Bücher mit dem Tag "ideologie"
33 Bücher
- Cecelia Ahern
Flawed – Wie perfekt willst du sein?
(1.197)Aktuelle Rezension von: BuchspinatZum Inhalt:
Celestine führt ein gutes Leben. Ihre Familie gilt als perfekt. Sie gilt als perfekt. Niemand hat etwas auszustehen. Nicht wie die Menschen, die von der Gilde als „fehlerhaft“ beurteilt und ebenso gebrandmarkt und aus der Gesellschaft ausgestoßen werden. Celestine hat eine große Zukunft vor sich und ist glücklich verliebt in Art – den Sohn des obersten Richters der Gilde. Doch dann passiert eines Morgens im Bus etwas, dass Celestines Leben vollkommen aus der Bahn wirft und plötzlich gilt sie selbst als „fehlerhaft“.
Meine Meinung:
Eine Dystopie, die so absurd erscheinen mag beim Lesen und dennoch – wenn man die täglichen Nachrichten liest und hört – in vielen Dingen eine erschreckende Parallele zur gesellschaftlichen und politischen Entwicklung – nicht nur in unserem Land – geworden ist.
Menschen, die nicht den Grundsätzen der Gilde entsprechen und moralisch einwandfreie Menschen sind – wobei die moralischen und ethischen Grundsätze praktischerweise direkt von der Gilde definiert werden – werden als fehlerhafte Menschen gebrandmarkt. An der Schläfe, der rechten Hand, am Brustkorb oder auf der Zunge. Je nach ihrem Vergehen.
Da ist z.B. die junge Frau, die ihre schwerkranke Mutter zum geplanten Suizid ins Ausland begleitet hat und dadurch „fehlerhaft“ wurde.
Das Leben als „fehlerhafter Mensch“ ist schlimm. Nur Grundnahrungsmittel, Ausgangssperre, schlechte Arbeitsbedingungen, ständige Überwachung und viele Repressalien mehr bestimmen den Alltag einer fehlerhaften Person.
Das Celestine eine fehlerhafte Person werden könnte, erscheint ihr vollkommen absurd, doch dann – eines morgens auf dem Weg zu Schule – droht ein fehlerhafter älterer Herr im Bus zu kollabieren. Niemand hilft ihm. Nicht fehlerhaften Menschen ist nämlich das Helfen von fehlerhaften Menschen untersagt. Sonst werden sie selbst zu fehlerhaften Menschen verurteilt.
Celestine kann nicht einfach zusehen, wie der Mann vor ihren Augen stirbt. Egal, ob das erlaubt ist oder nicht. Also greift sie ein. Als Einzige. Alle schauen zu und nehmen in Kauf, dass der Mann vor ihren Augen sterben könnte.
Sie wird verhaftet. Richter Crevan bietet ihr einen Ausweg an. Das Einzige, was sie dafür tun muss, ist zu behaupten, dass sie nicht geholfen hat, sondern nur ihre Mitmenschen vor dem fehlerhaften Mann beschützen wollte und der fehlerhafte Mann selbst an der Situation schuld ist. Dann würde alles wieder gut werden.
Doch das wäre gelogen. Das wird ihr sehr schnell klar. Und Celestine – trotz großer Angst vor dem Leben als Fehlerhafte – stellt plötzlich das gesamte Regime in Frage und kann es nicht mit ihren eigenen ethischen Grundsätzen vereinbaren, zu lügen.
Was dann geschieht? Das verrate ich Euch nicht. Nur so viel: Celestine wird zum Aushängeschild einer Revolution, die längst überfällig ist. Eine Revolution, in der die Menschen, die unterdrückt werden, die nicht dem gesellschaftlichen Standard entsprechen, aufbegehren. Einer Revolution gegen eine Gesellschaft, in der die Menschen mit Angst und Drohungen stillgehalten werden, damit die Machthaber ihre Macht behalten und ausbauen können.
Menschen, die Sachverhalte und Situationen hinterfragen, sind für Diktatoren und ähnliche Konstrukte sehr gefährlich. Also müssen sie klein gehalten werden. Das geschieht am besten, in dem man Angst schürt. Immer wieder. In dem man Exempel statuiert.
Doch Celestine ist nicht allein. Das wird ihr allmählich bewusst – als sie sich auf die Suche nach Informationen begibt. Ihr Tun ist gefährlich, doch sie kann nicht mehr zurück. Fehlerhaft ist sie sowieso. Dann kann sie auch dafür kämpfen, dass sich etwas ändert. Denn viel schlimmer kann es nicht mehr werden…
Die Geschichte geht unter die Haut und oftmals bin ich beim Lesen unfassbar wütend geworden. Auf Menschen, die ein System ungefragt kaufen. Die sich einreden lassen, dass ethische Grundsätze „fehlerhaft“ sind. Die Menschen vorverurteilen und sie auf unaussprechliche Art und Weise aus der Gesellschaft ausschließen. Weil sie nicht ins Bild passen. Weil sie anders sind. Sich anders entschieden haben.
Schon immer werden Menschen, die nicht „perfekt“ in unsere Gesellschaft passen, diskriminiert und ausgegrenzt. Ob damals zu Zeiten der Sklaverei, der Apartheit, des zweiten Weltkriegs. Sei es bei Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung, Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit LGBTQ-Hintergrund. Menschen, die Bürgergeld beziehen oder aus anderen Gründen nicht in die Gesellschaft passen. Die Liste ist noch lange nicht am Ende.
Das bringt mich zu folgender Frage: wer definiert denn, wer in einer Gesellschaft überhaupt perfekt ist und dazugehören darf? Und wer nicht? Wer entscheidet das?
Das muss aufhören. Jeder Mensch ist wertvoll. Einzigartig. Und auf seine Weise perfekt.
Denn – um Margot Friedländer zu zitieren: „Es gibt kein jüdisches, kein muslemisches und kein christliches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Drum sei Mensch!“
Meine Rezension findet Ijr auch auf www.buchspinat.de - Robert Scheer
Pici: Erinnerungen an die Ghettos Carei und Satu Mare und die Konzentrationslager Auschwitz, Walldorf und Ravensbrück
(42)Aktuelle Rezension von: pardenEIN PERSÖNLICHES MAHNMAL...
Robert Scheer liebte seine Großmutter. Dies ist an und für sich nichts Besonderes, doch eigentlich ist es ein Wunder, dass es den Autor überhaupt gibt. Denn eigentlich hätte seine Großmutter Pici nicht überleben, nicht heiraten und keine Familie gründen dürfen. Denn dies war der Plan von Hitler und seinen Schergen. Doch als einzige ihrer weitverzweigten jüdischen Familie überlebte Pici ("die Kleine") seinerzeit die Gräuel des Holocaust.
