Bücher mit dem Tag "israel"
309 Bücher
- Jonas Jonasson
Die Analphabetin, die rechnen konnte
(735)Aktuelle Rezension von: deidreeVor einigen Jahren habe ich „Die Analphabetin, die rechnen konnte“ unbedingt haben müssen. Es wurde in den Medien sehr gelobt. Dann blieb es bei mir leider ungelesen liegen und jetzt fand ich keinen hundertprozentigen Zugang mehr.
Mir war die Geschichte einfach zu überzeichnet. Ständig passiert irgendetwas Unvorhergesehenes und meist nichts Positives für Nombeko. Die Aktionen der Nebenfiguren sind oft schräg, skurril oder einfach verrückt und zu weit hergeholt.
Es gibt durchaus auch witzige Stellen, Passagen oder Handlungen, leider wogen die für mich das ganze Geschehen nicht auf. Je weiter ich dem Ende zukam, desto mehr zog sich die Story in die Länge.
Für mich hat Jonas Jonasson hier ein Buch verfasst, das zwar einfach zu lesen ist, vom Schreibstil her, das aber mitunter etwas mühsam wird, wenn die Personen wieder einmal zu exzentrisch handeln. Auch dauert es gefühlt zu lange, bis Nombeko endlich ihre Habe aus ihren Händen bringt.
Für die Fans des Autors sicher ein gutes Buch, für andere Leser möglicherweise eher Durchschnitt.
- Yuval Noah Harari
Homo Deus
(167)Aktuelle Rezension von: KlausvanBingenWar das Vorgängermodell noch in weiten Teilen spannend und informativ hat dieses Buch leider ans Ende vom ersten im negativen Sinne angeknüpft. Es gibt eigentlich kaum etwas richtig Fesselndes, sondern nur noch Phrasen, die sich unendlich oft wiederholen.
Zudem erschienen mir einige Behauptungen wissenschaftlich kaum haltbar und ich musste das Buch irgendwann genervt abbrechen. Leider sein Geld nicht wert...
- Frank Schätzing
Breaking News
(199)Aktuelle Rezension von: Andrea_BlaurockFür dieses Buch muss man sich Zeit nehmen, nicht nur, weil zwei Zeitstränge aufeinander zulaufen.
Wer wirklich verstehen will, muss manchmal zurückblättern, manchmal mit geschlossenen Augen tief Luft holen.
In diesem Buch geht es um Israel und Palästina .
In diesem Roman wird Sensationsjagd und Faktentreue im Journalismus knallhart bloßgestellt.
Hier wird über Flucht und Vertreibung, Ankommen und Abschied schonungslos berichtet.
Dabei wird immer wieder klar Hass und Liebe passen in unsere beiden Herzkammern.
Alles ist so weit weg und ganz nah, dass man manchmal einfach nur den Spiegel abhängen möchte.
Wer Schätzing kennt, weiß, dass er es seinen Lesern nicht leicht macht. Hier präsentiert er ein Meisterstück. Nicht nur, dass man stets zwischen Zorn und Mitleid, Glauben und Staunen Schuld und Unschuld hin und hergerissen wird,, wie der Journalist selbst wird man immer wieder mitten ins Geschehen geworfen und manchmal auch kalt gestellt. Als wollte der Autor sagen, mach eine Denkpause. Dabei bin ich erschrocken, wie lange ich diese Geschichte schon miterlebe und doch ratlos passiv bin.
Mit diesen Familien habe ich gelacht und geweint, obwohl oder gerade weil die Sprache oft recht derb und ruppig ist und dann wieder ganz zart Sonnenuntergänge und Trauer sprachlich zelebriert wird.
Danke für dieses aufregende Buch, dass einen anderen Titel verdient." Breaking News" ist wie ein Streifschuss und trifft die Sache nicht
- Amos Oz
Eine Geschichte von Liebe und Finsternis
(110)Aktuelle Rezension von: JariEigentlich hatte ich nie vor, dieses Buch zu lesen. Schlussendlich tat ich es trotzdem und zwar für die Weltreise-Challenge. Also liess ich mich von Amos Oz durch Jerusalem und seine Geschichte führen. Es war kein Flop, obwohl ich mich doch etwas durch das Buch quälen musste, und das ist schon mal nicht schlecht.
Grundsätzlich bin ich nun froh, sagen zu können, dass ich ein Buch von Amos Oz gelesen habe. Dazu auch noch sein wohl bekanntestes. Am meisten gefielen mir die einzelnen Passagen, in denen es um die Literatur und Amos' intellektuelle Familie ging. Also vor allem der Anfang hat es mir doch sehr angetan.
Doch schlussendlich hat sich das Buch für mich zu sehr verzweigt, aber damit hatte ich schon gerechnet. Vielleicht war meine Lektüre somit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wobei ich wie schon gesagt, vom Anfang sehr begeistert war. Aber mit der Zeit liess meine Faszination merklich nach und ich blieb eigentlich nur wegen ein bisschen Faktenwissen und der Challenge dabei.
Sprachlich bewegt sich Oz auf einem Niveau, das seinem Ruf gerecht wird. Ein präziser Schriftsteller, sehr begabt, ein Talent, welches aus seinem familiären Umfeld gewachsen ist. Wer in eine solch akademische Familie hineingeboren wird, dem liegt das Spielen mit den Worten wahrscheinlich im Blut. Dennoch war es ermutigend zu erfahren, dass auch jemand wie ein Amos Oz Mühe hatte. Deshalb war es auch wieder das Ende, das mich nach längerer Durststrecke wieder mitnahm.
Ich bin froh, dass ich das Buch durch habe. Trotz meines Mühsals war die Lektüre nicht vergebens. Viele schöne Textzeilen warten darauf, niedergeschrieben zu werden. Ausserdem habe ich einiges über die Geschichte Jerusalems und Israels lernen können. Kein Buch ist vergebens und dieses schon gar nicht.
