Bücher mit dem Tag "iran"
118 Bücher
- Noah Gordon
Der Medicus
(2.268)Aktuelle Rezension von: Deborah-N-MayDieses Buch ist für mich einfach fantastisch. Es schafft etwas, das nicht viele schaffen: Es ist spannend, obwohl man „nur“ einen jungen Mann begleitet, der Medicus werden will.
Die Geschichte ist unglaublich einfühlsam, gleichzeitig aber auch sehr roh und direkt. Man taucht komplett in eine fremde, längst vergangene Zeit ein und lernt eine völlig neue Welt kennen. Gerade diese Mischung aus Entwicklungsgeschichte, Reisen und historischen Einblicken macht das Buch so besonders. Und natürlich die Begleitung Robs auf seinem langen, langen Weg, er muss seinen Namen, seine Herkunft und sogar seine Religion verleugnen um an sein Ziel zu gelangen. Als Leserin hatte ich immer Mitgefühl für ihn, egal wie er gehandelt hat, denn ich "kannte" ihn seitdem er ein Kind war.
Trotz seines Umfangs liest es sich erstaunlich gut. Ich lese es aktuell zum zweiten Mal – und das sagt eigentlich schon alles. Es ist eines dieser Bücher, die einen wirklich berühren und lange im Kopf bleiben.
Für mich ein absolutes Highlight und ich sehe über Details hinweg, die nicht ganz der Realität entsprechen (künstlerische Freiheit).
- Renée Ahdieh
Zorn und Morgenröte
(933)Aktuelle Rezension von: Anna0807Die Grundidee dieses Buches hat mich von Anfang an angesprochen. Das Setting, die Ausgangssituation und die bekannte Geschichte, auf der alles basiert, haben für mich eigentlich großes Potenzial versprochen.
Leider hat mich die Umsetzung lange Zeit nicht wirklich erreicht. Über weite Strecken hatte ich das Gefühl, nicht richtig in die Geschichte hineinzufinden. Erst im letzten Drittel kam bei mir so etwas wie echtes Interesse auf, und ich hatte das Gefühl, endlich in der Handlung angekommen zu sein.
Ein großer Kritikpunkt für mich war der Erzählstil. Die vielen Sprünge zwischen Szenen haben es mir schwer gemacht, mich fallen zu lassen. Oft wirkten Szenen zu knapp erzählt, und auch die Dialoge haben sich für mich teilweise leer und wenig bedeutungsvoll angefühlt. Dadurch fehlte mir die Tiefe, die ich für eine solche Geschichte gebraucht hätte.
Auch mit den Charakteren bin ich nicht wirklich warm geworden. Viele Entscheidungen wirkten auf mich nicht nachvollziehbar, und gerade Shazi und Chalid haben mich eher genervt als berührt. Besonders ihre Beziehung konnte mich emotional überhaupt nicht abholen, da sie für mich zu wenig ausgearbeitet war.
Dabei liegt das Problem für mich weniger in der Idee der Handlung, sondern vielmehr in der Umsetzung. Die Geschichte hätte so viel Potenzial gehabt, wirkt aber stellenweise blass und wenig ausgeschöpft.
Bis kurz vor dem Ende war ich mir deshalb ziemlich sicher, dass ich die Reihe nicht weiterverfolgen werde. Das Finale konnte mich dann zumindest etwas versöhnlicher zurücklassen. Es war solide und hat mich dazu gebracht, Band zwei vielleicht doch noch eine Chance zu geben – auch wenn ich mir da selbst noch nicht ganz sicher bin.
Insgesamt bleibt für mich ein Buch mit starker Grundidee, das mich in der Umsetzung jedoch nicht überzeugen konnte.
- Fredrik Backman
Ein Mann namens Ove
(849)Aktuelle Rezension von: Sanne54Ich denke, der Inhalt ist hinlänglich bekannt. Für mich war Parvaneh, die Nachbarin Oves und Vertreterin einer neuen (Ove suspekten) Generation, der eigentliche Star des Buches, der es auf sehr empathische, aber auch bestimmte Art und Weise immer wieder (unausgesprochen) gelingt, das Leben des Witwers zu retten, der mit allerlei Möglichkeiten versucht sich das Leben zu nehmen, nachdem er kurz nach dem Tod seiner geliebten Frau in den Vorruhestand geschickt wird. Ove selbst ist kein Sympathieträger und will es auch nicht sein, aber sie sieht seine gute Seele.
Darüberhinaus haben mir leider weder der Schreibstil noch der Humor zugesagt, wobei ich die Rückblenden, die nach und nach Einblick in die Biografie Oves geben, gut gefallen haben. Geschickt gelingt es dem Autor mehr und mehr Verständnis für seinen Protagonisten aufzubauen.
Das Ende war mir dann aber doch too much und Oves Entwicklung auf den letzten ca 50 Seiten irgendwie auch nicht glaubwürdig.
Trotz allem natürlich gute Unterhaltung mit guter Botschaft. Auch die Überzeichnung ist natürlich ein probates Stilmittel, aber in dem Fall leider nicht meins.
- Shida Bazyar
Nachts ist es leise in Teheran
(99)Aktuelle Rezension von: Primrose24„Nachts ist es leise in Teheran“ erzählt die Geschichte von vier Familienmitgliedern über vier Jahrzehnte, die trotz ihrer Flucht aus dem Iran tief mit ihrem Heimatland verwurzelt sind. Beshad, einst linker Revolutionär lernt die furchtlose und kluge Nahid kennen, die Liebe seines Lebens. Zusammen mit ihren Kindern Laleh, Mo und Tara müssen sie aus dem Iran fliehen und landen in Deutschland, wo ihre Kinder aufwachsen. Beshad, Nahid, Laleh und Mo erzählen kurze Passagen aus ihrem Leben, die Einfluss auf sie genommen haben. Mir haben vor allem die historischen Bezüge der Geschichte gut gefallen, da ich so etwas über die Geschichte und Kultur des Iran lernen konnte. Davon hätte ich mir gerne noch mehr gewünscht. Der Erzählstil zwischen den Abschnitten verändert sich immer etwas und passt sich gut der Persönlichkeit der Charaktere an. Dennoch bleibt der Stil der Erzählung fast neutral, insbesondere wenn es um Gewalt durch das iranische Regime geht. Durch die kurzen Ausschnitte aus dem Leben der Familie fehlen mir doch einige Abschnitte, über die ich gerne mehr erfahren hätte, wie zum Beispiel ihre Flucht nach Deutschland.
