Bücher mit dem Tag "hoffmann und campe"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "hoffmann und campe" gekennzeichnet haben.

26 Bücher

  1. Cover des Buches Eine kurze Geschichte der Zeit (ISBN: 9783499626005)
    Stephen Hawking

    Eine kurze Geschichte der Zeit

     (320)
    Aktuelle Rezension von: bookaddictxs

    Im Sommer liege ich oft nachts draußen und schaue in den Sternenhimmel raus. Je länger man die Sterne betrachtet, desto weiter scheint der Himmel sich über einem auszudehnen. 

    Ich habe mich so oft gefragt, was außerhalb der Erde und den paar Planeten dir wir kennen noch alles existiert. 


    Was ist überhaupt das Universum? Was ist der Ursprung und was bedeutet Schicksal?


    Hawking liefert so viele interessante Fakten über das Universum und seine Galaxien und konnte meinen Wissensdurst zu diesem Thema super abdecken. Das Buch ist speziell und manchmal nicht ganz so einfach zu verstehen, da Hawking anhand der physikalischen Gesetze versucht das Universum für den Leser verständlich zu erklären. Ich finde es trotzdem klasse geschrieben und viele meiner Fragen wurden erklärt. 


    Ich finde es beeindruckend wie klein wir Menschen sind und wie kurz die Zeit in unserem Universum für uns eigentlich ist. Als ich das Buch las, habe ich oft über unser Verhalten nachgedacht. Wir machen uns das Leben manchmal selbst viel zu schwer, vor allem gegenseitig. 


  2. Cover des Buches Winteraustern (ISBN: 9783455000788)
    Alexander Oetker

    Winteraustern

     (100)
    Aktuelle Rezension von: Frenzchen

    Das Aquitaine im Winter. Die Touristen sind fort, es kehrt Ruhe ein, die Franzosen geniessen jetzt vor Weihnachten die Ruhe und ihren Landstrich. Da werden zwei Austernfischer tot aufgefunden. Luc Verlain, der zufällig beim Auffinden der Leichen dabei war, beginnt zu ermitteln. Und Verdächtige gibt es genug.

    Es ist inzwischen der dritte Krimi um Luc Verlain, der in der Region Aquitaine in Frankreich spielt. Alexander Oetker hat seine Figuren weiter entwickelt. Luc ist immer noch hin- und hergerissen zwischen seiner großen Liebe Paris und seinem Heimatort, an der er (vorübergehend) zurückgekehrt ist, um bei seinem todkranken Vater zu sein. Alexander Oetker spielt hier mit der Zerissenheit Lucs, dazu kommt noch eine neue Liebe und die alte wiederentdeckte Liebe zu seiner Heimat.

    Alexander Oetker beschreibt die Region, die Landschaft detailreich und mit viel Liebe, ebenso die kulinarischen Genüsse. Er schafft eine schöne Atmosphäre, so dass man sich die Region gut vorstellen kann. Das macht aus dem Krimi einen Fall, der nicht so schnell vorankommt, und der somit auch nicht super spannend ist. Es macht aber Spaß, ihn zu lesen. Der Fall wird realitätsnah beschrieben, mit Bezug auf aktuelle Probleme wie den Klimawandel, die Globalisierung, die Umweltverschmutzung. Man lernt viel über die Austernzüchterei. 

    Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, jeder hat seine Ecken und Kanten und Geheimnisse. Es ist nicht notwendig, die vorherigen Bände zu lesen, es ist jedoch von Vorteil. Lucs Privatleben, das neben dem Fall eine große Rolle spielt, ist verworren. Er scheint teilweise nicht zu wissen, was er jetzt will. Und ein Geheimnis, von dem er selber offenbar nichts weiß, deutet schon auf einen nächsten Fall hin. 

    Wenn man die vorherigen Bände kennt, erkennt man, dass sich handwerklich etwas getan hat. Der Krimi liest sich leichter, runder. Alexander Oetker wird von Buch zu Buch besser. Allerdings weniger gefallen hat mir, dass die vielen anscheinend für einen Frankreich-Krimi typischen französischen Wörter und Redewendungen nichts in deutsche übertragen wurden. Warum muss da stehen ‚Sohn eines ostréiculteur‘ und nicht ‚Sohn eines Austernfischers‘? Und das zieht sich durch das ganze Buch.


    Wer einen ruhigen Krimi mit viel Lokalkolorit in Frankreich mag, der wird sich hier wohlfühlen.

  3. Cover des Buches Ein anderer Takt (ISBN: 9783455006261)
    William Melvin Kelley

    Ein anderer Takt

     (89)
    Aktuelle Rezension von: Papiertiger17

    Der Autor erzählt über weite Teile des Romans packend eine Geschichte über Rassismus in den USA der 1950er Jahre. Originell wirkt dabei die gewählte Perspektive, dass jedes Kapitel aus Sicht einer anderen Person erzählt wird und der Hang zu Übertreibungen bzw. stark metaphorischen Szenen. Ein Buch, dass im Kopf nachhallt.

  4. Cover des Buches Goldkind (ISBN: 9783455005981)
    Claire Adam

    Goldkind

     (34)
    Aktuelle Rezension von: ulrikerabe

    Die Karibikinsel Trinidad irgendwann in den 1980ern. Clyde Deyalsingh lebt dort mit seiner Frau Joy und den 13-jährigen  Zwillingssöhnen Peter und Paul in ärmlichen Verhältnissen. Seit die Familie Opfer eines Raubüberfalls wurde, ist es auch ein Leben in Angst. Dann ist eines Abends Paul verschwunden. Nach Tagen  ohne Lebenszeichen, melden sich Entführer und verlangen Lösegeld für Paul. Clyde muss eine Entscheidung treffen über das Leben seiner Söhne.

    Goldkind ist der erste Roman von Claire Adam.  Geboren und aufgewachsen auf Trinidad lebt und schreibt die Autorin heute in London. Für ihr Debüt wurde Claire Adam mit dem Desmond Elliot Prize 2019 ausgezeichnet.

    Es ist eine sehr traurige und verstörende Geschichte, die Claire Adam erzählt. Die Deyalsinghs ist eine Familie indischer Herkunft (die Nachfahren indischer Arbeiter machen etwa 40 % der Bevölkerung Trinidads aus). Peter und Paul sind Zwillinge, die unterschiedlicher nicht sein können. Peter ist schon von klein begnadet kluges Kind mit hervorragenden schulischen Leistungen. Paul der Zweitgeborene, hatte einen schwereren Start ins Leben. Aufgrund eines Sauerstoffmangels bei der Geburt wird er als zurückgeblieben abgestempelt, er ist hochsensitiv, hat Lernschwierigkeiten, zeigt meiner Meinung nach Symptome von Asperger Autismus. Während Peter brav und angepasst ist, fällt Paul auf, als Kind mit Schreianfällen, später mit wilder Mähne und schäbigem Aussehen, weshalb er den Spitznamen Tarzan davonträgt.

    Der Vater – Clyde – versucht, seine Familie gut zu versorgen, ist aber immer und immer wieder auf Geldzuwendungen von Joys Onkel angewiesen. Geld und Familie, das ist ein brisanter Nährboden für allerhand Konflikte. Es ist ein täglicher zermürbender Kampf ums Überleben. Denn das Trinidad, das hier geschildert wird ist fern ab vom Bacardi-Feeling einer Karibikinsel. Geringe Löhne, schlechte Infrastruktur, Korruption, Drogen, Gewalt – es ist eine immerwährend drehende Spirale der sozialen Ungerechtigkeit.

