Bücher mit dem Tag "historisch"
1.515 Bücher
- George R. R. Martin
Game of Thrones
(5.529)Aktuelle Rezension von: H-LshDie Serie habe ich mit Begeisterung geschaut, und Freunde schwärmten mir von dem noch intensiveren Leseerlebnis, das die Bücher bieten. Nun kann ich das nur bestätigen. Die Figuren waren mir ständig präsent, was meine Vorstellungskraft noch einmal beflügelte. Ein Buch, das ich wärmstens empfehlen kann..
- Markus Zusak
Die Bücherdiebin
(4.707)Aktuelle Rezension von: Mi-ka-doLiesel Meminger wächst in einer Zeit auf, in der Angst, Verlust und politische Unterdrückung zum täglichen Leben gehören. Nachdem sie bei dem Ehepaar Hubermann ein neues Zuhause gefunden hat, entdeckt sie nach und nach ihre Leidenschaft für Geschichten. Bücher werden für Liesel zu einem Zufluchtsort, aber auch zu einer Möglichkeit, anderen Menschen Trost und Hoffnung zu schenken.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Entscheidung, den Tod als Erzähler auftreten zu lassen. Er betrachtet das Geschehen mit einer eigenwilligen Mischung aus Distanz, Mitgefühl und trockenem Humor. Dadurch erhält der Roman eine Atmosphäre, die sich nur schwer mit anderen Büchern vergleichen lässt. Die vielen sprachlichen Bilder und eingeschobenen Bemerkungen unterbrechen allerdings immer wieder den Erzählfluss. Daran musste ich mich zunächst gewöhnen. Auch dass zukünftige Ereignisse teilweise vorweggenommen werden, hat mir anfangs etwas von der Spannung genommen. Die Beziehungen zwischen den Figuren sind dagegen toll entwickelt.
Mich hat vor allem beeindruckt, wie das Buch kleine Augenblicke der Wärme vor einem grausamen historischen Hintergrund sichtbar macht. Hilfsbereitschaft, Zuneigung und stiller Widerstand stehen einer Welt gegenüber, die zunehmend von Gewalt und Menschenverachtung bestimmt wird. Gerade dieser Gegensatz macht Liesels Geschichte irgendwie anstrengend und schmerzhaft und doch zugleich hoffnungsvoll.
Manche Abschnitte hätten für meinen Geschmack vielleicht ein bisschen kürzer ausfallen können. Trotzdem ist Die Bücherdiebin ein außergewöhnlicher Roman, der seine Wirkung langsam entfaltet und besonders durch seine Figuren, seine Sprache und seine nachdenkliche Sicht auf den Menschen überzeugt. Das Buch hat mich emotional voll abgeholt und auch noch eine Weile nachgeklungen.
- Diana Gabaldon
Feuer und Stein (Outlander 1)
(2.694)Aktuelle Rezension von: dorothea84Mit Feuer und Stein beginne ich endlich die Outlander-Saga – ein Buch, das schon lange auf mich gewartet hat.
Claire Randall ist eine Protagonistin, die man schnell ins Herz schließt. Sie ist klug, vielschichtig und wirkt durchgehend authentisch. Ihre Gedanken, ihre Entscheidungen, ihre innere Stärke – all das macht sie zu einer Figur, der ich sehr gerne weiter folgen möchte.
Jamie wirkt zu Beginn eher wie eine Randfigur. Doch je mehr er in den Fokus rückt, desto klarer wird, warum diese Figur für so viele Leser*innen ikonisch geworden ist.
Besonders stark ist die Atmosphäre. Schottland wird lebendig beschrieben – die Landschaft, die Stimmung, die historischen Details. Beim Lesen habe ich regelrecht Sehnsucht gespürt, selbst wieder dorthin zu reisen.
Ja, das Buch hat Längen. Manche Passagen ziehen sich. Doch da ich über mehrere Tage gelesen habe, fiel das für mich weniger stark ins Gewicht.
Ein intensiver, atmosphärischer Reihenauftakt mit starken Figuren und historischem Flair – der Lust auf die weiteren Bände macht.
- Ken Follett
Die Säulen der Erde
(6.269)Aktuelle Rezension von: Buchsucht_deWir befinden uns im mittelalterlichen England des 12. Jahrhunderts, zu einer Zeit politischer Wirren und persönlicher Katastrophen. Nach dem Untergang des einzigen legitimen Thronerben zerbricht das Reich in einem Bürgerkrieg zwischen König Stephan und der rechtmäßigen Thronerbin Kaiserin Mathilde. In dieser Zeit steht die verarmte Priorei Kingsbridge vor dem Nichts, bis der ehrgeizige Prior Philip die Vision entwickelt, eine große Kathedrale zu bauen. Um Kingsbridge herum verflechtet sich ein komplexes Netzwerk von Schicksalen: Tom Builder, der wandernde Baumeister, der sein Leben lang von einer Kathedrale träumt. Aliena, die Tochter eines gestürzten Grafen, die nach dem tragischen Verlust ihrer Familie um Rache und ein neues Leben kämpft. Jack Jackson, ihr späterer Geliebter, der sich zu einem genialen Baumeister mit revolutionären Ideen für die gotische Architektur entwickelt. Am Ende führt die Handlung zum berühmten historischen Mord an Erzbischof Thomas Becket in Canterbury 1170.
Der wichtigste Grund für meine volle Punktzahl sind die vielschichtigen Charaktere. Ken Follett hat mit Jack, Aliena und Prior Philip drei der unvergesslichsten Figuren der modernen Historienromanliteratur geschaffen. Sie sind komplex, widersprüchlich, menschlich, keine typischen Klischee-Helden, sondern echte Menschen mit Fehlern, Sehnsüchten, Ängsten und Träumen. Was besonders beeindruckt: Follett zeigt uns diese Menschen in allen Lebensphasen. Wir sehen Jack als Kind, Jugendlichen, Vater und etablierten Baumeister. Wir sehen Aliena von der behüteten Adelstochter zur brutal getroffenen Kämpferin, zur erfolgreichen Wollhändlerin. Diese lebenslangen Entwicklungen sind selten in einem einzigen Roman zu finden.
Aliena verdient eine besondere Erwähnung. Sie ist eine der stärksten weiblichen Hauptfiguren der modernen Historienliteratur. Sie verliert alles, erleidet unaussprechliche Gewalt und baut sich trotzdem aus dem Nichts ein neues Leben auf. Als selbstständige Wollhändlerin, als Kämpferin für ihre Familie, als Frau, die aus eigener Kraft ihr Leben gestaltet. In einer Zeit ohne Frauenrechte kämpft sie mit allen Mitteln. Follett hat hier eine feministische Heldin geschaffen, die auch nach 35 Jahren nichts an Kraft verloren hat. Jack ist der geniale Baumeister mit dem revolutionären Blick für die gotische Architektur, seine Coming-of-Age-Geschichte verbindet emotionale Charakter-Entwicklung mit historischer Baukunst-Geschichte. Prior Philip ist meine Lieblingsfigur, die moralische Instanz des Buches, ein Mann, der versucht, in einer korrumpierten Welt anständig zu bleiben, ohne perfekt zu sein.
