Bücher mit dem Tag "iran"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "iran" gekennzeichnet haben.

315 Bücher

  1. Cover des Buches Zorn und Morgenröte (ISBN: 9783846600641)
    Renée Ahdieh

    Zorn und Morgenröte

     (904)
    Aktuelle Rezension von: ina_joe

    Klappentext

    Jeden Tag erwählt Chalid, der grausame Herrscher von Chorasan, ein Mädchen. Jeden Abend nimmt er sie zur Frau. Jeden Morgen lässt er sie hinrichten. Bis Shahrzad auftaucht, die eine, die um jeden Preis überleben will. Sie stehen auf verschiedenen Seiten und könnten unterschiedlicher nicht sein ... Und doch werden sie magisch voneinander angezogen... 


    Erster Satz

    Niemand sehnte den Sonnenaufgang herbei.


    Schreibstil

    Der Schreibstil von Renée Ahdieh ist etwas ganz besonderes. Von der ersten Seite an war ich gefangen in der Geschichte, habe mich in jedes einzelne Wort verliebt. In die bildlichen Beschreibungen, in die poetischen Abschnitte, einfach in absolut alles. Obwohl ich normalerweise Bücher aus der dritten Perspektive nicht so sehr mag, hat es in diesem Buch einfach gepasst und zu der ganzen Atmosphäre beigetragen.


    Charaktere

    Ich habe mich von Anfang an in die Protagonisten Shahrzad und Chalid verliebt. Shahrzad die sich nichts gefallen lässt, schlagfertig ist und sich jeder Gefahr stellt. Chalid der zu Beginn kalt und undurchdringlich wirkt, mich aber mit jedem einzelnen Wort mehr in seinen Bann ziehen konnte. Auch die Nebencharaktere haben mir sehr gut gefallen. Vor allem Jalal hat mein Herz erobert. 


    Geschichte

    Die Geschichte liest sich wie ein Märchen. Sie ist absolut magisch, dunkel und voller Gefühle. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen und wollte  mehr über die Welt von Chorasan und ihre Bewohner erfahren. Das Setting war unglaublich gut gewählt und perfekt beschrieben und umgesetzt.


    Fazit

    Für alle die sich verzaubern lassen und in eine Welt wie aus 1001 Nacht versinken wollen.


    Zitat

    Sie ertrank in Sandelholz und Sonnenlicht. Die Zeit hörte auf, mehr zu sein als nur ein Gedanke. Ihre Lippen gehörten jetzt noch ihr, und dann waren sie sein. Sein Geschmack auf ihrer Zunge war wie sonnengewärmter Honig, wie kühles Wasser das ihre ausgedörrte Kehle hinunterrann. Wie das Versprechen aller zukünftigen Morgenaufgänge in einem einzelnen Seufzer.

  2. Cover des Buches The promises we made. Als wir uns wieder trafen (ISBN: 9783864931574)
    Simona Ahrnstedt

    The promises we made. Als wir uns wieder trafen

     (168)
    Aktuelle Rezension von: Marrojeanne

    Simona Ahrnstedt les ich ab und zu ganz gerne. Das Buch "The Promises we made - als wir uns wieder trafen" hatte ein bisschen warten müssen, bis ich es geschafft habe zu lesen.
    Vom Setting her, hat es mir gefallen, dass es wieder nach Schweden ging.
    Diesmal nimmt einen Frau Ahrnstedt mit in die Hotelindustrie, wo Sam ein Hotelboss ist einer Reihe von Hotels. Durch seinen Migrationshintergrund wird er auch oft zur Zielscheibe von Angriffen und Drohungen. Daraufhin muss er sich an eine Sicherheitsfirma wenden für Personenschutz. Dort trifft er unverhofft auf Dessie, mit welcher er zu Schulzeiten eine Beziehung gehabt hatte und beide nicht im Guten auseinander gegangen sind.
    Zwischendrin entwickelt sich die Geschichte leicht wie ein Krimi, als es darum geht, wer hinter den Drohungen und Sabotageversuchen steckt. Nebenbei lernen sich Dessie und Sam wieder kennen und arbeiten ihre gemeinsame Vergangenheit auf. Denn es blieb viel ungesagt zwischen den beiden. Es wird viel angedeutet am Anfang, was dann später genauer erklärt wird, was zwischenzeitlich doch etwas frustrierend ist, dass relativ viel "um den heißen Brei" rum geredet wird, bevor die Karten auf den Tisch gelegt werden.
    Die letztliche Auflösung wer hinter den Sabotageversuchen steckt, war dann doch etwas überraschend aber auch mit einem komischen Motiv.
    Es wird innerhalb der Story viel auf Themen eingegangen wie Migrationshintergrund, (Altags-)Rassissmus, Mobbing in der Schule, und häusliche Gewalt eingegangen.

  3. Cover des Buches Finstermoos  - Bedenke das Ende (ISBN: 9783785577516)
    Janet Clark

    Finstermoos - Bedenke das Ende

     (81)
    Aktuelle Rezension von: -Coco-

    Nun endlich erfahren wir, was es mit den ganzen Geheimnissen in Finstermoos auf sich hat! Doch finden die Freunde Maschas Mutter? Und kommen sie auch gut davon?

    Meinung:

    Der Schreibstil der vierten Runde in Finstermoos, ist wie auch in den anderen Bänden wirklich gut, jugendlich und schnell zu lesen. Das heißt, man kommt gut voran und kann die Rätsel endlich mit den Protagonisten lösen.

    Dieser Folgeband schließt spannend und nahtlos an seinem Vorgänger an, wobei die Spannung eigentlich immer vorhanden bleibt. Neben traurigen und gefährlichen Ereignisse, Enthüllungen und Erkenntnisse, ziehen die Freunde so gut es geht an einem Strang, um herauszufinden, wer ihnen denn an den Kragen will, und was nun wirklich passiert ist. So begeben sie sich eigenhändig auf Nachforschungen und müssen sich gegen vieles wappnen, das auf sie zukommt.

    Am Schluss überschlagen sich die Ereignisse, es kommt zu einem letzten gefährlichen Kampf und alle verschiedenen Puzzlestücke wurden zu einer ganzen Geschichte zusammengefügt! Menschen die man vorher anders einschätzte, entpuppten sich zu richtige Beschützern und Rettern oder zu den gefährlichsten Ganoven.

