Bücher mit dem Tag "japan"
1.258 Bücher
- Kerstin Gier
Vergissmeinnicht - Was man bei Licht nicht sehen kann
(1.341)Aktuelle Rezension von: vallsIch wollte das Buch bereits lesen, seit es herausgekommen ist, da ich ein großer Fan der Edelsteintrilogie und von Silber 1 bin.
Die Protagonisten
Der Rückmeldung von vielen Rezensenten, dass die Hauptcharaktere klischeehaft sind, kann ich mich überhaupt nicht anschließen. Ich fand die Protagonisten tatsächlich sehr gut ausgearbeitet.
Da man abwechselnd aus beiden Perspektiven gelesen hat, hat man eben ganz schnell gemerkt, dass Quinn eben nicht der typisch oberflächliche, beliebte Typ ist, sondern mit seinem schweren Unfall ziemlich tapfer umgeht (Humor scheint seine Bewältigungsstrategie zu sein) und Mathilda auch nicht das typische Mauerblümchen, da sie offensichtlich anders ist als der Rest der Familie und nicht zu allem Ja und Amen sagt. Quinn fand ich zu meiner eigenen Überraschung total relatable, witzig und sympathisch und man konnte sich komplett vorstellen, dass so ein Junge in seinem Alter wirklich denken würde, was nicht allen weiblichen Autoren gelingt. Selbst im Angesicht seines Unfalls blieb er sich selbst treu und hat seinen Charme nicht verloren. Er glaubt daran, dass er bald wieder fit ist und trainiert hart dafür. Er verliert die Zuversicht und den Lebenswillen nicht, das muss ihm mal erst mal jemand nachmachen.
Idee und Weltenbau
Die Idee mit der Saumwelt und den Ewigen fand ich ebenfalls super. Was mir nicht gefallen hat, war dann die Umsetzung und die Welt im Saum an sich. Der Anfang war super stark, unvorhersehbar, originelle Nebencharaktere und Weltenidee aber dann ging es leider bergab.
Es kamen für meinen Geschmack viel zu viele Fantasy-Wesen auf einmal vor. Es kam mir teilweise vor, als hätte man einem Grundschulkind den Auftrag gegeben, möglichst seiner Fantasie freien Lauf zu lassen und alle Fantasie-Gestalten, die es so kennt, in die Geschichte zu klatschen, ohne darauf zu achten, ob das denn jetzt wirklich sein muss oder notwendig/hilfreich für die Story ist. Die Funktionsweise der Saumwelt hat zu sehr an Silbers Traumwelt erinnert (aber als schlechter Abklatsch), da man ja auch alles mithilfe seiner Gedanken erschaffen konnte. Ich verstehe auch absolut nicht, warum Kerstin Gier dachte, es ist eine gute Idee, eine Xemerius-Kopie (Verweis auf Edelstein-Trilogie) einzubringen und auch noch auf einen Cousin in London anzuspielen, als hätte Giers eigene Protagonistin Matilda Kerstin Giers Bücher gelesen. Ich mag es gar nicht, wenn Autoren in ihren Geschichten auf andere Veröffentlichungen zu sprechen kommen. Das riss einen etwas aus der Logik der Welt und man wurde sich bewusst, dass es eben ausgedacht ist, was man bei guten Büchern ja eigentlich vergessen soll. Auch bekam man dadurch schnell das Gefühl, Gier hätte nichts Neues, Originelles erschaffen, sondern einfach ein Potpourri aus ihren bereits veröffentlichten Büchern erstellt. Ähnlich wie eine Fanfiction.
Nebencharaktere
Quinns Eltern fand ich auch sehr originell und authentisch. Man hat sich in seiner Familie irgendwie wohlgefühlt. Und auch durchaus gemerkt, dass nicht alles so gestriegelt ist, wie Quinns Beliebtheit es vermuten lassen würde. Seine Mutter beispielsweise hat eine Vorliebe für kunterbunte Klamotten und wirkt auch sonst teilweise etwas exzentrisch.
Lasse, Quinns Kindheitsfreund, mit dem er allerlei Blödsinn angestellt hat und der ein kleines Sensibelchen ist, fand ich auch sehr dreidimensionell, man konnte ihn sich gut vorstellen. Luise und Leopold, die nervigen Cousins von Mathilda, waren ebenfalls gut überlegt, allerdings fand ich, dass sie manchmal doch etwas zu klischeehaft und unrealistisch nervig waren.
Quinns Psychotherapeutin war gut gelungen und seine Abneigung ihr gegenüber absolut authentisch dargestellt, sein Physiotherapeut auch. Leider habe ich hier aber auch bereits früh geahnt, welche Rolle einer der beiden später noch spielt.
So gut einige Charaktere ausgearbeitet waren, so flach fand ich dann leider manche der Nebencharaktere. Die Feen waren für mich alle irgendwie gleich, Emilian und Hyazinth hätte man anhand des Charakters nicht auseinanderhalten können.
Liebesgeschichte
Gegen Ende des Buches wurde es mir zwischen Quinn und Matilda teilweise auch etwas zu schnulzig, vor allem als Matilda ein Wochenende Hausarrest bekommt und sich so aufführt, als wäre es das Ende der Welt, ein paar Tage nicht mit Quinn schreiben zu können.
Generell fand ich die Liebesgeschichte zwischen den beiden aber süß, passend und auch glaubwürdig. Es ist nachvollziehbar, dass man teilweise besser mit jemandem zusammenpasst, von dem man vorher denkt, er ist total unsympathisch, einfach weil man die Person gar nicht richtig kennt. Auch dass die beiden sich von Lillys Aussage, Matilda hätte nur die Krankenschwester gespielt und Quinns Unfall ausgenutzt, um sich an ihn ranzumachen, nicht verunsichern lassen haben, fand ich stark.
Insgesamt gebe ich dem Buch 3,5 Sterne. Man konnte es super schnell weglesen, da es trotz der beschriebenen Mängel unterhaltsam war. Die beiden Hauptcharaktere fand ich super, die Nebencharaktere und Handlung ließen für mich leider zu wünschen übrig.
- Haruki Murakami
1Q84 (Buch 1, 2)
(769)Aktuelle Rezension von: KarandiIch habe schon mehrere gute Bücher gelesen, aber es kommt selten vor, dass ich nach zehn Seiten eines Buches weiß: Das wird etwas Besonderes. Das wird ein Leseerlebnis, das du dein Leben lang nicht mehr vergessen wirst.
Und ich muss sogar überlegen, ob ich die Liste meiner Lieblingsbücher nicht umstrukturieren sollte. Vielleicht sollte ich nicht einfach nur danach gehen, dass mich Bücher abgeholt haben und ich besonderen Spaß daran hatte, sie zu lesen, sondern danach, dass ich diese Bücher erlebt habe und sie immer wieder aufs Neue erleben will.
