahre zu einem Urgestein des Alten Landes an der Elbmarsch geworden. Sie lebt im Haus, in dem sie damals zähneknirschend aufgenommen wurde und schert sich wenig darum, was die alteingesessenen Bauernfamilien von ihr halten (meist Abstand). Veras Mutter zog mit einem neuen Partner nach Hamburg, bekam eine weitere Tochter, Marlene. Obwohl deren Tochter Anne eigentlich musikalisches Wunderkind werden sollte, kam ihr ihr kleiner Bruder Thomas zuvor und so reichte es für Anne "nur" zur Tischlerinnenausbildung und abgebrochenem Musikstudium. Mit ihrem Partner Christoph und dem gemeinsamen Sohn Leon lebt sie im gutbetuchten Hamburg-Ottensen - Zumindest so lang, bis sie Christoph beim Fremdgehen erwischt. Kurzerhand packt Anne Kind (Leon) und Kegel (inklusive Kaninchen) und kommt bei ihrer Tante Vera unter.

    Aus diesem bunten Potpourri von Land- und Stadtmenschen, Alteingesessenen und Zugezogenen, Ver- und Entwurzelten lässt Dörte Hansen mit sehr viel Witz und Sticheleien gegen grummelige norddeutsche Bauersfamilien ebenso wie gegen landflüchtige Städter*innen, die diesen die Welt erklären wollen, eine Geschichte entstehen, die auch von Zusammenhalt handelt. In der die Welt zwar alles andere als in Ordnung ist, in der aber trotzdem zwischenmenschliche Nischen zwischen Individualist*innen entstehen.

    Verbunden wird das mit lebendigen Einblicken in norddeutsche Gepflogenheiten, sodass das Buch bei mir eine Mischung aus Erheiterung, kitschfreier Herzerwärmung und Zustimmung für eine realistische Darstellung des Landlebens hervorrief. Und auch etwas Wehmut, weil man vielleicht als Ex-Landei bei diesem Buch die Pampa doch ein bisschen vermisst, ohne dort wieder hinziehen zu wollen. 

  6. Cover des Buches Heimflug (ISBN: 9783716027097)
    Brittani Sonnenberg

    Heimflug

     (38)
    Aktuelle Rezension von: rallus
    Heimat ist für jeden ein anderer Begriff, ein anderes Gefühl. Ich bin seit Jahrzehnten in immerwährender Diskussion mit mir und anderen, was dieser Begriff nun darstellt.  Nun zuallererst ist für viele Heimat da, wo man aufgewachsen ist. Kindergarten, Schule der erste Kuss, das ’sich-finden‘, sich und andere entdecken. Einfach das Gefühl von Nähe, sich heimisch fühlen. „There is no place like home“, sagte schon Dorothy nach ihren aufregenden bunten Erlebnissen im Zauberer von Oz.

    Für manche bedeutet einfach nur das Kuscheltier in der Hand das Gefühl von Heimat. Ein geliebter Mensch, nahe bei einem, ist Heimat. Home is where your heart is. Und das Herz schlägt in einem selbst und genau da sollte sich jeder am meisten zu Hause fühlen. In sich.

    Doch der Weg dorthin ist sehr lang und dornenreich und so mancher findet seinen Frieden nicht mit sich und der Welt. Brittani Sonneberg hat mit dem vorliegenden Buch über in der Fremde aufwachsen, ein interessantes Thema angeschnitten. Ihr autobiografisches Buch, beschreibt die Nomaden der Moderne. Die Kinder von Eltern, die wegen ihres Arbeitsplatzes viel umziehen. Und zwar nicht nur in den Nachbarort, nein auch gleich auf einen anderen Kontinent, in eine andere Kultur.

    Kann man sich in der Fremde wohl, sich heimisch fühlen? Heimflug (Im englischen Original besser ‚Home Leave‘) beschreibt das Aufwachsen auf verschiedenen Kontinenten, die Vorteile die daraus erwachsen, aber auch dieses ständige Gefühl, nirgendwo so richtig dazu zu gehören. Das Buch ist in verschiedene Kapitel aufgeteilt, die Räume dazwischen umfassen meist Jahre. Eingefügt sind Sitzungen bei einem Familientherapeuten in drehbuchartiger Form. Durch diese Form wirkt das Buch etwas zerrissen, im Nachhinein habe ich erfahren, dass die Autorin die einzelnen Stücke nachträglich zu einem Buch zusammengefügt hat. Das macht das Lesen etwas schwierig, die Befindlichkeiten der Personen und ihre Gefühle werden aber sehr gut erfasst und dem Leser näher gebracht.

    Chris und Elise lernen sich in den Staaten kennen und heiraten. Beide möchten flüchten, vor den provinziellen Südstaaten und vor den eigenen Ängsten. Chris nimmt eine Arbeit bei einem internationalen Konzern an, der ihn quer durch die Welt führt. Deutschland, England, China oder Singapur sind die Stationen. Elise und die zwei Töchter Leah und Sophie ziehen mit ihm. Die Kulturen, Länder und Menschen ändern sich, aber die Familie, der Kern bleibt gleich. Manches Mal ist der Besuch bei den Großeltern angesagt.

    „Jedes Jahr Mitte Juni verlassen die expatriierten Frauen und Kinder von Shanghai das Land, als wäre es die rasch sinkende Titanic. Ihre Koffer stopfen sie mit Geschenken für die Angehörigen in der Heimat voll: Billigstfächer vom Straßenmarkt, sodass ihre Kleidung köstlich nach Sandelholz riecht, Pandabären aus Plüsch, knallbunte Essstäbchen für Verwandte, die ausschließlich Messer und Gabel gebrauchen und Kalender, die ‚Chinas Ehrfurchtsame Beste Klassik-Tourist-Attraktionen‘ präsentieren.“

    Ist dies nun ein Heimaturlaub oder wo ist Heimat bei den Kindern der Familie? Chris der in seiner Arbeit aufgeht, hat anscheinend seine Heimat gefunden, aber die Familie leidet doch unter den verschiedenen Wohnorten.