    Fazit:

    Ein toller, spannender und gelungener Abschluss der Reihe. Es passierten so viele verschiedene Dinge und es war wirklich toll. Auch die Auflösung fand ich wirklich geglückt und ich kann diese Reihe wärmsten weiterempfehle!


  4. Cover des Buches Einmal mit der Katze um die halbe Welt (ISBN: 9783833871238)
    Martin Klauka

    Einmal mit der Katze um die halbe Welt

     (63)
    Aktuelle Rezension von: Levus

    »Einmal mit der Katze um die halbe Welt« ist gleichzeitig ein wirklich schöner Reisebericht und eben die schöne Geschichte einer besonderen Beziehung zwischen Katze Mogli und ihrem Lieblingsmensch Martin. Wundervoll!

  5. Cover des Buches Das Einstein Enigma (ISBN: 9783946621003)
    J.R. Dos Santos

    Das Einstein Enigma

     (80)
    Aktuelle Rezension von: dunkelbuch

    Der portugiesische Kryptanalyst Tomás Noronha soll ein Geheimmanuskript Albert Einsteins entschlüsseln: „Die Gottesformel“ – die vermeintliche Bauanleitung für eine billige Atombombe.

    Tatsächlich geht es jedoch um die fundamentalen Fragen nach der Entstehung des Universums, dem Sinn des Lebens und Gott. Eine spannende Reise in die Welt von Wissenschaft und Religion. Denn im Rahmen seiner Ermittlungen kommt Tomás einem der größten Rätsel der Welt auf die Spur: dem wissenschaftlichen Beweis für die Existenz Gottes. 

    Man muss sich auf das Buch einlassen und kann es nicht einfach so nebenbei lesen.

  6. Cover des Buches Auf der Flucht (ISBN: 9783218009898)
    Karim El-Gawhary

    Auf der Flucht

     (36)
    Aktuelle Rezension von: sabatayn76
    Inhalt:
    Karim El-Gawhary und Mathilde Schwabeneder haben für ihr Buch verschiedene Fluchtgeschichten zusammengetragen und erzählen in 'Auf der Flucht' von der politischen Situation in und Flüchtlingen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Sudan, Gambia, Somalia und Nigeria. Dabei erklären sie Hintergründe, sprechen die Folgen von Krieg und Bürgerkrieg an (vor allem in Bezug auf Syrien) und vermitteln Wissen über Schlepper (Organisationen, Strategien etc.).

    Mein Eindruck:
    Auf der Frankfurter Buchmesse habe ich letztes Jahr eine Diskussionsrunde verfolgt, an der unter anderem Karim El-Gawhary teilnahm. Schon bei diesem Gespräch war ich beeindruckt von seiner Art zu erzählen, bewegt von seinen Schilderungen und gespannt auf sein Buch. Nun habe ich 'Auf der Flucht' gelesen und bin sehr begeistert von seinen und Mathilde Schwabeneders Reportagen.

    Das Buch ist sehr informativ und von der ersten Seite an bewegend. Die Einblicke in die politische Situation in verschiedenen afrikanischen und (vorder-) asiatischen Ländern waren sehr gut auf den Punkt gebracht, so dass ein Leser, der sich noch nicht mit der jeweiligen Region befasst hat, einen guten Überblick zu Geschichte, Politik und Leben im Land erhält.

    Die Reportagen sind detailreich geschrieben und fangen die jeweilige Stimmung im Land gut ein, informieren und bewegen den Leser durch die vielen persönlichen Schicksale, die näher beschrieben werden.

    Gefallen hat mir auch, dass die Autoren oft ihre Gedanken und Gefühle schildern sowie zeigen, wie man als Journalist mit Schilderungen extremer Gewalt und Traumatisierung umgehen kann (oder wie man bisweilen trotz jahrzehntelanger Erfahrungen nicht ohne Weiteres damit umgehen kann).

    Sehr gelungen fand ich auch den Lichtblick am Ende des Buches: die scheinbar endlose Hilfsbereitschaft der Einwohner des oberösterreichischen Dorfes Großraming.

    Mein Resümee:
    'Auf der Flucht' sollte jeder lesen, der mehr über Flüchtlinge, Schlepper und die politische Situation in verschiedenen Ländern wissen möchte. Vor allem sollte das Buch von denjenigen gelesen werden, die nicht verstehen, wieso Menschen ihre Heimat verlassen und nach Europa/Deutschland kommen, um ein neues Leben in Sicherheit und mit einer Aussicht auf eine positive Zukunftsperspektive zu beginnen.
  7. Cover des Buches Als die Tage nach Zimt schmeckten (ISBN: 9783548290393)
    Donia Bijan

    Als die Tage nach Zimt schmeckten

     (91)
    Aktuelle Rezension von: Rosenvik

    Das Cover mit seinen warmen, sonnigen Farben passt sehr gut zum orientalischen Inhalt. Ich habe das Buch aber wegen seines Titels zur Hand genommen.

    Es ist ein Familienroman, der im Iran spielt: Der Cafebesitzer ZOD wartet täglich auf Briefe von seiner Tochter Noor, die in den USA lebt. Nach 30 Jahren kommt sie in ihre Heimat zurück und muss sich mit den Traditionen, ihrer Familie, der Unterdrückung der Frau und dem Sinn für ihr weiteres Leben auseinandersetzen.

    Die Autorin schafft es geschickt, die Stimmung im Iran, die Düfte des Essens und die Kultur dem Leser nahe zu bringen, so dass sich dieser dort als Teil der Familie fühlt.
    Die Personen sind so sympatisch und tiefgründig charakterisiert und dennoch ist das Ende überraschend.

    Es ist auf jeden Fall ein Buch, dass Urlaubsgefühle vermittelt, jedoch keine leichte Lektüre für den Stand, sondern ein bewegendes, emotionales und tiefgründiges Werk!

  8. Cover des Buches Nicht ohne meine Tochter (ISBN: 9783404608515)
    Betty Mahmoody

    Nicht ohne meine Tochter

     (497)
    Aktuelle Rezension von: Melfi

    Ich habe dieses Buch geliebt - nicht nur, weil ich mich islamische Geschichten interessieren, sondern auch weil Betty Mahmoody so ehrlich und lebendig erzählt. Sie erzählt offen über die ´persische´ Kultur und deren islamischen Glauben. Schildert so bezaubernd ihre Gefühle und die Tragödien die sich durchgestanden hat. Absolute Leseempfehlung für jeden, der sich für Biografien und den islamischen Glauben interessiert.

