Bücher mit dem Tag "herta müller"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "herta müller" gekennzeichnet haben.

13 Bücher

  1. Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783596512034)
    Herta Müller

    Atemschaukel

     (263)
    Aktuelle Rezension von: beccaris

    Eindringlich, wortgewaltig und unprätentiös schildert Herta Müller die Geschichte eines Rumäniendeutschen und dessen Schicksal in einem russischen Gefangenenlager nach dem zweiten Weltkrieg. Die Erzählung lehnt sich an die eigenen Erfahrungen von Oskar Pastior, einem Lyriker und Übersetzter aus Siebenbürgen.


    Der Alltag in den Arbeitslagern ist von Mangel, Entbehrung und Grausamkeit durchsetzt. Trotzdem findet die Autorin eine Sprache, die weder anklagend noch schuldzuweisend ist, sondern sachlich und mit grosser Intensität das Los und die ganze Hoffnungslosigkeit dieser Menschen beschreibt. Dieses verdaut man als Leser nur stückweise und die unmenschlichen Zustände lassen einem sprachlos zurück.


    Eine beklemmende Lektüre einer grossen Schriftstellerin. Herta Müller wurde 2009 der Literaturnobelpreis verliehen.

  2. Cover des Buches Kartoffeln, Kühe und andere Katastrophen (ISBN: 9783986371821)
    Susanna Kess

    Kartoffeln, Kühe und andere Katastrophen

     (39)
    Aktuelle Rezension von: Solengelen

    Beschreibung :

    Eine Modestudentin auf dem Bauernhof – da ist (Liebes-)Chaos vorprogrammiert!

    Der humorvolle Wohlfühl-Liebesroman von Susanna Kess

    Die 22-jährige Modestudentin Stella bricht ihr Studium in Köln Hals über Kopf ab, als die Affäre mit ihrem Professor bekannt wird. Da kommt es ihr gerade recht, dass sie von ihrer Großtante einen Hof in einem Provinzkaff in der Eifel geerbt hat. Doch das Bewirtschaften eines Bauernhofs ist gar nicht so einfach, da helfen weder die selbstdesignten Gummistiefel noch die Notizen ihrer Großtante. Auch der wortkarge Lukas, der Landwirt vom Nachbarhof, ist Stella keine große Hilfe – mag er noch so attraktiv sein. Einzig der charmante Christian heißt sie in der verschworenen Dorfgemeinde willkommen. Doch Stella hat von Männern eigentlich die Nase voll. Und das Erbe wird sie sowieso ausschlagen und sich so schnell wie möglich wieder aus dem Staub machen … oder?

    Fazit :

    Das Cover ist bunt und passt zum Inhalt. 

    Die Schreibweise ist flüssig und gut lesbar. 

    Man nehme eine Studentin, einen Professor, eine Affäre, Liebesstress, eine Erbschaft, verpasst dem Ganzen Herzschmerz, Verwicklungen und noch ein paar Kleinigkeiten und schon hat man eine Geschichte fürs Herz und ein paar kurzweilige Lesestunden. Die Idee hinter der Geschichte ist zwar nicht neu, aber trotzdem unterhaltsam. Ein Buch für ein paar kurzweilige Lesestunden. 


  3. Cover des Buches Herztier (ISBN: 9783596511532)
    Herta Müller

    Herztier

     (58)
    Aktuelle Rezension von: Das_literarische_Parkett

    "Du sollst nicht schlafen, dein Herztier ist noch nicht zu Hause."

    Inimal, das Herztier, das in unser aller Brust sitzt, begehrt auf gegen ein Leben in einem Staat der Angst und Überwachung. In Herztier greift Herta Müller  Schrecken, Gelähmtheit und Verzweiflung auf, die sie mit einer stockenden, brüchigen Stimme erzählt, die ohne blumige Metaphern auskommt, aber mit tiefer Symbolik.

  4. Cover des Buches Reisende auf einem Bein (ISBN: 9783596511570)
    Herta Müller

    Reisende auf einem Bein

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    "Seit ich hier lebe ist das Detail größer als das Ganze." (S. 172) Dieser Satz beschreibt dieses Buch eigentlich ziemlich treffend. Die durchweg sehr melancholische Stimmung wird nicht zuletzt auch durch "gut beobachtete" Detailaufnahmen verstärkt, wie z. B. ein plötzlich auftauchender Fingernagel, um sich greifende, raschelnde Sträucher, oder Adern, die sich von Augapfel zu Nase ziehen. Teilweise sind die Beobachtungen der Protagonistin Irene derart verwirrend/verstörend, dass ich mich gewundert habe, dass in ihrer wörtlichen Rede halbwegs "normale" Sätze rauskommen. Alles in allem ist die Handlung auf jeden Fall Nebensache. Einzig und allein das Gefühl der Heimatlosigkeit und der Schwebe wird eindrücklich transportiert. Raffiniert, aber bedrückend.
  5. Cover des Buches Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt (ISBN: 9783596511563)
    Herta Müller

    Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt

     (17)
    Aktuelle Rezension von: Speckelfe
    Familie Windisch wartet auf die Ausrisegenehmigung aus Rumänien und erst als sich die Tochter dafür "verkauft", kann die Familie das Land verlassen. An sich eine interessante und spannende Geschichte, der Schreibstil hat mir allerdings nicht gefallen. Der Handlung ist teilweise schwer zu folgen, der Stil eher einfach .. nicht mein Ding.
  6. Cover des Buches Der Fuchs war damals schon der Jäger (ISBN: 9783596511549)
    Herta Müller

    Der Fuchs war damals schon der Jäger

     (32)
    Aktuelle Rezension von: taralu
    Ich fand das Buch, obwohl es nicht einfach zu lesen ist, sehr interessant. Es blieb mir in Erinnerung. Der Schreibstil ist bildhaft, sehr detailverliebt. Viel der teils trostlosen Stimmung, der ängstigenden Szenen oder der einfachen Alltagssituationen wird über Bilder transportiert. Das war zuerst sehr eigenartig, aber wenn man sich darauf einlässt durchaus spannend. Charaktere, deren Beziehungen und Geschichte erschließen sich zwar erst nach einiger Zeit, doch am Ende fand ich das Ganze richtig fesselnd. Kein leichter Stoff, aber lesenswert.
  7. Cover des Buches Mein Vaterland war ein Apfelkern (ISBN: 9783596033652)
    Herta Müller

    Mein Vaterland war ein Apfelkern

     (5)
    Aktuelle Rezension von: DoreenGehrke

    »Nein, man hat mich nicht erwischt. Man sah mir überhaupt nichts an. Niemandem sah man etwas an. Wenn es draußen Nacht wurde, kamen alle zum Nachtessen an den Esstisch. Wir aßen und niemand fragte den anderen, wie der Tag für ihn war. An jedem hingen die Geheimnisse. Ich war mir sicher, jeder ist von der Stirn bis zu den Zehen traurig, jeder hat Krallen im Herzen und wehrt sich, aber nur von innen, damit man es nicht sieht. Ich glaubte, diese Dorftrauer hat jeden im Griff, sie ist gleichmäßig über alles verteilt. Man kann ihr nicht entkommen. Ich war oft traurig als Kind, weil ich zu viel allein war.«, erzählt Herta Müller über ihre Kindheit im rumänischen Nitzkydorf. »Mein Vaterland war ein Apfelkern« ist autobiografisch und bibliografisch zugleich, aber werden Lebensereignisse und Publikationen nicht einfach nur aufgezählt. Es ist ein Gespräch zwischen Herta Müller und Angelika Klammer, das uns Leser auf Herta Müllers Leben blicken lässt und uns erklärt, warum diese zahlreich ausgezeichnete Schriftstellerin gerade die Geschichten geschrieben hat, die sie geschrieben hat und wie sehr Schilderungen in ihren Büchern mit ihrem eigenem Leben verflochten sind und vielleicht auch, weshalb Herta Müllers so wunderbar poetische Sprache ihre Leser fasziniert. Die Publizistin und freie Lektorin Angelika Klammer zitiert aus Essays und Büchern Herta Müllers, fragt nach, kommentiert. So liest der Leser kein Interview, sondern ist vertieft in ein Gespräch. Dabei antwortet und erklärt Herta Müller nahezu wie sie schreibt – ausdrucksstark, nackt, fesselnd.

    Aufgewachsen in einem rumänischen Dorf prägten harte Arbeit, Religion und Aberglaube, Einsamkeit und Schläge ihre persönliche Entwicklung. Herta Müllers Mutter war für fünf Jahre in einem Arbeitslager deportiert worden. Die Erlebnisse dort hatten Einfluss auf ihr Wesen und auf die Erziehung der Tochter. Herta Müller erzählt, dass ihre Mutter sie schlug, wenn sie beim Schälen einer Kartoffel zu tief hinein schnitt. Nach qualvollem Hunger im Arbeitslager war die Kartoffel der Mutter ihr größter Schatz. Sie beschreibt das Wesen der Dorfbewohner. »Ich glaube, in diesem Dorf war überall etwas ein bisschen gefälscht. Was so dastand wie immer, wie seine öden dreihundert Jahre, war doch in Wahrheit längst aus den Angeln gehoben durch die Katastrophen der Geschichte. Die innere Verstörung wurde zugedeckt durch äußere Sturheit. Fleiß, Sauberkeit, Ausdauer und vor allem dieses Gemisch aus Arroganz und Minderwertigkeitsgefühl.« Die empfundene Heuchelei der Dorfbewohner wird in Herta Müllers ersten Roman »Niederungen« thematisiert, wenngleich dies nicht der Grund war, warum sie mit dem Schreiben begann. »Ich hielt mich nicht für eine Schriftstellerin. Ich hatte angefangen zu schreiben, weil mein Vater gestorben war, weil die Schikanen des Geheimdienstes immer unerträglicher wurden. Ich musste mich meiner selbst vergewissern, die Ausweglosigkeit um mich herum machte mir so eine Angst.«

