Bücher mit dem Tag "jüdische kultur"

Hier findest du alle Bücher, die LovelyBooks-Leser*innen mit dem Tag "jüdische kultur" gekennzeichnet haben.

23 Bücher

  1. Cover des Buches Charlotte (ISBN: 9783328100225)
    David Foenkinos

    Charlotte

     (79)
    Aktuelle Rezension von: gst

    Ich liebe Biografien.
    Doch dies ist keine Biografie.
    Dies ist ein biografischer Roman.
    Über das Leben einer deutschen Malerin.
    Sie war mir bisher unbekannt.

    Das Buch hat mich mitgenommen in Charlotte Salomons Leben.
    Sie wurde am 16. April 1917 geboren.
    Viele Schicksalsschläge erschwerten ihr das Leben.
    Mit 26 Jahren wurde sie schwanger ermordet.

    Was Autor David Foenkinos geschrieben hat, hat mich umgehauen.
    Es gäbe Zitate ohne Ende.
    Doch ich weiß nicht, wo ich anfangen sollte.
    Das muss jeder Interessent selbst erleben.

    Es beginnt schon mit dem Layout.
    Jeder Satz benötigt eine Zeile.
    Nicht mehr und nicht weniger.
    Und jede Aussage sitzt!
    Jede Zeile zieht den Leser tiefer ins Buch.

    Dabei ist es kein Buch zum „Wegschlürfen“.
    Es ist so intensiv, dass Pausen durchaus sinnvoll sind.
    Um das Gelesene zu verdauen.
    Um das Buch nicht zu schnell zu beenden.
    Sondern sich am Text zu berauschen.

    Der Roman geht tief unter die Haut.
    Er trieb mir Tränen in die Augen.
    Er verursachte mir Gänsehaut.
    Er zog mich immer tiefer in das Leben dieser Ausnahmekünstlerin.
    Sie hat sich in mein Herz geschlichen.

    Ebenso wie in das Herz des Autors.
    Foenkinos stammt aus Frankreich, dem Land, wo sie zuletzt lebte.
    Er hat sich auf ihren Wegen umgesehen.
    Er kennt ihren Bilderzyklus „Das ist mein ganzes Leben“.
    Ebenso die Orte, an denen sie gelebt hat.

    Dieses Buch werde ich so schnell nicht vergessen.
    1940 hat Charlotte ein Selbstporträt gemalt.
    Ein Ausschnitt prangt auf dem Cover.
    So wurde das Buch innen und außen ein Kunstwerk.
    Wenn es ginge, würde ich ihm gerne 10 Sterne geben.

    Ein Ehrenplatz in meinem Bücherregal ist ihm sicher.
    Ich wünsche dem bereits 2014 herausgekommenen Werk viele Leser!

    @gst


  2. Cover des Buches Die späte Reue des Jack Wiseman (ISBN: 9783552057401)
    Ayelet Waldman

    Die späte Reue des Jack Wiseman

     (25)
    Aktuelle Rezension von: Sahina_89
    Da ich mich sehr für Geschichten aus dem 2. Weltkrieg interessiere, musste ich das Buch selbstverständlich lesen.

    Das Buch war in verschiedene "Zeiten" aufgeteilt und deshalb recht übersichtlich. Man wusste immer, wo man sich gerade "befindet".

    Über den Inhalt brauche ich ja nichts zu schreiben, der dürfte den anderen ja bereits bekannt sein. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass es für Jack Wiseman noch eine Art Happy End gibt, bevor er stirbt. Aber dazu hätte man das ganze Buch anders schreiben müssen ;-)

    Alles in allem ein sehr gelungenes Buch, das zeigt, wie schwer es Juden früher hatten und auch heute immer noch haben.
  3. Cover des Buches Eine Geschichte von Liebe und Finsternis (ISBN: 9783518467268)
    Amos Oz

    Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

     (107)
    Aktuelle Rezension von: Jari
    Eigentlich hatte ich nie vor, dieses Buch zu lesen. Schlussendlich tat ich es trotzdem und zwar für die Weltreise-Challenge. Also liess ich mich von Amos Oz durch Jerusalem und seine Geschichte führen. Es war kein Flop, obwohl ich mich doch etwas durch das Buch quälen musste, und das ist schon mal nicht schlecht.

    Grundsätzlich bin ich nun froh, sagen zu können, dass ich ein Buch von Amos Oz gelesen habe. Dazu auch noch sein wohl bekanntestes. Am meisten gefielen mir die einzelnen Passagen, in denen es um die Literatur und Amos' intellektuelle Familie ging. Also vor allem der Anfang hat es mir doch sehr angetan.

    Doch schlussendlich hat sich das Buch für mich zu sehr verzweigt, aber damit hatte ich schon gerechnet. Vielleicht war meine Lektüre somit eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, wobei ich wie schon gesagt, vom Anfang sehr begeistert war. Aber mit der Zeit liess meine Faszination merklich nach und ich blieb eigentlich nur wegen ein bisschen Faktenwissen und der Challenge dabei.

    Sprachlich bewegt sich Oz auf einem Niveau, das seinem Ruf gerecht wird. Ein präziser Schriftsteller, sehr begabt, ein Talent, welches aus seinem familiären Umfeld gewachsen ist. Wer in eine solch akademische Familie hineingeboren wird, dem liegt das Spielen mit den Worten wahrscheinlich im Blut. Dennoch war es ermutigend zu erfahren, dass auch jemand wie ein Amos Oz Mühe hatte. Deshalb war es auch wieder das Ende, das mich nach längerer Durststrecke wieder mitnahm.