  9. Cover des Buches Der Medicus (ISBN: 9783453503946)
    Noah Gordon

    Der Medicus

     (2.201)
    Aktuelle Rezension von: paperdragon

    Mich hat die Handlung in den Bann gezogen, ich fand den Schreibstil angenehm und war fasziniert davon eine so detailreiche Geschichte zu lesen, die Anfang des 11. Jahrhunderts spielt. Es entfaltet sich rasch und auch der Hauptcharakter war mir sympathisch. Ich selbst kann nichts über historische Genauigkeit sagen, aber habe andernorts gelesen, dass es wohl nicht immer so akkurat ist. Mir persönlich macht das nichts aus, weil ich da zu wenig weiß  und mich daher nicht daran gestoßen habe. Ich fand die Erzählung dann in der zweiten Hälfte teilweise etwas langatmig. Manchen nebensächlichen Details wurde sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt, während ich mir an anderer Stelle mehr gewünscht hätte. Ja, der Roman ist mehrere Jahrzehnte alt, als Frau in der heutigen Zeit kommt mir die weibliche Perspektive aber einfach zu kurz. Ich kann verstehen, warum es so ist (das Buch ist aus den 80ern, ist von einem Mann geschrieben und spielt natürlich in einer Zeit, in der Frauen eine ganz andere Rolle in der Gesellschaft hatten). Aus meiner heutigen Perspektive hat der Autor aber einige Gelegenheiten verstreichen lassen, auf die Erfahrungswelt der Frauen von damals mehr einzugehen. Man merkt einfach: es wurde von einem alten, weißen Mann geschrieben. In der Hinsicht hat mich die Erzählung 2-3 Mal regelrecht verärgert. Trotzdem wollte ich weiterlesen und fand auch, dass die Geschichte zu einem recht schönen Ende gekommen ist. Unterm Strich war es für mich zu großen Teilen ein Lesevergnügen, das aber währenddessen etwas holprig wurde. Zum Ende hin habe ich es mehr der Vollständigkeit und Neugier halber fertig gelesen.

  10. Cover des Buches Couchsurfing im Iran (ISBN: 9783492310833)
    Stephan Orth

    Couchsurfing im Iran

     (131)
    Aktuelle Rezension von: Bibliokate

    Stephan Ort reist verbotenerweise als Chouchsurfer durch den Iran, trifft sehr viele faszinierende Menschen, die so gar nicht in das vorurteilsbehaftete Bild vom totalitären Gottestaat das viele westliche Menschen vom Iran haben passen. Er erzählt von seinen Erfahrungen beim Couchsurfing, von Begegnungen mit vielen verschiedenen Menschen. Immer wieder erfährt man interessante Infos zur Geschichte des Iran und da das Buch mit einigen Farbfotos ausgestattet ist bekommt man einen wirklich guten Eindruck dieses Landes.  Sicherlich nicht mein letztes Buch  von Stephan Orth


    Große Empfehlung für alle die sich für den Iran interessieren.

  11. Cover des Buches Du springst, ich falle (ISBN: 9783351050504)
    Maryam Madjidi

    Du springst, ich falle

     (30)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Inhalt/ Klappentext:

    In diesem autobiographischen Debüt erzählt Maryam Madjidi von ihrer Kindheit im Iran, vom Kampf der Eltern für den Kommunismus und davon, wie sie ihr Spielzeug an die Kinder im Viertel verschenken musste. Heimlich vergrub sie die Lieblingssachen im Garten und steckte sie später in den Koffer für Frankreich. Hier sollte das neue Leben anfangen – ohne Kampf, ohne Gefängnis. Aber die kleine Maryam fühlt sich fremd, weil alles fehlt: die eigene Sprache, echte Freunde, die geliebte Großmutter. In Paris sind die Hände des Vaters plötzlich nutzlos, die Augen der Mutter müde. Als junge Frau fährt Maryam nach Teheran zurück, verliebt sich und bricht mit allem." Du springst, ich falle" gewann 2017 in Frankreich den Prix Goncourt für das beste Debüt des Jahres. Ein kraftvoller Roman über das, was unsere Zeit bestimmt – die Suche nach Identität und Heimat.

    Persönliche Meinung:

    Es lag jetzt etwas auf meinem  Stapel, es hatte mich interessiert und ich war dankbar es bei LB gewonnen zu haben. Schnell war es gelesen und mich hat auch nichts wirklich gestört, ist die Grundidee hochspannend und dramatisch. Maryam Madjidi hat mich dennoch immer auf Distanz gehalten, auch wenn sie nahe Erlebnisse geschildert hat, sehr persönlich und mit deutlicher Tragik hat sich dieses Gefühl nicht auf mich übertragen. Die Protagonistin kam mir nicht auf emotionaler Ebene entgegen, sonder blieb für mich auf einer sachlichen Betrachtunsweise stehen. Das hätte ich mir persönlich anders gewünscht. Vielleicht liegt es aber auch an der Zerrissenheit der Autorin und es war ein Stilmittel. Dann war es gut gemacht und findet auch genug Leser, die dies zu schätzen wissen. Mir hat es einen kleinen Eindruck in den Iran gegeben und die schwierige Situation sich zwischen den Stühlen zu spüren. Da hätte für mich noch mehr funktionieren können, denn die Story ist absolut hochaktuell.
  12. Cover des Buches Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen (ISBN: 9783442455157)
    Siba Shakib

    Nach Afghanistan kommt Gott nur noch zum Weinen

     (114)
    Aktuelle Rezension von: monerl

    (4,5 Sterne)

    Meine Meinung
    Ich habe dieses Buch schon sehr viele Jahre ungelesen in meinen Regalen. Aufgrund der derzeitigen desaströsen Situation in Afghanistan, ausgelöst durch den schnellen Abzug der USA, Deutschland und anderen Staaten, hatte ich das Bedürfnis noch mehr über Afhanistan, die afghanischen Bevölkerung und vor allem die afghanischen Frauen zu erfahren! Denn gerade Letztere sind von der erneuten Übernahme des Landes durch die Taliban am meisten betroffen.

