Bücher mit dem Tag "historischer krimi"
656 Bücher
- Umberto Eco
Der Name der Rose
(1.633)Aktuelle Rezension von: MH41197Man kann mir mit Recht nachsagen, dass ich historische Romane nicht mag. Das hat seine Gründe - das Genre ist meiner Ansicht nach weder Fisch noch Fleisch, meist trivial, neolibreal dazu auffordernd, sich gleichzeitig an vergangenen Brutalitäten zu ergötzen und dabei dankbar zu sein, heute in der "besseren Welt" (die - Ironie! - natürlich frei von jedem Unrecht ist ... Nicht!) leben zu dürfen, und außerdem überfüllt mit sinnentleerten Gewalt- und Sexszenen.
Mit anderen Worten: Ich hätte vielleicht nicht gedacht, dass ich jemals einem historischen Roman eine volle Punktzahl geben würde, hätte ich Umberto Ecos "Der Name der Rose" nicht gekannt. Denn dieser Roman ist in jeder Hinsicht perfekt - obwohl in vergangenem Setting.
Im Italien des Jahres 1327 reist der englische Franziskanermönch und Ex-Inquisitor William von Baskerville (eine von Ecos humoristischen Anspielungen auf andere Literaten - der Nachname ist klar aus Sherlock Holmes entlehnt) mit seinem jugendlichen deutschen Gehilfen Adson von Melk in eine abgelegene, düstere Abtei in den Appenninen, um dort an einer theologischen Debatte zwischen den zerstrittenen Mönchsorden teilzunehmen. Aufgrund seiner Berühmtheit als früherer Inquisitor - vor allem als einer, der diese Tätigkeit mehr als Richter und Detektiv, denn als Hexenverbrenner verstand -, wird William vom Abt gebeten, den sonderbaren Tod eines jungen Mitgliedes des Klosters aufzuklären. William beginnt zu ermitteln - und stößt dabei schon bald an die Grenzen der Weltbilder seiner Zeit, und zwischen die Machenschaften der Post-Kreuzzugs-Ära der spätmittelalterlichen religiösen Extremisten, die für ihre Überzeugungen zu morden und zu sterben bereit sind und jedem Andersdenkenden keinerlei Existenzrecht zugestehen - sei er Wissenschaftler, Freigeist, kritisch denkender Theologe, Katharer, Jude, Muslim ... oder einfach nur eine Frau zur falschen Zeit am falschen Ort.
Spannend ist dieser Roman allemal - aber nicht im klassischen Stil eines Krimis (der "Der Name der Rose" zweifelsohne ist), dafür ist die Handlung sehr viel dichter gepackt, fast schon eine Milieustudie eines (spätmittelalterlichen) Klosters oder: einer religiös fundamentalistischen (oder wie wir es heute nennen würden: "evangelikalen") Gesellschaft - und damit hat der Roman trotz seines fernen Themas auch noch etwas: Aktualität. Wenn wir die Extremisten in Ecos Kloster über "die Ketzer" reden hören und über den Niedergang der Welt, dann fühlt man sich nicht wenig erinnert an moderne Eiferer, deren Ersatzwort für den Begriff Ketzer "die Woken" geworden sind, wenn man die Selbstherrlichkeit des letztendlichen Antagonisten erlebt, der im Bewusstsein vollkommener Rechtschaffenheit seine Mitbrüder zu einem höheren Ziel tötete und als Kollateralschäden in Kauf nahm, so hat man die Worte von selbstgerechten, brutalen Machtmenschen wie Putin oder Netanyahu im Ohr, und mit dem Selbstmord des Antagonisten und seinem Versuch, dabei alles mit sich zu vernichten, so denkt man unweigerlich an die Selbstmordattentate des ISIS. Umberto Eco hat einen Roman in der Vergangenheit geschrieben, der uns etwas über seine Gegenwart, und aus Ecos Perspektive, der ihn in den 1970er Jahren schrieb, sogar über Ecos damalige Zukunft, die heutige Gegenwart, erzählt. Und darin besteht bereits die Genialität des Namen der Rose - und in seinem Schreibstil: Denn Eco schreibt einen Plot im Plot - macht sich selbst zum zweiten Protagonisten, der im "heute" (oder eben: in den 1970ern) die französische Übersetzung der lateinischen Niederschrift des alten Mönches Adson von Melk ins zeitgenössische Italienische übersetzt - und begibt sich in dieser Eigenschaft dann in die Haut des alten Adson von Melk, der im Rahmen seines mittelalterlich-klösterlichen Weltbildes rückblickend die Geschichte seines jugendlichen Ichs an der Seite von William von Baskerville erzählt.
Der Name der Rose ist ein stilistisch, thematisch, plottechnisch und handwerklich ein Werk der Superlative: Der beste und der EINZIGE historische Roman, der nicht als "Märchen für Erwachsene" daher kommt, sondern einen Plot erzählt, der in tieferer Bedeutung von der erzählten Zeit in die Gegenwart seiner Niederschrift und bis ins Heute übergreift. Der Name der Rose ist kein "alter Schinken". Keine Mittelalterromantik. Er ist relevant - damals wie heute. Und auch morgen - solange es religiösen Extremismus und Machtgefälle in der Welt gibt.
- Niklas Natt och Dag
1793
(441)Aktuelle Rezension von: Schmuck_GuggerinIm Stockholm des Jahres 1793 wird ein verstümmeltes Bündel eines Menschen in der Kloake der Stadt gefunden.
Spätestens jetzt sollte man entscheiden, ob man sich noch weiteren bestialischen Schilderungen aussetzen möchte. Wenn ja, dann kann man weiterlesen von sehr genauen realistisch dargestellten Grausamkeiten. Gleich einer Zeitmaschine nimmt uns der Autor mit durch noch viele weitere Abgründe.