Bücher wie "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" tun gut, auch wenn man sich durch sie durchkämpft. Auch dann, wenn man die Handlungen der Figuren nicht versteht. Nicht versteht, wie sie oft nicht zufrieden sein können, wenn sie doch ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber jeder kämpft mit seinen Geistern, auch das lehrt uns Oz. Manchmal sind sie auch zu stark, dies zeigt das prägende Erlebnis des Todes der Mutter, das an unterschiedlichen Stellen thematisiert wird.
Ein eindrückliches Buch mit starkem Charakter. Ein Buch, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt, trotz aller Unwirtlichkeiten. Deshalb prädestiniert wie kein zweites, um Israel zu repräsentieren. - Andreas Eschbach
Das Jesus-Video
(806)Aktuelle Rezension von: miss_chipsNachdem ich das Buch nun schon ein wenig länger im Regal stehen hatte, habe ich es endlich im Urlaub gelesen und war begeistert.
Im Grunde geht es um eine archäologische Ausgrabung in Israel, bei der ein mysteriöses Benutzerhandbuch für eine Videokamera gefunden wird. Das Seltsame ist, dass diese genau neben einem 2000 Jahre alten Skelett lag. Nach kurzer Überlegung ist man sich sicher, dass vor 2000 Jahren Jesus Christi gefilmt worden sei. Natürlich geben sie dann alles, um dieses Jesus-Video zu finden.
Anfangs hatte ich ehrlicherweise ein paar Probleme in die Geschichte hineinzukommen, da alle Charaktere vorgestellt werden. Wenn man dachte, dass man nun alle kennt, kamen wieder neue dazu. Die vielen POV-Wechsel waren spannend und erleichterten das Verständnis der Geschichte, bedeuteten aber auch, dass ich die ganze Zeit alle Handlungsstränge und persönlichen Eigenschaften der Charaktere mental präsent haben musste. Ich mochte nicht alle Charaktere und es sind auch nicht alle so geschrieben, dass man sie sympathisch finden soll. Insgesamt half es mir jedoch, die Motivationen und Perspektiven der Charaktere zu verstehen. Hier und da wusste man auch mehr als die jeweiligen Protagonisten des Kapitels und es war interessant zu sehen, wie eine Handlung auf verschiedene Weisen interpretiert werden konnten.
Während des Lesens habe ich nicht nur eine spannende Geschichte erlebt, sondern auch wirklich viel gelernt. Man merkt, dass der Autor Recherche betrieben hat, um das worüber er schreibt, so detailreich wie möglich zu erklären. Einerseits ist das hilfreich, andererseits kann es manchmal ein wenig zu sehr in die Tiefe gehen, wenn man sich für bestimmte Themen nicht interessiert. Ich persönlich möchte diese vielen Details und Informationen. Auch, wenn sich vieles über die Jahrzehnte seit Veröffentlichung verändert hat.
Nicht nur die Charaktere, sondern auch ich haben dem Ende sehr entgegengefiebert. Ich wollte unbedingt wissen, was es nun mit dem Jesus-Video auf sich hat und ob es überhaupt existiert. Die Auflösung war meines Erachtens ernüchternd. Es gab Zeitsprünge, die meines Erachtens nicht gut ausgeführt worden sind, und keine richtige Erklärung, wie alles stattgefunden hat. Vielleicht bin ich diesbezüglich auch ein wenig pingelig.
Alles in Allem mochte ich das Buch sehr. Es hat interessante Aspekte von Religion und Vergangenheit beleuchtet. Zudem hat es Fragen in Bezug auf Religion, Moral und subjektiver Wahrnehmung aufgemacht, die man vermutlich gar nicht so einfach beantworten kann, selbst wenn ich es mir wünsche.
- Harry Mulisch
Die Entdeckung des Himmels
(283)Aktuelle Rezension von: FerrumWas macht der Himmel, wenn er mit den Menschen unzufrieden ist? Richtig, er will seine 10 Gebote zurückholen und somit die Verbindung zur Erde auflösen. Und darum gehts, beginnend vor der Zeugung der Akteure bis hin zum großen FInale in Jerusalem.
Kaum eines der großen gesellschaftspolitischen Themen wird dabei ausgelassen, und dennoch hat man nie das Gefühl, dem hocherhobenen, moralinsaurem Zeigefinger ausgesetzt zu sein. Hat einen ewigen Ehrenplatz in meiner Bibliothek. - Meike Winnemuth
Das große Los
(259)Aktuelle Rezension von: Schlumpfine-02Das große Los“ von Meike Winnemuth ist ein humorvoller, inspirierender Reisebericht über ein Jahr in 12 Städten weltweit, finanziert durch einen Gewinn bei „Wer wird Millionär?“ In Briefen teilt sie Aha-Erlebnisse, Kulturschocks und innere Veränderungen – ein Plädoyer für Mut und Möglichkeiten, das nie langweilig wird.
- Susan Abulhawa
Während die Welt schlief
(264)Aktuelle Rezension von: SchimmerMir ist klar geworden, wie sich die arabische Mentalität und Kultur von der europäischen unterscheidet. Aber es hat mich sehr berührt und erschreckt, wie mit den Menschen in ehemals friedlichen ländlichen Regionen in Palästina nach dem 2. Weltkrieg umgegangen worden ist. Das sind historische Fakten, die soviel Leid und Zerstörung - letztlich auf beiden Seiten- verursacht haben. Über das Flüchtlingsthema in dieser geschichtlichen und jetzigen Epoche in Nahost sollte viel mehr aus Sicht aller Betroffenen berichtet werden.
- Alena Schröder
Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid
(413)Aktuelle Rezension von: DankeAnke⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️/5
Mit „Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid“ hat Alena Schröder einen Roman geschaffen, der mich von der ersten bis zur letzten Seite vollkommen gefesselt hat.
Wir begleiten vier Frauen aus vier Generationen – und genau das hat dieses Buch für mich so besonders gemacht. Jede einzelne Geschichte hatte ihre eigene Tiefe, ihre eigenen Wunden, Hoffnungen und Entscheidungen. Ich fand es unglaublich spannend, in jede dieser Frauen eintauchen zu dürfen und mitzuerleben, wie eng ihre Schicksale miteinander verknüpft sind.