    In ihrem vor 20 Jahren erstveröffentlichten Buch „Nach Afghanistan kommt Gott nur zum Weinen“ hat die Autorin eine Biografie über eine afghanische Frau, Shirin-Gol, geschrieben, die in ihrer Kindheit bereits den Einmarsch der Russen in Afghanistan erlebt hat und bis zum Ende des Buches, irgendwann im Jahre 2001, nur Flucht, Hunger und Entbehrungen gekannt hat. Und doch hat sie und haben auch andere Menschen immer noch Hoffnung auf ein neues und besseres Leben in Zukunft.

    „An diesem Nachmittag wissen Shirin-Gol und Azadine noch nichts von dem, was wenig später in ihrer Heimat geschehen wird. Die Ärztinnen, die Landwirtin, die Biologin, die Lehrerinnen, die Ingenieurin, die Krankenschwestern, die Frauen, die lesen können, die Frauen, die nicht lesen können, die Frauen, die sich in Azadines Haus versammelt haben, wissen noch nicht, dass in weniger als einem Jahr die Amerikaner und Europäer ihnen im Kampf gegen die Taleban endlich zu Hilfe kommen werden. An diesem Nachmittag glauben die Frauen zum soundsovielten Mal voller Hoffnung, die ihnen niemand nehmen kann, an eine bessere Zukunft. An diesem Nachmittag wissen sie noch nichts von den vielen Freunden, die sie im fernen Amerika und Europa haben. Sie wissen noch nicht, dass Bekämpfung von Terrorismus nur mit Bomben und Raketen möglich ist.
    Die Frauen wissen an diesem Nachmittag noch nicht, dass bald wieder Bomben auf sie, auf Kabul, auf alle anderen Städte, auf ihr Land geworfen werden.
    An diesem Nachmittag wissen sie nicht, dass die Amerikaner zu ihrer Befreiung kommen werden.“ (Buch, S. 295)

    Es ist sehr bitter, aus heutiger Sicht und mit heutigem Wissen, 20 Jahre später, dass dieser letzte Satz aus obigem Zitat sich von einer Sekunde auf die andere in Luft aufgelöst hat! Am 16. August 2021 haben die Taliban wieder die Macht in Afghanistan übernommen. Sie sind in Kabul einmaschiert, nachdem die USA und auch Deutschland ihre Truppen wieder aus dem Land zurückziehen. Sie geben Afghanistan auf! Zwanzig Jahre lang konnte das Land sich langsam wandeln, nach vorne entwickeln. Frauenrechte wurden auf den Weg gebracht, Frauen konnten wieder in Ruhe studieren (40% der Studierenden sind Frauen gewesen), arbeiten, eine Schulbildung genießen, Künstlerinnen werden, lachen, tanzen und sich auch ohne Koopftuch auf die Straße trauen.

    Die derzeitigen Nachrichten sind niederschmetternd! Menschen fliehen vor der erneuten Herrschaft der Taliban! Die einen, weil sie nicht mehr in einem Land ohne Freiheit, Menschen- und Frauenrechte leben wollen, die anderen, weil sie mit den westlichen Mächten zusammengearbeitet haben und somit potentiell gefährdet sind. Die Taliban haben Namenslisten von diesen Menschen angefertigt, suchen sie, werden sie wahrscheinlich foltern und umbringen.

    Shrin-Gol ist 1979, als die Russen in Afghanistan einmarschieren und sie die ersten Raketen hört, ungefähr 5 Jahre alt. Heute ist Shirin-Gol, falls sie noch lebt, eine Frau von fast 50 Jahren, die wieder die Herrschaft der Taliban erleben muss und die sich vielleicht auch wieder auf eine Flucht begeben wird.

    Shirin-Gol hat einige Kriege erlebt und hat über 20 Jahre ihres Lebens in der Fremde und auf der Flucht gelebt.

    „Wo ist der Unerschied zwischen Heimat und Fremde?, fragen Nafass, Nabi, Navid, Nassim wieder und wieder, bekommen weder von Shirin-Gol noch von Morad eine Antwort. Die vielen Länder, Städte, Berge, Täler, Dörfer, in denen sie gelebt haben, die sie durchquert haben, die sie wieder verlassen mussten, der Sand, die Wüste, die Berge, das ist alles viel zu viel, viel zu groß für die kleinen Seelen der Kinder, die von Mal zu Mal zerbrechlicher, unsicherer, verängstigter werden. Was ist ein Land?, fragen sie. Was bedeutet Heimat? Wo ist mein Zuhause? Was ist eine Grenze? Wo ist sie?“ (Buch, S. 240)

    Die Autorin Siba Shakib zeigt überaus deutlich, was Shirin-Gols Kinder, alle afghanischen Kinder in all den Jahren durchmachen mussten. Sie wachsen ohne ein längerfristiges und richtiges Dach über dem Kopf auf, erleiden Hungerperioden, Verluste von Träumen und einer Zukunft.

    Shirin-Gol versucht zu überleben, sich und ihre Kinder durchzubringen. Sie ist mental stärker als ihr Mann Morad, der sich und sein Unglück versucht mit Opium zu betäuben. In einem Flüchtlingslager im Irak wird sie von Polizisten vergewaltigt und muss auch ihren Körper verkaufen, um an Geld zu kommen und trauert ihrer Vergangenheit nach, als sie als junges Mädchen unter der russischen Herrschaft verpflichtet wurde in die Schule zu gehen. Shirin-Gol ist eine der wenigen Frauen, die lesen und schreiben können. Sie wollte einmal Ärztin werden, doch dann verließen die Russen wieder Afghanistan und der Bürgerkrieg begann.

    Shirin-Gols Leben ist voller Verluste, die sie in ihrem jungen Leben ertragen musste. Ihre älteste Tochter verliert sie an einen jungen Taliban, in den diese sich verliebt hat. Gegen die Liebe gibt es keine Medizin, so stimmt sie nach langer Gegenwehr der Hochzeit zu. Ihren ältesten Sohn verliert sie im Iran, der nicht wieder mit seiner Familie zurück nach Afghanistan will, nachdem der Iran seine Gastfreundschaft zu den geflüchteten Afghanen beendete. Sie verlor ihren Mann Morad an das Opium, das ihn abhängig, schwach und krank gemacht hat. Sie verlor Brüder und Schwestern im Krieg der Mujahedin und doch verlor sie nie die Kraft, immer wieder von vorne anzufangen!