    „Bei Elise, Sophie und Leah löst der Heimaturlaub ein Gefühl aus, als versuchten sie mit einem Videorekorder zwei Filme zu sehen. Knapp nach der Hälfte des ersten Films werfen sie die Kassette aus und legen die zweite ein, sehen eine Weile zu und kehren dann zur ersten zurück, mitten in die Szene, die sie zuletzt angehalten haben. Diese Vorgehensweise biete den Vorteil, dass man zwei Filme nahezu gleichzeitig sehen kann. Allerdings spricht die gestückelte Anmutung gegen ein solches Filmerlebnis, ganz abgesehen davon, wie lästig es ist, sich immer wieder vom Sofa erheben zu müssen.“

    So richtig sind die Kinder nicht zu Hause, nicht im Wohnort, aber auch nicht im Heimaturlaub bei den Großeltern. Und so erwächst aus der Erfahrung der Wurzellosigkeit eine Sehnsucht nach Normalität. Freundschaften mit gleichaltrigen Nomaden-Kinder scheitern meist an der Unverbindlichkeit, die ein solches Leben nach sich zieht. Es muss viel mehr Kraft für die Bindung aufgebracht werden, die in dem Alter naturgemäß nicht vorhanden ist. In den verschiedenen Filmen verlaufen die Leben ganz anders.

    „Im amerikanischen Film haben Leahs alte Freunde alle ihren Führerschein gemacht, während sie noch kein einziges Mal hinter dem Steuer saß. Im chinesischen Film kann Leah allein durch Shanghai bummeln, beim Kauf von Orangen auf Mandarin feilschen und differenziert schildern, wie ihre Freunde die kulturellen Zwänge empfinden, je nachdem, ob es sich um brasilianische Katholiken oder koreanische Protestanten handelt. Das Einzige, was beide Filme gemeinsam haben, sind Leah, Sophie und Elise – und bis zu einem gewissen Grad auch Chris.“

    Doch an das Leben gewöhnen sich die Kinder, es entsteht eine Art Fernweh.

    Bei unserer Rückkehr in die Staaten sind wir fünf Kilo leichter, von Bettwanzen zerstochen und befremdlich still, weil wir so viele Wochen lang mit niemandem gesprochen haben. Unsere Rucksäcke riechen nach grünem Tee/Bushaltestellen/Meer. Und als wir unsere Sachen im strahlend sauberen Heim unserer Eltern in die Waschmaschine schmeißen, erkennen wir: Wir sehnen uns bereits zurück, sehnen uns danach, wieder fremd zu sein.“

    Sehnt man sich immer nach dem was man nicht hat? Wie verhält man sich in der Pubertät? Wie verarbeitet jeder seine Kindheit? Was bedeutet diese Unrast für spätere Bindungen? In dem Buch gibt Brittani Sonnenberg keine Antworten, sie beschreibt in ihren kurzen Skizzen sehr empathisch die Gefühle und Verwirrtheit der Charaktere. Durch einen Schicksalsschlag wird das Gefüge der Familie noch einmal durcheinander gerüttelt. Die Psychiater Sequenzen, in Dialogform geführt, fand ich persönlich die interessantesten Stellen im Buch, eine quasi Zusammenfassung der verschiedenen Gemütslagen der Familienmitglieder. Doch Wünsche, Träume, Sehnsüchte können im späteren Leben immer noch umgesetzt werden. Das liegt dann an jedem selber, wie er die Erlebnisse der Kindheit umsetzt. Für Sophie ist der Wunsch eindeutig:

    „Natürlich wollte ich mich binden – allerdings eher in geographischer als in romantischer Hinsicht. Einfacher gesagt, wollte ich schlicht an Ort und Stelle bleiben.“

    Durch die springende Erzählweise wird dem Leser einiges aufgeladen. Zeitsprünge, Kapitel von jeweils einer anderen Person erzählt, ergeben kein homogenes Bild. Doch das was beschrieben wird, ist in sich auch zerrissen und zerfahren. Ein Buch auf das man sich einlassen muss, das mich aber mit seiner verträumten und literarischen Art positiv eingefangen hat.

  7. Cover des Buches Kind aller Länder (ISBN: 9783462048971)
    Irmgard Keun

    Kind aller Länder

     (34)
    Aktuelle Rezension von: stuff-books-pictures

    In dem Roman Kind aller Länder von Irmgard Keun, der während der NS-Zeit spielt, erzählt die zehnjährige Kully von ihrem Leben, dass durch die Flucht des Vaters aus Deutschland zu einer scheinbaren endlosen Reise mit vielen Länderwechsel wird. 

    Ich habe den Roman mit dem Hintergrund des Kosmopolitismus gelesen. Daher konnte ich ihm den einen oder anderen Gedanken abgewinnen. Alles in allem aber kein Buch, dass ich freiwillig gelesen hätte. Aber auch nicht „so schlimm“ wie viele andere Bücher die ich im Zuge meines Studiums lesen musste. Für mich nicht sein Geld wert.


