Bücher mit dem Tag "islam"

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262 Bücher

  1. Cover des Buches Der Medicus (ISBN: 9783453503946)
    Noah Gordon

    Der Medicus

    (2.276)
    Aktuelle Rezension von: Stephan_Buttgereit

    Was an Der Medicus bis heute trägt, ist nicht allein die Opulenz seines historischen Schauplatzes. Noah Gordon lässt Rob Cole aus einem England der Angst und des Aberglaubens aufbrechen und macht seine Reise nach Isfahan zu einer Schule des Sehens. Medizin erscheint hier nicht als dekoratives Fachwissen, sondern als genaus hinsehen, zweifeln, lernen.


    Besonders stark ist die Spannung zwischen dem Wissensdurst des jungen Engländers und einer Welt, in der religiöse Zugehörigkeit, Herkunft und Krankheit über Leben und Tod entscheiden. Die Begegnung mit Avicenna gibt dem Roman seinen geistigen Mittelpunkt, ohne die Geschichte in eine Lehrstunde zu verwandeln. Pest, Hunger, die Gefahren der Reise und das Leben in Persien haben Gewicht, doch sie überlagern nie Robs Entwicklung.


    Natürlich arbeitet der Roman mit den großen Mitteln des historischen Erzählens. Abenteuer, Liebe, Verlust und Bewährung. Gerade weil Gordon sie so souverän ordnet, wird daraus kein bloßer Kostümroman, sondern ein mitreißendes Buch über Neugier und den Preis des Wissens. Ein Klassiker des Genres, der seine Länge verdient.

  2. Cover des Buches Der Alchimist (ISBN: 9783257072723)
    Paulo Coelho

    Der Alchimist

    (2.180)
    Aktuelle Rezension von: Karandi


    Ich weiß, dass dieses Buch von vielen geschätzt und zurecht als Klassiker angesehen wird, während andere es eher als überbewertet empfinden. Ich persönlich muss sagen, dass ich mit dem Buch sehr zufrieden war.

    Besonders gefallen hat mir die außergewöhnlich schöne Sprache sowie die Weisheit, die darin zum Ausdruck gebracht wird. Die Geschichte erinnert an Erzählungen aus Tausendundeine Nacht und besitzt einen starken orientalischen Flair, der mir sehr gut gefallen hat.

    Für mich genießt dieses Buch seinen Ruhm und sein Ansehen völlig zurecht, und ich kann es auf jeden Fall weiterempfehlen. Dennoch würde ich es nicht als Lebensratgeber betrachten, sondern vielmehr als einen Roman, der sich angenehm lesen lässt und ein gutes Gefühl hinterlässt.

  3. Cover des Buches Tausend strahlende Sonnen (ISBN: 9783596520701)
    Khaled Hosseini

    Tausend strahlende Sonnen

    (1.279)
    Aktuelle Rezension von: Primrose24

    Mariam ist fünfzehn als ihre Mutter stirbt und sie an den deutlich älteren Raschid verheiratet wird. Was auf sie wartet, ist ein Leben voller Misshandlungen. Als Jahre später die Familie von Laila bei einem Bombenangriff ums Leben kommt, wird sie Raschids Zweitfrau. Nachdem die beiden Frauen einander zunächst mit Skepsis und Misstrauen begegnen, wächst doch nach und nach Zusammenhalt, der Hoffnung auf ein besseres Leben birgt.   

    Ich finde es sehr schwierig dieses Buch zu bewerten und zu schreiben „es hat mir gefallen“. Denn wie kann mir ein Buch gefallen, dass so voller Krieg, Tod, Misshandlung und der Unterdrückung von Frauen ist. Das Lesen dieser Geschichte ist mir wirklich schwergefallen, da ich oft das Gefühl hatte ein Stein liegt auf meiner Brust. Gleichzeitig hat mich die Geschichte oft sehr wütend gemacht. Wie alleingelassen sich diese Frauen in ihrem eigenen Land und ihren eigenen vier Wänden gefühlt haben. Umso schöner, dass sie wenigstens Unterstützung beieinander gefunden haben. Diese Geschichte ist vor allem zu bedrückend, da sich in all der Zeit nichts geändert hat und man beim Lesen weiß, dass die Geschichte nicht gut enden kann, wenn man sich die Zustände in Afghanistan ansieht. Ich leide mit allen Frauen auf dieser Welt, die jeden Tag solchen Grausamkeiten ausgesetzt sind. 

  4. Cover des Buches Ich bin Malala (ISBN: 9783426788271)
    Malala Yousafzai

    Ich bin Malala

    (297)
    Aktuelle Rezension von: Slothready

    Malala Yousafzai kämpft mutig dafür, dass alle Menschen die Chance auf Bildung haben, Lesen und Schreiben lernen dürfen und in Freiheit und selbstbestimmt leben können. Sie kämpft  mit allen Mitteln, riskiert dabei ihr eigenes Leben und wird von den Taliban beinahe getötet. In "Ich bin Malala" erzählt sie ihre Geschichte. Sie erzählt ihre Kindheit im Tal Swat in Pakistan, sie berichtet über die Verhältnisse dort und den Kampf der Menschen ums Überleben, sie erzählt von dem Tragischen Zwischenfall, bei dem sie beinahe gestorben wäre, von ihrem Weg zurück ins Leben und von ihrem Neubeginn im sicheren England.

    Das Buch ist ein beeindruckendes Zeugnis eines sehr mutigen Mädchens. Es eröffnet neue Perspektiven und lässt einen die Gegebenheiten in Pakistan, das Leben der Menschen dort und die Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen haben, etwas besser verstehen. Es hat mich mit Respekt dem jungen Mädchen gegenüber erfüllt, das für Dinge kämpft, die für uns selbstverständlich sind und es ließ mich dankbar zurück, dass ich in einem Land leben darf, in dem der Zugang zu Bildung für alle möglich ist, in dem Frieden herrscht und in dem die Menschen nicht täglich aufs Neue bedroht werden. 

    Der Inhalt von "Ich bin Malala" war großartig und beeindruckend, der Schreibstil war leider zu langatmig und und durch die vielen Eigennamen etwas mühsam zu lesen. Man hätte auch das ein- oder andere Kapitel ruhig etwas kürzer fassen können. Insgesamt war es aber ein tief bewegendes Buch, das einem neue Blickwinkel eröffnet und das ich sehr gerne weiterempfehle, um so manches Geschehen auf der Welt besser verstehen zu lernen.