Was den Roman zusammenhält, ist der Kathedralbau von Kingsbridge, mit der realen Kathedrale von Salisbury als Vorbild. Follett zeigt uns Schritt für Schritt, wie ein solches monumentales Bauwerk entsteht, von den romanischen Anfängen bis zur revolutionären gotischen Vollendung. Diese architektonische Ebene ist so faszinierend, dass viele Leser:innen nach dem Buch tatsächlich mittelalterliche Kathedralen besuchen wollen. Follett verwandelt Steine in Poesie. Und er zeigt uns das Mittelalter, wie es wirklich war, nicht romantisiert. Das Leben war hart, die Frauen hatten kaum Rechte, die Kirche war Zufluchtsstätte und Machtapparat zugleich. Diese Ehrlichkeit macht das Buch zu einem wertvollen Werk. Auch die Antagonisten sind vielschichtig: Bischof Waleran, der ehrgeizige Kirchenmann, der Macht über Spiritualität stellt, und William Hamleigh, dessen Herkunft und Manipulationen durch seine dominante Mutter seine Gewalt psychologisch nachvollziehbar (nicht entschuldbar) machen.
1294 Seiten sind eine Ansage. Aber Follett braucht diese Seiten, um sein Epos zu erzählen, die Charaktere über Jahrzehnte zu entwickeln, die Kathedrale Stein für Stein wachsen zu lassen. Wer sich einlässt, wird belohnt. Die Länge fügt sich der Geschichte. Ein Hinweis für Neu-Einsteiger:innen: „Die Säulen der Erde“ ist der erste Band der Kingsbridge-Reihe, aber mein Rat ist, hier zu beginnen und nicht mit dem später erschienenen Prequel „Der Morgen einer neuen Zeit“. Das ist Folletts Meisterwerk und der emotionale Kern der Reihe.
Mein Fazit: Einer der besten Historienromane, die je geschrieben wurden. Vielschichtige Charaktere, authentisches Mittelalter, ein Kathedralbau als roter Faden und die politische Verwebung mit realer englischer Geschichte machen das Buch zu einer echten Bildungs- und Unterhaltungs-Erfahrung. Über 26 Millionen verkaufte Exemplare weltweit sprechen für sich.
Empfehlenswert für Fans großer Historien-Epen und Familiensagen wie Rebecca Gablé, Bernard Cornwell, Sarah Lark oder Hilary Mantel. Für alle, die tief in eine Welt eintauchen wollen, die architektonische und politische Geschichte lieben und feministische Heldinnen im historischen Setting schätzen. Perfekt für Herbst- und Winterabende oder für den Urlaub. Eher nichts für dich, wenn du schnelle Pageturner mit 300 Seiten bevorzugst, mit den harten Themen (besonders sexualisierte Gewalt) nicht konfrontiert werden möchtest oder ein romantisiertes Mittelalter-Bild erwartest.
- Oscar Wilde
Biblioteca Obscura: Das Bildnis des Dorian Gray
(2.023)Aktuelle Rezension von: AnnaLovesBooksErster Satz: „Der Künstler ist der Schöpfer schöner Dinge.“
Ich kann jetzt auf jeden Fall verstehen, warum Das Bildnis des Dorian Gray als Klassiker gilt. Gleichzeitig war es für mich nicht durchgehend ein Buch, das mich begeistert hat.
Die Geschichte rund um Dorian Gray hat mir gut gefallen. Ich mochte die Idee rund um das Gemälde. Dorian bleibt nach außen jung und wunderschön, während man auf dem Bild immer mehr sieht, was eigentlich in ihm passiert. Je mehr schlechte Dinge er tut, desto hässlicher wird sein Bild. Dorian selbst verändert sich äußerlich dagegen kaum. Genau dieser Gegensatz hat mir gut gefallen. Nach außen sieht er weiterhin perfekt aus, während das Gemälde zeigt, was aus ihm geworden ist. Seine Entwicklung fand ich interessant. Man sieht, wie er sich immer weiter verändert und wie sehr andere Menschen ihn dabei beeinflussen. Gleichzeitig trifft er seine Entscheidungen aber selbst und muss auch mit den Folgen leben. Gerade diese Seite der Geschichte hat mir gut gefallen.
Oscar Wildes Schreibstil mochte ich. Seine Sprache ist wirklich schön und ich hatte einige Stellen, die ich sehr gerne gelesen habe. Allerdings gab es auch einige Kapitel, die sich für mich gezogen haben. Teilweise waren sie einfach lang und haben nicht immer zur Geschichte beigetragen, dadurch wurde es zwischendurch langweilig. Das hat mir beim Lesen schon einiges genommen. Trotzdem gab es immer wieder Momente, in denen die Geschichte richtig interessant wurde. Es gab ein paar Wendungen, bei denen ich wirklich überrascht war und unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Dadurch hatte das Buch auch immer wieder Stellen, an denen ich richtig drin war.
Für mich geht es viel um Schönheit und Jugend, aber auch darum, was passiert, wenn man sich immer mehr von seinem eigenen Wahn und dem Einfluss anderer leiten lässt. Dorian kann lange so aussehen, als wäre alles perfekt. Das Gemälde zeigt aber, was sich tatsächlich verändert hat. Diese Idee fand ich wirklich stark.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen. Die Geschichte hatte für mich eine richtig gute Idee und ich mochte es, Dorians Veränderung zu verfolgen. Die ausschweifenden Kapitel haben mir allerdings etwas die Freude am Lesen genommen. Am Ende sind es für mich 3,5 Sterne geworden. Ich bin froh, diesen Klassiker gelesen zu haben, und kann jetzt auch verstehen, warum er bis heute so bekannt ist. Ganz mein Buch war es leider nicht.
- Diana Gabaldon
Outlander - Die geliehene Zeit
(1.490)Aktuelle Rezension von: dorothea84Der Einstieg in den zweiten Band der Highland-Saga hat mich zunächst völlig kalt erwischt und verwirrt, da die Geschichte mit einem großen Zeitsprung und veränderten Zeitebenen beginnt. Nachdem der erste Schock verdaut war, hat mich die Geschichte rund um Claire und Jamie aber wieder vollends in ihren Bann gezogen.
Zugegeben, das Buch hat (wie auch schon Band 1) zwischendurch immer mal wieder seine Längen, in denen sich die Handlung etwas zieht. Das wird jedoch durch das fantastische Schottland-Setting, die tiefgründigen Charakterentwicklungen und die emotionalen Konflikte absolut wettgemacht. Es ist aufregend, packend und man fiebert ununterbrochen mit den beiden mit.
Fazit: Trotz kleinerer Längen eine gelungene und hochemotionale Fortsetzung. Ich freue mich auf Band 3!