Manche Leser empfinden das Buch vielleicht als traurig oder bedrückend, doch für mich war es vor allem faszinierend. Es zeigt auf eine sehr ehrliche und menschliche Weise, wie unterschiedlich Menschen sind und wie sehr das Leben prägen – und manchmal auch verbittern – kann. Trotzdem werden die Figuren nie einfach als „böse“ dargestellt. Gerade diese Vielschichtigkeit hat mich sehr berührt.
Der Schreibstil war warm, intensiv und voller Gefühl. Ich konnte komplett in die Geschichte abtauchen und habe jede Seite genossen. Für mich ist dieser Roman absolut gelungen und ein Buch, das noch lange nachhallt.
✨ Mein Fazit:
Eine bewegende Familien- und Lebensgeschichte über Generationen hinweg, voller Emotionen, Verbindungen und menschlicher Tiefe – ein Buch, in das einzutauchen sich absolut lohnt. 😉🙂
- Zeruya Shalev
Liebesleben
(267)Aktuelle Rezension von: Nicolai_LevinDies ist die Geschichte einer Obsession. Ja'ara ist Ende Zwanzig, verheiratet mit dem herzensguten Joni, auf der Suche nach einem Dissertationsthema und im Kampf um eine der raren Dozentenstellen an der Uni. Ihr weiteres Leben scheint vorgezeichnet mit Promotion, Kindern und Wohnungskauf. Da verfällt sie Arie, einem Freund ihrer Eltern und setzt mit dieser leidenschaftlichen Affäre ihre ganze Existenz aufs Spiel. Wie sich herausstellt, als die Sache schon im vollen Gange ist, kam Arie aus Frankreich nach Israel zurück, weil seine Frau, die Krebs im Endstadium hat, in Israel sterben wollte. Für Arie ist Ja'ara bereit, alles aufzugeben: Ihren Mann, ihre Familie, ihr Promotionsprojekt.
Es tut mir leid: Bei mir funktioniert dieses Buch nicht - auf keiner der möglichen Ebenen.
Rational ist das Entflammen Ja'aras schon mal nicht zu erklären. Sie riskiert ihre bürgerliche Existenz, ihre Ehe, ihre wissenschaftliche und berufliche Zukunft mit dieser Affäre. Arie hat ihr weder Status noch Geld zu bieten; was er beruflich macht, bleibt ein Geheimnis, man munkelt, es seien Geheimdienstaufträge gewesen, die ihn nach Frankreich geführt haben. James Bond aber ist er beileibe keiner.
Egal: Liebe und Leidenschaft sind nicht immer rational. Schauen wir also auf die emotionale Ebene. Ja'ara hat ihr Päckchen zu tragen: Ein kleiner Bruder ist im Babyalter gestorben, die Ehe der Eltern verläuft spätestens von da an lieblos und von Verbitterung geprägt. Ihren Mann Joni hat sie nicht aus romantischer Liebe geheiratet, sondern in erster Linie, um von zu Hause wegzukommen. Überhaupt ist da nicht viel Liebe in ihr, auch nicht viel Sicherheit. Aber Arie ist der letzte, der Ja'aras Bedürfnisse nach Zuwendung, nach Halt, nach Bestätigung erfüllen könnte. Der ist nichts als ein alternder Hallodri, ein Schürzenjäger, der - wie Ja'ara selbst zum Schluss erkennt - ihre Abhängigkeit von ihm genießt und im Grunde braucht.
Bleibt die Erotik. Aber auch da sieht es mau aus: In den reichlich expliziten Sexszenen findet Ja'ara bei Arie keine Erfüllung, keine Ekstase. Ihr Verlangen, sich ganz Aries Willkür hinzugeben, ist wohl mehr der Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit geschuldet - als dominanter Herr im Bett taugt Arie jedenfalls auch nicht viel. Und wenn der Text beim Publikum prickelnde Erotik verbreiten soll, kann ich nur sagen, dass er bei mir keinerlei Erregung auslösen konnte.
Nein, ich finde keine Erklärung für all das, was in diesem Buch geschieht, ich kann es überhaupt nicht nachvollziehen und verstehen. Stattdessen sitze ich ratlos und schüttle den Kopf über die dusselige Kuh, die sich da sehenden Auges kaputtmacht.
Dabei ist die Geschichte sprachlich flüssig, um nicht zu sagen: über weite Strecken sogar stilistisch efreulich geschrieben. Das hat Hand und Fuß, und man erkennt, dass dieses Buch genau so gedacht und konzipiert war. Da ist keine Stümperin am Werk, die mal eben ein bisschen Schweinkram zusammenschreibt.
Vielleicht liegt des Rätsels Lösung in der jüdischen Semiotik. Die Szene im letzten Kapitel deutet darauf hin, in der Ja'ara gegenüber ihrem Professor die Frau des Baumeisters aus dieser Geschichte von der Zerstörung des Tempels so vehement von Schuld freispricht. Nun, da bin ich raus: Nichtbiblische jüdische Legenden sind mir gänzlich fremd, dieser Symbolik kann ich nicht folgen.
Was in meinem beschränkten abendländischen Blick bleibt, ist eine psychisch labile Frau, die unberechenbar ist und deren Entscheidungen mir verschlossen bleiben. Eine Amour Fou, die eben genau das ist: "fou" - närrisch, bescheuert, verrückt. Aber, sorry: Für das erratische Sexleben einer (pardon!) durchgeknallten Bekloppten ist mir meine Zeit und Energie zu schade, da les ich lieber was Bereichernderes.
- Colum McCann
Apeirogon
(64)Aktuelle Rezension von: itwt69Ein außergewöhnlicher Roman um zwei Männer, die nicht unterschiedlicher sein könnten, jedoch das gleiche Schicksal teilen: beide haben eine Tochter durch Gewalttätigkeiten der "anderen" Seite verloren. Und diese Personen gibt es tatsächlich, sie schließen sich zusammen, um gegen den Hass und Terror auf beiden Seiten zu kämpfen. Leider eine ganz große Ausnahme im "heiligen" Land, sonst würde es heutzutage anders aussehen. Die Kernaussage ist: Stoppt die Besatzung. Kein "normaler" Roman über den Palästinakonflikt, das zeigen schon die 1001!!! Kapitel, die ersten 500 aufsteigend, die zweiten 500 absteigend.