"Die Weisen sagen, das Ziel des Lebens sei das Leben selbst. Dem folgend habe ich das Ziel erreicht. Denn ich lebe noch." (S. 56)
Zum 90. Geburtstag seiner Großmutter beschloss Robert Scheer, diese nach ihren Erlebnissen zu befragen, damit ihr Zeugnis bewahrt bleibt. Und wo Pici jahrzehntelang geschwiegen hat, öffnete sie sich ihrem Enkel gegenüber und gab Auskunft über helle und dunkle Jahre ihrer Vergangenheit.
Die ersten zwei Drittel des Buches erzählen von Picis Familie und ihrer Kindheit in Rumänien. Dort wohnte die Familie ungarischer Juden und lebte vom Holzhandel des Vaters. Arm, kinderreich, aber zufrieden, so wie viele andere Menschen der kleinen rumänischen Stadt auch. Als etwas langatmig habe ich diese Schilderungen zeitweise empfunden, aber andererseits als durchaus legitim - holte sich Pici auf diese Art noch einmal alle Mitglieder iher großen Familie in ihre Erinnerung zurück, alle in den Jahren des Holocaust ums Leben gekommen.
Die schlimmen Erlebnisse Picis nach dem Verlust ihrer Heimat in den 40er Jahren nach der Machtergreifung Hitlers nehmen entsprechend etwa ein Drittel des Buches ein. Die Vertreibung ihrer Familie aus der kleinen rumänischen Stadt, die Erfahrungen im Ghetto, die Deportationen in verschiedene Konzentrationslager, die Kälte, die Hitze, der Hunger, die Unmenschlichkeit, die Angst, die Krankheiten, das Trauma, der Tod - Dinge, über die es sicher auch nach 70 Jahren noch schwerfallen dürfte zu sprechen.
Was mich bei der Lektüre verblüffte, waren die großen Erinnerungslücken Picis, die viele schreckliche Erlebnisse und Details ausgeblendet zu haben scheint.
"Und auch für die folgenden Zeiten gibt es solche kleinen Momente, die völlig in meinem Gedächtnis fehlen, aber nicht so, dass ich sie nach Jahren vergessen hatte, sondern so, als hätten sie nichts mit mir zu tun gehabt. Vielleicht, weil mein Verstand dies alles nicht nachvollziehen konnte und von sich wegschob..." (S. 90)
Entsprechend rudimentär erscheinen denn auch teilweise die Erinnerungen, Spotlights der Schrecken, wobei die Schilderungen selbst nahezu nüchtern erscheinen. Dennoch kommt das Grauen beim Leser an, die Bilder lassen sich ncht verdrängen, die Unfassbarkeit der Erinnerungen bricht sich Bahn. Zahlreiche in den Text integrierte Fotos (viele aus dem Privatbesitz des Autors) unterstreichen das Geschriebene, geben dem Erzählten ein Gesicht und verankern das Grauen in der Realität.
Der Schreibstil ist einfach, erinnert zeitweise an einen ungeübten Schulaufsatz. Doch vieles ist in wörtlicher Rede wiedergegeben und dokumentiert so eher das Gespräch zwischen dem Enkel und seiner Großmutter Pici als dass es literarisch aufgearbeitet ist. Dieses Stilmittel der wörtlichen Rede unterstreicht in meinen Augen die Authentizität der Erzählung.
Neben den bereits erwähnten Fotos gibt es - vor allem in dem vielseitigen Anhang - auch zahlreiche Kopien von alten Briefen, Dokumenten und Listen, die die Erinnerungen Picis in Raum und Zeit des Holocaust verankern. Hier hätte ich mir eine bessere Qualität der Darstellung gewünscht, denn viele der genannten Quellen waren durch eine blasse und verschwommene Kopie für mich tatsächlich kaum leserlich, was ich wirklich bedauerlich fand.
Robert Scheer hat mit diesem Buch nicht nur seiner geliebten Großmutter ein Denkmal gesetzt, sondern mit Picis Erinnerungen auch ein persönliches Mahnmal geschaffen. Ein Buch 'Gegen das Vergessen', das sehr persönliche Einblicke gewährt.
© Parden - Martin Schäuble
Endland
(24)Aktuelle Rezension von: Readingfreak_05Deutschland ist eingeschlossenn von einer Mauer. Die Schulpflicht und gesetzliche Arbeitslosenhilfe sind abgeschafft und konservative Rollenbilder werden gefördert. Flüchtlinge heißen nicht mehr Flüchtlinge sonder Invasoren. Der Euro wurde gegen die Mark eingetauscht und zu Europa gehört Deutschland auch nicht mehr.
Obwohl viele Punkte in Martin Schäubles Dystopie "Endland" an die NS-Zeit erinnern, befinden wir uns in der Zukunft. Die Regierung wird von der rechtsextremen Partei NA (Nationale Alternative) dominiert.
Die Protagonisten sind der junge Soldat Anton aus Deutschland, der überzeugt von den Ideen der NA sein Land verteidigt, sein Freund Noah, der die Ideale der NA sehr viel kritischer sieht und immer wieder versucht Antons Augen zu öffnen. Die dritte Protagonistin ist Fana. Wegen der vom Klimawandel ausgelösten Hungersnot flüchtet sie aus Äthiopien nach Deutschland, um sich dort eine Zukunft auzubauen und Medizien zu studieren.
Als Anton in einem Geheimauftraug als Flüchtling nach Deutschland einreisen soll, trifft er Fana und nach und nach beginnt er zu sehen, was sie ganze zeit direkt vor seiner nase war. Er und Fana werden Freunde und bald steht Anton vor der größten Entscheidung seines Lebens: für eine nationale Ideologie oder für seine Freunde und ein freies Leben.
Während Anton und Fana im letzten Flüchtlingslager deutschlands festsitzen, muss Noah untertauchen, nachdem er geheime Informationen der NA an die Öffentlichkeit weitergegeben hatte.
Werden es die drei, die unterschiedlicher nicht sein könnten schaffen die rechtspopulistische deutsche gesellschaft zu "besiegen"?
Martin Schäuble greift aktuelle Themen sehr gut auf und führt einem immer wieder die Realität vor die Augen. Er schreibt in einem unkomplizierten und gradlinigen Schreibstil und verzichtet auf lange Schachtelsätze. Er schreibt abwechselnd aus der Perspektive von Anton, Fana und Noah, wodurch man sich gut in die drei hineinversetzen kann.
Der Roman ist außerdem sehr gut recherchiert und man hat beim lesen immer ein sehr klares Bild davon wie es am Handlungsort gerade aussieht.
Ein sehr fesselnder Roman, den man gar nicht mehr weglegen kann, wenn man einmal angefangen hat. Sehr geeignet für Jugendliche ab ca.12 jahren aber auch für Erwachsene ein toller Roman.
Eine klare Leseempfehlung von mir!
- André Georgi
Die letzte Terroristin
(53)Aktuelle Rezension von: CallsoRAF gegen BKA ! Die Terrorgruppe RAF sorgt in der Bevölkerung für Schrecken und Aufruhr und das BKA ermittelt unter Hochdruck. Die gegensätzlichen Interessen werden in dem Buch anschaulich, authentisch und spannend skizziert.