    „Es gibt zwei Sorten Männer auf der Welt, denkt Clyde, zwei Sorten Väter. Die eine Sorte arbeitet hart und bringt das ganze Geld mit nach Hause und gibt es der Frau für den Haushalt und die Kinder. Die andere Sorte tut das nicht. Und niemand hat Einfluss darauf, welche Sorte Vater er erwischt. So einfach ist das.“

    Am Abend von Pauls Verschwinden macht sich Clyde auf die Suche nach seinem Sohn, in den Busch, den Paul oft als Rückzugsgebiet wählt. Noch glaubt er an simplen Ungehorsam seines „schwierigen“ Kindes.

    „Schlangen, Frösche, Agutis, die ganzen nachtaktiven Viecher oder Geister oder was auch immer. La Diablesse und Papa Bois und wie sie alle heißen. Nicht, dass er an diesen Quatsch glauben würde. Aber auch er findet, dass sich die Menschen in einem Gebiet aufhalten sollten und die Geister in einem anderen.“

    Es sind keine mystischen Geister, die in diesem Buschwerk zu Hause sind, es ist das ganz reale und banal menschliche Böse. Und es beschwört ein moralisches Dilemma herbei. Um Pauls Leben zu retten, muss er in Kauf nehmen Peters Leben zu zerstören. Dazu schlägt er jede Hilfe und Unterstützung aus, die sich ihm bietet.

    „Paul, möchte er sagen. Was ist mit Paul?“

    Goldkind oder Tarzan? Noch lange nach dem Lesen lässt sich über diese Frage nachdenken.

  5. Cover des Buches Bis ihr sie findet (ISBN: 9783455009361)
    Gytha Lodge

    Bis ihr sie findet

     (227)
    Aktuelle Rezension von: buecherhaii

    Mir hat das Cover und der Titel gut gefallen, es spricht wie aus dem Buche, ein Wald und ein Geheimnis. Der Klappentext liefert auch Spannung, etwas Geheimes ist passiert - und das will endlich gelöst werden.


    Die Charaktere sind klasse beschrieben, manche sind direkt zum hassen da und man denkt direkt: hach! Ich weiß wer der Mörder oder die Mörderin ist. Doch ist es so wie man denkt? Ich möchte nicht Spoilern, jedoch kann ich sagen das es schon ein Nervenkitzel ist und umso mehr man in die Story eintaucht umso mehr denkt man: wow. Wie viele Geheimnisse wollen die noch lösen, wie viele Geheimnisse gibt es und vor allem: Wer ist nun der Mörder / die Mörderin?

    Und vor allem, was sucht ein Lehrer da mit drinnen?


    Es sind relativ "kurze" Kapitel und der Schreibstil lädt ein sich direkt in diese Story zu verlieren. Die Protagonisten wechseln zwischen: ich mag sie und ich hasse sie. 


    Also für alle die Spannung mögen: Holt es euch! :) 

  6. Cover des Buches Golem und Dschinn - Eine Liebe nicht von dieser Welt (ISBN: 9783734101205)
    Helene Wecker

    Golem und Dschinn - Eine Liebe nicht von dieser Welt

     (109)
    Aktuelle Rezension von: BlueLeo

    „Golem und Dschinn“ ist ein Buch, welches dem Genre Historical Fantasy zugeordnet ist. Die Autorin Helene Wecker erschuf eine Geschichte, die ganz anders ist als alles was ich bisher gelesen habe. Das Buch spielt großteils in Manhattan in den Jahren 1899/1900 und die Protagonisten sind, wie der Titel schon erahnen lässt, einen Golem und einen Dschinn. Beide suchen ihren Platz im Leben und vermitteln dem Leser dabei ganz neue Eindrücke von Glück, Freiheit und Liebe. 

     

    Was mir besonders gut gefallen hat sind die Beschreibungen von Charakteren, Orten, Gefühlen und dem Leben an sich. In der Erzählung stecken so viel Liebe und Herz, dass ich es einfach nur genossen habe alle Einzelheiten in mich aufzusaugen. Den Orten wird so viel Leben eingehaucht, dass ich beim Lesen beinahe den Staub in der Luft schmecken konnte. Mit stattlichen 600 Seiten ist das Buch natürlich auch ein ganz schöner Wälzer, wer die lebendigen Beschreibungen jedoch zu schätzen weiß, wird jede einzelne Seite genießen.


    Bis zum Ende bin ich mit den Hauptprotagonisten leider nicht ganz warm geworden, was ich wirklich schade fand. Trotz allem muss ich ihnen zugestehen, dass sie perfekt zur Geschichte gepasst haben. Bei einem so dicken Buch gibt es natürlich auch sehr viele Nebencharaktere, die unglaublich gut ausgearbeitet und beschrieben sind. 

     

    Auch wenn das Buch zum Genre Historical Fantasy zählt, so ist es doch viel mehr als das. Es geht um tiefgreifende Themen wie Freundschaft, Andersartigkeit, Gefühle und Liebe. Das Buch erreicht eine Tiefe, die zum Nachdenken und Träumen anregt. 

     

  7. Cover des Buches Junger Mann (ISBN: 9783455003888)
    Wolf Haas

    Junger Mann

     (47)
    Aktuelle Rezension von: Raiden

    Die diversen kleinen Sprüche und Floskeln machen den Charme dieses Buchs aus. Ich konnte mich in veilen Kleinigkeiten wiederfinden. Und auch die Geschichte, die sich nebenbei eintwickelt kann überzeugen.

  8. Cover des Buches Seide (ISBN: 9783455000566)
    Alessandro Baricco

    Seide

     (383)
    Aktuelle Rezension von: simone_richter

    Diese wundervolle Geschichte spielt im Jahr 1861 und folgende. Der südfranzösische Seidenhändler Hervé Joncour bricht in diesem Herbst nach Japan auf, um Seidenraupeneier zu kaufen. Die Seidenraupeneier aus Afrika, Europa und dem mittleren Osten sind von Krankheiten befallen. Während des Besuchs bei einem japanischen Fürsten als Geschäftspartner wird er vom Blick einer schönen jungen Frau mit nicht asiatisch geschnittenen Augen getroffen. Er reist nun jedes Jahr um diese Zeit nach Japan. Immer wenn er hinreist, wächst in ihm mehr und mehr die Begehrlichkeit… Wird er jemals ihre Stimme hören? 

    Ich habe mir extra die Ausgabe mit dem fast wie Seide anmutenden Umschlagdesign besorgt. Schon dieses fasziniert. Noch berührender ist die Geschichte innen. So werden bestimmte Textpassagen wiederholt, was dem Plot etwas Wiederkehrendes gibt, genauso wie Hervés Reisen nach Japan sind. Der kurze Roman ist so leicht und zart wie Seide, hochemotional und fast prosaisch. Auch im Liebesspiel wird die Seide mit eingebunden. Man wird außerdem immer gespannter über den Fortgang der Parabel und erliest eine hauchzarte schmerzende Liebesgeschichte. Es begegnen einem in dieser auch Buddhismus-Methoden, wie eine Voliére um Vögel reinzusetzen, um sie anschließend fliegen zu lassen, die Langsamkeit und Stille und das Verharren. Ein dezentes Buch mit lauter Leidenschaft, wo der Protagonist stets ein neues Ziel im Blick hat und dabei das Wesentliche übersieht. Genussvoll und mit Interpretationsmöglichkeiten. 