- Anne Frank
Tagebuch
(2.728)Aktuelle Rezension von: AukjeAnne Frank, die aus einer jüdischen Familie stammt, muss während des zweiten Weltkriegs von ihrer Heimat Frankfurt am Main, 1933 mit ihrer Familie nach Amsterdam flüchten. Während dieser Zeit führt sie über zwei Jahre lang ein Tagebuch, das deutlich die Ängste und wünsche einer Jugendlichen zeigt, die in diesen schweren Zeiten aufwächst. Und wenn das nicht schon ausreicht erhält man auch noch einen guten Einblick über eine jüdische Familie, die versucht eine einigermaßen erträgliche Normalität aufrecht zu erhalten während sie versuchen zu überleben, in ständiger Angst vor den Nationalsozialisten.
Da meine 13jährige Nichte sich zurzeit mit der Zeit des zweiten Weltkriegs auseinander setzt, habe ich ihr dieses Buch gegeben und es selber nach vielen Jahren noch mal gelesen. Auch nach all den Jahren als ich es zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich wieder sehr bewegt. Nach wie vor halte ich dieses Buch wichtig, damit Jugendliche beginnen sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, da es ein autobiografisches Buch einer Jugendlichen ist, die sie nachvollziehen können.
- Leo Tolstoi
Krieg und Frieden (Leo Tolstoi)
(517)Aktuelle Rezension von: Karandi
Was kann man über Krieg und Frieden von Leo Tolstoi sagen – oder besser gesagt: Was kann man nicht darüber sagen? Das würde vermutlich deutlich schneller gehen.
Es ist der längste Roman, den ich je gelesen habe. Die vier Bände umfassen zusammen über 1.500 Seiten, und ich muss sagen: Keine einzige Seite ist zu viel. Ich würde die einzelnen Bände gerne separat bewerten, weil jeder seinen eigenen Höhepunkt und seine eigene Botschaft besitzt. Doch das würde den Rahmen einer einfachen Rezension sprengen. Deshalb versuche ich, das Werk als Ganzes zu beurteilen.
Der Roman spielt zur Zeit von Napoleons Russlandfeldzug. Dabei erleben wir nicht nur den Krieg und seine Grausamkeiten – wobei diese meiner Meinung nach nie übermäßig ausgeschlachtet werden –, sondern vor allem die Schicksale der Menschen, die durch ihn betroffen sind. Wir erleben Liebesgeschichten, gesellschaftlichen Zerfall, Identitätskrisen und Männer, die von Heldentum träumen, aber erkennen müssen, welchen hohen Preis es fordert. Wir erleben den Zusammenbruch von Persönlichkeiten, die sich einst für stark hielten, ebenso wie Intrigen und verzerrte Selbstwahrnehmung.
Kurz gesagt: Wir erleben nahezu alles, was den Menschen ausmacht – im Guten wie im Schlechten. Wir begegnen der Frage nach Gott, philosophischen Überlegungen über das Leben und sogar Geheimbünden wie den Freimaurern. In diesem Buch bleibt kaum ein Thema unberührt. Tolstoi analysiert die Ursachen und Mechanismen des Krieges, zeigt aber ebenso eindrucksvoll die Möglichkeit des Friedens auf. Wir erleben, wie sich Dinge zum Guten wenden können, und Menschen, die durch das Feuer der Prüfungen gehen und am Ende stärker daraus hervorgehen – wie ein Phönix aus der Asche.
Tolstoi gelingt es, unzählige Zeilen voller Weisheit zu schreiben. Genau aus diesem Grund lese ich so gerne Klassiker: Sie tragen diesen Titel meist aus gutem Grund, und Krieg und Frieden hat mir das eindrucksvoll bewiesen. Das Buch ist anspruchsvoll und fordernd, aber am Ende belohnt es den Leser reichlich.
Ich bin froh, mich in die Reihe derjenigen einordnen zu dürfen, die dieses große Werk der Weltliteratur gelesen haben, und kann es jedem nur ans Herz legen. Der einzige Grund, warum ich 4,5 statt 5 Sterne vergebe, ist, dass es für mich nicht der größte Roman ist, den ich je gelesen habe. Diesen Platz nehmen nach wie vor Die Brüder Karamasow ein. Gerade aus der Perspektive eines gläubigen Christen werden diejenigen, die Dostojewskis Meisterwerk gelesen haben, vermutlich verstehen, was ich damit meine.
Dennoch steht Krieg und Frieden für mich nur knapp dahinter. Meiner Meinung nach ist es sogar Tolstois stärkeres Werk als Anna Karenina, weil hier nicht nur ein großes Thema behandelt wird, sondern eine Vielzahl von Themen miteinander verwoben wird. Der Roman ist unglaublich facettenreich: Liebhaber gesellschaftskritischer Literatur kommen ebenso auf ihre Kosten wie Freunde großer Heldengeschichten, tragischer Liebesgeschichten oder philosophischer Fragen.
In diesem Buch gibt es kaum etwas, das es nicht gibt. Und genau deshalb ist Krieg und Frieden für mich eine uneingeschränkte Empfehlung.
- Daniel Kehlmann
Die Vermessung der Welt
(3.461)Aktuelle Rezension von: Stephan_ButtgereitDaniel Kehlmann macht aus Alexander von Humboldt und Carl Friedrich Gauß keine Denkmäler. Er setzt sie in Bewegung – den einen unermüdlich durch Landschaften, Höhen und politische Zumutungen, den anderen widerwillig durch das eigene Leben und die Zumutungen anderer Menschen. Aus dieser Gegenüberstellung gewinnt der Roman seine Komik, aber auch seine Melancholie.
Die eigentliche Pointe liegt darin, dass beide Männer die Welt vermessen wollen und dabei an ihr vorbeileben. Humboldt sammelt Erfahrungen bis zur Selbstüberforderung; Gauß zieht sich in den Kopf zurück und hält die Wirklichkeit für eine lästige Störung seiner Berechnungen. Kehlmanns nüchterner, leicht schräg gerückter Ton nimmt ihren Ruhm ernst, ohne ihn ehrfürchtig zu behandeln.
Dass die historischen Figuren keine biografisch getreuen Porträts sein wollen, ist Stärke, nicht Mangel: Der Roman arbeitet mit ihnen als literarischen Möglichkeiten. Manche Zuspitzung ist bewusst anekdotisch, doch die Sprache bleibt so präzise und leichtfüßig, dass selbst Gedanken über Messung, Fortschritt und Größenwahn erzählerischen Zug bekommen. Ein kluger, sehr komischer und zugleich erstaunlich trauriger Roman.
- Cassandra Clare
Clockwork Angel
(2.097)Aktuelle Rezension von: Isa_HeDas Buch „Clockwork Angel“ ist der erste Teil der „Chroniken der Schattenjäger“ von der Autorin Cassandra Clare und auch mein erstes Buch von ihr. Ich wollte schon seit längerer Zeit in das Schattenjäger-Universum eintauchen und habe mich für dieses Buch als Einstieg entschieden.
