Bücher mit dem Tag "juden"
489 Bücher
- Markus Zusak
Die Bücherdiebin
(4.702)Aktuelle Rezension von: JosefineEin Meisterwerk.
Was macht dieses Buch so besonders? Alles!
Markus Zusaks Schreibstil ist unglaublich und wunderschön, leider findet man so etwas zur Zeit selten. Das Buch ist ja nun auch fast schon 20 Jahre alt.
Die Charaktere: sie haben Ecken und Kanten, Eigenheiten, sie werden lebendig und man denkt, tatsächlich am Leben dieser Menschen teilhaben zu können. Auch die Sprache mit dem Bayrischen Ausdrücken ist unglaublich gut recheriert, hier merkt man dass der Autor deutsche bzw. österreichische Wurzeln hat. Es gibt den Charakteren große Glaubwürdikgeit, es wäre nicht passend in einer ländlichen Gegend in der Nähe von Münschen seine Protagonisten lumpenreines Hochdeutsch sprechen zu lassen.
Die Story: es gibt schöne Momente und absolut tragische. Liesels Leben während der Zeit des zweiten Weltkrieges wird aus der Sicht eines jungen heranwachsenden Mädchens erzählt. Nach und nach erweitert sich ihre Sichtweise. Das Buch hat mich oft schmunzeln lassen und zum Weinen gebracht.
Die Perspektive des Todes: Zu Beginn, sehr gewöhnungsbedürftig, aber es bereichert das Buch umso mehr.
Die Bücherdiebin gehört in jeden Bücherschrank. Ich finde es schade, das Buch erst jetzt gelesen zu haben. - George Orwell
1984
(4.300)Aktuelle Rezension von: buch_leselustHier frage ich mich tatsächlich, warum ich dieses Buch erst jetzt gelesen habe. Es ist erschreckend aktuell, obwohl es 1946 geschrieben wurde !!
Die bedrückende und kontrollierende Gesellschaft wird so realistisch dargestellt, dass es mir zwischendurch auch etwas Angst gemacht hat. Es waren zwischendurch auch so viele gesellschaftliche Idee und auch Logiken beschrieben, die in sich Sinn gemacht haben und das System erklärt haben, dass ich kurz überlegen musste, ob es real ist oder Fiktion. Wow, einfach wow.
Hatte auch wirklich nicht im Kopf, dass es da eine Frau in Buch gibt und werde jetzt auch das Bich Julia 1984 lesen um diese Sicht noch etwas näher zu beleuchten.
Der innere Kampf um die eigenen Gedanken war wirklich beeindruckend geschrieben.
- Anne Frank
Gesamtausgabe
(2.725)Aktuelle Rezension von: AukjeAnne Frank, die aus einer jüdischen Familie stammt, muss während des zweiten Weltkriegs von ihrer Heimat Frankfurt am Main, 1933 mit ihrer Familie nach Amsterdam flüchten. Während dieser Zeit führt sie über zwei Jahre lang ein Tagebuch, das deutlich die Ängste und wünsche einer Jugendlichen zeigt, die in diesen schweren Zeiten aufwächst. Und wenn das nicht schon ausreicht erhält man auch noch einen guten Einblick über eine jüdische Familie, die versucht eine einigermaßen erträgliche Normalität aufrecht zu erhalten während sie versuchen zu überleben, in ständiger Angst vor den Nationalsozialisten.
Da meine 13jährige Nichte sich zurzeit mit der Zeit des zweiten Weltkriegs auseinander setzt, habe ich ihr dieses Buch gegeben und es selber nach vielen Jahren noch mal gelesen. Auch nach all den Jahren als ich es zum ersten Mal gelesen habe, hat es mich wieder sehr bewegt. Nach wie vor halte ich dieses Buch wichtig, damit Jugendliche beginnen sich mit dieser Zeit zu beschäftigen, da es ein autobiografisches Buch einer Jugendlichen ist, die sie nachvollziehen können.
- Noah Gordon
Der Medicus
(2.272)Aktuelle Rezension von: Stephan_ButtgereitWas an Der Medicus bis heute trägt, ist nicht allein die Opulenz seines historischen Schauplatzes. Noah Gordon lässt Rob Cole aus einem England der Angst und des Aberglaubens aufbrechen und macht seine Reise nach Isfahan zu einer Schule des Sehens. Medizin erscheint hier nicht als dekoratives Fachwissen, sondern als genaus hinsehen, zweifeln, lernen.
Besonders stark ist die Spannung zwischen dem Wissensdurst des jungen Engländers und einer Welt, in der religiöse Zugehörigkeit, Herkunft und Krankheit über Leben und Tod entscheiden. Die Begegnung mit Avicenna gibt dem Roman seinen geistigen Mittelpunkt, ohne die Geschichte in eine Lehrstunde zu verwandeln. Pest, Hunger, die Gefahren der Reise und das Leben in Persien haben Gewicht, doch sie überlagern nie Robs Entwicklung.
Natürlich arbeitet der Roman mit den großen Mitteln des historischen Erzählens. Abenteuer, Liebe, Verlust und Bewährung. Gerade weil Gordon sie so souverän ordnet, wird daraus kein bloßer Kostümroman, sondern ein mitreißendes Buch über Neugier und den Preis des Wissens. Ein Klassiker des Genres, der seine Länge verdient.
- Luca Di Fulvio
Das Mädchen, das den Himmel berührte
(481)Aktuelle Rezension von: Engel63Luca di Fulvio @lucadifulvio_ hat die faszinierende Geschichte „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ so lebhaft geschrieben, dass ich mich sofort darin eingebunden fühlte. Die Hauptfiguren Mercurio und Giuditta, die einen langen schwierigen Weg gehen, sich immer wieder verlieren und finden, ärmlich aufgewachsen und trotzdem sehr stark und zielgerichtet sind. Knapp 1‘000 Seiten Spannung, kribbeln, Luft anhalten, weinen oder sogar heulen, lachen und schmunzeln. Ich habe dieses herrlich Natürliche geliebt und mich sehr gut in die Figuren hinein fühlen und mit leben können. Bin begeistert wie gut Luca die Zeit aus dem 16. Jahrhundert beschreibt, Rom und Venedig kennt und sein Wissen mitteilt. Ein historischer Krimi kann nicht besser sein. Interessant wie Mercurio sich immer wieder verwandeln kann, Menschen an der Nase herumführt und seine Ziele erreicht. Die Jüdin Giuditta aus Einfachem Spezielles herstellt, das sogar die Reichen haben wollen und so der Neid der Rivalin Benedetta bis ins Unermessliche geht, unvorstellbar. Jede Seite ein Genuss und lesenswert.