Da fallen mir tatsächlich nur Die Brüder Karamasow und 1Q84 von Murakami ein. Obwohl ich den dritten Band der Trilogie noch nicht gelesen habe, habe ich keinen Zweifel daran, dass es mit das Beste sein wird, was ich je gelesen habe.
Was erleben wir in 1Q84 — oder besser gesagt: Was erleben wir nicht? Kein Wort in diesem Roman ist überflüssig. Keine Seite ist zu viel. Jedes Kapitel, jeder Absatz, jede Zeile ist wichtig für das Gesamtbild der Geschichte, die Murakami erzählt.
Zum einen erleben wir die Geschichte eines Mannes und einer Frau, die sich sehnsüchtig nacheinander durchs Leben bewegt haben, die sich zuletzt gesehen haben, als sie zehn Jahre alt waren, und die mit dreißig immer noch das Herz des anderen bewohnen. Doch dies einfach als Liebesgeschichte abzutun, würde dem Roman schlichtweg nicht gerecht werden.
Wir erleben eine Parallelwelt. Wir erleben eine Sekte. Wir erleben Fabelwesen. Wir erleben eine Komplexität der Handlung, die ihresgleichen sucht. Das Schicksal der beiden Hauptfiguren ist auf eine so extravagante Art und Weise miteinander verbunden und verschmolzen, dass man diesem Werk mit bloßen Worten kaum gerecht werden kann. Denn nur Murakami selbst vermag es, diese Geschichte so zu erzählen, dass sie den Wert, den sie in sich trägt, vollkommen transportiert.
Wir erleben Spannung. Wir erleben Dramatik. Wir erleben zwischenmenschliche Nähe, aber auch die Kälte der Menschheit. Wir erleben die gnadenlose, brutale menschliche Natur, wenn Menschen ihr Leben auf der dunklen Seite verbringen — und gleichzeitig die Zerrissenheit und die Narben eines Menschen, der von seinen Emotionen erschüttert wurde.
Ich hoffe, diese Rezension gibt genug Anreiz für diejenigen, die das Buch noch nicht gelesen haben, es endlich zur Hand zu nehmen. Natürlich nimmt Murakami kein Blatt vor den Mund. Wir erleben auch explizite Szenen, die einem den Kloß im Hals spüren lassen. Unverblümt, direkt — und genau deshalb so unglaublich echt.
Wenn man Begeisterung überhaupt in Worte fassen kann, dann würde ich mir wünschen, für dieses Buch die richtigen Worte gefunden zu haben. Eine ganz klare Empfehlung — nicht nur für Fans von Murakami, sondern für absolut jeden. Denn hier wird Literatur auf höchstem Niveau geboten.
- Haruki Murakami
Kafka am Strand
(1.119)Aktuelle Rezension von: entspanntesLesenKafka Tamura verlässt Nakano und macht sich auf den Weg über die große Brücke. Er lässt zurück seinen Vater, mit Sack und Pack, hofft Abstand zu gewinnen und vielleicht seine Mutter und Schwester irgendwo da draußen zu finden. Währenddessen passieren in Nakano und rundherum surreale Dinge - mittendrin Nakata, ein Sechzigjähriger, der mit Katzen sprechen kann und anders denkt.
Meine Meinung:
Murakami erbaut Welten, die nebeneinander existieren. Ich kannte seinen Stil schon durch das zuletzt erschienene Buch "Die Stadt und ihre ungewisse Mauer".
Das Buch arbeitet tief mit Symbolik, erklärt nicht und lässt Zugang über die Gefühle des Lesers selbst.
Da Murakami zu fließend erzählt, entsteht dieser meditative Sog - ohne laut zu sein und Effekte zu provozieren.
Die Kapitel wechseln ab, es gibt 2 Wege und verschiedene Konstellationen, welche sich zum Teil spiegeln. Zu einem ist da der 15 jährige Kafka, Oshima als Leitfigur und Saeki, die Bibliotheksleiterin. Zum anderen Nakata auf seinem Weg mit Hoshino, um etwas zu tun, wofür es keine Zeit und keinen konkreten Rahmen gibt.
Der Roman war eine Wucht für mich und bewegte mich, weitere Murakami Romane auf meine Leseliste zu setzen.
Es kann bewegen, spiegeln, zeigen oder einfach eine Geschichte sein, die magisch anhaftet.
- Mariana Leky
Was man von hier aus sehen kann
(997)Aktuelle Rezension von: OrishaSelma träumt von einem Okapi und dann? Stirbt jemand! So war es bisher, so soll es wieder sein. Dieses Mal schlägt der Tod ganz in der Nähe zu und eigentlich auch viel zu spät. Der Effekt bleibt der gleiche. Jemand stirbt und alle trauern. Zehn Jahre später. Luise, Selmas Enkelin ist erwachsen, macht eine Lehre im Buchhandel und versucht ihr eigenes Leben zu leben. Als Alaska, die Dogge ihres Vaters entschwindet, begegnet sie Frederik, dem jungen Mann, der sein Leben als Mönch verbringen möchte. Sie verliebt sich unsterblich, doch das Leben nimmt seinen Lauf.
Eigentlich mag ich skurrile Geschichten. Eigentlich mag ich skurrile Charaktere. Und eigentlich mag ich Geschichten, die anders sind. Doch dieser Leky-Roman konnte mich nicht überzeugen. Die Charaktere sind eigen, aber so eigen, dass man keinen wirklich greifen kann. Als Ensemble nett, als Einzelcharaktere bleiben alle vage. Luises Liebe zu Frederick - vage und ehrlicherweise für mich nicht nachvollziehbar, denn Leky gibt den LeserInnen einfach nicht genug an die Hand. Selma, die vom Optiker geliebt wird - vage, denn Stellung bezieht sie nie. Warum kann Sie ihn nicht als mehr ansehen? Ja, wegen Heinrich, der 100 Jahre tot ist, aber Leky zeigt uns diese alte Liebe einfach nicht. Sie erhält gerade einmal drei Sätze und davon soll ich mir ein umfassendes Bild machen? Das funktioniert für mich nicht. Palm - genau das gleiche. Warum trinkt er? Wie empfindet er nach seinem Schicksalsschlag? Warum läutert er sich? Und und und.
Eigentlich ist es ein Buch über das Leben, über Verlust, Liebe, Freundschaft, Zusammenhalt. Familie, die auseinanderfällt und doch in irgendeiner Form weiter besteht. Wandel, Veränderung und eine Dorfgemeinschaft, die trotz ihrer Differenzen füreinander einsteht. Und das ist auch schön. Doch das Ensemble konnte mich nicht über die oben genannten Punkte hinwegtragen.
Kurzum: Ein Buch, das Potential hatte, aber zu oberflächlich bleibt, um mit den Charakteren anzubandeln. Kann man lesen, muss man nicht.