Das im Präsens geschriebene Buch verbirgt, trotz einer nüchternen Sprache, keine der damaligen Gefühlslagen der Protagonisten. Alle haben schwere persönliche Schicksale und folgen doch einem Wunsch nach Gerechtigkeit.
Der Roman von Niklas Natt och Dag ist all jenen zu empfehlen, die wissen, worauf sie sich einlassen.
- Volker Kutscher
Der nasse Fisch (Sonderausgabe Ein Buch für die Stadt Köln 2023)
(458)Aktuelle Rezension von: Japanophilie„Der nasse Fisch“ spielt im Berlin des Jahres 1929 – einer Stadt zwischen Vergnügungskultur, politischer Instabilität und wachsender Kriminalität. Der junge Kommissar Gereon Rath wird aus Köln nach Berlin versetzt und arbeitet zunächst beim Sittendezernat. Während die Hauptstadt von Nachtleben, Straßenschlachten und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, stößt Rath auf einen mysteriösen Fall, der weit über seine eigentlichen Zuständigkeiten hinausgeht.
Als eine rätselhafte Leiche gefunden wird und die Ermittlungen ins Stocken geraten, beginnt Gereon auf eigene Faust nach Zusammenhängen zu suchen. Seine Nachforschungen führen ihn in ein gefährliches Geflecht aus Unterwelt, politischen Interessen und verborgenen Machtkämpfen. Gleichzeitig muss er sich in der fremden Großstadt behaupten und mit Schatten seiner Vergangenheit umgehen.
Ich lese gerne unterschiedliche Genres, doch Krimis gehören eher nicht zu meinen bevorzugten Büchern. Von der TV-Serie „Babylon Berlin“ hatte ich zwar bereits gehört, gesehen habe ich sie bisher allerdings noch nicht. Was mich jedoch reizte, war der historische Flair Deutschlands zwischen den 1920er- und frühen 1930er-Jahren. Da es sich um eine größere Buchreihe handelt, wollte ich zunächst mit dem ersten Band beginnen – und war am Ende schlichtweg begeistert.
Die Hauptfigur Gereon Rath wirkte auf mich zunächst sehr sympathisch: charmant im Umgang mit Frauen, intelligent bei seinen Ermittlungen und freundlich gegenüber seinen neuen Kollegen. Im Verlauf der Handlung begann meine Sympathie jedoch zu schwanken, da Gereon zunehmend den Einzelkämpfer gibt und durch manche Entscheidungen andere Menschen in Schwierigkeiten bringt. Gegen Ende konnte er mich durch einen cleveren Schachzug und versöhnliches Verhalten jedoch wieder für sich gewinnen.
Volker Kutscher führt in diesem Auftakt eine große Anzahl an Figuren ein, wodurch man zeitweise kurz den Überblick verlieren kann. Gleichzeitig hat mir gerade diese Vielschichtigkeit gefallen. Besonders gelungen fand ich, dass einige Figuren mit der typischen „Berliner Schnauze“ sprechen, wodurch die Atmosphäre zusätzlich an Authentizität gewinnt. Auch die Beschreibungen der Umgebung und Schauplätze vermitteln den Flair des Berlins von 1929 sehr überzeugend. Der historische Hintergrund wirkt dabei so selbstverständlich eingebunden, dass ich stellenweise beinahe vergaß, einen historischen Roman zu lesen.
In diesem Krimi geschehen mehrere Morde, Vertuschungen und moralisch fragwürdige Machenschaften, während zugleich das Berliner Nachtleben anschaulich geschildert wird. Wer empfindlich auf explizitere Darstellungen reagiert, sollte wissen, dass Sexualität im Roman offen thematisiert wird. Für mich wirkten diese Szenen jedoch weder übertrieben noch aufgesetzt oder „spicy“, sondern natürlich in den Alltag der Figuren eingebunden.
„Der nasse Fisch“ hat bei mir vor allem durch sein atmosphärisches Setting, die spannende Handlung und die Raffinesse der Geschichte große Lust auf die weiteren Bände der Reihe geweckt, die ich in naher Zukunft unbedingt weiterlesen möchte. Für mich sind das 4 von 5 Sternen.
- Libba Bray
Diviners – Aller Anfang ist böse
(362)Aktuelle Rezension von: Buch_VersumIch habe mich sehr auf das Buch gefreut, besonders das Setting hat mich neugierig auf die Geschichte gemacht. New York 1926 strahlt und zieht in seinen Bann.
Besonders Evie sticht sofort heraus. Sie hat sich zu Hause fehl am Platz gefühlt. Bei ihrem Onkel kann sie endlich ihr Talent nutzen. Wobei dadurch natürlich die Gefahr immer näher rückt.
Nicht zu vergessen: Sam, der Gelegenheitsdieb, der ihr viel zu nahekommt, hat mich in dieser Konstellation sehr fasziniert.
Was soll ich sagen, sie sind gemeinsam eine tolle Einheit.
Wo die Magie, das Konstrukt alles steigert, wird Jagd nach dem Täter spannungsgeladen.
Sprich: die perfekte Mischung für (m)ein einnehmendes Lesevergnügen.
Wo auch Humor und schlagfertige Austausche nicht fehlen dürfen.
Ich kann euch sagen, ihr werdet verstrickt sein, es nicht aus der Hand legen und euch nach mehr sehnen.
Das Buch verspricht ein spannungsgeladenes, fantasievolles Werk zu sein, bietet beeindruckende Charaktere, die sich einem sehr schnell ins Herz schleichen.
Ich bleibe daher gut unterhalten und von der Stärke der Protas beflügelt zurück.
Ein toller Einstieg in die Reihe, die viele Persönlichkeiten geboten hat, die hoffentlich bald ihr eigenes Werk erhalten.
- Arthur Conan Doyle
Sherlock Holmes und der Hund von Baskerville
(465)Aktuelle Rezension von: Christian_FisIch habe den Roman in der Übersetzung von Gisbert Haefs gelesen.