Insgesamt hat mir das Buch einen kleinen Einblick in die Kultur und Geschichte des Irans gewährt, sodass es mich darin bestärkt hat mich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Man kann nur hoffen, dass dem Iran irgendwann der Frieden vergönnt sein wird, den es verdient.
- Michael Lüders
Wer den Wind sät
(45)Aktuelle Rezension von: HoldenMichael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.
- Heike Specht
Die Frau der Stunde
(142)Aktuelle Rezension von: AnirahIch bin mit großen Erwartungen an diesen Roman herangegangen, da mich sowohl der Titel als auch der feministische Ansatz sehr neugierig gemacht haben. Leider wurde ich enttäuscht. Was als spannende Geschichte über eine Frau in einer Männerdomäne begann, verlor sich für mich in Belanglosigkeiten.
Meine Kritikpunkte:
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Überflüssige Details: Ein Großteil des Buches besteht aus Beschreibungen von Alltagsmomenten, die die Handlung nicht voranbringen. Ob es die genaue Art des Brötchens ist, die Zubereitung des Kaffees oder die detaillierte Optik ihres Skianzugs – diese Informationen nehmen viel Raum ein, ohne dem Charakter Tiefe zu verleihen.
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Blasse Charaktere: Trotz des spannenden Umfelds blieben mir die Figuren fremd. Auch Gedanken und Emotionen der Protagonistin werden nur aus einer großen Distanz geschildert. Es fiel mir schwer, eine Verbindung aufzubauen oder mitzufühlen.
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Fehlender Spannungsbogen: Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass die Geschichte lediglich auf ein großes Ereignis vorbereitet wird. Irgendwann musste ich jedoch feststellen, dass das Buch fast zu Ende ist, ohne dass eine echte Entwicklung stattgefunden hat. Die Charaktere treten auf der Stelle, und die Handlung plätschert vor sich hin.
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Abruptes Ende: Als es gegen Ende endlich etwas spannender wurde, war die Geschichte auch schon vorbei. Die entscheidenden Momente (wie der plötzliche Aufstieg zur Außenministerin) wurden nicht ausreichend hergeleitet oder erklärt.
Fazit: Der Roman bleibt leider sehr oberflächlich. Wer eine packende Geschichte über eine starke Frau erwartet, die sich politisch durchsetzt, wird hier eher enttäuscht. Für mich war es zu viel Fokus auf Äußerlichkeiten und zu wenig emotionale und inhaltliche Tiefe.
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- Behzad Karim Khani
Als wir Schwäne waren
(106)Aktuelle Rezension von: GwhynwhyfarKlappentext: «Wir sind ein Alptraum. Ich weiß nur nicht wessen.»
Der Anfang: «Du warst fünf. Die Buchstaben gehorchten dir nicht. Du dachtest, dass Restaurants Essturants heißen, weil wir dort essen. Und du sagtest traubig statt traurig, weil Tränen aussehen wie Trauben. Und ich wollte, dass du recht hast, solange es nur geht. Weil Tränen von Trauben abzuleiten vielleicht etwas abwendet. Weil traubig das bessere Wort ist. Aber dann sagtest du irgendwann, es sei fair, dass es Inseln gibt, denn schließlich gibt es ja auch Seen. Und ich, tausend Ängste älter, sagte: Ja, das ist fair.“»
Reza, der mit seinen intellektuellen Eltern aus dem Iran in die Freiheit nach Deutschland flüchtet, lebt einer Siedlung, wo die Küchen keine Abzüge haben, und in deren Fluren es nach Armut, Majoran und Etagenbetten riecht. Es sind die 1990er, die Mutter ist Soziologin, der Vater ein Schriftsteller, in dessen Sprache es fünfzehn verschiedene Begriffe für Stolz gibt. Deutschland erlebt er als Kränkung und wird zum Beobachter. Erschöpft sich dabei, das Land zu begreifen, während die Mutter an das An- und Weiterkommen glaubt und die Wut des Sohnes immer ungehemmter wird. Denn auf den Straßen seines Viertels herrscht eine Gewalt, von der die Eltern wenig mitbekommen. Das Leben auf der Straße ist hart, Kriminalität lauert an jeder Ecke.
„Das Deutschland, in dem wir leben, ist ein Land, in dem die Post über Jahre hinweg vom selben Boten gebracht wird, der nicht nur einen unbefristeten Arbeitsvertrag hat, sondern auch verbeamtet ist. Der nicht gekündigt werden und von seinem Lohn die Raten für sein Eigenheim abbezahlen kann. Ähnlich geht es jedem Vorarbeiter auf dem Bau, jedem höheren Angestellten bei Opel, jedem Elektriker. Jedem Haushalt mit zwei Einkommen.“
Behzad Karim Khani schreibt als Ich-Erzähler über die Kindheit und Jugend eines wütenden Jungen, schreibt sich die eigene Wut aus dem Bauch über ein kaltes Deutschland, das seine Familie nicht willkommen hieß, sie in eine Siedlung steckte, die so gar nichts mit ihrem vorigen Leben zu tun hatte. Sehr authentisch beschreibt er das Leben in den 1990er in einer Sozialsiedlung im Ruhrgebiet, in Bochum, wo «Zimt, Sozialhilfe und Großfamilien» riecht. Sie waren mit Hoffnung gekommen – die ganz schnell wieder eingestampft wurde, denn sie erleben Armut und Ausschluss aus der Gesellschaft. Müll auf der Straße, stinkende Treppenhäuser, nervende Nachbarn, Erpressung, Prügel, und Drogen auf der Straße. Wer den Kopf oben haben will, muss sich durchsetzen können. Ausbildungen der Eltern werden nicht anerkannt – die Mutter entscheidet sich irgendwann, noch einmal zu studieren – der Vater fährt Taxi und arbeitet im Kiosk, wo er Zeitung lesen kann. Das Leben wird etwas besser. Als Kind hängt Reza mit seinen Freuenden in einem Keller ab, den sie mit Sperrmüll möbliert haben, und sie träumen von einer eigenen Gang, machen spielerische auf Gangster, hören dazu Tupac, Public Enemy. Die Freunde von Reza werden wirklich kriminell, landen im Knast oder sterben – selbst Reza kann sich dem Milieu nicht ganz ausschließen. «Wir alle strampeln uns ab in dieser Kloake, halten den Kopf aber über Wasser.» Immerhin, der Junge schafft es als Einziger aufs Gymnasium. Eine schmerzhafte Auseinandersetzung mit Deutschland, mit Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus – weil jedes Wort der Wahrheit entspricht und den Menschen im Land einen Spiegel vorhält.