- Luca Di Fulvio
Der Junge, der Träume schenkte
(1.157)Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-NutzerDer Junge, der Träume schenkte ist nichts für schwache Nerven – es enthält auch sensible Themen wie Gewalt und sexuelle Inhalte. Luca Di Fulvios Schreibstil ist einzigartig: Man taucht sofort tief in die Geschichte ein und kann das Buch kaum weglegen. Er schafft es, selbst die vermeintlich langweiligsten Themen spannend und fesselnd zu erzählen. Die Motivation und der Ehrgeiz der Hauptfigur ziehen einen förmlich in den Bann, sodass man als Leser mitfiebert, ob er seinen Traum erfüllen kann. Die berührende Geschichte über Hoffnung, Mut und Freundschaft zeigt schwierige Lebensrealitäten ehrlich und regt zum Nachdenken an.
- John Boyne
Der Junge im gestreiften Pyjama
(2.393)Aktuelle Rezension von: LillyyyVon einem Neunjährigen erzählt, aber nicht gut Neunjährige geeignet. Das stand vorne im Buch drin. Und es stimmt absolut!
Bruno zieht mit seiner Familie von Berlin nach "Aus-Wisch" weil Brunos Vater vom "Furor" dorthin versetzt wurde. Dort traf er, auf der anderen Seite des Zauns, einen Jungen im gleichen Alter, und sie wurden schnell gute Freunde.
Diese naive Denkweise von Bruno hat mich am Anfang etwas gestört, aber mir ist nach einer Weile klar geworden, dass er ja erst 9 ist.
Aber eigentlich kann man das Buch gar nicht beschreiben, ich finde, jeder sollte es einfach einmal lesen, und sich selber ein Bild von machen! Und, meiner Meinung nach, sollte es eine verpflichtende Lektüre für die Schule werden, denn die Verbrechen des Holocausts dürfen niemals in Vergessenheit geraten!!!
- Ildefonso Falcones
Die Kathedrale des Meeres
(528)Aktuelle Rezension von: oldjoe1610Sehr gut recherchiertes Buch. Der Autor hat fundierte geschichtliche Kenntnisse und baut diese zu einem wirklich interessanten historischen Roman aus. Zwischendrin ist er manchmal relativ langatmig aber schlussendlich hätte ich gerne noch weiter gelesen. Nachdem ich schon einige historische Romane gelesen habe, die im heutigen Deutschland spielten war der Schauplatz hier (Barcelona) auch sehr interessant.
- Kristin Hannah
Die Nachtigall
(658)Aktuelle Rezension von: Noemi_SievertIch bin restlos begeistert! Die Tiefe dieses Buches hat mich vollkommen in den Bann gezogen. Der historische Hintergrund ist hervorragend recherchiert und verleiht der Geschichte eine beeindruckende Authentizität. Besonders die Stärke, der Mut und die Unerschrockenheit der beiden Schwestern haben mich tief berührt.
Dieses Buch ist von der ersten bis zur letzten Seite atemberaubend und mitreißend. Es bleibt mir nichts anderes zu sagen, als dass es ein hervorragend recherchiertes und mit großer Leidenschaft geschriebenes Meisterwerk ist. Eine absolute Leseempfehlung!
- Rebecca Gablé
Hiobs Brüder
(578)Aktuelle Rezension von: MikeyErster Handlungsteil: Es ist eine Insel, doch für sie ist es ein Gefängnis: eine Gruppe von Männern, deren einziges Verbrechen es ist, nicht dem Ebenbild Gottes im kirchlichen Sinn zu entsprechen, weil sie alle an einer Behinderung leiden, die von der Kirche als Besessenheit angesehen wird.
Unter ihnen ist unter anderen Losian, so genannt, weil er sein Gedächtnis verloren hat, daneben Oswald mit dem Down-Syndrom, die beiden siamesischen Zwillinge Wulfric und Godric, Luke mit seinen schizophrenen Anfällen, Edmund, den sie King Edmund nennen, weil er glaubt, der wiederauferstandene Heilige gleichen Namens zu sein und Reginald de Warenne, genannt Regy, einem sadistischen Massenmörder. Alle leiden sie unter ihren „Dämonen“ und noch eines haben sie gemeinsam, sie haben sich in ihre Situation eingefügt.
Da ändert sich, als ein neuer Insasse auf auf der Insel ausgesetzt wird, Simon de Clare, ein an Epilepsie leidender junger Adliger, ist nicht bereit, sich mit diesem Schicksal abzufinden, er sinnt auf Flucht. Die Gelegenheit ergibt sich, als eine Sturmflut die Palisadenwand, die ihr Gefängnis umgibt, teilweise einreist. Sie bauen sich ein Floß und verlassen die Insel.
Damit beginnt eine Odyssee durch das vom Bürgerkrieg gezeichnete Land, es bekämpfen sich die Anhänger der legitimen Herrscherin Kaiserin Maud und des ebenfalls den Thron beanspruchenden König Stephen. Sie kommen an Orte, von denen sie wieder vertrieben werden, wie das Heimatdorf von Wulfric und Godric oder der Burg von Simon de Clare, die inzwischen von zwei Raubrittern bewohnt wird, sie kommen aber auch zu dem jüdischen Arzt Josua ben Isaac, der ihnen zugetan ist und verspricht, Losian zu helfen, sein Gedächtnis wiederzuerlangen.