Der Schreibstil der Autorin ist angenehm, flüssig und leicht zu lesen. Die fantastische Welt, die die Autorin hier kreiert hat wirkt sehr lebendig und ihr gelang es sehr gut Informationen in die Handlung einzuflechten. Sehr gefallen haben mir, wie die Hintergründe zu den Schattenjägern und den Schattenweltlern und noch vieles mehr vermittelt werden. Man wird nie mit Informationen überladen, sondern entdeckt gemeinsam mit Tessa Schritt für Schritt die Geheimnisse dieser faszinierenden Welt.
Ebenso mochte ich die Atmosphäre im Roman und die unterschiedlichen Elemente, die die Autorin hat einfließen lassen. Das viktorianische London bildet eine tolle Kulisse und verleiht der Geschichte ihren ganz eigenen Charme. Die leicht düstere Grundstimmung zu Beginn passte gut zu den geheimnisvollen Ereignissen und wird durch Steampunk-Elemente wunderbar ergänzt. Dadurch entsteht eine abwechslungsreiche Mischung aus Urban Fantasy, historischen Einflüssen und übernatürlichen Erlebnissen.
Die Story an sich empfand ich als sehr abwechslungsreich und sog mich schnell in ihren Bann. Neben spannenden Kämpfen erwartet einen zahlreiche Geheimnisse, überraschende Wendungen und immer neue Enthüllungen, die dafür sorgen, dass die Geschichte nicht ihre Spannung verliert. Es ergeben sich stets neue Fragen, die dafür sorgen, dass man weiterlesen möchte und auch neugierig auf die weiteren Teile der Reihe machen.
Die Charaktere wurden von der Autorin ebenfalls sehr gut gezeichnet. Sie sind vielschichtig, glaubwürdig und entwickeln sich im Verlauf der Handlung spürbar weiter. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Tessa, die nach London reist, um ihren Bruder zu finden. Doch statt eines Wiedersehens gerät sie in Ereignisse, die ihr gesamtes Leben auf den Kopf stellen. Nach und nach erfährt sie, dass sie weit mehr ist als sie selbst jemals geahnt hätte. Ihre Entwicklung hat mir sehr gefallen, denn sie wächst mit jeder Herausforderung und findet immer mehr zu ihrer eigenen Stärke. Gemeinsam mit Tessa lernt man die Schattenjägern und das Londoner Institut kennen. Von ihnen stechen vor allem Will und Jem hervor, die ich schnell in mein Herz geschlossen habe, auch wenn sie unterschiedlicher nicht sein können. Will ist eher schwierig, er wirkt zum Teil abweisen, provozierend und tut alles dafür, dass man ihn nicht mag. Man merkt aber auch, dass sich hinter dieser Fassade ein tieferer Grund verbirgt, was ihn zu einen interessanten Charakter macht. Jem bildet zu ihm einen wunderbaren Gegenpol. Mit seiner freundlichen, ruhigen und warmherzigen Art ist er jemand, den man mögen muss. Trotzdem hat auch er seine Geheimnisse. Die Freundschaft zwischen ihm und Will mochte ich sehr gerne. Sie wirkt tief und zeugt von starken Vertraudn zwischen den beiden. Was aber Tessa mit den Schattenjägern erlebt und was es mit dem Verschwinden ihres Bruders auf sich at, das müsst ihr selbst herausfinden.
Mir hat „Clockwork Angel“ insgesamt sehr gut gefallen. Ich mochte die Geschichte sowie die Charaktere und die verschiedenen Elemente in der Geschichte. Ich werde auf jeden Fall tiefer in das Schattenjägern-Universum eintauchen und freue mich schon auf die Folgebände. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.
- Thomas Mann
Buddenbrooks
(2.427)Aktuelle Rezension von: Karandi
Wie schon in der Überschrift angegeben, ist dieses Buch eines der interessantesten, die ich bis jetzt gelesen habe, wenn auch nicht eines der besten. Thomas Mann erhielt für dieses Werk den Nobelpreis. Es war zwar nicht der Anfang seiner Karriere, aber der entscheidende Durchbruch – und das kann ich gut nachvollziehen. Ich denke, dass das Buch den Nerv seiner Epoche getroffen hat.
Ich weiß, dass dieses Buch bereits unzählige positive Rezensionen erhalten hat, und ich möchte mich diesen anschließen – wenn auch nicht mit der Höchstwertung.
Wir lernen eine Familie kennen, die sich gerade auf dem Höhepunkt ihres Wohlstands und ihres gesellschaftlichen Ansehens befindet. Was ich besonders eindrucksvoll finde, ist die Tatsache, wie die Entscheidungen des Familienoberhaupts, aber auch die der Töchter und Söhne, nach und nach dazu beitragen, dieses Ansehen immer weiter in den Abgrund zu treiben. Unglückliche Ehen, mehrere Todesfälle bedeutender Familienmitglieder und ein gesellschaftliches Umfeld, das seinen Anteil am Niedergang der Familie Buddenbrook hat – all das führt schließlich zu ihrem Untergang.
Das Buch selbst zu beschreiben, ist gar nicht so einfach. Man lebt einfach mit der Familie mit. Es ist keineswegs spannungsgeladen, sondern vielmehr von einer ruhigen Erzählweise geprägt. Es besitzt viele traurige Züge, und wenn man ehrlich ist, ist es Realismus pur. Jeder hat in seinem Leben schon erfahren, wohin unglückliche oder unüberlegte Entscheidungen führen können.
Ich möchte nicht spoilern, deshalb lasse ich offen, warum die Hoffnung, die auf dem letzten männlichen Nachkommen ruht, schließlich zerplatzt. Ich fand das schon erschütternd. Dennoch vermittelt das Buch eine klare Botschaft: Jeder ist letztlich ersetzbar. So wie die eine Familie untergeht, steht die nächste bereits bereit, ihren Platz einzunehmen.
Ob dieses Buch wirklich ein Must-read ist, hängt meiner Meinung nach stark vom persönlichen Lesegeschmack ab. Ich wollte einfach einmal ein Buch von Thomas Mann lesen und habe mich deshalb für sein berühmtestes Werk entschieden. Unter normalen Umständen hätte ich wahrscheinlich nicht zu diesem Roman gegriffen. Deshalb kann ich allein aufgrund meines persönlichen Geschmacks keine fünf Sterne vergeben.
Ein weiterer Punkt, der für mich einen kleinen Abzug rechtfertigt, ist, dass Thomas Mann die Dialekte originalgetreu wiedergibt. Als Rheinländer hatte ich stellenweise wirklich Schwierigkeiten mit den norddeutschen beziehungsweise niederdeutsch gefärbten Dialogen. Vereinzelt treten auch süddeutsche Sprachfärbungen auf, doch vor allem die norddeutschen Passagen haben meinen Lesefluss gestört. Das hat meinen Lesefluss immer wieder unterbrochen, zumal sich diese Passagen mitunter über eine ganze Seite erstreckten.