- Haruki Murakami
Naokos Lächeln
(970)Aktuelle Rezension von: KarandiEs geht in diesem Buch zwar um einen Mann, der einen Rückblick in sein Leben wagt, zu vergangenen Liebschaften. Aber die Botschaft, die dieses Buch beinhaltet, geht meiner Meinung nach über eine Liebesgeschichte hinaus. Es ist auch ein Fingerzeig auf die Kultur, die nicht nur in Japan gepflegt wird, sondern weltweit die Menschen dazu drängt, suizidale Gedanken zu haben und diese Tätigkeit auch auszuführen. Den ersten Selbstmord dürfen wir relativ am Anfang der Geschichte erleben, wo seine erste Jugendgefährtin den Freitod wählt den zweiten dürfen wir dann bei der Hauptakteurin beobachten. Die Charaktere in diesem Buch gestalten sich außerordentlich interessant und Figuren wie Midori geben dem Buch eine positive Note. Zu einer ansonsten tiefgründigen Geschichte, die zum nachdenken anregen sollte. Ein großes Meisterwerk von Murakami, der es versteht, eine Botschaft zu überbringen, ohne das Thema beim Namen zu nennen. Großartig.
- Haruki Murakami
Die Chroniken des Aufziehvogels
(611)Aktuelle Rezension von: JoxannaBuch: Mister Aufziehvogel
Von Beginn an war dieses Buch für mich eine ständige Gratwanderung: Mehr als einmal stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen, weil die Handlung so bizarr, langwierig und streckenweise schlicht unverständlich schien. Und doch entwickelte die Geschichte immer wieder einen ganz eigenen, unentrinnbaren Sog, der mich weitertreiben ließ.
Ein meisterhafter Schreibstil und historische Gänsehaut
Was das Buch von der ersten bis zur letzten Seite trägt, ist der herausragende Schreibstil von Haruki Murakami. Es war ungemein spannend, in eine in Japan angesiedelte Welt einzutauchen – auch wenn die japanischen Namen für mich sehr gewöhnungsbedürftig und schwer zu merken waren. Besonders im Gedächtnis bleiben die historischen Rückblenden in den Zweiten Weltkrieg und die Mandschurei. Die berüchtigte Szene rund um das Häuten hat mir echte Gänsehaut beschert und zeigt, wie eindringlich und schrecklich schön Murakami schreiben kann.
Eine Welt voller Konstruktion und Metaphern
Man muss sich darauf einlassen, dass die Handlung stark konstruiert wirkt und sich fast durchgehend wie eine einzige, große Metapher liest. Man tastet sich durch Traumwelten, Brunnen und merkwürdige Begegnungen. Besonders schräg – und auf eine seltsame Weise intim – war für mich persönlich, dass ich mich überraschend stark mit der Figur der Kumiko identifizieren konnte.
Das Ende rettet die Sterne
Bis etwa 60 Seiten vor Schluss schwankte meine Bewertung zwischen 1 und maximal 2 Sternen. Zu oft war ich kurz davor aufzugeben. Doch Murakami versteht es meisterhaft, ein Finale zu komponieren: Auf seine ganz eigene, mystische Art fügen sich am Ende die Fäden zusammen und lösen vieles auf.
Fazit
Der Aufziehvogel ist ein spektakulär zusammengesetztes, absolut außergewöhnliches Buch. Ob ich es weiterempfehlen würde? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht – wie könnte ich jemand anderem dieses langwierige, bizarren Leseabenteuer guten Gewissens zumuten? Und ob ich jemals wieder einen Murakami anrühre? Keine Ahnung. Aber eine gewisse, unbestreitbare Faszination bleibt zurück.
- Arthur Golden
Die Geisha
(2.949)Aktuelle Rezension von: LuliaIm Zentrum der Geschichte steht das Fischermädchen Chiyo/Sayuri, das in den 1930er‑Jahren von ihrem Vater nach Kyoto verkauft wird und daraufhin die Gelegenheit erhält sich zur Geisha ausbilden zu lassen. Die Handlung erzählt von Sayuris Weg zur Geisha voller Intrigen, Rivalitäten, politischer Umbrüche und emotionaler Abhängigkeiten. Hierbei wird auch ein Fokus auf ihre Ausbildung gelegt und die Ausführungen spannen sich über Jahrzehnte, beginnend beim Vorkriegsjapan, über den Zweiten Weltkrieg bis in die Nachkriegszeit.
Sayuri und ihre persönliche Entwicklung, einhergehend mit dem gesellschaftlichen Wandel, stehen klar im Fokus und sind realitätsnah mit viel emotionaler Tiefe dargestellt, was durch die Ich-Perspektive optimal unterstützt wird. Relevante Nebenprotagonisten wie z.B. Hatsumoto, Nobu, Mameha oder der Direktor bereichern die Handlung und unterstützten die Entwicklung der Hauptprotagonistin sehr gut.
Wer historische Romane mit hoher emotionaler Tiefe vor einem interessanten kulturellen Hintergrund mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist detailreich, bildreich und unterstützt sowohl den Lesefluss als auch die dichte Atmosphäre des Buches sehr gut.
Insgesamt kann ich das Buch sehr empfehlen. - Haruki Murakami
1Q84 (Buch 3)
(461)Aktuelle Rezension von: KarandiNachdem ich nun auch das letzte Buch der Trilogie gelesen habe, möchte ich 1Q84 als Ganzes bewerten, obwohl die einzelnen Bücher jeweils ihren eigenen Schwerpunkt haben.
Im ersten Buch erleben wir den Eintritt in die Parallelwelt. Wir lesen zunächst von zwei scheinbar fremden Geschichten: von Aomame, der Auftragskillerin, und von Tengo, dem Ghostwriter, der ein Buch schreibt, dessen Idee nicht von ihm stammt. Die Geschichten der beiden wirken anfangs voneinander getrennt, und man erkennt den Zusammenhang noch nicht. Dennoch baut Murakami bereits in diesem ersten Teil eine solche Tiefe auf, dass die Komplexität der Beziehung zwischen den beiden Figuren am Ende des Buches und besonders im zweiten Teil voll zur Geltung kommt.
Beide sind in die Parallelwelt hinübergegangen, und beide werden auf ihre eigene Art von unterschiedlichen Motiven angetrieben. Doch nun wird klar, dass ihre Schicksale miteinander verwoben sind, dass sie trotz der über zwanzig Jahre, in denen sie unterschiedliche Leben geführt haben, auf besondere Weise miteinander verbunden bleiben. Das Band zwischen ihnen ist so stark, dass sie füreinander die einzigen Menschen sind, nach denen sie Sehnsucht empfinden, obwohl die jeweils andere Person in ihrem bisherigen Leben keine reale Anwesenheit hatte. Sie haben im Leben des jeweils anderen eine Rolle eingenommen, die niemals von jemand anderem besetzt werden konnte.