  5. Cover des Buches Theos Reise (ISBN: 9783446203426)
    Catherine Clément

    Theos Reise

    (243)
    Aktuelle Rezension von: Xirxe

    Theo, ein 14jähriger Junge aus Paris mit einem ungewöhnlichen Interesse an griechischer Mythologie und am alten Ägypten, leidet an einer lebensgefährlichen Krankheit. Seine vermögende und etwas skurille Tante Marthe lädt ihn zu einer Weltreise ein, die ihn zu den Religionen der Welt führen soll, mit der Hoffnung dass ihr Neffe währenddessen geheilt wird. Schwerpunkt dieses Buches ist eindeutig die Darstellung der unterschiedlichen Religionen und der Erfahrungen, die Theo damit während Gottesdiensten, Riten, Festen und ähnlichem macht. Die Menge an Fakten und Informationen, die hier präsentiert werden, ist zwar manchmal erschlagend, doch wer sich für dieses Thema interessiert, wird trotz der rund 700 Seiten keine Minute gelangweilt sein. Die Darstellung ist gut verständlich und insbesondere für Jugendliche (für die das Buch gedacht ist) und Unwissende sehr informativ. Nicht nur der aktuelle Stand der jeweiligen Religionen wird beschrieben sondern auch die Entstehung und Entwicklung bis hin zum Erscheinen dieses Buches (also Ende des letzten Jahrtausends). Die von manchen Leserinnen und Lesern genannte Oberflächlichkeit konnte ich nicht nachvollziehen: Vielleicht sollte man einfach im Auge behalten, für welche Zielgruppe dieses Buch geschrieben wurde. Und langatmig? Nun gut, wer kein Interesse für Religion aufbringt, dem sei dieses Buch auch nicht empfohlen, die Rahmenhandlung ist wirklich nur Nebensache.

  6. Cover des Buches Unterwerfung (ISBN: 9783832163594)
    Michel Houellebecq

    Unterwerfung

    (311)
    Aktuelle Rezension von: Jule6243

    Zum Inhalt:

    Der Roman ist aus der Sicht des Literaturprofessors Francois geschrieben, der in Paris an der Sorbonne lehrt und mit seinen Worten im besten Alter ist. Sein ganzes Leben hat er sich mit den Gedanken eines anderen Mannes beschäftigt, dem Schriftsteller Huysmans. Ehe und Kinder lehnte er ab, ganz im Gegensatz zu wesentlich jüngeren Studentinnen. Ab und an trifft er sich mit Mirijam. Zu Beginn des Romans wird in Frankreich gewählt. Dabei kommt der Politiker Mohammed Ben Abbas an die Macht, führt eine Theokratie, die Scharia und die Polygamie ein. In Paris gibt es daraufhin Unruhen und Francois verlässt die Stadt für einige Zeit. Mirijam hat bereits das Land verlassen, die und ihre Familie sind Juden und sehen keine sichere Zukunft mehr in Frankreich. Nach einer Zeit der Untätigkeit kehrt Francois nach Paris zurück. Er stellt fest, dass er Pensionsgehalt bekommt, also nicht mehr an der Universität unterrichten soll. Im Hinblick auf seinen Alkoholismus stellt er fest, dass er ohne sinnvolle Arbeit nicht mehr lange leben wird. Kurz darauf verbringt er einige Zeit in einem Schweigekloster und kehrt dann nach Paris zurück. Um wieder an der Universität arbeiten zu dürfen, muss er zum Islam konvertieren. Einige Kollegen haben es schon getan und empfehlen diesen Schritt. Der letze Abschnitt ist im Konjunktiv geschrieben, sodass offen bleibt, ob Francois wirklich konvertiert.


    In paar Gedanken dazu:

    Der Roman greift zwei große Gedanken der aktuellen französischen Politik auf: Einerseits das Erstarken extremer Rechter, andererseits die Islamisierung Europas. Den Roman als Europäer mit christlichem Glauben zu lesen, kann sehr spannend sein. Hier wird den Figuren der Islam, bzw. einige herausgepickte Werte, Normen und Regeln dieser Religion übergestülpt, wie über Jahrhunderte hinweg Christen ihren Glauben anderen Gruppen aufgezwungen haben. Manche mögen meinen: Ausgleichende Gerechtigkeit. Andere sehen den Spiegel, der vorgehalten wird.

    Ich habe von Houellebecq bereits Ausweitung der Kampfzone gelesen. Dass Frauen in seinen Büchern nicht besonders gut wegkommen war mir bereits klar. Doch muss man sich immer vor Augen halten, dass er hier aus der Sicht eines alten weißen privilegierten Mannes schreibt. Ein Mann der sich sein Leben lang nur mit den Texten eines anderen alten weißen Mannes beschäftigt hat. Der Frauen nur durch die Brille sexueller Lust wahrnimmt. Dass von diesem Protagonisten tiefere Gedanken für das andere Geschlecht übrig sind, wäre eine Überraschung.

    Doch bleiben wir bei den Frauen. Francois nimmt die politischen Veränderung vor allem an den Frauen wahr. Er bemerkt andere Kleidung, sieht, dass ein ehemaliger Kollege von ihm nun plötzlich eine zweite Frau hat, ein fünfzehnjähriges Mädchen, obwohl er sein langem schon mit seiner vierzigjährigen Frau verheiratet ist. 

    Ganz bewusst wird nicht näher auf die Situation der Frauen eingegangen. Nicht weil es nicht wichtig wäre oder weil Houellebecq keine Relevanz darin sähe. Es geht um die Sicht Francois, für ihn ist es nicht relevant, Für ihn hat eine Islamische Herrschaft im Land völlig andere Auswirkungen, als auf Frauen. Bevor er dem Islam beitreten will, bekommt er ein Buch ausgeliehen, das die Grundzüge des Glaubens erklärt. Natürlich interessiert er sich besonders für die Polygamie. So ganz kann er der pseudointellektuellen Erklärung nicht folgen und er fragt bei der ersten Gelegenheit bei seinem Kollegen nach. Was er hört, könnte auch aus einem Alphamale-Video transkribiert worden sein. Phrasendreschen vom maskulinen Mann. Ein wildes umher schmeißen von angeblichen biologischen Fakten. Gekrönt mit der, in Incelforen gängigen Meinung, dass manche Männer, gerade gebildete einen Anspruch auf eine oder mehr Frauen haben, er dürfe sich eine aussuchen. Sie sollen glücklich sein, mit einem alten Uniprofessor vermählt zu werden.

    Wenn die männlichen Figuren um Francois jemals Werte hatten, die die Trennung von Religion und Staat beinhalten oder die Eigenständigkeit der Frauen beinhalten (die dürfen ab den Hälfte des Buches größtenteils nicht mehr arbeiten), dann wurden diese schnellstens über den Haufen geworfen. Opportunismus in seiner reinsten Form und natürlich leicht, denn für diese Männer wird es noch angenehmer im leben.

    Der Titel verweist auf das Wort Islam, das übersetzt Hingabe heißt. Hingabe hat etwas sanftes, etwas, was tief aus dem Herzen kommt, wohl überlegt, mit Leidenschaft vorgebracht. Unterwerfung ist mit Widerwillen verbunden. Hier folgt das massenhafte Konvertieren nicht auf eine Hingabe, sondern die Unterwerfung. Von viel Widerwille kann aber nicht die Rede sein, wenn man die Figuren betrachtet, die Uniprofessoren im besten alter sind. Hier verschwimmen die Begriffe.

