Bücher mit dem Tag "inzest"
80 Bücher
- Sebastian Fitzek
Passagier 23
(3.133)Aktuelle Rezension von: NessajaPassagier 23
Es ist bekannt, dass eine Kreuzfahrt ein beliebtes Selbstmordszenario ist. Immer wieder verschwinden Passagiere. Für sie gibt es sogar einen Namen. Aber schwieriger für das Kreuzfahrtunternehmen ist es noch, wenn so ein Passagier 23 plötzlich wieder auftaucht….
Geschrieben wurde das Buch von Sebastian Fitzek, Deutschlands erfolgreichstem Autor im Genre Psychothriller. Das ist das zweite Buch, das ich von ihm gelesen habe. Mein Debüt war das Kalendermädchen.
Erschienen ist das Buch bei Knaur. Es umfasst 426 Seiten und ist eingeteilt in 76 kurze Kapitel.
Also, ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin froh, dass ich keine Kreuzfahrt gebucht habe. Zur Einstimmung auf einen solchen Urlaub ist das Buch eher ungeeignet. Wie bei dem Kalendermädchen hat mir auch hier wieder die klare schnörkellose Erzählweise sehr gut gefallen. Ich fand das Buch sehr unanstrengend zu lesen. Auch hier war ich wieder gefesselt und schnell durch, weil ich es kaum aus der Hand legen wollte. Das Setting war natürlich ein ganz anderes, aber nicht weniger überzeugend beschrieben. Die kurzen Kapitel finde ich einfach perfekt.
Das wird ganz sicher nicht mein letzter Fitzek gewesen sein. Er kann es einfach !
- Gabriel García Márquez
Hundert Jahre Einsamkeit
(576)Aktuelle Rezension von: julzpaperheartDer Roman erzählt die Geschichte der Familie Buendía über mehrere Generationen hinweg im Ort Macondo. Realität und Fantasie gehen dabei ständig ineinander über, wodurch eine sehr eigene, fast schon entrückte Welt entsteht.
Der Einstieg war für mich eher schwierig. Viele Figuren, ähnliche Namen und schnelle Wechsel innerhalb der Handlung haben es unübersichtlich gemacht. Auch im weiteren Verlauf bleibt das Buch fordernd und verlangt viel Aufmerksamkeit.
Mit dem Schreibstil bin ich nicht wirklich warm geworden. Die Erzählweise wirkt oft sehr dicht und gleichzeitig sprunghaft, wodurch für mich wenig Lesefluss entstanden ist. Dadurch fiel es mir schwer, wirklich in die Geschichte einzutauchen.
Inhaltlich steckt viel in dem Roman, vor allem in Bezug auf Familie, Wiederholungen und Einsamkeit. Allerdings blieb vieles für mich eher schwer greifbar und hat mich emotional nicht wirklich erreicht.
Insgesamt ein literarisch besonderer Klassiker, der viele interessante Ansätze hat, mich aber weder sprachlich noch inhaltlich richtig überzeugen konnte.
- Max Frisch
Homo faber
(3.291)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Handlung steht der Ingenieur und überzeugter Rationalist Walter Faber, der auf einer Reise eine Kette von unwahrscheinlichen Zufällen durchlebt, die ihn in eine persönliche Katastrophe stürzen, seine gesamte Weltsicht zum Einsturz bringen und ihn mit seiner eigenen Vergangenheit konfrontieren. Die stille Handlung ist geprägt von einer vielschichtigen Erzählstruktur voller Rückblenden, Reflexionen, Perspektivwechsel und teilweise überbordender Symbolik und Subtext, was an einigen Stellen ein wenig zäh wirkt.
Walter/Homo Faber steht im Mittelpunkt der Handlung, aus dessen Perspektive die Geschichte erzählt wird und wird eher sachlich, kühl und distanziert dargestellt. Relevante Nebenfiguren wie Sabeth oder Hanna bilden einen gekonnt maximalen Kontrast zu Walter, was stark zur Symbolik des Buches beiträgt.
Wer psychologische Figurenstudien und innere Konflikte im Mittelpunkt einer Geschichte mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist nüchtern, analytisch und die kurzen Sätze sind ein großes Merkmal der Geschichte.
Einziger Minuspunkt: Der teilweise überbordende Subtext wirkt an einigen Stellen sehr zäh und mindert den Lesespaß ein wenig.
Insgesamt kann ich das Buch empfehlen. - Simon Beckett
Der Hof
(699)Aktuelle Rezension von: Julia_TaubDas Buch war so spannend das meine Fragen die sich im laufe der Geschichte aufgekommen sind, erst auf der letzten Seite komplett beantwortet wurde. Das finde ich an einem Thriller richtig gut, das dadurch die Spannung aufrecht erhalten wird und ich mir einen Teil der Geschichte erst im Kopf zusammenstellen kann und am Ende herauszufinden ob es stimmt oder komplett was anderes ist. Der Schreibstil ist unglaublich gut gehalten worden, ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen.
- John Irving
Das Hotel New Hampshire
(746)Aktuelle Rezension von: ReadingWitchRezension "Das Hotel New Hampshire"
Zum Abitur schenkten mir meine Eltern nicht etwa ein Laptop oder gar ein Auto, wie es andere bekamen. Nein sie schenkten mir die Sammlung klassischer Literatur des 20sten Jahrhunderts zusammengestellt von der Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Nun gut, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul. Es handelt sich dabei um 100 ausgewählte Romane der Weltliteratur. Hin und wieder hole ich eines davon aus dem Regal und beginne zu lesen.