Der zweite Handlungsteil ist geprägt von den politischen Wirrnissen der Zeit. Losian weiß endlich, wer er ist: sein Name ist Alan of Helmsby und er steht in verwandtschaftlichem Verhältnis zu Kaiserin Maud. Er beginnt zu ahnen, dass er beteiligt ist an diesem Krieg und sich nicht heraushalten kann.
Aber auch seine Freunde brauchen weiter seine Hilfe und die Liebe zu der Tochter des jüdischen Arztes schafft zusätzliche Probleme, zieht eine derartige Liaison doch die Exkommunikation der Kirche nach sich.
Der Roman spielt in exakt derselben Zeit wie Ken Follets „Die Säulen der Erde“, hat man diesen gelesen, kennt und erkennt man die politischen Hintergründe: der Untergang der „White Ship“, des Weißen Schiffes mit dem einzigen legitimen Thronfolger des herrschenden Königs, der Treueschwur der Lords dem König gegenüber, dessen Tochter Mathilda, die Witwe des Kaisers des Heiligen Römischen Reiches (genannt Kaiserin Maud), nach seinem Tod als rechtmäßigeThronfolgerin anzuerkennen, der Bruch des Eides und die Thronerhebung ihres Cousins Stephen of Blois, der endlose Erbfolgekrieg, letztendlich ein Bürgerkrieg, dessen Jahre als The Anarchy bezeichnet werden. Darum herum spinnt die Autorin eine Geschichte von Liebe und Verrat, Macht und Gewalt.
Und doch sind beide Romane nicht zu vergleichen. Folletts Schilderungen seiner Protagonisten sind drastisch, sehr stark polarisierend, Rebecca Gablé dagegen schreibt sehr empathisch, verständnisvoll selbst für die „Bösen“. Während es bei Follett nur Gut und Böse gibt, sieht sie die Zwischen-, die Grautöne, den Menschen dahinter. Das macht ihren Schreibstil sehr sympathisch. Was auch auffällt ist die sehr gute Ausdrucksweise, nichts ist schnell dahin geschrieben, die Handlung und die Protagonisten sind ausführlich ausgearbeitet, man merkt sehr deutlich, dass die Autorin Literaturwissenschaft studiert hat. Kleinere grammatikalische Fehler kommen vor und seien ihr verziehen bzw. mögen dem Lektor anzulasten sein (z.B. „Simons Vorwürfe hatten verdächtige Ähnlichkeit mit dem, den sein Onkel … ihm einst gemacht hatte.“, S. 870)Am Ende überstürzen sich förmlich die Ereignisse, man hat aber hier nicht das Gefühl (wie sonst so oft), der/die Autor/in will nur noch fertig werden. Stattdessen haben wir es mit dem klassischen Höhepunkt eines Romans zu tun, der einfach dem Leser keine Zeit geben will, das Buch nochmal vor dem Ende aus der Hand zu legen.
Ich muss aber andererseits zugeben, das Buch hat auch seine Längen, ich habe trotz teilweise wirklich spannendem Plot länger zum Lesen gebraucht, als normalerweise, auch wenn das Buch mit 899 Seiten einen durchaus beachtlichen Umfang hat. (Das kann aber auch an mir gelegen haben, die persönlichen Umstände waren diesmal wohl auch andere.) Ich bin trotzdem geneigt, 5 Sterne zu geben aufgrund der sehr guten Recherche und des sehr guten literarischen Stils.
Im Anhang finden sich noch kurze „Historische Anmerkungen und Dank“, die das eine oder andere zur Erhellung beitragen können.
Also, wer historische Romane liebt, eine klare Leseempfehlung von mir. - Robert Seethaler
Der Trafikant
(528)Aktuelle Rezension von: MeinbuecherregalDer Trafikant von Robert Seethaler aus dem #kleinundaberverlag
🕊️
1937/1938 in Wien
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Wir begleiten Franz durch diese Zeit. Er kommt vom Dorf und fängt eine Leere in Wien bei einem Trafikanten an. Er verliebt sich unglücklich und lernt Sigmund Freud kennen.
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Ich kann mir vorstellen, was viele an diesem Buch schätzen.
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Franz hat mit seinen Gefühlen zu kämpfen und um ihn herum verändert sich die Welt. Das fand ich interessant. Geschichte nebenbei erlesen und dadurch etwas entdecken.
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Mir war es aber leider irgendwie zu oberflächlich. Ich hätte mehr in diese Zeit eintauchen können. Für mich hat die Liebesgeschichte, wenn man sie denn so nennen mag… den Blick auf diese Zeit etwas verstellt bzw. Überlagert.
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Was ich mir aber vorstellen kann, dass das Buch nachhallt. Gerade durch das wenige erzählte und durch das viele angerissene. Das sackt und bleibt unauffällig hängen.
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Träume und Traumfetzrn in Geschichten sind leider immer noch nicht für mich. Dafür kann ich mich wirklich nicht begeistern oder schön reden 😅
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Mir wurde oft gesagt, dass dieses Buch das beste von dem Autoren sein soll. Das bedauere ich, denn ich vergebe hier 3 bis 4 Sterne und befürchte nun, dass die weiteren Werke nichts für mich sein werden.
- David Safier
28 Tage lang
(574)Aktuelle Rezension von: yana271943, Mira lebt im Warschauer Ghetto und schmuggelt Lebensmittel in das Ghetto, um sich, ihre Mutter und ihre jüngere Schwester Hannah durchzubringen. Ihr Bruder ist bei der verhassten Judenpolizei und ihre Mutter vegetiert seit dem Tod des Vaters vor sich hin. Die ganze Verantwortung der Familie liegt auf den zarten Schultern von der 16 jährigen Mira. Trotz der desolaten Lage wächst eine zarte Liebe zwischen Mira und Daniel, einem Waisenkind.