  9. Cover des Buches Das Leuchten in mir (ISBN: 9783455002737)
    Grégoire Delacourt

    Das Leuchten in mir

     (24)
    Aktuelle Rezension von: STEFANIE608

    Emma ist mit ihrem als Mutter und Ehefrau eigentlich ganz zufrieden, bis sie in einem Cafe auf Alexander trifft. Er weckt in ihr eine Sehnsucht, die sie schon sehr lange nicht mehr spürte.

    Von heute auf morgen lässt sie ihre Familie zurück und möchte ein neues Leben beginnen, mit Alexander. 


    Ich bin hin und hergerissen von der Geschichte. Einerseits entwickelt sie einen unglaublichen Sog dem man sich nur schwer entziehen kann. Andererseits konnte ich mich mit Emma nicht wirklich identifizieren oder nahe fühlen.

    Was sie erlebt ging mir schon nahe und es ist wirklich schlimm was sie alles mitgemacht hat. Aber ich empfand ihre Entscheidung, ihre Familie einfach den Rücken zu kehren sehr egoistisch.


    Die Geschichte ist sehr von Melancholie und Schwermut geprägt, was mich auch eher bedrückte.

    Ich hätte mir manchmal etwas mehr Leichtigkeit gewünscht.


    Ein Roman mit einer starken Sogwirkung, der mich dennoch nicht ganz begeistern konnte.

  10. Cover des Buches Retour (ISBN: 9783455003499)
    Alexander Oetker

    Retour

     (91)
    Aktuelle Rezension von: vicky

    Luc Verlain kommt zurück aus Paris in seine Heimat im Süden Frankreichs. Er ist gefasst auf viel Langeweile und will die Zeit, die seinem Vater noch bleibt mit ihm verbringen und dann schnellst möglich zurück in sein turbulentes Leben in der Hauptstadt. Doch schon am ersten Tag kommt es anders. Er hat einen Mord zu lösen mit seiner äußerst intelligenten und attraktiven neuen Kollegin...

    Es handelt sich zwar um einen seichten Krimi mit dem typischen Urlaubsfeeling, was man schon vom Cover her erwartet, aber trotzdem gibt es eine gewisse Tiefe, da der Fall auch auf aktuelle gesellschaftliche Probleme hinweist.  

    Mir hat das Buch als Auftakt zu einer neuen Frankreich - Krimireihe gut gefallen, das Setting stimmt und die Handelnden sind äußerst sympathisch. Ich werde weiter lesen.

  11. Cover des Buches Die polyglotten Liebhaber (ISBN: 9783455001433)
    Lina Wolff

    Die polyglotten Liebhaber

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer

    Hinter dem wunderschönen Cover hatte ich einen verträumten Liebesroman erwartet und wurde positiv überrascht.

    Lina Wolff hat viele Sätze zum Anstreichen und Wiederlesen. In den verschiedenen Teilen des Buches kommen unterschiedliche Perspektiven, die sich dann doch wieder einen und mit dem Titel einen wunderbaren Kreis bilden. Ein Blick in Abgründe, Hoffnungen, Freude und Verletzungen- ein Blick zu polyglotten Liebhabern- lesen!!

  12. Cover des Buches Selbstauslöser (ISBN: 9783455403282)
    Michael Lister

    Selbstauslöser

     (66)
    Aktuelle Rezension von: Krimifee86
    Klappentext: Nach seiner Rückkehr ins ländliche Florida erwacht in Remington James eine alte Leidenschaft: die Fotografie. Als er eines Nachmittags in die Wildnis aufbricht, um die Schnappschüsse seiner im Wald installierten Kamerafalle zu kontrollieren, ahnt er nicht, dass die schrecklichste Nacht seines Lebens auf ihn wartet. Schockiert stellt er fest, dass der selbstauslösende Apparat einen bestialischen Mord aufgenommen hat. Und bevor er einen klaren Gedanken fassen kann, steht der Mörder vor ihm. Es beginnt eine atemlose Hetzjagd, während der Remington nicht nur ums Überleben kämpft, sondern sein bisheriges Leben wie einen Film an sich vorbeiziehen sieht. Nur wenn er bis zum Morgengrauen durchhält, gibt es Hoffnung auf Rettung.

    Cover: Ich finde das Cover ganz cool, obwohl ich noch nicht dahinter gekommen bin, was es mit dem Roman zu tun hat. Denn im Endeffekt sieht man … Tja, was eigentlich? Es sieht irgendwie aus wie Schnitte oder so? So richtig kann ich damit nichts anfangen, auch wenn es wie gesagt cool aussieht. Auch gefällt mir nicht, dass der Titel in diesem grün-gelb gehalten ist. Hier hätte ich eher eine andere Farbe gewählt.

    Schreibstil: Der Schreibstil war extrem gewöhnungsbedürftig und führt auch leider zu einem leichten Punktabzug. Denn der Autor schreibt nicht in normalen Sätzen, jedenfalls nicht ausschließlich. Oftmals reiht er auch nur Worte aneinander, so nach dem Motto: „Stille. Angst. Lauschen. Ein Rascheln. Umdrehen. Weiterlaufen.“ Das aber nicht als Stilelement über ein oder zwei Zeilen, sondern teilweise seitenlang und sowieso kontinuierlich im ganzen Buch. Für mich war das sehr anstrengend.
    Gut gefallen hat mir der Charakter des Remington. Ich habe seine Überlegungen und Selbstreflektionen sehr gerne verfolgt, insbesondere wenn er sich Gedanken über berühmte Werk der Fotografie gemacht hat. Das war spannend und wenn man viele Bilder selber kennt, hat man das Gefühl, ihm noch besser folgen zu können. Etwas unrealistisch fand ich sein Verhalten, nachdem er das Funkgerät hatte. Warum er immer wieder seine Verfolger angefunkt hat und damit seine Position preisgegeben hat, habe ich nicht verstanden. Gut wiederum fand ich auch die Reflektionen über seine Beziehungen – zu seinem Vater, seiner Mutter und seiner Frau.
    Die Verfolger selbst… Mmh. Ich weiß nicht, wie realistisch diese waren. So richtig verstanden habe ich nicht, warum plötzlich so unglaublich viele Verfolger hinter Remington her waren und warum sie praktisch ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um ihn zu verfolgen. Das erschien mir leider nicht logisch.

    Die Story: Die eigentliche Geschichte (Remington beobachtet einen Mord und wird von dem Killer verfolgt) ist hier eher ein Hintergrundgeschehen. Vielmehr geht es eigentlich um den Fotografen Remington, der eines Nachts ungewollt die Gelegenheit bekommt, sein Leben Revue passieren zu lassen. Und das tut er sehr ausführlich und wie ich finde auf beeindruckende Weise. Mir hat es gefallen, die Gedankengänge mitzuverfolgen.
    Aber bei allem Hintergrund: Auch die Geschichte rund um die Verfolgung Remingtons durch eine Mörderbande war für mich sehr spannend und hat Spaß gemacht. Jedoch wäre es vielleicht hilfreich gewesen, den Lesern einen Plan vom Wald zur Verfügung zu stellen, denn so richtig konnte ich nicht verstehen, wie Remington in stockdunkler Nacht immer wusste, wo er hin muss.