«Mein Vater schaute und fragte: ‹Sind das Schwäne oder Gänse?› ‹Schwäne.› ‹Wo ist das? Astara?› ‹Nein. Die andere Seite der Grenze. Sowjetunion ist das. Sie überwintern jedes Jahr dort und fliegen dann zurück in den Norden. Hierher kommen sie nicht.› ‹Nicht mal die Vögel›, sagte mein Vater. Und der Mann antwortete: ‹Es ist zu laut hier. Viel zu laut.› Und damit meinte er etwas, das mein Vater verstand und ich nicht. Wir waren doch extra ruhig gewesen, dachte ich.»
Es ist eine Erzählung über Demütigung, über Ausgrenzung, gleichzeitig eine über die eigene Ausgrenzung, eine die zeigt, warum Integration so schwierig ist. «Wir sind Stacheln im Fleisch. Eindringlinge. Wo immer wir sind, bildet der Körper Eiter um uns. Wir stecken im Körper und berühren ihn doch nicht.» Aber selbst in der Wut steckt noch Melancholie. Gefühle, die in die Tiefe gehen, beinharte Milieubeschreibungen, die gleichzeitig liebevoll ausgestaltet sind. Reza selbst kommt auch nicht heile aus der Geschichte heraus und reflektiert am Ende: «Dass ich in Wirklichkeit eine Gerechtigkeit herstellen wollte, in der nicht ich so heile bin wie alle anderen, sondern alle anderen so kaputt wie ich.› Sie flüchteten aus der Diktatur in die Freiheit und zahlten den hohen Preis, fremd zu sein. Meine Lieblingsfigur ist der Vater des Jungen, wenn er Geschehnisse das Geschehen der Welt kommentiert, seine Strichlisten führt, einfach klasse. Behzad Karim Khani beschreibt präzise, kein Wort ist überflüssig, dabei mit so viel Poesie und Sprachwitz, mit dem Klang einer arabischen Erzählung, eine sprachliche Perle. Ein Roman, der ins Herz trifft, gleichzeitig voll in die Fresse tritt! Unbedingt lesen, Abteilung Lieblingsbuch!
«Hier, wo von nichts nichts kommt. Man auf einem Bein nicht stehen kann. Wo man nicht aus Zucker ist. Keine Müdigkeit vorschützt, Nägel mit Köpfen macht und sich nicht zwei Mal bitten lässt. Wo man schließlich nicht blöd ist. Wo sicher sicher ist und Geiz geil. Wo ‹‹u bist Gast hier!› eine Drohung ist. Wo ja jeder kommen kann. Wo man B sagen muss, weil man A gesagt hat, und ende es in Stalingrad.»
Behzad Karim Khani, in Teheran geboren, lebt seit 2003 lebt in Berlin Kreuzberg. Er ist Drehbuchautor, Romancier und Herausgeber der Weltbühne. Sein Debütroman »Hund, Wolf, Schakal« erschien 2022 bei Hanser Berlin.
- Marty Karbassion
Vom Flüchtling zum Spion
(26)Aktuelle Rezension von: OsnabrueckerLeseratteDie Geschichte ist spannend und ich habe eine Menge über die Iranische Kultur und einiges aus der Geschichte gelernt. Das Buch lebt davon, dass hier eine wahre Geschichte erzählt wird. Ich bin soweit begeistert.
Doch hat mich der Schreibstil des Buches nicht überzeugt. Manchmal war ich verwirrt, bin nicht hinterhergekommen und manchmal war ich von den Details gelangweilt. Tolle Geschichte, die im Stil noch Potential hat. - Lois Pryce
Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren ...
(13)Aktuelle Rezension von: LesezeichenfeeIch finde das Buch ist sehr interessant, schön, interessant, teilweise gruselig oder witzig und einfach unterhaltend. Vor allem die meisten Iraner sind total nett und laden sie sehr oft zum Essen ein, und schenken ihr viel Obst, vor allem Granatäpfel. Lois Pryce verliebt sich in den Iran und fährt/fliegt noch öfter dahin. Irgendwie stellt sie dabei fest, dass sich nicht wirklich was für die Iraner ändert. Selbst die internationalen Sanktionen beendet werden, merken die Iraner nichts davon. Untermalt ist das Buch mit Bildern von der Autorin. Was mir auch sehr gut gefällt. Die Autorin ist sehr mutig, aber hat auch bei einigen (unötigen) Situationen viel Angst. Vor allem an einer Tankstelle mit einem drogensüchtigem Tankwart. Zudem ist sie Engländerin und muss/kann die Sprache nicht sprechen. Nur ein paar Wörter. Es finden sich genügend Menschen, die Englisch sprechen und sich mit ihr unterhalten wollen oder gar mit ihr englische Lieder singen. Zudem ist der Autofahrstil der Iraner noch schlimmer, als der von den Ägyptern, was für wahnwitzige Situationen sorgt. Trotzdem hat die Autorin überraschenderweise keinen Unfall.