Im zweiten Teil lernen wir außerdem die Geschichte der Little People kennen. Wir erfahren von den erschütternden Machenschaften einer Sekte – sowohl auf sexueller als auch auf wirtschaftlicher Ebene – und von ihrem enormen Einfluss auf die Gesellschaft. Genau das macht diesen Roman so unglaublich stark. Es ist nicht einfach nur eine Liebesgeschichte. Es ist so viel mehr. Es ist Dramaturgie. Es ist ein Kriminalroman. Es trägt Züge eines Thrillers. Gleichzeitig erleben wir einen Gesellschaftsroman, der selbst in dieser fiktiven Welt Strukturen aufzeigt, die sich nur allzu gut auf unsere reale Welt übertragen lassen.
Wir erleben, wie zerstörerisch Bewegungen und Machtstrukturen sein können. Aber wir erleben auch, wie stark Liebe sein kann. Wir erleben, wie stark das Band zwischen zwei Menschen werden kann und was Menschen bereit sind zu überstehen.
Im dritten Buch beginnt schließlich das Katz-und-Maus-Spiel. Aomame wie auch Tengo werden beschattet. Die Schlinge um ihre Hälse scheint sich immer weiter zuzuziehen. Der dritte Teil ist geprägt von Spannung, aber auch von Sehnsucht und enormer Risikobereitschaft – nur, um das lange vermisste Gegenstück endlich zu finden.
Ich möchte hier nicht das Ende spoilern. Ich möchte offenlassen, ob es ein Happy End oder ein tragisches Ende ist. Kenner von Murakami können sich das Ende vielleicht bereits selbst ausmalen, denn er hinterlässt uns auf seine typische Art ein Finale, das in uns die unterschiedlichsten Emotionen hervorruft: auf der einen Seite befriedigend, auf der anderen Seite voller Ungewissheit und mit viel Raum für eigene Interpretationen.
Deshalb ist Murakami für mich ganz einfach einer der besten Autoren – nicht nur unserer Zeit, sondern überhaupt. Er schreibt auf eine Weise, die einen selbst dazu bringt, eine Welt in einer Welt aufzubauen, Dinge zu hinterfragen, Fragen zu stellen, die vorher nie gestellt wurden, sich Bilder auszumalen und diese Welt mit all ihren Höhen und Tiefen zu erkunden und zu erleben.
Ich lese normalerweise zwischen 100 und 150 Seiten am Tag. Murakami hat es geschafft, dass ich 1500 Seiten in vier Tagen gelesen habe – und das ist für mein Lesetempo ausgesprochen viel und aussagekräftig genug.
Ich kann dieses Buch und diesen Autor jedem nur empfehlen. Man muss die Scheu überwinden – vor seiner Direktheit, vor seinen detaillierten Beschreibungen und vor manchen Situationen. Man muss tief eintauchen, objektiv betrachten und das Juwel hinter Vorurteilen und falschen Vorstellungen entdecken. Dann wird man belohnt. Man wird süchtig nach seinen Geschichten werden und wertschätzen, diesen Autor kennengelernt zu haben.
Für mich ist das wohl die ernst gemeinteste Empfehlung, die ich aussprechen kann.
- Haruki Murakami
Die Stadt und ihre ungewisse Mauer
(79)Aktuelle Rezension von: KarandiFür mich ist der Mann nicht nur in Japan der Goat, sondern e rzählt auch zu meinen absoluten Lieblingsautoren egal was ich von ihm lese, ob es Erzählungen sind oder Romane. Er nimmt mich jedes Mal schon ab der ersten Seite mit. Die Stadt und ihre ungewisse Mauer ist ein fabelhaftes Buch und greift die Story von „Hard boiled Wonderland und das Ende der Welt“ auf. Das Gefühl, was Murakami hinterlässt, wenn man ein Buch beendet hat, ist so unglaublich schwer zu beschreiben. Es ist eine Mischung aus Heiterkeit, Traurigkeit, Mitgefühl, aber irgendwo auch eine Art Befriedigung. Dieses Buch reiht sich ein in einer Reihe absoluter Meisterwerke von meiner Meinung nach Japans größten lebenden Autor
- Michiko Aoyama
Frau Komachi empfiehlt ein Buch
(261)Aktuelle Rezension von: Seitensnack„Frau Komachi empfiehlt ein Buch“ von Michiko Aoyama ist eine feine, herzerwärmende Lektüre für zwischendurch.
Im Zentrum steht die rätselhafte Bibliothekarin Frau Komachi. Sie hat ein besonderes Gespür für die Menschen, die ihre kleine Bibliothek aufsuchen. Neben der passenden Lektüre gibt sie jedem Besucher eine ganz persönliche Buchempfehlung mit auf den Weg.
Diese unerwarteten Lese Tipps bringen für verschiedene Charaktere an Wendepunkten ihres Lebens genau den Stein ins Rollen, den sie gerade brauchen.
Das Buch ließ sich wirklich schön und angenehm lesen. Wie die einzelnen Lebensgeschichten der unterschiedlichen Charactere erzählt werden und wie Frau Komachi ihnen mit ihren feinsinnigen Buchempfehlungen neue Wege aufzeigt, ist sehr liebevoll gestaltet. Es ist eine leise, entschleunigte Geschichte voll sanfter Lebensweisheiten, die einem beim Lesen ein gutes Gefühl gibt.
Auch wenn es mich nicht ganz vom Hocker gehauen hat und kein absolutes Highlight war, ist es eine schöne Geschichte für gemütliche Lesestunden.
Ein schöner Roman über die Liebe zu Büchern und kleine Veränderungen im Leben. Ein gelungenes Buch für zwischendurch. 3,5 Sterne - Marie Kondo
Magic Cleaning
(309)Aktuelle Rezension von: AlisrzGibt man den Titel des genannten Buches in eine Suchmaschine ein, springen einem gefühlt tausende Lobpredigten entgegen. Das Textstück, das von seinen Lesern derartig vergöttert wird, hat es so schließlich auch auf meine Kaufliste geschafft.