    Es ist erschreckend zu lesen, dass sich männliche Figuren sofort eine zweite Ehefrau zulegen, obwohl sie mit dem Islam nie etwas am Hut hatten und seit 20 Jahren verheiratet sind. Er darf, also sollte er, also muss er? Der Religion wegen? Er hat die zweite Frau doch verdient, der Maskuline Mann. Sie ist Ware. 

    Die Geschichte steht im Kontrast mit den Personen, die auf Demos am lautesten schreien, sie würden "ihr" Abendland vor einer Islamisierung schütze. Die privilegierten schreien, die Männer, die sich nicht fürchten müssen. Genau die, welche davon in diesem fiktiven Roman profitieren würden. (Meine Meinung: Niemand muss sich vor einer Islamisierung des Abendlandes fürchten, das ist Quatsch)

    Alles in Allem ist der Roman sehr gelungen. Er hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich halte die Herangehensweise für originell und mutig. Es wird sich nicht hinter hohlen Phrasen versteckt, denn der Inhalt muss nicht hinter der Sprache versteckt werden. Trotzdem kam mir der Protagonist ausgewaschen und völlig von Emotion befreit vor. Ihn gern zu haben kam gar nicht in Fragen, doch dann hätte ich ihn gerne leidenschaftlicher gehasst.


  7. Cover des Buches Die satanischen Verse (ISBN: 9783328603047)
    Salman Rushdie

    Die satanischen Verse

    (117)
    Aktuelle Rezension von: BluevanMeer

    Salman Rushdie spielt mit verschiedenen Mythen, religiösen Ideen, religiösen Überlieferungen, Überzeugungen, Mysterien und verwebt in seine Geschichte die unterschiedlichsten Sagen und Erzählungen aus verschiedenen Religionen. Das ergibt einen unterhaltsamen und ausschweifenden Roman, der es wirklich in sich hat. Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, aber ganz ehrlich: richtig nacherzählen worum es geht und Knotenpunkte aus diesem wilden und wunderbaren Roman herauszudestillieren, ist mir verdammt schwer gefallen. Daher nun in groben Zügen eine Beschreibung dieses Feuerwerks der Literatur.

    Die Hauptprotagonisten sind zwei muslimische Männer, Gibril Farishta und Saladin Chamcha, die 111 Tage lang (die 111 ist übrigens eine Zahl sein, die auf die Dreifaltigkeit verweist) in einem von islamistischen Terrorist*innen entführten Flugzeug verbringen, bis die Terrorist*innen das Flugzeug in die Luft sprengen und beide, aneinandergeklammert, durch die Luft fliegen und zum Glück überleben. Doch dann geschehen seltsame Dinge. Während Gibril sich nach und nach in den Erzengel Gabriel verwandelt, wachsen Saladin bald ein Pferdefuß und Teufelshörner. Der Kampf gut gegen böse, Engel gegen Teufel, ist damit eingeläutet. Erzählt wird die Geschichte von einer gesichtslosen und doch scheinbar göttlichen Instanz, die sich selbst als Teil der "höheren Mächte" sieht. 

    "Was konnten sie auch erwarten? Einfach aus dem Himmel zu fallen: dachten sie, so etwas hätte keine Nebenwirkungen? Sie hatten das Interesse höherer Mächte erweckt, das hätten sie eigentlich merken müssen, und diese Mächte (ich spreche natürlich von mir selbst), haben eine boshafte, ja fast schon gemeine Art, mit Sturzflügen umzugehen. Und noch etwas, lassen Sie mich das klarstellen: ein großer Fall verändert den Menschen." (180)

    Farishta und Chamcha stehen sich also als Erzfeinde gegenüber, vom Himmel gefallen sind beide, aber nur Gibril verwandelt sich in einen Engel, der nicht nur Wunder vollbringen kann, sondern dessen Heiligenschein auch die dunkelste Nacht erleuchtet. Kein Wunder, erinnert sein Name Gibril doch an den Erzengel Gabriel.

    Zudem hatte Gibril schon früh Kontakt zur Göttlichkeit, in verschiedenen Bollywoodfilmen verkörperte er immer wieder unterschiedliche hinduistische Götter. Er verliebt sich in Alleluja, eine jüdische Bergsteigerin, die in den höchsten Höhenmetern, wenn sie ganz nah am Allmächtigen zu sein scheint, zu religiöser Ekstase fähig ist. 

    Saladin Chamchawalla verdient sein Geld als Stimmenimitator, im Moment für  den synchronisiert er Ketchupflaschen und Knabbergebäck, und ist ebenfalls Schauspieler. In England lebt er seit seiner Jugend, seine muslimische Herkunft lehnt er ab, was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass er ein sehr schwieriges Verhältnis zu seinem Vater hat.

    Während sich die beiden Abgestürzten zu einer alten Dame, Rosa Diamond, retten, entscheiden sich die Richtungen, in denen sich ihre Lebenswege entwickeln werden. Der Heilige in spe, Gibril,  nutzt seine Chancen und verrät den Mann mit Pferdefuß. Saladin wird deshalb von rassistischen Polizisten zusammengeschlagen und erlebt die ganze Palette an Polizeigewalt, die man sich vorstellen kann. Das ist so fies zu lesen, das man nur noch Mitleid mit dem Teufelshorn haben kann. Gibril hingegen, nutzt seine wundersamen Fähigkeiten und verhilft Rosa Diamond zu einer göttlichen erotischen Vision. Rosa Diamond hat es also noch gut getroffen, sie ist eine verschwiegene Figur, die verspricht, niemandem von Gibril zu erzählen. Übrigens sind in vielen Beichtstühlen Rosen eingraviert, denn "Sub Rosa" (unter der Rose) teilte man im Mittelalter den katholischen Priestern seine Beichte mit.

    Saladin erfährt, dass seine Frau eine Affäre mit seinem Freund Jumpy Joshi hat (immerhin war er fast ein Jahr verschwunden) und ist am Boden zerstört. Immerhin hat er den Flugzeugabsturz, die Polizei und das Krankenhaus überlebt (wo sich übrigens noch andere verwandelte Menschen aufhalten) - nur um dann in einem Zimmerchen von Bekannten untergebracht zu werden. Weil er immer mal wieder aus dem Fenster sieht, bildet sich bald im Viertel eine Art Teufelskult um den Mann mit den Hörnern, der das Viertel in Chaos und Verwüstung stürzt. Zudem erfährt Saladin, dass seine Frau von ihrem Geliebten ein Kind erwartet. Saladin hat nur noch ein Ziel: er will sich an Gibril rächen, den er für sein Unglück verantwortlich macht. Aber Gibril geht es auch nicht gerade rosig: er wird zu einem riesigen Macho und stresst Alleluja. Zudem kann Gibril bald nicht mehr entscheiden, wer er ist: ein Erzengel oder ein Mensch?