So kam ich zum Roman "Das Hotel New Hampshire" von John Irving. Der Autor erzählt die Geschichte der Familie Berry, die etwa 1940 mit dem Kennenlernen der Protagonisten Mary und Winslow (Win) Berry beginnt und in den 1970er Jahren endet. Hauptthema ist dabei das Leben der fünf Kinder, Frank, Franny, John, Lilly und dem Jüngsten, Egg, im Schatten der Träume des Vaters. John nimmt die Rolle des Beobachters und Erzählers ein. Aus seiner Perspektive berichtet er zunächst über die erste Begegnung seiner Eltern während eines Ferienjobs im Hotel Arbuthnot im Sommer 1939. Eine Attraktion dieses Hotels ist der Bär State o` Maine, welcher dem österreichischen Juden Freud gehört. Freud macht diesen Bären Winslow Berry zum Geschenk und besteht darauf, dass die zwei Verliebten so schnell wie möglich heiraten. Mit den Auftritten des Bärs finanziert sich Winslow sein Studium und nach der Heirat bekommen er und Mary kurz nach einander ihre Kinder.
Wins Traum ist es ein eigenes Hotel zu führen. Die erste Chance bietet sich ihm, als die Schule an der er nach seinem Studium als Lehrer arbeitet, schließt. Dort eröffnet die Familie ihr erstes Hotel. Diesem werden noch einige weitere folgen. Dabei lässt Irving seine Charaktere vieles durchmachen. Franny fällt einer Gruppenvergewaltigung zum Opfer, bei Lilly wird Kleinwüchsigkeit festgestellt, Frank kämpft mit seiner Homosexualität und Win muss den Tod seiner Frau und seines Jüngsten verkraften.
Es ist eine nicht vorhersehbare Geschichte, in einen interessanten Sprachstil gehalten, in dem mitten im Plot Rückblenden verpackt werden, die nichts mit dem aktuell Erzählten zu tun haben, ohne dass es deplatziert wirkt. Für meinen Geschmack allerdings ist der Autor an manchen Stellen zu detailversessen und in seiner Ausdrucksweise zu vulgär und an anderen Stellen ist die Erzählweise einfach langweilig und langatmig.
Zu Beginn sind die Charaktere tiefgründig und vielschichtig gezeichnet, und ihre Entwicklung im Laufe der Handlung ist bemerkenswert. Doch nach kurzer Zeit überzeichnet der Autor seine Figuren und die Handlung enorm. Ihm gelingt es meisterhaft, die Dynamik und die Beziehungen innerhalb der Familie darzustellen, wobei er sowohl die humorvollen als auch die tragischen Aspekte des Familienlebens einfängt. Was allerdings auffällt, ist das Trauer und Schmerz in dieser Familie nie wirklich ausgesprochen werden. Einzelne Familienmitglieder überstehen folgenschwere Schicksalsschläge, scheinen aber keine nennenswerte psychische Belastung zu verspüren.
Die Handlung ist voller unerwarteter Wendungen und überraschender Ereignisse, aber ohne jegliche Spannung. Die Geschichte plätschert so dahin zwischen skurrilen Personen und absurden Situationen, ohne dass für den Leser ein richtiger Plot ersichtlich wäre. Irving kreiert eine einzigartige Atmosphäre, die sehr mitreißen hätte sein können, aber kurz bevor die Aufregung kommt, wird eine vollkommen verrückte Szene eingeschoben. Beim Humor gab es tatsächlich ein paar Höhepunkte, die mich zum lauten Auflachen brachten, aber diese Augenblicke sind zu selten. Viel auffälliger waren hier die ständigen Wiederholungen gewisser Sätze, wie: "Kummer schwimmt obenauf." und "Bleib weg von offenen Fenstern!".
"Das Hotel New Hampshire" war mein erster Roman von John Irving und nach dem Lesen habe ich mich gefragt, was ich im Text übersehen oder nicht begriffen hab. Den ganzen positiven Kritiken und Rezensionen kann ich mich mit meiner Einschätzung nicht anschließen. Dieser Autor hat einen eigenen unverkennbaren Schreibstil, mit dem er Szenen gut erfasst und anschließend mit ordinären Extremen zerreißt. In meiner Einschätzung kann ich mich nicht so recht entscheiden, ob in diesem Roman "dem amerikanischen Traum" gehuldigt werden soll oder ob es eine satirische Überzeichnung amerikanischer Vorstellungen ist. Schmerz und Verlust werden ignoriert und es wird weiter gemacht, bis man umfällt. Vielleicht war dieses Buch zum Einstieg in Irvings Welt unglücklich gewählt, aber von mir gibt es dafür keine Leseempfehlung.
https://www.readingwitch.com/post/das-hotel-new-hampshire
- Robert Musil
Der Mann ohne Eigenschaften
(113)Aktuelle Rezension von: sarahsdepartmentMusil verliert sich immer wieder in endlose Innere Monologe seines Hauptcharakters. Insgesamt passiert wirklich wenig und trotzdem ist es schwer zu folgen. Ich musste abbrechen. Habe es bis zur Mitte des dritten Teils geschafft. Die Beziehung zur Schwester ist äußerst fragwürdig und es gibt keine sympathischen Charaktere. Dieser 1400 Wörter Wälzer erfordert viel Durchhaltevermögen. Kann ich trotz des Stempels "Weltliteratur" leider nicht empfehlen.
- Jeffrey Eugenides
Middlesex
(521)Aktuelle Rezension von: DeboKIn Middlesex begleiten wir Cal, der als Calliope geboren wird und in einer griechisch-amerikanischen Familie in Detroit aufwächst. Die Erzählung verknüpft die Flucht der Großeltern aus Kleinasien, das harte Leben als Einwanderer in den USA und Cals eigene Jugend. Themen wie Herkunft, Migration und das Aufwachsen zwischen zwei Kulturen greifen dabei direkt in die Suche nach der eigenen Geschlechtsidentität über.