    Randfakten:

    🌝🌝🌛/5  -  224 Seiten - HC: 17,99€ - von: Irmgard Keun

  8. Cover des Buches Drei sind ein Dorf (ISBN: 9783866482869)
    Dina Nayeri

    Drei sind ein Dorf

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Kristall86
    Nilou ist fast 30 Jahre alt. Niemand hätte sich vorstellen können das sie es bis hier hin schafft! Es scheint völlig unglaublig! Denn als Kind musste sie aus dem Iran mit ihrer Mutter fliehen...ihre Heimat verlassen und alles was ihr bis dahin ans Herz gewachsen war. Amerika hat sie verändert, denn das ist nun ihre neue Heimat mit Mann, Familie und Job. Nilous Vater sieht das anders. Ihre Geschichte lebt nochmal neu auf als sie in Amsterdam auf iranische Exilanten trifft. Diese Begegnung bringt alles aus dem Ruder. Dina Nayeri hat mit „Drei sind ein Dorf“ einen unheimlich speziell bewegenden und aktuellen Roman vefasst. Es gibt für mich als Leser nur einen Makel - die Hauptprotagonistin Nilou. Sie ist unheimlich gefühlskalt, eigensinnig, egoistisch und bestimmend. Allein das Verhältnis mit ihrem Vater ist mehr als daneben. Es hat mich oft schockiert wie sie sich verändert hat und das die Geschichte mit ihr irgendwie die Lust nimmt. Die Geschichte an sich ist unheimlich grandios geschrieben. Die Erzählstränge sind harmonisch, der Schreibstil flüssig und gekonnt aber Nilou verdirbt einem den Lesefluss. Mag sein, dass das Berechnung der Autorin war, aber wenn man eine Protagonistin nicht mag, reißt das die gesamte Story irgendwie nieder. Dabei hat Nayeri wirklich ein extrem gutes Gespür und weiß wie sie die Leser auf Trapp hält. Gerade weil das politische Thema heute so brandaktuell ist und die Frage „Was ist Heimat!?“ überall auf uns trifft. Dabei ist diese Geschichte nicht diese typische sondern wir dürfen als Leser hinter die Kulissen blicken....nur eben bei Nilou hat sich diese Kulisse zusehends verändert und zwar zum Negativen. Ihre Gefühlswelt hat mich zum Teil wirklich abgestoßen. Ich hätte ihr so gern mal die Meinung gesagt.... sie ist schließlich nicht der Mittelpunkt der Welt! Jeder Flüchtling aber auch Daheim-gebliebene hat sein Päckchen damit zu tragen und geht anders damit um. Nilou drängt ihre Meinung jeden auf, ob man sie hören will oder nicht. Wie gesagt, die Autorin wird sich etwas dabei gedacht haben, nur ohne Nilou hätte mir diese Geschichte noch besser gefallen. Hier steckt unheimlich viel Potential drin! Nichtsdestotrotz, dieses Buch hallt nach, das glaubt man nicht...selten so eine Geschichte gelesen!
  9. Cover des Buches Mein Sommer mit Kalaschnikow (ISBN: 9783036956879)
    André Aciman

    Mein Sommer mit Kalaschnikow

     (19)
    Aktuelle Rezension von: lesebiene27
    Der Ich-Erzähler besucht mit seinem Sohn Universitäten, was ihn in die Vergangenheit zurückversetzt: Sommer 1977, als er selber noch Havard-Student war. In diesem Sommer lernte er in einem Café einen Taxifahrer kennen, der auf den Namen Kalaschnikow hört. Die beiden erleben eine einzigartige Freundschaft, die den Ich-Erzähler sehr geprägt hat.

    Der Ich-Erzähler war für mich zwar sehr interessant, aber leider nicht wirklich greifbar. Dadurch hatte ich leider auch keine Geschichte vor Augen beim Lesen und habe mich statt als Beobachter mehr als Zuhörer gesehen. Kalaschnikow habe ich teilweise nicht ganz so gut verstehen könne, allerdings ist er mir mit der Zeit sympathisch geworden und ich hatte ein Bild vor augen.

    Der Sprachstil hat mir nur bedingt gut gefallen. Auf der einen Seite war er sehr ausführlich gehalten und hat mich neugierig gemacht, auf der anderen Seite blieb alles so leicht verschwommen, wie hinter einer Dunstschicht, weshalb ich mich teilweise wirklich anstrengen musste, das Buch weiter zu lesen.

    Grade zu Beginn hat mir das Buch wunderbar gefallen und mich voller Neugier mit sich gerissen, doch diese Neugier wich irgendwann einfach nur der Hoffnung, dass bald noch mal etwas passieren sollte. Daher würde ich dem Buch 3 von 5 Sternen geben.
  10. Cover des Buches Der Fluch - Bachmann ist King - Stephen King ist Bachmann (ISBN: B00HP33SDQ)
    Richard Bachmann

    Der Fluch - Bachmann ist King - Stephen King ist Bachmann

     (79)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Ein Rechtsanwalt lebt den amerikanischen Traum: Er hat eine perfekte Familie, er ist Partner in seiner Kanzlei geworden und hat sich einen ordentlichen Wanst angefuttert. Als ihm eine alte Sinti vors Auto läuft, während er unachtsam ist, als seine Frau ihm während der Fahrt einen Handjob leistet, bricht das Unheil in seine Idylle ein: "Dünner" raunt ihm ein alter Zigeuner zu, als er frisch freigesprochen von seinem Richterkumpel das Gerichtsgebäude verläßt. Er verliert seitdem wahnsinnig viel Gewicht, und nur der tödlich beleidigte Alte kann den Fluch von ihm nehmen. Letztendlich bekommt jeder, was er sich verdient hat! ...Die Verfilmung gilt nicht als besonders gelungen, mit der neuen Tricktechnik wäre bestimt noch einiges mehr drin!