Ansonsten kann ich für dieses Buch nur den Daumen nach oben geben – auch wenn ich persönlich schon Werke gelesen habe, die ich noch interessanter fand und die leider nie mit einem Nobelpreis ausgezeichnet wurden.
- Rebecca F. Kuang
Babel
(485)Aktuelle Rezension von: Lyn0371Das Buch hat mir wirklich sehr gut gefallen, und kommt auf jeden Fall auf die Top 10 Liste. Ich wusste lange nicht, wo die Geschichte genau hingehen würde, und das Ende hat mich sehr mitgenommen.
Die Kolonialismus-Kritik ist sehr deutlich in dem Buch, und ich finde es genial, wie die Strukturen, die hier kritisiert werden, durch das Magie-System des Buchs hervorgehoben und verständlich gemacht werden. Die Geschichte der vier "Babbler" war sehr mitreißend und bewegend, und auch wenn ich als weiße Person die Erfahrungen der drei, die als Ausländer nach Babel gekommen sind, natürlich nie zu 100% werde verstehen können, gibt einem das Buch doch die Möglichkeit, die Perspektive einer nicht-weißen Person in einem sehr weiß-dominierten Umfeld einzunehmen.
Auf jeden Fall ein Buch, dass ich ohne groß Nachdenken weiterempfehlen würde.
- Erin Morgenstern
Der Nachtzirkus
(1.082)Aktuelle Rezension von: Roxy31📖 Kurzrezension
Der Nachtzirkus von Erin Morgenstern ist kein klassischer Roman, sondern eher eine Reise durch eine magische, fast träumerische Welt. Der geheimnisvolle Zirkus, der nur nachts erscheint, bildet die Bühne für einen stillen Wettstreit zwischen Celia und Marco, der sich nach und nach in etwas viel Emotionaleres verwandelt.
Der Schreibstil ist unglaublich bildhaft und poetisch, sodass man das Gefühl hat, mitten durch den Zirkus zu gehen. Die Geschichte lebt weniger von Tempo und Spannung, sondern von Atmosphäre, Details und Emotionen.
Für mich war es ein Buch, das man nicht einfach liest, sondern erlebt. Man muss sich darauf einlassen und bereit sein, das Tempo zu entschleunigen.
⭐ Fazit und Bewertung
5 von 5 Sternen ⭐⭐⭐⭐⭐
Ein magischer, ruhiger und sehr besonderer Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre und seinen Schreibstil überzeugt. Perfekt für alle, die sich gern in eine andere Welt entführen lassen und Geschichten fühlen möchten statt sie nur zu lesen.
- Jane Austen
Pride and Prejudice
(516)Aktuelle Rezension von: springtimeIch habe das Buch gern gelesen, auch wenn der Erzählstil etwas gewöhnungsbedürftig war. Manchmal kam mir das Ganze vor als würde ich einen zusammenfassenden Bericht lesen und keinen Roman, weil es mir zeitweise an Beschreibungen und Tiefe fehlte.
Der Plot war allerdings überzeugend und es ist eine eher ruhigere Liebesgeschichte, die ohne intensive Emotionen und Tragik auskommt.
Das Buch kann ich allen weiterempfehlen, die nach einer angenehmen Lektüre suchen zum Entspannen und Abschalten. - Ransom Riggs
Die Insel der besonderen Kinder
(2.145)Aktuelle Rezension von: jenvo82Inhalt
Als Jacobs Großvater stirbt, wird für den Jugendlichen klar, dass er die Geschichten, die ihm sein Opa zeitlebens erzählt hat, noch einmal hinterfragen muss. Angeblich war Abraham in seinen jungen Jahren nicht nur ein Waisenkind, sondern ist viel gereist und hat abenteuerliche Dinge erlebt, die er seinem Enkel in schier unglaublichen Geschichten nahebringen wollte. Vieles davon hat Jacob schon lange nicht mehr geglaubt, sei es die Erzählung von einem schwebenden Mädchen oder die wilden Verfolgungsjagden mit gruseligen Monstern.
Doch der Tod seines Großvaters wirft Fragen auf und Jacob reist gemeinsam mit seinem Vater auf die Insel Cairnholm, um Spuren aus der Vergangenheit seines Großvaters aufzuspüren. Jacob besucht das örtliche Museum und erfährt Vieles, was ihm genauso bereits erzählt wurde. Der 03. September des Jahres 1940 scheint ein enorm wichtiges Datum für Abraham gewesen zu sein und genau an diesem Tag wurde das Waisenhaus durch einen Bombenabwurf vollkommen zerstört.
Die Merkwürdigkeiten häufen sich und Jacob befürchtet, dass die wilden Erzählungen doch der Wahrheit entsprachen und keine fiktiven Geschichten waren. Spätestens als er den besonderen Kindern des Waisenhauses begegnet, die ihn die Zusammenhänge erklären, inklusive der aufwendigen Zeitschleife, die ihre Heimleiterin konstruiert hat, um ihr Leben zu schützen. Es gelingt ihm selbst von einer Seite auf die andere zu gelangen, er trifft die Freunde seines Opas, die nach 70 vergangenen Jahren immer noch Teenager sind und er muss erleben, dass es auch die Monster irgendwie geschafft haben, zu überleben …
Meinung
Von dieser Fantasy-Reihe sind bereits 6 Bände erschienen, der erste hier wurde im Jahr 2011 veröffentlicht. Trotzdem bin ich in erster Linie durch die Verfilmung darauf aufmerksam geworden. Dort geht es nicht immer kindgerecht zu, manches ist für jüngere Zuschauer eher gruselig – aber wie so oft in diesem Genre führen mich die Filme zum Buch und das geschriebene Wort gefällt mir dann eindeutig besser.
Das Buch beinhaltet viele alte Fotos, die thematisch in die Geschichte eingeflochten werden und ihr Mehrwert verleihen. Die Magie kommt nicht zu kurz aber vor allem das hochinteressante Thema der Zeitreisen. Es geht um Freundschaft, Vertrauen, Verwandlungen und Lebensaufgaben – ein kleines Universum, welches in den Folgebänden sicherlich in vielen bunten Facetten schimmern wird. Band 1 weckt auf jeden Fall mein Interesse, an dieser Reihe dranzubleiben, gerade weil mich die vielen Abenteuer von Jacob und seinen neuen Freunden gekonnt in andere Welten entführen.