    Die Arbeit des rumänischen Geheimdienstes Securitate ziehen sich durch Herta Müllers Publikationen wie ein nie enden wollendes Band. Sie hat es sich zum Thema gemacht, zu ihrem persönlichen Thema – aus der Not geboren, um mit der Angst fertig zu werden. »Niederungen« wird zensiert, es erscheint 1982 gekürzt und geändert. Auch die deutsche Ausgabe zwei Jahre später im Rotbuch Verlag ist stark gekürzt worden. Dennoch, Herta Müllers Buch wird seitens der Intellektuellen für ihre »innovative Sprache« gelobt. Es folgen die ersten Literaturpreise im Ausland. Dies bereitet Herta Müller noch mehr Ärger mit dem Geheimdienst. Sie berichtet, wie sie von der Securitate bedrängt wird, für sie als Spitzel zu arbeiten. Aber sie lehnt ab und wird deswegen mit dem Tod bedroht. Es folgen Schikanen.  Als Dolmetscherin in einer Fabrik muss sie ihr Büro verlassen und allein auf einer Treppe arbeiten. Es werden Gerüchte verbreitet. Sie solle für den Geheimdienst arbeiten, Kollegen meiden sie. Herta Müller ist wieder einsam. »Wenn man verfolgt wird, gehören Angst und Einsamkeit zusammen. Man wird gemieden, die Kollegen weichen einem aus, sie wollen nicht mit einem gesehen werden, aus Angst, dass auch sie ins Visier geraten. Das tut weh, man ist den anderen nicht mehr gut genug. Man wird von oben schikaniert und von unten diskriminiert. Kurz gesagt, je mehr Schikanen, umso mehr Einsamkeit. Ich habe aus Einsamkeit zu schreiben begonnen, es war die zweite große Einsamkeit.«

    Zudem beschreibt Herta Müller den Alltag im Sozialismus. Die Hässlichkeit der forcierten Gleichheit mache apathisch und anspruchslos. Die Folge sei ein schweres Gemüt der Menschen. Sie vergleicht das Dorfleben ihrer Kindheit mit dem Leben in der Stadt und kommt zu dem Schluss: »Sozialismus bedeutet die Austreibung der Schönheit.« Dieser Ödnis im Alltag begegnet Herta Müller mit Ablenkung. Sie denkt in Bildern, sie beobachtet und seziert das Beobachtete, schreibt, um nicht dem Wahn zu verfallen. Aus der Fabrik wird Herta Müller schließlich entlassen. Sie gibt Schülern Nachhilfestunden, aber der Geheimdienst übt Druck auf die Familien aus, sodass Herta Müller sich ständig neue Jobs suchen muss. Zudem kommen immer wieder Verhöre, bei denen ihr unterstellt wird, sie sei Prostituierte und würde Schwarzhandel betreiben. »Alles voller kalter Gefühle« wie es heißt, der Vernehmer hatte seine Macht und sie hatte ihre Angst, und beide hassten sich. Zuletzt arbeitet sie als Deutschlehrerin in einer Schule. Dort wird sie nach ihrer dritten Auslandsreise auch entlassen. Herta Müllers Lage spitzt sich zu. Zusammen mit Freunden aus dem Schriftstellerkreis Schriftstellervereinigung Adam Müller-Guttenbrunn stellt sie Ausreiseanträge.