    Ich bin froh, dass ich das Buch durch habe. Trotz meines Mühsals war die Lektüre nicht vergebens. Viele schöne Textzeilen warten darauf, niedergeschrieben zu werden. Ausserdem habe ich einiges über die Geschichte Jerusalems und Israels lernen können. Kein Buch ist vergebens und dieses schon gar nicht.

    Bücher wie "Eine Geschichte von Liebe und Finsternis" tun gut, auch wenn man sich durch sie durchkämpft. Auch dann, wenn man die Handlungen der Figuren nicht versteht. Nicht versteht, wie sie oft nicht zufrieden sein können, wenn sie doch ein Leben leben, das ich auch gerne hätte. Aber jeder kämpft mit seinen Geistern, auch das lehrt uns Oz. Manchmal sind sie auch zu stark, dies zeigt das prägende Erlebnis des Todes der Mutter, das an unterschiedlichen Stellen thematisiert wird.

    Ein eindrückliches Buch mit starkem Charakter. Ein Buch, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt, trotz aller Unwirtlichkeiten. Deshalb prädestiniert wie kein zweites, um Israel zu repräsentieren.
  4. Cover des Buches Liverpool Street (ISBN: 9783473582969)
    Anne C. Voorhoeve

    Liverpool Street

     (95)
    Aktuelle Rezension von: Peter_Pilz

    Ziska ist Enkelin von zum Protestantismus konvertierten ehemaligen Juden. Im dritten Reich wird sie trotzdem als Jüdin gedemütigt und u.a. ohnmächtig geprügelt. Durch einen der Kindertransporte gelangt sie nach England. Dort wird sie von ihrer Pflegefamilie nicht abgeholt, muss in ein abgeschlossenes Heim. Durch einen Trick gelangt sie in eine Pflegefamilie, welche keine Protestantin sondern ausdrücklich eine Jüdin übernehmen wollte. Dort gehen die Katastrophen weiter. 

    Die Unterdrückung durch die Nazis wird sehr gut geschildert. Aber dass zu den riesigen Problemen der Gesamtsituation auch noch selbstgemachte, für mich nicht nachvollziehbare Katastrophen dazu geschildert werden, überspitzt die Problematik für meinen Geschmack so sehr, dass das Buch für mich nur mit Überwindung lesbar ist.

  5. Cover des Buches Chuzpe (ISBN: 9783518468166)
    Lily Brett

    Chuzpe

     (143)
    Aktuelle Rezension von: Herbstrose

    Derzeit lebt Ruth alleine in ihrem New Yorker Loft, ihr Mann Garth ist beruflich ein halbes Jahr in Australien, ihre drei Kinder sind erwachsen und bereits aus dem Haus. Ruth betreibt ein Schreibbüro und verfasst Grußkarten und Briefe für gut betuchte Leute. Das Geschäft läuft gut, so gut, dass sie davon auch ein Appartement und sämtliche Kosten für ihren 87jährigen Vater Edek bezahlen kann. Dafür macht er sich im Büro mehr oder weniger nützlich, so lange, bis eines Tages Zofia und Walentyna vor der Tür stehen, zwei Polinnen, die Edek und Ruth von einer Urlaubsreise kennen. Die beiden Damen haben ihren Aufenthalt bei der Green-Card-Lotterie gewonnen und Edek hat deren Umzug heimlich, ohne Wissen Ruths, vorbereitet. Die 69jährige Zofia, eine warmherzige, lebensbejahende Frau, hat es Edek besonders angetan, seine Lebensgeister erwachen wieder. Die drei ziehen gemeinsam in eine Wohnung und schmieden Zukunftspläne. Sie wollen ein Restaurant eröffnen, in dem ausschließlich polnische Fleischbällchen serviert werden. Davon ist Ruth gar nicht angetan – schließlich soll sie alles bezahlen …

    „Chuzpe“ ist der deutsche Titel des Romans „You Gotta Have Balls“ der in New York lebenden Schriftstellerin Lily Brett. Das Wort kommt lt. Wikipedia aus dem hebräischen und wird übersetzt mit „Frechheit, Anmaßung, Dreistigkeit, Unverschämtheit“, es bedeutet somit die negative Bewertung für jemanden, der die Grenzen von Höflichkeit oder Anstand aus egoistischen Motiven überschreitet.

    Damit ist schon sehr viel gesagt über die Protagonisten des Buches. Ruth, deren Leben und Gefühle wohl im Mittelpunkt der Handlung stehen sollen, war mir durchweg unsympathisch. Zweifellos liebt sie ihren Vater, ist aber nicht in der Lage, ein vernünftiges Gespräch mit ihm zu führen. Sie ärgert sich über seine Geldausgaben, spricht ihn aber nie darauf an. Stets ist sie mit irgendetwas unzufrieden, alles widert sie an und missfällt ihr, jedoch ändert sie nichts an diesem Zustand. Beinahe täglich ruft sie ihren Mann in Australien an, nur um ihm wieder etwas vorzujammern.

    Nicht viel sympathischer ist Edek, Ruths Vater. Die Autorin sieht ihn als liebenswerten alten Exzentriker den jeder großartig findet, doch sein selbstsüchtiges und egoistisches Handeln sprechen dagegen. Edek selbst hat kein Geld, gibt aber Ruths Geld mit vollen Händen aus und erzählt jedem, wie reich seine Tochter wäre und wie viel Geld sie mit ihren Karten und dem Schreiben von Briefen verdienen würde.

    Angenehm hingegen empfand ich das Auftreten der beiden Polinnen Zofia und Walentyna, obwohl die Autorin sie manchmal in schlechtem Licht erscheinen lässt. Die beiden haben das Herz am rechten Fleck, können organisieren, improvisieren und zupacken, und jammern nie über Stress oder zu viel Arbeit.