  11. Cover des Buches Ohrfeige (ISBN: 9783442714902)
    Abbas Khider

    Ohrfeige

     (86)
    Aktuelle Rezension von: Aus-Liebe-zum-Lesen

    Nachdem mich vor einigen Jahren „Die Orangen des Präsidenten“ von Abbas Khider sehr bewegt hat, lag sein Roman „Ohrfeige“ seit langem auf meinem SuB. Nun habe ich ihn endlich davon befreit.

    Die Ohrfeige erhält die Mitarbeiterin einer Ausländerbehörde von Karim, einem abgelehnten Asylbewerber und dieser erzählt ihr auch, warum sie diese verdient habe. Er beginnt mit seiner Flucht aus dem Irak über viele Staaten bis nach Deutschland, wo für ihn der fragwürdige Asylmarathon beginnt und durch den Sturz Saddam Husseins und der deshalb folgenden Ablehnung jäh beendet wird.

    Und genau das ist die Kernaussage dieses Buchs: Der Weg eines Flüchtlings in ein normales Leben in Deutschland ist eine Farce. Khider beschreibt die teilweise sehr irrsinnigen Vorschriften und Gesetze im Asylverfahren, das Leben in Langeweile und Tristesse, ohne Aufgabe, ohne Arbeit, die nichtexistierende Möglichkeit, sich in die Gesellschaft einzubringen, die Ausgrenzung von Flüchtlingen, Asylbewerbern u. ä.

    Die Ohrfeige trifft damit auch uns. Ja, wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen und unseren Umgang mit geflüchteten Menschen überdenken. Wenn ich angesichts der jüngsten Geschehnisse in Afghanistan sehe, was manche Leute fordern, dann wird mir schlecht. Und auch wenn viele sich dafür aussprechen, mehr Menschen aufzunehmen, wollen doch die meisten keine Flüchtlingsunterkunft in der Nachbarschaft. Allen voran sehe ich aber die Politik in der Pflicht, die Integration zu ermöglichen, was mit den momentan bestehenden Verfahren und Richtlinien definitiv nicht geschieht.

    Auch wenn mich das Buch nicht ganz packen konnte, ist es dennoch sehr lesenswert und aktueller denn je. Hoffentlich bringt die neue Regierung Änderungen voran.

  12. Cover des Buches Antonio im Wunderland (ISBN: 9783499332562)
    Jan Weiler

    Antonio im Wunderland

     (434)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Der zweite Teil von Weilers Familiengeschichten, diesmal aufgeteilt zwischen einem Familien-Italien-Urlaub mit Jan und alleman, bei dem sich eine Scherbe im Fuß nach tetanus-Spritze als Glücksfall gestaltet (man hat endlich seine Ruhe und wird von Nonna Anna umsorgt), natürlich nur mit mitgebrachter Matratze, und einem New-York-Trip mit Toni und Benno Tiggelkamp, die schon den Check-in am Düsseldorfer Flughafen aufmischen und später zu diversen Verhaftungen im Big apple sorgen. Nur die Robert-de-Niro-Passage kann man kaum glauben, ist dies wirklich passiert? Oder geht hier die Pretty-woman-Phantasie mit dem Autor durch? Sehr mysteriös, wohlwahr, und nur einfach schön mit der Onkelwerdung am Ende des Buchs.

  13. Cover des Buches Nirgendwo in Afrika (ISBN: 9783453811294)
    Stefanie Zweig

    Nirgendwo in Afrika

     (117)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Inhaltsangabe:

    Walter Redlich, Jurist, wandert Ende 1937 von Deutschland nach Kenia aus, um sich und seine Familie vor den Nazis zu schützen, denn er und seine Frau Jettel sind jüdischer Abstammung, ebenso ihre kleine Tochter Regina.

    Walter findet eine Anstellung auf einer Farm, kann kaum ein Wort englisch und kann mit Hilfe der anderen jüdischen Emigranten ein einfaches Leben fristen. Jettel, in Leobschütz eine kleine Lebedame und nur Dienstboten gewohnt, findet sich nur schwer in dem Leben in Kenia zurecht, während Regina von ihrem neuen Leben auf der Farm begeistert ist. Sie baut Freunschaften zu den Einheimischen Schwarzen auf und lernt ihre Sichtweise kennen.

    Doch immer wieder holt sie die Vergangenheit ein. Als der Krieg in Europa ausbricht, beginnt eine neue bange Zeit. Nur schwer findet sich Walter damit ab, das er ein Refugee ist, ein Ausgestoßener. Er fühlt sich ohne Heimat leer und ausgebrannt und kann seine Trauer kaum überwinden. Regina wird auf eine teure Schule geschickt und sie lernt auf ihre Art und Weise, mit den Problemen zu Hause fertig zu werden.

    Als der Krieg jedoch vorbei ist, beginnt für Walter erneut die Zeit des Aufbruchs. Denn obwohl viele von ihren Freunden und Bekannten den Krieg nicht überlebt haben, möchte er nach Deutschland zurück.

    Mein Fazit:

    Ich habe mich mit diesem Roman sehr schwer getan. Es ist mein erster Afrika-Roman und ich bin mir nicht sicher, ob ich wieder einen lesen werde. Der Klappentext klang ganz vielversprechend und mit einer gewissen Erwartungshaltung habe ich dann begonnen zu lesen.

    Der Schreibstil ist sehr ungewöhnlich. Ich kam damit fast nicht zurecht, tat mich schwer mit den Erzählungen. An einigen Stellen habe ich den Sinn des Satzes auch nicht verstanden. Zwei oder drei kleine Handlungs-Stränge sind nicht abgeschlossen worden und nach meinem Geschmack wurden manchen Personen, die nur kurz auftauchten, zuviel Bedeutung beigemessen.

    Mir persönlich war es zu wenig Erzählungen von Afrika. Mir fehlten die Bilder der Landschaft, die ich beim Lesen glaubte sehen zu können. Erst im letzten drittel kam es so ein bißchen hervor und auch die Handlung wurde lebhafter und interessanter.