Es sind die letzten Tage des Warschauer Ghettos, da die Deutschen die Räumung und letztendlich die Tötung der Ghettobewohner beschlossen haben. Mira schließt sich dem Widerstand an, die von dem charismatischen Amos angeführt wird. 28 Tage lang haben die Juden- trotz bescheidenen Mitteln- Widerstand gegen die Nazis geleistet. Die Totgeweihten haben gezeigt, dass sie nicht kampflos ihrem Schicksal fügen werden.
Von David Safier haben ich lustige Bücher wie "mieses Karma" oder " Jesus liebt mich" gelesen- allesamt sehr lustig und amüsant.
Ich hatte Zweifel, ob David Safier so ein sensibles Thema wie Judenverfolgung und Warschauer Ghetto ohne Klamauk handhaben kann.
Und hat Safier mich überzeugen können? Und ob!!
Die beengten und chaotischen Verhältnisse im Warschauer Ghetto wurden sehr gut dargestellt, die starke Figur Mira mit ihrer hoffnungslosem Schicksal war beeindruckend.
Viele zeitgenössischen Figuren wie Janusz Korczak und deren Schicksale wurden dargelegt. Die Szene, wo eine Frau Mira wortlos ihr eigenes Baby in die Hand drückt, hat mir das Herz gebrochen.
Ich bin angenehm überrascht, wie David Safier sensibel und ernst dieses Thema angegangen ist.
Fazit: Unbedingt lesen!
- Julia Franck
Die Mittagsfrau
(409)Aktuelle Rezension von: Lesekatze22Ich lese viel, gern und äußerst unterschiedliche Genre, aber dieses Buch "Die Mittagsfrau" von Julia Franck hat mich fast die Flinte ins Korn werfen lassen.
Mir fehlen Anführungszeichen und in weiten Teilen finde ich den Roman einfach zu langatmig.
Das Buch beginnt mit einem Prolog, der es in sich hat. Eine Mutter lässt ihren Sohn am Bahnsteig zurück.
Es folgt die Lebensgeschichte der Mutter, die mit ihrer Schwester bei ihrer eigenartigen Mutter aufwächst, während der Vater im 1. Weltkrieg kämpft und später eigentlich nur zum Sterben nach Hause kommt.
Man erfährt mehr von den Mädchen, der damaligen Zeit.....
Es folgt ein Epilog, der sich wieder mit dem zurückgelassenen Jungen beschäftigt.
Man findet im Netz einige Informationen zu Beweggründen dieses Buch zu schreiben.
Traurig und heftig.
- Andreas Eschbach
NSA - Nationales Sicherheits-Amt
(367)Aktuelle Rezension von: BuecherhexeNSA - Andreas Eschbach
Andreas Eschbachs Roman NSA basiert auf einer ebenso faszinierenden wie beunruhigenden Grundidee: Was wäre geschehen, wenn dem nationalsozialistischen Deutschland bereits die technischen Möglichkeiten des digitalen Zeitalters zur Verfügung gestanden hätten? Konkret entwirft Eschbach eine Welt, in der Computer, soziale Netzwerke und allgegenwärtige elektronische Überwachung schon während des Dritten Reiches existieren. Diese Prämisse macht NSA zunächst zu einem äußerst spannenden und beklemmenden Werk der Alternative History.
Besonders zu Beginn überzeugt der Roman durch seine konsequente Ausarbeitung des Szenarios. Eschbach gelingt es eindrucksvoll, die Mechanismen moderner digitaler Überwachung mit den totalitären Strukturen des NS-Staates zu verknüpfen. Die Vorstellung, dass Gestapo und SS nicht mehr mühsam Akten durchsuchen müssten, sondern per Mausklick auf umfassende Datensätze zugreifen könnten, entfaltet eine enorme Wirkung. Gerade weil viele der geschilderten Technologien heutigen Lesern vertraut sind, wirkt die dargestellte Dystopie erschreckend plausibel.
Auch die Figurenzeichnung ist zunächst gelungen. Die Protagonistin Helene Bodenkamp, eine talentierte Programmiererin, steht exemplarisch für Menschen, die sich in autoritären Systemen arrangieren, ohne deren Konsequenzen vollständig zu überblicken. Ihre Entwicklung verdeutlicht, wie technische Expertise und politische Verantwortung miteinander verknüpft sind – oder eben nicht. Eschbach stellt damit wichtige Fragen nach der moralischen Verantwortung von Informatikern und Technikern, die auch für die Gegenwart hochaktuell bleiben.
Dennoch weist der Roman gerade aus Sicht der Alternative History für mich erhebliche Schwächen auf. Zwar ist die Ausgangsidee originell, doch erscheint die technische Entwicklung häufig zu wenig historisch eingebettet. Die digitale Revolution wird nahezu vollständig in die 1930er- und 1940er-Jahre transplantiert, ohne dass die tiefgreifenden gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Voraussetzungen ausreichend berücksichtigt werden. Dadurch entsteht stellenweise der Eindruck, dass weniger eine alternative historische Entwicklung beschrieben wird als vielmehr die heutige Gegenwart mit NS-Symbolik überzogen wird. Das eigentliche Potenzial alternativer Geschichtsschreibung – nämlich nachvollziehbar zu zeigen, wie sich historische Prozesse unter veränderten Bedingungen entwickeln könnten – wird nur teilweise ausgeschöpft.
Hinzu kommt, dass der Roman im letzten Drittel zunehmend an Plausibilität verliert. Während die Handlung anfangs noch von ihrer beklemmenden Realitätsnähe lebt, steigert sich die Geschichte gegen Ende immer stärker in spektakuläre und teilweise abstrus wirkende Wendungen. Die Ereignisse überschlagen sich, Zufälle häufen sich, und einige Entwicklungen erscheinen eher konstruiert als organisch aus dem zuvor etablierten Szenario hervorgegangen. Dadurch büßt die Geschichte einen Teil jener Glaubwürdigkeit ein, die ihre größte Stärke ausmacht.