Autor Ande Georgi hat einen recht eigenwilligen Stil - manchmal fabriziert er kurze Sätze direkt auf den Punkt. Häufig passt das sehr gut zum Buch.
Mitunter ist es ein politischer Thriller, gleichwohl gelingt es dem Autor wunderbar, die handelnden Personen in den Vordergrund zu stellen. Insofern fiebert man mit und trotz aller politischer Brisanz menschelt das Buch immer wieder.
Zwischendurch gab das Buch richtig Gas, war enorm spannend und ließ sich wunderbar lesen.
Unterm Strich ein feiner, solider Thriller mit einem sehr speziellen und seltenen Schwerpunkt.
- Michel Eltchaninoff
In Putins Kopf
(9)Aktuelle Rezension von: porte-bonheurMich haben schon 2014 der Raub der Krim und die entsetzliche Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft - geben wir es doch zu: da ist kaum was passiert, das Geld rollte einfach so weiter - wütend gemacht. Dann kam der Überfall auf die Ukraine am 24. Februar 2022 und der hat mich noch wütender gemacht, weniger der Krieg an sich als die Behauptungen, das habe man so nicht kommen sehen können, keiner habe das ahnen, geschweige denn wissen können, ... Ah ja, wieder einmal also! Es scheint die immerwährende Schutzbehauptung gerade der Deutschen - und hier inbesondere allhöchster Stellen - zu sein, im Nachgang einer Katastrophe diese als irgendwie von "oben herab gekommen" einstufen zu wollen. Dabei waren doch über Jahre hinweg in deutschen Zeitungen Ukraine-Porträts, Interview mit Experten und Zeitzeugen zu lesen, die das KriegsSzenario immer wieder ganz deutlich an die Wand malten. Und jetzt die Frage: wozu haben wir denn dann unsere "Experten", die Diplomaten, die Staatssekretäre, wenn die solche Zeitungen - deren Abonnement wir ihnen als Steuerzahler auch noch bezahlen - und solche Bücher nicht lesen oder zumindest keine Rückschlüsse ziehen.
Das Buch von Michel Eltchinoff macht ganz deutlich, dass sich ein Krieg gar nicht verhindern ließ und das, weil sich ein Durchgeknallter - und natürlich bezeichne ich ihn als solchen - einem ganz eigenartigen Geschichtsbild verantwortlich fühlt. Das Buch zeigt aber auch, dass Putin mit seiner Ansicht nicht allein ist, dass es eben auch nicht nur Putins Krieg ist und welche Argumente die Kriegsführer für sich in Anspruch nehmen, auf welchen - fur uns natürlich völlig abstrusen - philosophischen Anschauungen die völlig willkürliche Landnahme beruhen. Und gerade weil wir in Deutschland das wirklich so gut kennen und verinnerlicht haben sollten, wie sich da ein Einzelner, mit seiner skrupellosen Clique und der Hilfe der Wirtschaft gegen die Weltmoral vergeht, hätten wir anders handeln müssen, hätte unsere Regierung zumindest anders vorbereitet sein müssen. Eurasisches Weltreich reimt sich ja beinahe schon auf Großdeutsches Reich! Nach diesem Buch stellt sich zumindet sofort die Frage, warum wir die Bundeswehr und deren Fähigkeit zur Verteidigung des Landes soweit haben schleifen lassen, dass beide jetzt mehr oder weniger nicht existent sind. Für mich ist dieses Buch eben auch eine Anklage all der in den letzten Jahren üntätig gebliebenen Verantwortlichen und das waren ganz offensichtlich alle! Wieder einmal zeigt sich: in den Büchern steht meist alles, man muss eben die richtigen Schlüsse ziehen. Und sage mir keiner, dass Buch sei eben nicht in den richtigen Etagen gelesen worden! Es ist bereits 2015 veröffentlicht worden und damit ein eindeutiger Beleg dafür, dass doch alles auf der Hand lag!
- Olivier Guez
Das Verschwinden des Josef Mengele
(92)Aktuelle Rezension von: mariameerhabaZuzusehen wie Mengele alles verliert, seine Würde, seine Haltung, seinen Doktortitel, es hatte etwas Befriedigendes, das gebe ich ungern zu. Das Karma hat ihn eingeholt, sein Leben zerstört, die letzten Lebensjahre waren nur noch eine Folter für ihn, ohne dass ihn jemals sein Gewissen beunruhigt hat und das zu lesen, war erschreckend.
Der Autor hier beschreibt sehr gut die Flucht eines Monsters. Er macht daraus nicht einen einfachen Bericht, das den zweiten Abschnitt vom Leben Mengeles zerlegt, sondern er sorgt dafür, dass man Mengeles Elend mitfühlt, dass man dabei ist und zu sieht, wie ein stolzer Mann langsam zerbricht.
Es ist ein erschütterndes Buch, aber gleichzeitig zeigt es auch, wie die Reichen davonkommen können. Wie sie sich der Justiz entziehen, wie Geld ihnen ermöglicht, jenseits der Gesetze ein Leben zu führen, das man getrost als ein schönes Leben bezeichnen kann. Vielleicht ging es Mengele nicht gut bei seiner Flucht, aber alle anderen hatten doch ein angenehmes Leben, gönnten sich nach so viel Mord und Korruption eine Villa, ein riesiges Anwesen, die ihre Vergangenheit so weit in den Schatten rückte, das man sie zu beneiden begonnen hat.
Das Buch ist spannend, interessant, gewaltig, brutal und so ehrlich, dass es mich sehr oft erschüttert hat. Der Stil ist einfach und leicht und vor allem funktioniert das Buch. Ich habe es gern gelesen.
- Eryx Vail
Zeitbrand: Genesis
(104)Aktuelle Rezension von: violetteRoseIch hatte große Schwierigkeiten, in die Geschichte hineinzufinden. Nach Seite 78 muss ich leider sagen, dass mich der Inhalt überhaupt nicht anspricht und ich das Buch abgebrochen habe.
Der Prolog ist stark religiös geprägt, wobei der Glaube an die „ewige Flamme“ für mich sehr fanatisch und eindimensional dargestellt wird und Religion hier eher als reines Macht- und Gewaltinstrument instrumentalisiert wird. Perspektivenwechsel finde ich grundsätzlich spannend und erkenne den strukturellen Sinn, da das Aufeinandertreffen der Protagonisten Rhea und Leycon bis zum sechsten Kapitel noch nicht stattgefunden hat. Besonders problematisch empfinde ich den Umgang mit Gewalt. Die Menge und Intensität der sexualisierten Gewaltszenen ist für mich zu viel und wirkt nicht narrativ notwendig. Die inzestuös konnotierten Fantasien der Protagonistin sowie ihre sexualisierte Reaktion auf die Backpfeife ihres Vaters irritieren mich stark. Man bedenke, dass dies der zweite Eindruck ist, den man als Leser:in von ihr erhält. Spätestens bei der Beschreibung und Sexualisierung eines „Reinigungsrituals“, bei dem ein Dorfbewohner unter der Leitung des männlichen Protagonisten mit Pfählen durchbohrt wird, überwiegt für mich der Schockeffekt deutlich gegenüber inhaltlicher Tiefe. Die bereits genannten Punkte sind auch der Grund, warum es mir schwerfällt, die Charaktere sympathisch zu finden.