Magic Cleaning, geschrieben von einer jungen Japanerin namens Marie Kondo, beschreibt das Phänomen der von ihr gegründeten „KonMari-Methode“, das den Menschen, die von ihr Gebrauch nehmen, nicht nur helfen soll, ihr Zuhause gründlich zu säubern, sondern anscheinend auch noch überglücklich macht. 223 Seiten später kann ich nicht fassen, das Buch bereits beendet zu haben. Nicht, weil es mich derartig gefesselt hat oder mich gar zum Aufräumen angeregt hat, sondern weil ich immer noch verzweifelt auch der Suche nach der KonMari-Methode bin. Das Buch gliedert sich in 5 große Kapitel, wobei das erste vierzig Seiten lang auf vermeintlich folgende Tipps und Tricks vorbereitet. Hat der Leser sich endlich über das erste Kapitel gerettet, wartet er gespannt darauf, nun endlich einen Funken Ahnung zu bekommen, wie „Magic Cleaning“ funktioniert. Ich nehme es vorweg: Man wartet vergeblich. Da ich der Typ Leser bin, der ein Buch nicht beurteilen will, bevor er es fertiggelesen hat, habe ich mich bis zum Ende durchgeprügelt. Demnach kann ich den Inhalt folgendermaßen beschreiben: Marie Kondo erzählt von Erfahrungen mit ihren Klienten, wobei sie dabei nicht sehr objektiv bleibt und sich dabei nicht selten über die besagten Personen lustig macht. Sich selbst – im Gegensatz dazu – stellt die Autorin geradezu als Göttin da. Denn sie hatte ja bereits fast noch im Windelalter begriffen, wie wichtig das Aufräumen ist. Nicht nur das, nein, sie hat nahezu die halbe Weltbevölkerung mit ihrer (nicht greifbaren) Methode glücklich und befreiter gemacht. Ihre Selbstpreisung war genau das, was das Buch so abscheulich gemacht hat. Selbst wenn der Inhalt nicht zu bekritteln wäre, ist die Art, wie sie sich über andere stellt, auf Dauer kaum auszuhalten. Generell hat sich mir als Leserin oft die Frage gestellt, ob sie überhaupt wirklich ernst meinen kann, was sie da schreibt. „Eine der Aufgaben, die ich meinen Klienten in den Ordnungsseminaren gebe, lautet: „Dankbarkeit zeigen!“ Wenn Sie von der Arbeit nach Hause kommen, sagen Sie der Kleidung, die Sie ausziehen und wieder aufhängen, doch mal: „Vielen Dank, dass du mich heute wieder gewärmt hast.“ Wenn Sie die Accessoires abnehmen: „Vielen Dank, dass ihr mich heute wieder schön gemacht habt.“ Und wenn Sie die Tasche in den Schrank zurückstellen: „Mit deiner Hilfe konnte ich heute wieder sehr gute Arbeit leisten. Danke schön!“ Auf diese Weise zeigen wir den Dingen, dass wir die Unterstützung durchaus bemerken und sie zu schätzen wissen. “ (S.184) Ich finde den Grundgedanken, der im Buch vermittelt wird, absolut faszinierend und richtig: Dinge, die einen glücklich machen, zu behalten und im Gegensatz dazu, die zu entsorgen, die dies nicht tun. Wenn ich dafür aber jeden Tag eine halbe Stunde Zeit verschwenden muss, um einen Monolog mit jeder Haarbürste zu führen, beginne ich daran zu zweifeln, ob das, was die Autorin zu erreichen versucht, nicht eher Hirnwäsche ist. Inhaltlich jedoch findet man praktisch nichts Brauchbares. Generell finden sich auf den Seiten mehr Erzählungen von Frau Kondos (anscheinend sehr einsamen) Kindheit als Tipps zum Aufräumen. Wenn man wirklich vom Lesen profitieren will, hätte man sich mit Marker bewaffnet hinter das Buch setzen müssen, um die Stellen zu markieren, die etwas Hilfreiches beinhalten. Wobei ich mich nach wie vor frage, ob ich überhaupt etwas markieren hätte können. Meiner Meinung nach hätte man ihre Tipps einfacher – und deutlich schneller – durch das Lesen irgendeines Hausfrauenmagazins gefunden.
Zusammenfassend muss ich erneut betonen, wie enttäuscht ich von diesem Schriftstück bin. Natürlich war zu erwarten, dass meine Erwartungen nicht erfüllt werden, da das Buch besser angepriesen wurden als jede Schlankheitskur. Dass jedoch so ein Mangel an Inhalt besteht, bringt mich nach wie vor aus der Fassung. Marie Kondo mag vielleicht denen helfen, die absolut noch nie aufräumen konnten, aber jeder, der sich auch nur irgendwie mit dem Thema auseinandersetzt und Nützliches oder emotional Wichtiges behalten hat, war auf einem besseren Weg. Ich möchte niemanden verurteilen und bin mir sicher, dass die Beschäftigung mit dem Aufräumen durch das Lesen eines themenspezifischen Buches hilfreich sein mag, wenn man mit dem Aufräumen nicht mehr weiterkommt. Dennoch zweifle ich persönlich daran, dass die Tipps, die die Autorin gibt, wirklich helfen.
Abschließend muss ich jedoch zugeben, dass ich einen einzigen Tipp von Marie Kondo augenblicklich nach dem Umblättern der letzten Seite befolgt habe. Er befand sich auf der Seite 104 und besagte folgendes: „Wir wollen einfach nur die Bücher behalten, die uns wirklich Freude bereiten. Das von mir verfasste Buch, das Sie gerade lesen, bildet da keine Ausnahme. Es macht Sie nicht glücklich? Dann geben Sie es bitte, ohne zu zögern, ins Altpapier.“
- Haruki Murakami
Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki
(655)Aktuelle Rezension von: Lia48(C. N.: u. a. Sui*idgedanken, Tod, Se*uelle Gewalt, evtl. Depression)
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💬 „Warum Bahnhöfe ihn in solche Begeisterung versetzten, konnte er niemandem erklären. Und selbst wenn, hätte man ihn ohnehin nur für ein sehr seltsames Kind gehalten. Mitunter fand Tsukuru ja sogar selbst, dass mit ihm einiges nicht stimmte.“💬 „Wie Wind wehte, wie Wasser rauschte, wie Licht durch die Wolken fiel, ja sogar die Farben der jahreszeitlichen Blumen - alles war anders als früher.“
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📖 KLAPPENTEXT:
„Der junge Tsukuru Tazaki ist Teil einer Clique von fünf Freunden, deren Mitglieder alle eine Farbe im Namen tragen. Nur Tsukuru fällt aus dem Rahmen und empfindet sich – auch im übertragenen Sinne – als farblos, denn anders als seine Freunde hat er keine besonderen Eigenheiten oder Vorlieben, ausgenommen vielleicht ein vages Interesse für Bahnhöfe. Als er nach der Oberschule die gemeinsame Heimatstadt Nagoya verlässt, um in Tokio zu studieren, tut dies der Freundschaft keinen Abbruch. Zumindest nicht bis zu jenem Sommertag, an dem Tsukuru voller Vorfreude auf die Ferien nach Nagoya zurückkehrt – und herausfindet, dass seine Freunde ihn plötzlich und unerklärlicherweise schneiden. Erfolglos versucht er wieder und wieder, sie zu erreichen, bis er schließlich einen Anruf erhält: Tsukuru solle sich in Zukunft von ihnen fernhalten, lautet die Botschaft, er wisse schon, warum. Verzweifelt kehrt Tsukuru nach Tokio zurück, wo er ein halbes Jahr am Rande des Selbstmo*ds verbringt.Viele Jahre später offenbart sich der inzwischen 36-jährige Tsukuru seiner neuen Freundin Sara, die nicht glauben kann, dass er nie versucht hat, der Geschichte auf den Grund zu gehen. Von ihr ermutigt, macht Tsukuru sich auf, um sich den Dämonen seiner Vergangenheit zu stellen.“
💬 „Du kannst deine Geschichte weder auslöschen noch rückgängig machen. Denn damit würdest du zugleich dein inneres Wesen tö*en.“----
📝 KURZMEINUNG:
Diese Geschichte besitzt eine schöne philosophische und leicht spirituelle Note. Sie spielt manchmal mit den Übergängen von Traum, Realität und anderen Bewusstseinsebenen und hat ein paar wenige skurrile Elemente.