Daher mein Fazit: trotz des anfänglichen spannenden Buchs, habe ich die letzten Seiten möglichst schnell hinter mich gebracht - 3 Sterne
- Marcel Reich-Ranicki
Mein Leben
(251)Aktuelle Rezension von: ugadenneEigentlich steht es mir sicher nicht an, einen derart großartigen Kritiker zu rezensieren. Ich probiere es trotzdem.
Dieses autobiographische Werk schildert das ganze Leben von Marcel Reich-Ranicki. Der Autor schreibt in einem nüchternen, sachlichen Ton, trotzdem kann man die Gemütsbewegungen während des Lesens spüren
Es beginnt bei der Kindheit und Jugend in Berlin, wo er sich schon der Literatur verschrieben hat. Dann folgt die Deportation nach Polen und anschließend das Leben im Warschauer Getto. Dieser Teil hat mich total erschüttert. Es ist erstaunlich was Menschen anderen Menschen antun können. Und es ist noch erstaunlicher, dass Menschen das alles überlebt haben. Und trotz allem, ist die Liebe zu Literatur und Musik erhalten geblieben. Oder haben diese beiden ihm geholfen, das alles zu überstehen? Es muss grausam sein, alle seine Verwandten und Freunde zu verlieren. Trotzdem schafft er es, diesen Teil ziemlich nüchtern zu beschreiben. Trotzdem steht so vieles zwischen den Zeilen.
Es folgt die Blitzheirat mit Tosia, damit sie bei ihm im Getto bleiben darf. Später die Flucht und das Leben im Untergrund. Dieses Buch sollte eine Warnung für alle sein, die nach rechts driften!
Die Beschreibung seiner kurzen diplomatischen Karriere und die diversen Begegnungen und Freundschaften mit zeitgenössischen Autoren runden das Bild ab. Die Enttäuschung über viele seiner zeitweisen Freunde und Wegbegleiter kann er nicht verbergen. Ebenso haben die Ressentiments gegen Juden ihn sein Leben lang begleitet. Glücklich war er, dass sich sein Jugendtraum, Kritiker zu werden, erfüllt hat.
Marcel Reich-Ranicki war sicher nicht immer ein angenehmer Zeitgenosse, woraus er auch gar keinen Hehl macht. Aber dieses Buch hat mich sehr ergriffen und fasziniert. Teil vier und fünf waren meines Erachtens teilweise zu langatmig, ja fast langweilig und ich hatte Mühe bis zum Ende durchzuhalten.
Trotzdem eine unbedingte Leseempfehlung von mir.
- Carmen Korn
Töchter einer neuen Zeit
(237)Aktuelle Rezension von: luckytimmiHenny und Käthe sind Freundinnen und wohnen in Hamburg. Beide beginnen nach dem Ende des 1. Weltkrieges eine Hebammenausbildung. Wir begleiten die beiden nun durch ihre Ausbildung bis zu ihrer Festanstellung, durch Freundschaft, Liebe und Trauer und durch die Kriegsjahre. Weitere wichtige Personen sind die zwei Freundinnen Lina und Ida, aber auch deren Partner und Familien spielen immer wieder eine wichtige Rolle…
Die Kapitel des Buches tragen als Überschrift immer einen Monat und eine Jahreszahl. Die Geschichte spielt in einem Zeitraum von ca. 30 Jahren, wobei manche Kapitel ein halbes Jahr später als das vorherige spielen, dann gibt es aber auch wieder große Zeitsprünge von mehreren Jahren.
Die Kapitel waren recht lang, doch wiederum in kurze Abschnitte eingeteilt, mit einem ständigen Wechsel der Personen.Der Schreibstil ist etwas gestelzt und altmodisch, manchmal auch sehr hamburgerisch, musste man sich dran gewöhnen, dann hatte man irgendwann den Eindruck, man schaut einen alten Film von damals.
Fazit:
Da ich schon einmal ein Buch von Carmen Korn gelesen hatte, freute ich mich eigentlich auf das Buch, aber der Schreibstil hat meine Lesefreude dann erstmal etwas gedämpft. Aber je weiter ich in dem Buch vorankam, desto mehr hat es mich dann doch gepackt; die Geschichten aus den Weltkriegen sind halt doch immer wieder aufwühlend. Ich vergebe 4 Sterne und habe doch wieder Lust auf Band 2.
- Susan Abulhawa
Während die Welt schlief
(263)Aktuelle Rezension von: melunchainedSusan Abulhawa leistet mit diesem Roman einen bedeutsamen Beitrag zur Aufklärung über die Realität in Palästina. Das Buch sticht vor allem deshalb heraus, weil Abulhawa durch ihren ungefilterten und zugleich poetisch- empathischen Schreibstil tiefe Einblicke in das menschliche Leid der Protagonisten gewährt, während westliche Werke in der Regel von einer sprachlichen Dehumanisiering der palästinensischen Opfer des Krieges geprägt sind.
Ein emotional aufrüttelnder und spannungsgeladener Roman in einem politisch und historisch realen Setting im Kontext des Nahostkonflikts und aufgrund der aktuellen Ereignisse definitiv eine Pflichtlektüre für jeden.
- Judith Kerr
Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Band 1-3 (Ein berührendes Jugendbuch über die Zeit des Zweiten Weltkrieges) (Rosa Kaninchen-Trilogie, 1-3)
(454)Aktuelle Rezension von: FeatherstoneInhalt:
Berlin, 1933: Von einem Tag auf den anderen verändert sich das Leben der 9-jährigen Anna für immer. Ihre jüdische Familie sieht sich gezwungen mit ihr außer Landes zu fliehen als die Nationalsozialisten die Macht ergreifen. Anna verliert ihr Zuhause und muss unter anderem ihr geliebtes Kuscheltier – ein rosarotes Kaninchen – zurücklassen. Die Familie lässt sich schließlich in der Schweiz nieder und versucht sich dort ein neues Leben aufzubauen, aber die Schwierigkeiten hören nicht auf. Bald schon ist ein erneuter Umzug erforderlich und es geht für Anna nach Frankreich…
„Ich meine nur, wir sollten zusammenbleiben“, sagte sie, „es ist mir gleich, wo oder wie. Es ist mir gleich, wenn die Umstände schwierig sind, wenn man zum Beispiel kein Geld hat […] – wenn wir nur alle vier zusammenbleiben.“ (S. 165)
Meine Meinung:
Es hat mich überrascht wie sehr mich diese Geschichte in ihren Bann gezogen hat. Natürlich wusste ich schon vorher, dass dieses Buch allgemein sehr bekannt und auch beliebt ist, aber ich hatte dennoch nicht erwartet, dass es mir so sehr gefallen würde. Obwohl die Geschichte kindgerecht erzählt wird vermocht sie es auch mich als erwachsene Leserin mitzureißen.