Doyles Roman verbindet gekonnt Schauergeschichte und Detektivroman: In der düsteren Moorlandschaft wird ein möglicherweise übernatürliches Verbrechen durch Holmes’ kühle Logik aufgelöst. Die Auflösung ist vollständig und berücksichtigt alle zuvor verstreuten Hinweise – ein Paradebeispiel für klassische Kriminallogik.
Aus heutiger Sicht wirkt es unfreiwillig komisch, dass das Übernatürliche im Namen der Wissenschaft als Aberglaube einfacher Leute abgetan wird, während gleichzeitig die Phrenologie – das Deuten von Charakter und Intelligenz anhand der Schädelform – als ernsthafte wissenschaftliche Beschäftigung dargestellt wird. Die weiblichen Figuren sind passiv, klischeehaft und rein funktional. Insgesamt spiegeln sich hier sehr verstaubte Weltbilder.
Dennoch – oder gerade deshalb – bleibt der Roman sehr lesenswert, nicht nur als Krimi, sondern auch als spannendes Dokument seiner Zeit.
- Agatha Christie
Mord im Orientexpress
(852)Aktuelle Rezension von: buch_klatsch╰ 💭 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗟𝗘𝗦𝗘𝗘𝗜𝗡𝗗𝗥𝗨𝗖𝗞
Agatha Christie schafft es schon auf den ersten Seiten eine ganz besondere Stimmung aufzubauen. Man spürt die Kälte, die Enge des Zuges und diese unterschwellige Spannung, die ständig mitschwingt. Nach und nach lernt man die zahlreichen Fahrgäste kennen und genau das ist typisch Agatha Christie. Es wirkt aber niemand zufällig in der Geschichte, jede Figur scheint etwas mitzubringen.
Was ich an diesem Kriminalroman besonders mochte, ist das geschlossene Setting. Der Zug, niemand kann weg, jeder könnte etwas verbergen. Poirot beobachtet, kombiniert, stellt Fragen und man rätselt automatisch mit. Mehr als einmal war ich mir sicher die Lösung gefunden zu haben. Spoiler: Nur wenige Seiten später habe ich sie wieder verworfen.
Die Auflösung hat mich aber wirklich überrascht. Niemals hätte ich damit gerechnet!
Einziger kleiner Kritikpunkt: die vielen Figuren. Zwar gibt es im Verlauf eine Übersicht, aber man muss zwischendurch aufpassen wer wer ist. Das bremst doch bisschen das Lesevergnügen.
╰ 📌 𝗠𝗘𝗜𝗡 𝗙𝗔𝗭𝗜𝗧
Ein atmosphärischer Krimi-Klassiker mit genialer Auflösung, der trotz vieler Figuren lange im Kopf bleibt. 🚂❄️📚
╰ 🌟 𝗕𝗘𝗪𝗘𝗥𝗧𝗨𝗡𝗚
★★★★½
Bis zum nächsten Buchmoment 📚✨
Jeanette
- Oscar de de Muriel
Die Schatten von Edinburgh
(164)Aktuelle Rezension von: Simone_081Ein sehr vergnüglicher Auftakt der historischen Krimireihe um die beiden Ermittler Frey und McGray.
Ich persönlich habe das Buch sehr gerne gelesen; der Fall ist spannend und gut recherchiert. Die beiden Ermittler sind sehr sympathisch.
Ja, das Buch ist mitunter ziemlich derb, es wird viel geflucht und geschrien, aber man sollte alles mit einem kleinen Augenzwinkern betrachten, dann hat man bei dieser Krimireihe sehr viel Spaß. - Kerri Maniscalco
Stalking Jack the Ripper
(334)Aktuelle Rezension von: Lili-MarieAudrey Rose Wadsworth, Tochter eines Lords, begeistert sich für die Gerichtsmedizin. Heimlich obduziert sie bei ihrem Onkel Menschen und lernt dabei Thomas Cresswell. Mit ihm verfolgt sie die Spur von Jack the Ripper und versucht die Morde aufzuklären und den Serienkiller zu schnappen.
Die Geschichte wird aus Sicht von Audrey erzählt und das hat mir gut gefallen, denn sie stellt sich gegen das übliche Benehmen was man von einer Frau ihrer Zeit erwartet. Dabei ist sie gesellschaftskritisch und diese Punkte wurden gut beleuchtet. Das Buch ist durchaus spannend aber es gab für meinen Geschmack einige Längen, die mich aus der Geschichte gebracht haben und es mir schwer fiel ihr zu folgen. Einige Wendungen waren recht vorhersehbar, das hat etwas an Spannung genommen.
Die Idee zu dem Buch hat mich sehr neugierig gemacht und ich mochte den Flair, den die Geschichte mit sich gebracht hat aber die Spannung konnte durch die Längen nicht aufrecht erhalten werden, was bei einem Krimi doch schon sein sollte. Insgesamt war das Buch in Ordnung aber es konnte mich nicht ganz überzeugen, daher werde ich die Reihe nicht weiter verfolgen.
- Volker Kutscher
Goldstein
(215)Aktuelle Rezension von: lakitaist ein wenig weiter weg vom realen damaligen Geschehen als seine beiden Vorgänger, aber die aufkommenden antisemitischen Strömungen, die sich gegen die ca. 160.000 Juden, die in Berlin damals lebten, richteten, sind sehr wohl verbrieft und natürlich auch der in dem Roman deutlich angelegte Hinweis auf eine zunehmende Internationalisierung der Kriminalität, ebenso die immer intensiver werdenden Hinweise auf die Verelendung eines Teils der Berliner. Der historische Romanboden ist also Realität, der Rest feine Fiktion, deswegen fein, weil es Herrn Kutscher nach wie vor gelingt, von der ersten Buchminute an, Spannung zu erzeugen und diese zu halten. Respekt!