Nicht immer wusste ich alles einzuordnen, was jedoch absolut nicht auf die Spitze getrieben wurde und so tatsächlich seinen eigenen Reiz für mich hatte.
In kürzester Zeit bin ich durch das Buch geflogen.
Auch vom Schreibstil her mochte ich es wirklich gerne, zudem hat mir die Grundidee gefallen.
Die Bettgeschichten und nächtlichen Träume des Protagonisten hätte ich in seinen Details nicht benötigt. Und dass er Letztere mit einer Vergewa*tigung vergleicht, fand ich moralisch etwas fragwürdig.Nach meiner ersten Lektüre von Murakami kann ich nun erahnen, welche Anziehung sein Schreiben für viele Lesende ausstrahlt. Ob all seine Geschichten etwas für mich sind, kann ich noch nicht sagen. Aber zum überwiegenden Teil hat er mich hier erreicht, wenn auch nicht auf allen Ebenen.
Der farblose Schmetterling unter dem bunten Schutzumschlag bei meiner Hardcover-Ausgabe finde ich übrigens eine wirklich schöne Idee und passt gut zum Inhalt.
Auf meinem SuB warten nun noch „Wenn der Wind singt / Pinball 1973“ und die beiden Bücher von „Die Ermordung des Commendatore“ von Murakami auf mich. Ich bin gespannt!
Für die hiesige Lektüre gibt es von mir 3,5/5 Sterne!
- Ichiro Kishimi
Du musst nicht von allen gemocht werden
(110)Aktuelle Rezension von: Lizz99Ich habe dieses Buch mit großen Erwartungen begonnen, musste es letztendlich aber abbrechen. Als rein theoretisches Gedankenspiel finde ich die Ansätze zwar spannend, aber als praktischer Lebensratgeber funktioniert das Buch für mich überhaupt nicht.
Was mir gut gefallen hat:
Das Buch regt definitiv zum Nachdenken an. Die Idee, sich von den Erwartungen anderer freizumachen und die eigene Gegenwart aktiv zu gestalten, gibt starke Impulse. Es tut gut, das eigene Denken zu hinterfragen und zu erkennen, wo man selbst die Fäden in der Hand hält.
Warum ich es abgebrochen habe:
Die Umsetzung ist mir viel zu radikal, starr und realitätsfern. Die Behauptung, Traumata würden nicht existieren, empfinde ich als empathielos. Auch die strikte „Aufgabentrennung“ klingt auf dem Papier logisch, lässt sich im chaotischen Alltag mit Familie und Job aber kaum so kalt durchziehen. Zudem wirkte der künstliche Dialog zwischen dem Philosophen und dem Jugendlichen auf mich extrem konstruiert – der Junge gibt mir einfach viel zu schnell nach, wodurch echte, komplexe Probleme oberflächlich weggewischt werden.
Fazit:
Man kann aus diesem Buch definitiv gute Denkansätze mitnehmen. Als starre Lebensphilosophie oder gar unter dem Namen von Alfred Adler taugt es für mich im echten Leben aber leider nicht.
- Haruki Murakami
Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt
(554)Aktuelle Rezension von: KarandiNoch bevor ich die Stadt und ihre ungewisse Mauer gelesen hab, fand ich die Geschichte in Hard boiled Wonderland und das Ende der Welt unglaublich stark. Wir lesen zwei Parallelen gleichzeitig die sich später zu einem Vereinen. Ich muss auch sagen, es ist eins von Murakamis Actionsreichsten Romanen. Wir sehen in der realen Welt einen Protagonisten, der von einer Organisation verfolgt wird aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten, die ihm zu dem Platz geführt haben, wo im Unterbewusstsein sein anderes ich bereits angekommen ist und dieses versucht in seiner Welt ebenfalls aus dieser zu entkommen. Und am Ende treffen sich diese beiden Ichs durch eine Entscheidung, die sie, wenn auch getrennt sind, gemeinsam getroffen haben. Allein dieses Gedankenspiel zeugt von Murakamis, absoluter Brillanz und ist deswegen empfehlenswert für jeden, der Murakami mag oder auch nicht.
- Ken Mogi
Ikigai
(84)Aktuelle Rezension von: BiblioJessIn »Ikigai« beschreibt der Autor Ken Mogi die fünf Säulen, die zu dieser japanischen Lebenskunst dazugehören (1. Klein anfangen, 2. Loslassen lernen, 3. Harmonie und Nachhaltigkeit leben, 4. Die Freude an kleinen Dingen entdecken, 5. Im Hier und Jetzt sein) und bringt viele Beispiele und Erläuterungen aus Japan und von berühmten Japanern, wie die Umsetzung dieses Konzepts aussehen kann.
Dabei unterteilt er seine Gedanken in verschiedene Kapitel, wobei mir die Zuordnung bzw. Abgrenzung der Kapitel nicht immer ganz klar war. Er hat aber immer wieder die Säulen aufgegriffen, sodass zumindest nachvollziehbar war, worauf er sich gerade beziehen möchte. Und ich fand vieles durchaus interessant und lehrreich. Ich hab einige Denkweisen kennengelernt und mich tiefer in die japanische Lebensweise hineingefühlt.
Gleichzeitig hab ich nicht das Gefühl, dass ich dieses Konzept nach der Lektüre jetzt gut auf mein eigenes Leben übertragen kann. Oft war es ein "Japaner stehen früh auf und arbeiten viel, daraus ziehen sie ihr Ikigai", aber wie ich das für mich nutzen kann, blieb für mich etwas zu abstrakt. Es ist also definitiv keine Anleitung, man darf das Buch hier nicht als Handbuch ansehen, sondern nur als Info.
Auch wenn ich Ikigai nach diesem Buch für mein eigenes Leben nicht direkt umsetzen kann, fand ich die Infos spannend.