Lesezeichenfees Kurzfazit
Allerdings lernt man zu viel geschichtliches, zu ausführlich, über den Iran, das stört dann doch hin und wieder das Lesevergnügen. Und die letzten 2 Besuche sind sehr, sehr kurz gehalten, nur auf ein paar Seiten, was ich sehr schade finde. Daher 4 Sterne und eine Empfehlung.
- Marjane Satrapi
Persepolis
(172)Aktuelle Rezension von: butterflyintheskya very important book. yesterday, today and tomorrow. we’re following marjane, the author, and her family in iran. they’re openminded, progressive, western. then comes the revolution and with it … veils, no more parties, no fun. marjane has a hard time with it. even once she moves to austria and tries to get away from it, it will always be a part of her. a story about war, family, growing up and standing up for yourself and what is right.
- Dina Nayeri
Ein Teelöffel Land und Meer
(55)Aktuelle Rezension von: MiiaInhalt:
Saba ist elf, als die islamische Revolution ausbricht und ihre wohlhabende christliche Familie Teheran verlassen muss, um sich, fern von den prüfenden Blicken der Mullahs, auf ihre Ländereien in der Gilan-Provinz zurückzuziehen. Kurz darauf verschwinden Sabas Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos. Ihr Vater und die Nachbarn im Dorf behaupten, Mahtab sei bei einem Bad im Kaspischen Meer ertrunken und die Mutter sei bei dem Versuch, den Iran zu verlassen, festgenommen worden. Doch Saba glaubt ihnen nicht. Für sie ist klar, dass ihre geliebte Schwester jenseits des Ozeans ein neues Leben begonnen hat ...
In diesem Buch geht es um Saba, die im Iran aufwächst. Ihre Mutter und ihre Schwester verschwinden, aber Sabas Erinnerungen sind schwammig. Ist ihre Schwester ertrunken oder nach Amerika geflohen? Niemand scheint wirklich die Wahrheit zu sagen und Saba selbst lässt sich immer wieder neue Geschichten zu dem Leben ihrer Schwester einfallen. Was ist wahr, was ist Lüge?
Meine Meinung:
Das Buch lebt meiner Meinung nach von der Kultur im Iran. Das Leben im Iran, die Bräuche und Traditionen dort, sind sehr inspirierend und sehr interessant. Ich weiß nicht viel über das Leben und die politischen Zustände im Iran, aber durch das Buch ist mir das Land etwas näher gekommen und ich habe viel interessantes erfahren. Ganz besonders toll, fand ich die Lebensweisheiten, die immer mal wieder in die Geschichte eingeflochten wurden. Das Buch kann einen daher wirklich inspirieren und zum Nachdenken anregen. Das ist meiner Meinung nach aber auch die Stärke des Buches, denn der Rest hat mir leider gar nicht gut gefallen.
Saba ist der Hauptcharakter in dieser Geschichte und leider gefällt sie mir gar nicht. Sie ist verwöhnt, eingebildet, egoistisch und meiner Meinung nach auch kaltherzig. Man hat immer das Gefühl, dass sie nur für sich selbst und nie für andere handelt. Das macht es extrem schwer Mitgefühl zu empfinden, obwohl Saba wirklich viel Schlimmes erlebt und auch viel mitmachen muss. Aber Saba ist mir einfach so unsympathisch, dass ich mich weder mit ihr freuen kann, noch jemals mit ihr leiden kann. Mir war daher wirklich egal, wie ihre Zukunft aussehen wird. Dazu fand ichs teilweise wirklich anstrengend, dass sie sich Geschichten über ihre Schwester ausgedacht hat. Mir war das immer zu viel Fantasie, zu wenig Fakt. Hätte da manchmal gerne etwas Schlüssigeres gelesen. Am Lesen hat mich daher nur das Geheimnis um Mahtab gehalten. Ich habe so sehr gehofft, dass da noch eine überraschende Wendung kommt. Ich habe am Ende nur noch quer gelesen, weil mich die Geschichte von Saba nicht interessiert hat, aber ich wissen wollte, was damals mit Mahtab und der Mutter passiert ist. Leider ist die Auflösung mehr als vorhersehbar und absolut nicht überraschend. Ich habe zwar verstanden, worauf das Buch hinaus wollte und finde auch gut, dass insbesondere die Mentalität, die Entwicklung des Lebens und das Aufarbeiten von Geschehnissen bezüglich Saba im Vordergrund stehen, aber irgendwie hatte ich mir trotzdem mehr erhofft, was das Geheimnis um Mahtab angeht.
Ich kann hier leider nur 2 Sterne vergeben, weil die Geschichte mich nicht gepackt hat. Die Stärke des Buches liegt insbesondere in der Aufarbeitung des Lebens und der Kultur im Iran. Man erfährt viel über die politischen Verhältnisse, das Leben dort und es werden einem auch viele Lebensweisheiten nahe gelegt. Das ist wirklich gelungen. Die Hauptfigur Saba ist leider aber sehr eingebildet und unsympathisch. Obwohl sie ein schweres Leben hat, kann man kein Mitgefühl empfinden. Die Auflösung um ihre Schwester und ihre Mutter ist mir persönlich zu vorhersehbar. Ich vergebe gutmütige 2 Sterne für die wissenswerten Details über das Leben und die Kultur im Iran.
Fazit: - Salman Rushdie
Joseph Anton
(18)Aktuelle Rezension von: sumsidieIch mag Salman Rushdies Bücher, seinen Schreibstil und finde seine Arbeit bermerkenswert. Dies war die erste Autobiographie, sonst lese ich eher Biographien und muss sagen, dass mir letzteres Genre wahrscheinlich mehr liegt. Insgesamt war ich leider etwas enttäuscht von diesem 700 Seiten Wälzer, der sich vor allem mit den Jahren, in denen der Autor durch eine Fatwa zu Tode verurteilt wurde beschäftigt.