    Anfangs zieht sich die Geschichte sehr in die Länge. Ruths Befindlichkeiten werden so oft erwähnt, bis es langweilt. Der Schreibstil ist etwas gewöhnungsbedürftig, Fragen, Antworten und teilweise ganze Sätze werden wiederholt, was die Lesefreude nicht unbedingt steigert. Ruth will eine Frauengruppe gründen, doch das misslingt gründlich. Es treffen sich nur drei „Damen“, die sich dann über fünf Buchseiten nur über Samenbanken, Penisse und Spermien unterhalten. Selbstverständlich wird alles doppelt und dreifach erzählt. Etwa nach einem Drittel des Buches, nach Ankunft der polnischen Damen, nimmt die Story endlich etwas an Fahrt auf und wird manchmal sogar witzig. Leider wird das Geschehen aber gegen Ende zu mehr und mehr unwahrscheinlich, ja beinahe albern. Da erscheinen z. B. Luciano Pavarotti nebst Gattin zum Klopse essen, eine Hochzeit wird geplant, bei der Steven Spielberg sein Kommen zugesagt hat. Am Ende des Buches findet man noch einige Rezepte über Klopse, wie sie in dem plötzlich so beliebten Lokal serviert werden.

    Fazit: Trotz einiger Längen insgesamt doch lesenswert.
  6. Cover des Buches Here I Am (ISBN: 9780241146187)
    Jonathan Safran Foer

    Here I Am

     (30)
    Aktuelle Rezension von: itslululoves

    „Here I Am“ handelt von einer jüdisch-amerikanischen Familie mit Verwandtschaft in Israel. Sie besteht aus dem Ehepaar Jacob und Julia sowie ihren drei Söhnen Sam, Max und Benjy. Von außen betrachtet, leben sie den amerikanischen Traum. Jacob und Julia sind (relativ) erfolgreich, haben ein Haus mit Hund und drei intelligente Kinder in unterschiedlichen Entwicklungsstufen. 

    Dennoch sind alle Protagonisten unglücklich. Die Ehe von Jacob und Julia geht gerade in die Brüche. Der älteste Sohn Sam steht kurz vor seiner Bar Mitzvah, fühlt sich aber vor allem von seinen Eltern unverstanden. Auch Max und Benjy erhalten kaum die ihnen gebührende Aufmerksamkeit, weil ihre Eltern zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind. Selbst der Hund Argus ist mittlerweile in die Jahre gekommen und leidet an Inkontinenz. Und dann geschieht noch ein Erdbeben in Israel, das zu einem gravierenden politischen Konflikt mit Israels Nachbarn führt.

    Neben den Familienkonflikten thematisiert Foer kulturelle, politische und geschichtliche Aspekte. Anhand des Konflikts in Israel skizziert er die gegensätzlichen Sichtweisen von amerikanischen und israelischen Juden. Foers Protagonisten setzen sich mit philosophischen Kernfragen auseinander: Was erfordert es, um glücklich zu sein? Wer sind sie als Juden? Und was bedeutet das Judentum für sie überhaupt noch?

    Die philosophischen Aspekte des Romans und die Ausführungen zum Judentum empfand ich als sehr gelungen. Die Geschichte des Romans selbst war nach meiner Auffassung aber sehr langweilig. Das kann daran liegen, dass ich für keinen einzelnen Charakter Sympathien entwickeln konnte und ihr Handeln für mich meist nicht nachvollziehbar war. Generell blieben die Charaktere meiner Auffassung nach recht oberflächlich, obwohl der Roman mit seinen knapp 600 Seiten genügend Platz für eine tiefergehende Charakterentwicklung gehabt hätte.

    „Here I Am“ war für mich enorm anstrengend zu lesen, weil es sehr langatmig geschrieben ist. Meines Empfindens nach hätte der Umfang locker auf die Hälfte reduziert werden können. Außerdem konnte ich keinen roten Faden erkennen und ich wurde während der gesamten Lektüre das Gefühl nicht los, einige Seiten übersprungen zu haben. Ich habe das Buch häufig zur Seite gelegt und musste mich immer wieder motivieren, es doch weiterzulesen. Letztlich bin ich zwar froh, dass ich den Roman beendet habe, weil er stellenweise sehr interessante und gelungene Ansätze hatte. Ich würde es aber dennoch nicht wieder tun.


  7. Cover des Buches Der Seelenfänger (ISBN: 9783791513430)
    Chris Moriarty

    Der Seelenfänger

     (32)
    Aktuelle Rezension von: Sardonyx

    Sascha Kessler ist ein jüdischer Junge, dessen Vorfahren ,,große Kabbalisten" waren und der mitten in einem New York lebt, wo Zauberei zum Teil verboten ist. Doch dennoch wimmelt es überall von dem pulsierenden Schlag der Magie, die die Inquisitoren der amerikanischen Polizei heftig verfolgen, da Magie auch gefährlich sein kann.
    Unerwartet gerät Saschas ganzes Leben aus den Bahnen, als er entdeckt, dass er Magie sehen kann! Das erfährt er beim Einkaufen mit seiner Mutter, als er eine zaubernde Bäckerin unabsichtlich in Probleme mit den Behörden bringt.

    Augenblicklich werfen die Inquisitoren, welche zauberische Verbrechen aufklären, ein wachsames Auge auf ihn. Denn Sascha soll dank seines Zaubertalentes den Beruf des Inquisitors ergreifen, welcher hohe Aussichten bietet - Ruhm, Ehre, Erfolg.

    Sascha erwartet Arbeit mit viel Lug und Trug, wobei seine Lügen entlarvt werden. ,,... Vor allem aber sagst du damit zum ersten Mal die Wahrheit."