    Neben dem Hauptkonflikt der beiden Protagonist*innen, wird die Erzählung immer wieder durch Gibrils Träume unterbrochen, die ins Märchenhafte kippen. In seinen Träumen geht es um die Stadt Jahila, eine Stadt aus Sand, in der die Menschen 360 unterschiedliche Götter und Göttinnen verehren, bis der Prophet Mahound kommt, seines Zeichens ursprünglich Kaufmann, und den Menschen, wenn es um den richtigen Glauben geht, mal ein bisschen auf die Sprünge hilft. In Jahila lebt auch das Mädchen Aischa, das vom Erzengel Gabriel als Prophetin ausgewählt wurde. Als Symbol ihrer Göttlichkeit wird sie von einem Schwarm von Schmetterlingen begleitet. Ihr ganzes Dorf Titlipur folgt ihr (wie auf einer Pilgerreise) nach Mekka, denn Aischa hat den Menschen versprochen, dass sie das Meer für sie teilen wird. Die todkranke Mischa Sahil sucht Hoffnung und Heilung bei Aischa, ihr Mann glaubt nicht an Aischas Versprechungen und versucht die restlichen Pilger immer wieder zur Umkehr zu bewegen. Aischa hat noch einen extrem frauenfeindlichen und radikalen Gegenspieler, einen Imam, der um seinen eigenen Einfluss bei den Gläubigen fürchtet und natürlich den mächtigen Propheten Mahound, der passenderweise immer dann eine Vision bekommt, sobald seine Anhänger*innen ihn kritisieren. 

    "Tod der Kaiserin Aischa und ihrer Tyrannei, dem Kalender, den Vereinigten Staaten, der Zeit! Wir suchen die Ewigkeit, die Zeitlosigkeit Gottes. Seine stillen Wasser, nicht ihren strömenden Wein. Verbrennt die Bücher und vertraut dem BUCH, zerreißt die Papiere und hört das WORT, wie es der Engel Gibril dem Verkünder Mahound offenbart und wie es euer Deuter und Iman erläutert hat." (S.281)

    Es ist schon bezeichnend, dass Engelchen und Teufelchen in der Romankonstruktion eigentlich Schauspieler sind und Gibril wie ein Schlafwandler zwischen den Welten hin und hergeistert und in diesem ganzen Chaos irgendjemand - von ganz weit oben - die Puppen tanzen lässt. Die Menschen können nur reagieren. Das nennt man dann wohl Schicksal. Und wenn Gott einmal nicht nur als Erzählinstanz auftaucht, sondern als Figur im Text, dann sitzt er mit schütterem Haar auf Gibrils Bett und hat vor allen Dingen Schuppen. Solche Parodien muss man erst einmal in eine Romanform gießen. Hinzu kommt, dass alle Propheten und Ausgewählten in diesem Text an keiner Stelle halten, was sie versprechen. Während Mahound die Menschen offen betrügt, schickt Aischa ihre Anhänger letztlich ins Wasser, wo sie ertrinken. Denn natürlich gelingt es ihr nicht, das Meer zu teilen. Magischer Realismus mit einer gehörigen Portion Religionskritik, auch das steckt in diesem Buch. 

    Kurz nach Erscheinen des Romans, am 14. Februar 1989, rief Ajatollah Chomeini über Radio Teheran eine Fatwa gegen den Schriftsteller und all diejenigen aus, die den Text, der eine Beleidigung des Propheten darstelle, verbreiten und übersetzen. Rushdies japanische Übersetzer, Hitoshi Igarashi, wurde 1991 ermordet, sein italienischer Übersetzer Ettore Capriolo und sein norwegischer Verleger Wililam Nygaard wurden bei Anschlägen schwer verletzt. 

    Wie so oft, und das ist mir bei diesem Text besonders aufgefallen, fehlte mir das Wissen über die religiösen Anspielungen, die über das Christentum hinausgehen. Hinzu kommt, dass ich diesen Roman über einen Zeitraum von sechs Monaten gelesen habe. Ich konnte ihn nicht einfach weglesen - dafür war er zu komplex, zu kompliziert und gleichzeitig auch ein Stück Roman, das ich mir einfach aufsparen wollte. Weil ich gar nicht wollte, dass dieser Roman zu ende geht. Im Satanic Verses Pose Festum, einer Festschrift, die im Jahr 2000 erschienen ist, schreibt der syrische Philosoph Sadik Al-Azm, dass die Einzigartigkeit des Romans darin bestehe,  „den muslimischen Osten und den säkularen Westen zum allerersten Mal in eine religiöse, politische und literarische Kontroverse“ zu bringen und beide so auf einer höheren Ebene miteinander zu verbinden. Die satanischen Verse werden für ihn zum "transkulturellen, transnationalen und transkontinentalen Welt-Roman par excellence". Denn es geht nicht nur um Religionen. Ein Großteil der Handlung passt in jede typische Geschichte einer Großstadt, denn sie spielt in London, es geht um Migration, um Identitäten und natürlich auch um Liebe. Von den verschiedenen Liebesgeschichten, die erzählt werden, endet eine sogar glücklich.

    Hallelujah!

  8. Cover des Buches Nathan der Weise (ISBN: 9783872910165)
    Gotthold Ephraim Lessing

    Nathan der Weise

    (1.367)
    Aktuelle Rezension von: Shmalle

    Nathan der Weise hat eine recht geradlinige Handlung mit gut überschaubarem Hintergrund, wenige Hauptcharaktere mit sehr tiefgründiger Hintergrundgeschichte und angemesse vorgestellte Nebencharaktere, deren Dasein recht oberflächlich ist - jedoch sind alle Details die zu ihnen eingebracht werden sehr relevant. Die Handlungswende ist sehr überzeugend und realistisch. Overall ein Buch, das sich sehr gut lesen lässt und mir persönlich sehr gefallen hat.

  9. Cover des Buches Rot ist mein Name (ISBN: 9783446252301)
    Orhan Pamuk

    Rot ist mein Name

    (113)
    Aktuelle Rezension von: Stephanus

    Istanbul 1592. Mitten in der nachlassenden Blütephase des Osmanischen Reichs geschieht auf den Straßen ein Mord. Ein Mann wird in einen Brunnen gestürzt und stirbt. Aus der Perspektive des Toten wird der Mörder erzählt und dessen Motiv. Hinter der vermeintlich einfachen Tat steckt eine große Verschwörung gegen den Sultan und das ganze Osmanische Reich einschließlich der Kultur. Die Fäden führen zu den Buchmalermeistern bei denen der Sultan ein großes Werk mit zehn Bänden in Auftrag gegeben hat und die die Kunst nicht mehr so perfekt beherrschen wie die Vorfahren. Durch Ausschweifungen und Krieg inkl. Zerstörung ist Wissen verloren gegangen und die einzelnen Zeichnungen auch aus alten Büchern sprechen. Durch die Zeichnungen und die große Kunst kommt es zu einer Aufdeckung der Verschwörung.