Dafür, dass Rushdie nicht müde wird zu artikulieren, dass sein Schicksal nur eines von vielen ist und auch viele andere Künstler wegen ihrer Arbeiten verfolgt werden, gerade auch weil sie sich mit dem Thema Religiosität oder dem Islam im Besonderen beschäftigen, hätte ich mir gewünscht, dass er dies noch plastischer herausarbeitet. Ich bezweifele nicht, dass Rushdies Geschichte symptomatisch war, für die zahlreichen bestehenden und danach entstandenen Konflikte zwischen westlicher und arabischer Welt, wie auch dem Terrorismus. Aber gerade weil Rushdie selbst von Hause aus Historiker ist und ich ihm zutraue seine Geschichte noch stärker in den historischen Kontext einbinden zu können, habe ich dies vermisst. Es handelt sich also, wie der Titel sagt um eine AUTObiographie, mit Betonung auf dem Auto. So gesehen hält das Buch, was es verspricht, nur war mein Interesse eben etwas weiter gestreut. - Nina Sedano
Fernweh im Herzen
(18)Aktuelle Rezension von: ckfreeDas Cover ist altbacken und passt nicht zu einer modernen Weltenbummlerin, die mit dem Rucksack unterwegs ist. Zudem ist der Titelzusatz irreführend, denn es handelt sich nicht nur um neue Abenteuer. Das Buch umfasst vielmehr Reiseerlebnisse aus 40 Jahren (1978-2018), in denen teilweise Rückblicke zu anderen früheren Reisen gemacht werden.
Die Anekdoten sind mal mehr, mal weniger lang und beschäftigen sich mehr mit den Reisebekanntschaften der Autorin als mit den Ländern.
Oft wirkt es wie ein Tagebuch oder eine Dokumentation runtergeschrieben. Zwischendurch gibt es Passagen, die sich wie ein Sachbuch über Tiere oder Belehrungen über Natur, Umweltschutz etc. lesen.
Äußerst wenig verspürt man die Freude und Euphorie der Reisenden.
So ist das selbst auferlegte Vorhaben "Dieses Buch möchte zum Reisen animieren" in meinen Augen klar gescheitert. So schwappt keine Begeisterung oder springt der Funke für einzelne Länder auf mich nicht über, sodass ich nach dem Lesen ohne neues Fernweh zurückbleibe. - Betty Mahmoody
Nicht ohne meine Tochter
(521)Aktuelle Rezension von: Elkes_LiteraturwolkeInhaltsangabe:
1984: Ein paar Jahre nach der iranischen Revolution reist Betty Mahmoody mit ihrem iranischen Mann Moody und der kleinen Tochter Mahtab in den Iran. Ihr Mann, inzwischen angesehener Arzt in den Vereinigten Staaten, hat die hiesige Verwandtschaft seit Ewigkeiten nicht gesehen. Schnell fällt die ablehnende Haltung gegen Betty auf; präsentiert sie doch den fortschrittlichen Westen, den Feind Nummer Eins: Amerika!
Kurz vor der Rückreise erklärte Moody, dass sie ihm Iran bleiben würden. Fassungslos sucht Betty nach Wegen, um aus dem Land herauszukommen, dass zu dem Zeitpunkt noch immer als Dritte-Welt-Land galt – rückständig und primitiv. Doch Moody beginnt Betty zu kontrollieren und verweigert ihr jeden Kontakt zur Familie in Michigan. Er schreckt auch vor Gewalt nicht zurück.
Lange Zeit muss sie ausharren, sich glaubhafte Ausreden einfallen lassen, Verbündete suchen und immer wieder den Kontakt zur Botschaft herstellen. Ihre Eltern machten sich große Sorgen um sie, der Vater war schwer an Krebs erkrankt. Aber Moody blieb unerbittlich, er sperrte sie ein, trennte sie von ihrer Tochter Mahtab und versuchte so, aus ihnen eine typische iranische Familie zu machen.
Doch dann kommt die Chance, endlich zu fliehen!
Mein Fazit:
Ich habe das Buch damals schon mal gelesen, als der Film entweder in den Kinos oder im TV lieft, so genau weiß ich es nicht mehr. Es war damals auch ein anderes Buch als dieses, das nun im Regal steht. Durch eine überraschende Schenkung fand dieses Buch wieder zu mir und ich habe es noch mal gelesen.
Wie beim ersten Mal hat mich die Geschichte um Betty und Mahtab mitgerissen. Es ist für mich unvorstellbar, so etwa erleben zu müssen. Betty hat um das Leben ihrer Tochter und für sich selbst gekämpft. Einige hatten ihr geraten, ohne die Tochter zu fliehen. Aber das kam für sie nie in Frage. Sie wollte immer ein freiheitliches und westlich-orientiertes Leben für sich. Denn schon am ersten Tag der Reise erkannte sie: Der Iran ist rückständig. Möbel wurden als zu westlich abgelehnt, es wurde auf dem Fußboden gegessen, Tee getrunken und geschlafen. Körperliche Hygiene oder saubere Kleidung war den vielen Menschen häufig fremd; es muss furchtbar gestunken haben. In den Lebensmitteln hatten sich Ungeziefer eingenistet. Bei einigen Familienmitgliedern zeigte sich die Inzest in Form von Missbildungen. Cousins und Cousine heirateten – wer wusste schon so genau, wer woher kam?
Für mich wäre das unvorstellbar, auch nur ein Tag dort auszuhalten. Keine vernünftigen Toiletten, keine annehmbaren Geschäfte, keine Versorgungssicherheit bei Strom und Wasser. Zudem kam noch, dass sich das Land während „des langen Besuchs“ im Krieg mit dem Irak befand – es gab Flugalarm und Bomben! Und dann war Betty auch noch einem Mann ausgeliefert, der mit den Widrigkeiten des Lebens nicht wirklich zurechtkam. Betty erkannte zeitweilig ihren Mann nicht mehr wieder!
Inzwischen ist die Geschichte über 40 Jahre alt, die Ideologie hat sich nicht viel geändert und das Regime geht heute härter denn je gegen die Kritiker vor. Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle schmerzhaft ist, aber es gibt Anzeichen, dass die Menschen ein freies Land mit demokratischen Strukturen wollen. Sie wollen in Freiheit leben und nicht unter der Knute der Sittenpolizei, die noch immer hart gegen Frauen vorgeht, die sich nicht „schicklich genug“ kleiden. Betty Mahmoody hat den Iran so erlebt, wie er wirklich ist und dieses Leben wollte sie für ihre Tochter und für sich nicht. Und für diesen Kampf kann man sie nur bewundern.