    Vieles wird seltsamer in New York, wo Zauberei blüht und es in den Straßenschluchten genau so viel Licht wie Schatten gibt. Attentate gegen mächtige, reiche Personen machen Schlagzeilen, wobei der Täter nicht menschlicher Natur sein soll. Es handelt sich - um einen Dibbuk! Einem Dämonen, der in die Körper der Lebenden schlüpft, Seelen und Schatten nähren ihn. Diesen Dämon können nur Kabbalisten der hohen Magie beschwören, aber das wäre ein sehr dunkles Unterfangen. 

    Als der blasierte New Yorker Millionär J. P. Morgaunt und der glorreiche Erfinder Thomas Edison Ziele dieser Attacken werden, ist Sascha mit dem reichen Mädchen Lily Alster bereits Lehrling bei Inquisitor Wolf, der ebenso rätselhaft wie wandelbar ist. Und der 13-jährige Junge fragt sich zurecht: ... Welcher Wahnsinnige sollte in New York einen Dibbuk loslassen?

    Schattenhafte Gefahren treten dem Alltag in die Quere, erst der Attentat, dann versuchte Brandstiftung. Und früher oder später wird der Dibbuk die Seele seines Opfers verzehren, um ihn in eine leblose Hülle zu verwandeln. Grausame Ahnungen treffen Sascha, als sich gewisse Anzeichen häufen, dass er selber der Dibbuk ist - seine Seele teilt er mit dem Dämonen, welcher ein Spiegelbild der düsteren Seite des Sascha Kesslers ist: boshaft, hämisch, trotzig.

    ,,(...) den kalten, hungrigen Blick, das unheimliche Stöhnen, das Zähneknirschen, den Schatten, der ihn umgibt. Außerdem sah er auch aus wie ein Dibbuk."

    ,,Der Seelenfänger" ist der erste Band der Sascha-Kessler-Reihe, die ein schillerndes Gewebe aus Mystik, Zauberei, Abenteuer und Jugendbuch darstellt, verwoben mit dezentem Witz und einem der Handlung Leben einflößenden Hauch Magie. Das Gute sind besonders die gewieften Widerstreiter, für die Dämonen des Schattens treueste Diener sind. Als geschichtenumrankte Kulisse wählt die amerikanische Autorin Chris Moriarty das zauberhafte New York zu Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, welches unwiderstehlich bezaubert.

    Der Schreibstil ist sehr gut, aber um ihn ganz genau zu beschreiben, schwanke ich gerade zwischen den Worten; kann ein Schreibstil als ,,charmant" beschrieben werden? In Bezug auf den ,,Seelenfänger" ist das möglich, da die Worte unwillkürlich ihren Zauber in unseren Köpfen vollziehen. Jugendbuch mit Neigung zu Kopfkino also!
    Beinahe natürlich und lebensecht hat Moriarty ihren Hauptdarsteller Sascha gezeichnet, dessen Charakter durchaus schwankend, vorsichtig ist. Auch die anderen Figuren kommen gut herüber, nur habe ich mich gefragt, warum alle Antagonisten in irgendeiner Weise hämisch/ zynisch/ spöttisch sind.

    Kletternd und ansteigend zieht sich durch die ganze Handlung der rote Faden des Geschehens, welches an manchen Stellen sehr verwirrend ist, ehe gegen Ende des rasanten Buches inmitten brennender Trümmer ( ,,Eintritt: 10 Cent") viele Geheimnisse ihre wahre Identität enthüllen.
    Für mich ist der ,,Seelenfänger" ein spannendes, unberechenbares Buch, welches jeden, dem es nach Magie und Gefahren dürstet, mehr als beglückt. 

    Ich glaube, jeder der ferner die Bekanntschaft von unserem guten, alten Harry Potter gemacht hat, besiegelt mit einem Buchhändedruck eine gute Freundschaft mit dem amerikanischen Sascha Kessler. 

    Voller Vorfreude widme ich mich bald dem 2. Band, dessen Titel bereits eine Menge verspricht. Wie düstere, verborgene, heimliche Unklarheiten, hinzu obskure und zwielichtige Zauberverbrecher. Mal sehen, wohin mich der ,, Schattenjäger" verschlägt.
  8. Cover des Buches Am Samstag aß der Rabbi nichts (ISBN: 9783293207103)
    Harry Kemelman

    Am Samstag aß der Rabbi nichts

     (12)
    Aktuelle Rezension von: Aischa

    Kemelmans zweiter Fall für den US-Rabbiner David Small ist gleichermaßen intelligenter Krimi wie lehrreicher Gesellschaftsroman, und dabei überaus unterhaltsam.

    Der Rabbi wird in diesem Buch Vater - umso bedenkerlicher, dass er erneut um seine Anstellung bei der jüdischen Gemeinde fürchten muss. Und dann kommt auch noch der Verdacht auf, er könnte einen Selbstmörder auf dem jüdischen Friedhof begraben und die geheiligte Erde dadurch entweiht haben.

    Es hat mir große Freude bereitet, die Entwicklung der fiktiven jüdischen Ostküstengemeinde weiter zu verfolgen, die ich bereits aus dem ersten Band kannte. Ich habe auch hier wieder viel über jüdisches Gemeindeleben gelernt, so etwa, dass der Rabbi nicht wirklich das jüdische Pendant zu einem christlichen Pfarrer ist. Er ist weniger Seelsorger als vielmehr Rechtsgelehrter und religiöser Lehrer.

    Kemelman zeichnet seine Charaktere ausdrucksstark und trotz ihrer Schwächen liebenswürdig. Und auch die Spannung kommt nicht zu kurz. So manche Spur, der man als Leser begierig folgt, erweist sich letztlich als Roter Hering. Doch auf Hobbyermittler Rabbi Small ist Verlass. Durch jahrelange Talmudstudien ist er ein wahrer Meister des Pilpuls. Bei dieser Methode gilt es durch logisches Analysieren und genaues Abwägen aller möglichen Auslegungen eines jüdisch-theologischen Textes die richtige Interpretation zu finden. Und mit ebendieser "Haarspalterei" kommt Small auch diesmal dem Mörder auf die Schliche.