    Siba Shakib zeichnet über das Leben von Shirin-Gol die traurige Vergangenheit Afghanistans. Ein Land, das seit Jahrzehnten nicht zur Ruhe kommen durfte und wohl auch sehr lange nicht zur Ruhe kommen wird.

    „Wir hatten einen König, der von seinem eigenen Schwager, der die Dinge besser machen wollte, abgesetzt wurde. Die Engländer wollten die Dinge in unserem Land besser machen. Die Russen sind gekommen und wollten uns wer weiß wovor retten. Die Amerikaner haben die Mujahedin mit Waffen beliefert und ausgebildet, wieder um wer weiß was zu ändern und damit alles besser wird. Die Mujahedin führen überall Krieg, für einen besseren Islam. Irgendwelche Kommandanten schießen auf andere Kommandanten, weil sie das Beste für uns wollen. In Kandahar, im Süden unserer Heimat, ist eine neue Bewegung aufgetaucht, die sich Taleban nennt und für einen bessseren Islam kämpft.“ (Buch, S. 162)

    Fazit
    Ein sehr aufschlussreiches und informatives Buch, das sehr ausführlich über die Menschen in Afghanistan berichtet und was sie alles erleben mussten. Die Biografie von Shirin-Gol schmerzt von Seite zu Seite mehr, denn diese Frau hat in ihren noch nicht einmal 30 Jahren mehr erlitten und Schlimmes erlebt, dass es in mehr als zig traurige Leben passen könnte.
    Dies ist leider gerade heute wieder ein sehr lesenswertes Buch, auch wenn ich mit dem Schreibstil nicht ganz so zufrieden war.

  13. Cover des Buches Drei sind ein Dorf (ISBN: 9783866482869)
    Dina Nayeri

    Drei sind ein Dorf

     (23)
    Aktuelle Rezension von: Kristall86
    Nilou ist fast 30 Jahre alt. Niemand hätte sich vorstellen können das sie es bis hier hin schafft! Es scheint völlig unglaublig! Denn als Kind musste sie aus dem Iran mit ihrer Mutter fliehen...ihre Heimat verlassen und alles was ihr bis dahin ans Herz gewachsen war. Amerika hat sie verändert, denn das ist nun ihre neue Heimat mit Mann, Familie und Job. Nilous Vater sieht das anders. Ihre Geschichte lebt nochmal neu auf als sie in Amsterdam auf iranische Exilanten trifft. Diese Begegnung bringt alles aus dem Ruder. Dina Nayeri hat mit „Drei sind ein Dorf“ einen unheimlich speziell bewegenden und aktuellen Roman vefasst. Es gibt für mich als Leser nur einen Makel - die Hauptprotagonistin Nilou. Sie ist unheimlich gefühlskalt, eigensinnig, egoistisch und bestimmend. Allein das Verhältnis mit ihrem Vater ist mehr als daneben. Es hat mich oft schockiert wie sie sich verändert hat und das die Geschichte mit ihr irgendwie die Lust nimmt. Die Geschichte an sich ist unheimlich grandios geschrieben. Die Erzählstränge sind harmonisch, der Schreibstil flüssig und gekonnt aber Nilou verdirbt einem den Lesefluss. Mag sein, dass das Berechnung der Autorin war, aber wenn man eine Protagonistin nicht mag, reißt das die gesamte Story irgendwie nieder. Dabei hat Nayeri wirklich ein extrem gutes Gespür und weiß wie sie die Leser auf Trapp hält. Gerade weil das politische Thema heute so brandaktuell ist und die Frage „Was ist Heimat!?“ überall auf uns trifft. Dabei ist diese Geschichte nicht diese typische sondern wir dürfen als Leser hinter die Kulissen blicken....nur eben bei Nilou hat sich diese Kulisse zusehends verändert und zwar zum Negativen. Ihre Gefühlswelt hat mich zum Teil wirklich abgestoßen. Ich hätte ihr so gern mal die Meinung gesagt.... sie ist schließlich nicht der Mittelpunkt der Welt! Jeder Flüchtling aber auch Daheim-gebliebene hat sein Päckchen damit zu tragen und geht anders damit um. Nilou drängt ihre Meinung jeden auf, ob man sie hören will oder nicht. Wie gesagt, die Autorin wird sich etwas dabei gedacht haben, nur ohne Nilou hätte mir diese Geschichte noch besser gefallen. Hier steckt unheimlich viel Potential drin! Nichtsdestotrotz, dieses Buch hallt nach, das glaubt man nicht...selten so eine Geschichte gelesen!
  14. Cover des Buches Ein Mann namens Ove (ISBN: 9783596704798)
    Fredrik Backman

    Ein Mann namens Ove

     (788)
    Aktuelle Rezension von: Anna_Ressler

    Inhalt: Ove liebt Regeln und Vorschriften. Immer wieder weist er auch seine Nachbarn darauf hin. Seit dem Tod seiner Frau scheint er ohnehin nur noch ein verbitterter Griesgram zu sein. Doch dann zieht eine neue Familie nebenan ein und bringt sein Leben ganz schön durcheinander. 

    Meine Meinung: Ich brauchte wirklich sehr lange um mit dem Schreibstil, dem Humor und mit Ove klarzukommen. Immer wieder legte ich das Buch zur Seite. Auch weiß ich nicht was ich von dem ständigen Wechsel Gegenwart/Vergangenheit halten soll. Einerseits waren die Einschübe aus der Vergangenheit hilfreich um Ove besser zu verstehen - andererseits haben sie mich im Lesefluss doch empfindlich gestört. Doch irgendwann hat der alte Mann es geschafft sich in mein Herz zu schleichen. Und ich konnte die letzten Seiten der Geschichte genießen. Besonders Parvaneh half mir dabei - und natürlich auch all die anderen Personen die nach und nach Teil von Oves Leben werden. 

    Das Buch macht Mut und regt dazu an unseren Umgang mit anderen Menschen in unserem Umfeld zu hinterfragen. 

    Mein Fazit: Nach einem schwierigen Einstieg durchaus lesenswert. 