Fünf Sterne und eine klare Lese-Empfehlung!
- Martin Klauka
Einmal mit der Katze um die halbe Welt
(72)Aktuelle Rezension von: Lauras_bunte_buecherregalIch liebe Reisebücher und ich bin sehr kritisch, was Reisen mit Katzen angeht. Aber meine Lieben ich durfte Mogli bei der Lesung kennenlernen und hatte im Buch einen tollen Einblick in die Beziehung der Beiden. Anders als bei dem ein oder anderen Buch über Reisen mit Katzen bin ich fest überzeugt, dass in diesem Fall das Wohl der Katze im Vordergrund steht und stand.
Der Schreibstil war toll und ich konnte mir die Route gut vorstellen. In einigen der Länder war ich selbst bereits. Es war eine gute Mischung an Beschreibungen und lebhaften Geschichten. Teilweise war das Buch spannend geschrieben und ich habe wirklich mitgefiebert, was als Nächstes passiert.
Für alle die auf Reisen gehen möchten, ohne den Lesesessel zu verlassen, eine absolute Empfehlung. Von mir kriegt das Buch 5 von 5 Sterne.
- Dirk Müller
Machtbeben
(14)Aktuelle Rezension von: Maria_WinterfeldNaja ist alles was ich dazu sagen kann. Der Premiumfond performt wahrscheinlich nicht besser, wie das Buch. Man lernt die Börse, Politik etc. als Ganzes zu sehen. Aber machen Nachrichten Kurse? Oder Kurse Nachrichten? Die Seitenlinie tot trampeln am Boden ist keine Strategie. Es gibt bessere Bücher!
- Jürgen Todenhöfer
Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'
(103)Aktuelle Rezension von: Frank_SchittyHabe das Buch aus Interesse am Islamischen Staat gekauft. Habe zuvor einen Bericht darüber im Internet gesehen.
Ich war von der Berichterstattung von Anfang an mitgerissen.
Man konnte tiefe Einblicke in den Islamischen Staat erhalten, von der Ideologie und von den Menschen die dort leben.
Es war sehr aufschlussreich und man erfährt Dinge die so nirgends gebracht werden.
- Stephan Orth
Couchsurfing im Iran
(141)Aktuelle Rezension von: BayLissFX... und hier geht auch wieder Stephan Orth für mich auf Entdeckungstour. Er hat jene Ausdauer und den Mut sich auf das dort und dann einzulassen. Und genau das gibt er ja auch als Ziel dieses Berichtes an. Ich habe vorab die anderen Rezensionen gelesen, weil mich die Meinung dazu sehr interessiert hat - spannend finde ich immer wieder, wenn es Kritik für etwas hagelt, dass der Autor explizit als gegeben herausstreicht: Leute die Couchsurfing anbieten sind schon per se die liberale Fraktion. Das heisst im Umkehrschluss - man landet in liberaleren Kreisen. In die anderen kommt man da auch nicht so schnell.
Aber - wie auch in Couchsurfing Russland - die Eindrücke von den Persönlichkeiten und den Umständen, die er am Wegesrand und bei unterschiedlichsten Formen des Zusammentreffens gewinnt und auch genial wiedergibt - geben einen Eindruck von den Lebensumständen. Es war wieder sehr interessant die verschiedenen Leute kennenzulernen, auch wenn es nur kurze Eindrücke sind. SMS oder Treffen, Wortwechsel und wortloses Betrachten der Umgebung.. so hätte ich es wahrscheinlich auch erlebt, und Stephan nimmt einen wunderbar mit auf diese Reise in den Iran.
Freue mich schon auf die Fortsetzung in ... China oder Saudi Arabien?
- Navid Kermani
Entlang den Gräben
(12)Aktuelle Rezension von: 101844Allein von der Aufmachung, kommt "Entlang den Gräben" sehr wertig und ansprechend daher. Die Landkarte mit verzeichneter Route stimmt schon vor dem Lesebeginn auf die Reise ein und heizt die Neugierde an. Strukturell ist das Buch in Tagen unterteilt. So bekommen die Lesenden einen Eindruck über die Dauer der Aufenthalte.
Obwohl eine Reportage vorliegt, schafft es der Autor mittels der Ich-Erzählperspektive und seiner ganz eigenen Note, die sich aus forscher Direktheit, Humor und Empathie auszeichnet, eine angenehme und dichte Atmosphäre zu kreieren. Gleich zu Beginn lernen die Lesenden den Autor als einen intelligenten, aufgeschlossenen und mutigen Mann kennen. So setzt er sich zum Beispiel zum Kaffee und Kuchen in eine AFD-Versammlung. Solche Momente gibt es mehrere und sie lassen einen beim Lesen die Luft anhalten. Trotz klar formulierter Kritik bleibt Navid Kermani respektvoll, wertschätzend und verständnisvoll. In diesem Verhalten manifestiert sich der Begriff "Toleranz" in seiner authentischsten Bedeutung und ringt den Lesenden unweigerlich Anerkennung ab.
Gemeinsam mit dem Autor, stellt man beim Lesen fast, wie fern doch der so nahe Osten eigentlich ist. In unzähligen Gesprächen mit den verschiedensten Personen, erschließen sich auf intensive Weise ganz neue Perspektiven auf die Vergangenheit, Gegenwart und etwaige Zukunft Europas. Gerade die persönlichen Schicksale und Erfahrungsberichte regen zum Nach- und Mitdenken an.
Der Schreibstil ist so unmittelbar und ehrlich, dass zu keiner Zeit das Gefühl aufkommt, man wäre nicht eine*r der Mitreisenden. Vor allem tabuisierte Themen, kommen schonungslos zur Sprache.