    Ein äußerst kurzweiliger und unterhaltsamer Krimi ganz nach meinem Geschmack.

  9. Cover des Buches Damals war es Friedrich (ISBN: 9789990092165)
    Hans Peter Richter

    Damals war es Friedrich

     (591)
    Aktuelle Rezension von: biscoteria85

    Wenn es Bücher gibt, welche zeitlos sind und jungen Menschen die Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland näherbringen soll, so ist dies eines der bekanntesten neben Anne Franks Tagebuch.

    Wir erfahren aus der Sicht eines Ich-Erzählers, der für uns ohne Namen bleibt, die Geschichte zweier Jungen in Deutschland mit Start 1925. Der uns unbenannte Erzähler ist hierbei ein deutscher Sohn es arbeitslosen Vaters und der andere ist der kleine Friedrich Schneider. Er ist Sohn einer jüdischen Familie welche keine Geldsorgen haben, da diese sehr wohlhabend sind. Mit dem aus dem Jahre 1979 erschienen Buch, erfährt man in vielen Kapiteln, die wie eine Zeitleiste sind, wie der Judenhass selbst beste Freunde vor schwere Entscheidungen stellt.

    Es beginnt für die Juden mit kleinen Schikanen, wie das Wechseln der Schule, sie nicht mehr auf jeder Bank sitzen durften, Öffentlichkeiten wie Kino und Schwimmbäder für sie Verboten wurde. Wo zuerst die Kinder versuchen noch zusammen zu halten, wird dies im Alltag und mit den Älter werden immer schwerer.

    Wenn der Vater des Ich-Erzählers gezwungen ist in eine Partei zu gehen, welche gegen Juden ist, um Geld zu verdienen und ziemlich zeitgleich der Beamtenvater von Friedrich seinen Job verliert.

    Die Jungs haben immer mehr Schwierigkeiten den Alltag zu verbringen, gerade mit dem Blick der Leute auf Friedrich.

    So erleben wir wie Friedrich erst seine Mutter und später auch den Vater verlieren soll. Wo du Mutter noch einer Giftspritze den schnellen und überraschenden, aber recht schonenden Tod erlebt, erfährt Friedrich das sein Vater verraten wurde und ins KZ gekommen ist.

    So steht das Kind alleine auf der Straße und weiß nicht wohin. Sein ehemals bester Freund ist es nicht mehr, darf es nicht mehr.

    An dem Tag wo dann die Bomben kamen, die Menschen ihm helfen hätten können, entscheiden sie sich jedoch ihn außerhalb des Bunkers sterben zu lassen.

    Für uns damals, in der sechsten Klasse, war das Buch meines Erachtens nicht passend gewesen. Die Thematik ist alles andere als einfach und sehr schwerwiegend. Wir reden von Rassismus, Mord, davon Menschen auf den Wert eines Gegenstandes herunter zu schrauben. Für meine Klasse war das Buch damals fehl am Platz, weil der Lehrer den Zugang zur Thematik hölzern und nach dem klassischen Prinzip Lehrer- Schüler vermittelte. So blieb uns Kinder keine richtige Haltemöglichkeit. Man kann ja nicht glauben was passiert ist, das Ende so schrecklich mitzuerleben.

    Wenn würde ich dieses Buch nach wie vor Kindern empfehlen. Aber nicht in der Schule. Sondern privat mit den Eltern. Die es besser vermitteln, mit den Kindern über die Gefühle reden können. Das Verständnis besser fördern.

    Aber ich hoffe immer, dass dieses Buch noch weitere 30 Jahre in den Zimmern der Menschen leben wird, denn die Geschichte ist für mich zeitlos und zeigt wieviel in einem Land schief gehen kann.

  10. Cover des Buches Jiddisch (ISBN: 9783423280549)
    Leo Rosten

    Jiddisch

     (1)
    Aktuelle Rezension von: Thaila
    Dieses wunderbare Wörterbuch habe ich der Reihe nach von vorne bis hinter durchgelesen, was für ein Nachschlagewerk ziemlich ungewöhnlich sein dürfte. Aber Jiddisch von Leo Rosten ist zugleich weniger und viel mehr als ein Nachschlagewerk. Braucht man ein richtiges Wörterbuch für die jiddische Sprache, so ist dieses Buch weniger zu empfehlen, da es keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit verspricht. Hat man jedoch Interesse an der Kultur der Ashkenazi (der osteuropäischen Juden), dann ist dieses Buch ein absolutes Muss. Rosten hat hier vor allem jiddische Begriffe ausgewählt, die besonders typisch für das ost-jüdische Denken sind oder die Besonderheiten des jüdischen Alltagslebens oder der jüdischen Geschichte verdeutlichen. Die einzelnen Artikel sind mit ausführlichen Artikeln versehen und werden oft durch wirklich köstliche Annekdoten, Witze und Sprichworte illustriert. So ist dieses Buch ein Kompendium jüdischen Alltags, Theologie, Kultur und Geschichte. Leo Rosten war Amerikaner, aus diesem Grund liegt der Schwerpunkt auf jiddischen Ausdrücken, die auch heute noch im amerikanischen Jiddisch benutzt werden und in vielen Fällen in die Allgemeinsprache übergegangen sind. Der deutschen Übersetzung sind jedoch typische jiddische Begriffe in der deutschen Sprache beigefügt. Ich war erstaunt, wie viele Worte, die wir benutzen aus dem jiddischen kommen! Wie gesagt, eine sehr vergnügliche Lektüre und viele alle, die sich für die jüdische Kultur Ost- und Mitteleuropas interessieren, ein Muss!
  11. Cover des Buches Lebendiges Judentum (ISBN: 9783898615969)
    Adalbert Böning