- Simone Elkeles
Nur ein kleiner Sommerflirt
(496)Aktuelle Rezension von: BlutmaedchenSimone Elkeles ist eine meiner Lieblingsautorinnen geworden, nachdem ich ihre Reihe "Perfect Chemistry" regelrecht begeistert verschlungen habe. Ihre Story über die große Jugendliebe, die soviel mehr wird als alles was man kennt - pur, leidenschaftlich, dynamisch - hat mich einfach nur fasziniert. Elkeles spricht die Sprache der Jugend - das liest man in jeder Zeile raus. Sie bringt große Emotionen sehr nahe an ihre Leser heran und schafft es, dass man sich sehr gut mit ihren Protagonisten identifizieren kann.
Nach meiner Begeisterung für diese Trilogie war also auch die neue Trilogie Sommerflirt Pflichtlektüre. Am meisten war ich darauf gespannt, ob Elkeles' humorvoller, romantischer und fesselnder Schreibstil wieder wie Magie wirken würde. Und mein Leseherz ist irgendwie nur halb befriedrigt.
Simone Elkeles pur und doch irgendwie so anders. Dieses Buch erzählt eine wundervolle Geschichte. Eine junge Teenie-Amerikanerin wie es sie tausendfach gibt: Stur, zickig, verwöhnt, streitlustig und absolut nicht bereit einen Milimeter nachzugeben. Sie wird zu einer Reise gezwungen, die für sie wie eine Offenbarung ist. Amy lernt einen Teil ihrer Familie kennen, der ihr zeigt, dass sie nicht nur amerikanisch ist, sondern auch einen Teil des israelischen Bluts in ihren Adern brodelt. Ihre Großmutter zeigt ihr den stolzen, erfüchtigen Teil Israels und das nur durch bloße Worte. Dem Rest ihrer Familie kommt sie Stück für Stück näher und lernt nicht nur die Kultur kennen, sondern auch die Religion. Sie beginnt mit ihrem Herzen zu sehen, was sie auch empfänglich für Avi macht.
Avi ist ein gutaussehender junger Mann, nicht viel älter als Amy, aber eher verschlossen und geheimnisvoll. Seine Freunde sagen, er habe eine Menge durchgemacht.
Amy spürt widerstreitende Gefühle, wenn sie sich ihn mit anderen Mädchen vorstellt und doch ist sie stark darum bemüht ihn auf Abstand zu halten.
Während Amy im Fordergrund rumplappert, schleicht Avi eher durch den Hintergrund und versucht sie zu erforschen. Er ist von ihr angetan, aber auch er will keinerlei Gefühle an sich heranlassen.
Avi und seine Freunde zeigen Amy ihr Israel in allen Formen und Farben und führen sie so bildlich herum, dass ich mir alles sehr gut vorstellen konnte - so als wäre ich dabei.
Die Autenzität war wieder einmal bewegend und ich habe richtig mitgefiebert, irgendwie gehofft, dass sie sich nicht verlieben, denn es wäre doch eine unmögliche Liebe. Amy's Ferien wären gezählt und selbst danach könnten sie nie zusammen sein, weil Avi in die Armee eingezogen wird.
Doch Elkeles hat dieses "Problem" auf eine Weise "geregelt", die man zwei Jugendlichen nicht zugetraut hätte. Was zwischen Amy und Avi heranwächst ist nicht so ganz zu begreifen und ich hatte wirklich Angst vor dem Ende des Buches. Doch völlig unbegründet. Es war bewegend, aber auf eine wundervolle Art, die mehr verspricht. Es mag zwar eine Trilogie sein, aber wenn man das Buch aufmerksam liest, fragt man sich automatisch wie es weitergehen kann.
Und doch ist dieses Buch irgendwie nur halb bei mir angekommen. Irgendwas hat mir gefehlt, was ich nicht so ganz benennen kann. Dreiviertel des Buches hat man einfach nicht das Gefühl, dass Amy und Avi jemals verstehen würden, wie sehr sie sich doch mögen und das sie sich das Theater sparen könnten...
Und urplötzlich geht alles wahnsinnig schnell, als wären sie von Beginn des Buches einander so nah. Stellenweise kam mir das etwas unglaubwürdig vor, weswegen ich auch nicht von Herzen fünf Sterne vergeben. Ich hätte mir einfach weniger Theater gewünscht. Vieles wurde wiederholt und Amy hat es sich selbst nur schwer gemacht.Fazit:
Elkeles hat eine neue Trilogie begonnen, in der es darum geht sich selbst neu zu finden, einer völlig neuen Welt Hallo zu sagen und dabei keine Angst verspüren zu müssen. Amy ist eine geradezu perfekte Protagonistin um den Leser verrückt zu machen. Oft wollte ich sie würgen, aber genau diesen Moment hat sie sich meist ausgesucht um ihr Herz zu öffnen und mal eine nettere Seite zu zeigen. Ich habe noch nie einen Charakter erlebt, der so verbissen wirkt und doch empfänglich für Veränderungen ist. Das macht sie einzigartig.
"Nur ein kleiner Sommerflirt" war ein ausgezeichnetes Leseerlebnis und doch gleichzeitig irgendwie verwirrend. Ich wünschte ich könnte mein kleines Problem genau benennen, aber ich habe keine Erklärung dafür.
Dieses Buch erzählt von ganz besonderen Freundschaften, neu entdeckter Familie, einer völlig neuen Art einer Jugendliebe und von einem lebensverändernden Sommer. - Andreas Eschbach
Der Jesus-Deal
(187)Aktuelle Rezension von: itwt69Der 2.Teil ist ganz anders, als ich erwartet bzw. befürchtet hatte. Dreht es sich im ersten Teil fast ausschließlich um das Jesus-Video, so wird in der Fortsetzung sehr detailliert auf die Zeitreise eingegangen. Ein großartiger Thriller, der jedoch für meinen Geschmack viel zu viel Religiöses beinhaltet, deswegen "nur" 4 Sterne.