Die ausgiebigen politischen Sequenzen werden immer wieder durch persönliche Anekdoten, Eindrücke und Beobachtungen entzerrt. Vor allem letztere sind bemerkenswert. Der Autor hat einen Blick für Details und entwirft wortgewandt beeindruckende Landschaftsbilder.
Vor allem die ersten Stationen der Reise stellen den Lesenden bekannte Schrecken aus der Vergangenheit noch einmal sehr deutlich vor Augen. Allein von Köln bis Litauen hätte der Buchtitel auch "Entlang den Gräbern" lauten können. Man verdrängt den Umfang der Gräueltaten der vergangenen Jahrzehnte bis hinein in die Gegenwart. Und dennoch vermag Navid Kermani es, die Stimmung nicht ins Bodenlose kippen zu lassen. Respektvoll verweilt er an den richtigen Stellen und treibt die Reise dann gekonnt schwungvoll wieder in höhere Stimmungslagen. Kein einfacher Spagat, der ihm hier gelungen ist. Besonders interessant, sind auch die Gespräche mit prominenten Persönlichkeiten, die ich an dieser Stelle nicht vorweg nehmen möchte.
Insgesamt löste "Entlang den Gräben" in mir die ganze Palette an Emotionen aus. Von sprachloser Betroffenheit bis hin zu spontanem Auflachen. Ein Lesegenuss der besonderen Art.
- Fabio Geda
Im Meer schwimmen Krokodile
(129)Aktuelle Rezension von: bookxn_bellyDa ich Geschichten, welche auf wahren Begebenheiten ruhen besonders gut finde, hat mich dieses Buch zunächst angesprochen. Leider konnte mich der Inhalt dann nicht wirklich überzeugen.
Zuerst einmal etwas Positives. Das Buch enthielt eine Karte zu Enaiats Reise, welche die Städte in den einzelnen Ländern mackierte, die er durchreiste. Diese war wirklich sehr hilfreich, da ich persönlich nicht jede angesprochene Stadt direkt örtlich zuzuordnen wusste und so aber jederzeit einen tollen Überblick hatte.
Der Schreibstil kam mir leider etwas lieblos und stumpf vor. Der Autor hat viel wörtliche Rede verwendet, diese aber keiner Zeit kenntlich gemacht. Mich persönlich hat diese Tatsache doch schon enorm gestört. Ich wusste nicht immer welche Person gerade spricht, bzw. wann eine Person aufhört zu sprechen und die nächste beginnt. Dementsprechend konnten an mich als Leser auch keinerlei Gefühle und Gedanken transportiert werden, was mir persönlich gerade in einer wahren Geschichte, echt wichtig gewesen wäre.
Ein weiterer Hinweis wäre zu Beginn des Buches eine Unterteilung mit kleinen Unterüberschriften gewesen, da man nicht immer wusste ob man sich gerade im "Jetzt" oder in der "Vergangenheit" befindet.
Alles in allem wirklich schade, da es sich um eine wirklich erstaunlich tolle, spannende und emotionale Geschichte handelt, aus welcher man sicherlich sehr gut etwas draus machen könnte. Meiner Meinung nach ist dies hier aber leider nicht gelungen...
- Morten Hübbe
Per Anhalter nach Indien
(16)Aktuelle Rezension von: ShannonKurioserweise lese ich die Reisebücher von Morten Hübbe und seiner Partnerin rückwärts. Begonnen habe ich mit Indien. Dies hier war ihr zweites Buch, das ich nun beendet habe.
Das Buch ist so dicht recherchiert, dass ich teilweise nur sehr langsam vorangekommen bin. Es bietet großartige Einblicke in das Leben in der Türkei, im Iran und in Pakistan. Letzteres gibt reise- und sightseeingtechnisch rein gar nichts her, dürfte den beiden Autor_innen aber noch lange in unguter Erinnerung bleiben. So sackt der letzte Teil des Buches auch beim Lesen etwas ab im Vergleich zu den ergiebigeren anderen Reiseländern.
Vielen Dank für den "normalen" Titel, der nicht so peinlich plakativ wie der des Indienbuches ("Götter, Gurus und Gewürze") daherkommt.
Alles in allem war es wieder ein Genuss von den beiden Reisenden zu lesen und der Südamerika-Teil wartet schon in der Pipeline!
- Navid Kermani
Wer ist Wir?
(9)Aktuelle Rezension von: Orisha„Und doch habe ich in letzter Zeit häufiger den Alptraum, daß es gar keinen Ort mehr geben könnte in Europa, an dem die Muslime leben können.“ [Kermani (2016), S. 98]
Kaum ein Thema beherrscht die Medien mehr, als das des Terrorismus, des Fundamentalismus. Kaum ein Tag scheint zu vergehen, ohne eine neue Gräueltat, die im Namen des Islam begangen wird. Und kaum eine Religion wird daher heißer diskutiert als der Islam.
Doch was ist der Islam? Was lehrt der Koran? Sind Muslime in Europa integrierbar, wo sie doch angeblich von westlichen Werten nichts halten, schließlich lehre der Koran anderes? Und was sind diese westliche Werte, auf die europäische Nationen immer wieder pochen?
Diesen, zugegeben überspitzt, formulierten Fragen geht Navid Kermani in seinem preisgekrönten Buch „Wer sind Wir? Deutschland und seine Muslime“ nach. Fragen, die relevanter sind denn je. Doch stellen wir überhaupt die richtigen Fragen?
Kermani jedenfalls tut es. Besonnen und durchdacht tritt er, der beinah hysterisch anmutenden Berichterstattung der Medien jeder Coleur entgegen. Weder gibt es „den Islam“ – ein Ausdruck der suggeriert es gäbe eine richtige, wahre Auslegung einer Religion – so wie es auch nicht „das Christentum“ gibt - es herrscht schlichtweg kein Konsens in der Auslegung von Religion, so wie es kein einheitliches Verständnis von westlichen Werten geben kann. Noch predigt der Koran explizit Gewalt. Man muss religiöse Schriften in ihrer Ganzheit verstehen. Das herausreißen einzelner Suren, die losgelöst von ihrem Kontext gelesen werden, bringt etwa genauso viel, wie Passagen der Bibel losgelöst zu betrachten. Man muss Differenzieren. „Denn nur Differenzierung ist die Voraussetzung, auf ein Problem angemessen zu reagieren“, schreibt Kermani.