    1987 kann Herta Müller zusammen mit ihrem damaligen Mann und ihrer Mutter, der nach Drängen der Securitate ihr Haus aufzugeben dem zustimmt, nach Deutschland ausreisen. Im Übergangsheim in Nürnberg wird Herta Müller vom BND der Spionage für die Securitate verdächtigt und tagelang verhört. Sie ist sich sicher, dass ihre Biografie fingiert wurde und ist enttäuscht vom BND, dass dieser nicht selbst recherchiert hat. Zudem verlangt man von Herta Müller, dass sie sich entscheidet, ob sie Deutsche sein möchte oder eine politisch Verfolgte. Beides ginge nicht, dafür hatten sie kein passendes Formular. Im Jahr 2008, zwanzig Jahre nach ihrer Ausreise, kann Herta Müller ihre Akte lesen bzw. das, was vorhanden ist. Sie ist erleichtert, dass ihre Freundin Jenny erst kurz vor deren Tod sie verraten und niemand aus ihrem Freundeskreis für die Securitate gearbeitet hat. Aber das Erlebte lastet schwer und Herta Müller denkt lange daran, darüber zu schreiben. Besonders über die Deportation, die sie zwar selbst nicht kannte, aber an der sie in ihrer Kindheit litt. Als sie mit Oskar Pastior zu einer Lesung reist, erklärt dieser sich bereit, über seine Deportation und sein Überleben im Arbeitslager zu berichten. Es entsteht der Roman »Atemschaukel«, 2009. Im gleichen Jahr erhält Herta Müller den Nobelpreis für Literatur.

    Für Leser, die Herta Müllers Bücher kennen, ist es sicher interessant, über ihre Beweggründe des Schreibens und persönliche Erlebnisse zu erfahren, um die es in ihren Büchern letztendlich geht. Aber auch Interessierte, die nicht mit Herta Müllers Werken vertraut sind, dennoch etwas über das »Leben unter Beobachtung« in Rumänien zu Ceaușescu-Zeit erfahren möchten, empfehle ich dieses Buch.

  8. Cover des Buches Der König verneigt sich und tötet (ISBN: 9783596511556)
    Herta Müller

    Der König verneigt sich und tötet

     (24)
    Aktuelle Rezension von: Farbwirbel

    Sprache war und ist nirgends und zu keiner Zeit ein unpolitisches Gehege, denn sie läßt sich von dem, was einer mit dem anderen tut, nicht trennen. Sie lebt immer im Einzelfall, man muß ihr jedesmal aufs neue ablauschen, was sie im Sinn hat. In dieser Unzertrennlichkeit vom Tun wird sie legitim oder inakzeptabel, schön oder häßlich, man kann auch sagen: gut oder böse. In jeder Sprache, das heißt in jeder Art des Sprechens sitzen andere Augen. - S. 39


    Im letzten Jahr habe ich Müllers 'Atemschaukel' gelesen, für das sie den Nobelpreis für Literatur erhielt. Da mich der Roman auf längere Sicht nicht losließ, wollte ich gern ein weiteres Werk von ihr lesen. Es ist diese Essay-Sammlung geworden, da mich der Titel enorm ansprach. Einen solchen Titel zu entwerfen, beinhaltet für mich bereits viel Überzeugendes.

    Müller schrieb hierfür biografische Essays, die Episoden ihres Lebens betrachten und immer wieder zwischen der einen Vergangenheit zu einer anderen wechseln.

    Sie berichtet von ihrer Kindheit in Rumänien. Sie wuchs dort in einem schwäbischen Dorf auf zur Zeit der Diktatur. Sie berichtet von ihren Eltern und ihren Großeltern, die mit viel seelischem Gepäck auf dem II. Weltkrieg in das Dorf kamen. Sie berichtet dabei sehr intensiv, fast schon brutal. Dieses Erzählgut bestürzte mich bereits bei 'Atemschaukel'.

    Dann beschreibt sie ihre Zeit in der Stadt, wie sie stets beobachtet wurde, immer wieder verhört, wie ihre Wohnungen durchsucht wurden, wie sie betrogen wurde. Sie reist nach Berlin, lebt auch dort weiterhin in Angst.

    Ihre Beobachtungen sind messerscharf und man begreift, wie sie zu einer Autorin werden konnte, denn sie scheint ihr Umfeld beinahe zu observieren. Ob es die Pflanzen sind oder eine Werbetafel.

    Dabei berichtet sie auch immer wieder von der Sprache. Wie ihre Sprache mit der Sprach in Berlin aufeinanderstießen, obwohl es doch eigentlich die selbe Sprache sein sollte. Wie sie eigene Begriffe erfand, weil die benannten Objekte durch den Namen nicht richtig bekleidet wurden.

    Auch berichtet sie davon, dass sie sich über die Bezeichnung ihres 'fremden Blicks' ärgerte, der von der Literaturwissenschaft gelobt werden würde. Sie kann nichts dazu tun. Sie schreibt eben, doch viele andere haben jenen Blick ebenso, doch sie leben ihn anders aus.

    Das Werk geht tief und zeigt dabei nicht nur Herta Müllers Biografie, sondern auch die politischen Entwicklungen, die Prozeduren einer Diktatur, ihre Idee von Sprache, von Freundschaft, vom Leben.

    Müller gibt hier einen aufschlussreichen Blick in die Welt, den man sich bewusst machen sollte.