    Fazit: Mich hat an diesem Thriller am meisten begeistert, dass der Hauptcharakter Remington ein großer Fotografie-Freund ist. Dadurch habe ich mich ihm sehr nahe gefühlt und konnte viele seiner Gedanken gut verfolgen. Als Nicht-Fotografie-Freund bzw. jemand, der sich nicht auskennt, hat man es aber wohl mitunter schwer, der Geschichte zu folgen. Einen Punktabzug gibt es von mir für den sehr gewöhnungsbedürftigen Schreibstil.
  13. Cover des Buches Das brennende Mädchen (ISBN: 9783455003925)
    Claire Messud

    Das brennende Mädchen

     (19)
    Aktuelle Rezension von: katzenminze

    Cassie und Juju haben Sommerferien und wie schon ihr ganzes Leben lang, verbringen sie diese gemeinsam. Einträchtig durchstreifen sie die Kleinstadt in der sie leben. Äußerlich und charakterlich sind die beiden Mädchen zwar unterschiedlich, doch füreinander sind sie wie Schwestern. Juju kennt Cassie in und auswendig: Sie kennt ihre Gedanken zu ihrem früh verstorbenen Vater, sie kennt ihre Abenteuerlust, ihr echtes Lachen und ihre Träume von der Zukunft. Doch nach dem Wechsel auf eine weiterführende Schule mit unterschiedlichen Kursen und neuen Bekanntschaften entfernen sich die beiden voneinander und besonders Juju leidet sehr unter der schwindenden Nähe zu ihrer besten Freundin.

    Mir hat sehr gefallen, wie Messud die Freundschaft der beiden Mädchen beschreibt und fast noch mehr, wie treffend sie deren schleichendes Ende schildert. Denn wer kennt das aus seiner Jungend nicht? Gerade noch war da eine innige Freundschaft und plötzlich erkennt man den anderen kaum wieder. Wie bitter und verwirrend das sein kann, bringt Messud auf den Punkt!

    Ein weiteres Highlight, auch wen sie nur eine Nebenrolle spielte, war für mich Jujus Mutter. Was für eine kluge, verständnisvolle, feministische Frau! Was für eine liebevolle Mutter-Tochter Beziehung die beiden haben! Ich mag mich irren, aber in den meisten Romanen ist eher das Gegenteil der Fall, besonders wenn es um die Teenagerzeit geht. Auf die Beziehung der beiden könnte man neidisch werden. Und das ist Messud wie nebenbei gelungen.

    Kleine Punktabzüge gibt es, weil es zum Ende hin etwas zu geschwätzig wird. Juju kreist viel um sich um Cassie und um Fragen, die unbeantwortet bleiben, da nunmal Juju erzählt und nicht Cassie. Dabei wäre Cassies Geschichte vielleicht sogar die spannendere gewesen. Aber das wäre ein ganz anderer Roman geworden. Jedenfalls scheint es, als hätte Messud den Punkt zum Absprung nicht direkt gefunden und so tröpfelt der Roman leider eher aus. Einen weiteren Abzug gibt es, weil es nicht sein kann, dass man aus Janis Joplins ikonischem Bobby McGee falsch zitiert. Einen einzelnen Satz korrekt wiederzugeben kann so schwer nicht sein.

    Das brennende Mädchen ist ein gelungener Roman über Freundschaft und das Älterwerden der leicht beginnt und recht düster endet. Mal schafft er eine Punktlandung und mal zerfasert er etwas. Insgesamt aber durchaus lesenswert.

    3,5*

  14. Cover des Buches The Hill We Climb – Den Hügel hinauf: Zweisprachige Ausgabe (ISBN: 9783455011784)
    Amanda Gorman

    The Hill We Climb – Den Hügel hinauf: Zweisprachige Ausgabe

     (20)
    Aktuelle Rezension von: literaturfreund

    Ich glaube zu dem Gedicht »The Hill We Climb – Den Hügel hinauf«, von Amanda Gorman welches diese am 20. Januar 2021 bei der Inauguration von Joe Biden vortrug, muss ich nicht mehr viel sagen. 

    Unglaublich Kraftvoll beschreibt die junge Frau ihre Geschichte und die der Amerikaner. Besonders wenn man parallel die Rede anschaut, ist es sehr berührend und ich empfehle auch unbedingt das hören mit dem lesen zu kombinieren. Eine gelungene Ausgabe mit meiner Meinung nach guter und hilfreicher Übersetzung über ein Gedicht, was wohl aktueller den je ist und bleibt. 

    Zu der Übersetzung nochmal: Ich habe die vielen negativen Stimmen gelesen und kann sie zum Teil auch durchaus nachempfinden. Trotzdem hat mir die Übersetzung gefallen, wobei ich aber auch nur bei Verständnisschwierigkeiten zu dem deutschen Text gegriffen habe, da ich der Meinung bin das Gedichte (wenn möglich natürlich ^^ Ich kann leider auch nur Englisch und rudimentär Französisch) immer am schönsten im „Original“ zu lesen sind. Zudem freue ich mich schon sehr auf den Gedichtband, der im Herbst erscheinen wird.

  15. Cover des Buches Belladonna (ISBN: 9783455002751)
    Dasa Drndic

    Belladonna

     (3)
    Aktuelle Rezension von: leselea

    Eigentlich ist es nicht fair, dass ich Belladonna von Daša Drndic mit nur zwei Sternen bewerte. Eine aussagekräftige und ehrliche Rezension sollte nämlich auf dem Umstand fußen, dass man das besprochene Buch zumindest in Grundzügen verstanden hat. Doch schon an dieser Minimalhürde scheitere ich: Ich weiß nicht, was ich hier gelesen habe. Ich kann den Klappentext lesen und zitieren und weiß es immer noch nicht. Ich kann ein paar Themenkomplexe ausmachen, verstehe aber immer noch nicht, warum sie eben so und nicht anders erzählt wurden. Kurzum: Ich stehe vor diesem Buch wie der Ochs vorm Berg. Und da ich mit Logik nicht weiterkomme, kann ich mich nur auf meine Emotionen stützen und die sagen: Diese Lektüre war eine Qual!

    Aber von Anfang an: Ich habe 2015 bereits Sonnenschein der Autorin gelesen, ebenfalls ein sperriges, andersartiges Wert, bei dem man als Leser häufig im Dunkeln tappte. Trotzdem packte mich gerade dieser spezielle und radikal unkonventionelle Erzählweg, sodass ich mich auf Belladonna nicht nur freute, sondern auch gewappnet war auf das, was kommen würde, und schon vorab mit einer ähnlichen verstörenden Leseerfahrung rechnete. Tatsächlich sind sich beide Werke in der Machart sehr ähnlich: Daša Drndic arbeitet mit Kollagen, verwebt verschiedene reale Geschichten und fiktive Erzählschnipsel  miteinander, folgt den Fußnoten der Geschichte und arbeitet sich schonungslos am 20. Jahrhundert und seinen Grausamkeiten – namentlich Holocaust, Nationalsozialismus und Faschismus – ab. Doch während es in Sonnenschein einen groben roten Faden gab, von dem sich die einzelnen Stränge abzweigten (oder eher aufdröselten), kann ich einen solchen im neuen Roman nicht ausfindig gemacht: Es geht um Andreas Ban, einen Psychologen und Universitätsdozenten. Es geht um Erinnerungen. Es geht um die Rente in Kroatien. Generell geht es viel um Kroatien – und um Faschismus.