    Ein Buch, dem ich nicht soviel abgewinnen kann, aber auf die Verfilmung wäre ich doch sehr neugierig!

    Anmerkung: Die Rezension stammt aus Januar 2009.

  14. Cover des Buches In meinen Träumen läutet es Sturm (ISBN: 9783423012942)
    Gisela Zoch-Westphal

    In meinen Träumen läutet es Sturm

     (63)
    Aktuelle Rezension von: 101Elena101

    Inhalt:

    ,,In meinen Träumen läutet es Sturm'' ist eine Sammlung von Gedichten und Epigrammen aus dem Nachlass von  Mascha Kaléko.

    Mascha Kaléko (1907 – 1975) veröffentlichte erst  ihre Gedichte in Zeitungen, bevor sie 1933 mit dem ›Lyrischen Stenogrammheft‹ ihren ersten großen Erfolg feierte. 1938 emigrierte sie in die USA, knapp 20 Jahre später siedelte sie nach Israel über. Mascha Kaléko ist eine der bedeutendsten deutschsprachigen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts. Trotzdem war sie anfangs eher unbekannt.

     

    Meine Meinung:

    Mascha Kaléko hat mich mit ihren Gedichten total verzaubert. Ich war generell schon immer ein wenig an Gedichten interessiert, aber nie so sehr, dass ich einen gesamten Gedichteband eines einzigen Dichters lesen würde. Ihre Gedichte haben jedoch so viel Witz und lassen sich so leicht auf den Alltag übertragen (wenn sie nicht sowieso schon vom Alltag handeln), dass es unglaublich leicht ist, sie zu lesen. Auch das Verstehen wird dadurch einfach und oft ist es mir sogar passiert, dass ich lachen oder schmunzeln musste. Ihr Schreibstil ist raffiniert, jedoch nicht kompliziert und ihre Themen beziehen sich nicht nur auf die Zeit, in der sie gelebt hat, sondern sind allgemeingültig.

     

    Fazit:

    Wer Gedichte mag, sollte sich unbedingt diese Sammlung anschauen! Wer noch nie viele Gedichte gelesen hat, aber offen dafür ist, wird Mascha Kaléko lieben und wer gerne neu einsteigt, für den sind ihre Gedichte der beste Anfang um Lyrik mögen zu lernen.

  15. Cover des Buches Chocolat / Himmlische Wunder (ISBN: 9783548609331)
    Joanne Harris

    Chocolat / Himmlische Wunder

     (54)
    Aktuelle Rezension von: Rusty78

    Nach dem Eklat in Lansquenet treffen wir Vianne und Anouk mitten in Paris wieder. Nur langsam finden wir heraus, dass die beiden seitdem wie vom Wind gejagt ständig auf der Flucht waren, ihre Wohnorte und auch ihre Namen wechselten.

    In Paris, Montmartre nennen sie sich Yanne und Annie Charbonneau, und man erfährt, dass es mittlerweile die kleine Rosette gibt, die vierjährige Tochter von Vianne. Rosette ist „anders“ als die anderen Kinder, sie spricht nicht, und ist eher auf dem Stand einer Zweijährigen. Vianne hat eine kleine Chocolaterie aufgebaut, in der sie aber aus Zeitgründen nur fertig gekaufte Ware verkauft. Anouk geht in die Schule am Ort, Rosette bleibt bei Vianne im Laden.

    Das Leben geht ohne Magie und mit sehr viel Alltag vonstatten, als eine geheimnisvolle Fremde, Zozie de’l’Alba, in das Leben der kleinen Familie tritt und es gehörig durcheinanderwirbelt.

    Und Vianne gerät in Gefahr alles zu verlieren.

     

    Dieses Buch hat mir noch besser gefallen als sein Vorgänger „Chocolat“!

    Die Geschichte wird abwechselnd von den drei Hauptdarstellerinnen Vianne, Zozie und Anouk erzählt, man erfährt dadurch genau ihre Gedanken und Gefühle.

    Vianne hat sich in ein tristes Leben zurückgezogen und versucht aus Angst, ihre Magie und die ihrer Kinder zu unterdrücken. Es funktioniert natürlich nicht, im Gegenteil. Anouk entfernt sich mehr und mehr von ihr, und Vianne ist ebenfalls nicht glücklich.

    Die Geschichte nimmt sehr schnell Fahrt auf, und ich konnte sie kaum aus der Hand legen. Die Einflüsse aus fremden Kulturen haben mir sehr gefallen, und wie auch schon bei „Chocolat“ konnte ich die Pralinen- und Schokoladendüfte fast schmecken und riechen.

    Ein „Muss“ für alle Fans von Schokolade, Frankreich und Vianne.