    Lebendiges Judentum

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  12. Cover des Buches Bittermandel und Rosinen (ISBN: 9783548209227)
    Salcia Landmann

    Bittermandel und Rosinen

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  13. Cover des Buches Reise in Polen (ISBN: 9783596904785)
    Alfred Döblin

    Reise in Polen

     (1)
    Noch keine Rezension vorhanden
  14. Cover des Buches Ein Kreuz für den Rabbi (ISBN: 9783499428609)
    Harry Kemelman

    Ein Kreuz für den Rabbi

     (3)
    Noch keine Rezension vorhanden
  15. Cover des Buches Mein Jahr als biblische Frau (ISBN: 9783865917539)
    Rachel Held Evans

    Mein Jahr als biblische Frau

     (5)
    Aktuelle Rezension von: Sick

    Rachel und ihr Mann Dan sind seit zehn Jahren zusammen und leben im Osten Tennessees. Sie arbeiten selbstständig und auch gerne als Team zusammen. Rachel betreibt außerdem einen Blog und ist als freie Journalistin tätig. Beide sind evangelikale Christen, die ihren Glauben praktizieren, wenn auch nicht so streng, wie sie es in der Sonntagsschule gelernt haben. Sie sind also ein modernes, christliches Paar.

     

    Doch für ein Jahr wird vieles anders sein. Denn Rachel möchte herausfinden, was es heißt als Frau nach der Bibel zu leben. Ohne Herauspicken von angenehmen Stellen und möglichst wörtlich. Ist der Platz einer Frau tatsächlich nur Zuhause bei Mann und Kind? Untergeordnet, schweigsam und ohne Autorität? Dürfen Frauen das Wort Gottes wirklich nicht lehren? Und gibt es überhaupt DIE eine Lebensweise um biblisches Frausein zu praktizieren? All diese und noch mehr Fragen, die Rachel sich schon öfter gestellt hat, möchte sie durch das Projekt beantworten.

    Dabei konzentriert sie sich jeden Monat verstärkt auf eine andere Tugend, unter anderem Sanftmut, Häuslichkeit, Gehorsam, Züchtigkeit, Gerechtigkeit und Stille. Manche Bereiche des Lebens wie angemessene Kleidung oder Kochen nach biblischen Bräuchen integriert sie fest in den Alltag. Dabei geht sie nicht nur auf die Bibel als Gesamtwerk ein, sondern auch auf Interpretationen zeitgenössischer Autoren verschiedener Glaubensrichtungen.

    Interessant waren auch die Kommentare auf ihrem Blog, die zum Teil im Buch veröffentlicht wurden. Vor allem zu Anfang und nach Bekanntgabe, dass Rachel über ihre Erfahrungen schreiben würde, gab es viele Proteste, teilweise wütend, andere argumentativ. Es gab aber auch viele Menschen, die Rachel ermutigt haben oder ihr mit Ratschlägen zur Seite standen. Über manche Themen wurde auch wild diskutiert. Außerdem hat ihr Mann Dan in dieser Zeit Tagebuch geführt, sodass man ab und zu einen kleinen Einblick bekommt, wie er das Projekt wahrnimmt.

     

    Einige Aktionen sind bizarr und Manche würden sagen auch unnötig. Dazu gehören wohl die Buße auf dem Dach des Hauses, das Zelten im Garten während der Periode oder Babysitting einer batteriebetriebenen Puppe. Bei anderen Dingen wie Handarbeit, Kochen lernen oder der Reise nach Bolivien mit World Vision kann ich Rachel aber verstehen, dass sie es unbedingt ausprobieren möchte. Und sie nimmt auch immer etwas für sich mit, sei es durch ihre Experimente oder das Lesen. Diese zusammenfassenden Erkenntnisse, die meistens den Monat und somit das Kapitel beenden, haben mir am besten gefallen. Denn sie zeigen auf, dass die Bibel sehr viel mehr in sich trägt als das, was sich die Menschen im Laufe der Jahrhunderte zum Vorteil ein paar Weniger herausgesiebt haben.

    Wer sich für dieses Buch interessiert, sollte das Vorwort sorgfältig lesen und es immer im Hinterkopf behalten, denn manchmal könnte man meinen, dass Rachel ein bisschen vom eigentlichen Thema abkommt. Und auch Solche, die der Meinung sind, dass sie die Bibel damit ins Lächerliche zieht, sollten sich immer vor Augen halten, dass sie (sicherlich ein wenig überspitzt) aufzeigt, was ein Leben als Frau nach der Bibel in der heutigen Zeit bedeuten könnte. Und wer jetzt sagt: "Das war vor Tausenden von Jahren in einem anderen Kulturkreis, das kann man nicht vergleichen!", dem sage ich: Keine Rosinenpickerei!

    Letztlich muss man mit Rachels Art zurecht kommen, denn natürlich lernt man sie sehr persönlich kennen. Wer sich aber auf das Projekt einlässt, der wird viele verschiedene Blickwinkel auf bekannte und eher unbekannte Bibelstellen bekommen, die jüdischen Traditionen näher kennen lernen und vielleicht auch Anregungen für den eigenen Alltag erhalten.