Der Roman ist dicht, detailreich und voller Atmosphäre. Die Familiengeschichte nimmt viel Raum ein, manchmal vielleicht etwas zu ausführlich, doch genau diese Fülle macht die Figuren und ihre Schicksale so greifbar. Cals Stimme ist nah, offen und klar, und gerade dadurch wird die Verbindung von Privatem und Gesellschaftlichem so stark spürbar.
Fazit:
Eine vielschichtige, intensive Geschichte über Zugehörigkeit, Veränderung und Identität. Kleine Längen gibt es, aber sie ändern nichts daran, dass dieser Roman lange nachklingt. 4,5 Sterne. - Tabitha Suzuma
Forbidden
(864)Aktuelle Rezension von: Bookworm_99Der Einstieg ist mir unglaublich schwer gefallen und ich hab mehrfach mit dem Gedanken gepielt das Buch anzubrechen. Leider konnte mich die Geschichte bis zum Schluss so gar nicht überzeugen.
Ich mag ja das Trope stepbrother x stepsister ganz gerne aber Bruder und Schwester geht mir dann doch etwas zu weit. Das Thema Inzucht hätte meiner Meinung nach etwas besser bzw. anders thematisiert werden können in der Geschichte, vor allem was den Schluss betrifft.
Auch die beiden Hauptcharaltere Lochan und Maya waren so gar nicht mein Fall. Beide waren so unnahbar, irgendwie oberflächlich und ich bin überhaupt nicht warm geworden mit ihnen. Sie waren mir einfach null sympathisch und die chemie zwischen den beiden war auch nicht wirklich vorhanden.
- Monika Feth
Der Bilderwächter
(223)Aktuelle Rezension von: Lady_CassiopeiaDer Bildwächter von Monika Feth hat mich dieses Mal wirklich überrascht. Ich hatte zwei Figuren als Täter im Verdacht und beide entpuppten sich am Ende als unschuldig. Zum ersten Mal seit Langem hat mich ein Krimi so bis zum Schluss im Unklaren gelassen, wer hinter den Taten steckt. Das war nicht nur spannend, sondern tatsächlich gut geschrieben. Die Autorin schafft es erneut, Charaktere zu entwerfen, die man wirklich verachten möchte. Und das auf eine Weise, die menschlich nachvollziehbar bleibt.
Ein kleiner, aber für mich spürbarer Kritikpunkt ist allerdings die Häufung von gefährlichen Situationen: Es wirkt irgendwann fast so, als würden sich die Figuren mit sportlicher Hingabe in die riskantesten Lagen stürzen. Dass Menschen, die Schlimmes erlebt haben, am Ende vorsichtiger oder zumindest reflektierter handeln sollte doch bewusst sein. Traumatische Erfahrungen können zu erhöhter Wachsamkeit oder Vermeidung gefährlicher Konstellationen führen, weil das Nervensystem sozusagen auf „Alarm“ gestellt bleibt. Die wiederholte, fast beiläufige Gefährdung aller Figuren wirkt dadurch an manchen Stellen unglaubwürdig.
Das schmälert den Lesespaß zwar nur wenig, aber in einer ansonsten so gut konstruierten Geschichte fällt es einfach auf. Vielleicht ist es der dramatische Effekt, der hier regiert und tatsächlich funktioniert dieser Mechanismus ja, um Spannung zu erzeugen. Trotzdem hätte eine etwas dosiertere, psychologisch stimmigere Gefährdungslogik der Handlung noch mehr Gewicht verliehen.
Über die gesamte Reihe hinweg ist mir inzwischen eine gewisse Liebe zu Brötchen aufgefallen. Ja, Brötchen.
Eckdaten zum Buch:
Titel: Der BildwächterAutor: Monika Feth
Verlag: cbt
Erscheinungsjahr: November 2013
Seitenzahl: 480
Genre: KrimiSprache: Deutsch
Meine Bewertung: 4/5 Sterne
Preis: 3 € (gebraucht)
- J. R. R. Tolkien
Die Kinder Húrins
(229)Aktuelle Rezension von: RaidenEine sehr schöne Überarbeitung und Interpretation eines Abschnitts des Silmarillions von Christopher Tolkien mit wundervollen Illustrationen.
Vor allem durch das Vor- und Nachwort erhält das buch eine schöne Tiefe.
- Jana Frey
Der Kuss meiner Schwester
(216)Aktuelle Rezension von: Trishen77"Denn man verliebt sich nicht in eine Idee von Liebe - man verliebt sich in einen anderen Menschen."
Jean Cocteau
Es ist schwer in Liebe oder Sexualität über Grenzen zu reden (solange niemand zu etwas gezwungen wird, das er nicht will - das als ganz klare Einschränkung!). Falsch und richtig orientieren sich hier ansonsten (wie so oft) nach der größtmöglichen Einheit, also: desto mehr Leute etwas falsch finden, umso mehr wird es als falsch angesehen. Wenn es allerdings zu solch heiklen Themen wie Inzest oder auch z.B. einer Beziehung im Abhängigkeitsverhältnis kommt, betritt man eine Grauzone; moralische Komponenten haben hier ebenso wenig einen festen Standpunkt wie die verbotene Liebe selbst.
Es gibt hier bereist vielerlei Rezensionen und ich habe sowohl positive als auch negative gelesen, die mir sehr gut gefallen haben. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie man darstellen kann, warum dieses Buch wichtig ist und weshalb es trotzdem keineswegs eine ideale Lektüre ist, wenn man will, dass das Thema wirklich als sozial-moralische Schwierigkeit, als ein Konflikt, in den Blickpunkt gerückt wird.