    Meisterhaft schafft der Autor den Spagat mit einer Geschichte, die vor fast 500 Jahren spielt, eine Parallele zur Gegenwart herzustellen. Die ungewöhnliche Erzählperspektive wird großartig verknüpft mit der Geschichte und der Krimi und seine Fäden werden gekonnt zusammengeführt. Eine Liebesgeschichte und die wirkmächtige Sprache der Bilder werden zusammengefügt zu einem modernen Roman. Ein absoluter Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite.


  10. Cover des Buches Die spürst du nicht (ISBN: 9783552073333)
    Daniel Glattauer

    Die spürst du nicht

    (335)
    Aktuelle Rezension von: Aleksandra

    Das Buch erzählt die Geschichte zweier wohlhabender und angesehener Familien. Eine der ist die bekannte Politikerin. Damit sich ihre Tochter nicht langweilt nimmt sie deren Mitschülerin mit, ein Flüchtlingskind. Gemeinsam verbringen sie alle ihren Urlaub in Toskana, Italien. Als Aayana, das Flüchtlingskind, im Schwimmingpool ums Leben kommt, nimmt die Geschichten ihren tragischen Lauf.

    Das Cover zeigt genau diese Thematik, ein Schwimmbecken mit Wasser und die Beine einer Person, die gerade ins Wasser steigen will. Es ist ein sehr einfaches Bild, deutet aber unmittelbar auf das tragische Ereignis und schafft eine sehr bedrückende Atmosphäre. 

    Der Aufbau des Buches hat mir sehr gut gefallen. Zu Beginn erinnerte mich die Gestaltung fast an ein Theaterstück, da die Handlung in einzelnen Szenen erzählt wird. Besonderen Reiz gaben die jeweiligen Zeitungsausschnitte und die fiktiven Leserkommentare. Genau solche Kommentare kennt man heute aus den sozialen Medien oder Online-Zeitungen. Während man sie im Alltag nur oberflächlich liest, erlebt man sie in dieser Geschichte aus der Sicht der Betroffenen. Dadurch wirken sie viel verletztender und regen den Leser zum Nachdenken an.

    Das Besondere an diesem Roman ist, dass nicht die Frage, warum kam es zu dieser Katastrohe, behandelt wird, sondern wie die Beteiligten mit der Schuld, Gewissensbissen, Trauer und Scham umgehen. Der Roman zeigt die Auswirkungen, wie ein solches Ereignis auf alle Betroffen hat.

    Für mich ist dieses Buch mehr als ein Roman - es ist ein Weckruf. Es richtet sich an Menschen, die das Schicksal anderer nicht wahrnehmen und ihnen dadurch die Themen wie Flucht und Flüchtlingspolitik gleichgültig geworden sind. Die Geschichte fordert auf mehr Empathie zu entwickeln und hinter die Schlagzeilen die Menschen zu sehen.

    Der einzige Kritikpunkt, meinerseits, ist der Schreibstil. Es ist bereits das zweite Buch, da ich von Daniel Glattauer gelesen habe und ich komme immer noch nicht mit der nüchternen, kühlen und trockenen Art klar. Zwar passt dieser Schreibstil sehr gut zu dieser Geschichte, dennoch konnte ich nicht nicht ganz damit anfreunden. Dieses ist aber Geschmacksache und hat keinen Einfluss auf die Bedeutung des Romans.

    Ob der Roman ein Happy End hat, möchte ich nicht verraten. Fakt ist, dass die Katastrophe das Leben aller Beiteiligten nachhaltig verändert. Genau deshalb hinterlässt das Buch einen sehr bleibenden Eindruck.

    Insgesamt ist die spürst du nicht ein sehr bewegendes und wichtiges Buch, dass nicht nur zum Nachdenken anregt, sondern auch dazu, mehr Mitgefühl für andere Menschen zu entwickeln. Deshalb kann ich den Roman, trotz meiner Kritik an dem Schreibstil, nur weiter empfehlen.

  11. Cover des Buches Kampf der Kulturen (ISBN: 9783641174965)
    Samuel P. Huntington

    Kampf der Kulturen

    (39)
    Aktuelle Rezension von: Hypochrisy
    Der amerikanische Politikwissenschaftler Huntington stellt in seinem Buch die Frage nach den weltpolitischen Entwicklungen im 21. Jahrhundert. Statt eines harmonischen Zusammenwachsens in einer zunehmend vernetzten Welt sieht er neue Konflikte globalen Ausmaßes entstehen: Konflikte zwischen den Kulturen. Er unterscheidet die zeitgenössische Welt in sieben große Zivilisationen: die chinesische, japanische, hinduistische, islamische, westliche, lateinamerikanische und afrikanische. Die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts wird nicht von Auseinandersetzungen ideologischer oder wirtschaftlicher Natur bestimmt sein, sondern vom Konflikt zwischen Völkern und Volksgruppen unterschiedlicher kultureller Zugehörigkeit.
  12. Cover des Buches Wer den Wind sät (ISBN: 9783406817984)
    Michael Lüders

    Wer den Wind sät

    (45)
    Aktuelle Rezension von: Holden

    Michael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen  Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.

  13. Cover des Buches Feindliche Übernahme (ISBN: 9783959721622)
    Thilo Sarrazin

    Feindliche Übernahme

    (7)
    Aktuelle Rezension von: Boris_Goroff

    Der Autor rechnet gnadenlos mit den rückwärtsgewandten und forschungsfeindlichen Strömungen des Islam ab. Jede Aussage dieses Buches ist fundiert und mit einer Quellenangabe belegt. Spannende Fakten und Geschichten zur Geschichte des Islam und dessen Kultur.

  14. Cover des Buches Die vierzig Geheimnisse der Liebe (ISBN: 9783036959122)
    Elif Shafak

    Die vierzig Geheimnisse der Liebe

    (88)
    Aktuelle Rezension von: Hubertus_Feldmann

    Das ist jetzt nicht despektierlich gemeint, aber das (scheinbar) religiöse Gedudel mag dem einen Leser, der anderen Leserin gehörig „auf den Zweig gehen“. In einem solchen Fall ist man geneigt, diesem opulenten Werk von etwa 500 Seiten nicht seine Lebenszeit zu opfern. Warum es trotz solcher Vorbehalte lohnt, sich hier einzulesen, wird spätestens dann deutlich, wenn einen die Kraft der Sprache, die Opulenz der erzeugten Bilder in ein gedankliches Karussell katapultiert, dem nur schwer zu entkommen ist. Solcherart geflasht, folgt man neugierig den beiden Ebenen dieser Erzählung. 