Ich hatte durch den Klappentext eine andere Einschätzung bzw. Erwartung des Inhalts und finde, dass dieser nicht ausreichend auf den tatsächlichen Inhalt vorbereitet. Die Triggerwarnung sollte vorab gelesen und ernst genommen werden.
Fazit
Für mich setzt der Text sehr stark auf Sexualisierung, Gewalt und Grenzüberschreitungen, ohne diese wirklich einzuordnen oder sinnvoll zu begründen. Die expliziten Darstellungen von Gewalt und Sexualität empfinde ich eher als übertrieben und haben mir den Einstieg zusätzlich erschwert. Ich habe das Buch abgebrochen und kann es nicht weiterempfehlen.
- Alexa Hennig von Lange
Kampfsterne
(112)Aktuelle Rezension von: Sandra_GyMenschen in einem Mikkrokosmos in der es um das Aufrechterhalten von Fassaden geht. er Roman gibt spannende Einblicke in eine scheinbar heile schöne Welt. Aber nichts ist so wie es nach außen scheint: Die Protagonisten hadern mit ihren Gedanken, Hoffnungen, Enttäuschungen und Erwartungen und warten irgendwie auf Erlösung.
- Kai Bliesener
Hotel Silber – neue Zeit, alte Schuld
(37)Aktuelle Rezension von: Chattys_BuecherblogPaul Kramer steht vor einer neuen Herausforderung: den Aufbau der Kriminalpolizei in Stuttgart, die im berüchtigten Hotel Silber untergebracht ist. Dieses einstige Symbol des Schreckens und der Folterlager aus der Zeit des Nationalsozialismus wird zum Schauplatz seiner Ermittlungen. Doch die Erinnerungen an seine eigenen Leiden sind noch frisch, und die Gespenster der Vergangenheit greifen nach ihm.
Als er den Fall einer vermissten Frau übernimmt, die einst in diesen Mauern festgehalten wurde, wird die Situation zunehmend brenzlig. Kramers Kollegen scheinen von den Idealen der Vergangenheit nicht loszukommen und stehen ihm eher feindlich gegenüber. Wem kann er noch vertrauen, wenn die Schatten der Geschichte noch immer über Stuttgart liegen?
Der Roman bietet einen eindringlichen Blick auf die dunklen Kapitel der deutschen Geschichte und beleuchtet die Schwierigkeiten, eine neue Ordnung zu schaffen, während alte Gespenster in Machtpositionen verweilen. Die Beschreibungen der Gräueltaten im Hotel Silber lassen einem das Blut in den Adern gefrieren; sie sind so realistisch, dass man beim Lesen Gänsehaut verspürt.
Die Charaktere sind facettenreich, vom Opfer bis zum Täter, und zeigen die Abgründe der menschlichen Seele in jener Zeit. Die gekonnte Mischung aus packender Erzählweise und tiefgründiger Recherche macht diesen Kriminalroman nicht nur zu einem spannenden Lesevergnügen, sondern regt auch zum Nachdenken über Schuld und Verantwortung an. Ein absolutes Muss für alle, die sich für die dunkle Vergangenheit Deutschlands interessieren!
- Jürgen Zwilling
Gedichte, Gedanken, ein Plädoyer für die Freiheit
(61)Aktuelle Rezension von: SACHBUCHFANFREIHEIT UND IDEOLOGIE
* ANTHOLOGIE *
Ein RECHTSSTAAT
SOZIALISMUS
MEINUNGSFREIHEIT
DEMOKRATIE
BESITZSTAND
EUROPA
Das ALLES und MEHR über FREIHEIT und IDEOLOGIE im POLITISCHEN SINN betrachtet .
Ein INTERESSANTES und LEHRREICHES BUCH , das zum NACHDENKEN ANREGT .
Im Buch gibt es auch ein paar Fotos .
- Gerd Koenen
Die Farbe Rot
(6)Aktuelle Rezension von: WedmaFür dieses Werk konnte ich mich leider absolut nicht begeistern. Der Anfang war toll, also wollte ich mir das Ganze näher anschauen, aber je weiter ich las, desto übler wurde mir dabei zumute. Die anfängliche Begeisterung verflog spätestens nach den ersten vierhundert Seiten. Dort wurde neutral, dann aber eher abwertend berichtet. Sobald es um Russland und seine Geschichte ging, wurde der Ton zunehmend abschätzig herablassend. Ich gewann leider immer mehr den Eindruck, dass der werte Autor weder Kommunismus im Allgemeinen noch Russland im Besonderen mag.
Je weiter ich las, desto eher ich bereit war, dem Rezensenten aus der 1-Stern-Abteilung bei amazon recht zu geben, der meinte: „Dieser Schreiberling des Kapitels ist lebenslang seiner antikommunistischen Linie treu geblieben. Es ist schon auffällig u. zudem lächerlich das vor allem ehemalige Mitglieder der K-Gruppen, die übrigens schon immer antisowjetisch agierten, heute in der BRD zu den großen Erklärern des Weltkommunismus stilisiert werden. Koenen, Schlögel, Schroeder oder ein Posener kippten früher ihren Müll auf die Sowjetunion und heute sicher nicht zufällig auf Russland.......“
Diese anti-Einstellung des Autors konnte ich deutlich wahrnehmen, im weiteren Verlauf irritierte sie mich unsäglich. Wäre ihm etwas am Thema, am Land insg. gelegen, hätte er einen anderen Ton angeschlagen und Mittel und Wege gefunden, das Ganze nicht so grässlich darzustellen.
Für Laien schaut Koenen wie ein Kenner aus. In der Sache liegt er oft richtig. Bloß seine Interpretationen sind leider eher fragwürdiger Natur. Zudem fehlten mir leider die Quellen als Beleg manch seiner steilen Thesen, Darstellungen wichtiger Momente blieben auf dem Hörensagen Niveau. Bei einem guten Sachbuch sind einwandfreie Quellenangaben aber unerlässlich.