- Gayle Forman
Und ein ganzes Jahr
(320)Aktuelle Rezension von: Nikashe"Und ein ganzes Jahr" von Gayle Forman ist die Fortsetzung und Abschlussband von "Nur ein Tag".
Endlich erfahren wir, was in dem einen Jahr mit Willem passiert ist, wo er sich aufhält und wieso er Allyson/Lulu alleine zurück gelassen hat in Paris.
Stellt man beide Bücher nebeneinander, so ergeben Sie ein Herz, was ich sehr schön finde.
Im ersten Band der Dilogie erfahren wir recht wenig über Willem. Dies ändert sich nun mit dem zweiten Band. Denn dieser ist nun aus seiner Sicht geschrieben und wir erfahren wo er sich wann aufgehalten hat.
Wir begleiten Ihn auf den Weg Lulu zu finden, denn Allyson richtigen Namen kennt er immer noch nicht. Eine Suche, die Hoffnungslos erscheint und sich über mehrere Kontinente erstreckt.
Willem wirkt sehr zerstreut und meidet Konflikte. Es wird klar, wieso er ein Vagabunden leben lebt und wofür er versucht wegzulaufen.
Es war Interessant zu lesen, was in dem Jahr bei Willem passiert ist, auch wenn das Ende durch Band 1 bekannt war, hatte die Geschichte ihre spannenden Punkte.
Sein Charakter wird mehr erläutert und wirkt dadurch sympathischer als zuvor.
Die Orte und Personen, die ihm auf seiner Suche begegnen, machen die Story dann weniger vorhersehbar.
Willem der vorher an das Schicksal und an Zufälle geglaubt hat, fängt immer mehr an daran zu Zweifeln und am Ende wird doch alles gut.
Fazit:
Band 2 fand ich nur ein wenig Schwächer als Band 1. Dies liegt daran, dass man das Ende bereits kennt und leider meine Hoffnung nicht bestätigt wurde, dass man darüber hinaus noch etwas erfährt.
Das fand ich sehr Schade. Schließlich fiebert man die ganze Zeit dem Treffen entgegen und dann ist die Geschichte vorbei.
Willems Geschichte zu lesen hat mir dennoch Spaß gemacht und es war schön zu sehen, wieso er ein Vagabunden leben lebt und diese Selbsterkenntnis und der Weg dorthin hat mir gut gefallen.
- Paulo Coelho
Der Fünfte Berg
(123)Aktuelle Rezension von: Karolina_BDie Geschichte erzählt vom Glauben, der göttlichen Kommunikation und inneren Kämpfen eines Menschen. Der Einstieg in die Geschichte war etwas holprig. Aber umso mehr ich las, umso fesselnder wurde es.
- Zeruya Shalev
Mann und Frau
(111)Aktuelle Rezension von: AngiBinzDie Beziehungsromane von Zeruya Shalev sind wohl auch deshalb so brillant, weil sie so düster und wahr sind. "Mann und Frau" ist nichts für Leute, denen der Sinn nach guten Gefühlen und Happy Ends steht. Dafür durchaus was für an tieferen psychologischen Auseinandersetzungen und sehr realistischen Geschichten interessierten Leser. - Ayelet Gundar-Goshen
Löwen wecken
(175)Aktuelle Rezension von: Ines_BalkowDas Buch war für mich ein Experiment, weil ich normalerweise andere Genres lese. Ich finde, dass die Geschichte viel Potenzial hat, ich hätte allerdings einen ganz anderen Handlungsverlauf und somit mehr Spannung erwartet.
Die beiden Protagonisten Etan und Sirkit waren mir leider von Anfang an unsympathisch. Bei ihr wurde es zum Ende hin noch deutlicher, dass ich sie und ihren Charakter nicht mag. Die "Zweckbeziehung", die die beiden eingehen und die seinerseits damit verbundenen Hassgefühle waren für mich gut nachvollziehbar. Allerdings schwingt sehr schnell von beiden Seiten eine Erotik/Leidenschaft mit, die ich gar nicht verstanden habe. Das hat für mich auch ein wenig die Geschichte und die Dynamik zwischen Etan und Sirkit zerstört. Respekt und Ehrfurcht hätte ich gut nachvollziehen können, aber die erotisch-körperliche Anziehung hat für mich nicht gepasst.
Das Buch regt auf jeden Fall zum Nachdenken an, was an sich gut ist. Und einige Gedanken der Figuren sind sehr tiefsinnig und philosophisch - darauf muss man sich einlassen können und wollen. Zweitweise habe ich mich aber ein wenig durchgekämpft, dann wurde es auch zum Ende wieder spannender. Insgesamt bin ich aber froh, dass ich mit der Lektüre durch bin. Vom Klappentext her hatte ich mir etwas anderes erhofft.
Ich denke, dass es für viele eine gute und interessante Geschichte ist. Meinen Geschmack hat es leider nicht getroffen.
- Matthias Jösch
PHOENIX - Unsere Rache wird euch treffen
(46)Aktuelle Rezension von: Uwes-LeseloungeDie Geschichte wird einmal aus der Sicht von einem jungen Mann names S. erzählt. Hier erleben wir die Gräueltaten der SS im 2. Weltkrieg hautnah mit, die sehr brutal, ausführlich und schonungslos erzählt werden. Dies war und ist starker Tobak! Parallel zu dieser Geschichte befinden wir uns in der Gegenwart und lernen Adrian von Zollern kennen. Er besitzt eine Dozentenstelle an der Humboldt-Universität in Berlin, die er aber gekündigt hat, um seine neue Stelle beim BND anzufangen.
Durch den Erwerb einer Holzkiste bekommen es Adrian, sein bester Freund Sebastian und dessen Schwester Violetta mit einer Organisation zu tun, die es sich zur Aufgabe gemacht hat das 3. Reich wie ein Phoenix aus der Asche auferstehen zu lassen, um eine neue Weltordnung zu schaffen. Aber was hat dies alles mit der Holzkiste und den Schallplatten zu tun? Währenddessen geht die junge und schöne Israelin Shari verschiedenen Hinweisen bezüglich einer Verschwörung nach und dabei stößt sie auf Adrian und seine Freunde. Es beginnt eine gnadenlose Jagd quer durch Deutschland, Österreich, England, Argentinien, Israel und Syrien nach Hinweisen aus der Vergangenheit. Wird es unseren Protagonisten gelingen, den Plan der Organisation zu vereiteln oder fällt Deutschland und Europa in die Zeit des 2. Weltkrieges zurück?