- Volker Kutscher
Der stumme Tod
(241)Aktuelle Rezension von: Renate1964Im dritten Teil der Gereon Tath Serie befinden wir uns im Berlin 1930.Es scheint ganz harmlos mit einem Unfall im Terra Filmstudio zu beginnen. Dieser erweist sich als Mord und bleibt nicht der einzige. Auch politisch bleibt die Lage gespannt.
Diesmal erscheinen mir die Mordfälle und auch das Ausmaß der Zwistigkeiten zu stark und unrealistisch. Auch Gereon selbst hadert anzusehen mit seinen privaten Problemen
- Kai Meyer
Die Spur der Bücher
(254)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeMercy Amberdale ist eine geborene Bibliomantin, heißt sie kann mit Hilfe der Bücher Magie nutzen. Sie beschafft für reiche Auftraggeber wertvolle Bücher, wie Erstausgaben oder Bände, denen eine besondere Magie innewohnt. Der mysteriöse Tod eines Buchhändlers, der inmitten seiner Bücher verbrannte, ohne, dass das Papier rings um ihn herum auch nur versengt wurde, führt Mercy auf die Suche nach Antworten. Antworten, die ihr gesamtes Leben verändern könnten....
Kai Meyers Welt der Bibliomantik ist gleichzeitig ein Fantasykrimi und eine Hommage an Bücher und Geschichten. Der Schreibstil ist äußerst flüssig, detailreich und bildhaft. Die Protagonistin durchgezeichnet und mit zunehmender Tiefe im Verlauf des Buches. Hingegen die Nebencharaktere bleiben sehr blass und bekommen nur die nötigsten Details. Der Autor nutzt das Buch um eine Reihe geschichtlicher Hintergründe und Informationen zur bibliomantischen Welt zu geben. Diese sind zwar durchaus interessant, aber im Kontext des Geschehens teils einfach etwas viel und erzeugen dadurch kleine Längen. Ausgesprochen fantasiereich sind die magischen Details, die für einige Schmunzler sorgen und dem Buch seine besondere Note verleihen.
Mein Fazit: Ein nettes fantasiereiches Buch, dass mich thematisch voll abholen konnte, dem aber gefühlt etwas Feinschliff fehlte. Ich vermute, dass sich junge Leser mit den vielen historischen Informationen eher schwer tun und die für mich verschmerzbaren Längen sehr viel stärker wahrnehmen. Ansonsten macht es einfach Spaß in eine Welt einzutauchen, in der Bücher einen so besonderen Stellenwert haben und ich freue mich auf die Fortsetzung.
- William Ritter
Jackaby
(207)Aktuelle Rezension von: GotjeIch habe das Buch schon geliebt, als ich es mit 15 das erste Mal gelesen habe und als ich es jetzt ein zweites Mal gelesen habe, habe ich es immer noch geliebt. Es ist das perfekte Fantasy Cozy Crime Buch. Es ist lustig, cozy, vibey und dabei trotzdem spannend, ich habe gefühlt auf fast jeder Seite etwas markiert, und das, obwohl ich normalerweise nicht viel markiere. Jackaby ist eines der wenigen Bücher, bei denen ich tatsächlich traurig bin, wenn es zu Ende ist, weil ich diese ganze Welt, diesen ganzen Vibe einfach so sehr liebe und es nicht erwarten kann, wieder einzutauchen. Defintiv eines der besten, unterhaltsamsten Bücher, die ich je gelesen habe
- Oliver Pötzsch
Die Henkerstochter und der schwarze Mönch (Die Henkerstochter-Saga 2)
(178)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerNachdem der erste Teil der Henkerstochter-Saga hatte mir bereits außerordentlich gefallen hatte, verfolge ich die Serie nun auch weiterhin.
Zum Inhalt will ich - wie üblich bei Krimis - nichts weiter verraten. Das soll jeder selbst lesen.
Oliver Pötzsch hat - wie üblich - gute Arbeit geleistet. Sein Geschichtsaufbau und sein Erzählstil funktionieren, reißen den Leser mit und bringen dem Leser eine filmische Geschichte nahe. Was will man mehr?
Der Henker Jakob Kuisl bleibt eine faszinierende und trotz seines "Berufes" sympathische Figur. Erfreulicherweise kommt dieses Mal auch die Tochter des Henkers öfter vor und überzeugt als Sympathieträgerin.
Tatsächlich muss ich diesen Teil als noch etwas stärker als den Ersten einstufen, da die Wirrungen letztlich etwas faszinierender als im ersten Buch sind.
Freue mich sehr auf die weiteren Bände.
- Oliver Pötzsch
Die Henkerstochter (Die Henkerstochter-Saga 1)
(346)Aktuelle Rezension von: a_different_look_at_the_bookIch weiß, ich bin „late to the party“, denn mittlerweile ist der 10. Band rund um die Henkerstochter erschienen. Nun, da ich den ersten Teil gehört habe, muss ich schauen, wann ich Zeit finde, auch die anderen zu konsumieren.
Früher habe ich öfter mal einen historischen Roman zur Hand genommen. Obwohl Geschichte in der Schule nicht mein Lieblingsfach war, mochte ich schon immer historische Ereignisse gut eingebettet in tollen Geschichten.
„Die Henkerstochter“ ist ein historischer Krimi und daher nicht ganz mein Gebiet, weil mir Krimis meist zu lasch sind. Ich bevorzuge dann schon eher (Psycho)Thriller.
Doch das vorliegende Werk konnte mich für sich gewinnen - was wahrscheinlich nicht zuletzt am genialen Sprecher lag.
Johannes Steck hat die Geschichte sehr lebendig rüber gebracht. Seine Stimme, die er immer wieder verstellt hat, war super authentisch. Wenn er die Dialekte nachmachte, kaufte ich ihm das 100%ig ab. Allein deshalb würde ich zu „Die Henkerstochter und der schwarze Mönch“ greifen.