    So sucht und löscht Andreas Ban die eigene Vergangenheit, in deren Winkeln er sich verliert, schält die Schichten der Zeit ab, die ihn mit Vergessen umschlingt, sättigt sich mit fremden Leben auf dem Weg zum Tod, dem mächtigsten Gott des endgültigen Nichterinnerns. (S. 46)

    Ich streite nicht ab, dass es bisweilen sehr interessante und auch erhellende Passagen gibt. Ich bewundere Daša Drndic sogar für ihren leidenschaftlichen Kampf gegen das Vergessen und ihre schonungslose Abrechnung mit ihren Landsleuten und dem wieder aufkeimenden bzw. nie abgeklungenen Nationalismus. Aber leider hilft das alles nicht, wenn die Gesamtkonzeption wirr und abschreckend ist und schließlich dazu führt, dass man über die 400 Seiten immer gleichgültiger und abgestumpfter – gerade gegenüber dem geschilderten menschlichen Leid – wird. Hier fordert die Form einfach zu viel und führt zu einer Leserreaktion, die der (vermutlichen) eigentlichen Botschaft zuwiderläuft.

    Insgesamt gehe ich einfach unheimlich frustriert aus dieser Lektüre hervor. Ich beiße mich generell gerne durch schwierige Bücher, verlange nicht, dass eine Geschichte es mir leicht macht, kann auch hinnehmen, wenn ich mich über Passagen hinweg verliere, solange ich das Gefühl habe, das alles war nicht umsonst, irgendetwas – sei es etwas inhaltlich Interessantes und Aufwühlendes, etwas erzählerisch Mutiges oder etwas sprachlich exzellent Verpacktes – kann ich draus mitnehmen. Leider stellte sich dieses Gefühl bei Belladonna nicht im ausschlaggebenden Maße ein. Daher nur enttäuschte 2 Sterne!

  16. Cover des Buches Gemischte Gefühle (ISBN: 9783455406245)
    Katherine Heiny

    Gemischte Gefühle

     (4)
    Aktuelle Rezension von: renee
    "Gemischte Gefühle" ist ein Roman über das Leben und die Ansichten des 56-jährigen New Yorkers Graham, in zweiter Ehe mit der 15 Jahre jüngeren, quirligen und quietschfidelen und ebenso eigenwilligen Audra verheiratet, beide haben einen 10-jährigen Sohn, Matthew, der das Asperger-Syndrom hat. In äußerst genauen Beobachtungen schildert in dem Roman Graham sein Familienleben, seine ganz eigenen Gedanken zu seiner Frau und seinem Sohn. Da sprießen genau diese Ansichten/Gefühle/Wünsche, die wir alle in uns tragen und oft nicht aussprechen würden. Und auch über sein gesamtes Umfeld macht sich Graham sein Bild. Graham ist ein wirklich sehr ehrlich geschilderter Charakter, gleichzeitig auch sehr warmherzig und auch scharfzüngig. Und es entsteht vor den Augen ein sehr sensibler Mensch, der versucht mit den Tücken des Lebens umzugehen und mir nicht unsympathisch war. Ein echter Überlebenskünstler eben. Und das Ganze geschieht mit einer recht gehörigen Portion Humor, die das Buch deutlich aufwertet.  

    Das Buch ist in seinem Sprachbild leicht zu lesen und vermittelt das Bild/die Gedankenwelt eines Menschen bezüglich sich selbst/seinem Leben und ebenso seiner Umgebung. Ganz interessant zu lesen, aber der Funke ist bei mir nicht übergesprungen. Ein Sog ist etwas spürbar, aber meist ist das Geschilderte für meine Begriffe etwas langatmig. Schade.
  17. Cover des Buches Wir sind verdammt lausige Akrobaten (ISBN: 9783455404661)
    Ernest Hemingway

    Wir sind verdammt lausige Akrobaten

     (20)
    Aktuelle Rezension von: Bri

    Meine Liebe zur Literatur F. Scott Fitzgeralds ist ja nun in gewissen Kreisen – also auf jeden Fall hier – hinlänglich bekannt. Obwohl mir natürlich bewusst ist, dass er als Mensch, gerade in den Zeiten großer Trunksucht, ein ziemlicher Idiot sein konnte, hatte ich immer das Gefühl, dass er trotz allem eher zurückhaltend, unterstützend, aber eben durch die Umstände und sein Leben überfordert war. Schreiben zu wollen oder zu müssen, weil es Geschichten gibt, die aus einem heraus brechen, die man anderen Menschen mitgeben möchte, damit sie in ihnen nachhallen ist wohl das Ideal der Schriftstellerei. Zumindest stelle ich mir das so vor. Schreiben zu müssen, um Geld zu verdienen, nun ja, Fitzgerald konnte es wie kein anderer. Seine Stories hielten die Familie über Wasser, bezahlten später die Behandlungen Zeldas und waren für ihn die Möglichkeit, an Geld zu kommen, die sich schnell umsetzen ließ. Und was dabei rauskam, konnte sich immer sehen lassen.

    Was Ernest Hemingway betrifft, bin ich – voreingenommen und etwas unfair – nicht ganz so freimütig damit, ihm seine menschlichen Schwächen nachzusehen und mich bei der Lektüre davon nicht beeindrucken oder leiten zu lassen. Sicher gibt es Werke von ihm, die ich gerne gelesen habe: Paris, ein Fest fürs Leben, das zugegebenermaßen nicht eines seiner Glanzstücke ist, mich aber wegen Paris und der Tatsache, dass meine allerbeste Freundin ein Jahr lang dort lebte und ich sie mehrfach besuchen konnte, einfing oder Der alte Mann und das Meer – für mich tatsächlich sein Meisterwerk. Seine Stories waren gut, doch mir sprachlich zu klar, zu einfach, zu viel Macho?


    Verglichen habe ich die beiden Schriftsteller und ihre Werke nie, sind sie doch sowohl sprachlich, inhaltlich als auch konzeptionell einfach nicht vergleichbar und deshalb gehe ich mit der Einschätzung Hermingways zu Getrude Steins Vergleich der zwei Autoren über das Bild unterschiedlich genährter und deshalb auch unterschiedlich brennender Flammen d’accord: dieser ist tatsächlich und prinzipiell obsolet. Doch andererseits kann ich komplett nachvollziehen, was Stein mit ihrem Bild der einen Flamme, die hell leuchtet und ungehemmt brennt – Fitzgeralds Talent – und der anderen, die zwar nicht so hell brennt, dafür aber etwas kontrollierter oder kontinuierlicher – Hermingways Ehrgeiz – meinte. Während die Texte Fitzgeralds für mich immer mit leichter Hand dahingeworfen, dabei aber gut durchdacht schienen, meinte ich den Schriften Hemingways immer dessen Wunsch nach mehr Klarheit, stärkerer Schlichtheit zu entnehmen. Mit einem Beigeschmack von harter, fast körperlich anmutender, Arbeit, ja Schinderei.

    Bereits 2013 erschien ein schmaler, sehr liebevoll gestalteter und zusammengestellter Band, der Briefe, die sich Fitzgerald und Hemingway in der Zeit von 1925 bis 1937  schrieben, erstmals auf Deutsch vorlegt. Zumindest was die Zusammenstellung und was die Briefe Fitzgeralds angeht. Hemingways Briefe sind bereits 1984 von Werner Schmitz übersetzt bei Rowohlt in dem Band Glücklich wie die Könige erschienen. Fitzgeralds Briefe hat Lebert erst 2013 übertragen – und das wunderbar ganz im gewohnten Fitzgeraldischen Ton. Dazu hat er noch ein Vorwort, Anmerkungen und eine Zeittafel gepackt, die dem Leser weitere Orientierung geben. Liest man diese Briefe in der sehr gelungenen Zusammenstellung, gewinnt man von beiden Autoren, ihren Werken und ihrer Freundschaft einen durchaus auch überraschenden Eindruck.