Fangen wir so an: Es ist eine Tatsache, dass Liebe (primär in der Pubertät) oft einer sehr indifferenten Wahrnehmung gleicht - oder, um es platter zu sagen: einem Rausch, zumindest am Anfang, in der Verliebtheit. Erste Liebe und erste Sexualität mit einem anderen Mensche, dass sind meist, bis sie geschehen, Dinge solcher Unermesslichkeit, dass ihr Eintreten in das Leben einer solch wesentlichen Erfahrung gleicht, dass sie kurzzeitig alles zu überschatten weiß - ich würde behaupten, dass fast niemand in seiner ersten pubertären Liebe in allen Bereichen rational bleibt.
Jetzt stelle man sich vor, dass man sich auch noch in einen Menschen verliebt, der für einen wirklich unerreichbar und einem doch gleichsam unglaublich nah ist; wo also die Möglichkeit, das Verlangen und die Zuneigung zu leben, nicht durch den Schritt blockiert wird, den man auf jemanden zu tun muss, sondern in der Haltung, dem Gedanken liegt, die dieser Schritt ausdrücken würde. Liebe zeigt uns immer wieder die zärtlichsten Seiten unserse Wesen, aber sie beweist auch immer wieder, dass Menschen keine vollständig empirischen Lebewesen sind, sondern auch radikale (radikal ist hier in Verwandtschaft zu unüberlegt, unvorhergesehen, unvernünftig, widersinnig, leidenschaftlich etc. zu verstehen) und unwägbare Neigungen haben und sich vor allen Dingen selbst nicht bis ins letzte so definieren können, dass alles in ihren Empfindungen und Handlungen einer stets stabilen Logik unterworfen ist. Gerade jugendliche Liebe zieht ja auch ihre Magie weniger aus der Reflexion als aus der Erfahrung.
In einigen Rezensionen (so auch der wirklich hervorragenden Rezension von "Andreas") wurde bemängelt, dass die beiden Protagonisten sich nicht richtig mit ihren Verfehlungen auseinandersetzen und das zu wenig kritisch hinterfragt würde. Daran mögen sich die Geister scheiden, zumal es ja ein Jugendbuch ist und keine Abhandlung oder ein psychologischer Roman.
Ich persönlich finde, dass Jana Frey letztlich zu Recht der sicherlich ebenfalls sehr interessanten psychologischen Variante, eine menschlichere vorgezogen hat. Ihre Protagonisten sind beide 16, Zwillinge und dementsprechend hat sie ihr Buch geschrieben, was natürlich zu einigen Kopfschüttelmomenten, manchmal zur Fassungs- und Ungläubigkeit führen mag, aber nur wenn man sich über die beiden Figuren aufschwingt und nicht stattdessen versucht, sie zu verstehen.
Eine Geschichte, dass ist meine feste Überzeugung, muss so erzählt werden, wie sie erzählt werden muss. Man kann natürlich sagen: Nein, ich baue keine Sexszenen ein, nein, ich werfe die beiden nicht ständig in ihren Gefühlen und Befindlichkeiten hin und her, nein, ich möchte es nicht so gewöhnlich jugendlich halten - oder man schreibt die Geschichte auf, wie es ihre innere Konsequenz verlangt. Das hat Jana Frey meiner Meinung nach getan und zwar nach Art eines, zugegebenermaßen gewöhnlichen, Jugendromans, dessen Struktur nach Monatskapiteln (auch da stimme ich vollkommen einigen Rezensenten zu) ich ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig finde und deren Figuren mehr auf Basis ihrer Gefühle zueinander, als auf ausgeprägter Rollenbasis, agieren.
Nichtsdestotrotz hat mich die Intensität des Buches beeindruckt. Vor allem wie geschickt Jana Frey das Voyeuristische in dem Gefühlschaos der beiden Geschwister auflöst und trotzdem kein wirkliches Blatt vor den Mund nimmt. Sie hat den Mut, von Liebe zu reden, von Sex und Schönheit und ihre Figuren dem Alter gemäß mit diesem Thema umgehen zu lassen. Manches mal ist es gewiss trotzdem unmöglich die Zerrissenheit der beiden noch auf sich wirken zu lassen, weil man doch in die Rolle des beobachtenden und urteilenden Lesers gedrängt wird, einfach aus Gewohnheit. Wichtig bleibt (um es noch einmal zu sagen), dass man versucht das Buch eben nicht als eine Konfliktsituation oder einen Problemfall betrachtet, sondern als eine Geschichte, wie sie auch das Leben in seiner verwirrenden Exklusivität hätte schreiben können.
Und Geschichten sind keine Fälle, es sind Geschichten und was man mit den Komponenten einer Geschichte tut, ist die eigene Sache. Eine Geschichte kann keine Wertung sein, sie hat keine festgelegte Aussage, die Aussage entsteht beim Leser, ihre Wirkung kennt nur das, worauf wir uns einlassen. Und das macht Geschichten so wertvoll. Denn durch diese Eigenschaft können sie auch ganz unverstellt auf uns wirken. Und am Ende können wir mehr aus Geschichten lernen, als wir jemals aus Systemen lernen werden, auch wenn es nie etwas Definitives sein wird - oder wie es Karl Jaspers einmal so schön formulierte: "Wir werden stets mehr aus Fragen lernen, als aus Antworten, denn die Frage ist das Öffnen und die Antwort stets bloß der Schluss." - Yrsa Sigurdardottir
DNA
(357)Aktuelle Rezension von: Mia80„DNA“ ist der erste Fall der Krimireihe um Kommissar Huldar und die Kinderpsychologin Freya. Schon im Prolog hatte Yrsa Sigurdardottir meine volle Aufmerksamkeit, denn eine Frau wird auf eine äußerst brutale Art mit einem Staubsauger ermordet. Das Szenario hat mich völlig schockiert, weil die Mordmethode jede Vorstellungskraft übersteigt. Auch die weiteren Todesfälle, zu denen es im Verlauf des Thrillers kommt, befinden sich auf einem ähnlich heftigen Niveau. Trotz der Brutalität ist „DNA“ grundsätzlich kein reißerischer Krimi. Abseits von den Mordfällen wird keine graphische Gewalt dargestellt, stattdessen wird die Ermittlungsarbeit der Polizei detailliert beschrieben. Der Fall ist eine harte Nuss. Als Leser hat man durch den Prolog eine Ahnung, was Ursache für die Verbrechen ist, aber wie genau alles zusammenhängt, hat sich erst auf den letzten Seiten entfaltet.