Mir waren die Inhalte nicht neu. An mehreren Stellen entstand der Eindruck, dass der werte Autor bloß an der Oberfläche gekratzt hatte. Oft musste ich feststellen: Da sind nur die Eisbergspitzen, auf die er die Aufmerksamkeit der Leser fokussiert hatte. Aber warum brachte er ausgerechnet das? Und dann noch auf diese abwertende Art und Weise? Das Scheußlichste geht vor, war wohl die Devise. Oft genug krallte er sich an eine einzelne Quelle, an die Meinung nur eines Autors, der z.B. das Geschehen an der Südfront 1918 schilderte, und natürlich war es das Grässlichste, was da zu finden war. Zudem war der Text oft so staubtrocken, dass ich mich da förmlich durchbeißen musste. Ich habe gehofft, dass es vllt später besser wird. Fehlanzeige.
Weshalb schreibt man dann ein Werk, indem Russland eine große Rolle spielt und die restlichen achthundert Seiten Gegenstand der Ausführungen ist, wenn man so negativ dem gegenüber eingestellt ist, was man schreibt? Ist es eine Art Racheakt?, a lá: Ich erzähle rus. Geschichte, aber so widerwärtig, dass einem die Haare zu Berge stehen, damit die Russen so bescheiden, milde gesagt, in der Öffentlichkeit stehen. Denn klar ist: Derjenige, der die Geschichte erzählt, hat auch die Deutungshoheit, zumindest im Rahmen seines Buches. Und es wird womöglich Leute geben, die dieser Darstellung Glauben schenken werden, da der werte Autor sich als Kenner russischer Geschichte anschickt.
In dem Sinne ist dieses Werk eine klare anti-russische und anti-Kommunistische Meinungsmache, anders gesagt: Propaganda. Und diese ist, wie wohl bekannt, ein Machtinstrument. Funktioniert bloß nur, solange man sie nicht als solche erkennen kann.
Fazit: Wer gern anti-kommunistische, bzw. anti-russische Schriften liest, ist hier goldrichtig. Eine grässliche, einseitige Darstellung in schwarzen Tönen, abschätzig dargeboten, die noch Ihresgleichen sucht.
Ansonsten muss man es sich nicht antun. Zu dem Thema habe ich schon bessere Bücher gelesen. Zu den Anfängen von Kommunismus schreibt sehr gut Jürgen Neffe in „Marx. Der Unvollendete“. Es gibt auch andere Werke zur rus. Geschichte. Ohne die Rachegelüste und/oder ähnl. Allüren.
Mehr als zwei Sterne kann ich hier leider nicht vergeben.
- Sam Eastland
Roter Zar
(49)Aktuelle Rezension von: ArmilleeDie Geschichte beginnt 1929, 10 Jahre nach der Ermordung des letzten Zaren und seiner Frau, den 4 Töchtern, sowie Alexei, der einzige Sohn.
Pekkala war ein enger Vertrauter des Zaren und nach der Revolution wurde er als Zwangsarbeiter in die sibirische Taiga geschickt. Er ist dort Baummarkierer, lebt völlig isoliert in einer selbstgebauten Erdhöhle und eigentlich überlebt man in dieser unwirtlichen Gegend in diesem Beruf im Schnitt nur 6 Monate.
1929 ist Stalin an der Macht und die Gerüchte um den Goldschatz des Zaren sind nie verstummt.
Nun wird Pekkala begnadigt, aber nur, wenn er die Ermittlungen aufnimmt um den oder die Mörder der Zarenfamilie zu finden. Sollte ihm das gelingen, ist er frei.
Ich sage es mal vorweg : ich bin kein Fan von diesem ganzen Spionagekram, Gulag, Kommunisten, Kalter Krieg, Bomben + andere Waffen u.s.w.
Aber ich habe mich schon auf den ersten Seiten festgelesen. Obwohl hier alles versammelt ist, was ich nicht mag, konnte ich das Buch kaum aus der Hand legen. Und das sagt eine Menge über die Qualität aus. Mein erstes Buch von Sam Eastland.
Es gibt zwei Handlungsstränge :
-> die Gegenwart, wie Pekkala wieder gefunden und rekrutiert wird. Dann begleitet ihn der Leser auf der Suche nach der (gefährlichen) Wahrheit bis zur Aufklärung.
-> der Rückblick, der bei Pekkalas Elternhaus und seinem älteren Bruder beginnt. Seit Vater ist Bestatter und Pekkala hilft ihm schon in jungen Jahren bei der Arbeit, denn später soll er alles übernehmen. Aber das Schicksal will es anders. Pekkala bewirbt sich für die Ausbildung als Kadett, um dem Zaren zu dienen / beschützen. Ich werde als Leser zur ersten Begegnung mitgenommen, lerne viel über den Tagesablauf der Zarenfamilie, wie es politisch sehr gefährlich wurde, das Exil und schließlich der scheußliche Mord an sechs Menschen..
Und auch ich will wissen -> wer war das ?
Und ich will wissen, ob es den Zarenschatz wirklich gibt !
Die fiktive Geschichte wirkt absolut real. Ich war dabei.
Am Ende des Buches hat der Autor die wahre Abfolge aufgelistet.
Ein Buch ist auch dann für mich super, wenn mich das Gelesene so bewegt, dass ich weiter im Internet recherchiere und noch mehr wissen will. Ich schau mir die Bilder und Fotos an und habe das Gefühl : dieser Autor hat mich 100% abgeholt.
- Thomas Hüetlin
Berlin, 24. Juni 1922
(9)Aktuelle Rezension von: PongokaterDas Buch beschäftigt sich mit den Hintergründen der Ermordung des liberalen Politikers und Schriftstellers Walter Rathenau. Sehr genau wird gezeigt, wie rechtskonservative antidemokratische Kräfte im Schutze von Teilen der Staatsmacht wirken konnten. Besonderes Augenmerk richtet der Autor auf den auch nach der Hitlerzeit noch erfolgreichen Schriftsteller Ernst von Salomon, der eine Schlüsselfigur der Weimarer Rechten war. Dabei zeigt Hüetlin auch die Kontinuitäten bis hin zu den Mördern von Walter Lübcke. Das Buch ist sehr anschaulich und engagiert geschrieben, Kriterien wissenschaftlicher Geschichtsschreibung kann und will es nicht genügen.
- Stefan Schweizer
RAF - 1. Generation
(15)Aktuelle Rezension von: MartinchenInhalt:
"Harald Grass ist kein Staatsschutzermittler wie jeder andere. Er ist der größten Bedrohung der Bundesrepublik Deutschland auf den Fersen. Die RAD mordet angeblich für eine bessere Welt. Sie möchte den Staat stürzen und eine kommunistische Gesellschaft errichten. Die deutsche Demokratie befindet sich am Abgrund. Grass stellt sich den Linksrevolutionären mutig in den Weg und versucht, sie mit allen Mitteln zur Strecke zu bringen. Grass hat einen hohen Preis zu zahlen, denn er setzt mehrfach sein Leben aufs Spiel und läuft Gefahr, alles zu verlieren!"Autor:
Dr. Stefan Schweizer wurde 1973 in Ravensburg/Oberschwaben geboren und wuchs in Stuttgart auf, wo er heute mit seiner Familie lebt. Stefan Schweizer ist Autor zahlreicher Sachbücher und Aufsätze. „RAD - 1. Generation (1967-1974)“ ist sein erster Kriminalroman und bildet den Auftakt einer Trilogie, welche sich mit dem spannenden Kapitel des Linksterrorismus in Deutschland beschäftigt.