  16. Cover des Buches Was aus uns geworden ist (ISBN: 9783550081644)
    André Herzberg

    Was aus uns geworden ist

     (7)
    Aktuelle Rezension von: renee

    Ein wirklich thematisch interessantes Buch! Jüdische Menschen nach der Shoah, mit ihren Wunden, mit ihren Gedanken, mit ihren Verletzungen. Jüdische Menschen voller Ideale, jüdische Menschen voller Ideen und der Sozialismus, der deutsche Sozialismus, der deutsche Sozialismus in der DDR unter dem großen Bruder Sowjetunion. Das Buch beinhaltet schwer zu fassende Gedanken, thematisch absolut interessant, aber auch erschreckend und irgendwie unglaublich. Die DDR und das Judentum. Warum hat hier ein Zusammenhalt nicht funktioniert? Beide, Sozialisten/Kommunisten und Juden hatten in der nationalsozialistischen Zeit zu leiden, wurden verfolgt. Aber ein Miteinander war dennoch schwer möglich. Das ist etwas was ich schwer verstehen kann, einerseits wurde doch die Menschlichkeit in diesem System so propagiert. Aber gelebt wurde sie leider nicht immer! Warum nur? Ein Warum erschließt sich hier aber nicht. Nur die Folgen für die betroffenen jüdischen Menschen. Richard, Eike, Anton, Michaela, Peter und Jacob, allesamt Kinder jüdischer Eltern in der DDR und gleichzeitig die Überschriften der einzelnen Kapitel im Buch. Es geht in diesem Buch um die Familien dieser sechs Kinder, um ihre Traumata. Ein thematisch wichtiges Buch! Und ein ungemein trauriges Buch! Dennoch sind die Charaktere auch etwas hölzern geschildert, dies wirkte aber auf mich auch etwas vom Autor gewollt, die Gestaltung bewirkt ja irgendwie auch einen künstlerischen Effekt. Auch die vielen verschiedenen Figuren machen das Lesen hier nicht einfacher, eher verschwimmen sie manchmal, Die Schärfe der einzelnen Charaktere verschwindet, sie werden universeller, dadurch verliert man aber auch etwas den Überblick, zumindest ging es mir hier so. Aber auch hier denke ich mir dies ist genauso vom Autor gewollt.

    Eine kleine Info nebenbei. Der Autor André Herzberg war Sänger der ostdeutschen Rockband "Pankow", eine recht kritische Band mit vielen provozierenden Zeilen.

    Und der Sänger ist selbst Mitglied einer jüdischen Familie. Er weiß also von was er schreibt.

  17. Cover des Buches Der Stern, auf dem wir leben (ISBN: 9783498096809)
    Mascha Kaléko

    Der Stern, auf dem wir leben

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Draußen vor der Tür (ISBN: 9783746733678)
    Wolfgang Borchert

    Draußen vor der Tür

     (221)
    Aktuelle Rezension von: buecherblondine_blondie4books

    German version/English version below:

    Für mich erzählt „Draußen vor der Tür“ nicht nur die Geschichte von Unteroffizier Beckmann, einem ehemaligen Soldaten, der nicht allzu lange nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Deutschland zurückkehrt – meiner Meinung nach ist sie die Geschichte eines Außenseiters, eines Ausgestoßenen, der nach der Bedeutung des Lebens sucht. Dieses Thema ist immer aktuell, heute genauso wie zur Entstehungszeit des Theaterstücks vor 75 Jahren.  

    Der Protagonist kehrt nach drei Jahren in russischer Gefangenschaft in sein Heimatland zurück. Ein Deutschland, dass nicht mehr das Land ist, dass er vor dem Krieg gekannt hat. Auch Beckmann ist nicht mehr der, der er einmal war. Im Gegensatz zu seinem ehemaligen Vorgesetzten, dem Oberst, der gut gelaunt mit der Familie am gedeckten Tisch sitzt, als Beckmann ihn zu Hause aufsucht, ist dem Gasmaskenbrillenträger nicht gerade zum Lachen zumute. Statt an einer üppigen Mahlzeit hat Beckmann noch immer am Krieg zu verdauen. Am Krieg, der Gefangenschaft in Sibirien, deren Folgen für ihn und für jene, die er anzutreffen hoffte: Bei der Ehefrau ist er abgeschrieben, da diese einen neuen Mann an ihrer Seite hat, die Eltern haben sich das Leben genommen, Beckmann findet keine Arbeit, hat einen hungrigen Magen, aber nicht einmal warmes Bett, in das er heimkehren könnte. Der Versuch, sich in der Elbe zu ertränken, scheitert, der mächtige Fluss will sein bisschen 25-jähriges Leben nicht. Und so stolpert Beckmann weiter durch das Theaterstück, der mysteriöse Andere und eine Flasche Rum, die er dem Oberst gestohlen hat, begleiten ihn dabei. 

    Laut Protagonist Beckmann verhält es sich mit dem Leben wie folgt: 

    1. Akt: Grauer Himmel. Es wird einem wehgetan. 

    2.  Akt: Grauer Himmel. Man tut wieder weh.

    3. Akt: Es wird dunkel und es regnet.

    4. Akt: Es ist noch dunkler. Man sieht eine Tür. 

    5. Akt: Es ist Nacht. Tiefe Nacht. Und die Tür ist zu... 

    In Borcherts Theaterstück, das 1947 uraufgeführt wurde, kann niemand eine Antwort auf die großen Fragen des Lebens geben – selbst Gott nicht. Im Gegenteil. Gott, der Allmächtige, ist mit seinem Latein am Ende, weil die Menschen nicht mehr an ihn glauben wollen... Borcherts Gott ist ein alter Mann, der sich selbst bemitleidet und am Elend der Welt nichts ändern kann –ein Gott, der sogar neidisch auf den Tod ist, denn den Tod kann schließlich niemand leugnen. Dennoch bleibt auch Gevatter Tod, der als Beerdigungsunternehmer dargestellt wird, Beckmann die Antwort auf seine Frage, die Frage nachdem Warum, die Frage nach dem Grund zum Weiterleben, schuldig.


    To me, Borchert’s play “Draußen vor der Tür” (literal translation:“Outside in front of the door”) is not only the story of sergeant Beckmann, a former soldier returning to Germany not too long after the end of World War II – in my opinion, the story is the one of an outsider, an outlaw, searching for the meaning of life. A topic that is always present, as present today as it was 75 years ago at the time of the play’s origin.  