  15. Cover des Buches Endlich frei (ISBN: 9783404608928)
    Mahtob Mahmoody

    Endlich frei

     (41)
    Aktuelle Rezension von: MelLila

    Der Titel hält was er verspricht. Bei mir ist es zwar schon länger her, dass ich den Klassiker Nicht ohne meine Tochter gelesen habe, aber die Geschichte der Tochter aus dem Buch und wie ihr Leben nach der Flucht weiter verlief ist natürlich auch sehr interessant und spannend. Sie schreibt sehr einfach, sodass man die Geschichte schnell und flüssig nachlesen kann.

  16. Cover des Buches Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat' (ISBN: 9783328100836)
    Jürgen Todenhöfer

    Inside IS - 10 Tage im 'Islamischen Staat'

     (101)
    Aktuelle Rezension von: Frank_Schitty

    Habe das Buch aus Interesse am Islamischen Staat gekauft. Habe zuvor einen Bericht darüber im Internet gesehen.

    Ich war von der Berichterstattung von Anfang an mitgerissen. 

    Man konnte tiefe Einblicke in den Islamischen Staat erhalten, von der Ideologie und von den Menschen die dort leben.

    Es war sehr aufschlussreich und man erfährt Dinge die so nirgends gebracht werden.

  17. Cover des Buches Im Meer schwimmen Krokodile (ISBN: 9783328106654)
    Fabio Geda

    Im Meer schwimmen Krokodile

     (121)
    Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecher

    Der Roman handelt von der Lebensgeschichte von Enaiatollah Akbari. Er wächst bis ca. 12 Jahren in Afghanistan auf bis seine Mutter beschließt, dass er aus seinem Land flüchten soll, um ein besseres Leben zu haben. Allein auf sich gestellt, schlägt er sich über mehrere Monate und mit einigen Rückschlägen in Pakistan und im Iran durch. Bis er es schafft über die Türkei und Griechenland unter gefährlichen Umständen in Italien zu landen. 

    Das Buch ist 2010 rausbekommen und traurigerweise hat es an Aktualität nicht verloren. Die Geschichte von der Flucht ist einerseits sehr schön geschrieben und durch Textpassagen im Interview-Stil unterbrochen. Anderseits ist die Thematik wahrscheinlich nicht für jeden was, da man so furchtbare Dinge, die passieren, keinem Menschen nur im Ansatz wünscht. Aber Akbari hat es geschafft, den Sprung in ein sicheres und hoffnungsvolles Leben in Italien. 

  18. Cover des Buches Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren ... (ISBN: 9783770166817)
    Lois Pryce

    Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren ...

     (10)
    Aktuelle Rezension von: Lesezeichenfee

    Ich finde das Buch ist sehr interessant, schön, interessant, teilweise gruselig oder witzig und einfach unterhaltend. Vor allem die meisten Iraner sind total nett und laden sie sehr oft zum Essen ein, und schenken ihr viel Obst, vor allem Granatäpfel. Lois Pryce verliebt sich in den Iran und fährt/fliegt noch öfter dahin. Irgendwie stellt sie dabei fest, dass sich nicht wirklich was für die Iraner ändert. Selbst die internationalen Sanktionen beendet werden, merken die Iraner nichts davon. Untermalt ist das Buch mit Bildern von der Autorin. Was mir auch sehr gut gefällt. Die Autorin ist sehr mutig, aber hat auch bei einigen (unötigen) Situationen viel Angst. Vor allem an einer Tankstelle mit einem drogensüchtigem Tankwart. Zudem ist sie Engländerin und muss/kann die Sprache nicht sprechen. Nur ein paar Wörter. Es finden sich genügend Menschen, die Englisch sprechen und sich mit ihr unterhalten wollen oder gar mit ihr englische Lieder singen. Zudem ist der Autofahrstil der Iraner noch schlimmer, als der von den Ägyptern, was für wahnwitzige Situationen sorgt. Trotzdem hat die Autorin überraschenderweise keinen Unfall.

    Lesezeichenfees Kurzfazit
    Allerdings lernt man zu viel geschichtliches, zu ausführlich, über den Iran, das stört dann doch hin und wieder das Lesevergnügen. Und die letzten 2 Besuche sind sehr, sehr kurz gehalten, nur auf ein paar Seiten, was ich sehr schade finde. Daher 4 Sterne und eine Empfehlung.

  19. Cover des Buches Fernweh im Herzen (ISBN: 9783959102049)
    Nina Sedano

    Fernweh im Herzen

     (18)
    Aktuelle Rezension von: ckfree

    Das Cover ist altbacken und passt nicht zu einer modernen Weltenbummlerin, die mit dem Rucksack unterwegs ist. Zudem ist der Titelzusatz irreführend, denn es handelt sich nicht nur um neue Abenteuer. Das Buch umfasst vielmehr Reiseerlebnisse aus 40 Jahren (1978-2018), in denen teilweise Rückblicke zu anderen früheren Reisen gemacht werden.

    Die Anekdoten sind mal mehr, mal weniger lang und beschäftigen sich mehr mit den Reisebekanntschaften der Autorin als mit den Ländern.
    Oft wirkt es wie ein Tagebuch oder eine Dokumentation runtergeschrieben. Zwischendurch gibt es Passagen, die sich wie ein Sachbuch über Tiere oder Belehrungen über Natur, Umweltschutz etc. lesen.

    Äußerst wenig verspürt man die Freude und Euphorie der Reisenden.
    So ist das selbst auferlegte Vorhaben "Dieses Buch möchte zum Reisen animieren" in meinen Augen klar gescheitert. So schwappt keine Begeisterung oder springt der Funke für einzelne Länder auf mich nicht über, sodass ich nach dem Lesen ohne neues Fernweh zurückbleibe.

  20. Cover des Buches Was bleibt von uns (ISBN: 9783312010899)
    Golnaz Hashemzadeh Bonde

    Was bleibt von uns

     (14)
    Aktuelle Rezension von: buchlesenliebe

    „Ich möchte meinen Herzschlag behalten. Ich möchte ihn für mich selbst haben, und ich will ihn selbst tragen und möchte nicht nur als Schatten im Körper eines anderen existieren, in der Erinnerung eines anderen” (S.35).