Anna ist eine sehr sympathische und liebenswerte Hauptperson und man kann sich sehr gut in ihre Gefühls- und Gedankenwelt hineinversetzen. Es ist bemerkenswert mit wieviel positivem Denken, Engagement und auch Tapferkeit sie neuen Situationen begegnet. Anna gibt nie auf auch wenn es durchaus Momente gibt in denen sie verständlicherweise sehr traurig ist und zu verzagen droht. In diesen Momenten leidet man sehr mit ihr. Es ist interessant, dass man die Geschehnisse aus Annas kindlicher Sicht erlebt. Aufgrund ihres Alters kann sie zunächst die Tragweite der politischen Entwicklungen noch nicht vollumfänglich erfassen und sie versteht nicht alles, was sie aus den Gesprächen der Erwachsenen aufschnappt. Ihre kindliche Sichtweise macht Vieles umso dramatischer und persönlicher. Was abstrakt als „Konfiszierung jüdischen Eigentums“ bezeichnet wird bedeutet für sie persönlich, dass sie ihr Kinderzimmer, die meisten ihrer Spielsachen und insbesondere ihr geliebtes rosarotes Kaninchenstofftier verliert. Für Anna bedeutet die Machtergreifung der Nationalsozialisten, dass sie ihr Zuhause und all ihre Freunde hinter sich lassen muss und sich in einem fremden Land zurechtfinden muss.
Da ich ohne Vorwissen an die Geschichte herangegangen bin wurde ich davon überrascht, dass der Haupthandlungsschauplatz der Geschichte gar nicht Deutschland ist. Da Anna mit ihrer Familie gleich zu Beginn des Buches außer Landes flieht, spielen sich die nachfolgenden Geschehnisse ausschließlich in der Schweiz und in Frankreich ab. Über die politischen Entwicklungen und die Lage in Deutschland erfahren die Hauptpersonen somit nur durch Zeitungsartikeln, Radioreportagen und durch Briefe von in Deutschland gebliebenen Bekannten. Trotzdem ist die Bedrohungslage für Anna und ihre Familie spürbar und man kann gut verstehen, dass sie sich Sorgen machen, dass sie möglichweise auch in den Nachbarländern nicht mehr lange sicher sein werden.
Während viele Geschichten mit einer geglückten Flucht aus dem Einflussbereich der Nationalsozialisten enden, wird hier gezeigt, dass damit dennoch nicht alle Probleme beseitigt sind. Natürlich hat Annas Familie mehr Glück und ist privilegierter als all die jüdischen Familien, die es sich nicht leisten konnten Deutschland zu verlassen. Einfach ist ihre Lage aber dennoch nicht, denn Annas Vater hat es schwer eine anständig bezahlte Arbeit zu finden, die Ersparnisse schwinden unaufhaltsam und schließlich gerät die Familie in finanzielle Schwierigkeiten. Der gewohnte, vergleichsweise hohe Lebensstand von einst kann nicht länger aufrechterhalten werden und das belastet auch die Ehe von Annas Eltern. Darüber hinaus müssen die Familienmitglieder verkraften, dass sie ihr Zuhause verloren haben und sie sich entwurzelt fühlen. Gleichzeitig gilt es aber auch alles zu tun um sich in der neuen Umgebung einzuleben. Als Fremde ist es aber gar nicht so einfach sich in einem neuen Land zurechtfinden und Kontakte zu knüpfen. Selbst in der Schweiz, die Deutschland eigentlich kulturell sehr ähnlich ist, stellt Anna fest, dass das Schulsystem dort völlig anders ist und es eine Menge Bräuche und Sitten gibt, die ihr nicht vertraut sind und die dafür sorgen, dass sie bei den anderen Kindern aneckt. Als die Familie dann nach Frankreich umziehen muss kommen sprachliche Barrieren hinzu. Es verlangt Anna und Max viel ab den auf Französisch stattfindenden Schulunterricht zu bewältigen.
Der Autorin hat ein Talent dafür mit vergleichsweise wenigen und einfachen Worten und durch kleine, relativ unaufgeregte Szenen viel zu vermitteln. So hat mich beispielsweise das Drama rund um Onkel Julius besonders bewegt obwohl man ihn nur anhand seiner Briefe kennenlernt und durch die Erzählungen seines Nachbarn. Auch Annas Gefühlausbruch als ihre Eltern zunächst ohne sie und Max nach Großbritannien reisen wollen, ging mir sehr nahe:
„Aber Anna“, sagte Mama, „viele Kinder trennen sich für eine Zeit von ihren Eltern […].“– „Ich weiß“, sagte Anna, „aber es ist etwas anderes. Wir haben keine Heimat. Wenn man kein Zuhause hat, dann muss man bei seinen Leuten bleiben. […] Ich weiß, dass wir keine Wahl haben, und dass ich alles nur noch schwerer mache. Aber bis jetzt hat es mir nie etwas ausgemacht, ein Flüchtling zu sein. Es hat mir sogar gefallen. […] Aber wenn ihr uns jetzt wegschickte, habe ich solche Angst… ich habe so schreckliche Angst…“ – „Wovor denn?“ fragte Papa. – „Dass ich mir wirklich wie ein Flüchtling vorkomme“, sagte Anna und brach in Tränen aus. (S. 165)
Obwohl es viele traurige Momente gibt, ist es kein Buch, das einem ohne Hoffnung zurücklässt. Die Geschichte vermittelt trotz allem eine schöne und zu Herzen gehende Botschaft: Das Zuhause ist dort, wo die Familie ist. Der familiäre Zusammenhalt ist eine unglaublich große Hilfe, wenn es gilt sich mit Schwierigkeiten zu arrangieren und Hindernisse zu überwinden. Außerdem wird vermittelt wie wichtig es ist die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. So stellt Anna z. B. fest, dass nicht allein ein Berg von Geschenken den Zauber von Weihnachten ausmacht. Auch kleine Geschenke genügen so lange man eine schöne Zeit mit den Menschen verbringt, die einem am Wichtigsten sind.