Ich fand den Thriller außerordentlich spannend mit einem originellen Plot. Die Idee, dass ein Amateurfunker geheime Botschaften erhält, fand ich sehr gelungen. Dadurch, dass eine wichtige Zeugin ein Kind ist, gewinnt die Geschichte zusätzlich an Emotionalität. Die Auflösung und die Enthüllung der menschlichen Fehlentscheidungen, die zu all dem geführt haben, sind erschütternd.
Das war ein sehr lesenswerter Thriller!
- Toni Morrison
Sehr blaue Augen
(97)Aktuelle Rezension von: WafaoooDieses Buch hat mich tief berührt – und oft sprachlos gemacht.
Die Geschichte zeigt aus der Perspektive eines Kindes, wie naiv und verletzlich junge Seelen sind. Es ist erschreckend zu sehen, wie sehr das Verhalten von Erwachsenen ihre Welt prägt – und wie wichtig ehrliche, offene Gespräche für Kinder sind.
Pecola, das Mädchen im Mittelpunkt der Geschichte, wünscht sich nichts sehnlicher als blaue Augen – für sie das Symbol von Schönheit und Anerkennung. Morrison deckt gnadenlos auf, wie Rassismus und unerreichbare Schönheitsideale zerstörerisch wirken können.
❗️Kein leichtes Buch: Es thematisiert sexuelle Gewalt, Diskriminierung und explizite Sprache – Themen, die dazu führten, dass es oft in den USA verbannt wurde. Doch gerade deshalb ist es ein so wichtiges Werk. Es macht deutlich, warum Aufklärung, Empathie und ein Umdenken in unserer Gesellschaft unverzichtbar sind.
- Monika Feth
Der Mädchenmaler
(1.031)Aktuelle Rezension von: Malka📖 Inhaltsangabe
In diesem zweiten Fall rund um Jette wird es persönlich und düster. Als ihre Freundin Ilka plötzlich spurlos verschwindet, tappt die Polizei im Dunkeln. Jette beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und stößt dabei auf ein verborgenes, dunkles Kapitel aus Ilkas Vergangenheit. Schritt für Schritt entwirrt sie ein Geflecht aus Lügen, Angst und verdrängten Wahrheiten. Die Spannung steigert sich kontinuierlich bis zu einem dramatischen Finale, das einige überraschende Wendungen bereithält.
✍️ Schreibstil
Monika Feth schreibt klar, atmosphärisch und sehr nah an ihren Figuren. Besonders gelungen ist die psychologische Tiefe: Die Emotionen und Zweifel von Jette sind authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Kurze Kapitel und Perspektivwechsel sorgen für Tempo und halten die Spannung hoch. Gleichzeitig bleibt genug Raum für zwischenmenschliche Momente, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht.
👍 Kritik
Der Thriller überzeugt mit einer dichten Atmosphäre und einer glaubwürdigen Protagonistin. Die Handlung ist gut konstruiert, und das Thema „Vergangenheit holt dich ein“ wird packend umgesetzt.
Einen Stern Abzug gibt es, weil einige Nebenfiguren etwas blass bleiben und erfahrene Thriller-Leser manche Entwicklungen eventuell früh erahnen können. Zudem zieht sich die Handlung im Mittelteil minimal.
🏁 Fazit
Ein spannender Jugendthriller mit psychologischem Tiefgang und einer starken Hauptfigur. Der Mädchenmaler fesselt von der ersten bis zur letzten Seite und bietet Nervenkitzel ohne auf reine Effekthascherei zu setzen. Für Fans atmosphärischer Thriller definitiv empfehlenswert. ⭐⭐⭐⭐
- Diane Setterfield
Die dreizehnte Geschichte
(305)Aktuelle Rezension von: FrieZwei Frauen und eine spannende Geschichte mit einigen Fragezeichen über Zwillinge und das besondereBandzwischen ihnen. Vida Winter, Englands berühmte Schriftstellerin, beauftragt Margaret Lea, ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben. Da spielen mehrere Generationen eine Rolle und geht es ein bisschen zu wie bei DuMauriers Rebekka. Der Familiensitz der Angelfields ist Schauplatz der Geschichte und wird in deren Verlauf dem gleichen Verfall unterliegen, wie die Familie. Winter, die bisher immer ihre Geschichte mit blühender Phantasie 'entworfen' hatte, verspricht, die Wahrheit zu erzählen. Aber tut sie das?
Margaret Lea nähert sich beim Zuhören und Notizen machen ihrer eigenen Geschichte an. Wie bei Winter spielt ein zentraler Verlust eine große Rolle. Ist Heilung möglich?
Setterfield hat einen düsteren Roman über zwei dysfunktionale Familien geschrieben. Bei Winter sind die Familienmitglieder noch ein paar Zacken mehr neben der Spur. Trotzdem, ich habe den Protagonisten ihre Rolle abgenommen. Die Kapitel sind nicht alle gleich stark, aber über alles war ich gefesselt und habe es schnell gelesen. Dieses Buch werde ich rgendwann wieder lesen müssen, da ich das Gefühl habe, dass mir zwischen den Zeilen etwas entgangen ist.