    Zunächst sind die Briefe die sich Hem und Scott schreiben, geprägt von einem sehr freundschaftlichen Ton, der zuweilen ins spöttisch, selbstironische aber auch klatschhafte übergeht. Es geht buchstäblich um Gott und die Welt. Obwohl Scott nur drei Jahre älter ist als Hem, ist er derjenige, der dem aufstrebenden Jungautor mit Rat und Tat zur Seite steht. Er vermittelt Kontakte zu seinem Lektor Max Perkins bei Scribners, der seinem Ruf folgend sofort das Potential Hemingways erkennt. Ab und an schickt er auch Geld – auch wenn es nur 100 Dollar sind, die zu damaligen Verhältnissen ungefähr 1000 Dollar Wert besaßen. Und er liest Hemingways Texte so genau und kritisch, wie es auch ein Lektor täte. Anfänglich ist Hemingway auch für die Kritik, die ihm der bereits erfolgreiche Freund angedeihen lässt, dankbar und offen, doch als Fitz später sein Werk chirurgisch analysierend auseinanderpflückt – zwar offensichtlich, weil er weiß, dass Hem es noch besser kann – da kommt schon Unmut auf, der sich in der Bleistift – Randnotiz Leck mich am Arsch EH Bahn bricht. Dabei ist der letzte Satz, den Fitz unter die Analyse schreibt durchaus positiv: Ein wunderschönes Buch ist es.

    Fitzgerald ist ernsthaft daran interessiert, seinem Freund mitzuteilen, was er literarisch anders machen würde. Und er tut es unglaublich genau, unglaublich überlegt, gut konzipiert, so dass der Eindruck, dass er selbst einfach ein durch übermäßiges Talent gesegneter literarischer Leichtfuß war, verflüchtigt. Auch er musste und wollte hart arbeiten, wollte perfekt sein. Doch wie kann man das, wenn man ein Kind hat und eine Frau, deren Gesundheitszustand sich permanent verschlechtert? Schriftsteller brauchen Kontinuität – man denke nur an Thomas Mann und seine Arbeitsgewohnheiten – und doch benötigen solch kreative Köpfe, vor allem solch scharfsinnige und großartige Beobachter wie Fitzgerald den Input von außen. Ein Dilemma, dem man kaum entkommen kann und Fitzgerald erst recht nicht.

    Es kommt wie es kommen muss, die Freundschaft geht dahin, die Briefe werden spärlicher und zum Schluß zeigt sich, dass die unterschiedliche Art zu schreiben, sich nicht vereinend auswirkt. Voreingenommen oder nicht, Fitzgeralds Argumentation ist überzeugend und stringent, als er in seinem Brief vom 01. Juni 1934 seine Art der Fiktion und seine Konzeption von Zärtlich ist die Nacht darlegend, folgendes anmerkt:


    „[…] eine Theorie, die ich Conrads Vorwort von Der Neger entnahm. Dass nämlich der Zweck eines geschriebenen Werks darin besteht, auf den andauernden Nachhall im Geiste des Lesers einzuwirken. Im Unterschied zu – sagen wir mal – dem Zweck der Rhetorik an sich oder der Philosophie, die die Menschen jeweils in einer kämpferischen oder gedankenvollen Stimmung zurücklassen. […] dass ich mich daran erinnerte, dass Du einmal beim unmittelbaren Ende von In einem anderen Land versucht hast, etwas herauszuarbeiten, was ganz im Sinne einer solchen Theorie stand. […] Und vielleicht erinnerst Du Dich an meinen Vorschlag, Deinen Hang zum Wortschwall, überall wo er in diesem Buch auftaucht, herauszustreichen und damit aufzuhören. Du warst gegen diese Idee, da Du der Ansicht warst, die Richtlinie eines belletristischen Werkes müsste sein, den Leser in emotionale Höhen zu führen, ihn dann zu enttäuschen bzw. wieder zu erlösen. Du hast keine ästhetischen Argumente dafür geliefert, aber nichtsdestotrotz konntest Du mich überzeugen.“


    Das angenehm persönliche Vorwort von Benjamin Lebert macht klar, er will keinem der beiden Autoren den Vorzug geben. Ich kann das auch nach der Lektüre dieses erhellenden Briefwechsels nicht. Für mich ist und bleibt Fitzgerald der Meister der Meister, ein Ästhet. Wenn gar nichts mehr geht, ich aus welchen Gründen auch immer keine Leseruhe finden kann oder mich kein neues Buch einlässt, dann wird es immer eines seiner Werke sein, das mich da rausholt. Allen voran Zärtlich ist die Nacht und Der große Gatsby, die meine Bibeln sind. Aber auch die wunderschönen Kurzgeschichten, wie zum Beispiel Der Riffpirat, die mit ihrem romantischen Kern und den leicht schrägen aber unglaublichen Bildern schon fast etwas von einem Wes Anderson Film haben … was für ein Glück, dass ich diese Schätze habe.

    Wir sind verdammt lausige Akrobaten sollte jede Hemingway und / oder Fitzgerald Sammlung vervollkommnen, genauso wie manch anderes Buch, das ich in nächster Zeit noch lesen werde oder bereits gelesen habe und das sich mit einem der beiden beschäftigt. Mit dem Ästheten und dem Boxer, wie ich sie ab jetzt in Gedanken nenne.

  18. Cover des Buches Die Hoffnung (ISBN: 9783455001556)
    Mich Vraa

    Die Hoffnung

     (6)
    Aktuelle Rezension von: glasfisch
    In Mich Vraas historischem Roman 'Die Hoffnung' (Name eines Sklavenschiffs) lernt der Leser staunend, dass auch Dänemark Kolonien in der Karibik besaß, nämlich die Inseln St. Thomas and Saint Croix, wo heute große Kreuzfahrtschiffe anlegen, und dort lukrative Zurckerrohrplantagen betrieb, deren Wohlstand auf Sklavenarbeit basierte. Auch dänische Schiffe fuhren die berüchtigte Dreiecksroute: von Dänemark nach Guinea beladen mit Waffen und Schnaps, womit in Afrika die Stammeskriege in Gang gehalten wurden, die Kriegsgefangene zu Sklaven machten, von Guinea in die Karibik mit einem Zwischendeck voller schwarzer Sklaven, von denen kaum 50% die elende Fahrt überlebten, von St. Croix zurück nach Dänemark beladen mit wertvollem Zucker. Selbst nach dem königlichen Verbot von Sklaventransporten fuhren die nun illegalen Sklavenschiffe weiter. Eine der Hauptfiguren des Romans, der idealistische, etwas naive Humanist Mikkel Eide, segelt 1824 nach St. Thomas, um einen Bericht über die erbärmlichen Lebensumstände der schwarzen Sklaven dort zu schreiben und sich für die Abschaffung der Leibeigenschaft einzusetzen, die im Gegensatz zu den Sklaventransporten legal ist. Eide erlebt Gewalt, Brutalität, Menschenjagd, Zynismus. Aus anderer Perspektive wird ein Sklaventranport von Afrika zu den Westindischen Inseln geschildert, ebenfalls mit drastischen Bildern. 
    Der Autor schildert subtil, was unbegrenzte Macht ohne Furcht vor Strafe selbst aus wohlmeinenden Menschen macht: dem Arzt, der heilen und helfen wollte, selbst dem Humanisten, der sekundenlang versucht ist, eine Sklavin zu vergewaltigen, die ihm gefällt. 
    Mich Vraa verwendet die Begriffe 'Neger' und 'Mulatte' im historischen Zusammenhang. 1788 sprachen Plantagenbesitzer, Sklavenhändler und auch Abolitionisten so, selbst Martin Luther King sprach in seiner berühmten 'I have a dream' Rede noch von Negroes. Es wäre künstlich, um nicht zu sagen komisch, wenn ein weißer Plantagenbesitzer von 1788 einen Sklaven, den er gerade fast zu Tode foltern lässt,  mit heutigem politisch korrekten Vokabular anspräche. Mich Vraas Mitgefühl und Sympathie gilt uneingeschränkt den hoffnungslosen schwarzen Leibeigenen. Ein spannendes Buch, aus Briefen und Tagebucheinträgen zusammengesetzt. Etliche drastische Schilderungen von Gewalt, die sicher der Wirklichkeit des hoffnungslosen Sklavenlebens um 1788-1824 entsprachen. Ein Lob auch dem Übersetzer!