Mit dieser Geschichte arbeitet der Autor Matthias Jösch unsere Vergangenheit rund um den 2. Weltkrieg und der Herrschaft von Hitler auf. Dies tut er in einer schonungslosen und mitunter sehr brutalen Weise. Eigentlich bin ich schon recht hart im Nehmen, was so etwas angeht, aber gerade das Thema Judenverfolgung und hier speziell Ausschwitz, haben mir teilweise den Atem geraubt bzw. mehrmals schlucken lassen. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, wie ein so großer Hass auf andere Menschen, Religionen oder Ansichten entstehen und man einem einzelnen Mann folgen kann...
Hier wird dem Leser nochmals ein Spiegel vor das Gesicht gehalten. Und ich möchte hoffen, dass ein solches Szenario wie im Buch beschrieben, niemals eintrifft. Die Protagonisten wurden allesamt gut ausgearbeitet, ohne jedoch einen besonders hervorheben zu wollen. Die Geschichte an sich, ist von Anfang bis Ende gut durchdacht und weißt eine sehr hohe Spannung auf, die sich zum Ende hin nochmals stark erhöht. So sollte ein Thriller sein. Gerade auf Grund der schweren Thematik des Buches, aber auch der noch relativ jungen Vergangenheit von Eurokrise und ähnlichem, ist das Buch nicht mal eben so weg zu lesen. Ich werde jetzt erst mal ein, zwei Tage Pause einlegen, da mich dieses Buch gedanklich doch noch recht beschäftigt.
Ich kann das Buch nur empfehlen!
- Amos Oz
Judas
(60)Aktuelle Rezension von: awogfliAmoz Oz ist ausgezogen, um eine politische und religiöse Analyse mit einem Roman zu verknüpfen und das ist meiner Meinung nach gehörig in die Hosen gegangen. Die Analyse der Staatengründung von Israel, der Regentschaft von Ben Gurion und die Beziehung des Judentums zu Jesus Christus und Judas Ischariot sind recht gut gelungen. Wenngleich ich die Judas Analyse schon einige Male woanders basierend auf dem gnostischen Judas Evangelium gelesen habe und manche Analysen auch doppelt breitgetreten werden.
Die Romanhandlung hingegen ist voll gegen die Wand gefahren. Ich hasse Redundanzen abgrundtief!!! (Bitte hier 30 Rufzeichen und Großbuchstaben dazu denken). Zugegeben, Oz kann fantastisch fabulieren, aber bei der Dramaturgie hat er sowas von vergeigt, denn es passiert einfach nicht viel in der Geschichte, die Handlung kommt nicht vom Fleck und wenn irgendetwas passiert, ist es eine ewige wiederholte Beschreibung derselben Abläufe, deren Beschreibung am Anfang charmant scheint, dann irgendwann monkhaft zu belächeln ist und mit zunehmender Seitenanzahl so brüllend nervt, dass ich mir die Augen auskratzen wollte.
Protagonist Schmuel verliert seine Freundin, schmeißt sein Studium kurz vor der Doktorarbeit über Jesus aus der Sicht der Juden hin und da ihn die Eltern nicht mehr unterstützen können, nimmt er einen Job als Gesellschafter des Behinderten Gerschom Wald an, der mit seiner Schwiegertochter Alija sehr zurückgezogen in einem alten Haus in Jerusalem lebt. Der alte Mann und der ehemalige Student politisieren und diskutieren ausführlich und vertreiben sich so den Winter. Die verwitwete Schwiegertochter Atalja wird von unserem Protagonisten angebetet, tausende ausführliche Warnungen, sich nicht in sie zu verlieben, schlägt er in den Wind.
Schmuel isst wortreich beschrieben seine 100ste Gulaschsuppe mit Apfelkompott, sein ausladend geschildertes 50stes Käsebrot und die Reste des 70sten Grießbreis mit Zimt, den Herr Wald auf dem Teller übriggelassen hat (igitt wie grauslich). Da unser Protagonist sonst nichts isst und die Geschichte schon den ganzen Winter dauert, wundert es mich, dass ihm vor Skorbut nicht die Zähne ausfallen. Man möchte ihm zurufen: Iss endlich einen Salat, Junge! Auch die Prozedur des Bartpuderns wiederholt Schmuel viel zu ausführlich.
Dazwischen brillante Streitgespräche und Analysen über Israels Beziehung zu seinen Nachbarn. Einen Feind zu einem Freund zu machen ist fast unmöglich, nur unterdrücken kannst Du ihn, das ist die falsche langfristige Strategie, sich Feinde zu machen.
„Das glauben auch die Juden in Israel, weil sie keine Ahnung von den Grenzen der Macht haben. Die Wahrheit ist, dass alle Macht der Welt den Feind nicht in einen Freund verwandeln kann. Man kann den Feind zum Sklaven machen, aber nicht zu einem Liebenden. Mit aller Macht der Welt kann man Fanatiker nicht zu einem aufgeklärten Menschen machen. Und mit aller Macht der Welt kann man aus einem Rachedurstigen keinen Freund machen. Und genau da liegen die existenziellen Probleme des Staates Israel.“
Ich habe Oz mal persönlich auf der Frankfurter Buchmesse getroffen. Dort sagte er: Wir sind mit den Arabern quasi in einer WG und wir müssen uns endlich arrangieren. Leider haben zu wenige damals bei der Staatengründung so gedacht und denken auch heute noch so. Letztendlich ist es genauso gekommen zwei Gemeinschaften, zerfressen vor Hass und Gift, die tausende Tote über Jahrhunderte und Generationen verursachen werden.