Der Plot rund um die Henkerstochter Magdalena ist recht einfach und überschaubar. Am Ende gibt es zwar mehrere Stränge, die zusammenlaufen, doch man verliert sich nicht in ihnen.
Warum es die „Henkerstochter-Saga“ ist, kann ich nicht so ganz nachvollziehen. Sie taucht zwar immer mal wieder auf, doch würde ich ihr persönlich keine Hauptrolle zuschreiben. Vielleicht entwickelt sich das in den kommenden Teilen.
Der Autor hat Gefallen an Ausschmückungen. So lief bei mir während des Hörens ein Kopfkino ab, welches die Erzählung sehr lebendig machte. Daher ist er in meinen Augen eher nicht für Zartbesaitete geeignet. Es gibt einige brutale Szenen, die detailreich geschildert werden.
Aber auch das Leben einer Henkersfamilie zur damaligen Zeit wird überzeugend beschrieben. Erst hinterher habe ich erfahren, dass Oliver Pötzsch selbst ein Nachfahre dieser Dynastie ist. So hatte er exklusiven Einblick in den Beruf und wir erfahren einige Details dazu.Ich überlege tatsächlich, ob ich mir noch den zweiten Teil gönne, um zu schauen, ob die Saga generell etwas für mich ist oder ob ich direkt zur David-Hunter-Reihe wechsle, die eher meinem Beuteschema entspricht und genauso darauf wartet, von mir gehört zu werden. Mit Johannes Steck als Sprecher kann man sicherlich wenig falsch machen.
In „Die Henkerstochter“ kann man mal reinlesen / -hören, ob das Genre einem liegt. Man braucht jedoch, wie bereits erwähnt, starke Nerven an der ein oder anderen Stelle und zudem Ausdauer, denn zuweilen verliert sich der Verfasser ein wenig. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt.
©2024 a_different_look_at_the_book
- Volker Kutscher
Die Akte Vaterland
(153)Aktuelle Rezension von: ArgentumverdeCharlotte Ritter kehrt endlich aus Paris zurück und bei Gereon Rath ist klar, endlich möchte er sich mit ihr verloben. Währenddessen jagt er den Phantom-Mörder, allerdings sehr erfolglos. Und dann taucht eine Leiche im Fahrstuhl vom Unterhaltungshaus Vaterland auf, die sie vor Rätsel stellt. Wie kann ein Mann in einem Fahrstuhl ertrinken? Die Spur führt bis nach Ostpreußen und so muss Rath plötzlich in der fremden Provinz ermitteln.
Der Schreibstil ist wie immer fließend, fesselnd und lässt dem Leser viele Eindrücke durch den Sichtwechsel zwischen mehreren Protagonisten. Durch die stets präsente zeitgeschichtliche Einordnung und viele historische Details, wird es nur um so interessanter. Die Handlung dieses Buches ist im Jahr 1932 angesiedelt und der politische Wandel wird gerade in diesem Buch schon sehr spürbar. Besonders interessant sind die herausgearbeiteten Unterschiede, zwischen Berlin und Ostpreußen, sowohl politisch, als auch im gesamten Lebensalltag und dem Verhalten der Menschen. Fakten und Örtlichkeiten sind, soweit genutzt, hervorragend recherchiert. Aber auch die einzelnen Charaktere bekommen wie immer genug Raum und der Leser erfährt allgemein, wie es um Rath und seine Kollegen bestellt ist.
Mein Fazit: Für mich immer wieder eine der besten Krimireihen. Nicht nur, weil der historische Zeitpunkt mich einfach interessiert, sondern weil hier das Gesamtkonzept stimmt. Der nächste Teil liegt bereits und ich freue mich darauf. Für Alle, die die Reihe noch nicht kennen: Unbedingt lesen!
- Oscar de de Muriel
Der Fluch von Pendle Hill
(118)Aktuelle Rezension von: SunnySue"Nicht das, was man tun kann, sondern das, was andere glauben, das man tun könnte, verleiht einem Macht."
"Der Fluch von Pendle Hill" ist der zweite Band von Oscar de Muriels Krimireihe rund um die Ermittler Ian Frey und Adolphus McGray.
Weihnachten war für Ian Frey nicht gerade ein rauschendes Fest. Und das Jahr 1889 fängt auch nicht gerade famos an: Kaum zurück in Edinburgh werden Frey und der bärbeißige McGray zum nächsten Fall abkommandiert. Dieser Fall hat es in sich, in der Irrenanstalt, in der auch McGrays Schwester untergebracht ist, wurde eine Krankenschwester ermordet. In der Anstalt gibt es Gerüchte über schwarze Magie, die am Wirken ist und unheimliche Gestalten, die an besonderen Nächten durch den Garten streifen. Der ganze Fall ist kurios und zu allem Überfluss müssen die Ermittlungen auch noch heimlich vonstatten gehen, denn Lady Ardglass' Familie ist auch involviert und schließlich soll niemand erfahren, dass ihre Familie den McGrays gar nicht so unähnlich ist ...
Auch in diesem zweiten Band der Krimireihe hatte ich wieder richtig viel Spaß. Dieses Mal geht es um Hexen, alte Magie und auch, wie im ersten Band, wieder um Aberglaube und deren Macht. Vielleicht hat de Muriel an der ein oder anderen Stelle etwas übertrieben, aber das scheinbar mit Absicht - zumindest habe ich das so aus dem Nachwort herausgelesen, das wie immer sehr lesenswert ist.
Frey und McGray machen richtig Spaß. Die Frotzelei von McGray gegenüber Frey sind amüsant und entlocken mir immer wieder ein Schmunzeln. Auch die Story selbst schafft es absolut in ihren Band zu ziehen und macht neugierig, welche Zusammenhänge zwischen den Gegebenheiten wohl bestehen mögen.