    The main character returns to his home country after three years in Russian captivity. A Germany that is no longer the country he knew before the Second World War, and Beckmann is also no longer who he once was. In contrast to his former superior, the colonel, who is sitting cheerfully with his family at the laid table when Beckmann visits him at home, the man wearing gas mask glasses has not much to laugh about. Instead of a luxuriant meal, Beckmann is still digesting the war. The war, the imprisonment in Siberia, its consequences for him and for those he hoped to meet again: He has been dumped by his wife who has a new man in her life, his parents committed suicide, Beckmann can't find work, has a hungry stomach, but not even a warm bed to come home to. The attempt to drown himself in the Elbe fails, the mighty river does not want his little 25-year-old life. And so Beckmann stumbles on through the play, accompanied by the mysterious Other and a bottle of rum he stole from the colonel. 

    According to the protagonist Beckmann, life is like this: 

    Act 1: Grey sky. One gets hurt. 

    Act 2: Grey sky. One gets hurt again.

    Act 3: It's getting dark, and it's raining.

    Act 4: It’s getting even darker. One sees a door. 

    Act 5: It is night. Deep night. And the door is closed... 

    In Borchert's play, which premiered in 1947, no one can give an answer to the big questions of life - not even God. On the contrary. God, the Almighty, is at his wit's end because people no longer want to believe in him... Borchert's God is an old man feeling sorry for himself, unable to change anything about the world’s misery - a God who is even jealous of death, because no one can deny death, after all. Nevertheless, even Grim Reaper, who is portrayed as an undertaker, doesn’t answer Beckmann’s question of why, the question of why to stay alive and carry on.

  19. Cover des Buches Die Vereinigung jiddischer Polizisten (ISBN: 9783462052381)
    Michael Chabon

    Die Vereinigung jiddischer Polizisten

     (58)
    Aktuelle Rezension von: Giselle74
    Sitka, Alaska. Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Atombombe auf Berlin, durften sich geflüchtete Juden dort mit Erlaubnis der Amerikaner einen eigenen kleinen Staat errichten. Nun soll die Enklave zurück an die USA fallen und die dort wohnenden Juden wären wieder heimat- und staatenlos. In dem Chaos der Abwicklung und inmitten sich auflösender Behörden und Zuständigkeiten geschieht in einem kleinen, schmierigen Hotel ein Mord. Ein junger Schachspieler wird mit einer Kugel im Kopf auf seinem Zimmer aufgefunden. Der zufällig im selben Hotel wohnende Polizist Meyer Landsman beginnt zu ermitteln und sticht dabei in ein Wespennest.
    Was für ein grandioser Roman! Einerseits ein Krimi im Stile Chandlers, mit einem Protagonisten, der ähnlich zerbeult agiert wie Philip Marlowe, andererseits aber auch ein Blick auf die unterschiedlichen Strömungen jüdischen Lebens. Die Chassidim und Zionisten kommen dabei eher schlecht weg, verhalten die "Schwarzhüte" sich doch ähnlich wie die Mafia und haben ihr Netzwerk über ganz Sitka gespannt.
    Mit ungeheurer Fabulierlust, viel Wortwitz und genauso viel Einfühlungsvermögen führt uns Chabon durch seine Welt bzw durch Meyer Landsmans Welt. Glaube, Politik, Schach, die große Liebe, Identitätsfragen, Chabon verbindet und mischt diese Themen hemmungslos. Sein Blick ist zugleich zynisch, schwarzhumorig und liebevoll. Das muss einem erst einmal gelingen! Und wenn dann noch Ureinwohnerrecht auf jüdische Befindlichkeiten trifft, wird die Mischung explosiv...
    Es ist beeindruckend, wie mühelos Chabon ein Meer durchquert, das klippenreicher nicht sein könnte. Er überschreitet Grenzen und verteilt seine Spitzen hemmungslos in jede Richtung: seien es geldgierige Stammesregierungen, tiefgläubige Mafiosi, gewinnorientierte Amerikaner oder attentatsbereite Zionisten. Und so ganz nebenbei zeigt dieser Roman auch, dass Menschlichkeit und Fanatismus sich ausschließen. Immer.
    Wer also Krimis mag, wer... ach, Unfug! Lest dieses Buch, es ist einfach rundherum großartig!
  20. Cover des Buches Der Berg, der nie bestiegen wurde (ISBN: 9783957801302)
    Gabor Laczko

    Der Berg, der nie bestiegen wurde

     (19)
    Aktuelle Rezension von: ramona_liest

    Béla muss bereits als Kind viel durchmachen und die Unbeständigkeit und Ruhelosigkeit, die er zu dieser Zeit erlebt, begleitet ihn durch sein Leben als Erwachsener. Allzu oft scheint er weltfremd, aber er versucht immer das Richtige zu tun, denn sobald er nicht mehr hinter seiner Überzeugung steht, trifft er eine Entscheidung die alles verändert. Mir persönlich war die Lektüre zeitweise etwas zu düster...

  21. Cover des Buches Vorwärts und vergessen! (ISBN: 9783644108516)
    Uwe Müller

    Vorwärts und vergessen!