„Schließlich leben die Juden in einem großen Flüchtlingslager und die Araber leben ebenfalls in einem großen Flüchtlingslager. Die Araber erleben jeden Tag die Katastrophe ihrer Niederlage, und die Juden erleben Nacht für Nacht ihre Angst vor Rache.“
Leider wiederholen sich auch die religiösen Analysen über Jesus und Judas irgendwann einmal, indes die Romanhandlung gefühlte Ewigkeiten auf der Stelle trabt. Dann endlich, als ich schon die Geduld verloren hatte, passiert etwas. Hallelujah Jesus Christ, da muss sich der Schmuel einen Haxen brechen, damit er letzendlich Vitamin C in Form seines ersten Salats mit Oliven bekommt und der Autor ihn schließlich ins Bett der Atalja schreiben kann. Der erste Sex war dann auch sehr unspektakulär und langweilig mit vorzeitigem Samenerguss, der zweite war wahrscheinlich sehr gut, aber gerade hier versagt die Erzählkunst und Wortgewandtheit von Oz völlig.
Das offene Ende ist dann nur das Tüpfellchen auf dem I der Enttäuschung und hat mich eigentlich gar nicht mehr so sehr gestört, denn ich hab das Interesse an den Protagonisten und der Geschichte verloren.
Fazit: Bedauerlicherweise nur Mittelmaß, so viel Potenzial und so viel Talent derart vergeudet. Das gesamte Werk stinkt nach der ersten Hälfte total ab und ergeht sich in ewigen Wiederholungen. Da hilft auch die sparsame Handlung am Ende nichts. Wäre Oz bei der politisch-religiösen Analyse geblieben, hätte nicht versucht, diese mit einem Roman zu verbinden, und hätte die Wiederholungen auch in der Analyse etwas gestrafft, hätte mir das Buch sogar ausnehmend gut gefallen. Denn es hat seine brillanten Momente, die leider nur Momente bleiben und das ist zu wenig für eine gute Beurteilung meinerseits. - Michael Lüders
Wer den Wind sät
(45)Aktuelle Rezension von: HoldenMichael Lüders beschreibt, was die amerikanische Außenpolitik (häufig durch die CIA und unter Unterstützung bestimmter Think tanks und Journalisten) im Nahen Osten angerichtet hat. Und dem ja auch häufig folgend leider die Europäische Union und die deutsche Regierung. Oft hat man die ausgestreckte Hand zur Kompromissfindung ausgeschlagen, frühzeitig die Welt in "gut" und "böse" unterteilt und sich pragmatschen Lösungen verschlossen, oft auf kosten von Zehntausenden Menschenleben. Teilweise wurde eine erfolgreiche Friedensstiftung durch die USA untergraben, auch in Fällen wie der Hamas oder Irans, was daran liegt, daß die USA ein Interesse an dem dauerhaften Krieg haben, in dem wir uns gegenwärtig befinden, man einseitig auf wirtschaftliche Vorteile der US-Wirtschaft setzt (Big Oil und die Motivation zu George W. Bushs völkerrechtswidrigem Angriffskrieg gegen den Irak) oder indem man zu einseitig auf Israel im Nahen Osten schaut. Natürlich fragt man sich, was die gewählten deutschen Politiker zu dem Ganzen gesagt haben, man möchte Namen und konkrete Aussagen wissen, genauso wie das, was gewisse Medien geschrieben haben. Idles singen in "War" von den "stone-faced liars", Brody Dalle trug ein "The CIA"- T-Shirt auf der Bühne (natürlich als Kritik), beides mit Recht. Ein aufwühlendes Buch, zur Pflichtlektüre empfohlen.
- Dror Mishani
Drei
(276)Aktuelle Rezension von: NurayCesmeDas Buch „Drei“ erzählt die Geschichten von drei Frauen, die nichts miteinander zu tun haben. Jede von Ihnen hat ihr eigenes Leben und ihre Probleme. Doch im Laufe der Handlung wird klar, dass sie alle denselben Mann kennen und dass diese Begegnung ihr Leben stark verändert.
Besonders interessant ist, dass das Buch kein typische spannende Handlung mit viel Action hat. Stattdessen stehen die Gedanken und die Gefühle der Figuren im Mittelpunkt. Man erfährt, wie sie denken, was sie hoffen und wovor sie Angst haben. Dadurch entsteht eine eher ruhige, aber trotzdem spannende Atmosphäre.
Der Aufnau ist ungewöhnlich. Jede Frau bekommt ihren eigenen Teil der Geschichte. Erst nach und nach erkennt man die Zusammenhänge. Das sorgt dafür, dass die Spannung langsam wächst und man immer mehr verstehen möchte, was wirklich passiert.
Ein zentrales Thema des Buches ist Vertrauen. Es zeigt, wie leicht man sich in Menschen täuschen kann und wie schwie es ist, andere richtig einzuschätzen.
- Simone Elkeles
Kann das auch für immer sein?
(314)Aktuelle Rezension von: BlutmaedchenAuch im dritten und letzten Teil der Sommerflirt Trilogie von Simone Elkeles, erging es meinem Leseherz zwischenzeitlich sehr schlecht.
Amy's Plan sich freiwillig für ein Bootcamp in Israel zu melden, nur weil dort ihr Freund Avi stationiert ist und sie ihn sonst nicht sehen kann, ist ja absolut nachvollziehbar. Ihr ist klar, dass sie eine harte Zeit erleben wird, aber der Gedanke an Avi überzeugt sie es durchzuziehen.
Dass sie mit einem rosa Glitzerkoffer, einer über 200 Dollar teuren Brille und ihren Designerklamotten dort aufschlägt, ist für sie absoluter Normalzustand und zu Beginn des Buches war es einfach irrsinnig komisch ihren Gedanken zu lauschen. Amy ist eine Drama-Queen in erster Linie, aber in zweiter ist sie vorallem irrsinnig negativ eingestellt, doch gepaart mit ihrer sarkastischen Art wirkt es zunächst liebenswert.
Im weiteren Verlauf, in dem Avi ihr klar macht, dass er sie dort nicht haben will und Amy glaubt es liege an der Soldatin Liron, wird die Geschichte für mich fast wie eine Horrorfahrt.