Alles in allem wieder ein toller Krimi, der mir eine schöne Lesezeit beschert hat. - Libba Bray
Diviners – Die dunklen Schatten der Träume
(64)Aktuelle Rezension von: Jo_CobaltDie Diviners in New York werden in eine mysteriöse Situation hineingezogen und wir lernen neue Diviners kennen und unsere bisherigen Charaktere noch besser. Ich freu mich dass die Autorin so gut im Ecken und Kanten schreiben ist. Leute wie Evie sind kompliziert und nicht einfach in eine Schublade zu stecken. Mein Dream team aus Henry und Theta hatte es wahrlich nicht leicht in diesem Teil, es wird sehr feinfühlig und wenig voyeuristisch über Gewalt, Rassismus und Menschenhass gesprochen, ihne ins Plakative oder Belehrende zu kippen. Die Story ist wirklich spannend und die ganze Zeit fragt man sich, wo und wie das alles mit dem Großen Ganzen zu tun hat, dem Mann mit dem Zylinder, Jake Marlowe, Will…? Die Nebencharaktere sind oft echt sus, zB Addie und Blind Bill, auch das macht es nochmal wirklich spannend. Außerdem sind die anbändelnden Pärchen authentisch, zart und realistisch durch Unsicherheiten… freue mich sehr auf Band 3!
- C.J. Sansom
Pforte der Verdammnis
(102)Aktuelle Rezension von: PMelittaM1537: Im Kloster Scarnsea wird Robin Singleton, der Kommissar des Königs, geköpft aufgefunden. Thomas Cromwell beauftragt den in seinen Diensten stehenden Anwalt Matthew Shardlake den Mörder zu finden, und die Arbeit Singletons zu Ende zu führen.
Nachdem Heinrich VIII sich vom Papst losgesagt und sich zum Oberhaupt der Kirche Englands ernannt hatte, wurde eine Reihe Reformen eingeführt, u. a. sollten die Klöster aufgelöst werden. Dies ging natürlich nicht ganz ohne Widerstand vonstatten. Der Autor greift in diesem ersten Band der Reihe um den Anwalt Matthew Shardlake, der selbst ein überzeugter Reformer ist, dieses Thema auf.
Der Autor lässt Matthew in Ich-Form erzählen, so dass man als Leser:in seine Gedanken und Emotionen hautnah erfährt. In diesem Band erfährt man auch viel von Matthews Hintergrundgeschichte. Er ist ein sympathischer Mann, mit einem körperlichen Leiden geschlagen, der im Laufe des Romans einen Teil seiner Ansichten überdenken muss, Mitgefühl und Empathie zeigt, aber auch für seine Überzeugungen einsteht.
Der historische Hintergrund ist gut eingebaut, nimmt aber weniger Raum ein als in den beiden nachfolgenden Romanen, die ich bereits gelesen habe. Das liegt aber auch zum Teil daran, dass die Geschichte fast ausschließlich in Scarnsea stattfindet, also an einem örtlich sehr begrenzten Schauplatz. Dadurch ist auch das Figurenensemble sehr begrenzt, und so kann man sich als Leser:in auch gut Gedanken über die Hintergründe der Tat bzw. der Taten, denn es bleibt nicht bei einem Mord, machen – mögliche Täter gibt es einige.
Dem Autor gelingt es, mich in die Geschichte zu ziehen. Die Geschichte spielt in einem schneereichen Winter, die entsprechende Atmosphäre kann man spüren, und durch den bildhaften Erzählstil meint man fast, selbst dabei zu sein. Die Charaktere sind im übrigen alle gut gezeichnet.
Am Ende ist alles aufgelöst, und man erfährt auch etwas über das Danach. Im Anhang gibt es zudem einen kurzen aber lesenswerten historischen Nachtrag des Autors.
Der erste Band der Reihe um einen Anwalt zur Zeit Heinrichs VIII hat mir gut gefallen, die beiden nachfolgenden Bände mochte ich aber noch lieber – somit kann ich die gut recherchierte Reihe auf jeden Fall empfehlen. - Volker Kutscher
Märzgefallene
(112)Aktuelle Rezension von: pw1Das ist nun schon der fünfte Teil der Gereon Rath Reihe. Ich bin auch ehrlich gesagt ganz froh, dass der noch nicht verfilmt worden ist. Dann würde wieder etwas anders umgesetzt werden, aber ich finde es genau so richtig, wie es im Buch ist.
Obwohl hier wirklich ein sehr dunkler Abschnitt unserer Geschichte dargestellt ist, konnte ich diesen Roman kaum aus der Hand legen.
Die Kriminalgeschichte war besonders spannend und ich habe bis zum Schluss nicht gewusst, wie die Auflösung sein könnte.
Im Vergleich zu den bisherigen Romanen der Reihe ist dieser wiederum anders konzipiert. Ich staune und bin begeistert, wie vielseitig Volker Kutscher schreibt. Kein Schema nach dem Motto "Kennst du einen, kennst du alle".
Und ganz nebenbei bekommt man ein Stück Geschichte mit.
Ich freue mich wieder auf den nächsten Teil, den ich bestimmt auch bald lesen werde.
- Eva Völler
Helle Tage, dunkle Schuld
(126)Aktuelle Rezension von: Buchverschlinger2014Endlich darf 1948 Carl Bruns wieder in den Kriminaldienst in Essen zurückkehren, nachdem er wegen seinen jüdischen Wurzeln während der Nazizeit aus dem Polizeidienst entlassen wurden ist und unter Tage im Bergwerk gearbeitet hat. Er kommt in die Abteilung Kapitalverbrechen, wo er Mordfälle aufklären soll. So kommt er mit einem Mordfall vor 3 Jahren in Berührung, der kurz nach Kriegsende geschehen ist. Dabei trifft er auch seine alte Liebe, die mittlerweile verwitwete Krankenschwester Anne wieder. Schnell stellt sich heraus, dass sie und ihre Familie irgendwie in den Mordfall verwickelt sind, was auch Jahre später für sie gefährlich werden kann.