    Auf der einen, der im 13. Jahrhundert angesiedelte Geschichte, folgen wir der Freundschaft und den Gesprächen zwischen dem persischen Gelehrten und Sufi-Dichter Rumi und dem Wanderderwisch Schams-e Tabrizi, und auf der anderen einer intensiven Auseinandersetzung zwischen der verheiratet Ella und dem „augenöffnenden“ Disput mit dem Autor des Buches „Süße Blasphemie“, Aziz Zahara. Wie nicht anders zu erwarten, werden hier die universellen Enden der Liebe zu einem offenen Knoten verwebt. Und so ganz nebenbei (so nebenbei ist es auch wieder nicht) bekommt man einen recht unverstellten Blick in die Möglichkeiten der islamischen Religion: „‘Wer die Nisa [Sure an-Nisã, Sure „Die Frauen“] mit offenem inneren Auge liest, erkennt, dass in dieser Sure nicht um Frauen und Männer geht, sondern um Weiblichkeit und Männlichkeit. Und jeder Einzelne von uns, auch du und ich, hat, in unterschiedlichen Graden und Abstufungen, sowohl Weibliches als auch Männliches in sich. Nur wenn wir lernen, beides anzunehmen, erreichen wir das harmonische Einssein.‘“

    Es würde dem Buch nicht gerecht, diesen Mehrklang zwischen Leben und Liebe, und alles, was dazwischen liegt, eingebettet in die verschiedenen gesellschaftlichen Zustände/Normen auch nur annährend vorstellen zu können. Einerseits. Andererseits kann man diesen Roman auch mit feuchten Augen lesen, ohne sich von der tiefe der Gedanken irritieren zu lassen. In welcher Form auch immer man sich diesem Buch nähert, man wird überrascht werden von der Weite und Tiefe der angebotenen Gedanken. Zusätzlich wird man mit einer spannenden, auseinandersetzungsreichen Geschichte belohnt.

  15. Cover des Buches Der Geruch des Paradieses (ISBN: 9783036959702)
    Elif Shafak

    Der Geruch des Paradieses

    (84)
    Aktuelle Rezension von: JaWeLiest

    Am Anfang begleiten wir die Protagonistin und erhalten viele Andeutungen auf ein zurückliegendes Ereignis. Nach ca 200 Seiten beginnt schließlich der Rückblick, der die Lesenden in die Studienzeit der Protagonisten zurückführt und schließlich ihr Geheimnis lüftet. Dies wird auf den nächsten 200 Seiten geschildert, tut jedoch nicht zur Sache für die Haupterzählung, zu der es schließlich wieder zurückgeht. Die Handlung spielte meinem Gefühl nach nur eine untergeordnete, um einen Rahmen zu geben, um über Glauben zu philosophieren. Leider sehr oberflächlich. Als Studentin hatte die Protagonisten ein Seminar über "GOTT" besucht, was alles ins Rollen brachte. Ich konnte mich nicht in die Figuren hineinversetzen, sie nicht nachvollziehen. Die ganze Handlung sowie die Gespräche wirkten vollkommen gestellt, sodass es mir stellenweise absurd vorkam. 

  16. Cover des Buches Risiko (ISBN: 9783453419568)
    Steffen Kopetzky

    Risiko

    (71)
    Aktuelle Rezension von: sofie


    Gleich im Prolog lernen wir den Protagonisten des Romans – Sebastian Stichnote, eigentlich Marinefunker – in der bis dahin vielleicht dunkelsten Stunde seines Lebens kennen. In Afghanistan, auf einer Mordmission. Danach nimmt uns Steffen Kopetzky auf etwas mehr als 700 Seiten mit auf die Reise und nach und nach erfahren wir, wie es dazu kommen konnte. Von Durazzo in Albanien kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs an Bord der BRESLAU bis nach Kabul. Vermeintlich weiß man natürlich schon wie es ausgeht – nicht nur durch den Prolog, sondern auch durch Geschichtswissen. Das Ende des Ersten Weltkrieges kennt man ja.  In beiden Fällen weiß der Autor aber zu überraschen. 

    Mich hat “Risiko” sehr gut unterhalten und mir einen ganz neuen Aspekt des Ersten Weltkrieges nähergebracht, nämlich den deutschen Dschihad, der eine Expedition von Konstantinopel nach Kabul schickte. Der Protagonist Stichnote ist ein vielseitige und spannende Persönlichkeit. Aber auch die weiteren Figuren haben einiges zu bieten. Nur an interessanten Frauenfiguren mangelt es, aber das haben Kriegsromane wohl so an sich.  

    Ansonsten mangelt es an nichts – es gibt Intrigen und Verrat, Kameradschaft und Freundschaft, Abenteuer und Exotik. Und ganz nebenbei erzählt Kopetzky eine fiktive Geschichte wie das beliebte Brettspiel “Risiko” entstanden sein könnte- zugegebenermaßen musste ich nach dem Lesen erst einmal nachschlagen, ob es nicht vielleicht genau so war. 

    Für mich war es nicht das erste Buch des Autors und sicher auch nicht das letzte. Mit kleinen Abstrichen vergebe ich vier von fünf Sternen!  


  17. Cover des Buches Nach der Flut das Feuer (ISBN: 9783423147361)
    James Baldwin

    Nach der Flut das Feuer

    (82)
    Aktuelle Rezension von: Trishen77

    "Vielleicht liegt die Wurzel unserer Misere, der menschlichen Misere darin, dass wir die ganze Schönheit unseres Lebens opfern, uns von Totems, Tabus, Kreuzen, Blutopfern, Kirchtürmen, Moscheen, Rassen, Armeen, Flaggen und Nationen einsperren lassen, um die Tatsache des Todes zu leugnen, die einzige Tatsache, die wir haben."

    Lange habe ich überlegt, ob ich, anlässlich seines 100. Geburtstags, etwas über das Werk von James Baldwin schreiben soll. Es gibt einige Bücher von ihm, die mir sehr nah sind und zugleich kam es mir lange vermessen vor, diese Nähe zu benennen, zu behaupten. Denn was sollten James Baldwin und ich schon gemein haben? Wie könnte ich, ein weißer Mann aus Deutschland, sagen: Ich fühle mich diesen Büchern und ihren Themen nah, wo sie doch Baldwins Wirklichkeit entstammen, die eine ganze andere war als meine? Es gibt eine Antwort darauf, von Baldwin selbst – sie steht in diesem Essay aus dem Jahr 1963.