Außerdem gibt es auch Szenen, die die Geschichte auflockern und dafür sorgen, dass es nicht zu bedrückend wird. So ist es beispielsweise sehr lustig zu verfolgen wie Anna und ihr Bruder Max mit ihren mangelnden Französischkenntnissen im Schreibwarenladen Bleistifte kaufen, denn es kommt natürlich zu so einigen Missverständnissen. Auch ist es sehr unterhaltsam wie kreativ Max sich beim Schreiben seines Französischaufsatzes eine Menge Arbeit spart: Er schreibt über ein Festessen und zählt dann einfach mithilfe des Wörterbuches endlos viele Speisen auf, die den Leuten aufgetischt werden.
Fazit:
Dieses Buch erzählt auf feinfühlige und vergleichsweise ruhige Weise eine sehr berührende und ergreifende Geschichte. Neben traurigen Momenten gibt es auch die eine oder andere lustige Begebenheit und das Buch lässt einem nicht ohne Hoffnung zurück. Es wird eine schöne Botschaft vermittelt: Das Zuhause ist dort, wo die Familie ist und man kann sich mehr als nur einem einzigen Ort zugehörig fühlen:
„Glaubst du, dass wir jemals irgendwo richtig hingehören werden?“ – „Ich glaube nicht“, sagte Papa, „nicht so, wie die Menschen irgendwo hingehören, die ihr Leben lang an einem Ort gewohnt haben. Aber wir werden zu vielen Orten ein wenig gehören, und ich glaube, das kann ebenso gut sein.“ (S. 170/171)
- Harry Mulisch
Die Entdeckung des Himmels
(283)Aktuelle Rezension von: FerrumWas macht der Himmel, wenn er mit den Menschen unzufrieden ist? Richtig, er will seine 10 Gebote zurückholen und somit die Verbindung zur Erde auflösen. Und darum gehts, beginnend vor der Zeugung der Akteure bis hin zum großen FInale in Jerusalem.
Kaum eines der großen gesellschaftspolitischen Themen wird dabei ausgelassen, und dennoch hat man nie das Gefühl, dem hocherhobenen, moralinsaurem Zeigefinger ausgesetzt zu sein. Hat einen ewigen Ehrenplatz in meiner Bibliothek. - Ken Follett
Die Pfeiler der Macht
(770)Aktuelle Rezension von: MikeyDas Bankhaus Pilaster ist eine der angesehensten und größten Banken in London. Grund dafür ist auch die Art und Weise, wie das Unternehmen geführt wird. Oberste Priorität hat die Sicherheit der Anlagen und die Ehrbarkeit der Leitung. So müssen selbst auch Angehörige der Familie, die es in der Bank zu etwas bringen wollen, von klein auf alle relevanten Abteilungen in der Bank durchlaufen. Protegierung gibt es nicht.
Dieses Prinzip gilt umso mehr für Hugh Pilaster, dessen Vater einst sein Kapital aus der Bank gezogen hat, um sich selbstständig zu machen und deshalb als das schwarze Schaf der Familie gilt; erst recht natürlich, als er bankrott geht und sich umbringt. Ein schweres Erbe für Hugh.
Und dann ist da noch seine Tante Augusta Pilaster, deren ehrgeizigen Ziele es sind, ihren Mann als Seniorpartner, gern auch im Adelsstand und natürlich auch ihren unfähigen Sohn Edward in gehobener Stellung zu sehen, sowie dessen toxische Beziehung zu seinem Jugendfreund Micky Miranda, der, ebenfalls von Ehrgeiz zerfressen, seine Stellung in der Familie ausnutzt und versucht, für seinen Vater in Cordoba mittels dubioser Geldanlagen Kapital von der Bank für einen Staatsstreich zu bekommen und dafür auch vor mehrfachen Mord nicht zurückschreckt. Dieses Dreiergespann führt letztendlich zum Bankrott des angesehenen Bankhauses.
Ich muss sagen, als ich vor kurzem Folletts Buch „Die Brücken der Freiheit“ als erstes Buch von ihm gelesen habe, war ich schwer von diesem Autor enttäuscht. Ich hatte gar schon einen Hype um diesen Autor vermutet, der nicht gerechtfertigt ist. Hier bin ich aber angenehm überrascht. Sicher, es ist und bleibt Unterhaltungsliteratur, reicht nicht an ähnliche Familiensagas, z.B. Galsworthys Forsyte-Saga oder Thomas Manns Buddenbrooks (auch wenn die Ähnlichkeit der Thematik zu letzterem unverkennbar ist) heran, will es aber auch gar nicht.
Die Geschichte ist spannend erzählt und man fiebert mit. Am Ende geht natürlich (wie oft bei solcher Literatur) wieder alles hopplahop. Wer meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich dahinter in der Regel immer Bestrebungen des Autors vermute, endlich fertig zu werden. Aber diesmal sind trotzdem 4 Sterne durchaus gerechtfertigt. Ein Buch, was erstmal bei mir bleibt und nicht zurück zum Büchertausch wandert. - Naomi Novik
Das kalte Reich des Silbers
(162)Aktuelle Rezension von: lucypferIch hab das Buch angefangen, weil ich ein anderes Buch der Autorin gelesen hatte und dieses wirklich gut und spannend fand und dann viel Hoffnung in das neue Buch gesetzt hatte. Kurz nach Beginn des Buches fingen die ersten Perspektivwechsel an, allerdings ohne jede Vorwarnung. Ich hatte zunächst keine Ahnung, dass die Perspektive gewechselt hatte und verstand die Geschichte überhaupt nicht mehr. Dann hab ich die Perspektivenwechsel irgendwann so langsam verstanden. Mein Problem war aber weiterhin das sie relativ unangekündigt und mitten im Kapitel passierten.