Sie ist so darauf fixiert, dass Avi Gefallen an Liron findet, dass sie, als er ihr etwas beichtet, ganz schnell umschaltet und ihm eine Lüge auftischt, statt ihn ausreden zu lassen. Da begann der gesamte Schlamassel und es folgten etwa hundert überflüssige Seiten, die es mithilfe von Kommunikation nicht gegeben hätte. Wäre ja auch zu einfach und die Geschichte zu schnell vorbei, nicht wahr?!
Ich kann sowas zum verrecken einfach nicht ab, dass sich Menschen das Leben selbst so schwer machen müssen...
In den beiden Bänden vorher habe ich ja auch diese Extreme gehasst. Erst bis zum äußersten gehen um dann mehr Gründe zu haben diese einzigartige, blablabla Liebe auf den höchsten Standard zu setzen.
Der spituelle Aspekt dieser Reihe war auch in diesem Band wieder deutlich zu spüren. Amy und ihre Sicht auf die Religion haben perfekt zu dieser Geschichte gepasst und ihre Entwicklung - so sehr sie mir auch auf die Nerven ging - war deutlich positiv.
Wieder in die Gepflogenheiten Israels einzutauchen war wohl mit das Beste an diesem Buch.Fazit:
Es ist schwer eine Geschichte objektiv zu bewerten, wenn die Ich-Erzählerin einem den letzten Nerv raubt und man am liebsten aussteigen möchte. Denn wenn man Amy's dramatisches Gezicke, ihre Lügengeschichte und dieses dick aufgetragene Ich-muss-unbedingt-bei-dir-sein-sonst-sterbe-ich mal einen Moment beiseite schiebt, entdeckt man dahinter eine lohnenswerte Geschichte, die berührt und bei der ich ganz schnell das Ende erreichen wollte.
Entweder man ist von einer Person enttäuscht, oder aber man vergiebt. Beides ist möglich, aber in dem Tempo dieser Geschichte war es eher störend als unterhaltsam.
Simone Elkeles hat wieder viel von Israel mit einfließen lassen und das hat mir sehr gut gefallen. Schade war nur, dass es keinen Epilog gab, wie man es aus den anderen Büchern kennt.
"Kann das auch für immer sein?" ist ein Jugendbuch, was man als Fan dieser Trilogie natürlich nicht verpassen darf, aber wem Amy - wie mir - schon in Band eins und zwei auf den Zeiger ging, der wird in diesem Buch keine wirkliche Überraschung erleben.
Dennoch habe ich es letztendlich mit einem zufriedenen Gedanken beendet, auch wenn mich der Hauptanteil des Buches eher weniger begeistern konnte. Ich denke Elekles' flüssiger Schreibstil und der gewisse Charme heben das Buch dann doch ein klein wenig an. - Hannah Arendt
Eichmann in Jerusalem
(39)Aktuelle Rezension von: nayeziDer Bericht Arendts ist unfassbar bereichernd und hoch interessant. Er ermöglicht einem eine interessante Perspektive auf den damaligen Fall Eichmanns und setzt dabei auch alles in einen sinnigen Kontext, sodass man - auch wenn man in dem Thema nicht allzu viel Vorwissen hat - alles versteht.
Es gibt bereits haufenweise Texte, welche die Kontroversen des Textes sowie den allgemeinen Inhalt behandeln, weshalb ich dies hier nun nicht vertiefen werde. Allerdings möchte ich gerne anmerken, dass mir an dieser Edition das Nachwort von Helmut König sehr positiv aufgefallen ist. Es leistet sehr gut die Aufarbeitung des Berichts sowie der historischen Reaktionen darauf. Dadurch wurde das Ganze nochmal mehr „abgerundet“, da man so manch offene Fragen noch beantwortet bekommen hat.
Ich würde das Werk, explizit in dieser Edition, definitiv weiterempfehlen. Allerdings ist zu beachten, dass Hannah Arendts Bericht in der alten Rechtschreibung verfasst ist, was anfangs etwas ungewohnt und verwirrend sein kann.
- Chris Kraus
Das kalte Blut
(29)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchIn diesem Roman geht es um die radikale, systematische Vernichtung von Menschen während des zweiten Weltkriegs. Aus Sicht des Täters. Zwei Brüder werden als SS-Männer mit der „Säuberung“ im Osten und Westen des „Großdeutschen Reichs“ beauftragt. Beide lieben sie die Jüdin Ev, die traumatisiert aus Auschwitz zurückkehrt, wo sie zur Folterung von Häftlingen gezwungen wurde. Nach dem Krieg wechseln die Brüder Hub und Koja zu anderen Geheimdiensten, CIA und KGB, dienen als Doppelagenten mal hier mal da der „Sache“. Harte Kost, die anfangs in schönen Bildern und einem lockeren Erzählstil in das Buch zieht. 1974 beichtet der Ich-Erzähler Koja einem Hippie-Leidensgenossen in einem Krankenhaus seine Vergehen. Dabei schweift er immer wieder in melancholische Erinnerungen ab. Koja ist ein Künstler, hält alles mit Graphit auf Papier fest, lernt Heinrich Himmler kennen und beeindruckt ihn. Sein Bruder Hub möchte den „Zartbesaiteten“ beschützen. Er sorgt dafür, dass Koja versetzt wird, sobald er zu Massenhinrichtungen abkommandiert werden soll, doch eines Tages kann Hub es nicht mehr verhindern. Und Koja ballert ein ganzes Magazin auf einen Säugling.
Es gibt wunderschöne Metaphern in dem Buch, aber die will man als Leser mit zunehmender Enthüllung der Grausamkeiten nicht mehr genießen. Der Roman erinnert an die wahren Schicksale und pflanzt sie damit in die Gedächtnisse von uns Nachgeborenen ein oder besser, er ätzt sie ein. Für „Das kalte Blut“ hat er penibel in seiner eigenen Familiengeschichte recherchiert. Trotz bester Absichten zerfällt der Roman für mich als Leser aber eher in einen Bericht als in eine runde Gesamterzählung.Ein bedrückendes aber gutesBuch.