  16. Cover des Buches Am Sonntag blieb der Rabbi weg (ISBN: 9783499231292)
    Harry Kemelman

    Am Sonntag blieb der Rabbi weg

     (8)
    Noch keine Rezension vorhanden
  17. Cover des Buches Der Rabbi schoß am Donnerstag (ISBN: B002NQ01FS)
    Harry Kemelman

    Der Rabbi schoß am Donnerstag

     (7)
    Noch keine Rezension vorhanden
  18. Cover des Buches Heißhunger (ISBN: 9783426464694)
    Joanne Fedler

    Heißhunger

     (48)
    Aktuelle Rezension von: Ein LovelyBooks-Nutzer
    Ein Urlaubsfoto öffnet Joanne die Augen: Sie erkennt sich selbst kaum wieder in dieser Frau, die mehr als nur »ein paar Pfund« zu viel auf den Rippen hat. Entschlossen, wieder die zu werden, die sie einmal war, sagt sie ihren Fettpölsterchen den Kampf an. Rasch muss Joanne jedoch einsehen, dass es um mehr geht als ums bloße Kalorienzählen. Ihr überflüssiges Lebendgewicht hat Ursachen – und die gilt es aufzuarbeiten. Was mit dem Schlachtruf »Ich will meine Bikini-Figur zurück!« beginnt, wird zu einer Reise zu sich selbst ..

    Anfänglich hatte ich angenommen, dass es sich bei Heißhunger um einen ganz normalen Roman mit witzigen Szenen handelt. Ich wurde leider ziemlich enttäuscht. Das Ganze wirkt mehr wie eine deprimierende Gewichts-Biografie. Joanne beschreibt sich selbst in früheren Jahren, ihre Auswanderung von Südafrika nach Australien und wie sie sich anfänglich von einer Diät-Domina einschränken lässt. Zwar schreibt sie deutlich, dass dieses Buch kein Gewichtsratgeber ist, trotzdem aber finde ich, dass diese radikale Ernährungsumstellung ( '14 Fussili Nudeln als Abendessen') nicht unbedingt ansprechend ist. Aber das ist Geschmackssache.
    Ich bin nicht wirklich von dem Buch überzeugt, positiv aber war, dass es sich recht einfach lesen ließ.
  19. Cover des Buches Am Freitag schlief der Rabbi lang (ISBN: 9783499420900)
    Harry Kemelman

    Am Freitag schlief der Rabbi lang

     (18)
    Aktuelle Rezension von: Aischa

    Gleich der erste Band der äußerst erfolgreichen Reihe um Rabbi David Small hat mich begeistert. Der Protagonist ist liebenswert gezeichnet, etwas schrullig, aber dennoch sympathisch. Man fiebert mit, wenn seine Stelle in der kleinstädtischen jüdischen Ostküstengemeinde auf dem Spiel steht, weil er manchen Glaubensbrüdern zu konservativ erscheint.

    Der Verstand des Rabbis ist durch jahrelange Talmudstudien geschärft, und so kann er dem örtlichen Polizeichef bei der Aufklärung eines Mordfalls hilfreich zur Seite stehen.

    Literaturprofessor Kemelman schreibt spannend, unterhaltsam und witzig. Gleichsam nebenbei erfährt der anders- oder nichtgläubige Leser noch einiges über jüdische Traditionen und den Alltag in den USA Mitte der1960er Jahre.

    "Am Freitag schlief der Rabbi lang" wurde mit dem Edgar Allen Poe Award ausgezeichnet. Meines Erachtens völlig zu Recht; ich werde umgehend den Folgeband lesen.

  20. Cover des Buches Am Mittwoch wird der Rabbi nass (ISBN: 9783293207141)
    Harry Kemelman

    Am Mittwoch wird der Rabbi nass

     (5)
    Noch keine Rezension vorhanden
  21. Cover des Buches Süß und ehrenvoll (ISBN: 9783869950587)
    Avi Primor

    Süß und ehrenvoll

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Sick
    Frankfurt am Main, 1914: Der Jurastudent Ludwig Kronheim brennt darauf, für Deutschland in den ersten Weltkrieg ziehen zu dürfen. In einem liberalen jüdischen Elternhaus aufgewachsen, sieht er sich zuallererst als Deutscher, danach erst als Jude. So teilt er die allgemeine Begeisterung, die in den Straßen spürbar ist, ganz anders als seine Freundin Karoline. Sie kann nicht verstehen, wieso Ludwig sich auf das harte Soldatenleben freut, das ihn unweigerlich mit dem Tod konfrontieren wird. Trotzdem bemühen sich die beiden, ihre Beziehung aufrecht zu erhalten und schreiben sich jeden Tag.

    Zur gleichen Zeit macht in Bordeaux, Frankreich ein Bäckersohn ähnliche Erfahrungen wie Ludwig. Louis Naquet hat gerade seine Reifeprüfung als einer der Besten bestanden, da flattert auch schon sein Einberufungsbefehl ins Haus. Noch während seiner Grundausbildung beginnt der Krieg und die Strapazen der Ausbildung kommen Louis mit einem Mal wie ein Spiel vor. Ein Spiel, das ihn nur unzureichend auf den Ernst vorbereitet hat...


    "Süß und ehrenvoll" - zwei Worte, die eigentlich so gar nichts mit dem bestialischen Stellungskrieg zu tun haben, der vor hundert Jahren halb Europa in den Tod gestürzt hat. Und doch war natürlich nicht alles grausam, den Menschen widerfahren trotz allem auch noch schöne Dinge. So hält Ludwig an seiner großen Liebe fest, immer in der Hoffnung, der Krieg möge bald vorbei oder der nächste Urlaub nah sein. Auch Louis freut sich jedes Mal auf Zuhause, auf seine warmherzige Familie und den über alles geliebten Vater. Man spürt beim Lesen richtig, dass die Soldaten bei ihren Heimatbesuchen eine andere Welt beschreiten und dass niemand, der die Schlachtfelder nicht mit eigenen Augen gesehen hat, nachvollziehen kann, wie das Leben in den Schützengräben abläuft. Avi Primor schafft es auf unvergleichliche Weise, all diese Erlebnisse lebendig werden zu lassen. Er verwebt sein Wissen gekonnt mit der Handlung, sodass sie immer interessant bleibt und man gleichermaßen mit Ludwig und Louis mit bangt, mit leidet, mit liebt.