- Gotthold Ephraim Lessing
Nathan der Weise
(1.366)Aktuelle Rezension von: LuliaDie Geschichte spielt während eines Waffenstillstands im Dritten Kreuzzug in Jerusalem. Der jüdische Kaufmann Nathan kehrt von einer Reise zurück und erfährt, dass seine Adoptivtochter Recha bei einem Brand durch den christlichen Tempelherrn Curd von Stauffen gerettet wurde. Während Nathan dem in Geldnot befindenden muslimischen Herrscher Sultan Saladin auf die Frage nach der einzig wahren Religion mit der Ringparabel antwortet, wird ein Familiengeheimnis enthüllt, das alle Figuren unerwartet miteinander verbindet. Die dialogschwere Handlung ist im Blankvers verfasst, was sowohl den Zugang als auch das Verständnis erschwert.
Bei den Protagonisten steht Nathan im Mittelpunkt der Handlung und wird glaubwürdig und sympathisch dargestellt. Relevante Nebenprotagonisten/Dialogpartner wie Recha, Tempelherr Curd von Stauffen und Sultan Saladin bereichern die Handlung und sind ein essentieller Teil davon.
Wer dialogstarke und tiefgründige Geschichten mit den Themen Ethik, Religion und Philosophie mag, wird hier fündig.
Der Schreibstil ist präzise, argumentativ und auf moralische Erkenntnis ausgerichtet.
Minuspunkte: die bereits erwähnte Dialogschwere und der Blankvers erschweren sowohl das Verständnis als auch den Zugang zur Geschichte, was den Lesespaß stark mindert. - Orhan Pamuk
Rot ist mein Name
(113)Aktuelle Rezension von: StephanusIstanbul 1592. Mitten in der nachlassenden Blütephase des Osmanischen Reichs geschieht auf den Straßen ein Mord. Ein Mann wird in einen Brunnen gestürzt und stirbt. Aus der Perspektive des Toten wird der Mörder erzählt und dessen Motiv. Hinter der vermeintlich einfachen Tat steckt eine große Verschwörung gegen den Sultan und das ganze Osmanische Reich einschließlich der Kultur. Die Fäden führen zu den Buchmalermeistern bei denen der Sultan ein großes Werk mit zehn Bänden in Auftrag gegeben hat und die die Kunst nicht mehr so perfekt beherrschen wie die Vorfahren. Durch Ausschweifungen und Krieg inkl. Zerstörung ist Wissen verloren gegangen und die einzelnen Zeichnungen auch aus alten Büchern sprechen. Durch die Zeichnungen und die große Kunst kommt es zu einer Aufdeckung der Verschwörung.
Meisterhaft schafft der Autor den Spagat mit einer Geschichte, die vor fast 500 Jahren spielt, eine Parallele zur Gegenwart herzustellen. Die ungewöhnliche Erzählperspektive wird großartig verknüpft mit der Geschichte und der Krimi und seine Fäden werden gekonnt zusammengeführt. Eine Liebesgeschichte und die wirkmächtige Sprache der Bilder werden zusammengefügt zu einem modernen Roman. Ein absoluter Lesegenuss von der ersten bis zur letzten Seite.
- Deborah Feldman
Unorthodox
(292)Aktuelle Rezension von: belli4charlotteDeborah Feldmans Geschichte hat mich auf eine Weise getroffen, die ich nicht erwartet hatte. Beim Lesen hatte ich ständig das Gefühl, in zwei Zeiten gleichzeitig zu stehen: hier das moderne New York, dort ein Leben, das sich wie ein Echo aus dem Mittelalter anfühlt. Die Strenge, die Regeln, die völlige Kontrolle über jede weibliche Entscheidung – das alles wirkt so beklemmend, dass man manchmal den Atem anhält.
Was mich besonders berührt hat, ist Feldmans innere Unruhe. Dieses stille Aufbegehren, das schon in ihrer Kindheit spürbar ist, obwohl sie kaum Worte dafür hat. Dass sie sich heimlich Bücher besorgt, dass sie sich nach etwas sehnt, das sie nicht einmal benennen kann – das macht sie unglaublich nahbar. Gleichzeitig gab es Momente, in denen sie mich irritiert hat. Ihre gelegentliche Überheblichkeit, dieses „Ich werde es besser machen als die anderen“, schafft eine kleine Distanz, die nicht nötig gewesen wäre. Und gerade der Teil, in dem sie die Gemeinde verlässt, bleibt erstaunlich knapp. Da hätte ich mir mehr Offenheit gewünscht, mehr Einblick in das, was sie durchstehen musste.
Auch die vielen jiddischen Begriffe haben mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Ein Glossar ist hilfreich, aber das ständige Blättern nimmt der Geschichte ein wenig von ihrer Wucht.
Trotzdem bleibt das Buch ein starkes, mutiges Zeugnis. Feldman schreibt klar, reflektiert und mit einer leisen, aber spürbaren Verletzlichkeit. Man spürt, wie viel Kraft es sie gekostet haben muss, sich aus diesem Leben zu lösen und sich selbst neu zu erfinden. Und man spürt auch, wie sehr sie damit anderen Frauen eine Stimme gibt, die sonst nie gehört würde.
Für mich ist es ein Buch, das nachhallt – erschütternd, lehrreich, manchmal schwer auszuhalten, aber wichtig. Ein Blick in eine Welt, die man kaum für möglich hält, und gleichzeitig eine Erinnerung daran, wie wertvoll Freiheit ist. Vier Sterne, weil es mich bewegt hat, auch wenn nicht alles rund war.