    Der 60jährigen Nahid bleibt nicht viel. Nur die traurige Gewissheit, dass sie bald sterben wird. Unheilbar an Krebs. Ihr Leben war und ist geprägt von Verlusterfahrungen. Vor 40 Jahren floh sie mit ihrem vor kurzem verstorbenen Mann Masood und ihrer mittlerweile erwachsenen Tochter Aram aus dem Iran nach Schweden. Ließ ihre Heimat, ihre Mutter und Familie zurück, verlor den Glauben an die iranische Revolution 1979, in dessen Zuge bei einer Demonstration ihre jüngste Schwester spurlos verschwunden ist. Und Nahid verlor auch das Vertrauen in das Leben, in sich selbst, in die Liebe und in ihre Mitmenschen.

    Konfrontiert mit dem nahenden Tod, lässt die Ich-Erzählerin schonungslos ehrlich in Vorwärts- und Rückwärtsblenden ihr Leben Revue passieren. Oft unfähig zur realen liebevollen und empathischen Kommunikation auf Augenhöhe, erzählt Nahid ihrer Tochter in Gedanken von ihren Ängsten, ihrer unstillbaren Lebenssehnsucht, von den schmerzlichen Fluchterfahrungen, dem Leben im Exil sowie der Aufgabe ihrer Ideale, Träume und der Hoffnung auf wahrhafte Freiheit. Sie berichtet von häuslicher Gewalt, den grauenhaften Erlebnissen während der iranischen Revolution, ihren nagenden Zweifeln an der Mutterrolle und ihrer unfassbaren Einsamkeit.

    Eine Sympathieträgerin ist Nahid nicht. Aufgrund ihrer leidvollen Erfahrungen hat sie sich zu einer ambivalenten, zerrissenen, bindungsunfähigen und narzisstischen Persönlichkeit entwickelt, die ihre eigenen unerfüllten Wünsche auf ihre Tochter projiziert und zunächst kaum Zugang zu ihren Gefühlen findet. Schreit dadurch im übertragenen Sinn doch eigentlich nur stumm um Hilfe und Zuwendung. Nur peu á peu öffnet sich Nahid im Romanverlauf ihren Gefühlen, lässt Anzeichen von Demut erkennen. Können Mutter und Tochter wieder zueinander finden? Sich „einander bleiben", wenn alles verloren scheint? 

    Der Roman von Golnaz Hashemzadeh, die wie ihre Protagonistin aus dem Iran geflohen und in Schweden aufgewachsen ist, liest sich wie im Rausch. Er besticht durch eine schnörkel- und erbarmungslose Sprache sowie eine gekonnte psychologische Figurenzeichnung mit allen Facetten des menschlichen Seins im Rahmen der geschilderten Erfahrungen. Das Lesen schmerzt ungemein, bewegt, verstört an vielen Stellen und wühlt innerlich auf. Aber auch im positiven Sinn. Für mich ein Lesehighlight und eine unbedingte Empfehlung.

    Übersetzt aus dem Schwedischen von Sigrid C. Engeler.

  21. Cover des Buches Per Anhalter durch den Nahen Osten (ISBN: 9783959102452)
    Patrick Bambach

    Per Anhalter durch den Nahen Osten

     (15)
    Aktuelle Rezension von: BeiterSonja

    Das Cover gefällt mir.

    Am Anfang gibt es eine Karte, wo man als Leser die Reise mit verfolgen kann.

    Der Schreibstil ist im Tagebuch - Stil. Finde ich persönlich gut, daher hat man das Gefühl mit dabei zusein. Den Mut die Strecke komplett zu trampen und bei Leuten zu übernachten, welche ich nicht kenne - Couchsurfing - finde ich mutig. Gerade in gewissen Ecken auf der Strecke.


    Ich hätte gerne mehr erfahren über manche Orte bzw. von der Bevölkerung, Fotos fehlen auf jeden Fall. Das macht einen guten Reisebericht aus. Es gibt am Ende einige Fotos aber für einen Reisebericht zu wenig. 

  22. Cover des Buches Ein Teelöffel Land und Meer (ISBN: 9783442481224)
    Dina Nayeri

    Ein Teelöffel Land und Meer

     (55)
    Aktuelle Rezension von: Miia

    Inhalt: 

    Saba ist elf, als die islamische Revolution ausbricht und ihre wohlhabende christliche Familie Teheran verlassen muss, um sich, fern von den prüfenden Blicken der Mullahs, auf ihre Ländereien in der Gilan-Provinz zurückzuziehen. Kurz darauf verschwinden Sabas Mutter und ihre Zwillingsschwester Mahtab spurlos. Ihr Vater und die Nachbarn im Dorf behaupten, Mahtab sei bei einem Bad im Kaspischen Meer ertrunken und die Mutter sei bei dem Versuch, den Iran zu verlassen, festgenommen worden. Doch Saba glaubt ihnen nicht. Für sie ist klar, dass ihre geliebte Schwester jenseits des Ozeans ein neues Leben begonnen hat ...


    Meine Meinung: 

    In diesem Buch geht es um Saba, die im Iran aufwächst. Ihre Mutter und ihre Schwester verschwinden, aber Sabas Erinnerungen sind schwammig. Ist ihre Schwester ertrunken oder nach Amerika geflohen? Niemand scheint wirklich die Wahrheit zu sagen und Saba selbst lässt sich immer wieder neue Geschichten zu dem Leben ihrer Schwester einfallen. Was ist wahr, was ist Lüge?

    Das Buch lebt meiner Meinung nach von der Kultur im Iran. Das Leben im Iran, die Bräuche und Traditionen dort, sind sehr inspirierend und sehr interessant. Ich weiß nicht viel über das Leben und die politischen Zustände im Iran, aber durch das Buch ist mir das Land etwas näher gekommen und ich habe viel interessantes erfahren. Ganz besonders toll, fand ich die Lebensweisheiten, die immer mal wieder in die Geschichte eingeflochten wurden. Das Buch kann einen daher wirklich inspirieren und zum Nachdenken anregen. Das ist meiner Meinung nach aber auch die Stärke des Buches, denn der Rest hat mir leider gar nicht gut gefallen. 