  9. Cover des Buches Heute wär ich mir lieber nicht begegnet (ISBN: 9783596188222)
    Herta Müller

    Heute wär ich mir lieber nicht begegnet

     (22)
    Aktuelle Rezension von: HomersEvil
    Herta Müllers Protagonistin ist bestellt. Punkt Zehn. Sie weiß was das heißt. Schon oft musste sie zum Verhör des Geheimdienstes. Pünktlichkeit ist dabei von äußerster Wichtigkeit. Im Verhör selbst hat zudem jede Bewegung und Geste die ihr Körper an den Geheimdienst Offizier zu senden vermag, ob unbewusst oder bewusst, Auswirkungen. Unmittelbare und direkte Folgen für das zukünftige Leben, die Qualität desselbigen und die damit verbleibende Lebensfreude. Alle geäußerten Gedanken, Absichten, Ideen und Überzeugungen müssen möglichst unverfänglich sein. Zudem passend. Passend zu den in den unzähligen vorigen Vernehmungen getätigten Aussagen. Die Strecke die sie auf dem Weg zum Verhör mit der Straßenbahn zurücklegen muss, ist ihr wohl bekannt. Jede Haltestation bringt sie näher. Näher zu einer ungewissen Zukunft. Ist es vielleicht das letzte Mal? Wird sie diesmal nur den Hinweg bestreiten? In einer Art Voraussicht hat sie zumindest Zahnbürste und Handtücher eingesteckt. „Heute wäre ich mir lieber nicht begegnet“ – wie so oft bei den Werken Herta Müllers, steht allein schon der Titel für diesen besonderen und ungewöhnlichen Umgang mit Worten, Bedeutungen und interessanten Assoziationen, die Müllers Sprache unwillkürlich auslösen kann. Auch das vorliegende Werk bildet dabei keine Ausnahme. Im Gegenteil, Herta Müller vollzieht auch hier wieder diese, ihre, unnachahmliche Wandlung von diesen so vielfältig und mannigfaltigen Bedeutungen der Sprache und der daraus folgende Neuinterpretation, so dass man nur fasziniert lesen und genießen sollte. In dem vorliegenden Roman beschreibt Herta Müller das Leben einer Frau. Mit Hilfe von Rückblenden und in der Form von sich stetig weiter entwickelnden Gedanken. Die Autorin beschreibt dabei ein so dichtes und emotionales Leben und ein Schicksal, welches aufgrund der beschriebenen Handlung wohl auch viele Aspekte von ihrem, Herta Müllers eigenem Leben darstellt. Ein Leben das von stetiger Vorsicht vor Spitzeln, Verrat, politischer Unterdrückung und Unfreiheit geprägt ist. Jeder Versuch die Staatsautorität anzuzweifeln oder gar dem Staat durch Flucht zu entkommen, könnte auch der letzte sein.
  10. Cover des Buches Vater telefoniert mit den Fliegen (ISBN: 9783596198269)
    Herta Müller

    Vater telefoniert mit den Fliegen

     (12)
    Aktuelle Rezension von: katzenminze
    Schon seit ich zum ersten mal auf eine von Herta Müllers Collagen gestoßen bin, bin ich ganz verliebt in sie! Aus aus Zeitungen und Zeitschriften ausgeschnittenen Wörtern setzt Müller eine ganz neue Welt zusammen. Es ist erstaunlich, wie sehr mir die abstrakten Texte teilweise ans Herz gehen. Und es ist erstaunlich mit wie viel Kreativität hier Geschichten erfunden werden, die trotz ihrer Kürze intensiv und rund zugleich sind.

    Draußen an der leeren Fahnenstange hört man zum Glück nicht mehr die Eisenringe singen, vielleicht trauen sich jetzt die Kraniche zurück
    Seite 20

    Ein bisschen schwierig ist es manchmal, dass es keine Satzzeichen gibt. Andererseits macht das auch viel vom Charme aus. Müller spielt damit, dass das Ende eines Satzes zugleich der Anfang des nächsten sein kann. Das ergibt ein sehr interessantes Spiel mit der Sprache. Besonders beeindruckt es mich, dass die Geschichten oft auch optisch eine Einheit bilden. Mal dominiert Grün, mal Blau, mal mehr farbige Wörter, mal mehr solche mit farbigem Hintergrund. Als ob es nicht allein schon knifflig genug wäre sinnvolle neue Sätze aus diesen Schnipseln zu bilden!

    Natürlich ist „Vater telefoniert mit dem Fliegen“ nichts zum einfach runterlesen. Wie einen Gedichtband genießt man es am besten in Etappen. Und ich fand, dass gerade durch mehrmals oder laut lesen, die Texte noch an Kraft gewinnen.