Er plädiert für ein Miteinander, für Akzeptanz, für den Dialog zwischen den Menschen. Damit sein Alptraum nicht wahr wird.
Fazit: Wer ein kluges, differenziertes Buch zum Thema sucht, dem sei Kermani wirklich ans Herz gelegt. - Robert Byron
Der Weg nach Oxiana
(4)Aktuelle Rezension von: LiisaBruce Chatwin bezeichnet Robert Byrons "Der Weg nach Oxiana" als Meisterwerk der Reiseliteratur und hat das Buch selber vier Jahrzehnte auf seinen Reisen mit sich geführt, bis es ganz zerlesen und zerfleddert war. Und wirklich, "Der Weg nach Oxiana" ist ansprechende Reiseliteratur. Ein Buch, das den Leser in fremde Welten entführt, die von Byron so detailreich beschrieben werden, dass man meint, sie tatsächlich vor sich zu sehen. Am liebsten möchte man das Buch nehmen und auf seinen Spuren und anhand seiner Texte, diese Reise nachvollziehen, wobei das unter den heutigen Umständen wohl unmöglich sein dürfte. Zugleich beschreibt Byron hier eine Welt und Form des Reisens, die heute so wohl nicht bzw. kaum noch anzutreffen sind. Der Charakter Robert Byron muss ein im wahrsten Sinne "eigenartiger" gewesen sein. Manche Beschreibungen zeugen von großer Beobachtungsgabe und Einfühlsamkeit in Menschen und Situationen, andere habe ich eher negativ empfunden, weil darin rassistische Muster anklingen, z.B. wenn er schreibt "Christopher (sein Reisegefährte) unternahm mit mir eine Runde durch die dritte Klasse. Wären dort Tiere untergebracht gewesen, hätte ein aufrechter Engländer den Tierschutzverein informiert. Aber die Überfahrt ist billig, und da es Juden sind, könnten sie bekanntlich alle mehr bezahlen, wenn sie wollten." Bedenkt man dann noch, dass er das am 4. September 1933 schrieb, stößt das schon unangenehm auf. Zum Glück gibt es nicht allzu viele Äußerungen dieser Art und wenn, sind sie auch nicht ausschließlich auf Juden beschränkt. Insgesamt scheint mir Byron von der inneren Einstellung her noch mit der typischen Haltung eines weißen Europäers mit entsprechenden arroganten Attitüden unterwegs gewesen zu sein, was damals wohl nicht unüblich war. Insgesamt jedoch sind die Personen die im Buch auftauchen eher Statisten, die entweder nur kurz und sachlich erwähnt werden oder über die er sich lustig macht, indem er z.B. absurde Dialoge mit ihnen zitiert. Viel wichtiger sind für ihn die bereisten Länder selbst und dort im besonderen die Architektur, Geschichte und Kunst. Für den Anblick bedeutender Gebäude oder dem, was davon übrig ist, brennt sein Herz, dafür nimmt er Strapazen auf sich und die beschreibt er glänzend. "Der Weg nach Oxiana" von Robert Byron ist in der Anderen Bibliothek erschienen und wurde mit einer Reihe von eingehefteten Landkarten sowie alten Fotos beschriebener Bauwerke ausgestattet. Wer etwas für das Reisen und Reiseberichte übrig hat, der kann getrost zugreifen. Eines ist jedenfalls sicher: es ist ein Buch, das man nicht nur einmal lesen kann, im Gegenteil es ist ein Buch, das immer wieder zur Hand genommen werden will um in Teilen oder ganz erneut gelesen zu werden. Anders kann man die vielen Informationen nur schwerlich erfassen und verarbeiten. - Ken Follett
Auf den Schwingen des Adlers
(133)Aktuelle Rezension von: Bellis-PerennisDiesem spannenden Thriller liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde: Die Befreiung der amerikanischen Geiseln Paul Chiapparone und Bill Gaylord - in die Geschichte eingegangen als "Operation Hotfoot".
Man schreibt das Jahr 1978. Zahlreiche Streiks und lautstarke antiamerikanische Demonstrationen, die mit Ausschreitungen sowie mit Polizeigewalt einhergehen, kündigen das Ende des Regimes von Schah Reza Pahlevi an. Dann werden, ohne Angabe von Gründen (Autokraten benötigen keine) werden zwei hochrangige Manager eines amerikanischen Computerkonzerns verhaftet. Nachdem alle diplomatische Bemühungen, die Mitarbeiter frei zu bekommen scheitern, heuert der Konzernchef auf eigene Faust ein Rettungskommando an, die beiden Gefangenen um jeden Preis zu befreien.
Meine Meinung:
Bei diesem Thriller spürt man wieder, dass Ken Follett aus dem Journalismus kommt. Rund um die Fakten baut er einen spannenden Roman, der die Leser bis zu den letzten Seiten fesselt. Natürlich kann man als Leser nicht beurteilen, wie sich die Anteile Fakten und Fiktion aufteilen. Jedenfalls hat der Autor sehr gut recherchiert.
Die Charaktere sind sehr gut dargestellt. Als Leser taucht man tief in das Geschehen und die Psyche der Personen ein. Das gibt einem das Gefühl, dabei zu sein. Obwohl die Tatsachen an manchen Stellen ziemlich detailliert ausgefallen sind, ist dies nicht langweilig. Allerdings stammt der Schreibstil aus den späten 1970er-Jahren. Manches würde man heute nicht mehr so schreiben.
Da das Ende diesmal von der Realität vorgegeben ist, ist der Schluss stimmig. In manchen seiner Bücher schwächelt der erfundene Schluss ein wenig.
Fazit:
Lesenswert für all jene, die gerne Thriller lesen oder deren Verfilmung ansehen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.