3,5 Sterne
- Natasha Pulley
Der Uhrmacher in der Filigree Street
(201)Aktuelle Rezension von: ArmilleeTatsächlich habe ich den ganzen Monat für die 446 Seiten gebraucht. Dabei liest sich der Klappentext totsal spannend. Gut fand ich auch alle Infos rund um die Telegrafie + wie in England (+ dem Rest der Welt) die einzelnen politischen Abteilungen miteinander kommunizierten. Eine wirklich ganz andere Zeit. Als die Bomben (in London) explodierten + Thaniel (Telegrafist) verletzt den Weg zu Mori (Uhrmacher) fand, das war mega realistisch. Allerdings konnte ich seine Handlungen + Gedanken nicht immer nachvollziehen. Verwirrt hat mich die Erfindung eines mechanischen Oktupuss, der ein Eigenleben hat + Socken klaut. Ich habe mich bemüht zu verstehen, wie Thaniel 'Klänge sehen kann'. Die Vergleiche waren (für mich) oft absurd. Hier nur 2 Beispiele :
-> Ito, der gerade von einem längeren Amerika-Aufenthalt zurück gekehrt war, hatte dabei kurz aufbegehrende Orangen vor Augen.
-> Abgelenkt, wie er war, hätte er es fast nicht bemerkt, als sich die oberste Schublade der Kommode öffnete. Der mechanische Oktopus kam heraus und streckte mit klickenden Metallgelenken einen Fangarm aus. (dann eilte er mit Krakenarmen zur Tür hinaus)
Ich habe mir viel von diesem Buch versprochen, aber evtl. reicht meine Fantasie hier nicht aus.
2/5 Sterne
- Haruki Murakami
Wilde Schafsjagd
(421)Aktuelle Rezension von: KarandiMeiner Meinung nach ist wilde Schafjagd, eins von Murakami schwierigeren Büchern in Bezug darauf zu verstehen, was man eigentlich liest. Es hat auch einen stark philosophischen Charakter. Ein namenloser Hauptakteur wird beauftragt ein ganz besonderes Schaf zu finden und dafür hat er nur ein Bild. Er muss anhand vom Hintergrund den Standort feststellen und auf dem Weg dieses Schaf zu finden gerät er in eine Konfrontation mit sich selbst und trifft auf eine Art Schafmann, halb Mensch halb Schaf, was einen äußerst symbolischen Charakter hat, den es im Buch zu entschlüsseln gilt. Murakami lässt hier außerordentlich viel offen und gibt dem Leser sehr viel Raum zu Eigener Interpretation, was die ganze Sache noch spannender macht. Wilde Schafsjagd ist auf jeden Fall kein Buch, was man einfach nur überlesen sollte, sondern eines, was man wirklich versuchen sollte, aufzunehmen.
- Haruki Murakami
Von Männern, die keine Frauen haben
(176)Aktuelle Rezension von: Paperboat“Von Männern, die keine Frauen haben” ist eine Kurzgeschichtensammlung, deren Kern Männer stehen ohne Frauen stehen. Diese Männer werden innerhalb der Erzählung von unterschiedlichen Frauen ergänzt, entweder weil sie diese begehren oder generell einsam zu sein scheinen. Typisch Murakami sind von Melancholisch über Normal bis Skurril wieder diverse Facetten dabei.
Tja, war ich die richtige Person für dieses Buch? Ich bin nicht der größte Fan von Kurzgeschichten, aber dieses Buch hat mich so gar nicht erreicht. An mir sind die einzelnen Geschichten vorbeigezogen wie eine flüchtige Begegnung mit einem Fremden auf der Straße; noch bevor ich einen Sinn in ihnen erkennen konnte, waren sie auch schon zu Ende. Entsprechend ungerührt haben mich die Geschichten zurückgelassen. Gerade, wenn es sich da um einen Murakami handelt, von dem ich normalerweise sehr angetan bin, ist das besonders enttäuschend. Meine Hoffnung: Mein nächstes Buch von ihm wird hoffentlich besser! - Gabrielle Zevin
Morgen, morgen und wieder morgen
(407)Aktuelle Rezension von: chipie2909Dieses Werk wurde mir von einer Freundin empfohlen und da ich selbst beruflich ein klein wenig mit dieser Branche zu tun habe, war ich wirklich sehr neugierig auf die Story. Zudem sind die Figuren in etwa genauso alt, wie ich war, als sie sich in den 80ern zum ersten Mal trafen. Den Auftakt fand ich auch wirklich noch genial, ich mochte es sehr, wie sich Sam und Sadie im Krankenhaus kennengelernt haben. Auch der Schreibstil war ganz nach meinem Geschmack und anfangs war der Roman für mich ein richtiger Pageturner. Je weiter ich kam, desto mehr hat sich das leider geändert und letztendlich habe ich mich nur noch durchgequält. Als sich Sam und Sadie nach Jahren wieder trafen und zusammengearbeitet haben, mochte ich Sadie immer weniger. Schade, wieviel Egoismus und Selbstgerechtigkeit in diese Protagonistin gesteckt wurde. Und was bitte war mit Dov?! Ich fand seinen Charakter unglaublich unangenehm gezeichnet und für mich war es eine komplett überflüssige Person, die absolut keinen Mehrwert für die Geschichte gebracht hat. Auch Sam war farblos und ohne eigene Persönlichkeit dargestellt, was es für mich sehr schwer machte, mit ihm mitzufühlen oder überhaupt eine wirkliche Meinung über ihn gestalten zu können. Marx war mir bei Weitem am sympathischsten und durch ihn hat mich die Story (ab Seite 400!!) dann auch das erste Mal berührt. Das kam natürlich aber viel zu spät und konnte es für mich nicht mehr retten. Für mich war dieses Buch ein Flop und ich kann leider nicht nachvollziehen, warum es in den Medien so stark hervorgehoben wird.
- Doris Dörrie
Leben, schreiben, atmen
(52)Aktuelle Rezension von: GaydoensIch habe einen Workshop zum Thema Journaling besucht und bin dort auf dieses Buch gestoßen.
Irgendwie mag ich ja Dörries Geschichten (kenne bisher nur Filme von ihr) und somit ist das mein erstes Buch von ihr.
Es ist nicht nur eine Einladung zum autobiografischen Schreiben, es ist auch eine Art Autobiografie zu ihr selbst - und zwar nicht in der Reihenfolge ihres Erlebens, sondern von Erinnerungsstücken. Natürlich zieht sich ein Roter Faden durch das Leben und zum ersten Mal habe ich selbst auch den Eindruck, nicht nur irgendwie zu leben, sondern dass da noch viel mehr ist, das ich auch bei mir sehr viel intensiver wahrnehmen kann und möchte.
Für mich eine pure Inspiration.
- Mario Vargas Llosa
Das böse Mädchen
(228)Aktuelle Rezension von: KlausEffing**Das böse Mädchen** – Mario Vargas Llosa
Mario Vargas Llosa entführt uns in diesem faszinierenden Roman (Erscheinungsjahr 2006, knapp 400 Seiten) in die Welt von Ricardo und seiner lebenslangen Liebe für das "böse Mädchen." Diese rätselhafte Frau taucht immer wieder in Ricardos Leben auf, nur um ihn dann wieder zu verlassen – jedes Mal unter neuer Identität und mit einem geheimen Ziel. 🌍
Von den Straßen Limas über das Paris der 60er bis hin nach London und Tokio – der Roman ist fast eine Reise um die Welt und gleichzeitig eine Zeitreise durch politische und gesellschaftliche Umbrüche, von Revolutionen bis zum Kalten Krieg. Ricardo bleibt stets der naive Träumer, ein Übersetzer, der sich nach einem ruhigen Leben sehnt. Das böse Mädchen hingegen ist das Gegenteil: eine Frau voller Geheimnisse, ehrgeizig und bereit, für ihre Freiheit fast alles zu opfern.