    Angst ist ein greller Stoff der beim tragen auffällt wie ein Hühnerkopf als Brosche am Mantelkragen aber ein Polizist hat mal gesagt wunderbar dir glänzt steigende Furcht in den Augen wie Kaviar
    Seite 139

    Melancholisch, verwirrend, ästhetisch, experimentierfreudig, berührend, lustig, bizarr, schön. Mir fallen viele hübsche Adjektive zu diesem Büchlein ein. Günther Rüther schrieb in einem Buch über Herta Müller „Ihre Sprache ist bildreich und sparsam, schön und zugleich hart“. Und das trifft es ziemlich perfekt. Nach dem ich die „Schnipsel“ schon so sehr mag, bin ich umso gespannter auf ihre Prosawerke!

    4,5 / 5 Sternen
  11. Cover des Buches Die blassen Herren mit den Mokkatassen (ISBN: 9783446206779)
    Herta Müller

    Die blassen Herren mit den Mokkatassen

     (15)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    „am kleinen Strand da kamen wieder/ die feinen Mitglieder zusammen“ Wer sich vor diesen Zeilen und Versen der letzthin mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Schriftstellerin Herta Müller versammelt, die kokett gestalteten Collagen vor dem Auge zerfließen lässt und dabei auch einmal, vielleicht gar besonders, laut die einzelnen Wörter zählt, der wird einen ungekannten Rhythmus finden und sich am Ende vielleicht gar beim Singen ertappen. Dieses im Jahr 2005 erschiene Büchlein muss ein Liebhaberstück der Autorin gewesen sein. Wenn Herta Müller nicht mehr schreiben kann, wenn sie nicht mehr schreiben will, dann fertigt sie Collagen an, das zumindest sagte auch die Literaturkritikerin Verena Auffermann in einem Interview am 8.10.2009 auf N24. Man kann diese kleinen Texte gar auf Postkarten kaufen. Mit der Schere vom faktualen Zweck befreite Wörter und Buchstaben hat sie mit Kleber auf Papier gedrückt und jedes Blatt ist mir einer kleinen künstlerischen Bildgestaltung versehen. Man ist als liebender Leser versucht, hier einen Beispielauszug vorzulegen. Da dies jedoch leider nicht möglich erscheint, bleibt nur die Bitte oder der Verweis, sich dieses Büchlein einmal selbst anzuschauen. [Mit einer kleinen Anmerkung möchte der Rezensent hier anfügen, dass dies auf Amazon gar möglich ist.] 112 Seiten liegen vor dem Betrachter und zuerst mag vor allem die farbliche Vielfalt ins Auge springen. Ausgeschnittene und aneinander gereihte Wörter haben grundlegend ja erst mal einen Drohbriefcharakter. Doch unglaublicherweise verliert sich dieser Gedanke, kommt gar nicht erst richtig auf, denn die Buchgestaltung und die sehr wechselseitige Anordnung der einzelnen Collagenblätter lenkt die Aufmerksamkeit letztendlich auf das Wichtigste: den Inhalt. Der allerdings ist kein logisch zusammenhängender und doch kann man diesen Text als ein über hundert Seiten langes Gedicht lesen, ist aber auch auf jeder Seite, mit jedem Blick ein neues Gedicht, ein neuer sprachzerwirbelnder Text. Die innere Musikalität der Wortreihen befähigen sich selbst dazu. „[…] zog nur den/ Vorhang an und lief durchs Fenster zur Beerdigung/ zur Begleitmusik mußte ich weinen dem einen/ Kantor tropfte meine Nase auf den Schuh bis/ es ihm zuwider war da riß er eins der Grablieder/ aus seinem Notenbuch gab es mir als Taschentuch/ und sagte wenns trocken ist krieg ich es wieder/ ist das klar“ Herta Müller fängt Umgangssprache ein und verdreht das Müssen und Dürfen so sehr miteinander, dass die putzigen Synekdochen, die bedrohenden Auslassungen, die gewollten Paraphrasen oder sich häufenden Binnenreime die Bilder formen, die im Kopf entstehen. Eine ganz eigene, fast niedliche die Spielerei betonende Sprache wird hier frei. „alle Liebe wird uns mal zur Klette“ Von Liebe spricht Herta Müller. Immer wieder werden in den einzelnen Texten die Mutter, der Vater angesprochen. Sie beurteilen, sprechen, sind paradoxe Erscheinungen. Doch auch die Bild-/Textgestaltung, das Buch als Ganzes drückt die Liebe zum Detail, zum Wort, zur Sprache als Ausdrucksmomentum aus und fordert bei dieser Lektüre alle Sinne ein. Mit einem Male taucht auch ein toter Vogel auf, das lyrische Ich lacht und fürchtet sich und hat „das Problem dass ich nicht weiß vor wem“. Wenn ein Vers so und der Leserhythmus so endet, dann ist das ganz abrupt und sehr nachdenklich, die Bedeutungen klingen nach, bleiben beim Leser und fordern ein erneutes Lesen. Dann beim Wiedersehen der Bilder im Text tauchen Blindstellen auf, so ist bei dem toten Vogel zum Beispiel von der Pfütze die Rede. Eine Pfütze, die mehr als vergänglich ist, weil sie sich selbst tilgt durch die bloße Existenz an der doch von Sonne benetzten Luft. Das tollspielerische an der Sprache wird dann auch ganz schnell zum bitteren Nachgeschmack, wenn die Bildebenen sich so vermischen, dass Menschenteile in den Kaffee gerührt werden und dem guten und schönen Gedanken ein eher bedrängender folgt. Dabei mag dem kontextbeladenen Rezipienten auch immer ein wenig von der unbekümmerten Lesehaltung fehlen, denn man könnte diese Bilder genau so in der einfachen Nebeneinanderexistenz der Möglichkeiten des Seins betrachten, denn so sind auch die geschnittenen Wörter und Zeichen aneinandergereiht – wie das Leben ohne jedwedes Wissen ums Morgen. „[…] wenn niemand/ schaut dann tauschen wir Hals/ über Kopf die Haut“ Im vorliegenden Buch ist Herta Müller etwas ganz Eigentümliches gelungen, das sich ein wenig seitwärts ihrer bisherigen literarischen Werke bewegt. Vor allen Dingen muss man betonen, dass dies eine mutige Verlegerentscheidung ist. Denn sowohl als Bilderbuch, fortlaufender ‚gebastelter‘ Text oder 112 Seiten umfassende Collage ist das Buch nicht genrebestimmt und muss seine Leser wohl eher suchen. Auch wenn das in sich eigentlich unbegründet sein müsste, denn allein das laute Vor-sich-hin-summen des Entstanden macht einen riesigen Spaß.
  12. Cover des Buches Atemschaukel (ISBN: 9783899036978)
    Herta Müller