Während den Ermittlungen kommen sich Carl und Anna langsam wieder immer näher und beide hoffen endlich ein bisschen persönliches Glück erleben zu können. Doch ein Geheimnis könnte alles in Frage stellen und sogar zerstören.
Eva Völler wagt sich in ihrem ersten (historischen) Kriminalroman "Helle tage, dunkle Schuld" an einer der dunkelsten Stunden der deutschen Geschichte und beschreibt sehr detailreich und authentisch die damaligen Lebensverhältnisse der Menschen. So kurz nach Kriegsende gibt es noch viele Probleme und Einschränkungen zu bewältigen und alte Naziseilschaften versuchen ihre Macht neu zurückzugewinnen. Besonders beeindruckend an dem Roman ist, das die Grundidee auf wahren Begebenheiten kurz nach Kriegsende in Ruhrgebiet beruht.
Keine leichte Krimikost, denn die Thematik und die zeitliche Einordnung ist nicht alltäglich, aber trotzdem von der Autorin sehr gelungen umgesetzt.
- Hakan Nesser
Kim Novak badete nie im See von Genezareth
(227)Aktuelle Rezension von: NinaReadsKim Novak badete nie im See von Genezareth hat mir richtig gut gefallen – ein Buch, das mich von Anfang an gefesselt und wunderbar unterhalten hat.
Håkan Nesser erzählt die Geschichte mit einer Mischung aus Spannung, Melancholie und sommerlicher Leichtigkeit. Besonders beeindruckt hat mich, wie er die Perspektive der Jugendlichen einfängt – diese Mischung aus Unbeschwertheit, Neugier und dem ersten Hauch von Erwachsenwerden.Die Atmosphäre ist dicht und lebendig, man spürt den Sommer, das Seeufer und das leichte Unbehagen, das sich langsam in die Geschichte schleicht. Die Handlung entwickelt sich ruhig, aber stetig – bis man schließlich in einen Sog aus Geheimnissen und Erinnerungen gezogen wird.
Insgesamt ein klug erzählter, stimmungsvoller Roman, der einen noch lange nach dem Lesen beschäftigt. Mir hat er gut bis sehr gut gefallen – ein Buch, das ich gern weiterempfehle, vor allem an alle, die Geschichten mit Tiefgang, Nostalgie und Spannung mögen.
- Seishi Yokomizo
Die rätselhaften Honjin-Morde
(173)Aktuelle Rezension von: AleshaneeDer Autor erzählt diese Geschichte aus einer Art Beobachter-Perspektive: Er selbst war nicht direkt beteiligt, sondern rekonstruiert den Fall aus Erzählungen, Gerüchten und Erinnerungen anderer. Dieser Ansatz erinnerte mich sofort an Dr. Watson, der die Fälle von Sherlock Holmes niederschrieb, aber hier war er ja nicht involviert, sondern setzt alles aus den Erinnerungen der Zeugen zusammen..
Wir reisen hier zurück ins Jahr 1937, irgendwo in Japan. Der genaue Ort bleibt ungenannt und wird – ebenso wie einige der Zeugen – nur durch Anfangsbuchstaben angedeutet.
Der Mordfall hat ziemlich viel Aufsehen erregt, da es sich um eine angesehene, traditionelle Familie mit viel Stolz auf ihre Herkunft handelte.
All das wird sehr gründlich geschildert, in einem klaren, geradlinigen Stil ohne große Schnörkel. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Übersetzung aus dem Japanischen keine leichte Aufgabe war.
Jedenfalls konnte ich mir das Anwesen der Familie Ichiyanagi, um die sich der Fall dreht, sehr bildhaft vorstellen, und auch die wichtigsten Personen hatte ich schnell vor Augen – trotz der für mich ungewohnten Namen. Es wird deutlich Wert darauf gelegt, die Familienverhältnisse verständlich darzustellen und einordnen zu können.
Das Brautpaar Kenzo Ichiyanagi und Katsuko wird in der Hochzeitsnacht ermordet – in einem verschlossenen Raum, also ein klassisches Locked-Room-Szenario. Passend dazu gibt es eine Skizze der Räumlichkeiten, die zum Miträtseln einlädt. Die vielen japanischen Begriffe können allerdings stellenweise etwas verwirrend sein, auch wenn die Übersetzerin ihre Erklärungen geschickt in den Text eingewoben hat.
Der ermittelnde Polizeibeamte wirkt aufmerksam und leistet solide Arbeit. Oft ist man aus Detektivromanen gewohnt, dass die Polizei eher tapsig dargestellt wird und dem brillanten Detektiv kaum das Wasser reichen kann – das ist hier erfreulicherweise nicht ganz so.
Dennoch traut der Onkel der ermordeten Braut der Sache nicht. Er vermutet, dass sich unter den Anwesenden ein Lügner befindet, und telegrafiert deshalb seiner Frau, sie solle Kindaichi schicken – natürlich der bewusste Kosuke Kindaichi, den berühmten Detektiv, auf den ich nun besonders gespannt war.
Mit Mitte zwanzig ist er noch recht jung; ich hatte gedacht, er wäre älter - einfach weil ich in diesem Krimis ältere Detektive gewohnt bin. Das war eine angenehme Überraschung. Seinem etwas schmuddeligen Äußeren zum Trotz hat er sich in Tokio in den letzten Jahren bereits einen Namen gemacht und einige brisante Fälle aufgeklärt. Er wirkt äußerst liebenswürdig: charmant, jungenhaft – und genau deshalb unterschätzen ihn viele.
Der Fall selbst ist sehr verstrickt, was spätestens bei Kindaichis Auflösung deutlich wird. Ganz im Stil von Poirot hält er am Ende einen ausführlichen Monolog und legt jedes noch so kleine Detail offen, das zur Lösung beigetragen hat.