    Besonders der Briefverkehr hat mir gefallen. Zwar beherrscht er an manchen Stellen das Geschehen, aber er lenkt nicht vom Thema ab oder schlägt eine neue Richtung ein. Durch dieses Stilmittel erhalten die darin beschriebenen Situationen einen realistischen Charakter, was mich teilweise sehr bewegt hat. Die beiden Protagonisten erzählen von ihren Erlebnissen mit den Kameraden, von den Kämpfen oder auch von ihrer Freizeit. Auch bedeutende Ereignisse und Personen werden mit eingebunden, wie beispielsweise das Weihnachtswunder von 1914. Besonders interessant ist dabei, dass man die Geschehnisse aus zwei verschiedenen Blickwinkeln erfährt. So wiederholen sich zwar ein paar Beschreibungen, aber jedes Mal erlebt man sie neu, mal aus deutscher Sicht, mal aus französischer, aus Soldatensicht oder der zivilen.

    Die Perspektive wechselt dabei unregelmäßig. Zunächst wird Ludwigs Leben näher beleuchtet, erst später erfährt man dann mehr über Louis und seine Familie. Auch sie sind liberale Juden und können in Bordeaux relativ unbehelligt leben. Genau wie Ludwig fühlt sich Louis zuallererst seiner Nation verpflichtet, erst danach kommt die Religion. In diesem Zusammenhang war auch der Umgang mit den Juden in der Armee sehr interessant. Während es auf französischer Seite eher wenig Probleme gab, verbreitete sich der Antisemitismus unter den deutschen Soldaten wieder stärker, je länger der Krieg dauerte. Aber auch die verschiedenen Formen des Judentums werden thematisiert, ein völlig neues Gebiet für die Protagonisten und wohl auch für die meisten Leser.


    Dieses Buch ist stellenweise grausam, ekelhaft, unmenschlich, aber mindestens genauso spannend, gefühlvoll und bewegend. Für mich war es definitiv ein Mehrwert und ich empfehle es wirklich sehr gerne weiter.
  22. Cover des Buches Am Montag flog der Rabbi ab (ISBN: 9783499232732)
    Harry Kemelman

    Am Montag flog der Rabbi ab

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Aischa

    Der vierte Fall von Rabbi David Small ist der erste, den er nicht in seiner US-amerikanischen Gemeinde, sondern in Jerusalem zu lösen hat.

    Ich mag die Reihe um den jüdischen Gelehrten, der mit seiner Spitzfindigkeit so manchen Polizeiermittler alt aussehen lässt. Doch leider hat Autor Harry Kemelman seinen Protagonisten nicht wie gewohnt in Szene gesetzt; über etliche Kapitel hinweg spielt der Rabbi kaum eine Rolle. Überhaupt zieht sich die Story etwas in die Länge. Ein wenig Spannung kommt dadurch auf, dass Small selbst unter Verdacht gerät. Leider lässt die Übersetzung an manchen Stellen zu wünschen übrig, und der Begriff Jarmulke für die jüdische Kopfbedeckung ist zwar korrekt, aber hierzulande ist Kippa doch deutlich gebräuchlicher.

    Sehr interessant ist es, Details über den Alltag im Jerusalem der 1970er zu erfahren: Bürgermilizen durchwühlen die Abfallkörbe nach verdächtigen Päckchen, die israelische Armee scheint omnipräsent und wird nahezu religiös verehrt, und der Geheimdienst Shin Bet hat enorme Machtbefugnisse. Über die ultraorthodoxen Chassiden zu lesen, war gleichermaßen unterhaltsam wie lehrreich. Kemelmans Witz tritt zutage, wenn er den kleinen Sohn des Rabbis erste kulturelle Unterschiede zwischen den U.S.A. und Israel feststellen lässt. Dieser glaubt, die israelischen Kinder können nicht richtig (Foot-)Ball werfen, da sie den Ball nur mit ihren Füßen stoßen.

    Sehr kritisch anmerken möchte ich jedoch die herabsetzende Art, in der Beduinen und weitere Araber dargestellt werden. Vor allem die israelische Tante der Rabbitzin bezeichnet diese als primitiv und äußert sich wiederholt geringschätzig über Araber, und dies lässt der Autor durch seine übrigen Romanfiguren unkommentiert. Schade, so bleibt zumindest ein leicht rassistischer Nachgeschmack und für mich nur ein mittlerer Lesegenuss.

  23. Cover des Buches Für den Rest des Lebens (ISBN: 9783837109771)
    Zeruya Shalev

    Für den Rest des Lebens

     (6)
    Aktuelle Rezension von: Briggs
    Alle drei Hauptpersonen faszinieren, und bei jedem verändert sich gerade das Leben: Die Mutter liegt im Sterben (von ihr erfahren wir Lebensgeschichte und wie es ihr mit ihrem schwindenden Leben ergeht), der Bruder kann seine Ehe nicht mehr ertragen und entdeckt das durch seine unerwiderten Gefühle zu einer anderen Frau, die Schwester versteift sich in die Idee, ein kleines Kind zu adoptieren, auch gegen den Widerstand ihrer Tochter und ihres Ehemanns.

    Man braucht einige Konzentration, und Schraders Stimme ist wie die Geschichte selbst - undramatisch, aber eingehend.

    Ich werde das ganz bestimmt nochmal hören, denn es ist intensiv, manchmal hielt ich den Atem an oder hielt im Rühren inne (Ich höre so gern beim Kochen).

    Höchst begeisternd!
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