    In "The fire next time" bildet er die damalige (und in Teilen auch heutige) gesellschaftliche Wirklichkeit, das Lebensgefühl vieler Afroamerikaner*innen ab. Jedoch geht seine Analyse viel tiefer, benennt nicht nur die unmittelbaren Folgen und Mechanismen des tiefsitzenden Rassismus, sondern sucht die Wurzel des Konflikts. Ist Rassismus einfach nur Hass? Fremdenangst, verdrängte Furcht vor Rache? Oder, und hier setzt Baldwin an: ist er eine Vermeidungsstrategie?

    Die USA und viele Länder Europas haben nie die volle Verantwortung für ihren Kolonialismus, die Ausbeutungen und Einmischungen, die Genozide und Verschleppungen übernommen; statt Demut schwingen nach wie vor Überheblichkeit und Abfälligkeit das Zepter. (Bsp.: Zwar sagt man heute Entwicklungsländer statt Dritte Welt – aber inwiefern ist das weniger herablassend? Als wären die Länder noch nicht vollständig, solange sie nicht einen westlichen Standard erreicht hätten... ). 

    Die Hypothek dieser fehlenden Verantwortung lastet schwer auf der Welt, schwer auf den Opfern, aber – und das ist das Bedeutsame, das Baldwin das benennt – auch auf den Tätern. Obwohl wir alle Menschen sind, haben wir uns in zahllose Konflikte verrannt (bspw. auch solche wie den "Geschlechterkampf", die Kämpfe der Religionen, die Rivalität der Nationen, etc. ). Und all das nur, damit wir uns Trugbildern von Sicherheit, Größe und Überlegenheit hingeben können (die überhaupt nichts bedeuten), aus denen wir dann Ansprüche auf Privilegien ableiten, die entweder alle Menschen haben sollten oder keine*r (je nachdem, was möglich ist/wäre).


    Die Wucht dieser, eigentlich offensichtlichen Wahrheit, hat etwas Unerbittliches und zugleich Zärtliches, wenn sie von Baldwin vor dem Hintergrund seiner Erfahrungen und seiner Analyse des Rassenkonflikts formuliert wird. Deswegen erreicht mich seine Literatur, ist sie mir so nah: weil sie, obwohl sie sich der verschiedenen Identitäten von Menschen bewusst ist und sie abbildet, nicht allein in diesen verhaftet bleibt. Sie geht und weist darüber hinaus. Nicht in einem schalen versöhnlichen Sinne, sondern im Wissen um die existenzialistische Wirklichkeit, die allem zugrunde liegt, was wir Menschen errichtet haben, diese zu verdecken. Das macht aber nicht frei, das erschafft Gefängnisse, in dene viele sich freiwillig selbst einsperren. Dazu noch ein Zitat von Baldwin:

    "Die Verantwortung freier Menschen liegt darin, den Konstanten des Lebens zu trauen und sie zu feiern – Geburt, Kampf und Tod sind Konstanten genau wie die Liebe, auch wenn uns das nicht immer so scheinen mag – und das Wesen von Veränderung zu erfassen, zur Veränderung fähig und bereit zu sein. Damit meine ich nicht oberflächliche, sondern tief greifende Veränderung – Veränderung im Sinne von Erneuerung. Erneuerung wird aber unmöglich, wenn man von Konstanten ausgeht, die keine sind – Sicherheit zum Beispiel oder Geld und Macht. Dann klammert man sich an Chimären, von denen man nur betrogen werden kann, und die ganze Hoffnung auf Freiheit - ihre ganze Möglichkeit - verschwindet. Und mit Zerstörung meine ich genau den Verzicht der Amerikaner auf jegliches Bemühen, wirklich frei zu sein."

  18. Cover des Buches Die Girls von Riad (ISBN: 9783442466566)
    Rajaa Alsanea

    Die Girls von Riad

    (80)
    Aktuelle Rezension von: Jana_hat_buecher

    Eine anonyme weibliche Person schreibt an eine Yahoo-Mail-Gruppe einmal wöchentlich, um aus Sicht einer Frau die Geschehnisse in ihrem Umfeld und im Speziellen von ihren Freundinnen zu berichten. Einleitend immer mit einem Zitat oder Gedicht, dann einer persönlichen Stellungnahme zu den Feedbackmails und dann die neusten Geschichten aus dem Leben ihrer Freundinnen. 

    Das Buch wurde 2005 veröffentlicht und angesichts der Situation u.a. im Iran hat es nicht an Brisanz und Aktualität verloren. Das "wahre" Leben unterdrückter Frauen, aber auch von dem Mut Einzelner sich gegen die sogenannte Tradition zu stellen und für ein freieres und selbstbestimmtes Leben einzutreten. Als Europäerin kann ich mich nur glücklich schätzen in einer Gesellschaft zu leben, die sich frei nennen darf und es immer wieder erschreckend finde in welch mittelalterlichen Zuständen sich andere Länder befinden und Bevölkerungsgruppen unterdrücken. Das Buch gab zwar einen interessanten Einblick, aber von der Schreibweise und Struktur hat es mich leider gar nicht abholen können. 

  19. Cover des Buches Der amerikanische Architekt (ISBN: 9783453417625)
    Amy Waldman

    Der amerikanische Architekt

    (60)
    Aktuelle Rezension von: EmmaWinter

    Bei der Gestaltung von öffentlichen Plätzen im urbanen Raum ist die Anpflanzung von Zypressen ideal, um Druckwellen abzumildern und als Splitterschutz zu dienen. Architektur hat sich verändert.

    Eine Jury soll zwei Jahre nach 9/11 aus den anonym eingereichten Vorschlägen den besten Entwurf für eine Gedenkstätte auswählen. Als sich die Mitglieder endlich auf einen Vorschlag einigen können, wirft die Enthüllung des Architektennamens alles über den Haufen.

    Bei der Gedenkstättengestaltung wollen zahlreiche Parteien mitmischen, die unterschiedlichsten Familienangehörigen der Opfer, Politiker, Künstler, Journalisten und eigentlich das ganze Land. Der Roman spielt mit einer Hypothese, die nicht nur die Jury, sondern letztlich die ganzen USA spaltet. Die Situation ist verfahren, die Stimmung schaukelt sich hoch und bald kommt es zu Gewalt.

    Eine faszinierende, teilweise groteske und erschreckende Geschichte. Neben der Grundidee und ihren Folgen haben mir vor allem die Einblicke in die so unterschiedlichen Opferfamilien gefallen. Von der toleranten Millionärswitwe, über die unversöhnliche Mutter des toten Feuerwehrmannes Patrick, bis zur illegal eingewanderten Bangladescherin, deren Mann als Reinigungskraft in den Türmen gearbeitet hat. Sean, Patricks Bruder, die nie etwas auf die Reihe bekommen hat und immer noch im Schatten seines Bruders steht, definiert sich selbst ausschließlich durch sein extremes, unangemessenes Engagement für die Gedenkstätte und die Trauernden. Auch die Einblicke in die rücksichtslose Arbeit einer Journalistin und was ihre Artikel bewirken ist bemerkenswert; weitere Interessengemeinschaften spielten eine Rolle.