    Saba ist der Hauptcharakter in dieser Geschichte und leider gefällt sie mir gar nicht. Sie ist verwöhnt, eingebildet, egoistisch und meiner Meinung nach auch kaltherzig. Man hat immer das Gefühl, dass sie nur für sich selbst und nie für andere handelt. Das macht es extrem schwer Mitgefühl zu empfinden, obwohl Saba wirklich viel Schlimmes erlebt und auch viel mitmachen muss. Aber Saba ist mir einfach so unsympathisch, dass ich mich weder mit ihr freuen kann, noch jemals mit ihr leiden kann. Mir war daher wirklich egal, wie ihre Zukunft aussehen wird. Dazu fand ichs teilweise wirklich anstrengend, dass sie sich Geschichten über ihre Schwester ausgedacht hat. Mir war das immer zu viel Fantasie, zu wenig Fakt. Hätte da manchmal gerne etwas Schlüssigeres gelesen. Am Lesen hat mich daher nur das Geheimnis um Mahtab gehalten. Ich habe so sehr gehofft, dass da noch eine überraschende Wendung kommt. Ich habe am Ende nur noch quer gelesen, weil mich die Geschichte von Saba nicht interessiert hat, aber ich wissen wollte, was damals mit Mahtab und der Mutter passiert ist. Leider ist die Auflösung mehr als vorhersehbar und absolut nicht überraschend. Ich habe zwar verstanden, worauf das Buch hinaus wollte und finde auch gut, dass insbesondere die Mentalität, die Entwicklung des Lebens und das Aufarbeiten von Geschehnissen bezüglich Saba im Vordergrund stehen, aber irgendwie hatte ich mir trotzdem mehr erhofft, was das Geheimnis um Mahtab angeht. 


    Fazit:

    Ich kann hier leider nur 2 Sterne vergeben, weil die Geschichte mich nicht gepackt hat. Die Stärke des Buches liegt insbesondere in der Aufarbeitung des Lebens und der Kultur im Iran. Man erfährt viel über die politischen Verhältnisse, das Leben dort und es werden einem auch viele Lebensweisheiten nahe gelegt. Das ist wirklich gelungen. Die Hauptfigur Saba ist leider aber sehr eingebildet und unsympathisch. Obwohl sie ein schweres Leben hat, kann man kein Mitgefühl empfinden. Die Auflösung um ihre Schwester und ihre Mutter ist mir persönlich zu vorhersehbar. Ich vergebe gutmütige 2 Sterne für die wissenswerten Details über das Leben und die Kultur im Iran.
  23. Cover des Buches Entlang den Gräben (ISBN: 9783406714023)
    Navid Kermani

    Entlang den Gräben

     (10)
    Aktuelle Rezension von: 101844

    Allein von der Aufmachung, kommt "Entlang den Gräben" sehr wertig und ansprechend daher. Die Landkarte mit verzeichneter Route stimmt schon vor dem Lesebeginn auf die Reise ein und heizt die Neugierde an. Strukturell ist das Buch in Tagen unterteilt. So bekommen die Lesenden einen Eindruck über die Dauer der Aufenthalte.

    Obwohl eine Reportage vorliegt, schafft es der Autor mittels der Ich-Erzählperspektive und seiner ganz eigenen Note, die sich aus forscher Direktheit, Humor und Empathie auszeichnet, eine angenehme und dichte Atmosphäre zu kreieren. Gleich zu Beginn lernen die Lesenden den Autor als einen intelligenten, aufgeschlossenen und mutigen Mann kennen. So setzt er sich zum Beispiel zum Kaffee und Kuchen in eine AFD-Versammlung. Solche Momente gibt es mehrere und sie lassen einen beim Lesen die Luft anhalten. Trotz klar formulierter Kritik bleibt Navid Kermani respektvoll, wertschätzend und verständnisvoll. In diesem Verhalten manifestiert sich der Begriff "Toleranz" in seiner authentischsten Bedeutung und ringt den Lesenden unweigerlich Anerkennung ab.

    Gemeinsam mit dem Autor, stellt man beim Lesen fast, wie fern doch der so nahe Osten eigentlich ist. In unzähligen Gesprächen mit den verschiedensten Personen, erschließen sich auf intensive Weise ganz neue Perspektiven auf die Vergangenheit, Gegenwart und etwaige Zukunft Europas. Gerade die persönlichen Schicksale und Erfahrungsberichte regen zum Nach- und Mitdenken an.

    Der Schreibstil ist so unmittelbar und ehrlich, dass zu keiner Zeit das Gefühl aufkommt, man wäre nicht eine*r der Mitreisenden. Vor allem tabuisierte Themen, kommen schonungslos zur Sprache.

    Die ausgiebigen politischen Sequenzen werden immer wieder durch persönliche Anekdoten, Eindrücke und Beobachtungen entzerrt. Vor allem letztere sind bemerkenswert. Der Autor hat einen Blick für Details und entwirft wortgewandt beeindruckende Landschaftsbilder.


    Vor allem die ersten Stationen der Reise stellen den Lesenden bekannte Schrecken aus der Vergangenheit noch einmal sehr deutlich vor Augen. Allein von Köln bis Litauen hätte der Buchtitel auch "Entlang den Gräbern" lauten können. Man verdrängt den Umfang der Gräueltaten der vergangenen Jahrzehnte bis hinein in die Gegenwart. Und dennoch vermag Navid Kermani es, die Stimmung nicht ins Bodenlose kippen zu lassen. Respektvoll verweilt er an den richtigen Stellen und treibt die Reise dann gekonnt schwungvoll wieder in höhere Stimmungslagen. Kein einfacher Spagat, der ihm hier gelungen ist. Besonders interessant, sind auch die Gespräche mit prominenten Persönlichkeiten, die ich an dieser Stelle nicht vorweg nehmen möchte.


    Insgesamt löste "Entlang den Gräben" in mir die ganze Palette an Emotionen aus. Von sprachloser Betroffenheit bis hin zu spontanem Auflachen. Ein Lesegenuss der besonderen Art.

  24. Cover des Buches Die verschleierte Gefahr (ISBN: 9783958900776)
    Zana Ramadani

    Die verschleierte Gefahr

     (13)
    Aktuelle Rezension von: Levus
    Zana Ramadani spricht offen aus, worüber in den Leitmedien und in der Öffentlichkeit wegen falschverstandener Toleranz und übertriebener politischer Korrektheit immer noch nicht geredet wird. Sie benennt Ursachen, erklärt Hintergründe und beleuchtet insgesamt, worin die vielfältigen Probleme mit dem Islam und seinen Anhängern bestehen. Ein sehr informativer und wichtiger Beitrag zur aktuellen Diskussion. Dieses Buch sollte Pflichtlektüre sein für Politiker (und für Wähler) unabhängig von Religion und politischer Einstellung.

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