  19. Cover des Buches Der Beutegänger (ISBN: 9783423211383)
    Silvia Roth

    Der Beutegänger

     (57)
    Aktuelle Rezension von: engineerwife

    Dieser Auftakt zu einer neuen Krimiserie hat mich ehrlich gesagt unbefriedigt zurück gelassen. Das Buch fängt vielversprechend an, man erwartet zu Recht einen rasanten Handlungsablauf. Nach den ersten Seiten stellt man dann jedoch ernüchtert fest, dass in diesem Krimi mehr Augenlicht auf das Seelen- und Privatleben der Ermittler gelegt wird als auf den Fall selbst. Zäh ziehen sich die nächsten Seiten bis zur Aufklärung. Schade, eine Serie, die ich persönlich nicht weiterlesen werde.   

     

  20. Cover des Buches Tief im Süden - Reisen durch ein anderes Amerika (ISBN: 9783455503760)
    Paul Theroux

    Tief im Süden - Reisen durch ein anderes Amerika

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Sporchie
    Paul Theroux geb. in Medford, Massachusetts USA  hat in den vergangenen Jahre sich einen Namen gemacht als "Reiseschriftsteller" .
    Heute lebt er in London und auf Cape Cod.



    Der weitgereiste Autor, der häufig die Länder per  Eisenbahn erkundet schrieb schon über Argentinien, China und die Südsee. 
    Nun hat er sich der Herausforderung gestellt sein eigenes Land zu erkunden und er durchfährt die Südstaaten von Alabama - South Carolina - Arkansas entlang des Mississippi. Er besucht aber nicht die großen Städte
    sondern die eher kleinen unscheinbare Orte. 
    Aus einer Reise werden letztendlich 4 und so ist es im möglich einige seiner  Zufallsbekanntschaften zu vertiefen.
    Er beginnt seine Reise im Herbst und seine anderen Reise unternimmt
    er im Frühjahr, Sommer und Winter. Tausende von Kilometer durchfährt er
    im Auto dieses Land immer auf der Suche nach Menschen und ihrer Geschichte.
    Was dabei herausgekommen ist, ist ein faszinierender Einblick in die
    amerikanische Geschichte.
    Menschen die unabhängig ihrer Hautfarbe unter wirtschaftlichen Probleme leiden, Existenzängste haben und sich als "abgehängte Nation" ansehen.
    Für uns ist Amerika das Land der fast unbegrenzten  Möglichkeiten und der Freiheit. Das dem nicht so ist, wird angesichts des wirtschaftliches Niedergangs dieser Bundesstaaten sehr deutlich.
    Auch das heute immer noch der Graben zwischen den Hautfarben tief und verwurzelt ist und die Menschen deshalb Halt in den vielen Kirchen suchen. Sie hoffen dort Geborgenheit und Wärme zu finden und ein kleines Stück vom Glück.
    Viele der Personen, die er besuchte fühlen sich abgehängt und desillusioniert. Vielleicht ist es auch darauf zurückzuführen das ein Donald Trump mit seinen Aussprüchen und Versprechungen diesen Menschen neue Hoffnung gibt und sie all zu gerne darauf vertrauen möchten.


    Ein sehr nachdenkliches Buch mit vielen neuen Einblicken über ein Land - das Verständnis für diese Menschen und ihre Geschichte vermittelt










  21. Cover des Buches Verführung zum Tod (ISBN: 9783455306392)
    John Harvey

    Verführung zum Tod

     (3)
    Aktuelle Rezension von: LEXI
    „The Times“ preist im Klappentext dieses Hörbuch als „einer der 100 besten Krimis des 20. Jahrhundert“ an. Zu meiner großen Ernüchterung konnte ich davon rein gar nichts bemerken. Der vollkommen unsympathische und langweilige Protagonist agiert neben langweiligen Nebenfiguren in einem ebenso langweiligen Plot, und die Ermittlungen im Mordfall sowie die Art des Vortragens durch Hubertus Gertzen kann ich leider auch nur als langweilig bezeichnen. In der Regel halten mich spannende Hörbücher im Auto davon ab, bei langen Fahrten in der Dunkelheit müde und Opfer des Sekundenschlafes zu werden. Dieses Hörbuch jedoch war prädestiniert dazu, mich aufgrund all der genannten Punkte dermaßen einzuschläfern, dass ich nach zwei Dritteln frustriert abbrach. Ich kann „Verführung zum Tod“ keinesfalls weiter empfehlen und gehe sogar noch so weit zu behaupten, dass jeder Cent für diesen Kauf vergeudet war. Ein Bewertungsstern dafür … und auch dieser nur äußerst ungern.
  22. Cover des Buches Mutterland (ISBN: 9783455008616)
    Paul Theroux

    Mutterland

     (8)
    Aktuelle Rezension von: Bellis-Perennis

    Der Einstieg in die Welt dieser Familie beginnt am Bett des todkranken Vaters. Die Ehefrau und die sieben Kinder wollen über das Abschalten der Maschinen, die den Vater gerade noch so am Leben erhalten beraten. Doch Ehefrau und Mutter hat schon vorab entschieden: Die Beatmungsgeräte werden abgestellt. Dann eilt man ins nahegelegene Restaurant. Nur Jay kehrt ans Sterbebett zurück...  

    Was zu Beginn nach einem interessanten Roman klingt, gleitet in weiterer Folge leider in eine „Keiner-mag-mich“, „alle-sind-böse-zu-mir“ Geschichte ab. Nach dem ersten Drittel habe ich nur mehr quer gelesen. Die vollen 656 Seiten Gejammer hätte ich nicht ausgehalten.

    Der Roman ist als humorvoll beschrieben. Den Humor konnte ich leider nicht finden. 

    Fazit: 

    Dieser Roman wurde mir empfohlen. Leider kann ich den Hype um dieses Buch nicht nachvollziehen, daher gerade einmal 2 Sterne.

     

  23. Cover des Buches Das Haus am Kanal (ISBN: 9783455004700)
    Georges Simenon

    Das Haus am Kanal

     (13)
    Aktuelle Rezension von: jamal_tuschick
    Im März 1954 schreibt Georges Simenon in Rekordroutine den (Jahrzehnte später mit Philippe Noiret in der Hauptrolle verfilmten) Roman „Der Uhrmacher von Everton“. Nach einem Einschluss von acht Tagen ist das Werk vollbracht.