    Ein eindrucksvoller Roman, voller exemplarischer und doch lebendiger Figuren. Zahlreiche Denkanstöße werden angeschoben, die die Figuren und auch die Leser*innen fordern, vielleicht auch überfordern. Gibt es eine ideale Lösung, die alle zufriedenstellen kann? Die Geschichte lebt von den Gesprächen, Gedanken und Zweifeln.

  20. Cover des Buches Die geheime Mission des Kardinals (ISBN: 9783423147873)
    Rafik Schami

    Die geheime Mission des Kardinals

    (121)
    Aktuelle Rezension von: Michelles_Notebook

    Seitenlange Monologe, eine langsam dahintröpfelnde Geschichte ohne Spannungsbogen und ein frustrierendes Ende ohne echte Ermittlungsarbeit - das fasst diesen Roman gut zusammen. Ich habe ganze Abschnitte übersprungen, da mich die immer wiederkehrenden Themen wirklich gelangweilt haben. Mitgefiebert habe ich an keiner Stelle, einzig die Frustration über das korrupte System konnte ich nachfühlen. Einen flotten Krimi hatte ich nicht erwartet, aber eine atmosphärisch dichte Erzählung über einen Kriminalfall in einer ganz anderen Kultur. Am Ende fand ich die Geschichte aber vor allen Dingen langatmig. 

  21. Cover des Buches The Alchemist (ISBN: 9780062390622)
    Paulo Coelho

    The Alchemist

    (97)
    Aktuelle Rezension von: be_my_bookmate

    „𝕋𝕙𝕖𝕣𝕖 𝕚𝕤 𝕠𝕟𝕝𝕪 𝕠𝕟𝕖 𝕥𝕙𝕚𝕟𝕘 𝕥𝕙𝕒𝕥 𝕞𝕒𝕜𝕖𝕤 𝕒 𝕕𝕣𝕖𝕒𝕞 𝕚𝕞𝕡𝕠𝕤𝕤𝕚𝕓𝕝𝕖 𝕥𝕠 𝕒𝕔𝕙𝕚𝕖𝕧𝕖: 𝕥𝕙𝕖 𝕗𝕖𝕒𝕣 𝕠𝕗 𝕗𝕒𝕚𝕝𝕦𝕣𝕖."

    Wir begleiten einen Schäfer auf seinem persönlichen Lebensweg zur Erfüllung seiner Träume. Dieser führt ihn durch verschiedene Orte, er trifft Menschen mit unterschiedlichen Intentionen, macht Fortschritte und erleidet Rückschläge. Dabei kommt er immer wieder zu wichtigen Erkenntnissen über das Leben, die Menschen und sich selbst. 

    Mir gefällt die entschleunigte Erzählung, die mit vielen spirituellen Denkanstößen gespickt ist. Für mich geht es vor allem darum, für seine Träume einzustehen und auch mal Risiken eingehen. Scheitern gehört dazu und daraus erwachsen neue Chancen. Es geht darum zu lernen, das Verlust auch ein Stück weit zum Leben gehört und man trotzdem so viel zu gewinnen hat. Es ist wichtig zu wissen wohin man möchte und dennoch flexibel auf die Umstände des Lebens reagieren zu können, denn nicht alles was passiert können wir beeinflussen, aber durchaus wie wir damit umgehen. 

    Ich habe den Alchemisten vor Längerem auf deutsch gelesen und jetzt nochmal auf englisch. Ein Buch was ich mit Sicherheit nicht zum letzten Mal gelesen habe. Stellenweise wird es für meinen Geschmack etwas zu religiös/spirituell, aber insgesamt wirklich ein lesenswerter Klassiker. 

  22. Cover des Buches Identität (ISBN: 9783455008760)
    Francis Fukuyama

    Identität

    (5)
    Aktuelle Rezension von: dominona

    In diesem Buch werden viele aktuelle Aspekte sehr schön mit einander in Verbindung gesetzt und es lässt sich erkennen, wie und warum Revolutionen entstehen, woran es bestehenden Demokratien mangelt und ganz nebenbei bekommt man nochmal einen Grundkurs Philosophie, der aber auch nur das Gröbste anreißen kann und fast Lust auf mehr macht. 

    Insgesamt hat mich das Buch manchmal hinsichtlich der Zukunft geängstigt, mir aber an anderer Stelle auch Mut gemacht. 

    Ich mochte den Ton insgesamt, der eher mahnt, aber auch Fortschritte kenntlich macht. 

    Als eher philosophische Einführung ist das Buch auch generell jüngeren Menschen zu empfehlen, damit sie verstehen, was sie mit entscheiden und worin der Unterschied zu anderen Ländern und Systemen besteht.


  23. Cover des Buches funny girl (ISBN: 9783257243161)
    Anthony McCarten

    funny girl

    (104)
    Aktuelle Rezension von: SandraSommer

    Funny Girl von Anthony McCarten habe ich sehr gerne gelesen, weil die Geschichte gleichzeitig unterhaltsam und berührend erzählt wird. Im Mittelpunkt steht eine junge Frau, die davon träumt, als Comedian erfolgreich zu werden, obwohl sie immer wieder unterschätzt wird. Besonders spannend fand ich, wie sie versucht, sich in einer oberflächlichen Medienwelt zu behaupten und trotzdem sie selbst zu bleiben. Dabei erlebt sie sowohl große Erfolge als auch persönliche Rückschläge, was die Handlung sehr authentisch wirken lässt. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie stark der Druck von Öffentlichkeit, Ruhm und Erwartungen sein kann. Gleichzeitig gibt es viele humorvolle Szenen und schlagfertige Dialoge, die das Buch leicht und lebendig machen. Ich mochte besonders, dass die Hauptfigur trotz aller Schwierigkeiten ihren Mut und ihren Humor nicht verliert.  Insgesamt ist „Funny Girl“ ein emotionaler und kluger Roman über Erfolg, Selbstfindung und den Wunsch, akzeptiert zu werden.

  24. Cover des Buches Englischer Harem (ISBN: 9783257261233)
    Anthony McCarten

    Englischer Harem

    (288)
    Aktuelle Rezension von: Nicole_Sutter

    Als ich den Klappentext las dachte ich nur: Wie kann eine in England aufgewachsene Frau auch nur in Erwägung zu ziehen einem Harem "beizutreten"? 😳 Ein durchaus kritischer Roman in Bezug auf die englischen Behörden mit all ihren Pflichten und Rechten und der Schwierigkeit wirklich das umzusetzen, was sie als Institution auch umsetzen sollten. 

    Ein wirklich sehr unterhaltsamer Roman mit einem Thema, welches nicht wirklich häufig als Romanhauptthema fungiert.


    Ein Mann, drei Frauen = eine Liebesgeschichte.


    Witzig, komisch, kritisch und klug.


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