Fazit
Ich vergebe gute 4 Lesesterne für einen gelungenen Reihenauftakt, der weniger Gruselelemente aufweist, als zunächst vermutet. Das magische, düstere Setting, die langsam aufziehende Geschichte, die vor Toten und Morden nicht zurückschreckt, besticht vor allem durch die Dynamik, die mit Zeitreisen einhergeht. Auch die zahlreichen Nebenfiguren werden nahbar und dadurch erhöht sich der plastische Eindruck des Buches. Trotz der dunklen Stimmung und der gefährlichen Etappen im Kampf gegen das Böse überwiegt hier die Hoffnung und ein gefeiertes Miteinander. Diese Story eignet sich sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene, sie bedient nicht unbedingt ein Klischee. Besonders toll erscheint mir das Universum, welches sich nun für die Folgebände öffnet, es gibt hier zahlreiche Ansatzpunkte für die Entwicklung der Figuren untereinander, miteinander oder auch nicht und das durch verschiedene Zeitschleifen hindurch immer wieder hinein in eine neue Welt, die es doch nicht unbedingt braucht, weil die Dinge sich in ihren Grundzügen stets wiederholen. Band 2 wird von mir definitiv noch gelesen und dann schaue ich weiter …
- Diana Gabaldon
Outlander - Der Ruf der Trommel
(924)Aktuelle Rezension von: dorothea84In „Der Ruf der Trommel“ brechen Jamie und Claire in ein völlig neues Abenteuer auf, das sie in die Kolonien Amerikas führt. Dieses neue Setting bringt unheimlich viel frischen Wind in die Reihe, und die Beschreibungen des Landes sind Diana Gabaldon wirklich meisterhaft gelungen. Besonders die Vergleiche zwischen den Highlands und der neuen Welt sorgen für einige sehr witzige Momente.
Ich hatte bei diesem Band wirklich viel zu lachen, musste im nächsten Moment wegen der schockierenden Grausamkeiten aber auch einige Tränen verdrücken. Dass die Familie wächst und zwei weitere bekannte Charaktere stärker in den Fokus rücken, verleiht der Story eine großartige neue Dynamik. Ab und zu gab es zwar wieder die typischen Längen, aber insgesamt lässt sich das Buch wunderschön lesen.
Fazit: Ein emotionaler, humorvoller und bildgewaltiger Nachfolger, der große Lust auf Band 5 macht!
- Noah Gordon
Der Medicus
(2.277)Aktuelle Rezension von: Stephan_ButtgereitWas an Der Medicus bis heute trägt, ist nicht allein die Opulenz seines historischen Schauplatzes. Noah Gordon lässt Rob Cole aus einem England der Angst und des Aberglaubens aufbrechen und macht seine Reise nach Isfahan zu einer Schule des Sehens. Medizin erscheint hier nicht als dekoratives Fachwissen, sondern als genaus hinsehen, zweifeln, lernen.
Besonders stark ist die Spannung zwischen dem Wissensdurst des jungen Engländers und einer Welt, in der religiöse Zugehörigkeit, Herkunft und Krankheit über Leben und Tod entscheiden. Die Begegnung mit Avicenna gibt dem Roman seinen geistigen Mittelpunkt, ohne die Geschichte in eine Lehrstunde zu verwandeln. Pest, Hunger, die Gefahren der Reise und das Leben in Persien haben Gewicht, doch sie überlagern nie Robs Entwicklung.
Natürlich arbeitet der Roman mit den großen Mitteln des historischen Erzählens. Abenteuer, Liebe, Verlust und Bewährung. Gerade weil Gordon sie so souverän ordnet, wird daraus kein bloßer Kostümroman, sondern ein mitreißendes Buch über Neugier und den Preis des Wissens. Ein Klassiker des Genres, der seine Länge verdient.
- Ken Follett
Die Tore der Welt
(1.351)Aktuelle Rezension von: Yvihh85Die Tore der Welt hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und ist für mich ein sehr gelungener zweiter Band der Kingsbridge-Reihe. Ken Follett schafft es erneut, eine vergangene Epoche lebendig werden zu lassen und historische Ereignisse mit persönlichen Schicksalen zu verbinden.
Besonders beeindruckt hat mich die Darstellung der Medizin und der Umgang mit Krankheiten im Mittelalter. An manchen Stellen musste ich unweigerlich an die Zeiten der Covid-Pandemie denken: die Angst vor einer unbekannten Krankheit, die Suche nach Erklärungen und die Hilflosigkeit vieler Menschen. Gerade diese Parallelen machen die Geschichte auch heute noch greifbar und zeigen, wie wenig sich manche menschlichen Reaktionen über die Jahrhunderte verändert haben.
Caris Wooler ist für mich eine der stärksten Figuren des Romans. Ihre Klugheit, ihr Mut und ihr Wunsch, Menschen zu helfen, machen sie zu einer beeindruckenden Persönlichkeit. Besonders ihr Kampf gegen die Grenzen ihrer Zeit – sei es durch gesellschaftliche Erwartungen oder religiöse Vorgaben – hat mich sehr gefesselt.
Auch die Gegenspieler sind Follett hervorragend gelungen. Anders als in manchen anderen Romanen wirken sie hier nicht nur als Hindernis, sondern als wirklich bedrohliche Figuren. Ihre Handlungen sorgen für Spannung und einige Momente, die tatsächlich Gänsehaut verursachen.
Der Schluss des Romans hat mich besonders berührt. Ergreifend, emotional und passend zur Geschichte bringt Follett die vielen Handlungsstränge zu einem würdigen Ende.
Die Tore der Welt ist für mich ein spannender, bewegender und historisch beeindruckender Roman, der zeigt, warum Ken Follett zu den großen Erzählern des historischen Romans gehört.
- Lin Rina
Animant Crumbs Staubchronik
(1.212)Aktuelle Rezension von: Elisabeth_Toth05Das Londoner Setting, die Bibliothek und die Charaktere haben mein Herz erobert!
Animant Crumbs Staubchronik hat für mich alles, was ich mir von einem wunderschönen historischen Roman wünsche. Ich habe das Buch von der ersten bis zur letzten Seite geliebt und gebe ihm 5 Sterne.
Was mir besonders gefallen hat, war die Atmosphäre. Das Londoner Setting, der Nebel, die Bibliothek und die Zeit, in der die Geschichte spielt, haben für mich einfach perfekt zusammengepasst. Gerade deshalb finde ich, dass das Buch wunderbar in den Herbst passt.
Ich habe sowohl die Hauptcharaktere als auch die Nebenfiguren unglaublich gerne begleitet. Jeder von ihnen hat die Geschichte für mich noch besonderer gemacht.
Was ich ebenfalls erwähnen muss: Dieses Buch hat mir die Freude am Lesen zurückgegeben. Ich werde es deshalb definitiv irgendwann rereaden.
Auch wenn nicht ständig etwas Spannendes passiert, hat mich das überhaupt nicht gestört. Ich habe es gerade wegen der ruhige Geschichte und der besonderen Atmosphäre geliebt. Für mich muss nicht auf jeder Seite etwas Grosses passieren, wenn die Geschichte einen trotzdem in ihren Bann zieht.
Ehrlich gesagt habe ich an diesem Buch nichts auszusetzen. Nicht nur das Cover ist wunderschön, auch die Geschichte dahinter ist es.
Eine ganz klare Empfehlung für alle, die historische Romane, besondere Settings und atmosphärische Geschichten lieben!