Ich fühlte mich gut unterhalten und gebe 4 Sterne. - Andrea Maria Schenkel
Tannöd
(824)Aktuelle Rezension von: XirxeDie Bewohner eines Einödhofes werden tot aufgefunden, selbst vor den zwei- und achtjährigen Kindern und der Magd, die erst am Tag zuvor ihren Dienst antrat, machte der Mörder keinen Halt. Auf ungewöhnliche Art und Weise nähert sich der Krimi den Geschehnissen: Ein früherer, zeitweiliger Bewohner des Dorfes kehrt zurück und ihm, 'einem Fremden und doch Vertrauten', erzählen die Bewohner ihre Gedanken, Vermutungen, ihre Sicht der Ereignisse. Nachbarn, Bekannte, Freunde usw. kommen zu Wort, und so kristallisiert sich nach und nach das Bild einer Familie heraus, die manches zu verbergen hatte. Zwischen diesen Berichten fließen immer wieder die Beschreibungen ein, was genau kurz vor dem Tode der einzelnen Bewohner geschah, so dass man sich Schritt um Schritt der eigentlichen Tat nähert. Das Ganze ist eher eine Reportage als ein herkömmlicher Kriminalroman: Der Ton ist knapp und karg - entsprechend den Personen, meist bäuerlicher Herkunft, deren Sichtweise gerade vermittelt wird. Dennoch ist es spannend wie ein Krimi, der einen mit seiner düsteren Atmosphäre, die diese Gegend umgibt, voll und ganz gefangennimmt. Ungewöhnlich - aber gut!
- Miranda Beverly-Whittemore
Bittersweet
(154)Aktuelle Rezension von: dodo2025Eine perfekte Familie. Zu viele perfekte Lügen.
Buchrückseite: Als Mabel von ihrer weltgewandten Zimmergenossin Ev eingeladen wird, den Sommer mit ihr auf dem Landsitz ihrer Familie in Vermont zu verbringen, glaubt sie sich im Paradies: lange Tage am See, Segeltörns, ein Feuerwerk am Sternenhimmel - und die erste Liebe. Doch auf die flirrenden Tage fällt ein Schatten, als Mabel eine schreckliche Entdeckung macht und sich entscheiden muss, ob sie aus dem Paradies vertrieben werden will - oder die dunklen Geheimnisse der Familie bewahrt, um endlich eine der ihren zu werden.
Meine Meinung:
Interessanter Roman, teilweise spannend und leicht krimimäßig, was nicht so meins ist, aber auch leicht zu lesen.
- Ian McEwan
Der Zementgarten
(424)Aktuelle Rezension von: Hubertus_FeldmannIch habe inzwischen so einiges von dem britischen Schriftsteller Ian McEwan gelesen. Doch was hier unter dem Titel „Der Zementgarten“ zusammengefasst präsentiert wird, ist in großen Teilen makaber bis unappetitlich. Zwar könnte der Roman gerade noch so unter der Rubrik „Frühwerk“ (erschienen 1978) und daher als Übungsfeld des Autors bezeichnet werden. Doch muss alles, was gedacht werden kann, auch tatsächlich verschriftlicht werden? Oder sollte es nicht eher als Schreibübung oder Expansionsversuch der eigenen geistigen Möglichkeiten, der eigenen Fantasie in der Schublade verbleiben, damit der zunächst geneigte Leser, sich nicht grundsätzlich oder zumindest vorübergehend von dem Autor abwendet? Offensichtlich nicht, denn immerhin ist dieser Roman 1992 verfilmt worden. Insofern gilt wohl nach wie vor: Sobald sich die Nackenhaare sträuben können, ein Schauer der Abgrenzung (zum Glück bin nicht so oder besser, oder ist es mir nicht passiert) archaische oder animalische Gefühle weckt, muss wohl von einem gewissen Sog solcher Themen ausgegangen werden.
Wer möchte schon wiederholt mit einem pubertierenden 15-jährigen Onanisten, mit sich selbst um „Unreinen“ befindlich konfrontiert werden: „Die Unmöglichkeit, etwas sicher zu wissen oder zu fühlen, erzeugten in mir einen starken Drang zu onanieren.“ Wir haben es also mit einem jungen Ich-Erzähler zu tun, der eine Familiengeschichte ausbreitet (Vater früh verstorben, Mutter folgt bald darauf), die zig Entwicklungsmöglichkeiten offeriert, hier allerdings in jugendlichem Handeln (es gibt noch eine um zwei Jahre ältere Schwester sowie zwei jüngere Geschwister) mündet, die es wohl manchem Leser schwer macht, „bei der Stange zu bleiben“ (um mich mal an einem Wortspiel zu versuchen …). Es hätte zahlreiche Geschichten hinter der Geschichte gegeben, aber hier wird der Leser auf seine eigenen Möglichkeiten zurückgeworfen, will er die Handlungen nicht nur als Unterhaltung verstehen. Schaudern und sich abwenden wäre die einfachste Form der Rezeption gewesen, wer in einem solchen Thema mehr zu finden sucht, wird sicher an anderer Stelle eher zufriedengestellt.
Zumal auch die deutsche Übersetzung etwas krankt. Auch wenn immer wieder von „Zement“ die Rede ist, so handelt es sich tatsächlich um schnöden Beton, der mit Sand, Wasser und eben Zement zu dem vermischt wird, was hier als tragende Rolle (bzw. hier wohl eher als verdeckende Rolle) ins Spiel gebracht wird. Auch die „Sonnenkrem“ oder kurz Krem wird nach wie vor eher als Sonnencreme oder Creme bezeichnet. Und wenn die Uhr gleich mehrfach gezogen wird, so ist das vielleicht lustig gemeint, aber auch irritierend: „Derek zog die Uhr und warf einen Blick darauf.“
Alles in allem hinterlässt dieser Roman einen eher faden Nachgeschmack, allerdings mit dem Nachteil, dass sich einige Szenen, wenn auch ungewollt, ins Neuronennetzwerk eingegraben haben dürften. Kurz: Thema garstig, schriftstellerische Aufarbeitung gelungen – falls …, aber hier würde ich mich nur wiederholen.