Das Cover zeigt (fast) das Logo der RAF: den, hier angedeuteten, roten Stern, davor die Maschinenpistole von Heckler und Koch und den Schriftzug RAF, der hier von RAD überdeckt wird, dahinter ist ein Gesicht schemenhaft erkennbar.
Der Autor schreibt einen Roman, in dem Reales mit Fiktivem vermischt wird. Insbesondere vor dem Hintergrund der RAF war dies für mich zunächst etwas schwierig zu lesen. Hinzu kommt, dass die Namen der Mitglieder der RAF verfremdet werden, ein Umstand, der im zweiten Band geändert werden wird und so sicher das Lesen erleichtert.
Das Buch weist zwei Handlungsstränge auf: zum einen wird die Geschichte der 1. Generation der RAF erzählt, zum anderen wird über die Arbeit des Ermittlers Harald Grass berichtet.
Die Geschichte der RAF wird trotz vieler Dialoge eher sachlich erzählt, mit vielen Originalzitaten, bei denen mir mal wieder die verquaste Sprache der RAF auffiel. Dabei habe ich auch vieles erfahren, was ich nicht wusste.
Harald Grass ist ein sehr unangenehmer Zeitgenosse. Zunächst schreckt er vor nichts zurück, ist emotional, gewaltbereit, nimmt Drogen. Im Verlauf der Geschichte verändert er sich, da er merkt, dass er sich eine andere Zukunft wünscht. Die Verbindung zur RAF wird nicht so recht deutlich, auch seine Position beim Staatschutz bleibt etwas nebulös.
Die beiden Stränge unterscheiden sich auch im Stil: der Autor beschreibt die Geschichte der RAF eher als Zeitdokument, während die Kapitel, die sich mit Harald Grass beschäftigen, erzählt werden.
Erst zum Ende des Buches verweben sich diese beiden Stränge. Da es sich hier um den ersten Teil einer Trilogie handelt, gibt es natürlich ein Ende, das neugierig auf den nächsten Band macht.
Fazit: Wer einen leicht lesbaren Krimi erwartet, wird hier enttäuscht.
Wer jedoch eine gut recherchierte Geschichte der 1. Generation der RAF, vermischt mit der Arbeit eines fiktiven Ermittlers lesen möchte, wird hier bestens bedient. Ein Buch, das ich gern empfehle.
- Jens Jürgen Korff
Die dümmsten Sprüche aus Politik, Kultur und Wirtschaft
(2)Aktuelle Rezension von: dominonaViele der hier aufgeführten Dogmen kannte ich gut und finde auch die möglichen Entgegnungen häufig einfach, aber sinnnvoll. Oft hat der Autor versucht Beispiele aus der Wirtschaft zu finden. Insgesamt fand ich das Buch aber eher langweilig geschrieben. Zwar sind die Kapitel recht kurz, aber das verleitet zum Überspringen und Ausführlichkeit kann man da auch nicht erwarten.
- Klaus Jensen
Schwalbenwinter
(13)Aktuelle Rezension von: Annabeth_BookDie Vergangenheit wird in der Familie Johannson totgeschwiegen. Die Geschwister Hermann und Josi, wollen aber endlich wissen was damals passiert ist und beginnen nachzuforschen und finden unglaubliches heraus.
Erster Satz
Bei der Verlesung des Todesurteils war nur sein Körper anwesend.
Meine Meinung
Als das Buch bei mir ankam, war ich schon sehr gespannt darauf, was mich wohl erwarten wird, leider konnte mich das Buch nicht wirklich von sich überzeugen.
Das Cover finde passend zum Titel, aber mir wäre es jetzt in einer Buchhandlung nicht aufgefallen bzw hab ich bedenken, dass es dort zwischen anderen Büchern untergehen könnte.
Mit dem Schreibstil des Autors tat ich mir am Anfang recht herb, ich hatte Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen und dann auch einen roten Faden zu finden.
Was mir zusätzlich Schwierigkeiten bereitete waren die Namen, zwar hatte man vorne einen Stammbaum aber des ständige Nachschlagen am Anfang, ging mir dann doch auf den Nerv, da es auch meinen Lesefluss gestört hat. Ich halte nicht viel davon Namen in einem Buch doppelt vorkommen zu lassen und auch das man einen Protagonisten gleich von Anfang an nur mit dem Zweitnamen nennt, hat zusätzlich Verwirrung gestiftet.
In dem Buch springen wir sehr oft zwischen Vergangenheit und der Gegenwart der Familie hin und her. Es war alles sehr gut markiert und man hat sich auch sehr schnell zurecht gefunden. Aber, leider hat der Autor mit seinen Rücksprüngen schon häufig das eine oder andere Geheimnis früher verraten, wie es die Familie entdeckt hat und somit Spannung rausgenommen und auch der Überraschungseffekt wurde somit zunichte gemacht.
Die Geschwister Hermann und Josi waren hier unsere Protagonisten. Während Josi mir mit ihrer Art, das ganze Buch über sympathisch geblieben ist, hat Hermann sich dagegen irgendwann verändert und ist eher verbittert worden, was ich sehr schade gefunden habe.
Josi, hat ihr Herz auf der Zunge und sagt das was sie denkt, scheut keine Konfrontation und geht auch gezielt ihren eigenen Weg.
Hermann dagegen scheut Konfrontationen und geht diesen dann doch lieber aus dem Weg und ich glaube das war sein größtes Problem, auch das er angefangen hat mehr in der Vergangenheit zu leben anstatt das hier und jetzt zusammen mit seiner eigenen Familie zu genießen, igelt er sich ein und schließt jeden aus seinem Leben aus.
Die Geheimnisse, waren sehr gut durchdacht, aber leider wie schon oben erwähnt wurde diesen die Spannung genommen, auch waren es dann irgendwann zu viele und das Buch hat sich dadurch einfach nur noch gezogen.
Natürlich gab es dann noch andere Charakteren, die mir wirklich Sympathisch waren. Zum einen Claire, die Frau von Hermann, die dann doch immer wieder einen anderen Blickwinkel auf die Dinge hat. Dann die Urgroßeltern Matthias und Gudrun, die in der Vergangenheit eine zentrale Rolle spielen. Oder die kleine Caroline, die Tochter von Josi die frischen Wind in die Familie bringt.
Die Grundidee ist ansich wirklich toll, nur leider wurde sie für mich falsch umgesetzt.
- Allan J. Stark
Nomads: Der Aufstand (Outlanders 10)
(1)Aktuelle Rezension von: Nikolaus_ZeindlEs.finden sich, neben vielen actionreichen Passagen, auch etliche philosophische Ausflüge in Demagogie, Reljgion und Ideologie. Wie gewohnt, bleibt Starks Roman interessant und komplex.