    Atemschaukel

     (6)
    Aktuelle Rezension von: sabisteb
    Rumänien 1945: Der Zweite Weltkrieg ist endlich zu Ende. Die deutschstämmige Bevölkerung muss nun mit ihrer Arbeitskraft die Reparationen für die entstandenen Kriegsschäden bezahlen. Auf Stalins Befehl hin werden alle arbeitsfähigen Männer und Frauen von 17 bis 45 Jahren in Arbeitslager deportiert. So auch der siebzehnjährige Leopold Auberg, für den dieser Tapentenwechsel zunächst ein Abenteuer ist, eine Abwechslung im ständig gleichbleibenden Alltag. Im Lager erlebt er fünf Jahre harte Arbeit, Entbehrung und Hunger. Für Herta Müllers Atemschaukel gab es 2009 den Nobelpreis für Literatur. Die Geräuschkulisse sammelte der Regisseur Kai Grehn auf dem Gelände der Kokschim-Fabrik im ukrainischen Nowo Gorlowka, in welcher Oskar Pastior(rumäniendeutscher Lyriker und Übersetzer und wahrscheinlich Vorbild für die Figur des Leopold Auberg) als Zwangsarbeiter gearbeitet hat Die Uraufführung des Hörspiels war auf 2010 NDR Kultur. Hier nun weder ein klassisches Radiohörspiel noch eine Lesung sondern eine Mischung aus vertonter Lesung und gespielten Hörspieleszenen. Ein Balanceakt, denn einerseits möchte man dieses sprachliche Kunstwerk zu Geltung bringen, andererseits ein Hörspiel produzieren. Man entschied sich dazu einerseits zwei Erzähler, den jungen und alten Leopold Auberg, Passagen erzählerisch lesen zu lassen, und diese dann immer wieder mit gespielten Szenen zu unterbrechen. Den Nobelpreis erhielt das Buch wohl hauptsächlich wegen seiner expressiven Sprache. Viele wunderbar deskriptive Wortneuschöpfungen sind das Markenzeichen der Autorin. Darunter leidet aber die Handlung. So schön die Sprache aus sein mag, die Handlung bleibt weit dahinter zurück. Natürlich kann man nicht erwarten, dass 5 Jahre Arbeitslager unterhaltsam sind, natürlich kann man nicht erwarten, dass in einem Arbeitslager viel passiert, vielleicht will die Autorin die Leser und Hörer durch diese Handlungsarmut auch die Perspektivlosigkeit des Arbeitslagers spüren lassen. Dennoch ist es irgendwann einfach nur noch ermüdend der Handlung zu folgen, und das Schicksal der Häftlinge berührt kaum, da sie einem fremd und fern bleiben. Fazit: Handwerklich solides NDR Radiohörspiel aus dem Jahr 2010.
  13. Cover des Buches Die Nacht ist aus Tinte gemacht (ISBN: 9783932513886)
    Thomas Böhm

    Die Nacht ist aus Tinte gemacht

     (12)
    Aktuelle Rezension von: parden

    EINBLICKE IN KINDHEIT UND JUGEND DER LITERATURNOBELPREISTRÄGERIN...