(18.3.2023)
- Sophokles
König Ödipus
(194)Aktuelle Rezension von: Sandrica89Die Geschichte von Ödipus kannte ich bisher nur oberflächlich. Gelesen habe ich es aber nicht, weswegen ich die Details nicht kannte. Deswegen wollte ich mich an das Drama wagen und verstehen, was nun hinter dem "Ödipus-Komplex" zu verstehen ist.
Der thembanische König Ödipus versucht seinem Schicksal zu entfliehen. Damals wurde er als Kind ausgesetzt und von Pflegeeltern grossgezogen. Allerdings wusste er das nicht. Als er das Orakel befragte, wie seine Zukunft aussieht, ist er geflohen, damit das Schicksal sich nicht bewahrheitet. In Theben befreite er die Menschen vor der Sphinx und durfte die Königin Iokaste heiraten. Nun geht die Pest in Theben um und sie wird erst verschwinden, wenn man den Mörder von Laios findet. Nicht einfach, da es schon Jahre her ist. Doch Ödipus will es herausfinden und befragt so viele wie möglich, ohne zu wissen, dass er gegen sein Schicksal bereits verloren hat.
Oh je, was für ein Schicksal. Die Geschichte an sich hat mir gut gefallen und ich fühlte mit Ödipus. Allerdings hatte ich richtig mühe, sie zu lesen. Natürlich basiert die Übersetzung des Originals, ist ja auch gut so. Aber für mich persönlich war es zu kompliziert und ich musste mich richtig konzentrieren, der Geschichte zu folgen. Ansonsten kann ich sagen, dass man dieses Werk sicherlich gelesen haben sollte. Ein griechischer Klassiker, der nicht ins Regal fehlen sollte.
- Marco Monetha
Eric
(73)Aktuelle Rezension von: Igelmanu66»Mein Name ist Eric Harmann. Ich bin sechsunddreißig Jahre alt, und ich habe heute meine Mutter verloren.
Nein, das stimmt nicht. Verloren habe ich sie nicht. Sie wurde mir genommen. Brutal aus meinem Leben gerissen. Das allein ist schon schlimm, aber unerträglich macht es die Tatsache, dass ich weiß, wer es getan hat.«In den meisten Thrillern sind die Rollen nach bekanntem Schema verteilt. Da gibt es auf der einen Seite den Bösen, der furchtbare Dinge tut, und auf der anderen Seite die Guten, die ihn zur Strecke bringen wollen. Das hat man oft gelesen, mit den Guten mitgefiebert und dem Bösen im günstigsten Fall etwas Verständnis entgegengebracht.
In diesem Buch ist das anders. Schon nach kurzer Zeit stellt man leicht irritiert fest, dass das gewohnte Schema nicht passt. Da geschehen abscheuliche Verbrechen und trotzdem wertet man nicht mit den gewohnten Maßstäben. Darf man Sympathie für Psychopathen empfinden? Es fühlt sich komisch an, ist aber sehr reizvoll. Und einfach gut gemacht!
Dem Thriller-Fan fehlt hier nichts. Der Schauplatz der Handlung ist eine Kleinstadt in Norddeutschland, ein friedlicher Ort, dessen Idylle erschüttert wird. Die Protagonisten sind wirklich ungewöhnliche und faszinierende Charaktere, denen man sich durch Schilderungen auf zwei Zeitebenen nähert. Die Spannung ist durchgehend sehr hoch, hält Überraschungen bereit und das prickelnd ungute Gefühl, auf einen Höhepunkt zuzusteuern, von dem man keine rechte Ahnung hat, wie er aussehen wird. Das Ende passt perfekt und entlockt noch auf der letzten Seite ein „Wow“-Gefühl. Es soll ja Leser geben, die schon mal ein paar Seiten vorblättern… Tut es hier auf keinen Fall! Lasst euch überraschen! Ich werde auch nicht mehr zur Handlung erzählen, fangt an zu lesen und schaut, was passiert!
Abraten möchte ich nur Lesern, die sehr sensibel und / oder moralisch besonders streng sind. Dieser Trip ist blutig und schwarz und führt nicht nur an menschliche Abgründe heran, sondern vermindert auf beunruhigende Weise die Distanz, die man zu ihnen sonst aufbaut.
Fazit: Kein Thriller nach Schema F, aber gerade dadurch besonders reizvoll.
»Da ist was dran. Aber wer weiß schon, wie so ein gestandener Psycho tickt.«
- Neige Sinno
Trauriger Tiger
(42)Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecherAuf bookstagram habe ich die Empfehlung für dieses Buch gesehen (weiß leider nicht mehr genau wo) und war irgendwie von einem Roman ausgegangen. Es hat sich als eine Art Autobiographie herausgestellt. Es geht prinzipiell um die Autorin und ihre Erlebnisse als sie als Kind von ihrem Stiefvater über Jahre missbraucht wird. Das Thema an sich ist furchtbar schlimm und kann man als Nichtbetroffene kaum nachvollziehen was Betroffene durchmachen müssen. Allerdings war ich immer kurz davor das Buch abzubrechen, weil ich den Aufbau überhaupt nicht verstehen konnte. Selbst die Autorin setzt sich in ihrem Werk damit auseinander warum sie das Buch geschrieben hat und findet (meines Erachtens) keinen Grund dafür. Es werden persönliche Erlebnisse ansatzweise geschildert, teilweise Zeitungsartikel abgedruckt, aus verschiedenen Büchern zitiert, aber alles aus meiner Sicht ohne tiefgründigen sind oder irgendeine Struktur. Daher war das Buch für mich leider ein Reinfall - oder ich habe es einfach nicht verstanden...