- Charlotte Brontë
Jane Eyre
(1.420)Aktuelle Rezension von: Wolf-MacbethIch habe den Roman nach ungefähr einem Drittel abgebrochen.
Der erste Teil – von Janes Kindheit bis zu ihrem Abschied aus Lowood – gehört für mich zum Besten, was ich bisher gelesen habe. Er hat mich tief berührt und zum Nachdenken gebracht. Im Mittelpunkt steht für mich nicht die Handlung selbst, sondern das, was Charlotte Brontë über den Menschen sichtbar macht: Wer darf sprechen? Wer hat überhaupt eine Stimme? Was bedeuten Macht und Ohnmacht, Würde und Demütigung, Gerechtigkeit und Heuchelei, Mitgefühl und Freundschaft? Genau darin lag für mich die große Stärke des Romans.
Der Bruch kommt für mich mit Janes Ankunft in Thornfield Hall als Gouvernante. Ab diesem Punkt verliert der Roman seinen literarischen Reiz. Die Handlung wirkt auf mich zunehmend vorhersehbar, klischeehaft, konventionell und formelhaft. Das vertraute Muster des älteren, wohlhabenden Aristokraten und der jungen, unerfahrenen Gouvernante bestimmt für mich die Geschichte immer stärker. Hinzu kommen weitere Figuren und Konstellationen, die ich als stereotype Rollen dieser romantischen Erzähltradition empfunden habe.
Ich werfe Charlotte Brontë selbstverständlich nicht vor, dass spätere Romane und Hollywoodfilme ähnliche Geschichten erzählt haben. Mein Eindruck ist vielmehr, dass dieses romantische Erzählmuster bereits hier weitgehend konventionell angelegt ist und bis heute immer wieder aufgegriffen wurde. Für mich fehlte ab Thornfield die gedankliche Tiefe und Eigenständigkeit, die den ersten Teil so außergewöhnlich gemacht hatten.
Vielleicht habe ich den Roman zu früh abgebrochen. Das kann ich nicht ausschließen. Doch nach etwa einem Drittel konnte ich mich für die weitere Entwicklung der Geschichte einfach nicht mehr interessieren.
Selten hat mich ein Roman so gespalten zurückgelassen: Zunächst las ich etwas vom Besten, das ich bisher gelesen habe. Danach folgte für mich einer der enttäuschendsten Leseeindrücke überhaupt.
- Ken Follett
Kinder der Freiheit
(494)Aktuelle Rezension von: JapanophilieDer dritte Band der Jahrhundert-Trilogie begleitet die nächste Generation der bereits bekannten Familien durch die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Ihre Lebenswege führen sie unter anderem nach Ost- und Westberlin, in die USA und in die Sowjetunion. Der Bau der Berliner Mauer, die amerikanische Bürgerrechtsbewegung, die Kubakrise, der Vietnamkrieg, die Watergate-Affäre und der Kalte Krieg bilden den historischen Hintergrund des Romans.
Thematisch hatte „Kinder der Freiheit“ für mich zunächst viel zu bieten. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts war von zahlreichen politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen geprägt. Besonders der Mauerbau, die Kubakrise, der Kampf von Martin Luther King und der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung, der Vietnamkrieg sowie die Watergate-Affäre sind Ereignisse, über die ich gerne mehr gelesen habe.
Allerdings empfand ich die Gewichtung der einzelnen Themen als unausgewogen. Manche Ereignisse werden ausführlich behandelt, während andere überraschend schnell abgehandelt werden. Vor allem der Vietnamkrieg kam für meinen Geschmack deutlich zu kurz. Bei einem Roman dieses Umfangs hätte ich mir an einigen Stellen eine stärkere Konzentration auf weniger Themen gewünscht.
Gleichzeitig wurde das ohnehin große Figurenensemble erneut erweitert. Inzwischen begleitet man mehrere Generationen zahlreicher Familien, wodurch die Beziehungen und Verwandtschaftsverhältnisse für mich immer undurchsichtiger wurden. Die Vielzahl der Figuren führte außerdem dazu, dass einzelne Lebensgeschichten nicht mehr dieselbe Tiefe erreichten wie im ersten Band.
Wenig überzeugen konnten mich auch einige private Handlungsstränge. Die Sexszenen wirkten für mich nicht immer passend zu den jeweiligen Situationen. Zudem fand ich es auf Dauer anstrengend, wie viele Beziehungen an Trennungen, Untreue oder neuen Affären zerbrachen. Auch dass erneut auffällig viele Figuren sehr wohlhabend oder gesellschaftlich einflussreich sind, ließ die dargestellte Welt stellenweise weniger vielfältig erscheinen.
Trotz dieser Kritik bleibt Ken Folletts Schreibstil flüssig und zugänglich. Der Roman vermittelt einen umfangreichen Überblick über wichtige politische Ereignisse und bietet durchaus einige spannende Abschnitte. Als Abschluss der Trilogie war mir die Handlung jedoch zu überladen und zu wenig ausgewogen.
„Kinder der Freiheit“ behandelt faszinierende historische Themen, verliert sich aber zunehmend in der großen Zahl an Figuren, Beziehungen und Ereignissen. Für mich ist es der schwächste Teil der Trilogie.
Für Leserinnen und Leser, die umfangreiche historische Romane, generationenübergreifende Familiensagas und die politischen Umbrüche der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts mögen.
Knappe 3 von 5 Sternen
- Lucinda Riley
Die Sturmschwester
(909)Aktuelle Rezension von: SarahWants2ReadWorum geht es?: Ally d’Aplièse steht an einem Wendepunkt: Ihre Karriere als Seglerin strebt einem Höhepunkt entgegen, und sie hat den Mann gefunden, mit dem sich all ihre Wünsche erfüllen. Da erhält sie völlig unerwartet die Nachricht vom Tod ihres geliebten Vaters. Ally kehrt zurück zum Familiensitz am Genfer See, um den Schock gemeinsam mit ihren Schwestern zu bewältigen. Sie alle wurden als kleine Mädchen adoptiert und kennen den Ort ihrer Herkunft nicht. Aber nun erhält Ally einen mysteriösen Hinweis durch ein Buch in der Bibliothek ihres Vaters – die Biographie eines norwegischen Komponisten aus dem 19. Jahrhundert. Allys Neugier ist geweckt, und sie begibt sich auf die Reise in das raue Land im Norden. Dort wird sie ergriffen von der Welt der Musik, mit der sie tiefer verbundener ist, als sie es je hätte ahnen können. Und Ally begreift zum ersten Mal im Leben, wer sie wirklich ist ...
Das Cover: Das Cover von "Die Sturmschwester" ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen. Es fügt sich perfekt in die Gestaltung der anderen Bände der Reihe ein und vermittelt mit seinem etwas düsteren Ton genau die Stimmung, die zum oft tristen Wetter Norwegens passt. Die Atmosphäre, die das Cover ausstrahlt, harmoniert wunderbar mit der Geschichte, auch wenn es insgesamt etwas dunkler wirkt als erwartet.