    Der Belgier zelebriert in einer Vorstadt von Salisbury im Bundesstaat Connecticut vor den Toren New Yorks den amerikanischen Traum in der Suburbia Variante. Er registriert Einprägungen der Peter Stuyvesant Ära, als New York noch Nieuw Amsterdam hieß und sich als Handelsplatz auf die königliche Kolonie Nieuw Nederland auswirkte. Simenon gefallen die Schnittmuster der skandinavisch-niederländisch-angelsächsisch getönten Mittelklasse, die aufgeräumte Weiträumigkeit ihrer Anwesen, der selbstverständliche Luxus ihrer Eisschränke und Klimaanlagen, ihre Sprit fressenden Straßenkreuzer und deren Häfen. Ihn fasziniert das unverdiente Glück von Leute, die in einem Land leben, dass seit neunzig Jahren von keinem Krieg umgepflügt wurde. Der Schriftsteller besucht die Barbecue Partys seiner Nachbarn. Allgemein geht man gerade dazu immer, Gin mit Wodka zu ersetzen, während McCarthy in der Durchsetzung des Communist Control Act den Zenit seiner Macht erreicht, Rock’n’Roll populär und die Lederjacke zum Symbol einer Jugendbewegung wird.
    Simenon mäht den Rasen vor seinem Haus, tauscht Cocktail Rezepte und betreibt Mimikry in einer Gesellschaft von Pendlern, die an jedem Werktag New York mit dem Zug erreichen und verlassen.
    Er liebt die Stimmungen des Indian Summer in den offenherzigen Habitaten. Dem sommersprossig spröden Neu-England dichtet er die Kleinstadt Everton an. Da lebt der alleinerziehende Uhrmacher Dave Clifford Galloway mit seinem Sohn Ben. Eines Abends brennt der Heranwachsende in der Gesellschaft eines Mädchens aus der Nachbarschaft namens Lillian Hawkins zunächst mit dem Lieferwagen des Vaters durch. Die halbstarke Aktion im Vorgriff auf „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ löst eine Verfolgungsjagd quer durch die Vereinigten Staaten aus.
    Auch Bens Mutter verschwand einst von jetzt auf gleich nach einer beschämend kurzen Spanne als Galloways Gattin. Das Unglück bricht in stillgelegte Verhältnisse ein. Der Uhrmacher führt sein Leben in kleinsten Radien kurz vor dem Stumpfsinn. Simenon verwendet wieder einen psychologischen Aufbau, der die Anfälligkeit des Kleinbürgers für autoritäre Lösungen und eine grundsätzliche Überforderung zeigt. Als die Polizei vor seiner Haustür aufkreuzt, ahnt Galloway, dass Ben in Schwierigkeiten steckt. Er will kooperieren und sich gefällig zeigen, ohne dem Sohn zu schaden.
    „Er musste wie ein Ehrenmann auftreten, der das Gesetz achtete.“
    Er duckt sich weg, taucht innerlich ab und ist schon am Ende seiner Kraft, bevor die Geschichte mit einem Mord Fahrt aufnimmt.
    Ein Vater erfährt, dass sein Sohn verdächtigt wird, einen Mann erschossen zu haben, nur um in dessen Oldsmobile die Flucht schnell und komfortabel fortsetzen zu können. Natural Born Killers lassen grüßen. Wieder zeigt sich Simenons Gespür für die Tendenzen einer Zeit, in der James Dean und Marlon Brando zu Ikonen einer konservativen Rebellion werden, und wieder wählt der Autor einen Schleichweg, um zum Ziel seiner Erzählung zu kommen. Galloways verlangsamter Schritt bestimmt die Handlungsgeschwindigkeit. Das FBI-Ermittlungstempo so wie alles andere Action Versprechende bleibt unerzählt. Stattdessen geht es darum, wie jemand seinen Kaffee trinkt. Zigaretten werden angeboten. Galloway erinnert sich daran, dass Ben noch mit vier Bettnässer war. Eine Nachbarin kann wegen ständig geschwollener Füße nur Pantoffeln tragen.
    Der Freiheitstrip der Jugendlichen kommt nur in den Trott unterbrechenden Nachrichten vor. Einmal heißt es, sie seien im Jefferson County von Virgina „gesichtet“ worden so als sei das eine Stelle am Horizont und überliefere etwas Phänomenales. In Wahrheit dient die Reise dem höchst konventionellen Zweck einer frühen Eheschließung. Die Kinder wollen heiraten in einem Staat, dessen Gesetze das zulassen.
    Simenon fühlt dem Beat des Jahrzehnts den Puls, aber er erzählt nicht wie Kerouac von einem (alternativen) Leben auf der Straße. Sein Fokus verlässt nicht die erschöpfte Hilflosigkeit eines vorzeitig gealterten Mannes, der bis zu den Ereignissen in der Handlungsgegenwart nichts Aufregenderes erlebt hat, als die Verachtung von Bens Mutter. Man begreift die ozeanische Tiefenströmung in Simenones Werk an solchen Stellen in dieser verknappten Psychologie. Die Frau, die sich rücksichtslos in Galloways umsah, da nichts von Interesse fand und den Armleuchter mit einem Kleinkind sitzenließ, thront wie eine Göttin im Himmel über Amerika. Galloway existiert lethargisch in der Konsequenz ihres vernichtenden Urteils. Nun ergänzt Ben das Urteil. Er rehabilitiert seine Mutter, indem er sich der Liebe gewachsen zeigen will … in der Bereitschaft, dafür über Leichen zu gehen. Oder weniger pompös gesagt: sie nicht den Notwendigkeiten eines Alltags anzupassen.
    Ben erwartet nichts von seinem Vater, der nicht nur mit der Polizei kooperiert, sondern auch mit der Presse. Er lässt sich vorführen. Schließlich werden Bonnie und Clyde in Indiana vor einer bäurischen Kulisse gestellt.
    Simenon hat noch viel zu erzählen. Es geht immer weiter um einen Mann, der noch jeden Menschen verloren hat, der sich wegbewegen konnte. Der eingesperrte Sohn bietet sich der vollendeten Nachsicht einigermaßen wehrlos an. Trotzdem bleibt Galloway der Unterlegene im Verhältnis zu Bens gescheiterter Radikalität.  
  24. Cover des Buches Jetzt seid ihr frei (ISBN: 9783455003833)
    Mich Vraa

    Jetzt seid ihr frei

     (2)
    Aktuelle Rezension von: Dominikus


    Der dänische Schriftsteller Mich Vraa hat mit seinem historischen Roman „Jetzt seid ihr frei“ etwas interessantes geschaffen.

    Er hat Peter von Scholten, den dänischen Gouverneur in Westindien zu neuer Erinnerung gebracht. Peter von Scholten war von 1828 bis 1848 n Westindien. Er hörte den Sklaven zu und war ziemlich human. Trotzdem hatte er Geliebte unter ihnen. Seine Frau lebte in Dänemark. 1848 gab es eine Sklavenbefreiung, seiner Meinung nach war es zu früh. Sie hätten darauf geschult werden, das sie mit ihrer Freiheit auch umgehend konnte.

    Der Roman besteht aus Tagebucheinträgen und Briefen. Eine besondere Art der Literatur.

    Es geht zwar in den Zeiten etwas hin und her, aber es ist ein bemerkenswerter historischer Roman.







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