Die Spannung zwischen beiden Figuren ist elektrisierend, mal romantisch und zart, dann wieder brutal und distanziert. Vargas Llosa zeigt meisterhaft die dunklen Seiten der Liebe und fragt, wie weit wir für unsere Sehnsüchte gehen würden. Dabei bringt er Erotik, Ironie und bittere Realität zusammen und schafft ein Porträt von Liebe, das sowohl verstörend als auch faszinierend ist.
Eine packende Lektüre über eine ungewöhnliche Liebe – für alle, die von Geschichten über Leidenschaft und die Macht der Sehnsucht nicht genug bekommen können - Volker Klüpfel
Grimmbart
(239)Aktuelle Rezension von: ChiruKaioKluftinger gehört für mich inzwischen mehr in Richtung Cosy Crime / Lokalkrimi als zum klassischen Krimi. Nach acht Bänden sollten Leser der Reihe aber ohnehin wissen, worauf sie sich einlassen.
Und ja: Die Bücher werden insgesamt besser. Gleichzeitig gibt es in jedem Band Situationen, bei denen ich mich frage: Warum?!
Diesmal erhält Kluftinger eine weibliche Vorgesetzte – und nicht nur ihm, sondern seinem gesamten Team wird damit ein Stück weit das gewohnte Weltbild auf den Kopf gestellt.
Plötzlich ist da jemand, der den Umgang mit Richard Maier tatsächlich als Mobbing wahrnehmen könnte. Jemand, der beobachtet, wie dieses Team miteinander umgeht, und sogar einen Wert in Schulungen sieht.
Das Buch stammt von 2013/2014, aber es tut trotzdem weh, über eine dermaßen digital ungebildete Kripo zu lesen. 🥲 Leider macht das die Darstellung dieser Altersgruppe nicht unbedingt weniger realistisch.
Natürlich steht auch Kluftingers Privatleben wieder stark im Fokus. Diesmal mit dem Stress einer Familienfeier namens Hochzeit.
Auf der einen Seite sollen Erika und Klufti durchaus gleichberechtigt agieren. Auf der anderen Seite haben beide nicht den Arsch in der Hose, Kluftingers Mutter auch einmal übers Maul zu fahren.
Was die teilweise loslässt, geht auf keine Kuhhaut. Man kann das Alter eines Menschen respektieren und trotzdem Grenzen setzen. Sie behandelt ihren erwachsenen Sohn teilweise immer noch, als wäre er in der Grundschule.
Auch an Markus Kluftinger kann ich in diesem Band wenig Positives finden. Er ist dabei, die Japanerin Yumiko zu heiraten, entsprechend werden auch ihre Eltern zur Hochzeit eingeladen.
Markus kennt seinen Vater. Er bekommt im Laufe der Geschichte zudem dessen Interaktionen mit Yumikos Eltern mit. Trotzdem schreitet er nicht ein und klärt Missverständnisse nicht auf.
Wie idiotisch ist es, einen kulturellen Analphabeten auf eine ihm vollkommen fremde Kultur loszulassen und anschließend zu erwarten, dass er kein schlechtes Bild abgibt?
Stattdessen darf Kluftinger jeden erdenklichen Fettnapf mit Anlauf nehmen und anschließend darin schwimmen. Sei es, weil er die Sprache nicht versteht, oder weil er an anderer Stelle ein Englisch benutzt, bei dem sich mir die Fußnägel aufstellen. Meine Sorge war zwischenzeitlich tatsächlich, dass man sich bei dem ganzen Denglisch versehentlich die falschen Sätze merkt. 😅
Bereits beim Videocall hätte einer der beiden Verlobten als Dolmetscher agieren müssen – inklusive kultureller Übersetzung, wenn notwendig. Aber nein: Markus macht sich lieber über seinen Vater lustig und wundert sich anschließend über Missverständnisse.
Und genau da funktioniert der Humor für mich teilweise nicht mehr.
Das Problem ist nicht, dass Kluftinger sozial unbeholfen ist. Das gehört zur Figur und zum Humor der Reihe. Problematisch wird es dort, wo sein Umfeld Situationen bewusst laufen oder eskalieren lässt, damit Kluftinger sich blamieren kann.
Einige der „kulturellen Scherze“ waren für mich deshalb weniger lustig als geschmacklos und flach.
Es ist ein bisschen wie ein Autounfall – oder besser: wie eine Situation, die man beobachtet und bei der man sich fremdschämt. Irgendwann denkt man nicht mehr: „Oh Gott, Klufti, was machst du denn jetzt wieder?“, sondern nur noch: „Kann bitte endlich jemand eingreifen? Ihr wisst doch alle, was gerade passiert.“
- Haruki Murakami
Die Ermordung des Commendatore Band 2
(342)Aktuelle Rezension von: rkuehneDer zweigeteilte Roman "Die Ermordung des Commendatore" - ist ein typischer, klassischer Murakami. Die Geschichte um den Portraitmaler, der nach der plötzlichen Trennung von seiner Frau und einem Roadtrip im verlassen Haus eines früheren Malers einzieht und sich dort mystischen oder übernatürlichen Begegnungen stellen muss. Die Sprache Murakamis ist und bleibt wunderbar und eine wahre Lesefreude. Ich persönlich mag mehr die realistischen als die phantastischen Murakami -Romane, weshalb ich hier nicht volle Punktzahl geben kann. Außerdem fand ich die fixierung auf die Oberweite eines dreizehnjährigen Mädchens am Ende des Buches etwas befremdlich.
- Koushun Takami
Battle Royale
(197)Aktuelle Rezension von: dunkelbuchBin damals durch Suzanne Collins' "Hungergames" drauf aufmerksam geworden. "Battle Royale" hat dann noch eins drauf gesetzt. Die Handlung ist zwar völlig surreal, aber trotzdem handeln die Charaktere absolut nachvollziehbar. Mir ist es immer wichtig, dass ich mich in Charaktere hineinversetzen kann, was Koushun Takami wirklich gelungen ist (trotz der kulturellen Unterschiede). Er schafft es innerhalb weniger Seiten einen Charaker so tiefgehend zu beleuchten, dass man erst merkt, wie sehr man ihn doch mochte, wenn er gerade von jemand anderem brutal getötet wird. Gänsehaut & Emotionschaos pur!
Die Tribute von Panem sind dagegen nur ein müder Abklatsch.