- Alice Schwarzer
Damenwahl
(4)Aktuelle Rezension von: CocuriRubyDas Buch entstand zum 90. Geburtstag des Frauenwahlrechts. Dafür wurden Politikerinnen nach ihr erstes Mandat und Erfahrungen in der Politik gefragt und hier in 18 Porträts verfasst.
Außerdem ein kurzes Wort der ersten BundeskanzlerIN und hinten im Buch findet man noch eine kurze geschichtliche Zusammenfassung der Geschichte des Frauenwahlrechts und einen Beitrag über Gender Gap.
Buch von 2008 – also nicht unbedingt aktuell – witziger weise, machte genau das es schon wieder interessant, weil man bei den Frauen, die heute noch in der politischen Welt präsent sind sehen kann, was dessen Vorstellungen oder Ansichten damals waren und man z.T. jetzt 10 Jahre später sehen kann, wie sie offensichtlich von der Politikmühle durchgedreht wurden.
Schon etwas erschreckend zu sehen – insbesondere bei Frau Merkel.
Manche Porträts fand ich gut, manche relativ langweilig.
Am besten haben mir die Porträts von Ursula Männle und Christina Thoben gefallen – sehr beeindruckende Frauen.
Der Einblick, den einen das aber in die Politik gibt – als Frau in einer Männerdomäne – und zu lesen, womit sie sich rumschlagen mussten, ist schon interessant.
- Barbara Fradkin
Die Schneetoten
(10)Aktuelle Rezension von: HonigmondZum Klappentext:
Verschollen im Wintercamp. Amanda Doucette ist mit Jugendlichen unterschiedlicher Nationalität in einem Wintercamp. Bis auf Luc sind alle aus politischen Krisengebieten nach Kanada gekommen. Zuerst verschwindet Luc, kurz darauf Yasmina, Tochter aus gutem irakischem Hause, in den unendlichen weißen Weiten. Amanda macht sich mit ihrem Hund Keely und Chris Tymko auf die Suche nach beiden. Schon bald erfährt sie, dass Jasmina zu einer Gruppe radikalisierter Jugendlicher gehört. Was hat sie vor?
Mein Leseeindruck:
Zuallererst möchte ich mich recht herzlich beim Verlag bedanken, welcher mir das Buch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat, was meinen Leseeindruck und meine Meinung zum Buch in keinster Weise beeinflusst hat.
Der Klappentext und das super ausschauende Cover hatten mich neugierig gemacht und ich war sehr gespannt, was sich genau hinter dem Buch verbirgt. Die Autorin kannte ich bisher nicht, was mich neugierig auf ihren Schreibstil gemacht haben und ich muss sagen, dass mir der Schreibstil sehr gut gefallen hat. Er ist wunderbar fließend und die Handlung interessant, die Charaktere gut beschrieben. Auch wurde der Spannungsbogen im Laufe des Buches immer weiter ausgebaut und der Leser gut gefesselt. Interessant fand ich dabei die Erläuterungen zu den einzelnen Kulturen und den damit verbundenen Hintergründe, aber auch Aspekt mit der nicht so einfachen Integration von Flüchtlingen. Amanda, die Hauptprotagonistin, wurde sehr gut beschrieben und man konnte gut mit ihr mitfühlen.
Mein Fazit:
Ein sehr interessant, aber auch sehr spannendes und mitreißendes Buch mit einem brandaktuellem Thema. Ich vergebe dafür 4 Sterne sowie eine klare Leseempfehlung. - Shadi Bartsch
Ideology in Cold Blood: A Reading of Lucan's Civil War
(1)Aktuelle Rezension von: AdmiralVon Lucan wissen wir heute fast nichts und von Lucan haben wir heute auch fast nichts (mehr). Nur dieses eine Epos haben wir von ihm: "Bellum Civile" in 10 Büchern.
Falls Ihr mal in die Verlegenheit kommen solltet, in Lucans "Bürgerkrieg" reinzulesen, werdet ihr schnell merken, dass vieles an diesem Epos ungewöhnlich ist. Aber da uns einfach unglaublich viel vom Kontext und vom Hintergrund fehlt, kann auch unglaublich viel in das Werk hineininterpretiert werden.
Und einer dieser Versuche, den "Bürgerkrieg" zu verstehen ist eben dieses Bemerkenswerte Buch von Shadi Bartsch "Ideology in cold blood: a reading of Lucan's Civil War" (1997). Der Titel ist hier gewissermaßen Programm. Denn das Buch soll wohl dazu verleiten, dass wir nach dieser Lektüre NOCHMAL bei Lucan reinlesen und eben die Aspekte, die Bartsch hier anspricht, mit im Hinterkopf behalten. Bartsch präsentiert jedoch keine umfassende Interpretation oder gar Analyse von Lucan, sondern präsentiert uns vielmehr in 5 Kapiteln 5 Gedankengänge, die sie scheinbar zum Werk gehabt hat.
Ihre interpretatorischen Gedankengänge sind durch ziemlich interessant. Ihr erstes Thema ("ONE. The Subject under Siege", S. 10-47) ist das unklare Verhältnis von Objekten zu Subjekten im Werk Lucans. In zahlreichen Beispielen zeigt sie, dass Lucan das Subjekt als Person auflöst. Dieses Auflösen beinhaltet jedoch nicht nur das sprachliche Vertauschen oder inhaltliche Unklarmachen von Objekt uns Subjekt einer Handlung (was an sich schon interessant genug ist), sondern Lucan stellt die blosse Existenz des persönlichen Subjekts durch das Zerstören des menschlichen Körpers auf grausamste Arten in Frage. Sprachlich und inhaltlich passe das zum Thema: denn beim Bürgerkrieg zerfleischt sich das Subjekt des römischen Staates ebenfalls selbst.
Diese Übertragung des Widerspruchs in sich beim Ereignis des Bürgerkriegs in die sprachliche und inhaltliche Form des Epos untersucht Bartsch auch noch im 2. Kapitel ("TWO. Paradox, Doubling, and Despair", S. 48-72), wo Bartsch aufzeigt, dass Lucan sein Gedicht mit zahlreichen Paradoxa anreicherte (Verschonung = Strafe zB) und dadurch einfaches und logisches Verständnis von Vorneherein parasitär unterminiert. Und all diese Widersprüche kulminieren in einer Person: Pompeius ("THREE. Pompey as Pivot", S. 73-100). Er ist nicht besser als sein dämonischer Gegner Caesar und doch erhält er die Sympathiebekundungen des Erzählera/Lucans (?). Lucan lässt sich an diesem Punkt durchschimmern, indem er mit zahlreichen Apostrophen Farbe bekennt. Doch macht Lucan uns seinen Protagonisten Pompeius nicht gerade symathisch. Auch wenn wir als Leser Pompeius zu unserem Favoriten erklären, werden wir dennoch immer daran erinnert, dass Pompeius kein Held ist, sondern ebenfalls die Tyrannenherrschaft anstrebte.