     (0)
    Noch keine Rezension vorhanden
  22. Cover des Buches Der Hirschpark (ISBN: 9783811821910)
    Norman Mailer

    Der Hirschpark

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Holden
    Mailer rechnet gnadenlos mit Hollywood und seinem Starsystem ab, und allzuviel hat sich seit den 50er Jahren nicht verändert. Gleich zu Beginn heißt es, es sei das Schwerste, zwei gleichrangige Menschen zu finden, die einfach nur miteinander befreundet sein wollten, weil alle bedeutenden Menschen permanent mit einer Wolke von Speichelleckern umgeben seine. Mailer berichtet aus dem Hollywood-Ferienort Desert d`Or in der kalifornischen Wüste, in der sich die Filmprominenz zum Urlaub vom Filmdreh einfindet. Jeder ist dreimal geschieden, wenn irgendwo eine Kamera auftaucht, verändert sich jeder total, und die Besäufnisse finden rund um die Uhr statt. Und was man vom McCarthy-Ausschuß zu halten hat, bekommt man gleich zu Anfang mit. Ein tolles Buch, es wäre mal wieder Zeit für eine Neuauflage.
  23. Cover des Buches Fliehender Stern (ISBN: 9783462041187)
    J. M. G. Le Clézio

    Fliehender Stern

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Nymphenfeder

    Nach 1/3 schweren Herzens abgebrochen. Anfangs fand ich den Schreibstil sehr vielversprechend, aber Literaturnobelpreisträger zu sein garantiert halt nicht, nur überragende Bücher zu schreiben. Ich bedaure schon etwas, ein Buch abzubrechen, das eigentlich stilistisch hochwertig verfasst ist, aber auf allen anderen Ebenen überzeugt es mich leider nicht. Die Sicht der Protagonistin ist unglaubwürdig geschrieben und es zieht sich unglaublich.

    Die Natur- und Ambientebeschreibungen zu Beginn haben mich in ihren Bann gezogen, doch als dann nichts mehr wirklich interessantes kam, wurden sie auch nur noch anstrengende Wiederholungen. Ich konnte dem Autor die Innensicht eines jungen Mädchens überhaupt nicht abkaufen. Gespräche waren häufig fragmentarisch und unnatürlich. Für gewöhnlich schätze ich ein langsames Erzähltempo und brauche nicht viel Handlung um eine Geschichte genießen zu können, aber dieses Buch langweilte mich bald so sehr, dass ich die Seiten nur noch überflog, um sie hinter mich zu bringen. Es war eine seltsame Mischung aus mal überdetailliert, mal oberflächlich. Bei einigen Szenen wunderte ich mich, wozu sie überhaupt erzählt wurden. Ausgerechnet dann, als die Flucht der Figuren begann, musste ich mir leider eingestehen, dass ich mich nicht weiter so durch das Buch kämpfen konnte, schade.

  24. Cover des Buches Hasenleben (ISBN: 9783596031153)
    Jens Steiner

    Hasenleben

     (8)
    Aktuelle Rezension von: WinfriedStanzick
    Jens Steiner, Hasenleben, Dörlemann 2011, 287 Seiten, ISBN 978-3-908777-64-9 Der in Zürich lebende und 1975 geborene Jens Steiner hat mit diesem Debütroman ein Buch vorgelegt, von dem man beim Lesen an nicht wenigen Stellen regelrecht Bauchschmerzen bekommt, so realistisch und hoffnungslos wird da eine Geschichte von Menschen erzählt, wie sie in unserer allernächsten Umgebung häufiger leben, als wir denken. Mit folgenden Worten beginnt ein Buch, das einen nicht loslassen will ob seiner Tragik und Dramatik, das einen packt und abstößt, traurig macht und nachdenklich: „Dies ist Lilis Geschichte. Sie beginnt harmlos. Lilis Leben hatte eine komplizierte Mitte und etwas zerfledderte Ränder. In der Mitte eine Arbeit, die Geld einbringen sollte, immer zu wenig, aber irgendwie kam sie trotzdem über die Runden, zwei Kinder, und viele verschwommene Träume von einem anderen Leben. An den Rändern kleine Verzweiflungen und Fluchten. Alles normal. Lilis Gesichte ist nicht Lilis Geschichte. Nichts in ihr ist, was es ist, die Mitte ist keine Mitte und die Ränder sieht man nicht. Dies ist keine Geschichte. Wir fangen mit Lili an. Ganz harmlos.“ Aber harmlos bleibt sie nicht, jene prosaische Schilderung des verkorksten Lebens und der Hoffnungslosigkeit einer alleinerziehende Mutter und ihrer beiden Kinder Werner und seiner Schwester Emma. Beide sind schon jetzt für ihr Leben gezeichnet und werden es schwer haben. Allein gelassen von ihrer vergnügungssüchtigen Mutter, die sich in ihren Träumen verliert und Nächte lang auf Trebe ist, dabei doch immer von einer richtigen Ausbildung und einen normalen Leben träumt für sich und ihre Kinder, zeigen sie schon früh gestörte Verhaltensweisen. Als eines Tages ein Mann auftaucht, der Mutter und Kindern bekannt vorkommt, ergreift Lili wieder einmal die Flucht. Und dann passiert ein fruchtbares Ereignis, das alles, was bisher noch zu tragen schien, etwa die Bindung zwischen Werner und seiner Schwester Emma, endgültig zerstört. „Hasenleben“ ist ein verstörender Roman, der ein helles Licht wirft auf das Leben unzähliger Menschen, Frauen meist, die alleinerziehend, ohne gute Bildung, mit prekären Beschäftigungsverhältnissen und ebensolchen Beziehungen von einer Lebenskatastrophe in die andere stürzen und ihren Kinder nicht das sein können, was diese bräuchten. „Ohne Sicherheit bietende Beziehungen entwickeln Kinder keine sicheren Bindungen, und ohne sichere Bindungen können sich Kinder nicht zu eigenständigen, sozial kompetenten und verantwortlichen Persönlichkeiten entwickeln, „ schreibt Karl Gebauer in seinem eben in der elften Auflage erschienen Buch „Kinder brauchen Wurzeln“. Der Roman von Jens Steiner ist die Dokumentation eines Lebens, in dem all dies misslingt. So wie er sein Buch geschrieben hat, bin ich sicher, dass es eine reale Person mit ihren Kindern gibt, die ihn dazu inspiriert hat.

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Hol dir mehr von LovelyBooks