Der Schreibstil: Lucinda Riley bleibt ihrem vertrauten Schreibstil treu. Das Buch wird zum einen aus der Gegenwartsperspektive von Ally erzählt, zum anderen begleitet man Jens Halvorson und später seine Frau Anna in der Vergangenheit. Besonders überraschend war für mich, dass die Geschichte von Jens und Anna noch weitergeführt wurde und plötzlich eine weitere Generation in den Fokus rückte – das hat mich kurz verwirrt, wurde aber letztlich sehr stimmig ineinander verwoben. Trotz der gelungenen Verknüpfung beider Erzählstränge hat mir in diesem Band die Leichtigkeit gefehlt, die ich aus anderen Büchern der Autorin kenne. Selbst die Liebesgeschichte bleibt eher kurz und ist von einer tragischen Note geprägt.
Die Hauptfiguren: Ally, die zweite Tochter der Familie d’Aplièse, steht im Mittelpunkt der Gegenwartshandlung. Nach dem Tod ihres Vaters hatte sie eigentlich kein Interesse daran, ihre leibliche Familie zu suchen. Doch sie steckt in einer tiefen Krise, weiß nicht, wohin ihr Weg sie führen soll, und selbst in ihrem Beruf als Seglerin ist sie unsicher geworden. Ally hat bereits so viel durchgemacht, und nach Pa Salts Tod dachte ich, es könne kaum noch tragischer werden – doch Lucinda Riley setzt hier emotional noch einen drauf. Trotz ihrer anfänglichen Unsicherheit und Schwere wächst Ally einem im Verlauf der Geschichte ans Herz, und man wünscht ihr nur das Beste.
Endfazit: "Die Sturmschwester" bleibt eine schöne Fortsetzung der Reihe, auch wenn sie für mich nicht ganz an den ersten Band heranreicht. Die fehlende Leichtigkeit und einige etwas langatmige Passagen haben meinen Lesefluss gelegentlich gebremst. Dennoch ist die Geschichte spannend erzählt, besonders das Ende, und Ally ist eine Figur, die man gern begleitet. Ich bin gespannt auf die weiteren Bände und darauf, wie sich die Geschichten der Schwestern weiterentwickeln.
Das Buch erhält von mir gute 3,5 von 5 Sternen.
- Diana Gabaldon
Outlander - Ferne Ufer
(1.155)Aktuelle Rezension von: dorothea84Ich bin absolut begeistert! „Ferne Ufer“ ist für mich der bisher beste Band der gesamten Highland-Saga. Während sich die ersten beiden Bücher im Nachhinein fast wie zwei sehr lange Prologe anfühlen, geht die eigentliche Geschichte hier erst so richtig los.
Das emotionale Wiedersehen von Claire und Jamie hat mich komplett umgehauen. Ich habe das Buch trotz seiner enormen Dicke in Rekordzeit verschlungen, weil es für mich im Gegensatz zu den Vorgängern überhaupt keine Längen hatte. Es ist abenteuerlich, unglaublich gefühlvoll und die Chemie zwischen den Hauptcharakteren stimmt einfach nach wie vor. Ich kann es kaum erwarten, den nächsten Band aufzuschlagen!
Fazit: Ein episches Highlight für alle Outlander-Fans. Absolut genial!
- Herman Melville
Moby Dick
(548)Aktuelle Rezension von: Karandi
Zuallererst möchte ich sagen, dass mir das Buch wirklich gut gefallen hat. Die Botschaften, die es vermitteln möchte, gehen weit über die einfache Jagd nach einem Wal hinaus. Es behandelt zahlreiche religiöse, philosophische und sogar wissenschaftliche Aspekte.
Warum vergebe ich dennoch nur 3,5 Sterne? Ganz einfach: Für meinen Geschmack war das Buch – insbesondere in den Kampfszenen am Ende – stellenweise etwas langatmig. Das ist jedoch reine Geschmackssache.
Was das eigentliche Thema des Buches angeht, wurde ich sehr positiv überrascht. Ich kannte Moby-Dick bisher nur als Film, den ich als Kind gesehen habe, und hatte schon lange den Wunsch, endlich auch die Romanvorlage zu lesen. Natürlich war mir der Film nur noch schemenhaft in Erinnerung, da ich ihn vor mehreren Jahrzehnten gesehen habe.
Das Buch vermittelt jedoch weitaus tiefgründigere Botschaften als der Film. Es enthält viele interessante wissenschaftliche Informationen über Wale, regt aber ebenso zum Nachdenken über philosophische Fragen an. Darüber hinaus ist der Roman stark religiös geprägt. Wir begegnen zahlreichen biblischen Namen wie Ismael, Jerobeam und vielen weiteren, die dem Werk eine zusätzliche Bedeutungsebene verleihen.
Die wohl eindringlichste Botschaft – oder vielmehr eine von zwei zentralen Botschaften – ist für mich, dass Rache einem Menschen niemals guttut. Kapitän Ahab verfügt über eine starke und loyale Mannschaft. Er wäre gut beraten gewesen, sein Leben mit ihr zu verbringen, gemeinsame Erfolge zu feiern und eine friedliche Zukunft aufzubauen. Doch durch seinen unstillbaren Rachedurst übersieht er all das, was er bereits besitzt. Seine Mannschaft ist bereit, für ihn alles zu tun – bis zum letzten Atemzug. Leider missbraucht Ahab diese Loyalität, um seinen persönlichen Rachefeldzug gegen den Wal zu führen, der ihm einst sein Bein nahm.
Die zweite Botschaft, die ich besonders wichtig finde, betrifft den einseitigen Krieg, den die Menschheit gegen die Natur führt. Dieses Buch zeigt eindrucksvoll, was geschieht, wenn der Mensch glaubt, die Natur bezwingen zu können. Wer gegen sie Krieg führt, wird Verluste erleiden – und letztlich verlieren. In einem Krieg gibt es keine Gewinner, sondern nur Leid und Tod. Die Natur wird sich am Ende immer behaupten.
Ich denke, dass wir dafür auch heute zahlreiche Beispiele sehen. Der Mensch versucht in seiner Arroganz, alles zu kontrollieren und zu beherrschen, oft ohne Rücksicht auf die Folgen. Die Konsequenzen dieses Handelns erleben wir immer deutlicher.
Moby-Dick ist ein starkes Buch und völlig zu Recht ein Klassiker der Weltliteratur. Der Roman bietet wesentlich mehr Tiefe als seine bekannteste Verfilmung. Wer bisher nur den Film kennt, dem kann ich das Buch daher ausdrücklich empfehlen. Es ist weit mehr als nur ein Abenteuerroman – es ist ein philosophisches, religiöses und zeitloses Werk über Besessenheit, Menschlichkeit und das Verhältnis des Menschen zur Natur.