Doch Bartsch lässt ihre Arbeit sich nicht in der blossen Untersuchung des Werkes erschöpfen, sondern stellt zahlreiche Bezüge zur Neuzeit her. Die Auflösung des persönlichen Subjekts kommt aus dem Ereignis des Kriegs an sich und zieht zum Vergleich dafür eine Untersuchung der Effekte des Vietnamskriegs heran (S. 44f.).
Zur Erforschung des Verhältnisses von zynischer Distanz und intensiver Involvierung zieht Bartsch das philospohische Werk "Contingency, Irony, and Solidarity" von Rorty (1989) heran ("FOUR. The Will to Believe", S. 101-130).
Das paradoxe Sprachgefüge und die Vermung von Subjekt und Objekt führt Bartsch auf das brutale Grauen des Bürgerkriegs zurück - und vergleicht des mit Nazideutschland und dem Holocaust (S. 66-72).
Das Buch ist an sich nicht sonderlich lang oder groß. Es hat etwa 220 Seiten, von denen jedoch etwas mehr als 20 die Bibliographie und der Index sind. Von den restlichen 200 Seiten sind allein 50 die angehängten Fussnoten. Die Arbeit war also wohl recht umfassend, die Bartsch in dieses Buch steckte. Es ist tatsächlich vielmehr eine umfassende und echt große Interpretation, bei der einzelne Aspekte in der Vordergrund gerückt wurden und keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. In ihrer Methodik und Vorgehensweise ist das Buch äußerst interessant und zeigt, wie viel wir aus dem einen Epos (obwohl wir zum Kontext und zum Autor fast kein Wissen mehr haben) herauslesen KANN. Vieles ist spekulative Interpretation, doch dadurch keinesfalls weniger bemerkenswert. Tatsächlich bin ich selbst mir nicht sicher, ob die Interpretation in diesem Fall nicht zu weit ins Spekulative hineingeht. Bartsch setzt so eine allesumfassende Komposition voraus und scheint hinter allem eine vom Autor intendierte Absicht zu sehen. Doch die Tatsache, dass Lucan viel jünger war, viel weniger Zeit hatte (als zB Vergil oder Ovid) und das Werk auch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Schreibprozess unterbrechen musste, macht es mir schwer glaubhaft, dass Lucan alles geplant haben soll.
ABER. Allein schon die interessante Herangehenswiese Bartsch hat mir die Autorin selbst interessant gemacht. Auch wenn meine Sympathie für Lucan und sein Werk nur ein wenig stieg, werde ich mir die Autorin dieser Interpretation merken und evtl. mal eine andere Arbeit von ihr lesen.
Ich muss aber auch ehrlicherweise eingestehen, dass mir ihr Englisch etwas schwer viel und ich evtl. nicht jede Nuance richtig verstanden habe und mir evtl. einzelne Gedankengänge nicht klar wurden. - Ilija Trojanow
Macht und Widerstand
(18)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerINHALT: Der Roman spielt in Bulgarien zur Zeit des Kalten Krieges und den Jahren nach der Wende, und Metodi Popow und Konstantin Scheitanow sind die gegensätzlichen Pole um die sich die Geschichte dreht. Popow, ein Lebemann und erfolgreicher Offizier der Staatssicherheit mit engen Beziehungen zur Regierung, und auch nach 1990 noch eine feste Größe im Staatsapparat; Scheitanow dagegen ein Querulant, der der Stasi schon zu Schulzeiten auffällt und sein Leben Kampf widmet, ein Dorn im Fleisch, einer, der nie locker lässt.
Beide kommen aus derselben Stadt, sind ungefähr im gleichen Alter und geraten ihr Leben lang aneinander, als ob sie zur Symbiose bestimmt seien. Während Popow sich im Wohlwollen der Obrigkeiten sonnt, durchlebt Scheitanow alle Höllen in den bulgarischen Gefängnissen und Arbeitslagern. Nach seiner Rehabilitierung und dem Fall des Eisernen Vorhangs sucht er in den Akten nach Hinweisen: Wer hat ihn bespitzelt? Wer waren seine Freunde, wer seine Verräter? Doch es bleibt ein Kampf, denn die Mächtigen von damals sitzen auch heute noch am längeren Hebel.
FORM: Die zahlreichen Kapitel springen abwechselnd zwischen den Perspektiven Popows und Scheitanows hin und her, die aus heutiger Sicht die Ereignisse von damals schildern. Popows Sprache ist die eines gutmütigen Onkels, bauernschlau, hemdsärmelig und lebensbejahend. Scheitanow dagegen spricht ohne Humor, voller Bitterkeit und Sarkasmus.
Unterbrochen wird dieses Erinnerungspingpong zum einen durch Auszüge aus den Akten Scheitanows und zum anderen – und das ist stilistisch der größte Kniff des Romans – durch Wortmeldungen der vergangenen Jahre. Trojanow hat versucht, jedem Jahr einen Charakter, eine Stimme zu verleihen. 1958 spricht anders als 1990 oder 2007; die Themen sind andere, so auch die Zuhörer.
Auch außerhalb der eigentlichen Geschichte kann der Roman viel zur Erweiterung des Horizonts beitragen. Zum Beispiel schreibt Trojanow den Fund des Thrakischen Goldes seinen Figuren zu, und auch über Kyrill und Method wusste ich vor der Lektüre nichts. Ganz abgesehen von der jüngeren bulgarischen Geschichte, ein Land, gar nicht weit weg und doch so fern, das wohl noch so einiges aufzuarbeiten hat.
FAZIT: Mir ist bei der Lektüre etwas ganz merkwürdiges passiert: Mir war der Protagonist unsympathisch und der Antagonist sympathisch! Das geht doch so nicht! Was ist denn hier los? Aber es geht. Und es ist wohl auch nicht ganz ungewollt. Durch diese Verdrehung umgeht Trojanow geschickt die Klischees von Gut und Böse.
Ich hatte die große Befürchtung, auch MACHT UND WIDERSTAND sei in dieser für politische Romane typischen Nüchternheit und Humorlosigkeit geschrieben, was sich aber dankenswerter Weise nicht bestätigte. Im Gegenteil: Zwischendurch musste ich sogar laut lachen. (Popows siebzigster Geburtstag oder die Frage, wer denn das KOMMUNISTISCHE MANIFEST geschrieben habe sind großartig humorvolle Szenen.) Ganz klare Abstriche muss ich jedoch bei den Dialogen machen, die mir oft sehr gestelzt und zähflüssig vorkamen. Ansonsten kann ich sagen: Ein wichtiges Buch – vier Sterne.
*** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***






