- Brett McBean
Die Bestien
(58)Aktuelle Rezension von: binesbuecherweltDieses Buch ist schon gut zehn Jahre alt, ich hatte es zufällig irgendwo entdeckt und musste es natürlich mitnehmen. Es war mein erstes Buch von Brett McBean und mir hat sein Schreibstil sehr gut gefallen. Er beschreibt alles sehr realistisch, teilweise blutig, detailliert und manchmal obszön. Am Anfang hatte ich trotzdem etwas Schwierigkeiten in das Buch reinzukommen, denn es war nicht ganz so, wie ich erwartet hatte. Aber wenn man sich erst mal eingelesen hat und versteht, worum es geht liest sich die Geschichte richtig gut. Es ist nicht immer spannend, aber trotzdem total fesselnd, wie gesagt, etwas anders als erwartet, aber das fand ich nicht weiter schlimm. Also wer Lust auf blutige Action mit Voodoo-Horror hat der ist hier genau richtig. Mich hat das Buch gut unterhalten!
- Sayaka Murata
Das Seidenraupenzimmer
(122)Aktuelle Rezension von: Wolf-MacbethIch lese selten zwei Bücher derselben Autorin direkt hintereinander. Aber nach Die Ladenhüterin war klar: Ich wollte mehr von Sayaka Murata. Das Seidenraupenzimmer ist jedoch ein noch radikaleres Leseerlebnis, verstörend und faszinierend zugleich.
Über den Inhalt zu sprechen, hieße, den Text zu entwerten. Muratas Roman entfaltet seine Wirkung nicht über Handlung, sondern über das, was er in uns zum Beben bringt. Erzählt wird von Außenseiter*innen, die sich von der menschlichen Gesellschaft entfremden, ja, sich gar nicht mehr als „Menschen“ verstehen. Die Welt der „Erdlinge“ erscheint ihnen als Fabrik: ein System, das Menschen produziert, die brav arbeiten, heiraten, Kinder bekommen. Alles, was nicht in dieses Raster passt, wird an den Rand gedrängt.
Murata denkt dieses Außenseitertum radikal zu Ende. Der Text wird zum philosophischen Gedankenexperiment über Normalität, Identität und Tabus. Er zwingt uns, die vermeintliche Selbstverständlichkeit unseres Menschseins zu hinterfragen. Was heißt es, Teil einer Gesellschaft zu sein? Was heißt es, „normal“ zu leben? Und was passiert, wenn diese Ordnung zusammenbricht?
Am Ende gibt es keine Erlösung, kein moralisches Aufatmen. Man bleibt zurück mit dem Gefühl, dass alles, was wir Normalität nennen, ins Rutschen geraten ist. Für manche wird das zu extrem oder abstoßend wirken. Für mich liegt darin jedoch die literarische Stärke dieses Romans.
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Seelensplitter
(17)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerIch verzichte auf die Wiedergabe des Klappentextes, die in den anderen Rezensionen bereits aufscheint.
Meine Meinung:
Ein ungewöhnlicher Roman, der gesellschaftliche Tabus bricht. Verständlich, dass "Seelensplitter" polarisiert. Ich mag Geschichten, die Grenzen sprengen, so auch diese. Das Buch fesselte mich so sehr, dass ich es in einem Zug durchgelesen habe. Der Schreibstil der Autorin ist bildlich und flüssig, teils faszinierte mich die sprachliche Schönheit, mit der Pinkowsky ihre Worte wählte.
Einige Schwächen seien erwähnt, wie die wiederholten Beschreibungen von "Helenes saphirblauen" oder "Katjas smaragdgrünen" Augen - solche Adjektive verkitschen die Story, "Seelensplitter" hätte sie nicht nötig gehabt. Aber das sind Details, über die man hinwegsehen kann. Nur über das Ende war ich etwas enttäuscht: Ich hätte mir erwartet, dass sich der Konflikt zwischen den Protagonistinnen auf eine andere Weise löst.
Ich frage mich, ob man das zentrale Thema im Klappentext hätte andeuten sollen. Für mich persönlich nicht, denn ich liebe überraschende Wendungen. Doch aus anderen Rezensionen kann ich entnehmen, dass manche Leser gern gewusst hätten, worauf sie sich einließen. Man möge es als - SPOILER!!! - betrachten, doch ich sehe es als Information, die potentiellen Lesern wichtig sein könnte und die "Seelensplitter" von anderen Liebesromanen abhebt: Es geht um einen libidinös gefärbten Mutter-Tochter-Konflikt.
Fünf Sterne vergebe ich für die Originalität des Werkes, die bildhafte Sprache, den Spannungsbogen und den Tabubruch, den Stephanie Pinkowsky mit ihrem Werk wagt. Es erfordert Mut, über das Thema zu schreiben, daher zieme ich der jungen, talentierten Autorin aufrichtigen Respekt. Worte wie "abartig, krank, ekelig" fallen einem spontan ein - doch ist das wirklich so, wenn man die Freud`sche Psychoanalyse betrachtet? Was in der Gesellschaft verpönt ist, will sich niemand eingestehen, was in den Tiefen unserer Seelen ruht, möchten wir oft gar nicht wissen. Meiner Meinung nach ist es weitaus spannender, eine Geschichte zu lesen, die einen schockiert und zum Nachdenken anregt, als einen Liebesroman, von dessen Sorte es tausend andere gibt. Von mir gibt es eine klare Kaufempfehlung für Leser, die bereit sind, die eigene Komfortzone zu verlassen. Das Buch verdient Aufmerksamkeit, weil es wenig Vergleichbares gibt.