Ich mag es, wenn mir alle Fakten zur Verfügung stehen, sodass ich selbst mit rätseln kann. Dennoch war ich durch die komplexe Konstruktion und die vielschichtigen Hintergründe am Ende tatsächlich überrascht und wäre nicht darauf gekommen, wie sich alles zugetragen hat. Das war mir dann auch etwas zu kalkuliert und mit so vielen Raffinessen, dass ich nicht weiß, wie ich da hätte drauf kommen sollen ... aber sowas passiert mir in Krimis öfter :)
Insgesamt ist es ein guter, solider Krimi, der vor allem durch das japanische Setting interessant ist – ein Schauplatz, der leider viel zu selten vorkommt. Die Erzählweise ist manchmal etwas umständlich, aber das ist ein typisches Merkmal im Stil aus dieser Zeit. Nicht übermäßig spannend, aber angenehm zu lesen und durchaus unterhaltsam.
Am Ende finden sich außerdem ein Personenregister sowie ein Glossar zu den japanischen Begriffen und Örtlichkeiten, was sehr hilfreich ist.
3.5 Sterne - Niklas Natt och Dag
1794
(223)Aktuelle Rezension von: derMichiAuf den Erfolg den Vorgängerbandes "1793" war offenbar niemand vorbereitet. Mit seiner Mischung aus typisch finsterem skandinavischem Thriller und dreckigem Historienkrimi stand er in der umgesetzten Kompromisslosigkeit ziemlich einmalig da. Das Ende schien eindeutig, anders ist es kaum zu erklären, dass Niklas Natt och Dag eine ziemlich tote Figur wieder mehr oder weniger ins Rennen schickt. Ohne zu viel verraten zu wollen: Neben Mickel Cardell ermittelt auch Winge wieder, wenn auch etwas anders als man ahnt.
Das Duo gewinnt eine etwas andere Dynamik als im Vorgängerband, doch der Kunstgriff um sie zusammenzubringen wirkt in seiner Einfallslosigkeit recht abgenutzt. Dafür schockiert die Handlung den Leser mit einer zum ersten Band passenden Beschreibung Stockholms als Moloch der Vormoderne, in der menschenverachtende Verbrechen möglich sind, wie sie eher zu den Feudalherren des finstersten Mittelalters oder psychopathischen Killern der Gegenwart passen würden.
Keine Frage - der Autor hat hier einen Nerv getroffen und seine Handlungsstränge im Griff, selbst wenn mehrere Kapitel am Stück die Ermittlungen links liegen lassen. Für normale Krimifans oder Histroienfreunde ist das Buch wahrscheinlich zu krass, man sollte sich auf Gewaltspitzen und abgrundtiefe Hoffnungslosigkeit wie in Büchern von Stieg Larsson oder Stephen King einstellen. Keine Figur wird geschont, egal ob Ermittler, Opfer, Kind oder Erwachsener.
Happy Ends hat Niklas Natt och Dag nicht nötig und es dürfte kein Spoiler sein zu verraten, dass man sich lieber keins erhoffen sollte. Damit untergräbt er jedoch das Alleinstellungsmerkmal des ersten Buchs, das jetzt einfach nur ein Trilogieauftakt ist. Wie heftig auch immer Band drei ausfallen mag, neu ist die Idee dann schon lange nicht mehr. Und auch Band zwei scheint diese Tatsache mit noch mehr, teils unnötiger Gewalt kompensieren zu wollen um im wahrsten Sinne des Wortes die Hardcore-Fans zu fesseln. Alle andere dürften sich abwenden, sei es aus Ekel oder Langeweile. - Anthony Horowitz
Das Geheimnis des weißen Bandes
(368)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Seit dem Tod von Sherlock Holmes sind einige Jahre vergangen. Watson vermisst seinen besten Freund noch immer und erinnert sich eines Falles, den sie vor vielen Jahren aufgeklärt haben, der aber bislang der Geheimhaltung unterlag:
Im Rahmen von Ermittlungen gegen eine Verbrecherbande stoßen Holmes und Watson auf eine geheimnisvolle und überaus gefährliche Organisation deren Erkennungszeichen ein weißes Band ist. Mit ihren Nachforschungen begeben sich die beiden in große Gefahr, denn ihre Widersacher sind äußerst gefährlich, skrupellos und einflussreich…
„Jene Nacht und das, was danach kam, habe ich niemals vergessen. Noch heute, da ich fünfundzwanzig Jahre später alleine an meinen Tisch sitze, steht mir noch jede Einzelheit so deutlich vor Augen, als wäre sie mir auf die Netzhaut gebrannt worden.“ (S. 172)
Meine Meinung:
Ich hätte nicht gedacht, dass ich dieses Buch so lieben würde. Vielmehr befürchtete ich es könnte im Vergleich mit den Original-Sherlock-Holmes-Geschichten enttäuschen, aber weit gefehlt: Meiner Meinung nach ist es eines ihrer spannendsten Abenteuer. Ich hatte das Gefühl genau in die Welt zurückzukehren, die Arthur Conan Doyle erschaffen hat. Das lag vor allem daran, dass Watson und Holmes – was ihre Charaktere und ihr Verhalten anbelangt – perfekt getroffen sind und ich dadurch während des Lesens vergessen konnte, dass dieses Buch aus der Feder eines anderen Autors stammt. Der Fall, in dem die beiden ermittelt, wird packen und atomsphärisch erzählt und sorgt für äußerst spannende, bewegende und emotionale Momente.
Fazit:
Eine klare Empfehlung für Sherlock-Holmes-Fans. Sowohl die Handlung als auch der Schreibstil, die Atmosphäre und die Charakterisierung von Watson und Holmes überzeugen auf ganzer Linie. Ich habe es sehr gemocht und werde auch noch das zweite Sherlock-Holmes-Buch des Autors („Der Fall Moriarty“) lesen. Absolut verständlich, dass dieses Buch von der Sherlock-Holmes-Gesellschaft in den offiziellen Kanon aufgenommen wurde.