    In "Die Nacht ist aus Tinte gemacht" erzählt die Berliner Schriftstellerin Herta Müller ihre Kindheit im rumänischen Banat. Aus dem Gespräch heraus, ohne Manuskriptvorlage, erzeugt ihre behutsam sich vorantastende Stimme eine dichte, spannungsreiche Atmosphäre, in der vor dem Ohr des Hörers eine Welt zum Leben erweckt wird, die nur noch in der Erinnerung existiert. 

    Das Leben der Banater Schwaben in Nitzkydorf ist geprägt von bäuerlichen Bräuchen und harter Arbeit. Die Abgeschlossenheit dieses kleinen Kosmos bekommt durch den Schulbesuch erste Risse: Im ständigen Wechsel zwischen Dialekt, Hochdeutsch und Rumänisch entdeckt das Kind, dass die Sprachen ganz unterschiedliche Augen haben, mit denen je andere Dinge wahrgenommen werden können. Durch die Risse wird aber auch die Gewalt deutlicher erkennbar, die in den Körpern sitzt, derer sich die politischen Regime brutal ermächtigen. Für die 1953 Geborene sind die Folgen von Krieg, Deportation der Mutter in ein stalinistisches Straflager, Alkoholismus des Vaters und Enteignung der Familie alltäglich spürbar. So beschreibt Herta Müller ihre Kindheitsängste im Rückblick - als sie auf die Nachstellungen und Drangsalierungen durch den gefürchteten Geheimdienst Securitate zu sprechen kommt als Einübung in die spätere "Angst aus politischen Gründen". Angst, die in der Diktatur Ceausescus bewusst zum Machterhalt eingesetzt wurde. 

    Der ungewöhnlich lange Klappentext fasst den Inhalt dieses ungewöhnlichen Hörbuchs sehr gut zusammen. Eine Stunde und 54 Minuten lang kann der Hörer der Stimme der Literaturnobelpreisträgerin (2009) lauschen, wie sie sich in Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend im Banat ergeht, einer historischen Region in Südosteuropa, die heute in den Staaten Rumänien, Serbien und Ungarn liegt. Herta Müllers damaliger Wohnort Nitzkydorf fiel später Rumänien zu, sämtlicher Privatbesitz wurde enteignet, die Drangsalierungen waren alltäglich.

    Aber auch vor diesen Veränderungen zeichnet sich durch die Stimme Herta Müllers eine Kindheit ab, die heute kaum noch vorstellbar ist - geprägt durch harte Arbeit, Disziplin und Einsamkeit. Faszinierend, wie viele Details von ihren damaligen tiefen Gedanken und Gefühle der Autorin noch erinnerlich sind. Es zeichnet sich ab, dass die hohe Sensibilität, der Wunsch des Hinterfragens, die bereits von Kindheit an stets begleitende Angst in Verbindung mit einem tiefen Verständnis für das Wesen der verschiedenen Sprachen sicherlich dazu beigetragen hat, dass Herta Müller ihren Ausdruck später als Schriftstellerin suchte.

    Weitestgehend chronologisch legt die Autorin hier ein Zeugnis ihrer Vergangenheit dar - nicht als Lesung, sondern im freien Vortrag, vermutlich als Antwort auf Fragen, die hier nicht mit aufgezeichnet wurden. Stellenweise kraftvoll, oftmals aber auch eher leidend und melancholisch lässt die Stimme den Hörer teilhaben an den Erinnerungen. Normalerweise würde mich solch ein an manchen Stellen nahezu depressiv klingender Vortrag stören - wenn man aber der Geschichte lauscht, ahnt man, auch wenn manches nur angedeutet wird, wie man auch auf den Gedanken an einen Suizid als Erlösung kommen kann.

    Ich war fast enttäuscht, als das Hörbuch beendet war. Es war ungemein interessant, in diesen fremden Kosmos einzutauchen, und tatsächlich bin ich nun wieder neugierig geworden auf die Werke Herta Müllers, obschon ich vor einigen Jahren mit 'Atemschaukel' so meine Probleme hatte...


    © Parden

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